<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Philosophie &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/philosophie/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Sun, 29 Mar 2020 16:04:14 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Philosophie &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Rezension: Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld &#8211; Digitaler Humanismus</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/rezension-digitaler-humanismus-155310/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/rezension-digitaler-humanismus-155310/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Brinz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Oct 2018 06:27:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik der Digitalisierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=155310</guid>

					<description><![CDATA[Könnte Siri ein Bewusstsein entwickeln und wenn ja, müssten wir ihr dann auch Menschenrechte zuerkennen? Wie sollen autonome Fahrzeuge in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-155316" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Der-Denkercut1-630x276.jpg" alt="File source: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Le_Penseur.jpg" width="630" height="276" /></p>
<p>Könnte Siri ein Bewusstsein entwickeln und wenn ja, müssten wir ihr dann auch Menschenrechte zuerkennen? Wie sollen autonome Fahrzeuge in Dilemmasituationen reagieren und können sie vielleicht sogar selbst Verantwortung übernehmen? Die Digitalisierung stellt die Philosophie vor eine Reihe neuer Probleme, die letztlich alle in einer Frage münden: Was ist der Mensch und wodurch unterscheidet er sich von Maschinen? Die Antwort, welche dieses Buch hierauf bietet, ist ganz einfach – es ist die typisch menschliche Fähigkeit sein Urteilen, Handeln und Fühlen von Gründen leiten zu lassen.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155311" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/181004_Digitaler-Humanismus-cover.jpg" alt="181004_Digitaler Humanismus cover" width="161" height="265" /></p>
<p>Nida-Rümelin, Julian; Weidenfeld, Nathalie: Digitaler Humanismus – eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. München: Piper 2018. 220 S. ISBN 978-3-492-05837-7.</p>
<p></div></div>
<p>Ist es denkbar, dass künstliche Intelligenzen ein Bewusstsein entwickeln und welche Folgen hätte das für uns und unseren Umgang mit Technik? Wären vielleicht sogar Freundschaften zwischen Mensch und Maschine möglich oder lassen sich soziale Beziehungen nicht digitalisieren? Wie groß ist der Einfluss des Internet auf die heutige Kultur und kann es vielleicht sogar die Demokratie retten? Das erste, was einem beim Lesen dieses Buches ins Auge fällt, ist, wie viele philosophische Aspekte das Gebiet der Digitalisierung umfasst. Viele dieser Fragen kennen wir aus Filmen wie I Robot, Star Trek oder Matrix. Doch in Zeiten, in denen autonome Fahrzeuge und humanoide Roboter längst Realität sind, sind wir nun gezwungen, eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz zu entwickeln.</p>
<h3>Eine Ethik für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz</h3>
<p>Dieser Aufgabe widmet sich nun – wie der Untertitel schon sagt – das Buch <a href="https://www.piper.de/buecher/digitaler-humanismus-isbn-978-3-492-05837-7" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Digitaler Humanismus</em></a><em> – eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz</em>. Es ordnet sich dabei ein in eine Reihe von Schriften, in denen der Münchner Philosoph Julian Nida-Rümelin sich mit den ethischen Aspekten gesellschaftlich besonders relevanter Themen auseinandersetzt und die eine enorme Breitenwirkung entfalten konnten. Nach <a href="https://www.buecher.de/shop/wirtschaftstheorie/die-optimierungsfalle/nida-ruemelin-julian/products_products/detail/prod_id/41831268/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ökonomie</a>, <a href="https://www.buecher.de/shop/politik/der-akademisierungswahn/nida-ruemelin-julian/products_products/detail/prod_id/40900371/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bildung</a> und <a href="https://www.buecher.de/shop/gerechtigkeit/ueber-grenzen-denken/nida-ruemelin-julian/products_products/detail/prod_id/47202093/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Migration</a> ist nun die Digitalisierung an der Reihe. Einen Sonderstatus erhält dieses Buch allerdings dadurch, dass die ethischen Reflexionen eingebettet sind in den Mythos der Digitalisierung, wie wir ihn aus Filmen und Science-Fiction-Romanen kennen. Zu verdanken ist dies der Zusammenarbeit mit Nathalie Weidenfeld. Weidenfeld besuchte die berühmte Lee Strassberg Schauspielschule in New York und ist promovierte Kultur- und Filmwissenschaftlerin. Derzeit arbeitet sie als freie Schriftstellerin und Lektorin in München. Seit 2001 ist sie verheiratet mit Julian Nida-Rümelin. Julian Nida-Rümelin studierte Philosophie und Physik und promovierte bei dem bedeutenden Wissenschaftstheoretiker Wolfgang Stegmüller. Nachdem er von 2001 bis 2002 Kulturstaatsminister war, kehrte er als Professor an die Universität zurück und zählt heute zu den <a href="https://www.euleev.de/images/andere_Redaktionen/Cicero_2008_29_09.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einflussreichsten deutschen Intellektuellen</a>. Darüber hinaus ist Nida-Rümelin Leiter des Bereiches Kultur am Zentrum Digitalisierung Bayern. Das vorliegende Buch verspricht also einen kundigen Einblick in die ethische und philosophische Dimension der Digitalisierung zu geben.</p>
<p>Jeder kennt die dystopische Vorstellung, dass menschliches Leben lediglich als Simulation in einer <em>Matrix </em>existiert. Oder das moralische Dilemma, vor das sich Sonny am Ende des Filmes <em>I Robot </em>gestellt sieht. Einen Großteil unserer Vorstellungen und Urteile bezüglich künstlicher Intelligenz beziehen wir aus Kinofilmen, Serien und Romanen. Und genau hier setzt dieses Buch an. Es handelt quasi im Mythos der Digitalisierung und versucht diesen philosophisch zu dekonstruieren. Anhand verschiedener Filmszenen werden die zu behandelnden Fragestellungen zuerst eröffnet und ausgeleuchtet, worauf dann die wissenschaftliche Analyse folgt. Dadurch greifen die Autoren Fragen auf, die man sich so oder so ähnlich selbst schon einmal gestellt hat. Das verleiht diesem Buch eine gewisse Plastizität und macht es auch Laien einfach greifbar. Doch auch an fachlichem Wissen mangelt es keineswegs. Systematisch folgt die Argumentation stets dem Humanismus Nida-Rümelins, wonach es die typisch menschliche Fähigkeit ist, sein Urteilen, Handeln und Fühlen von Gründen leiten zu lassen, die den Maßstab für unseren Umgang mit Technik abgeben muss.</p>
<p>Der digitale Humanismus wendet sich dabei sowohl gegen den Digitalisierungspessimismus als auch gegen die Silikon-Valley-Ideologie und ihre Idee eines Transhumanismus. Künstliche Intelligenz solle als Gelegenheit gesehen werden, ein menschliches und freies Leben zu befördern. Der Grundtenor ist hierbei stets: Ja, die Entwicklung künstlicher Intelligenz stellt uns vor eine Reihe neuer Probleme, aber wenn wir unser alltägliches Urteilen kohärent auf den Bereich der Digitalisierung übertragen, lassen sie sich gewinnbringend lösen.</p>
<h3>Künstliche vs. menschliche Intelligenz</h3>
<p>Doch was unterscheidet nun für Weidenfeld und Nida-Rümelin künstliche von menschlicher Intelligenz? Zuerst einmal besitzen Roboter keine Intentionen. Sie wollen nicht. Maschinen sind nicht in der Lage, sich selbst Ziele zu stecken oder Projekte zu verfolgen. Sie folgen lediglich vorher von Menschen festgelegten Operationen – auch selbstlernende Computer. Die Aufgaben verteilt noch immer der Programmierer. Und diese Abhängigkeit von Algorithmen ziehe eine grundsätzliche Trennlinie zwischen menschlichem Denken und digitalem Rechnen. Hierbei greift die Argumentation immer wieder auf ein meta-mathematisches Theorem zurück, wonach ein hinreichend komplexes System – wie eben auch das menschliche Urteilen, Handeln und Empfinden eines ist – nicht vollständig algorithmisch gefasst werden kann. Dieses Defizit schließe Roboter kategorisch von einer Vielzahl typisch menschlicher Eigenschaften aus.</p>
<p>So können Maschinen beispielsweise keine Würde besitzen, da diese aus der Fähigkeit entstehe, ein Leben nach eigenen Vorstellungen zu leben, Autor seines eigenen Lebens zu sein. Ohne Autorschaft keine Menschenwürde. Auch die Möglichkeit eines freien Willens bekommen die Roboter abgesprochen. Sie seien nicht in der Lage, eigene Gedanken und Vorhaben in die Tat umzusetzen. Computer folgen Stromimpulsen und sind damit lediglich Glieder in vorherbestimmten Kausalketten. Und wie steht es um die vielleicht wichtigste Eigenschaft: Die Emotionalität? In vielen Filmen sind Roboter Gefühlen zugänglich, und moderne weit ausgereifte Humanoiden scheinen durchaus menschliche Züge entwickeln zu können. Aber auch hier sind die Autoren äußerst kritisch. Wer glaube, Roboter können Gefühle empfinden, nur weil sie sich so verhalten als ob, sitze einem Irrglauben auf. So wie das Kind, das beim Zahnarzt versucht nicht zu weinen, den Schmerz dennoch fühlt, könne im Umkehrschluss die Turing-Maschine Gefühle zwar simulieren, nicht aber empfinden. Fühlen lasse sich eben nicht auf Verhalten reduzieren.</p>
<h3>Liquid Democracy, Digitale Bildung und Bedingungsloses Grundeinkommen</h3>
<p>In einigen der zwanzig Kapiteln werden aber nicht nur tiefenphilosophische Grundsatzfragen diskutiert, es wird auch explizit auf aktuelle politische Debatten Bezug genommen. Besonders intensiv wird dabei das Thema autonomes Fahren behandelt.  Zentrales Argument: KIs versagen bei moralischen Dilemmata! In gewissen Gefahrensituationen muss ein selbstfahrendes Auto beispielsweise entscheiden, ob es seinen Insassen in Lebensgefahr bringt oder auf Passanten auf dem Gehweg zusteuert. Während Menschen eine falsche Entscheidung, die im Bruchteil einer Sekunde getroffen wird, nachgesehen werden könne, müssen selbstfahrende Autos im Vornherein und nach reichlicher Überlegung auf ein gewisses Verhalten programmiert werden. Dies wiederum führe zu erheblichen Problemen mit dem ethischen und juristischen Grundsatz der Nicht-Verrechenbarkeit von Menschenleben. Man kommt nicht drum herum, das Töten von Menschen dem Auto einzuprogrammieren.</p>
<p>Eine erstaunlich scharfe Kritik erfährt die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die Behauptung, die Digitalisierung der Industrie mache Erwerbsarbeit überflüssig, sei empirisch falsch und eine Spaltung der Gesellschaft in hochbezahlte Erwerbsarbeiter und großzügig Alimentierte sei gefährlich. Auch <a href="https://politik-digital.de/news/politik-via-app-movimento-5-stelle-154282/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">der Vision, Politik mittels Internet und Liquid Democracy wieder bürgernah zu machen</a>, erteilt dieses Buch eine Absage. Die große Zahl der Beteiligten mache den Entscheidungsprozess manipulationsanfällig und führe in Konflikte mit Bedingungen kollektiver und demokratischer Rationalität. An dieser Stelle werden neuerdings verschiedene Theoreme aus der Mathematik und der Entscheidungstheorie herangezogen. Eines der umfangreichsten Kapitel beschäftigt sich mit der digitalen Bildung. Anhand des Filmes <em>Der Rasenmähermann</em> aus dem Jahre 1992 werden die Schattenseiten einer ausgearteten Bildung im Sinne bloßer Wissensanhäufung beschrieben. Auch in Zeiten unbegrenzter Speicherung und Verfügbarkeit von Wissen müsse Bildung in erster Linie dazu dienen, die menschliche Urteilsfähigkeit zu schärfen und die zwischenmenschliche Kommunikation zu fördern.</p>
<h3>Fazit: Ein Buch für Stunden der Muße – nicht für das philosophische Oberseminar</h3>
<p>In <em>Digitaler Humanismus – eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz </em>werden die vielen verschiedenen philosophischen Aspekte der Digitalisierung einfach und eingängig behandelt und die Anbindung an bekannte Filme macht das Buch sehr unterhaltsam und besonders Technik- und SciFi-Begeisterten einfach zugängig. Leider fehlt es an einigen Stellen an philosophischer Tiefe. Zwar werden die wichtigsten Konzepte verständlich dargestellt und sinnvoll auf die digitalen Fragen bezogen, allerdings sind circa zehn Seiten pro Themengebiet einfach zu knapp, um wirklich einen tiefen Einblick in die Materie zu gewähren. Der geringe Umfang von gerade einmal zweihundert Seiten in Kombination mit dem ausufernden Stoffumfang macht eine ausführliche Abwägung der Argumente pro und contra unmöglich. Das wiederum führt dazu, dass verschiedene Abschnitte teils sehr deutlich aus einer bestimmten philosophischen Sichtweise heraus geschrieben sind. Weder die Frage nach der Willensfreiheit, noch die Ablehnung des Konsequentialismus sind in der Philosophie unumstritten. Vertraut man jedoch der Kompetenz der Autoren und verzichtet auf ausschweifende Begründungen, so erhält man ein Buch, das es schafft, Lesbarkeit mit akademischem Anspruch zu verbinden. Besonders sympathisch: Mit Hilfe anschaulicher Beispiele gelingt es den Autoren die Verbindung zur Lebenswelt nicht abreißen zu lassen, wenn die Begründung droht sich in den Wirren der theoretischen Philosophie zu verfangen,</p>
<p>Alles in allem handelt es sich bei <em>Digitaler Humanismus – Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz </em>um ein Buch, das zwar keine wissenschaftlichen Ansprüche stellt, es allerdings weder an fachlicher Kompetenz noch an intellektuellem Anspruch mangeln lässt. Wer keine ausführliche Diskussion der verschiedenen ethischen Aspekte der Digitalisierung, sondern einen soliden und kurzweiligen Überblick über die einzelnen Themenbereiche erwartet, wird mit diesem Buch bestens bedient sein. Komplexe Zusammenhänge werden verständlich erläutert und die zwar gehobene, doch meist geradlinige Sprache ermöglicht ein flüssiges Lesen und schnelles Erfassen. Die Einbettung in den cineastischen Kontext und die gesellschaftliche Bedeutsamkeit des Themas machen dieses Buch einem breiten Publikum von Philosophie- und Technikinteressierten zugänglich und die Verbindung von Natur-, Kultur- und Geisteswissenschaft zeichnet ein möglichst vollständiges Bild eines digitalen Humanismus.</p>
<p>Titelbild:<br />
Der Denker by Jean-David &amp; Anne-Laure via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Le_Penseur.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia Commons</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 2.0</a></p>
<p>Bild des Buchcovers: © Piper Verlag</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/rezension-digitaler-humanismus-155310/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Smart Cities im Cyberwar“ – Viel Philosophie, wenig Cyberwar</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/smart-cities-cyberwar-roetzer-147753/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/smart-cities-cyberwar-roetzer-147753/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2016 10:45:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Smart Meter]]></category>
		<category><![CDATA[EMP]]></category>
		<category><![CDATA[FLorian Rötzer]]></category>
		<category><![CDATA[Westend]]></category>
		<category><![CDATA[Cyberwar]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Smart Cities]]></category>
		<category><![CDATA[Smart City]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=147752</guid>

					<description><![CDATA[Die Smart City ist das Zukunftsmodell der modernen Stadt. Philosoph Florian Rötzer fragt in seinem Buch „Smart Cities im Cyberwar“, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Teaser-Smart-Cities.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-147754" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Teaser-Smart-Cities.jpg" alt="Teaser-Smart-Cities" width="640" height="280" /></a>Die Smart City ist das Zukunftsmodell der modernen Stadt. Philosoph Florian Rötzer fragt in seinem Buch „Smart Cities im Cyberwar“, wie das Leben in einer solchen urbanen Region aussehen wird. Ein interessanter Einstieg in eine zentrale Thematik – wenn auch streckenweise abschweifend und anstrengend philosophisch.</p>
<p>Das Ende August 2015 erschienene Buch „Smart Cities im Cyberwar“ beschäftigt sich zentral mit der Frage, wie die Städte der Zukunft funktionieren. Wird es eine Re-Urbanisierung geben? Was sagt der Wohnort über die eigene soziale Stellung aus und hat er Einfluss auf meine Lebenserwartung? Auf welche Konflikte muss sich unsere Gesellschaft in Zukunft einstellen? All diese Fragen möchte Florian Rötzer in seinem Buch beantworten – vor allem unter philosophischen und ethischen Gesichtspunkten. Er will darauf aufbauend verdeutlichen, welche Gefahren hinter der Digitalisierung der Städte und der damit verbundenen künftigen Art der Kriegsführung liegen. Diese Vorgehensweise ist nicht kulturpessimistisch – auch wenn man in kurzen Momenten zu diesem Schluss kommen könnte. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, wir müssen uns schlicht darauf einstellen.</p>
<h3>Vom erweiterten Körper und anderen philosophischen Gedankenspielen</h3>
<figure id="attachment_147753" aria-describedby="caption-attachment-147753" style="width: 171px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Roetzer-Smart-Cities.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-147753" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Roetzer-Smart-Cities.jpg" alt="Roetzer-Smart-Cities" width="171" height="280" /></a><figcaption id="caption-attachment-147753" class="wp-caption-text">Rötzer, Florian: Smart Cities im Cyberwar. Verlag: Westend, 256 Seiten, 14,99 € (D), 2015, ISBN: 978-3-86489-112-0</figcaption></figure>
<p>Florian Rötzer ist seit 1996 Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis. Es berichtet und schreibt unter dem Dach des Heise-Vertrags über gesellschaftliche Themen wie Politik, Klima, Wissenschaft oder Medien. Er ist studierter Philosoph und arbeitete nach seinem Studium als freier Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Medientheorie und Medienästethik. Der <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/im-portraet-der-eremit/1496438.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesspiegel bezeichnete ihn vor Jahren</a> als „Deutschlands bekanntesten Online-Philosophen“.</p>
<p>Und diese Prägung merkt man dem Buch „Smart Cities im Cyberwar“ deutlich an. In vielen Passagen des Buches analysiert Rötzer soziale Prozesse aus einem philosophischen Blickwinkel. Für den entsprechend geneigten Leser mag das durchaus interessant sein – für jemanden, den das Thema Cyberwar interessiert, sind die langatmigen Beschreibungen mehr als nur schleppend. Kapitel 13 und 14 beschreiben beispielsweise, wie man den Körper mithilfe von Technik „erweitert“ – die Lust, die Smart City „als Teil seiner selbst zu erfahren“.</p>
<h3>„Fassadenbegrünung durch im Boden wurzelnde Selbstklimmer“</h3>
<p>Problematisch werden diese philosophischen Schilderungen, wenn der Autor von den eigentlichen Themen abschweift. Es sind Passagen, die zwar in der Argumentation durchaus Sinn ergeben, aber im Kontext des Buches vollkommen obsolet sind. Beispielsweise beschreibt Rötzer die Entdeckung der Agoraphobie, die Angst vor weiten Plätzen oder Menschengedrängen. Schön zu wissen, wenn man mal bei Günther Jauch auf dem Stuhl sitzt, aber warum muss das im Zusammenhang mit Cyberwar erwähnt werden? Auch die Beschreibung des Vorgangs des Lachens – ebenfalls aus der philosophischen Sichtweise – ist eventuell noch interessant, aber bitte nicht zwischen Digitalisierung und elektromagnetischen Impulsbomben.</p>
<p>Zwischenzeitlich gleitet das Sachbuch dann auch noch in literarische Schreibstile ab. „Die Schreber- und Kleingärten waren die Vorläufer, die nun von Urban Gardening oder Farming erweitert werden, während die Vertical Gardens oder Living Walls die Fassadenbegrünung durch im Boden wurzelnde Selbstklimmer wie Efeu oder andere Kletterpflanzen, die Gerüste wie Wein, Glyzinie oder Rosen benötigen, weiter entwickeln.“</p>
<h3>Mark Zuckerman</h3>
<p>In weiten Teilen des Buches sind Cyber-Sicherheit und Cyberwar darüber hinaus nicht die zentralen Themen. Oft geht es um die alltägliche Digitalisierung unseres Lebensraums. Seien es Wearables wie Fitness-Armbänder, private Drohnen oder die komplett automatisierte Küche. Manchmal liegt der Gedanke nicht fern, dass der Titel nicht vom Autor eingereicht, sondern Idee des Verlags war. „Cyberwar“ klingt definitiv reißerischer als „Digitalisierung aller Lebensbereiche“.</p>
<p>Abgesehen von diesen Kritikpunkten muss man Florian Rötzer mit seinem Buch ein durchaus gelungenes Einstiegswerk in die digitalen Problematiken unserer Zeit bescheinigen. Vor allem jene Kapitel, die den Cyberwar behandeln, geben interessante Einblicke in Militärstrategie und neue Arten der Kriegsführung. Der rote Faden, die Argumentationslinie, ist fast durchweg nachvollziehbar, sofern man die Kapitel über die Erweiterung des Körpers mal ausblendet. Und die Tatsache, dass der Facebook-Chef laut Rötzer offenbar „Mark Zuckerman“ (S. 116) heißt.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/hawkinsdigital/10478821335/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Brian Hawkins</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a></p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/smart-cities-cyberwar-roetzer-147753/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ökonomie und Glück</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/oekonomie_und_glueck-91/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/buecherreport/oekonomie_und_glueck-91/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:45:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Bedürfnis]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenszufriedenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/oekonomie_und_glueck-91/</guid>

					<description><![CDATA[von A. Bellebaum, H. Schaaf und K.G. Zinn (Hrsg.)</b>Wohlstand, in seiner herkömmlichen Definition als bessere Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, sollte eigentlich die Bedürfnisse der Menschen befriedigen und sie auf diese Weise zufrieden, ja sogar glücklich machen.<p> Empirisch ist das immer weniger wahr.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>von A. Bellebaum, H. Schaaf und K.G. Zinn (Hrsg.)Wohlstand, in seiner herkömmlichen Definition als bessere Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, sollte eigentlich die Bedürfnisse der Menschen befriedigen und sie auf diese Weise zufrieden, ja sogar glücklich machen.<br />
Empirisch ist das immer weniger wahr. Zwar gibt es regelmäßige Befragungen zur Lebenszufriedenheit in den meisten Industrieländern erst seit ca. 1960, aber der Rückgriff auf Indikatordaten wie z.B. die Suizidneigung erlaubt es, sogar bis ins späte 19. Jahrhundert zurückzugehen in der Ermittlung von Lebenszufriedenheit. Dabei zeigt sich, dass bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Zufriedenheit parallel zum wirtschaftlichen Wachstum anstieg. In den letzten Jahrzehnten aber ist die &#8220;Glückseffizienz&#8221; der Wirtschaft immer geringer geworden.<br />
Wirtschaftliche Absicherung trägt zu Zufriedenheit und Glück bei, da sie Sorgen und Belastungen mindert, aber zum Glück gereicht der Wohlstand allein nicht, so jedenfalls die Lehren der neueren Psychologie. Gleichwohl produziert die heutige Wirtschaftsform teilweise selbst auch Unglück, wie eine von Zinn herangezogene Studie A. Oswalds zeigt, die nachweist, dass Arbeitslose weit mehr Unglücksgefühle haben als Beschäftigte. Wobei, und das ist bemerkenswert, das Unglücksgefühl der Arbeitslosen umso stärker ist, je höher deren Bildungsgrad ist. Es gibt gute Gründe, anhand solcher und anderer Meßdaten so etwas wie ein Tätigkeitsbedürfnis der Menschen zu postulieren, das unabhängig von der Notwendigkeit der Einkommenserzielung ist &#8211; eine Annahme, die dem Vorurteil, alle seien faul und würden ohne Zwang sowieso nichts tun, vollständig zuwiderläuft. Aber selbst wenn man die Nachteile unserer Wirtschaftsweise (Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung) einmal beiseite läßt, so ist doch erklärungsbedürftig, warum die Glückseffizienz des Wirtschaftens mit steigendem materiellem Wohlstand nachlässt.</p>
<table width="150" border="0" cellspacing="0" cellpadding="2" align="left">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC00" width="100"><strong>Buch-Infos</strong></td>
<td rowspan="2"></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFCC">A. Bellebaum, H. Schaaf u. K.G. Zinn (Hrsg.)<br />
Ökonomie und GlückBeiträge zu einer Wirtschaftslehre des guten Lebens.<br />
Opladen-Wiesbaden (Westdeutscher Verlag) 1999<br />
ISBN 3531134086</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Das zur Befriedigung der Grundbedürfnisse nötige Einkommen heißt Noteinkommen. Sein Nutzen ist groß und unmittelbar ersichtlich. Wird noch Einkommen darüber hinaus erzielt, so zählt es zum Komforteinkommen, welches es ermöglicht, die Grundbedürfnisse auf eine individuellere Art zu befriedigen und das eine oder andere Hobby zu pflegen. Ein noch höheres Einkommen schließlich wird zum Statuseinkommen gezählt, aus dem Güter finanziert werden, die vor allem wegen ihres Statuswertes erworben werden. Der Statuswert ist umso größer, je mehr man sich von anderen durch diesen Besitz abheben kann. Wenn allgemein der Wohlstand steigt und auch die Preise neuer Konsumgüter schnell fallen, dann gleicht der Statuskonsument dem Hamster im Hamsterrad. Überhaupt ist zu bezweifeln, ob der Statuskonsum dauerhaft zu Glück und Zufriedenheit führt. Diese &#8211; völlig unstrittigen &#8211; Überlegungen zum Grenznutzen des Konsums sprechen eigentlich für eine stärkere staatliche Umverteilung zugunsten der Ärmsten in der Gesellschaft; dieses Plädoyer hört man aber von liberalen Ökonomen nicht.<br />
Dieser Band füllt eine Lücke, die so etwas wie ein Tabu der herrschenden Wirtschaftswissenschaft ist: die menschlichen Bedürfnisse werden eingehend diskutiert. Wer die &#8211; durchaus unterschiedlichen &#8211; Vorträge, die auf einer Tagung der RWTH Aachen und des Instituts für Glücksforschung e.V, Vallendar, 1998 in Aachen gehalten wurden und die diesem Band versammelt sind, liest, wird nicht umhin kommen, für den Primat der Politik gegenüber scheinbaren wirtschaftlichen Sachzwängen zu plädieren. Viele Menschen haben nämlich den Eindruck, dass die Wirtschaft ziellos geworden ist. Als Leitbild und Gegenentwurf ist von Pierre Bourdieu die &#8220;Glücksökonomie&#8221; ins Spiel gebracht worden, ein Vorschlag, den H. Schaaf zum Konzept der &#8220;ökologischen Glücksökonomie&#8221; erweitert. Wer nicht nur kritisieren will, sonden auch positive Leitbilder wirtschaftlichen Umsteuerns kennenlernen will, dem öffnen einige Beiträge dieses Buches &#8211; trotz ihres durchaus akademischen Charakters &#8211; neue Fenster.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/buecherreport/oekonomie_und_glueck-91/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
