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	<title>Picidae &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Picidae &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Netzkunst Teil 2: „Amazon Noir“</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkunst-teil-2-amazon-noir-3724/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jan 2008 17:28:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Copyright]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkunst]]></category>
		<category><![CDATA[Picidae]]></category>
		<category><![CDATA[Amazon]]></category>
		<category><![CDATA[Amazon Noir]]></category>
		<category><![CDATA[ubermorgen.com]]></category>
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					<description><![CDATA[Teil zwei unserer  Netzkunst-Reihe beschäftigt sich mit einer Kunstaktion zur Befreiung des Wissens.  Eine Gruppe amerikanischer Künstler nutzte im Jahr 2006 die Vorschaufunktion des Online-Buchhändlers Amazon, um komplette copyrightgeschütze Bücher für die Allgemeinheit zugänglich zu machen – jetzt sind sie für den transmediale.08 Award nominiert.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Teil zwei unserer  Netzkunst-Reihe beschäftigt sich mit einer Kunstaktion zur Befreiung des Wissens.  Eine Gruppe amerikanischer Künstler nutzte im Jahr 2006 die Vorschaufunktion des Online-Buchhändlers Amazon, um komplette copyrightgeschütze Bücher für die Allgemeinheit zugänglich zu machen – jetzt sind sie für den transmediale.08 Award nominiert.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<a href="http://www.amazon-noir.com/news.html" target="_blank" title="Amazon Noir" rel="noopener noreferrer">Amazon Noir – The Big Book Crime</a> ist ein Projekt der bekannten Netzkunst-Gruppe <a href="http://www.ubermorgen.com/2007/index.html" target="_blank" title="ubermorgen.com" rel="noopener noreferrer">ubermorgen.com</a>. Diese nutzten die „Search-inside-the-Book“-Funktion des &#8211; wie die Netzkünstler das Unternehmen nennen &#8211; „mütterlichen Buchverkäufers“ Amazon um die Inhalte kompletter Bücher der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.<br />
Die Funktion ermöglicht es Kunden von Amazon, sich durch eine Stichwortsuche bestimmte Passagen aus Bücher zum Probelesen anzeigen zu lassen.
</p>
<p>
Die Netzkünstler entwickelten ein Tool, das die Suchfunktion automatisch mit Begriffen versorgte, bis der komplette Inhalt eines Buches aus den einzelnen Passagen zusammengesetzt und als pdf-Datei gespeichert werden konnte. Pro Buch waren hierfür ca. 5000 – 10000 Anfragen nötig. Insgesamt stahlen die Netzkünstler eigenen Angaben zufolge über 3000 Bücher und stellten sie der Öffentlichkeit zur Verfügung.
</p>
<p>
Amazon leitete rechtliche Schritte gegen Aktion der Netz-Künstler ein, es kam jedoch zu einer außergerichtlichen Einigung. Beide Parteien unterzeichneten ein Stillschweigeabkommen und die verwendete Software wurde zu einem geheimen Preis an Amazon USA/Frankreich verkauft.
</p>
<p>
Für den transmediale.08 Award nominiert ist übrigens auch das bereits seit einiger Zeit laufende Netzkunst-Projekt <a href="http://www.picidae.net/" target="_blank" title="Picidae" rel="noopener noreferrer">Picidae</a>, das sich gegen Zensur im Internet richtet.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kunstprojekt durchbricht Internetzensur</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/kunstprojekt-durchbricht-internetzensur-3298/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mhenschke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Sep 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Wachter]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Jud]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkunst]]></category>
		<category><![CDATA[Picidae]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkampagnen]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit dem Kunstprojekt &#34;picidae&#34;
wollen zwei Schweizer Künstler die weltweite Internetzensur
umgehen. Beim Besuch in der politik-digital.de-Redaktion sprachen
Christoph Wachter und Mathias Jud darüber, wie sie die chinesische
Firewall ausgetrickst haben und wie man mitmachen kann.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Kunstprojekt &quot;picidae&quot;<br />
wollen zwei Schweizer Künstler die weltweite Internetzensur<br />
umgehen. Beim Besuch in der politik-digital.de-Redaktion sprachen<br />
Christoph Wachter und Mathias Jud darüber, wie sie die chinesische<br />
Firewall ausgetrickst haben und wie man mitmachen kann.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>politik-digital.de:</b> <a href="http://www.picidae.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">picidae</a><br />
ist jetzt seit einer Woche online. Was gab es bislang für Reaktionen?
</p>
<p><b></b></p>
<p>
<b>Wachter und Jud:</b> Es gab schon wahnsinnig viele<br />
Rückmeldungen, die waren unglaublich positiv. Bis auf ein paar<br />
Programmierer, die sich in irgendwelche Animositäten verstrickt<br />
haben. Es gibt halt so ein paar Eitelkeiten: „Eigentlich hab<br />
ich es erfunden“, „Das gab’s doch schon“,<br />
„Das ist der völlig falsche Weg, das geht doch niemals“.<br />
Aber das ist wirklich marginal.
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><b></b></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><b></b></p>
<p align="center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/images/cwachter_mjud.jpg" alt="Quelle: www.picidae.net" align="middle" height="270" width="360" /><i><br />
picidae-Entwickler Mathias Jud (links) und Christoph Wachter<span style="font-size: medium"><br />
</span> </i>
</p>
<p>
<b>Was entgegnen Sie denen?</b>
</p>
<p>
Es ist da und es funktioniert. (lacht)
</p>
<p>
<b>picidae wandelt HTML-Seiten in Bilder um, damit die maschinelle<br />
Internet-Zensur umgangen werden kann. Im Kern ist es ein Screenshot-Programm,<br />
das Links erkennt und Webadressen sowie Suchanfragen codiert: Ein<br />
Werkzeug gegen Zensur. Warum sagen Sie trotzdem: Wir sehen uns als<br />
nicht als Menschenrechtsaktivisten, sondern als Künstler?</b>
</p>
<p>
Wir kommen aus der bildenden Kunst und machen Projekte von dieser<br />
Seite her. Beim Kunstwerk gibt es eine Interpretationsoffenheit.<br />
Ich kann anhand eines Kunstwerks meine eigenen Ansichten gewinnen.<br />
Wir gehen einen Schritt weiter und fragen: Wie entstehen die eigenen<br />
Ansichten? Eine kleine Radikalisierung des Kunstbegriffs. Die Frage<br />
führt uns an die Grenzen der Wahrnehmung, an Grauzonen wie<br />
ein konkretes Verbot oder bewusste Ausblendungen. Deshalb ist es<br />
spannend zu fragen: Wer hat die Autorenschaft über meine eigene<br />
Sicht? Das ist natürlich von diesen Randgebieten aus besser<br />
sichtbar als aus der Mitte, wo wir immer nur das angucken, von dem<br />
wir denken, das ist das Richtige und Wahre. Wir als Künstler<br />
geben den Leuten ein Tool an die Hand, um die eigene Wahrnehmung<br />
zu befragen. Wie souverän bin ich in meiner Wahrnehmung?
</p>
<p>
<b>Das World Wide Web also nur eine Illusion?</b>
</p>
<p>
Natürlich ist eine Art von Vernetzung da, aber wir können<br />
uns über das Internet noch mal vernetzen, um noch etwas über<br />
das Medium herauszufinden. Dann wird picidae zu einem Werkzeug des<br />
Erkennens, das uns eine andere Perspektive auf das Internet ermöglicht.<br />
Es ist eine Abbildung des Internets an einem anderen Ort. Das ist<br />
schon alles. Es bringt nichts Neues an Inhalten, es macht nur sichtbar,<br />
was anderswo unsichtbar ist. Es ist später nicht mehr nachzuvollziehen,<br />
was man damit abgerufen hat und deshalb relativ unproblematisch.<br />
Es geht auch darum, dass man ein Tool kriegt, mit dem man plötzlich<br />
mal durch diese Mauer, diesen digitalen Vorhang gucken kann. Das<br />
ist ja eigentlich das Spannende. Auch von unserer Seite mal zu gucken,<br />
wann diese Filtersysteme überhaupt eingreifen. Darüber<br />
überhaupt nachzudenken, ist denke ich das größte<br />
Potenzial von picidae – neben dem konkreten Nutzen.
</p>
<p>
<b>Wie lange haben Sie an der Technik gefeilt? </b>
</p>
<p>
Wir haben im Frühjahr 2007 in Halle mit dem Projekt begonnen<br />
und der Frage: Wie kann man eigentlich eigene Ansichten generieren,<br />
wenn man abgeschnitten ist von ganz vielen anderen Positionen in<br />
der Welt? Auf die heutige Zeit übertragen ist das sicherlich<br />
das Internet und die eigene Position darin. So kam die Idee. Wir<br />
haben einige Wochen daran entwickelt, bis es geklappt hat. Wir haben<br />
das Tool aber nicht geschaffen, weil wir etwa die einzigen wären,<br />
die die technischen Feinheiten dazu haben. Wenn man sich fragt,<br />
wie man Zensur konkret umgehen kann, kommt man immer auf ganz andere<br />
technische Lösungen. Da überlegt man an Verschlüsselungen<br />
rum und wie man seine IP-Adresse möglichst schnell ändern<br />
kann. Dadurch, dass wir von der künstlerischen Seite kommen,<br />
die immer nach dem „Bild der Welt“ fragt, war das für<br />
uns der Weg, den wir genommen haben. Und deshalb ist es auch so<br />
ein einzigartiger Weg.
</p>
<p>
<b>Sie waren im März und April für drei Wochen in<br />
Shanghai und Peking, wo Sie picidae getestet haben. Blieb die Aktion<br />
erst mal geheim?</b>
</p>
<p>
Von dem Projekt hat niemand gewusst. Ich wäre ungern nach<br />
China gereist unter dem Motto: Wir kommen jetzt eure Firewall ausprobieren.<br />
Auch wenn es wirklich kein Hacking ist, was wir machen. Das Zensur-System<br />
dort wurde erst in den letzten Jahren aufgebaut. Und es wird immer<br />
stärker. 2006 wurde es noch einmal verschärft. Man muss<br />
sich jetzt ausweisen, wenn man in ein Internetcafé geht,<br />
dann wird man handschriftlich in Listen eingetragen. Die haben auch<br />
Aufseher, die rumgehen und vor allem Touristen überwachen.
</p>
<p>
<b>Ihnen ist trotzdem gelungen, ihr Programm auf dem Server<br />
in Zürich aufzurufen und von Peking aus brisante Webseiten<br />
anzusteuern. Sicher nicht ohne Risiko?</b>
</p>
<p>
Es ist ja nicht so, dass jeder einzelne Monitor eine Kamera hat,<br />
sondern der ganze Raum ist überwacht. In Peking hängen<br />
auch überall auf der Straße Videokameras rum. Wir haben<br />
ja nicht nur picidae verwendet, das wäre ja kein Problem gewesen.<br />
Wir wollten halt auch gucken, ob es wirklich zensiert ist und haben<br />
auch zensierte Seiten aufgerufen. Daran hatten sie, glaube ich,<br />
weniger Spaß. Da legt man schon mal verschiedene Seiten lahm.<br />
Es gibt einmal die einfachen Filter: Ruft man BBC und Wikipedia<br />
auf, kommt ein Timeout. Das waren auch die ersten Sachen, die wir<br />
wirklich merkten. Denn das sind Quellen, auf die wir oft zugreifen,<br />
um ganz banale Dinge nachzugucken, auch vor Ort über Shanhai<br />
und Peking. <br />
Und dann gibt es komplexere Filtersysteme, die Inhalte erkennen<br />
können. Da darf ein Wort nur ganz bestimmt vorkommen, sonst<br />
wird es gesperrt. Was dahinter steckt und wie das genau funktioniert,<br />
weiß natürlich niemand, außer den Programmierern.
</p>
<p>
<b>Gab es gefährliche Situationen? </b>
</p>
<p>
Gefährlich ist ein superschwieriger Terminus. Es ist ja nur<br />
ein Gefühl, was man hat, zumindest solange nichts passiert<br />
– und es ist ja nichts passiert. Deshalb ist schwer zu sagen,<br />
ob es gefährlich war oder nicht. Wir haben das Ganze auch dokumentiert.<br />
Das heißt: Abgesehen davon, dass wir sowieso schon super auffällig<br />
waren, waren wir auch noch mit der Videokamera unterwegs. Das gab<br />
schon immer Probleme. Wir waren jetzt nicht die beliebtesten Gäste.<br />
Beim Test der Seiten gab es auch verschiedene Wege, wie die Zensur<br />
griff: Einer ist, dass die IP-Adressen geblockt wurden. Das ist<br />
natürlich im Internetcafé schlecht…na ja, das<br />
ganze Café haben wir jetzt nie lahm gelegt. Aber dass dann<br />
keiner der hundert Leute mehr per Internet aus China rauskommt,<br />
ist da durchaus möglich.
</p>
<p>
<b>Für viele Chinesen ist das öffentliche Internetcafé<br />
der einzige Zugang zum Netz. Wird vom Regime bewusst gesteuert,<br />
dass es vergleichsweise wenig Heim-PCs gibt mit Online-Anschluss?</b>
</p>
<p>
Ja, das ist eine straffe Zensur, den Internetzugang nur über<br />
Internetcafés zur Verfügung zu stellen – die können<br />
kontrolliert werden. Und da hat man auch eine wirtschaftliche Sanktionsmöglichkeit,<br />
weil jeder Internetcafébetreiber natürlich gern ein<br />
Internetcafébetreiber bleiben möchte. Der Betreiber<br />
selbst hat schon ein Kontrollbedürfnis, dass nichts passiert,<br />
was ihm dann die Lizenz kostet.
</p>
<p>
<b>Was kann der Nutzer in Staaten wie China mit Ihrem Werkzeug<br />
konkret anfangen?</b>
</p>
<p>
Das Tolle an picidae ist, dass du eine Seite aufrufen kannst, ohne<br />
eine Verschlüsselungstechnologie zu benutzen oder ein Programm<br />
auf dem Rechner zu installieren. Das wäre im Internetcafé<br />
nicht möglich, weil die Sachen ja kontrolliert werden.
</p>
<p>
<b>Wie erfährt ein chinesischer Internetnutzer, dass<br />
und wo es dieses Werkzeug picidae gibt? Sie können ja schlecht<br />
Reklamezettel verteilen oder Werbekampagnen im Netz starten. </b>
</p>
<p>
Das Problem an der Zensur ist natürlich, dass man nicht nur<br />
nach Worten suchen, sondern auch ganze Seiten blocken kann. Wenn<br />
wir sagen würden, auf dieser Seite kann man auf picidae zugreifen,<br />
dann ist die natürlich einfach weg. Deshalb ist picidae ein<br />
Community-Projekt. Jeder kann sich diese Software herunterladen,<br />
kann sie sich installieren. Dann haben wir verlinkte Tags bzw. Zeichen<br />
gemacht – das sind Klammern mit einem kleinen „O“<br />
in der Mitte – die kann man sich auf seiner Seite irgendwohin<br />
machen. Und wenn man so durch das Netz surft und die Community entsprechend<br />
groß ist, trifft man irgendwann auf dieses Zeichen. Aber:<br />
Der Name des Links, der Name des Bildes und der Alt-Text des Bildes,<br />
dort darf nirgendwo ein Wort vorkommen, sonst ließe sich das<br />
schon wieder indizieren. Das ist die eine Ebene. Für den Fall,<br />
dass ein pici-Server gesperrt wird, haben wir noch ein zweites Tool<br />
gebaut. Das heißt pici-Proxy und funktioniert wie eine Umleitung<br />
zu einem anderen pici-Server. Das kann man sich ganz normal von<br />
unserer Homepage runterladen. Dadurch kann eine Art doppeltes Netz<br />
entstehen, in dem man sich Gedanken machen und Einblick gewinnen<br />
kann in den Internetzugang anderer Regionen. Das ist das Ideal.<br />
Aber es funktioniert auch ohne Netzwerk, etwa wenn sich ein Cyber-Dissident<br />
einen Server einrichtet, den er seinen Leuten kommuniziert. Hier<br />
in Deutschland sind schon ganz viele pici-Proxys entstanden und<br />
pici-Server sind am Entsehen. Und es gibt natürlich kein zentrales<br />
Server-Verzeichnis.
</p>
<p>
<b>Man geht davon aus, dass hinter der chinesischen Firewall<br />
etwa 30.000 Zensoren stecken. Befürchten Sie, in einigen Monaten<br />
oder Jahren können diese auch Bilder zensieren? </b>
</p>
<p>
Bilder zu erkennen und in Text umzuwandeln, kann heute jeder Scanner.<br />
Das Problem ist nur, dass in China alles ausgelegt ist auf Filtersysteme<br />
nach Worten. Die Datenmenge und die Art, wie mit diesen Daten umgegangen<br />
wird, hat einen ganz anderen Ansatz. Das ist wie wenn man sagt:<br />
Man kann das Meer entsalzen! Kann man. Aber wenn das in der Menge<br />
auftritt, ist es halt nicht mehr möglich. Die Chinesen müssten<br />
ganz umrüsten. Es ist dort eben alles darauf ausgelegt, dass<br />
es so funktioniert. Es ist die ausgefeilteste Zensur weltweit, aber<br />
es gibt auch wahnsinnig viele Internetnutzer. Man sagt, dass in<br />
China das Internet aufgrund der Zensur schon ziemlich langsam sei.<br />
Und das schon jetzt, mit der ganz einfachen Filtertechnologie, die<br />
– wie berichtet wird – noch wirklich nur ein Paket nach<br />
Text durchscannen kann. Um aber ein Bild durchscannen zu können,<br />
sind so viel mehr Schritte notwendig. Und das macht natürlich<br />
in 99,9 Prozent der Fälle null Sinn.
</p>
<p>
<b>Ihr Test zeigte auch, welche Seiten in Westeuropa gesperrt<br />
sind. Kein heimischer Internetnutzer fühlt sich normalerweise<br />
zensiert. </b>
</p>
<p>
In Deutschland hatte „Heise“ 2005 einen Link zu dem<br />
Programm „Any DVD“ gesetzt, diese Seite wurde per Gerichtsentscheid<br />
gesperrt. In der Folge wäre dann Heises Seite über den<br />
Provider gesperrt worden: Ein klarer Fall von Takedown! Oder Wikipedia<br />
wurde runtergenommen, als es einen Streit gab um Namensnennung.<br />
Diese Fälle werden aber nur bekannt, wenn es zu langen Prozessen<br />
kommt. Wenn allerdings nur irgendein Anwalt irgendwohin schreibt:<br />
&quot;Nehmt das sofort runter!&quot;: Wer erfährt das? Das<br />
ist ja das Unglaubliche. Und es gibt nirgendwo ein Recht darauf,<br />
Zugang zu allem zu haben. Manche Suchmaschinen zeigen sogar an,<br />
dass etwas von den Suchresultaten rausgenommen wurde. Wer aber was,<br />
wann, warum und auf wessen Verantwortung gelöscht hat, bleibt<br />
in der Regel im Dunkeln.
</p>
<p>
<b>Wo picidae auf einem Server liegt, umgeht es die Zensur<br />
in dieser Region. Dann wird man darüber auch Seiten erreichen<br />
können, die aufgrund fremdenfeindlicher Inhalte gesetzlich<br />
gesperrt wurden. </b>
</p>
<p>
Da muss dann die Selbstkontrolle greifen, der letzte Punkt in der<br />
Zensur. Dass in den USA der Begriff „Stormfront“ (rassistische<br />
Website in den USA, Anm. der Red.) rausgenommen wurde, kann man<br />
ganz richtig finden. Aber mit diesem Stormfront-Filter fiel auch<br />
ein gleichnamiger PC-Spielehersteller raus und ein Song von Billy<br />
Joel. Da fangen wir schon an abzuwägen und zu sagen: Okay,<br />
das geben wir jetzt mal alles ab und wenn dadurch etwas wegfällt,<br />
egal. Aber wie ist das mit dem Begriff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_B%C3%BCssow" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Jürgen<br />
Büssow“</a>. Ich glaube, da würde einige Leute schon<br />
noch interessieren, was da rundherum noch rausgerissen wird. Etwas<br />
anderes ganz Bizarres: Man sagt, es ist völlig richtig, dass<br />
das Hakenkreuz gesperrt wird. Aber die Falun Gong, die in China<br />
verfolgt werden und dessen Suchwort dort sofort geblockt wird, wollen<br />
immer wieder aufmerksam machen auf die Menschenrechtssituation in<br />
China. Deren Zeichen ist das seitenverkehrte Hakenkreuz. Bei einer<br />
Demonstration mit Gerhard Schröder in München wollten<br />
die nur für ihre Rechte kämpfen, weil in China ihr Zeichen<br />
konfisziert wird. Aber hier konnten sie das nicht artikulieren,<br />
denn hier findet ja das Gleiche statt, aus anderen Gründen<br />
allerdings. Das ist ein Problem. Wenn wir anfangen, unsere Sprache<br />
zu beschneiden: Wie nutzen wir dann noch unsere Sprache und was<br />
fällt dann weg?
</p>
<p>
<b>picidae kann auch die Kindersicherung von Providern umgehen.<br />
So etwas spricht sich schnell rum auf dem Schulhof. Zuhause setzt<br />
sich das 12-jährige Kind allein an den PC und kann auf alles<br />
zugreifen. Ein berechtigter Vorwurf?</b>
</p>
<p>
Man setzt Kinder ja auch nicht vor den Fernseher, drückt ihnen<br />
die Fernbedienung in die Hand und sagt: „Mach mal.“<br />
Beim Computer sollte das genauso sein. Denn die Kinder wissen ganz<br />
schnell, wo man die Firewall abschaltet. Aber wenn ein Kind über<br />
picidae reingeht und irgendwas mit sexpics.com eingibt, dann hat<br />
das Kind ein Alter erreicht, wo der Kinderfilter am heimischen PC<br />
ohnehin zur Debatte steht. Die haben dann auch ein Interesse, genau<br />
das zu sehen. Es gab noch vor der Internetzeit die Kids, die hingen<br />
rum und haben Sexhotlines angerufen und wussten, wenn sie über<br />
die Frauennummer anrufen, ist es umsonst. Das ist ein Abenteuer<br />
und gehört vermutlich irgendwie dazu. Es gibt auch ganz viele<br />
andere Möglichkeiten, den Kinderfilter leicht ohne picidae<br />
zu umgehen. Wenn ein Kind das möchte, kriegt es das auch hin.<br />
Wenn man das als Erziehungsmaßnahme sieht, tut man auch gut<br />
daran, das Internet mit dem Kind gemeinsam anzuschauen. Aber irgendwann<br />
kommt der Moment, wo Selbstverantwortung gefragt ist. Das hat ja<br />
auch was von Erwachsenwerden und Medienkompetenz erlernen.
</p>
<p>
<b>Wird sich picidae weltweit verbreiten? </b>
</p>
<p>
Das ist eine Möglichkeit, wie sich picidae entwickelt, die<br />
optimale natürlich. Aber es gibt Ansätze da drin, die<br />
sind auch darüber hinaus bedeutend, wenn das so nichts wird.<br />
Wir umgehen die Zensur auf andere Art und Weise. Wir können<br />
mit dem Filtersystem glücklich sein, dass wir überhaupt<br />
eine andere Vorstellung vom Internet bekommen können. Das Internet<br />
ist nicht mehr das Gleiche, wenn man mal mit picidae rumgespielt<br />
hat. Wir müssen das alles vernetzen. Da muss nicht jede Universität<br />
noch ein neues Tool entwickeln, und dann sagen „Wir haben<br />
jetzt was erfunden, wir knacken die chinesische Firewall“,<br />
das ist Blödsinn. Wir müssen uns verlinken und wir müssen<br />
die Dinge zusammenbringen, denn sonst gewinnt die Zensur immer.</p>
]]></content:encoded>
					
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