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	<title>Politikerkarriere &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Politikerkarriere &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Möllemann war ein Medienpolitiker, und der Liebesentzug durch die Medien hat ihn deshalb sicher schwer getroffen.</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jun 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich von Alemann]]></category>
		<category><![CDATA[Politikerkarriere]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/v.-Alemann_Portrait.jpg" alt="Prof. Dr. Ulrich von Alemann" align="left" border="0" height="118" width="88" />Prof. 
Dr. Ulrich von Alemann,</b> <b>Parteienforscher, war am 26. Juni 2003 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Live aus Düsseldorf.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/v.-Alemann_Portrait.jpg" alt="Prof. Dr. Ulrich von Alemann" align="left" border="0" height="118" width="88" />Prof.<br />
Dr. Ulrich von Alemann,</b> <b>Parteienforscher, war am 26. Juni 2003<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Live aus Düsseldorf.</b></span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"></p>
<p><b>Moderator: </b>Und nun geht es los! Liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute begrüßen wir den Politikwissenschaftler<br />
Prof. Dr. Ulrich von Alemann. Er chattet live aus Düsseldorf. Guten<br />
Tag Prof. von Alemann! Sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit<br />
unseren Usern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Ich bin bereit, es kann von mir aus gerne los gehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Dann steigen wir direkt in die Materie ein. Wird die politische Auseinandersetzung<br />
in und zwischen den Parteien tatsächlich immer härter? Oder<br />
kriegen wir heute durch die Medien nur alles viel mehr mit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Ich glaube, die politische Auseinandersetzung ist immer schon sehr hart<br />
gewesen. In der Tat wird heute durch die Medien alles wie durch ein Vergrößerungsglas<br />
verstärkt. Die Medien brauchen Futter, und zwar möglichst aufregendes,<br />
um die Auflage oder die Quote zu steigern. Dadurch wird die Politik immer<br />
stärker dramatisiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>michaela:</b> Gibt<br />
es bestimmte Politikertypen? Wenn ja, wie sehen die aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Ja, damit hat sich auch die Wissenschaft schon beschäftigt. Da gibt<br />
es erstens den &quot;Delegierten&quot;, der versucht, getreu die Aufträge<br />
seiner Wähler umzusetzen. Dann gibt es zweitens den &quot;Vertrauensmann&quot;,<br />
der eigenständig verantwortlich für das Gemeinwohl handelt.<br />
Und drittens gibt es den &quot;Vollblutpolitiker&quot;, der als eine Art<br />
Politikunternehmer die beiden Typen verbindet und zusätzlich seinen<br />
eigenen Nutzen nicht vergisst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Soweit die Theorie mit der Typologie. In der Praxis beschäftigt die<br />
Leute nun der Fall Möllemann. Dazu einige Fragen, Herr von Alemann:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Politik-Profi:</b><br />
Wie sehen Sie den Aufstieg und Fall des Herrn Möllemann? Gibt es<br />
&#8211; wenn man mal etwas in die Vergangenheit schaut &#8211; Politiker, die einen<br />
ähnlich dramatischen Karriereverlauf hatten? (Mit Karriereverlauf<br />
meine ich: Vom Hoffnungsträger, zum Medienliebling, zum Provokateur,<br />
zum Ausgestoßenen)</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Möllemann hat ursprünglich eine nicht ganz untypische Politikerkarriere<br />
hingelegt, sich schon als Jugendlicher engagiert, frühzeitig nach<br />
politischen Ämtern gestrebt und sich dann einen mächtigen älteren<br />
Mentor ausgesucht, der ihn gefördert hat: Das war der frühere<br />
Außenminister Genscher. Dann hat er auf eigene Faust weitergemacht<br />
und sich nach ersten Rückschlägen oft gegen seine eigene Partei<br />
profiliert und über die Medien versucht, Politik zu machen. Auch<br />
dafür gibt es andere Beispiele. Nicht zuletzt Bundeskanzler Schröder<br />
hat sich oft gegen seine Partei zu profilieren versucht. Die &quot;Outlaws&quot;<br />
sind in der deutschen Politik eher selten, aber auch dafür gibt es<br />
Beispiele. In erster Linie denke ich hier an Oskar Lafontaine. Beide,<br />
Möllemann und Lafontaine, sind ja genau in dieser Rolle von Sabine<br />
Christiansen eingeladen worden. Keiner konnte wissen, dass dies Möllemanns<br />
letzter Auftritt war.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>michaela:</b> Inwiefern<br />
hat Genscher Möllemann in seiner Persönlichkeitsentwicklung<br />
beeinflusst?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Ich bin kein Psychologe. Aber Möllemann hat Genscher sicher grenzenlos<br />
bewundert. Insbesondere die Grenzenlosigkeit Genschers, der sich im Flugzeug<br />
über dem Atlantik mehrfach selber begegnet sein soll.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>michaela: </b>Herr<br />
Alemann, hat die FDP Herrn Möllemann wirklich in den Tod getrieben?<br />
Da waren doch sicher noch andere Faktoren im Spiel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Falls es wirklich Suizid war, wofür fast alles spricht, so sind dabei<br />
immer mehrere Faktoren im Spiel. Hier ist wieder der Psychologe gefragt.<br />
Möllemann sah sich sicherlich politisch in einer Sackgasse. Ihm fehlte<br />
die Medienpräsenz, von der er sein Leben lang abhängig schien.<br />
Welche Rolle die Strafverfahren gegen ihn spielten, kann ich nicht beurteilen,<br />
da es schwebende Verfahren sind. Jemand, der in seiner eigenen Partei<br />
so polarisiert, hat sicherlich viele Feinde. Aber Parteifreunde auf der<br />
Spitzenebene lieben sich selten und sind fast nie miteinander befreundet,<br />
da sie misstrauisch miteinander konkurrieren. Ich kann mir aber nicht<br />
vorstellen, dass ihn irgendeiner seiner Parteifreunde zum Äußersten<br />
treiben wollte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Nachfrage zum Verhältnis zu den Medien:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sandro:</b> Ist<br />
Möllemann an seinem eigenen Lieblingskind zu Grunde gegangen &#8211; Den<br />
Medien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Möllemann war ein Medienpolitiker, und der Liebesentzug durch die<br />
Medien hat ihn deshalb sicher schwer getroffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>michaela:</b> Welche<br />
Parallelen gibt es zwischen dem Tod Barschels und Möllemanns?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Es gibt Parallelen und Unterschiede. Beide Politiker befanden sich in<br />
ihrer eigenen politischen Karriere in der Sackgasse. Der Unterschied liegt<br />
allerdings darin, dass das Ende von Barschel in einem Genfer Hotel in<br />
der Badewanne unter Drogen und Alkohol um vieles inszenierter und mysteriöser<br />
war als der Fallschirmabsprung von Möllemann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Und noch einmal zurück zu den Medien:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>halligalli:</b><br />
Kann man nicht eher sagen, dass er die Medien bis zu seinem schrecklichen<br />
Ende auf professionelle Weise benutzt hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Sicher kann man sagen, dass Möllemann auch nach seinem Rückzug<br />
aus der aktiven FDP-Politik die Medien weiterhin versucht hat auszunutzen,<br />
bis kurz vor Schluss bei Sabine Christiansen, und auch schon vorher mit<br />
der Publikation seines Buches &quot;Klartext&quot;, das mit entsprechender<br />
Begleitmusik mehr dramatisierte als es eigentlich Substanz enthielt. Und<br />
auch das Ende selber &#8211; als Sprung in den Tod &#8211; lässt an Dramatik<br />
nichts zu wünschen übrig. Insofern benutzte er die Medien bis<br />
zum Ende, aber genauso haben die Medien eifrig ihn benutzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Machen wir einen Sprung von der eher psychologischen zur politischen Ebene<br />
im Fall Möllemann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thorsten Lenze:</b><br />
Glauben Sie, Jürgen Möllemann hätte mit einer eigenen Partei<br />
Erfolg gehabt, eventuell die FDP in NRW sogar verdrängen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Eine Parteiabspaltung hat in der Bundesrepublik noch nie Erfolg gehabt.<br />
Bereits nach der Wende der FDP von der SPD zur CDU-Koalition 1982 hat<br />
sich eine linksliberale Gruppierung abgespalten, die &quot;Liberalen Demokraten&quot;,<br />
die keinen Erfolg hatten. Auch eine &quot;Klartext-Partei&quot; von Möllemann<br />
hätte nicht einmal den Anfangserfolg der Schill-Partei in Hamburg<br />
gehabt. Aber wenn sie auf 2-3 % gekommen wäre, was schon viel wäre,<br />
so hätte das die FDP schon schmerzen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>StudentDU-E:</b><br />
Wie sehen Sie die Position des Vorsitzenden Westerwelle in der Möllemann-Affäre?<br />
Hat er nicht durchgreifend gehandelt um die Populismus-Debatte zu beenden<br />
oder wollte er nicht richtig eingreifen? Denn besonders für eine<br />
liberale Partei ist solch ein Graben am rechten Rand die Selbstaufgabe<br />
der Werte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann: </b>Westerwelle<br />
hat im Wahlkampf 2002 eng mit Möllemann zusammengearbeitet. Das dokumentieren<br />
nicht nur die gemeinsamen Projekte (Kanzlerkandidatur der FDP und 18%-Strategie),<br />
sondern auch zahlreiche heute schon fast peinliche Pressefotos der beiden<br />
auf gemeinsamen Wahlkampfpodien. In der Populismusfrage hat sich Westerwelle<br />
nur halbherzig von Möllemann distanziert, und zwar weniger in der<br />
Sache, sondern mehr in der Form, weil er von dem Friedman-Flyer wenige<br />
Tage vor der Wahl nichts wusste. Ich denke, dass für beide Politiker<br />
das unbedingte Ziel der Stimmenmaximierung galt. Insofern konnte ich keinen<br />
wesentlichen Unterschied in der politischen Strategie der beiden erkennen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>justus:</b> Eine<br />
generelle Frage: Sind die Werte einer Partei nicht sowieso angekratzt,<br />
wenn ein führender Politiker im Wahlkampf den Alleingang probt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Ich sehe nicht, dass die Werte einer Partei dadurch beschädigt sind,<br />
dass ein Spitzenpolitiker aus der Reihe tanzt. Denn die Werte einer Partei<br />
sind im Grundsatzprogramm und in Wahlzielen von den Parteitagen beschlossen.<br />
Hier finden sich wunderschöne Visionen, nach denen die Bürger<br />
immer fragen. Natürlich verletzt ein Politiker, der sich an die Vorgaben<br />
seiner eigenen Partei nicht hält, die Glaubwürdigkeit und die<br />
Strategiefähigkeit seiner Gruppe. Dann weiß der Wähler<br />
nicht mehr, woran er sich halten soll. Das ist aber eher ein Problem der<br />
politischen Klugheit als der politischen Werte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Robert Langenberg:<br />
</b>Um mal vom Thema Möllemann wegzukommen, ich dachte es ginge (zumindest<br />
auch) um die Korrumpierung von Politikern durch Macht (wofür Möllemann<br />
sicher auch Gesprächsstoff böte). Ist die mittlerweile einige<br />
Jahre vergangene Parteispendenaffäre nicht ein Hinweis darauf, dass<br />
ein Großteil der Politiker von der Macht verführt wurde? Ähnliches<br />
wurde ja auch später bei einigen Funktionären der SPD aufgedeckt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Ich glaube nicht, dass Politik generell ein schmutziges Geschäft<br />
ist, wie der Volksmund sagt. Politiker müssen sicherlich hohen moralischen<br />
Maßstäben genügen. Das gilt aber genauso für Unternehmer,<br />
Theaterintendanten, Verbandsgeschäftsführer oder Bischöfe.<br />
Es gibt keine Sondermoral der Politik. Wer Verantwortung trägt in<br />
unserer Gesellschaft, muss generell eine Vorbild-Funktion akzeptieren.<br />
Politiker stehen aber unter hohem Druck der Medien und unter intensiverer<br />
Beobachtung. Dazu pflegen sie in Sonntagsreden gerne besonders hohe Moralstandards.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Für Sie müssen Politiker &quot;besondere Anforderungen an Vorbild-Verhalten<br />
akzeptieren&quot;. Müssen Prominente und Politiker sich tatsächlich<br />
ständig als wandelnde Vorbilder präsentieren? Sind sie nicht<br />
auch ein Spiegel der Gesellschaft? Wie weit geht die Moral?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Natürlich sind Politiker Teil der Gesellschaft und insofern keiner<br />
Sondermoral unterworfen. Es gibt keine besondere politische Moral, sondern<br />
alle, die Verantwortung tragen, müssen sich an höheren Standards<br />
messen lassen als der normale Bürger.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gerlinde:</b> Ich<br />
denke schon, dass Politik häufig ein zumindest beschmutztes Geschäft<br />
ist, eben weil es um Macht und Geld geht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Viel Macht verführt und viel Geld verführt ebenfalls. Und wenn<br />
beides zusammen kommt, dann ist die Gefahr besonders hoch. Das sehen wir<br />
gerade in Italien am Beispiel Berlusconi. Das ist aber kein Kennzeichen<br />
von unserer Gegenwart, denn dieses Problem hat es schon immer gegeben.<br />
Das darf nicht zur Resignation führen, sondern zu verstärkten<br />
Anstrengungen, die Maßnahmen gegen Missbrauch von Macht und Geld<br />
immer neu zu justieren. Zum Beispiel durch Korruptionsgesetzgebung oder<br />
durch das Parteiengesetz.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>xy-ungelöst:</b><br />
Gut, aber in Italien hält die Mafia weitaus grundlegender als hier<br />
ihren Daumen auf die Politik. Finden Sie, dass man das so einfach vergleichen<br />
kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Jeder gute Vergleich hinkt. Ich habe Berlusconi mitnichten mit unseren<br />
Politikern verglichen. Entscheidend ist, dass gegen Missstände wirksam<br />
vorgegangen wird. Deswegen können Skandale auch eine nützliche<br />
reinigende Funktion haben. Sie dürfen nur nicht die Öffentlichkeit<br />
und auch die Politiker zynisch abstumpfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>halligalli:</b><br />
Wenn man Politik als Spiegel der Gesellschaft versteht, lässt das<br />
natürlich auch auf das Moralverständnis der Bevölkerung<br />
schließen. Sind wir denn wirklich so sensationsbesessen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Es gibt gar nicht nur eine Moral, die etwa immer weiter absinkt. Es gibt<br />
viele Moralen, von denen manche durchaus Fortschritte zeigen: Zum Beispiel<br />
die Umweltmoral oder die Kindererziehung ohne Prügel. Ich wehre mich<br />
dagegen, dass man pauschal sagt: Die Moral, die sinkt ständig. Die<br />
Medien müssen, um sich zu verkaufen, Nachrichtenwerte beachten. Dazu<br />
gehört, dass Prominentes, Negatives, Aktuelles immer besser läuft<br />
als das normale Gute und Schöne. Und da die Medien von uns Käufern<br />
bezahlt werden, ist es deshalb auch unsere Nachfrage nach Sensationen,<br />
die die Medien befriedigen. Wir müssen uns deshalb manchmal auch<br />
an die eigene Nase fassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gundula:</b> Was<br />
steht denn im Parteiengesetz zu diesem Thema? Kann man die Frage um die<br />
problematische Verquickung von Macht und Geld überhaupt in eine gesetzliche<br />
Form gießen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Im Parteiengesetz steht, dass Spenden nicht mit dem Erkaufen von konkreten<br />
Vorteilen verbunden sein dürfen. Und natürlich steht da noch<br />
viel mehr drin. Insbesondere, dass alle größeren Spenden öffentlich<br />
bekannt gemacht werden müssen. Der Bürger soll wissen, welche<br />
Partei von wem bezahlt wird. Ein ganz hohes Gut in der Demokratie ist<br />
nämlich die Offenheit, die Transparenz. Das Parteiengesetz ist gerade<br />
im letzten Jahr entscheidend verschärft worden, in dem Verstöße<br />
jetzt wirklich mit Gefängnisstrafen bedroht sind. Das ist eine ganz<br />
wesentliche Verbesserung, weil deshalb auch Staatsanwälte im Verdachtsfall<br />
ermitteln können und sogar müssen. Auch Möllemann war man<br />
hier auf den Fersen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margot:</b> Haben<br />
FDP-Haushaltsloch und Spekulationen um Möllemanns Finanzen etwas<br />
miteinander zu tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Ich bin skeptisch gegenüber Verschwörungstheorien. Ich glaube,<br />
dass die FDP Probleme hat, der Haushalt Probleme hat und Möllemann<br />
seine Probleme auf seine Art gelöst hat. Ob das alles miteinander<br />
zusammenhängt, das möchte ich bezweifeln.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zum Abschluss noch etwas Privates:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Huber:</b> Herr<br />
Alemann, wollten sie nie Politiker werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Nein. Ich wollte nie Politiker werden, weil ich mein Privatleben behalten<br />
wollte. Die Rolle als Politikexperte ist mir viel lieber.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank, Prof. von Alemann, dass Sie mit uns gechattet haben. Und vielen<br />
Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Viele Fragen blieben leider<br />
unbeantwortet. Noch ein Terminhinweis: Am Dienstag, 01. Juli, ist der<br />
designierte PDS-Chef Lothar Bisky im Chat, um Ihre Fragen zu beantworten.<br />
Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte<br />
aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter<br />
tagesschau.de und politik-digital.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>von Alemann:</b><br />
Es hat mir viel Spaß gemacht und ich wünsche noch einen schönen<br />
Tag. Tschüss.</span>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
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