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	<title>Propaganda &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Leaks und Fake News bei der Frankreich-Wahl</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 May 2017 11:26:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im Umfeld der französischen Präsidentschaftswahl wurden angebliche Leaks über den Kandidaten Emmanuel Macron gepostet. Den Wahlausgang konnten sie nicht nachhaltig [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Umfeld der französischen Präsidentschaftswahl wurden angebliche Leaks über den Kandidaten Emmanuel Macron gepostet. Den Wahlausgang konnten sie nicht nachhaltig beeinflussen. Sie zeigen aber zweifellos, wie kompliziert das Internet und die Suche nach der Wahrheit mittlerweile geworden sind.</p>
<p>Das sollte uns natürlich nicht dazu bewegen, die Suche nach der Wahrheit aufzugeben – wohl aber dazu, Informationen und die Motive ihrer Urheber und derjenigen, die sie weiter verbreiten, stets kritisch zu hinterfragen.</p>
<h3>Leak gegen Emmanuel Macron</h3>
<p>In Frankreich wurde gewählt. Nachdem der parteilose Kandidat Emmanuel Macron und Marine Le Pen vom rechtspopulistischen Front National aus dem ersten Wahlgang als stärkste Kandidaten hervorgegangen waren, kam es zwischen ihnen am 7. Mai 2017 zu einer Stichwahl. Diese konnte Macron deutlich für sich entscheiden und wird somit nun das höchste Staatsamt in Frankreich bekleiden.</p>
<p>Das Wahl-Wochenende wurde allerdings von einigen spektakulären und chaotischen Meldungen überschattet. Im Internet tauchten große Mengen geleakter Dokumente über Macron auf, erbeutet in einem<a href="https://www.theguardian.com/world/2017/may/06/french-warned-not-to-publish-emmanuel-macron-leaks" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> „spektakulären Hacker-Angriff“</a>. Wer hinter der Kampagne steckt, ist unklar – Verbindungen zu WikiLeaks stellten sich bald als Gerücht heraus – doch es wird vermutet, dass die Urheber rechtspopulistischen Bewegungen nahe stehen. Weiter verbreitet wurden die Dokumente jedenfalls ganz gezielt von Macrons politischen Gegnern.</p>
<p>Spekulationen, dass der Hack von russischen Kräften initiiert wurde – womöglich von denselben, die auch die US-Wahlen durch gezielte Leaks gegen Hillary Clinton zu beeinflussen versuchten – haben eine gewisse Plausibilität, lassen sich aber aktuell nicht endgültig beweisen.</p>
<h3>Veröffentlichungs-Verbot</h3>
<p>Den französischen Medien wurde <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-05/praesidentschaftswahl-frankreich-hackerangriff-macron" target="_blank" rel="noopener noreferrer">untersagt, über die Leaks zu berichten</a>. Auch Macron selbst und seine politische Gegnerin Le Pen durften sich nicht dazu äußern. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine sinistere Zensurmaßnahme. In Frankreich hat es vielmehr Tradition, dass in den letzten Stunden vor der Wahl keine politische Diskussion mehr stattfinden darf.</p>
<p>Zudem, so die französische Wahlkommission, enthalte der Leak falsche oder zumindest auf die Schnelle <a href="https://www.theguardian.com/world/2017/may/06/french-warned-not-to-publish-emmanuel-macron-leaks" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nicht überprüfbare Informationen</a>. Das ist zweifellos richtig. In dem gigantischen Datenpaket finden sich sogar Dokumente, die Macron gar nicht direkt betreffen. Andere bedürfen einer wochen- oder gar monatelangen Recherche, um die Relevanz und den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.</p>
<h3>Ein taktisch günstiger Moment?</h3>
<p>Was also bezweckte dieser Leak – und warum wurde er so kurz vor der Wahl an die Öffentlichkeit gebracht, obwohl der dahinter stehende Hackerangriff wahrscheinlich bereits Anfang April erfolgte?</p>
<p>Die wahrscheinlichste Antwort lautet, dass es sich um eine taktische Entscheidung von Leuten handelte, die Macron nicht gerade wohl gesonnen sind. Auch und gerade, wenn der Leak wenig inkriminierendes Material hergibt, stiftet seine Präsentation so kurz vor der Wahl und ohne Möglichkeit zur Stellungnahme reichlich Verwirrung. Dass Macron sich – wie viele andere Akteure in Zeiten des Internet – bereits zuvor mit <a href="http://www.netzpiloten.de/vertrauen-gegen-fake-news/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fake News</a> und Desinformation herumschlagen musste – so wurde ihm ohne belastbare Anhaltspunkte Steuerhinterziehung unterstellt – macht dieses Szenario noch wahrscheinlicher.</p>
<p>Rund um die Vorfälle entwickelten sich schnell allerhand abstruse Theorien. Gerade über die Rolle der Russen wurde hitzig diskutiert. In vielen Fällen waren die vertretenen Thesen wohl eindeutig ins Reich der <a href="http://www.netzpiloten.de/warum-verschwoerungstheorien-der-wahrheit-oft-im-weg-stehen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verschwörungstheorien </a>einzuordnen. Für eine sachliche politische Diskussion sorgte all das nicht gerade.</p>
<h3>Kritisch bleiben – auch gegen Leaks</h3>
<p>Auch wenn der Ausgang der Wahl letztendlich nicht beeinflusst wurde, sind die Geschehnisse in Frankreich sowohl interessant als auch Besorgnis erregend. Klar ist: Leaks sind eine effektive Waffe gegen Machtmissbrauch und unangemessene Geheimnistuerei von Regierungen und anderen <a href="http://www.netzpiloten.de/nsa-leaks-whistleblower/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Führungspersönlichkeiten</a>.</p>
<p>Wie jedes Werkzeug kann allerdings auch dieses missbräuchlich eingesetzt werden. Genau das ist wohl im vorliegenden Fall geschehen. Wo Leaks nicht mehr der Suche nach der Wahrheit, sondern im Gegenteil nur noch der Desinformation und dem Anschwärzen missliebiger Personen dienen, verfehlen sie ihren eigentlichen Zweck meilenweit. Das müssen wir anprangern.</p>
<p>Der Fall Macron zeigt, wie wichtig es ist, Nachrichten kritisch zu hinterfragen und angeblichen Leaks ebenso wie jeder anderen Information zunächst mit Skepsis zu begegnen. Medienkompetenz war nie schwerer – doch sie war auch nie wichtiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="big">Dies ist ein Crosspost von netzpiloten.de. Der Artikel ist zuerst <a class="external" href="http://www.netzpiloten.de/leaks-fake-news-frankreich/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dort</a> erschienen.</p>
<p class="big">Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/Elionas2-1238490/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1463478">Elionas2</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1463478">Pixabay</a>  <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a></p>
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		<title>Engagierte Gegenrede gegen Hetze und Propaganda im Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan Voß]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Nov 2015 09:06:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Ist das Web 2.0 tot?]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Immer hochwertiger und komplexer werden Werbung und Propaganda im Internet. Das zeigen sowohl der sogenannte Islamische Staat wie auch rechtsradikale Hetzkampagnen. Bisher wurde noch keine wirklich funktionierenden Gegenmaßnahmen gefunden. Wie reagieren staatliche Institutionen und Unternehmen, deren Plattformen zur Distribution genutzt werden? Ein Überblick über &#8220;Counter Narratives&#8221; und &#8220;Flaggen&#8221;.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Ob Hinrichtungen von Geiseln oder Zerstörungen kultureller Stätten. Fast täglich berichten die Nachrichtendienste über die Gräueltäten der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). In einem ähnlichen Ausmaß verbreitet der IS selbst Videos seiner Taten im Internet. Dort tobt schon seit einigen Monaten ein Stellvertreterkrieg: Die Dschihadisten gegen ihre Gegner. Die Propagandavideos des IS erinnern an Trailer neuerer Computerspiele und lassen den Krieg wie ein cooles Abenteuer aussehen. Dem gegenüber stehen staatliche Institutionen, private Unternehmen, Initiativen und Einzelpersonen. Sie versuchen, den Einfluss der Islamisten einzudämmen und diesem entgegenzuwirken.</p>
<p>Daher besteht der Bedarf nach einer richtigen Strategie. Mit ihr soll den qualitativ hochwertig produzierten Videos und vielfältigen Auftritten in den sozialen Medien entgegengewirkt werden. Eine solche Strategie wurde und wird bisher heftig in der westlichen Welt diskutiert. Anfang diesen Jahres setzten die <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.youtube.com/user/ThinkAgainTurnAway/videos" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vereinigten Staaten</a></span> und <span style="text-decoration: underline;">Frankreich</span> noch auf Abschreckung: Mit Videos von realen Kriegsopfern- und folgen sollten interessierte Jugendliche aufgeklärt werden. Sehr erfolgreich war die Gegenpropaganda jedoch nicht. Ein Grund könnte sein, dass die Videos dem IS-Bildmaterial zu sehr ähneln.</p>
<h3>Propaganda nicht unkommentiert stehen lassen</h3>
<p>Unter dem Begriff &#8220;Counter Narratives&#8221; werden im englischsprachigen Raum bereits neue Strategie der Gegenpropaganda entwickelt. Im Deutschen gibt es bislang keine adäquate Übersetzung. Am ehesten trifft es vielleicht &#8220;Couragierte Gegenrede&#8221; oder &#8220;Gegenerzählung&#8221;. Dafür finden sich jedoch im deutschsprachigen Raum viele Beispiele. Insbesondere werden solche Strategie gegen Neonazis und Rechtspopulisten eingesetzt, wie die Plattform <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/neues-aus-dem-monitoring-counter-narratives-10086" target="_blank" rel="noopener noreferrer">netz-gegen-nazis.de</a></span> zeigt. Unabhängig davon, ob es sich um Nazis oder Dschihadisten handelt. Wichtig ist es, die emotional mitreißenden und wenig korrigierbaren Rekrutierungs- und Ideologie-Videos und Facebookseiten nicht unkommentiert stehen zu lassen. Gegenrede kann dabei vielfältig und von verschiedenen Seiten kommen. Ein ehemaliger britischer Islamist will zum Beispiel mit seiner Comicvideoserie <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.youtube.com/user/abdullahx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Abdullah X&#8221;</a></span>, über Dschihadisten aufklären und Zweifel an deren Versprechungen wecken.</p>
<p>Auch auf europäischer Ebene handeln die staatlichen Institutionen. Sie haben das <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://netzpolitik.org/2015/strategische-kommunikation-mit-lefloid-und-mrwissen2go-eu-regierungen-fuellen-das-internet-mit-gegenerzaehlungen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Beratungsteam für strategische Kommunikation in Bezug auf Syrien“ (SSCAT)</a></span> ins Leben gerufen. Das SSCAT soll die EU-Mitgliedsstaaten sowie europäische Institutionen bei der Ausarbeitung von Kampagnen unterstützen. Ziel ist die Aufklärung und Information von jungen und jugendlichen Menschen. Gerade bei ihnen handelt es sich um die potenziellen Rekruten des IS. In Deutschland wurden die Maßnahmen von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) umgesetzt. Gemeinsam mit drei bekannten Youtubern hat die bpb eine <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://dradiowissen.de/beitrag/aufklaerungskampagne-youtuber-erklaeren-kernbegriffe-des-islam" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Videoreihe produziert</a></span>, die über die Kernbegriffe des Islam aufklärt und dabei die Sprache der Jugendlichen trifft. In einer zweiten Reihe gibt es Interviews mit Wissenschaftlern und Experten. In Frankreich wird eine härtere Gangart eingelegt: Um junge Franzosen vom Kampf für den IS abzuhalten, werden in kurzen Videoclips unter anderem die Geschichten von Jugendlichen erzählt, die im Kampf umgekommen sind.</p>
<h3>Ansichten von IS-Gegnern &#8220;bei weitem nicht stark genug&#8221; im Netzwerk</h3>
<p>Die verstärkte Nutzung der sozialen Netzwerke zu Propaganda- und Rekrutrierungszwecken erkennen auch die Vereinten Nationen in einem <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.theguardian.com/technology/2015/jun/25/internet-companies-being-misused-as-extremist-mouthpiece-say-un-experts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bericht</a></span> an. Eine geeignete Reaktion der Unternehmen, auch durch bessere Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen, wird angemahnt. Counter Narratives alleine reichten nicht zum effektiven Kampf gegen den IS, wie <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.wired.de/collection/latest/facebook-youtube-vimeo-und-co-kampfen-gegen-terror-propaganda" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Google-Managerin Victoria Grand</a></span> mahnte.</p>
<p>Facebook, Youtube und Co. haben jedoch zum Teil bereits schon reagiert und Sicherheitsteams aufgebaut. Die Videoplattform Vimeo beispielswiese hat ein Team von vier Mitgliedern. Facebook vier Teams in den USA, Indien und Europa. Die Facebook-Teams durchsuchen das Netzwerk nach möglicher Propaganda.</p>
<h3>&#8220;Flaggen&#8221; gegen den IS und Hetze</h3>
<p>Die wichtigste Waffe der Sicherheitsteams ist dabei die sogenannte &#8220;Flag&#8221;-Funktion. Dort kann jeder Nutzer Posts oder Videos mit fragwürdigem Inhalt markieren. Anschließend werden die entsprechenden Beiträge in den internen Prüf-Apparat weitergeleitet. Dort wird dann entschieden, ob ein Beitrag gelöscht wird oder nicht. Über die kritikwürdigen Löschpraktiken der Sozialen Netzwerke haben wir bei <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://politik-digital.de/news/facebooks-politik-des-nicht-loeschens-145629/">politik-digital.de</a></span> berichtet. Die sozialen Netzwerke rechtfertigen ihre Geheimhaltung der Lösch-Richtlinien. So geben sie an, dass ihre Gegner die eigenen Vorgehensweisen nicht kennen sollen, um sich diesen anzupassen.</p>
<p>Aber auch die Gegenseite schläft nicht. Wenn ein Profil oder eine Seite gesperrt oder gelöscht wird, erscheint diese unter anderem Namen nach kurzer Zeit wieder. Zwar setzen die sozialen Netzwerke auf regelmäßige Social Media Trainings von NGOs. Doch trotzdem benötigt es neben der Arbeit der Sicherheitsteams der Unternehmen und NGOs weiterhin die aktive und engagierte Arbeit von Einzelnen, um der Propaganda vielseitig und großflächig mit Gegenpositionen und aufklärenden Inhalten entgegenzutreten.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/balleyne/">balleyne</a><a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/"> (CC BY-NC 2.0)</a></p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
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		<title>Der Feind in meinem Netzwerk: Social Bots</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/der-feind-in-meinem-netzwerk-social-bots-144563/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan Voß]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Feb 2015 14:38:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>In sozialen Netzwerken tauchen vermehrt falsche Accounts und Profile auf. Diese zu erkennen, wird zunehmend schwieriger, denn dahinter stecken immer seltener Menschen und immer häufiger Software-Programme: sogenannte Social Bots. Was ist das, was können sie und welche Folgen wird diese Automatisierung haben?</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Plötzlich blinkt es auf bei Facebook. Christiane möchte mit dir befreundet sein. Das Profilbild zeigt eine gutaussehende junge Frau mit freundlichem Gesichtsausdruck. Soweit alles in Ordnung. Doch bei genauerem Betrachten fällt auf: Das Profil ist lückenhaft, ihr habt keine gemeinsamen Freunde. Wer ist diese Person, woher kennt sie dich?</p>
<p>Hinter dem Profil steht vermutlich keine Frau namens Christiane – ja, es liegt sogar die Vermutung nahe, dass es sich nicht einmal um einen echten Menschen handelt, sondern um einen sogenannten Social Bot. Hinter solchen Bots – das Wort kommt vom englischen „robot“ – steckt eine automatisierte Software. <a href="http://www.techopedia.com/definition/27811/socialbot" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Social Bots</a> kontrollieren Accounts in sozialen Netzwerken. Ein Programm wird dadurch zum Social Bot, dass es versucht, andere Menschen davon zu überzeugen, dass es eine echte Person ist. Die Verhaltensmuster unterscheiden sich abhängig vom sozialen Netzwerk, in dem sich der Bot bewegt. Grundlegend ist jeder Bot so programmiert, dass er beispielsweise auf bestimmte semantische Strukturen in gewisser Weise reagiert.</p>
<p>Fake-Profile wie bei Facebook werden auch auf anderen Seiten eingerichtet, <a href="http://www.netzpiloten.de/tinder-fake-profile-locken-die-abo-falle/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beispielsweise bei der Dating-App Tinder</a>. Ziel der Bots ist es, in Kontakt mit Menschen zu kommen, um diese im Chat über Links auf bestimmte Seiten zu schicken – zum Beispiel um arglose ChatteilnehmerInnen in Abofallen zu locken. Social Bots auf Facebook hingegen fangen direkt nach Annahme der Freundschaftsanfrage damit an, Informationen und Daten über die betreffenden Personen zu sammeln. Genau das macht Social Bots interessant für Unternehmen, die diese Informationen für ihre Arbeit nutzen.</p>
<h3>Freunde kaufen für ein paar Cent</h3>
<p>Die künstlichen Freunde, die sich einem ungefragt nähern, werden für ihre Freundschaft oder Wertschätzung in Form von Likes oder Retweets von Anderen teuer bezahlt. Im Netz gibt es verschiedene Anbieter entsprechender Dienste. Der Kunde kann dabei zwischen den verschiedenen sozialen Netzwerken und Angeboten wählen: Man kann Freunde für Facebook, Google+ und viele andere Netzwerke kaufen. Ebenfalls käuflich zu erwerben sind Likes oder Twitter-Retweets. 1.000 Facebook-Freunde sind schon für 30 Dollar zu haben, für 10.000 Retweets werden nur 15 Dollar fällig.</p>
<p>Zur US-Präsidentschaftswahl 2012 <a href="http://www.amerikawaehlt.de/tag/fake/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichteten Medien</a> darüber, dass einige republikanische Kandidaten wie Matt Romney sich Twitter-Follower gekauft hatten und teilweise nicht mehr als acht Prozent reale Fans hatten. Etwas <a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2012/07/das-wundersame-follower-wachstum-der-cdu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zur selben Zeit wurde bekannt</a>, dass der CDU Twitter-Account innerhalb von vier Tagen 5.000 neue Follower erhalten hatte. Die CDU bestritt den Kauf falscher Fans, konnte dies jedoch nicht beweisen. Denn der Käufer einer solchen Dienstleistung lässt sich nicht ermitteln. Der Kauf kann ebenso vom politischen Gegner genutzt werden, um den vermeintlichen Käufer in Verruf zu bringen. Längere Zeit wurden solche Dienste von <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/gekaufte-facebook-und-twitter-profile-falsche-freunde-fuer-ein-paar-cent-1.1422712" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Agenturen</a> angeboten, die Menschen dafür bezahlten, die Fake-Accounts zu steuern. Doch längst wird diese Aufgabe zunehmend von Social Bots übernommen. Hinter diesen steckt eine immer komplexere Programmierung, die sich auf die Spam-Filter der Netzwerke einstellt, um so der Enttarnung zu entgehen.</p>
<p>Social Bots können weit mehr als nur Daten sammeln und sich als Freund oder Interessent ausgeben. Sie greifen auch aktiv in die sozialen Netzwerke und die dort stattfindende Kommunikation und Meinungsbildung ein. Besonders präsent als ferngesteuerte Meinungsmacher sind Social Bots auf Twitter. Abseits von simplen Spam-Posts, die zumeist von den Spam-Filtern und NutzerInnen der sozialen Netzwerke relativ schnell erkannt werden, agieren Social Bots komplexer. Um nicht aufzufallen, verhalten sie sich zu Beginn eher passiv: Sie posten selbst wenig und folgen anderen. Erst nach einiger Zeit in dem Netzwerk beginnen sie eigene Nachrichten zu versenden – und verhalten sich damit übrigens nicht andersals die meisten menschlichen Twitter-NutzerInnen.</p>
<p>Twitter ist bei Bot-ProgrammierInnen deshalb besonders beliebt, weil die Nutzung sehr niedrigschwellig ist. Ein Account ist schnell erstellt und es müssen nicht viele Daten eingespeist werden. Auf der anderen Seite nutzen viele PolitikerInnen und journalistische Medien den Dienst, um Meinungen zu verbreiten und Informationen zu sammeln. Das machte sich die südkoreanische <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2013-12/Twitter-Cyberskandal-Suedkorea" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Präsidentin Park Geun Hye im Wahlkampf zu Nutze</a>: GeheimdienstmitarbeiterInnen legten eine Vielzahl von Twitter-Accounts an und verbreiteten mehr als 1,2 Millionen Tweets, in denen die Kandidatin gelobt und ihre KonkurrentInnen diffamiert wurden.</p>
<h3>Social Bots als Meinungsmacher</h3>
<p>Indem Social Bots Einfluss auf den Verlauf von Diskussionen nehmen, ist eine subtile Meinungsbeeinflussung möglich. Diese Möglichkeit steht nicht nur Regierungen offen, sondern allen Akteuren, die über genügend Ressourcen zur Erstellung eines entsprechend großen und gut programmierten Bot-Netzwerkes verfügen. Die Gefahr, dass Regierungen unliebsame Meinungen durch eine bloße Welle an gegenteiligen Informationen bis zur Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen und somit Zensur betreiben, ist sehr real. Aktuell lässt sich das gut am Beispiel der <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/propaganda-aus-russland-putins-trolle-1.1997470" target="_blank" rel="noopener noreferrer">russischen Außenpolitik</a> verfolgen, die zwar noch eine Agentur mit menschlichen MitarbeiterInnen für solche Dienste bezahlt. Auf Facebook und Twitter werden jedoch vermehrt pro-russische Nachrichten veröffentlicht und Andersdenkende verbal angefeindet.</p>
<p><a href="http://media.ccc.de/browse/congress/2014/31c3_-_6184_-_de_-_saal_g_-_201412271715_-_mein_bot_der_kombattant_-_josch_-_arche3000.html#video&amp;t=1572" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Linguisten Joachim Scharloth und Noah Bubenhofer von der Technischen Universität Dresden </a>haben gezeigt, dass die Erstellung von Social Bots simpel und äußert erfolgreich für den Einsatz im Informationskrieg genutzt werden können. Diese erkennen auf Twitter bestimmte semantische Strukturen und können – entsprechend ihrer Programmierung – darauf reagieren. Auch die Wirtschaft kann diese Mittel nutzen, um positive Bewertungen und Kommentare über eigene Produkte oder diskreditierende über die der Konkurrenz zu verbreiten, was auf Plattformen wie Amazon oder Vergleichsportalen <a href="http://www.stern.de/digital/online/produktbewertungen-im-onlinehandel-krieg-der-falschen-sterne-1895968.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bereits geschehen ist</a>.</p>
<p>In den sozialen Netzwerken entbrennt derzeit ein Wettlauf zwischen Plattform-BetreiberInnen und Bot-ProgrammierInnen. Auf Twitter sind aktuellen Schätzungen zufolge circa <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/twitter-laut-statistik-ist-jedes-zwoelfte-profil-ein-bot-a-985852.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">8,5 Prozent der aktiven User Bots,</a> Tendenz steigend. Weil Bots gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook und Co. verstoßen, arbeiten die BetreiberInnen von sozialen Netzwerken stetig daran, ihren Spamschutz zu verbessern und Bots zu enttarnen und zu verbannen.</p>
<p>Wissenschaftler der Texas A&amp;M University haben sich auf die Suche nach Social Bots im Netz gemacht und einen <a href="http://www.technologyreview.com/view/529461/how-to-spot-a-social-bot-on-twitter/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Algorithmus</a> entwickelt, der die Erkennung von Bots erleichtern soll. Die Entwicklung von Bot-Erkennungssoftware steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Denn die sozialen Roboter sind extrem anpassungsfähig. Ein guter Weg, um Social Bots zu erkennen, bleiben daher zum Glück immer noch eine gewisse Skepsis und der gesunde Menschenverstand.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/christophaigner/5853275494" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Christoph Aigner</a><br />
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		<title>Social Media Week: Was bedeutet Verantwortung im Internet?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Pia Thiele]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2014 13:44:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sollen Twitter und Facebook Selbstzensur für gewisse Inhalte vornehmen? Wer soll sich um die Einhaltung von nationalem und internationalem Recht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5280585822_ed883a633a_z.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-142009" alt="Weltkarte Facebook Connections" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5280585822_ed883a633a_z.jpg" width="640" height="269" /></a>Sollen Twitter und Facebook Selbstzensur für gewisse Inhalte vornehmen? Wer soll sich um die Einhaltung von nationalem und internationalem Recht im Internet kümmern? Auf einem Panel der Social Media Week in Berlin diskutierten Experten  diese und andere Fragen unter dem Motto „Aktivismus in Social Media und Privatsphäre“.<br />
Eine Menschenrechtsaktivistin, die ihre Festnahme am Flughafen von Bahrain twittert und unmittelbar ein internationales Echo erzeugt. Eine Gruppe in Armenien, die via Facebook den Bau eines Einkaufszentrums verhindert. Das sind nur zwei Beispiele für den Einsatz von Social Media, um einen politischen Zweck zu verfolgen oder sofortige Aufmerksamkeit zu erreichen. Das Interessante daran: Das Internet dient als virtueller Ort, in dem Protestierende vor Verfolgung relativ geschützt sind.<br />
Die aktuell stattfindende <a href="http://socialmediaweek.org/berlin/">Social Media Week </a> beschäftigt sich damit, wie neue Medien und Technologie unser Leben beeinflussen – von Startups über Kreativität bis hin zu ethischem Wirtschaften. Aber auch der Einfluss sozialer Medien auf Protestkultur ist Thema. Unter diesem Vorzeichen diskutierte gestern eine Expertenrunde  aus Journalisten und NGO-Vertretern über die Verantwortung von Staaten, einzelnen Akteuren und großen sozialen Netzwerken in Zeiten des digitalen Wandels. Die zentrale Frage: Wie können wir von Social Media profitieren, während gleichzeitig unsere sensiblen Daten geschützt werden? Was bedeutet Verantwortung im Internet?<br />
Eine aktuelle <a href="http://derstandard.at/2000004653503/Zensur-Netzaktivisten-kritisieren-Bann-von-Enthauptungsvideo">Debatte</a> dreht sich um die Propaganda des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) und die Frage, ob soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook oder Google Inhalte ihrer User zensieren sollten, um eine Verbreitung von gewalttätigen und menschenverachtenden Inhalten zu verhindern. Dürfen private Unternehmen überhaupt Zensur betreiben?<br />
In Deutschland gehört die Meinungs- und Pressefreiheit zu den wichtigsten Grundrechten. So widersinnig und absurd eine Meinung erscheint, sie wird geschützt, solange sie nicht gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstößt. <a href="http://www.tagesschau.de/inland/is-deutschland-102.html">Im Falle von IS</a> ist dieser Verstoß gegeben: Alle Aktivitäten des IS, darunter die Verbreitung und Veröffentlichung von Propagandavideos, sind auf deutschem Territorium untersagt. Höhlen Twitter, Facebook&amp; Co. die staatliche Befugnis, Zensur zu betreiben, aus? Interessante Anstöße gab Marek Tuszynski, Mitbegründer der Organisation  <a href="https://www.tacticaltech.org/">„Tactical Technology Collective“,</a> die sich dafür einsetzt, <a title="Aktivist" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aktivist">Aktivisten</a> digitale Informationen und Hilfsmittel bereitzustellen. Er sieht das Kernproblem woanders: Von sozialen Netzwerken werde nun etwas erwartet, wofür sie nie geschaffen worden sind – Netzwerke seien lediglich Infrastruktur, ein Instrument, um Inhalte zu generieren, nicht mehr und nicht weniger. Die Technologie an sich sei weder gut noch schlecht, aber auch niemals neutral. Und genau das ist derzeit das Dilemma.<br />
Doch wer sollte für Verantwortung im Internet sorgen? Der Internet- und Völkerrechtler <a href="http://www.deutschlandradiokultur.de/konferenz-net-mundial-signal-an-ueberwachungsstaaten-dass.954.de.html?dram:article_id=283445">Matthias Kettemann erklärt in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur</a>, dass das Völkerrecht die Prinzipien regelt, nach denen das Internet reguliert ist. Somit gilt die allgemeine Erklärung der Menschenrechte auch im Netz. Es ist von der Staatengemeinschaft einzufordern, dass dies auch eingehalten wird. Private Unternehmen mit wirtschaftlichen Interessen können und sollen eine solche Aufgabe schlicht und einfach nicht übernehmen.<br />
Es wird deutlich, dass die Frage um Verantwortung im Netz weiter debattiert werden muss. Die Einhaltung nationaler Datenschutzgesetze ist hier ein weiteres Dilemma. In Deutschland dient dieser Appell dem Schutz von Bürgern und deren Privatsphäre, aber wie sieht es in autokratischen Regimen aus, in denen grundlegende Menschenrechte von staatlicher Seite verletzt werden? Wer wird dort durch die Einhaltung von nationalem Recht geschützt? Wenn die Identität eines Oppositionellen dadurch offengelegt werden kann, mit der Folge, dass dieser inhaftiert wird, wem wurde dann gedient? Ob Netzwerke politische Neutralität wahren und jegliches nationales Recht ungeachtet der Konsequenzen für die Bürger respektieren sollten, ist eine Frage, der sich die Netzwerke stellen und für die sie eine Antwort finden müssen.<br />
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/mikecogh/5280585822">Michael Coghlan</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Social Media Week: Was bedeutet Verantwortung im Internet?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2014 13:44:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sollen Twitter und Facebook Selbstzensur für gewisse Inhalte vornehmen? Wer soll sich um die Einhaltung von nationalem und internationalem Recht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5280585822_ed883a633a_z.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-142009" alt="Weltkarte Facebook Connections" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5280585822_ed883a633a_z.jpg" width="640" height="269" /></a>Sollen Twitter und Facebook Selbstzensur für gewisse Inhalte vornehmen? Wer soll sich um die Einhaltung von nationalem und internationalem Recht im Internet kümmern? Auf einem Panel der Social Media Week in Berlin diskutierten Experten  diese und andere Fragen unter dem Motto „Aktivismus in Social Media und Privatsphäre“.<br />
Eine Menschenrechtsaktivistin, die ihre Festnahme am Flughafen von Bahrain twittert und unmittelbar ein internationales Echo erzeugt. Eine Gruppe in Armenien, die via Facebook den Bau eines Einkaufszentrums verhindert. Das sind nur zwei Beispiele für den Einsatz von Social Media, um einen politischen Zweck zu verfolgen oder sofortige Aufmerksamkeit zu erreichen. Das Interessante daran: Das Internet dient als virtueller Ort, in dem Protestierende vor Verfolgung relativ geschützt sind.<br />
Die aktuell stattfindende <a href="http://socialmediaweek.org/berlin/">Social Media Week </a> beschäftigt sich damit, wie neue Medien und Technologie unser Leben beeinflussen – von Startups über Kreativität bis hin zu ethischem Wirtschaften. Aber auch der Einfluss sozialer Medien auf Protestkultur ist Thema. Unter diesem Vorzeichen diskutierte gestern eine Expertenrunde  aus Journalisten und NGO-Vertretern über die Verantwortung von Staaten, einzelnen Akteuren und großen sozialen Netzwerken in Zeiten des digitalen Wandels. Die zentrale Frage: Wie können wir von Social Media profitieren, während gleichzeitig unsere sensiblen Daten geschützt werden? Was bedeutet Verantwortung im Internet?<br />
Eine aktuelle <a href="http://derstandard.at/2000004653503/Zensur-Netzaktivisten-kritisieren-Bann-von-Enthauptungsvideo">Debatte</a> dreht sich um die Propaganda des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) und die Frage, ob soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook oder Google Inhalte ihrer User zensieren sollten, um eine Verbreitung von gewalttätigen und menschenverachtenden Inhalten zu verhindern. Dürfen private Unternehmen überhaupt Zensur betreiben?<br />
In Deutschland gehört die Meinungs- und Pressefreiheit zu den wichtigsten Grundrechten. So widersinnig und absurd eine Meinung erscheint, sie wird geschützt, solange sie nicht gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstößt. <a href="http://www.tagesschau.de/inland/is-deutschland-102.html">Im Falle von IS</a> ist dieser Verstoß gegeben: Alle Aktivitäten des IS, darunter die Verbreitung und Veröffentlichung von Propagandavideos, sind auf deutschem Territorium untersagt. Höhlen Twitter, Facebook&amp; Co. die staatliche Befugnis, Zensur zu betreiben, aus? Interessante Anstöße gab Marek Tuszynski, Mitbegründer der Organisation  <a href="https://www.tacticaltech.org/">„Tactical Technology Collective“,</a> die sich dafür einsetzt, <a title="Aktivist" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aktivist">Aktivisten</a> digitale Informationen und Hilfsmittel bereitzustellen. Er sieht das Kernproblem woanders: Von sozialen Netzwerken werde nun etwas erwartet, wofür sie nie geschaffen worden sind – Netzwerke seien lediglich Infrastruktur, ein Instrument, um Inhalte zu generieren, nicht mehr und nicht weniger. Die Technologie an sich sei weder gut noch schlecht, aber auch niemals neutral. Und genau das ist derzeit das Dilemma.<br />
Doch wer sollte für Verantwortung im Internet sorgen? Der Internet- und Völkerrechtler <a href="http://www.deutschlandradiokultur.de/konferenz-net-mundial-signal-an-ueberwachungsstaaten-dass.954.de.html?dram:article_id=283445">Matthias Kettemann erklärt in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur</a>, dass das Völkerrecht die Prinzipien regelt, nach denen das Internet reguliert ist. Somit gilt die allgemeine Erklärung der Menschenrechte auch im Netz. Es ist von der Staatengemeinschaft einzufordern, dass dies auch eingehalten wird. Private Unternehmen mit wirtschaftlichen Interessen können und sollen eine solche Aufgabe schlicht und einfach nicht übernehmen.<br />
Es wird deutlich, dass die Frage um Verantwortung im Netz weiter debattiert werden muss. Die Einhaltung nationaler Datenschutzgesetze ist hier ein weiteres Dilemma. In Deutschland dient dieser Appell dem Schutz von Bürgern und deren Privatsphäre, aber wie sieht es in autokratischen Regimen aus, in denen grundlegende Menschenrechte von staatlicher Seite verletzt werden? Wer wird dort durch die Einhaltung von nationalem Recht geschützt? Wenn die Identität eines Oppositionellen dadurch offengelegt werden kann, mit der Folge, dass dieser inhaftiert wird, wem wurde dann gedient? Ob Netzwerke politische Neutralität wahren und jegliches nationales Recht ungeachtet der Konsequenzen für die Bürger respektieren sollten, ist eine Frage, der sich die Netzwerke stellen und für die sie eine Antwort finden müssen.<br />
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/mikecogh/5280585822">Michael Coghlan</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Echt schwierig &#8211; Digitale Presseschau KW35</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/echt-schwierig-digitale-presseschau-kw35-141692/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Aug 2014 14:09:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Soziale Medien sind eine tolle Sache. Bis auf das mit der NSA, klar. Jetzt haben die auch noch die spy-it-yourself-Suchmaschine [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Soziale Medien sind eine tolle Sache. Bis auf das mit der NSA, klar. Jetzt haben die auch noch die spy-it-yourself-Suchmaschine für den behördlichen Alltagsgebrauch. Dass man per Social Media allerdings auch den russischen Präsidenten Lügen strafen kann, ist irgendwie cool. Wenn dann aber Nazis und ISIS-Spinner wiederum Propaganda machen, auch nicht. Echt schwierig. Die Presseschau.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=Tx6d5DTt9ug<br />
Unser Video der Woche behandelt ein trauriges Phänomen: Nicht nur, dass NPD-Anhänger sich mittlerweile unter dem Begriff „Nipster“ gern mal eine Skinny Jeans anziehen und Jutebeutel tragen. Auch auf Facebook, aktuell im Landtagswahlkampf in Sachsen, versucht man sich volksnah und trendy zu geben. Dabei aber bitte nicht vergessen: Ein kackbraunes Plüschmaskottchen macht noch keine Stimmen. Und Nazi bleibt Nazi.</p>
<h3><a href="https://firstlook.org/theintercept/article/2014/08/25/icreach-nsa-cia-secret-google-crisscross-proton/">Google ist für Normalsterbliche</a></h3>
<p>Wie funktioniert das eigentlich genau, wenn die NSA etwas über mich herausfinden möchte? Die traurige Antwort auf diese Frage gibt die amerikanische Enthüllungsplattform „The Intercept“ (deutscher Bericht auf <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/geheimprojekt-icreach-die-suchmaschine-der-nsa-13117326.html">faz.net</a>): Es wird erstmal die Suchmaschine angeschmissen. Während der normale User googelt, benutzen NSA-MitarbeiterInnen die userfreundliche Späh-Suchmaschine „ICReach“. Auf die hat allerdings nicht nur der amerikanische Geheimdienst Zugriff, sondern auch beispielsweise das FBI. Wie praktisch.<br />
<a href="https://firstlook.org/theintercept/2014/08/25/icreach-nsa-cia-secret-google-crisscross-proton/"><em>firstlook.org</em></a></p>
<h3><a href="http://connected.tante.cc/2014/08/25/digitale-souveraenitaet/">Digitale Souveränität?</a></h3>
<p>Jürgen Geuter stellt sich und der Leserschaft in seinem Blog die Frage, was mit dem Begriff der „Digitalen Souveränität“ gemeint sein soll. Die Frage ist berechtigt, taucht die Forderung nach eben dieser doch immer wieder in der Debatte um die Nutzung von Internetdaten auf, zuletzt in begleitenden Texten zur Demo „Freiheit statt Angst“, die am Samstag in Berlin stattfindet. Geuter findet, Digitale Souveränität könne nicht nur für ein bisschen Linux und offenen Quellcode stehen, sondern dafür, wovon der Begriff eigentlich handelt: die Freiheit, selbst zu entscheiden.<br />
<a href="http://connected.tante.cc/2014/08/25/digitale-souveraenitaet/"><em>connected.tante.de</em></a></p>
<h3><a href="https://bellingcat.com/news/mena/2014/08/27/revealed-around-40-russian-troops-from-pskov-died-in-the-ukraine-reinforcement-sent-in/">Versehentlich im Krieg</a></h3>
<p>Die letzten Tage haben einige Verwirrung gestiftet, was die Rolle des russischen Militärs in der Ostukraine angeht. So wenig auch gesichert ist: Den russischen Präsidenten und seine Aussage, dass sich da vielleicht, unter Umständen, zufällig ein paar russische BürgerInnen über die Grenze verirrt haben könnten, nimmt nun wirklich niemand ernst. Viel interessanter ist, was ein russischer Journalist unter dem Pseudonym <a href="https://bellingcat.com/author/magnitsky/">Magnitsky</a> nur mit Hilfe der Social Media-Profile einiger russischer Soldaten herausgefunden hat. Russische Soldaten des 76. Regiments sind an Kämpfen in der Ostukraine beteiligt, einige sind dort auch gefallen. Und es handelt sich nicht gerade um die Aushängeschilder, die Moskau dort gerne sähe.<br />
<a href="https://bellingcat.com/news/mena/2014/08/27/revealed-around-40-russian-troops-from-pskov-died-in-the-ukraine-reinforcement-sent-in/">bellingcat.com</a></p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rolle-sozialer-netzwerke-zensur-oder-selektion-13122124.html">Nachrichten (nur) für dich</a></h3>
<p>Twitter und Facebook sind längst wichtige Nachrichtenquellen, nicht nur für ihre User, sondern auch für JournalistInnen und die klassischen Medien. Während Facebook gar keinen Hehl daraus macht, dass der Newsfeed für jedes Profil nach der „Gefällt mir“-Logik zurechtfrisiert wird, stellt sich auch Twitter eine unangenehme Frage, wie Tobias Kreutzer auf faz.net berichtet. Hier werden die Tweets seit jeher lediglich chronologisch dargestellt: Aber was, wenn das zur Verbreitung von menschenverachtender Propaganda ausgenutzt wird? Welche Verantwortung können die sozialen Medien hier haben?<br />
<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rolle-sozialer-netzwerke-zensur-oder-selektion-13122124.html"><em>faz.net</em></a></p>
<h3><a href="http://www.carta.info/74101/digitaleagenda-das-maerchen-vom-breitbandausbau/">Houston, wir haben ein Finanzproblem</a></h3>
<p>Was ist in den letzten Wochen auf die <a href="http://avatter.de/digitale-agenda/">Digitale Agenda</a> eingeprügelt worden! Vielleicht sogar zu Recht, und dabei bezogen sich die meisten KommentatorInnen (mich eingeschlossen) auf die völlig unpräzisen und nebulösen Aussagen, mit denen das Papier arbeitet. Wenn man aber das, was konkret in dem Text steht, mal ernst nimmt, kommt man zu keinem besseren Ergebnis. Tabea Rößner (Bündnis 90/Die Grünen) tut das in einem Beitrag auf carta.info. Das Ergebnis: Es fehlt Geld. Viel Geld.<br />
<a href="http://www.carta.info/74101/digitaleagenda-das-maerchen-vom-breitbandausbau/"><em>carta.info</em></a><br />
&nbsp;<br />
Foto: Screenshot<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Verführt durch das Internet, klug zu werden E-Demokratie und China &#8211; Teil 2</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/netzpolitik-im-reich-der-mitte/wissensgesellschaftex_wfang002-shtml-3025/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzpolitik im Reich der Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Modernisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kluft]]></category>
		<category><![CDATA[Autoritäres Regime]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Internetnutzer]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/wissensgesellschaftex_wfang002-shtml/</guid>

					<description><![CDATA[Im zweiten Teil beschreibt Weigui Fang die Krise der chinesischen Parteipropaganda und wie sich das Internet trotz Zensur und Abschottung zu einem offenen Medium mit Meinungsvielfalt wandelt. (
                              Teil 1)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im zweiten Teil beschreibt Weigui Fang die Krise der chinesischen Parteipropaganda und wie sich das Internet trotz Zensur und Abschottung zu einem offenen Medium mit Meinungsvielfalt wandelt. (<br />
                              <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/ex_wfang001.shtml">Teil 1</a>)<!--break-->
                            </p>
<p>Der Autor dieses Textes beabsichtigt nicht, die Internetzensur in China zu rechtfertigen, denn sie ist durch nichts zu rechtfertigen. Andererseits ist es jedoch eine Selbstverständlichkeit in einer Demokratie, dass man sich vielseitig informiert oder informieren kann. Die rasante Internetentwicklung in China bringt schon seit langem fast nur Artikel wie „<br />
                            <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/44065" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Amnesty kritisiert hartes Vorgehen Chinas gegen Internet-Nutzer</a>“ mit unzähligen Links mit sich. Damit man das „<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,276167,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">weltweit größte Gefängnis für Internet-Nutzer</a>“, wie die Organisation Reporter ohne Grenzen festgestellt haben will, kennenlernen kann? Oder aktuell plädierte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries für Meinungsfreiheit in China, berichtete<br />
                            <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/47496" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Heise Online</a>. Sonst nichts Neues im Osten? Mit anderen Worten: Kritik ist berechtigt und nötig. Aber genau so nötig ist auch, allseitig zu informieren – zur Meinungsbildung. Gerade in diesem Sinne – nicht mehr, nicht weniger – will dieser Text zeigen: Wie der Baum der Erkenntnis im Eden genannten Paradies der Bibel, verführt das Internet gerade jetzt die chinesischen Nutzer, „klug“ zu werden oder vielseitiger sich zu informieren.</p>
<p>
                            <strong>Krise der Parteipropaganda</strong><br />
                            <br />Lange Zeit, d.h. zwischen der Machtübernahme durch die KP Chinas 1949 und der Öffnung des Landes nach der Kulturrevolution 1976, waren die staatlich kontrollierten Medien die einzige Nachrichten- und Informationsquelle in China. Die Selektion und Verbreitung der Nachrichten haben starke politische Tendenz und sind von &#8216;Selbstschutz&#8217; geprägt. Nach der Öffnungspolitik hat die im Transformationsprozess befindliche Medienlandschaft mehr oder weniger die Stellung der alten monopolistischen Kulturhegemonie erschüttert. Insbesondere in den 90er Jahren sind die Veränderungen verschiedener Medien einschließlich der prominenten Organe unverkennbar. Und die Parteipropaganda ist längst schon in eine schwere Krise geraten.</p>
<p>Die Medien bestimmten (oder genauer: die Partei bestimmte), was in der Wahrnehmung der Massen auf die Tagesordnung kam; was man gerade als Bedrohung, als Hoffnung, als sozial oder politisch bedeutsam empfinden sollte. So gab es dann auch bis vor einigen Jahren noch ein merkwürdiges Phänomen in China: Verschiedene Medien hatten nur eine Stimme; Milliarden Menschen hatten in der Öffentlichkeit nur eine Meinung.</p>
<p>„Heutzutage erlangen immer mehr Chinesen über populäre, internationale, nicht dominante, lokale, kommerzialisierte, individualisierte alte und neue Medien ihre Informationen“, sagt Li Xiguang, Direktor des Zentrums für Internationale Kommunikation der Tsinghua Universität. „Immer weniger holen sie Informationen über zentrale, staatliche, traditionelle, vorherrschende und autoritäre Medien ein. Die Globalisierung und Diversifizierung der Informationen haben in puncto Informationsgewinnung der Chinesen Selektivität, Souveränität und Interaktivität ermöglicht.“ Es ist das Internet, das in hohem Grad die Art und Weise, wie man Informationen gewinnt, verändert hat: immer mehr Menschen scheinen in der Lage zu sein, vom passiven Nachrichten-Empfang zur aktiven Informationsgewinnung überzugehen. Die Zeit der Strategien von oben wird langsam vorbei sein, in der man bei Nachrichtensendungen Unterschiede zwischen fürs Inland und für Ausland bestimmte news machte, Nachrichten mit Verspätung oder gar nicht sendete.</p>
<p>
                            <strong>Heikle Fragen für China</strong><br />
                            <br />Chatroom, BBS, Cyber-Community – diese Neologismen sind schon längst nicht mehr neu in China. Vom Nichts zu einem imposanten Anblick, von einer Neuigkeit zu einer Selbstverständlichkeit – das ist die kurze und auf den ersten Blick triumphale, letztlich jedoch durchaus tiefgehende und bewusstseins- wie praxismäßig nicht ohne Konsequenzen bleibende Entwicklung einer Cyber-Öffentlichkeit in China. Die technischen und kommerziellen Pioniere, aber auch die normalen Nutzer sind insofern Träger des Ruhmes und Traums eines chinesischen Internet – und dies schon seit einigen Jahren. Gedanken und Gefühle, die man im realen Leben oder in den traditionellen Massenmedien schwer zum Ausdruck bringen konnte, sind nun im Netz keine Seltsamkeit mehr. Interessante Debatten werden dort ausgetragen – Debatten, die, gespeist aus ganz diversen Informationen, des öfteren selbst Informationen erschaffen. Gerade hier und in diesem Moment können wir Esther Dyson besser verstehen, wenn sie behauptet (Handelsblatt 30.10.2000): „Das eigentliche Internet interessiert mich überhaupt nicht.“ Viel wichtiger sei, was die Nutzer mit diesem technischen Mittel machen, meint die prominente Web-Pionierin und frühere Chefin der Internet-Verwaltungsorganisation Icann.</p>
<p>Es ist noch gar nicht lange her, als der Einsatz von BBS in China das erste Anzeichen einer verstärkten Internetnutzung erkennen ließ. Worüber man seinerzeit am meisten diskutierte, war per se das „Forum“ im Cyberspace – ein Thema, das auch etliche Kontrollbehörden mit großer Aufmerksamkeit verfolgten. Zugleich mit diesem Thema kam eine Frage nach der anderen auf die Tagesordnung: Soll das Internet nun gleichfalls wie die traditionellen Medien streng kontrolliert werden? Wie groß darf denn eigentlich die Redefreiheit der Diskussionsteilnehmer sein? Ist der aktuelle Nutzer oder der ISP-Inhaber dafür verantwortlich, wenn sogenannte „ungesunde“ oder auch „falsche“ Informationen oder sogar „staatsgefährdende Komponenten“ im jeweiligen Forum auftauchen? Inwieweit kann die „freie Meinungsäußerung“ als verletzt erachtet werden, wenn der Forum-Administrator manche Informationen aus dem Netz nimmt?</p>
<p>
                            <strong>Der Wandel hin zu &#8216;einem Medium viele Stimmen&#8217;</strong><br />
                            <br />Anders als die traditionellen Medien, die leichter zu kontrollieren sind, ist die Kontrolle des Informationsflusses im Internet ein kompliziertes und delikates Unterfangen. Man muss sagen, dass der in China erreichbare Grad der ‚Information Accessibility’ durch das Internet eine neue Qualität angenommen haben, wie es übrigens auch die neueren Umfragen von<br />
                            <a href="http://www.cnnic.com.cn/en/index/index.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CNNIC</a> oder die Berichterstattung während des<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/e-demokratie/netzkampagnen/irak2.shtml%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Irakkriegs</a> belegen. Dass ein enger Zusammenhang zwischen politischem Urteilsvermögen und jeweiligem Grad der Informiertheit der Bürger besteht, ist allgemein bekannt. Zweifelsohne haben Fernsehen, Rundfunk und Presse in China bei den News längst nicht mehr jene einheitliche Stimme, wie man sie früher kannte; unübersehbar ist, dass die „Meinungsfreiheit“ auch schon längst weit größer ist als es das Gesetz vorsieht. Verschiedene Meinungen sind alltäglich. Insbesondere das Internet ist in China zu einer wichtigen Nachrichtenquelle geworden. Der Wandel von &#8216;mehreren Medien eine Stimme’ zu &#8216;einem Medium viele Stimmen’ ist ein Phänomen unseres Internetzeitalters.</p>
<p>Das Internet verändert nicht nur die Form der Nachrichtensendungen und deren Wechselwirkungsprozesse, es beeinflusst auch die Meinungsbildung im politischen Leben Chinas. Denn es handelt sich bei dem neuen Medium zweifelsohne um ein Moment der Gewinnung eines Mitspracherechts. Dass in China die Foren und Chaträume besonders beliebt sind, ist sicherlich auf ein wahrgenommenes oder gefühltes Defizit zurückzuführen, welches die neuen Möglichkeiten kompensieren oder zu kompensieren scheinen. Die Interaktivität und enorme Kapazität des Internet sind letzten Endes nur technische Voraussetzung für Foren und Chaträume. Es steckt hinter ihrer zunehmenden Nutzung vor allem das dringliche Bedürfnis nach Meinungsaustausch und das Streben nach einem Mitspracherecht, und es ist dieses Begehren, es sind derartige Wünsche, welche die Antriebskraft und Basis für das Florieren der cyber communities darstellen. Selbst Jiang Yaping, Chef von<br />
                            <a href="www.peopledaily.com.cn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.peopledaily.com.cn</a>, sagt: „Ein Online-Medium ohne Foren wäre wie ein Mensch, dem ein Bein fehlt.“</p>
</p>
<p>
                              <strong>Weiterführende Artikel:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/ex_wfangbio.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zur Biographie</a>
                              </li>
<li>
                                <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/index.shtml#china">China-Dossier</a><br />
                                
                              </li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Vor dem Internet gab es keine Öffentlichkeit in China&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/vor-dem-internet-gab-es-keine-oeffentlichkeit-in-china-5410/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sebastian Drescher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Sep 2011 18:19:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Anti]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/manti_teaser2_0.jpg" title="Michael Anti" align="left" height="106" width="115" />Michael Anti wird heute mit dem renommierten M100 Medienpreis 2011 in Potsdam ausgezeichnet. Wir haben uns mit dem chinesischen Blogger und Journalisten über Meinungsfreiheit, Netzwerke &#34;Made in China&#34; und Staatspropaganda 2.0 unterhalten.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/manti_teaser2_0.jpg" title="Michael Anti" align="left" height="106" width="115" />Michael Anti wird heute mit dem renommierten M100 Medienpreis 2011 in Potsdam ausgezeichnet. Wir haben uns mit dem chinesischen Blogger und Journalisten über Meinungsfreiheit, Netzwerke &quot;Made in China&quot; und Staatspropaganda 2.0 unterhalten.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Der 36-Jährige Michael Anti heißt mit bürgerlichem Namen Zhao Jing und ist in erster Linie ein Journalist, der selten ein Blatt vor den Mund nimmt. Für die chinesische Presse schreibt er über Filz und Korruption in seinem Heimatland. Sein Blog, das 2005 auf Druck des Regimes von Microsoft abgeschaltet wurde, gehörte zu den meistgelesensten Chinas. Vorbildlich und mutig sei Antis Eintreten für Presse- und Meinungsfreiheit, schreiben die Laudatoren des <a href="http://www.m100potsdam.de/index.php/m100-de/aktuelles/162-pmpreistraeger.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medienpreises M100</a> und wollen mit der Auszeichnung ein Zeichen setzen.</p>
<p><b>Herr Anti, Sie wurden bekannt als kritischer Blogger und als Verfechter von Presse- und Meinungsfreiheit in Ihrer Heimat China. Wurden Sie jemals verhaftet? </b></p>
<p>Nein, verhaftet worden bin ich bisher nicht. Natürlich bin ich in meiner Arbeit eingeschränkt und es besteht immer ein gewisses Risiko, aber ich gehe mit diesem Risiko sehr verantwortungsvoll um. Es gibt eine Linie – und die habe ich bisher nie wirklich überschritten. Selbstzensur ist in diesem Sinne überlebenswichtig. Wenn man in China für eine Sache kämpft, ist das ein längerfristiges Projekt, da bringt es wenig, zu viel auf einmal zu riskieren. </p>
<p><b>Das chinesische Regime hat die Internet-Zensur im vergangenen Jahr nochmals verschärft: Soziale Medien aus dem Ausland werden geblockt, Popsongs zensiert, die Presse weiterhin massiv kontrolliert. Hat das Regime Angst, die Kontrolle über das Internet und damit das eigene Volk zu verlieren? </b></p>
<p>Nach dem Arabischen Frühling erschien das Internet den Verantwortlichen in der chinesischen Regierung als echte Gefahr. Vor allem, weil es den Menschen, die bisher keine Stimme hatten, eine Möglichkeit bietet, ihre Meinung auszudrücken. Und weil es die Entstehung einer neuen Gesellschaft fördert. Bevor das Internet aufkam, gab es so etwas wie Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit in China eigentlich überhaupt nicht.</p>
<p><b>Welche Rolle spielen dabei die chinesischen sozialen Medien? Zum Beispiel Weibo, das angeblich schon von knapp 200 Millionen Chinesen genutzt wird?</b></p>
<p>Weibo, die chinesische Antwort auf Twitter, hat einen enormen Einfluss. Es ist dabei, die Gesellschaft und die Denkweise vieler Menschen zu verändern. Nehmen wir zum Beispiel einen Kleinbauern aus der Provinz. Wenn er früher ein Problem oder ein Anliegen hatte, musste er nach Peking fahren und wurde dort meist einfach abgewiesen und zurückgeschickt. Heute kann er im Internet oder mit dem Smartphone seine Geschichte und Bilder auf Weibo posten und so für Aufmerksamkeit sorgen. Mit etwas Glück wird seine Geschichte von der Presse übernommen, was natürlich auch die Chance erhöht, dass sein Anliegen von der Obrigkeit ernst genommen wird. Weibo und andere haben somit auch ein großes Potential für eine demokratische Bewegung. Das ist auch der Regierung bewusst, deswegen tut sie alles, um die Vernetzung der Zivilgesellschaft zu verhindern, und zensiert massiv. Die Zensoren überwachen dabei weniger die Inhalte, sondern kappen einfach die Verbindungen zu bestimmten Usern, die als gefährlich eingeschätzt werden. Teilweise werden Nutzer, die auf diesem Index erscheinen, auch direkt gelöscht. </p>
<p><b>Nutzen Sie Weibo?  </b></p>
<p>Ja, ich nutze es, aber nicht so häufig. Ich bin gerade dabei, es zu testen und versuche zu verstehen, was da passiert. Hauptsächlich <a href="http://twitter.com/mranti" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nutze ich Twitter</a>. </p>
<p><b>&#8230; obwohl Twitter in China gespert ist &#8230;? </b></p>
<p>Ja, ich nutze VPN-Verbindungen, um die Sperrung zu umgehen. Twitter ist eine Brücke zwischen China und der restlichen Welt und spielt eine sehr wichtige Rolle in regimekritischen Kreisen. Außerdem kann ich auf Twitter alles posten und muss mich nicht auf mein &quot;zensiertes Ich&quot; beschränken. VPN und andere Umgehungstechnologien sind deswegen auch entscheidend, um mit der Welt außerhalb Chinas zu kommunizieren und beispielsweise Google ungefiltert nutzen zu können. Das gilt nicht nur für Regimekritiker, sondern auch für Journalisten, Akademiker und natürlich im Business-Bereich. </p>
<p><b>Bieten das Internet und die sozialen Medien nicht auch neue Möglichkeiten der staatlichen Überwachung? </b></p>
<p>Natürlich. Und staatliche Organe nutzen die Plattformen auch aktiv für ihre Zwecke. Weibo ist zu einem Seismographen der öffentlichen Meinung geworden. Das spielt vor allem der Zentralregierung in die Hände, die dank der sozialen Medien ein besseres Stimmungsbild aus den einzelnen Provinzen erhält und so besser gegensteuern kann. Das Regime greift auch direkt ein. Im Rahmen der &quot;Anti-Rumour-Campaign&quot; werden an jeden einzelnen Weibo-Nutzer Nachrichten mit der offiziellen Stellungnahme zu bestimmten Ereignissen verschickt. Das ist Staatspropaganda 2.0. </p>
<p><b>Wie ist das Verhältnis von klassischen und Neuen Medien in China? </b></p>
<p>Ich denke, man kann heute gar nicht mehr kategorisch zwischen klassischen und Neuen Medien unterscheiden. Im Westen dominieren noch die klassischen Medienformen, hier in China ist das anders. Das liegt vor allem an der großen professionellen Inkompetenz und der Selbstzensur chinesischer Medien. Das Internet ist heute zentral für das komplette Mediensystem in China. Zum einen, weil es einen sehr viel freieren Austausch von Informationen ermöglicht. Zum anderen war das Internet schon vor der Kommerzialisierung von Presse und Fernsehen da und viele Journalisten kommen aus dem Web-Bereich. Fast alle Journalisten sind heute auch gleichzeitig Blogger und nutzen aktiv soziale Medien. Die traditionellen Medien können ohne das Internet gar nicht mehr existieren und den Hunger der Chinesen auf Nachrichten und mehr Information stillen. <br />
<b><br />
Welchen Beitrag leistet hier die chinesische Diaspora mit der Bereitstellung von Informationen und Nachrichten? </b></p>
<p>In dem Kontext ist vor allem Übersetzungsarbeit wichtig. Es gibt viele Blogger und NGOs, die internationale Nachrichten ins Chinesische übersetzen. Dadurch wird fast jede Meldung, die in der englischsprachigen Presse über China erscheint, auch bei uns zugänglich gemacht.</p>
<p><b>Zurück zum Arabischen Frühling. Wie groß schätzen Sie die Chance ein, dass in naher Zukunft etwas Ähnliches auch in China passiert? </b></p>
<p>Gleich null. Und dafür gibt es zwei Gründe: Erstens ist die Zivilgesellschaft in China noch viel schwächer und weniger vernetzt als in Nordafrika. Auch weil Plattformen wie Weibo bisher mehr ein Medien-Phänomen sind und keine freie Vernetzung zulassen. Es kommt zwar vereinzelt zu lokalen Protesten wie kürzlich in Dalian mit dem erfolgreichen <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/150311" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Protest gegen eine Chemiefabrik</a>, aber von einer landesweiten Bewegung sind wir noch sehr weit entfernt. Zweitens haben viele Chinesen ja auch kein schlechtes Leben. Die wirtschaftliche Situation ist immer noch der entscheidende Faktor bei der Frage, ob es zu einer Revolution kommt oder nicht.  </p>
<p><b>In einem Interview sprachen Sie davon, dass es in China weniger darum gehe, die Massen zu mobilisieren, denn darum, die &quot;Richtigen&quot; anzusprechen. Wen meinten Sie damit, wer hat in China die Macht, etwas zu bewegen?</b></p>
<p>Ich würde sagen, das ist am ehesten die Mittelschicht. Die Meinung der Massen zählt wenig in China, da es keine Wahlen und Beteiligungsmöglichkeiten gibt. Wichtiger ist die Mittelschicht, da sie viel stärker mit dem politischen System und dem Regime vernetzt ist. Ein Wandel in den Bedürfnissen und Ansprüchen der Mittelschicht kann somit einen viel größeren Einfluss auf die Politik haben. </p>
<p><b>Haben Sie eine Vorstellung davon, wie Presse- und Meinungsfreiheit in China aussehen sollten? </b></p>
<p>Nun, ähnlich wie in Deutschland oder den USA. Aber ein Ideal gibt es nicht. Jedes System hat Schwächen. In China brauchen wir in erster Linie Meinungsfreiheit, die durch die Verfassung geschützt wird &#8211; und natürlich Rechtsstaatlichkeit. Es darf Beschränkungen der Meinungsfreiheit geben, solange dies innerhalb eines Rechtsrahmens geschieht. </p>
<p><b>Da liegt noch ein langer Weg vor Ihnen&#8230; </b></p>
<p>Ja, das stimmt. Aber man darf nicht hektisch werden, sondern sollte sich längerfristige Ziele stecken. Wir brauchen mindestens eine Generation Zeit, um eine solide Grundlage für den Wandel zu schaffen. Zu viel Optimismus und extreme Forderungen schaden nur und sorgen für Panik in der Regierung.   </p>
<p><b>Sehen Sie in diesem Kontext eine Verantwortung bei den westlichen Mächten? Sollten sie sich mehr einmischen? </b></p>
<p>Keine Kompromisse! Das ist die Verantwortung, die der Westen der restlichen Welt gegenüber hat. Ihre Regierung sollte zum Beispiel keine Zensur-Technologie an die Ägypter verkaufen oder gegen die Menschen in Libyen stimmen. Der Westen sollte zu seinen Werten stehen und diese nach außen vertreten, auch in harten Zeiten. Ohne die Idee der Gerechtigkeit ist der Westen nur ein Haufen Eindringlinge.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Rechtsextremismus im Internet. Die neue Gefahr.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:45:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Extremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Subkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Von Rainer Fromm und Barbara Kernbach. Mitte 2000 zählte das Bundesamt für Verfassungsschutz allein in Deutschland ca. 500 Home-pages mit rechtsextremen Inhalten. Seit Mitte der 90er Jahre steigt die Zahl der Websites enorm an: von 32 (1996), über rund 100 (1997), auf 200 (1998) und über 300 (1999). Zusätzlich kommen noch mehr als 2000 Sites aus den USA und Skandinavien hinzu. Dies ist Anlass für Rainer Fromm und Barbara Kernbach, einen Überblick über die &#34;Flut des rechtsextremen Internetangebots&#34; zu geben. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">Von Rainer Fromm und Barbara Kernbach. Mitte 2000 zählte das Bundesamt für Verfassungsschutz allein in Deutschland ca. 500 Home-pages mit rechtsextremen Inhalten. Seit Mitte der 90er Jahre steigt die Zahl der Websites enorm an: von 32 (1996), über rund 100 (1997), auf 200 (1998) und über 300 (1999). Zusätzlich kommen noch mehr als 2000 Sites aus den USA und Skandinavien hinzu. Dies ist Anlass für Rainer Fromm und Barbara Kernbach, einen Überblick über die &#8220;Flut des rechtsextremen Internetangebots&#8221; zu geben. <!--break--></p>
<p>Das Buch richtet sich an &#8220;Jugendliche, Eltern, Erzieher, Lehrer und Dozenten der politischen Bildung&#8221; und bilanziert die aktuelle Lage (Stand: November 2000) im Internet. Die Autoren sind Journalisten und beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema Rechtsextremismus &#8211; unter anderem schrieben sie Bücher und drehten TV-Dokumentationen. Für diese Publikation konnten beide auf eine gemeinsame Fernsehpro-duktion zu Rechtsextremismus im Internet zurückgreifen.<br />
Nach dem 1997 erschienenen Sammelband &#8220;Netz des Hasses&#8221; vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) ist die vorliegende Darstellung die zweite auf deutsch herausgegebene Veröf-fentlichung zum Thema.Das Autorenduo liefert viele Kurzdarstellungen von verschiedensten rechtsextremen Gruppie-rungen. Vorwiegend sind es deutsche Anbieter der rechten Szene, auf die näher eingegangen wird. Das rechte Spektrum reicht von den Wahlparteien NPD, Republikaner und DVU, über Einzelpersonen, Theorieorgane, Kameradschaften und Anti-Antifa-Gruppierungen, bis hin zur Subkultur und Musik wie Skinheads, NS Black Metal und Dark Wave. Weiter beschreiben sie Internet-Seiten aus dem Ausland wie die der NSDAP/AO oder von Stormfront, Sites von Holocaust-Leugnern und Gewaltspielen.<br />
Das Angebot beinhaltet programmatische Schriften und Songtexte sowie MP3-Dateien und Spiele zum Downloaden.Bei den deutschen Seiten fällt auf, dass sie meist nur Texte und Musik veröffentlichen, die keinerlei strafrechtlichen Inhalte wiedergeben, um so dem Verbot zu entgehen. Die Parteien spiegeln ihre Programme aus den diversen Printmedien und geben sich harmlos. Schließlich soll kein verfassungsfeindliches Material bereitgestellt werden, um kein Partei-Verbot zu ris-kieren. Für menschenverachtende Texte &#8220;sorgen&#8221; Einzelpersonen und kleinere Gruppen. Die-se Pages werden vom Verfassungsschutz überwacht und häufig auch geschlossen. Deshalb suchen sich viele Rechtsextremisten Anbieter im Ausland, wo es oft keine rechtlichen Rege-lungen gibt wie in Deutschland. Meistens sind diese Domains in den USA oder Skandinavien registriert und somit dem Zugriff deutscher Behörden entzogen. Das Internet wird von diesen ausländischen Anbietern neben anderen Medien als Mobilisierungs- und Vertriebsmedium genutzt.Von US-amerikanischen und skandinavischen Providern aus wird ein florierender Handel mit Hakenkreuzfahnen, Hitlerbüsten und anderen NS-Devotionalien, NS-Filmen (&#8220;Jud Süß&#8221; oder &#8220;Der ewige Jude&#8221;), Büchern (&#8220;Mein Kampf&#8221; und &#8220;Die Protokolle der Weisen von Zion&#8221;) und Musik-CDs von Nazi-Bands mit widerlichen antisemitischen und nationalsozialistischen Texten betrieben.<br />
Doch um sich braune Musik oder Bücher zu besorgen, muss man nicht einmal Bestellungen tätigen. Viele Songs stehen als MP3-Files gratis im Netz. Es gibt hierfür sogar richtige Charts. Außerdem sind diverse Hassspiele, wie &#8220;Nazi-Doom&#8221;, abrufbar.Viele Rechtsextremisten sehen im Internet die Chance, menschenverachtende Behauptungen unbehelligt zu verbreiten. Für sie bietet das World Wide Web die Möglichkeit eine soge-nannte &#8220;Gegenöffentlichkeit&#8221; zu schaffen. Die Kommunikation untereinander wird erheblich erleichtert. Das alte System der nationalen Mailboxen und Infotelefone konnte ersetzt werden. Außerdem sind viele rechtsextreme Seiten miteinander verlinkt, so dass eine enge internatio-nale Verknüpfung besteht und es ein Leichtes ist, von Deutschland aus auf Seiten volksver-hetzenden und holocaust-leugnenden Inhalts zuzugreifen.Die Autoren stellen klar, dass man dem Rechtsextremismus im Internet nicht hilflos ausgelie-fert sein muss. Als Gegenstrategien lehnen sie allerdings Verbote und Filterprogramme auf-grund ihrer geringen Wirkung ab.<br />
Stattdessen setzen sie auf Aufklärung im Internet. Sie verweisen auf engagierte Initiativen (www.adl.org, www.shoa.de, www.fasena.de) im Netz. Auch ihr Buch sehen sie als Beitrag hierzu.Selbstverständlich können in diesem Buch nicht alle rechtsextremen Websites vorgestellt werden. Daher werden die bekanntesten und wichtigsten Seiten exemplarisch behandelt. Den Anspruch, einen Überblick zu liefern, hält das Buch ein. Doch leider geht es über eine bloße Beschreibung oft nicht hinaus. Originalzitate rechter Homepages werden Verfassungsschutz-berichten gegenübergestellt, ohne dass die Autoren zu einer echten Analyse kommen. Außer-dem wäre eine theoretische Vorüberlegung angebracht gewesen: die Autoren schwanken zwi-schen den Begriffen &#8220;Rechtsradikalismus&#8221; und &#8220;Rechtsextremismus&#8221;. Ein erklärendes Glossar mit Szene-Jargon (beispielsweise dass &#8220;18&#8221; für &#8220;Adolf Hitler&#8221; und &#8220;88&#8221; für &#8220;Heil Hitler&#8221; steht; der erste bzw. achte Buchstabe des Alphabets) hätte einige Wiederholungen erspart und dem unkundigen Leser geholfen. Noch wichtiger wäre allerdings ein Register gewesen, um die Vernetzungen der rechten Szene aufzuzeigen. Leider wird auch keine Einschätzung gege-ben, wie groß die Gefahr des Rechtsextremismus im Netz nun eigentlich ist. Grundlegend bietet dieses Buch aber einen guten Einstieg ins Thema.</p>
<table width="150" border="0" cellspacing="0" cellpadding="2" align="left">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#ffcc00" width="100"><strong>Buch-Infos</strong></td>
<td rowspan="2"></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffcc">Rainer Fromm und Barbara Kernbach<br />
Rechtsextremismus im Internet. Die neue Gefahr.München 2001 (Olzog Verlag), 290 Seiten, DM 29,-</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Der Krieg in den Köpfen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/der_krieg_in_den_koepfen-35/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Krieg im Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Analyse]]></category>
		<category><![CDATA[Massenkultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Die SPEX-Autoren Tom Holert und Mark Terkessidis dokumentieren in ihrem neuen Buch &#8222;Entsichert&#8220; die Mobilmachung des &#8222;Kriegsshowbusiness&#8220; seit Vietnam.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die SPEX-Autoren Tom Holert und Mark Terkessidis dokumentieren in ihrem neuen Buch &#8222;Entsichert&#8220; die Mobilmachung des &#8222;Kriegsshowbusiness&#8220; seit Vietnam.</strong></p>
<p>&#8222;Entsichert&#8220;, das ist der Zustand kurz vor dem Abdrücken der Waffe, der Moment der Spannung im Kino, das kontrollierte Innehalten vor dem finalen Todesschuss. &#8222;Entsichert&#8220; ist auch der Titel der im vorjährigen November erschienen Kriegsanalyse von Tom Holert und Mark Terkessidis. Die zwei Kulturtheoretiker der Popgeschichte haben ihre Schreibtische verlassen, um die jüngsten Kriegsschauplätze wie Pristina, Belgrad, Tetovo, Ho-Chi-Minh-Stadt oder Manhattan aufzusuchen. Die Autoren zeigen in ihrem Buch eingängig, dass eine globale Mobilmachung in Sachen Krieg über Sprache und Medien schon längst erfolgt ist: der Tarnlook bis zum Camouflageunterhöschen ist in Mode und der Fitnesstrend propagiert durchtrainierte Körper à la Riefenstahl. Die Konsumware &#8222;Krieg&#8220; durchzieht das Alltagsleben. Jeder einzelne läuft Gefahr, so Holert und Terkessidis, zum Einzelkämpfer im Neoliberalismus zu mutieren. </p>
<p>Unsere Wirtschaftsform sei, so eine der Grundthesen, schleichend aber spürbar zu einer &#8222;Praxis und Ideologie des Krieges&#8220; entwachsen. Und die Angst würde weiter geschürt. Das Vorgehen gegen &#8222;Schurkenstaaten&#8220; für eine &#8222;globale Sicherheit&#8220; gehöre zum Grundvokabular der Abendnachrichten. </p>
<p><strong>Kriegsspektakel und Spektakelkrieg</strong><br />Die Autoren decken auf, wie Hollywoodkino, Videospiele und die Bildmaschinerie der Nachrichten auf die Menschen wirken. Wie kommen Sprachschöpfungen wie &#8222;Killerviren&#8220;, &#8222;Scheidungskampf&#8220; und &#8222;Guerillamarketing&#8220; zu Stande? Laut Holert und Terkessidis befinden wir uns in einem &#8222;massenkulturellen Krieg&#8220;. Die &#8222;Massenkultur&#8220; des Westens sei von der Kultur des Krieges durchdrungen; an den aktuellen Kriegsschauplätzen, außerhalb unserer behüteten Sicherheitszonen, bestimme dagegen der Krieg die Kultur der Massen. Zur Beweislage ihrer Thesen haben sich Holert und Terkessidis auch auf dem Rummelplatz der Actionfilmgeschichte umgeschaut. Wie ein Barometer der politischen Stimmungslage funktionieren die Ballerstreifen von &#8222;Rambo&#8220; bis &#8222;Universal Soldier&#8220;, die Exportschlager der amerikanischen Filmindustrie erreichen ihr Publikum von der Ersten bis zur Dritten Welt. </p>
<p>Die Unterscheidungsmoral des Actionkinos funktioniert als Corporate Identity der amerikanischen Politik. Diese Kausalität zeigen die Autoren am Sinnspiel von &#8222;Star Wars&#8220; &#8211; Reagan&#8217;s Raketenabwehr im Weltraum ist gleichlautend mit George Lucas&#8217; SF-Kultfilmen. Hollywood, behaupten die Autoren des Buches, legitimiere den Konsumenten zu einer Identifikation innerhalb des Freund-Feind-Schemas.</p>
<p><strong>Der erste Living-Room War</strong><br />Die Initiation der fetischisierenden Kinomaschinerie aus Bild-Erinnerung-Trauma liegt für Holert und Terkessidis in Vietnam. Das Schlachten wurde zum Hauptthema einer nationalen Gefühlsrotation, die sich mit der Produktion von Filmklassikern wie &#8222;Apokalypse Now&#8220; oder &#8222;Full Metal Jacket&#8220; bis zu &#8222;Black Hawk Down&#8220; selbst nährt. Die Massenkonsumware Krieg wurde zum Bestseller durch die Einbindung der Gegenkultur, einer Melange aus Hippiekiffern und Surf´n Roll. Vietnam ist auch der Motor, der Reagan kurz nach Amtsantritt vor Gründern einer Veteranen-Stiftung zu der im Buch zitierten Aussage veranlasste: &#8222;Das Schlimme an Vietnam war, dass wir euch nie erlaubt haben, den Krieg zu kämpfen, den ihr hättet kämpfen können. Und damit haben wir euch den Sieg verweigert, den all unsere anderen Veteranen genießen durften. Das wird nie wieder passieren&#8230;&#8220;.</p>
<p>Wie die Autoren in fünf Kapiteln erklären, sind es vor allem Männer, die die Sehnsucht nach Action und Ausnahmezustand treibt. Sie sind die testosterongeplagten Headhunter und &#8222;Lifestylerekruten&#8220; &#8211; sie stellen die Amokschützen in den Schulen von Erfurt und Littleton.</p>
<p> Das letzte Kapitel widmet sich mit dem 11. September der &#8222;Kriegsarchitektur des Westens&#8220; und &#8222;dem Vitalismus der Kampfzone&#8220;. Kriegerische Zustände beherrschten die Börsianer an der Wall Street und Ground Zero ist die tiefe Narbe: &#8222;Das Bedürfnis nach Sicherheit verwandelt die Stadt immer weiter in eine Kampfzone, während die &#8222;warzone&#8220; zum Ort körperlicher Erfahrung in der Massenkultur avanciert&#8220;. </p>
<p><strong>Sich weigern, mobilisiert zu werden</strong><br />Der Vormarsch des American Way of Life in die islamische Welt scheint beschlossene Sache zu sein. George Bush am 21. November 2001: &#8222;Afghanistan ist erst der Anfang im Krieg gegen den Terror. Es gibt andere Terroristen, die Amerika und unsere Freunde bedrohen und andere Nationen als willige Sponsoren. Wir werden diese Übeltäter über die Jahre auf der ganzen Welt bekämpfen&#8220;. Der Lektüre von &#8222;Entsichert&#8220; verleihen die aktuellen Ereignisse eine unheimliche Brisanz: was geschieht, wenn Rambo nach erfolgreichen operativen Maßnahmen und humanitären Aktionen in der Golfregion wieder nach Hause kommt?</p>
<p>The winner takes it all: Holert und Terkessidis demontieren in akribischer Recherche die inflationär eingesetzte Mär vom Siegertypen. Wie simpel und gefährlich kriegstreiberische Rhetorik arbeitet und wohin die Identifikation mit einer hochtechnisierten Tötungsindustrie führt, mündet nach den gut lesbaren 257 Seiten in ein Statement gegen die Vereinnahmung durch das Kriegsshowbusiness &#8222;&#8230;sich zu weigern, mobilisiert zu werden.&#8220; </p>
<p>Kulturpessimistische Verneinung und Verweigerung anstelle von machbarer Politik? Mit der Schuldzuweisung an die Massenmedien machen es sich die Autoren zu einfach. Ihr Bild des Nachrichtenkonsumenten ist zu schablonenhaft und negativ gefärbt. Dass Bilder lügen, dass Kriege herbeigelogen werden und mit immer neuen Wortschöpfungen für den Zuschauer erträglich gemacht werden, ist nicht neu. </p>
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<div align="center">Erschienen am 06.3.2003</div>
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