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	<title>Proteste &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Proteste in Armenien: Von der Straße ins Netz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irena Sargsyan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2015 09:48:54 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Seit den letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in den Jahren 2008, 2012 und 2013 wollen die Demonstrationen in der armenischen Hauptstadt Jerewan nicht enden. Ende 2014 übertrafen sie jedoch alle vorangegangenen. Grund für die erneuten Proteste ist neben der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem aktuellen Regime die schlechte soziale und wirtschaftliche Lage der Bevölkerung. Armenien steht womöglich vor politischen Umwälzungen – und das Internet spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Laut Angaben der <a href="http://www.itu.int/en/ITU-D/Statistics/Documents/publications/mis2014/MIS2014_without_Annex_4.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vereinigung für Internationale Telekommunikation</a> (ITU) ist die Internetnutzung in Armenien seit dem Jahr 2008 um 700 Prozent, von ca. sechs auf knapp 50 Prozent angestiegen. Das Internet stellt heute eine wichtige Plattform für den politischen und sozialen Diskurs in Armenien dar. Sein Potential wurde jedoch erst nach den dramatischen Entwicklungen vor sieben Jahren erkannt. Was damals geschah:</p>
<p><b>Die Protestbewegung 2007-2008  </b></p>
<p>Jeder Armenier erinnert sich an die Ereignisse vom 1. März 2008. An diesem Tag wurden die seit Monaten andauernden friedlichen Demonstrationen gewaltsam aufgelöst. Acht Menschen kamen laut offiziellen Angaben ums Leben, ca. 150 Menschen wurden festgenommen. Der scheidende Präsident, Robert Kotcharian, verhängte daraufhin den Ausnahmezustand. „Eine solche Wendung der Ereignisse kam für viele unerwartet, wirkte einschüchternd und entmutigend“, berichtet die Politikwissenschaftlerin Hripsime Grigoryan, die selbst an der Protestbewegung beteiligt war. Wie viele andere junge Armenier war auch sie mit der herrschenden Regierung unzufrieden und suchte nach Wegen, sich für mehr Demokratie, Gerechtigkeit und Menschenrechte einzubringen.</p>
<p>Im September 2007 hatte der erste Präsident der Republik Armenien, Lewon Ter-Petrosjan, im Vorfeld der Präsidentenwahl eine beeindruckende Rede gehalten. Darin kritisierte er das Regime als kriminell, korrupt und oligarchisch und setzte den Anfang für die landesweite Protestbewegung. Insbesondere junge Armenier fühlten sich von ihm und seiner Rede inspiriert und sahen in ihm ihr zukünftiges Staatsoberhaupt. „Damals war das Internet in Armenien nicht besonders verbreitet, also organisierten wir uns über private Kontakte“, erzählt die Politikwissenschaftlerin Grigoryan. Die Bewegung bekam den Namen „Volksbewegung“, sie sollte die verfassungsmäßige Ordnung im Lande wiederherstellen und das „räuberische“ Regime abschütteln. „Die Anhängerschaft des ehemaligen Präsidenten Lewon Ter-Petrosjan wuchs rapide. Binnen weniger Monate erreichte ihre Anzahl mehrere Hunderttausend“, erinnert sie sich.</p>
<p>Trotz registrierter Wahlfälschungen und Angriffen auf Oppositionsführer und Journalisten erklärte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die am 19. Februar 2008 abgehaltenen Wahlen für rechtmäßig. Der Nachfolger des amtierenden Präsidenten wurde Sersch Sargsjan mit ca. 53 Prozent der Stimmen. Lewon Ter-Petrosjan, den offiziell lediglich 21,5 Prozent der Armenier gewählt hatten, rief die Opposition auf, die Wahlen zu torpedieren und appellierte an das Verfassungsgericht. Die friedlichen Kundgebungen und Proteste wurden auf dem Platz der Freiheit fortgesetzt, um am 1. März 2008 ihr gewaltsames Ende zu finden. „Die Polizei griff an diesem Tag die Protestierenden auf dem Platz der Freiheit an, als sie ahnungslos in den aufgeschlagenen Zelten schliefen. Hunderte von Zivilisten wurden brutal zusammengeschlagen und verletzt“, berichtet Hripsime Grigoryan.</p>
<p><b>Medienzensur und das Aufleben des Internets</b></p>
<p>In derselben Nacht verhängte der scheidende Präsident Robert Kocharyan den Ausnahmezustand für 20 Tage und verabschiedete ein Dekret, demzufolge die Medien nur aus offiziellen Quellen berichten durften. Die Zensur erstreckte sich auf alle traditionellen Massenmedien.</p>
<p>„Die Menschen erhielten keine Informationen darüber, wie viele Tote, Verletzte und Verhaftete es gab, was genau in der Nacht zum 1. März vorgefallen war, welche Institutionen involviert waren, welche Rolle dabei die Polizei und die bewaffneten Streitkräfte spielten”, so Grigoryan. „Es war dieses Informationsvakuum und das absolute Fehlen einer alternativen Informationsquelle, die die Menschen dazu brachten, ins Internet zu gehen. Obwohl es damals nur von einigen wenigen Armeniern genutzt wurde und trotz langsamer Dial-Up-Verbindung, war es damals die einzige Quelle, aus der zuverlässige Inform<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Powi.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-144116 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Powi-305x307.jpg" alt="Powi" width="206" height="208" /></a>ationen bezogen werden und dann über Mailinglisten, Telefongespräche sowie persönliche Treffen verbreitet werden konnten“, berichtet die Politikwissenschaftlerin.</p>
<p>Die „Volksbewegung“ bekam damit eine Internetpräsenz. Besonders aktiv war damals die Webseite payqar.net (zu Deutsch: Kampf.net, heute nicht mehr online). Neu entstanden waren auch das Online-Journal „<a href="http://independentarmenia.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Independent Armenia</a>“, <a href="http://tzitzernak2.blogspot.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tzitzernak2</a> (Die Schwalbe2), khosk.com (zu Deutsch: das Wort.com, ebenfalls nicht mehr existent), die politischen Blogs <a href="http://unzipped.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">UNZIPPED</a>, <a href="http://aramazd.livejournal.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aramazd</a> etc.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc">Hripsime Grigoryan stammt aus Armenien und studierte Politikwissenschaft an der Central European University in Budapest.  Sie ist Analystin für zivilgesellschaftliche Partizipation und Prozesse. Als ehemalige Aktivistin der Jugendbewegung „Hima“ („Jetzt“) war sie an den Protesten im Jahr 2008 beteiligt.</div></div>
<p>Infolge der politischen Entwicklungen wurde 2008, unter Leitung des Oppositionsführers Levon Ter-Petrosjan der <a href="http://www.anc.am" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Armenische Nationalkongress</a> gegründet – eine Koalition aus 13 Oppositionsparteien, die ebenfalls über eine eigene Webseite verfügt. Herausragende Mitglieder des Armenischen Nationalkongresses wie Nikol Pashinyan sind heute aktive vielfach gelesene <a href="http://www.nikolpashinyan.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blogger</a>.</p>
<p>Auch zahlreiche Printmedien zog es damals ins Internet, unter anderem die Zeitung <a href="http://www.azatutyun.am" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Azatutjun.am</a> (zu Deutsch: Freiheit), die Nachrichtenagentur <a href="http://www.a1plus.am" target="_blank" rel="noopener noreferrer">A1Plus.am </a>, die Zeitungen <a href="http://www.armtimes.com/hy/">ArmTimes.com </a> und <a href="http://www.aravot.am">Aravot.am</a> (zu Deutsch: Der Morgen).</p>
<p>Die Berichterstattung in den Internet-basierten Medien unterschied sich grundlegend von den Themen der offiziell zugelassenen. Während die Opposition und ihre Anhänger das Internet nutzten, um auf die Menschenrechtsverletzungen und die fehlende Meinungsfreiheit hinzuweisen, behandelten die herkömmlichen offiziellen Massenmedien in erster Linie die Themen „Sicherheit und Stabilität“, so beschreibt die Menschenrechtlerin und Medienspezialistin Tsovinar Nazaryan die Situation von damals. Die Aktivistin ist die Gründerin der Initiative „Army in Reality civic initiative“ und lebt heute im Ausland.</p>
<p><b>Die zivilgesellschaftlichen Bewegungen seit 2010 </b></p>
<p>Besonders effektiv agieren heute die zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich über soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube oder Blogs organisieren. Die ersten erfolgreichen Bürgerinitiativen wurden 2007 und 2010 gegründet, den Anfang machte die Umweltbewegung „<a href="https://www.facebook.com/groups/207369279360129/?fref=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rettet Teghut</a>”. Teghut ist ein Dorf in der Provinz Lori im Norden Armeniens und hat großes Kupfer-und Molybdänvorkommen. Die Inititative machte auf die umweltschädliche Gewinnung dieser Metalle aufmerksam, wollte die Bevölkerung für Umweltfragen sensibilisieren und umliegende Dörfer vor Grundwasservergiftung und Gesundheitsschäden retten. Eine zweite Bürgerinitiative hatte sich die Aufrechterhaltung der Stadtparks unter dem Slogan: “<a href="https://www.facebook.com/groups/119537174725392/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Stadt gehört uns</a>”zum Ziel gesetzt.</p>
<p>Andere soziale Online-Bewegungen richten sich gegen konkrete Gesetzentwürfe und Verordnungen der Regierung. So konnten, dank der Initiativen “<a href="https://www.facebook.com/groups/543225539077027/?fref=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">We pay 100 dreams</a>” und “<a href="https://www.facebook.com/DEMAMKutakayinKensatoshakin?fref=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">I am against!”</a>, die Preissteigerungen für öffentliche Verkehrsmittel sowie die Besteuerung von Renten abgewendet werden.</p>
<p>„In den ersten Jahren hatte sich der Ort des Protests von den Straßen ins Internet verlagert, weg von politischen Fragestellungen in Richtung soziale Gerechtigkeit“, bestätigt Hripsime Grigoryan. Die Bevölkerung scheint sich jedoch allmählich von den entmutigenden Ereignissen vom 1. März 2008 zu erholen. Der in Armenien bekannte Politikanalytiker und Aktivist Arthur Avtandilyan meint eine interessante Tendenz zu erkennen: Die sozialen Bewegungen werden wieder politischer.</p>
<p>Das Internet wird in Armenien heute – sehr viel später als anderswo – von politischen Parteien, Menschenrechtlern, Bürgern und Medien aktiv genutzt. Die Zahl der neuen Internet-Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen wächst stetig weiter. Die oppositionelle Bewegung unter Leitung des ehemaligen Präsidenten Levon Ter-Petrosjan scheint neuen Schwung zu bekommen. Noch ist nicht abzusehen, ob die Proteste auch diesmal eine längerfristige Wirkung zeigen werden.</p>
<p>Bilder: <a href="https://www.facebook.com/arman.veziryan.7" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arman Vaziryan</a> (Artikelbild), Nane Khachatryan (Porträt)</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div>
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		<title>Ukraine: Vernetzung im Namen des Protests</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irena Sargsyan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Dec 2013 10:37:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Seitdem das Assoziierungsabkommen mit der EU vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch verweigert wurde, gewinnt das Internet als Mittel der politischen Kommunikation [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ukraine-Proteste31.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-135682" alt="Ukraine Proteste3" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ukraine-Proteste31.jpg" width="640" height="401" /></a></b>Seitdem das Assoziierungsabkommen mit der EU vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch verweigert wurde, gewinnt das Internet als Mittel der politischen Kommunikation an Bedeutung. Die Facebook-Seite EuroMaydan, vor knapp einem Monat eröffnet, verzeichnet mittlerweile 163.000 Fans.<br />
Seit vier Wochen finden in der Hauptstadt der Ukraine Proteste statt. Auslöser für die massenhaften Kundgebungen in Kiew ist die Nicht-Unterzeichnung des Freihandels- und Assoziierungsabkommens mit der EU. Die Demonstranten fordern einen klaren EU-Kurs der Ukraine und den Rücktritt des pro-russischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch. An der Spitze der Opposition steht der Weltboxmeister Witalij Klitschko, dem <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/merkel-klitschko-ukraine">Angela Merkel</a> ihre Unterstützung zugesprochen hat.</p>
<h3>Warum das Assoziierungsabkommen scheiterte</h3>
<p>Viele Ukrainer verbinden mit dem Assoziierungsabkommen bessere Lebensstandards. Es ist das umfangreichste Freihandelsabkommen, das die EU jemals mit einem Land ausgehandelt hat. Das Abkommen ist „im Prinzip eine Vorbereitung auf einen Beitritt, wenn es diesen jemals geben sollte“, erklärt Dr. <a href="http://ecfr.eu/content/profile/C257">Stefan Meister</a> vom European Council on Foreign Relations in einem Interview mit politik-digital.de.<br />
Ein weiterer Faktor erschwert die Unterzeichnung des Abkommens.  Es ist so angelegt, dass die Ukraine zwischen zwei Nachbarn entscheiden müsste, da eine Integration mit der von Russland geführten Zollunion und das EU-Freihandelsabkommen einander ausschließen, so Stefan Meister. Eine solche Entscheidung wäre für die Ukraine nicht nur fatal, sie ist auch kaum realistisch. Auf Russland könnte die Ukraine ohne vorherige umfassende Strukturreformen dauerhaft nicht <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/ukraine-machterhalt-janukowitsch">verzichten</a>. Das Land steht vor dem <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/ukraine-machterhalt-janukowitsch" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Staatsbankrott</a>, und am Montag traf Janukowitsch den russischen Präsidenten Wladimir Putin, um mit ihm über mögliche finanzielle Zuwendungen zu sprechen. Von der EU hingegen ist keine Finanzspritze zu erwarten.<br />
Eine Revision des Assoziierungsabkommens stellt die EU zudem nicht in Aussicht, beteuert Osteuropa-Experte Meister. Dies sei ein fertig ausgehandeltes Abkommen, das als Musterabkommen für die anderen postsowjetischen Ländern dienen sollte. Das Ziel der EU sei an erster Stelle „die Kombination ökonomischer und politischen Reformen wie im Assoziierungsabkommen, weil das wiederum eine Implementierung von Antikorruptionsmaßnahmen, von mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Demokratie bedeutet.“<br />
Insbesondere unter dem aktuellen Präsidenten Janukowitsch hat sich die Ukraine in den letzten Jahren immer mehr von der EU entfernt. Die Reformen, die eine Annäherung mit der EU möglich machen würden, wurden auf die lange Bank geschoben. Heute ist der Reformbedarf in der Ukraine groß und die Wirtschaft bedarf einer dringenden Modernisierung. Wichtige Transformationsträger wie europäische Investoren ziehen sich aus der Ukraine jedoch zurück. Die Volkswirtschaft stagniert seit 2012.<br />
Bohdan Danylyshyn ist ehemaliger Wirtschaftsminister der Ukraine (2007-2010), der seit 2010 im politischen Asyl in der Tschechischen Republik lebt. Er betonte jüngst bei einer <a href="https://dgap.org/de/node/24646">Expertendiskussion</a> in der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik, wie wichtig die EU für die Ukraine sei. Denn das Land könne nur mithilfe der EU modernisiert werden. Die Entscheidung, das Assoziierungsabkommen nicht zu unterzeichnen, sei eigentlich nicht von Präsident Janukowitsch, sondern von mächtigen Oligarchen, die eigene wirtschaftliche Interessen in Russland verfolgen, getroffen worden, unterstrich Danylyshyn.<br />
„Das Land hat Geld, das sich allerdings in den Händen einiger weniger konzentriert“, bestätigt Stefan Meister. Die EU müsse sich mit der Frage beschäftigen: „Wie kann die Zivilgesellschaft in die Monitoringprozesse von Rechtsangleichungen einbezogen werden, um dann tatsächlich auch Druck aus der Gesellschaft für Reformprozesse in der Ukraine zu schaffen?“</p>
<h3>Einfluss der Zivilgesellschaft über das Internet?</h3>
<p>Durchaus ein geeignetes Instrument, um die Zivilgesellschaft zu erreichen, ist das Internet, und auch bei der Politikgestaltung spielt es heute eine unbestreitbare Rolle. In der Ukraine existiere allerdings keine so große Internetgemeinschaft wie in Russland, die mobilisiert werden könnte, bekräftigt Stefan Meister. So gibt es bislang nur wenige Online-Plattformen, die den Usern die Möglichkeit zum Meinungsaustausch und zur Politikgestaltung geben könnten, wie dies <a href="http://politik-digital.de/die-russische-regierung-hat-den-informationskrieg-im-internet-verloren/">in Russland</a> intensiv praktiziert wird. Auch ist die Zahl der Internet-User relativ gering. Nach Angaben des <a href="http://ain.ua/2013/02/12/112128">staatlichen Statistikkomitees</a> beträgt sie ca. 5 Millionen in einem Land mit mehr als 45 Millionen Einwohnern.<br />
Unlängst haben auch die ukrainischen Politiker begriffen, dass das Internet eine nützliche Plattform für Eigen-PR sein kann. Immer mehr Politiker richten sich eigene Blogs ein. Näher seien sie dem Volk dadurch aber nicht gekommen, <a href="http://focus.ua/politics/136536/">schreibt</a> das ukrainische Online-Magazin focus.ua. Lediglich das <a href="/Users/Stefan%20Meister/AppData/Local/Microsoft/Windows/Temporary%20Internet%20Files/Content.Outlook/IEHQHBAH/blog.tymoshenko.ua">Blog</a> der ehemaligen Ministerpräsidentin und Oppositionsführerin Julia Timoschenko rage durch seinen persönlichen Stil heraus. Ihren ersten Eintrag machte sie am 30. August 2009 mit folgenden Worten: &#8220;Das bin ich – Julia Timoschenko. Heute starte ich mein Blog. Man sagt, dass Roosevelt die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat dank Radio, Kennedy dank Fernsehen, Obama dank Internet“. Darauf bekam sie 5.203 Kommentare. Ihr letzter Eintrag stammt vom 4. Juni 2011, seit August 2011 ist Julia Timoschenko wegen angeblicher Steuerhinterziehung in Haft.<br />
Der <a href="/Users/samveli/Downloads/twitter.com/Prezident_UA">Twitter-Account</a> von Wiktor Janukowitsch hat lediglich 850 Follower.  Was nicht weiter verwunderlich ist, denn der Ton seiner Tweets ist unpersönlich, seine Nachrichten auf dem Kurznachrichtendienst gehen über offizielle Verlautbarungen kaum hinaus. Es fehlt ein echter Dialog zwischen Bürgern und Präsident. Die ukrainischen Politiker können aber nicht umhin, den Umgang mit dem Internet zu intensivieren, denn die ukrainische Internetgemeinschaft wächst stetig, empfahl focus.ua bereits im Jahr 2010.</p>
<h3>Facebook wird zur Online-Plattform für politische Kommunikation</h3>
<p>Doch seit 2013 ändert sich die Lage rasant. Facebook entwickelt sich zunehmend zur bevorzugten Online-Plattform für politische Kommunikation. Das gescheiterte Assoziierungsabkommen scheint die Internetgemeinschaft zusammengeschweißt zu haben. Erst am 21. November 2013 gegründet, verzeichnet die Facebook-Seite <a href="https://www.facebook.com/EuroMaydan">EuroMaydan</a>, benannt nach dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum Kiews, wo die Proteste stattfinden, nach knapp einem Monat 163.000 Fans und erreicht regelmäßig 155.000 Menschen. Täglich kommen knapp 1.200 neue Fans hinzu. Und auch die Facebook-Seite von <a href="https://www.facebook.com/YuliaTymoshenko">Julia Timoschenko</a> kann seit dem Beginn der Demonstrationen einen deutlichen Zuwachs verzeichnen.<br />
Laut <a href="http://www.socialbakers.com/facebook-statistics/ukraine">Facebook-Statistik</a> sind unter den ukrainischen Politikern, die Facebook als politische Kommunikationsplattform aktiv nutzen und über knapp 50.000 Fans verfügen, <a href="https://www.facebook.com/Tigipko">Serhij Tihipko</a>, der ehemalige Wirtschaftsminister und stellvertretende Premierminister, gefolgt von <a href="https://www.facebook.com/Nikolay.Azarov">Nikolaj Azarov</a>, dem Premierminister der Ukraine. <a href="http://www.socialbakers.com/facebook-pages/325342617543094/in-ukraine">Wiktor Janukowitsch</a> selbst hat nur etwa 4.000 Fans.</p>
<h3>Regierung behindert Online-Journale</h3>
<p>Doch die staatlichen Behörden sind auch erfolgreich darin, die Arbeit der regierungskritischen Online-Journale zu behindern. Nach dem Amtsantritt von Präsident Wiktor Janukowitsch hat sich die Position der Ukraine auf der Rangliste der Pressefreiheit, die <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung-im-detail/artikel/gipfel-der-oestlichen-partnerschaft-eu-muss-pressefreiheit-einfordern/">Reporter ohne Grenzen</a> (ROG) regelmäßig veröffentlichen, deutlich verschlechtert: von Platz 89 im Jahr 2009 auf Platz 126 im Jahr 2013. Einschüchterungsversuche richten sich inzwischen auch gegen die ROG-Vertreterin in der Ukraine, Oksana Romanjuk. Anfang Oktober stellten Hacker ihre E-Mail-Korrespondenz sowie die Inhalte ihrer privaten Festplatte ins Internet, berichtet ROG.<br />
Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen ruft die Europäische Union auf, ihr Augenmerk auf die mangelnde Pressefreiheit in der Ukraine zu richten, auch wenn der Abschluss eines Assoziierungsabkommens vorerst auf Eis liegt. „Es reicht nicht aus, dass die EU bessere Handelsbeziehungen und Justizreformen zur Bedingung für eine Annäherung macht. Ebenso stark muss sie sich für kritische Journalisten einsetzen, deren Arbeit in der Ukraine immer stärker behindert wird“, fordert ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.<br />
Am 15. Dezember gab der EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle <a href="https://twitter.com/StefanFuleEU/status/412159313747390464">per Twitter bekannt</a>, die Verhandlungen mit der Ukraine über das <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/assoziierungsabkommen-auf-eis">Assoziierungsabkommen</a> seien beendet, solange es keine klare Verpflichtung zur Unterschrift gebe. Die Proteste auf dem Maydan gehen derweil weiter und die Forderungen nach dem Rücktritt des Präsidenten werden immer lauter.<br />
&nbsp;<br />
Bild: Ivan Bandura (CC BY 2.0)<br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Die russische Regierung hat den Informationskrieg im Internet verloren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irena Sargsyan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Oct 2013 15:41:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Unter Führung von Alexej Nawalny, dem Sprecher der russischen Opposition, demonstrierten am Sonntag tausende Regierungsgegner auf den Straßen von Moskau. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Russland.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-134149" alt="Russland" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Russland.jpg" width="640" height="427" /></a>Unter Führung von Alexej Nawalny, dem Sprecher der russischen Opposition, demonstrierten am Sonntag tausende Regierungsgegner auf den Straßen von Moskau. Sie forderten die Freilassung von politischen Gefangenen, der Punkband Pussy Riot und der Umweltschützer von Greenpeace. Für die Opposition gibt es nur sehr begrenzte Möglichkeiten, breite Massen zu erreichen, zumal das russische Fernsehen durch die Regierung kontrolliert wird. Das ist einer der Gründe, warum die Opposition in Russland sich seit Längerem im Internet formiert<b>.  </b><br />
Die Proteste der russischen Opposition nach Wahlen sind mittlerweile zur Tradition geworden: 2011 nach den Parlamentswahlen, 2012 nach den Präsidentschaftswahlen und im September 2013 nach der Bürgermeisterwahl für Moskau. Die letzte Demonstration hat am vergangenen Sonntag stattgefunden. Neuwahlen bewirkten die Proteste der vergangenen Jahre jedoch nicht, dafür 400 neue politische Gefangene und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Kann man also sagen, die Opposition in Russland ist gescheitert?<br />
Klaus Segbers ist Professor für Internationale Beziehungen und Osteuropastudien an der Freien Universität Berlin und Gründer des „Center for Global Politics“, er meint nein: „Es wäre nicht richtig, zu sagen, dass die Opposition nichts erreicht hat“. Es habe in jedem Fall innerhalb und außerhalb Russlands eine sehr viel stärkere Aufmerksamkeit in den Medien gegeben, damit habe man schon mal „etwas erreicht“. Und es gab das denkwürdige Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl in Moskau, bei der Oppositionsführer Nawalny 27 Prozent der Stimmen erhalten hat. „So etwas haben wir im putinischen Russland sehr selten, wenn überhaupt, gesehen.“, erklärt Klaus Segbers. Die Opposition stelle für die gegenwärtige Regierung zwar vielleicht keine systeminterne oder eine systemexterne ernste Herausforderung dar, sie sei aber auch nicht zu schwach, um das Regime zumindest in eine gewisse Unsicherheit zu versetzen.</p>
<h3>Das seltsame politische System Russlands</h3>
<p>In Russland herrscht ein hybrides Regime, ein Mischsystem, das Züge einer Demokratie mit denen einer Autokratie verbindet. Hier laufen Wahlen teilweise offen und fair ab, teilweise sind sie gesteuert. Das Problem in solchen Regimen sei es, so Segbers, aber vor allem, dass die Parteien vor den Wahlen keinen Zugang zu den Medien bekommen, um die Bevölkerung mit ihren Ideen und Positionen vertraut zu machen. Daher haben die oppositionellen Parteien eine pragmatische Lösung gefunden: Das Internet bietet ein großes, breites Spektrum und operiere relativ frei. „Das ist sicherlich das Medium, in dem die Oppositionsströmungen und- stimmen am ehesten Gehör finden mithilfe ihrer Netzwerke“.<br />
Vor jeder anstehenden Demonstration kursieren Aufrufe zur Teilnahme in den sozialen Netzwerken, auf Facebook, <a href="http://vk.com/">VKontakte.ru</a>, <a href="http://www.odnoklassniki.ru/">Odnoklassniki.ru</a>, aber auch in Navalnys <a href="http://navalny.livejournal.com/">Livejournal</a>, das Regierungsgegner aktiv nutzen, sowie auf privaten Bloggerseiten. Die User werden aufgefordert, die Meldungen zu teilen und zu verbreiten. Obwohl der Opposition der Zugang zu den meisten relevanten Fernseh- und Radiosendern verwehrt bleibt, schafft sie es mithilfe des Internets dennoch, mehrere tausende Menschen auf die Straßen zu bringen.<br />
Der amerikanische Politikexperte Sam Greene konstatierte sogar 2011 in einem Interview mit dem US-Auslandssender <a href="http://inotv.rt.com/2012-01-26/Rossijskoe-pravitelstvo-proigrivaet-oppozicii-v">Voice of America</a>, die russische Regierung habe den Informationskrieg im Internet verloren, denn der Opposition gelinge es, das Internet effektiv zur Mobilisierung der Menschen und Finanzierung von Demonstrationen zu nutzen. Das gilt bis heute und beschreibt die Situation im Jahr 2013 sogar noch besser, bestätigt Segbers.<br />
Nach Angaben der Internet-Zeitung „<a href="http://www.bizhit.ru/index/users_count/0-151">Bizhit.ru</a>“ (Business &amp; Internet) nutzten im vergangenen Jahr ca. 50 Millionen Russen täglich das Internet. Damit rangiert Russland auf dem ersten Platz in Europa und überholte sogar Deutschland. Der russische Abgeordnete und Leiter des Wahlkampfteams von Oppostionsführer Nawalny, Leonid Volkov, war einer der ersten, der dieses Potenzial erkannte und im Jahr 2011 zusammen mit vier ehrenamtlichen Programmieren die Plattform <a href="http://www.democratia2.ru">„Demokratie-2“</a> ins Leben rief.  „Demokratie-2“ gibt den Bürgern die Möglichkeit, ihre Meinung frei zu äußern und Gleichgesinnte zu finden“, erklärte Leonid Volkov nach der Gründung der Online-Plattform 2011 der russischen Tageszeitung  <a href="http://www.vedomosti.ru/opinion/news/1388102/gorizontal_vlasti">Vedemosti</a>.<br />
Dabei schließen die Gründer der Plattform eine Beteiligung von Regierungsvertretern der Partei Einiges Russland nicht aus. Im Gegenteil, sie seien eingeladen, sich mit den systemkritischen Parteien auszutauschen. „Wenn die Regierungsvertreter daran nicht teilnehmen, werden wir auch ohne sie ganz gut klar kommen. Dann brauchen sie sich aber nicht wundern, wenn sich hinter der Fassade des öffentlichen Schweigens eine vielschichtige zivile Macht herausbildet.“</p>
<h3>Das Internet als Mittel der Politikgestaltung</h3>
<p>In den vergangenen zwei bis drei Jahren sind weitere Online-Plattformen der Regierungsgegner entstanden: Die virtuelle Republik <a href="https://alterrussia.ru/">„Alter Russia“</a> wurde 2011 gegründet als eine demokratische Plattform für Debatten und Initiativen der Bürger. Hier gibt es keine politische Zensur und die Regeln der Politik-„Correctness“ müssen nicht eingehalten werden. Jeder registrierte Nutzer kann Gesetzesvorschläge bzw. Ergänzungen zu den vorhandenen Gesetzen der Russischen Föderation vorlegen. Die Vorschläge, für die sich die Mehrheit der Wähler entscheidet, bekommen den Status eines Gesetzes in der virtuellen Republik. Erklärtes Ziel der Gründer ist es, dass die zuständigen staatlichen Instanzen die „Gesetze“ aufgreifen werden.<br />
Auf der Plattform <a href="http://www.putinavotstavku.org/">„Putin muss gehen“</a> gründeten verschiedene Oppositionsführer 2011 das Projekt „Das politische Netz der direkten elektronischen Demokratie“. Im Rahmen dieses Projekts werden Unterschriften von Bürgern gesammelt, die die Ziele des Netzwerks teilen. Ihnen geht es um die Durchführung echter demokratischer Wahlen, die Errichtung eines demokratischen, sozialen Rechtsstaats und letztendlich um den Rücktritt Vladimir Putins. Die Zahl der Unterschriften, die den Rücktritt Vladimir Putins fordern, beläuft sich bisher auf 150.000.<br />
Doch die Regierung will sich die Möglichkeit, das Internet aktiv zur Politikgestaltung zu nutzen, nicht nehmen lassen, und hat ihre eigenen Plattformen etabliert. So zum Beispiel <a href="http://www.democrator.ru/">„Demokrator“</a>, die bereits 2010 gegründet wurde. Hier können sich die Bürger über soziale Probleme austauschen und ihre Anliegen an die Staatsorgane schicken.</p>
<h3>Die uneinige Opposition</h3>
<p>Unstrittig  aber bleibt, dass die Opposition im Internet bekannter ist und über eine stark entwickelte Bloggerszene verfügt. Präsident Wladimir Putin selbst hatte einst seine politischen Gegner als <a href="http://www.dradio.de/aktuell/1901001/">„Horde von Internetnutzern</a> ohne Programm und Führung“ kritisiert. Nicht ganz ohne Grund.<br />
Die oppositionellen Kräfte sind stark zerklüftet und alles andere als einig in ihren Zielen. Professor Segbers erklärt dieses Phänomen mit den großen Egos der oppositionellen Akteure: „Diesen Personen mit ihren stark entwickelten Egos fällt es viel leichter, jeweils eine eigene neue Organisation zu gründen, als in schon bestehenden Organisationen miteinander zu kooperieren. Das ist nicht nur ein Phänomen der Perestroika-Generation, sondern scheint auch auf die neuere Generation zuzutreffen, z.B. auf Xenia Sobchak und Alexej Nawalny“. Dabei brauche die Bevölkerung Alternativen, die nicht nur ein überzeugendes Programm haben, sondern auch ein „mediengängiges charismatisches Gesicht“, so Segbers. Und das gibt es seit einem Jahr.<br />
Um die zahlreichen oppositionellen Kräfte zusammenzubringen und die Proteste besser zu koordinieren, war die Idee entstanden, einen Koordinationsrat der Opposition zu gründen. Im März 2012 wurden die ersten demokratischen Wahlen im Internet organisiert. Es beteiligten sich 82.000 systemkritische Bürger daran und wählten aus 200 Kandidaten 45 Vertreter in den Koordinationsrat. Dieses Organ vertritt bis heute die Interessen der Opposition legitim nach außen und fordert nach wie vor die Durchführung von Neuwahlen sowie Wahl- und Gerichtsreformen. Der Blogger Alexej Nawalny wurde damals mit mehr als 43.000 Stimmen zum Wahlsieger gekrönt. Die Wähler sahen in ihm wohl denjenigen, der das Zeug hat, etwas zu verändern. Den erstaunlichen Erfolg mit 82.000 abgegebenen Stimmen aus aller Welt bezeichnete der amerikanische Journalist <a href="http://world.time.com/2012/10/23/russias-opposition-gets-its-act-together-electronically-for-now/">Simon Schuster</a> damals als das „wahrscheinlich größte Experiment auf dem Gebiet der Internet-Demokratie“.</p>
<h3>Nawalny oder Putin?</h3>
<p>Vorher hatte es in der politischen Arena in Russland kaum Persönlichkeiten mit Führungsambitionen gegeben, die breite Bevölkerungsmassen mitreißen konnten. Mit dem Auftreten von Alexej Nawalny scheint sich das geändert zu haben. Nawalny sei durchaus im Stande, mit Vladimir Putin Schritt zu halten. An rhetorischen Fähigkeiten und guter Medienausstrahlung mangele es ihm nicht, meint Segbers. Gleichzeitig habe Nawalny, genauso wie Putin, ein relativ breit aufgestelltes Programm und versuche sehr unterschiedliche Wählergruppen anzusprechen. Nawalny sei der erste Oppositionspolitiker, der zudem einen gewissen russischen Nationalismus und eine wenig freundliche Rhetorik gegenüber Emigranten aus Zentralasien bediene. Nawalny habe durchaus das Potenzial, sich zum Herausforderer Putins zu entwickeln, glaubt Segbers.<br />
Jedoch stand Nawalny bereits mehrere Male vor Gericht. Er wurde unter anderem der Veruntreuung <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-verurteilt-kreml-kritiker-nawalny-wegen-veruntreuung-a-911727.html">bezichtigt</a>. Heute ist er zwar auf Bewährung frei, doch könnte Nawalny nach einem entsprechenden Gerichtsurteil völlig von der politischen Bühne verdrängt werden, zumindest bis 2026, wie die Internet-Zeitung <a href="http://www.vedomosti.ru/politics/news/17941651/vybory-na-starosti-let#ixzz2ixFoJ9td">Vedomosti</a> berichtet. Nawalny selbst <a href="http://www.firstnews.ru/articles/navalnyy-otbilsya-dokazatelstvami-po-chernogorii/">bestreitet</a>, jemals gesetzeswidrig gehandelt zu haben.</p>
<h3>Die Lage der Opposition</h3>
<p>Nach der Wiederwahl Putins zum Präsidenten 2012 wurden das <a href="http://www.n-tv.de/politik/Putin-stutzt-die-Revolution-article6459101.html">Demonstrationsrecht</a> verschärft und <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Komplettueberwachung-Russischer-Geheimdienst-erhaelt-vollstaendige-Kontrolle-im-Internet-1982856.html">Internetkontrollen</a> ausgeweitet. Oppositionsführer müssen sich mit lästigen Gerichtsverhandlungen herumschlagen. Der Spielraum der Opposition verengt sich immer mehr. Doch das sei nur ein Teil des Problems, erklärt Professor Segbers: „Die Zivilgesellschaft muss sich durchsetzen. Wenn die Opposition in Russland es nicht schafft, sich ihre Rechte zu nehmen, dann ist sie offenbar nicht stark genug“. Das Problem liege also nicht nur darin, dass die Herrschenden die Macht nicht abgeben wollen, sondern ein Problem liege in der unzureichenden Reife und Entwicklung der Gesellschaft.<br />
Doch Fakt ist auch, dass die Mehrheit der russischen Bevölkerung für eine dritte Amtszeit Putins stimmte. <a href="http://www.dw.de/putin-verliert-an-zustimmung-in-russland/a-16784741">Laut Umfragen</a> verliert er allerdings mehr und mehr an Zustimmung unter seinen Wählern. Denn es gebe dringenden Reformbedarf in Russland, so Segbers. Der russische Präsident wird in Zukunft wohl auch unpopuläre Entscheidungen treffen müssen: Reformen bei der Rente, beim Militär und beim Haushalt können nicht länger hinausgezögert werden. Hinzu kommt, dass aufstrebende Fachkräfte in der Verwaltung und in Großkonzernen rasant aufsteigen, aber ihr Potenzial bislang nicht ausschöpfen können, da die alten Oligarchen die Türen verschlossen halten. Sollte sich Putin hier nicht eiligst einmischen, könnten die erfolgreichen Fachleute von heute zu einer sehr starken und siegreichen Opposition von morgen werden.<br />
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Bild: Valya Egorshin ( CC BY 2.0 )<span style="font-size: 14px;padding-left: 2px">  </span><br />
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