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	<title>Qualitätssicherung &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Qualitätssicherung &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Wikipedia bekommt Konkurrenz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-cheise_citizendium_070111-shtml-3130/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jan 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[(Artikel) Larry Sanger hat Wikipedia mitgegründet. Jetzt bastelt er an einer Alternative: Sein Konkurrenzprojekt Citizendium setzt auf einen festen Autorenstamm, anonyme Einträge soll es nicht geben. Wikipedia feiert zwar sechs Jahre Erfolg, muss sich aber dennoch weiterentwickeln.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">(Artikel) Larry Sanger hat Wikipedia mitgegründet. Jetzt bastelt er an einer Alternative: Sein Konkurrenzprojekt Citizendium setzt auf einen festen Autorenstamm, anonyme Einträge soll es nicht geben. Wikipedia feiert zwar sechs Jahre Erfolg, muss sich aber dennoch weiterentwickeln.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Das Online-Lexikon Wikipedia wird am 15. Januar sechs Jahre alt. Zum Geburtstag gibt es aber nicht nur Glückwünsche: Mitbegründer Larry Sanger gilt mittlerweile als einer der größten Kritiker der freien Enzyklopädie, im Herbst 2006 wurden seine Pläne für ein Konkurrenzprojekt öffentlich: Noch ist Citizendium teils<br />
                            <a href="http://www.citizendium.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Provisorium</a>, teils<br />
                            <a href="http://pilot.citizendium.org/wiki/Main_Page" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pilotprojekt</a>, der offizielle Start ist für &#8220;Anfang 2007&#8221; angekündigt – der genaue Termin ist noch<br />
                            <a href="http://www.citizendium.org/faq.html#introductory" target="_blank" rel="noopener noreferrer">offen</a>.</p>
<p>Wer sich heute schnell über ein Thema informieren will, greift nicht zum Lexikon im Bücherregal sondern konsultiert die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Was viele nicht wissen: Wikipedia ging aus einem Projekt namens<br />
                            <a href="http://web.archive.org/web/20030730063941/www.nupedia.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nupedia</a> hervor. Jimmy Wales, später zusammen mit Larry Sanger, hatte das Internet-Nachschlagewerk im März 2000 lanciert, es orientierte sich stark an konventionellen Lexika. Schnell entdeckten die Macher von Nupedia die damals neue Wikitechnologie, die es Internetnutzern ermöglicht, Inhalte im Netz unkompliziert zu veröffentlichen. Im Gegensatz zu der heute bekannten freien Wissensdatenbank Wikipedia sollte dieses Wiki jedoch nur als Vorstufe für Nupedia-Artikel genutzt werden. Ziel war es, die im Wiki gesammelten Beiträge später wissenschaftlich überprüfen zu lassen und gegebenenfalls auf Nupedia zu veröffentlichen. Während sich Wikipedia jedoch mit rasender Geschwindigkeit weiterentwickelte, blieb die ursprüngliche Idee des redigierten Internetnachschlagewerks auf der Strecke und ging im September 2003 endgültig unter.</p>
<p>
                              <strong>Zurück zum Ursprung</strong>
                            </p>
<p>Sechs Jahre nach der somit eher zufälligen Entstehung von Wikipedia kehrt Sanger nun zu der Ursprungsidee von Nupedia zurück und will mit Citizendium &#8220;eine neue Gemeinschaft&#8221; gründen: Anonyme Beiträge, wie bei Wikipedia üblich, soll es hier nicht mehr geben. Der Einzelne ist persönlich gefragt, das zeigt allein der Name: Citizendium, so Sangers Erklärung, ist ein Mischwort aus &#8220;Bürger&#8221; und &#8220;Kompendium&#8221;. Konkret heißt das: Anders als bei der erfolgreichen Konkurrenz kann niemand Beiträge veröffentlichen, ohne sich vorher unter realem Namen und mit gültiger Emailadresse registriert zu haben. So will Sanger eine &#8220;Verantwortungskultur&#8221; schaffen, damit das Projekt nicht Gefahr läuft, zur Spielwiese persönlicher Befindlichkeiten und politischer Interessen zu werden.Wie bei Nupedia sollen außerdem alle Artikel ein Qualitätssicherungsverfahren (&#8220;Peer-Review&#8221;) durchlaufen, um falsche Informationen von der Wissensdatenbank fernzuhalten.</p>
<p>Eine<br />
                            <a href="http://www.citizendium.org/fundamentals.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Charta</a> mit &#8220;kurzen und recht vagen&#8221; Veröffentlichungsregeln sowie ein fester Stamm an Redakteuren sollen für „verbesserte Qualität“ sorgen und Streitigkeiten von vornherein ausschließen. So genannte „Schutzmänner“ sind für die Einhaltung der Charta verantwortlich und ahnden Verstöße, notfalls auch mit Ausschluss. Kurz: Citizendium will die positiven Eigenschaften von Wikipedia adaptieren und die negativen Elemente mittels Reglementierungen ausblenden. Um das zu erreichen, plant Sanger in der ersten Phase, alle Artikel der englischsprachigen Version von Wikipedia in Citizendium zu übernehmen und zu überprüfen.</p>
<p>Auf die Frage, ob Citizendium damit ein Konkurrenzprodukt zu Wikipedia darstellt, heißt es auf Citizendium.org selbstbewusst: „<br />
                            <a href="http://www.citizendium.org/faq.html#wikiciti" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Natürlich</a>, warum sollten wir uns sonst abspalten?“.</p>
<p>
                              <strong>Sangers Kritik an Wikipedia</strong>
                            </p>
<p>Sanger wirft der Wikipedia Foundation vor, Qualitätsmängel nicht offen einzugestehen und nur unzureichend an Verbesserungen zu arbeiten. Die Ereignisse der letzten Jahre geben Sanger Recht: Obwohl das renommierte<br />
                            <a href="http://www.nature.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nature Magazin</a> Wikipedia in einer<br />
                            <a href="http://www.nature.com/news/2005/051212/full/438900a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a> aus dem Jahr 2005 noch „Kopf an Kopf“ mit der Encyclopedia Britannica in Punkto Exaktheit sah, ist die Manipulation von Artikeln bei Wikipedia ein alter Hut. Die<br />
                            <a href="http://de.wikinews.org/wiki/Mitarbeiter_des_US-Kongresses_manipulierten_in_Wikipedia" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verfälschung</a> von Politikerbiografien durch Mitarbeiter des US-Kongresses im Jahr 2005 ist dabei nur eins von vielen<br />
                            <a href="http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5200820_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beispielen</a>. Doch auch in der deutschen Wikipedia wird<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,418289,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">abseits von</a> und<br />
                            <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20139/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">während</a> Wahlkämpfen fleißig geschönt.</p>
<p>
                              <strong>Citizendium vs. Wikipedia</strong>
                            </p>
<p>In der deutschen Version von Wikipedia, die mit über 500.000 Artikeln die zweitgrößte Community innerhalb der Wikipedia Foundation darstellt, sucht der Interessierte übrigens vergeblich nach einem Artikel über Citizendium. Während die meisten anderen Ausgaben, unter anderem auch die englischsprachige, einen<br />
                            <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Citizendium" target="_blank" rel="noopener noreferrer">umfangreichen Artikel</a> enthält, wird man in der hiesigen Version auf den Beitrag über<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Citizendium" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Larry Sanger</a> weitergeleitet.</p>
<p>&#8220;Es existierten schon mehrmals vollständige Artikel zu Citizendium, die jedoch rasch gelöscht wurden&#8221;, kommentiert Nutzer DuMonde auf der Diskussionsseite zum deutschen<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Larry_Sanger" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Larry Sanger-Text</a>. &#8220;Es scheint so, dass ein Artikel wikipediaseitig nicht gewünscht ist &#8211; die vorgebrachten Gegenargumente sind dünn.&#8221; Er vermutet weiter, „dass C. (<br />
                            <em>Citizendium, Anm. d. Red</em>.) deshalb keine Zukunft haben wird, weil W. (<br />
                            <em>Wikipedia, Anm. d. Red</em>.) sich in Richtung C. anpassen wird. Die Versuche der (zunächst) deutschen W., mit zwei Artikelversionen zu arbeiten (redigierte öffentliche Version vs. interne Arbeitsversion), deuten schon stark in diese Richtung&#8230;&#8221;.</p>
<p>Die Frage liegt auf der Hand: Wie politisch darf eine Internet-Enzyklopädie sein? Und wie frei soll sie sein? Der Status, den Wikipedia mittlerweile innehat, hängt in erster Linie an ihrer Offenheit. Ob es mit Citizendium möglich sein wird, ein ähnliches Projekt zu stemmen und damit eine Alternative zu Wikipedia darzustellen, bleibt abzuwarten. Dass sich Wikipedia weiterentwickeln wird und muss, ist hingegen längst klar.</p>
<table cellpadding="2" width="147" border="0">
<tbody>
<tr>
<td class="klein" width="139" bgcolor="#FFCC33">Erschienen am<br />
                                  <!-- #BeginEditable "Erscheinungsdatum" -->11.1.2007</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Edit-Wars der Wikipedia &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaftadainterviewmoeller1_060119-shtml-2543/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Erik Möller, freier Journalist, aktiver Wikipedianer und Mitbegründer des Projekts Wikinews, spricht mit Ada von der Decken im Interview über die Edit-Wars der Wikipedia, den Glauben an die Glaubwürdigkeit und die echte Info-Elite.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erik Möller, freier Journalist, aktiver Wikipedianer und Mitbegründer des Projekts Wikinews, spricht mit Ada von der Decken im Interview über die Edit-Wars der Wikipedia, den Glauben an die Glaubwürdigkeit und die echte Info-Elite.<!--break--></p>
<p><strong>Erik Möller, freier Journalist, aktiver Wikipedianer und Mitbegründer des Projekts Wikinews, spricht mit Ada von der Decken im Interview über die Edit-Wars der Wikipedia, den Glauben an die Glaubwürdigkeit und die echte Info-Elite.</strong></p>
<p><strong>Herr Möller, in Ihrem Buch Die heimliche Medienrevolution zitieren Sie an vielen Stellen Wikipedia als Quelle. Ist das überhaupt eine zitierfähige Enzyklopädie? Wenn man da ein Stichwort aufruft, weiß man doch nie, ob der Eintrag von heute nicht morgen schon komplett verändert ist.</strong></p>
<p>Erik Möller: Die Wikipedia ist in mancherlei Hinsicht zitierfähiger als andere Enzyklopädien, die in der Regel keine Quellen benennen, wo häufig nur der Autorenname unter dem Artikel steht und nur im besten Fall eine Bibliographie enthalten ist. Wenn ich mich als Buchautor frage, ob ein bestimmter Wikipedia-Artikel glaubwürdig ist, dann sehe ich mir seine Historie an, um festzustellen, welche Veränderungen vorgenommen wurden. Dann schaue ich, wer daran mitgearbeitet hat und ob Quellen enthalten sind. Außerdem haben wir kürzlich das Feature „Permanentlink“ hinzugefügt, sodass eine spezifische Version einer Seite zitiert werden kann.</p>
<p><strong>Welche Philosophie hat Wikipedia?</strong></p>
<p>Erik Möller: So viele Philosophien wie Teilnehmer. Das ist natürlich auch ein Problem. Die zentrale Philosophie, auf die sich alle verständigen können, ist die Schaffung eines Sammelsuriums des Wissens unter dem Gesichtspunkt des neutralen Standpunktes. Das ist das allumfassende Dogma, an das sich jeder Wikipedianer halten muss. Neutraler Standpunkt heißt ganz konkret: Der Artikel darf nicht für sich selbst Stellung beziehen, sondern muss die unterschiedlichen Sichtweisen zum Thema darstellen. Auf diese Weise lässt man dem Leser die Möglichkeit, zu entscheiden, wem er glaubt. Das hat dazu geführt, dass trotz sehr unterschiedlicher politischer und persönlicher Philosophien Wikipedianer dennoch zusammenarbeiten können. Bei kontroversen Artikeln – über Abtreibung, über Homöopathie, über den Nahost-Konflikt – gilt bei Wikipedia: Das sind die verschiedenen Ansichten zu dem Thema, und auch wenn wir völlig anderer Meinung sind, halten wir uns an den Neutralen Standpunkt, auch „NPOV“ genannt, für Neutral Point Of View.</p>
<p><strong>Besteht nicht die Gefahr, dass Wikipedia bei wenig nachgefragten, wenig kontrollierten Artikeln eine Plattform für unsachliche oder falsche Information bietet?</strong></p>
<p>Erik Möller: In der Tat kann bei Wikipedia jeder selbst entscheiden, über welches Thema er schreibt. Deshalb existieren auch Artikel, in die wenig Zeit und Arbeit investiert wurde. Das Wichtige ist jedoch, dass der Leser weiß, was Wikipedia ist und wie Wikipedia funktioniert, sodass er damit verantwortungsvoll umgehen kann. Ich glaube, es gibt kaum eine Online-Community, die selbstkritischer ist, was Inhalt und Qualität betrifft, als die Wikipedia. Vor ein paar Wochen war es in den Medien eine große Story, als der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales äußerte: „Einige Artikel sind schlecht!“ Wir waren sehr überrascht, dass es dazu solch einen Medienwirbel gab. Für uns ist es ganz normal, bei internen Diskussionen festzustellen: „Diese Seite ist Müll. Die müssen wir überarbeiten!“</p>
<p><strong>Aber Experten gehen doch in der Wikipedia unter, wenn jeder Laie den Artikel eines Spezialisten zerstören kann.</strong></p>
<p>Erik Möller: Das ist vor allem dann ein Problem, wenn der Experte kämpfen und dauerhaft Zeit investieren muss, um seinen Artikel in eine brauchbare Form zu bringen. Das kommt aber nur selten vor, weil die anderen Wikipedianer meist sehen: Das ist ein Mann vom Fach, der hat Recht. Ich stelle mich allerdings dagegen, wenn ein Titelträger reinkommt und tönt: „Ich bin Doktor und dieser Artikel ist Müll! Das muss verändert werden.“ Dann kommt ein 14-Jähriger und erwidert: „In einer Quelle steht das aber anders drin“, worauf der Doktor gar nicht eingeht.</p>
<p><strong>Also arbeitet Wikipedia gegen die Eliten?</strong></p>
<p>Erik Möller: Nein, wir sind für die Eliten. Wir sind sogar so genau, dass uns das „Nein“ eines Professors nicht genug ist. Es geht darum, dass man seine Aussagen belegen kann. Das ist die Elite, die wir wollen. Das ist die Elite, die sich so gut auskennt, dass sie auf Quellen verweisen kann. Es gibt Leute, die diese Autorität des Titels, des Experten ausnutzen möchten, um Artikel auf sehr propagandistische Weise zu verändern.</p>
<p><strong>Weiter zum<br />
<a href="adainterviewmoeller2_060119.shtml">zweiten Teil</a> des Interviews mir Erik Möller.</p>
<p></strong></p>
<p><strong>Dies ist ein Vorabdruck aus dem neu gegründeten Netz-Magazin<br />
<a href="http://www.webwatching.info" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WebWatching</a>, das Studierende des Hamburger Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft entwickelt haben. WebWatching wird ab dem 1.02.06 abrufbar sein.</strong></p>
<p><strong></p>
<p>Weitere Links zum Thema:</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://www.politik-digital.de/buchbesprechungen/buecher/bonin050913.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<strong>Verändern Weblogs und Wikis das Netz?</strong><br />
</a></li>
<li><strong><br />
<a href="http://www.politik-digital.de/buchbesprechungen/buecher/boninmoeller050913.shtml">Kommentar zur Rezension: Wir sind das Netz</a><br />
</strong></li>
<li><strong><br />
<a href="http://www.wikipedia.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia.de</a><br />
</strong></li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Edit-Wars der Wikipedia &#8211; Teil 2</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaftadainterviewmoeller2_060119-shtml-2544/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Erik Möller, freier Journalist, aktiver Wikipedianer und Mitbegründer des Projekts Wikinews, spricht mit Ada von der Decken im Interview über die Edit-Wars der Wikipedia, den Glauben an die Glaubwürdigkeit und die echte Info-Elite.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erik Möller, freier Journalist, aktiver Wikipedianer und Mitbegründer des Projekts Wikinews, spricht mit Ada von der Decken im Interview über die Edit-Wars der Wikipedia, den Glauben an die Glaubwürdigkeit und die echte Info-Elite.<!--break--></p>
<p>
                              <strong>Erik Möller, freier Journalist, aktiver Wikipedianer und Mitbegründer des Projekts Wikinews, spricht mit Ada von der Decken im Interview über die Edit-Wars der Wikipedia, den Glauben an die Glaubwürdigkeit und die echte Info-Elite.</strong>
                            </p>
</p>
<p>
                              <strong>Die Wikipedia wächst monatlich um sieben Prozent. Weltweit gibt es sie in hundert Sprachen. Mehr als 400 Autoren schreiben regelmäßig für die deutsche Ausgabe, die bereits über 330.000 Artikel umfasst. Welche Möglichkeiten zur Qualitätskontrolle gibt es bei diesem Monsterprojekt?</strong>
                            </p>
<p>Erik Möller: Wikipedia hat interne Regeln und Richtlinien: Fakten und Aussagen sollen möglichst viele Quellenzitate zugrunde gelegt werden. Exzellente Artikel können von anderen Wikipedianern nominiert und gewählt werden. Durch Qualitätsoffensiven ist die gesamte Wikipedia-Gemeinschaft aufgefordert, Artikel bestimmter Themenfelder zu bearbeiten. Sehr lange wird schon über ein Feature diskutiert, das dem Permanentlink ähnelt: Artikel sollen von der Wikipedia-Gemeinde geprüft werden. Unsere letzte stabile Version, bei der wir uns für die Qualität, für die sachliche Richtigkeit des Artikels verbürgen, bleibt dann als Artikel-Basis erhalten. Leider gibt es in diesem Bereich noch keine größeren Fortschritte. Es fehlt am richtigen Push dahinter. Bei solchen Fragen behält Jimmy Wales sich die Entscheidung vor. Aber in zwei bis drei Jahren werden wir das Instrument auf jeden Fall haben.</p>
<p>
                              <strong>Im Zusammenhang mit Wikipedia ist ja viel von den „Edit-Wars“, die Rede. Was hat es damit auf sich?</strong>
                            </p>
<p>Erik Möller: Das sind Kämpfe um die jeweils gerade gültige Version eines Artikels: Verfechter verschiedener Ideologien tragen ihren Streit nicht in einer Diskussion aus, sondern ändern bestehende Artikel in einseitige Stellungnahmen um. Das ist momentan eines der größten Probleme der Wikipedia. Wobei es nicht so dramatisch ist, wenn sich nur zwei Ideologien gegenüberstehen. Die kämpfen zwar gegeneinander, aber kommen langfristig zu einem Kompromiss. Doch je mehr Positionen und Personen hier im Spiel sind, desto langwieriger kann es werden. Allerdings: Noch viel problematischer ist es, wenn es nur eine Ideologie gibt und es gar nicht zu einem Edit-War kommt. Wenn Leute schreiben können was sie wollen, ohne dass Wikipedianer anderer Meinung den Inhalt überprüfen, ist das Neutralitätsprinzip außer Kraft.</p>
<p>Ein Beispiel: Die faktische Definitionsmacht der Artikel über Mormonen in der englischen Wikipedia liegt bei dieser Glaubensgemeinschaft selbst, da sich ansonsten kaum jemand dafür interessiert. Es sind nur einige Religionskritiker, die die historischen Aussagen der Mormonen in Zweifel ziehen. Das reicht aber nicht für eine relevante Gegenwehr. Entsprechend wirken diese Mormonen-Artikel als stammten sie aus ihren eigenen Werbebroschüren. Um den neutralen Standpunkt sicherzustellen, müssten Wikipedianer die Artikel gemeinsam mit der Glaubensgemeinschaft überarbeiten und eine stabile Version erstellen. Danach könnten die Mormonen den aktuellen Artikel wieder in ihre gewünschte Form bringen. Solange daneben eine geprüfte stabile Version besteht, ist das nicht schlimm.</p>
<p>
                            <strong>Sie haben vor einem Jahr Wikinews initiiert. Auch da kann jeder selbst zum Autor werden – allerdings von tagesaktuellen Beiträgen. Stellt sich das Problem der Glaubwürdigkeit bei dieser Nachrichtenplattform nicht in verschärfter Form?<br />
                            <br /></strong><br />
                            <br />Erik Möller: Ich glaube nicht an Glaubwürdigkeit, sondern lege Wert auf Transparenz. Ich will wissen, warum ein Artikel so geworden ist, wie er ist. In keinem Medium bekomme ich mehr Transparenz als bei Wikinews. Für jeden Artikel sind die Bearbeitungsschritte einsehbar, auf den Diskussionsseiten kann ich die Aussagen der Autoren zuordnen. Bei Originalberichterstattungen besteht Dokumentationspflicht. Transparenz ist hundertprozentig gegeben. Beim Spiegel hingegen habe ich zum Beispiel überhaupt keine Transparenz. Wenn ich da einen Artikel lese, weiß ich nicht, ob der Autor, die Redaktion oder der Ressortleiter das so veröffentlichen wollte.</p>
<p>
                              <strong>Unterwegs sein, Interviews führen, in Archiven graben, zum Telefon greifen, Termine besuchen. Die eigene Recherche – das ist doch das Herzstück des Journalismus. Kann Wikinews das leisten?</strong>
                            </p>
<p>Erik Möller: Es gibt auf Wikinews das Original Reporting, wo wirklich jemand zu einer Ausstellung, zu einer Veranstaltung oder zu einer Organisation gegangen ist und anschließend einen Bericht dazu veröffentlicht. Das ist mir auch sehr wichtig, weil man Originalberichterstattung in Blogs kaum findet. Das möchte ich noch intensivieren.</p>
<p>
                              <strong>Aber ohne Finanzierung ist doch kein Journalismus möglich!</strong>
                            </p>
<p>Erik Möller: Ja, das ist eindeutig ein Problem der unabhängigen Medien, das gelöst werden muss. Es ist weniger die Glaubwürdigkeit als die Finanzierbarkeit des Ganzen. Ohne Geld wird man richtigen Journalismus nicht realisieren können. Man wird sich an Spendenmodellen orientieren müssen, bei denen eine große Anzahl von Menschen kleine Beträge spendet. Wenn man bedenkt, dass die Wikimedia-Stiftung bei ihrem letzten Spendenaufruf 200.000 US-Dollar in zwei Wochen gesammelt hat, ist es kein großer Schritt, ein Recherchebudget zu schaffen, um das sich aktive Wiki-Nutzer bewerben können. Aufgrund meiner Erfahrung mit der Organisation glaube ich nur, dass die Wikimedia dafür zu unbeweglich ist.</p>
<p>
                              <strong>Wird Wikinews in zwanzig Jahren die Tagespresse ersetzt haben?</strong>
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<p>Erik Möller: Ob Wikinews mal eine wirklich große Sache wird? Wie gesagt – die Finanzierung muss gesichert sein. Journalismus braucht Mittel. Wenn Wikinews das nicht schafft, wird es an seiner Stelle ein kollaboratives Blog leisten, also ein Blog als Gemeinschaftswerk. Da habe ich gar keinen Zweifel. Wikinews ist ein Modell und daneben werden andere entstehen. Und dann wird es spannend, glaube ich.</p>
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                              <strong>Was wünschen Sie sich für die Zukunft?</strong>
                            </p>
<p>Erik Möller: Ich wünsche mir, dass der Bürger in Zukunft mehr partizipiert und nicht nur konsumiert. Das ist gewissermaßen unvermeidlich, weil es mehr Websites mit den entsprechenden Möglichkeiten geben wird. Darin sehe ich viel Potential, auch für demokratische Veränderung.</p>
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                              <strong>Zurück zum<br />
                              <a href="adainterviewmoeller1_060119.shtml">ersten Teil</a> des Interviews mir Erik Möller.</strong>
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                              <strong>Dies ist ein Vorabdruck aus dem neu gegründeten Netz-Magazin<br />
                              <a href="http://www.webwatching.info" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WebWatching</a>, das Studierende des Hamburger Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft entwickelt haben. WebWatching wird ab dem 1.02.06 abrufbar sein.</strong>
                            </p>
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                              <strong>Weitere Links zum Thema:</strong>
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                                <a href="http://www.politik-digital.de/buchbesprechungen/buecher/bonin050913.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                                  <strong>Verändern Weblogs und Wikis das Netz?</strong><br />
                                </a>
                              </li>
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                                <strong><br />
                                  <a href="http://www.politik-digital.de/buchbesprechungen/buecher/boninmoeller050913.shtml">Kommentar zur Rezension: Wir sind das Netz</a><br />
                                </strong>
                              </li>
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                                  <a href="http://www.wikipedia.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia.de</a><br />
                                </strong>
                              </li>
</ul>
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