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	<title>Radiosender &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Radiosender &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Mit voller Wucht auf analogem Fuß voran</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Dec 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am 1. Januar 2005 wird der neue Radiosender Motor FM auf der Berliner Frequenz 106,8 auf Sendung gehen. Der Kopf dahinter: Tim Renner, ehemaliger Chef des Musikgiganten Universal Deutschland. Das Businessmodell dahinter: Die Hörer sollen die Musik, die gerade im Radio läuft, kostenpflichtig aus dem Internet downloaden können. Derzeit hat die Internetplattform motor.de nach Angaben der Betreiber bis zu 15.000 Visits am Tag, den 14-tägigen Newsletter erhalten 35.000 Nutzer. politik-digital.de sprach mit Renner über die Zukunft des Online-Radios, über sein Businessmodell und über die Verzahnung des hauseigenen Labels „Motor“ mit dem geplanten Radiosender]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Am 1. Januar 2005 wird der neue Radiosender Motor FM auf der Berliner Frequenz 106,8 auf Sendung gehen. Der Kopf dahinter: Tim Renner, ehemaliger Chef des Musikgiganten Universal Deutschland. Das Businessmodell dahinter: Die Hörer sollen die Musik, die gerade im Radio läuft, kostenpflichtig aus dem Internet downloaden können. Derzeit hat die Internetplattform motor.de nach Angaben der Betreiber bis zu 15.000 Visits am Tag, den 14-tägigen Newsletter erhalten 35.000 Nutzer. politik-digital.de sprach mit Renner über die Zukunft des Online-Radios, über sein Businessmodell und über die Verzahnung des hauseigenen Labels „Motor“ mit dem geplanten Radiosender</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">
                            <strong><br />
                              <strong>politik-digital.de:</strong><br />
                            </strong> Herr Renner, was würden Sie sagen, wenn das Label „Universal“ eine der seltenen Radiofrequenzen beantragt und dann auch bekommt? Wäre die Gefahr gegeben, dass Universal den Radiosender nutzt, um eigene Produkte zu verkaufen?</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Nicht wirklich, weil ich annehmen würde, dass Universal sich vorher eingehend genug mit Radio beschäftigen würde um zu wissen, dass das Medium nicht funktioniert, wenn man es zum Promotionkanal der eigenen Musik degradiert. Auch bei Viva hat das die Musikwirtschaft schnell begreifen müssen: Es war da mitnichten so, dass die Gesellschafter, also die Labels, dort anrufen konnten um zu sagen „nimm dieses und jenes auf die Rotation.“</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> „Motor“ hat gerade eine Frequenz bekommen, die 106,8, auf der ab 1.1.2005 der Sender „Motor FM“ senden wird. Ist das nicht das gleiche? Schließlich ist auch „Motor“ ein Label.</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Motor starten wir wieder komplett neu. Wir haben uns den<br />
                            <img decoding="async" height="104" src="../../images/renner_10.jpg" width="69" align="right" alt="" /> Namen „Motor“ gesichert, aber leider nicht die Künstler die früher dort veröffentlicht haben. Das neue Motor hat gerade mal drei Gruppen unter Vertrag. Später werden es vielleicht sieben sein. Davon kann man kein Radio-programm machen, das ist viel zu wenig. Motor wird also Motor FM nicht nutzen, um die eigene Musik zu spielen. Unser Ziel ist, das zu spielen, was wirklich interessant ist.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Laut Selbstbeschreibung sieht sich Motor Music als &#8220;Die Guten&#8221;. Worauf gründet sich so ein Selbstbild? Motor = Underground?</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Das Selbstbewusstsein, erwächst aus der Schwäche des Marktes: Es gibt jede Menge Stagnation, allgemeines Verharren, allgemeine Angst, sich überhaupt zu bewegen. Und Motor ist hoffentlich frech genug, alles zu riskieren. Zudem haben wir alle Erfahrung in diesem Bereich, Erfahrung als Major und als Indie. Was wir wollen ist: Etwas in Bewegung bringen. Deshalb sind wir „die Guten“.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Wer bei Motor Musik kaufen und downloaden will, wird seit dem 1. Dezember zum Musikportal musicload von T-Online weitergeleitet. Nich gerade ein kleiner Player, mit dem Sie da gerade kooperieren. Wie verträgt sich das mit dem propagierten Motor-Image, dass man die kleinen und deutschen und Newcomer-Bands fördern will?</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Da wir grosse Systeme kennen, haben wir vor ihnen auch in der Kooperation keine Angst. In der Off-Air-Phase testen wir Musicload, ob das dann auch der dauerhafte Partner für Motor FM sein wird, muss sich zeigen. Fest steht, einer muss die Aufgabe des Download-Providers erfüllen. Möglichst ist das jemand, der die Musik von den Majors bereits lizensiert hat. Ich denke, auf Dauer wird Motor, um seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, immer eine Mischung von Partnern haben müssen: Einen großen Player, der die Lizenzen der vier Majors mitbringt, und kleine Player, mit denen die Indies selbständig agieren können. Motor kann nicht ignorieren, wenn eine wichtige Independent-Platte bei einem Major rauskommt. Das ist einer der Knackpunkte, die wir organisiert bekommen müssen.</p>
<p>                            <strong>politik-digital.de:</strong> Mit welchem Major werden Sie denn in Zukunft zusammenarbeiten?</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Wir werden mit dem Major Player im Downloadmarkt zusammenarbeiten, der sich am ehesten bereit zahlt &#8230; äh!&#8230; zeigt &#8230; (das war jetzt ein echter freudscher Versprecher) auch Grundkosten zu übernehmen, die man ja einfach hat.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Sie haben gesagt man braucht im Moment noch die analoge Welt, um die digitale zu forcieren. Worauf fokussieren Sie sich den nun tatsächlich?</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Wir planen zweigleisig, aber wir marschieren mit voller Wucht mit dem analogen Fuß voran. Wir glauben zwar daran, dass man sich über absehbare Zeit mit Downloads finanzieren kann und sind auf dem Weg dahin. Bis es so weit ist, braucht man aber einen analogen Transmissionsriemen, um es digital zu schaffen. Derzeit haben wir in Deutschland noch nicht genug bezahlte Downloads, die ein nur auf diesen Bereich bezogenes Business erlauben. Um da Schwung reinzubringen, muss man eben analog sehr stark sein – von dort aus muss man dann den digitalen Markt erschließen. Wir wären auch mit unseren Kräften überfordert, rein auf die digitale Schiene zu setzen. Gerade in der Anfangsphase werden wir noch nicht alles liefern können.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Heißt das, der Internetbereich bleibt zunächst nur eine Option? Im Moment soll der terrestrische Sender aufgebaut werden?</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Der terrestische Sender definiert den Inhalt und ohne den machen die Funktionen des Netz wenig Sinn. Ja, insofern ist das der richtige Eindruck. Erst muß man Energie haben, dass der Sender überhaupt sendet und ein spannendes Programm macht. Dann kannst du an die Optimierung der Möglichkeiten gehen, die du im Internet hast. Es ist eben nicht so, das du dich von heute auf morgen über das Internet finanzieren können wirst. Erstmal muß ich deine Aufmerksamkeit als Verbraucher bekommen. Das geht nur, indem ich ein Programm hinlege, das richtig gut ist und das die Hörer mitlaufen lassen, während sie am PC sitzen. Zuerst muss der Inhalt stimmen, dann kommt die technische Komponente. Da werden sicher noch sehr viele Kämpfe ausgetragen werden müssen. Denn auf Dauer ist nur eine Lösung befriedigend, bei der wir die Musik, die für uns interessant ist, auf einer Plattform vereinigen können. Die Preisgestaltung muss stimmen, die technischen Standards müssen stimmen und die Relevanz muss stimmen.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Was meinen sie mit Relevanz?</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Also, politik-digital.de zum Beispiel ist ja fast schon ein konservativer Ansatz: Ihr interessiert Euch erst mal für die Inhalte, dann erst für die Verbreitung in der Fläche. Das ist, glaube ich, der richtige Ansatz, weil er für Relevanz und Glaubwürdigkeit sorgt. So geht Motor FM auch vor. Am besten wäre, wenn Motor FM eine Stärke entwickelt, dass auch die Majors nicht darum herum kommen, zu sagen, dass ihre Independent-Musik bei uns gespielt werden muss, um relevant zu sein. Dadurch würde man ja eine gewisse Unantastbarkeit bekommen.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Es gibt ja grob gesagt drei Formen des Internet-Radio: Die, die ihr Programm einfach live im Netz mitlaufen lassen; die, die ein zeitversetztes Hören einzelner Sendezeiten erlauben. Und dann gibt es noch Sender, die ein interaktives Eingreifen in den Programmverlauf &#8211; also auch das Anspielen einzelner Lieder &#8211; erlauben. Welchen Weg wird Motor FM im Internet wählen?</p>
<p>
                            <strong>Tim Renner:</strong> Erstmal werden wir im Internet das Programm live streamen. Fragen, wie der Konsument selbst das Programm verengen oder interaktiv darauf reagieren kann, sind nicht vertagt, aber sie sind auf der Tagesordnung nicht auf den ersten beiden Plätzen.</p>
<p>
                              <strong>Weiter zum<br />
                              <a href="webradio_renner2.shtml">zweiten Teil</a> des Interviews mit Tim Renner</strong>
                            </p>
<p>
                              
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sender auf Suche &#8211; ein Porträt des Senders TWENFM</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfries]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Dec 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Seit drei Monaten sendet der ehemalige Berliner Piratensender Twenfm täglich von 20.00 bis 5.00 Uhr auf der UKW-Frequenz 104.1 FM und rund um die Uhr auf DAB – und überlegt weiter, wie neue digitale Techniken unabhängigen Künstlern nutzen können. politik-digital.de traf sich zum Gespräch mit TWENFM-Produktionsleiter Sascha Benedetti]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Seit drei Monaten sendet der ehemalige Berliner Piratensender Twenfm täglich von 20.00 bis 5.00 Uhr auf der UKW-Frequenz 104.1 FM und rund um die Uhr auf DAB – und überlegt weiter, wie neue digitale Techniken unabhängigen Künstlern nutzen können. politik-digital.de traf sich zum Gespräch mit TWENFM-Produktionsleiter Sascha Benedetti</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">Ganz zum Schluss fällt es ihm ein: „Eigentlich gehörten wir ja zu den Ersten, die Webradio in Deutschland gemacht haben“ sagt Sascha Benedetti. Damals gab es noch keine ständigen streams – und TWENFM sorgte sogar für Wirbel im Ausland. Das lag vor allem auch am Programm des Senders: Im Livebetrieb und oft von den Künstlern und Produzenten selbst präsentiert, sendet TWENFM das neueste aus der elektronischen und alternativen Musikszene und unterstützt so unabhängige Künstler und kleine Labels.</p>
<p>TWENFM startete 1997 in Frankfurt als Piratensender, siedelte 1999 nach Berlin über und probierte viel herum: zum Beispiel wurde ein audiovisueller stream produziert und im Offenen Kanal übertragen. Und die SMS-Chats, die bei Viva und MTV mittlerweile den halben Bildschirm einnehmen, probierte TWENFM auch bereits vor Jahren auf experimentellem Level aus – und die Kids chatteten mit.<br />
                          <br />Doch das ist lange her, und beim Thema Webradio zuckt Benedetti mit den Schultern: „Jede Playlist mit 20 Charthits nennt sich mittlerweile Webradio. Ich sehe das eher als ein Dienstleistungsangebot, was viele Websites im Programm haben, das ist kein Qualitätsmerkmal mehr.“</p>
<p>Zwar bietet TWENFM auf der Website selbst einen Stream an, problematisch aber ist, dass die Sendekosten mit jedem Nutzer steigen. Für ein kleines Unternehmen wie TWENFM, das sich über Kulturförderungen und gelegentliche Kooperationen finanziert, nicht die optimale Sendeform.</p>
<p>Aber auch wenn TWENFM sich in erster Linie als klassischer Radiosender versteht, sieht Sascha Benedetti neue digitale Techniken klar als die Zukunft der Verbreitung von Musik – auf einem Markt, der gerade völlig durcheinander gewirbelt wird: „Im Mainstreambereich hat Musik für viele Menschen an Wert verloren. Überall wird man mit den neuesten Hits zugeballert, also nimmt auch die Bereitschaft ab, für Musik überhaupt noch zu bezahlen. Und ob die CD als Trägermedium noch Berechtigung hat, ist für mich fraglich, schließlich bekommt man alle Daten auch im Netz“, sagt Benedetti.</p>
<p>
                            <strong>Welche Technik macht das Rennen?</strong>
                          </p>
<p>Für TWENFM bleibt die Frage, welche digitalen Techniken interessant werden. Das digitale Radio ist dabei nur ein Aspekt. TWENFM sendet 24 Stunden über DAB und<br />
                          <a href="http://TWENFM.org/radiobeam/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vertreibt</a> über die Sender-Website in Kooperation mit einem Hersteller digitale Endgeräte für den Empfang. Der Verkauf aber läuft nicht gut: „Die Medienanstalt kolportiert, dass es digitales Radio in dieser Form bald gar nicht mehr geben wird, und besonders Teenies kaufen eben einfach keine Radios, auch keine digitalen.“ Handys als Endgeräte sind da schon interessanter für die Übertragung von Musik. Dazu werden dieselben Frequenzen genutzt werden, über die momentan digitales Radio gesendet wird. Aber auch hier ist die Entwicklung nicht ganz absehbar: „Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass diese Frequenzen nicht mehr medienrechtlich sondern kommunikationsrechtlich betrachtet werden. Dann wird es so werden wie bei den UMTS-Frequenzen: zwei, drei große Player werden konkurrieren und wer am meisten zahlen kann, bekommt die Frequenz“, vermutet Benedetti. Aber auch bei solchen Entwicklungen behält TWENFM die Möglichkeit für eigene neue Geschäftsmodelle immer im Blick.</p>
<p>
                          <strong>Demokratisches Musikhören</strong></p>
<p>Als richtungsweisend für die Entwicklung sieht Benedetti auch einen zweiten Wandel im Hörerverhalten hin zu einem selbstbestimmten Musikhören: „Durch die Verbreitung von MP3 kann sich jeder das zusammenstellen, was er hören möchte und muss nicht das hören, was ihm irgendjemand liefert.“<br />
                          <br />Liegt die Zukunft also im on-demand-Musikhören?<br />
                          <br />Mit Endgeräten wie i-pod, Pocket-PCs und MP3-Playern können Hörer digital und rechtlich unbedenklich mitschneiden &#8211; nach demselben Prinzip, nach dem jahrzehntelang mit dem Kassettenrekorder analoges Radio mitgeschnitten wurde. Benedetti glaubt, dass Podcasting schnell dazu führen wird, dass viele Leute eigene, moderierte Sendungen produzieren und übers Netz verbreiten werden. Über das Abonnieren bestimmter RSS-Feeds kann damit ein absolut individualisierter Musikgeschmack bedient werden. Markiert dies den Gegenpol zum Geschmacksdiktat der großen Player in der Musikindustrie? Benedetti jedenfalls hofft, dass durch die Krise und das Sterben der CD vielleicht auch die Majorlabels erkennen, dass es sich lohnen würde, wieder substantiellere Künstler zu unterstützen und aufzubauen.</p>
<p>Wo auch immer die Entwicklung hingehen wird, TWENFM als Broadcaster werden weiter ihren Weg gehen und mit unabhängigen Künstlern und Labels zusammenarbeiten und dabei immer offen sein für neue Verbreitungsmöglichkeiten – schließlich verstehen sie sich als progressiv und lieben Musik.</p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Internetradio &#8211; das Ende eines Hypes?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/netzkulturwebradio_zukunftgoldhammer-shtml-2740/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Dec 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internetradio - ein neuer Stern am Medienhimmel?]]></category>
		<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Internetradio galt in Zeiten der Goldgräberstimmung als das Radio der Zukunft. Jeder sollte sein eigenes Programm bestimmen und on demand abfragen können - natürlich kostenlos. politik-digital.de hat den Internetradio-Experten Prof. Klaus Goldhammer zu den Hypes und Flops der Vergangenheit und den Chancen für die Zukunft des Internetradios befragt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Das Internetradio galt in Zeiten der Goldgräberstimmung als das Radio der Zukunft. Jeder sollte sein eigenes Programm bestimmen und on demand abfragen können &#8211; natürlich kostenlos. politik-digital.de hat den Internetradio-Experten Prof. Klaus Goldhammer zu den Hypes und Flops der Vergangenheit und den Chancen für die Zukunft des Internetradios befragt</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Zu Beginn der so genannten &#8216;New Economy&#8217; wurde eine große Nachfrage nach dem &#8220;neuen&#8221; Internetradio prognostiziert. Was waren die größten Hypes zu Beginn der Webradios?</p>
<p>
                            <strong>Klaus Goldhammer:</strong> Plötzlich war es über das Internet möglich, eine unendliche Vielzahl von Radiostationen ins Rennen zu schicken. Man war nicht mehr an die sehr geringe Bandbreite des UKW-Spektrums gebunden, die in aufwändigen Verfahren vergeben werden. Statt dessen hatte jeder auch mit sehr geringen Mitteln die Möglichkeit, einen eigenen Sendern, ein eigenes Programm zu verbreiten. Und noch viel reizvoller erschien die Möglichkeit, das Programm zu personalisieren, also auf die eigenen Vorlieben zuschneiden zu können. Gleichzeitig profitierte man natürlich als Rezipient von der großen Zahl an Webradiosendern, die einem alles bot: Von tibetanischer Gongmusik bis zu afrikanischem Freejazz.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Es sind so viele Ideen aufgetaucht und wieder verschwunden &#8211; was waren die größten Irrglauben der Webradioszene?</p>
<p>
                            <strong>Klaus Goldhammer:</strong> Einer der größten Irrtümer war sicherlich, dass man mit einem Webradio nicht nur schnell ein neues Programm aufbauen, sondern auch schnell dankbare Werbepartner finden würde, um die Investitionen schnell rückverdienen könnte. Und noch seltener wurde bedacht, dass es für Internet-Broadcaster keine Senderflatrate gibt, wie im klassischen Rundfunk. Dies heißt: Jeder zusätzliche Nutzer bedeutet zusätzlichen Datentraffic und damit zusätzliche Kosten. Diese Linearität bekommt man ab einem bestimmten Punkt schwer in den Griff. Viele Radiostationen verschwanden daher genauso schnell wie sie kamen.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Wie können Webradios ihre multimediale Plattform besser ausnutzen und statt einfacher Audiostreams einen echten Mehrwert bieten?</p>
<p>
                            <strong>Klaus Goldhammer:</strong> Mit zunehmenden Bandbreiten gibt es mehr und mehr die Möglichkeit, neben den Audiostreams auch Bilder, Musikvideos oder TV-Werbespots mitzusenden und so das anzubieten, was die Musiksender immer seltener tun und die Plattenlabel zunehmend anbieten. Musik und Bewegtbild im Doppelpack. Gleichzeitig gibt es auch bezüglich des individuellen Zuschnitts der Musik auf den Hörer noch echtes Entwicklungspotenzial.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Die Idee des personalisierten Internetradio gab es ja schon früher. Was ist denn aus dieser Idee geworden?</p>
<p>
                            <strong>Klaus Goldhammer:</strong> Das Internet bietet dem User eine riesige Auswahl von Radiosendern mit allen erdenklichen Stilrichtungen, so dass tatsächlich jeder die Möglichkeit hat ein Programm nach eigenem Geschmack auszuwählen. Abseits der „klassischen“ Streams kann der User bei verschiedenen Sendern zudem eine Vorauswahl der angebotenen Bands treffen (falls man z.B. gerne Brit-Pop hört, aber die Band Oasis nicht mag, kann man diese somit „aus dem Programm klicken“). Ein „echtes“ auf den einzelnen Hörer zugeschnittenes Individualradio steht jedoch noch aus, hätte aber sicher seinen Reiz.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Welchen Anteil hat Internet-Radio am Gesamtmarkt heute, gibt es verlässliche Hörerzahlen? Stellen Internet-Radios überhaupt einen spürbaren Werbemarktanteil dar?</p>
<p>
                            <strong>Klaus Goldhammer:</strong> Im Vergleich zur Gesamthörerzahl der einzelnen Sender liegt die Hörerzahl der Internetstreams im Promillebereich. Sie dienen den klassischen Radiostationen in erster Linie als Marketinginstrument für den Offline-Sender, so dass diese eher dazu beitragen, die Werbeerlöse des klassischen Senders zu erhöhen. Verlässliche Hörerzahlen gibt es dabei nicht. Manche Sender in den USA sprechen aber davon, dass sie bis zu 60 oder 80.000 parallele Hörer haben. Das ist schon recht ordentlich.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Woran liegt es denn, dass Radio nach wie vor so wenig über Internet genutzt wird &#8211; ist das Angebot nicht qualitativ genug, ist die Technik nicht ausgereift, oder sind die Zuhörer schlichtweg zu bequem?</p>
<p>
                            <strong>Klaus Goldhammer:</strong> Tatsächlich liegt die Qualität der Radiostreams zu weiten Teilen unterhalb der eines normalen Radios. Zum anderen verfügen viele User bisher noch nicht über die nötigen Bandbreiten, um einen Radiostream dauerhaft abspielen zu können. Bei einer Modemverbindung kommt die Kostenfrage hinzu. Viele Streams sind zudem oft überlastet (so bietet Radio Eins beispielsweise nur 500 Hörern die gleichzeitige Nutzung), so dass man sich nicht jederzeit einwählen kann. Insgesamt ist der Zugriff im Vergleich zum Radio recht umständlich und zeitaufwändig. Außerdem ist das Internet an vielen Orten an denen klassischerweise das Radio genutzt wird (Auto/Badezimmer/Küche) in weiten Teilen noch nicht präsent. Aber wenn Sie sich umhören, was junge Menschen mit einem DSL-Anschluss so treiben, ist Internet-Radio schon oftmals dabei.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Werden Webradios und klassische Radiosender Ihrer Meinung nach auf längere Sicht verschmelzen?</p>
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                            <strong>Klaus Goldhammer:</strong> Bereits jetzt ist nahezu jeder klassische Radiosender auch im Internet vertreten. Aber eine „Verschmelzung“ ist das nicht, sondern die Erschließung eines neuen Vertriebsweges. Das Internet stellt für das klassische Radio in erster Linie doch ein Marketinginstrument (zur Gewinnung von Marktforschungs-ergebnissen sowie zur Hörer-Bindung) dar. Darüber hinaus werden aber die ausschließlich im Web vertretenen Sender auch weiterhin einen großen Teil der Webradionutzer auf sich ziehen. Gleichzeitig wird auf absehbare Zeit auch das klassische Radio in der jetzigen Form erhalten bleiben.</p>
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                            <strong>politik-digital.de:</strong> Haben die Webradios Ihrer Meinung nach eine Zukunft? Und wie könnte sie aussehen??</p>
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                            <strong>Klaus Goldhammer:</strong> Wenn eventuell in fünf bis zehn Jahren wir in jedem einen Breitband-Internetzugang über DSL- oder Kabel als Flatrate haben, und im Wohnzimmer ein Computer steht auf dem die eigene Musik und Videosammlung verwaltet und das Fernsehprogramm gesteuert wird, so wäre es auch nicht unwahrscheinlich, dass in diesem Bereich ein gewisser Teil des Radioangebotes auch irgendwann aus dem Internet genutzt wird – Wenn nicht bis dahin iTunes und Konsorten die modernere Form des Radios geworden sind. Ein vollständiger Ersatz des klassischen Radios wird es aber wohl auch auf längere Sicht nicht werden. Bis es soweit ist, wird das Webradio im Sinne eines Meso-Mediums, das kleinere sehr spezielle Zielgruppen mit einem ausgesuchten Programm erreicht, parallel zum klassischen Radio weiter bestehen. Und weiter gilt das ökonomische Grundproblem, das es zu lösen gilt: Jeder zusätzliche Nutzer bedeutet zusätzliche Kosten. Eine Million Hörer möchte ich über das Internet nicht finanzieren müssen.</p>
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<p class="fett">Prof. Klaus Goldhammer ist Professor für Medienwirtschaft an der Rheinischen Fachhochschule in Köln und Geschäftsführer der Medienberatung Goldmedia GmbH Media Consulting &amp; Research</p>
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