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	<title>Ralf Brauksiepe &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Ralf Brauksiepe &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Es bestreitet niemand, dass es Umsetzungsprobleme gibt&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es-bestreitet-niemand-dass-es-umsetzungsprobleme-gibt-143/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 May 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 15. Mai,, war Dr. Ralf 
Brauksiepe, CDU-Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Arbeit 
und Soziales der Unions-Fraktion zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation 
mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zu den Korrekturen 
der Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt, Hartz IV Missbrauch und 
der Zukunft der Ich-AG.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 15. Mai,, war Dr. Ralf<br />
Brauksiepe, CDU-Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Arbeit<br />
und Soziales der Unions-Fraktion zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation<br />
mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zu den Korrekturen<br />
der Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt, Hartz IV Missbrauch und<br />
der Zukunft der Ich-AG.<!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zum tageschau-Chat! Heute ist unser Chat-Gast Ralf Brauksiepe, CDU-Bundestagsabgeordneter<br />
und Sprecher für Arbeit und Soziales der Unions-Fraktion. Arbeitsmarkt<br />
und soziale Sicherung sind bei immer noch fast fünf Millionen<br />
Arbeitslosen weiterhin die Top-Themen und Herausforderungen an die<br />
Politik. Milliarden Euro fließen aus dem Bundeshaushalt für<br />
die Bewältigung dieser Probleme, sie scheinen aber kaum etwas<br />
zu bewirken. Wie immer darf es in unserem Chat um alle Themen gehen.<br />
Sie können Ihre Fragen jederzeit stellen, diese werden gesammelt<br />
und kommen alle in den großen Frage-Pool. Vielen Dank, Herr<br />
Brauksiepe, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind. Beginnen<br />
wir mit dieser Frage:
</p>
<p>
<b>ursula meschede: </b>Haben Sie sich freiwillig gemeldet,<br />
als der Posten des Sprechers für Arbeit und Soziales vergeben<br />
wurde?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Es wird nicht gewartet, dass<br />
man sich meldet, sondern da gibt es natürlich Menschen in der<br />
Fraktionsführung, die sich Gedanken machen und auf mich zugekommen<br />
sind und mich gefragt haben, ob ich das machen möchte. Wenn<br />
man gefragt wird, ob man in diesem Kernbereich deutscher Politik,<br />
der über Erfolg oder Misserfolg der Regierung wesentlich mit<br />
entscheidet, Verantwortung übernehmen will, ist es klar, dass<br />
man eine solche Herausforderung annimmt. Ich habe das gern gemacht<br />
und habe viel Freude an meinem Amt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was qualifiziert einen für einen<br />
solchen Posten?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Da gibt es sicherlich unterschiedliche<br />
Zugangswege. Mein Zugang zu diesem Tätigkeitsfeld bestand insbesondere<br />
darin, dass ich in der vorherigen Legislaturperiode stellvertretender<br />
Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe unserer Fraktion war, und seit<br />
einigen Jahren Führungsfunktionen in der CDA, der Arbeitnehmerorganisation<br />
der CDU, bekleide.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Grundsatzfrage und doch konkret:
</p>
<p>
<b>Der Koelner:</b> Was ist daran sozial, wenn ein Arbeitnehmer<br />
nach einem Jahr erst sein Hab und Gut verkaufen muss, um eine Sozialleistung<br />
zu erhalten?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wenn es so wäre, wäre<br />
das nicht sozial, aber es ist auch nicht so. Wer aus dem Bezug von<br />
ALG I herausfällt, erhält zunächst noch für<br />
mehrere Jahre einen so genannten &quot;befristeten Zuschlag&quot;.<br />
Erst danach beginnt für diejenigen, die arbeitslos geworden<br />
sind, der Bezug des Arbeitslosengeldes II. In der früheren<br />
Sozialhilfe hat es auch Bedürftigkeitsprüfungen gegeben<br />
und demzufolge auch die Anrechnung eigenen Vermögens. Die Vermögensfreigrenzen,<br />
also das, was nicht verkauft werden muss, sind im neuen SGB II,<br />
also &quot;Hartz IV&quot;, deutlich höher als in der alten<br />
Sozialhilfe. Ich weiß, dass der öffentliche Eindruck<br />
ein völlig anderer ist. Aber Tatsache ist, dass Hartz IV hilfebedürftigen<br />
Menschen deutlich mehr lässt als die frühere Sozialhilfe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Fällt der Zuschlag, den sie erwähnt<br />
haben, in Zukunft nicht weg?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wir haben uns im Koalitionsvertrag<br />
ehrgeizige Ziele bei der Reform von Hartz IV gesetzt und sind zurzeit<br />
dabei, diese parlamentarisch umzusetzen. Leider müssen wir<br />
davon ausgehen, dass trotzdem die Haushaltsansätze für<br />
Hartz IV überschritten werden. Auch dies zeigt, dass wir für<br />
den betroffenen Personenkreis heute mehr Geld ausgegeben als je<br />
zuvor. Über die Wege, auf denen wir die vom Haushalt vorgegebenen<br />
Zielmarken erreichen, werden wir in der Koalition noch sprechen<br />
müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt die Zuschläge<br />
fallen weg.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Es gibt zu diesem Thema bisher<br />
keinerlei Verabredung in der großen Koalition. Aber es ist<br />
klar, dass zusätzliche Einsparungen erforderlich sind, falls<br />
die bisherigen nicht ausreichen, um die im Haushalt vorgesehenen<br />
Ausgabengrenzen zu erreichen. Heute ist aber nicht der Zeitpunkt,<br />
um über einzelne Maßnahmen öffentlich zu spekulieren.
</p>
<p>
<b>Rodaj: </b>Warum werden die Stellen für Sozialbetrugs-Kontrolleure<br />
in vielen Städten aufgestockt, obwohl es keinerlei statistische<br />
Angaben zur Anzahl der Betrugsfälle gibt?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Es gibt natürlich Statistiken,<br />
die auf Fälle von Missbrauch hinweisen. Wir müssen mit<br />
dem knappen Geld, das von denjenigen erwirtschaftet wird, die täglich<br />
ihrer Arbeit nachgehen, sorgsam umgehen. Das sollte eine pure Selbstverständlichkeit<br />
sein. Weil wir sozial Schwachen helfen wollen, müssen wir gleichzeitig<br />
verhindern, dass sich Starke, die Hilfe nicht brauchen, gleichwohl<br />
als Schwache verkleiden.
</p>
<p>
<b>hollyday:</b> Durch eine schärfere Überwachung<br />
der ALG-Empfänger sollen ja unberechtigte Bezieher identifiziert<br />
und so Kosten gesenkt werden. Aber welche Summe wird eigentlich<br />
für die Überwachungsmaßnahmen benötigt? Und<br />
inwiefern ist das noch mit dem Datenschutz vereinbar?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Mit dem SGB II-Fortentwicklungsgesetz,<br />
das wir zurzeit im Bundestag beraten, werden die dazu erforderlichen<br />
Grundlagen geschaffen, wobei selbstverständlich die Erfordernisse<br />
des Datenschutzes beachtet werden. Es geht auch nicht darum, hier<br />
neues Personal einzustellen, sondern darum, den Menschen, die die<br />
Aufgabe haben, die vorhandenen Gelder dem Wunsch des Gesetzgebers<br />
entsprechend einzusetzen, auch in die Lage zu versetzen, den entsprechenden<br />
Mitteleinsatz effektiv zu kontrollieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> SGB-II-Fortentwicklungsgesetz ist besser<br />
bekannt als Hartz-IV-Optimierungsgesetz.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Meines Wissens ist im Zuge der<br />
üblichen Ressort-Abstimmung innerhalb der Bundesregierung vom<br />
Bundesjustizministerium der Begriff &quot;Optimierungsgesetz&quot;<br />
abgelehnt worden. In der Sache geht es um das Sozialgesetzbuch II,<br />
diese Bezeichnung ist mir im Regelfall lieber als der Hinweis auf<br />
einen früheren Funktionsträger eines deutschen Automobilkonzerns.
</p>
<p>
<b>joan:</b> Gibt es unabhängige Studien über<br />
die Auswirkung der Ein-Euro-Jobber auf den ersten Arbeitsmarkt?<br />
Ich bin sicher nicht allein mit dem Problem, dass man meinen Arbeitsplatz<br />
als &quot;nicht nötig &quot; und als potentielles Hartz-IV-Jobber-Gebiet<br />
&quot;vorgemerkt&quot; hat.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe: </b>Natürlich wird auch die<br />
Auswirkung von Ein-Euro-Jobs evaluiert. Dabei muss man sehen, dass<br />
es sicherlich Verdrängungseffekte bzw. Probleme im konkreten<br />
Einzelfall gibt. Um diese zu minimieren, sind bei den Agenturen<br />
vor Ort entsprechende Gremien eingesetzt worden, die darauf achten<br />
sollen, dass mit diesem Instrument wirklich nur zusätzliche<br />
Beschäftigung geschaffen und keine bestehende Beschäftigung<br />
verdrängt werden soll. Auch wenn das sicher nicht in jedem<br />
Einzelfall gelingt, halte ich es vom Grundsatz her für richtig,<br />
diese Jobs zu organisieren. Denn Arbeit, die in Deutschland nicht<br />
erledigt wird, liegt doch zum Teil in wahrsten Sinne des Wortes<br />
&quot;auf der Straße&quot;. In meinem Wahlkreis haben es sich<br />
viele Parteigliederungen zur Gewohnheit gemacht, regelmäßige<br />
Müllsammelaktionen durchzuführen, weil den Kommunen das<br />
Geld für eine bessere Sauberhaltung ihrer Städte fehlt.<br />
Ich betone aber nochmals, dass wir sehr auf die Zusätzlichkeit<br />
dieser Arbeitsgelegenheiten achten müssen.
</p>
<p>
<b>Dennis D:</b> Ist es bei dem Problem &quot;Hartz IV<br />
&quot; nicht so, dass sich die große Koalition erst jetzt<br />
Gedanken macht, wo die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst<br />
anstehen, wo die PDS als Protestpartei wegfällt und somit die<br />
NPD als einzige Partei von Hartz IV &quot;profitieren &quot; könnte?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Das ist völlig abwegig.<br />
Hartz IV ist von der rot-grünen Bundesregierung eingeführt<br />
worden und war von Anfang an ein Kompromiss, in den auch der Bundesrat<br />
einbezogen war. Natürlich muss auch die große Koalition<br />
untereinander und mit dem Bundesrat bei der Reform von Hartz IV<br />
Kompromisse schließen. Wir haben das Thema aber nicht erst<br />
jetzt entdeckt, sondern schon im November im Koalitionsvertrag ein<br />
umfangreiches Maßnahmenpaket festgelegt, das wir seitdem schrittweise<br />
abarbeiten. Es ist für uns ein Dauerthema, das wir nicht erst<br />
neu entdecken mussten.
</p>
<p>
<b>Husemann:</b> Hand aufs Herz, Herr Brauksiepe! Was<br />
wird Deutschland in zehn Jahren noch von den Verhältnissen<br />
auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt unterscheiden?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe: </b>Sehr viel. Wir werden auch in<br />
zehn Jahren noch ein soziales Sicherungssystem haben, das allen<br />
Menschen bei Krankheit die notwendige medizinische Versorgung gewährt<br />
und das mit der gesetzlichen Rente, die in der Bedeutung zwar tendenziell<br />
abnehmende, aber immer noch zentrale Säule der Alterssicherung<br />
in Deutschland darstellen wird. Gerade weil wir unsere sozialen<br />
Sicherungssysteme nicht über Bord werfen wollen, müssen<br />
wir aber auch bereit sein, sie fort zu entwickeln, auch wenn das<br />
häufig schwer fällt.
</p>
<p>
<b>Guapo:</b> Ist es nicht so, dass man sich bei den<br />
Kosten von Hartz IV völlig verrechnet hat und jetzt ein Missbrauchs-Szenario<br />
aufbaut? Vor allem zu Lasten der Empfänger?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Richtig ist, dass sich Rot-Grün<br />
bei den Kosten vollkommmen verkalkuliert hat. Aber es geht nicht<br />
darum, jetzt ein Missbrauchsszenario aufzubauen. Es gibt Missbrauchsfälle,<br />
die bekämpft werden müssen im Interesse der Beitrags-<br />
und Steuerzahler und der Hilfebedürftigen, die zu Recht Hilfe<br />
empfangen. Um nicht mehr und nicht weniger geht es.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Im Rückblick: Die Maßnahmen<br />
für die Gesetze Hartz I bis Hartz III sind wissenschaftlich<br />
begleitet und geprüft worden. Für viele neue Förderungsinstrumente<br />
fiel das Urteil vernichtend aus. Beispielsweise für die Leiharbeitsmodelle<br />
PSA (Personal-Service-Agenturen). Bei Hartz IV explodieren die Kosten.<br />
Gibt es einen Hauptgrund, warum der Politik immer wieder solche<br />
Fehler passieren? Betonung liegt auf Hauptgrund.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Nein, es gibt eine Fülle<br />
von Ursachen. Bei den Personalservice-Agenturen war es der politische<br />
Wille von Rot-Grün gegen unseren Willen dieses Instrument einzuführen.<br />
Es hat genügend Warnungen, nicht nur von unserer Seite, gegeben.<br />
Bei Hartz IV ist bisher ein wesentlicher Grund für den Kostenanstieg<br />
die Zunahme der Zahl der so genannten Bedarfsgemeinschaften. In<br />
meinem Landkreis hat sie im Jahr 2005 um ca. 60% zugenommen, und<br />
das ist kein Einzelfall. Die Kosten für Heizung und Wohnung<br />
sind gegenüber früher deutlich gestiegen, was nicht zuletzt<br />
damit zusammenhängt, dass das Verfahren für die Gewährung<br />
dieser Unterstützung für den Antragsteller leichter ist<br />
als beim früheren Wohngeld. Das sind aber nur zwei von zahlreichen<br />
Ursachen.
</p>
<p>
<b>tacko:</b> Sind nicht viele Elemente der Hartz-Gesetze<br />
vor allem auf Betreiben der Union im Bundesrat eingeführt worden?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Was die finanziellen Auswirkungen<br />
angeht, ist es der Union über den Bundesrat in der Tat gelungen,<br />
Schlimmeres zu verhindern. Was organisatorische Fragen angeht, gab<br />
es den Streit darüber, wer federführend für die Vermittlung<br />
der betroffenen Menschen in Arbeit zuständig sein sollte. Rot-Grün<br />
wollte eine zentralistische Lösung über die Bundesagentur<br />
für Arbeit, wir wollten die Federführung bei den Kommunen.<br />
Heraus gekommen ist als Kompromiss, eine Summe von 69 Optionskommunen<br />
auf der einen Seite sowie die &quot;Argen&quot; (Arbeitsgemeinschaften,<br />
Anm. der Redaktion), das heißt die Zusammenarbeit von BA und<br />
Kommunen als Regelfall auf der anderen Seite. Bei diesem Kompromiss<br />
gab und gibt es natürlich Schnittstellenprobleme, auf die wir<br />
ebenfalls mit dem SGB II-Fortentwicklungsgesetz reagieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nach den bisherigen Erfahrungen: Sollte<br />
das Kommunenmodell bundesweit eingeführt werden?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> In der großen Koalition<br />
haben wir uns darauf verständigt, in den nächsten Jahren<br />
nach dem bisher gefundenen Kompromiss weiter zu verfahren. Für<br />
CDU und CSU bleibt allerdings die Federführung bei den Kommunen<br />
weiterhin auf der Agenda.
</p>
<p>
<b>arzt-im-einsatz:</b> Wie plant die Regierung, die<br />
Mehrkosten für das ALG II zu finanzieren?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wir haben insbesondere die Absicht,<br />
die Mehrkosten soweit wie möglich zu begrenzen. Alles andere<br />
muss im Zuge der zurzeit stattfindenden Haushaltsberatungen entschieden<br />
werden. Klar ist, dass die große Koalition fest entschlossen<br />
ist, nicht in ihrem ersten Amtsjahr mit einer Rekordneuverschuldung<br />
zu starten.
</p>
<p>
<b>bärchenbrueck: </b>Herr Brauksiepe: Wieso wird<br />
eigentlich nur geredet und gegen Betroffene entschieden, anstatt<br />
sich auch mal um die korrekte Umsetzung zu kümmern? Meist sind<br />
Mitarbeiter der Arge´s überfordert, haben keinerlei Sachkunde<br />
und lehnen erstmal ab. Selbst Richtersprüche lassen diese Menschen<br />
links liegen. Warum passiert da genauso viel wie bei &quot;Fördern&quot;,<br />
nämlich nichts außer heißer Luft?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe: </b>Es bestreitet niemand, dass es<br />
Umsetzungsprobleme gibt. Diese zu beseitigen ist ja ein Ziel der<br />
jetzt laufenden Gesetzgebung. Darüber hinaus ist mein Eindruck,<br />
dass die Erfahrungen vor Ort sehr unterschiedlich sind und natürlich<br />
von konkret handelnden Personen abhängen. Wir wollen fördern<br />
und fordern verstärkt in Einklang bringen. Dabei muss auch<br />
klar sein: Das SGB-II bzw. Hartz IV regelt in erster Linie die Ansprüche<br />
für erwerbsfähige Hilfebedürftige. Es ist primär<br />
eine Grundsicherungs- und kein Arbeitsmarktförderungsinstrument.<br />
Wir können Menschen am besten fördern, indem wir die Rahmenbedingungen<br />
für wirtschaftliches Wachstum und damit zusätzliche Arbeitsplätze<br />
richtig stellen. Alle Prognosen der jüngsten Zeit bestärken<br />
uns in der Einschätzung, dass wir dabei auf dem richtigen Weg<br />
sind.
</p>
<p>
<b>peterhartz:</b> Was kommt nach der Ich-AG? Wird es<br />
ähnliche Existenzgründerunterstützung geben?
</p>
<p>
<b>m3:</b> Hallo. Wird die Ich AG fallen. Gibt es in<br />
Zukunft Förderung für Existenzgründung?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Die Ich-AG in der bestehenden<br />
Form läuft zum 30. Juni aus &#8211; das steht fest. Das Überbrückungsgeld<br />
als lange bewährtes Instrument der Existenzgründungsförderung<br />
ist zeitlich unbefristet. Wir haben uns in der großen Koalition<br />
darauf verständigt, Überbrückungsgeld und Ich-AG<br />
zu einem einheitlichen Instrument der Förderung von Existenzgründung<br />
aus Arbeitslosigkeit zusammen zu fassen. Daran arbeiten wir zurzeit.<br />
Ich hoffe, dass wir noch im Laufe dieses Sommers eine Nachfolgeregelung<br />
für die Ich-AG im Bundesgesetzblatt finden können.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Ihr Kommentar zum Vorschlag zur Vereinfachung<br />
von:
</p>
<p>
<b>Surfer:</b> Es wäre nicht schlecht, wenn alle<br />
Hartz VI Empfänger einen festen Betrag 600 Euro erhalten würden.<br />
Teure Bürokratie fällt dann weg.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das ALG II zu kompliziert?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Natürlich müssen wir<br />
die Bürokratiekosten begrenzen. Auch dem dient das laufende<br />
Gesetzgebungsverfahren. Allerdings verstehe ich den Hinweis auf<br />
die 600 Euro nicht. Wir haben gerade beschlossen, den so genannten<br />
&quot;Regelsatz&quot; im Osten auf das Westniveau von dann bundeseinheitlich<br />
345 Euro anzuheben. Es wäre vollkommen unmöglich, diesen<br />
auf 600 Euro anzuheben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zusammen mit Wohngeld käme das<br />
ungefähr auf einen durchschnittlichen Auszahlungsbetrag für<br />
allein stehende ALG-II-Empfänger hin &#8211; der liegt nach meinem<br />
Kenntnisstand nur etwas höher.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wenn wir mit öffentlichen<br />
Mitteln sorgsam umgehen wollen, dann können wir natürlich<br />
nicht das Wohngeld pauschalieren sondern müssen es an den tatsächlich<br />
entstehenden Kosten für Unterkunft und Heizung ausrichten.<br />
Bürokratieabbau kann nicht bedeuten, das Geld der Steuerzahler<br />
ungeprüft pauschal auszugeben.
</p>
<p>
<b>SGBII-Fallmanager:</b> Wie stehen Sie zur der Problematik,<br />
dass offenbar bei der Hartz IV-Gesetzgebung vergessen worden ist,<br />
die Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildungsplatzvermittlung zwischen<br />
Agentur für Arbeit und Optionskommunen festzuschreiben. Die<br />
gegenwärtige Situation führt dazu, dass auf dem Rücken<br />
der Betroffenen Animositäten zwischen der Agentur für<br />
Arbeit und Optionskommunen ausgelebt werden (können).
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Uns ist das Problem bekannt.<br />
Ich muss aber noch mal an meine Feststellung erinnern, dass die<br />
Konstruktion der Argen und der Optionskommunen ein politischer Kompromiss<br />
war, der im Kern nicht zur Debatte steht. Es geht um die bessere<br />
Zusammenarbeit der Beteiligten. Dazu wollen wir diese im laufenden<br />
Gesetzgebungsverfahren verpflichten, soweit der Gesetzgeber dies<br />
überhaupt kann. Aber auch nach dieser gesetzlichen Verbesserung<br />
wird es natürlich nicht ohne den guten Willen der Verantwortlichen<br />
vor Ort gehen. Ich bin gern bereit, Fällen, wo Betroffene Opfer<br />
von Animositäten werden, nachzugehen.
</p>
<p>
<b>Miksch:</b> Ist es nicht ehrlich zu sagen, dass eine<br />
Vollbeschäftigung in diesem Arbeitssystem nicht mehr möglich<br />
ist? Wie reagiert man auf den stärkeren Globalisierungsdruck?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wir halten am Ziel der Vollbeschäftigung<br />
fest. Dabei geht es mir nicht in erster Linie um abstrakte Zieldebatten.<br />
Wir müssen versuchen, so vielen Menschen wie möglich in<br />
Arbeit zu bringen. Und denjenigen, die keine Arbeit haben, die notwendige<br />
Hilfe zukommen zu lassen. Natürlich stellt uns die Globalisierung<br />
vor neue Herausforderungen. Aber wir nehmen die Vorteile der Globalisierung<br />
oft unbewusst und als selbstverständlich hin. Nach meiner Überzeugung<br />
birgt die Globalisierung mehr Chancen als Risiken.
</p>
<p>
<b>B?en: </b>Sie glauben also wirklich an eine mögliche<br />
Vollbeschäftigung?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Es gibt Nachbarländer in<br />
der Europäischen Union, die nahe an der Vollbeschäftigung<br />
sind. Ich sehe keinen Grund, warum das in Deutschland prinzipiell<br />
unmöglich sein sollte, zumal Wirtschaftswissenschaftler mittlerweile<br />
auch bei mehreren Prozent Arbeitslosigkeit gleichwohl von Vollbeschäftigung<br />
sprechen. Das kann natürlich nur ein Fernziel sein. Aber durch<br />
Aufgabe dieses Ziels werden wir sicherlich dem Nahziel einer deutlichen<br />
Reduzierung der Massenarbeitslosigkeit nicht näher kommen.
</p>
<p>
<b>hunti:</b> Was sehen Sie persönlich als derzeit<br />
größtes Problem in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bitte begrenzt auf Ihr Spezialgebiet:<br />
Arbeit und Soziales.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit<br />
mit all ihren Auswirkungen auf die Stabilität der sozialen<br />
Sicherungssysteme und den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt.<br />
Ich komme damit auf die Anfangsfrage zurück: Bei der Bekämpfung<br />
dieses Problems mitwirken zu können, ist die größte<br />
Herausforderung in meinem Amt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Das waren 60 Minuten Politik-Chat bei<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Vielen Dank für Ihr Interesse,<br />
und vielen Dank an Herrn Brauksiepe. Der nächste Chat ist an<br />
diesem Mittwoch. Dann diskutiert mit Ihnen die Grünen-Fraktionschefin<br />
Renate Künast ab dreizehn Uhr. Das Protokoll des Chats ist<br />
in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht<br />
noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Ich danke allen, die mitgemacht<br />
haben und wünsche noch einen schönen Tag und eine gute<br />
Woche.</p>
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