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	<title>Referendum &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Referendum &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Digitale Machtkämpfe in der Türkei &#8211; Im Gespräch mit dem türkischen Gastforscher Melih Kırlıdoğ</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lina Carnap]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Apr 2017 09:39:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
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		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[In sechs Tagen wird in der Türkei über das Referendum abgestimmt. Im Vorfeld konnten wir mit dem türkischen Gastforscher Melih Kırlıdoğ [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/13346623705_d3a237081f_z.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-151961" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/13346623705_d3a237081f_z.jpg" alt="Titelbild: Istanbul von MacPepper via flickr CC BY-NC-SA 2.0" width="640" height="353" /></a>In sechs Tagen wird in der Türkei über das Referendum abgestimmt. Im Vorfeld konnten wir mit dem türkischen Gastforscher Melih Kırlıdoğ über Meinungsfreiheit, soziale Medien und Erdoğans Referendum reden.</p>
<p>Melih Kırlıdoğ war bis vor kurzem Professor an der Nişantaşı Universität in Istanbul. Seine Anstellung wurde ihm aufgekündigt. Kırlıdoğ hatte mit über 2.200 AkademikerInnen eine Petition unterschrieben, in der die Regierung wegen ihres Vorgehens gegen die Kurden kritisiert wird. Die AkademikerInnen nennen sich selbst die „Academics for Peace“.</p>
<p>Kirlıdoğ ist einer von knapp 400 AkademikerInnen, die deshalb entlassen wurden. Er hatte Glück und die Möglichkeit, sich vorerst ins Ausland abzusetzen. Seit drei Monaten ist er Gastforscher am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin.</p>
<p>Obwohl derzeit einige AkademikerInnen das Land verlassen können, bleibt anderen bis auf weiteres die Ausreise verwehrt. Zwar ist ihnen theoretisch erlaubt, eine Anstellung im privaten Sektor zu finden, in der Praxis gestaltet sich dies jedoch schwierig. Private Unternehmen fühlen sich unter Druck gesetzt und fürchten Konsequenzen, sollten sie entlassene AkademikerInnen einstellen.</p>
<p>Wir haben mit Melih Kırlıdoğ reden können. Über die Meinungsfreiheit in der Türkei und die Rolle der sozialen Medien. Und über Erdoğan, das anstehende Referendum und wie seine „Troll-Armee“ ihn im Netz unterstützt.</p>
<h3>politik-digital: Früher war es möglich Erdoğan öffentlich zu kritisieren, wie hat sich das mit der Zeit verändert?</h3>
<p>Melih Kırlıdoğ: Erdoğan war bis zu den Gezi-Aufständen 2013 ein sehr erfolgreicher und angesehener Machthaber. Er hatte es scheinbar geschafft, die Demokratie mit einem moderaten Islam zu verbinden. Doch die Brutalität Erdoğans, mit der er gegen die friedlichen Demonstranten vorgegangen war, hat sein Image zerstört. Seitdem wird es immer schwieriger, sich öffentlich zu äußern. Nehmen wir das Beispiel des bevorstehenden Referendums am 16. April. Auf den Straßen ist es zwar immer noch möglich, die Nein-Kampagne zu unterstützen, doch ist es nicht unüblich, dass man dabei von der Polizei inhaftiert wird. Obwohl die meisten schnell wieder freikommen, ist das schon Einschüchterung genug. Gefahr geht auch von einigen AKP-Anhängern aus. Sie greifen zu physischer Gewalt und werden dabei von der Polizei beschützt.</p>
<h3>Verhält sich das in den sozialen Medien ähnlich?</h3>
<p>Ja, dort gilt das gleiche. Obwohl einige Menschen sehr ängstlich sind, sich kritisch gegenüber Erdoğan zu äußern, formt sich immer mehr Widerstand. Es gibt viele, die Erdoğan oder seine Partei AKP öffentlich bloßstellen und kritisieren. Genug Material liefert Erdoğan ja allemal.</p>
<h3>Wie frei ist die türkische Presse?</h3>
<p>Es gibt einige Nachrichtenportale, die immer noch sehr kritisch berichten. Ein Beispiel für die Standhaftigkeit der Nachrichtenportale ist die Zeitschrift Cumhuriyet. Obwohl elf Journalisten der Zeitung schon im Gefängnis sitzen, ist sie in Print und online präsent und gibt nicht auf. Hunderte andere Nachrichtenportale wurden bereits geschlossen. Es wird zunehmend schwieriger.</p>
<h3>Können die sozialen Medien hier Abhilfe leisten?</h3>
<p>Soziale Medien sind für die türkische Gesellschaft sehr wichtig. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Türkei sehr politisiert. Soziale Medien ermöglichen die Kommunikation und den Nachrichtenaustausch der Erdoğan-Gegner. Einige ignorieren die Gefahr, ins Gefängnis zu kommen und nehmen Morddrohungen gelassen hin.</p>
<h3>Haben Sie ein Beispiel für uns?</h3>
<p>Während der Gezi-Aufstände konnte man erkennen, wie wertvoll soziale Medien sein können. Da die Presse zu eingeschüchtert war, halfen an ihrer Stelle vor allem Twitter-User aus, um von den Aufständen zu berichten und die Situation öffentlich zu diskutieren.</p>
<h3>Wie reagierte Erdoğan darauf?</h3>
<p>Erdoğan hatte als Reaktion darauf Twitter als eine Plage beschimpft. Außerdem konnte Erdoğan das im Jahr 2007 beschlossene Gesetz Nummer 5651 einsetzen, welches ihm in der Praxis dazu bemächtigt, das Internet zu zensieren. Zurzeit sind hunderttausend Webseiten ständig geblockt.</p>
<h3>Zählen zu diesen Webseiten auch die großen internationalen Webseiten wie Facebook, Twitter und Youtube?</h3>
<p>Diese Webseiten sind meist aufrufbar. Nur nach terroristischen Angriffen oder dem Korruptionsskandal gegen Erdoğan und seine Familie hatte die Regierung Twitter vorübergehend abgeschaltet. Wegen des internationalen Drucks schaltet Erdoğan diese Webseiten aber nicht auf Dauer ab. In den letzten Jahren ist die Regierung kreativ geworden. So verlangsamen sie durch Datenratenbegrenzung Twitter nach kritischen Ereignissen so stark, dass kaum jemand Zugriff hat.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/mkirlidog.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-151957" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/mkirlidog.png" alt="mkirlidog" width="174" height="174" /></a>Melih Kırlıdoğ ist Gastforscher am Humboldt Institut für Internet und Gesellschafft in Berlin. Im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie hat er sowohl im Industriesektor als auch als Akademiker gearbeitet. Sein Forschungsinteresse gilt der Internetzensur und der Überwachung.</div></div>
<h3>Wie passt dieses Verhalten von Erdoğan damit zusammen, dass er bei Twitter auf zehn Millionen Follower zurückgreifen kann und auch fleißig tweetet?</h3>
<p>Nachdem Erdoğan Twitter als Plage beschimpft hatte, wechselte er kurze Zeit später seinen Kurs. Wir wissen inzwischen, warum dieser Strategiewechsel stattfand. Erdoğan hatte in der Zeit eine „Social-Media Armee“ mit 6.000 Mann aufgebaut, die sogenannten AKP-Trolle. Sie arbeiten unter anderem daran Bots zu programmieren. Diese unterstützten Erdoğan zahlreich in seinen Kommentaren und Anschuldigungen und verherrlichen ihn bei Twitter. Ein Beispiel dafür war der Hashtag #WeLoveErdogan, der von Twitter mittlerweile entfernt wurde.</p>
<h3>Woher stammen die Informationen zu dem Strategiewechsel?</h3>
<p>Die Details zu der Troll-Armee wurden auf Wikileaks veröffentlicht. Der linksradikalen türkischen Hackergruppe RedHack war es gelungen, an rund 57.000 Emails des Energieministers und Schwiegersohn Erdoğans Berat Albayrak zu gelangen. Diese Emails dokumentierten die Etablierung der Troll-Armee. Auch die Inhaftierung von Deniz Yücel könnte damit zu tun haben. In der <a href="https://www.welt.de/print/die_welt/politik/article158632936/20-Gigabyte-E-Mails-die-Erdogan-in-Bedraengnis-bringen-koennen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Welt</a> hatte er über den Inhalt der geleakten Emails geschrieben.</p>
<h3>Meinen Sie, dass Yücel verhaftet wurde, weil er über die Troll-Armee berichtet hat?</h3>
<p>Die geleakten Emails, über die auch Yücel berichtet hatte, deckten einen weiteren Skandal auf. So konnte eine Verbindung zwischen Albayrak und dem Unternehmen Powertrans bewiesen werden. Powertrans betreibt Ölhandel mit dem sogenannten Islamischen Staat, obwohl dies von den Vereinten Nationen untersagt ist.</p>
<h3>Welche Rolle spielen digitale Mittel in der türkischen Politik?</h3>
<p>Um die Frage zu beantworten, müssen wir ein wenig zurückblicken. Vor den Gezi-Aufständen verstand sich Erdoğan gut mit der Gülen-Bewegung. Die AKP und die Gülenisten haben sich in dieser Zeit zusammengetan, um den autoritären, säkularen Beamtenapparat zu bekämpfen<strong>. </strong>Denn unabhängig davon, wer die Regierung stellte, zog der Beamtenapparat hier die Fäden.  Beide Parteien bildeten ein erfolgreiches Team mit großer Reichweite. Die Gülenisten scherten die Gebildeten um sich, während die AKP die weniger gebildeten dazu holte. Eine unschlagbare Kombination.</p>
<h3>Wie haben sie es geschafft, den Beamtenapparat aufzubrechen?</h3>
<p>In den Jahren 2009 und 2010 kam es zu mehreren entscheidenden Gerichtsverhandlungen. Diese wurden, wie später rausgefunden wurde, auf Grundlage von gefälschten digitalen Beweisen eröffnet. Die Polizei, die von Gülenisten besetzt war, hatte Beweise angefertigt. Sie wurden an die Computer einiger Oberer Generäle verschickt und dort hinterlegt. Die Polizisten untersuchten die Fälle und verhafteten die Generäle. Staatsanwälte, die auch zu den Gülenisten zählten, klagten sie an und Gülen-Richter verurteilten sie zu mehreren Jahren Gefängnis. Der Gülen-Kader wurde von der AKP in die Polizei und Justiz eingeschleust und genoss Erdoğans vollstes Vertrauen. Erstmals in der Geschichte konnte eine Führungsschicht mit Hilfe von gefälschten digitalen Beweisen aufgebrochen werden und abgesetzt werden.</p>
<h3>Wie wir wissen: Nach der Zusammenarbeit kam schnell der Bruch.</h3>
<p>Die ehemaligen Verbündeten wollten nun für sich die Macht sichern. Beide nutzten verschiedene Strategien, um den anderen zu schwächen. Anhänger der Gülen-Bewegung hatten es geschafft, Erdoğans Telefon anzuzapfen und ihn bei einem Gespräch mit seinem Sohn Bilal aufzunehmen. Erdoğan wies seinen Sohn dabei an, Bestechungsgelder von 10 Millionen Dollar nicht anzunehmen – denn Erdoğan wollte mehr Geld rausschlagen. Ende 2013 wurden Erdoğan und seine Familie von der mit Gülen-Anhängern bestückten Justiz vorgeladen. Vier Kabinettsminister mussten daraufhin zurücktreten. Erdoğan konnte sich jedoch aus den Korruptionsvorwürfen herauswinden und startet seitdem seine eigene Offensive.</p>
<h3>Was war Erdoğans Antwort?</h3>
<p>Nach und nach entließ Erdoğan die Anhänger der Gülen-Bewegung aus ihren Ämtern. Der Putschversuch im Sommer 2016 ist bis jetzt der letzte Höhepunkt in diesem Machtkampf. Den Putschversuch, der, wie ich glaube, tatsächlich von der Gülen-Bewegung geplant wurde, deklarierte Erdoğan als Geschenk des Himmels. So konnte er nicht nur gegen Gülen-Anhänger vorgehen, sondern gegen alle Regimekritiker.</p>
<h3>Nun konnte Erdoğan ein Referendum einfädeln, dass ihm noch mehr Macht geben würde. Wie lauten Ihre Prognosen für den Ausgang des Referendums?</h3>
<p>Die AKP kann während ihrer Kampagne auf unbegrenzte staatliche Mittel zurückgreifen. Die Gegenseite der Nein-Kampagne hat diese Möglichkeiten nicht. Zusätzlich werben fast ausschließlich die Massenmedien inklusive der Öffentlichen, ob Print oder elektronisch, für die Unterstützung des Referendums am kommenden Sonntag. Dennoch liegen nach Umfragen die Nein-Wähler bis dato knapp vorne. Was Erdoğan in den Tagen vor dem Referendum machen wird, ist schwer zu vorherzusagen. Er ist kein Politiker, der sich mit einer Niederlage zufriedengeben wird. Deswegen müssen wir mit allem rechnen.</p>
<h3>Was könnten mögliche Szenarien sein?</h3>
<p>Dass künstliche Krisen mit anderen Nachbarn heraufbeschworen werden könnten, ist kein abwegiges Szenario. Mit den Niederlanden ist ihm das gelungen. Mit Deutschland hat er dies nicht weiterverfolgt. Wahrscheinlich, weil es nicht so erfolgversprechend war. Ich glaube, dass Erdoğan keine großen Pläne entwirft, sondern auf Situationen reagiert. Deshalb weiß niemand, was vor oder nach den Wahlen passieren wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild:<a href="https://www.flickr.com/photos/gwpfae/13346623705/in/photostream/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Istanbul</a> von MacPepper via flickr <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC-SA 2.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Kommando zurück: Islands Demokratie-Experiment ist gescheitert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 May 2013 09:07:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
		<category><![CDATA[Island]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie-Experiment]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit den Parlamentswahlen am 27. April hat sich der Wind in Island gedreht. Mit dem Regierungswechsel endet auch eines der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-large wp-image-128544 alignnone" title="Geysir in Island, Bild: poptech (CC BY-NC 2.0)" alt="Geysir in Island" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Geysir_CC_BY_SA_poptech-630x354.jpg" width="630" height="354" />Mit den Parlamentswahlen am 27. April hat sich der Wind in Island gedreht. Mit dem Regierungswechsel endet auch eines der größten Demokratie-Experimente Europas: Alle Isländer waren aufgefordert, sich mithilfe des Internets an der Gestaltung einer neuen Verfassung zu beteiligen. Wie konnte dieses Projekt trotz zweijähriger Laufzeit und der aktiven Beteiligung von Hunderten Isländern dennoch derartig scheitern?<br />
Nicht nur der geplante Beitritt zur EU und die strenge Sparpolitik der bislang regierenden Sozialdemokraten und Linksgrünen werden an dem neuen Regierungsbündnis von  konservativer Unabhängigkeitspartei und liberaler Fortschrittspartei scheitern. Die lange geforderte Überarbeitung der alten Verfassung aus dem Jahr 1944 war 2009 von der Regierung unter Leitung von Jóhanna Sigurdardóttir angepackt worden. Sie einigte sich auf ein Verfahren, das die Bürger Islands in die Planung mit einbeziehen sollte. So wurden zunächst Ideen gesammelt und am 6. November 2010 von 950 per Zufallsprinzip ausgewählten Isländern diskutiert. Der daraus entstandene 700 Seiten umfassende Report wurde nicht an gestandene Parlamentarier weitergeleitet, sondern in die Hände des neu geschaffenen Verfassungsrates (stjórnlagaráð) gelegt. Dieser setzte sich aus 25 Bürgern zusammen, die sich in einer landesweiten Wahl gegen 497 Kandidaten durchgesetzt hatten. Die einzelnen Etappen des Arbeitsprozesses waren allen Isländern online zugänglich, die sich mittels Facebook auch daran beteiligen und Kommentare abgeben konnten. Im Oktober 2012 wurden sechs Eckpunkte der Verfassung den Isländern in einem Referendum zur Abstimmung vorgelegt und mit zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen bestätigt (<a href="http://politik-digital.de/die-verfassung-der-netzaktiven/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital berichtete</a>).<br />
Das Referendum ist jedoch nicht entscheidend. Um in Kraft treten zu können, müssten zunächst einmal zwei Drittel der Parlamentsabgeordneten für den Verfassungsentwurf stimmen. Die Konservativen hatten jedoch schon während des Planungsprozesses Kritik an dem Entwurf geäußert. Unwahrscheinlich, dass sie und ihr Bündnispartner nun, nachdem sie an die Macht gekommen sind, überraschend für die Verfassungsreform stimmen werden. Schließlich ist der Verfassungsentwurf eher links geprägt, beispielsweise in dem Punkt über die Verstaatlichung von Islands natürlichen Ressourcen. Dennoch: Der Regierungswechsel ist nicht allein für das Scheitern der Verfassungsreform verantwortlich. Er markiert eher den Schlusspunkt einer Entwicklung, die sich bereits am 28. März abgezeichnet hatte.<br />
An jenem Gründonnerstag wurde in einer späten Parlamentssitzung um zwei Uhr nachts über die neue Verfassung entschieden. Das Ergebnis scheint ein wenig befremdlich: Der Verfassungsentwurf wurde weder angenommen noch abgelehnt. Stattdessen wurde mit einer minimalen Mehrheit von 25 zu 23 Stimmen beschlossen, das gesamte Verfahren der Verfassungsänderung zu reformieren. Gemäß dem bis dato gültigen Verfahren benötigte eine Änderung mindestens 51 Prozent der Stimmen im Parlament, und das sowohl vor als auch nach einer Neuwahl. Das neue Verfahren hingegen verlangt nun eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament sowie die Durchführung eines Referendums, bei dem mindestens 51 Prozent der abgegeben Stimmen und mindestens 40 Prozent der Wahlberechtigten für die Verfassungsänderung stimmen müssen.<br />
Diese Auflage stellt eine hohe Hürde dar, hatten an dem im Oktober abgehaltene Referendum doch nur 48,9 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen. Warum sich die sozialdemokratische Regierung auf diese Verfahrensänderung eingelassen hat, ist nicht nachvollziehbar. Ein Mitglied des Verfassungsrates äußerte große Enttäuschung über „<a href="http://www.verfassungsblog.de/de/islands-verfassungsexperiment-ist-so-gut-wie-gescheitert/#.UX42tEpi8pY" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diese faule Verfassungsänderung</a>“. Möglicherweise wurde das Parlament durch die Kritik von Seiten der EU entmutigt. Die sogenannte Venedig-Kommission der EU hatte am 11. März dieses Jahres, also zwei Wochen vor der rätselhaften Abstimmung im Parlament, einen <a title="EU-Bericht über den Verfassungsentwurf (PDF)" href="http://www.venice.coe.int/WebForms/documents/?pdf=CDL-AD%282013%29010-e" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bericht über den Verfassungsentwurf</a> vorgelegt. In ihrer Zusammenfassung warnte die Kommission vor politischer Blockade und sogar Instabilität, sollte der Entwurf tatsächlich realisiert werden. Zu kompliziert seien die Regeln für die Abhaltung von Volksentscheiden und zu unklar die Aufteilung der Kompetenzen zwischen Parlament, Präsident und Regierung. Zudem seien die Bestimmungen über den Schutz der natürlichen Ressourcen zu vage und weitgefasst.<br />
Ob diese Kritik wirklich ausschlaggebend für die Entscheidung des Parlaments war, ist bisher nur eine Vermutung. Ob sich mit dem Scheitern der Reform EU-Kommissare und politische Eliten gegen „das Volk“ durchgesetzt haben, oder ob die Mehrheit der Isländer ihr demokratisches Recht gegen eine Minderheit von Netzaktiven in Anspruch genommen hat, ist schwer zu sagen. Fakt aber ist, dass die kontinuierliche Arbeit von Hunderten Bürgern mit diesem Projekt versandet ist. Ihre Ideen und ihr Engagement werden nun doch nicht in die Politik ihres Landes einfließen. Und das ist mindestens bedauerlich.</p>
<p align="JUSTIFY">Bild: <a href="https://secure.flickr.com/photos/poptech/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">poptech</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC 2.0</a>)<br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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		<title>Wegen MySpace &#038; Co.: Schweiz will Referenden erschweren</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wegen-myspace-co-schweiz-will-referenden-erschweren-4244/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Roleff]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 13:04:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[MySpace]]></category>
		<category><![CDATA[Volksbegehren]]></category>
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		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Schweizer Bundesrat will das Referendumsrecht auf den Prüfstand stellen. Hintergrund: Angesichts des Mobilisierungspotentials von Netzwerken wie Facebook oder MySpace sind den Politikern die Hürden für Volksinitiativen nicht mehr hoch genug.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Schweizer Bundesrat will das Referendumsrecht auf den Prüfstand stellen. Hintergrund: Angesichts des Mobilisierungspotentials von Netzwerken wie Facebook oder MySpace sind den Politikern die Hürden für Volksinitiativen nicht mehr hoch genug.<!--break--></p>
<p>
Die derzeitige Regelung sieht vor, dass für eine Volksinitiative innerhalb von 18 Monaten 100.000 Unterschriften  gesammelt werden müssen. Für ein Referendum gegen ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz bedarf es 50.000 Unterschriften in 100 Tagen.
</p>
<p>
<b>Regelung nicht mehr zeitgemäß?</b>
</p>
<p>
Die Bundeskanzlei, die im Auftrag des Bundesrats die bestehenden Regelungen prüft, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, dass diese digitalen Netzwerken das Potential besäßen, diese Quota quasi auszuhebeln. Der Grund: Über das Internet könnten sehr schnell sehr viele Eidgenossen mobilisiert werden, eine Unterschrift abzugeben.
</p>
<p>
In einem jüngsten Beispiel hatte eine solche Initiative das Gesetz zur Einführung von biometrischen Pässen und Identitätskarte gekippt. Nun solle darüber nachgedacht werden, so die Bundeskanzlei, entweder die Zahl der geforderten Unterschriften zu erhöhen oder die Fristen zu verkürzen.
</p>
<p>
<b>Mehr öffentliche Debatte</b>
</p>
<p>
Kritiker dieser Netzwerke befürchten, dass eine breite öffentliche  Debatte über das eigentliche Thema, wie sie sonst bei Unterschriftenaktionen stattfinde, nicht mehr mögliche sei. Dem halten die Vertreter der digitalen Netzwerke entgegen, dass sich die Bürger im Web viel eingehender mit dem Thema beschäftigen könnten, anstatt bei einem Unterschriftenstand auf der Straße mit den Initiatoren zu diskutieren.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Eine direktere Form von politischem Aktivismus</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/prasidentschaftswahlen-in-frankreich-2007/eine-direktere-form-von-politischem-aktivismus-2623/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ahaeming]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Apr 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2007]]></category>
		<category><![CDATA[politisches Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[politische Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Schönberger]]></category>
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		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Dr. Klaus Schönberger koordiniert das Forschungskolleg „Kulturwissenschaftliche Technikforschung“ am Hamburger Institut für Volkskunde. Ein Gespräch über Minitel, Marie Antoinette und die Meinungsbildung der Massen in Frankreich.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Dr. Klaus Schönberger koordiniert das Forschungskolleg „Kulturwissenschaftliche Technikforschung“ am Hamburger Institut für Volkskunde. Ein Gespräch über Minitel, Marie Antoinette und die Meinungsbildung der Massen in Frankreich.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Anne Haeming:</b> In Frankreich gibt es zur Zeit geschätzte 3,5 Millionen Weblogs, in Deutschland gerade einmal 350.000 – woran liegt das?
</p>
<p>
<b>Klaus Schönberger:</b> In Frankreich hatten die modernen technischen Möglichkeiten schon immer mehr Bedeutung, es gab schon viel früher eine elektronische Kultur. Dank Minitel gab es schon in den Achtzigern eine größere Selbstverständlichkeit, mit internet-ähnlichen Strukturen umzugehen. Argumente, die auf die starke Tradition der Rhetorik in Frankreich verweisen, überzeugen mich nur bedingt. Grundsätzlich gilt: Es gibt eine ganze Reihe an Faktoren, die dieses Phänomen erklären könnten, nicht einen einzigen.
</p>
<p>
<b>Anne Haeming:</b> Woher kommt diese Technikaffinität?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Mitterand hatte bereits in den Achtzigern deklariert: „Il faut être absolument moderne“ – in Anlehnung an den Avantgardismus Rimbauds im 19. Jahrhundert. Das zeigte schon unter Mitterand den Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich. Dazu gehört auch das Bewusstsein, dass die Entwicklung von Technik ein wichtiges gesellschaftliches Projekt ist. Es gab in diesen Jahren in der politischen Klasse und in der Gesellschaft weniger Distanz zur Technik als in Deutschland. Das mag in Frankreich auch zu jener Selbstverständlichkeit bei der Nutzung von Weblogs beitragen.
</p>
<p>
<b>Anne Haeming:</b> Und warum hat Technik in den beiden Ländern eine so unterschiedliche Bedeutung?
</p>
<p>
<b>Klaus Schönberger:</b> Frankreich ist zentralistisch organisiert, politische Eliten haben einen anderen Einfluss. In Deutschland ist das humanistische Bildungskapital auch immer anti-technisch gewesen, in Frankreich nicht. Die technisch ausgerichteten Eliten in Frankreich hatten nicht so viele Probleme, als gleichberechtigter – oder sagen wir: anerkannter – Akteur in der Gesamtgesellschaft akzeptiert zu werden. In Deutschland hingegen blieb das klassisch humanistische Bildungskapital im Sinne einer „Leitkultur“ lange Zeit hegemonial.
</p>
<p>
<b>Anne Haeming:</b> Die Franzosen sind bekannt für ihre leidenschaftlichen Streiks und Demonstrationen. Gehört der Weblog-Boom zur gleichen politischen Diskussionskultur?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Als Citoyen hat man eben das Selbstbewusstsein, seine Stimme zu erheben und sich in Szene zu setzen. Es brennt da ja auch öfter einmal etwas – und hierbei machen auch sogenannte anständige Bürger mit. In Deutschland fragt man sich eher noch: Darf man sich der Macht der Straße beugen? Welche Legitimität hat diese Form politischer Artikulation? Diese Frage stellen sich in Frankreich offensichtlich weniger Bürger als in Deutschland.
</p>
<p>
<b>Anne Haeming:</b> Wieso spielt politische Partizipation in Frankreich eine derartige Rolle?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Im französischen Wahlsystem zählt die einzelne Stimme, anders als bei einer Verhältniswahl wie in Deutschland. In Frankreich wähle ich tatsächlich eine Person. Insofern könnte es aus Sicht der Stimmbürger tatsächlich mehr Sinn machen, ihre Stimme zu erheben.
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<b>Anne Haeming:</b> Woher kommt das?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Politisches Engagement hat historisch bedingt einen wichtigen Stellenwert, es gibt eine lange politische Tradition, selbst zu handeln. So wurden auch Marie Antoinette und Ludwig XVI. einen Kopf kürzer gemacht. Aber es ist Teil des bürgerlichen Selbstverständnisses der französischen Nation – und man ist stolz darauf, es gibt vielleicht eine direktere Form von politischem Aktivismus. Allerdings möchte ich betonen, dass wir derzeit keine gesicherte Grundlage dafür haben, dass der französische Citoyen tatsächlich politischer handelt, als sein Pendant in Deutschland.
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<b>Anne Haeming:</b> Ist die Rolle, die Weblogs 2005 in Frankreich beim Referendum über die EU-Verfassung gespielt haben, Teil dieses politischen Aktivismus?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Es heißt in den Medien wie auch in der Blogger-Szene häufig, Weblogs hätten das Referendum zu Fall gebracht. Meiner Meinung nach war es andersherum: Ein großer Teil der Franzosen war auf Krawall gebürstet und die Weblogs stellten in diesem Moment das passende Medium dar, sich zu artikulieren. Es ist eine Technik, die jeden ermächtigt, seine Stimme zu erheben. Ich denke nicht, dass Weblogs oder E-Mail-Listen so etwas bewirken können. Es ist immer umgekehrt: Die Situation, in der diese Technik genutzt werden kann, ist ausschlaggebend, nicht die Technik selbst.
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<b>Anne Haeming:</b> Beeinflusst die Logik von Weblogs politische Partizipation?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Es gibt noch nicht ausreichend empirisches Material, das die Beziehung von Technik und Handeln beschreibt. Aber klar, die globalisierungskritischen Bewegungen wären gar nicht denkbar ohne diese partizipativen Strukturen. Nur: Vielleicht haben sich die Akteure auch einfach diese Technik gesucht. Für zwei Gruppen kann die gleiche Software unterschiedliche Auswirkungen haben – das ist kontextabhängig. Bestimmte Formen politischer Artikulation sind nun mal internet-affiner, andere sind internet-ferner. Alles, was mit Öffentlichkeitsarbeit, Aktivismus oder dem Ziel zusammenhängt, ideologische Einheiten zu stiften, bedarf kleinteiliger Abstimmungen, das ist übers Netz nur schwer möglich.
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<b>Anne Haeming:</b> Das klingt, als gehörten auch Politiker in die Kategorie internet-fern.</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Im Prinzip sind Weblogs für bundesdeutsche Parlamentarier vollkommen unattraktiv. Die Logik, nach der Parteien und Fraktionen hierzulande funktionieren und organisiert sind, und die Subjektivität und Geschwindigkeit des Medienformats Weblog sind nicht wirklich kompatibel. Andererseits: In Frankreich führen prominente Politiker wie Dominique Strauss-Kahn und Alain Juppé ein eigenes Weblog und das nicht ohne Grund: Sie brauchen die Direktstimme der Bürger. Für zahlreiche deutsche Politiker ist die Erststimme unerheblich. Die wissen, wenn ich unter den ersten 15 auf der Landesliste bin, komme ich auf jeden Fall ins Parlament.
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<b>Anne Haeming:</b> Ist das Netz für die politische Willensbildung also wichtiger in Frankreich – dort hat sich ja schon der Begriff „Politique2.0“ etabliert?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Klar, allein wegen der Masse. Aber ich würde sagen: Ball flach halten. Die Geschichte der Medien zeigt doch, dass man erst einmal abwarten muss. Aber Weblogs werden bald nicht mehr Weblogs sein, man muss dieses Phänomen differenzierter betrachten, genauso wie es in der Zeitungslandschaft Schülerzeitungen, Tageszeitungen und Lokalblätter gibt. Es ist schon jetzt nicht einfach, alle Blogs über einen Kamm zu scheren, man muss nur einmal das BildBlog und Indymedia nebeneinander stellen.
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<b>Anne Haeming:</b> E-Partizipation funktioniert im deutschsprachigen Raum vor allem über Spielerisches wie den Wahl-o-Mat oder Bundesdance – ist das spezifisch deutsch?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Nach den gängigen Vorurteilen hätte man es eher andersherum erwartet. Die behauptete Ernsthaftigkeit der Deutschen steht diesem Verspielten doch eher entgegen. Und dass Wikipedia in Deutschland in größerem Umfang genutzt und weitergeschrieben wird als in Frankreich, ist eigentlich auch ein Gegenargument: Offensichtlich ist die Beteiligung an einer Kodifizierung von Wissen in Deutschland gegenwärtig attraktiver als in Frankreich. Das ließe sich aber auch als Folge von Zentralismus respektive Föderalismus interpretieren: Im Zentralstaat Frankreich ist die enzyklopädische Legitimität möglicherweise zentralisierter als in Deutschland.
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<b>Anne Haeming:</b> Mehr Wikipedianer hier, mehr Weblogger dort – ist das nicht absurd?</p>
<p><b>Klaus Schönberger:</b> Das muss man erst einmal so stehen lassen. In Frankreich sind offensichtlich relevante politische Akteure im Netz. Aber ich gehe davon aus, dass es sich in Deutschland über kurz oder lang ähnlich entwickeln wird, wenn es entsprechende Themen gibt.
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<a href="http://www.kultur.uni-hamburg.de/volkskunde/Personal/schoenberger.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Klaus Schönberger</b><br />
</a><br />
<b>ist Wissenschaftlicher Koordinator des Forschungskollegs<br />
<a href="http://www.kultur.uni-hamburg.de/technikforschung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kulturwissenschaftliche Technikforschung</a> (<br />
<a href="http://technikforschung.twoday.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weblog</a>) am<br />
<a href="http://www.kultur.uni-hamburg.de/volkskunde" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Institut für Volkskunde</a> der Universität Hamburg und Mitherausgeber von<br />
<a href="http://www.kommunikation-gesellschaft.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kommunikation@gesellschaft</a>. Darüber hinaus war er mehrfach Gutachter für das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, u.a. zum Thema „<br />
<a href="/studie/tabsummary/schoenbergersummary_lang051011.shtml">Neue Handlungs- und Kommunikationsmuster bei NGOs und in den neuen transnationalen sozialen Bewegungen</a>“.<br />
<br />
</b>
</p>
<p class="fett">
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