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	<title>Reformen &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Ukraine: Vernetzung im Namen des Protests</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irena Sargsyan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Dec 2013 10:37:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Seitdem das Assoziierungsabkommen mit der EU vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch verweigert wurde, gewinnt das Internet als Mittel der politischen Kommunikation [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ukraine-Proteste31.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-135682" alt="Ukraine Proteste3" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ukraine-Proteste31.jpg" width="640" height="401" /></a></b>Seitdem das Assoziierungsabkommen mit der EU vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch verweigert wurde, gewinnt das Internet als Mittel der politischen Kommunikation an Bedeutung. Die Facebook-Seite EuroMaydan, vor knapp einem Monat eröffnet, verzeichnet mittlerweile 163.000 Fans.<br />
Seit vier Wochen finden in der Hauptstadt der Ukraine Proteste statt. Auslöser für die massenhaften Kundgebungen in Kiew ist die Nicht-Unterzeichnung des Freihandels- und Assoziierungsabkommens mit der EU. Die Demonstranten fordern einen klaren EU-Kurs der Ukraine und den Rücktritt des pro-russischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch. An der Spitze der Opposition steht der Weltboxmeister Witalij Klitschko, dem <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/merkel-klitschko-ukraine">Angela Merkel</a> ihre Unterstützung zugesprochen hat.</p>
<h3>Warum das Assoziierungsabkommen scheiterte</h3>
<p>Viele Ukrainer verbinden mit dem Assoziierungsabkommen bessere Lebensstandards. Es ist das umfangreichste Freihandelsabkommen, das die EU jemals mit einem Land ausgehandelt hat. Das Abkommen ist „im Prinzip eine Vorbereitung auf einen Beitritt, wenn es diesen jemals geben sollte“, erklärt Dr. <a href="http://ecfr.eu/content/profile/C257">Stefan Meister</a> vom European Council on Foreign Relations in einem Interview mit politik-digital.de.<br />
Ein weiterer Faktor erschwert die Unterzeichnung des Abkommens.  Es ist so angelegt, dass die Ukraine zwischen zwei Nachbarn entscheiden müsste, da eine Integration mit der von Russland geführten Zollunion und das EU-Freihandelsabkommen einander ausschließen, so Stefan Meister. Eine solche Entscheidung wäre für die Ukraine nicht nur fatal, sie ist auch kaum realistisch. Auf Russland könnte die Ukraine ohne vorherige umfassende Strukturreformen dauerhaft nicht <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/ukraine-machterhalt-janukowitsch">verzichten</a>. Das Land steht vor dem <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/ukraine-machterhalt-janukowitsch" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Staatsbankrott</a>, und am Montag traf Janukowitsch den russischen Präsidenten Wladimir Putin, um mit ihm über mögliche finanzielle Zuwendungen zu sprechen. Von der EU hingegen ist keine Finanzspritze zu erwarten.<br />
Eine Revision des Assoziierungsabkommens stellt die EU zudem nicht in Aussicht, beteuert Osteuropa-Experte Meister. Dies sei ein fertig ausgehandeltes Abkommen, das als Musterabkommen für die anderen postsowjetischen Ländern dienen sollte. Das Ziel der EU sei an erster Stelle „die Kombination ökonomischer und politischen Reformen wie im Assoziierungsabkommen, weil das wiederum eine Implementierung von Antikorruptionsmaßnahmen, von mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Demokratie bedeutet.“<br />
Insbesondere unter dem aktuellen Präsidenten Janukowitsch hat sich die Ukraine in den letzten Jahren immer mehr von der EU entfernt. Die Reformen, die eine Annäherung mit der EU möglich machen würden, wurden auf die lange Bank geschoben. Heute ist der Reformbedarf in der Ukraine groß und die Wirtschaft bedarf einer dringenden Modernisierung. Wichtige Transformationsträger wie europäische Investoren ziehen sich aus der Ukraine jedoch zurück. Die Volkswirtschaft stagniert seit 2012.<br />
Bohdan Danylyshyn ist ehemaliger Wirtschaftsminister der Ukraine (2007-2010), der seit 2010 im politischen Asyl in der Tschechischen Republik lebt. Er betonte jüngst bei einer <a href="https://dgap.org/de/node/24646">Expertendiskussion</a> in der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik, wie wichtig die EU für die Ukraine sei. Denn das Land könne nur mithilfe der EU modernisiert werden. Die Entscheidung, das Assoziierungsabkommen nicht zu unterzeichnen, sei eigentlich nicht von Präsident Janukowitsch, sondern von mächtigen Oligarchen, die eigene wirtschaftliche Interessen in Russland verfolgen, getroffen worden, unterstrich Danylyshyn.<br />
„Das Land hat Geld, das sich allerdings in den Händen einiger weniger konzentriert“, bestätigt Stefan Meister. Die EU müsse sich mit der Frage beschäftigen: „Wie kann die Zivilgesellschaft in die Monitoringprozesse von Rechtsangleichungen einbezogen werden, um dann tatsächlich auch Druck aus der Gesellschaft für Reformprozesse in der Ukraine zu schaffen?“</p>
<h3>Einfluss der Zivilgesellschaft über das Internet?</h3>
<p>Durchaus ein geeignetes Instrument, um die Zivilgesellschaft zu erreichen, ist das Internet, und auch bei der Politikgestaltung spielt es heute eine unbestreitbare Rolle. In der Ukraine existiere allerdings keine so große Internetgemeinschaft wie in Russland, die mobilisiert werden könnte, bekräftigt Stefan Meister. So gibt es bislang nur wenige Online-Plattformen, die den Usern die Möglichkeit zum Meinungsaustausch und zur Politikgestaltung geben könnten, wie dies <a href="http://politik-digital.de/die-russische-regierung-hat-den-informationskrieg-im-internet-verloren/">in Russland</a> intensiv praktiziert wird. Auch ist die Zahl der Internet-User relativ gering. Nach Angaben des <a href="http://ain.ua/2013/02/12/112128">staatlichen Statistikkomitees</a> beträgt sie ca. 5 Millionen in einem Land mit mehr als 45 Millionen Einwohnern.<br />
Unlängst haben auch die ukrainischen Politiker begriffen, dass das Internet eine nützliche Plattform für Eigen-PR sein kann. Immer mehr Politiker richten sich eigene Blogs ein. Näher seien sie dem Volk dadurch aber nicht gekommen, <a href="http://focus.ua/politics/136536/">schreibt</a> das ukrainische Online-Magazin focus.ua. Lediglich das <a href="/Users/Stefan%20Meister/AppData/Local/Microsoft/Windows/Temporary%20Internet%20Files/Content.Outlook/IEHQHBAH/blog.tymoshenko.ua">Blog</a> der ehemaligen Ministerpräsidentin und Oppositionsführerin Julia Timoschenko rage durch seinen persönlichen Stil heraus. Ihren ersten Eintrag machte sie am 30. August 2009 mit folgenden Worten: &#8220;Das bin ich – Julia Timoschenko. Heute starte ich mein Blog. Man sagt, dass Roosevelt die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat dank Radio, Kennedy dank Fernsehen, Obama dank Internet“. Darauf bekam sie 5.203 Kommentare. Ihr letzter Eintrag stammt vom 4. Juni 2011, seit August 2011 ist Julia Timoschenko wegen angeblicher Steuerhinterziehung in Haft.<br />
Der <a href="/Users/samveli/Downloads/twitter.com/Prezident_UA">Twitter-Account</a> von Wiktor Janukowitsch hat lediglich 850 Follower.  Was nicht weiter verwunderlich ist, denn der Ton seiner Tweets ist unpersönlich, seine Nachrichten auf dem Kurznachrichtendienst gehen über offizielle Verlautbarungen kaum hinaus. Es fehlt ein echter Dialog zwischen Bürgern und Präsident. Die ukrainischen Politiker können aber nicht umhin, den Umgang mit dem Internet zu intensivieren, denn die ukrainische Internetgemeinschaft wächst stetig, empfahl focus.ua bereits im Jahr 2010.</p>
<h3>Facebook wird zur Online-Plattform für politische Kommunikation</h3>
<p>Doch seit 2013 ändert sich die Lage rasant. Facebook entwickelt sich zunehmend zur bevorzugten Online-Plattform für politische Kommunikation. Das gescheiterte Assoziierungsabkommen scheint die Internetgemeinschaft zusammengeschweißt zu haben. Erst am 21. November 2013 gegründet, verzeichnet die Facebook-Seite <a href="https://www.facebook.com/EuroMaydan">EuroMaydan</a>, benannt nach dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum Kiews, wo die Proteste stattfinden, nach knapp einem Monat 163.000 Fans und erreicht regelmäßig 155.000 Menschen. Täglich kommen knapp 1.200 neue Fans hinzu. Und auch die Facebook-Seite von <a href="https://www.facebook.com/YuliaTymoshenko">Julia Timoschenko</a> kann seit dem Beginn der Demonstrationen einen deutlichen Zuwachs verzeichnen.<br />
Laut <a href="http://www.socialbakers.com/facebook-statistics/ukraine">Facebook-Statistik</a> sind unter den ukrainischen Politikern, die Facebook als politische Kommunikationsplattform aktiv nutzen und über knapp 50.000 Fans verfügen, <a href="https://www.facebook.com/Tigipko">Serhij Tihipko</a>, der ehemalige Wirtschaftsminister und stellvertretende Premierminister, gefolgt von <a href="https://www.facebook.com/Nikolay.Azarov">Nikolaj Azarov</a>, dem Premierminister der Ukraine. <a href="http://www.socialbakers.com/facebook-pages/325342617543094/in-ukraine">Wiktor Janukowitsch</a> selbst hat nur etwa 4.000 Fans.</p>
<h3>Regierung behindert Online-Journale</h3>
<p>Doch die staatlichen Behörden sind auch erfolgreich darin, die Arbeit der regierungskritischen Online-Journale zu behindern. Nach dem Amtsantritt von Präsident Wiktor Janukowitsch hat sich die Position der Ukraine auf der Rangliste der Pressefreiheit, die <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung-im-detail/artikel/gipfel-der-oestlichen-partnerschaft-eu-muss-pressefreiheit-einfordern/">Reporter ohne Grenzen</a> (ROG) regelmäßig veröffentlichen, deutlich verschlechtert: von Platz 89 im Jahr 2009 auf Platz 126 im Jahr 2013. Einschüchterungsversuche richten sich inzwischen auch gegen die ROG-Vertreterin in der Ukraine, Oksana Romanjuk. Anfang Oktober stellten Hacker ihre E-Mail-Korrespondenz sowie die Inhalte ihrer privaten Festplatte ins Internet, berichtet ROG.<br />
Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen ruft die Europäische Union auf, ihr Augenmerk auf die mangelnde Pressefreiheit in der Ukraine zu richten, auch wenn der Abschluss eines Assoziierungsabkommens vorerst auf Eis liegt. „Es reicht nicht aus, dass die EU bessere Handelsbeziehungen und Justizreformen zur Bedingung für eine Annäherung macht. Ebenso stark muss sie sich für kritische Journalisten einsetzen, deren Arbeit in der Ukraine immer stärker behindert wird“, fordert ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.<br />
Am 15. Dezember gab der EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle <a href="https://twitter.com/StefanFuleEU/status/412159313747390464">per Twitter bekannt</a>, die Verhandlungen mit der Ukraine über das <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/assoziierungsabkommen-auf-eis">Assoziierungsabkommen</a> seien beendet, solange es keine klare Verpflichtung zur Unterschrift gebe. Die Proteste auf dem Maydan gehen derweil weiter und die Forderungen nach dem Rücktritt des Präsidenten werden immer lauter.<br />
&nbsp;<br />
Bild: Ivan Bandura (CC BY 2.0)<br />
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&nbsp;</p>
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		<title>Ein Entwurf ist noch lange kein Gesetz. Bleiben die EU-Datenschutzreformen auf der Strecke?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irena Sargsyan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Oct 2013 11:47:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die geplanten EU-Datenschutzreformen werden von Datenschützern, Politikern und Unternehmen unterschiedlich aufgefasst. Trotz einigen verbesserungswürdigen Punkten kann und darf man auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Facebook1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-133926" alt="Facebook" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Facebook1.jpg" width="640" height="280" /></a>Die geplanten EU-Datenschutzreformen werden von Datenschützern, Politikern und Unternehmen unterschiedlich aufgefasst. Trotz einigen verbesserungswürdigen Punkten kann und darf man auf die EU-Datenschutzverordnung nicht verzichten.<b><br />
</b><br />
Es ist ein <a href="http://www.bpb.de/internationales/europa/europaeische-union/42965/grafik-gesetzgebung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">langwieriges Verfahren</a>, wenn Entwürfe oder Gesetze im Europäischen Parlament verabschiedet werden. Bevor ein Gesetz zustande kommt, müssen viele Zwischeninstanzen durchlaufen werden: Verschiedene Ausschüsse stimmen zunächst über die Gesetzentwürfe ab. Danach ist der sogenannte Trilog an der Reihe. Gemeint sind die drei EU-Institutionen: die Europäische Kommission, der Rat der Europäischen Union und das Europäische Parlament. Die Europäische Kommission übernimmt dabei die Rolle des Moderators.  Wenn der EU-Minsterrat die Gesetzesvorschläge ablehnt, schaltet sich der Vermittlungsausschuss ein, und der ganze Gesetzgebungsprozess verzögert sich weiter.<br />
Am 21. Oktober 2013, nach langen hartnäckigen Verhandlungen, stimmte der Innenausschuss des Europäischen Parlaments dem Entwurf zur Datenschutzreformen  zu. Der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) gab damit grünes Licht für die Sichtung des Papiers durch den Ministerrat.<br />
Bei keinem anderen Gesetzesvorhaben hat es vorher jemals so viele Änderungsanträge gegeben wie bei der EU-Datenschutzverordnung, es waren <a href="http://www.janalbrecht.eu/themen/datenschutz-und-netzpolitik/alles-wichtige-zur-datenschutzreform.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">3.133</a> an der Zahl. Das ist durchaus verständlich, schließlich handelt es sich hierbei um ein Gesetzesvorhaben, das über Jahrzehnte hinweg die Rechte der Internet-User und der IT-Industrie bestimmen soll.<br />
Strenge Regelungen können dabei nicht nur den Handlungsraum der Unternehmen beschränken, sondern sich auch auf ihren Jahresumsatz auswirken. Um das zu verhindern, betrieben große Unternehmen der IT-Industrie, wie Facebook, Google, Amazon und Yahoo eine starke Lobbyarbeit.<br />
Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung sorgt nun seit einigen Tagen für heiße Debatten unter Politikern, Datenschützern und Unternehmen. Die Meinungen und Bewertungen gehen dabei auseinander.</p>
<h3>Geheimdienste und Internet</h3>
<p>Die neue Datenschutzverordnung regelt nach wie vor nicht die Arbeit von Geheimdiensten. Dafür tragen laut EU-Vertrag allein die Mitgliedstaaten die Verantwortung. Allerdings konnte die Verordnung an einer anderen Stelle eine Regelung finden: Unternehmen dürfen den Geheimdiensten nicht aktiv oder passiv Zugriff auf die Daten der Nutzer erlauben. Haben sie dazu keine Erlaubnis, erwarte sie harte Strafen, betont der deutsche <a href="http://www.janalbrecht.eu/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EU-Parlamentarier Jan Philipp Albrecht</a> von den Grünen in einem Interview mit politik-digital.de. Albrecht hatte bei der <a href="http://politik-digital.de/die-reform-des-europaeischen-datenschutzrechts-teil-1/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ausarbeitung</a> der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung mitgewirkt und sich besonders für das Recht auf Vergessenwerden im Internet eingesetzt. Auch schreckte der grüne Parlamentarier im EU-Parlament nicht davor zurück, sich mit Großkonzernen wie Facebook, Google oder Yahoo anzulegen.</p>
<h3>„Das Recht auf Vergessenwerden“</h3>
<p>Währenddessen konnten die Lobbyisten der IT-Industrie erreichen, dass „das Recht auf Vergessenwerden“ etwas abgeschwächt wird, so der Medienrechtler an der Hochschule der Medien in Stuttgart, <a href="http://www.hdm-stuttgart.de/view_news?ident=news20121207134630" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Professor Dr. Tobias Keber</a>. Das Recht auf Vergessenwerden meint, dass einst im Internet gespeicherte Daten zu einer Person nicht dauerhaft zugänglich sein dürfen. Ursprünglich habe in dem Entwurf gestanden, dass Facebook beispielsweise auf Wunsch des Users nicht nur Bilder zu löschen hat, sondern auch dafür sorgen muss, dass Daten auch auf Webseiten Dritter gelöscht werden müssen. Das sei in dem jetzigen Entwurf „weichgespült“ worden, erklärt Keber. Demnach braucht sich Facebook nun nicht weiter darum kümmern, was mit den Daten noch passiert.</p>
<h3>Positive Bewertung der Datenschutzreformen</h3>
<p>So schlecht sei der Entwurf jedoch trotzdem nicht zu bewerten, meint Keber: „Man muss etwas realistisch bleiben. Letztlich müssen sich mehr oder weniger 28 Mitgliedstaaten auf einen gemeinsamen Entwurf einigen. Und da kriegen sie nie das strengste Datenschutzgesetz hin, das überhaupt denkbar ist. Da geht es einfach um die Frage: Können wir ein Level erreichen, mit dem alle leben können? Man kann über einige Punkte natürlich streiten,  aber von der grundsätzlichen Maßrichtung her ist das der richtige Weg, um zu einem Konsens zu gelangen. “<br />
Eine positive Veränderung zum bislang gültigen Recht sieht Professor Keber auch im Rechtsmechanismus selbst. Bei dem Entwurf handelt es sich nämlich nicht mehr um eine Richtlinie, die von den 28 Mitgliedstaaten frei ausgelegt werden kann. Die Datenschutzgrundverordnung soll künftig direkt in den Mitgliedstaaten  als ein einheitliches Gesetz wirken.<br />
Die neue Datenschutzverordnung sei moderner als die alte Richtlinie aus dem Jahr 1995 und gehe in manchen Teilen auch sehr weit. Insbesondere beim Schadensersatz. Besteht ein Verstoß gegen den Datenschutz, müssen die Unternehmen demnächst mit fünf Prozent ihres Jahresumsatzes als Strafsumme rechnen. Das sind bei den großen Firmen Beträge in Höhe von mehreren Millionen Euro. „Das tut den Unternehmen richtig weh“, so Keber. Auch beinhalte die alte Datenschutzrichtlinie keine  aktuellen Themen wie die nutzerfreundliche Voreinstellung „privacy by default“ zugunsten der Privatsphäre. Solche Probleme hätten sich vor 15 Jahren noch gar nicht gestellt. Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung hingegen thematisiert das Problem. „Sollte der Entwurf so verabschiedet werden, wie sie heute ist, dann wird Facebook gezwungen sein, seinen Dienst so anbieten, dass die datenschutzfreundlichen Einstellungen schon Voreinstellungen sind. Heute hingegen müssen sich die User aktiv um den Datenschutz ihrer Facebook-Konten kümmern.“</p>
<h3>Forderungen der Datenschützer berücksichtigt</h3>
<p>Auch der Abgeordnete Jan Philipp Albrecht weist auf die Vorteile hin, die der Entwurf mit sich bringt. Viele Forderungen der Datenschützer, unter anderem die Einwilligung der User zur Datenverarbeitung, eine starke Zweckbindung der Daten, das Recht auf Datenübertragbarkeit sowie die Einschränkung von „Scoring“ seien in dem Entwurf des Europäischen Parlaments definiert und würden darin sogar gestärkt, so Albrecht. „Scoring“ ist eine Auswertungstechnik, die <a href="https://netzpolitik.org/2008/was-ist-eigentlich-scoring/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">anhand bestimmter Kriterien</a> potentielle Kunden für Unternehmen ausfindig machen kann.<br />
„Die Lage für Internetnutzerinnen und -nutzer würde sich mit dieser EU-Datenschutzverordnung dramatisch verbessern. Heute finden viele Datensammlungen statt, ohne dass grundlegende Informationspflichten und Verbraucherrechte beachtet werden. Das liegt vor allem daran, dass Unternehmen sich im Internet quasi aussuchen dürfen, an welches Recht in der Welt oder zumindest in Europa sie sich halten wollen. Natürlich suchen sie sich dabei eher die Länder aus, in denen der Datenschutz nicht so scharf geregelt und durchgesetzt wird. Das soll sich mit der EU-Verordnung ändern.“</p>
<h3>Hürden auf dem Weg zu Verabschiedung des Datenschutzgesetzes</h3>
<p>Laut <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/eu-datenschutzverordnung-innenminister-friedrich-kritisiert-regeln-a-929196.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegle-Online</a> äußerte sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) jedoch trotz der offensichtlichen Verbesserungen negativ über die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. Konkrete Argumente für seine Unzufriedenheit nennt Friedrich aber nicht. Jüngst plädierte er allerdings für eine vollumfängliche Klarnamenpflicht im Internet, obwohl das deutsche Recht den Nutzern die Möglichkeit gibt, im Internet anonym und pseudonym unterwegs sein zu können. Angesichts seiner früheren strengen Haltung gegenüber dem Datenschutz sorgte Friedrich durch seine Aussagen <a href="http://politik-digital.de/eu-datenschutzverordnung-bundesregierung-muss-verordnung-vorantreiben/">für Empörung und Skepsis.</a><br />
Jan Philipp Albrecht von den Grünen befürchtet, dass dadurch eine Verzögerung der Verabschiedung des EU-Datenschutzgesetzes erreicht werden soll. „Während  Länder wie Spanien, Polen und Österreich die baldige Verabschiedung der Verordnung fordern, bremst die Bundesregierung die bereits eineinhalb Jahre andauernden Verhandlungen immer wieder mit absurden Vorschlägen und Fragen aus.“<br />
Auch der Medienrechtler Keber äußerte seine Befürchtungen in diesem Zusammenhang: „Der Entwurf ist ein Entwurf und sein Inhalt kann modifiziert werden. Die Verabschiedung des EU-Datenschutzgesetzes, die im Mai nächsten Jahres ansteht, könnte sogar scheitern, wenn viele Mitgliedsstaaten dagegen sind.“ Keber nennt das Vereinigte Königreich als einen der schwierigen Verhandlungspartner. „Die Briten haben ein anderes Verständnis vom Datenschutz. Beim NSA-Skandal hat sich ja herausgestellt, dass nicht nur die USA, sondern auch die Briten geschnüffelt haben. Es könnte daher sein, dass sie sich dafür einsetzen, dass es nicht ganz so kommt, wie es momentan noch im Entwurf steht.“<br />
Wie auch immer die Verhandlungen zu den Datenschutzreformen ausgehen werden, Jan Philipp Albrecht gibt den Nutzern einen wichtigen Rat mit auf den Weg: „Niemals mehr personenbezogene Daten rausgeben, als absolut nötig und tatsächlich gewollt.“<br />
&nbsp;<br />
Bild:  Duncan Hull (CC BY 2.0)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>EU-Datenschutzverordnung: &#034;Bundesregierung muss Verordnung vorantreiben&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irena Sargsyan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Oct 2013 14:42:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach langen Verhandlungen stimmte der Innenausschuss des EU-Parlaments (LIBE) am 21. Oktober 2013 dem Entwurf zur Datenschutzgrundverordnung zu. Welche Konsequenzen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><!--[if !mso]&gt;--></p>
<p class="MsoNormal"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Server-Center.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-133824" alt="Server Center" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Server-Center.jpg" width="640" height="428" /></a><strong>Nach langen Verhandlungen stimmte der Innenausschuss des EU-Parlaments (LIBE) am 21. Oktober 2013 dem Entwurf zur Datenschutzgrundverordnung zu. Welche Konsequenzen die neuen Reformen für die Bürger haben und was sie noch für ihre Rechte tun können, erläutert Florian Glatzner vom Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.</strong></p>
<p class="MsoNormal"><b>politik-digital.de: </b>Müssen die Bürger weiterhin intensiv um die Durchsetzung ihrer Rechte im Internet kämpfen oder hat die neue EU-Datenschutzverordnung ihnen diese Sorge abgenommen?</p>
<figure id="attachment_133825" aria-describedby="caption-attachment-133825" style="width: 155px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/florian-glatzner-presse.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-133825 " alt="florian-glatzner-presse" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/florian-glatzner-presse.jpg" width="155" height="214" /></a><figcaption id="caption-attachment-133825" class="wp-caption-text">Florian Glatzner studierte Politikwissenschaft in Münster. Er war beim FoeBuD e.V. tätig (seit 2012 <a href="http://digitalcourage.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">digitalcourage e.V.</a>) und arbeitete als Datenschutzberater und externer Datenschutzbeauftragter. Seit Anfang 2011 ist er Referent beim Verbraucherzentrale Bundesverband im Projekt „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“<a href="http://www.vzbv.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">. Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.</a> (vzbv) vertritt die Interessen der Verbraucher gegenüber Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.</figcaption></figure>
<p class="MsoNormal"><strong>Florian Glatzner: </strong>Als erstes müssen wir alle darum kämpfen, dass die Datenschutz-Grundverordnung überhaupt noch vor der Neuwahl des EU-Parlaments kommenden Mai beschlossen wird. Auch wenn auf EU-Ebene nicht das Diskontinuitätsprinzip gilt, würde sonst der Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens in weite Ferne rücken. Daher ist nun der EU-Rat gefragt, schnell zu einer gemeinsamen Position zu kommen, um in die Verhandlungen mit dem EU-Parlament eintreten zu können.</p>
<p class="MsoNormal">Sollten die Regelungen aber, wie jetzt vom EU-Parlament abgestimmt, in Kraft treten, würde dies die Durchsetzung des Verbraucherdatenschutzes im Internet erleichtern. Beispielsweise sollen sich auch Unternehmen, die keinen Sitz in der EU haben, nach der Verordnung richten müssen, wenn sie sich mit Diensten oder Produkten an EU-Verbraucher wenden. Verbraucher sollen sich zukünftig mit Beschwerden an den Datenschutzbeauftragten bei ihnen vor Ort wenden können, wenn ein Unternehmen aus einem anderen Staat ihre Rechte verletzt. Zudem sollen Daten- und Verbraucherschutzorganisationen mit dem Recht ausgestattet werden, im Namen von Betroffenen gegen Datenschutzverstöße zu klagen. Dies entlastet die Aufsichtsbehörden und stärkt die Rechtsdurchsetzung der Verbraucher.</p>
<p class="MsoNormal"><b>politik-digital.de: </b>Falls der Entwurf immer noch verbesserungswürdig ist, ist es für Änderungen nun nicht mehr zu spät? Was können die Bürger diesbezüglich noch tun?</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Florian Glatzner:</strong> Im nächsten Schritt wird das EU-Parlament in die Verhandlungen mit dem EU-Rat eintreten, der die Mitgliedsstaaten vertritt. In diesen Verhandlungen kann der Rat noch weitere Verbesserungen einbringen. Wichtig wäre aber, dass sich der Rat schnell auf eine gemeinsame Position einigt, damit die Verhandlungen überhaupt starten können. An dieser Stelle ist nun vor allem die Bundesregierung gefragt, die im Rat eine starke Position hat. Sie muss die Verordnung vorantreiben.</p>
<p class="MsoNormal">Wir alle müssen daher unseren Volksvertretern – insbesondere von denen der zukünftigen Koalitionsparteien – klar machen, wie wichtig uns starke und durchsetzbare Datenschutzregelungen sind, die auch in absehbarer Zeit in Kraft treten.</p>
<p class="MsoNormal"><b>politik-digital.de </b>Obwohl die Abstimmung im Mai geplant war, verzögerten offenbar u.a. Lobbyisten der IT-Industrie die Reformen um einige Monate und brachten ihre Vorschläge in den Entwurf ein. Haben sich die Lobbyisten und Großunternehmen Ihrer Einschätzung nach in den für sie relevanten Punkten durchsetzen können? Wenn ja, welche Punkte sind das?</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Florian Glatzner: </strong>Auch wenn der Entwurf in weiten Teilen zu begrüßen ist, gibt es doch einige Stellen, die uns zu schwach ausgefallen sind und an denen es noch Nachbesserungsbedarf gibt. So bleibt unklar, wann Unternehmen Daten wegen eines „berechtigten Interesses“ verarbeiten dürfen. Es fehlt an einer Definition oder einem Beispiel, wann ein „berechtigtes Interesse“ des Unternehmens das Interesse der Verbraucher an Privatheit überwiegt und die Datenverarbeitung damit gestattet sein soll. Die Entscheidung, welches Interesse überwiegt, darf von Unternehmen nicht ohne eine nachweisbar gewissenhafte Abwägung getroffen werden.</p>
<p class="MsoNormal">Die Regelungen zur Bildung von Verbraucherprofilen sehen nur noch das Recht vor, der Profilbildung zu widersprechen. Explizit nicht rechtens soll eine Profilbildung nur sein, wenn sie zur Diskriminierung verwendet oder alleine mit sensitiven Daten durchgeführt wird. Um dem Gefahrenpotential der Profilbildung aber angemessen gerecht zu werden, sollte der Verbraucher nur in Ausnahmefällen oder nach seiner expliziten Einwilligung einer Profilbildung unterworfen werden dürfen.</p>
<p class="MsoNormal">Außerdem muss der besonderen Schutzbedürftigkeit von Kindern Rechnung getragen und die Altersgrenze für die Einwilligung in die Datenverarbeitung heraufgesetzt werden. Das 13. Lebensjahr ist zu niedrig angesetzt. Hier ist es wichtig, dass Medienpädagogen und Datenschutzaufsichtsbehörden gemeinsam erforschen, ab welchem Alter es sinnvoll ist, dass Kinder in die Datenverarbeitung einwilligen.</p>
<p class="MsoNormal"><b>politik-digital.de: </b>Der Abgeordnete des Europäischen Parlaments Jan Philipp Albrecht von den Grünen und Christian Horchert vom Chaos Computer Club bewerteten den Entwurf als <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-10/eu-datenschutzreform-abstimmung-libe">überraschend positiv</a>. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/eu-datenschutzverordnung-innenminister-friedrich-kritisiert-regeln-a-929196.html">Bundesinnenminister Friedrich</a> hingegen geht der Entwurf nicht weit genug. Worauf beruhen Ihrer Meinung nach die unterschiedlichen Einordnungen?</p>
<p><strong>Florian Glatzner: </strong>Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn leider lässt Herr Dr. Friedrich nicht erkennen, an welchen Stellen die Verordnung seiner Meinung nach nachgebessert werde müsste. Seine Aussage verwundert auch dahingehend, dass er selbst fast zwei Jahre Zeit hatte, im EU-Rat für die von ihm angemahnten Verbesserungen Sorge zu tragen. Wenn er also Verbesserungen notwendig hält, liegen diese in seiner Hand.</p>
<p class="MsoNormal">Was allerdings nicht passieren darf ist, dass der pauschale Verweis auf mögliche Verbesserungen dazu führt, dass die Datenschutz-Grundverordnung noch weiter verschoben wird. Schon im Jahr 2001 kam ein vom Bundesministerium des Innern in Auftrag gegebenes Gutachten zu dem Ergebnis, dass eine Modernisierung des Datenschutzrechts dringend notwendig sei. Hinsichtlich der Modernisierung ist seither nichts passiert, aber eine Überarbeitung der Regelungen ist inzwischen noch viel dringender geworden. Die Verbraucher können nicht noch weitere zwölf Jahre warten, bis sich die nächste Chance für eine Novelle des Datenschutzes ergibt.</p>
<p class="MsoNormal"><b>politik-digital.de: </b>Haben nicht in gewisser Weise auch die Internetnutzer selbst den aktuellen Datenschutz verschuldet &#8211; durch ihre Unkenntnis, unbegründetes Vertrauen in die Internet-Unternehmen und letztendlich durch ihre passive Haltung? Falls ja, welche Maßnahmen sollten dagegen unternommen werden?</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Florian Glatzner: </strong>Die Hauptverantwortung für die Fehlentwicklungen im Datenschutz bei den Verbrauchern zu suchen greift etwas zu kurz. Die technischen Systeme werden immer komplexer, die mit ihnen verbundenen Datenverarbeitungen immer schwerer zu überblicken. Verbraucher, die die neuen Produkte und Dienstleistungen nutzen, aber gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten behalten wollen, stehen derzeit vor einem Problem. Sie müssten Fachmann für die Einstellungsmöglichkeiten der verschiedenen sozialen Netzwerke oder die Tracking-Technologien der Internetwerbewirtschaft werden. Und sie müssen sich stets über neue technische Entwicklungen und Funktionen auf dem Laufenden halten. Vielen Menschen macht das Spaß, andere haben nicht die Fähigkeiten oder die (zeitlichen) Ressourcen, sich intensiv mit diesen Fragen auseinander zu setzen. Sie wollen die neuen Technologien nutzen, die viele Möglichkeiten bieten und mit ihnen an der heutigen Gesellschaft Teil haben.</p>
<p class="MsoNormal">Natürlich liegt es in der Verantwortung des Verbrauchers, wie wichtig ihm der Datenschutz ist und er sollte die Freiheit haben, selbst zu bestimmen, was mit seinen Daten passiert. Eine höhere Transparenz und eine bessere Verbraucherbildung sind dafür wichtige Grundlagen. Aber er sollte trotzdem auch ein begründetes Vertrauen in die Wirtschaft haben können, dass mit seinen Daten verantwortungsvoll und nach seinen Wünschen umgegangen wird. Dafür sind allerdings klare gesetzliche Regelungen notwendig. Die Datenschutz-Grundverordnung bietet derzeit die große Chance, diese Regelungen zu schaffen.</p>
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Bilder:  Beraldo Leal (CC BY 2.0), Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.</p>
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