<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Reinhard Bütikofer &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/reinhard-buetikofer/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Thu, 20 Jun 2013 14:14:14 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Reinhard Bütikofer &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Experiment #greenprimary: Europa-Grüne lassen online über Spitzenduo abstimmen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/experiment-greenprimary-europa-gruene-lassen-online-ueber-spitzenduo-abstimmen-129623/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/experiment-greenprimary-europa-gruene-lassen-online-ueber-spitzenduo-abstimmen-129623/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Lagershausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jun 2013 14:14:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Bütikofer]]></category>
		<category><![CDATA[EGP]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl 2014]]></category>
		<category><![CDATA[greenprimary]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Abstimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Grüne]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=129623</guid>

					<description><![CDATA[Im Vorfeld der Europawahl 2014 lässt die Europäische Grüne Partei online über ihre Spitzenkandidaten abstimmen. Dabei haben interessierte Bürgerinnen und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ArtikelbildGrueneOnlineAbstimmung.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-129625" alt="ArtikelbildGrueneOnlineAbstimmung" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ArtikelbildGrueneOnlineAbstimmung.jpg" width="640" height="427" /></a>Im Vorfeld der Europawahl 2014 lässt die Europäische Grüne Partei online über ihre Spitzenkandidaten abstimmen. Dabei haben interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, im Internet eine Vorauswahl des Spitzenpersonals zu treffen. Der Parteichef der Europäischen Grünen Partei, Reinhard Bütikofer, spricht von einer „noch nie dagewesenen Aktion“.<br />
Keine 100 Tage sind es mehr bis zur Bundestagswahl, der Wahlkampf kommt langsam ins Laufen, die Parteien und Kandidaten positionieren sich. Doch auch die kommende Wahl zum Europaparlament im Mai 2014 wirft schon ihre Schatten voraus. Die Europäische Grüne Partei (EGP) möchte neue Akzente in Sachen Bürgerbeteiligung und direkter Demokratie setzen und veranstaltet erstmals eine Online-Vorauswahl, um zwei gesamteuropäische Spitzenkandidaten zu bestimmen. Ähnliche Vorhaben gab und gibt es zwar immer wieder einmal, auf gesamteuropäischer Ebene ist dies aber eine Neuheit. Erstmals soll es demnach möglich sein, aus ganz Europa, also aus allen 33 nationalen Grünen Mitgliedsparteien der EGP, Bewerberinnen und Bewerber direkt als Spitzenkandidaten zu nominieren.<br />
Reinhard Bütikofer, der Vorsitzende der Europäischen Grünen Partei, begründet das Vorhaben so: „In der Europapolitik wird immer wieder der zu große Abstand zwischen Bürgern und politischen Entscheidungsträgern kritisiert. Es wird häufig geklagt, Europa sei nur eine Addition nationaler politischer Räume ohne gemeinsame europäische Öffentlichkeit. Darauf wollen wir antworten und mit einer europaweiten elektronischen Urwahl einen Schritt nach vorne gehen.“</p>
<h3>Keine nationale Bindung</h3>
<p>Die Besonderheit: Die Abstimmung ist nicht an eine Mitgliedschaft in einer Grünen Partei gebunden, sondern auch Sympathisanten grüner Ziele und Ideen sind explizit dazu aufgefordert, sich zu beteiligen. Auch besteht keine nationale Bindung, jeder, egal aus welchem EU-Mitgliedsstaat, kann für jeden aufgestellten Kandidaten votieren. Die Registrierung erfolgt über die <a href="http://europeangreens.eu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Website </a>der europäischen Grünen, die Software selber wird durch eine externe spezialisierte Firma in enger Abstimmung mit der EGP technisch betreut und auch die Datensicherheit gewährleistet.<br />
Und wer kann kandidieren und letztlich um Stimmen der geneigten Grünen buhlen? „Prinzipiell jeder. Es gibt keine formalen Voraussetzungen, um Kandidat zu werden, nicht einmal eine Mitgliedschaft in einer unserer Grünen Parteien ist nötig“. Man brauche aber eine gewisse Mindestunterstützung. Um kandidieren zu können, ist die Unterstützung fünf nationaler Grüner Parteien aus EU-Mitgliedsländern notwendig. „Da jede Mitgliedspartei nur einen Bewerber unterstützen darf, ist die Anzahl an Kandidaten von vorneherein sehr begrenzt“, erklärt Bütikofer, der deshalb auch keine Manipulation der Abstimmung, etwa eine Torpedierung durch politische Gegner, fürchtet: „Alle Kandidaten, die letztlich zur Wahl stehen werden, werden die Grünen in Europa sehr gut repräsentieren. Außerdem garantieren wir ein Höchstmaß an Sicherheit und Datenschutz.“<br />
Da es bei der EU-Wahl keine gesamteuropäischen Listen gibt, sondern nur nationale Listen für jedes Land, muss jeder Kandidat in seinem Heimatland antreten. Die Ergebnisse der internetbasierten Vorauswahl werden dennoch soweit verbindlich und gültig sein, dass diejenigen zwei Kandidaten mit den meisten Stimmen als Spitzenkandidaten für die gesamteuropäische Grüne Parteifamilie im Frühjahr 2014 in den Europawahlkampf ziehen werden. Eine Einschränkung gibt es aber doch bei der Kandidatenauswahl, „Gemäß unserer grünen Tradition gibt es eine Mindestquotierung für Frauen. Die Frau mit den meisten Stimmen wird auf jeden Fall zu den beiden Kampagnenführern gehören, auch, wenn sie insgesamt weniger als die zweitmeisten Stimmen erhält“, ergänzt der Kovorsitzende der europäischen Grünen.<br />
Eine Mindestanzahl an Teilnehmern ist für die Online-Wahl übrigens nicht zwingend, jedoch peilt man – sehr ambitioniert &#8211; eine sechsstellige Teilnehmerzahl an. Dazu erklärt Reinhard Bütikofer, solch ein Experiment sei „völlig neu in Europa“ daher wolle man auf Mindestanforderungen bei den Stimmzahlen verzichten.<br />
Eine wichtige Rolle spielt diese Urwahl übrigens auch auf einer weiteren Ebene: Da der Spitzenkandidat der Parteienfamilie, die bei der Europawahl am besten abschneidet, Präsident der Europäischen Kommission werden soll, wollen die europäischen Grünen die Wahl zu diesem Schlüsselposten politisieren und näher ans Volk bringen.</p>
<h3>Online und offline mobilisieren</h3>
<p>Damit eine anständige Mitmachzahl erreicht wird, muss die Online-Primary aber beim Wahlvolk noch bekannter gemacht werden. Da seien, so Bütokofer, „vor allem die nationalen Grünen Mitgliedsparteien gefragt, die das in den Heimatländern bewerben müssen“. So soll – wie bei einer Online-Kampagne nicht anders zu erwarten – Online-Werbung geschaltet werden, zudem wird die Wahl von Online-Debatten begleitet. Aber auch offline soll etwas passieren: „In verschiedenen europäischen Hauptstädten sind Diskussionsrunden geplant, an denen jeder teilnehmen kann. Und auch die Grüne Jugend wird für die Aktion mobilisieren. Ich denke, dass man von der Aktion hören wird!“, zeigt sich der geborene Mannheimer zuversichtlich.<br />
Überhaupt hofft Bütikofer, mit einer solchen Aktion ein Zeichen für mehr direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung setzen zu können und ist schon seit Langem von der Idee überzeugt: „Ich glaube, derlei Instrumenten gehört die Zukunft der politischen Personalauswahl. Wenn unsere Aktion ein Erfolg wird, dann werden vielleicht auch andere Parteien diese Idee der bürgernahen Beteiligung aufgreifen,“ hofft Bütikofer auf einen Erfolg der Grünen Europa-Urwahl, und fügt hinzu: „Ganz wichtig ist aber, dass man die Bürgerinnen und Bürger nicht nur über Alternativen abstimmen lässt, sondern sie auch an einer entsprechenden Diskussion beteiligt und sie so voll in den Entscheidungsprozess einbindet. Für eine lebendige Demokratie ist die Debatte unerlässlich! Die Erörterung von Alternativen und das Vergleichen verschiedener Lösungen müssen in solche Formate direkter Beteiligung unbedingt integriert werden!“<br />
Man darf gespannt sein, auf welches Interesse das Vorhaben stoßen wird. Im Sinne der Bürgerbeteiligung wäre es ohne Frage essentiell, wenn sich solcherlei Modelle längerfristig in allen Parteien national wie international durchsetzen könnten.<br />
&nbsp;<br />
<strong><strong></strong></strong>Bilder: Ernesto Ruge (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC-SA 2.0</a>)</p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/experiment-greenprimary-europa-gruene-lassen-online-ueber-spitzenduo-abstimmen-129623/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reinhard Bütikofer, Grünen-Vorsitzender</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/reinhard-buetikofer-gruenen-vorsitzender-123/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/reinhard-buetikofer-gruenen-vorsitzender-123/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Bütikofer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/reinhard-buetikofer-gruenen-vorsitzender-123/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Dienstag, 24. Oktober, <span style="font-size: x-small">war <b>Reinhard Bütikofer</b>, 
Bundesvorsitzender der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat in 
Kooperation mit politik-digital.de.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Dienstag, 24. Oktober, <span style="font-size: x-small">war <b>Reinhard Bütikofer</b>,<br />
Bundesvorsitzender der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat in<br />
Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern<br />
über die Jamaika-Koalition, die Politik der Grünen und<br />
ihre Rolle als Opposition.</span></span></span></span></b>
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Grünen-Parteivorsitzender<br />
Reinhard Bütikofer. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind, Herr<br />
Bütikofer. Unsere Leser werden Ihnen Fragen aus allen Politikbereichen<br />
stellen. Können wir beginnen?
</p>
<p class="normal">
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Schönen guten Tag,<br />
schießen sie los!
</p>
<p>
Hope: In der Opposition hört man zu den politischen Entwicklungen<br />
gar nicht so sehr unterschiedliche Kritik von Seiten der FDP und<br />
seitens der Grünen! Man hat den Eindruck, da sind eine Reihe<br />
von Gemeinsamkeiten &#8211; warum nicht der Versuch, als Jamaika das umzusetzen,<br />
was konsensfähig ist. ALLES ist besser als der jetzige Zustand!<br />
Die CDU mit Gelb und Grün unter einem Kanzler Schäuble<br />
oder einem der derzeitigen CDU-Ministerpräsidenten könnte<br />
sicher etwas bewegen!
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich glaube, man muss, wenn man es wirklich<br />
ernst meint, schon genauer hinschauen. Ein großes Streitthema<br />
ist gegenwärtig die Gesundheitsreform, da gehen die Positionen<br />
in Wirklichkeit diametral auseinander. Wir wollen eine Bürgerversicherung.<br />
Die FDP will eine gesetzliche Krankenversichtung ganz abschaffen,<br />
das passt nicht zusammen. Große Differenzen gibt es z.B. auch<br />
in der Arbeitsmarktpolitik und in der Energiepolitik. Deswegen kommt<br />
mir das Gerede über Jamaika manchmal etwas feuilletonistisch<br />
vor.
</p>
<p>
<b>Somasoma:</b> Was verbindet Ihre Partei mit den anderen<br />
Oppositionsparteien? Reicht das aus, um gemeinsam einen Gegendruck<br />
aufzubauen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Gemeinsam haben wir uns z.B. für<br />
einen Untersuchungsausschuss eingesetzt, als die Vorwürfe im<br />
Fall Mazri oder Kurnaz bekannt wurden. Gemeinsam versuchen die Oppositionsparteien<br />
zu verhindern, dass die Regierungsparteien Entscheidungen ohne jede<br />
öffentliche Debatte einfach nur durchziehen. Aber die Große<br />
Koalition hat zahlenmäßig ein solches Übergewicht,<br />
dass die parlamentarische Opposition alleine meistens wenig ausrichten<br />
kann. Deswegen kommt es entscheidend auf die aktive Teilhabe der<br />
Zivilgesellschaft an.
</p>
<p>
<b>KofiButanan:</b> Wie schätzen Sie die Entscheidung<br />
von Bundespräsident Köhler ein, die Flugsicherung nicht<br />
zu privatisieren?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Soweit ich das in aller Kürze heute<br />
nachvollziehen konnte, hat mir die Entscheidung eingeleuchtet und<br />
die Mehrheit im Bundestag wird die Frage zu beantworten haben, ob<br />
sie das Grundgesetz an dieser Stelle ändern will.
</p>
<p>
<b>NierenBlasentee:</b> Wie stehen Sie zu den angeblichen<br />
Vorkommnissen um Herrn Murnaz, die ja schließlich auch unter<br />
Ihrer Regierung geschehen sind?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Nun, wenn das zutrifft, dann muss das<br />
unbedingt politische Konsequenzen haben. Bis jetzt war es leider<br />
so, dass immer, wenn Herr Kurnaz etwas sagte, abgewiegelt wurde<br />
und sich dann herausstellte, dass mehr dran war als man am Anfang<br />
zugeben wollte. Deswegen fordern wir eine vollständige Aufklärung<br />
ohne Ansehen der Person.
</p>
<p>
<b>Tzu:</b> Wie können diese Konsequenzen aussehen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Das ist zu diesem Zeitpunkt spekulativ.<br />
Aber die Aufklärung beinhaltet auch die Frage, wer dafür<br />
gegebenenfalls die Verantwortung hatte und dementsprechend dann<br />
die politische Verantwortung zu übernehmen hätte.
</p>
<p>
<b>Keetenheuve1:</b> Wenn ich Grüne im Fernsehen<br />
sehe, dann schalte ich nur noch bei Frau Höhn und Herrn Ströbele<br />
NICHT ab. Warum, glauben Sie, haben die Grünen ein derart großes<br />
Charisma-Problem?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Themen, für die man einmal stand,<br />
sind doch eigentlich immer noch aktuell. Die Themen, für die<br />
man einmal stand, für die steht man als Grüner immer noch.<br />
Deswegen haben wir auch überhaupt kein Problem, Mitglieder<br />
für uns zu mobilisieren. Was die Mitgliederzahlen betrifft,<br />
wachsen wir im Unterschied zu anderen Parteien. Wir gewinnen Wahlen.<br />
Wir haben heute mehr Unterstützung als vor fünf oder sechs<br />
Jahren. Aber wenn Sie nun mal Frau Höhn oder Herrn Ströbele<br />
vorziehen, dann schalten Sie halt ein, wenn die dran sind. Ich halte<br />
ihren Charisma-Vorwurf für müßig. Meine Erfahrung<br />
ist, dass unsere Wählerinnen und Wähler sehr genau auf<br />
Inhalte achten.
</p>
<p>
<b>crossgolfer:</b> Wie nehmen sie dazu Stellung, dass<br />
die Grünen immer mehr eine Partei der Besserverdienen wird<br />
und der Kampf um soziale Gerechtigkeit mehr und mehr in den Hintergrund<br />
gerät?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Das ist schlicht und ergreifend grottenfalsch.<br />
Es waren wir Grüne, die das Konzept einer solidarischen Bürgerversicherung<br />
eingebracht haben. Wir Grüne haben das Konzept einer solidarischen,<br />
bedarfsorientierten Grundsicherung eingebracht. In diesem Sommer<br />
haben wir uns mehr als andere für eine ausreichende Zahl von<br />
Ausbildungsplätzen eingesetzt. Auch für den Kritiker gilt:<br />
Am besten fängt man mit der Betrachtung der Wirklichkeit an.
</p>
<p>
<b>Wiesbaden-Grün:</b> Wie wollen Sie der sogenannten<br />
&#8216;Unterschicht&#8217; grüne Politik näher bringen? Ist grüne<br />
Politik in der Lage, die Armut in Deutschland zu bekämpfen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich halte den Begriff Unterschicht für<br />
stigmatisierend. Aber wenn wir nicht wollen, dass eine wachsende<br />
Zahl von Menschen in Ausgrenzung und Armut gefangen werden, dann<br />
kommt es insbesondere auf zwei Weichenstellungen an: erstens einen<br />
Zugang zum Arbeitsmarkt und zweitens, perspektivisch vielleicht<br />
noch wichtiger, einen fairen Zugang zum Bildungssystem. Für<br />
beide Herausforderungen haben wir in der Tat klare Vorschläge.<br />
Das gilt beim Arbeitsmarkt etwa für unser Progressivmodell<br />
oder unsere Vorschläge zum Mindestlohnmodell. Das fängt<br />
in der Bildungspolitik bei unseren Vorschlägen zur frühkindlichen<br />
Bildung an.
</p>
<p>
<b>Ebi:</b> Warum bekommen die Grünen im Osten keinen<br />
Fuß auf den Boden?
</p>
<p class="normal">
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Wir haben bei allen Wahlen<br />
seit 2004 im Osten jeweils zugelegt, aber von bescheidenem Niveau<br />
aus. Wir waren Ende der 90er Jahre im Osten zur Diaspora-Partei<br />
geworden. Jetzt gelingt es uns, insbesondere in den Städten,<br />
den Fuß auf den Boden zu bekommen. Das dauert noch eine Weile<br />
und ist ein steiniger Weg, aber die Entwicklung geht nach oben.<br />
Ich glaube, entscheidend für diesen Weg wird sein, durch glaubwürdige<br />
grüne Vertreter und Vertreterinnen in der Kommunalpolitik Vertrauen<br />
zu gewinnen. So gelang auch der Weg im Westen.
</p>
<p>
<b>bambi:</b> Die Rechten von NPD und DVU sitzen in drei<br />
ostdeutschen Landtagen. Die Grünen nur in Sachsen wenn ich<br />
richtig informiert bin. Wie wollen Sie die Bevölkerung überzeugen,<br />
wenn anscheinend radikale Parolen von Rattenfängern auf so<br />
fruchtbaren Boden stoßen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich glaube, dass die Situation in manchen<br />
Landstrichen inzwischen so ist, dass es einer ganz neuen Art von<br />
Zusammenarbeit der demokratischen Kräfte &#8211; nicht nur der Parteien,<br />
auch der Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen<br />
bis hin zu Kirchen bedarf, wenn jahrelang in Ostdeutschland erst<br />
insbesondere durch die Union unhaltbare Versprechungen gemacht wurden.<br />
Ich erinnere an Kohls blühende Landschaften. Wenn dann jahrelang<br />
durch die PDS hemmungsloser Populismus von links durch die Lande<br />
wehte, dann verwundert es mich nicht mehr, dass sich teilweise Zynismus,<br />
Abgrenzung und Verhetzung ausbreiten. Aber es nützt ja nichts,<br />
alte Rechnungen noch einmal aufzuwärmen. Es braucht jetzt ein<br />
stärker vernetztes demokratisches Engagement im Alltag. Nicht<br />
nur ab und zu eine kleine Kampagne, wenn in Halbe oder anderswo<br />
ein paar Nazis Flagge zeigen wollen.
</p>
<p>
<b>HohlefelderJr: </b>Was sagen Sie zu der These, dass<br />
die Linkspartei/Ostdeutschland das Parteiensystem auf den Kopf gestellt<br />
hat bzw. keine klaren Mehrheiten von Zweierkoalitionen möglich<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Das gilt erkennbar auf Landesebene nicht.<br />
Das scheint im Moment eine zutreffende Lagebeschreibung für<br />
den Bund, die große Koalition natürlich einmal ausgenommen.<br />
Ob sich das dauerhaft so stabilisiert, kann man meiner Meinung nach<br />
derzeit nicht sicher voraussagen. Was die Stabilität der beiden<br />
Volksparteien betrifft sind große Fragezeichen gerechtfertigt.<br />
Über die Perspektiven von FDP, Linkspartei oder Grünen<br />
wäre es ein Jahr nach der Wahl auch vorschnell, etwas Verbindliches<br />
sagen zu wollen.
</p>
<p>
<b>Michael K.:</b> In Tübingen hat am vergangenen<br />
Sonntag Herr Palmer die Wahl zum Oberbürgermeister gewonnen,<br />
unterstützt von CDU-Prominenz. Schon bei der Wahl in Stuttgart<br />
hat sich Herr Palmer für den späteren CDU-Sieger ausgesprochen.<br />
Tendieren die Grünen in Zukunft mehr zur CDU bei Koalitionen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Nein. Das wird jeweils nach dem Maßstab,<br />
wie wir mehr grüne Politik durchsetzen können, zu entscheiden<br />
sein. In Tübingen ist Boris Palmer mit einem profilierten astreinen<br />
ökologischen Programm Oberbürgermeister geworden. Liberale<br />
aus der Union haben ihn unterstützt. Der andere Unionsflügel<br />
(Stefan Mappus) kriegt deswegen jetzt anscheinend Pickel. Ich glaube,<br />
es gibt dafür keinen Generalnenner. In Berlin z.B. wären<br />
wir nie auf die Idee gekommen, nach der Abgeordnetenhauswahl mit<br />
der CDU zu koalieren, weil die einfach unterhalb jeder Kritik ist.
</p>
<p>
<b>Jakob S.:</b> Vor kurzem war in der &quot;tageszeitung&quot;<br />
ein Artikel darüber wie &#8216;Die Linke&#8217; jetzt versucht, grüne<br />
Mitglieder abzuwerben. Ist es vielleicht nötig, dass sich die<br />
Grünen wieder ganz klar links positionieren?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Dieser Artikel in der &quot;tageszeitung&quot;<br />
war eine Posse. Da hat ein ehemaliger Grüner, der jetzt bei<br />
der Linkspartei ist, ein oberschlaues Strategiepapier geschrieben,<br />
was jedenfalls außer der &quot;tageszeitung&quot; niemanden<br />
beeindruckt hat, mich jedenfalls nicht. Eine Linkspartei, die gleichzeitig<br />
die wahren Sozialisten, die bessere SPD und die richtigen Grünen<br />
sein wollen, das ist ein Witz. Wer hinsieht stellt fest, dass die<br />
Linkspartei für Grünenwähler wenig zu bieten hat<br />
und bei den Kommunalwahlen etwa in Hessen oder Niedersachsen in<br />
diesem Jahr gab es wenige Erfolge der Linkspartei im grünen<br />
Milieu.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Fragen, eine Richtung:
</p>
<p>
<b>Wiesbaden-Grün:</b> Die Grünen sind in keiner<br />
Landesregierung vertreten. In Berlin kam eine Koalition mit der<br />
SPD nicht zustande. Ist dies ein Signal für die zukünftige<br />
Koalitionsbereitschaft der SPD auf Bundesebene? Sollten sich die<br />
Grünen nicht gerade deshalb für eine Jamaikakoalition<br />
öffnen? Zumal junge Grüne einer Koalition mit der FDP<br />
und Union nicht abgeneigt sind.
</p>
<p>
<b>ZoranHGW:</b> Wie sehen Sie die Chancen einer Regierung<br />
unter Angela Merkel unter Beteiligung der Grünen und der FDP?<br />
Unstimmigkeiten bezüglich Atomkraft können ja beiseite<br />
geschoben werden, wie wir dies bei der Regierung sehen können.<br />
Abgesehen von diesen energiepolitischen Unterschieden sind solche<br />
der Ausländerpolitik usw. trotz verschiedener Grundhaltungen<br />
durchaus vereinbar. Oder wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>EgonAlias:</b> Sehen Sie inhaltliche Gemeinsamkeiten<br />
mit der FDP auf Landes- und Bundesebene?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Natürlich gibt es auch mit der FDP<br />
in manchen Gebieten Gemeinsamkeiten, etwa was Datenschutz betrifft.<br />
Dieses urliberale Thema hatte die FDP zwar lange vergessen, aber<br />
in letzter Zeit hat sie sich dem wieder genähert und das finde<br />
ich gut, weil es einfach im Sinne der Freiheit besser ist, wenn<br />
wir nicht alleine dafür kämpfen müssen.
</p>
<p>
Und dann gibt es natürlich Persönlichkeiten in der FDP,<br />
die ich mir jederzeit als Partner vorstellen könnte, Leutheusser-Schnarrenberger<br />
zum Beispiel. Aber solche Persönlichkeiten gibt es natürlich<br />
auch bei der CDU, Heiner Geißler zum Beispiel wäre ein<br />
schöner Partner für die Grünen oder der CSU-Umweltpolitiker<br />
Göppel. Aber es wäre Selbstbetrug, sich das jetzt schön<br />
zu lügen, so als wären das die Personen, die den Ausschlag<br />
geben, oder als wäre damit Übereinstimmung in den für<br />
die Reformrichtung entscheidenden Fragen gesichert. Die FDP ist<br />
nach wie vor eine marktradikale Partei und wir sind der Antipode<br />
in dieser Position. Und das die FDP zum ersten Mal seit 15 Jahren<br />
mit den Umweltverbänden überhaupt gesprochen hat ist auch<br />
noch kein Beweis, dass man umweltpolitisch mit ihr Staat machen<br />
kann.
</p>
<p>
Ich sage nicht, dass ich mich darüber freue, dass wir mit<br />
denen so wenig Schnittmengen haben. Besser wäre es, es gäbe<br />
mehr Schnittmengen, dann könnten wir mehr bewegen. Aber ich<br />
sage, dass ich mir die Wirklichkeit nicht zurechtlügen will<br />
und ich mache auch in Zukunft die Inhalte zum Maßstab für<br />
Bündnisse. Das gilt gegenüber der SPD wie gegenüber<br />
der Union und allen anderen.
</p>
<p>
<b>EgonAlias:</b> Anschlussfrage: Für welche Wirtschaftsrichtung<br />
stehen die Grünen denn dann?
</p>
<p class="normal">
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Unser Leitbegriff heißt:<br />
&quot;Grüne Marktwirtschaft&quot; und darunter verstehen wir<br />
eine ordnungsliberale Grundposition, die soziale und ökologische<br />
Standardsetzungen für den Markt für richtig hält<br />
und nicht wie die Neoliberalen das tun dem Kinderglauben anhängt,<br />
dass der Markt für sich alles regelt.
</p>
<p>
<b>drjung:</b> Herr Bütikofer, wie sehen sie die<br />
Situation unserer Soldaten in Afghanistan? Was halten sie von einem<br />
Abzug?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Situation wird schwieriger und gefährlicher.<br />
Ich bin nicht für einen Abzug. Ich bin für ein Überdenken<br />
der Politik in Afghanistan. Es ist ja bemerkenswert, dass im Norden,<br />
wo deutsche Truppen die Verantwortung haben, mehr Stabilität<br />
möglich ist und größere Fortschritte erzielt werden<br />
als im Süden und Osten, etwa wo insbesondere die USA im Rahmen<br />
der Operation &quot;Enduring Freedom&quot; aktiv sind. Die entscheidende<br />
Frage, die über den Erfolg den Ausschlag geben wird, heißt:<br />
Begreift die afghanische Bevölkerung die internationalen Truppen<br />
als Partner im Wiederaufbau des Landes oder als Besatzungsmacht?<br />
Diese Frage ist nicht entschieden. Unser Engagement muss dahin gehen,<br />
sie für die erste Alternative zu entscheiden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wissen Sie eigentlich genau, was die KSK in Afghanistan<br />
macht bzw. gemacht hat? Ist das Parlament in jedem Fall ausreichend<br />
informiert worden?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich weiß es nicht genau und ich<br />
fürchte, es gibt fast niemanden, der es genau weiß. Und<br />
das ist gerade das Problem. Früher gab es wenigstens eine gewisse<br />
Information der Obleute des Verteidigungsausschusses durch Minister<br />
Struck. Seit der Minister Jung heißt gab es das nicht mehr.<br />
Die Vorwürfe, die gegen das KSK im Fall Kurnaz erhoben worden<br />
sind, müssen vollständig aufgeklärt werden, bevor<br />
von einem neuen Mandat für die KSK in Afghanistan die Rede<br />
sein kann. Und es müsste schon auch sicher gestellt werden,<br />
dass das KSK nicht in die Rolle einer Hilfstruppe für US-Einheiten<br />
gebracht wird, denen die neueste amerikanische Gesetzgebung leider<br />
auch solche Verhörmethoden erlaubt, die in Europa als Folter<br />
gelten würden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Haben sich die Grünen als ehemalige Regierungspartei<br />
im Fall Kurnaz nicht auch Versäumnisse vorzuwerfen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich wüsste keine.
</p>
<p>
<b>Michael K.: </b>Was sagen sie dazu, dass Deutschland<br />
in der Liste der Pressefreiheit auf Platz 23 weltweit abgerutscht<br />
ist? Ich finde das erschreckend.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich kann es nicht kommentieren, ich habe<br />
das nur als Meldung zur Kenntnis genommen. Ich müsste erst<br />
wissen, woran das gelegen hat.
</p>
<p>
<b>Joschka Fischer:</b> Ich erbitte eine Bewertung der<br />
Schröder-Memoiren.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Lieber Herr Fischer, warum wollen Sie<br />
sie nicht selber lesen? Der ehemalige Kanzler hat &#8211; damit das Buch<br />
sich besser verkauft &#8211; jetzt schnell ein paar Stinkbömbchen<br />
gezündet. Ob das deswegen ein interessantes Buch ist oder eines,<br />
das Einblicke erlaubt, das weiß ich nicht.
</p>
<p>
<b>Kleingemüse:</b> Welche Kritik üben Sie<br />
heute an der Politik Gerhard Schröders?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Es gibt eine Hauptkritik an der Politik<br />
Gerhard Schröders, die etwas zu tun hat mit seinem Umgang mit<br />
den notwendigen Reformen im Bereich Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik<br />
und Wirtschaftspolitik. Schon bei der Regierungsbildung 1998 erzwang<br />
die SPD mit Schröder und Lafontaine, dass man sich bei der<br />
Rente etwa gegen den grünen Willen vom demographischen Faktor,<br />
der kurz zuvor eingeführt worden war, wieder verabschiedet.<br />
Später musste Schröder eingestehen, dass das ein großer<br />
Fehler war. Als die ersten rot-grünen Erfolge dann eintrafen<br />
verabschiedete Schröder sich mit der Politik der ruhigen Hand<br />
von notwendigen weiteren Reformen. Wir Grünen haben ihn damals<br />
davor gewarnt.
</p>
<p>
Bei der Bundestagswahl 2002 hat die SPD und auch Schröder<br />
unrealistische Erwartungen geweckt und nach der Wahl, als sich herausstellte,<br />
dass die Realität eine ganz andere ist, dann deswegen unglaublich<br />
viel Enttäuschung, Wut und Opposition geerntet. Und als Schröder<br />
dann 2003 mit der Agenda 2010 kurzfristig versucht hat, das Ruder<br />
herumzureißen ist es ihm nicht gelungen, den SPD-Anhängern<br />
dies als Politik im Sinne sozialdemokratischer Grundwerte zu erklären.<br />
Der damalige schwedische Ministerpräsident hat einmal davon<br />
berichtet, wie es ihm gelang, seine politische Basis für tiefgreifende<br />
Reformen zu gewinnen: Nämlich indem er dass er deutlich machte,<br />
dass auch starke Schultern ihren Teil der Last zu tragen haben.<br />
Das hat Schröder nie hinbekommen.
</p>
<p>
<b>Papa:</b> Glauben Sie, dass Angela Merkel bis zum<br />
Ende der Legislatur Kanzlerin bleibt bzw. die große Koalition<br />
so lange bestehen bleibt?
</p>
<p>
<b>Robotx22:</b> Für wie wahrscheinlich halten Sie,<br />
dass die jetzige Regierung die Legislaturperiode überlebt?<br />
Was könnten die gefährlichsten Untiefen sein, die auf<br />
sie zukommen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Gegenwärtig sind beide Partner der<br />
großen Koalition schwach, und so lange diese beiderseitige<br />
Schwäche plus die beiderseitige Orientierungslosigkeit anhält,<br />
hält auch die Koalition. Denn im Fall einer Wahl müssten<br />
SPD und CDU sofort befürchten, in der Wahlkabine drastisch<br />
abgestraft zu werden. Erst dann, wenn entweder SPD oder Union die<br />
Hoffnung haben, von einem Koalitionsbruch massiv zu profitieren,<br />
könnte eine Seite es vielleicht praktisch erwägen. Das<br />
sehe ich im Moment für die nächsten anderthalb Jahre jedenfalls<br />
nicht voraus, zumal die politischen Leistungen beider Koalitionspartner<br />
ja niemanden überzeugen. Die Unterstützung in dieser Koalition<br />
feiert einen Minusrekord nach dem anderen. Selbst die oft gescholtene<br />
rot-grüne Regierung war zu ihren schwächsten Zeiten nie<br />
so unbeliebt wie diese Große Koalition.
</p>
<p>
<b>tom2:</b> Nach einem Bericht des &quot;Stern&quot;<br />
wussten deutsche Bundesbehörden schon vor Jahren von Geheimgefängnissen<br />
der CIA in Europa. Wie konnte gerade Grün es so weit kommen<br />
lassen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ob dieser Bericht des &quot;Stern&quot;<br />
zutrifft, weiß ich nicht. Deswegen kann ich die Frage nicht<br />
beantworten. Die Frage unterstellt den Bericht des &quot;Stern&quot;<br />
als Fakt und unterstellt, dass wir die Verantwortung dafür<br />
hatten. Wir hatten aber nicht das Innenministerium. Vielleicht sollte<br />
mal jemand Otto Schily fragen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und wenn es zutreffen sollte, was der &quot;Stern&quot;<br />
schreibt? Die Grünen waren ja nun mal Teil der Regierung.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Wir waren Teil der Regierung, aber wir<br />
hatten nicht die Exekutivverantwortung für alle Ressorts und<br />
die Verantwortung für das Innenministerium hatten wir nicht.<br />
Jürgen Trittin und Renate Künast als Verbraucherministerin<br />
und Joschka Fischer als Außenminister hatten ihre eigenen<br />
Verantwortungsbereiche. Und hätte es damals eine öffentliche<br />
Diskussion über CIA-Gefängnisse gegeben, weiß ich,<br />
wo wir gestanden hätten. Aber es gab beides nicht.
</p>
<p>
<b>tom2:</b> Anschlussfrage &#8211; Sie haben also bis die<br />
Gefängnisse öffentlich bekannt wurden nie davon gehört?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Düsseldorf:</b> Ab wann werden sich die Grünen<br />
lautstark für eine Verbesserung der Nichtraucherschutzgesetze<br />
einsetzen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Frage muss in der Vergangenheitsform<br />
wiederholt werden. Insbesondere die vorher gelobte charismatische<br />
Bärbel Höhn setzt sich als zuständige Sprecherin<br />
der Bundestagsfraktion dafür seit langem ein.
</p>
<p>
<b>Somasoma:</b> Wie schätzen Sie die konjunkturelle<br />
Zukunft der deutschen Wirtschaft ein?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich glaube, dass die Mehrwertsteuererhöhung<br />
zum 1. Januar 2007 und die Beitragserhöhungen bei Rente, Gesundheit<br />
und Pflege, die auf uns zukommen und weitere Preissteigerungen inklusive<br />
eines dauerhaft hohen Ölpreises dazu führen werden, dass<br />
die Wachstumsraten 2007 wieder auf ein Niveau absinken, dass zum<br />
Beschäftigungsaufbau nicht reicht. Das ist einer der Gründe,<br />
warum ich insbesondere die Mehrwertsteuererhöhung für<br />
einen schwerwiegenden wirtschaftspolitischen Fehler halte.
</p>
<p>
<b>bo:</b> Wie stehen die Grünen zur Föderalismusreform?<br />
Was halten Sie von dem Vorstoß des Bundesfinanzministeriums,<br />
in die Finanzautonomie der Länder einzugreifen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die erste Hälfte der Föderalismusreform,<br />
die wir hinter uns haben, hat leider in einigen uns wichtigen ökologischen<br />
und sozialen Bereichen &#8211; Stichwort Umwelt und Heimrecht, Strafvollzug<br />
&#8211; zu einer föderalen Kompetenzzersplitterung geführt.<br />
Grundsätzlich ist aber die stärkere Trennung der Gesetzgebungsmaterien<br />
zwischen Bund und Ländern richtig. In der zweiten Phase der<br />
Föderalismusreform, bei der es ums Geld gehen soll, sehe ich<br />
noch kein Land. Es ist lächerlich, wenn ein Ministerpräsident<br />
wie Herr Rüttgers sagt, er regiere einen selbstständigen<br />
Staat und man habe ihm nicht ins Handwerk zu pfuschen.
</p>
<p>
Die Bundesländer haben über den Bundesrat den Maastrichtvertrag<br />
mit beschlossen. Die Länder können sich da ihrer eigenen<br />
Verantwortung nicht entledigen. Im Übrigen geht es da nicht<br />
darum, dass das Bundesfinanzministerium in Zukunft zur Kommandozentrale<br />
des Föderalismus ausgebaut wird, aber es braucht Regeln, die<br />
dafür sorgen, dass die Länder ihre Eigenständigkeit<br />
im Rahmen einer finanzpolitischen Nachhaltigkeit ausüben. Außerdem<br />
sollten reine Landessteuern in Zukunft durch Landesgesetzgeber beschlossen<br />
werden, nicht durch den Bund.
</p>
<p>
<b>Papa:</b> Es verlagerten 2005 erhebliche viele junge,<br />
gutausgebildete Menschen ihren Wohnsitz ins Ausland. Was schlagen<br />
die Grünen vor, wie das gestoppt werden kann?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich habe nichts dagegen, dass gut ausgebildete<br />
junge Leute ins Ausland gehen. Wenn wir gleichzeitig dafür<br />
sorgen, dass andere zu uns kommen. Das kann Teil eines fruchtbaren<br />
internationalen Austausches sein. Schlimm wird es nur, wenn wir<br />
es nicht schaffen, einem allgemeinen Braindrain zu entgehen. Da<br />
geht es dann sehr konkret um die Frage, ob in Deutschland endlich<br />
begriffen wird, dass wesentlich mehr Geld in Bildung, Wissenschaft<br />
und Forschung gesteckt werden muss. Da geht es konkret um die Frage,<br />
ob der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Wettbewerbsfähigkeit<br />
diese aus meiner Sicht untrennbaren zwei Seiten der Modernisierungsmedaille<br />
wirklich Leitmaßstab sind oder ob wir zulassen, dass Wettbewerbsfähigkeit<br />
und Gerechtigkeit gegeneinander ausgespielt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine letzte Frage:
</p>
<p>
<b>Steffen Ardia:</b> Was ich schon immer mal wissen<br />
wollte: Wenn ich Ihnen einen Brief mit Kritik oder Verbesserungsvorschlägen<br />
sende, wer liest das dann? Sie können doch sicher nicht jeden<br />
Tag Ihre ganze Post lesen&#8230;? Kriegen Sie davon überhaupt etwas<br />
mit?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich kriege alle Briefe, die an mich geschrieben<br />
werden, auf meinen Schreibtisch. Manchmal dauert es eine Weile,<br />
bis ich sie lese. Aber ich gebe mir Mühe. Die meisten Briefe,<br />
die aus meinem Büro beantwortet werden, beantworte ich selbst.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat für heute. Wir bedanken<br />
uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir mit ihrer Frage nicht berücksichtigen konnten.<br />
Unser besonderer Dank gilt Reinhard Bütikofer, der sich die<br />
Zeit genommen hat, zum Chatten ins ARD-Hauptstadtstudio zu kommen.<br />
Ihnen allen wünschen wir noch einen schönen Tag. Der nächste<br />
tagesschau-Chat findet am 9. November ab 13.00 Uhr statt. Dann stellt<br />
sich der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD,<br />
Johannes Kahrs, Ihren Fragen. Wir würden uns freuen, wenn Sie<br />
dann wieder dabei sind.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich danke ihnen für die vielen Fragen<br />
und das lebhafte Interesse. Wünsche Ihnen noch für heute<br />
weiterhin viel Sonne und ansonsten viel Optimismus.
</p>
<p class="normal">
</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/reinhard-buetikofer-gruenen-vorsitzender-123/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir wollen Rot-Grün fortsetzen. Wir haben das Land freier und weltoffener gemacht.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-wollen-rot-gruen-fortsetzen-wir-haben-das-land-freier-und-weltoffener-gemacht-173/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-wollen-rot-gruen-fortsetzen-wir-haben-das-land-freier-und-weltoffener-gemacht-173/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbell]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Bütikofer]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/wir-wollen-rot-gruen-fortsetzen-wir-haben-das-land-freier-und-weltoffener-gemacht-173/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender 
von Bündnis '90/ Die Grünen, war am 5. September zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Die hohen Öl- und Benzinpreise, die Zukunft der Wind- und Solarenergie 
sowie die Finanzierung der ökologischen Politik standen neben 
Atomkraft, Iran und Ökosteuer im Zentrum der Diskussion.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender<br />
von Bündnis &#8217;90/ Die Grünen, war am 5. September zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Die hohen Öl- und Benzinpreise, die Zukunft der Wind- und Solarenergie<br />
sowie die Finanzierung der ökologischen Politik standen neben<br />
Atomkraft, Iran und Ökosteuer im Zentrum der Diskussion.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Reinhard Bütikofer,<br />
Bundesvorsitzender von Bündnis &#8217;90/ Die Grünen, war am<br />
5. September zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Die hohen Öl- und Benzinpreise, die<br />
Zukunft der Wind- und Solarenergie sowie die Finanzierung der ökologischen<br />
Politik standen neben Atomkraft, Iran und Ökosteuer im Zentrum<br />
der Diskussion.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderatorin:</b>  Liebe Duell-Liebhaber,<br />
liebe Politik-Interessierte, herzlich Willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Unsere Chat-Reihe ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Heute ist der Grünen-Vorsitzende<br />
Reinhard Bütikofer ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herzlich<br />
willkommen. Können wir beginnen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:  </b>Gern.
</p>
<p class="normal">
<b><br />
Moderatorin:</b>  Wenn man sich die Wahlkampfberichterstattung<br />
ansieht: Die CDU hat Kirchhof, die SPD schlägt sich mit der<br />
Linkspartei rum. Von den Grünen hört man fast gar nichts.<br />
Haben Sie noch einen Joker in der Hand?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b> Von uns hören<br />
sie eine ganze Menge. Und zwar zu drei Themen, die alle aktuell<br />
den Leuten auf den Nägeln brennen. Hohe Energiekosten, Klimakatastrophen.<br />
Von uns hören sie eine Strategie, wie man das alles auf einen<br />
Nenner bringen kann. Wie man mit einer ökologischen Politik<br />
gegen die Klimaveränderungen wirken, die Ölabhängigkeiten<br />
reduzieren und dabei mit Innovationen neue Jobs schaffen kann. In<br />
einem Satz: nur mit weg vom Öl geht es wirklich weiter.</p>
<p><b>Danny-Uni-S:</b>  Wieso fehlen offensive Bekenntnisse<br />
zu Rot-Grün? Ist das ein Zeichen, dass die Grünen einen<br />
neuen politischen Weg suchen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Wir haben bereits<br />
am ersten Tag nach der Neuwahlankündigung gesagt: Wir wollen<br />
Rot-Grün fortsetzen, wenn wir eine Mehrheit bekommen. Und wenn<br />
nicht, dann wollen wir als starke Oppositionspartei für den<br />
eingeschlagenen Weg weiterwirken. Die Unklarheiten liegen bei der<br />
SPD, die sich in wechselnde Koalitionsdebatten verwirrt.</p>
<p><b>Haller_tokyo: </b> Kann es sein, dass es eine<br />
Schwarz-Grüne Koalition geben wird?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Nein, das ist ausgeschlossen.<br />
Wir können doch als Grüne nicht mit denen koalieren, die<br />
die Laufzeit der Atomkraft-werke auf 60 Jahre verdoppeln wollen,<br />
die die erneuerbaren Energien in die Nische verdrängen wollen<br />
und die mit Kopfpauschale und Kirchhofs Kopfsteuer den Abschied<br />
vom Sozialstaatsprinzip betreiben.</p>
<p><b>Erlanger:</b>  Falls die Grünen sich nach<br />
dieser Wahl in der Opposition wieder finden, wird es dann eine ähnliche<br />
Blockade-Politik geben, wie die schwarz-gelbe der letzten Jahre?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Das steht zu befürchten,<br />
dass dann eine große Koalition sich gegenseitig blockiert<br />
oder Schwarz-Gelb die richtigen Reformenentwicklungen blockiert,<br />
die wir in den letzten sieben Jahren eingeschlagen haben. Deswegen<br />
kämpfen wir ja dagegen an.<br />
<b><br />
Gizmo771:</b>  Welche Personen aus der Grünen Partei<br />
werden in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen?<br />
Wo bleibt der grüne Nachwuchs?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Wie jung muss er<br />
denn sein, der Nachwuchs? Bei uns dominieren in der Partei die 45<br />
&#8211; 55-Jährigen, in jeder anderen Partei wäre das die Jugend.<br />
Aber wenn man an Leute wie Katrin Göring-Eckardt und viele<br />
andere in den Ländern denkt. In Landesver-bänden wie in<br />
Hessen gibt es in der Führung schon niemanden mehr über<br />
40. Und die letzte Umfrage von Allensbach hat gezeigt, dass bei<br />
uns der Zustrom unter den Jüngeren nach wie vor überproportional<br />
hoch ist. Ansonsten machen wir ja 14 Tage vor der Wahl keine Personaldebatten.<br />
Dafür haben wir am 19. September immer noch Zeit.
</p>
<p class="normal">
<b>Danny-Uni-S:</b>  Wie sieht die<br />
Zukunft von Fischer aus, wenn Sie in der Opposition landen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Das sollte man in<br />
erster Linie Joschka Fischer selber fragen. Wenn es nach mir geht,<br />
werden wir noch sehr lange mit Joschka Fischer gemeinsam die Republik<br />
umtreiben.</p>
<p><b>Haller_tokyo: </b> Wenn die grüne Partei<br />
Konkurrenz zur FDP sein will, wie unterscheidet sie sich in Bezug<br />
auf den Erhalt von Bürgerrechten in Zeiten der Terrorbekämpfung?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Die Frage finde<br />
ich merkwürdig. Seit wann ist die FDP Maßstab bei den<br />
Bürgerrechten. Das war mal vor 35 Jahren. Der große Lauschangriff,<br />
mit dem wir uns jetzt herumzuschlagen haben, ist von der FDP mit<br />
umgesetzt worden. Und wenn ich Guido Westerwelle zuhöre, dann<br />
besteht der Kern seiner Bürgerrechtspolitik darin, dass jeder<br />
Steuerhinterzieher auf jeden Fall durchs Bankgeheimnis geschützt<br />
bleiben muss. Das sehen wir auf jeden Fall anders.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Nachfragen zu Ihrer Antwort<br />
zu Fischers Zukunft<br />
Miarult:  Was sind die Grünen ohne Joschka wert?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Die Frage ist schlicht<br />
dämlich, weil es eine Beleidigung von 45.000 Mitgliedern und<br />
4 Millionen Wählern ist, die gemeinsam grüne Erfolge durchgesetzt<br />
haben. Oder bildet sich Miarult ein, die Erfolge bei den regenerativen<br />
Energien hätte Joschka Fischer im Alleingang organisiert?</p>
<p><b>webnaex: </b> Viele werden später erst die<br />
Erfolge von Rot-Grün sehen. Doch, meinen Sie, dass eine Große<br />
Koalition auf den Erfolgen aufbauen könnte?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Ich glaube, man<br />
kann heute schon wesentliche Erfolge von Rot-Grün sehen, zum<br />
einen im gesellschaftspolitischen Bereich. Da haben wir das Land<br />
freier und weltoffener gemacht. Zum Zweiten in der Außenpolitik:<br />
63% der Deutschen sagen, sie sind mit Joschka Fischers Außenpolitik<br />
zufrieden. Und nicht zuletzt in der Energiepolitik: Mit dem Atomausstieg<br />
und der Förderung der erneuerbaren Energien haben wir tatsächlich<br />
ein weltweites Vorbild gesetzt. Unsere progressive Energiepolitik<br />
wird in zahlreichen Ländern inzwischen kopiert &#8211; darauf bin<br />
ich besonders stolz. Ich fürchte, in allen drei Bereichen wären<br />
bei einer großen Koalition Rückschritte angesagt. Am<br />
Leichtesten würden sich SPD und CDU darauf einigen, dass Ökologie<br />
und Umwelt mal Sendepause haben. Die Garanten für die Priorität<br />
dieses Themas, das uns die Klimakatastrophen mit gebieterischer<br />
Kraft auf die Agenda schreiben, sind nun mal nur wir Grünen.</p>
<p><b>mad: </b> Haben Sie nicht Sorge, dass Ihre Partei<br />
in der gegenwärtigen Zuspitzung auf die beiden &quot;großen&quot;<br />
Parteien untergeht bzw. wenig Beachtung findet? Auch das TV-Duell<br />
ist so ein Beispiel.</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Tatsache ist, dass<br />
wir im August ein Drittel weniger Medienaufmerksamkeit hatten als<br />
im Durchschnitt der letzten drei Monate. Nicht, weil wir uns nicht<br />
angestrengt hätten, sondern weil es die von ihnen beschriebene<br />
Zuspitzung tatsächlich gibt. Ich sehe zwei Möglichkeiten,<br />
dem entgegen zu wirken: Die eine bedeutet, dass wir auf Joschka<br />
Fischer als Wahlkampflokomotive setzen. Er ist schließlich<br />
nach wie vor außerordentlich respektiert. Die zweite liegt<br />
in der Konzentration auf das Thema: Klimaschutz schafft Jobs, ökologische<br />
Innovation ist die Antwort auf unsere ökonomischen Probleme.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Werden wir mal konkret: Töpfer<br />
hat es angesprochen: Wir müssen unabhängig vom Erdöl<br />
werden. Das heißt doch auch, dass Atomkraftwerke doch länger<br />
laufen müssen? </p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Das wäre die<br />
dümmste Antwort. Tatsächlich kommt es z.B. darauf an,<br />
dass die deutsche Automobilindustrie Wagen herstellt, die wesentlich<br />
weniger Sprit verbrauchen. Dann soll man dem Sprit mehr Biosprit<br />
beimischen. Außerdem geht es darum, im Altbau durch Wärmeisolierung<br />
die Heizaufwendung zu reduzieren. Im Neubau durch wesentlich effizientere<br />
Energiestandards so immense Heizbedarfe gar nicht erst entstehen<br />
zu lassen; bis 2020 25% unserer chemischen Grundstoffe aus nachwachsenden<br />
Rohstoffen zu gewinnen; bis 2020 25% unseres Energiebedarfes aus<br />
erneuerbaren Energien zu gewinnen; in allen unseren Branchen die<br />
Energieeffizienz wesentlich größer zu schreiben. D.h.<br />
es geht um eine Vielzahl von Innovationen, die nicht nur unsere<br />
eigene Ölabhängigkeit verringern, sondern uns zugleich<br />
die Produkte und Dienstleistungen für den Weltmarkt für<br />
Morgen liefern werden &#8211; und das heißt Jobs. Die Atomenergie<br />
liefert keine Jobs und sie hat Risiken, die nicht gesunken sind,<br />
sondern gestiegen&#8230; Stichwort &quot;Terrorismus&quot;.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Warum haben wir denn noch keine<br />
5-Liter-Autos? Sie waren doch 7 Jahre an der Macht?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Wir waren 7 Jahre<br />
an der Regierung und nicht in den Vorständen von BMW oder VW<br />
oder Daimler. Und da wir keine Staatswirtschaft haben, können<br />
wir nicht per ordre de Mufti die Automobilvorstände zur Vernunft<br />
zwingen. Aber ich bin für jede Hilfe dankbar. Also z.B. dafür,<br />
dass sie ihre Selbstverpflichtung, die wir ihnen abgerungen haben,<br />
einhalten, bis 2008 den Flottenverbrauch für Benziner auf 5,5<br />
Liter und 5 Liter für Dieselautos zu begrenzen.</p>
<p><b>Hartmut: </b> Atomausstieg: deutsche Atomkraftwerke<br />
sind die sichersten der Welt. Wenn wir sie zu früh abschalten,<br />
könnten wir in die Verlegenheit kommen, Strom im Ausland einkaufen<br />
zu müssen. Wäre das nicht absolut gegen den Umweltschutz,<br />
unsichere, bspw. französische, Atomindustrie mit Einkäufen<br />
zu fördern?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Kein Atomkraftwerk<br />
in Deutschland ist gegen den Absturz einer Passagiermaschine sicher.<br />
Wovon reden wir?<br />
Pharaoh-han:  Wie denken sie, kann man die Autoindustrie dazu<br />
bringen sich verstärkt benzinsparender Motorentechnik zuzuwenden<br />
und diese auch auf den Markt zu bringen? Die Nachfrage besteht ja<br />
offenbar, das Angebot nur nicht.</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Mittelfristig wird<br />
der Wettbewerb auch unsere Automobilhersteller dazu zwingen, denn<br />
die Nachfrage wird sich durchsetzen. Die Frage ist nur, ob wir bei<br />
der Entwicklung ökologisch effizienterer Produkte vorne weg<br />
laufen, indem die politischen und technischen Vorteile, die Deutschland<br />
hat, dabei nutzen. Oder ob solche Entwicklungen verschlafen werden,<br />
wie beim Dieselrußfilter oder beim Hybridauto, wo jetzt die<br />
Jobs und die Wertschöpfung in anderen Ländern zu finden<br />
sind. Sicherlich spielen auch politische Rahmenbedingungen eine<br />
Rolle. Wir Grünen wollen z.B. die Umrüstung auf Gasbetrieb<br />
bei Pkw staatlich fördern. Wir haben Erdgas als Energie für<br />
den Verkehrsbereich schon steuerlich gefördert.
</p>
<p>
<b>Yan:</b>  Wie will Rot-Grün gewährleisten,<br />
dass sich der Verbraucher die Energiekosten für Heizung, Strom,<br />
Auto etc. noch leisten kann?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Wer behaupten würde,<br />
er könne das gewährleisten, würde lügen. Der<br />
Benzinpreis hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Die meisten<br />
Experten gehen davon aus, dass er hoch bleiben oder steigen wird.<br />
Die Alternative, die wir haben, ist nur die: Reagieren wir auf gestiegene<br />
Energiepreise mit klugen Anpassungsstrategien und das erfordert<br />
ökologische Innovationen oder tun wir so wie die Union, die<br />
meint man könne diese Herausforderung durch populistische Steuersenkungsversprechen<br />
meistern. Mal konkret gesagt. die ganze Ökosteuer kostet weniger,<br />
nämlich 15 Cent, als der Benzinpreis letzte Woche innerhalb<br />
von 7 Tagen gestiegen ist. Da sieht doch ein Blinder, wo man ansetzen<br />
muss.</p>
<p><b>Moderatorin:  </b>Apropos ökologische Neuerung:</p>
<p><b>fgdm: </b> Ein Problem der Nutzung der regenerativen<br />
Energiequellen ist auch der niedrige Wirkungsgrad. Den zu verbessern<br />
wäre doch sicherlich Aufgabe der Wissenschaft und Forschung.<br />
Wie stehen die Grünen zu Investitionen im Bildungsbereich,<br />
speziell in den Universitäten?<br />
<b><br />
Reinhard Bütikofer: </b> Die rot-grüne Bundesregierung<br />
hat die Forschungsaufwendungen in den letzten Jahren um 30 % gesteigert.<br />
Und wir haben uns verpflichtet, den Anteil von Ausgaben für<br />
Technologieentwicklungen wieder auf mehr als 3% vom Bruttoinlandsprodukt<br />
zu steigern. Dafür müssen wir enorme Gelder freikämpfen.<br />
Das wollen wir tun durch Subventionsabbau, etwa in dem wir die Eigenheimzulage<br />
streichen. Leider wurde das gestern wieder einmal von der Opposition<br />
im Bundesrat blockiert. Für die Universitäten und Hochschulen<br />
hat die Bundesregierung gerade zusätzliche Mittel frei gemacht.<br />
Aber die Hauptverantwortung liegt da im Bildungsbereich bei den<br />
Ländern. Wofür wir Grünen kämpfen ist, dass<br />
nicht neue soziale Hürden aufgebaut werden, die den Zugang<br />
zu Bildung und Forschung erschweren. Deswegen lehnen wir Studiengebühren<br />
im Erststudium ab.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Bitte konkreter: Wie viel wurde<br />
denn speziell in die Forschung zu erneuerbaren Energien investiert?<br />
<b><br />
Reinhard Bütikofer: </b> Da bin ich überfragt,<br />
ich weiß die Steigerungsrate. Die war 30% aber die Absolutbeträge<br />
weiß ich nicht.<br />
Ventus2:  Wird das Konzept der &quot;Ökosteuer &quot;<br />
&#8211; eine Materialbesteu-erung &#8211; zur Entlastung der Lohnnebenkosten<br />
und gleichzeitiger Reduzierung des Verbrauchs von Rohstoffen/ Energien<br />
auf andere Bereiche ausgeweitet?</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Wäre das eine Idee?<br />
Reinhard Bütikofer:  Gegenwärtig haben wir keine<br />
solche Vorstellung. Was meinen sie denn konkret?</p>
<p><b>Giga_Gans: </b> Warum weigern Sie sich, auf das<br />
Dilemma &quot;Atomstrom und Umweltschutz&quot; in Bezug auf die<br />
Förderung ausländischer Kernkraft einzugehen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Das verzerrt doch<br />
die realen Zusammenhänge. Von Förderung ausländischer<br />
Kernkraft kann ja nicht ernsthaft die Rede sein. Wie sollen wir<br />
es denn machen? Hätten wir denn warten sollen bis die Franzosen<br />
vorausmarschieren. Wir tragen in erster Linie für Deutschland<br />
Verantwortung. Wir haben den Anfang gemacht. Auch wenn wir wissen,<br />
dass andere noch zögern. Aber in dieser Vorreiterrolle liegt<br />
eine Chance: Wenn alle, die jetzt über einen Neueinstieg in<br />
die Atomkraft nachdenken, erkennen, wir brauchen die Atomkraft nicht,<br />
um unsere Energiekosten zu decken. Und wenn wir bei den nachwachsenden<br />
Rohstoffen und erneuerbaren Energien ehrgeizig sind, dann werden<br />
wir das jetzt beginnende Umdenken nutzen können für einen<br />
technologischen Durchbruch, der Umwelt, Klima und Jobs gut tut.</p>
<p><b>TranceM:  </b>Wo sollen denn die 25% erneuerbarer<br />
Energien herkommen? Noch mehr Windräder oder Solarfelder?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Bei der Windkraft<br />
liegt die Zukunftsperspektive hauptsächlich im Offshore-Bereich<br />
und beim so genannten Repowering. Letzteres heißt, dass man<br />
im Schnitt drei alte Windräder durch ein effizienteres, neues<br />
ersetzt. Windkraft-Spitzenreiter ist zur Zeit Schleswig-Holstein,<br />
die haben einen Anteil von 28%. Mit Repowering und Offshore-Windräder<br />
könnten die auf 50% kommen. Auch Solar hat Ausbauperspektiven.<br />
Der Wirkungsgrad der Solarzellen erhöht sich mit enormer Geschwindigkeit.<br />
In wenigen Jahren sind Wirkungsgrade von 25 und mehr Prozent zu<br />
haben. Dann bleibt weiterhin die Wasserkraft. Aber das größte<br />
Potential können wir aus der Biomasse gewinnen. Da sind mehrere<br />
100.000 Arbeitsplätze möglich und eine enorme Wertschöpfung<br />
in unseren ländlichen Räumen.</p>
<p><b>DerOli:</b>  Wie stehen Sie zur Frage der Iran-Politik,<br />
dürfen die Iraner nach Ihrer Meinung (zivil) die Kernkraft<br />
nutzen? Was wäre ein Mittel zu verhindern, dass dies nicht<br />
bloß zivil geschieht?Reinhard Bütikofer:  Nach dem<br />
Atomwaffensperrvertrag, den der Iran unterzeichnet hat, steht ihnen<br />
die zivile Nutzung zu. Ich stelle das nicht in Frage. Ich habe aber<br />
Zweifel, dass das Atomprogramm, das der Iran verfolgt, ausschließlich<br />
zivile Ziele hat, denn ökonomisch macht es keinen Sinn. Die<br />
Frage nach Einflussmöglichkeiten ist sehr schwer zu beantworten.<br />
Nur in einem bin ich mir ziemlich sicher: die militärische<br />
Option, von der einige phantasiert haben, gibt es de facto nicht.<br />
Mir haben US-Experten im Februar gesagt, dass ein militärisches<br />
Vorgehen der USA ein iranisches Atomwaffenprogramm &#8211; wenn es das<br />
gibt &#8211; ein paar Jahre aufschieben könnte, aber nicht unmöglich<br />
machen. Also bleibt uns nur der schwierige und bis jetzt leider<br />
nicht erfolgreiche Weg, den Iran unter Einsatz der Mittel, die wir<br />
zu Verfügung haben, für eine Kooperation zu gewinnen.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Ventus hatte gefragt, ob sie<br />
die Ökosteuer ausweiten wollen. Sie hatten sie um Konkretisierung<br />
gebeten. Hier ihre Nachfrage:</p>
<p><b>Ventus2: </b> Konkret meine ich, z.B. auch Kohle,<br />
Gas und Uran zu besteuern. Dann werden die Energiekonzerne auch<br />
eher auf regenerative Energien umstellen, da diese nicht versteuert<br />
werden. Schließlich sollte nicht der Strom, sondern die Energiequelle<br />
und nicht das Endprodukt besteuert werden. Kann man auch gut auf<br />
Dinge wie Stahl (oder Eisenerz), Holz usw. ausdehnen, da dann auch<br />
Unternehmen anders kalkulieren und weniger Rohstoffe verschwenden.<br />
<b><br />
Reinhard Bütikofer:</b>  Es ist Teil des Atomkonsenses,<br />
der eben ein Kompromiss war, dass wir auf die Einbeziehung von Uran<br />
verzichtet haben. Solange sich die Wirtschaft an die geschlossenen<br />
Verträge hält, werden wir es auch tun. Grundsätzlich<br />
gebe ich Ihnen mit diesem Teil aber Recht. Es wäre sinnvoll,<br />
Kohle und Stahl mit einzubeziehen. Bei der Kohle dürfen sie<br />
dreimal raten, an wem das gescheitert ist. Die Ökosteuer auf<br />
eine ganze breite Palette von Rohstoffen zu erheben macht meines<br />
Erachtens weniger Sinn. Je mehr man das verbreitern würde,<br />
desto geringer wäre der Lenkungseffekt und desto mehr würde<br />
es einer zweiten Mehrwertsteuer gleich kommen.</p>
<p><b>Taifun-1: </b> Was ist wichtiger? Die Umwelt oder<br />
Jobs?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Das Schöne<br />
ist, dass das nicht mehr die Alternative ist. Guido Westerwelle<br />
verkündet zwar immer noch, wir könnten uns Umwelt nur<br />
leisten, wenn die Wirtschaft wächst. Ich setze aber dagegen,<br />
dass es nur ein vernünftiges Wachstum geben wird, wenn wir<br />
die Umwelt (und die sozialen Anliegen auch) einbeziehen. Fragen<br />
Sie mal bei der Münchner Rückversicherung nach. Die rechnen<br />
Ihnen sehr genau vor, was es in den nächsten 40 Jahren allein<br />
an Umweltschäden kosten wird, wenn wir Wirtschaftswachstum<br />
ohne Rücksicht auf die Umwelt betreiben wollten. Mit der Verdopplung<br />
der Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren<br />
haben wir ja gezeigt, wie es geht. Auch für die Automobilindustrie<br />
wird Öko-Innovation der Weg zum internationalen Wirtschaftserfolg<br />
sein.</p>
<p><b>Moderatorin:</b>  Zum Abschluss noch einmal zum<br />
Wahlkampf:</p>
<p><b>gelbgruen: </b> Wieso haben Sie &#8211; Ihrem Parteiprogramm<br />
zum Trotz – so wenig Bürokratie abgebaut? Und stattdessen<br />
mit der SPD viele bürokratische Monstren erschaffen wie die<br />
Praxisgebühr?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:  </b>Die Praxisgebühr<br />
war nicht unsere Erfindung. Das hat uns Schwarz-Gelb im Vermittlungsausschuss<br />
aufs Auge gedrückt, als Bedingung dafür, dass wir überhaupt<br />
einen Ansatz zur Gesundheitsreform hinbekommen. Und in anderen Bereichen,<br />
wo wir erfolgreich Bürokratie abgebaut haben, will Gelb-Schwarz<br />
sie wieder einführen, z.B. im Handwerk. Wir haben den Meisterzwang<br />
für 54 von 93 Gewerken beseitigt. Das hat zu einer enormen<br />
Zahl von Existenzgründungen geführt. Aber ich bin auch<br />
gern bereit offen darüber zu reden, wie wir mehr Verbraucherschutz<br />
und mehr Umweltschutz mit weniger Bürokratie hinkriegen können.<br />
Das heißt dann u.a. Haftungsrecht wie in den USA. Von mir<br />
aus gerne.</p>
<p><b>kremplin: </b> Wird nicht die Linkspartei in Zukunft<br />
der wahre Konkurrent der Grünen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Nein. Die Linkspartei<br />
hat bis jetzt keine neue politische oder soziale Idee zustande gebracht.<br />
Sie konkurriert mit dem strukturkonservativen Flügel der SPD,<br />
aus dem sie zum erheblichen Teil stammt. Wir setzen auf solidarische<br />
und ökologische Modernisierung.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b>  Das war unsere Chat-Stunde,<br />
vielen Dank für Ihr Interesse. Herzlichen Dank Herr Bütikofer,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Der nächste Chat findet<br />
am Donnerstag statt. Den Fragen stellt sich dann CDU/CSU-Fraktionsvize<br />
Wolfgang Schäuble. Der Chat beginnt um dreizehn Uhr und dauert<br />
wie immer eine Stunde. Liebe Chatter und Chatterinnen, herzlichen<br />
Dank für Ihre vielen Fragen. Wir haben uns wie immer bemüht,<br />
alle von Ihnen angesprochenen Themenfelder im Lauf der Chats anzusprechen.<br />
Aber auch heute blieben viele Fragen offen. Wir würden uns<br />
freuen, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sind!<br />
Am Donnerstag: Wolfgang Schäuble, dreizehn bis vierzehn Uhr,<br />
hier bei tagesschau.de in Kooperation mit politik-digital.de und<br />
tagesspiegel.de.</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:  </b>Ich höre, wir<br />
hätten noch für drei Stunden Fragen gehabt. Schade, dass<br />
nicht mehr Zeit zur Verfügung war. Ich bedanke mich und sage<br />
zum Schluss als Wahlkämpfer: Gehen Sie auf jeden Fall zur Wahl.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-wollen-rot-gruen-fortsetzen-wir-haben-das-land-freier-und-weltoffener-gemacht-173/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zur US-Wahl und Europa</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/zur-us-wahl-und-europa-185/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/zur-us-wahl-und-europa-185/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[sfuhrmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Aug 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Bütikofer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/zur-us-wahl-und-europa-185/</guid>

					<description><![CDATA[<b>Reinhard Bütikofer<!-- #EndEditable --> 
im europathemen.de-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->03.08.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Reinhard Bütikofer<!-- #EndEditable --><br />
im europathemen.de-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->03.08.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe EU-Freunde und Kritiker: Herzlich willkommen<br />
zum letzten Europathemen-Chat! Europathemen ist das Internetangebot<br />
der Bundeszentrale für politische Bildung zur Europawahl. Der Chat<br />
wird von politik-digital.de in Berlin durchgeführt. Wir begrüßen<br />
unseren heutigen Gast Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender von<br />
Bündnis 90 / Die Grünen. Wir haben 60 Minuten Zeit. Herr Bütikofer<br />
sitzt im Berliner Büro von politik-digital.de. Kann es losgehen,<br />
Herr Bütikofer?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/buetikofer.gif" align="left" height="106" width="80" />Reinhard<br />
Bütikofer:</b> Ja, es kann losgehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Direkt zwei Fragen &#8211; ein Thema:
</p>
<p>
<b>KarlK:</b> Sie waren in Boston beim Parteitag der US-Demokraten<br />
und haben die Wahl Kerrys zum Präsidentschaftskandidaten live erlebt.<br />
Welche Eindrücke haben sie gesammelt?
</p>
<p>
<b>trier:</b> Ich habe gehört, Sie waren auf dem Parteitag der<br />
Demokraten in den USA. Was haben Sie für Erfahrungen sammeln können?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Demokraten haben nach diesem Parteitag<br />
ihre Chancen verbessert die Wahlen im November zu gewinnen. Wenn Kerry<br />
Präsident würde, würde er zwar keine Kehrtwende in der<br />
amerikanischen Außenpolitik einschlagen, aber er würde auf<br />
mehr internationale Zusammenarbeit setzen, weniger auf Alleingänge<br />
der USA. Für mich war es der zweite demokratische Parteitag. Ich<br />
hatte auch den Eindruck, daß Umwelt- und Energiepolitik diesmal<br />
eine größere Rolle spielten als vor vier Jahren.
</p>
<p>
<b>Livestream:</b> Kürzlich waren Sie auf der Parteitag der amerikanischen<br />
Demokraten in Boston. Was lässt sich davon für den Wahlkampf<br />
zu Hause übernehmen? Haben wir hier zukünftig auch Luftballons,<br />
Flaggen und Konfetti zu erwarten?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Das was die Amerikaner so an Inszenierung<br />
bieten, wünsche ich mir nicht unbedingt für einen grünen<br />
Parteitag. Ich glaube, daß unsere Qualitäten mehr darin liegen,<br />
dass in den Parteitagen mehr offene Auseinandersetzungen stattfinden.
</p>
<p>
<b>dada:</b> Denken Sie, daß sich die Außenpolitik der<br />
USA bei einer Wahl Kerrys ändern würde und wo sehen Sie positive<br />
Ansätze?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Von Kerry kann man erwarten, daß<br />
er bei der internationalen Klimapolitik wieder aktiv wird. Vielleicht<br />
auch, dass er sich nicht total gegen den Internationalen Strafgerichtshof<br />
stellt wie Bush. In der Irakpolitik sehe ich keine unmittelbare Veränderung<br />
voraus. Kerry kritisiert zwar von heute aus, dass die Amerikaner durch<br />
die Administration Bush hinters Licht geführt worden seien, aber<br />
er hat sich gehütet einen sofortigen Rückzug zu diskutieren.
</p>
<p>
<b>Mors:</b> Ist es denn taktisch klug, so klar Stellung zu beziehen<br />
im amerikanischen Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Wir können uns sicherlich nicht<br />
aussuchen, wer amerikanischer Präsident ist und müssen im<br />
Zweifel mit jeder Administration die Zusammenarbeit suchen. Aber es<br />
macht aus europäischer Sicht einen Unterschied mit welcher Energie<br />
solche Zusammenarbeit von Washington aus betrieben wird. Da habe ich,<br />
ganz ohne den amerikanischen Wählern etwas vorsagen zu wollen,<br />
eine klare Priorität.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch 2 Fragen zu den USA, dann nach Europa:
</p>
<p>
<b>Claudi:</b> In Amerika gibt es nur zwei Parteien. Was halten Sie<br />
von dem System? Funktioniert es besser als unseres?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Es gibt in Amerika mehr Parteien, z.B.<br />
gibt es auch dort die Grünen.<br />
Die haben allerdings nach dem US-Wahlsystem auf nationaler Ebene noch<br />
keine Chance, auf der Ebene einzelner Staaten oder großer Städte<br />
schon. In San Francisco scheiterte vor wenigen Monaten ein grüner<br />
Kandidat nur knapp im Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters.<br />
Insgesamt finde ich unser System des Verhältniswahlrechts besser.
</p>
<p>
<b>Yucher:</b> Was würde sich im Verhältnis der USA zu Europa<br />
ändern, wenn Kerry Präsident würde?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Bush folgte polemisch gesagt dem Motto:<br />
Zusammenarbeit mit den Europäern, wo unbedingt nötig, alleine<br />
vorgehen, wo möglich. Kerry würde das umdrehen und zunächst<br />
einmal die multilaterale Zusammenarbeit suchen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Themenwechsel: Europa-Wahl und die Folgen.
</p>
<p>
<b>Tannenzapf:</b> Das EU-Wahlergebnis in Deutschland war für<br />
die Grünen gut, aber europaweit nicht: der grüne Anteil im<br />
neuen Parlament schrumpft damit von 7,2 auf 5,7 Prozent. (4. stärkste<br />
Fraktion) Ein Machtverlust, oder?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Im letzten Parlament waren wir nur<br />
die fünftstärkste Fraktion, da haben wir also einen Platz<br />
aufgeholt. Wir haben diesmal deswegen einen geringeren Prozentsatz erreicht,weil<br />
es in den zehn Beitrittsländern nirgends, ausser in Malta, eine<br />
starke grüne Partei gab.Machtverlust oder Machtgewinn hängt<br />
aber nicht nur von den Zahlen ab. Ich habe den Eindruck, wir haben eine<br />
personell sehr starke Fraktion in Brüssel.
</p>
<p>
<b>aus Bremen:</b> Bei den Eurogreens wird künftig noch öfter<br />
deutsch gesprochen: Mit 13 von 42 Abgeordneten stellen die Wahlsieger<br />
aus der Bundesrepublik nun die mit Abstand größte Gruppe,<br />
werden sie also die Fraktionsspitze und die Führung in der frisch<br />
gegründeten europäischen Grünen Partei stellen und dominieren?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Einer der in Deutschland gewählten<br />
Abgeordneten, Daniel Cohn-Bendit,<br />
ist für zwei Jahre Ko-Vorsitzender der Fraktion, aber insgesamt<br />
sind die Führungspositionen ausgewogen verteilt. Den Ausschußvorsitz<br />
der den Grünen im EP zustand, für Menschenrechte, hat zum<br />
Beispiel eine französische Abgeordnete.
</p>
<p>
<b>Pyro:</b> Wer kennt schon die EU-Abgeordnete der Grünen in<br />
Deutschland? Außer Cohn-Bendit alle unbekannt. Gilt weiter das<br />
Motto: „Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa!“?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Von unseren deutschen Abgeordneten<br />
waren auch vor der Wahl viele schon gut bekannt. Ich nenne mal Cem Özdemir,<br />
Michael Cramer aus Berlin, Rebecca Harms aus Niedersachsen, Angelika<br />
Beer, Heide Rühle, alles fachkundige, erprobte Abgeordnete.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Aber die Wahlbeteiligung war wieder niedrig, was<br />
muss da getan werden?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Leider haben viele Parteien gar keinen<br />
Europawahlkampf geführt, sondern die Europawahl zum Anlass genommen,<br />
für nationale Parteienpolemik. Und wenn sie über Europa gesprochen<br />
haben, dann haben sie oft so getan als sei Europa weniger Chance als<br />
Bedrohung. Die Union zum Beispiel hat vor allem gegen einen möglichen<br />
Beginn von Aufnahmeverhandlungen mit der Türkei polemisiert und<br />
Europa ansonsten rechts liegen lassen. Auch die Medien haben sich nicht<br />
eben viel Mühe gegeben die Europawahl ins Zentrum der Berichterstattung<br />
zu rücken. Insofern kann man die Verantwortung nicht nur bei den<br />
Wählerinnen und Wählern abladen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frage von Regina: Würden Sie das nicht 2009<br />
ähnlich machen, wenn sie in der Opposition wären?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Wir haben dies auch schon vor zehn<br />
Jahren anders gemacht, als wir noch in der Opposition waren. Wir machen<br />
es anders, weil wir überzeugt davon sind, dass die Herausbildung<br />
einer eigenständigen europäischen Dimension unserer Demokratie<br />
ein historischer Schritt wäre.
</p>
<p>
<b>Skeptikerin:</b> Im Europaparlament herrscht doch eine große<br />
Koalition. Wie können die Grünen da Einfluss nehmen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Es stimmt, dass die zwei größten<br />
Fraktionen, Europäische Volkspartei und Sozialisten eine große<br />
Koalition gebildet haben, um den Parlamentspräsidenten unter sich<br />
auszumachen. In den Sachdebatten allerdings wird ihnen das nicht so<br />
einfach gelingen, wie an dieser Stelle, wo es um Posten ging. Und auch<br />
bei der Präsidentenwahl zeigten sich schon Risse in der großen<br />
Koalition. Der Pole Geremek, den wir und die Liberalen unterstützt<br />
haben, bekam mehr Stimmen als diese beiden Fraktionen haben.
</p>
<p>
<b>Jurgen the German:</b> Wie kann man die Politik Brüssels (und<br />
Straßburgs) transparenter vermitteln?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ein Schritt wäre, dass die nationalen<br />
Parlamente frühzeitiger mit dem Europäischen Parlament zusammenarbeiten.<br />
Bisher werden europäische Entscheidungen auf nationaler Ebene oft<br />
erst dann diskutiert, wenn in Brüssel schon Entscheidungen gefallen<br />
sind.
</p>
<p>
<b>Trepöt:</b> Wenn die EU-Parlamentarier im September ihre Arbeit<br />
aufnehmen, wird das Parlament weiterhin zwischen drei Städten pendeln<br />
&#8211; Brüssel, Luxemburg und Straßburg. Ist das nicht viel zu<br />
teuer?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Es ist teuer, zugegeben. Aber es ist<br />
einer der notwendigen Kompromisse, die Europa ermöglicht haben,<br />
dass das Parlament zwei Arbeitsorte hat. In Luxemburg tagt es nicht.<br />
Dort sind andere Institutionen angesiedelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Viele Fragen zum Thema:
</p>
<p>
<b>robert:</b> Hallo, ziehen sie es in Betracht doch für ein nationales<br />
Referendum zur EU-Verfassung zu sein, da eine Grundgesetzänderung<br />
bezüglich einer Volksabstimmung jetzt mit Hilfe der Union machbar<br />
wäre?
</p>
<p>
<b>Patrizia:</b> Wären Sie für eine Volksabstimmung zur Europäischen<br />
Verfassung?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Am liebsten wäre mir eine europaweite<br />
Volksabstimmung zur Frage der Verfassung, zeitgleich in allen Ländern.<br />
Da könnten dann die Europäer gemeinsam über ihre neue<br />
Verfassung entscheiden. Vielleicht ist es ja noch möglich den Ministerrat<br />
davon zu überzeugen, einer solchen Idee zu folgen. Wenn es dazu<br />
nicht kommt, können wir den Weg in Deutschland für eine Volksabstimmung<br />
dadurch frei machen, dass ein entsprechendes Gesetz in Bundestag und<br />
Bundesrat jeweils mit 2/3 Mehrheit beschlossen wird.
</p>
<p>
<b>Jannes:</b> Kanzler Schröder ist gegen eine Volksabstimmung<br />
zur EU-Verfassung. Protestieren sie dagegen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Joschka Fischer ist auch dagegen und<br />
Jürgen Trittin auch und Frau Merkel und Herr Schäuble und<br />
viele andere. Ich bin nicht deren Meinung, meine Partei auch nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Ministerrat wird entscheiden, sehen sie da noch<br />
Chancen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Tatsache, dass neun oder zehn Länder<br />
sich schon für einen Volksentscheid entschieden haben, bedeutet<br />
auch für die anderen einen gewissen Druck. Wenn es in Deutschland<br />
parteiübergreifend dazu käme, dass Volksentscheide auf Bundesebene<br />
möglich werden, würde das noch mal verstärkend wirken.<br />
Aber bisher hat die CSU schon oft von Volksentscheid geredet und dann<br />
gegenüber der CDU gekniffen und bei der FDP war es auch nur ein<br />
Teil, der in der letzten Legislaturperiode einem entsprechenden rot-grünen<br />
Gesetz zustimmen wollte. Westerwelle war dagegen.
</p>
<p>
<b>dada:</b> Sehen Sie eine Mehrheit für eine Grundgesetzänderung,<br />
damit eine Abstimmung über die EU-Verfassung stattfinden kann?<br />
Oder ist es doch eher das Sommerloch, das hier debattiert?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich sehe die Mehrheit noch nicht. Im<br />
Bundestag gäbe es die 2/3 Mehrheit, wenn neben SPD und Grünen<br />
auch FDP und CSU mitmachen würden. Im Herbst werden wir ja sehen.<br />
Im Bundesrat geht es nicht ohne Mittun der CDU. Aber wir werden das<br />
Thema nach dem Sommer im Bundestag zur Abstimmung stellen.
</p>
<p>
<b>Jurgen the German:</b> Sollten / müssten die Bürger die<br />
Verfassung lesen, bevor sie darüber abstimmen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> In der Demokratie darf man sogar abstimmen,<br />
wenn man sich keine Gedanken gemacht hat oder sich nicht informiert<br />
hat. Aber besser wäre es schon.
</p>
<p>
<b>stud_du:</b> Ist die europäische Verfassung nicht zum Scheitern<br />
verurteilt, wenn da alle Länder zustimmen müssen, müsste<br />
ja nur eine Abstimmung schiefgehen. Das scheint problematisch, gerade<br />
wenn man auf die bisherigen Erfahrungen zurückblickt&#8230;
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Es ist gut möglich, dass es in<br />
der ersten Ratifizierungsrunde nicht 25 mal „Ja“ heißt.<br />
Das war beim Nizza-Vertrag auch so. Das war beim Maastricht-Vertrag<br />
so. Europa ist oft genug erst durch Krisen weitergekommen. Aber ich<br />
bin optimistisch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Themenwechsel zu anderen Politikfeldern:
</p>
<p>
<b>trier:</b> Was sagen Sie zu Schilys Vorstoß, Auffanglager<br />
in Afrika zu errichten? Eigentlich ein Vorschlag mit humanem Ansatz,<br />
oder?
</p>
<p>
<b>Vogelfrei:</b> Schilys Vorschläge zu Flüchtlingslagern<br />
in Nordafrika verstoßen möglicherweise gegen die Genfer Flüchtlingskonvention.<br />
Was halten Sie davon?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Schilys Vorschlag ist nicht gut. Das<br />
haben ja mehrere Vertreter der Grünen, einschließlich Joschka<br />
Fischer, schon deutlich gemacht. Mich wundert allerdings, dass hier<br />
zum Teil so getan wird, als ginge es um ein Thema der nationalen Politik.<br />
Schily müsste ja für seine Vorstellung nicht nur uns Grüne<br />
überzeugen, sondern seine europäischen Kollegen. Die sind<br />
bisher auch anderer Meinung als er. Leider also etwas viel Sommerlochtheater.
</p>
<p>
<b>Mörkeldorf:</b> Wie schätzen Sie die Gefahren des Terrorismus<br />
in Europa und speziell Deutschland ein?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Niemand kann sich einhundertprozentig<br />
gegen die Gefahren des internationalen Terrorismus gefeit fühlen.<br />
Das haben die Anschläge in Madrid im März deutlich gezeigt.
</p>
<p>
<b>Jever:</b> Sicherheit und Terrorismus: Arbeiten die nationalen Sicherheitsbehörden<br />
nicht zu wenig grenzüberschreitend zusammen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Auf der Ebene der praktischen Zusammenarbeit<br />
im Rahmen bestehender rechtlicher Regelungen liegt manches im Argen.
</p>
<p>
<b>JanineW.:</b> Im tacheles.02-Chat vom März 2003 sagten Sie<br />
auf eine der Fragen nach dem Irakkrieg &quot;Mir käme es darauf<br />
an, dass aus diesem Konflikt die EU gestärkt und einiger hervorginge.&quot;<br />
Ist dies aus ihrer heutigen Sicht geschehen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Antwort ist &quot;ja&quot;. Die<br />
EU hat sich unter dem Druck der Auseinandersetzung um den Irakkrieg<br />
zu einer gemeinsamen Sicherheitsstrategie durchgerungen, die sich von<br />
derjenigen der USA deutlich unterscheidet, die auf Prävention setzt,<br />
statt auf militärische Präemption.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zur Sicherheit:
</p>
<p>
<b>SchwAlb:</b> Aber Al Quaida hat Europa erst letzte Woche den Krieg<br />
erklärt. Hat sich die Situation jetzt nicht nochmal geändert?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich bitte um Entschuldigung, aber mich<br />
stört ein bisschen die Wortwahl. Diese Terroristen können<br />
nicht &quot;Krieg erklären&quot; oder Frieden anbieten. Wie hoch<br />
die Bedrohung konkret ist, diese Einschätzung überlasse ich<br />
den Sicherheitsbehörden.
</p>
<p>
<b>trandont:</b> In der vorletzten Ausgabe der Zeit war zu lesen, dass<br />
viele Länder die Errichtung von neuen Atomkraftwerken planen und<br />
es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich die Verhältnisse<br />
in Deutschland vom Ausstieg in einen Wiedereinstieg in die Energieversorgung<br />
mittels dieser Kraftwerke ändern. Wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich sehe das anders. Nichts ist einfach<br />
eine Frage der Zeit. Entscheidend ist, wofür wir uns einsetzen.<br />
Mit uns Grünen wird es den Ausstieg aus dem Ausstieg sicherlich<br />
nicht geben. Dafür müssten die Wählerinnen und Wähler<br />
schon Schwarz-Gelb an die Regierung bringen. Die haben das versprochen.<br />
Vielleicht keine der schlechtesten Gründe für die Fortsetzung<br />
von Rot-Grün.
</p>
<p>
<b>Iris:</b> Die 147 Mitgliedsstaaten der WTO einigen sich nach zähen<br />
Verhandlungen auf ein Rahmenabkommen. Zu den Kernpunkten zählen<br />
der Subventionsabbau in der westlichen Agrarwirtschaft und die Öffnung<br />
der Märkte in den Entwicklungsländern. Wie bewerten sie den<br />
Kompromiss? Hat Europa nicht zu wenig angeboten?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich bewerte den Kompromiss positiv.<br />
Er ist positiv, er ist auch dadurch möglich geworden, dass Brasilien<br />
gegen europäische Zuckersubventionen auf dem Klageweg vorgegangen<br />
ist. Aber bisher handelt es sich um weit weniger als ein Abkommen. Da<br />
bleibt viel zu tun.
</p>
<p>
<b>katharina:</b> Die Menschen in den Beitrittsstaaten haben die Euphorie<br />
verloren – Ernüchterung macht sich breit, lese ich. Ist das<br />
auch ihr Eindruck?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich glaube, diese Bewertung ist zu<br />
pauschal. Viele Menschen in den Beitrittsstaaten hatten unrealistisch<br />
hohe Hoffnungen. Aber auch wenn sich in manchen Ländern nationalpopulistische<br />
Bewegungen zeigen, die Mehrheit der Menschen hat sich nirgends für<br />
eine Alternative zum Europa der Integration gewinnen lassen. Bloß<br />
dürfen wir uns nicht auf den Lorbeeren von gestern ausruhen. Die<br />
europäische Einigung ist ein offener Prozess und dieser Prozess<br />
wird nur stabil zu halten sein wenn wir ihn demokratischer absichern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>Grünfink:</b> Was muss man gegen die geschrumpfte Wahlbeteiligung<br />
tun? Sie sinkt seit der ersten Parlamentswahl kontinuierlich ab, lag<br />
2004 EU-weit nur bei 45,5 Prozent (1999: 49,8 %).
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Was kann man als Einzelner tun? Zum<br />
Beispiel sich dafür einsetzen, dass europäische Debatten in<br />
unserer Öffentlichkeit, also in Zeitungen, in Fernsehen und Radio<br />
eine größere Rolle spielen. Wie sollen die Menschen gewonnen<br />
werden für ein Parlament abzustimmen, von dem sie wenig mitbekommen,<br />
obwohl es immer wichtiger wird, durch die Verfassung nochmal wichtiger<br />
wird und wesentlich mehr Fragen entscheidend beeinflusst, als den meisten<br />
von uns gegenwärtig ist. Warum muss es dabei bleiben, dass in den<br />
meisten Zeitungen darüber bestenfalls einmal im Monat etwas zu<br />
lesen ist?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Europa-Freunde, leider ist die Zeit schon vorbei<br />
&#8211; vielen Dank an Sie, Herr Bütikofer, dass Sie sich die Zeit für<br />
den Chat genommen haben und an alle Chatter für die vielen Fragen.<br />
Ich wünsche allen noch einen schönen Sommertag.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Danke mir hat es auch Spaß gemacht!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Europathemen ist das Internetangebot der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung. Es wird in Zusammenarbeit mit ARTE Multimedia<br />
und www.netzeitung.de am Zentrum für Medien und Interaktivität<br />
der Universität Gießen erstellt. Der Chat wurde von politik-digital.de<br />
in Berlin durchgeführt. Weitere Informationen zum Thema Europa<br />
und die Chat-Transkripte aller Europa-Chats finden Sie hier: www.europathemen.de.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/zur-us-wahl-und-europa-185/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Unsere Politik heißt: Wenn die Türkei Kriegspartner wird, ziehen wir die AWACS ab.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/unsere-politik-heisst-wenn-die-tuerkei-kriegspartner-wird-ziehen-wir-die-awacs-ab-314/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/unsere-politik-heisst-wenn-die-tuerkei-kriegspartner-wird-ziehen-wir-die-awacs-ab-314/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[AWACS]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Bütikofer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/unsere-politik-heisst-wenn-die-tuerkei-kriegspartner-wird-ziehen-wir-die-awacs-ab-314/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/buetikofer.gif" alt="Reinhard Bütikofer" align="left" height="106" width="80" />Reinhard 
Bütikofer, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen, 
war am 25. März 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/buetikofer.gif" alt="Reinhard Bütikofer" align="left" height="106" width="80" />Reinhard<br />
Bütikofer, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen,<br />
war am 25. März 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Der Grünen-Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer ist heute zum<br />
Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine Stunde haben wir Zeit, kann<br />
es losgehen, Herr Bütikofer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ja, mal los!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herr Bütikofer, die Debatte um den Einsatz deutscher Soldaten in<br />
AWACS-Aufklärungsflugzeugen über der Türkei wird inzwischen<br />
vor dem Verfassungsgericht geführt. Gleich was dabei herauskommt,<br />
heißt nicht die Devise von Rot-Grün derzeit: Lieber nicht so<br />
genau auf das Völkerrecht schauen, um den Schaden im Verhältnis<br />
zu den USA und Großbritannien nicht noch größer zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
So kann man das nicht sagen. Aber es stimmt schon, dass wir da einen Spagat<br />
auszuhalten haben. Einerseits führen zwei unserer Verbündeten<br />
einen Krieg, den wir völlig ablehnen und in den wir uns nicht völlig<br />
reinziehen lassen wollen, andererseits wollen wir über diesen aktuellen<br />
Konflikt nicht das Bündnis insgesamt zersplittern sehen. Deswegen<br />
unser Kurs, zu dem es nur zwei jeweils absurde Alternativen gäbe,<br />
die schlimmer wären.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Max:</b><br />
Aber mit dem AWACS-Einsatz unterstützen Sie ganz klar einen völkerrechtswidrigen<br />
Angriffskrieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wir unterstützen diesen Krieg nicht. Die AWACS, die mit deutscher<br />
Beteiligung den türkischen Luftraum sichern, sind an der Kriegsführung<br />
nicht beteiligt. Sie unterstehen dem Saceur in Belgien und nicht dem amerikanischen<br />
Kommando Centcom am Golf. Sie werden &#8211; das ist Bestandteil der Verabredungen<br />
über ihren Einsatz &#8211; keine Feuerleitfunktionen ausüben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
P.S.: Saceur = Oberkommandierender der NATO</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fritzchen:<br />
</b>Wo ziehen sie die Grenze zwischen &quot;Luftraum sichern&quot;<br />
und „Beteiligung an einem Krieg“?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Beteiligung an einem Krieg hieße wie gesagt, z.B. teilnehmen an<br />
der Koordination der Luftangriffe. Das bleibt ausgeschlossen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>f3f:</b><br />
Militärexperten sagen aber, die Trennung zwischen Angriff- und Defensiv-Einsatz<br />
ist unklar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Experten haben insofern recht, als sich die Trennung nicht einfach<br />
technisch durchführen lässt. Die AWACS besitzt beide Fähigkeiten.<br />
Entscheidend sind die Rules of Engagement (Verabredung darüber, was<br />
gemacht wird und was nicht), und die sind eindeutig. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sweetheart:</b><br />
In der FAZ ist zu lesen, dass die rot-grüne Regierung bei einer Bundestagsabstimmung<br />
zu den deutschen AWACS-Einsätzen über der Türkei „erhebliche<br />
außenpolitische Irritationen“ befürchtet. Warum ist Schröder<br />
dann nicht konsequent und zieht die AWACS ab?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wir haben die AWACS im Rahmen unserer Bündnisverpflichtung zur Sicherung<br />
des Nato-Partners Türkei dorthin entsendet. Das gehört mit zu<br />
den Bündnisverpflichtungen. Wie gesagt: Es gäbe viel klarere<br />
Lösungen. Aber das würde entweder heißen, wir lassen uns<br />
in den Krieg hineinziehen &#8211; und das wollen wir nicht &#8211; oder wir tragen<br />
dazu bei, das Bündnis praktisch aufzulösen. Und das hätte<br />
gerade angesichts der Gefahr künftiger Alleingänge verschiedener<br />
Mächte erhebliche friedenspolitische Gefahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Blausocke:</b><br />
Wie sieht es denn mit den AWACS und einer deutschen Beteiligung aus, wenn<br />
die Stützpunkte, an denen die USA Truppen sammelt, in der Türkei<br />
angegriffen werden? Wie sieht da die deutsche Politik aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:<br />
</b>Unsere Politik heißt: Wenn die Türkei Kriegspartner<br />
wird, ziehen wir die AWACS ab. Die Türkei hat aber versichert, dass<br />
sie die Grenze einhalten wird, die für uns wichtig ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Heißt die Gleichung also: Wenn die Türkei angegriffen wird,<br />
ist sie Kriegspartei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich halte das für eine unrealistische Spekulation. Ich glaube, das<br />
irakische Regime hat an anderen Fronten schwere Probleme und ich rechne<br />
nicht damit, dass es gegen Kurden und Türken im Norden losschlägt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Realistisch ist, dass die ABC-Spürpanzer der Bundeswehr in Kuwait<br />
gebraucht werden könnten &#8211; auch im Irak. Sollten die Deutschen den<br />
US-Truppen diesen Schutz gewähren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Spürpanzer haben ein klar begrenztes Mandat des Bundestages.<br />
Ich habe auch zur Kenntnis genommen, dass mehrere Oppositionspolitiker<br />
sie gerne in den Irak schicken würden, um so eine deutsche Kriegsbeteiligung<br />
durch die Hintertür herbeizuführen. Ich halte das für verantwortungslos,<br />
das werden wir nicht tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wrdgre:</b><br />
Wie geht es weiter im deutsch-amerikanischen Verhältnis? Die USA<br />
haben eine klare Vorstellung , wie der internationale Terrorismus oder<br />
Massenvernichtungswaffen zu bekämpfen sind? Welche haben Sie und<br />
die Regierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die USA haben eine entschiedene Vorstellung. Ob diese auch sehr klar ist,<br />
möchte ich bezweifeln. Probleme der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen<br />
lassen sich nicht durch Abrüstungskriege lösen. Genauso wenig<br />
wie der Kampf gegen den internationalen Terrorismus alleine militärisch<br />
gewonnen werden kann. Ein Problem der Bush Administration besteht gerade<br />
darin, dass sie Sicherheitsfragen auf militärische Fragen verkürzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Kommentar von:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henne:</b><br />
Ich glaube, man sollte warten, bis die USA wieder demokratisch handlungsfähig<br />
sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Susi:</b><br />
Stimmen aus der CDU sagen, dass der Krieg durch eine einheitliche Drohkulisse<br />
hätte verhindert werden können. Was meinen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Mindestens ein Teil der amerikanischen Regierung wollte nach meiner Überzeugung<br />
von vornherein den Sturz des Regimes von Saddam und nicht die Abrüstung.<br />
Für die Herren Cheney und Rumsfeld und andere war die Debatte um<br />
die Abrüstung leider nur ein taktisches Manöver, um die Völkergemeinschaft<br />
für einen Krieg zu gewinnen, den diese zu Recht ablehnte. Im Übrigen<br />
will ich festhalten: Den Weg, den wir in der UNO gegangen sind, ist nicht<br />
gescheitert. Die Erfahrung mit den Waffenkontrolleuren hat praktisch bewiesen,<br />
dass eine Abrüstung ohne Krieg möglich gewesen wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>azizis:</b><br />
Abrüstung durch Sturz ist doch okay. Sie wollten in Serbien das doch<br />
auch!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Sturz von Saddam ist sehr o.k. Das wäre schon längst fällig<br />
gewesen. Die Frage ist wie, zu welchem Preis und zu welchen Gefahren.<br />
Den Kriegskurs, den die USA eingeschlagen haben, droht nicht nur die gesamte<br />
Situation in der Region zu destabilisieren, sondern auch die Koalition<br />
gegen den Terrorismus massiv zu schwächen. Darüber hinaus wird<br />
das Völkerrecht schwer beschädigt. Wie wollen wir in Zukunft<br />
ohne verbindliches Völkerrecht Konflikte lösen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rg90:</b><br />
Aber die UN-Sanktionen gegen den Irak waren doch erfolglos?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Tatsache ist, dass die Sanktionen, so wie sie angelegt waren, eher das<br />
Volk im Irak trafen als den Diktator. Hans von Sponek, der früher<br />
in der UNO für diese Fragen zuständig war, hat schon seit langem<br />
darauf hingewiesen, dass das Sanktionsregime geändert werden müsse,<br />
um den Diktator zu treffen. Leider wurde er nicht gehört.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>altrosa:</b><br />
Ich lese: „Die USA und Großbritannien müssen nach Auffassung<br />
von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul den Großteil<br />
der Kosten für den Wiederaufbau Iraks nach dem Krieg übernehmen.&quot;<br />
Aber das machen die doch gerne, besonders, weil ihnen das Öl in die<br />
Hände fällt. Eine weltfremde Sicht, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich finde, dass auch Deutschland sich nicht aus der Verantwortung davonstehlen<br />
kann. Schließlich haben auch aus unserem Land mehr als 80 Firmen<br />
bei der Aufrüstung geholfen und den Diktator stabilisiert. Deswegen<br />
haben wir eine Verpflichtung gegenüber dem irakischen Volk.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Also plant Rot-Grün schon mal mit Millionen im nächsten Haushalt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:<br />
</b>Wenn Millionen reichen würden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Beantwortet die Frage nicht: Also wird mit Milliarden geplant?<br />
Im Ernst, der Etat ist eng.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Im laufenden Hauhalt wurden die Mittel auf ungefähr 40 Millionen<br />
verdoppelt. Nach Kalkulation amerikanischer Stellen wird der Aufbau Hunderte<br />
Milliarden kosten. Ich kann an dieser Stelle nicht beantworten, wie das<br />
finanziert werden könnte. Die Unklarheit darüber, wie es nach<br />
dem Krieg weitergehen soll, war für uns einer der Gründe, vor<br />
diesem Krieg zu warnen. Aber es ist wohl im Augenblick zu früh, jetzt<br />
haushälterische Überlegungen anzustellen. Im Moment geht es<br />
ja noch darum, den Krieg möglichst schnell zu beenden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Blausocke:</b><br />
Tony Blair hat gesagt, dass die Gelder aus den Ölförderungen<br />
in einen Fonds fließen sollen, der dem Irak, bzw. dem irakischen<br />
Volk zu gute kommen soll. Widerspricht das nicht der vorherrschenden Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich fände es gut, wenn Blair zur Kenntnis nähme, dass nicht<br />
er zusammen mit George Bush, quasi privat, über die Zukunft des Iraks<br />
entscheidet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tb_hamburg:</b><br />
Guten Tag, ich bin gerade in den Chat gekommen, evtl. wurde meine Frage<br />
schon gestellt: Welche Möglichkeiten sehen sie, die &quot;Koalition<br />
der Willigen&quot; für die Missachtung des UN-Sicherheitsrates (Krieg<br />
ohne Mandat) zu sanktionieren? Ein Krieg ohne Mandat der Völkergemeinschaft<br />
ist doch wohl kein Kavaliersdelikt mehr, oder sehe ich das falsch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Die Frage nach Sanktionen wurde nicht gestellt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Realität ist brutal. Das Rechtsgefühl, das hier das Völkerrecht<br />
verletzt sieht, hat keine Instanz, an die es sich wenden könnte.<br />
Maximal könnte die UNO-Generalversammlung eine Resolution verabschieden,<br />
die das Vorgehen der USA kritisiert. Die entscheidende Frage ist für<br />
mich, ob wir in diesem Konflikt die Vorraussetzungen dafür schaffen,<br />
dass sich diese Vorgehensweise nicht wiederholen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht, hat gegenüber<br />
tagesschau.de vorgeschlagen, die Frage der Zulässigkeit des Irak-Kriegs<br />
vor dem Internationalen Gerichtshof klären zu lassen. Gute Idee?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Dazu wird es, wenn ich recht sehe, nicht kommen, weil die USA, wie ich<br />
sehe, die Zuständigkeit dieses Gerichtes nicht anerkennen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zwei Fragen mit ähnlicher Zielrichtung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>altrosa:</b><br />
Absolute Gewaltfreiheit war ein unverrückbarer Grundsatz der Grünen?<br />
Woher kommt der Sinneswandel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tgerg:</b><br />
Inwieweit beeinflusst die pazifistische Tradition der Grünen noch<br />
die Politik? Bei einem zweiten UN Mandat wären Sie doch für<br />
einen Krieg gewesen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wir wären auch bei einem zweiten Mandat nicht für den Krieg<br />
gewesen. Wir haben unsere Gründe dafür wiederholt dargelegt.<br />
Absolute Gewaltfreiheit war eine grüne Parole, als auf dem Höhepunkt<br />
des Kalten Krieges Nuklearpazifismus die einzige vernünftige Position<br />
war. Seit dem Ende der Blockkonfrontation in Europa haben wir erleben<br />
müssen, dass der Krieg mit aller Brutalität auch nach Europa<br />
zurückkam. In unserer grünen Debatte war die Erfahrung des Völkermordes<br />
1995 in Srebrenica ausschlaggebend. Unter den Augen der UNO wurden Tausende<br />
von Menschen einfach umgebracht. Daraus haben wir die Schlussfolgerung<br />
gezogen, dass es Situationen geben kann, in denen es richtig ist, z.B.<br />
Völkermördern, auch mit Waffengewalt entgegentreten zu können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal zwei Fragen zusammen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MBO: </b>Spielt<br />
die UN überhaupt noch eine aktive Rolle in diesem Konflikt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sweetheart:</b><br />
Welche Funktion hat die UNO überhaupt noch, wenn man sich über<br />
ihre Beschlüsse so einfach hinwegsetzen kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:<br />
</b>Es wäre falsch zu sagen, dass die UNO gescheitert sei. Die<br />
UNO hat einen praktikablen Weg zur Abrüstung im Irak aufgewiesen.<br />
Die UNO hat sich als die entscheidende Institution erwiesen für alle,<br />
die nicht wollen, dass einzelne Mächte alleine die Welt bestimmen.<br />
Ohne das Zusammenwirken im Sicherheitsrat der UNO wäre es den kleinen<br />
afrikanischen Ländern oder Mexiko und Chile viel schwerer gefallen,<br />
den Pressionen der USA zu widerstehen. In der UNO haben sie großen<br />
Mut gezeigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Blausocke:</b><br />
Zum Thema UNO: Wäre es nicht an der Zeit, eine grundlegende Reform<br />
oder Neuerung der UNO durchzusetzen, die sich nicht mehr am überholten<br />
Blocksystem orientiert? Insbesondere z.B. das Veto-Recht im Sicherheitsrat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Eine UNO-Reform, die das Veto-Recht abschaffen wollte, wird am Veto scheitern.<br />
Das liegt ja auf der Hand. Aber man könnte an anderer Stelle die<br />
Rolle der Nicht-Veto-Mächte stärken. Darüber muss sicherlich<br />
nach diesem Krieg mit hoher Priorität nachgedacht werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rita:</b><br />
Angenommen, der Irak wird durch die USA besiegt, wie soll es dann weitergehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Das hängt nicht zuletzt davon ab, was sich die USA dann vornehmen.<br />
Kommt dann der Iran als nächstes Land in der Achse des Bösen<br />
dran, oder Syrien? Wird Amerika einen Militärmachthaber einsetzen<br />
oder das Land selber regieren wollen? Werden die USA bereit sein, für<br />
Nation-Building die Verantwortung zu übernehmen, die sie in anderen<br />
Fällen bislang immer abgelehnt haben? Wir wissen es nicht. Nach meinem<br />
Eindruck weiß es die US-Administration heute auch noch nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zur von vielen Experten befürchteten Destabilisierung der Region<br />
durch den Irak-Krieg fragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wahrheit:</b><br />
Was ist denn so schlecht an einer Destabilisierung der arabischen Welt.<br />
Sind doch eh tyrannische Regime?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Frage ist, wodurch diese Regime abgelöst werden. Durch den plötzlichen<br />
Ausbruch der Demokratie wie Neokonservative in den USA hoffen? Oder durch<br />
eine Machtübernahme islamischer Fundamentalisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wahrheit:</b><br />
Was will denn die UNO, dass nach einem &quot;Sieg&quot; geschieht? Was<br />
will denn Deutschland, was sind denn &quot;unsere&quot; deutschen Interessen?<br />
Müssten wir nicht beginnen, nationale Interessen zu diskutieren,<br />
oder muss das verpönt bleiben in der Öffentlichkeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich bin dafür, offen über unsere &quot;nationalen&quot; Interessen<br />
zu sprechen. Ich vermute, in der Regel sind es weniger &quot;nationale&quot;<br />
als „europäische“ Interessen. Mir käme es darauf<br />
an, dass aus diesem Konflikt die EU gestärkt und einiger hervorginge.<br />
Jedes einzelne europäische Land ist ohnehin zu schwach, Deutschland<br />
eingeschlossen, alleine Weltpolitik zu machen. Die EU als europäischer<br />
Verbund könnte im Sinne von mehr internationaler Gerechtigkeit, mehr<br />
Nachhaltigkeit, mehr Demokratie und Menschenrechte Einfluss nehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Als weitestgehend nichtbeteiligter Staat wäre Deutschland für<br />
einen Wiederaufbau in Irak doch ideal, oder? Können Sie sich vorstellen,<br />
dass deutsche Blauhelme bei einem Wiederaufbau im Irak stehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Diese Blauhelmdebatte halte ich für verfrüht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Das klingt aber nicht gerade nach sehr offener Debatte über die nationalen<br />
Interessen. Ist es nicht auch im nationalen Interesse, so etwas zu diskutieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wenn Deutschland sich am Wiederaufbau des Irak nach dem Krieg beteiligen<br />
soll, dann nicht um nationale Öl- oder Wirtschaftsinteressen zu vertreten<br />
und auch nicht in eigener Regie, sondern nur im Rahmen der Vereinten Nationen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franzchen:</b><br />
Kann es sein, dass die Überberichterstattung zum Irakkrieg bei der<br />
Bevölkerung zu einer gewissen Übersättigung geführt<br />
hat? 20.000 Antikriegsdemonstranten in Berlin sind ja nicht die Welt!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich habe den Eindruck, dass die Demos gegenwärtig gerade dort besonders<br />
groß sind, wo die Regierung im Gegensatz zu großen Teilen<br />
der Bevölkerung steht, in Italien zum Beispiel. Aber richtig ist,<br />
dass man manche Berichterstattung mit längst ausrangierten Obristen,<br />
Generälen und Admirälen sich kaum ansehen kann. Da findet eine<br />
Banalisierung und auch eine Ästhetisierung des Krieges statt, die<br />
widerlich ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>maxiking:</b><br />
Wie kriegen wir die amerikanischen Medien dazu, alle Seiten des Krieges<br />
zu zeigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Damit die Mainstream-Medien in den USA halbwegs ausgewogen berichten,<br />
muss wohl der Protest dort deutlich lauter werden. Aber es gibt ja trotz<br />
allem auch unabhängige Stimmen in den amerikanischen Medien, wie<br />
z. B. Bill Maher. Das kann man nicht über einen Kamm scheren. Aber<br />
ich sehe zu viel oberflächliche Faszination von Waffensystemen, die<br />
die Berichterstattung über die drohende humanitäre Katastrophe,<br />
die es durchaus auch gibt, zuzudecken droht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>iraqchat:</b><br />
Wie würde SPD/Grüne reagieren, sollten die USA weitere Ambitionen<br />
in Richtung Iran entwickeln? Würden wir dann deutsche Armee-Bases<br />
schließen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wir sollten mal aufhören, immer nur auf die USA zu reagieren und<br />
anfangen als Europäer zu agieren. Konkret eine europäische Politik<br />
entwickeln, um den Iran zu überzeugen, seine Sicherheitsbedürfnisse<br />
ohne das Vertrauen auf Massenvernichtungswaffen und atomare Bewaffnung<br />
zu gewährleisten. Solange Europa nicht eigene Konzepte entwickelt<br />
und entsprechend handelt, drohen wir auch in künftigen Konflikten<br />
bestenfalls in der Rolle des Kritikers an der Seitenaußenlinie zu<br />
enden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch ein kleiner Kommentar zu der Medienfrage eben:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>iraqchat:</b><br />
maixiking, es gibt Hoffnung: Sogar die New York Times brachte einen Artikel<br />
darüber, wie die Bush Regierung nationale Berichterstattung über<br />
PRO-War- Demos unterstützt, nicht jedoch Anti-War-Demos.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die New York Times hat sich in der Tat eher rühmlich verhalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nicola:</b><br />
In der Süddeutschen Zeitung war heute zu lesen, dass Sie die Vorgehensweise<br />
der Türkei im Nordirak an die Aufnahme in die EU koppeln wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich habe im wesentlichen das selbe gesagt, wie die EU-Kommission. Die<br />
Türkei muss wissen, dass ihr Weg in die EU nicht unabhängig<br />
von inneren Reformen und unabhängig von Außenpolitik erfolgreich<br />
sein kann. Ende 2004 wird die EU-Kommission einen entsprechenden Bericht<br />
vorzulegen haben. Gegenwärtig habe ich eher die Befürchtung,<br />
dass der Irak-Krieg zu einem Rückschlag für die Reformer wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wahrheit:</b><br />
Europäische Konzepte: Das beinhaltet doch auch klare eigene wirtschaftliche<br />
Interessen und eigene militärische Möglichkeiten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Europäische Konzepte müssten sich meiner Meinung nach vor allem<br />
dadurch auszeichnen, dass sie die Verengung von Sicherheitsfragen auf<br />
das Militärische überwinden. Die Frage des gerechten Zugangs<br />
zu Wasser in den nächsten Jahrzehnten hat doch mit Militär gar<br />
nichts zu tun. Die Frage der Armut wird doch nicht militärisch gewonnen.<br />
Ich bin dafür, dass die EU nicht dasselbe macht wie die USA, nur<br />
unter eigener Flagge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Muss man nicht, um unabhängig zu sein, auch eigene militärische<br />
Möglichkeiten haben? Außenminister Fischer hat schon angedeutet,<br />
dass eine Stärkung der militärischen Fähigkeiten Europas<br />
wünschenswert wäre. Auch ihre Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ja. Dabei sind ja in den letzten Jahren schon Schritte in Richtung auf<br />
mehr Zusammenarbeit in der europäischen Sicherheit- und Verteidigungspolitik<br />
unternommen worden, allerdings bis jetzt ungenügende.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lauscher:</b><br />
Ist Europa überhaupt schon in der Lage eigene Konzepte durchzusetzen?<br />
Es ist schwer vorstellbar, dass eine europäische Armee in so kurzer<br />
Zeit eine Drohkulisse (die ja erst zu den Inspektionen geführt hat)<br />
aufzustellen (mit politischer Legitimation).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Irak-Krise führt auch die europäische Politik in eine entscheidende<br />
Position: Entweder wir schaffen es wie in der Vergangenheit, eine Krise<br />
durch verstärkte Integration, durch mehr Europa zu überwinden,<br />
oder wir fallen zurück. Ich sehe die Chancen, den Konvent über<br />
einen europäischen Verfassungsvertrag zu nutzen, um mehr Europa gerade<br />
auch in der Außenpolitik in den Zielen und den Institutionen abzusichern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Auch für ein stärkeres militärisches Europa, mit europäischer<br />
Eingreiftruppe etc.?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Europa braucht auch die Möglichkeit, z.B. auf dem Balkan, konkret<br />
etwa in Mazedonien, mit Militär für Stabilität zu sorgen.<br />
De facto haben wir dort schon mit Militär in Verbindung mit wirtschaftlicher<br />
und politischer Hilfe einen Bürgerkrieg verhindert. Europa braucht<br />
auch die Fähigkeit, im Auftrag der UN tätig zu werden. Europa<br />
sollte sich davor hüten, der Chimäre einer eigenen militärisch<br />
handelnden Supermacht nachzulaufen. Europa sollte auch nicht die EU und<br />
das transatlantische Verhältnis gegeneinander ausspielen.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Freunde, es liegen noch zahlreiche Fragen vor, leider ist unsere<br />
Zeit vorbei. Herzlichen Dank, Herr Bütikofer fürs Kommen, vielen<br />
Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Noch ein Terminhinweis:<br />
Am Donnerstag, 27. März, kommt der USA-Experte Dr. Philipp Müller<br />
zum Chat. Dr. Müller ist Koordinator des transatlantischen Netzwerks<br />
Critical Perspectives on Global Governance. Der Chat findet zwischen 17:00<br />
und 18:00 Uhr statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei<br />
sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten<br />
der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Abend.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/unsere-politik-heisst-wenn-die-tuerkei-kriegspartner-wird-ziehen-wir-die-awacs-ab-314/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
