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	<title>Rente &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Rente &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Sozialwahl 2011: Der rote Brief</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Simone Schiedchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 May 2011 14:55:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenkassen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Rentenversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Rente]]></category>
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					<description><![CDATA[<a target="_blank" href="/sites/politik-digital.de/files/wahlen_SZ_0.jpg" rel="noopener noreferrer"><img height="143" align="left" width="199" src="/sites/politik-digital.de/files/sozialwahl_logo.jpg" /></a>Eine Wahl, von der viele gehört haben, von der aber niemand genau weiß, was sie ist. Die <a target="_blank" href="http://www.sozialwahl.de/startseite.html" rel="noopener noreferrer">Sozialwahl</a> wirbt mit einem Stück gelebter Demokratie, von dem jeder Gebrauch machen sollte. politik-digital.de fragte nach bei Sebastian Schürmanns vom Verband der Ersatzkassen e. V. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" href="/wp-content/uploads/wahlen_SZ_0.jpg" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" height="143" align="left" width="199" src="/wp-content/uploads/sozialwahl_logo.jpg" /></a>Eine Wahl, von der viele gehört haben, von der aber niemand genau weiß, was sie ist. Die <a target="_blank" href="http://www.sozialwahl.de/startseite.html" rel="noopener noreferrer">Sozialwahl</a> wirbt mit einem Stück gelebter Demokratie, von dem jeder Gebrauch machen sollte. politik-digital.de fragte nach bei Sebastian Schürmanns vom Verband der Ersatzkassen e. V. </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Noch bis zum 1. Juni haben 48 Millionen Sozialversicherte die Chance, ihre Stimme für die Sozialwahl abzugeben. Wahlberechtigt sind alle Versicherten und Rentner der &quot;Deutschen Rentenversicherung Bund&quot; sowie Mitglieder der Ersatzkassen &#8211; Voraussetzung ist, dass sie am 3. Januar 2011 das 16. Lebensjahr vollendet hatten. Um an der Wahl teilzunehmen,  müssen sie die im April versendeten Stimmzettel ausfüllen und portofrei klassisch per Post zurücksenden. Alles ganz einfach, wie das <a target="_blank" href="http://www.sozialwahl.de/sozialwahl-im-ueberblick/video-alles-im-kasten-die-sozialwahl-2011.html" rel="noopener noreferrer">Video</a> zur Wahl zeigt.
</p>
<p>
Aber was ist die Sozialwahl und warum sollte man mitmachen? Der Grundgedanke ist, dass diejenigen, die in die Rentenversicherung und die gesetzlichen Krankenkassen einzahlen, auch mitbestimmen dürfen, in welcher Weise das Geld für die Rente und Gesundheitsversorgung verwendet wird. Hierin besteht der Kern der Sozialwahlen: Durch Mitbestimmung stärken die Wähler die eigene Interessenvertretung und können somit politisch unabhängiger agieren. Damit haben die Versicherten einen enormen Einfluss gegenüber dem Staat. Was in Zeiten, in der die erste Krankenversicherung (City BKK) Insolvenz angemeldet hat und viele Versicherte verunsichert sind, besonders interessant ist. Aktuell haben mehr Menschen als üblich das Bedürfnis nach Mitsprache, das könnte eine Chance für die diesjährige Sozialwahl sein.
</p>
<p>
Die zu wählenden Verwaltungsräte (Parlamente) der Krankenkassen sind an allen Entscheidungen der Krankenkassen beteiligt, von denen die Versicherten direkt betroffen ist. Zur Wahl stehen Organisationen und Interessengruppen. Diese stellen ehrenamtliche Listenkandidaten auf, die selbst Versicherte sind und somit unmittelbar von den eigenen Entscheidungen betroffen sind. Gewählt wird ein 30-köpfiges <a target="_blank" href="http://download.sozialwahl.de/fileadmin/user_upload/pdf/Sozialwahl_2011_Infografik_Gesamtuebersicht.pdf" rel="noopener noreferrer">Gremium</a>, das paritätisch aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern gebildet wird.
</p>
<p>
Sebastian Schürmanns vom Verband der Ersatzkassen e. V. (VDEK) gab als Zwischenfazit zur Informationskampagne der Wahl „eine starke Frequentierung der eingerichteten Service-Hotlines und der über die Sozialwahl informierenden Internetportale“ bekannt. Ob es aber zu einer höheren Beteiligung als in den Vorjahren kommt, bleibt abzuwarten.
</p>
<p>
Auf die Frage, ob es nicht zeitgemäßer und unkomplizierter sei, die Sozialwahl online durchzuführen, erklärt Schürmanns, dass darauf verzichtet wurde, „weil eine Internetwahl bislang nicht die verfassungsmäßig notwendige Datensicherheit erfüllt.“ Es gibt aber Überlegungen, 2017 eine Online-Wahl einzuführen, um die Beteiligungsschwellen zu senken und Kosten zu reduzieren, die bei der letzten Sozialwahl 2005 bei 44,2 Millionen lagen. Vielleicht können wir also in sechs Jahren unsere Selbstverwaltungsgremium der Sozialversicherungsträger online wählen. Und vielleicht liegt dann die Wahlbeteiligung auch höher als 30 Prozent  wie im Jahr 2005.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Private Rentenvorsorge unumgänglich</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/private-rentenvorsorge-unumgaenglich-3858/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Torge]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Apr 2008 09:13:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Rente]]></category>
		<category><![CDATA[Rentenerhöhung]]></category>
		<category><![CDATA[Altersvorsorge]]></category>
		<category><![CDATA[Jens Spahn]]></category>
		<category><![CDATA[Riesterrente]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Montag, 21.4.08, war Jens Spahn, Abgeordneter der CDU im Bundestag, von 16.30 bis 17.30 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er kritisierte die kurzfristige Rentenerhöhung
und nahm Stellung zur künftigen Finanzierung der Altersvorsorge und den Problemen des demografischen Wandels.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 21.4.08, war Jens Spahn, Abgeordneter der CDU im Bundestag, von 16.30 bis 17.30 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er kritisierte die kurzfristige Rentenerhöhung<br />
und nahm Stellung zur künftigen Finanzierung der Altersvorsorge und den Problemen des demografischen Wandels.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Herzlich willkommen beim<br />
tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Herr Spahn, vielen Dank, dass Sie Zeit<br />
für uns haben &#8211; können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Gerne.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/jspahn250x.jpg" height="216" width="158" />
</p>
<p align="center">
<i>Jens Spahn (CDU) </i>
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Eine vorab häufig gestellte<br />
Frage vielleicht zur Klärung gleich zu Beginn<b>:</b>
</p>
<p>
<b>Holger: </b>Warum kritisieren Sie die Rentenerhöhung?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn:</b> Aus zweierlei Gründen: Zum<br />
Ersten muss es erlaubt sein, die Frage zu stellen, wie und von wem<br />
die zwölf Milliarden Euro, die allein bis 2012 zusätzlich<br />
aufzubringen sind, bezahlt werden. Und zum Zweiten treibt es mich um,<br />
dass der mühsam gefundene Rentenkompromiss, nach dem die<br />
Jüngeren länger arbeiten, nämlich bis zum 67.<br />
Lebensjahr, höhere Beiträge zahlen &#8211; zurzeit knapp 20<br />
Prozent &#8211; und später ein geringeres Rentenniveau als heute haben<br />
werden und nach dem die Älteren ihren Beitrag leisten, indem<br />
Rentenerhöhungen gedämpft werden (Riesterfaktor),<br />
aufgeschnürt wird. Denn alle Sachverständigen hatten uns<br />
bescheinigt, dass die gesetzliche Rente damit zukunftsfest gemacht<br />
war. Das wird nun in Frage gestellt.
</p>
<p>
<b>guenzum: </b>Wäre es nicht an der Zeit, davon<br />
los zukommen, die eine Personengruppe gegen die andere auszuspielen,<br />
also Alt gegen Jung, Christ gegen Moslem, Unternehmer gegen Arbeiter<br />
und Angestellte? Alt werden wir schließlich alle, ohne Ansehen<br />
der Person. Meinen Sie, die Lösung liegt darin, dass jede<br />
gesellschaftliche Gruppe nur gute Lobby-Vertreter braucht, damit für<br />
sie gesorgt ist? Frei nach dem Motto: Wenn jeder für sich selbst<br />
sorgt, dann ist ja für alle gesorgt?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Ich habe bei meinen Äußerungen<br />
mitnichten nur ein spezielle Gruppe im Auge. Im Gegenteil bin ich mir<br />
sehr bewusst, dass auch meine Generation 2040 zu den &quot;Alten&quot;<br />
gehören wird. Umso wichtiger ist es, die Systeme heute darauf<br />
vorzubereiten, dass dann ein Drittel der Bevölkerung mit uns alt<br />
sein wird. Insofern geht es ums Allgemeinwohl, nicht um<br />
Einzelinteressen.
</p>
<p>
<b>ts:</b> Das Thema Rentenerhöhung ist aktuell.<br />
Die Pensionen unterliegen ebenfalls dem Generationenvertrag. Wie<br />
sieht dort die Lastverteilung aus?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Das Problem ist, dass weder Kommunen,<br />
Länder noch der Bund für ihre Beamten<br />
Pensionsrückstellungen gebildet haben. So lebt auch das<br />
Pensionssystem im Grunde von der Hand in den Mund, denn die jeweils<br />
aktiven Steuerzahler zahlen die Pension. Zumindest beim Bund ist es<br />
uns gelungen, dass ab dem 1.1.2008 kostendeckend<br />
Pensionsrückstellungen für neue Beamte gebildet werden.<br />
Dies ist bisher kaum öffentlich registriert worden.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Herr Spahn, die Rentendebatte wird<br />
schon so lange und leidenschaftlich geführt. Wie erklären<br />
Sie sich, dass es die Politik immer nur zu kleineren Korrekturen<br />
schafft &#8211; und keinem Systemwechsel, der das Problem an der Wurzel<br />
packen würde?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Die Herausforderung besteht darin,<br />
dass wir uns ja nicht am grünen Tisch befinden und ein neues<br />
System für die Zukunft erdenken, sondern auf eine über<br />
100-jährige Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung (seit<br />
Bismarck) aufbauen. Nichtsdestotrotz ist mit der Einführung der<br />
Riesterrente ein kleiner Systemwechsel gelungen, denn erstmals wurde<br />
die Notwendigkeit zusätzlicher privater Vorsorge anerkannt. Ich<br />
glaube allerdings, dass wir mittel- und langfristig das System werden<br />
umstellen müssen auf eine steuerfinanzierte Grundsicherung für<br />
alle. Wer mehr haben will, muss dann betrieblich und/oder privat<br />
vorsorgen.
</p>
<p>
<b>Jung73a: </b>Herr Spahn, ich finde Ihre Position<br />
unterstützenswert. Ich meine aber, man muss einen größeren<br />
Zusammenhang sehen: Der Wohlstand (Kaufkraft) der &quot;Normalverdiener&quot;<br />
sinkt schon seit Jahren und wird es weiterhin tun. Wir sollten uns<br />
politisch darüber unterhalten, wie wir mit dieser Situation<br />
umgehen: Weniger Wohlstand für den &quot;Durchschnittsbürger&quot;.<br />
Eine breitere Gerechtigkeitsdebatte ist gefragt, schon alleine, damit<br />
die Linkspartei nicht weiter wächst.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Wollen Sie das kommentieren?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Dies passt insofern gut zur aktuellen<br />
Rentendebatte, weil es einen Blick in die Zukunft beinhaltet. Wer<br />
heute ein geringes Einkommen, befristete Arbeitsverträge oder<br />
auch nur reihenweise Praktika hat, wird später eine sehr geringe<br />
Rente bekommen und damit wird das Problem Altersarmut wesentlich<br />
virulenter werden als heute. Insofern sollten wir tatsächlich<br />
die Bürgerinnen und Bürger, insbesondere bei den<br />
Sozialabgaben, entlasten. Immerhin ist es der großen Koalition<br />
gelungen, diese erstmals seit vielen Jahren unter 40 Prozent zu<br />
senken.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Ein paar eben eingetroffene Beiträge<br />
und Nachfragen zum System, die ich gebündelt weitergebe:
</p>
<p>
<b>Motte: </b>Das Rentensystem muss generell umgestellt<br />
werden (Beamte, Selbstständige, Abgeordnete müssen<br />
eingebunden werden).
</p>
<p>
<b>xpro48565: </b>Wie stehen Sie zu den Vorschlägen<br />
von Herrn Rüttgers?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Grundsätzlich gilt erst einmal,<br />
wenn neue Beitragszahler ins System kämen, entstünden auch<br />
neue Rentenansprüche. Dieser Teil wird gerne von allen<br />
Protagonisten sogenannter Bürgerversicherungsmodelle vergessen.<br />
Im Übrigen wären bei einer steuerfinanzierten<br />
Grundsicherung alle nach ihrer Leistungsfähigkeit an der<br />
Finanzierung beteiligt. Die gesetzliche Rente ist keine<br />
Sozialleistung, sondern ein durch Beiträge erworbener<br />
Leistungsanspruch. Insofern kann man nicht den einen Euro eines Gutverdienenden<br />
anders bei der Leistungsberechnung berücksichtigen, als den<br />
eines Geringverdieners, so dass eine Umverteilung im System kaum<br />
möglich sein dürfte. Außerdem gibt es für<br />
Menschen mit Renten unter dem Existenzminimum schon heute die<br />
Möglichkeit, zusätzliche so genannte Grundsicherung im<br />
Alter zu beantragen. Diese ist richtigerweise steuerfinanziert.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Das war die Antwort auf Herrn<br />
Rüttgers? Vielleicht nochmal konkreter gefragt: Zwei<br />
CDU-Ministerpräsidenten, zwei Meinungen: Während Jürgen<br />
Rüttgers eine höhere Grundrente fordert, ist Günther<br />
Oettinger dagegen &#8211; wo stehen Sie?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Ich finde die Kanzlerin wie auch der<br />
CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende haben Richtiges dazu gesagt. Insofern<br />
verweise ich auf meine bereits gegebene Antwort.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Aha, sie wollen also nicht konkreter<br />
&#8211; nun gut&#8230;
</p>
<p>
<b>wehmann: </b>Das war wirklich keine Antwort, Herr<br />
Spahn!
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>(lacht) Ich weiß, sehen Sie mir<br />
das heute nach.
</p>
<p>
<b>citoyen: </b>Was halten Sie von Norbert Blüm,<br />
der verkündet, dass das staatliche System erfolgreich wäre,<br />
würde es das Geld zur Verfügung haben, das jetzt in die<br />
private Vorsorge geht?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Wenn er das Geld meint, das aus dem<br />
Steuertopf in die private Vorsorge geht, ist dem deutlich zu<br />
widersprechen, denn das Fördervolumen würde bei weitem<br />
nicht reichen, um die Rentenversicherung problemfrei zu halten. Wenn<br />
er das von den Menschen selbst gezahlte Geld meint, kann man nur<br />
sagen, dass die Menschen mit 19,9 Prozent schon hinreichend viel Geld<br />
von ihrem Einkommen für die gesetzliche Rente ausgeben müssen. Zudem nervt es etwas, wenn  &#8211; wie gestern abend bei Anne Will<br />
etwa auch Ottmar Schreiner -, immer diejenigen in den Talkshows<br />
sitzen und uns erzählen, was wir alles falsch machten, die<br />
Anfang der 80er Jahre sozialpolitische Verantwortung getragen haben<br />
und wider besseren Wissens &quot;die Rente ist sicher&quot;<br />
plakatiert haben. Denn damals wurde die Suppe eingebrockt, die wir<br />
heute auslöffeln.
</p>
<p>
<b>Commander: </b>Warum wurde das Problem des deutschen<br />
Rentensystems erst so spät thematisiert, als es eigentlich schon<br />
fast zu spät war? Es ist doch schon lange bekannt, dass das<br />
Rentensystem in seiner heutigen Auslegung in Zukunft nicht aufrecht<br />
erhalten werden kann. Ich bin im Moment noch Schüler und schaue,<br />
was die Rentensicherheit in Deutschland angeht, eher skeptisch in die<br />
Zukunft. Ohne private Vorsorge wird es für mich kaum noch etwas<br />
im Alter geben, worauf ich angesichts immer größer<br />
werdender Belastungen der &quot;Jungen&quot; sehr sorgenerfüllt<br />
schaue. Wäre es daher nicht sinnvoller, das Rentensystem auf die<br />
alleinige private Vorsorge umzustellen und nicht zu versuchen, den<br />
jungen Leuten durch das Placebo der gesetzlichen Rentenversicherung<br />
die Angst vor der Zukunft zu nehmen, sondern ihnen die Augen zu<br />
öffnen und sie gezielt anzuleiten?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>In meinem Geburtsjahr 1980 haben<br />
bereits Kurt Biedenkopf und andere auf die demografische Entwicklung<br />
(wir werden alle älter und weniger) und die damit verbundenen<br />
Konsequenzen für die Rente hingewiesen. Leider wurden damals die<br />
Augen, wie bereits erwähnt, verschlossen. Heute, 30 Jahr später,<br />
ist es umso schwerer, die nötigen Veränderungen zu<br />
vollziehen. Richtig ist sicher, dass die gesetzliche Rente in Zukunft<br />
nicht mehr wie bisher den Lebensstandard, sondern für viele nur<br />
noch das Existenzminimum absichern wird. Umso konsequenter ist im Übrigen, dies sei nochmal erwähnt,<br />
der schrittweise Einstieg in eine steuerfinanzierte Grundsicherung.<br />
Als Westfale weiß ich aber, dass man auf einem Bein schlecht<br />
steht. Deswegen muss es heißen, gesetzliche Rente UND private<br />
Vorsorge. Also nicht das eine statt des anderen, sondern beides sich<br />
ergänzend.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Inzwischen sind ein paar persönliche<br />
&quot;Angriffe&quot; eingetroffen. Die zwischendurch, dann kommen wir<br />
das von vielen Usern erwähnte Thema Schweiz.
</p>
<p>
<b>orenilom: </b>Herr Sahn, ich hätte gerne<br />
gewusst, welchen Beruf Sie ausgeübt haben und wieviel<br />
Rentenbeitäge Sie in welche Rentenkasse eingezahlt haben?
</p>
<p>
<b>Motte: </b>Wie kann es sein, dass die Diäten der<br />
MdBs (Mitglieder des Deutschen Bundestages, Anm. der Redaktion) um<br />
mehr als fünf Prozent erhöht werden, die Renten aber nur um<br />
1,1, Prozent?
</p>
<p>
<b>Chrisi: </b>Sie werden 2040 zu den am<br />
bestversorgtesten Alten gehören, die nie einen Euro eingezahlt<br />
haben. Finden Sie das in Ordnung?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Ich habe nach meinem Abitur eine<br />
Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht und anschließend noch bei<br />
der Bank gearbeitet, sodass ich drei Jahre in die Rentenversicherung<br />
eingezahlt habe. Seit meiner Wahl in den deutschen Bundestag habe ich<br />
keine Beiträge mehr in die Rentenversicherung gezahlt. Dabei ist<br />
mir aber schon der vielleicht nicht populäre, aber wichtige<br />
Hinweis wichtig, dass Abgeordnete keine abhängig Beschäftigten<br />
sind und das sollten sie nach meinem Dafürhalten als Vertreter<br />
des höchsten Verfassungsorgans in einer Demokratie auch nicht<br />
sein. Die 9,4-prozentige Diätenerhöhung ist im Grunde als<br />
auf sechs Jahre bezogen anzusehen, was eine Erhöhung von gut 1,5<br />
Prozent pro Jahr entspricht. Diese Zahl mag ihnen immernoch zu hoch<br />
erscheinen, ist aber bei nüchterner Betrachtung schon wesentlich<br />
moderater als das zumeist öffentlich verkürzt diskutierte.
</p>
<p>
<b>kurbelmann:</b> Drei Jahre &#8211; lächerlich. Andere<br />
haben Jahrzehnte eingezahlt und leben auf niedrigstem Niveau!
</p>
<p>
<b>Micha: </b>Wären Sie und Ihre Kollegen bereit,<br />
auf einen Teil Ihrer Diäten zu verzichten? Zu Gunsten der Wähler<br />
und Wählerinnen? Welchen Verzicht schlagen Sie Ihren Kollegen<br />
und sich vor?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Wer einen Deutschen Bundestag will,<br />
der die gesamte deutsche Bevölkerung repräsentiert, neben<br />
den Älteren eben auch die Jüngeren, muss am Ende auch<br />
akzeptieren, dass die Jüngeren natürlich noch nicht eine so<br />
lange Erwerbsbiographie aufweisen wie die Älteren. Die Diäten<br />
sind richtigerweise über sechs Jahre nicht erhöht worden,<br />
in denen wir wirtschaftlich schwierige Zeiten in Deutschland hatten.<br />
Nun, in Zeiten des Aufschwungs sind wie in anderen Bereichen auch,<br />
auch die Diäten angehoben worden.
</p>
<p>
<b>wehmann: </b>Bitte eine Antwort auf meine bereits<br />
vorher gestellte Frage: Was halten Sie von der mit dem öffentlichen<br />
Dienst zu erwartenden Pensionserhöhung von circa fünf<br />
Prozent?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Die Herausforderung bei den Pensionen<br />
besteht darin, dass sie sich nicht an der allgemeinen<br />
Lohnentwicklung, sondern an den Tarifabschlüssen im öffentlichen<br />
Dienst orientieren. Ich glaube, diese Frage gehört neben anderen<br />
zu denen, die wir angesichts der steigenden Pensionsverpflichtungen<br />
grundsätzlich in diesem Land mal diskutieren sollten<b>.</b>
</p>
<p>
<b>prudence:</b> Ich denke, die Diätenerhöhung<br />
wie auch die persönliche Rentenversicherung sollten hier keine<br />
Rolle spielen. Wichtiger ist doch, wann es endlich gelingt, Reformen,<br />
die Deutschland zukunftsfähig machen, durchzuführen. Und<br />
dies ist nicht unbedingt erkennbar. Es gibt in Deutschland eigentlich<br />
keinen Analysebedarf, aber einen Handlungsbedarf, der eben von den<br />
Politikern nicht wahrgenommen wird.
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Nach meiner Einschätzung haben<br />
viele Politiker durchaus die Herausforderungen und Probleme richtig<br />
analysiert. Zur Umsetzung notwendiger Reformen bedarf es allerdings<br />
auch der nötigen Akzeptanz bei einer Mehrheit der Bevölkerung,<br />
zumindest auf mittlere und lange Sicht und um diese zu werben mittels<br />
ehrlicher, offener und kontroverser Diskussion sollte unser aller<br />
Anliegen sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Zum Beispiel Schweiz: Dort zahlen<br />
auch Selbständige und Beamte in die Rentenversicherung ein und<br />
für Gutverdiener gibt es keine Beitragsbemessungsgrenze. Wäre<br />
das ein Ziel für Ihre noch junge politische Laufbahn, das<br />
umzusetzen?
</p>
<p>
<b>silas385: </b>Ist das Rentensystem zu retten, indem<br />
Selbstständige und Beamte miteinbezogen werden, wie etwa im<br />
Schweizer Modell? Was halten Sie von dieser Alternative?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Im Grunde ist ein System wie die<br />
&quot;erste Säule&quot; in der Schweiz ein steuerfinanziertes<br />
System, denn wenn unbegrenzten Beiträgen begrenzte Leistungen<br />
gegenüber stehen, sind diese Beiträge quasi eine Steuer.<br />
Insofern habe ich große Sympathie für dieses Schweizer<br />
Modell, aber zur Wahrheit gehört eben auch dazu, dass dieser von<br />
allen finanzierte Teil, also die sogenannte &quot;erste Säule&quot;,<br />
nur Existenzsicherungsfunktion hat. Die betriebliche Altersvorsorge als zweite Säule ist in der<br />
Schweiz verpflichtend, anders als in Deutschland. Und die private<br />
Vorsorge als dritte Säule bereits wesentlich verbreiteter als<br />
hier. Insofern ist die Schweiz sicherlich partiell ein gutes Vorbild,<br />
aber auch ihr System ist nicht gefeit vor den Tücken der<br />
Demografie. So wurden auch in der Schweiz die Renteneintrittsalter<br />
angehoben oder etwa Mehrwertsteueranteile in das System umgelenkt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Und was heißt das jetzt?<br />
&quot;Sympathie für&#8230;&quot; &#8211; yes or no?
</p>
<p>
<b>silas385: </b>Was steht in Deutschland einem solchen<br />
Modell praktisch im Wege?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Das Problem ist nochmals: Wir sind<br />
nicht am Reißbrett, sondern müssen das bestehende System<br />
weiterentwickeln, weil viele Millionen Menschen in diesem System<br />
Ansprüche erworben haben und zurecht auch auf diese vertrauen.<br />
Umso wichtiger sind aber eben Maßnahmen wie die Riesterrente<br />
gewesen, die ja im Grunde unser System dem Schweizer annähert.
</p>
<p>
<b>silas385: </b>Vielen Dank für diese<br />
Einschätzung.
</p>
<p>
<b>Buerger: </b>Ich habe den Eindruck, dass vier Leute<br />
in das System einzahlen, aber zehn aus dem Topf nehmen. Liege ich da<br />
völlig falsch?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Bei der gesetzlichen<br />
Rentenversicherung kommt heute auf drei Menschen im erwerbsfähigen<br />
Alter ein Rentner. 2030 wird das Verhältnis bereits zwei zu eins<br />
betragen, 2050 circa 1,6 zu 1. Das ist im Grunde in ganz einfachen<br />
Zahlen die ganze Dimension unserer Herausforderung.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Die folgende Frage an Sie ist<br />
zugleich eine, die viele User vorab für besonders wichtig<br />
bewertet haben.</p>
<p><b>Baujahr55: </b>Meinen Sie nicht,<br />
vielleicht irgendwann selbst vor der Frage zu stehen, eventuell Ihren<br />
Wählern dieses Versprechen (Rentenerhöhung) geben zu<br />
müssen?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Wenn sie damit darauf anspielen, dass<br />
Rentnerinnen und Rentner eine immer größere Wählergruppe<br />
werden (sind schon heute über 19 Mio.) und daher jeder Politiker<br />
im Besonderen auf die Interessen dieser Gruppe &quot;schielen&quot;<br />
müsste, kann ich ihnen nur antworten, dass meine Erfahrung ist,<br />
dass mich gerade viele Rentnerinnen und Rentner in meiner Haltung<br />
bestärken, denn sie haben vielfach auch die Interessen ihrer<br />
Kinder und Enkelkinder im Blick. Insofern setze ich hier auf<br />
gegenseitiges Verständnis, zu dem aber eben auch der offene und<br />
ehrliche und manchmal kontroverse Dialog gehört.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Wir haben nebenbei unsere<br />
Chat-Teilnehmer gefragt: Ist die außerplanmäßige<br />
Erhöhung der Altersbezüge ein &quot;Wahlgeschenk für<br />
die Rentner&quot;?- 65 Prozent haben &quot;ja&quot; gesagt, 35<br />
Prozent &quot;nein&quot;. &#8211; Das Zitat stammt von Ihnen &#8211; nehmen Sie<br />
die Stimmung in er Öffentlichkeit trotz aller Beschimpfungen<br />
genau so wahr?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>In der Einschätzung, dass die<br />
außerplanmäßige Rentenerhöhung nicht zuletzt<br />
mit Blick auf die Bundestagswahl im nächsten Jahr vorgeschlagen<br />
wurde, erlebe ich tatsächlich viel Zustimmung. Das heißt<br />
aber umgekehrt nicht, dass sie deswegen auch von z.B. besagten 65<br />
Prozent abgelehnt würde.
</p>
<p>
<b>TraudelMühldorf: </b>Ich bin 73 Jahre alt und<br />
stimme Ihnen absolut zu, Herr Spahn. Was ich allerdings nicht<br />
verstehe, ist, warum die Diskussionen oft so verletzend geführt<br />
werden und die Generationen gegeneinander ausgespielt werden. Ich<br />
vermisse außerdem mehr Konzepte zu Themen wie<br />
generationsübergreifendem Wohnen oder Alters-WGs, vielleicht<br />
gibt es ja noch andere Konzepte im sozialen Bereich, wie niedrigere<br />
Renten und fehlende Kinderbetreuung durch Mehrgenerationenhäuser<br />
aufgefangen werden können. Es kann doch nicht alles nur am Geld<br />
liegen, wir brauchen wieder echte Solidarität und Miteinander.
</p>
<p>
<b>Ingrid: </b>Wir sollten damit aufhören, die<br />
Alten gegen die Jungen und umgekehrt aufzubringen
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Mir ist es in dieser Diskussion sehr<br />
wichtig, sie sachlich und fair zu führen und nicht in<br />
Schwarz-Weiß-Schlagworten wie &quot;junge Schnösel&quot;<br />
oder &quot;Kampfrenter&quot; zu enden. Daher waren nicht alle<br />
Einlassungen etwa des Altbundespräsidenten einer differenzierten<br />
Auseinandersetzung dienlich. Zudem haben sie vollkommen Recht, neben<br />
der rein materiellen Frage einer Rentenerhöhung sollten wir mit<br />
Blick auf unsere älter werdende Gesellschaft mindestens genauso<br />
intensiv über neue Wohnformen im Alter reden. Insbesondere weil immer mehr Ältere nicht mehr in<br />
unmittelbarer Nähe zu ihren Kindern leben können. Und über<br />
ehrenamtliches Engagement im Alter (das Beispiel der 99-jährigen<br />
aus der gestrigen Anne Will Sendung hat mir sehr imponiert), bei dem<br />
wir die enormen Ressourcen gerade auch der Älteren weiter für<br />
die Gesellschaft nutzen können oder aber auch über<br />
Altersdiskriminierung diskutieren. Das ist für die Frage auch<br />
der Wertschätzung von Älteren mindestens genauso wichtig.<br />
Ich würde mich freuen, wenn es gelänge, die Debatte auch<br />
stärker in diese Richtung zu lenken.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Das war eine gute Stunde hier im<br />
tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Jens Spahn, dass Sie sich Zeit für<br />
die Diskussion mit den Leserinnen und Lesern von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de genommen haben. Dankeschön auch an unsere<br />
User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen<br />
konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Abend.
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Ich danke auch und wünsche viel<br />
Sonne heute abend!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Gesetzliche Eingriffe in die Tarifhoheit sind nicht erforderlich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Tarifautonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Müntefering]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeitsfaktor]]></category>
		<category><![CDATA[Rente]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/m%FCntefering_neu.jpg" alt="Franz Müntefering" align="left" border="0" height="113" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Franz Müntefering, war am 3. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/m%FCntefering_neu.jpg" alt="Franz Müntefering" align="left" border="0" height="113" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Franz Müntefering, war am 3. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><br />
</span></b></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir den SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering im ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Er wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Zeit naht, wo der Vermittlungsausschuss Ergebnisse liefern wollte.<br />
Nun hieß es, die Bundesregierung wolle beim Thema Kündigungsschutz<br />
deutlich auf die Union zugehen. Der soll künftig erst ab 10 Beschäftigten<br />
gelten, bisher waren es 5. Im Gegenzug müsse die Union auf Änderungen<br />
bei der Tarifautonomie verzichten. Hört sich doch wie ein vernünftiger<br />
Kuhhandel an &#8211; oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Gesprochen wird über alles, aber es gibt keine Vereinbarung, die<br />
verbindlich ist, solange nicht alles vereinbart ist. Wie beim Puzzle &#8211;<br />
wenn ein Stück fehlt, stimmt das ganze Bild nicht mehr. Also: Noch<br />
ist nichts entschieden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der Kanzler sagt nun, es müsse eine Lösung gefunden werden,<br />
die die Balance zwischen zentralen Verhandlungen und tariflicher Notwendigkeit<br />
einhalte. Wie steht die SPD nun zur Öffnungsklausel? Zwischen den<br />
Aussagen gibt es doch einen Widerspruch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Wenn sie die Frage der Tarifhoheit meinen? Sie ist grundgesetzlich verankert<br />
und steht nicht zur Disposition. Praxis ist aber auch heute schon, dass<br />
in Betrieben, die Existenzprobleme haben, es Sondervereinbarungen gibt,<br />
im Einvernehmen beider Tarifparteien. Diese freiwillige Regelung macht<br />
jede gesetzliche überflüssig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Streit</b>: DGB-Chef<br />
Michael Sommer und Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sind mit dem<br />
gemeinsamen Versuch gescheitert, drohende gesetzliche Eingriffe in die<br />
Tarifautonomie zu verhindern. Sind ihre Vermittlungsbemühungen damit<br />
gescheitert und wer ist Schuld an dem Scheitern &#8211; DGB oder BDA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich war nicht dabei, bedauere aber das Scheitern. Für den Vermittlungsausschuss<br />
hat das aber keine Konsequenzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius Knaak</b>:<br />
Die Union will Unternehmen per Gesetz mehr Abweichungen vom Tarifvertrag<br />
ermöglichen. Bisher lehnen sie eine Aufweichung der Tarifautonomie<br />
ab &#8211; bleibt es dabei oder wird es bei den Verhandlungen einen Kompromiss<br />
geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Tarifhoheit liegt bei den Tarifparteien. Sie haben auch die Hoheit,<br />
die Modalitäten für Abweichungen von den vereinbarten Verträgen<br />
zu beschließen. Das tun sie und das klappt in aller Regel auch gut.<br />
Noch mal: Gesetzliche Eingriffe sind nicht erforderlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Stichwort Nachhaltigkeitsfaktor:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Olpe</b>: Erst wird der demografische Faktor nach ihrem ersten Wahlsieg<br />
1998 wieder gestrichen, jetzt wird er hektisch wieder eingeführt.<br />
Warum wechseln Sie den Kurs?</span>
</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Menschen leben länger. Das ist gut so. Bedeutet aber auch, dass<br />
länger Rente gezahlt werden muss. Im Gegensatz zur Lebenszeit ist<br />
die Lebensarbeitszeit in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Das passt<br />
nicht zueinander. Es sind deshalb verschiedene Maßnahmen nötig.<br />
Das Renteneintrittsalter muss faktisch steigen und es muss eine gerechte<br />
Balance geben zwischen den aktiven und der Rentnergeneration. Was wir<br />
jetzt vorschlagen, ist deutlich weitegehender als die seinerzeit von der<br />
heutigen Opposition vorgeschlagene Regelung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber das wussten Sie doch 1998 auch schon.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Man kann auch klüger werden. Die 98er Regelung hätte allerdings<br />
bei weitem auch nicht gereicht und man hätte jetzt ohnehin nachsteuern<br />
müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dre</b>: Warum<br />
wollen sie den anhaltenden Trend zur Frühverrentung stoppen? Die<br />
Wirtschaft nutzt dieses Mittel doch sehr intensiv?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Lebensarbeitszeit ist nicht mehr ausreichend lang. Die Menschen gehen<br />
im Schnitt mit 21 in den Beruf und mit rund 59 aus dem Arbeitsleben heraus.<br />
38 Lebensarbeitsjahre ist aber deutlich zu wenig. Leider hat das alles<br />
auch dazu geführt, dass die 45- und 55-Jährigen am Arbeitsmarkt<br />
fast keine Chance mehr haben. Das kann so nicht bleiben. Wir müssen<br />
möglichst nahe an das gesetzliche Renteneintrittsalter von 65 heran.<br />
Die Wirtschaft macht Personalpolitik indirekt mit den Mitteln unserer<br />
Sozialsysteme. Das spricht auch gegen die beschriebene Entwicklung der<br />
letzten Jahre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Thema Steuerreform:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>eilig</b>: Kommt es in der Frage der Steuersenkung bei den Verhandlungen<br />
im Vermittlungsausschuss zu einem Kompromiss?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Das weiß man heute nicht. Auf jeden Fall gibt es die kleine Steuerreform,<br />
die für den 1.1.2004 beschlossen ist. Fraglich ist, ob die Union<br />
einverstanden ist, die Steuerreform, die für 2005 vorgesehen ist,<br />
ein Jahr vorzuziehen. Das wäre gut. Eine Familie mit 2 Kindern könnte<br />
dann ab Januar monatlich 3137 Euro Einkommen haben, ohne dass sie steuern<br />
zahlen müsste. Anders ausgedrückt: Diese Familie müsste<br />
im nächsten Jahr 2004 rund 2840 Euro Lohnsteuer weniger zahlen als<br />
im Jahre 1998, als die SPD Regierung begann. Das ist schon eine gewaltige<br />
und positive Entwicklung. Ich hoffe, die CDU/CSU besinnen sich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dre</b>: Kann der<br />
Abbruch der Gespräche zwischen DGB und der Wirtschaft die Verhandlungen<br />
zwischen Bundesregierung und Opposition im Vermittlungsausschuss von Bundestag<br />
und Bundesrat zusätzlich belasten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das glaube ich Ihnen so nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Es ist keine Frage von Glauben. Die Fakten sind wie oben beschrieben.<br />
Abweichungen von Tarifverträgen müssen in bestimmten Situationen<br />
möglich sein. Sie sind es aber auch heute schon und es gibt eine<br />
ausgedehnte Praxis dazu. Die, die Tarifhoheit aushebeln wollen, wollen<br />
wohl die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften entscheidend schwächen.<br />
Ich bin sicher, mit einer solchen Parzellierung und Individualisierung<br />
bei der Vertretung der Arbeitnehmerinteressen wäre niemandem gedient.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard2.jpg" alt="Franz Müntefering" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Neheimer</b>: Bei<br />
den Grünen hält der Ärger über das Angebot von Bundeskanzler<br />
Schröder (SPD) an, China die stillgelegte Hanauer Plutonium-Fabrik<br />
zu verkaufen. Wie wollen sie da vermitteln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich empfehle keine Schnellschüsse. Wir warten ab, bis der Kanzler<br />
aus China zurück ist und wir Einzelheiten über dieses Thema<br />
dann erfahren. Es muss sich keiner mit schnellen Antworten beeilen: Vor<br />
Weihnachten gibt es sicher keine Beschlüsse mehr dazu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bay9975</b>: Hallo,<br />
Herr Müntefering, ist es mit dem Grundgesetz Art. 3 vereinbar, das<br />
Rentner den vollen Beitrag zur Pflegeversicherung zahlen sollen, wenn<br />
doch jeder vor dem GG gleich ist? Wieso wird dann der Rentner in der Minderheit<br />
benachteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Der Beitrag zur Pflegeversicherung wird von den aktiven Arbeitnehmern<br />
fast zu 100% bezahlt, ist also eine Gleichbehandlung der Rentnerinnen<br />
und Rentner. Bisher hat der Bund als fiktiver Arbeitgeber der Rentner<br />
die Hälfte des Beitrages bezahlt. Und das soll sich nun ändern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>henrike</b>: Gibt<br />
es Streit zwischen den Gewerkschaften und der SPD, weil sie bei den Verhandlungen<br />
mit der Union eine Einigung finden müssen, aber die Gewerkschaften<br />
hart bleiben und sich quer stellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Entscheidung liegt bei der Politik. Aber ich sehe große Übereinstimmungen<br />
in Sachen Tarifhoheit zwischen uns und den Gewerkschaften, übrigens<br />
auch zu den Arbeitgeberverbänden. Die Ausnahme von Tarifverträgen<br />
funktioniert, wo das nötig ist, und darauf kommt es an. Prinzipienreiterei<br />
führt dabei nicht weiter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fridericus</b>:<br />
Der Union Orientierungs- und Konzeptlosigkeit vorzuwerfen, ist ja nach<br />
Leipzig keinesfalls haltbar. Im kommenden Jahr stehen Landtagswahlen in<br />
Thüringen und NRW, ihrem &quot;Stammland&quot; an. Sehen sie sich<br />
ohne Euphemismen und Polemik in der Lage, ihre Klientel zu mobilisieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Franz Müntefering</b>: Parteitage sind eines, die politische Lebenswirklichkeit<br />
das andere. Die Konzepte von CDU/CSU zu Steuern und Alterssicherung sind<br />
in der Praxis nur schwer kompatibel. Und CDU und CSU sind offensichtlich<br />
auch bei weitem nicht einer Meinung. Die SPD wird durch Handeln überzeugen,<br />
wir haben konkrete umsetzbare Gesetze vorgelegt und die Debatte um Erneuerung<br />
in dieser Gesellschaft mutig begonnen. Ich bin sicher, das kommende Jahr<br />
wird wieder besser, als dieses. Vor allem aber: Deutschland kommt auf<br />
einen guten Weg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ihr Ansehen in der SPD steigt und steigt. Bei der Basis ist manchmal laut<br />
Presseberichten im Gespräch über Sie schon vom &quot;roten Messias&quot;<br />
die Rede. Woher kommt die plötzliche Zuneigung? Sie exekutierend<br />
doch weiterhin die ungeliebten rot-grünen Reformen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich habe keine Zahlen über mein Ansehen in der Partei, habe aber<br />
gute Erfahrungen in den Kontakten dieser Monate. Ich glaube, ich bin exemplarisch<br />
für eine bestimmte Gruppe langjähriger Mitglieder und die Partei<br />
respektiert, dass ich offen und klar sage, dass ich bestimmte politische<br />
Instrumente anders beurteile als vor Jahren und dass das so sein muss,<br />
weil die Rahmenbedingungen sich verändert haben. Messias ist ein<br />
bisschen viel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oliKahn</b>: Wie<br />
bewerten sie einen Vorschlag der Unionsseite, wichtige Subventionen und<br />
Steuervergünstigungen wie die Eigenheimzulage oder die Pendlerpauschale<br />
im nächsten Jahr um 12 Prozent zu kürzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die SPD will die Eigenheimzulage abschaffen und die Entfernungspauschale<br />
halbieren. Dagegen wehren sich CDU/CSU. Gleichzeitig fordern sie Subventionskürzungen.<br />
Soviel zur Frage Glaubwürdigkeit. Koch/Steinbrück haben ihrerseits<br />
geringere Veränderungen bei den beiden genannten Subventionsbereichen<br />
vorgeschlagen. Ich hoffe, es kommt da etwas in Bewegung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sind die 12 Prozent realistisch oder ist mehr drin?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Es ist mehr drin. Aber CDU/CSU und auch FDP zögern. Sie reden Sonntags<br />
groß von Subventionskürzungen. Aber in der Praxis haben sie<br />
keinen Mut. Das sie gleichzeitig die Neuverschuldung des Bundes kritisieren,<br />
macht die Schizophrenie ihrer Argumente deutlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>OHje:</b> Der stellvertretende<br />
Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Friedrich Merz, warf Clement<br />
Versagen vor. Clement habe sich in zentralen Punkten nicht mit seiner<br />
Politik in der SPD-Fraktion durchsetzen können. Was soll mir als<br />
Bürger das sagen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Das müssen Sie Herrn Merz fragen. Der redet gerne viel und laut.<br />
Wolfgang Clement macht einen guten Job. Manchmal streitet er in der Sache<br />
auch mit uns. Aber das gehört zum politischen Geschäft mit dazu.<br />
Niemand hat von Anfang an die Wahrheit auf seiner Seite. Diskussionen<br />
um den richtigen Weg sind immer hilfreich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edi_Berlin</b>:<br />
Multimilliardär Warren Buffet zahlt Vermögenssteuer, warum ist<br />
dieses Thema bei uns vom Tisch?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard3.jpg" alt="Chat-Runde" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die SPD hat jüngst auf unserem Parteitag sich noch einmal ausdrückliche<br />
gegen eine Vermögenssteuer ausgesprochen. Wir wollen aber in Sachen<br />
Erbschaftssteuer, wo ohnehin ab 2005 eine Neuerung fällig ist, prüfen,<br />
ob es eine begrenzte Anhebung geben sollte, allerdings mit Ausnahmen für<br />
die Situation von Generationenwechsel in Unternehmen. Und das Schonvermögen<br />
für Private, z.B. im Bereich Wohneigentum, müsste auch hoch<br />
genug bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rentenrudi</b>:<br />
Was halten sie vom Vorschlag der Grünen, die Vermögenssteuer<br />
wieder einzuführen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Grünen sind fein, aber klein. Das wird wohl nichts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schwitz</b>: Ich<br />
bin SPD-Stammwähler &#8211; trotzdem, können sie verstehen dass es<br />
der Bevölkerung schwer fällt, ihnen glauben zu schenken, wenn<br />
ihre großen Maßnahmen dieser Tage Wiederherstellungen von<br />
Fehlern vor vielen Jahren sind, siehe &quot;Nachhaltigkeitsfaktor&quot;?<br />
Würde sie sich vertrauen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Rahmenbedingungen verändern sich dramatisch und schnell. Ich<br />
verweise auf Globalisierung, Europäisierung, demographischer Wandel,<br />
kein Wachstum seit 3 Jahren. Die Politik muss also handeln. Und das machen<br />
wir mit Augenmaß und Verantwortung. Wir sichern die Substanz des<br />
Sozialstaates und sorgen für nachhaltiges Wachstum und für Wohlstand.<br />
In den 90er Jahren ist in Deutschland zu viel liegengeblieben. Der damalige<br />
Nachhaltigkeitsfaktor war keinesfalls ausreichend für das, was heute<br />
fällig ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Aggrippina</b>:<br />
Wie werden Familien unterstützt? Ich habe drei ältere Schwestern<br />
und meine Mutter hat ihren Beruf aufgegeben &#8211; wegen uns. Wir alle bekommen<br />
von meinen Eltern ein Studium finanziert &#8211; wie entlohnen Sie das? Meine<br />
Mutter bekommt vielleicht nur eine geringfügige Rente, weil sie ja<br />
&quot;nicht gearbeitet&quot; hat, das ist eine Frechheit. Was sagen Sie<br />
dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Wir haben in unserer Zeit die Anrechnungszeiten für Kinder auf dem<br />
Rentenkonto der Mütter deutlich verbessert und wir haben dafür<br />
gesorgt, dass es wieder mehr BAföG gibt für jene, die darauf<br />
angewiesen sind. Trotzdem bleibt es nötig, Familien mit Kindern weitere<br />
Entlastungen zu geben. Unsere Steuerreform könnte dabei hilfreich<br />
sein. Das Thema Familie und Kinder bleibt aber im Zentrum der Politik<br />
und dazu gehört auch die Vereinbarkeit von Familie und Kinder und<br />
Beruf zu verbessern. Dafür tun wir eine ganze Menge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Olaffer</b>: Das<br />
Zuwanderungsgesetz hat große Schwächen. Es begrenzt nicht die<br />
Zuwanderung, sondern breitet neue Schwierigkeiten im Bereich der Integrationspolitik,<br />
sagt die Union. Wie verteidigen sie ihre Position?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Verhandlungen dazu laufen. Ich hoffe, das Gesetz kommt zustande. Im<br />
Bereich der Arbeitsmigration geht es vor allem um langfristige Regelungen.<br />
Wichtig ist mir auch eine verbesserte Integrationspolitik. Gerade die<br />
Städte und Gemeinden sind davor zum Teil vor außergewöhnliche<br />
Herausforderungen gestellt. Das nächste Frühjahr wird zeigen,<br />
ob eine gemeinsame Linie zwischen Koalition und Opposition möglich<br />
wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Es hieß bislang, eine Einigung beim Zuwanderungsgesetz werde &quot;nahe&quot;<br />
am bereits vorliegenden Gesetzentwurf von Rot-Grün stattfinden &#8211;<br />
schließlich gibt es auch in der Union ein paar &quot;Freunde&quot;<br />
des Gesetzes. Stimmt das noch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Jedenfalls verstecken sie sich gut. Aber das Gesetz ist in Sachen Asyl,<br />
Arbeitsmigration und Integration so ausgewogen, dass auch CDU/CSU Politiker<br />
dem zustimmen können müssten. Frau Süßmuth war bekanntlich<br />
die Vorsitzende der Kommission, die die Grundlagen für dieses Gesetz<br />
geschaffen hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wollen Sie auch ein &quot;Plus&quot; beim Zuwanderungsgesetz, um zustimmen<br />
zu können &#8211; so wie Ihr Koalitionspartner?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Was heißt &quot;Plus&quot;?</span>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Grünen wollen eine Verbesserung der aktuellen Rechtslage.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Im Bereich humanitäre Regelungen und Arbeitsmigration sehe ich da<br />
keine Möglichkeiten der Ausweitung. In Sachen Integration kann uns<br />
die Gemeindefinanzreform helfen, die den Kommunen finanzielle Entlastungen<br />
bringen soll. Ich finde, man sollte das Gesetz jetzt nicht nach allen<br />
Seiten hin ausweiten, sondern versuchen, es umzusetzen. Und das wäre<br />
schon eine ganze Menge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rentenrudi</b>:<br />
In Berlin streiken die Studierenden, in Hessen und Niedersachsen auch.<br />
Die Politik des Sparens kommt nicht an, ein Vermittlungsproblem der Politik?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Sparen ist nie populär. Aber die Kassen sind leer und wir dürfen<br />
nicht über unsere Verhältnisse leben. Es bleibt allerdings dabei:<br />
Bildung und Forschung sind zentrale Voraussetzungen für nachhaltigen<br />
Wohlstand. Deshalb haben wir auf Bundesebene auch diesen Etat in den vergangenen<br />
Jahren stark angehoben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Felix</b>: Angesichts<br />
der Unterfinanzierung der Universitäten im ganzen Land: Ist es nicht<br />
an der Zeit, das Hochschulwesen zur Bundesangelegenheit zu erklären?<br />
Wir steuern doch auf das amerikanische Hochschulsystem zu: Fünf herausragende<br />
Unis, der Rest ist grottenschlecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering:</b><br />
Wir haben eine Kommission zur Modernisierung bundesstaatlicher Ordnung<br />
eingesetzt. Dabei geht es um Chancen und Grenzen unserer föderalen<br />
Strukturen. Ich glaube, unsere Länder haben insgesamt eine gute Bildungs-<br />
und auch Hochschulpolitik gemacht und eine simple Zentralisierung würde<br />
keine automatische Besserung bedeuten. Wir müssen aber Wege finden,<br />
Hochleistungsuniversitäten und andere Bildungseinrichtungen zu haben<br />
und zu fördern.</span>
</p>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nullhundertneunzig</b>:<br />
Ist Merkel die Herausforderin von Schröder?</span>
</p>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Noch ist nicht klar, ob sie am 11. Januar 2006 wieder zu einem Frühstück<br />
eingeladen wird und unterschreiben muss. Warten wir ab, was ihre Jungs<br />
so machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das war&#8217;s, vielen Dank Herr Müntefering, dass Sie sich die Zeit genommen<br />
haben! Vielen Dank an alle User für das Interesse und die vielen<br />
Fragen. Das tacheles02-team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag. Nächste Woche gibt es die nächsten Chats, unter anderem<br />
mit Paul Kirchhof und Edelgard Bulmahn.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Bedanke mich bei allen, die mitgemacht haben, wünsche einen schönen<br />
Tag &#8211; miteinander reden lohnt sich immer.</span></p>
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