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	<title>republica 14 &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Köpfe voll – Kasse leer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2014 16:03:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Netzaktivismus ist hierzulande ein zähes Geschäft. Trotz Ausspähskandal und nicht enden wollender Enthüllungen fehlt dem Engagement im und um das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bekassine.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-140522" alt="Bekassine" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bekassine.png" width="640" height="345" /></a>Netzaktivismus ist hierzulande ein zähes Geschäft. Trotz Ausspähskandal und nicht enden wollender Enthüllungen fehlt dem Engagement im und um das Netz oft die finanzielle Basis. Die Frage ist: Warum bekommen deutsche Internetaktivisten zu wenig finanzielle Unterstützung?<br />
Die Bekassine, der Vogel des Jahres 2013, wird auch „Meckervogel“ genannt, nicht weil er sich über die permanente Zerstörung seines Lebensraumes beschwert, sondern weil das Meckern zu seinen typischen Balzgeräuschen gehört. Anscheinend lockt das Meckern nicht nur Weibchen an, sondern auch spendable Vogelschützer, denn über 75.000 ehrenamtliche Helfer kümmern sich darum, dass der Lebensraum des Vogels erhalten bleibt.<br />
Der Netzaktivist und Internetberater Sascha Lobo hatte auf der diesjährigen re:publica in seiner <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3hbEWOTI5MI" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Rede zur Lage der Nation“</a>, die Bekassine als Beispiel dafür angeführt, dass die Eltern der Netzgemeinde etwas können, was die Kinder der Kostenlosgesellschaft anscheinend verlernt haben: sich finanziell für etwas einzusetzen, was ihnen am Herzen liegt. Das Ganze kulminierte in der Anklage: „Ihr twittert, aber ihr überweist nicht“.<br />
Sascha Lobo übertreibt gern ein wenig. Natürlich wird auch für netzpolitische Aktivitäten und Organisationen gespendet. Aber in dem vergleichsweise geringen Spendenvolumen, das auch <a href="http://politik-digital.de/spenden-im-netz-fuers-netz-ein-ueberblick/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unsere Recherche</a> ergeben hat, drückt sich etwas anderes aus: unsere Unfähigkeit, die Bedrohung und die bereits eingesetzte Zerstörung des digitalen Lebensraumes sichtbar zu machen. Denn die Empörung über die NSA-Affäre ist nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen.</p>
<h3>Wo liegt das Problem?</h3>
<p>Wolfgang Michal geht in <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/whistleblower-edward-snowden-der-hat-doch-gar-nichts-enthuellt-12982298.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seinem Artikel in der FAZ</a> sogar noch einen Schritt weiter, indem er behauptet, dass Edward Snowden gar nichts enthüllt habe, da die Enthüllungen frei von Inhalten gewesen seien und es sich nur um Metainformationen, um Zahlen-Hülsen handele, die aber nicht zu einer Emotionalisierung der Debatte führen würden. Michal zitiert dabei auch die Netzaktivistin Anne Roth, die in ihrer Analyse die Lethargie gegenüber der NSA-Affäre auf das Ohnmachtsgefühl gegenüber einem übermächtigen Gegner, auf die Genügsamkeit der Protestierenden, aber auch auf deren Zersplitterung und auf Eitelkeiten untereinander zurückführt.<br />
Und hier sind wir wieder beim Thema Geld. Die Netzaktivisten haben eine Menge Ideen im Kopf, aber sie konkurrieren auch um die begrenzten ökonomischen Mittel. Lobo hat deswegen Recht, wenn er fordert, dass wir für eine andere Netzkultur, für mehr Bürgerrechte im Internet mehr Geld, also Spenden benötigen. Nur müssen sich die Netzaktivisten auch kritisch fragen lassen, ob sie bei der Spendenakquise alles richtig machen. Sind die Kampagnen einfach und klar, die Ziele verständlich, ziehen alle Organisationen an einem Strang und &#8211; das ist die entscheidende Frage &#8211; wissen die Spender genau, was mit ihrem Geld passiert, sind also die Ausgaben transparent dargelegt?</p>
<h3>Mit guten Geschichten und langem Atem!</h3>
<p>In der NSA-Affäre wird das ungenaue Ziel vieler Kampagnen leider genau deutlich: Es gibt zu wenige Geschichten, keine tatsächliche Konsequenz aus dieser Affäre. Dem einen oder anderen Aktivisten wurde die Einreise in die USA verwehrt. Ok. Aber es ist (noch) nicht fassbar, wie wir uns verändern, wie wir Gedanken nicht mehr schreiben, weil wir uns zensieren und sie irgendwann auch nicht mehr denken. Diese Geschichten können aber geschrieben werden, sie brauchen nur einen langen Atem, sie brauchen großzügige Budgets und Journalisten mit Mut, die diesen Weg gehen wollen.<br />
Die Bekassine hat es da einfacher. Es ist sichtbar, wie ihr Lebensraum zerstört wird und dass immer weniger Exemplare der Spezies zu finden sind. Sie ist ein schutzloser Vogel, den wir Menschen bedrohen. Dass es schwieriger ist, Emotionen zu wecken, wenn wir uns gegenseitig bedrohen, einsperren, foltern oder töten, dies erleben viele Menschen auf dieser Welt leider tagtäglich.<br />
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/snoopsmaus/14216274406" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr/snoopsmaus</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="378" height="66" /></a><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Spenden im Netz fürs Netz – ein Überblick</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2014 15:17:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Netzpolitik und digitale Bürgerrechte – ein Nischenthema für Nerds und Netzaffine oder die größte Herausforderung unserer gegenwärtigen Gesellschaft? Irgendwie stimmt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Spenden.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-140483" alt="Spenden" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Spenden.png" width="640" height="338" /></a>Netzpolitik und digitale Bürgerrechte – ein Nischenthema für Nerds und Netzaffine oder die größte Herausforderung unserer gegenwärtigen Gesellschaft? Irgendwie stimmt ja beides. Während sich die Zivilgesellschaft zu Themen rund um das Internet immer besser organisiert, fehlt der wachsenden Anzahl an Akteuren in vielen Fällen die breite, leider auch finanzielle, Unterstützung. Doch worüber finanzieren die Organisationen sich stattdessen, wie akquirieren sie Spenden und worin unterscheiden sie sich in Finanzierung und Struktur? Ein Überblick über die Netzaktiven und Aktiven im Netz.<br />
Mit seiner <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3hbEWOTI5MI&amp;feature=kp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Rede zur Lage der Nation“</a> auf der diesjährigen re:publica ging es Sascha Lobo auch darum, eine Diskussion über Internet-Aktivismus und dessen chronische Unterfinanzierung anzustoßen. Knackpunkt ist dabei häufig die mangelnde Bereitschaft der Sympathisanten, sich auch tatkräftig oder mittels Spenden zu engagieren. Um den ewigen Status als „Hobby-Lobby“ zu überwinden, müssten die Netzorganisationen ihre Finanzierung jedoch umso mehr auf ein festeres Fundament stellen &#8211; unabhängig und jenseits von Zeitdruck und ökonomischen Zwängen.<br />
Wo also liegt das Problem? Sind die Menschen tatsächlich nicht bereit, netzpolitisches Engagement zu unterstützen? Fehlt es an öffentlichkeitswirksamen Narrativen, handfesten Bedrohungen oder dem Bewusstsein für die Bedeutung netzpolitischer Themen? Oder mangelt es an Professionalität in der Öffentlichkeitsarbeit und Spendenakquise der Organisationen und Vereine?<br />
Unter dem Motto <em>„Was kostet die Demokratie?“</em> wollen wir herausfinden, wie es denn nun konkret um die Spendenbereitschaft der Netzinteressierten bestellt ist und welchen Anteil Spenden in den Einnahmen der führenden Netzorganisationen haben. Wir versuchen einen besseren Einblick in die Finanzierung spendengestützter Netzorganisationen zu gewähren und die Mittelverwendung  verstärkt zu thematisieren. Mit diesem Beitrag wollen wir die Debatte über Defizite, Möglichkeiten und Professionalisierungsbedarf der Organisationen, zu der wir auch unsere zählen, fortsetzen.</p>
<h3>Wie ist das bei uns?</h3>
<p>Aus eigener Erfahrung mit unserer Arbeit für <b>politik-digital e.V.</b> können wir sagen, dass Spenden mit unter 5.000 Euro im Jahr gegenüber 350.000 Euro Gesamteinnahmen nur minimal zu unserer Finanzierung beitragen. Stattdessen sind wir in unserer Arbeit auf alternative  Finanzierungsmodelle angewiesen. So generieren wir einen Großteil der Einnahmen durch Dienstleistungen in den Bereichen Redaktion und Live-Kommunikation. Damit finanzieren wir u.a. die Redaktion und den Betrieb von politik-digital.de als verlagsunabhängige und parteienübergreifende Informations-, Kommunikations- und Partizipationsplattform zum Thema Politik und Internet.<br />
Auftraggeber der Dienstleistungen sind beispielsweise die Bundeszentrale für politische Bildung (<a href="http://www.bpb.de/politik/wahlen/europawahl/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online-Dossier zur Europawahl</a>), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (<a href="http://www.ganztagsschulen.org/">http://www.ganztagsschulen.org/</a>), die <a href="http://www.test.de/suche/?q=chat&amp;ff=P3F1ZXJ5PWNoYXQmY2hhbm5lbD1kZSZmb2xsb3dTZWFyY2g9OTk3NSZmb3JtYXQ9WE1M0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stiftung Warentest</a> oder der Deutsche Akademische Austauschdienst (<a href="https://www.study-in.de/de/community/chat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DAAD</a>). Mit der <a href="http://digitale-buergersprechstunde.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitalen Bürgersprechstunde</a> (DBS) wird außerdem eines unserer Projekte in Teilen von Google Deutschland mit unterstützt.<br />
Fundraising betreibt der Verein nur in geringem Maße. Zwar wird für die DBS gezielt um Zuschüsse und Spenden geworben, darüber hinaus beschränkt sich die Akquise allerdings auf wenig prominente <a href="http://verein.politik-digital.de/spenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spendenaufrufe auf unserer Seite</a>.<br />
Wir fragten bei insgesamt 12*<ins cite="mailto:SimonePoldi" datetime="2014-06-17T17:41"></ins><ins cite="mailto:SimonePoldi" datetime="2014-06-17T17:41"></ins> Vereinen, Organisationen und Initiativen im Bereich der Netzpolitik und des Netz-Aktivismus nach, um Einblicke in den Status Quo der Spendenbereitschaft zusammenzutragen und Lobos Klage mit den notwendigen Fakten zu unterlegen. In sieben Fragen baten wir sie um Auskunft darüber, wie hoch ihre Spendeneinnahmen (auch gegenüber alternativen Einnahmequellen) sind, woher diese größtenteils stammen und auf welche Weise bzw. wie aufwendig sie um Spenden werben. Antworten erhielten wir von acht der angeschriebenen Organisationen. In einem Fall konnten wir die Informationen teilweise selbst recherchieren.</p>
<h3>Netzpolitik: Ein heterogenes Feld</h3>
<p>Nach einem ersten Blick auf die Antworten wird zunächst eines deutlich: So unterschiedlich die von uns adressierten Akteure in Struktur, Aktivitäten und Inhalten sind, so vielfältig sind auch ihre Finanzierungsmodelle. Während sich einige Vereine vorrangig über ihre Mitgliederbeiträge und somit relativ solide finanzieren können, sind andere Organisationen sehr viel mehr von Spenden abhängig. Andere wiederum finanzieren sich teilweise über Dienstleistungen oder konkrete Kampagnenzuschüsse. Außerdem muss unterschieden werden zwischen Organisationen, die vor allem von Großspendern wie Stiftungen oder gar Unternehmen getragen werden, und jenen, die vor allem Einzelpersonen ansprechen. Im Folgenden haben wir versucht entlang dieser Differenzierungen das Feld der im Netz aktiven und netzpolitischen Organisationen zu skizzieren und ihren Praktiken der Spendenakquise gegenüberzustellen.</p>
<hr />
<p>[expand title=&#8221;<strong>Digitalcourage</strong>&#8220;]<br />
Jenseits der Berliner Hauptstadtblase verrichten beispielsweise die Netzaktivisten von <a href="http://digitalcourage.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Digitalcourage</b> <b>e.V.</b></a> (vormals FOEBUD) seit 1987 ihre Arbeit in Bielefeld. In ihrem Engagement für „<a href="https://digitalcourage.de/ueber-uns" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bürgerrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter</a>“ richten sie sich mit verschiedenen Aktionen, Projekten und Initiativen an die Öffentlichkeit.<br />
Hier machten im Geschäftsjahr 2012 (<a href="https://digitalcourage.de/ueber-uns/transparenzbericht-wer-steht-hinter-digitalcourage-und-wie-verwenden-wir-die-spenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transparenzbericht</a>) die erwirtschafteten Einnahmen etwa 20 Prozent der Gesamteinnahmen von ca. 315.000 Euro aus, Mitgliedsbeiträge etwa 11 Prozent, Einzelspenden ca. 30 Prozent sowie Großspenden und Zuschüsse  41 Prozent. Eine besondere Rolle nehmen bei Digitalcourage gezielte Bezuschussungen im Rahmen der <a href="https://www.bigbrotherawards.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Big Brother Awards</a> ein. Die Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen kann damit insgesamt als hoch angesehen werden.<br />
Der Verein ist allerdings darum bemüht, sein finanzielles Fundament vor allem über Kleinspenden zu stützen, die für einen breiteren Rückhalt in der Gesellschaft stehen. Dazu ist es laut eigener Aussage insbesondere wichtig, auch jenseits der netzaffinen Community Geldgeber zu gewinnen. Dennoch setzen die Bielefelder vor allem auf klassische Spendenaufrufe in ihrem Newsletter, in ihren Druckmaterialien und auf <a href="https://digitalcourage.de/spende" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ihrer Homepage</a>. Darüber hinaus werden Stiftungen und weitere korporative Geldgeber gezielt und projektbezogen angeschrieben. Gegen externes Fundraising hat man sich hier jedoch bewusst entschieden und integriert die Akquise stattdessen in die alltäglichen Bürotätigkeiten, um Wissen und Ressourcen innerhalb des Vereins zu belassen. Darüber hinaus wurde ein Fundraisingberater hinzugezogen, um das Team in diesem Bereich weiter zu schulen.<br />
Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen: hoch<br />
Mitgliederbeiträge: mittel<br />
Anteil der Großspender: mittel<br />
Anteil von Unternehmensspenden: gering<br />
Akquise-Bemühung: mittel<br />
[/expand]<br />
&nbsp;<br />
[expand title=&#8221;<strong>Internet Gesellschaft Collaboratory</strong>&#8220;]<br />
Eine völlig andere Finanzstruktur findet sich beim <a href="http://www.collaboratory.de/w/Hauptseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Internet &amp; Gesellschaft Collaboratory e.V.</b></a>, das aber auch andere Ziele verfolgt. Als „ <a href="http://www.collaboratory.de/w/%C3%9Cber_uns" target="_blank" rel="noopener noreferrer">offene Experten- und Interventionsplattform</a>“ will das CoLab vor allem dazu dienen, interdisziplinär und praxisbezogen neue Diskussionen und Projekte in der digitalen Gesellschaft anzustoßen.  Der junge Verein (Gründungsjahr 2012) zehrt noch von einer Anschubfinanzierung des Initiators Google Deutschland und war auch im vergangenen Jahr weiterhin stark auf die Spenden des Konzerns angewiesen (56,7 Prozent der Gesamteinnahmen). Die restliche Finanzierung errechnet sich durch einen Jahresübertrag, nicht-monetäre Zuwendungen und  zu 11,3 Prozente über projektbezogene Kostenbeteiligungen (u.a. Bertelsmann Stiftung, Wikimedia). Kleinspender stehen hingegen  bislang noch kaum auf der Geberliste des Vereins (unter 5 Prozent). Darüber hinaus profitiert das CoLab projektbezogen auch von der engen Zusammenarbeit und dem Austausch mit anderen Organisationen.<br />
Entsprechend seiner Finanzierungsstruktur adressiert das Collaboratory vornehmlich Unternehmen und Stiftungen, die im selben Feld tätig sind, „d.h. mit dem Internet oder weitestgehend mit dem digitalen Wandel in Berührung stehen.“ Neben dem obligatorischen Spendenaufruf auf der Webseite und einem Eintrag bei <a href="https://www.boost-project.com/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">boost-project.com</a>, werden diese gezielt angeworben, häufig auch im Rahmen konkreter Projektfinanzierung (Sponsoring). Insgesamt verwendet der Verein 40-50 Prozent seiner Personalausgaben auf Fundraising.<br />
Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen: hoch<br />
Mitgliederbeiträge: gering<br />
Anteil der Großspender: hoch<br />
Anteil von Unternehmensspenden: hoch<br />
Akquise-Bemühung: hoch<br />
[/expand]<br />
&nbsp;<br />
[expand title=&#8221;<strong>Digitale Gesellschaft</strong>&#8220;]<br />
Die <a href="https://digitalegesellschaft.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Digitale Gesellschaft</b></a> gründete sich 2010 und wurde auf der re:publica 2011 der Netz-Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem hat der eingetragene Verein einen stabilen Stamm an <a href="https://digitalegesellschaft.de/foerdermitglied/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fördermitgliedern</a> aufgebaut, der sein finanzielles Rückgrat bildet. Durch konstante monatliche Mitgliedsbeiträge von mindestens 5 Euro und durchschnittlich 5-10 Euro verschaffen die Fördermitgliedschaften den Netzaktivisten eine gewisse Planungssicherheit. Darüber hinaus spielen traditionelle Kleinspenden eine große Rolle. Insgesamt kam die Organisation im Jahr 2011 somit auf eine Spendensumme von knapp 13.500 Euro, wie dem aktuellen <a href="https://digitalegesellschaft.de/uber-uns/transparenz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transparenzbericht</a> zu entnehmen ist. Die zweite große Säule der Finanzierung bilden Großspenden von Stiftungen. Seit Mai 2013 beispielsweise empfängt der Verein eine Förderung der <a href="http://www.opensocietyfoundations.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stiftungsgruppe Open Society Foundations</a>, die im vergangenen Jahr jede Spendeneinnahme des Vereins mit einem Euro bezuschusst hat. Auch konnte die Bridge-Stiftung zwischen 2012 und 2013 dafür gewonnen werden, die <a href="http://echtesnetz.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kampagne der Digitalen Gesellschaft zur Netzneutralität</a> mit 9.500 Euro zu unterstützen.<br />
Bereits auf ihrer Startseite wirbt die Digitale Gesellschaft sehr prominent um Fördermitglieder. „Arbeit für digitale Bürgerrechte kostet Zeit und Geld“, heißt es dort. Angesichts der geringen Anzahl hauptberuflicher und voller Arbeitsstellen betreibt der Verein kein aufwendiges oder professionelles Fundraising, sondern bindet den Spendenappell stattdessen <a href="https://digitalegesellschaft.de/spenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">auf der Webseite</a> und in Publikationen ein. Außerdem bemüht man sich stetig, bestehende Förderungen zu erhalten bzw. zu verlängern, und um neue Förderpartnerschaften projektbezogen zu werben.<br />
Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen: hoch<br />
Mitgliederbeiträge: mittel<br />
Anteil der Großspender: hoch<br />
Anteil von Unternehmensspenden: gering<br />
Akquise-Bemühung: hoch<br />
[/expand]<br />
&nbsp;<br />
[expand title=&#8221;<strong>netzpolitik.org</strong>&#8220;]<br />
<a href="https://netzpolitik.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>netzpolitik.org</b> </a> versteht sich selbst als „<a href="https://netzpolitik.org/about-this-blog/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Plattform für digitale Bürgerrechte</a>“ und besteht in seiner derzeitigen  Form seit dem Jahr 2004. Mit seiner  journalistischen Arbeit bewegt sich der Verein an der Schnittstelle von Internet, Gesellschaft und Politik. Dabei finanziert er sich nach eigener Aussage über mehrere Quellen: zum einen über Werbung, Gastbeiträge in anderen Medien und Einnahmen aus externen Vorträgen der Autoren, zum anderen über die Community, also<a href="https://netzpolitik.org/spenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> spendenbasiert</a>. Allerdings reichen die Einnahmen über die zuerst genannten klassischen Finanzierungsmodelle nicht aus. Dementsprechend sind die Netzpolitik-Experten zusätzlich auf Spenden angewiesen, um sich unabhängig und angemessen mit ihren Themen auseinandersetzen zu können.<br />
2013 startete man aufgrund des systematisch unausgeglichenen Haushaltes eine <a href="https://netzpolitik.org/2013/was-wollen-wir-mit-mehr-finanzierung-schaffen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spendenkampagne und -Debatte</a>  innerhalb der eigenen Community und legte im Zuge dessen auch <a href="https://netzpolitik.org/wp-upload/Infografik_netzpolitik_klein-725x1024.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die eigene Finanzierung</a> offen. Ziel sollte es unter anderem sein, die Leser davon zu überzeugen, so genannte Freiwilligen-Abonnements abzuschließen. Ein erstes positives <a href="https://netzpolitik.org/2014/unser-vermarktungsdilemma-teil-2-freiwillige-finanzierung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fazit</a> zog netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl  zu Beginn dieses Jahres: Seit dem Appell verfügt der Verein über relativ kontinuierliche Spendenzuflüsse von etwa 5.500 Euro monatlich und konnte dadurch sogar eine zusätzliche Halbtagsstelle finanzieren. Entsprechend ist und bleibt netzpolitik.org sehr stark auf die Spendenbereitschaft seiner Nutzer angewiesen.<br />
Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen: hoch<br />
Mitgliederbeiträge: hoch<br />
Anteil der Großspender: mittel<br />
Anteil von Unternehmensspenden: gering<br />
Akquise-Bemühung: mittel<br />
[/expand]<br />
&nbsp;<br />
[expand title=&#8221;<strong>abgeordnetenwatch.de</strong>&#8220;]<br />
Ein etwas anderes Ziel verfolgt <a href="http://www.abgeordnetenwatch.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Abgeordnetenwatch.de</b></a>. Die Organisation will einen  „direkten Draht von Bürgerinnen und Bürgern zu den Abgeordneten und Kandidierenden“  herstellen. Auch darüber hinaus setzt sich die Organisation für öffentlichen Dialog, Transparenz und die Verbindlichkeit von Politik ein.<br />
Das organisationale Konzept  sticht in gewisser Weise aus dem Feld der politischen Netzorganisationen heraus. Abgeordnetenwatch.de versteht sich als Sozialunternehmen und verfügt über eine bei Sozialunternehmen immer beliebtere Hybridstruktur, sprich eine Doppelstruktur aus Verein und GmbH: Die GmbH übernimmt  als technischer Dienstleister Aufträge für den Verein und stellt sie diesem in Rechnung. Im Jahr 2013 betrug der Wert dieser Dienstleistungen 73.471 Euro. Weitere Einnahmequellen der GmbH sind Medienpartner und Dienstleistungen für Partnerprojekte im Ausland sowie Gebühren für erweiterte Profile, die Kandidaten im Vorfeld von Wahlen angeboten werden.  Die Basisprofile der gewählten Abgeordneten sind jedoch ausschließlich spendenfinanziert. Die GmbH erreichte auf diese Weise im Jahr 2013 Gesamteinnahmen in Höhe von 236.107 EUR. 24 Prozent davon machten Einnahmen aus Profilerweiterungen für Kandidaten aus.<br />
Der Verein finanziert sich über Förderbeiträge, Kleinspenden, Stiftungszuwendungen und Kooperationen und erreichte <a href="https://www.abgeordnetenwatch.de/ueber-uns/mehr/finanzierung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">im Jahr 2013</a> Einnahmen in Höhe von 368.393 EUR. Während die Zuwendungen von Stiftungen in den vergangenen Jahren leicht schwankten (und zuletzt sanken), ist die Zahl der Kleinspender stetig gestiegen und erreichte zuletzt einen Wert von 265.383 Euro (72 Prozent der Vereinseinnahmen).<br />
Seit 2013 existiert eine Stelle für Fundraising (neben sechs weiteren Festangestellten, den zwei Geschäftsführern und einer Vielzahl freier Mitarbeiter). Darüber hinaus bittet der Verein über den Newsletter und den Spenden-Button auf der Startseite um Zuwendungen. Zumindest 5 Prozent seiner Einnahmen konnte der Verein durch Kooperationszuschüsse zu Einzelprojekten decken.<br />
Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen: hoch<br />
Mitgliederbeiträge: hoch<br />
Anteil der Großspender: mittel<br />
Anteil von Unternehmensspenden: gering<br />
Akquise-Bemühung: hoch<br />
[/expand]<br />
&nbsp;<br />
[expand title=&#8221;<strong>Liquid Democracy</strong>&#8220;]<br />
An der Schnittstelle von Politik und BürgerInnen angesichts einer veränderten Kommunikationsinfrastruktur arbeitet auch der Verein <a href="https://liqd.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Liquid Democracy e.V.</b></a> Der Verein bemüht sich durch die Bereitstellung von Software und Knowhow darum, <a href="https://liqd.net/about/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">demokratische Partizipation und Teilhabe zu befördern</a>.<br />
Die Einnahmen und Ausgaben des Vereins sind entsprechend der Organisationsphilosophie sehr transparent und <a href="https://liqd.net/about/transparency/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">online zugänglich</a>. Die Finanzierung teilt sich auch hier in unterschiedliche Geschäftsbereiche auf:  in den ideellen Bereich, den Zweckbetrieb sowie den steuerrechtlichen Geschäftsbereich. Die <a href="https://liqd.net/projekte/adhocracy-de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">freie Software Adhocracy</a> konnte in den vergangenen Jahren konstant einen Mehrwert erzeugen (2011: ca. 1.000 Euro und 2012/2013 bereits über 5.000 Euro). Auch die Einnahmen aus Beratungsleistungen und Software- Anpassungen konnten entsprechende Gewinne generieren (etwa 6.000 Euro für 2013).<br />
Interessant ist insbesondere der ideelle Bereich: Zuwendungen im Rahmen des <a href="http://policycompass.eu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EU-Projekts „Policy Compass“</a> (158.656,10 Euro) und <a href="http://www.stark-gemacht.de/de/aktuelles/meldungen/4start/gruenes_licht_erste_runde.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">“Aktiv mitentscheiden</a> (10.200,32Euro) beliefen sich 2013 auf zusammen rund 169.500 Euro. An Spenden hat der Verein im selben Zeitraum etwa 4.000 Euro eingenommen. Mitgliederbeiträge beliefen sich auf ca. 2.400 Euro. Im Vorjahr waren die Spendeneinnahmen mit 8.000 Euro wesentlich höher und die Mitgliederbeiträge nur geringfügig geringer. Auch von 2011 auf 2012 war das Spendenaufkommen stark gesunken (um 14.000 Euro), während die Mitgliedsbeiträge zumindest etwas zunahmen (um ca. 550 Euro). Bis auf das Jahr 2013 verzeichnete der ideelle Bereich zumeist ein Defizit.<br />
Laut eigner Aussage sind die Spender bei Liquid Democracy vor allem Einzelpersonen, die lediglich über den Spendenaufruf auf der Homepage dazu motiviert werden. Darüber hinaus unternimmt der Verein keine Bemühungen und investiert entsprechend auch nicht in professionelles Fundraising. Die Abhängigkeit von Spenden muss  im Vergleich zum gut laufenden Zweck- und Geschäftsbetrieb dementsprechend als sehr gering eingeschätzt werden.<br />
Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen: gering<br />
Mitgliederbeiträge: gering<br />
Anteil der Großspender: hoch<br />
Anteil von Unternehmensspenden: gering<br />
Akquise-Bemühung: gering<br />
[/expand]<br />
&nbsp;<br />
[expand title=&#8221;<strong>Transparency International Deutschland</strong>&#8220;]<br />
Schon etwas länger im Geschäft sind die Transparenzverfechter von <a href="http://www.transparency.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Transparency International Deutschland </b></a>. Seitz 1993 engagiert sich der gemeinnützige Verein gegen Korruption und Missbrauch.  Dazu will die Organisation <a href="http://www.transparency.de/UEber-uns.44.0.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nach eigener Aussage</a> „Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zur Schaffung von Transparenz zusammenbringen“.<br />
Der Verein kann auf einen breiten und stetig wachsenden Mitgliederstamm setzen, wodurch Einnahmen zwischen 78.240 Euro (2011) und 87.040 Euro (2013) entstanden. Noch stärker fallen Mitgliedsbeiträge korporativer Mitglieder ins Gewicht, und zwar mit 110.900 Euro (2013). Die Spendeneinnahmen lagen im selben Zeitraum mit zwischen 40.331 Euro (2013) und maximal 72.895 Euro (2012) darunter und nahmen damit einen Anteil von lediglich 10-20 Prozent der Gesamteinnahmen ein. Davon sind wiederum 20-30 Prozent Kleinspender. Obgleich die Spenden nicht den maßgeblichen Teil der Finanzierung bei TI Deutschland ausmachen, stellen sie doch einen elementaren Bestandteil der Finanzstruktur dar.<br />
Die Spendenakquise richtet sich hier vor allem an Privatleute, aber es werden auch Unternehmen erreicht. In Fundraising wird allerdings nicht gezielt und direkt investiert, stattdessen wird <a href="http://www.transparency.de/Spende.1259.0.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">über die Website</a> sowie über ein alljährliches Mailing zu Weihnachten und über Spendenaufrufe in den Publikationen, im Newsletter und der Mitgliederzeitschrift um Spenden geworben.<br />
Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen: mittel<br />
Mitgliederbeiträge: hoch<br />
Anteil der Großspender: hoch<br />
Anteil von Unternehmensspenden: mittel<br />
Akquise-Bemühung: mittel bis hoch<br />
[/expand]<br />
&nbsp;<br />
[expand title=&#8221;<strong>Wikimedia Deutschland</strong>&#8220;]<br />
Ein ähnlich etablierter Akteur ist <a href="http://wikimedia.de/wiki/Hauptseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Wikimedia Deutschland</b></a>. Der gemeinnützige Verein hat sich der Förderung freien Wissens verschrieben, arbeitet eng mit der Wikimedia Foundation zusammen und unterstützt vielzählige Projekte in diesem Bereich. Das wohl bekannteste ist die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online Enzyklopädie Wikipedia</a>. Wikimedia finanziert sich fast ausschließlich über Spenden (2012: 91,43 Prozent, 2013: 85,53 Prozent), zu einem geringen Teil auch durch Mitgliederbeiträge (2012: 4,3 Prozent, 2013: 8,52 Prozent) und im Schnitt nur zu etwa 5 Prozent über andere Erlöse. Im Fall von Wikimedia Deutschland sprechen wir tatsächlich von jährlichen <a href="http://wikimedia.de/images/a/a0/Wmde_jb_2013_RZ_web.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spendeneinnahmen</a> im Millionenbereich.<br />
Die Spenden stammen zum allergrößten Teil von „Klein- und Kleinstspendern“. Nach eigener Aussage belief sich die durchschnittliche Spende im Zuge der letzten Kampagne auf eine Höhe von 22 Euro. Nur selten erreichen die Organisation Spenden im vierstelligen Bereich. Eine Ausnahme bilden einzelne Projekte wie Wikidata, für die auch größere Zuschüsse von Stiftungen erlangt werden konnten. Andere Projekte werden über Drittmittel finanziert, beispielsweise die <a href="http://wikimedia.de/wiki/Bildungsprojekte/OERde13" target="_blank" rel="noopener noreferrer">OER-Konferenz</a> (Open Educational Resources) , für die zudem verschiedene Sponsoren gewonnen werden konnten.<br />
Da die Kleinspenderschaft eine so große Rolle spielt, steckt der Verein viele Ressourcen in das Fundraising. Ein Blick in das <a href="http://wikimedia.de/wiki/Mitarbeitende" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mitarbeiterregister</a> zeigt, dass hierfür 2,7 Vollzeitstellen, unterstützt von vier  Werkstudenten, angestellt sind. Wikimedia setzt auf gezielte Kampagnen, um Kleinspenden seiner Nutzer einzuwerben.<br />
Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen: hoch<br />
Mitgliederbeiträge: gering<br />
Anteil der Großspender: gering<br />
Anteil von Unternehmensspenden: gering<br />
Akquise-Bemühung: hoch<br />
[/expand]<br />
&nbsp;<br />
[expand title=&#8221;<strong>Open Knowledge Foundation</strong>&#8220;]<br />
Keine Antworten, aber dafür einen ausführlichen <a href="http://okfn.de/about/#Ttigkeitsberichte" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tätigkeitsbericht in Netz</a> konnte zur <b>Open Knowledge Foundation </b>zur Rate gezogen werden. Die Daten-Aktivisten verfügen über eine prozentual geringe Mitgliederförderung (5.000 Euro), die nur 1,5 Prozent der Gesamteinnahmen 2013 ausmachte. Spenden fielen mit ca. 29.000 Euro zumindest zu 8,4 Prozent ins Gewicht. Den größten Anteil nehmen Zuschüsse zu gezielten Projekten wie <a href="http://ec.europa.eu/information_society/apps/projects/factsheet/index.cfm?project_ref=325091" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eCloud</a> oder <a href="http://www.big-project.eu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BIGData</a> ein, die insgesamt 250.000 Euro (72,1 Prozent) einbrachten. Dem stehen anderweitige geschäftliche Einnahmen von circa 62.500 Euro (18 Prozent) gegenüber. 2012 hingegen waren die Gesamteinnahmen noch wesentlich geringer  (etwa 130.000 Euro) Das ähnlich hohe Spendenaufkommen (29.000 Euro) trug in diesem Jahr zu immerhin über 20 Prozent dazu bei. Die OKFN funktioniert also, wie viele der aufgeführten Organisationen auch, durch eine Mischfinanzierung. Dabei wird versucht die Fixkosten möglichst zu minimieren und projektgebunden zu arbeiten.<br />
Spendenakquise betreibt die Open Knowledge Foundation über <a href="http://okfn.de/support/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ihre Seite</a> und <a href="https://www.betterplace.org/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">betterplace.org</a>. Gleichzeitig wird sehr stark projektbezogen <a href="http://okfn.de/projects/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">um Beteiligungen geworben</a>. Für Fundraising existiert zudem eine halbe Stelle und es wird im <a href="http://okfn.de/wp-content/blogs.dir/21/files/2011/01/OKFDE-Taetigkeitsbericht-2012.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tätigkeitsbericht 2012</a> als Zielsetzung  im Rahmen diverser Projekte erwähnt<br />
[/expand]</p>
<hr />
<h3>Unterm Strich</h3>
<p>Wie eingangs angedeutet, weisen die Befunde auf eine Vielfalt an Organisations- und Finanzstrukturen hin. Dennoch haben wir im Folgenden versucht, ein wenig Ordnung in das netzpolitische und -aktive Feld zu bekommen. Zentral werden hierfür die bisherigen Kategorien sein: Spendenabhängigkeit, Spendenherkunft und Spendenakquise.<br />
Um dem Leser einen Überblick über die Organisationen zu verschaffen und die Ergebnisse der Recherche auch visuell aufbereiten zu können, haben wir versucht, die untersuchten Akteure (beschränkt auf ihre Vereinstätigkeiten) entlang bestimmter Kategorien grob einzuteilen.*<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Graph_Spenden.png"><img decoding="async" class=" wp-image-140493  " alt="Eigene Darstellung" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Graph_Spenden.png" width="600" height="404" /></a><br />
<em>*Den Kategorien: Abhängigkeit von Spenden und Zuschüssen; Höhe der Mitgliederbeiträge; Anteil der Großspender; Anteil von Unternehmensspenden sowie Grad der Akquise-Bemühung wurde wurden die Werte gering, mittel oder hoch zugeordnet.</em><br />
Die <b>Abhängigkeit von Spenden</b> ist für die untersuchten Akteure allgemein sehr hoch. Viele Organisationen sind <i>nahezu vollständig</i> auf Spenden und Zuschüsse angewiesen, beispielsweise das Co:llaboratory, Wikimedia oder die Open Knowledge Foundation. Mit <i>geringen Einnahmen</i> können zumindest netzpolitik.org (über Werbung und Gastreden bzw. -Beiträge)  oder Digitalcourage (Online-Shop) zu ihrem Einnahmen beitragen.<br />
Speziell ist die Situation von Liquid Democracy und Abgeordnetenwatch, die ihre Vereinsstruktur jeweils um eine <i>geschäftstätige GmbH</i> erweitert haben. Diese Doppelstruktur macht sie jedoch nicht gänzlich unabhängig von Spenden. So finanziert sich die GmbH Parlamentenwatch z.B. vor allem über die Dienstleistungen gegenüber dem Verein. Bei Liquid Democracy hingegen erzeugt die GmbH durch externe Dienstleistungen erhebliche Zusatzeinnahmen.<br />
Eine weitere zentrale Möglichkeit, neben selbst generierten Einnahmen und sporadischen Spenden Einnahmen zu erhalten, sind <b>Mitgliedschaften. </b>Hier muss mit Blick auf die untersuchten Akteure allerdings unterschieden werden. Transparency International Deutschland kann beispielsweise auf einen klassischen Mitgliederstamm zurückgreifen, während andere Vereine wie die Digitale Gesellschaft oder netzpolitik.org eher durch Fördermitglieder im Sinne konstanter Spender unterstützt werden. Hier wäre zu überlegen, wie kleinere Vereine ihre Vereinsstrukturen weiter professionalisieren können im Hinblick auf Attraktivität und Akquise entsprechender Mitgliedschaften.<br />
Gesondert davon zu sehen sind <b>Großspenden</b> von Stiftungen, die im netzpolitischen und -aktiven Bereich eine wichtige Rolle spielen. Während sich die durchschnittliche Spende bei vielen Vereinen deutlich unter 20 Euro bewegt (Wikimedia, Digitale Gesellschaft, Liquid Democracy), kann durch entsprechende Langzeitförderungen und Projektunterstützung größere Planungssicherheit hergestellt werden. Besonders angewiesen darauf scheinen jüngere Organisationen wie die Digitale Gesellschaft oder das Co:llaboratory. Aber auch etablierte Akteure wie Transparency International greifen auf entsprechende Zuschüsse zurück. Dabei wird in vielen Fällen auch gezielt um Projektbeteiligungen geworben (Big Brother Awards von Digitalcourage, EU Policy Compass von Liquid Democracy, BIG Data von Open Knowledge Foundation, Digitale Bürgersprechtsunde von politik-digital und andere).<br />
Gewichtige <b>Spenden von Unternehmen</b> finden sich hingegen kaum auf der netzpolitischen Landkarte. Nennenswerte Spenden seitens der Wirtschaft bestätigten uns lediglich das von Google anschubfinanzierte Co:llaboratory und Transparency International. Abgeordnetenwatch erhielt zumindest Zuwendungen von unternehmensnahen Institutionen wie der Robert Bosch-Stiftung oder der Vodafon-Stiftung.<br />
So vielfältig die Wege der Mittelbeschaffung, so unterschiedlich auch die ihrer <b>Akquise</b>: Bei dem an Kleinspender gerichteten Fundraising setzen die meisten Organisationen auf Hausarbeit. Vereine wie die Digitale Gesellschaft,  Liquid Democracy, Digitalcourage oder netzpolitik.org  verfügen jedoch <i>nicht über einzelne Stellen</i>, die sich konkret mit Strategien auseinandersetzen, sondern verteilen entsprechende Arbeiten über die bestehenden Stellen und Mitarbeiter. Überraschend  ist, dass auch Transparency International nach eigener Aussage keine Arbeitsstelle im Bereich Fundraising hat.<br />
Über <i>personelle Ressourcen</i> für Fundraising verfügen hingegen die Open Knowledge Foundation (0,5 Stelle), Abgeordnetenwatch (1 Stelle) und Wikimedia. Letztere Organisation sticht jedoch deutlich heraus, da sie eine ganze Abteilung damit betraut. Auch das CoLab ließ uns wissen, dass zwischen 40 und 50 Prozent der personellen Ressourcen in die Mittelbeschaffung eingehen.<br />
Hier bleibt jedoch zu bedenken, dass viele Organisationen, ob das CoLab, die Digitale Gesellschaft oder Abgeordnetenwatch, auch Arbeitszeit in die Stiftungsförderung und Anwerbung von Projektpartnern investieren.</p>
<h3>Fazit<b> </b></h3>
<p><b>Die Stiftungen müssen‘s richten: </b>Zusammenfassend lassen sich nur wenige verallgemeinerbare Aussagen treffen. Auffällig ist mit Sicherheit, wie bedeutsam Stiftungen sind,  insbesondere in Bereichen, in denen die breite Unterstützung aus der Bevölkerung fehlt. Das betrifft in erster Linie neuere und netzpolitische Organisationen. Etablierte Akteure wie Transparency oder Wikimedia hingegen, die einen durchaus anders gelagerten Fokus haben, stehen dem gegenüber. Auch zeigt sich, dass gerade Tätigkeitsfelder, die jenseits des klassischen Aktivismus oder der netzpolitischen Öffentlichkeitsarbeit liegen, imstande sind, durch ihre Expertise und ihr Know-how Einnahmen zu generieren.<br />
<b>Wenige Spenden, wenig Akquise: </b>Der auf der re:publica 14 von Sascha Lobo gescholtene Vogel hatte mit Sicherheit keine Lobby, bis die Umweltverbände auf ihn aufmerksam machten. Netzpolitik und Transparenz haben diese auch nur zum Teil. Gerade erstere steht unter dem Verdacht, für die breite Bevölkerung vollkommen unbedeutend zu sein. Entsprechend gering sind die Bemühungen der Organisationen, auch jenseits der eigenen Klientel um Unterstützung zu werben. Fundraising, so scheint es, entwickelt sich erst mit einem erhöhten Spendenaufkommen.<br />
<b>Konkrete Angebote schaffen: </b>Eine konkrete und im besten Falle auch regionale Vogelart zu retten, ist mit Sicherheit attraktiver, als sich mit 10 Euro für „den Artenschutz“ im Allgemeinen zu engagieren. Auch beim Aktivismus im und für das Internet sind einzelne Projekte und Kampagnen eine gute Möglichkeit, Zuschüsse und Förderungen zu generieren. Vor allem oben genannte Stiftungen, aber auch Unternehmen scheinen  durchaus mehr dazu bereit, Gelder bereitzustellen, wenn klare Ziele verfolgt werden und In- und Output transparent gemacht werden. Dementsprechend sollte darüber nachgedacht werden, weniger abstrakt die „Freiheit des Netzes“ zu bewerben, als um Unterstützung für konkrete Kampagnen oder Projekte zu werben.<br />
<strong>Siehe dazu auch den Kommentar <em><a href="http://politik-digital.de/koepfe-voll-kasse-leer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Köpfe voll &#8211; Kasse leer</a></em></strong><em> von <a href="http://politik-digital.de/user/swenzel/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Steffen Wenzel</a><br />
</em><br />
<em>Abschließend will ich an dieser Stelle noch einmal allen Mitarbeitern und Vertretern der hier vorgestellten Organisationen vielmals dafür danken, dass sie trotz geringer Zeitreserven bereit waren, die notwendigen Informationen bereitzustellen und auf unsere Fragen zu antworten.</em><br />
Bild: <a href="http://pixabay.com/en/money-coins-donate-moneybox-cash-230265/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay/bohed</a><small> (<a href="http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 1.0</a>) </small><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="378" height="66" /></a><br />
&nbsp;</p>
<div>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
</div>
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		<title>Big Data: Into the control</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2014 12:57:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Vorhersage]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Big Data]]></category>
		<category><![CDATA[Internet der Dinge]]></category>
		<category><![CDATA[Daten]]></category>
		<category><![CDATA[Algorithmen]]></category>
		<category><![CDATA[republica 14]]></category>
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					<description><![CDATA[So „wild“wie es das Motto der re:publica 2014 vermuten lässt, wird die Zukunft gar nicht. Zumindest nicht, wenn unsere Gesellschaft [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/schönberger.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139610" alt="schönberger" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/schönberger.png" width="636" height="299" /></a>So „wild“wie es das Motto der re:publica 2014 vermuten lässt, wird die Zukunft gar nicht. Zumindest nicht, wenn unsere Gesellschaft damit fortfährt, im großen Stil Daten zu produzieren, auszuwerten und von diesen Analysen immer mehr staatliche, wirtschaftliche und private Entscheidungen abhängig zu machen. Auf der diesjährigen re:publica gab es eine Reihe von Veranstaltungen, die das große Thema „Big Data“ bedienten und aus unterschiedlichen Perspektiven thematisierten.<br />
„Data is the new oil“, konstatierte Jonas Westphal zu Beginn seines <a href="http://www.re-publica.de/session/web-10-20-remixen-digitale-identitaet-zurueck-erlangen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">re:publica-Vortrags </a>über die Möglichkeiten informationeller Selbstbestimmung in sozialen Medien. Der IT-Journalist und Berater ist sich sicher: Der Datenschatz beschränke sich im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Internet_der_Dinge" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet der Dinge</a> nicht länger auf die Informationen, die wir bewusst ins Netz eingeben oder bei unserer Internetnutzung zurücklassen, sondern liege künftig vielmehr in den Informationen, die unsere Besitztümer sekündlich über uns sammeln. Die Menschen würden zunehmend dazu übergehen, sich die „Rechenmaschinen in ihr Haus zu holen“, so brachte es auch die Datenexpertin Yvonne Hofstetter auf den Punkt. Einrichtungsgegenstände, Autos oder Kleidungsstücke dienten der Industrie zunehmend als sensorische Instrumente und übermittelten per Datenspeicherung Aufenthaltsorte, Stromverbrauch, Ernährungsverhalten, Joggingstrecken oder Gesundheitswerte. Letztlich, so subsumierte es Jonas Westphal, werden die Dinge uns besser kennen als wir uns selbst.</p>
<h3>Echtzeit-Verarbeitung und künstliche Intelligenz</h3>
<p>Doch die smarten Geräte, Gadgets und Applikationen durchdringen nicht nur unseren Alltag und sammeln in großem Ausmaß Daten, sie werden auch immer intelligenter. Sie werden miteinander kommunizieren und auf der Grundlage lernender Algorithmen und Echtzeit-Berechnungen selbstständig Entscheidungen treffen können. Die dafür notwendige Technologie der Multisensordatenfusion ist das Metier des von Yvonne Hofreiter geführten Datendienstleisters <a href="http://teramarktechnologies.com/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Teramark Technologies</a>. Die Unternehmerin zeigte in ihrem <a href="http://re-publica.de/session/big-data-intelligente-maschinen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vortrag „Big Data? Intelligente Maschinen“</a> auf, wohin es führt, wenn die mathematische Berechnung durch Maschinen, also künstliche Intelligenz, menschliche Entscheidungskraft immer mehr ablöst. Als Beispiel nannte sie den Hochfrequenzhandel an den Börsen, der sich längst nur noch in leistungsstarken Rechenzentren abspiele. Der Mensch sei in diesem virtuellen Geschehen und im Kampf der Rechenleistung nicht länger nur der Zuschauer, sondern könne die Geschehnisse auch nicht mehr nachvollziehen. Die Folge seien nicht zuletzt unvorhersehbare Crashs, so Hofstetter.<br />
Mit der Erschließung sozialer Daten würden nun auch Menschen zunehmend diesem Rationalisierungsdruck der Algorithmen unterworfen. Die Datenexpertin warnte nachdrücklich vor der Akkumulation entsprechender Technologien in den Händen weniger mächtiger Wirtschaftsunternehmen. Diese würden, im Gegensatz zu staatlichen Behörden, die gewaltigen Datenmengen auch nicht wieder löschen, sondern möglichst umfänglich nutzen. Angesichts dessen müsse man die jüngsten Expansionsbestrebungen des Google-Konzerns mehr als kritisch betrachten. Der <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/google-kauft-hersteller-fuer-militaerroboter-boston-dynamics-a-939088.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kauf des Militärroboter-Herstellers Boston Dynamics</a> oder des Drohnenproduzenten Titan Aerospace ließen keinen Zweifel daran, dass das Unternehmen weiterhin daran arbeite, an immer mehr Informationen zu gelangen.</p>
<h3>„Daten sind wichtiger als Algorithmen“</h3>
<p>Während Yvonne Hofstetter die Bedeutung der Algorithmen und der simultanen Verarbeitung von Daten betonte, stand für den Rechtswissenschaftler Victor Mayer-Schönberger (im Bild)  in <a href="http://re-publica.de/session/freiheit-und-vorhersage-ueber-ethischen-grenzen-big-data" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seinem Vortrag über die ethischen Grenzen von Big Data</a> vor allem die Speicherbarkeit der immensen Datenmengen im Vordergrund. Durch die massenhafte Verfügbarkeit von Informationen ließen sich Datenfragmente und -bündel zu immer detaillierten Gesamtbildern verknüpfen und so sehr exakte Vorhersagen treffen. Während früher noch das so genannte <a href="https://www.princeton.edu/~achaney/tmve/wiki100k/docs/Garbage_In,_Garbage_Out.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GIGO-Prinzip</a> („Garbage in, garbage out“)  gegolten habe, nach dem unzureichende Daten auch immer zu unzureichenden Ergebnissen führen müssten, würden wir aktuell einen Punkt erreichen, an dem dieses Prinzip nicht länger Allgemeingültigkeit besäße.<br />
Die schiere Masse an Informationen mache jedwede Unschärfe der Prognose wett oder in den Worten des Redners: „Daten sind wichtiger als Algorithmen“. Speichert ein Unternehmen oder der Staat also möglichst viele Daten, so können mögliche Ungenauigkeiten letztlich durch den Abgleich dieser vielen Daten miteinander ausgeglichen werden. Ein Unternehmen wie Google könne für diese Arbeit den gesamten Datenschatz des Internets benutzen, wodurch die so erzeugten Berechnungen auch immer exakter würden. Ein Beispiel dafür ist das Übersetzungsprogramm Google Translator, mit dem das Unternehmen innerhalb weniger Jahre erreichte, woran sich vorher viele Spezialisten die Zähne ausgebissen hatten.</p>
<h3>Macht der Korrelationen</h3>
<p>Aktuell bestehe eine Tendenz, konstatierte Mayer-Schönberger, immer weitreichendere Entscheidungen von diesen Vorhersagen, abhängig zu machen, um gesellschaftliche und private Risiken zu minimieren und zum Beispiel im Strafrecht (Bewährungsauflagen, Freilassung, Tatprognose), im Gesundheitssystem oder der Versicherungsbranche eine effektivere Prävention betreiben zu können. Dabei seien jene Verfahren am gefährlichsten, die von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt implementiert würden. Längst würden intelligente Systeme benutzt, um Menschen zu diskriminieren, so der Schweizer.<br />
Mayer-Schönberger warnte davor, dass Menschen in Zukunft aufgrund berechneter Verbrechenswahrscheinlichkeiten bestraft werden könnten und nicht länger auf der Grundlage moralischer Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen würden. Es würde schlicht das Ende der moralischen Verantwortlichkeit bedeuten und auch das Ende der Schuld, so wie wir sie kennen. In Zeiten, in denen Daten und damit auch unsere Handlungen nicht mehr vergessen werden, sei dies höchst brisant. Freie Selbstbestimmung sei unter diesen Bedingungen nur noch eine Illusion.<br />
Entsprechend plädierte der engagierte Redner für das Vergessen und die Irrationalität. Dafür sei es zwingend notwendig, dass wir über unsere Informationen selbst bestimmen könnten. Jonas Westphal brachte diese Forderung folgendermaßen auf den Punkt: „I want my data back“. Wie das im Bereich der sozialen Netzwerke funktionieren könnte ,veranschaulichte der Autor mit seinem Versuch, die dezentralen Protokolle des Web 1.0 mit der Interkonnektivität der Web 2.0-Ära zu vereinen. Bereits bestehende alternative Konzepte sozialer Medien wie Diaspora seien zwar zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkurrenzfähig, langfristig aber eine wünschenswerte und adäquate Alternative zu Facebook und Co..<br />
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/re-publica/14126568341/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">re:publica</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY 2.0)</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="378" height="66" /></a></p>
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		<title>Im Netz der Daten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 May 2014 13:20:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Daten]]></category>
		<category><![CDATA[Algorithmen]]></category>
		<category><![CDATA[republica 14]]></category>
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					<description><![CDATA[Viel wurde geschrieben und wenig bewegt. Die Debatte um das massenhafte Sammeln und Auswerten von Daten kennt viele Schlagwörter, Befürchtungen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Datennetz.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139533" alt="Datennetz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Datennetz.png" width="639" height="281" /></a>Viel wurde geschrieben und wenig bewegt. Die Debatte um das massenhafte Sammeln und Auswerten von Daten kennt viele Schlagwörter, Befürchtungen und Forderungen. In den letzten Jahren nahm auch die Zahl der Anwendungsbeispiele von „Big Data“ vehement zu – und dennoch fehlt es weiterhin an einer klaren politischen Linie oder Verortung. Angesichts der Risiken für unsere politische und persönliche Freiheit wäre dies allerdings wichtig, um die notwendigen Rahmenbedingungen für eine verantwortliche und nachhaltige Nutzung der Informationsfülle zu schaffen.<br />
Bis zum Jahr 2020 könnte sich das weltweite <a href="http://de.statista.com/statistik/daten/studie/267974/umfrage/prognose-" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenaufkommen pro Jahr</a> mehr als verachtfachen. Bereits jetzt ist die Menge an Bytes, die durch unsere tagtägliche Internetnutzung entstehen, kaum mehr zu fassen. 2011 entsprach die Fülle an Informationen <a href="http://mashable.com/2011/06/28/data-infographic" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beispielsweise</a> in etwa der Länge von 200 Billionen Filmen. Die Zahlen legen nahe, dass die aktuell hitzig geführte Debatte über die Speicherung und Nutzung der immensen Datenmengen im Netz durch private wie staatliche Akteure wohl eine der zentralen Weichenstellungen unserer Zeit ist. Denn, so formulierte es Katharina Nocun in <a href="http://politik-digital.de/netzpolitischer-einspruch-katharina-nocun-piraten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einem Gastbeitrag</a> auf politik-digital.de: „Wo Daten sind, entstehen schnell Begehrlichkeiten“.<br />
Auch auf der heute in Berlin beginnenden Medienkonferenz <a href="http://re-publica.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">re:publica 14</a> wird der Themenkomplex ausgiebig behandelt, und es wird über Zukunftsszenarien und  die negativen Nebeneffekte intensiver Datenerhebung und -analysen diskutiert werden. So wird beispielsweise der Jurist und <a href="http://politik-digital.de/buchrezension-big-data-mehr-als-grosse-datenmengen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Buchautor</a> Viktor Mayer-Schönberger über die <a href="http://re-publica.de/session/freiheit-und-vorhersage-ueber-ethischen-grenzen-big-data" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ethischen Grenzen von Big Data</a> referieren. Das Spiel „<a href="https://datadealer.com/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Data-Dealer“</a>, das den Nutzer dazu einlädt, sich auf spielerische Art und Weise mit dem Thema auseinanderzusetzen, wird auf dem Festival vorgestellt und bietet einen guten Einblick in das Geschäft mit unseren persönlichen Informationen. Die Ankündigungen lassen vermuten, dass viele der Vorträge sich kritisch mit Big Data auseinandersetzen werden, und dennoch scheint Einigkeit darüber zu herrschen, dass sich weniger die Frage des „Ob“, als vielmehr die Frage des  „Wie und unter welchen Voraussetzungen“ stellt, denn Big Data ist längst Realität.</p>
<h3>Alles eine Frage der Berechnung?</h3>
<p>Daten werden nicht nur in unermesslichem Ausmaß produziert, sie werden auch zunehmend miteinander vernetzt. So können sie gleichermaßen zum Instrument der staatlichen Überwachung und Kontrolle werden, wie sie der ökonomischem Gewinnmaximierung oder der Optimierung unserer Sozialsysteme dienen. Sie erhöhen die Vorhersehbarkeit in Lebensbereichen, die sich unserer Kontrolle bislang weitgehend entziehen: Gesundheit, Konsum, Verkehr, Kriminalität, Sozialverhalten –  jüngst wies der Branchenverband Bitkom in einem <a href="http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_Leitfaden_Big-Data-Technologien-Wissen_fuer_Entscheider_Febr_2014%281%29.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Big Data-Leitfaden</a> darauf hin und pries die Chancen des Datenmanagements für unsere Gesellschaft an. Die Hoffnungen stützen sich auf an Daten ausgerichtete Versorgungsleistungen: Versicherungen und Medikamente, Produktion und Logistik, Sicherheit und Staatsgewalt, etc.<br />
So sollen zum Beispiel Verbrechen durch <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Predictive_policing" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Predictive Policing</a> noch vor ihrem Eintreten vorhergesehen werden. Mitglieder statistisch auffälliger Bevölkerungsgruppen würden auf diese Weise mehr und mehr in den Fokus der Polizeiarbeit geraten und stigmatisiert werden. Andererseits könnte die großflächige Analyse medizinischer Daten auch Leben retten, worauf ein <a href="http://www.huffingtonpost.de/daniel-fallmann/kann-big-data-leben-retten_b_5221430.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bericht der Huffington Post</a> jüngst hinwies. Vor allem die Früherkennung und Diagnose von Krankheiten könnte verbessert werden, aber auch Therapien genauer abgestimmt und Fehler leichter vermieden werden. Das Projekt care.data will die medizinische Versorgung und Forschung in England auf diese Weise optimieren, doch bereits jetzt steht die <a href="http://futurezone.at/netzpolitik/big-data-macht-patienten-in-grossbritannien-glaesern/62.115.005" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenbank in der Kritik</a>, die Anonymität der Menschen nicht gewährleisten zu können.<br />
Dabei ist die Anonymität ein wesentlicher Schlüssel, um angesichts der immensen Möglichkeiten der Technologie die ebenso immensen Gefahren für Mensch und Gesellschaft zu vermeiden. Die Möglichkeit, Menschen auf Schritt und Tritt mit Hilfe von Ortungsdaten, Kontaktinformationen oder Kreditkartenrechnungen zu verfolgen, ist nämlich längst gegeben, wie das <a href="http://www.b.dk/politiko/minister-allows-access-to-private-data" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beispiel</a> zweier dänischer Politiker jüngst illustrierte. Diese hatten ihr gesamtes Datenportfolio an eine dänische Zeitung übergeben, woraufhin die Journalisten in der Lage waren, so gut wie jeden Zentimeter im Leben der beiden nachzuvollziehen.</p>
<h3>„Ich“ und meine Daten</h3>
<p>Indes werden die Prognoseinstrumente der staatlichen und privatwirtschaftlichen Akteure immer leistungsfähiger und die Daten damit auch immer berechenbarer. Längst ist der Punkt überwunden, an dem die schiere Masse der im Internet veröffentlichten, hinterlassenen und verfügbaren Informationen und Spuren ein Problem für die Datenauswerter darstellt. Im Gegenteil: Die Masse an Daten, die täglich online gehen, sei „die Lösung“, wie die Datenexpertin Yvonne Hofstetter es unlängst in einem <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/auf-dem-weg-zur-totalen-ueberwachung-wir-muessen-jetzt-handeln-12285395.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FAZ-Interview</a> formulierte. Denn die Algorithmen sind lernfähig, sie werden besser mit jedem Bit, das sie in ihre Rechnungen einbauen können. Was zunächst inkonsistent scheint, wird im nächsten Moment schon logisch verknüpft. Das geschlossene Regelsystem „Algorithmus“ kann alles in sich aufnehmen – das ist seine Funktionsweise. Ökonomische und politische Entscheidungen könnten damit in Zukunft aufgrund von Simulationen getroffen werden. Intelligente Kontrollstrategien nutzen personalisierte Informationen, um exakte Kalkulationen zu kreieren, ob sie nun die Krankenkassenkosten, die Kreditwürdigkeit von Bankkunden oder die Neigung zu kriminellen Handlungen betreffen.<br />
Doch wenn Daten der neue Rohstoff sind, so sind wir Menschen selbst die neuen Goldminen. Wir sind längst nicht mehr Herr oder Frau über unsere Daten. Wir wissen nicht, wer welche Informationen für wie lange über uns speichert oder was mit unseren Daten passiert. Die so generierten Algorithmen sind nicht nur Relevanzdeterminanten im persönlichen Rahmen, sie weisen uns nicht nur darauf hin, was wir kaufen können, welche Musik uns gefällt, welche Information uns interessiert. Algorithmen sind auf dem Weg zum Erzeuger von Lebenswirklichkeiten. Diese Konstellation schafft perfekt austarierte Angebotsstrukturen, in deren Geflecht wir uns nur scheinbar frei bewegen. Das Individuum wird in diesem Sinne zum (un)freiwilligen Produzenten kommerzieller Güter und gleichsam zum durch diese Informationen gesteuerten Konsumenten.</p>
<h3>Und nun?</h3>
<p>Will man sich diesen Mechanismen entziehen,  gibt es ein naheliegendes und einfaches Narrativ: Nutzerverantwortung bzw. Selbstverantwortung – und damit auch die Individualisierung von Kompetenz, Kontrolle, Schutz. Selbstermächtigung heißt das Stichwort: Der Staat gibt die Verantwortung über unsere Daten zunehmend aus der Hand und macht die aus der Kontrolle geratene Wirtschaft zum Problem des Individuums. Der Kontrollverlust über unsere Daten wird so zum persönlichen Versagen bzw. zur Folge persönlichem Handelns der Bürger und zum vermeidbaren Übel. Nicht ausspioniert zu werden, ist nicht länger der Regelfall, sondern die Ausnahme. Das bedeutet: Der Bürger muss sich nicht für eine Speicherung aussprechen, sondern zunehmend gegen das Speichern engagieren. Oder, wie es Piratenpolitikerin Katharina Nocun <a href="http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/datenaskese-wird-uns-nicht-retten" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> zuletzt</a> als Victim-Blaming anprangerte: Es wird dem Menschen nahegelegt, sich weniger diesen Strukturen auszusetzen bzw. zu exhibitionieren.<br />
Doch beide Argumentationen sind zu einfach. Sie verweigern sich einer Politisierung des Problems. Die Nutzung digitaler Strukturen ist längst keine Option mehr, sondern unser Alltag, und so wenig es dienlich ist, nach einem Ausgang aus dem Datensumpf zu suchen, so unverantwortlich ist es, ausschließlich den Nutzer zur Rechenschaft zu ziehen.  Selbstverständlich sollte eine Gesellschaft die Mediensozialisation ihrer Bürger aktiv vorantreiben, denn Selbstermächtigung im WWW bedeutet auch, die Regeln und Strukturen der Umgebung zu verstehen, in der wir uns bewegen. Ebenso berechtigt sind Appelle zur Datensparsamkeit und zum Hinterfragen der genutzten Infrastruktur. Dennoch bedarf es letztlich einer breiten gesellschaftlichen Debatte und politischer Unterstützung, da ohne die nötige Kontrolle und Transparenz jedweder Ruf nach Selbstermächtigung der Bürger über ihre Daten geradezu zynisch erscheint.</p>
<h3>Verbindliche politische Grundausrichtung verlangt</h3>
<p>Die im Moment viel diskutierte europäische Datenschutzverordnung ist hier nur ein erster wichtiger Schritt. Eine stärkere Regulierung der Handlungsspielräume, innerhalb derer unsere Daten prozessiert werden, und Regeln darüber, wozu diese Ergebnisse genutzt werden dürfen, müssen folgen. Selbstregulierung und Branchen-Kodizes könnten die klaren rechtlichen Schritte weiter ergänzen, nicht aber ersetzen. Außerdem zeigt sich, wie wichtig es ist, die international agierenden Konzernriesen, die in einer zunehmenden Unabhängigkeit von geltenden Gesetzen und dem Zugriff der Bürger, des Marktes und der staatlichen und juristischen Gewalten operieren, auch international zu reglementieren.<br />
Hierzu bedarf es einer politischen Grundsatzausrichtung, die demokratische Grundrechte konsequent über die Effizienz und die Interessen der Wirtschaft stellt und den obligatorischen Warnungen vor einem Bremsen der Wirtschaft oder Wettbewerbsnachteilen entgegentritt, anstatt sich aus Unwissenheit oder Fatalismus politischer Konsequenzen zu verwehren. Darüber hinaus müssen Staat und Verwaltung die Grenzen ihrer eigenen Datennutzung verbindlich festlegen. Insbesondere in Bereichen wie dem Gesundheitswesen, der Sicherheits- oder Bildungspolitik kann Big Data zu Ausgrenzung, Stigmatisierung oder Ungleichheit führen und darf folglich nicht überstrapaziert werden. Irrationalität muss weiterhin möglich sein.<br />
Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/rh2ox/9990016123/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">r2hox/flickr </a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a><br />
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