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	<title>Richard Chaim Schneider &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Richard Chaim Schneider &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Die Friedensbewegung unterstützt diesen Krieg&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_friedensbewegung_unterstuetzt_diesen_kriegquot-131/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Chaim Schneider]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Freitag, 4. August, war Richard 
Chaim Schneider, ARD-Korrespondent in Tel Aviv, zu Gast im tagesschau-Chat 
in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zum 
Konflikt im Libanon, der Stimmung vor Ort und zum möglichen 
Einsatz deutscher Soldaten im Libanon.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Freitag, 4. August, war Richard<br />
Chaim Schneider, ARD-Korrespondent in Tel Aviv, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zum<br />
Konflikt im Libanon, der Stimmung vor Ort und zum möglichen<br />
Einsatz deutscher Soldaten im Libanon.<!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zu 60 Minuten tagesschau-chat. Der Nahost-Konflikt zwischen Israel<br />
und dem Libanon spitzt sich immer mehr zu. Unser Gast ist heute<br />
Richard C. Schneider, der für die ARD täglich aus Tel<br />
Aviv berichtet. Wir danken ihm herzlich, dass er sich auch in dieser<br />
für ihn sehr stressigen Situation die Zeit zum chatten nimmt.<br />
Hallo und guten Tag nach Tel Aviv, Herr Schneider! Können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>DuDo:</b> Wie ist denn die Stimmung in Israel?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nun, die Menschen machen<br />
sich natürlich große Sorgen, aber sie wollen auf alle<br />
Fälle durchhalten, weil sie ein Ende des Terrors aus dem Norden<br />
wollen.
</p>
<p>
<b>Haber:</b> Inwiefern ist ein normales Leben in Israel<br />
noch möglich?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Im Norden kaum noch. Da<br />
leben die Menschen überwiegend in den Bunkern, die Straßen<br />
sind wie leergefegt. Die Geschäfte sind zumeist geschlossen.<br />
In Tel Aviv aber z.B. ist das Leben völlig normal, als ob es<br />
keinen Krieg gäbe.
</p>
<p>
<b>Lula:</b> Wie ist denn die persönliche Belastung<br />
für Sie und Ihr Team? Bleiben Sie uns gesund!
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Erst einmal vielen Dank.<br />
Die Belastung ist wirklich sehr groß. Wir arbeiten alle fast<br />
17, 18 Stunden täglich.
</p>
<p>
<b>bitola:</b> Hallo Herr Schneider, müssen Sie<br />
für Ihre Berichte auch in den Libanon reisen oder halten Sie<br />
sich zurzeit nur in Israel auf?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ich bin nur in Israel und<br />
ich kann gar nicht in den Libanon. In der ARD sind die Berichtsgebiete<br />
aufgeteilt. Wir hier im Studio Tel Aviv sind für Israel, die<br />
palästinensischen Gebiete und Zypern zuständig, Studio<br />
Kairo für die meisten arabischen Länder, also auch für<br />
den Libanon. Wir werden nur hinter der israelischen Armee sozusagen<br />
in den Süden Libanons &quot;nachrücken&quot;, um von dort<br />
zu berichten.
</p>
<p>
<b>tomb:</b> Die Hisbollah droht mit Raketenangriffen<br />
auf Tel Aviv. Für wie realistisch halten Sie diese Drohung?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nun, die Hisbollah hat noch<br />
immer jede ihrer Drohungen wahr gemacht. Insofern muss man auch<br />
diese Drohung ernst nehmen.
</p>
<p>
<b>vivalet:</b> Wie sieht es denn mit dem Raketenbeschuss<br />
durch die Hisbollah aus? Hat der überhaupt ein wenig abgenommen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein, er nimmt weiter zu.<br />
Inzwischen gab es ja Tage mit über 200 Raketen auf Israel.
</p>
<p>
<b>Manfred Kohl:</b> Eine weitere Frage: Wieso gelingt<br />
es der israelischen Armee nur so schleppend, die Hisbollah-Milizen<br />
aus dem Südlibanon zu vertreiben und damit das Bedrohungspotential<br />
für Israel zu minimieren?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Es gibt zwei Gründe.<br />
Der eine: Die Armee will eigene Verluste so weit wie möglich<br />
vermeiden. In Israel kippt die Stimmung schnell, wenn zu viele eigene<br />
Soldaten sterben müssen. Der zweite Grund: Die Hisbollah ist<br />
sehr viel besser ausgerüstet und trainierter als etwa die Palästinenser.<br />
Sie haben das Training überwiegend vom Iran erhalten.
</p>
<p>
<b>Visiter:</b> Ist man denn in Tel Aviv irgendwie darauf<br />
vorbereitet, dass es möglicherweise &quot;bald &quot; auch<br />
dort zu Raketenangriffen kommt?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nun, die meisten Häuser<br />
haben einen Bunker oder einen Stahlsicherheitsraum. Ansonsten warten<br />
die Menschen ab. Man ist Krieg hier gewöhnt.
</p>
<p>
<b>Barbara:</b> Zu den Raketen: Woher beziehen Sie Ihre<br />
Informationen? Welche Möglichkeiten haben Sie, diese zu überprüfen?<br />
Ich habe beobachtet, dass die Angaben in der ARD meist weit unter<br />
denen der israelischen Medien liegen.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Wir versuchen uns an die<br />
klassischen journalistische Regeln zu halten: Zwei unabhängige<br />
Quellen. Wenn das nicht möglich ist, dann sprechen wir im Konjunktiv<br />
oder sagen: &quot;Nach israelischen Angaben&quot;, &quot;nach Angaben<br />
der Hisbollah&quot;. Wir versuchen, möglichst nicht der Propaganda<br />
irgendeiner Seite aufzuliegen.
</p>
<p>
<b>tilly:</b> Wie lange werden die Israelis noch hinter<br />
ihrer Regierung stehen?
</p>
<p>
<b>SiLo:</b> Hallo Herr Schneider, in wiefern steht denn<br />
das israelische Volk noch hinter ihrer Regierung bzw. wie lange<br />
&quot;spielt&quot; sie da noch mit. Immerhin hat die israelische<br />
Armee bis jetzt nicht viel erreicht.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Soweit man das im Augenblick<br />
sagen kann, wird das Volk noch lange hinter der Regierung stehen.<br />
Man will die Bedrohung der Hisbollah ein für allemal loswerden.<br />
Denn man weiß auch: Dahinter steckt der Iran. Und der Iran<br />
will eine Atombombe. Und vor dieser Bedrohung hat man noch mehr<br />
Angst. Man sieht diesen Kampf jetzt über den Tag hinaus als<br />
Existenzkampf an.
</p>
<p>
<b>femba:</b> Halten Sie einen Einsatz deutscher Soldaten<br />
in der Region für möglich? Wie ist die Meinung dazu in<br />
Israel?
</p>
<p>
<b>Yak:</b> Wie stehen die israelischen Staatsbürger<br />
&quot;auf der Straße&quot; einer eventuellen Beteiligung deutscher<br />
Soldaten an einer Friedens- oder Schutztruppe gegenüber?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> In Israel hat man damit<br />
keine Probleme. Ministerpräsident Ehud Olmert sagte gestern<br />
sogar ausdrücklich, dass er eine Beteiligung deutscher Soldaten<br />
begrüßen würde, da Deutschland ein guter Freund<br />
und Partner ist.
</p>
<p>
<b>ginjoe:</b> Gestern wurde im ZDF-Auslandsjournal behauptet,<br />
iranische Milizen hätten einen Radarposten in Beirut besetzt,<br />
um das Kriegsschiff zu markieren, das von einer Cruise Missile der<br />
Hisbollah getroffen wurde. Was ist da dran?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das können wir von<br />
hier aus nicht überprüfen. Das kann vielleicht mein Kollege<br />
in Beirut, Patrick Leclercq herausfinden.
</p>
<p>
<b>Enrique:</b> Was passiert aber, falls die Hisbollah<br />
Ihre Drohung war machen sollte und Tel Aviv von Raketen getroffen<br />
wird? Ist dann die Gefahr einer Ausweitung des Krieges unumgänglich<br />
für den Staat Israel. Besteht nicht dann die Gefahr, dass eine<br />
Eskalation des Krieges beginnt, in der die angrenzenden Länder<br />
wie Syrien und der Iran sich aktiv in den Krieg einmischen? Sozusagen<br />
eine neue Stufe der Gewalt.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nun, sicher ist, dass Israel<br />
seine Angriffe intensivieren würde. Noch mehr Ziele im Libanon<br />
würden angegriffen, keine Frage. Ob man auch Syrien angreifen<br />
würde? Im Augenblick versucht die Armee alles, um Syrien NICHT<br />
in den Krieg zu ziehen. Schwer zu sagen, im Augenblick.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Beiträge mit ähnlicher<br />
Richtung:
</p>
<p>
<b>Haber:</b> Haben die Bilder von toten Libanesen in<br />
Tel Aviv Bestürzung ausgelöst?
</p>
<p>
<b>Pauline:</b> Ich habe einige israelische Freunde (alle<br />
um die 23) und ich muss sagen, dass ich es finde zum Teil erschreckend<br />
finde, wie teilnahmslos alles hingenommen wird. Sie bereiten sich<br />
mental darauf vor demnächst eingezogen zu werden, aber gleichzeitig<br />
geht auch einfach das ganz normal Leben weiter. Wie schätzen<br />
Sie das Mitgefühl der Israelis für die libanesische Bevölkerung<br />
ein?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das Mitgefühl ist auf<br />
die eigenen Bürger konzentriert. Man sieht die eigenen Toten,<br />
die eigenen Verletzten, die Menschen, die seit Wochen in den Bunkern<br />
leben müssen im Norden. Übrigens alles Zivilisten. Insofern<br />
hält sich das Mitgefühl in Grenzen für die libanesischen<br />
Zivilisten. Allerdings: In der israelischen Presse gibt es natürlich<br />
viele Stimmen, die fragen, ob die Militärtaktik richtig ist.<br />
Ob man die Hisbollah nur so bekämpfen kann. Dass man sie bekämpfen<br />
muss, wird kaum in Zweifel gestellt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es geht um Zensur &#8211; noch mal zwei Fragen<br />
im Doppelpack:
</p>
<p>
<b>Dosenfutter:</b> Welche Art von Zensur findet in den<br />
israelischen Medien statt und welche Informationsquellen nutzen<br />
Sie, um eine objektive Berichterstattung zu ermöglichen?
</p>
<p>
<b>nummer5:</b> Ziehen Sie bitte eine Parallele zur Kriegsberichterstattung<br />
im Irak-Krieg &#8211; was fällt Ihnen auf? Gibt es Selbstzensur bei<br />
den israelischen Medien, wie es sie bei den amerikanischen gab?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Es gibt keine Zensur in<br />
Israel. Es gibt eine normale Militärzensur in Kriegszeiten,<br />
d.h., dass wir bestimmte Informationen nicht mehr verbreiten dürfen.<br />
Etwa, wo genau die Raketen einschlagen, um den Feind keine &quot;Hilfe&quot;<br />
zu geben für die nächsten Abschüsse. Zahlen von Gefallenen<br />
etc. müssen erst von der Armee freigegeben werden, ehe wir<br />
sie verwenden dürfen. Aber wir haben natürlich das Problem,<br />
dass wir mit der Armee nicht hinein können in den Südlibanon,<br />
dass manche Gebiete militärisches Sperrgebiet sind etc. Aber<br />
das ist normal. Irak-Krieg? Da war alles viel schwieriger für<br />
die Journalisten, weil es keine Infrastruktur einer freien Presse<br />
vor Ort gab, und man nur mit der Armee rein durfte und nichts überprüfen<br />
konnte.
</p>
<p>
<b>St1:</b> Ist in der israelischen Presse der Einsatz<br />
geächteter Waffen, wie z.B. Splitterbomben, ein Thema? Wurden<br />
die unerklärlich geschwärzten Leichen erwähnt?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ja, man diskutiert das.<br />
Fragt nach, ob das der Wahrheit entspricht. Die Armee verneint das.<br />
Man bohrt weiter nach. Es gibt sehr kritische Stimmen diesbezüglich.
</p>
<p>
<b>Nuf:</b> Israel betont dieser Konflikt sei einer mit<br />
der Hisbollah, nicht mit dem Volk des Libanons. Nun belaufen sich<br />
die Kriegsschäden auf mittlerweile über zwei Milliarden<br />
Dollar. Gibt es eine Diskussion in Israel über Reparationszahlungen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Nein. Gar nicht.
</p>
<p>
<b>Avi:</b> Wie ist die Haltung Israels in bezug auf<br />
die libanesische Opposition zur Hisbollah? Gibt es Unterstützungen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Es wird wenig darüber<br />
nachgedacht. Israel sagt: Es ist Aufgabe der Libanesen, sich mit<br />
der Hisbollah auseinanderzusetzen. Sie haben sich bislang von der<br />
Hisbollah terrorisieren lassen, vielleicht werden sie es jetzt begreifen,<br />
dass sie einen hohen Preis dafür zahlen müssen.
</p>
<p>
<b>Gregor: </b>Da man die Hisbollah wohl kaum mit politischen<br />
Mitteln schlagen kann, ist doch auch eine UN Truppe kein Garant<br />
für Sicherheit. Verhandeln funktioniert ja auch nicht, aufgrund<br />
der radikalen Sicht der Hisbollah. Wie sieht Israel da seine Zukunft?<br />
Muss Israel nicht zwangsläufig den Krieg bis zum &quot;bitteren<br />
Ende &quot; führen um die Hisbollah vollkommen auszuschalten?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Israel sagt ja, dass man<br />
den Krieg bis &quot;zum Ende&quot; führen will. Allerdings:<br />
Was das genau bedeutet, weiß eigentlich niemand mehr. Zu Beginn<br />
des Krieges hieß es: Wir müssen die Hisbollah vernichten<br />
und entwaffnen. Nun heißt es: wir müssen sie hinter den<br />
Litani-Fluss treiben. Die Armee merkt, dass es schwierig ist, gegen<br />
eine Guerilla-Taktik zu siegen.
</p>
<p>
<b>marktraeumung:</b> Sind die Drohungen Israels, die<br />
Infrastruktur im Libanon im Falle eines Raketenbeschusses von Tel<br />
Aviv weitestgehend zu zerstören, realistisch? Welches Szenario<br />
droht dann?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das ist realistisch. Keine Frage.
</p>
<p>
<b>SiLo: </b>Nach vier Wochen Krieg und ist der Raketenbeschuss<br />
der Hisbollah nicht zurückgegangen. Was glaubt die israelische Armee<br />
bis jetzt erreicht zu haben? Hat man die Hisbollah in irgendeiner Weise<br />
geschwächt?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Sie behauptet das. Inwiefern das<br />
stimmt, können wir einfach nicht überprüfen. Was klar ist:<br />
Bewegliche kleine Abschussrampen für Raketen (meistens Lastwagen<br />
oder sogar aus Wohnungen heraus) sind natürlich schwer aufzuspüren.
</p>
<p>
<b>Andre:</b> Was wird nach Ihrer Meinung passieren, wenn sich<br />
der Iran aktiv und militärisch in den Konflikt einmischt, wie es<br />
angedroht wurde?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das wäre ein Szenario, das<br />
eine echte Katastrophe im Nahen Osten auslösen würde. Ich glaube<br />
allerdings nicht, dass der Iran das zum jetzigen Zeitpunkt machen wird.<br />
Im Augenblick hat Israel noch die besseren Waffensysteme.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zwei Fragen zusammen:
</p>
<p>
<b>nummer5: </b>Der Konflikt wird in Deutschland durch Protestaktionen<br />
der Libanesen begleitet (Karlsruhe / letzten Samstag) Was machen die Friedensaktivisten<br />
in Israel derzeit?
</p>
<p>
<b>Barbara:</b> Wie schätzen Sie die israelische Friedensbewegung<br />
ein? Ist sie nicht viel kleiner, als man das aus Europa manchmal erhofft?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Die Friedensbewegung unterstützt<br />
diesen Krieg, weil die Bedrohung der Hisbollah, des Iran sehr ernst genommen<br />
wird. Es kommt noch etwas dazu. Und zwar: Gerade weil man sich aus besetzten<br />
Gebieten zurückgezogen hat (Südlibanon, Gaza), wird die Reaktion<br />
Israels in Zukunft so &quot;brutal&quot; sein, weil nun eigenes Staatsgebiet<br />
angegriffen wird. Da kennt man kein Pardon. Es wirkt also paradox: Je<br />
mehr Gebiete man zurückgibt, desto härter reagiert man auf Angriffe.
</p>
<p>
<b>Yak:</b> Hier in Deutschland wird das Wort &quot;Krieg&quot;<br />
vermieden &#8211; von Konflikt oder Krise ist die Rede. Wie wird die &quot;Krise&quot;<br />
in Israel bezeichnet?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Als Krieg. Schlicht und geradeheraus.
</p>
<p>
<b>Styria:</b> Welche Informationen haben Sie über den<br />
Hisbollah-Angriff auf die Chemiefabrik? War das Zufall oder sollte hier<br />
ein chemischer GAU verursacht werden, der nur ausblieb, weil es sich offenbar<br />
um ein harmloses Reinigungsmittel handelte?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Schwer zu sagen. Dass die Hisbollah<br />
weiß, wo sich bestimmte &quot;weiche&quot; Ziele finden, ist klar.<br />
Auch, dass sie sie gerne treffen wollen. Aber ob das Zufall war oder Absicht,<br />
kann ich nicht sagen.
</p>
<p>
<b>koch:</b> Wie schätzen Sie die Stimmungslage in der<br />
arabischen Welt? Mir scheint die Gemüter waren im Karikaturen Streit<br />
erregter als jetzt.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ja. Die moderaten Länder,<br />
also etwa Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien fürchten die Macht<br />
des Iran ebenso wie Israel. Natürlich sagen ihre Herrscher die &quot;richtigen<br />
Worte&quot; und verurteilen Israel, klar. Aber im Grunde haben sie ein<br />
ebenso großes Interesse, Teheran in Schach zu halten, wie Israel.<br />
Insofern gibt es da eine interessante &quot;stille Koalition&quot; zwischen<br />
Israel und diesen Ländern.
</p>
<p>
<b>Europe20: </b>Hat Israel das Potential der ausgehenden Bedrohungen<br />
vom Libanon in Relation zu Iran nicht deutlich falsch eingeschätzt.<br />
Nach den Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten und<br />
dem möglichen Potential bald in Besitz einer Atombombe zu sein, scheint<br />
der Fokus im Nahen Osten nun auf das &quot;kleinere&quot; Problem übergegangen<br />
zu sein?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Aus israelischer Sicht, ist das<br />
nicht das &quot;kleinere Problem&quot;, sondern Teil des &quot;Großen<br />
Problems&quot;. Wenn es gelingt die Hisbollah auszuschalten, dann hat<br />
man erst einmal Ruhe an der Nordgrenze. Auch für den Fall eines größeren<br />
direkten Konflikts mit dem Iran. Spätestens dann wären die Raketen<br />
aus dem Libanon dann keine zusätzliche Bedrohung mehr.
</p>
<p>
<b>eck:</b> Wie lange kann die israelische Armee diesen Krieg<br />
noch durchhalten?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Sehr lange. Die Armee hat große<br />
Reservoirs, auch finanziell.
</p>
<p>
<b>MI6:</b> Stimmt es, dass auf Seiten der Hisbollah iranische<br />
Elitekämpfer stehen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das habe ich auch gehört,<br />
kann es aber nicht verifizieren von hier aus.
</p>
<p>
<b>captnpk1:</b> Liest man ausländische Medien, bekommt<br />
man eine vollkommen andere Sichtweise präsentiert. Denken Sie die<br />
Berichterstattung in deutschen Medien belichtet den Konflikt objektiv<br />
von zwei Seiten?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ich bekomme die deutschen Medien<br />
im Augenblick nur teilweise mit, da ich selbst so sehr in der eigenen<br />
Berichterstattung drin bin. Ich weiß aber aus der Vergangenheit,<br />
dass in Deutschland (ähnlich wie in anderen Ländern Europas)<br />
viele Kommentatoren sich zu Nahost äußern, die entweder noch<br />
nie hier waren, oder aber nur eine Seite kennen. Dadurch entstehen oft<br />
eigenartige Zerrbilder. Man geht in Deutschland immer wieder von einem<br />
Weltbild aus, das sehr &quot;europäisch&quot; ist: Zivilisierte,<br />
demokratische Staaten tragen einen Streit in einer ganz bestimmten Form<br />
aus. Das ist im Nahen Osten einfach anders. Allein der große und<br />
tiefe Einfluss der Religion verändert hier alles, das Denken, das<br />
Handeln. Viele Menschen in Europa begreifen das nicht wirklich.
</p>
<p>
<b>Radio-Karin:</b> Da ja in den Medien davon berichtet wurde,<br />
dass Sendeanlagen vom libanesischen Hisbollah-Fernsehen und auch diverse<br />
Radiosender getroffen wurden, stellt sich mir die Frage, inwiefern die<br />
Menschen im Libanon über die aktuellen Entwicklungen informiert werden.<br />
Geschieht dies nur mittels Flugblättern der Israelis oder gibt es<br />
in der Region noch aktive Sender?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das kann ich von hier aus nur<br />
schwer beurteilen. Soviel ich weiß, gibt es noch TV-Sender, die<br />
in Betrieb sind.
</p>
<p>
<b>Uri: </b>Spielen die von Deutschland an Israel gelieferten<br />
Waffen momentan eine Rolle?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein.
</p>
<p>
<b>Kobi: </b>Bekommen Sie terminologische Vorgaben der ARD<br />
Redaktion? Wenn ja, welche?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ja. Z.B. gibt es die Regelung,<br />
nicht von einem &quot;Krieg&quot; zu sprechen, sondern von einer &quot;kriegerischen<br />
Auseinandersetzung&quot; oder einem &quot;Konflikt&quot;. In der ARD-Aktuell<br />
Redaktion werden solche Vorgaben gemacht. &quot;Krieg&quot; wird nur auf<br />
einen Konflikt zwischen zwei Staaten und zwei Armeen angewendet.
</p>
<p>
<b>Nuf:</b> Will die israelische Regierung wirklich eine UN-Friedenstruppe,<br />
oder redet sie im Moment darüber, in der Gewissheit das die Einigung<br />
darüber noch ewig dauern wird und sie währenddessen ihren eigen<br />
Zielen nachgehen kann?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Israel will zum ersten Mal in<br />
seiner Geschichte tatsächlich eine internationale Truppe haben. Allerdings<br />
nur mit einem &quot;robusten Mandat&quot;, also mit der Erlaubnis, kämpfen<br />
und eingreifen zu können. Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann<br />
ist sie unsinnig. Das zeigte sich ja schon seit Jahrzehnten mit der UNIFIL<br />
im Libanon. Diese Soldaten konnten und haben nichts verhindern können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Kompliment:
</p>
<p>
<b>yaakov: </b>Sehr geehrter Herr Schneider, ich bin deutscher<br />
Israeli in Jerusalem und verfolge Ihre Berichterstattung und muss sagen,<br />
dass ich sehr überrascht von der doch relativ ausgewogenen Betrachtung<br />
von Ihnen war.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Vielen herzlichen Dank. Darum<br />
bemühe ich mich täglich.
</p>
<p>
<b>Andre:</b> Glauben Sie ernsthaft, dass sich die Hisbollah<br />
von einer UNO oder NATO Truppe entwaffnen lassen wird und freiwillig Ihre<br />
Existenzberechtigung damit abgibt?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Nein, ehrlich gesagt. Darum habe<br />
ich persönlich auch meine Zweifel, wie ein ernsthafter Waffenstillstand,<br />
der zugleich das Gesamtproblem lösen will, aussehen soll.
</p>
<p>
<b>mike2: </b>Wie beurteilen Sie die Leistungen der UNO-Beobachter<br />
an der israelisch-libanesischen Grenze in den letzten Jahren, besonders<br />
seit 2000? Hat es hier irgendwelche Erfolge gegeben, terroristische Aktivitäten<br />
zu unterbinden? Gab es nicht Berichte von Zwischenfällen in unmittelbarer<br />
Nähe der UNO-Stationen, die eigentlich nicht hätten passieren<br />
dürfen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Die UNIFIL war eine ziemlich hilflose<br />
Truppe. Es gab ja sogar den Fall, dass sie eine Entführung von drei<br />
israelischen Soldaten durch die Hisbollah nur ein paar 100 Meter von ihnen<br />
entfernt gefilmt hat, ohne einzugreifen. Israel hält nichts von der<br />
UNIFIL. Sie hat ja auch den Bunkerausbau der Hisbollah an der Grenze zu<br />
Israel nicht verhindert.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Noch mal zur Internationale Truppe:
</p>
<p>
<b>Eurovision:</b> Wie sollte diese Truppe aussehen? Wer sollte<br />
die LeadForce sein, wer soll Kontingente abstellen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Die Idee, eine Truppe unter NATO-Aufsicht<br />
abzustellen, finde ich persönlich am besten. Die UNO ist keine wirkliche<br />
&quot;Macht&quot;. Die NATO aber schon. Und wenn man die NATO angreifen<br />
würde (etwa der Iran), dann hat man es mit dem gesamten Westen zu<br />
tun. Das wäre vielleicht eine gute Abschreckung. Es würde vielleicht<br />
auch Israel eine gewisse &quot;Sicherheit&quot; geben, so dass die israelische<br />
Politik sich auch verändern könnte.
</p>
<p>
<b>anneo:</b> Denken Sie persönlich, dass das strikte<br />
Vorgehen Israels gegen die Hisbollah Milizen und die Bombardierung des<br />
Libanons zu dem Erfolg führen werden, den die israelische Bevölkerung<br />
sich erhofft bzw. verspricht?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ich fürchte, nein.
</p>
<p>
<b>23456:</b> Wie kommt die Hisbollah an russische Raketen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Da kann ich nur Vermutungen anstellen.<br />
Vielleicht noch aus alten Beständen aus dem Kalten Krieg, illegaler<br />
Waffenhandel. Das kann sicher mein Kollege in Beirut besser beantworten.
</p>
<p>
<b>o20:</b> Wie geht es denn jetzt weiter: Was sind Israels<br />
Pläne für die nächsten 14 Tage?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Nun, ich bin zwar im Lande der<br />
Propheten, aber das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht beantworten.<br />
Das werden mir weder Regierung noch Generalstab verraten.
</p>
<p>
<b>Zvonimir: </b>Melden sich nun auch Freiwillige zur Israelischen<br />
Armee? Kommen auch Ausländer dazu?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Reservisten werden eingezogen,<br />
ja. Ausländer? Wenn Sie Israelis meinen, die im Ausland leben, so<br />
ist das noch nicht der Fall. Diese kamen in der Vergangenheit immer erst<br />
dann zurück, wenn es wirklich &quot;ganz ernst&quot; wurde. So schlimm<br />
ist es aber noch nicht.
</p>
<p>
<b>saliva:</b> Von Ariel Sharon bekommt man hier in den Nachrichten<br />
nicht mehr viel mit. Liegt er immer noch im Koma oder hat sich sein Zustand<br />
wieder gebessert?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein, er ist im Koma und sein<br />
Zustand hat sich vor zwei Wochen noch weiter verschlechtert.
</p>
<p>
<b>Reg:</b> Ihr Kollege Patrick Leclercq hat vor ein paar Tagen<br />
erzählt, dass er alle möglichen Infoquellen nutzt, auch die<br />
so genannten &quot;Warblogs&quot;. Wie sieht das bei Ihnen aus?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein, wir benutzen die nicht.
</p>
<p>
<b>ali38:</b> Glauben Sie, dass Israel weiter existieren kann?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das ist wirklich eine sehr ernste<br />
und schwere Frage. Es wird sehr darauf ankommen, wie die Welt mit der<br />
iranischen Bedrohung und dem internationalen Terrorismus umgehen wird.<br />
Israel ist stärker denn je in seiner Geschichte, aber auch gefährdeter<br />
denn je, denn die Waffenarsenale des Iran sind bestens gefüllt. Und<br />
eine Atombombe in den Händen von Ahmadinejad wird Israel zumindest<br />
nicht &quot;ruhiger&quot; machen.
</p>
<p>
<b>escort:</b> Stimmt es, dass die Israelis den Hisbollah-Chef<br />
in einer Fernsehansprache nicht hören dürfen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein. Das ist falsch. Alle Ansprachen<br />
von Nasrallah werden sofort auch im israelischen Fernsehen ausgestrahlt<br />
und live analysiert.
</p>
<p>
<b>nIcKnIgHt:</b> Stehen Sie eigentlich mit den ARD-Korrespondenten<br />
in Beirut in ständiger Verbindung? Tauschen Sie sich aus? Funktionieren<br />
die Handy-Netze im Libanon überhaupt noch zuverlässig oder muss<br />
man auf andere Arten der Kommunikation zurückgreifen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Patrick Leclercq und ich haben<br />
einmal miteinander telefoniert via Handy. Wir haben uns über ein<br />
paar Projekte unterhalten, die wir miteinander noch machen wollen, und<br />
haben uns kurz über die Situation ausgetauscht. Ansonsten versinken<br />
wir aber beide so sehr in Arbeit, dass nur wenig Zeit für Gespräche<br />
da ist.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>der T:</b> Gibt es in Israel das Gefühl, von der Europa<br />
(Deutschland) allein gelassen zu werden?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Von Deutschland nicht. Im Gegenteil.<br />
Von Frankreich, den skandinavischen Ländern und noch ein paar anderen:<br />
Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat zu einem<br />
hochbrisanten Thema. Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben<br />
und bitten jene um Verständnis, deren Frage wir heute nicht berücksichtigen<br />
konnten. Besonderen Dank an Richard C. Schneider, der sich für uns<br />
Zeit genommen hat. Herr Schneider, Ihnen gehört das letzte Wort.
</p>
<p><b>Richard C. Schneider:</b> Ich möchte mich bei allen<br />
Teilnehmern für das große Interesse bedanken. Ich fand das<br />
eine sehr spannende und kurzweilige Stunde. Ich hoffe, dass ich Ihnen<br />
in Zukunft in der ARD weiterhin die Situation so gut wie möglich<br />
&quot;rüberbringen&quot; kann. Jetzt fliege ich erst einmal für<br />
drei Wochen zurück nach Deutschland, um zu &quot;packen&quot;, da<br />
ich ab 1. September als neuer Studioleiter das Studio in Tel Aviv übernehmen<br />
werde. Vielen Dank und bis bald.</p>
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