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	<title>Riesterrente &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Riesterrente &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Private Rentenvorsorge unumgänglich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Torge]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Apr 2008 09:13:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Montag, 21.4.08, war Jens Spahn, Abgeordneter der CDU im Bundestag, von 16.30 bis 17.30 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er kritisierte die kurzfristige Rentenerhöhung
und nahm Stellung zur künftigen Finanzierung der Altersvorsorge und den Problemen des demografischen Wandels.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 21.4.08, war Jens Spahn, Abgeordneter der CDU im Bundestag, von 16.30 bis 17.30 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er kritisierte die kurzfristige Rentenerhöhung<br />
und nahm Stellung zur künftigen Finanzierung der Altersvorsorge und den Problemen des demografischen Wandels.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Herzlich willkommen beim<br />
tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Herr Spahn, vielen Dank, dass Sie Zeit<br />
für uns haben &#8211; können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Gerne.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/jspahn250x.jpg" height="216" width="158" />
</p>
<p align="center">
<i>Jens Spahn (CDU) </i>
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Eine vorab häufig gestellte<br />
Frage vielleicht zur Klärung gleich zu Beginn<b>:</b>
</p>
<p>
<b>Holger: </b>Warum kritisieren Sie die Rentenerhöhung?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn:</b> Aus zweierlei Gründen: Zum<br />
Ersten muss es erlaubt sein, die Frage zu stellen, wie und von wem<br />
die zwölf Milliarden Euro, die allein bis 2012 zusätzlich<br />
aufzubringen sind, bezahlt werden. Und zum Zweiten treibt es mich um,<br />
dass der mühsam gefundene Rentenkompromiss, nach dem die<br />
Jüngeren länger arbeiten, nämlich bis zum 67.<br />
Lebensjahr, höhere Beiträge zahlen &#8211; zurzeit knapp 20<br />
Prozent &#8211; und später ein geringeres Rentenniveau als heute haben<br />
werden und nach dem die Älteren ihren Beitrag leisten, indem<br />
Rentenerhöhungen gedämpft werden (Riesterfaktor),<br />
aufgeschnürt wird. Denn alle Sachverständigen hatten uns<br />
bescheinigt, dass die gesetzliche Rente damit zukunftsfest gemacht<br />
war. Das wird nun in Frage gestellt.
</p>
<p>
<b>guenzum: </b>Wäre es nicht an der Zeit, davon<br />
los zukommen, die eine Personengruppe gegen die andere auszuspielen,<br />
also Alt gegen Jung, Christ gegen Moslem, Unternehmer gegen Arbeiter<br />
und Angestellte? Alt werden wir schließlich alle, ohne Ansehen<br />
der Person. Meinen Sie, die Lösung liegt darin, dass jede<br />
gesellschaftliche Gruppe nur gute Lobby-Vertreter braucht, damit für<br />
sie gesorgt ist? Frei nach dem Motto: Wenn jeder für sich selbst<br />
sorgt, dann ist ja für alle gesorgt?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Ich habe bei meinen Äußerungen<br />
mitnichten nur ein spezielle Gruppe im Auge. Im Gegenteil bin ich mir<br />
sehr bewusst, dass auch meine Generation 2040 zu den &quot;Alten&quot;<br />
gehören wird. Umso wichtiger ist es, die Systeme heute darauf<br />
vorzubereiten, dass dann ein Drittel der Bevölkerung mit uns alt<br />
sein wird. Insofern geht es ums Allgemeinwohl, nicht um<br />
Einzelinteressen.
</p>
<p>
<b>ts:</b> Das Thema Rentenerhöhung ist aktuell.<br />
Die Pensionen unterliegen ebenfalls dem Generationenvertrag. Wie<br />
sieht dort die Lastverteilung aus?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Das Problem ist, dass weder Kommunen,<br />
Länder noch der Bund für ihre Beamten<br />
Pensionsrückstellungen gebildet haben. So lebt auch das<br />
Pensionssystem im Grunde von der Hand in den Mund, denn die jeweils<br />
aktiven Steuerzahler zahlen die Pension. Zumindest beim Bund ist es<br />
uns gelungen, dass ab dem 1.1.2008 kostendeckend<br />
Pensionsrückstellungen für neue Beamte gebildet werden.<br />
Dies ist bisher kaum öffentlich registriert worden.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Herr Spahn, die Rentendebatte wird<br />
schon so lange und leidenschaftlich geführt. Wie erklären<br />
Sie sich, dass es die Politik immer nur zu kleineren Korrekturen<br />
schafft &#8211; und keinem Systemwechsel, der das Problem an der Wurzel<br />
packen würde?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Die Herausforderung besteht darin,<br />
dass wir uns ja nicht am grünen Tisch befinden und ein neues<br />
System für die Zukunft erdenken, sondern auf eine über<br />
100-jährige Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung (seit<br />
Bismarck) aufbauen. Nichtsdestotrotz ist mit der Einführung der<br />
Riesterrente ein kleiner Systemwechsel gelungen, denn erstmals wurde<br />
die Notwendigkeit zusätzlicher privater Vorsorge anerkannt. Ich<br />
glaube allerdings, dass wir mittel- und langfristig das System werden<br />
umstellen müssen auf eine steuerfinanzierte Grundsicherung für<br />
alle. Wer mehr haben will, muss dann betrieblich und/oder privat<br />
vorsorgen.
</p>
<p>
<b>Jung73a: </b>Herr Spahn, ich finde Ihre Position<br />
unterstützenswert. Ich meine aber, man muss einen größeren<br />
Zusammenhang sehen: Der Wohlstand (Kaufkraft) der &quot;Normalverdiener&quot;<br />
sinkt schon seit Jahren und wird es weiterhin tun. Wir sollten uns<br />
politisch darüber unterhalten, wie wir mit dieser Situation<br />
umgehen: Weniger Wohlstand für den &quot;Durchschnittsbürger&quot;.<br />
Eine breitere Gerechtigkeitsdebatte ist gefragt, schon alleine, damit<br />
die Linkspartei nicht weiter wächst.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Wollen Sie das kommentieren?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Dies passt insofern gut zur aktuellen<br />
Rentendebatte, weil es einen Blick in die Zukunft beinhaltet. Wer<br />
heute ein geringes Einkommen, befristete Arbeitsverträge oder<br />
auch nur reihenweise Praktika hat, wird später eine sehr geringe<br />
Rente bekommen und damit wird das Problem Altersarmut wesentlich<br />
virulenter werden als heute. Insofern sollten wir tatsächlich<br />
die Bürgerinnen und Bürger, insbesondere bei den<br />
Sozialabgaben, entlasten. Immerhin ist es der großen Koalition<br />
gelungen, diese erstmals seit vielen Jahren unter 40 Prozent zu<br />
senken.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Ein paar eben eingetroffene Beiträge<br />
und Nachfragen zum System, die ich gebündelt weitergebe:
</p>
<p>
<b>Motte: </b>Das Rentensystem muss generell umgestellt<br />
werden (Beamte, Selbstständige, Abgeordnete müssen<br />
eingebunden werden).
</p>
<p>
<b>xpro48565: </b>Wie stehen Sie zu den Vorschlägen<br />
von Herrn Rüttgers?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Grundsätzlich gilt erst einmal,<br />
wenn neue Beitragszahler ins System kämen, entstünden auch<br />
neue Rentenansprüche. Dieser Teil wird gerne von allen<br />
Protagonisten sogenannter Bürgerversicherungsmodelle vergessen.<br />
Im Übrigen wären bei einer steuerfinanzierten<br />
Grundsicherung alle nach ihrer Leistungsfähigkeit an der<br />
Finanzierung beteiligt. Die gesetzliche Rente ist keine<br />
Sozialleistung, sondern ein durch Beiträge erworbener<br />
Leistungsanspruch. Insofern kann man nicht den einen Euro eines Gutverdienenden<br />
anders bei der Leistungsberechnung berücksichtigen, als den<br />
eines Geringverdieners, so dass eine Umverteilung im System kaum<br />
möglich sein dürfte. Außerdem gibt es für<br />
Menschen mit Renten unter dem Existenzminimum schon heute die<br />
Möglichkeit, zusätzliche so genannte Grundsicherung im<br />
Alter zu beantragen. Diese ist richtigerweise steuerfinanziert.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Das war die Antwort auf Herrn<br />
Rüttgers? Vielleicht nochmal konkreter gefragt: Zwei<br />
CDU-Ministerpräsidenten, zwei Meinungen: Während Jürgen<br />
Rüttgers eine höhere Grundrente fordert, ist Günther<br />
Oettinger dagegen &#8211; wo stehen Sie?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Ich finde die Kanzlerin wie auch der<br />
CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende haben Richtiges dazu gesagt. Insofern<br />
verweise ich auf meine bereits gegebene Antwort.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Aha, sie wollen also nicht konkreter<br />
&#8211; nun gut&#8230;
</p>
<p>
<b>wehmann: </b>Das war wirklich keine Antwort, Herr<br />
Spahn!
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>(lacht) Ich weiß, sehen Sie mir<br />
das heute nach.
</p>
<p>
<b>citoyen: </b>Was halten Sie von Norbert Blüm,<br />
der verkündet, dass das staatliche System erfolgreich wäre,<br />
würde es das Geld zur Verfügung haben, das jetzt in die<br />
private Vorsorge geht?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Wenn er das Geld meint, das aus dem<br />
Steuertopf in die private Vorsorge geht, ist dem deutlich zu<br />
widersprechen, denn das Fördervolumen würde bei weitem<br />
nicht reichen, um die Rentenversicherung problemfrei zu halten. Wenn<br />
er das von den Menschen selbst gezahlte Geld meint, kann man nur<br />
sagen, dass die Menschen mit 19,9 Prozent schon hinreichend viel Geld<br />
von ihrem Einkommen für die gesetzliche Rente ausgeben müssen. Zudem nervt es etwas, wenn  &#8211; wie gestern abend bei Anne Will<br />
etwa auch Ottmar Schreiner -, immer diejenigen in den Talkshows<br />
sitzen und uns erzählen, was wir alles falsch machten, die<br />
Anfang der 80er Jahre sozialpolitische Verantwortung getragen haben<br />
und wider besseren Wissens &quot;die Rente ist sicher&quot;<br />
plakatiert haben. Denn damals wurde die Suppe eingebrockt, die wir<br />
heute auslöffeln.
</p>
<p>
<b>Commander: </b>Warum wurde das Problem des deutschen<br />
Rentensystems erst so spät thematisiert, als es eigentlich schon<br />
fast zu spät war? Es ist doch schon lange bekannt, dass das<br />
Rentensystem in seiner heutigen Auslegung in Zukunft nicht aufrecht<br />
erhalten werden kann. Ich bin im Moment noch Schüler und schaue,<br />
was die Rentensicherheit in Deutschland angeht, eher skeptisch in die<br />
Zukunft. Ohne private Vorsorge wird es für mich kaum noch etwas<br />
im Alter geben, worauf ich angesichts immer größer<br />
werdender Belastungen der &quot;Jungen&quot; sehr sorgenerfüllt<br />
schaue. Wäre es daher nicht sinnvoller, das Rentensystem auf die<br />
alleinige private Vorsorge umzustellen und nicht zu versuchen, den<br />
jungen Leuten durch das Placebo der gesetzlichen Rentenversicherung<br />
die Angst vor der Zukunft zu nehmen, sondern ihnen die Augen zu<br />
öffnen und sie gezielt anzuleiten?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>In meinem Geburtsjahr 1980 haben<br />
bereits Kurt Biedenkopf und andere auf die demografische Entwicklung<br />
(wir werden alle älter und weniger) und die damit verbundenen<br />
Konsequenzen für die Rente hingewiesen. Leider wurden damals die<br />
Augen, wie bereits erwähnt, verschlossen. Heute, 30 Jahr später,<br />
ist es umso schwerer, die nötigen Veränderungen zu<br />
vollziehen. Richtig ist sicher, dass die gesetzliche Rente in Zukunft<br />
nicht mehr wie bisher den Lebensstandard, sondern für viele nur<br />
noch das Existenzminimum absichern wird. Umso konsequenter ist im Übrigen, dies sei nochmal erwähnt,<br />
der schrittweise Einstieg in eine steuerfinanzierte Grundsicherung.<br />
Als Westfale weiß ich aber, dass man auf einem Bein schlecht<br />
steht. Deswegen muss es heißen, gesetzliche Rente UND private<br />
Vorsorge. Also nicht das eine statt des anderen, sondern beides sich<br />
ergänzend.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Inzwischen sind ein paar persönliche<br />
&quot;Angriffe&quot; eingetroffen. Die zwischendurch, dann kommen wir<br />
das von vielen Usern erwähnte Thema Schweiz.
</p>
<p>
<b>orenilom: </b>Herr Sahn, ich hätte gerne<br />
gewusst, welchen Beruf Sie ausgeübt haben und wieviel<br />
Rentenbeitäge Sie in welche Rentenkasse eingezahlt haben?
</p>
<p>
<b>Motte: </b>Wie kann es sein, dass die Diäten der<br />
MdBs (Mitglieder des Deutschen Bundestages, Anm. der Redaktion) um<br />
mehr als fünf Prozent erhöht werden, die Renten aber nur um<br />
1,1, Prozent?
</p>
<p>
<b>Chrisi: </b>Sie werden 2040 zu den am<br />
bestversorgtesten Alten gehören, die nie einen Euro eingezahlt<br />
haben. Finden Sie das in Ordnung?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Ich habe nach meinem Abitur eine<br />
Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht und anschließend noch bei<br />
der Bank gearbeitet, sodass ich drei Jahre in die Rentenversicherung<br />
eingezahlt habe. Seit meiner Wahl in den deutschen Bundestag habe ich<br />
keine Beiträge mehr in die Rentenversicherung gezahlt. Dabei ist<br />
mir aber schon der vielleicht nicht populäre, aber wichtige<br />
Hinweis wichtig, dass Abgeordnete keine abhängig Beschäftigten<br />
sind und das sollten sie nach meinem Dafürhalten als Vertreter<br />
des höchsten Verfassungsorgans in einer Demokratie auch nicht<br />
sein. Die 9,4-prozentige Diätenerhöhung ist im Grunde als<br />
auf sechs Jahre bezogen anzusehen, was eine Erhöhung von gut 1,5<br />
Prozent pro Jahr entspricht. Diese Zahl mag ihnen immernoch zu hoch<br />
erscheinen, ist aber bei nüchterner Betrachtung schon wesentlich<br />
moderater als das zumeist öffentlich verkürzt diskutierte.
</p>
<p>
<b>kurbelmann:</b> Drei Jahre &#8211; lächerlich. Andere<br />
haben Jahrzehnte eingezahlt und leben auf niedrigstem Niveau!
</p>
<p>
<b>Micha: </b>Wären Sie und Ihre Kollegen bereit,<br />
auf einen Teil Ihrer Diäten zu verzichten? Zu Gunsten der Wähler<br />
und Wählerinnen? Welchen Verzicht schlagen Sie Ihren Kollegen<br />
und sich vor?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Wer einen Deutschen Bundestag will,<br />
der die gesamte deutsche Bevölkerung repräsentiert, neben<br />
den Älteren eben auch die Jüngeren, muss am Ende auch<br />
akzeptieren, dass die Jüngeren natürlich noch nicht eine so<br />
lange Erwerbsbiographie aufweisen wie die Älteren. Die Diäten<br />
sind richtigerweise über sechs Jahre nicht erhöht worden,<br />
in denen wir wirtschaftlich schwierige Zeiten in Deutschland hatten.<br />
Nun, in Zeiten des Aufschwungs sind wie in anderen Bereichen auch,<br />
auch die Diäten angehoben worden.
</p>
<p>
<b>wehmann: </b>Bitte eine Antwort auf meine bereits<br />
vorher gestellte Frage: Was halten Sie von der mit dem öffentlichen<br />
Dienst zu erwartenden Pensionserhöhung von circa fünf<br />
Prozent?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Die Herausforderung bei den Pensionen<br />
besteht darin, dass sie sich nicht an der allgemeinen<br />
Lohnentwicklung, sondern an den Tarifabschlüssen im öffentlichen<br />
Dienst orientieren. Ich glaube, diese Frage gehört neben anderen<br />
zu denen, die wir angesichts der steigenden Pensionsverpflichtungen<br />
grundsätzlich in diesem Land mal diskutieren sollten<b>.</b>
</p>
<p>
<b>prudence:</b> Ich denke, die Diätenerhöhung<br />
wie auch die persönliche Rentenversicherung sollten hier keine<br />
Rolle spielen. Wichtiger ist doch, wann es endlich gelingt, Reformen,<br />
die Deutschland zukunftsfähig machen, durchzuführen. Und<br />
dies ist nicht unbedingt erkennbar. Es gibt in Deutschland eigentlich<br />
keinen Analysebedarf, aber einen Handlungsbedarf, der eben von den<br />
Politikern nicht wahrgenommen wird.
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Nach meiner Einschätzung haben<br />
viele Politiker durchaus die Herausforderungen und Probleme richtig<br />
analysiert. Zur Umsetzung notwendiger Reformen bedarf es allerdings<br />
auch der nötigen Akzeptanz bei einer Mehrheit der Bevölkerung,<br />
zumindest auf mittlere und lange Sicht und um diese zu werben mittels<br />
ehrlicher, offener und kontroverser Diskussion sollte unser aller<br />
Anliegen sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Zum Beispiel Schweiz: Dort zahlen<br />
auch Selbständige und Beamte in die Rentenversicherung ein und<br />
für Gutverdiener gibt es keine Beitragsbemessungsgrenze. Wäre<br />
das ein Ziel für Ihre noch junge politische Laufbahn, das<br />
umzusetzen?
</p>
<p>
<b>silas385: </b>Ist das Rentensystem zu retten, indem<br />
Selbstständige und Beamte miteinbezogen werden, wie etwa im<br />
Schweizer Modell? Was halten Sie von dieser Alternative?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Im Grunde ist ein System wie die<br />
&quot;erste Säule&quot; in der Schweiz ein steuerfinanziertes<br />
System, denn wenn unbegrenzten Beiträgen begrenzte Leistungen<br />
gegenüber stehen, sind diese Beiträge quasi eine Steuer.<br />
Insofern habe ich große Sympathie für dieses Schweizer<br />
Modell, aber zur Wahrheit gehört eben auch dazu, dass dieser von<br />
allen finanzierte Teil, also die sogenannte &quot;erste Säule&quot;,<br />
nur Existenzsicherungsfunktion hat. Die betriebliche Altersvorsorge als zweite Säule ist in der<br />
Schweiz verpflichtend, anders als in Deutschland. Und die private<br />
Vorsorge als dritte Säule bereits wesentlich verbreiteter als<br />
hier. Insofern ist die Schweiz sicherlich partiell ein gutes Vorbild,<br />
aber auch ihr System ist nicht gefeit vor den Tücken der<br />
Demografie. So wurden auch in der Schweiz die Renteneintrittsalter<br />
angehoben oder etwa Mehrwertsteueranteile in das System umgelenkt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Und was heißt das jetzt?<br />
&quot;Sympathie für&#8230;&quot; &#8211; yes or no?
</p>
<p>
<b>silas385: </b>Was steht in Deutschland einem solchen<br />
Modell praktisch im Wege?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Das Problem ist nochmals: Wir sind<br />
nicht am Reißbrett, sondern müssen das bestehende System<br />
weiterentwickeln, weil viele Millionen Menschen in diesem System<br />
Ansprüche erworben haben und zurecht auch auf diese vertrauen.<br />
Umso wichtiger sind aber eben Maßnahmen wie die Riesterrente<br />
gewesen, die ja im Grunde unser System dem Schweizer annähert.
</p>
<p>
<b>silas385: </b>Vielen Dank für diese<br />
Einschätzung.
</p>
<p>
<b>Buerger: </b>Ich habe den Eindruck, dass vier Leute<br />
in das System einzahlen, aber zehn aus dem Topf nehmen. Liege ich da<br />
völlig falsch?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Bei der gesetzlichen<br />
Rentenversicherung kommt heute auf drei Menschen im erwerbsfähigen<br />
Alter ein Rentner. 2030 wird das Verhältnis bereits zwei zu eins<br />
betragen, 2050 circa 1,6 zu 1. Das ist im Grunde in ganz einfachen<br />
Zahlen die ganze Dimension unserer Herausforderung.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Die folgende Frage an Sie ist<br />
zugleich eine, die viele User vorab für besonders wichtig<br />
bewertet haben.</p>
<p><b>Baujahr55: </b>Meinen Sie nicht,<br />
vielleicht irgendwann selbst vor der Frage zu stehen, eventuell Ihren<br />
Wählern dieses Versprechen (Rentenerhöhung) geben zu<br />
müssen?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Wenn sie damit darauf anspielen, dass<br />
Rentnerinnen und Rentner eine immer größere Wählergruppe<br />
werden (sind schon heute über 19 Mio.) und daher jeder Politiker<br />
im Besonderen auf die Interessen dieser Gruppe &quot;schielen&quot;<br />
müsste, kann ich ihnen nur antworten, dass meine Erfahrung ist,<br />
dass mich gerade viele Rentnerinnen und Rentner in meiner Haltung<br />
bestärken, denn sie haben vielfach auch die Interessen ihrer<br />
Kinder und Enkelkinder im Blick. Insofern setze ich hier auf<br />
gegenseitiges Verständnis, zu dem aber eben auch der offene und<br />
ehrliche und manchmal kontroverse Dialog gehört.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Wir haben nebenbei unsere<br />
Chat-Teilnehmer gefragt: Ist die außerplanmäßige<br />
Erhöhung der Altersbezüge ein &quot;Wahlgeschenk für<br />
die Rentner&quot;?- 65 Prozent haben &quot;ja&quot; gesagt, 35<br />
Prozent &quot;nein&quot;. &#8211; Das Zitat stammt von Ihnen &#8211; nehmen Sie<br />
die Stimmung in er Öffentlichkeit trotz aller Beschimpfungen<br />
genau so wahr?
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>In der Einschätzung, dass die<br />
außerplanmäßige Rentenerhöhung nicht zuletzt<br />
mit Blick auf die Bundestagswahl im nächsten Jahr vorgeschlagen<br />
wurde, erlebe ich tatsächlich viel Zustimmung. Das heißt<br />
aber umgekehrt nicht, dass sie deswegen auch von z.B. besagten 65<br />
Prozent abgelehnt würde.
</p>
<p>
<b>TraudelMühldorf: </b>Ich bin 73 Jahre alt und<br />
stimme Ihnen absolut zu, Herr Spahn. Was ich allerdings nicht<br />
verstehe, ist, warum die Diskussionen oft so verletzend geführt<br />
werden und die Generationen gegeneinander ausgespielt werden. Ich<br />
vermisse außerdem mehr Konzepte zu Themen wie<br />
generationsübergreifendem Wohnen oder Alters-WGs, vielleicht<br />
gibt es ja noch andere Konzepte im sozialen Bereich, wie niedrigere<br />
Renten und fehlende Kinderbetreuung durch Mehrgenerationenhäuser<br />
aufgefangen werden können. Es kann doch nicht alles nur am Geld<br />
liegen, wir brauchen wieder echte Solidarität und Miteinander.
</p>
<p>
<b>Ingrid: </b>Wir sollten damit aufhören, die<br />
Alten gegen die Jungen und umgekehrt aufzubringen
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Mir ist es in dieser Diskussion sehr<br />
wichtig, sie sachlich und fair zu führen und nicht in<br />
Schwarz-Weiß-Schlagworten wie &quot;junge Schnösel&quot;<br />
oder &quot;Kampfrenter&quot; zu enden. Daher waren nicht alle<br />
Einlassungen etwa des Altbundespräsidenten einer differenzierten<br />
Auseinandersetzung dienlich. Zudem haben sie vollkommen Recht, neben<br />
der rein materiellen Frage einer Rentenerhöhung sollten wir mit<br />
Blick auf unsere älter werdende Gesellschaft mindestens genauso<br />
intensiv über neue Wohnformen im Alter reden. Insbesondere weil immer mehr Ältere nicht mehr in<br />
unmittelbarer Nähe zu ihren Kindern leben können. Und über<br />
ehrenamtliches Engagement im Alter (das Beispiel der 99-jährigen<br />
aus der gestrigen Anne Will Sendung hat mir sehr imponiert), bei dem<br />
wir die enormen Ressourcen gerade auch der Älteren weiter für<br />
die Gesellschaft nutzen können oder aber auch über<br />
Altersdiskriminierung diskutieren. Das ist für die Frage auch<br />
der Wertschätzung von Älteren mindestens genauso wichtig.<br />
Ich würde mich freuen, wenn es gelänge, die Debatte auch<br />
stärker in diese Richtung zu lenken.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Das war eine gute Stunde hier im<br />
tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Jens Spahn, dass Sie sich Zeit für<br />
die Diskussion mit den Leserinnen und Lesern von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de genommen haben. Dankeschön auch an unsere<br />
User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen<br />
konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Abend.
</p>
<p>
<b>Jens Spahn: </b>Ich danke auch und wünsche viel<br />
Sonne heute abend!</p>
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