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		<title>Facebook: Selektive politische Meinungsbildung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2015 11:34:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Soziale Netzwerke sind Horte der politischen Auseinandersetzung, ob es uns gefällt oder nicht. Facebook ist mit 28 Millionen Nutzern das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/18161731052_0a93dbd02c_z.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-146508" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/18161731052_0a93dbd02c_z.jpg" alt="18161731052_0a93dbd02c_z" width="640" height="280" /></a>Soziale Netzwerke sind Horte der politischen Auseinandersetzung, ob es uns gefällt oder nicht. Facebook ist mit 28 Millionen Nutzern das größte Netzwerk hierzulande und somit als Teilöffentlichkeit mittlerweile eine Sphäre für gesellschaftliche Meinungs- und Willensbildung. Experten kritisierten immer wieder das Unternehmen für seinen suggestiven Einfluss. Doch sind die Nutzer selbst tatsächlich nur Opfer?   <em> </em></p>
<p>Wissenschaftler und Journalisten streiten sich seit geraumer Zeit über die Auswirkungen, die ein soziales Netzwerk wie Facebook auf unsere Meinungsbildung entfaltet. Vor einigen Monaten bezeichnete der Literaturkritiker Ijoma Mangold in <a href="http://www.zeit.de/2015/17/facebook-printmedien-veraenderung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seinem Beitrag</a> in „der Zeit“ das soziale Netzwerk Facebook als „Spielwiese des Denkens“ und verwies auf die Bereicherung durch die Kommentarfunktion für journalistische Beiträge. Das sah Adrian Lobe in einem <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ueber-die-repressive-zensur-von-facebook-13683475.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2">FAZ-Artikel</a> anders und konterte mit Kritik an der Zensurpolitik des Unternehmens. Auf der einen Seite sperrt der Sittenwächter Facebook Bilder aufgrund nackter Körperteilen, auf der anderen Seite werden Hasskommentare toleriert.</p>
<p><strong>Zensur, Algorithmus und Filterblase</strong></p>
<p>Facebook arrangiert länderspezifische Zensurpolitiken und biedere sich folglich autoritären Regimen an, meinen Beobachter. Allerdings gilt das nicht nur für die Türkei oder China. Denn auch in Deutschland werden etwa auf Grundlage des Verbots der Holocaustleugnung Inhalte zensiert. Inwieweit Facebook sich „anbiedert“ oder leidglich seine Existenz in derartigen Ländern absichert, bleibt diskussionswürdig. Umstritten ist außerdem, welcher Algorithmus unseren Newsfeed gestaltet. Werden wir in einer <a title="Filter Bubble, Algorithmen und kein Ausweg?" href="http://politik-digital.de/news/filter-bubble-algorithmen-und-kein-ausweg-142731/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Filterblase</a> intellektuell isoliert, wie einige behaupten? Wird uns eine Art Wohlfühluniversum vorgesetzt, in dem wir unsere Meinung nur bestätigt bekommen? Hier herrscht ein Meinungsstreit unter den Experten. Erst vor einigen Monaten fanden – Facebooks hauseigene – Sozialwissenschaftler in einer <a href="http://www.sciencemag.org/content/348/6239/1130.abstract" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a> heraus, dass tatsächlich eine politische Filterblase bestehe. Diese sei aber lediglich marginal. Demnach ist eine selektive Wahrnehmung von Nutzern größer, als die berechnete Wahrscheinlichkeit einen Artikel deshalb nicht sehen zu können, weil er nicht der eigenen politischen Position entspricht.</p>
<p><strong>Facebook-Nutzer wenig motiviert zu Online-Diskussion </strong></p>
<p>In demokratischen Gesellschaften können verschiedene Differenzen zwischen (aber auch innerhalb von) politischen Spektren und Parteien öffentlich bestehen. Wie gehen wir selbst damit um, wenn wir uns in virtuellen Sozialräumen befinden? Es scheint zumindest nicht so, dass Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook selbst ein großes Interesse an politischen Kontroversen haben. Einer <a href="http://www.pewinternet.org/2014/08/26/social-media-and-the-spiral-of-silence/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">US-Studie</a> zufolge gibt es hier sogar eine geringe Diskussionsbereitschaft. Während 86% der US-Amerikaner angaben, offen für eine persönliche Diskussion über das NSA-Überwachungsprogramm der Regierung zu sein, sank diese Zahl in sozialen Netzwerken auf gerade einmal 41%. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich in sozialen Netzwerken die sogenannte „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schweigespirale</a>“ besonders zeige. Diese <a title="Schweigespirale: Bleib mir bloß weg!" href="http://politik-digital.de/news/schweigespirale-bleib-mir-bloss-weg-141700/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">umstrittene</a> Theorie beschreibt, dass Menschen ihre Bereitschaft zur öffentlichen Meinungsäußerung von der Mehrheitsmeinung abhängig machen. In diesem konkreten Beispiel mag es aber auch daran gelegen haben, dass das Thema der digitalen Überwachung ungern online, also unter den Augen der Kritisierten, diskutiert wird.</p>
<p>Eine weitere <a href="http://www.journalism.org/2014/10/21/political-polarization-media-habits/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a> aus dem Jahre 2014 untersuchte das Kommunikationsverhalten von US-Bürgern nach ihrer politischen Orientierung. Das interessante Ergebnis: Je deutlicher man sich zu einer politischen Orientierung (liberal/konservativ) bekannte, je höher war die Bereitschaft, auf Facebook Freundschaften zu kündigen oder zu blockieren, wenn deren politische Meinung von der eigenen Position abweicht. Während in der politischen Mitte etwa 24% äußerten schon einmal zu diesen Methoden gegriffen zu haben, neigten 31% der Konservativen und sogar 44% der Liberalen zu dieser Praxis. Eine ganz private Filterkultur, die bei den politisch aktivsten Befragten am stärksten ausgeprägt ist.</p>
<p>Ob der Nutzer tatsächlich als ein Opfer im System Facebook gesehen werden kann, das den Algorithmen ausgeliefert ist und durch diesen in seinem politischen Horizont beschränkt wird, ist fraglich. Die Politik des Unternehmens, dem Nutzer in erster Linie für ihn interessante Inhalte anzuzeigen, scheint nachvollziehbar. Dass durch diese Praxis unsere politische Einstellung tatsächlich nachhaltig verändert wird, lässt sich durch eine allgemeine Erkenntnis der Medienforschung anzweifeln: Medien verstärken die eigene Meinung, aber eine wirkliche Veränderung des Meinungsbildes findet selten statt. Der Nutzer betreibt von sich aus selektive Mediennutzung und möchte seine Meinung bestätigt sehen.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/132604339@N03/18161731052" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Joe The Goat Farmer </a><a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY 2.0)</a></p>
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<div class="attribution-info"> <img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-130752" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></div>
</div>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Schweigespirale: Bleib mir bloß weg!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lukas Böhm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2014 10:14:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Letzte Woche veröffentlichte das einflussreiche PewResearch Institute aus den USA eine Studie mit dem Titel „Social Media and the Spiral [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Schweigespirale-Bild-2-Format-1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-141701" alt="Schweigespirale Bild 2 Format 1" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Schweigespirale-Bild-2-Format-1-630x275.jpg" width="630" height="275" /></a>Letzte Woche veröffentlichte das einflussreiche PewResearch Institute aus den USA eine Studie mit dem Titel „Social Media and the Spiral of Silence“. Auch von deutschen Medien wurden die Ergebnisse aufgegriffen und diskutiert. Doch die Studie, wie auch die deutschen KommentatorInnen begehen einen Fehler: Nicht nur dass die Theorie der „Schweigespirale&#8221; wissenschaftlich tot ist. Vielmehr wird der Begriff hier auch falsch verwendet.<br />
Die Verwendung von Schlagwörtern in der Wissenschaft ist eine zweischneidige Sache. Sie verhelfen komplexen Theorien schnell zu einiger Popularität und machen sie damit massentauglich. Das kann insbesondere in den Sozialwissenschaften wichtig sein, die an sich selbst immerhin den Anspruch hat, ihre Ergebnisse auch dem eigenem Forschungsobjekt – den „normalen“ Menschen – zu vermitteln.<br />
Auf der anderen Seite können die Buzzwords Thesen am Leben erhalten, die in der eigentlichen Wissenschaft schon niemand mehr diskutiert. Ein gutes Beispiel dafür hat <a href="http://politik-digital.de/digital-natives-von-ureinwohnern-und-einwanderern/">Julia Rieder kürzlich vorgestellt</a>: Noch immer wird das Begriffspaar „Digital Natives“ bzw. „Digital Immigrants“ verwendet, auch wenn in der Wissenschaft mittlerweile Konsens darüber herrscht, dass vieles beim Thema Mediennutzung eine Rolle spielt, das Alter aber nicht. Eines der beharrlichsten Beispiele – und leider auch der ärgerlichsten – ist allerdings die Idee der „Schweigespirale“.</p>
<h3>Eine angegraute Theorie…,</h3>
<p>Die wurde just mal wieder ausgebuddelt, um einer <a href="http://www.pewinternet.org/files/2014/08/PI_Social-networks-and-debate_082614.pdf">Studie des Pew Research Center</a> (USA) Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das Institut untersuchte die Bereitschaft der AmerikanerInnen, sich online über die NSA-Affäre auszutauschen. Das Ergebnis kurz zusammengefasst: Menschen sagen vor allem dann ihre Meinung, wenn sie glauben, dass ihre Follower und Friends (bzw. Freunde, Familie und Kollegen) dasselbe denken. Die FAZ fühlte sich ob dieser spektakulären Neuigkeit gleich veranlasst, einen Artikel ihrer Online-Ausgabe mit „<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/studie-auch-im-netz-regiert-die-schweigespirale-13118570.html">Auch im Netz regiert die Schweigespirale</a>“ zu betiteln. Das Computermagazin „<a href="http://www.chip.de/news/Soziale-Netzwerke-Liken-statt-streiten_72251165.html">Chip</a>“ gab diesen fast wortgleich wieder, im „<a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/943946.gefaellt-mir.html">neues deutschland</a>“ findet sich nur sanfte Kritik, einzig Niklas Hofmann berichtet in der Süddeutschen Zeitung etwas zurückhaltender (aber unter ähnlicher Überschrift). Dabei ist die Aussage einfach falsch.<br />
Der Begriff ist in den 1970er Jahren sozialwissenschaftlich eingeführt worden von Elisabeth Nölle-Neumann, der Gründerin des demoskopischen Instituts Allensbach. Obwohl Meinungsumfragen prinzipiell wertneutral sind, stand Nölle-Neumann nie in dem Verdacht, parteipolitisch neutral zu agieren. Nach einem eher zweifelhaften Verhältnis zum Nationalsozialismus während ihrer Jugend- und Studienzeit war Nölle-Neumann nicht nur mit dem CDU-Politiker Erich Peter Neumann verheiratet, sondern ließ sich später auch von Helmut Kohl zu einem Lehrstuhl an der Universität Mainz verhelfen. Das von ihr gegründete <a href="http://www.academia.edu/1671402/Meinungsforschung_im_Dienst_des_Konservatismus_Arbeit_und_Selbstverstandnis_des_Instituts_fur_Demoskopie_Allensbach">Allensbach-Institut gilt bis heute als konservativ</a>.<br />
KritikerInnen halten die „Schweigespirale“ für ihren Versuch, der CDU zu erklären, warum ihr nach 1965 auf einmal die Bundesrepublik nicht mehr (allein) gehörte. Dummerweise ist die These auch eine der wenigen deutschen Theorien seit Adorno, die es bis in die amerikanische Sozialwissenschaft geschafft hat. Ihr Inhalt ist relativ simpel: Wer sich mit seiner Meinung gesamtgesellschaftlich in der Minderheit fühlt, neigt dazu, seine Meinung nicht mehr laut zu sagen. Dadurch, dass die Meinung nicht mehr gesagt wird, verstärkt sich für alle „anderen“ der Eindruck, diese spezielle Meinung sei eine Minderheit. Und auf einmal denkt eine <i>ganze Gesellschaft</i> ganz anders. Die These argumentiert im Kreis, wie schon der Name sagt.</p>
<h3>…die schon damals niemand verwendete</h3>
<p>Und sie hat gleich mehrere Probleme. Sie bewegt sich argumentativ nicht nur in der Nähe des „die schweigende Mehrheit, die Stimme des Volkes“-Schwadronierens einiger extremistischer Parteien, sondern ist prinzipiell auch nicht zu überprüfen. Denn wer sich in der Minderheit fühlt, verrät laut der These schließlich nicht seine wahre Meinung – oder äußert öffentlich sogar eine andere. Wessen Meinung von der Schweigespirale verschluckt wird, ist also Interpretation.<br />
Gegen den Vorwurf der Vereinfachung hat Nölle-Neumann sich gewehrt, indem sie ihre Theorie über die Jahre mit immer neuen Ergänzungen versah – was sie aber letztlich nur noch unüberprüfbarer machte. Zudem konnte sich die These von ihrer größten Schwäche nie befreien: Wenn es darum geht, dass Minderheitenmeinungen verstummen, muss es zunächst einmal eine Mehrheitsmeinung geben. Doch wie will man die eindeutig ermitteln? Zumindest in Deutschland gibt es eine diversifizierte Medienlandschaft, eine ausgeprägte politische Streitkultur, viele soziale Milieus mit unterschiedlichen Ansichten und Artikulationsformen – wer sollte sich schon anmaßen, bei jedem Thema die Mehrheitsmeinung zu erkennen? Es ist durchaus plausibel, dass ein CSU-Anhänger aus Bayreuth seine Meinung genauso für die allgemeine Mehrheitsmeinung hält wie die grüne Grundschullehrerin aus Kreuzberg.</p>
<h3>Das Internet hat den Troll erfunden, nicht geknebelt</h3>
<p>Doch selbst wenn klare Mehrheitsmeinungen bei einem Thema mal zu erkennen sind, bringen Sie die Minderheiten nicht zum Schweigen. Mit Verweis auf unsere Presseschau von letzter Woche gilt das umso mehr: Die rechtsextreme NPD vertritt Positionen, die von der Mehrheit der Bevölkerung – glücklicherweise &#8211; nicht geteilt werden. Im Internet betreibt sie trotzdem hemmungslos Propaganda, und wird von ihren AnhängerInnen offen unterstützt. Die Minderheit schweigt auch im Internet nicht. Unabhängig davon, ob das Internet den Troll erfunden hat oder andersrum: Er überlebt als Gattung alle Genenationen des Internets.<br />
Nölle-Neumanns These basierte auf der Annahme, dass Menschen Angst vor Ausgrenzung und Isolation haben, wenn sie abweichende bzw. „unpopuläre“ Meinungen vertreten. Das ist vollkommen richtig. Wirkung hat das aber nur im engeren sozialen Umfeld einer Person, nicht in einer ganzen Gesellschaft. Hier reden wir von Anpassungsdruck. Soziale Kreise, Schichten, Milieus und Gruppen existieren unendlich viele. Und diese können ungeachtet ihrer gesamtgesellschaftlichen Position problemlos nebeneinander existieren. So entsteht Meinungsvielfalt. So entstehen aber zum Beispiel auch Subkulturen.</p>
<h3>Wer will schon online über die NSA diskutieren?</h3>
<p>Das Phänomen, das die amerikanische Studie bespricht, lässt sich auch viel besser mit sozialem Anpassungsdruck als mit einer „Schweigespirale“ erklären: Menschen wollen nicht merklich von der Position ihrer sozialen Umgebung abweichen. Facebook versucht mathematisch genau, diese soziale Umgebung abzubilden, es ist die sprichwörtliche Manifestation der Filter Bubble. Hier schreibe ich nichts, von dem ich weiß, dass meine gesamte Followerschaft daraufhin laut aufschreit. Das gilt allerdings für die linke Bloggerin wie auch den strammrechten Burschenschaftler und verändert nicht die Stimmung in der Gesamtgesellschaft. Denn unsere sozialen Umfelder, unsere Filterblasen sind ja selbst gewählt und können, wenn jemand eine starke Diskrepanz zwischen sich und seinem sozialen Umfeld feststellt, auch gewechselt werden.<br />
Als Randnotiz sei noch bemerkt: Überrascht es ernsthaft jemanden, dass sich niemand kurz nach den Snowden-Enthüllungen online über die NSA aufregen möchte? Vor allem, wenn die Befragten US-AmerikanerInnen sind, also die von der NSA immer noch am stärksten überwachte Gruppe?</p>
<h3>Interessante Fragen,…</h3>
<p>Auch wenn die Studie mit falschen Begrifflichkeiten arbeitet, hat sie interessante Details zu bieten. Diese verstecken sich nur hinter der boulevardesken Aufmachung „Im Internet gilt die Schweigespirale!“ Die AutorInnen bemerken nämlich, dass Facebook- und Twitter-UserInnen – unabhängig von ihrer Meinung zum Thema NSA und davon, ob sie online darüber sprechen – weniger häufig in der Realität darüber sprechen wollen.<br />
Für die Feststellung, dass online-affine Menschen seltener im echten Leben über die NSA sprechen wollen, könnte eine Reihe von Erklärungen herhalten. Möglich ist, dass Menschen, die mit der Dynamik von Shitstorms und Trollkommentaren vertraut sind, auch im privaten Leben vorsichtiger werden. Wohlgemerkt: Vorsichtiger mit jeder Äußerung, es handelt sich also nicht um eine „Schweigespirale“. Möglich ist auch, dass die Online-Kommunikation das Bedürfnis ersetzt, offline über ein Thema zu sprechen. Es ist auch möglich, dass Facebook- und Twitter-UserInnen generell eine größere Ablehnung gegenüber politischen Diskussionen an den Tag legen als die Gesamtgruppe. Vielleicht aber hat es auch nur mit dem Thema „NSA/Edward Snowden“ zu tun und ist nicht generell auf politische Themen zu übertragen.</p>
<h3>… aber die „Schweigespirale“ ist nicht die Antwort</h3>
<p>Sie merken, man kann hier leicht ins Spekulieren geraten. Die Studie liefert nämlich eher wichtige Fragen als dass sie neue Ergebnisse zutage fördert. Den Begriff der Schweigespirale benutzt sie missbräuchlich, denn Nölle-Neumann erfand diese, um  einen Prozess zu beschreiben, an dessen Ende in einer Gesellschaft nur noch eine Meinung vertreten wird. Erstens ist das beim Thema NSA in den USA nicht der Fall. Und zweitens beschreiben die AutorInnen der Studie auch etwas ganz anderes. Nämlich Anpassungsverhalten in verschiedenen sozialen Kontexten.<br />
Die Frage des Zusammenhangs von Online- und Offlinekommunikation genauer zu beleuchten, ist sicher interessant. Aber deswegen die Schweigespirale wiederbeleben zu wollen, wäre schlichtweg falsch.</p>
<h3> tl;dr</h3>
<ol>
<li>Die Behauptung, im Internet regiere eine „Schweigespirale“, ist falsch. Die AutorInnen der amerikanischen Studie meinen eigentlich Anpassungsdruck an das eigene soziale Umfeld.</li>
<li>Die „Schweigespirale“ war als Theorie nie zu überprüfen und wird in den Sozialwissenschaften kaum noch verwendet.</li>
<li>Die Studie wirft eine interessantere Frage auf: Warum sprechen Menschen, die Social Media nutzen, seltener über die NSA?</li>
</ol>
<p>Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/ru_boff/">Dimitry B. </a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a><br />
&nbsp;</p>
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