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	<title>Skandal &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Skandal &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Von alten Gatekeepern und neuen Skandalierern</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Aug 2012 16:22:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wie verändert sich die Wahrnehmung persönlicher oder kollektiver Verfehlung durch die Digitalisierung und die ständige Verfügbarkeit neuartiger Publikationsformate? Die Tübinger [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/von-alten-gatekeepern-und-neuen-skandalierern/slider_skandal_630x330-2/" rel="attachment wp-att-120107"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-120107" alt="Bild &quot;der entfesselte Skandal&quot;" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Slider_Skandal_630x3301.jpg" width="630" height="330" /></a>Wie verändert sich die Wahrnehmung persönlicher oder kollektiver Verfehlung durch die Digitalisierung und die ständige Verfügbarkeit neuartiger Publikationsformate? Die Tübinger Medienwissenschaftler Hanne Detel und Bernhard Pörksen haben hierzu im Frühjahr ein Buch vorgelegt. Im Interview mit politik-digital.de sprach Mitautorin Hanne Detel über die Arbeit am Buch und die Besonderheiten der Skandalisierungskultur im Netz.</p>
<p>Debatten, Skandalschemata und vor allem Langzeitwirkungen von Skandalen haben sich im Zuge der Digitalisierung von Medien und Gesellschaft gewandelt. Soweit ein bereits bekannter Prozess, dessen Bewertung bislang allzu häufig durch polemische Blogeinträge selbsterklärter „digital natives“ beziehungsweise martialisch anmutende Reaktionen sprachgewaltiger Kulturpessimisten („Heveling-Traktat) geprägt gewesen ist. Das Buch  „Der entfesselte Skandal: Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ bemüht sich aus der  Perspektive der Medientheorie um begriffliche Klarheit. Was in neobürgerlichen Zeitungskolumnen allzu häufig mit polemischem Unterton als Teufel an die Wand gemalt wird, haben die Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Hanne Detel nun in anspruchsvoller, dennoch gut lesbarer, vor allem aber unaufgeregter Buchform recherchiert und seziert.</p>
<p><a title="Buch" href="http://www.halem-verlag.de/2012/der-entfesselte-skandal/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Der entfesselte Skandal“</a>, so der Titel ihres im Kölner Herbert von Halem Verlag erschienenen Buches beleuchtet die durch zunehmende Digitalisierung befeuerten Medienskandale der vergangenen Jahre und Jahrzehnte mit bemerkenswerter Akribie. Die Kernthese der beiden Forscher lautet hierbei, dass Skandale und/oder die nicht beabsichtigte Medienpräsenz, anders als früher, nicht mehr zwangsläufig linear verlaufen müssen. Die Skandale können durch neuartige Publikationsformate und ein verändertes Mediennutzungsverhalten jederzeit und aus allen Richtungen angeheizt werden.Die beiden Autoren liefern keine finale Theorie des entfesselten Skandals. Vielmehr beschreiben sie das Phänomen entlang der Genese einer ganzen Reihe von Fallbeispielen, die sich in das kollektive Gedächtnis unserer Mediengesellschaft eingebrannt haben. Unter den 15 Fällen ist die Distribution der Folterfotos aus dem irakischen Abu-Ghuraib ebenso vertreten wie eine detaillierte Analyse der Wirkungsmechanismen kollektiver Online-Recherche im Fall Guttenberg. Immer dann, wenn individuelle, von den Medien weniger multiperspektivisch beleuchtete bzw. bereits in Vergessenheit geratene Affären und Empörungswellen unter den Prämissen der Medienwirklichkeit des digitalen Zeitalters aufgearbeitet werden, sticht das Buch besonders hervor.</p>
<h3>Der kategorische Imperativ des digitalen Zeitalters</h3>
<p>Hervorgehoben sind in jedem Kapitel bestimmte Begriffe oder Phänomene, so dass das Buch auch für Leser ohne direkten Bezug zu Netzphänomenen ein Gewinn ist. Zwar überlassen die Autoren ihrem Publikum ganz bewusst eine Bewertung der vorgestellten Fälle. Bereits in der Einleitung formulieren Detel und Pörksen jedoch ihren an Immanuel Kant angelehnten kategorischen Imperativ des digitalen Zeitalters, mit dem sie bewusst machen wollen, welche Konsequenzen eine im Internet geäußerte Meinung haben kann.</p>
<p>politik-digital.de hat die Co-Autorin Hanne Detel zu ihrer Arbeit am Buch, nationalen Unterschieden und ihren Erkenntnissen befragt. Detel, Jahrgang 1983, ist Akademische Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaf der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt: Print- und Onlinemedien.</p>
<p><strong>politik-digital.de: Frau Detel, in einem Interview zur Entstehung Ihres Buches haben Sie kürzlich gesagt, dass Ihrer Publikation eine Datenbank zugrunde lag, in der sie Fälle sortiert und klassifiziert haben. Welches war das wesentliche Merkmal, das ein Medienereignis Ereignis aufweisen musste, um Eingang in Ihre Tabelle zu finden?</strong></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/von-alten-gatekeepern-und-neuen-skandalierern/detel/" rel="attachment wp-att-120100"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-120100" alt="Foto Hanne Detel" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Detel-195x119.jpg" width="182" height="111" /></a>Hanne Detel: Wir haben uns bei der Auswahl der Fälle an der klassischen Skandaldefinition orientiert. Danach besitzt ein Skandal drei Merkmale: Zunächst begeht eine Person einen Normverstoß, handelt entgegen der gängigen Werte oder Gesetze. Diese Grenzüberschreitung wird öffentlich und damit einem großen Publikum zugänglich gemacht, das sich – und das ist der dritte Schritt – darüber empört. Uns interessierten Skandale, bei denen der Normverstoß primär im Internet oder mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien enthüllt und verbreitet, kommentiert und diskutiert wurde.</p>
<p>Hier liegt eines der entscheidenden Unterschiede zum klassischen Skandal: Nicht mehr nur Journalisten – die früheren Gatekeeper – können einen Skandal initiieren, sondern jeder Mensch mit Smartphone oder Computer. Als Beispiel sei auf die Affäre um den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verwiesen, dessen Plagiate von einer gut organisierten Gruppe anonymer Enthüller auf dem Wiki GuttenPlag systematisch dokumentiert wurden. Auf diese Weise machten sie das Ausmaß des Vergehens für jedermann sichtbar und nachvollziehbar.</p>
<p><strong>politik-digital.de: Aufgrund der &#8220;Grenzenlosigkeit&#8221; des Internet wundert es nicht weiter, dass sich unter den 15 aufgearbeiteten Fällen in Ihrem Buch Beispiele aus Deutschland, Europa, den USA und aus Asien finden.<br />
Konnten Sie im Zuge der Analyse der einzelnen Fälle und der Auswertung von Sekundärquellen zumindest national oder regional variierende Rezeptions- und Bewertungsmuster herausarbeiten?</strong></p>
<p>Hanne Detel: Ob Menschen eine Handlung als Normverstoß wahrnehmen oder nicht, hängt in der Tat in vielen Fällen von ihrem kulturellen, nationalen, ideologischen oder auch religiösen Hintergrund ab – das ist allerdings nicht nur bei Netzskandalen der Fall: Man denke nur an den Aufruhr unter Muslimen nach dem Druck der Mohammed-Karikaturen und vergleiche sie mit den Reaktionen, die jüngst auf die Abbildungen des Papstes in der Satire-Zeitschrift „Titanic“ folgten. Ein in seiner Intensität vergleichbar Auslöser führte zu völlig unterschiedlichen Reaktionen bei den jeweiligen Anhängern.</p>
<p>Auch für unser Buch untersuchten wir Fälle, die verschiedene Erregungsstränge beobachten ließen: So führte etwa der Schlichtungsversuch einer jungen Chinesin in den USA zwischen Pro-Tibet-Demonstranten und ihren chinesischen Gegnern zu einem regelrechten Cybermob, der seinen Höhepunkt in anonymen Morddrohungen und heftigen Beschimpfungen im Netz fand. Von Amerikanern erfuhr die Studentin hingegen, in und außerhalb des Internet, viel Unterstützung und Zuspruch für ihren Einsatz – die Entrüstung richtete sich hier gegen die chinesischen Skandalierer. Es wird deutlich: Anders als in den klassischen Medien, die meist eher gleichförmig über Skandale berichten, wird im Internet in vielen Fällen die gesamte Bandbreite an Meinungen sichtbar.</p>
<p><strong>politik-digital.de: Am Stil Ihres Buches fällt auf, dass es &#8211; mit Ausnahme der Formulierung des modifizierten &#8220;Kategorischen Imperativs&#8221; kaum belehrend daherkommt. Für wie wünschenswert halten Sie es, einigen der in Ihrem Buch recherchierten Skandalszenarien</strong> <strong>zukünftig dadurch zu begegnen, dass an Schulen und Fortbildungseinrichtungen verstärkt Wert auf das Fach Medienpädagogik bzw. Medienethik gelegt wird?</strong></p>
<p>Hanne Detel: Das halte ich für realistisch und wünschenswert, denn eine verstärkte Medienpädagogik ist die logische Konsequenz unseres kategorischen Imperativs des digitalen Zeitalters, dessen erster Satz lautet: „Handele stets so, dass dir die öffentlichen Effekte deines Handelns langfristig vertretbar erscheinen.“ Im digitalen Zeitalter sind wir alle Publizisten. Jedoch können wir uns nicht vorstellen, was mit unseren Tweets und YouTube-Videos, unseren E-Mails und SMS eines Tages geschieht, in welchen Kontexten sie womöglich eines Tages wieder auftauchen und gegen uns oder gegen die, über die wir berichtet haben, verwendet werden. Daher sollten bereits Schüler für diese möglichen Konsequenzen sensibilisiert werden, noch bevor sie intime oder private Informationen über sich und andere Menschen im digitalen Schaufenster platzieren.</p>
<p>Allerdings muss – so heißt es im zweiten Satz unseres kategorischen Imperativs – unbedingt mit dem Scheitern gerechnet werden, denn im Extremfall sind alle Vorsichtsmaßnahmen nutzlos.</p>
<p><strong>politik-digital.de: Mit der Facebook-Gruppe &#8220;Der entfesselte Skandal&#8221; wird u.a. auf Berichterstattung zu den Themen des Buches aufmerksam gemacht. Ist die Facebook-Gruppe in Ihren Augen Dokumentation oder zusätzlich auch Fortentwicklung des Schreibprozesses an Ihrem Buch?</strong></p>
<p>Hanne Detel: Die Facebook-Seite zum Buch wird von der Agentur Literaturtest betreut und startete erst, nachdem wir den „entfesselten Skandal“ zu Ende geschrieben hatten. Hätten wir die Facebook-Seite zu einem früheren Zeitpunkt aufgebaut, so hätten wir bereits während der Recherche- und Schreibphase den aktuellen Stand unserer Arbeit dokumentieren und mit interessierten Nutzern diskutieren können. Ein Beispiel, das zeigt, wie sich ein solcher virtueller Austausch realisieren und nutzen lässt, ist übrigens die Seite zum Dokumentarfilm „Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft“ von Svea Eckert und Anika Giese (<a title="Facebook Doku Notizblock" href="http://www.facebook.com/ARD.Doku" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„FB Doku Notizblock&#8221;</a>).</p>
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		<title>Soldaten: Finger weg von Digi-Cams!</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bilderskandal in Afghanistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>(Artikel) Digitale Speicher- und Aufnahmengeräte finden mit zunehmendem Preisverfall auch bei den Soldaten Anklang. Das hat auch für das Militär Konsequenzen, wie die öffentliche Debatte in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Denn durch die digitalen Medien kommen neue Dimensionen beim Dokumentationsvorgang hinzu.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>(Artikel) Digitale Speicher- und Aufnahmengeräte finden mit zunehmendem Preisverfall auch bei den Soldaten Anklang. Das hat auch für das Militär Konsequenzen, wie die öffentliche Debatte in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Denn durch die digitalen Medien kommen neue Dimensionen beim Dokumentationsvorgang hinzu.<!--break--><br />
</b></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Die vermeintlichen „Schädel-“ oder „Schock-Fotos“ aus Afghanistan kursieren nun seit etwa einer Woche in der deutschen Medienöffentlichkeit, und so allmählich ergänzen auch durchdachtere Positionen und Anmerkungen die aufgeregten Empörungen der ersten Tage. Doch es bleiben auch einige Lücken bestehen, insbesondere mit Blick auf den Entstehungskontext der Bilder und ihren Weg in die deutsche Medienöffentlichkeit – nein, hier sind nicht die exklusiven Kanäle der BILD-Zeitung gemeint, sondern vielmehr die digitalen Aufnahme- und Speichergeräte in den Händen der Soldaten. Offenbar war die Mitnahme von Digitalkameras (bisweilen auch des eigenen Notebooks) nach Afghanistan problemlos möglich – für die digitale Bildproduktion öffnete sich so ein weites Feld, und man muss sich beinahe fragen, warum es so lange dauerte, bis das Bildmaterial an eine breitere Öffentlichkeit gelangte.
</p>
<p>
Der Charakter der Bilder als Digitalbilder wurde in der Debatte bislang so gut wie nicht thematisiert, lediglich in Nebensätzen war von Lösch- oder Kopierversuchen die Rede, manche Artikel erwähnen einen regen Bilderhandel im Camp. Aus mehreren Gründen scheint aber der „Aggregatzustand“ des Fotomaterials besonders interessant. Zunächst einmal wurde die Authentizitätsfrage nie ernsthaft gestellt, die Öffentlichkeit ist sich einig, dass es sich nicht um Fälschungen handelt. Spätestens die Publikation in der BILD fungiert ganz offenbar als Echtheits-Zertifikat (die schnellen Schuldeingeständnisse der Bundeswehr taten ein übriges). An sich wäre dies nicht verwunderlich, zeigt aber, dass der generelle Vorbehalt gegenüber Digitalfotos angesichts der schieren Menge und weiten Verbreitung nicht mehr aufrecht erhalten wird – digitales Bildmaterial wird inzwischen schneller als „authentisch“ angesehen.</p>
<p>Damit wäre man beim zweiten Punkt: Die Bilder stammen aus dem dem Jahr 2003 und sind alt – zumal in einem digitalen Umfeld, das als besonders schnelllebig gilt. Warum haben sie in den vergangenen drei Jahren nicht schon einige Runden durch die schmutzigen Randzonen des Internet gedreht? Warum keine „Enthüllung“ durch einen umtriebigen Blogger? Offenbar ist die „deutsche Blogosphäre“ noch längst nicht auf internationalem Niveau, denn bewaffnete Konflikte waren nicht erst seit dem Bagdad-Blog von<br />
<a href="http://dear_raed.blogspot.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Salam Pax</a> ein wesentlicher Nährboden für die hochgelobte Kommunikationsplattform. Die bislang seltenen „Bundeswehrblogs“ umfassen eher harmlose Berichte aus dem Alltag junger Wehrdienstleistender. Ein breit aufgestelltes Angebot wie „milblogging.com“, das mehr als 1.500 „Militär-Weblogs“ auflistet (darunter nur eine Handvoll von deutschen Soldaten), ist hierzulande nicht in Sicht.
</p>
<p>
Schließlich muss auch der konkrete Produktionsvorgang der „Schock-Fotos“ als Digitalbilder mitgedacht werden. Dabei sind drei wesentliche Charakteristika des Digitalfotografierens relevant. Zum einen entfällt die aufwändige Filmentwicklung, als traditionelle Fotos mit der Kleinbildkamera sind die Aufnahmen im afghanischen Kriegsgebiet schlichtweg undenkbar. Wichtiger aber sind zwei andere Punkte: Digitalfotos stehen unmittelbar nach der Aufnahme zur Verfügung, können überprüft und bei Bedarf erneut aufgenommen werden. Dies „erklärt“ die hohe Zahl der Bilder und den hohen Inszenierungsgrad der Aufnahmen. Das technologische Setting leistet einer seriellen Bilderproduktion Vorschub, multipliziert die Motive und die Anzahl der Bilder. Bleibt ein dritter Aspekt: Mit Abschluss der Aufnahmen verwandelt sich die Digitalkamera von einem Aufnahme- in ein Aufbewahrungs- und Zeigegerät. Nach der Rückkehr von einer Patrouillenfahrt liefert die Dia-Show im Basislager das Beweismaterial zu den Ereignissen des Tages – entweder auf dem Mini-Monitor in der Kamera oder nach der Übertragung auf ein Notebook. Einige der zuletzt veröffentlichten Berichte aus Afghanistan weisen deutlich darauf hin, dass innerhalb der Truppe reichlich digitales Bildmaterial zirkuliert und gerade die Möglichkeit zur schnellen Einsichtnahme auch zu einer Verstärkung der Aufnahmetätigkeiten geführt hat. Dass solche „personal devices“ nicht allein der Ablenkung und Zerstreuung dienen, sondern mitunter auch nicht unerhebliche Risiken bergen, sollte eigentlich bekannt sein.
</p>
<p>
Diese Eigenlogik der digitalen Bildproduktion führt schließlich zu einer scheinbar simplen Schlussfolgerung: Das Hantieren mit Kameras im Kriegsgebiet ist dem Umgang mit Waffen gleichzusetzen und gehört ganz offensichtlich verregelt. Nicht ohne Grund hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die Nutzung digitaler Aufnahmegeräte aller Art in irakischen Militärlagern verboten – allerdings erst nach dem Skandal von Abu Ghraib. Inzwischen haben die US-Militärs ganz offensichtlich hinzugelernt, ein Bericht der Associated Press vom 30. Oktober 2006 (verfügbar über military.com) stellt die Arbeit der „Army Web Risk Assessment Cell“ vor: ein in Virginia ansässiges Sondergremium, das die digitalen Aktivitäten der US-Truppen überwacht und auf Sicherheitsrisiken prüft. Bis die Bundeswehr eine ähnliche Einheit beschäftigt, wird es wohl noch etwas dauern, doch schon jetzt scheint ein restriktiverer Umgang mit persönlichen digitalen Assistenten aller Art angezeigt.<br />

</p>
<p>
<br />
Diskutieren Sie, ob den deutschen Soldaten Digitalkameras weggenommen werden sollen.<br />
<b><br />
</b></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Was folgt aus dem Bilderskandal? &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/bilderskandal-in-afghanistan/netzkulturbdrechsler_bilderskandal1_081106-shtml-3089/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[
                              (Artikel) In der Diskussion um die "Schock-Bilder" deutscher Soldaten in Afghanistan werden die falschen Fragen gestellt, sagt Benjamin Drechsel. Jenseits von Skandalisierung oder Täter-sind-auch-Opfer-Sicht sollte ergründet werden, warum solche Bilder entstehen und welche Wirkung sie haben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
                              <strong>(Artikel) In der Diskussion um die &#8220;Schock-Bilder&#8221; deutscher Soldaten in Afghanistan werden die falschen Fragen gestellt, sagt Benjamin Drechsel. Jenseits von Skandalisierung oder Täter-sind-auch-Opfer-Sicht sollte ergründet werden, warum solche Bilder entstehen und welche Wirkung sie haben.</strong><!--break--></p>
<p>Mittwoch, der 26. Oktober 2006, markiert eine Zäsur für Bundesrepublik und Bundeswehr, denn auch „wir“ gehören nun ganz augenscheinlich zu den Bösen dieser Welt. Zuerst die BILD-Zeitung, danach andere Massenmedien, haben uns seit diesem Tag reichlich „SCHOCK-FOTOS“ von deutschen Soldaten in Afghanistan präsentiert. Junge Männer zeigen sich darauf mit Totenschädeln, mal tendieren ihre Posen eher in Richtung Pornografie, mal in Richtung Machtfantasie. Es lohnt scheinbar kaum, näher darauf einzugehen, denn in der Öffentlichkeit herrscht ein breiter Konsens darüber, dass die Bilder als „Leichenschändung“ wahrgenommen und verurteilt werden sollten.</p>
<p>Die damit einhergehende Skandalisierung war so folgerichtig wie vorhersehbar: Zunächst gab sich die politische Elite des Landes „zutiefst entsetzt“, „angewidert“, „schockiert“ – die Wahl der durchaus angebrachten und notwendigen Allgemeinplätze war wenig überraschend. Ziel der Entrüstung waren damit die Fotografierten, wobei die Fotografen, mithin also die eigentlichen Bildschöpfer, erstaunlich selten thematisiert wurden. Das erklärt sich vor allem aus dem Medium und seinem öffentlichen Gebrauch: Denn auch im Zeitalter des digitalen Bildes eilt der Fotografie noch der Ruf des „Objektiven“ voraus, obwohl wir nun schon ziemlich lange wissen, dass ein Objektiv nicht objektiv ist.</p>
<p>In der zweiten, ebenso vorhersehbaren und unmittelbar anschließenden Umdrehung der Medienspirale kam dann jedenfalls zur Fotokritik die Fotokritik-Kritik hinzu: Insbesondere wurde dabei immer wieder die Bigotterie der BILD-Zeitung angeprangert, denn zunächst zirkulierten die Fotografien Bundeswehr-intern – öffentlich wurde die Leichenschändung erst durch die BILD-Zeitung. Und dies in einem expliziten Sinne, weil eine nur-schriftsprachliche Berichterstattung über die Spottbilder die Schändungen der Toten nicht millionenfach reproduziert hätte. Die Bilder tun jedoch genau dies. Das hat etwa die taz reflektiert, indem sie auf ihrer Titelseite vom Donnerstag (26. Oktober 2006) unter der anspielungsreichen Überschrift „<br />
                            <a href="http://www.taz.de/pt/2006/10/26.1/s1pdf.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WIR SIND<br />
                            <strike>PAPST</strike> WIXER</a>“ einen Ausriss aus der Bild-Zeitung präsentierte – und nicht etwa nur eine entkontextualisierte Fotografie. Im übrigen setzten auch die Kollegen von der FAZ auf die Abbildungstechnik des Ausrisses – am gleichen Tag dokumentierte die Reproduktion dreier Schädel-Bilder samt der charakteristischen weißen Schlagzeile auf rotem Grund den großen Seite-3-Bericht. Gleichwohl entgehen damit weder die linke tageszeitung noch die klugen Köpfe vor und hinter der FAZ dem von der BILD-Zeitung in Gang gesetzten Teufelskreislauf der visuellen Leichenschändung. Was der Berliner Bildhistoriker Horst Bredekamp in Bezug auf terroristische Hinrichtungsvideos formuliert hat, gilt auch für die deutschen Afghanistanbilder: „Da der Zweck dieses Verbrechens im Betrachten seines Bildes liegt, bedeutet sein willentliches Ansehen Komplizenschaft.“ Mit anderen Worten: Die Reproduktion der Bilder (die es niemals ohne ihre BetrachterInnen gibt, weil Bilder nicht „an sich“ existieren, sondern immer nur in Köpfen) reproduziert auch die Leichenschändung.</p>
<p>Das Wechselspiel aus Bildkritik und Bildkritik-Kritik setzte sich fort. Mit jedem weiteren Deutungsversuch verloren die Skandalbilder viel von ihrer Eindeutigkeit und zeigten plötzlich (wiederum bereits in der taz vom 26. Oktober 2006) „schlecht ausgerüstete, ohnmächtige, ängstliche Männer“. So fragwürdig sie zunächst auch sein mag: Diese Umkehrung der Täter-Opfer-Perspektive bringt die wichtige Erkenntnis mit sich, dass die Totenschädelbilder vieldeutiger und komplexer sind, als man auf Grund ihrer schlichten Machart zunächst meinen sollte. Und darin steckt nun der Schlüssel zur Aufklärung des visuellen Verbrechens &#8211; allerdings leider nicht zu seiner Verhinderung: Denn nur über die Erkenntnis ihrer Vieldeutigkeit können wir die Oberfläche dieser visuellen Medienkonstrukte durchbrechen und versuchen, zu ihren allgemeineren kulturgeschichtlichen Bedeutungen vorzustoßen.</p>
<p class="fett">
                              <br />
                              <a href="bdrechsler_bilderskandal2_081106.shtml">Weiter zum zweiten Teil &gt;&gt;</a>
                            </p></p>
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			</item>
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		<title>Was folgt aus dem Bilderskandal? &#8211; Teil 2</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/bilderskandal-in-afghanistan/netzkulturbdrechsler_bilderskandal2_081106-shtml-3090/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
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                              (Artikel) In der Diskussion um die "Schock-Bilder" deutscher Soldaten in Afghanistan werden die falschen Fragen gestellt, sagt Benjamin Drechsel. Jenseits von Skandalisierung oder Täter-sind-auch-Opfer-Sicht sollte ergründet werden, warum solche Bilder entstehen und welche Wirkung sie haben.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              (Artikel) In der Diskussion um die &#8220;Schock-Bilder&#8221; deutscher Soldaten in Afghanistan werden die falschen Fragen gestellt, sagt Benjamin Drechsel. Jenseits von Skandalisierung oder Täter-sind-auch-Opfer-Sicht sollte ergründet werden, warum solche Bilder entstehen und welche Wirkung sie haben.
                            </p>
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<p>Um es zunächst noch einmal zu betonen: Die abgebildeten Posen und Handlungen sind abscheulich und ekelhaft. Mit den Veröffentlichungen in der BILD-Zeitung wurden Skandalisierung der Bilder und öffentlicher Diskurs dazu unausweichlich. Die maßgeblichen deutschen PolitikerInnen haben richtig gehandelt, indem sie die Fotos zunächst eindeutig verurteilten. Damit haben Sie, so gut sie es eben konnten, Distanz zwischen „uns Deutsche“ und diese „anderen Deutschen“ dort auf den Bildern gebracht. Mehr aber auch nicht.</p>
<p>Erst mit der kritischen Infragestellung der oberflächlichen Eindeutigkeit dieser Bilder kann der Blick auf „unsere Beteiligung“ an dem Verbrechen, das eben nicht nur die abgebildeten Taten und Posen, sondern insbesondere auch die „Bilder-als-solche“ (und ihre Veröffentlichung) sind, gewagt werden. Anders gesagt: Wenn wir denn nun mal mit drin hängen, ohne es je gewollt zu haben, wüssten wir dann zumindest gern, um welche Art von Verbrechen es sich eigentlich handelt. Nur so können wir die künftig dringend benötigten Gegenmechanismen entwickeln.</p>
<p>Insofern wäre es also wichtig, Fragen zu stellen (so wie etwa<br />
                            <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23837/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Christian Gapp</a> am 26. Oktober 2006), statt immer nur ExpertIn zu spielen und schablonenhafte Antworten zu geben. Denn ein Bild sagt zunächst einmal keineswegs „mehr als tausend Worte“, sondern schlicht und einfach: gar nichts. Es sind nämlich die Kontexte, die für Bildbedeutungen sorgen. Kein Bild ist an sich ein „Schock-Foto“, nur weil das irgendjemand (und sei es die meinungsmächtige BILD-Zeitung) behauptet, sondern nur dann, wenn es auch wirklich jemanden schockiert. Insofern ist die Rede von „Spottbildern“ vielleicht ehrlicher, denn als Spott sind die Afghanistanfotos inszeniert und rezipiert worden – einen öffentlichen Schock dürften Sie nach dem, was wir etwa aus Abu Ghraib zu sehen bekommen hatten, wohl eher nicht mehr ausgelöst haben. Viel entscheidender als ein wirklicher Schock war für die politische Abwehrreaktion gegen die Bilder die aus ihrer Veröffentlichung folgende Angst vor islamistischen Attacken in Deutschland bzw. auf Deutsche – dafür spricht ja auch die ebenso verständliche wie absurde Debatte um die Frage, ob es sich nun um Totenschädel von Moslems oder von Angehörigen anderer Religionen handele. Auch dies ist übrigens wieder eine Frage, zur der die „Bilder-als-solche“ schweigen. Sie lässt sich nur über die Rekonstruktion ihrer Kontexte beantworten.</p>
<p>Weil Bildbedeutungen also aus historischen Kontexten erwachsen, ist es besonders interessant, zu welchem Zweck die Totenschädelfotos aufgenommen wurden und bei welcher Gelegenheit. Eine zentrale Frage müsste also lauten: Warum sind diese deutschen Spottbilder in Afghanistan entstanden? Was haben sich die beteiligten Soldaten davon versprochen? Welcher sozialen Choreographie folgte ihre Inszenierung? Solange wir darüber so wenig wissen, müssen wir uns mit der Analyse der visuellen Traditionen behelfen, auf denen die „Schockfotos“ aus Afghanistan aufbauen: Eine bildpsychologische Spur führt dabei von den jüngsten Spottbildern gerade nicht zu den Folterfotos von Abu Ghraib, weil dort nämlich nicht Tote visuell verspottet, sondern Lebende gequält wurden (wobei eine Gemeinsamkeit möglicherweise in der anti-islamischen politischen Symbolik der Bilder besteht). Diese Fährte führt stattdessen beispielsweise hin zu solchen Wehrmachtsfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg, die als Trophäen getöteter Feinde und damit als Amulette gegen den eigenen Tod fungierten.<br />
                            <a href="http://www.kunsttexte.de/download/poli/hoffmann-curtius.PDF" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kathrin Hoffmann-Curtius</a> hat in diesem Zusammenhang „das unheimliche Begehren von Soldaten nach Bildern des hingerichteten Feindes“ beschrieben. Dass es sich bei solchen bildmagischen Leichenschändungen keineswegs um ein spezifisch deutsches Phänomen handelt, zeigt die 1943 erstmals veröffentlichte Fotografie eines abgerissenen japanischen Soldatenkopfes von Ralph Morse, der durch US-Soldaten auf einem japanischen Panzer angebracht worden war. Ganz anders, als man zunächst meinen sollte, mach(t)en solche Bildinszenierungen neben der „Verrohung“ (so der Flensburger Historiker Gerhard Paul) auch die Angst ihrer UrheberInnen sichtbar. Auch im scheinbar so selbstsicheren Spiel des Bundeswehrsoldaten mit den Leichenteilen maskiert sich letztlich nur dessen unsägliche Furcht vor der eigenen Vergänglichkeit. Sie soll durch die Verspottung des Todessymbols, das jeder Totenschädel immer auch ist, bildmagisch gebannt werden. Das macht die Leichenschändung moralisch zwar nicht weniger verwerflich, führt aber wenigstens zum Verständnis ihrer Ursachen – und damit, das wäre zumindest die aufklärerische Hoffnung, die sich in diesem Fall allerdings kaum erfüllen dürfte, vielleicht auch zu deren Beseitigung.</p>
<p>Damit wären wir schließlich wieder bei der taz angelegt, die auf den skandalisierten Bildern aus Afghanistan vornehmlich „schlecht ausgerüstete, ohnmächtige, ängstliche Männer“ erkennen wollte. Zwar ist dies natürlich nur die erste von vielen weiteren Bedeutungsschichten, die eine sorgfältige (und vor allem auch historisch fundierte) Analyse hier herausarbeiten kann und muss. Genau darin aber wird die Arbeit der nächsten Zeit bestehen, wenn wir aus den visuellen Leichenschändungen unserer Landsleute eine klügere und tiefere Lehre ziehen wollen als den kurzfristigen moralischen „Schock“, den uns die BILD-Zeitung dieser Tage aufgezwungen hat.<br />
                            </p>
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                              <a href="bdrechsler_bilderskandal1_081106.shtml">&lt;&lt; Zurück zum ersten Teil</a></p>
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