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	<title>Smart Cities &#8211; politik-digital</title>
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		<title>„Smart Cities im Cyberwar“ – Viel Philosophie, wenig Cyberwar</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2016 10:45:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Smart City ist das Zukunftsmodell der modernen Stadt. Philosoph Florian Rötzer fragt in seinem Buch „Smart Cities im Cyberwar“, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Teaser-Smart-Cities.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-147754" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Teaser-Smart-Cities.jpg" alt="Teaser-Smart-Cities" width="640" height="280" /></a>Die Smart City ist das Zukunftsmodell der modernen Stadt. Philosoph Florian Rötzer fragt in seinem Buch „Smart Cities im Cyberwar“, wie das Leben in einer solchen urbanen Region aussehen wird. Ein interessanter Einstieg in eine zentrale Thematik – wenn auch streckenweise abschweifend und anstrengend philosophisch.</p>
<p>Das Ende August 2015 erschienene Buch „Smart Cities im Cyberwar“ beschäftigt sich zentral mit der Frage, wie die Städte der Zukunft funktionieren. Wird es eine Re-Urbanisierung geben? Was sagt der Wohnort über die eigene soziale Stellung aus und hat er Einfluss auf meine Lebenserwartung? Auf welche Konflikte muss sich unsere Gesellschaft in Zukunft einstellen? All diese Fragen möchte Florian Rötzer in seinem Buch beantworten – vor allem unter philosophischen und ethischen Gesichtspunkten. Er will darauf aufbauend verdeutlichen, welche Gefahren hinter der Digitalisierung der Städte und der damit verbundenen künftigen Art der Kriegsführung liegen. Diese Vorgehensweise ist nicht kulturpessimistisch – auch wenn man in kurzen Momenten zu diesem Schluss kommen könnte. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, wir müssen uns schlicht darauf einstellen.</p>
<h3>Vom erweiterten Körper und anderen philosophischen Gedankenspielen</h3>
<figure id="attachment_147753" aria-describedby="caption-attachment-147753" style="width: 171px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Roetzer-Smart-Cities.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-147753" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Roetzer-Smart-Cities.jpg" alt="Roetzer-Smart-Cities" width="171" height="280" /></a><figcaption id="caption-attachment-147753" class="wp-caption-text">Rötzer, Florian: Smart Cities im Cyberwar. Verlag: Westend, 256 Seiten, 14,99 € (D), 2015, ISBN: 978-3-86489-112-0</figcaption></figure>
<p>Florian Rötzer ist seit 1996 Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis. Es berichtet und schreibt unter dem Dach des Heise-Vertrags über gesellschaftliche Themen wie Politik, Klima, Wissenschaft oder Medien. Er ist studierter Philosoph und arbeitete nach seinem Studium als freier Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Medientheorie und Medienästethik. Der <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/im-portraet-der-eremit/1496438.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesspiegel bezeichnete ihn vor Jahren</a> als „Deutschlands bekanntesten Online-Philosophen“.</p>
<p>Und diese Prägung merkt man dem Buch „Smart Cities im Cyberwar“ deutlich an. In vielen Passagen des Buches analysiert Rötzer soziale Prozesse aus einem philosophischen Blickwinkel. Für den entsprechend geneigten Leser mag das durchaus interessant sein – für jemanden, den das Thema Cyberwar interessiert, sind die langatmigen Beschreibungen mehr als nur schleppend. Kapitel 13 und 14 beschreiben beispielsweise, wie man den Körper mithilfe von Technik „erweitert“ – die Lust, die Smart City „als Teil seiner selbst zu erfahren“.</p>
<h3>„Fassadenbegrünung durch im Boden wurzelnde Selbstklimmer“</h3>
<p>Problematisch werden diese philosophischen Schilderungen, wenn der Autor von den eigentlichen Themen abschweift. Es sind Passagen, die zwar in der Argumentation durchaus Sinn ergeben, aber im Kontext des Buches vollkommen obsolet sind. Beispielsweise beschreibt Rötzer die Entdeckung der Agoraphobie, die Angst vor weiten Plätzen oder Menschengedrängen. Schön zu wissen, wenn man mal bei Günther Jauch auf dem Stuhl sitzt, aber warum muss das im Zusammenhang mit Cyberwar erwähnt werden? Auch die Beschreibung des Vorgangs des Lachens – ebenfalls aus der philosophischen Sichtweise – ist eventuell noch interessant, aber bitte nicht zwischen Digitalisierung und elektromagnetischen Impulsbomben.</p>
<p>Zwischenzeitlich gleitet das Sachbuch dann auch noch in literarische Schreibstile ab. „Die Schreber- und Kleingärten waren die Vorläufer, die nun von Urban Gardening oder Farming erweitert werden, während die Vertical Gardens oder Living Walls die Fassadenbegrünung durch im Boden wurzelnde Selbstklimmer wie Efeu oder andere Kletterpflanzen, die Gerüste wie Wein, Glyzinie oder Rosen benötigen, weiter entwickeln.“</p>
<h3>Mark Zuckerman</h3>
<p>In weiten Teilen des Buches sind Cyber-Sicherheit und Cyberwar darüber hinaus nicht die zentralen Themen. Oft geht es um die alltägliche Digitalisierung unseres Lebensraums. Seien es Wearables wie Fitness-Armbänder, private Drohnen oder die komplett automatisierte Küche. Manchmal liegt der Gedanke nicht fern, dass der Titel nicht vom Autor eingereicht, sondern Idee des Verlags war. „Cyberwar“ klingt definitiv reißerischer als „Digitalisierung aller Lebensbereiche“.</p>
<p>Abgesehen von diesen Kritikpunkten muss man Florian Rötzer mit seinem Buch ein durchaus gelungenes Einstiegswerk in die digitalen Problematiken unserer Zeit bescheinigen. Vor allem jene Kapitel, die den Cyberwar behandeln, geben interessante Einblicke in Militärstrategie und neue Arten der Kriegsführung. Der rote Faden, die Argumentationslinie, ist fast durchweg nachvollziehbar, sofern man die Kapitel über die Erweiterung des Körpers mal ausblendet. Und die Tatsache, dass der Facebook-Chef laut Rötzer offenbar „Mark Zuckerman“ (S. 116) heißt.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/hawkinsdigital/10478821335/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Brian Hawkins</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a></p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
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		<title>Internet der Dinge – Teil 7: Industrie 4.0</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lukas Böhm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Aug 2014 11:13:09 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Neben dem „Internet der  Dinge“, das wir in unserer Sommerreihe schon in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen beleuchtet haben, gibt es noch ein weiteres Buzz-Word, das scheinbar irgendwie mit Innovation, Wirtschaft und dem Internet zu tun hat und von PolitikerInnen und ExpertInnen zielsicher in die Mikrofone gestreut wird: „Industrie 4.0“. Was hat es damit auf sich? Wir erklären den Begriff im siebten und letzten Teil unserer Reihe.<br />
Der Anspruch hinter dieser Bezeichnung ist durchaus ambitioniert: Er meint, dass die Vernetzung von Produktionsprozessen in der Wirtschaft nichts Geringeres auslösen soll, als die <a href="http://www.bmbf.de/de/9072.php">vierte industrielle Revolution</a>. Damit wird das Internet der Dinge in eine Reihe gestellt mit der Erfindung der Dampfmaschine, dem Aufkommen von Massenproduktion und der Automatisierung durch Informationstechnologie vor gerade einmal knapp 20 Jahren. Da kommt ja eine Revolution nach der anderen, möchte man meinen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Der Begriff ist zumindest in Deutschland eng verknüpft mit der Hightech-Strategie der Bundesregierung, die mit dem Projekt „SemProm -Produkte führen Tagebuch“ gemeinsam mit dem <a href="http://www.dfki.de/web">Deutschen Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz (DFKI)</a> schon im Jahr 2008 ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen hat. Die Ergebnisse wurden im Jahr 2013 an die Bundesforschungsministerin übergeben. Die Liste der namhaften Unterstützer ist dabei weitaus beeindruckender als die schlichte Aufmachung der <a href="http://www.semprom.de/index.html">Website</a>:  Mit Siemens, SAP, Globus, Deutsche Post und BMW waren viele dabei, die in der deutschen Wirtschaft Rang und Namen haben. Es geht darum, „Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle grundlegend zu verändern“, sie „von der physischen in die digitale Welt zu verlagern“.  Aber, mal ehrlich: Was soll das eigentlich genau heißen?</p>
<h3>Zur Sache: Was passiert da eigentlich genau?</h3>
<p>Bisher haben wir in dieser <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-leben-in-der-smarten-welt/">Reihe</a> vor allem uns selbst beobachtet, als Menschen, die in naher Zukunft von einer Unzahl vernetzter Alltagsgegenstände umgeben sein könnten – oder schon sind. Und auf der anderen Seite standen diejenigen Firmen und Hersteller, die uns diese Ware anbieten. Bei Industrie 4.0 geht es um einen Aspekt, den man aus der Verbraucherperspektive leicht vergisst: die Produktion selbst. Und etwas weiter gedacht auch das große Ganze, den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft.<br />
Welches Prinzip steckt dahinter? Der Ausdruck „Produkte führen Tagebuch“ ist durchaus wörtlich zu nehmen: Waren sollen mit so genannten Smart Tags ausgestattet werden, auf Nahfunk basierenden Minichips, die sowohl in der Lage sind, Informationen zu speichern, als auch dazu, Informationen an ihre Umgebung zu senden. Das ist technisch nichts Neues, insbesondere <a href="http://www.sonymobile.com/de/support/accessories/xperia-smarttags/">Samsung-Galaxy</a>-NutzerInnen sind mit Smart Tags schon eine Weile vertraut. Möglich wird die Vision von der Industrie 4.0 einzig dadurch, dass Minichips immer günstiger und energieeffizienter werden.<br />
Durch die Vernetzung von mehreren solcher Smart Tags kann der ganze Lebenszyklus eines Produktes  „intelligenter“ gemacht werden. In der Sprache der Betriebswirtschaft heißt das: das Product-Lifecycle-Management optimieren.<br />
Ein Beispiel: Die im Auto verbauten Komponenten „wissen“ nicht nur, welcher Zulieferer sie an das Autowerk gebracht hat, sondern auch, wann, wo, von wem und unter welchen Bedingungen sie eingesetzt wurden und wie lange ihre Garantie noch gilt. Die Smart Tags auf diesen Produkten kann man sich also wie eine Miniaturausgabe von Black Boxes vorstellen, den automatischen Flugschreibern in Linienflugzeugen.  Mit dem Unterschied, dass diese „Flugschreiber“ Netzwerke bilden und ihre Daten miteinander abstimmen, vergleichen – und auch ganz ohne menschliches Zutun optimieren können.<br />
Der Begriff „Industrie 4.0“ ist ein deutscher, in den USA oder Asien taucht er nicht auf. Hier ist die Automatisierung der Industrie aber dennoch schon intensiver betrieben worden als in Deutschland. Die US-Regierung investiert jährlich 100 Millionen US-Dollar allein in die Forschung zu „cyberphysischen Systemen“. Hier heißt die Kampagne „<a href="http://www.automationworld.com/batch-manufacturing/obama-administration-supports-advanced-manufacturing">Advanced Manufacturing Program</a>“ und allein die Anschubfinanzierung betrug 500 Millionen Dollar.<br />
Deutschland hat also <a href="http://www.cio.de/news/wirtschaftsnachrichten/2953262/">Aufholbedarf</a>, wie durch die Wortschöpfung und die verbundene Image-Kampagne unmissverständlich deutlich wird. Das gilt umso mehr, da Deutschland im Vergleich zu anderen westlichen „Industrienationen“ noch tatsächlich über eine nennenswerte Industrie verfügt. In Großbritannien zum Beispiel stehen die vormals so charakteristischen Fabriken der Industrialisierung still, die Wirtschaftskraft des Landes ist längt in die Finanzwirtschaft abgewandert: Bentley und Rolls-Royce sind währenddessen schon keine britischen Marken mehr.<br />
Deutschland hingegen hat einen großen Teil seiner Arbeitsplätze noch immer in der Industrie verortet. Bundeskanzlerin Merkel hat das mit dem Satz „<a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/WissenschafftWohlstand/2008-01-01-hightech-verkehr-gute-ideen.html">Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt direkt oder indirekt mit der Automobilindustrie zusammen</a>“ anschaulich deutlich gemacht &#8211; ob er auch statistisch korrekt ist, ist eine andere Sache. Das Programm „Industrie 4.0“ versucht also gleich zwei Problemen zu begegnen: Die USA investieren sehr stark in „automated manufacturing“, sind aber nicht so sehr auf die Industrie als Wirtschaftssektor angewiesen und schließlich auch Standort einiger der wichtigsten IT-Unternehmen der Welt. Und die Konkurrenz aus Asien punktet schlicht damit, dass der Kostenfaktor Arbeit hier deutlich geringer ist. Die Bundesregierung steht also gewaltig unter Zugzwang.</p>
<h3>Wozu das Ganze?</h3>
<p>Die Anwendungsmöglichkeiten von intelligenten Maschinen sind vielfältig. Beispielsweise im Einzelhandel: Luxusgüter wie Pralinen oder Champagner können sich bei der Kühlung im Lagerraum „beschweren“, wenn ihre Chips registrieren, dass es zu warm wird. Die Verheißung für EndverbraucherInnen lautet <b>Transparenz</b>: Mithilfe eines Empfängers (zum Beispiel eines Smartphones) kann man sich über Herstellung, Handhabung oder auch Gütesiegel von Produkten informieren.<br />
In der Industrie können ganze Arbeitsabläufe automatisiert werden. Wenn in der Großbäckerei XY die Milch knapp wird, dann bestellt sie sich einfach selbst nach. Nach dem „If this, then that“-Prinzip  (ITTT) soll die Interaktion per Minicomputer ganze Arbeitsabläufe automatisieren – ein Mensch ist noch maximal zur Kontrolle notwendig.<br />
Die Nachvollziehbarkeit ermöglicht aber auch zusätzliche <b>Individualisierung</b>: Bestellt einE KundIn ein Produkt, das von der Standardversion abweicht, wird diese Information einfach der herstellenden Maschine übermittelt, ohne dass dafür die ganze Herstellungskette verändert werden muss: Dann wird das Auto eben rot lackiert und alle anderen schwarz. Durch die Ausstattung mit Smart Tags kann das Produkt zudem auf seinem Weg vom Hersteller zur KundIn jederzeit exakt geortet werden – von beiden Parteien.<br />
Die Prinzipien Massenproduktion und individuelle Einzelstücke sollen also miteinander vereinbart werden, die Industrie dadurch flexibler werden. So drückt es jedenfalls dieses Erklärvideo des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aus, das die Industrie 4.0 im „Sendung mit der Maus“-Stil erklärt.<br />
<iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=fnSI9MRseR0" title="BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG UND FORSCHUNG - Fabrik von Morgen" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/fnSI9MRseR0?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Von Seiten der Hersteller ergeben sich noch weitere Vorteile: Wenn nachfragegerecht produziert wird, kann Energie eingespart werden – bekanntlich der Königsweg der Kostensenkung in der Industrie. Die exakte Erfassung von Daten macht auch die gefürchteten <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/gm-entschaedigungsfonds-in-einer-woche-63-antraege-wegen-toedlicher-unfaelle-/10311522.html">Rückrufaktionen</a>, denen sich Produzenten immer wieder ausgesetzt sahen, berechenbarer: Wenn eine genaue Aufzeichnung darüber existiert, welche Produkte aus einer fehlerhaften Produktionsphase stammen, muss nicht mehr mit der Schleppnetzmethode gearbeitet werden. Auch Kundenservice und -betreuung werden überschaubarer, wenn umfassende Informationen über jedes einzelne Produkt abgerufen werden können – möglicherweise auch aus der Ferne, ohne direkten Kontakt.<br />
Die vierte industrielle Revolution soll also, nach den Vorstellungen der deutschen Bundesregierung, durch zwei simple Funktionen der Marktwirtschaft ausgelöst werden: Datenverarbeitende Chips werden zunehmend Massenware und der Speicherplatz für diese Daten immer günstiger.</p>
<h3>Risiken und Nebenwirkungen</h3>
<p>Mit dem Hinweis auf die Speicherung der Daten beginnt auch die Überlegung: Hat das alles nur Vorteile? Seit Edward Snowden vor einem Jahr in Hong Kong landete, muss mit der skeptischen Frage angefangen werden: Welche Daten werden erhoben und wem gehören sie? Sicher, wenn mein Techniker über jedes Haushaltsgerät sofort die Daten parat hat, indem er nur sein Telefon einschaltet, kann er mir besser helfen. Aber was weiß er dann eigentlich über mich? Und gehören diese Daten dann mir oder dem Hersteller? Wie so häufig bei Prozessen der digitalen Revolution ist zu befürchten, dass sich hier zunächst Maßstäbe etablieren und erst hinterher die Regeln dafür geschaffen werden.<br />
Ein zweiter Einwand betrifft die Frage nach der Arbeitsplatzverdrängung. Nach offiziellen Verlautbarungen soll mit Industrie 4.0 der demographische Wandel abgefedert werden: Facharbeiter, die ein Unternehmen in Richtung Ruhestand verlassen und für die es keine Nachfolger gibt, werden eingespart, wenn Produktionsprozesse sich automatisieren. Nur ist zu erwarten, dass die Entwicklung hier massiv über das Ziel hinaus schießt.<br />
Eine <a href="http://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf">Studie</a> aus dem britischen Oxford kommt zu dem Ergebnis, dass das Internet der Dinge etwa die Hälfte aller heute existierenden Jobs auf der Welt überflüssig machen könnte. Ähnliche <a href="http://de.statista.com/infografik/2574/anteil-der-jobs-die-in-den-naechsten-10-bis-20-jahren-in-ihrer-derzeitigen-form-durch-computer-ersetzt-werden-koennten/">Zahlen</a> werden für Deutschland errechnet. In ihrem <a href="http://www.washingtonpost.com/opinions/review-the-second-machine-age-by-erik-brynjolfsson-and-andrew-mcafee/2014/01/17/ace0611a-718c-11e3-8b3f-b1666705ca3b_story.html">Buch</a> „The Second Machine Age“ geben die Forscher Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu bedenken, dass durch die Digitalisierung zwar die Verfügbarkeit von Informationen und Diensten massiv zunehmen werde, der ökonomische Gewinn aus dieser Entwicklung aber nur von einer kleinen Minderheit abgeschöpft werden könne.<br />
Andererseits muss die Skepsis auch differenziert werden: So wird die Arbeitsplatzverdrängung nicht alle Berufsgruppen gleich stark treffen. Gering Qualifizierte, etwa Lager- und Transportangestellte, werden von einer solchen Form der Rationalisierung stärker betroffen sein. Gleichzeitig dürfte der Bedarf an TechnikerInnen und IT-ExpertInnen steigen, obgleich schon jetzt ein <a href="https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Fachkraeftebedarf-Stellen/Fachkraefte/BA-FK-Engpassanalyse-2014-06.pdf">Fachkräftemangel</a> in Deutschland herrscht. Das verschärft die gesellschaftliche Spaltung. Als Zeugnis hierfür kann auch der aktuelle Widerstand der europäischen Taxibranche gegen die App Uber gelten.<br />
Doch eine Kluft ist nicht nur auf gesellschaftlicher, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene zu erwarten. Die Aufrüstung auf Industrie 4.0 ist mit enormen Kosten verbunden, die insbesondere für kleine und mittelständische Betriebe kaum zu leisten sein wird. Diese Unternehmen geraten zusätzlich durch die gesunkenen Herstellungskosten der „Großen“ unter Preisdruck. Hierdurch kann es zu einer Verringerung des Wettbewerbs in den Zielbranchen von Industrie 4.0 kommen.<br />
Hinzu kommt, dass eine echte Industrie 4.0 nur dann Realität werden kann, wenn es einen gemeinsamen Datenstandard gibt. Doch der ist durchaus noch nicht ausgemacht: So schließen sich große Technologiefirmen aktuell zu Konsortien zusammen, die miteinander konkurrieren. <a href="http://www.forbes.com/sites/amitchowdhry/2014/07/09/samsung-intel-and-dell-launch-internet-of-things-consortium/">Intel und Samsung</a> stehen hier beispielsweise IBM mit seinen Partnern gegenüber. Und sicherlich werden auch Apple und Microsoft auf ihre Weise mitspielen. Sollten verschiedene Anbieter aber in bester Apple-Manier geschlossene Systeme entwickeln, haben die AnwenderInnen das Nachsehen – und geraten in Abhängigkeit. Genau das könnte die Attraktivität dieser Anwendungen aber für größere Unternehmen wieder senken.<br />
Hier liegt, wie Daniel Kuhn auf <a href="http://www.netzpiloten.de/das-internet-der-dinge-braucht-eine-andere-berichterstattung/">netzpiloten.de</a> anmerkt, auch ein Problem der Medienberichterstattung: Statt sich auf smarte Eierkocher, also auf die Dinge, zu konzentrieren, sollte es vielmehr um das Internet im Begriff „Internet der Dinge“ gehen – und darum, wem es gehört, wer es steuert und wer davon profitiert.<br />
Zu guter Letzt fallen einem natürlich Cyberterrorismus und -kriminalität ein: Als Folge der allumfassenden Vernetzung müssen sich auf einmal Hersteller von bisher ganz Terrorismus-unverdächtigen Gegenständen wie Seifenspendern und Mikrowellen die Frage gefallen lassen, wie die eigene Produktion eigentlich gegen externe Manipulation geschützt ist. Denn man muss gar kein Anhänger Orwellscher Dystopien sein, um anzuerkennen, dass mittels solcher Manipulationen Sicherheitsrisiken entstehen können, die zumindest heute noch nicht abschätzbar sind.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Bedenken beim Aufkommen neuer Techniken sollten prinzipiell niemanden auf den Plan rufen, einen vermeintlichen Technikboykott zu fordern. So etwas ist in einer globalisierten Wirtschaft weder machbar noch zielführend. Allerdings sollte die Politik in Deutschland nicht nur vermeintlich großzügig in der Forschungsförderung aktiv sein, um eine solche Entwicklung überhaupt erst zu ermöglichen. Ebenso wichtig ist die politische Gestaltung und Regulierung, die damit einhergehen sollten: Nicht zuletzt die NSA-Affäre hat tief sitzende Ressentiments bei den Menschen ausgelöst, die sich nicht durch ein paar Ankündigungen in der <a href="http://politik-digital.de/digitale-agenda-hoch-drei/">Digitalen Agenda</a> und mit Förderung von Industrie 4.0 mal eben wieder auflösen lassen.<br />
Wenn die vierte industrielle Revolution nicht nur ein Gewinn  für einige wenige Profiteure sein soll, muss die Politik Antworten haben. Zum Beispiel auf die Frage, wer denn die vielen schönen Produkte Made in Germany eigentlich kaufen soll, wenn der demographische Wandel die Bevölkerung und die Digitalisierung deren Kaufkraft dezimieren.</p>
<h3>Alle Teile der Sommerreihe Internet der Dinge:</h3>
<p><strong><em>Einführung:</em> <a title="Internet der Dinge – Leben in der smarten Welt" href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-leben-in-der-smarten-welt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leben in der smarten Welt<br />
</a><em>Teil 1</em></strong>: <strong><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-1-smart-wearables/">Smart Wearables</a></strong><br />
<strong><em>Teil 2:</em></strong> <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-2-intelligentes-shopping/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Intelligentes Shopping<br />
</strong></a><em><strong>Teil 3: </strong></em><strong><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-3-smart-home-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Smart Home<br />
</a></strong><strong><em>Teil 4</em></strong>: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-4-smart-cars/"><strong>Smart Cars</strong></a><br />
<strong><em>Teil 5</em></strong>: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-6-smart-city/"><strong>Smart Country<br />
</strong><em><strong>Teil 6: Smart City<br />
</strong></em></a><br />
Teasergrafik: <a href="http://pixabay.com/en/buildings-factory-old-large-48618/">Nemo </a></p>
<div id="stcpDiv"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></div>
<!-- &#091;if gte mso 9&#093;&gt;-->
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div>
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			</item>
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		<title>Internet der Dinge – Teil 6: Smart City</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/internet-der-dinge-teil-6-smart-city-141395/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Rieder]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Aug 2014 10:08:38 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Häuser, die selbst das Licht ausmachen, Mülltonnen, die der Stadtreinigung Bescheid geben, wenn sie geleert werden müssen, Elektroautos, die dem Fahrer den Weg zum nächsten freien Parkplatz zeigen, Straßenlaternen, die sich dimmen, wenn niemand in der Nähe ist &#8211; so könnte die Stadt der Zukunft aussehen, wenn man Visionären in der Debatte um Smart Cities glaubt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Der sechste Teil unserer Sommerreihe zum Internet der Dinge beleuchtet, wo Technologie bereits das urbane Leben regiert und fragt, ob schlaue Städte immer auch lebenswerte Städte sind.<br />
Was macht eine Stadt intelligent? Weltweit geistert der Begriff „Smart City“ durch Debatten um die Zukunft städtischen Zusammenlebens und bleibt dabei ähnlich konturlos wie das große Wort „Nachhaltigkeit“. Rio de Janeiro, Chicago, Singapur, Wien und London – sie alle wollen irgendwie smarter werden und verstecken dafür Sensoren in Asphalt und Straßenlaternen oder <a href="http://www.bbc.com/news/technology-22538561">entwickeln Wetterapps für Taxifahrer</a>. So zahlreich und vielfältig die Ideen zu Smart Cities auch sind, sie alle eint derselbe Leitgedanke: Vernetzung und Informationsaustausch im Namen von Effizienz und Klimaschutz. Im Grunde genommen sollen in einer intelligenten Stadt also mit technologischer Hilfe die Lebensqualität der Bewohner verbessert, Mobilität effizienter gestaltet und Ressourcen geschont werden. Die Bike- und Carsharing-Programme, die es mittlerweile in vielen deutschen Städten gibt, sind ein erster, kleiner Schritt in diese Richtung, Smart City will aber wesentlich mehr: ein ganzheitliches Konzept und die totale Vernetzung. Das bedeutet, von Abwasserkanälen über öffentlichen Nahverkehr und das Stromnetz bis hin zu Gebäuden und Autos, könnte bald alles über eine elektronische Schaltzentrale miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt sein.</p>
<h3>Zur Sache: Was passiert da eigentlich genau?</h3>
<p>Wie eine von Technologie komplett durchdrungene Stadt aussehen könnte, zeigt sich in Songdo in Südkorea. Etwa 65 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Seoul <a href="http://www.worldfinance.com/inward-investment/could-songdo-be-the-worlds-smartest-city">entsteht dort für 40 Milliarden US-Dollar ein „smarter“ Geschäftsbezirk</a>. Ein spannender Ort, denn in Songdo haben Architekten und Stadtplaner die Gelegenheit genutzt, neue Technologien zu implementieren, die in historisch gewachsenen Städten schwer umzusetzen wären, und alles auf Effizienz und Ressourcenschonung getrimmt. Überall in Gebäuden und Infrastruktur der Stadt sind Sensoren verbaut, die Temperatur, Energieverbrauch oder auch das Verkehrsaufkommen beobachten und regulieren können. Es sind keine Müllautos auf den Straßen zu sehen, stattdessen wird der Abfall durch ein ausgeklügeltes Röhrensystem aus den Gebäuden direkt in eine Sortiereinrichtung gesaugt, wo er aufbereitet, parfümiert und zur Energiegewinnung vorbereitet wird. Die Wasserrohre sind klug genug, noch nutzbares Wasser zurückzuhalten und die Toiletten der Stadt nicht mit Trinkwasser zu spülen. Smart Cards für die Bewohner dienen als Ausweis, Schlüssel und Zahlungsmittel zugleich.<br />
Alles gut durchdacht also und trotzdem bleibt ein Problem: Bisher ist Songdo weitgehend unbewohnt. Zwar scheint der Verkauf von Wohnungen mittlerweile in Gang gekommen zu sein, dennoch werden noch immer <a href="http://www.bbc.com/news/technology-23757738">nur ca. 20 Prozent der verfügbaren Geschäftsflächen genutzt</a>. Ähnlich sieht es in der ehemals hochgepriesenen Vorzeigestadt <a href="http://www.wired.co.uk/magazine/archive/2013/12/features/reality-hits-masdar">Masdar City</a> in Abu Dhabi aus, die ursprünglich für 40.000 Menschen geplant wurde, aber noch immer nahezu unbevölkert ist. Das wirft die Frage auf: Handelt es sich hier nur um Startschwierigkeiten oder sind Technologiekonzerne doch keine so guten Stadtplaner?<br />
Retortenstädte wie Songdo oder Masdar City mit ihrer omnipräsenten Technik sind und bleiben wahrscheinlich Extrembeispiele, doch auch Europa will innovativ sein und auf den Fortschrittszug aufspringen. In historisch gewachsenen Städten werden Smart City-Projekte meist zunächst auf begrenztem Raum getestet, wie beispielsweise <a href="http://www.economie.grandlyon.com/fileadmin/user_upload/fichiers/site_eco/20121121_gl_lyon_smart_community_dp_en.pdf">in Confluence</a>, dem alten Hafenviertel der südostfranzösischen Metropole Lyon. Dort bestimmt Energieeffizienz die Vision von der Smart City. Energieneutrale Gebäude mit Solarpanelen produzieren Strom und liefern ihn über ein Smart Grid dorthin, wo er gerade gebraucht wird. Eine Flotte von Elektroautos steht auf den Straßen bereit und über Smart Meter, also intelligente Zähler, wird der Energie- und Wasserverbrauch im Stadtteil erfasst und analysiert. So kann nicht nur die Stadtverwaltung den Energiekonsum besser prognostizieren, sondern auch jeder Bewohner seinen Ressourcenverbrauch selbst optimieren.<br />
Die nordspanische Hafenstadt Santander betreibt mit EU-Fördermitteln hingegen gleich einen großangelegten Smart City-Versuch. In der Stadt sind <a href="http://www.smartsantander.eu/index.php/testbeds/item/132-santander-summary">im Asphalt, an Straßenlaternen und auf Bussen und Taxis</a> 12.000 Sensoren verteilt, die Verkehrsaufkommen, Feinstaubbelastung und freie Parkplätze registrieren und an ein zentrales Kommandozentrum schicken. Dort kann dann die Straßenbeleuchtung gedimmt oder die Straßenreinigung zu vollen Mülleimern geschickt werden. Die Bewohner der Stadt können viele der Daten direkt über eine App abrufen und zudem selbst<a href="http://www.npr.org/blogs/parallels/2013/06/04/188370672/Sensors-Transform-Old-Spanish-Port-Into-New-Smart-City"> zur Verbesserung des Stadtbildes beitragen</a>, indem sie Schlaglöcher oder kaputte Straßenlaternen melden.<br />
Während das Prinzip der Smart City im Ausland bereits kräftig ausprobiert wird, sind deutsche Städte bisher eher zurückhaltend, was den Umbau von traditionellen zu intelligenten Städten angeht. In Stadtmarketingbroschüren und auf Diskussionsveranstaltungen ist „Smart City“ ein gern verwendeter Begriffe, generell scheint jedoch vorsichtiges Abwarten die Devise zu sein. Immerhin <a href="http://www.smartcity-cologne.de/">Köln</a> und <a href="http://www.hamburg.de/smart-city/">Hamburg </a>haben kürzlich erste Projekte zu dem Thema gestartet.</p>
<h3>Wozu das Ganze?</h3>
<p>Die deutsche Skepsis in allen Ehren, aber es gibt gute Gründe, warum ein wenig Innovationsgeist in Stadtverwaltungen durchaus angebracht wäre. Seit 2008 leben <a href="http://www.der-deutsche-innovationspreis.de/das-aktuelle/einzelansicht/article/studie-die-smart-city-kommt-in-15-jahren.html">mehr als 50 Prozent der Menschheit in urbanen Ballungszentren</a>, in Europa sind es bereits zwei Drittel der Bevölkerung. Bevölkerungswachstum und Urbanisierung bringen viele Herausforderungen mit sich und zwingen uns langfristig zu einem verantwortungsvolleren Ressourcenmanagement. Die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien in die Infrastruktur einer Stadt kann dabei helfen, innovative Lösungen für Mobilität, Verwaltung und öffentliche Sicherheit zu finden und viele städtische Probleme effizienter und schneller zu lösen. Vor allem aber bietet der Einsatz neuer Technologien die Chance, Verwaltungsprozesse transparenter zu gestalten, behördliches Arbeiten besser zu koordinieren und interaktiv mit den Bürgern zu kommunizieren. Smart City-Technologien bergen also einiges Potential, das städtische Leben ein wenig leichter zu machen – und sei es nur, dass eine App uns sagt, wann der Bus Verspätung hat oder der Strom am günstigsten ist.</p>
<h3>Risiken und Nebenwirkungen</h3>
<p>Allerdings ist auch in der Smart City-Debatte nicht alles Gold, was glänzt. Kritiker des Konzepts wie <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/silicon-demokratie/evgeny-morozov-wir-brauchen-intelligente-doerfer-13030870.html">Evgeny Morozov</a> monieren, der Hype um schlaue Städte sei von internationalen Technologiekonzernen wie IBM, Cisco und Siemens geschaffen worden, die uns vorgaukelten, für jedes Problem im urbanen Raum gebe es eine technische Lösung, um teure Produkte an innovationshungrige Stadtverwaltungen zu verkaufen. Und tatsächlich fällt auf, dass die meisten Smart City Projekte im Rahmen einer Public Private Partnership mit großen Unternehmen umgesetzt werden. IBM beispielsweise ist nicht nur an mehr als 2.500 Smart City-Projekten weltweit beteiligt, sondern hat sich auch den <a href="http://www.ibm.com/legal/us/en/copytrade.shtml#section-S">Begriff „Smarter Cities“ schützen lassen</a>. Das ist insofern problematisch, als es, auch wenn IBM mit dem vermessen anmutenden Spruch „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ct544iR9JJM">Let&#8217;s build a smarter planet, city by city“</a> wirbt, beim Smart City-Konzept eben nicht nur um verbesserten Nahverkehr oder nachhaltigeres Wohnen geht, sondern auch um das Sammeln riesiger Datenmengen.<br />
Die Möglichkeiten, die sich aus Big Data rund um Städte ergeben, kann man euphorisch feiern, wie <a href="http://www.theguardian.com/smarter-cities/transforming-tomorrow">Drew Hemmend</a>, Leiter des britischen Thinktanks FutureEverything. Er frohlockt, die Datenfülle ermögliche es in Echtzeit, alles über die Menschen und Dinge um uns herauszufinden, und könne nicht nur innovative Apps und Dienstleistungen inspirieren, sondern auch neue Wege des Zusammenlebens hervorbringen. Man kann die Bündelung riesiger Datenmengen in einer Hand aber auch kritischer betrachten, denn eine totale Vernetzung aller Bereiche städtischen Lebens bietet natürlich das Potential totaler Überwachung. Energieverbrauchsdaten aus Häusern und Wohnungen könnten verraten, wann wir zuhause sind und welche Geräte wir verwenden; mithilfe von Nutzerdaten aus Carsharing oder öffentlichem Nahverkehr lassen sich Bewegungsprofile erstellen; und SmartCards als personalisiertes Zahlungsmittel, Bahnticket und Haustürschlüssel würden unsere gesamten Konsum- und Lebensgewohnheiten offenbaren.<br />
In den USA rebellieren bereits zahlreiche Bürger <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/anti-smart-meter-bewegung-widerstand-gegen-intelligente-stromzaehler-a-984085.html">gegen den Zwangseinbau von Smart Meters</a><span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;">,</span></span> und auch wir sollten darüber nachdenken, ob Big Data aus unseren Städten wirklich am besten bei Großkonzernen aufgehoben ist. Anthony Townsend, Zukunftsforscher und Autor des Buches „Smart Cities“, warnt davor, mit den Infrastrukturdaten<a href="http://www.npr.org/blogs/alltechconsidered/2013/07/18/200792512/DG-TOWNSEND"> das „Gehirn der Stadt“ an kommerzielle Unternehmen outzusourcen</a>, denn mit der Realisierung des Smart City-Prinzips könnten Städte und vor allem ihre Bürger nicht vor Missbrauch und der unkontrollierten Verwendung dieser Daten geschützt werden.<br />
In der Tat werfen die Public Private Partnerships, im Rahmen derer die meisten Smart City-Projekte durchgesetzt werden, zahlreiche Fragen auf &#8211; nicht nur danach, für welche Zwecke die Unternehmen die gesammelten Daten nutzen, sondern auch danach, was passiert, wenn der private Partner insolvent wird oder sich einer der Beteiligten aus dem Projekt zurückziehen will. Ist ein Betreiberwechsel einfach möglich, wenn die gesamte Smart City-Technologie einer Stadt von einer einzigen Firma stammt?<br />
Neben den berechtigten Sorgen um Datenschutz und Privatsphäre stellt sich in der Smart City-Debatte allerdings noch eine viel grundsätzlichere Frage: Ist eine smarte Stadt überhaupt wünschenswert, wenn intelligent gleichbedeutend mit effizienzoptimiert ist? Sind Perfektion und allgegenwärtige Kontrolle nicht der Tod urbanen Lebensgefühls? Wenn Effizienz und digitale Vernetzung zum alleinigen Leitmotiv im Städtebau werden, entscheiden Stadtplaner, was sich wo entwickeln darf. Das städtische Leben wird aus einer großen Kommandozentrale heraus gesteuert, jede Aktivität hat einen vorgesehen Ort, alles ist koordiniert und wohldurchdacht. Lebt eine lebendige Stadt aber nicht von Kreativität, persönlichen Freiheiten, Chaos und dem Versprechen, dass potentiell alles passieren kann? Anomalien und Effizienzlücken schaffen Raum für neue Ideen. Wenn aber alles in geregelten Bahnen fließt und Menschen nur aus einer festgelegten Reihe an möglichst effizienten Optionen auswählen können, regiert Passivität.<br />
Anthony Townsend beklagt, einige Menschen betrachteten Städte wie Rennautos, die man bis ins kleinste Detail justieren kann, und verlören dabei die Bürger aus den Augen. Und tatsächlich wird die Smart City-Debatte von Diskussionen über die neuesten, effizientesten und innovativsten Technologien regiert. Der Mensch und die sozialen Komponenten urbanen Lebens bleiben häufig außen vor. Dabei werden die drängendsten Probleme angesichts der stetig wachsenden städtischen Bevölkerung vermutlich nicht technischer, sondern vorwiegend sozialer Natur sein.<br />
Deshalb muss uns bei aller Euphorie über Smart Cities bewusst werden, dass intelligente Städte kein Abbild der Technologieportfolios großer Unternehmen sein sollten. Eine smarte Stadt ist eine Stadt, die Menschen eine hohe Lebensqualität bietet und dabei ökologisch verantwortungsvoll ist. Für die Entwicklung intelligenter Städte braucht es deshalb individuelle Konzepte, die die Bürger mit einbinden, und keine Marketingbegriffe. Stadtplaner und Politiker dürfen sich nicht auf technische Universallösungen verlassen, sondern müssen moderne Wege für ein faires gesellschaftliches Zusammenleben im urbanen Raum suchen. Nicht ohne Grund stehen viele der smarten Retortenstädte leer. Denn schlaue Städte sind gut, aber niemand mag Streber.</p>
<h3>Alle Teile der Sommerreihe Internet der Dinge:</h3>
<p><strong><em>Einführung:</em> <a title="Internet der Dinge – Leben in der smarten Welt" href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-leben-in-der-smarten-welt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leben in der smarten Welt<br />
</a><em>Teil 1</em></strong>: <strong><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-1-smart-wearables/">Smart Wearables</a></strong><br />
<strong><em>Teil 2:</em></strong> <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-2-intelligentes-shopping/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Intelligentes Shopping<br />
</strong></a><em><strong>Teil 3: </strong></em><strong><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-3-smart-home-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Smart Home<br />
</a></strong><strong><em>Teil 4</em></strong>: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-4-smart-cars/"><strong>Smart Cars</strong></a><br />
<strong><em>Teil 5</em></strong>: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-5-smart-country/"><strong>Smart Country</strong><br />
</a><em><strong>Teil 6: </strong></em><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-6-smart-city/"><em><strong>Smart City</strong></em></a><br />
<em><strong>Teil 7: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-7-industrie-4-0/">Industrie 4.0 </a></strong></em><br />
Teasergrafik: <a href="https://www.flickr.com/photos/34547181@N00/13433043214">Philippe Put</a></p>
<div id="stcpDiv"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></div>
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			</item>
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		<title>Internet der Dinge – Teil 5: Smart Country</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gerald Swarat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Aug 2014 08:49:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-2"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>In der aktuellen Debatte um „Smart Cities“ wird zu Unrecht ausgeklammert, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung außerhalb von Metropolen und Ballungsräumen lebt. Es gilt also mehr denn je, die dringenden gesellschaftlichen Probleme, denen sich die Regionen stellen müssen, auf die Tagesordnung einer Digitalen Agenda zu setzen. Im fünften Teil unserer Reihe zum Internet der Dinge geht es um die Herausforderungen des demographischen Wandels und der Landflucht sowie um die Notwendigkeit, digitale Strategien und Anwendungen zu entwickeln, die einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität ausüben können oder neue Wertschöpfungsketten in dezentralen ländlichen Strukturen ermöglichen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Der Begriff „Smart City“ ist momentan in aller Munde. Jede Megacity und auch deutsche Landeshauptstadt, die etwas auf sich hält, will irgendwie „smart“ werden, doch mittlerweile  wird  die Debatte auch von kritischen Stimmen begleitet. Kürzlich veröffentlichte Evgeny Morozov, ein ausgewiesener Experte zum Thema <a href="http://www.randomhouse.de/Buch/Smarte-neue-Welt-Digitale-Technik-und-die-Freiheit-des-Menschen/Evgeny-Morozov/e397287.rhd">smarte neue Welt</a>, einen Artikel in der FAZ mit der titelgebenden Forderung: „<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/silicon-demokratie/evgeny-morozov-wir-brauchen-intelligente-doerfer-13030870.html">Wir brauchen mehr intelligente Dörfer“</a>, in dem er neben einer Kritik am Smart-City-Konzept einen Gegenentwurf postuliert: das intelligente Dorf als attraktive Option – Smart Country.</p>
<h3>Zur Sache: Was passiert da eigentlich genau?</h3>
<p>Erstaunlicherweise wird somit ein bemerkenswerter Aspekt einer digitalen Transformation bislang stiefmütterlich behandelt, wenn nicht sogar ausgeklammert: Welche Ansätze existieren neben dem Smart-City-Hype, den digitalen Wandel in Deutschland für die gesamte Bevölkerung gewinnbringend zu nutzen? Kann es das gewesen sein? Für Deutschland muss die Frage ganz klar mit „Nein“ beantwortet werden, denn es wird außer Acht gelassen, dass nahezu 70 Prozent der Deutschen außerhalb von Großstädten leben, wodurch die Debatte an den eigentlichen Adressaten vorbeiläuft.<br />
Smarte Städte sind nur Leuchttürme in der sie umschließenden Region. Was fehlt, ist der Blick auf die kleineren Städte, die Dörfer hinter dem Speckgürtel der Vorstädte, abseits von Clustern, Ballungsräumen oder des weiteren Pendelbereichs größerer Städte. Wie  begegnet die Politik den Problemen der ländlichen Regionen, wie Arbeitslosigkeit, Abwanderung der hochqualifizierten jungen Menschen oder der Infrastrukturerhaltung? Was lässt sich vom Smart-City-Konzept übertragen, wo sind die Grenzen zwischen Land und Stadt?<br />
Ist der Prozess in Gang gebracht, ergeben sich unzählige Möglichkeiten, die z.B. von der Verbindung von Personen- und Güterverkehr über automatisiertes Fahren bis hin zu einer <a href="https://www.uber.com/">App und Online-Plattform</a> reichen, auf der Fahrer Transportdienste anbieten. Der angesprochene Bereich von Mobilität und Logistik greift unmittelbar in die Sicherstellung von Gesundheits- und Pflegediensten und die damit zusammenhängende Versorgung hinein. Hier existieren Beispiele wie die App <a href="https://goderma.com/de">Goderma</a>, die einen Online-Service zum Hautarzt bietet; die Webseite <a href="https://washabich.de/">Was hab ich</a>, die medizinische Befunde in eine leicht verständliche Sprache übersetzt; oder die Nutzung des Smartphones für die Erfassung und Weiterleitung tagesaktueller Patientendaten an den mobilen Hausarzt, das zudem den Überblick über die Medikamente behält.<br />
Gleiches gilt für Projekte der Regionalentwicklung wie der brandenburgische <a href="http://www.oderbruchpavillon.de/">Oderbruch Pavillon</a>; die Verbindung von Produzenten und Konsumenten aus der Region im deutschlandweiten Projekt <a href="https://ernte-teilen.org/">Ernte teilen</a>; oder etwa die Idee von <a href="http://mundraub.org/">Mundraub</a>, in der User „Fundorte“ markieren, wo Früchte eigentumsfrei zur Ernte bereit stehen. Die transparente Nutzung regionaler und dezentraler Ressourcen ist insbesondere im Komplex von Energie und Umwelt ein bedeutendes Thema: Hier ergeben sich neue Ideen und Unternehmen, die <a href="http://www.lumenaza.de/">Erzeuger und Verbraucher von regionalem Ökostrom</a> vernetzen. Aber auch der Bildungsbereich ist in Zeiten von „Braindrain“ und Fachkräftemangel von immenser Bedeutung, weshalb neue Formen von Online-Lernumgebungen und digitaler Leseförderung vorangetrieben werden müssen, oder z.B. Fortbildungen für Mitarbeiter über mobile Endgeräte in einer sicheren Cloud, um so der Dezentralität Rechnung zu tragen.<br />
Komplettiert werden diese Ansätze durch die dem Bereich Politik und Verwaltung zugehörigen Komponenten von kommunalem E-Government, wie das <a href="http://www.kommune21.de/meldung_19261_r">Projekt Rathaus 2.0</a>, das den Aspekt „Social Media“ in den Vordergrund rückt, oder E-Partizipation, Open Government und Open Data.</p>
<h3>Nötige Voraussetzungen schaffen</h3>
<p>Allein<b> </b>die Voraussetzung einer zukunftsorientierten Digitalen Agenda ist zuallererst die Gewährleistung einer flächendeckenden digitalen Infrastruktur. Am 18. Juli 2014 ist die <a href="http://www.eco.de/2014/pressemeldungen/netzpolitische-halbjahresbilanz-aktionismus-statt-digitaler-masterplan.html">Halbjahresbilanz</a> von <i>eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.</i> erschienen, und sie fällt ernüchternd aus: „Es gibt aktuell vielleicht kein anderes Politikfeld mit einem so großen Gestaltungsspielraum wie die Internet- und Netzpolitik. Diesen Gestaltungsspielraum füllt der Gesetzgeber derzeit nicht aus. Ich vermisse eine ganzheitliche Perspektive darauf, wie die Bundesregierung den vielfältigen Herausforderungen der Digitalisierung künftig begegnen will“, so das Fazit von Oliver Süme, <i>eco</i>-Vorstand für den Bereich Politik und Recht.<br />
Der umfassende Breitbandausbau darf dieser Tage nicht mehr zur Diskussion stehen, er ist schlicht obligatorisch und deshalb Grundvoraussetzung für die digitale Aufwertung strukturschwacher Räume. Auch hier ist die Einschätzung von <i>eco </i>wenig optimistisch: „Vielversprechend gestartet, dann in der Versenkung verschwunden – so lassen sich die Erfolge der Bundesregierung beim Thema Breitbandausbau zusammenfassen.“ Doch was, wenn wir am Ende flächendeckende Internetversorgung haben? Letztendlich wird in jedem Winkel des Landes nutzbare Internet-Konnektivität verfügbar sein. Welche Chancen eröffnen sich dadurch? Welche Folgeeffekte sind zu erwarten?</p>
<h3>Wozu das Ganze?</h3>
<p>Bislang fehlt es an konkreten Maßnahmen, und das ist bei der Bedeutung der digitalen Infrastruktur für den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht nachvollziehbar. Um es zu verdeutlichen: Durch umfassende Breitbandversorgung erreicht der digitale Wandel auch kleine und mittlere Städte sowie die ländlichen Regionen. Damit eröffnen sich dort ebenfalls neue Chancen für soziale und wirtschaftliche Entwicklungen, sei es z.B. durch <ins cite="mailto:Anonymous" datetime="2014-08-04T12:40">i</ins><del datetime="2014-08-04T12:40"></del>nternet<del datetime="2014-08-04T12:41"></del>basierte Anwendungen, die zur Transparenz und Vereinfachung einer kommunalen Verwaltung beitragen, oder mobile Technologien, die ihren Nutzen in den Bereichen Mobilität oder Gesundheit und Pflege entfalten. Denn die fortschreitenden Veränderungen in der Altersstruktur, im quantitativen Verhältnis von Männern und Frauen, beim Verhältnis von Geburten- und Sterberaten sowie bei Zuzügen und Fortzügen haben teils gravierende Auswirkungen auf die Lebensqualität vor Ort und lassen kein weiteres Zögern zu.<br />
Eine wirklich <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/42/42227/1.html?utm_medium=twitter&amp;utm_source=twitterfeed">düstere Zukunftsprognose</a> zeichnet der Journalist Tomasz Konicz in einem aktuellen Artikel über die Entvölkerung der deutschen Peripherie. Ein Raum ohne Volk, inmitten einer „Ödnis der europaweit um sich greifenden Monokulturen für Energiepflanzen wie Mais und Raps“ und stinkenden Hühner- und Schweinemastanlagen riesigen Ausmaßes. Er vergleicht die Situation einiger Landstriche mit der Pestepidemie des 14. Jahrhunderts, nach der sich die „aufgegebenen Siedlungen (&#8230;) in Wüstungen“ wandelten, „in denen die gesamte Bausubstanz und Infrastruktur verfiel und letztendlich von der Natur ‘zurückerobert’ wurde &#8211; bis nur noch Ruinen, alte Urkunden oder lokale Überlieferungen an diese inzwischen größtenteils vergessenen Ortschaften erinnern.“</p>
<h3>Risiken und Nebenwirkungen</h3>
<p>Risiken existieren keine, nur Chancen, die es zu nutzen gilt. Durch eine transparent geführte, direkte und offene Kommunikationsstrategie in Richtung der Adressaten, der Bürger in der Region, muss eine breite Akzeptanz der zur Verfügung gestellten Möglichkeiten sichergestellt werden. Die Lösungen müssen sich an den Anwendern orientieren und praktikabel sein, dann werden die Nebenwirkungen nur in der Hinzugewinnung von Lebensqualität liegen.<br />
Die Debatte richtet nicht von ungefähr ihr Brennglas auf die Region, wie eine aktuelle Allensbach-Umfrage deutlich zeigt: Die Region bleibt nicht nur attraktiv, sie gewinnt sogar an Sehnsuchtspotential: <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/allensbach-analyse-die-sehnsucht-der-staedter-nach-dem-land-13047459.html">Die Sehnsucht der Städter nach dem Land</a>! Es gilt nun, die aktuelle Resonanz und mediale Aufmerksamkeit für die Entwicklung einer Strategie zu nutzen und mit der Produktion praktischer Handlungsempfehlungen den bereits eingeschlagenen Weg konsequent weiterzuverfolgen, um eine nachhaltig positive Entwicklung dezentraler, ländlicher Regionen in Deutschland sicherzustellen.<br />
Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang ein multiperspektivischer und ganzheitlicher Ansatz in der Analyse. Es ist unbedingt notwendig, im weiteren Prozess Akteure zu vernetzen und Bemühungen zu bündeln, denn nur so wird eine breite Akzeptanz sichergestellt. Welche internetbasierten Innovationen können verschiedenste Lebensbereiche außerhalb der Großstädte positiv beeinflussen, sei es Umwelt, Energie, Bildung, Wirtschaft, Politik und Verwaltung, Kultur, Landwirtschaft, Logistik und Mobilität? Wie sehen ganzheitliche Strategien für Innovationspolitik in den Regionen aus? Weshalb ist z.B. nur eine geringe Anzahl deutscher Regionen Mitglied in der <a href="http://s3platform.jrc.ec.europa.eu/de">Smart Specialisation Platform</a> der EU? Wer bringt all diese Insellösungen und partikularen Pilotprojekte zusammen, damit diese voneinander lernen können? Wer bringt (noch) exotische Themen wie Big Data in der Landwirtschaft, MOOCs in der Dorfschule, Telemedizin per LTE usw. auf die Agenda? Das sind die drängenden Fragen, wenn es um die Entwicklung von „<a href="http://smartcountry.collaboratory.de">Smart Country</a>“ geht.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>„Smart City“ ist nur die eine Seite der Medaille – wenngleich die momentan glänzende. Die Renaissance der Region als bewusste Abgrenzung zum „Siegeszug der Städte“ würde jedoch für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Lebensqualität der Menschen langfristige Vorteile bringen. Nicht zu vergessen: Die Autobahn, die so viele qualifizierte junge Menschen aus den ländlichen Regionen in die Städte führt, ist keine Einbahnstraße. Damit sich der Trend umkehrt, darf die Debatte nicht im luftleeren Raum verlaufen, sie muss anwendbare Resultate hervorbringen. Doch nicht nur als Leitfaden für Entscheider, sondern auch als gesellschaftspolitischer Beitrag zur Aufwertung strukturschwacher Regionen, deren Zukunft durch Landflucht und demographischen Wandel gefährdet ist. Die Bundesregierung hat mit der <a href="http://politik-digital.de/digitale-agenda-hoch-drei/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitalen Agenda</a> einen ersten Impuls ausgesandt und nun sind im Speziellen die Länder in der Pflicht, die sich bietenden Möglichkeiten von Vernetzung und Digitalisierung aufzugreifen, die ihnen durch Experten aufgezeigt werden sollten, um die vorhandenen Potentiale ihrer Regionen zu nutzen.</p>
<h3>Alle Teile der Sommerreihe Internet der Dinge:</h3>
<p><strong><em>Einführung:</em> <a title="Internet der Dinge – Leben in der smarten Welt" href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-leben-in-der-smarten-welt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leben in der smarten Welt<br />
</a><em>Teil 1</em></strong>: <strong><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-1-smart-wearables/">Smart Wearables</a></strong><br />
<strong><em>Teil 2:</em></strong> <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-2-intelligentes-shopping/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Intelligentes Shopping<br />
</strong></a><em><strong>Teil 3: </strong></em><strong><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-3-smart-home-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Smart Home<br />
</a></strong><strong><em>Teil 4</em></strong>: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-4-smart-cars/"><strong>Smart Cars</strong></a><br />
<strong><em>Teil 6:</em> <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-6-smart-city/">Smart City</a></strong><br />
<em><strong>Teil 7: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-7-industrie-4-0/">Industrie 4.0 </a></strong></em><br />
Teasergrafik: <a href="http://pixabay.com/en/users/Nemo/">Nemo</a></p>
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