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	<title>Soziale Netzwerke &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Soziale Netzwerke &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Schluss mit Social Media?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Sep 2018 13:30:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Verhältnis junger Menschen zu Sozialen Medien ist kompliziert. Viele von ihnen können sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/agung-pratamah-521938-unsplash.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-155253" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/agung-pratamah-521938-unsplash-630x273.jpg" alt="" width="640" height="277" /></a></p>
<p>Das Verhältnis junger Menschen zu Sozialen Medien ist kompliziert. Viele von ihnen können sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. Doch es gibt eine wachsende Gruppe junger Erwachsener, die vermehrt die Schattenseiten des konstanten Austauschs online sehen. Sie treffen die fast schon radikale Entscheidung, Sozialen Medien den Rücken zu zukehren. Muss deshalb auch politische Bildung und Kommunikation umgedacht werden?</p>
<p>Seit 2017 lässt sich bei Jugendlichen von einer Vollversorgung mit Smartphones sprechen. Mit Werten, die je nach Informationslage zwischen 97 und 99 Prozent schwanken, besitzen so gut wie alle Zwölf- bis 19-Jährigen ein eigenes Smartphone. Die Selbsteinschätzung der zeitlichen Nutzung ist rapide gestiegen. Nahezu jede und jeder ist heutzutage online und damit häufig auch sozialen Netzwerken aktiv. Umso überraschender macht das die Erkenntnis, die sich in neuesten amerikanischen Studien zeigt: es gibt einen wachsenden Anteil an jungen Menschen, die Social Media vermehrt negativ gegenüberstehen und sich von Plattformen wie Instagram und Facebook abwenden.</p>
<p>Auch wenn die Ergebnislage nicht ganz einheitlich ist, lassen sich dabei einige interessante Entwicklungen herausstellen. So zeigt die 2018 erschienene <a href="https://www.commonsensemedia.org/sites/default/files/uploads/research/2018_cs_socialmediasociallife_fullreport-final-release_2_lowres.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Common-Sense-Studie</a>, dass der Anteil der befragten Jugendlichen, die laut eigener Angabe überhaupt keine sozialen Medien nutzen von 17 Prozent im Jahre 2012 auf aktuell 19 Prozent gestiegen ist, während gleichzeitig die restlichen Befragten Soziale Medien deutlich intensiver nutzen und nahezu nonstop online sind. Auch wenn das nur eine kleine Zunahme der Nicht-Nutzer ist, stellt sich diese Entwicklung gegen die gängige Erwartungshaltung und zeigt, dass sich nicht ohne weiteres eindeutige Aussagen über junge Menschen und Social Media treffen lassen.</p>
<h3>Zu viel Negativität und Zeitverschwendung</h3>
<p>Ein genaueres Bild, was junge Menschen an Sozialen Medien vor allem stört, zeigt eine weitere <a href="https://genz.hhcc.com/hubfs/Gen%20Z%20-%20The%20Social%20Generation%20%7C%20Hill%20Holliday-5.pdf?submissionGuid=1d36eb5b-a290-4fee-9756-b3c1936714a0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a>, die das Medienverhalten der Generation Z genauer betrachtet. Obwohl dabei rund neun von zehn Befragten mindestens eine Social-Media-Plattform nutzen und 77 Prozent angeben, dass soziale Netzwerke wie Instagram, Snapchat und Facebook mehr Vorzüge als Nachteile mit sich bringen, haben mehr als ein Drittel mindestens einen ihrer Accounts wieder gelöscht. Und mehr als 60 Prozent wünschen sich Abstand und Erholung von Social Media, in dem sie die Nutzung bestimmter Anwendungen für einige Zeit pausieren. Besonders betroffen sind dabei Facebook und Instagram.</p>
<p>Die Gründe dafür sind vielfältig, von mehr Wunsch nach Privatsphäre bis hin zu steigendem sozialen Druck. Am häufigsten wird jedoch das Gefühl geäußert, zu viel Zeit mit endlosem Scrollen und Durchklicken zu verschwenden. Vielen jungen Menschen ist dabei bewusst, dass solche Apps ein suchtförderndes Potential aufweisen und so konzipiert sind, dass Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange darin verweilen. Doch allmählich ziehen die ersten auch Konsequenzen aus dieser Erkenntnis. Noch stärker als bei sich selbst, bemerken die meisten Befragten bei ihrem gleichaltrigen Umfeld, dass dieses zu sehr durch Soziale Medien abgelenkt sei oder durch diese negativ beeinflusst werde. Beklagt wird zunehmend die vorherrschende Negativität im Netz und die damit verbundenen nachteiligen Effekte auf die eigene Psyche und das Wohlbefinden. Bei vielen haben soziale Medien schon dazu geführt, dass sie sich ängstlich oder deprimiert gefühlt haben. Ebenso leidet bei einigen das Selbstbewusstsein durch den ständigen Austausch und Vergleich online und Unsicherheiten werden verstärkt. Auch wenn das Internet samt Social Media für die meisten positive Auswirkungen auf Freundschaften, das Selbstwertgefühl und die eigene Kreativität hat, will ein wachsender Anteil Jugendlicher nicht mehr einfach über die Folgen von Hate Speech, Schönheitswahn und den Druck, ohne soziale Plattformen ausgeschlossen zu sein, hinwegsehen.</p>
<h3>Instagram macht unsicher</h3>
<p>Ein Vergleich der <a href="https://www.rsph.org.uk/uploads/assets/uploaded/62be270a-a55f-4719-ad668c2ec7a74c2a.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#StatusofMind-Studie</a> der meistgenutzten Social-Media-Plattformen ergab, dass der als äußerst beliebt geltende Online-Dienst Instagram das Wohlergehen und die Psyche junger Nutzerinnen und Nutzer am meisten beeinträchtigt. Die App führt bei vielen zu Angstgefühlen wie Sorge oder Unbehagen und dem Gefühl, ständig online und erreichbar sein zu müssen, um nichts zu verpassen. Außerdem gab ein Großteil der Befragten an, dass die Nutzung von Instagram sich negativ auf das Schlafverhalten auswirke. Bei all dem neuen Content, den es in unendlicher Fülle zu geben scheint und der ständig erweitert wird, kommt man kaum damit hinterher, diesen „abzuarbeiten“.  Schluss ist nur, wenn man sich bewusst dazu entscheidet oder einem vor Müdigkeit die Augen zu fallen. Damit ist die App aber nicht allein, Facebook und Snapchat weisen ähnliche negative Einflüsse auf. Besonders schwer ins Gewicht fallen bei Instagram aber vor allem die Auswirkungen auf das Körperbild und die Unsicherheit junger Menschen. „Instagram vermittelt Mädchen und Frauen schnell das Gefühl, ihre Körper seien nicht gut genug, wenn die Leute Filter hinzufügen oder ihre Bilder bearbeiten, um `perfekt´ auszusehen“, gab eine Teilnehmerin an. Auch wenn es seit einiger Zeit Bewegungen gibt, die diesem „Perfektionswahn“ entgegensteuern wollen, ist es nach wie vor noch das makellose Bild, welches viele Influencer von sich zeichnen, das bei jungen Menschen ankommt.</p>
<h3>Facebook wird zur Plattform der Älteren</h3>
<p>Während Instagram aber nach wie vor kein deutlich spürbares Nutzerschwinden verzeichnen kann, sieht das bei Facebook anders aus. Das soziale Netzwerk verliert immer mehr jüngere Nutzerinnen und Nutzer an andere Social-Media-Plattformen. Der Altersdurchschnitt verschiebt sich zunehmend nach oben und Facebook ist jungen Menschen längst nicht mehr so wichtig wie noch vor einigen Jahren. Nur ein Viertel der deutschen Zwölf- bis 19-Jährigen nutzen Facebook regelmäßig, das zeigt die JIM-Studie 2017. Der Datenskandal um Cambridge Analytica hat diese Entwicklung nur noch verstärkt: <a href="http://www.pewresearch.org/fact-tank/2018/09/05/americans-are-changing-their-relationship-with-facebook/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">44 Prozent</a> der US-Amerikaner zwischen 18 und 27 Jahren haben die Facebook App in diesem Jahr gelöscht, aber nur 12 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer, die älter als 65 sind. Jüngere Userinnen und User gaben dabei auch deutlich häufiger an, ihre Datenschutzeinstellungen in den letzten zwölf Monaten angepasst zu haben. Auch wenn Facebook in aufwendigen Kampagnen Besserung verspricht, scheint es für eine wachsende Anzahl an jungen Menschen schlicht die einfachere und effektivere Lösung zu sein, Facebook endgültig aus ihrem Leben zu verbannen. Der Grund dafür ist vermutlich aber nicht nur die fehlende Datensicherheit, sondern auch, dass viele Jugendliche keinen Mehrwert mehr in der Nutzung von Facebook für sich erkennen können. Andere neue Plattformen scheinen die Bedürfnisse und Interessen junger Menschen stärker zu bedienen, vor allem wenn man die steigende Beliebtheit von Facebook bei der älteren Generation betrachtet. Die gleiche soziale Plattform zu nutzen wie die eigenen Eltern, bedeutet für viele, dass sie sich nicht mehr so frei und vermeintlich unbeobachtet ausdrücken können wie früher.</p>
<h3>Jugendliche politisch auf Social Media erreichen?</h3>
<p>Auch wenn ihnen häufig Gegenteiliges vorgeworfen wird, sind Jugendliche immer interessierter an Politik. Doch obwohl das Interesse und auch die Bereitschaft zu politischem Aktivismus steigen, sinkt das Vertrauen in etablierte Parteien und traditionelle politische Akteure. Junge Menschen gehen seltener zur Wahl als andere Altersgruppen und sie bringen sich kaum in Form klassischer Parteiarbeit ein. Deshalb lassen sich immer mehr Bestrebungen finden, Jugendliche auf neuem Wege zu erreichen und wieder stärker einzubinden. Der Gedanke dahinter: Wenn junge Menschen die Welt auf andere Weise verändern wollen und sich online politisch oder in Protestaktionen engagieren, dann sollte Politik und politische Bildung junge Menschen dort abholen, wo sie sind – im Netz. Doch was ist, wenn genau das sich jetzt verändert? Wenn Jugendliche keine Lust mehr auf Instagram, Facebook und Co haben, weil sie damit zunehmend Negatives verbinden?</p>
<p>Immer mehr Politikerinnen und Politiker erstellen sich Instagram und Facebook-Accounts und versuchen ihre mediale Reichweite auszubauen. Bundesregierung und Ministerien investieren seit einiger Zeit immer stärker in die Reichweite auf soziale Medien und damit in Sponsored Posts und <a href="https://motherboard.vice.com/de/article/4358d3/so-viel-gibt-die-regierung-fuer-werbung-auf-facebook-instagram-und-youtube-aus-sponsored-posts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Influencer-Kampagnen</a>. Allein die Bundeswehr gab 2016 und 2017 rund 3,2 Millionen Euro für Facebook- und Instagram-Werbung und nochmal weitere 3,5 Millionen für Youtube-Kampagnen aus. Dass das durchaus auch moralisch fragwürdig zu betrachten ist und in Teilen gezielt auf die Beeinflussbarkeit junger Menschen setzt, ist dabei nur einer vieler möglicher Kritikpunkte. Die mangelnde <a href="https://motherboard.vice.com/de/article/a3a8da/staatlich-finanzierte-influencer-videos-sind-nur-selten-gekennzeichnet-youtube-instagram-influencer-marketing" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transparenz</a> einiger Kampagnen und fehlende Werbekennzeichnung ein weiterer. Dazu kommt die Frage, ob solche Investitionen überhaupt zielführend sind und ob nicht in Zukunft wieder umgedacht werden muss, wenn junge Leute vermehrt erreicht werden sollen.</p>
<h3>Junge Menschen und politische Teilhabe erfolgreich verbinden</h3>
<p>Andere Projekte wie die Medieninitiative MESH Collective konzentrieren sich in ihrer Arbeit auf nur eine Plattform, in diesem Fall YouTube. Auftraggeber sind unter anderem das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Bundeszentrale für politische Bildung, aber auch Stiftungen oder NGOs. Genauer vorgestellt wurde MESH Collective auch bei Demokratie um 12 zu Thema „Jugend und Politik“ der Friedrich-Ebert-Stiftung von Julia Althoff, der Projektleiterin. Die Initiative erstellt nicht nur eigene Videos für ihren Kanal, sondern setzt inzwischen verstärkt auf die Zusammenarbeit mit beliebten YouTubern, um Jugendliche und junge Erwachsene „zur Teilhabe am gesellschaftspolitischen Leben zu ermächtigen.“ YouTube ist auch trotz insgesamt kritischerer Auseinandersetzung in vielen Fällen das beliebteste Soziale Medium Jugendlicher und genießt den besten Ruf. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, dort mit politischer Bildungsarbeit anzusetzen. Der entscheidende Vorteil ist, dass sich stark zielgruppenorientiert vorgehen lässt: Indem gezielt Social-Web-Persönlichkeiten innerhalb verschiedener Communities ausgewählt werden, lassen sich politische Themen spezifisch und auch auf neue Art und Weise platzieren. Nicht nur sowieso schon politikaffine junge Menschen kann man so erreichen, sondern auch politisch desinteressierte, bildungsfernere Jugendliche.</p>
<p>Dass dies auch nach wie vor erfolgreich gelingen könnte und politische Bildung auf YouTube durchaus funktioniert, ist trotz des Unmutes einiger Jugendlicher hinsichtlich Social Media kaum zu bestreiten. Doch selbst wenn bisher eher noch nicht davon auszugehen ist, dass der Großteil junger Menschen sich von Social Media entfernt, ist es wichtig, diese Entwicklung im Blick zu behalten, wenn man junge Menschen und politische Teilhabe erfolgreich verbinden will. Dabei wenden sich vermutlich vor allem diejenigen von Sozialen Medien ab, die sich selbst und die Gesellschaft reflektierter wahrnehmen und sensibler für mögliche Missstände sind. Doch auch sie müssen nach wie vor zu politischer Teilhabe angeregt werden. Allein auf soziale Medien zu setzen, kann deshalb nicht ausreichend sein. Auch Parteien und andere politische Institutionen müssen sich stärker nach den Bedürfnissen junger Menschen ausrichten, damit diese Einzug in die tatsächliche substanzielle Politik finden. Damit junge Menschen nicht nur stärker vertreten sind, sondern sich auch tatsächlich ernstgenommen fühlen und erkennen, dass sie etwas verändern können. Denn dass sie das können, haben sie bereits vielfach im Netz aber auch analog unter Beweis gestellt.</p>
<p>Titelbild: Alone, Agung Pratamah via <a href="https://unsplash.com/photos/ZfMPo4y9Icc" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unsplash</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Rhetorik heute &#8211; eine Frage des Gefühls?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Sep 2018 15:01:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Jeder Mensch kann heute zum Sender und Journalisten werden, entscheiden, was sie oder er sehen will und selbst produzieren, was [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/People-protesting-on-the-streets-of-Mexico-against-the-government-and-Trump.-Protesting-against-hate.-Jeronimo-Bernot-Mexiko-CIty-Titelbild.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155164 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/People-protesting-on-the-streets-of-Mexico-against-the-government-and-Trump.-Protesting-against-hate.-Jeronimo-Bernot-Mexiko-CIty-Titelbild-630x276.jpg" alt="" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Jeder Mensch kann heute zum Sender und Journalisten werden, entscheiden, was sie oder er sehen will und selbst produzieren, was fehlt. Damit gewinnen die Zuschauer und Zuschauerinnen an Macht über den öffentlichen Diskurs und verschieben, was überzeugende Rhetorik heutzutage ausmacht. Diese Entwicklung legt eine Betrachtungsweise nahe, die nicht die Rednerin oder den Redner als Person selbst, sondern das Publikum und die Verbindung, die er oder sie zu diesem schafft, in den Mittelpunkt stellt.</p>
<h3>Rhetorik unter anderen Umständen</h3>
<p>Die Verschiebung des öffentlichen Diskurses auf Soziale Netzwerke und Plattformen hat vieles an den Umständen geändert, unter denen Reden gehalten werden und Rhetorik ihren Einsatz findet. Früher standen sich Rednerin und Redner und das Publikum mehr oder weniger direkt und zur gleichen Zeit gegenüber, es wurde praktisch ohne mediale Unterstützung gesprochen und versucht, argumentativ zu überzeugen. Heute sind Rednerinnen und Redner und die Zuhörerschaft nicht mehr so unmittelbar aneinander gekoppelt. Auch früher gab es schon schriftliche Aufzeichnungen von Reden, die nachträglich verbreitet und unter die Menschen gebracht worden sind, doch lässt sich heute in einem Bruchteil der Zeit eine weitaus größere Masse erreichen. Nahezu jede größere Rede wird heute aufgezeichnet, übertragen, gestreamt oder auf Sozialen Netzwerken geteilt. Was einmal gesagt wurde, kann man Jahre später noch verfolgen, und auch wie es gesagt worden ist.</p>
<p>Doch damit verändert sich nicht nur wo und wie Reden gehalten werden, sondern auch die Rede selbst. War es früher schon immer wichtig, Kernaussagen in Reden so kurz und eingängig zu formulieren, dass sie als O-Ton in TV- und Hörfunkbeiträgen verwendet werden konnten oder sich für Überschriften anboten, so hat die verstärkte Kommunikation über Soziale Medien diesen Trend noch verstärkt, sagt Mediencoach und Redenexpertin Jacqueline Schäfer. Als Präsidentin des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) ist sie überzeugt: In Zeiten von begrenzter Zeichenanzahl und kurzen Statements auf Twitter &amp; Co ist es beinahe zwingend, dass gute Reden inzwischen auch einschlägige, „twitterfähige“ Äußerungen enthalten, die sich schon während des Vortragens verbreiten lassen, das Wichtigste auf den Punkt bringen, aber auch ein gewisses Diskussionspotential innehaben. Alles andere geht in der Vielzahl an Beiträgen unter oder ist zu lang und kompliziert, als dass sich die Rezipientinnen und Rezipienten darauf einlassen.</p>
<hr />
<p>Die Begriffe Logos, Ethos und Pathos stellen die Grundprinzipien der klassischen Rhetoriklehre dar. Logos bezieht sich auf die sachbezogene und logische Ebene der Argumentation und meint konkret Daten, Statistiken, Fakten, etc. Das Ethos, als moralischer Appell, meint die Glaubwürdigkeit und die Integrität einer Rednerin oder eines Redners, während das Pathos als emotionaler Appell für die Verbindung zwischen der Gefühlswelt der Zuhörenden und dem Thema steht. Die Rednerin oder der Redner kann diese Mittel einsetzen, um das Publikum bezogen auf einen bestimmten Sachverhalt zu überzeugen.</p>
<hr />
<p>Dass die zunehmende digitale Kommunikation zum Ende der großen Rede führen wird, glaubt Schäfer nicht. Gerade weil im Alltag vieles verkürzt dargestellt wird, sei es notwendig, neben knackigen Kernbotschaften auch zuzulassen, dass sich Gedankengänge innerhalb einer Rede entwickeln können. Diese sollte dann aber umso mehr nach narrativen Gesichtspunkten aufgebaut sein und berücksichtigen, dass Menschen Dinge am besten verinnerlichen, wenn ihr Gefühl angesprochen, also das limbische System angeregt wird. Ist es so also vielleicht gerade die emotionale Verbindung zwischen den Zuhörenden, dem Gesagten und dem Vortragenden, die besonders wichtig ist?</p>
<h3>Die Macht der Emotionen</h3>
<p>Es gibt einiges, was für das Pathos als Schlüsselrolle spricht. In einer Vielzahl von Beiträgen, die uns tagtäglich überflutet, bleibt vor allem das hängen, was uns erreicht, in gewisser Weise eine Erregung unseres Gemütszustandes hervorruft. Und es sind diese Beiträge und Themen, die wir mit der Welt teilen, weiter verschicken und die sich innerhalb eines Tages so weit aufladen können, dass am Ende die halbe Welt darüber spricht. Daran zeigt sich auch die große Bedeutung von Bildern und Videos, die auch ohne Worte eine sofortige Reaktion in uns auslösen. Sie berühren uns soweit, dass wir sie, auch ohne den Kontext genauer zu kennen, rasant verbreiten. Ein Beispiel dafür ist das Foto des weinenden <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/symbolfoto-fuer-familientrennung-maedchen-wurde-nicht-von-mutter-getrennt-a-1214550.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mädchens</a>, was zum Symbolbild der Debatte um Trumps harte Vorgehensweise an der mexikanischen Grenze geworden ist, tatsächlich aber nie von seiner Mutter getrennt worden war. Und auch all die großen Schlagwortbegriffe, die die aktuelle Debatte prägen, sind spürbar emotional aufgeladen: „Shitstorm“, „Wutbürger“, „Gutmenschen“, „Erdowahn“, usw. Sie heizen dabei den Diskurs auf und vereinfachen meist abwertend komplexe Sachverhalte. Nicht selten wird deshalb der Wunsch nach mehr Sachlichkeit und Deeskalation laut.</p>
<h3>Das Publikum als fünfte Gewalt</h3>
<p>Es wird deutlich: Das Publikum hat an Macht dazugewonnen und bestimmt mit, wonach sich Rednerin und Redner und der Diskurs insgesamt ausrichten. Auch das ist eine Entwicklung, die durch die Digitalisierung begünstigt wird. Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen spricht im Zuge dessen schon von einer „<a href="https://www.koerber-stiftung.de/mediathek/die-fuenfte-gewalt-der-skandalforscher-bernhard-poerksen-im-gespraech-mit-christoph-kucklick-1407" target="_blank" rel="noopener noreferrer">fünften Gewalt</a>“ der digital vernetzten Öffentlichkeit (die sich neben dem klassischen Journalismus, der Exekutive, Judikative und Legislative einreiht). Während sich das Publikum in der Antike zwar einen eigenen Eindruck vom Redner vor Ort verschaffen konnte, war es ihm gleichzeitig auch stärker ausgeliefert. Es konnte zwar den Ort des Geschehens verlassen, so wie wir ein Video oder eine Website einfach schließen können, aber es hatte deutlich eingeschränktere Möglichkeiten, das Gesagte zu überprüfen und seine Informationen aus verschiedenen Quellen zu beziehen. Im Zweifelsfall mussten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer auf die Glaubwürdigkeit eines Redners verlassen und waren so abhängiger von ihm und dessen Aussagen.</p>
<p>Das sieht heute, in Zeiten, in denen rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland das Internet nutzen und fast genauso viele im Besitz eines Smartphones sind, deutlich anders aus. Inhalte lassen sich in Echtzeit selbst nochmal überprüfen und müssen dem sekundenschnellen Faktencheck standhalten. Was einen nicht sofort packt und interessiert, sieht man sich auch nicht an und verbannt es aus seiner Filterblase. Für Jacqueline Schäfer bedeutet das, dass „Aufmerksamkeit zu generieren und sie über eine Redestrecke zu halten, in Zeiten, in denen viele schon mit einer eineinhalb minütigen Rede überfordert sind, immer anspruchsvoller und schwieriger geworden ist.“ Sie geht ebenso davon aus, dass es zunehmend auch um den emotionalen Unterhaltungswert geht, wenn man seine Inhalte verkaufen möchte, und dass die Zuhörerinnen und Zuhörer inzwischen auch die Macht dazu haben, dies öffentlich zu kommunizieren und letztendlich auch einzufordern.</p>
<h3>Dauergereiztheit statt sachlicher Auseinandersetzung</h3>
<p>Doch lässt sich daraus auch ableiten, dass die Leute durch die neuen Möglichkeiten zur Selbstaufklärung, die sie dank des Internets nun haben, auch anspruchsvoller und misstrauischer geworden sind? Laut dem <a href="https://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index-2017-2018/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">D21-Digital-Index 2017/2018</a> der Initiative D21 machen immerhin etwa drei Viertel der Deutschen regelmäßig von der Möglichkeit Gebrauch, in Suchmaschinen nach Inhalten und Informationen zu suchen. Doch trauen sich nur 54 Prozent der Befragten auch zu, bei Treffern von Suchmaschinen zu erkennen, welche davon Werbeanzeigen sind und nur knapp jeder zweite geht davon aus, Fake News von glaubwürdigen Nachrichten unterscheiden zu können. Das spricht nicht unbedingt für eine mündigere und kritischere Gesellschaft. Was bringt uns also der Zugang zu einem enormen Vorrat an Information, wenn wir gar nicht genau wissen, wie wir sie richtig nutzen können? Werden wir also vielleicht nur kritischer hinsichtlich der Präsentation und Aufbereitung und weniger dem Inhalt gegenüber?</p>
<p>Laut Pörksen befinden sich die Menschen momentan in einem Zustand der Dauergereiztheit, der die Chance effektiver Desinformation nur noch eher begünstigt und konstant nach neuen Reizen und Impulsen sucht. Daraus entsteht eine eigene Emotions- und Erregungsindustrie, die sich auch auf die Qualität politischer Debatten und die politische Kommunikation auswirkt.</p>
<h3>Politische Rhetorik</h3>
<p>Politikerinnen und Politiker entdecken diese Industrie zunehmend für sich. Die Zeiten des Wahlkampfs sind immer auch Zeiten der Rhetorik. Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten breiten ihre Kampagnen auf immer mehr Medien und soziale Netzwerke aus, um die Macht dieser fünften Gewalt für sich zu nutzen. Und auch außerhalb der politischen Hochphasen lässt man jetzt von sich hören. Video-Selfies und Instagram-Stories werden zu den kleinen Reden unserer Zeit, die, richtig gemacht, bereits ein riesiges Echo hervorrufen können. Und selbst, wenn die Referentin oder der Referent das Medium nicht beherrscht, kann sie oder er als Negativbeispiel viral gehen. In der Erregungsgesellschaft, wie Pörksen sie skizziert, geht es darum einen Nerv zu treffen. Nicht zuletzt ist das auch der Grund, warum populistische Parteien so erfolgreich sind. Durch bewusst emotional aufgeladene Themen bleiben sie im Gespräch. Wut und Angst sind dabei stets lauter als Lob und Zufriedenheit und das kommt nicht zuletzt einer <a href="https://www.huffingtonpost.de/entry/bei-afd-hardliner-treffen-zeigt-sich-wie-radikal-die-partei-bereits-ist_de_5b66ac86e4b0b15abaa40703?y88&amp;utm_hp_ref=de-homepage" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verfallsrhetorik</a> zugute, die medienwirksam vor allem Vertreter der AfD wie Björn Höcke für sich nutzen. Doch auch insgesamt besteht zunehmend die Gefahr, dass die Grundlage des öffentlichen Diskurses immer häufiger auf Kampfworten basiert, die gegen andere Kampfworte stehen, ohne dass eine Einordnung oder Differenzierung stattfindet.</p>
<p>Die öffentliche Auseinandersetzung ist nach wie vor angewiesen auf inhaltliche Substanz, Glaubwürdigkeit und Vielfalt. Deshalb sollten wir bei aller Verkürzung und Emotion, die die Debatte momentan beherrschen, immer wieder auch zurückkehren zu den Ursprüngen, aus denen ein Schlagwort, ein Statement oder auch die Rede entstanden sind. Am Ende kommt es in aller Rhetorik auf die Beziehung an: es bleibt der Gesamtzusammenhang, an dem wir eine Aussage oder ein Argument messen sollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Jeronimo Bernot via<a href="https://unsplash.com/photos/F16YG4WLIvk" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Unsplash</a>, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Auf Social Media durch den Wahlkreis &#8211; Politische Kommunikation im Sommerloch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Aug 2018 09:26:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Das sogenannte Sommerloch trifft nicht nur die Tagespresse und großen Nachrichtenredaktionen im Land, auch in der Politik wird es zu [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/gonard-fluit-unsplash.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-155100" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/gonard-fluit-unsplash-630x276.jpg" alt="gonard-fluit, unsplash" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Das sogenannte Sommerloch trifft nicht nur die Tagespresse und großen Nachrichtenredaktionen im Land, auch in der Politik wird es zu dieser Zeit still, wenn nicht gerade die nächste Wahl vor der Tür steht. Während man in den letzten Wochen so allerhand kuriose Inhalte zu lesen bekam, haben sich einige Landesregierungen, Parteien, Politikerinnen und Politiker ihr eigenes Programm überlegt, um möglichst öffentlichkeitswirksam in Verbindung mit den Bürgerinnen und Bürgern zu treten und den Sommer zu überbrücken.</p>
<p>Viele Politikerinnen und Politiker nutzen diese Zeit für eine Sommertour durchs Land, doch nicht alle halten diese auch gleichermaßen gut auf sozialen Netzwerken fest, um so ein größeres Publikum als nur das vor Ort zu erreichen. Dabei bieten gerade die ruhigeren Sommermonate eine Gelegenheit, um verschiedene neue Kanäle für sich zu entdecken und die eigene Reichweite auszubauen. Es lassen sich einige Beispiele dafür finden, wie zeitgemäße politische Kommunikation aussehen könnte.</p>
<h3> Manuela Schwesig auf Twitter</h3>
<figure id="attachment_155102" aria-describedby="caption-attachment-155102" style="width: 305px" class="wp-caption alignright"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Manuela-Schwesig-Twitter-Sommertour.png"><img decoding="async" class="wp-image-155102 size-medium" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Manuela-Schwesig-Twitter-Sommertour-305x340.png" alt="Manuela Schwesig, Twitter, Sommertour" width="305" height="340" /></a><figcaption id="caption-attachment-155102" class="wp-caption-text">Manuela Schwesig fasst abschließend die Eindrücke ihrer Sommertour auf Twitter zusammen.</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Manuela Schwesig nutzte als Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns u.a. Twitter effektiv dazu, um für das Bundesland Werbung zu machen und natürlich auch selbst medienwirksam aufzutreten. Unter dem Motto „Land zum Leben, Arbeiten und Urlaub“ besuchte sie dabei Unternehmen, soziale Einrichtungen, Kulturorte und Feste und hielt ihre Besuche sowohl in Bilderstrecken, als auch in kurzen Videobeiträgen fest. Mehrmals täglich gab es auf ihrem offiziellen Account Beiträge zu sehen. So lassen sich gleichzeitig das zu regierende Bundesland als auch die eigene politische Arbeit aufwerten und überhaupt erstmal genauer vorstellen. Obwohl auch die breiten Medien und Zeitungen über die Sommertour Schwesigs berichten, nutzt sie ebenso das Potential ihrer eigenen Kanäle für sich. Das ermöglicht nicht zuletzt eine unmittelbare Rückmeldung der Nutzer und potentiellen Wähler auf Twitter, mit denen die Ministerpräsidentin und ihr Team in einen direkten Austausch treten können.</p>
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<h3>Europatour auf Facebook</h3>
<figure id="attachment_155104" aria-describedby="caption-attachment-155104" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Arne-Lietz-Facebook2.png"><img decoding="async" class="wp-image-155104 size-medium" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Arne-Lietz-Facebook2-305x271.png" alt="Arne Lietz, Facebook2" width="305" height="271" /></a><figcaption id="caption-attachment-155104" class="wp-caption-text">Arne Lietz hält seine Europatour auf Facebook fest.</figcaption></figure>
<p>Doch auch weniger bekannte Politikerinnen und Politiker können diese Möglichkeiten für sich nutzen. Unterwegs auf „Europa-Sommertour“ durch Sachsen-Anhalt ist Arne-Lietz, SPD-Abgeordneter des Europäischen Parlaments für Sachsen-Anhalt. Auch ihn kann man z.B. auf Facebook ausführlich dabei verfolgen, wie er Vereine, Verbände und Unternehmen besucht. Selbsterklärtes Ziel ist es dabei, „zu zeigen, wie Europa in Sachsen-Anhalt wirkt, aber auch zu hören, was die Menschen vor Ort über Europapolitik denken.“  Zu jedem Tag gibt es dabei neben separaten Beiträgen mit Bildern zu den einzelnen Stationen kurze Zusammenfassungen im Videoformat mit Voiceover des Politikers.</p>
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<h3>Praktikumstour im Storyformat auf Instagram</h3>
<p>Sowohl in Sozialen Netzwerken als auch in der Bild-Zeitung gelobt wird Nikolas Löbel für seine zeitgemäße politische Kommunikation auf Instagram. Der CDU-Politiker ist Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Mannheim und nutzte die Sommerpause im Bundestag für eine kurze Praktikumstour. Ab dem 14. August besuchte er so sechs verschiedene Unternehmen und Einrichtungen in Mannheim. Ob als Bauarbeiter, Altenpfleger oder Reinigungskraft – Löbel dokumentierte seine Eindrücke täglich vor allem mit der Storyfunktion, die Instagram bietet. Entweder als kurze Einblicke, die ihn während der Arbeit zeigen oder in Form von Videos, um Gedanken festzuhalten und am Ende eines Praktikumtages zu resümieren. Die gesamte Tour lässt sich jetzt in einer zusammengestellten Story auf dem Instagram-Account des Politikers nachschauen. Löbel nutzte für dieses Format ebenfalls Facebook und WhatsApp.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Nikolas-Löbel-Instagram2.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-155106" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Nikolas-Löbel-Instagram2-305x612.png" alt="Nikolas Löbel, Instagram2" width="305" height="612" /></a><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Nikolas-Löbel-Instagram5.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155107" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Nikolas-Löbel-Instagram5-305x608.png" alt="Nikolas Löbel, Instagram5" width="307" height="612" /></a></p>
<h3>Durch Livestreams Verbindung zwischen analog und digital schaffen</h3>
<p>Die Arbeit vor Ort und die Kommunikation im Netz ebenfalls geschickt kombiniert hat die FDP Niedersachsen. Landesvorsitzender Stefan Birkner und Generalsekretär Konstantin Kuhle reisen noch bis Anfang September durch Niedersachsen. Unter dem Motto „Willkommen auf dem neuen Weg“ stehen dabei vor allem die Erwartungen von Neu- und Altmitgliedern aber auch Interessierten im Vordergrund. Man möchte an einer Neuausrichtung der Partei arbeiten, den Weg der Partei und die programmatische Parteiarbeit diskutieren und kommunizieren. Dabei ebenfalls zentral sind moderne Parteiarbeit und das neue Schwerpunktthema „New Work“. Deshalb ist es naheliegend, als Teil der Sommertour auch ein Onlineangebot für diejenigen zu schaffen, die an den Terminen vor Ort nicht teilnehmen können.</p>
<figure id="attachment_155108" aria-describedby="caption-attachment-155108" style="width: 630px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/FDP-Niedersachen-Livestream.png"><img decoding="async" class="wp-image-155108 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/FDP-Niedersachen-Livestream-630x285.png" alt="FDP Niedersachen, Livestream" width="630" height="285" /></a><figcaption id="caption-attachment-155108" class="wp-caption-text">Stefan Birkner und Konstantin Kuhle beantworten im Rahmen ihrer Sommertour der FDP Niedersachsen Fragen im Livestream.</figcaption></figure>
<p>In einem einstündigen Livestream konnten Zuschauende so Fragen zur Parteiarbeit stellen und eigene Anregungen für die zukünftige Ausrichtung einbringen. Und vor allem: in direkten Kontakt mit Birkner und Kuhle kommen. Dabei bezogen sich beide immer wieder auch auf Gespräche und Erfahrungen vor Ort, die sie bereits den Sommer über gesammelt haben. Das alles passt zu dem Ziel, bei moderner Parteiarbeit stärker auf Online-Medien zurückgreifen und Landesfachausschüsse auch mal online tagen lassen, um so flexibler und effektiver arbeiten zu können. Für die FDP Niedersachsen bietet der Sommer damit die Zeit und Möglichkeit, am Strategieprozess zu arbeiten, neue Anregungen zu sammeln und verschiedene Formate auszuprobieren.</p>
<h3>Regierungskommunikation auf Twitter</h3>
<figure id="attachment_155109" aria-describedby="caption-attachment-155109" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Landesregierung-BW-RegSommerBW.png"><img decoding="async" class="wp-image-155109 size-medium" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Landesregierung-BW-RegSommerBW-305x305.png" alt="Landesregierung BW, #RegSommerBW" width="305" height="305" /></a><figcaption id="caption-attachment-155109" class="wp-caption-text">Unter dem Hashtag #RegSommerBW wird Sozialminister Manne Lucha auf Twitter bei seiner Arbeit für die Landesregierung vor Ort begleitet.</figcaption></figure>
<p>Aber auch ganze Landesregierungen kommunizieren ihr Wirken im Sommerloch und suchen Bürgerkontakt. Unter dem Hashtag #RegSommerBW startete zum Beispiel die Landesregierung Baden-Württembergs am 31. Juli auf Twitter eine kurze Sommerreihe, die sowohl Ministerinnen und Minister, als auch Staatssekretärinnen und Staatssekretäre bei ihrer Arbeit begleitet. Bisher zu sehen waren u.a. Katrin Schütz, Staatssekretärin für Wirtschaft, Arbeit, und Wohnungsbau bei ihrer Digitalisierungs- und Ausbildungsreise durch BW oder auch Umweltminister Franz Untersteller bei seiner Sommertour „Vitale Gewässer“. Die einzelnen Beiträge liefern dabei, bedingt natürlich auch durch die sehr begrenzte Zeichenanzahl auf Twitter, nur einen kleinen inhaltlichen Einblick in die einzelnen Stationen. Der Fokus liegt mehr darauf, die Arbeit der Regierung und der einzelnen Ministerinnen und Minister zu kommunizieren und nach außen zu tragen, aber auch verschiedene Initiativen des Landes vorzustellen. So lassen sich auch Politikerinnen und Politikern der Landesregierung miteinbinden, die selbst noch keine eigenen Social-Media Accounts besitzen oder mit deutlich weniger Followern eine geringere Reichweite haben.</p>
<h3>Chancen auch fernab von Wahlkampfzeiten nutzen</h3>
<p>Ob Ministerpräsidentin, Partei oder Landesregierung – für sie alle bieten Instagram, Facebook &amp; Co viele Möglichkeiten, um mit potentiellen Wählerinnen und Wählern und Interessierten in Kontakt zu treten. Oft bleiben diese aber bisher noch ungenutzt oder weit unter ihrem Potential. Und das, obwohl sich zeigt, dass solche Aktionen wie die Sommertouren auf Social-Media überhaupt erst wahrgenommen werden und gut ankommen: viele loben die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern, um die sich auf diesem Wege bemüht wird. Dass eine intensivere und glaubwürdige Nutzung der Sozialen Plattformen auch die breiten Medien aufmerksam werden lässt und sich so erst Recht lohnt, zeigt sich am Beispiel von Nikolas Löbel. Dabei geht es nicht nur allein um Klickzahlen und darum, möglichst viele neue Nutzer zu generieren, sondern Inhalt und Authentizität sind entscheidend. So gelingt es kleinere, aber relevantere Gruppen anzusprechen und bei der (potentiellen) Wählerschaft Vertrauen zu schaffen. Etwas, worauf alle Politikerinnen und Politiker langfristig angewiesen sind. Auch wenn es mehr Zeit und Aufwand erfordert, lohnt sich moderne politische Kommunikation, die den Menschen nicht nur in Wahlkampfphasen zeigt, dass man sich für sie interessiert.</p>
<p>Titelbild: Gonard Fluit via<a href="https://unsplash.com/photos/29oO_Fj56Lg"> Unsplash</a>, <a class="external" href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet</p>
<p>Bilder im Text: Screenshot Twitter Manuela Schwesig, Screenshot Facebook Arne Lietz, Screenshots Instagram Nikolas Löbel, Screenshot Facebook FDP Niedersachsen, Screenshot Twitter Landesregierung BW</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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			</item>
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		<title>„Hass kann man nicht mit Hass bekämpfen.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/hate-speech-interview-das-nettz-154850/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lea Herrmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jul 2018 08:50:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Hassrede]]></category>
		<category><![CDATA[verbale Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Anfeindungen, Beleidigungen oder Drohungen – das Internet reduziert die Hemmschwelle für den Ausdruck von verbaler Gewalt und bietet gleichzeitig eine Plattform [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das-Nettz.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-154863 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das-Nettz.png" alt="Smartphone mit DAS NETTZ Logo, JEESHOTScom via pixabay, (CC0); ©Logo DAS NETTZ, bearbeitet." width="640" height="350" /></a>Anfeindungen, Beleidigungen oder Drohungen – das Internet reduziert die Hemmschwelle für den Ausdruck von verbaler Gewalt und bietet gleichzeitig eine Plattform für anonymisierten Hass. In den letzten Jahren hat sich das Phänomen der sogenannten „Hate Speech“ auf diversen Online-Plattformen vermehrt ausgebreitet. Im Interview mit politik-digital.de sprechen Hanna Gleiß und Nadine Brömme aus dem Projektteam von DAS NETTZ über diese Entwicklung und erklären, wie ihr aktiv begegnet werden kann.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das-NETTZ-hanna-und-nadine-klein1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-thumbnail wp-image-154858" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das-NETTZ-hanna-und-nadine-klein1-195x119.jpg" alt="Das-NETTZ-hanna-und-nadine-klein" width="195" height="119" /></a></p>
<p>Hanna Gleiß und Nadine Brömme bauen seit Herbst 2017 gemeinsam Das NETTZ &#8211; Die Vernetzungsstelle gegen Hate Speech des betterplace labs auf. Hanna Gleiß hat Politikwissenschaft in Berlin und Internationale Beziehungen in Paris studiert und acht Jahre als Projektmanagerin im Bereich Völkerverständigung bei der Robert-Bosch-Stiftung gearbeitet. Nadine Brömme beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit digitaler Kommunikation &#8211; zunächst als Analystin, später als Strategin bei der Digitalagentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr. Ihr besonderes Interesse gilt dem Einfluss der Digitalisierung auf den gesellschaftlichen Diskurs.</p>
<p></div></div>
<h3>politik-digital.de: DAS NETTZ gründete sich 2017 mit dem Ziel, gegen &#8220;Hate Speech&#8221; im Internet vorzugehen. Was genau versteht man unter &#8220;Hate Speech&#8221; und wie hat sich das Phänomen in den letzten Jahren verändert?</h3>
<p>Der Begriff Hate Speech (auf Deutsch Hassrede) ist relativ neu und es gibt keine von allen akzeptierte Definition, es ist auch kein eigener juristischer Tatbestand. Häufig damit gemeint sind die Tatbestände Volksverhetzung oder Beleidigung. Eine gängige und auch von uns benutzte Definition ist der Ausdruck von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Das bedeutet, dass jemand beleidigt oder bedroht wird, weil er/sie mit einer bestimmten Gruppe identifiziert wird, z.B. eine Kopftuchträgerin. Auch Menschen, die sich für bestimmte Themen engagieren, wie z.B. Rechte für Frauen oder Geflüchtete, sind häufig Opfer von Hassrede. Es scheint, dass Hassrede in Deutschland in den letzten 2 bis 3 Jahren zugenommen hat.</p>
<h3>politik-digital.de: DAS NETTZ soll als Vernetzungsstelle gegen Hate Speech fungieren. Wie findet diese Vernetzung statt und welche anderen Angebote bietet DAS NETTZ?</h3>
<p>Wir haben verschiedene analoge Vernetzungsformate ins Leben gerufen: Unser monatlicher Stammtisch in Berlin (Termine erfahrt ihr in unserem Newsletter und auf unserer Facebook-Seite), unser jährliches <a href="https://www.das-nettz.de/unser-community-event-geht-die-naechste-runde-13-140918" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Community Event</a> vom 13.-14.09.18 sowie weitere thematische Events im Verlauf des Jahres. Eine digitale Vernetzung ermöglichen wir über einen Slack-Kanal. <a href="https://www.das-nettz.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Auf unserer Website</a> bündeln wir Wissen zum Thema Hate Speech: wissenschaftliche Publikationen sowie praktische Arbeitsmaterialien für den konkreten Umgang. Außerdem stellen wir verschiedene Initiativen und ihre Ansätze vor und machen sie so sichtbarer. Wir möchten einen Erfahrungsaustausch untereinander ermöglichen. Wir glauben, dass so alle voneinander lernen können und ihre wichtige Arbeit wirkungsvoller ausüben können. Auch mit MitarbeiterInnen von IT-Plattformen, politischen EntscheidungsträgerInnen und Medienschaffenden tauschen wir uns aus und möchten Bedarfe aus der Zivilgesellschaft weitertragen, um damit langfristig zu verbesserten Rahmenbedingungen für Engagierte beizutragen. Im Juni haben wir unseren ersten &#8220;Hack Day for Good&#8221; ins Leben gerufen, um gemeinsam mit AktivistInnen, AnalystInnen und EntwicklerInnen Lösungen auf einer technischen Ebene zu überlegen. Daraus sind organisationsübergreifend tolle Ideen für erste Prototypen entstanden, die wir demnächst veröffentlichen. Ab sofort ist auch unser jährlicher <a href="https://www.das-nettz.de/foerderwettbewerb" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Förderwettbewerb</a> (Anmeldungen bis zum 25.08.) ausgeschrieben, bei dem wir insgesamt 20.000 Euro an kleinere Projekte weiterreichen.</p>
<h3>politik-digital.de: Damit knüpft die Initiative an die Frage an, wie mit Hass im Netz umgegangen werden soll. Ignorieren, melden oder ausdiskutieren &#8211; viele Betroffenen sind zu Beginn zunächst verunsichert, wie sie auf Hate Speech reagieren sollen. Welche Reaktion empfehlen Sie?</h3>
<p>Sicher gibt es nicht die eine Lösung, da die jeweiligen Situationen sehr komplex und auch unterschiedlich sind. Das heißt, in den meisten Fällen empfiehlt sich eine Mischung unterschiedlicher Maßnahmen. Menschenfeindliche Angriffe, Drohungen und Aufrufe zur Gewalt sollten in jedem Fall gemeldet und auch zur Anzeige gebracht werden. Beleidigungen können je nach Situation und Fülle auch mal ignoriert werden &#8211; vor allem dann, wenn deutlich ist, dass der/die AbsenderIn nicht an einer konstruktiven Diskussion interessiert ist. Diskutieren sollte man mit jenen, die an einer Debatte interessiert sind. Natürlich ist es völlig menschlich, frustriert zu sein und manchmal muss das raus, aber eben in Form eines respektvollen Miteinanders. Bei solchen sachlichen Diskussionen leistet z.B. die Gegenrede-Community <a href="https://www.facebook.com/groups/718574178311688/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#ichbinhier</a> auf Facebook wertvolle Arbeit. Wenn man selbst sehr stark betroffen ist, sollte man sich unbedingt Hilfe holen, z.B. beim Projekt <a href="https://hateaid.me/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Hate Aid&#8221;</a> von Fearless Democracy.</p>
<h3>politik-digital.de: Die <a href="https://www.ardmediathek.de/tv/funk/L%C3%B6sch-Dich-So-organisiert-ist-der-Hass-/funk/Video?bcastId=51955908&amp;documentId=51935246" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ARD Dokumentation &#8220;Lösch dich!&#8221;</a> zeigt, wie organisierte Communities online gezielt Hass verbreiten. Dabei ist eine sehr kleine Minderheit von Userinnen und Usern online überproportional sichtbar. Angenommen es steckt wirklich eine geringe Zahl an realen Personen hinter dem gezielt verbreiteten Hass im Netz &#8211; wie konstruktiv kann ein Dialog mit diesen Personen dann überhaupt werden?</h3>
<p>Bei extremen Meinungen und radikalisierten VertreterInnen dieser Anschauungen ist (Online-)Dialog oder auch Gegenrede sicher nur begrenzt wirkungsvoll. Hier ist pädagogische Expertise gefragt, um die Ursachen der Radikalisierung zu bekämpfen. Die Bereitschaft zum Dialog und auch ein Vertrauensverhältnis sind im Digitalen große Herausforderungen. Dennoch gibt es Organisationen wie das <a href="http://www.violence-prevention-network.de/de/?gclid=EAIaIQobChMIu5LDiNqR3AIVTdwZCh37BQc7EAAYASAAEgK9L_D_BwE" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Violence Prevention Network</a>, die wichtige pädagogische Arbeit leisten und dies auch zunehmend in den digitalen Raum übertragen. Bei der organisierten Verbreitung von Hass durch eine Minderheit ist Dialog und Gegenrede dennoch ein wichtiger Ansatz, um vor allem die &#8220;stillen Mitlesenden&#8221; zu erreichen. Es darf sich nicht der Eindruck manifestieren, dass die laute Minderheit einen Großteil der Gesellschaft repräsentiert. Gegenrede soll genau das leisten, um auch politisch Unentschlossene zu erreichen. Falschinformationen und Hass in der Netzöffentlichkeit dürfen wir nicht stehen lassen. Wir alle müssen diese Dialoge führen, um einer Diskursverschiebung gesellschaftlicher Themen entgegenzuwirken.</p>
<h3>politik-digital.de: Mittlerweile organisieren von rechts bis links sich viele Menschen in Gruppen, um gezielt Einfluss auf Diskussionen und Wahrnehmung der Stimmung in der Bevölkerung zu nehmen. Auch das NETTZ dockt hier an. Werden zukünftig immer mehr &#8220;digitale Truppen&#8221; aufeinanderprallen und der individuelle Austausch &#8211; zumindest bei polarisierenden Themen &#8211; auf der Strecke bleiben?</h3>
<p>Gegenrede ist nur ein Teil der Maßnahmen gegen Hassrede. Die Frage ist, warum gibt es diesen Hass in unserer Gesellschaft? Was führt dazu, dass er seit 2-3 Jahren im Netz immer sichtbarer wird? Individueller Austausch und damit die Auseinandersetzung mit den Ursachen ist unbedingt notwendig, um etwas zu verändern. Das ist sicher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht vorrangig bei kleinen zivilgesellschaftlichen Organisationen liegen. Medien, Politik, Wirtschaft und die Zivilgesellschaft müssen hier gemeinsam Lösungen entwickeln. Genau da setzen wir mit unserem Projekt Das NETTZ an. Wir wollen intersektional zusammenarbeiten, um die Rahmenbedingungen zu verändern, sodass die Verbreitung von Hass und Hetze nicht mehr in der Form möglich ist. Was das Auseinanderdriften der Gesellschaft betrifft, sind wir natürlich alle gefragt. Und wie Sie richtig anmerken, ist das Risiko einer weiteren Polarisierung durch die entsprechenden Gegenreaktionen durchaus vorhanden und auch alle Engagierten sollten hier immer wieder selbstkritisch die eigene Wirkung hinterfragen. Hass kann man nicht mit Hass oder Gegenaggression bekämpfen. Vielleicht sind die Kommentarspalten von Facebook, Twitter &amp; Co. auch nicht der richtige Ort, um über Werte zu diskutieren. Wir brauchen eine Weiterentwicklung dieser Angebote um neue Plattformen oder Formate. Das Angebot von <a href="https://www.diskutiermitmir.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Diskutier mit mir e.V.</a>, eines der Gewinnerprojekte unseres letzten Förderwettbewerbs, setzt beispielsweise genau hier an, indem sie Menschen, die politisch möglichst weit voneinander entfernt sind, einen anonymen 1:1 Chat anbieten.</p>
<h3>politik-digital.de: Der Aufbau von parallelen Netzwerken wie Gap, VK oder Minds, in denen rassistische oder hetzerische Posts geduldet werden, steigt. Kann diese Entwicklung als Konsequenz des rigorosen Content-Managements von traditionellen Anbietern wie Facebook und Co. gewertet werden? Wenn ja, wie gelingt der Spagat zwischen Meinungsfreiheit und konstruktiver Debattenkultur in einem Netzwerk, das für alle zugänglich bleibt?</h3>
<p>Es gab schon immer parallele Netzwerke zu Facebook und Co., auf denen sich unterschiedliche Interessengruppen zusammenfinden. Die gegenwärtige Entwicklung von parallelen Netzwerken hat bestimmt teilweise mit dem Content-Management der großen sozialen Plattformen zu tun, die jetzt durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz im Zugzwang sind. Sicher kann man über die Rigorosität ihres Vorgehens aber auch streiten. Viele Betroffene wünschen sich einen konsequenteren Umgang mit menschenfeindlichen Äußerungen. Teilweise werden Gewaltandrohungen nicht entfernt, weil sie nicht gegen die Gemeinschaftsregeln verstoßen. Opfer von Hassrede fühlen sich damit allein gelassen und fordern u.a. personelle Aufstockungen. Einen Spagat zwischen Meinungsfreiheit und konstruktiver Debattenkultur sollte es nicht geben. Es muss aus gesellschaftlicher Sicht vielmehr möglich sein, respektvoll miteinander umzugehen. Das heißt auch, dass Menschenfeindlichkeit einfach nicht geduldet werden darf &#8211; weder auf den größeren Plattformen, noch auf kleineren Netzwerken. Denn das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Es ist unbedingt notwendig, dass wir moralisch argumentieren, dass wir ethische Rahmenbedingungen für unseren Online-Diskurs setzen. Diese ethischen Rahmenbedingungen sollten alle einhalten, die Plattformen im Internet anbieten &#8211; egal wie groß sie sind. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Entsprechend konsequent muss auch vorgegangen werden.</p>
<h3>politik-digital.de: Denken wir fünf Jahre in die Zukunft. Was hätte DAS NETTZ konkret erreicht, um von einer erfolgreichen Umsetzung der Initiative zu sprechen?</h3>
<p>Wir wünschen uns, dass diejenigen, die sich gegen Hass und Hetze im Netz und für ein respektvolles Miteinander engagieren, wesentlich stärker wahrgenommen werden als aktuell und dass sie ihre Arbeit wirkungsvoll machen können. Wenn wir dazu beigetragen haben, dass die Initiativen gegen Hate Speech alle miteinander vernetzt sind, sich rege austauschen über ihre Herausforderungen und Erfolge und voneinander lernen, dann sind wir einen großen Schritt weiter. Wenn wir es darüber hinaus schaffen, dass seitens der Politik, Justiz, Medien und Polizei entsprechende Rahmenbedingungen und der Diskurs verändert wird, dann kommen wir dem Ziel näher. Wenn all das zur Eindämmung von menschenfeindlichen Kommentaren und Handlungen führt und wir von einer positiven Debattenkultur sprechen können, dann haben wir unser Ziel erreicht.</p>
<p>Titelbild: JEESHOTScom via <a href="https://pixabay.com/de/iphone-smartphone-anwendungen-410324/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a> (<a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>); ©Logo DAS NETTZ, bearbeitet.</p>
<p>Bild der Interviewpartnerinnen: ©betterplacelab.org</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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			</item>
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		<title>The Cleaners (2018)</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/rezension-the-cleaners-2018-154589/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja Hellmys]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 May 2018 10:52:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Content-Moderation]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn niemand etwas sieht, was tatsächlich allgegenwertig ist, dann ist das das Werk der Content-Moderatoren. Die Dokumentation THE CLEANERS geht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/The-Cleaners.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-154590" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/The-Cleaners.jpg" alt="The Cleaners" width="640" height="280" /></a>Wenn niemand etwas sieht, was tatsächlich allgegenwertig ist, dann ist das das Werk der Content-Moderatoren. Die Dokumentation THE CLEANERS geht gegen das Ignorieren an und schafft dabei vor allem eins: Erschrecken und Desillusion vor einer doppelbödigen Gesellschaft.</p>
<h3>Ich sehe was, was du nicht siehst&#8230;</h3>
<p>Im Jahr 2014 veröffentlichte der Islamische Staat ein Video, in welchem die Enthauptung des US-amerikanischen Journalisten James Wright Foley gezeigt wird. Es handelt sich nicht um das einzige Video, das gezielt der strategischen Zermürbung dient. Es steht aber auch exemplarisch für alle jene Bilder, die den Blick des Voyeurs auf sich ziehen und zugleich der sozialen Selektion unterliegen. Videos der eskalierenden Gewalt, der übermäßigen Sexualisierung, Bilder des Missbrauchs von Kindern oder Erwachsenen sowie der Tierquälerei verbreiten sich jedoch sekündlich viral über alle sozialen Netzwerke. Den Schutz vor solchen Videos bieten sogenannte Content-Moderatoren, deren Alltag in der Filterung sozialer Netzwerke vor derartigen Bildern besteht.</p>
<p>Dieser Alltag der Content-Moderatoren, die Konfrontation mit den abstoßenden Seiten der Gesellschaft, arbeitet der Film THE CLEANERS (2018) auf. Die Dokumentation der Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck widmet sich der Arbeit und bildet dabei fast beiläufig und zugleich zentral die Schrecken der Gesellschaft ab, die sich hinter den sichtbaren Seiten der sozialen Plattformen verbergen.</p>
<h3>Faszination und Schrecken des Bösen: „Es war ein Mädchen, etwa sechs Jahre alt –&#8230;“</h3>
<p>Der Film begleitete fünf Content-Moderatoren in Manila (Philippinen). Es handelt sich um den weltweit größten Outsourcing-Standort für Content Moderation. Hier arbeiten die Mitarbeiter zehn Stunden täglich an der Filterung digitaler Inhalte. Der Film bildet deren Alltag ab. Es wird selbst nichts kommentiert, sondern deren Kommentar collagenhaft zusammengestellt. Dabei sind es zwei Seiten, die der Film aufarbeitet: Das Böse, dass seit jeher fasziniert und das sich in jedem Teil des gesellschaftlichen Korpus bewegt. Wie viele freiwillige Zuschauer gab es bei der Hinrichtung Foleys, aus Faszination und Schrecken?<br />
Dem steht jedoch der Einblick in das Leben der Mensch entgegen, die sich diesem Schrecken in ihrer alltäglichen Arbeit aussetzen. Vor diesem Hintergrund verliert das Böse seine Faszination und das, was übrig bleibt, ist die bittere Erkenntnis einer kaputten Gesellschaft. Der persönlichen Überforderung, dem Erschrecken und der Abneigung gegen die Inhalte dieser Bilder steht nur der lapidare Verweis auf den Arbeitsvertrag entgegen. Hierin offenbart sich die Absurdität des sauberen Netzwerkes 2.0.</p>
<h3>Die Digitale Müllabfuhr: Der Alltag der Content-Moderatoren</h3>
<p>Content-Moderatoren werden zum Synonym der digitalen Abfallbehälter, deren tägliche Arbeit in der Beseitigung des sozialen Mülls besteht. Was geschieht jedoch, wenn der Arbeitsalltag sein Ende nimmt? Diejenigen, welche die Gesellschaft von diesem digitalen Abfall befreien, sind ihm selbst schutzlos ausgeliefert. Die langsame Verzweiflung, die sich breit macht, wenn jeder Tag davon erfüllt ist, das zu sehen, was offiziell niemand sehen soll. Das wachsende Misstrauen gegenüber dem Umfeld und das zermürbende Gefühl, dem schutzlos ausgeliefert zu sein. Psychologische Betreuung ist in diesem Umfeld eher die Ausnahme als die Regel.</p>
<p>Auch aus diesem Grund bildet der Film nicht nur deskriptiv den Alltag von Menschen ab, die sich mit jenen dunklen Seiten der Gesellschaft befassen müssen. Es ist vor allem der Schrecken, der sich durch die Doku zieht: THE CLEANERS legt die Seiten der Gesellschaft frei, die aus dem alltäglichen Diskurs ausgeschlossen worden sind. Es handelt sich um die zensierte Wahrheit, oder das, was von ihr übrig bleibt. Unter dem Ausschluss dieser Schattenseiten, kann sich der Einzelne weiterhin der perfekten Illusion des sozialen Netzwerks hingeben. Den Schatten ausblendend, bleibt das Licht der lebendigen Konstruktion einer makellosen Identität der Generation X. Der Film zeigt die bittere Wahrheit, das Internet als Pool derjenigen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. In der Anonymität der globalen Netzwerke leben Wahnsinnige, Gewalttäter, Rassisten und andere Stehengebliebene auf. THE CLEANERS zeigt in verstörender Weise, dass dieses Verschwinden das Resultat der menschlichen Zensur ist.</p>
<p>Der Film lässt den Zuschauer in diese Maschinerie der Zensur eintauchen. Es ist die Faszination des Bösen, die jedoch nur solange besteht, bis die Einsicht folgt, die Realität vor sich zu haben. Es handelt sich um die verborgenen Seiten der Gesellschaft, deren sie sich selbst entledigen will. Es bleibt das bedrückende Bild dieser Gesellschaft zurück, die sich selbst noch nicht verstanden hat. Die Arbeit an dem Symptom lässt die Ursache nicht verschwinden: Kaputt.</p>
<p>Titelbild: © THE CLEANERS, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Der Social Bot und der Mensch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Mar 2017 11:43:44 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
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					<description><![CDATA[Prominente nutzen sie, genauso wie Staaten und Interessengruppen, um sich besser darzustellen und Arbeit zu sparen: Social Bots. Ein Überblick [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/robots-764951_640.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-151623" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/robots-764951_640.png" alt="Titelbild: Robots by alluregraphicdesign via pixabay CC0 Public Domain" width="640" height="320" /></a>Prominente nutzen sie, genauso wie Staaten und Interessengruppen, um sich besser darzustellen und Arbeit zu sparen: Social Bots. Ein Überblick über die aktuellen Einsatzmöglichkeiten der automatisierten Programme, mögliche Gegenmaßnahmen und das moralische Dilemma der Transparenz.</p>
<p>Elon Musk hat einen, der damalige US-Präsident Barack Obama ebenfalls, genauso wie die Musiker Justin Bieber und 50Cent. Und jetzt gehört auch der Heilige Vater Papst Franziskus dazu. Was alle diese Personen eint: Sie haben einen Social Bot, der für sie mit den Menschen per Facebook-Messenger kommuniziert. Der <a href="http://venturebeat.com/2017/01/06/pope-francis-has-a-facebook-messenger-bot-and-its-kind-of-funny/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„MissioBot“</a> beispielsweise erzählt mit Emojis und GIFs die Geschichten gemeinnütziger kirchlicher Projekte. Am Ende der Konversation wird der Nutzer dazu aufgefordert, einen kleinen Betrag zu spenden oder die Geschichte weiter zu erzählen.</p>
<p>Diese Chatbots stellen einen Wandel in Facebooks Handhabung mit Social Bots dar. Wurden die automatisiert arbeitenden Programme, von denen sich einige als menschliche Nutzer ausgeben, noch bis Mitte 2016 konsequent aus dem sozialen Netzwerk ausgesperrt, öffnet sich die Plattform jetzt. Die Bots können von Firmen oder eben prominenten Persönlichkeiten betrieben werden und übernehmen dann die <a href="https://www.technologyreview.com/s/601251/facebook-wants-you-to-chat-with-business-bots/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kommunikation auf deren Facebookseiten</a>. Social Bots, die unerlaubt Fake-Profile betreiben, bleiben weiterhin unerwünscht. Die Zahl der Bots im Internet steigt dabei stetig an. <a href="https://www.theatlantic.com/technology/archive/2017/01/bots-bots-bots/515043/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Neueste Schätzungen</a> gehen davon aus, dass 2016 erstmals mehr als die Hälfte des weltweiten Traffics im Internet nicht mehr vom Menschen generiert wurde, sondern von automatisierten Programmen verschiedenster Couleur.</p>
<p>Welche Reichweite Social Bots generieren, zeigen zwei Großereignisse der vergangenen Monate. Im Juni 2016 konnten Forscher der Universität Oxford <a href="https://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/1606/1606.06356.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nachweisen</a>, dass insgesamt bis zu 30 Prozent der Posts auf Twitter zum Referendum von Social Bots erstellt wurden. Dabei bedienten sich beide des Hilfsmittels der automatisiert arbeitenden Accounts. Ein Prozent der beteiligten Accounts sorgte für ein Drittel der Tweets. Bots, die #Brexit oder #StrongerIn posteten, hielten sich dabei etwa die Waage. Im Verhalten der Bots zeigte sich jedoch ein Anpassen des Verhaltens an die gegebene Diskussionsumgebung.</p>
<h3>Pro-Trump – Pro-Clinton: 5:1</h3>
<p>Ein starkes Ungleichgewicht zeigte sich im Vorfeld der US-Wahl. Besonders während der drei <a href="http://politicalbots.org/wp-content/uploads/2016/11/Data-Memo-US-Election.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Debatten der Präsidentschaftskandidaten</a> waren die Social Bots für beide Seiten aktiv und machten zeitweise bis zu 30 Prozent der Nachrichten auf Twitter zu diesem Thema aus. Während des Wahlkampfes zeigte sich jedoch ein starkes <a href="http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/7090/5653" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ungleichgewicht</a> zu Gunsten Donald Trumps, das stetig wuchs, je näher die Wahl rückte. Kurz vor der Wahl übertrafen die Pro-Trump-Tweets die Pro-Clinton-Tweets im Verhältnis 5:1. Bereits durch die große Anzahl an veröffentlichten Tweets zeigt sich, dass Social Bots die Macht besitzen, aktuelle Diskussionen gehörig zu stören. Gegebenenfalls verschwinden andere Meinungen in einer Flut von Nachrichten, indem die gegnerischen Hashtags „gekapert“ werden.</p>
<p>Social Bots sind schon lange keine simplen Link-Spammer oder einfache Informationsposter mehr. Netzwerke von Bots können unbemerkt politische Meinungen in die laufende Diskussion einstreuen, wie ein Vorfall während der <a href="http://www.aaai.org/ocs/index.php/ICWSM/ICWSM16/paper/viewFile/13015/12793" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Maidan-Demonstrationen</a> in der Ukraine 2014 zeigt. Auf Twitter verbreiteten tausende Social Bots während der Proteste ihre Botschaften. Ihre Aktivitätszyklen ähnelten denen von menschlichen Nutzern. Der Großteil der Posts enthielt jedoch eher unpolitische Inhalte: von Links zu Nachrichtenseiten, über sexistische Witze bis hin zu Links zu wahrscheinlich illegalen Downloadseiten für Filme. Durch dieses menschliche Verhalten erhöhten die Bots ihre menschliche Followerzahl, nur um ab und zu politische Tweets mit positiven Äußerungen über den „Rechten Sektor“ – einer rechtsextremen Gruppierung auf dem Maidan – zu posten.</p>
<p>Es zeigt sich, dass Social Bots immer komplexer in ihrem Verhalten werden. Während die Politik noch über den richtigen Umgang damit diskutiert, halten sich die sozialen Netzwerke bedeckt, wie sie mit diesem Phänomen umgehen (wollen). Die Anfälligkeit der Netzwerke hängt einerseits von der Struktur der Plattformen ab. Während es bei Facebook der Bestätigung einer Freundschaftsanfrage bedarf, erfolgt die Kontaktaufnahme beispielsweise bei Twitter lediglich über Follower-Modell. Auch mag der Anschein entstehen, dass Social Bots überwiegend zu negativen Aufgaben herangezogen werden.  Wobei die Diskussion über gut und böse Immer sartk vom Blickwinkel abhängt.</p>
<h3>Gegenmaßnahmen befinden sich noch in den Kinderschuhen</h3>
<p>Die Forschung zum Erkennen von Social Bots steht derzeit noch am Anfang. Die Modelle basieren auf <a href="http://cacm.acm.org/magazines/2016/7/204021-the-rise-of-social-bots/fulltext" target="_blank" rel="noopener noreferrer">drei Grundsystemen</a>. Das erste baut auf die Fähigkeit von ausgebildeten Menschen, Bot-Accounts von Menschen zu unterscheiden. Dabei hängt die Erfolgsquote von den sozialen Netzwerken ab. Bei Twitter beispielsweise bieten die Profile weniger Anhaltspunkte, die Rückschlüsse auf die Echtheit des Nutzers zulassen. Andererseits bedarf es meist eines Teams, um kritische Fälle zu besprechen. Damit ist es sehr teuer für die Netzwerke. Der zweite Ansatz beruht auf der Annahme, dass Menschen nur mit bekannten Nutzern interagieren. Diese Annahme konnte für viele Netzwerke und Beispiele entkräftet werden und gilt damit als unzuverlässig. Die dritte Systematik arbeitet mit selbstlernenden Algorithmen, wie beispielsweise das Projekt <a href="http://www.wiwi.uni-siegen.de/is/forschung/laufendeprojekte/somefo.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Social Media Forensics</a> der Universität Siegen. Ein Ansatz, der auch die Social Bots des Rechten Sektors auf dem Maidan enttarnte, erfolgte über die Analyse der Profilbilder, dem eine Textanalyse vorausging. Die vergleichsweise hohe Erfolgsquote des Projekts: über 80 Prozent erkannte Bots.</p>
<h3>Moralisches Dilemma: Transparenz</h3>
<p>Nun mag man sagen, dass 80 Prozent doch ein gutes Ergebnis sind. Nur stellt sich die Frage: Was passiert mit den fast 20 Prozent echter menschlicher Nutzer, die fälschlicherweise als Social Bot gekennzeichnet oder verbannt wurden? Der Nutzer weiß nun nicht, was er gemacht hat, um als Bot erkannt und aussortiert zu werden. Das moralische Dilemma entspinnt sich am Grad der Transparenz. Legen die Plattformen und Entwickler der Bot-Erkennungsprogramme offen, nach welchen Kriterien sie Social Bots suchen, können echte Menschen entsprechend erkennen, welches Verhalten zur Kennzeichnung führte. Andererseits können die Entwickler der Bots diese entsprechend anpassen und die Erkennungsprogramme müssen eine neue, zusätzliche Generation von Social Bots ausfindig machen. Ein theoretisches, aber nicht allzu weit entferntes Problem, das alle sozialen Netzwerke und Entwickler in ihren Bestreben berücksichtigen sollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/en/robots-computers-bots-character-764951/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Robots by alluregraphicdesign</a> via pixabay, licensed <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain </a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-630x110.png" alt="cc-lizenz-630x11011" width="453" height="79" /></a></p>
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		<title>Fake News im Wahlkampf: Überschätzte Gefahr?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sam van Wijk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Feb 2017 11:59:07 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Wahljahr 2017]]></category>
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					<description><![CDATA[Sie sorgen für Verwirrung in der Öffentlichkeit, sind derzeit überall im Gespräch und wurden zum Anglizismus des Jahres 2016 gewählt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/truth-166853_960_720bearbeitet.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-151302" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/truth-166853_960_720bearbeitet.jpg" alt="fake news im wahlkamp poldi" width="640" height="280" /></a>Sie sorgen für Verwirrung in der Öffentlichkeit, sind derzeit überall im Gespräch und wurden zum Anglizismus des Jahres 2016 gewählt. Die Rede ist von: &#8220;Fake News&#8221;. Spätestens durch den U.S Wahlkampf wurden ihnen eine bedeutende, vielleicht sogar die entscheidende Rolle zugewiesen. Was ist dran an dem Einfluss von Falschmeldungen und was bedeutet das für das Wahljahr 2017 in Deutschland?</p>
<p><b>Fake-what? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400">Nicht nur gefälschte Nachrichten und bewusst platzierte Lügen, sondern auch fehlerhafte Aussagen und zugespitzte Nachrichten, die den Webtraffic in die Höhe schnellen lassen sollen, fallen unter den Begriff Fake News. Seit diesem Jahr und vor allem seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, wird in vielen Bereichen über Fake News und deren Relevanz diskutiert. Allerdings sind hier die bewusst platzierten Lügen und Provokationen das Hauptproblem. Die entscheidende Frage dabei: inwiefern lassen sich die Gesellschaft und insbesondere die WählerInnen durch falsche Nachrichten beeinflussen? </span></p>
<p><b>Fake News im US-Wahlkampf </b></p>
<p><span style="font-weight: 400">Donald Trump wurde am 20. Januar in das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika eingeführt. Während des Wahlkampfes kam es immer wieder zu Verwirrungen über den Wahrheitsgehalt von Nachrichten. So ging die Nachricht um, Hillary Clinton hätte Waffen an den IS liefern lassen und der Papst würde Donald Trump unterstützen. Auch wurde behauptet, Hillary Clinton würde einen Kinderschänderring betreiben, organisiert in einer Pizzeria. Diese Falschmeldung wurde sehr langsam aufgebaut und nach und nach mit Details ausgeschmückt, sodass sie immer glaubwürdiger erschien und tatsächlich immer mehr Menschen diese Nachricht für eine wahre Begebenheit hielten. Auch wenn die Meldung weiterhin von vielen Seiten angezweifelt wurde, entstand dennoch ein Imageschaden für Hillary Clinton. Aber wurde auch das Wahlergebnis entscheidend durch die Verbreitung solcher bewusst platzierter Falschmeldungen beeinflusst? Fake News lassen sich am besten auf Seiten von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter platzieren, da sie sich dort erstmal größtenteils ungehindert und unkontrolliert verbreiten und innerhalb kürzester Zeit eine große Anzahl an Menschen erreichen können. Vor allem jüngere Menschen nutzen Soziale Netzwerke als potentielle Informationsquelle für politische Inhalte.</span></p>
<p><b>Bundestagswahl 2017 Deutschland</b></p>
<p><span style="font-weight: 400">Im Herbst diesen Jahres steht die Bundestagswahl in Deutschland an. Nach der US-Wahl und dem diskutierten Einfluss von Fake News, wird auch in Deutschland immer mehr über eine mögliche manipulative Wirkung diskutiert. Im Wahlkampf wird das Thema unausweichlich sein und so fordert die SPD jetzt schon eine Anti-Fake-News Kampagne, die CDU möchte sogar neue Gesetze. Auch Facebook will die Verbreitung von gefälschten Nachrichten zukünftig stärker überwachen und bekämpfen und wird deswegen zukünftig mit dem journalistischen Portal Correctiv zusammenarbeiten. Nach einem <a href="//politik-digital.de/news/social-bots-151185/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fachgespräch zum Thema “Social Bots”</a> äußerte sich Ulf-Jost Kossol, stellvertretender Vorsitzender der Fokusgruppe Social Media im Bundesverband der Digitalen Wirtschaft e.V.</span><span style="font-weight: 400">,</span><span style="font-weight: 400"> zum aktuellen politischen Spannungsverhältnis und die Relevanz der Diskussionen rund um Social Bots und Fake News. </span></p>
<p><b>Amerikanische Studie relativiert Einfluss auf US-Wahlen</b></p>
<p><span style="font-weight: 400">Die Relevanz von Falschmeldungen im Wahlkampf ist unumstritten. Dennoch halten viele den tatsächliche Einfluss auf das Wahlergebnis weiterhin für eher unwahrscheinlich. Das bestätigt eine <a href="http://news.stanford.edu/2017/01/18/stanford-study-examines-fake-news-2016-presidential-election/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie der Stanford University und der New York University</a>. Dass Fake News für das Wahlergebnis und somit den Sieg Donald Trumps verantwortlich waren, ist den Wissenschaftlern zufolge nicht völlig auszuschließen, dennoch aber sehr unwahrscheinlich. Der Studie zufolge gab es bei der US-Wahl viele Versuche, das Ergebnis mithilfe digitaler Medien zu beeinflussen und Fake News spielte dabei eine geringere Rolle als gedacht. So wurden in Sozialen Netzwerken wie Facebook nur eine kleine Anzahl an NutzerInnen erreicht, von denen wiederum nur rund 50% an den Wahrheitsgehalt dieser Meldungen glaubten. Selbst wenn eine Person diese Falschmeldung sehe, müsse sie also sehr überzeugend wirken. Die Studie kommt zu einem weiteren wichtigen Fazit. Bei einer Umfrage unter 1200 amerikanischen WählerInnen zeigte sich, dass nur 14%  Soziale Netzwerke, wie Facebook, als wichtigste Informationsquelle für ihre Wahlentscheidung nutzen. Das zeigt, dass die überwiegende Mehrheit immer noch die klassischen Medienkanäle, wie z.B. Fernsehen oder Radio, für ihre Entscheidungsfindung heranziehen. Soziale Medien spielen demnach eine wichtige, aber dennoch keine dominante Rolle für das Wahlergebnis. </span></p>
<p><b>Digitale Kompetenz für den sicheren Umgang mit Medien<br />
</b></p>
<p><span style="font-weight: 400">Trotzdem: Die Tendenz sich in Sozialen Netzwerken über Politik zu informieren geht nach oben. Einer <a href="https://m.futurezone.at/digital-life/jugendliche-tun-sich-schwer-fake-news-im-netz-zu-erkennen/243.891.719" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie des österreichischen Instituts für Jugendkulturforschung</a></span><span style="font-weight: 400"> zufolge, nutzen  59% der Jugendlichen in Österreich zwischen 14 und 18 Jahren als Hauptinformationsquelle Soziale Netzwerke, obwohl sie diese nicht für glaubwürdig halten. Jugendliche sind oft überfordert, sodass 86% der Jugendlichen angeben, bei Inhalten im Internet nicht immer zu wissen, ob eine Meldung wahr ist. Wichtig für Jugendliche ist, sich sicher im Umgang mit Sozialen Netzwerken zu fühlen. Um Ihnen das Erkennen und Beurteilen von Informationen bzw. deren Wahrheitsgehalt beizubringen, startete Österreich nun eine Regierungsoffensive. In dem Programm Schule 4.0 soll das Erlernen einer digitalen Kompetenz ein Hauptbestandteil des Lehrplans werden.</span></p>
<p>Die Relevanz von Fake News und deren Verbreitung in Sozialen Netzwerken kann nicht mehr geleugnet werden. Zwar ist ihr Einfluss auf das Wahlergebnis der Vereinigten Staaten von Amerika eher unwahrscheinlich, so werden Fake News dennoch in Sachen Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen. Die Nutzerzahlen der Soziale Netzwerke steigen stetig und mit ihnen der Trend auch politische Informationen aus diesen zu beziehen. Zeigt die Studie aus Amerika, dass dies noch nicht der Fall ist, verdichten sich die Warnzeichen, dass es in Zukunft immer mehr Verwirrung rund um Nachrichten geben wird. Vor allem bei jüngeren Wählern, die immer mehr Soziale Netzwerke nutzen, ist eine digitale Medienkompetenz für das Beurteilen des Wahrheitsgehalts von Nachrichten essentiell um eine aufkommende Ohnmacht zu verhindern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild:  by PDPics via<a href="https://pixabay.com/en/truth-newspaper-news-printed-text-166853/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> pixabay</a>, licensed CC0 Public Domain</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-630x110.png" alt="cc-lizenz-630x11011" width="453" height="79" /></a></p>
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		<title>Zwischen neuen Chancen und alten Grenzen: Gehörlose im Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Mahler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2016 08:34:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sprechen, sich austauschen, Kontakt haben: Für Gehörlose ist die Kommunikation der hörenden Mehrheitsgesellschaft praktisch eine unerreichbare Welt. Eigene Schulen und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-150387 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/barrier-gates-280628_640x314_CC0_by_Ben_Kerckxvia_pixabay.jpg" alt="Schranke auf einem Weg im Wald, barrier gates by Ben_Kerckx CC0 via Flickr" width="640" height="314" />Sprechen, sich austauschen, Kontakt haben: Für Gehörlose ist die Kommunikation der hörenden Mehrheitsgesellschaft praktisch eine unerreichbare Welt. Eigene Schulen und Vereine waren deshalb für sie lange Zeit die einzigen Orte, in denen sich ihnen diese Welt auftat. Mit dem Internet hat sich das geändert: Das Netz beeinflusst nicht nur die Kultur der Gehörlosen. Dass deren Herzstück, die Gebärdensprache, auch beim Videochat eingesetzt werden kann, ist für taube Menschen inzwischen sogar der Hauptgrund, online zu gehen. Doch bei allem Fortschritt: Taube Menschen treffen auch online immer noch auf alte Barrieren.</p>
<p>Inzwischen klingen die Buchstaben schon fast banal: WWW, weltweites Netz. Dabei schafft das Internet manchmal sogar weit mehr, als die eine Welt zu verbinden: Manchmal eröffnet es regelrecht neue Welten. Zum Beispiel für Gehörlose.</p>
<p>Denn dass im Analogen oft Welten zwischen Hörenden und Gehörlosen liegen, erfahren taube Menschen alltäglich: Anders als für Hörende ist es für Gehörlose ohne Dolmetscher alles andere als einfach, jemanden auf der Straße mal kurz anzusprechen und nach dem Weg zu fragen oder einkaufen zu gehen. Verständnisprobleme sind immer vorprogrammiert. Eigentlich besitzen taube Menschen mit der Gebärdensprache eine perfekte Möglichkeit sich mitzuteilen und zu verständigen. Aufgrund eines von der hörenden Mehrheitsgesellschaft bestimmten Kommunikationssystems sind Gehörlose jedoch de facto immer auf andere Mitglieder der eigenen Minderheit angewiesen, um sich austauschen zu können. Lange Zeit waren deshalb Gehörlosenschulen und eigene Vereine praktisch <a href="http://fzgresearch.org/PDF_VUGS/(41)%20Hohl%202004.pdf%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die einzigen Örtlichkeiten der Gehörlosengemeinschaft</a>, in denen sich ihnen die weithin unerreichbare Welt der Alltagskommunikation erschloss.</p>
<p>Mit dem Internet ist ein neuer Ort dazugekommen, der – wie bei Hörenden auch – die menschliche Kommunikation teilweise sogar überflüssig gemacht hat: Wer nach einer Straße sucht, fragt einfach schnell Google-Maps. Und wer shoppen oder eine Reise buchen will, kann dies mit wenigen Klicks auch zuhause online erledigen. Für Gehörlose ist das nicht nur genauso bequem wie für Hörende. Es bedeutet für sie auch, im Alltag ohne Dolmetscher weniger mit Verständigungsschwierigkeiten konfrontiert zu sein. „Das Internet ermöglicht Gehörlosen also eine stärkere Individualisierung. Es schafft Unabhängigkeit“, erklärt Andreas Bittner. Bittner ist nicht nur selbst taub, sondern auch Dozent am <a href="https://www.reha.hu-berlin.de/lehrgebiete/gsd/lehre-und-studium/ds" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deaf-Studies-Lehrstuhl der Humboldt-Universität in Berlin</a>. Für ihn steht fest: „Es hat durch das Internet einen großen Wandel für Gehörlose gegeben.“</p>
<h3>Das Internet prägt die Kultur der Gehörlosen mit</h3>
<p>Seit den 1990er Jahren gibt es etwa eigene Webseiten für die sprachliche Minderheit. Der spätertaubte Bernd Rehling gehört dabei zu den „Dinosauriern“ des Deaf Internet (Gehörlosen-Internet), wie er sich selbst nennt. Er hat 1997 das Portal <a href="http://taubenschlag.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">taubenschlag.de</a> mitgegründet, das Informationen aus der Deaf World bündelt. Seine Motivation beschreibt er so: „Im Internet habe ich gerade für Hörgeschädigte eine große Chance gesehen, um Informationen zu bekommen, zu kommunizieren und zu lernen.“ Und der 73-Jährige sieht die Chancen auch zu einem guten Stück erfüllt, nicht zuletzt auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die eigenständige Kultur der Gehörlosen: „Es gibt kulturelle Angebote für Gehörlose wie nie zuvor. Die wären überregional ohne das Internet kaum zugänglich, ja, viele gäbe es gar nicht.“ Erst durch das Internet seien ausländische Impulse wie die Deaf Poetry Slams in Deutschland schnell verbreitet worden. Auch das Entstehen einer selbstbewussten Jugendkultur habe das Netz beschleunigt. Und durch Online-Veröffentlichungen finden lokale Angebote wie Museumsführungen für Gehörlose überhaupt erst ein breites Publikum, so Rehling.</p>
<p>Um ein vielfaches verbessert habe sich auch der Informationserwerb, sagt der pensionierte Lehrer. So würden zumindest einige öffentlich-rechtlichen Sender inzwischen 90 Prozent ihres Angebots untertiteln. Und über das Live-Streaming kämen Gehörlose nun sofort an aktuelle Informationen. Zum Medium schlechthin sei für Gehörlose der Video-on-demand-Dienst Netflix geworden: Dort werden alle Filme und Serien ausnahmslos untertitelt. Und selbst Facebook ermöglicht jetzt Werbetreibenden – wenn auch primär aus Rücksicht auf mobile Nutzer und deren Klickzahlen – <a href="https://www.facebook.com/business/news/updated-features-for-video-ads" target="_blank" rel="noopener noreferrer">automatisch Untertitel in Videos einzubauen</a>. Eine wichtige Entwicklung, schließlich nimmt dort die Zahl der Videos im Newsfeed rasant zu. Und Andreas Bittner vom Berliner Deaf-Studies-Lehrstuhl bestätigt, dass durch das Internet Gehörlosen so grundsätzlich mehr Informationen zugänglich gemacht werden: „Man bekommt stärker mit, was in der hörenden Gesellschaft passiert.“</p>
<h3>Das barrierefreie Netz gibt es noch nicht</h3>
<p>Trotzdem gibt es auch online immer noch starke Einschränkungen für Gehörlose. <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">So rufen schon jetzt 53 Prozent der Mehrheitsgesellschaft mindestens einmal wöchentlich audiovisuelle Inhalte im Netz auf, um sich zu informieren. </a>Werden diese in Zukunft nicht überall barrierefrei angeboten, wird die Kluft zwischen Hörenden und Gehörlosen bei der Informationsbeschaffung wieder zunehmen, die sich durch die <a href="http://www.deutsche-gesellschaft.de/fokus/tagesspiegel-inklusion-im-fernsehen-untertitel-ersetzen-keine-gebaerden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gestiegene Zahl an Untertiteln im Fernsehen</a> gerade langsam vermindert. Momentan sehen sich laut einer aktuellen Studie der Rheinischen Fachhochschule Köln 76 Prozent der Gehörlosen ausgebremst, wenn es um audiobasierte Inhalte im Netz geht.</p>
<p>Andreas Bittner von der HU Berlin sieht aber auch unabhängig davon noch lange kein barrierefreies Netz. Zu tun habe das mit der Schriftsprache, von der es natürlich im Internet ebenfalls nur so wimmelt. So wie sie von der Mehrheitsgesellschaft gebraucht wird, unterscheidet sich die Schriftsprache von der Gebärdensprache nicht nur durch die fehlende visuelle Ausdrucksweise. Für taube Menschen ist sie auch deshalb nur mit Mühe zu verstehen, weil ihr eine andere Grammatik zugrunde liegt. Bittner: „Deutsche Schriftsprache ist wie eine Fremdsprache für deutsche taube Menschen.“ Eine entscheidende Rolle für Gehörlose spiele daher auch im Internet ihre Schriftsprachkompetenz. Und die brauche es oft schon zum Verstehen von Untertiteln, so der Deaf-Studies-Experte. „Erst die Gebärdensprache wäre ein wirklicher Vorteil“, findet Bittner. „Doch die ist im Internet noch die absolute Ausnahme.“ Das gilt auch für die <a href="http://www.bpb.de/apuz/179341/leichte-und-einfache-sprache-versuch-einer-definition" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Leichte Sprache“</a>. Gehörlose profitieren also bislang – abhängig von ihrer Schriftsprachkompetenz – unterschiedlich stark von den Vorzügen des Internet.</p>
<h3>Deaf World: Gehörlose können jetzt auch in die Ferne mittels Gebärdensprache kommunizieren</h3>
<p>Von unschätzbarem Wert für alle tauben Menschen sind dagegen die Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten, die das Netz bietet. Welche große Rolle die Vernetzung für sie spielt, beweist allein schon Achim Feldmann: Er hat lange vor Facebook und Co 1995 mit gehoerlos.de das erste Diskussionsforum für taube Menschen in Deutschland gegründet: „Ich wollte, dass die Gehörlosen weniger isoliert sind. Zuvor mussten sie erst in die nächste Großstadt fahren, um sich mit anderen Gehörlosen zu unterhalten. Das hat Zeit und Geld gekostet.“ Zwar nutzten Gehörlose damals auch Faxgeräte oder seit 1975 schon Schreibtelefone, um in die Ferne zu kommunizieren. Mit einem schnellen Chat vermögen diese Geräte aber freilich nicht mitzuhalten. Mehr noch: Heute können auf Skype, Whatsapp oder per Email auch Videos verschickt werden. Und damit wird der Austausch in Gebärdensprache über Entfernungen hinweg möglich. „Das ist ein Quantensprung in der Entwicklung“, findet auch taubenschlag.de-Gründer Rehling. „Gehörlose können jetzt weltweit Kontakte pflegen, sogar in ihrer Muttersprache.“</p>
<p>Tatsächlich bietet das Internet die Chance, dass der Bedeutung der Gebärdensprache für taube Menschen auch bei der Kommunikation in die Ferne noch Rechnung getragen wird: Weil die Gebärdensprache die Gehörlosengemeinschaft überhaupt erst stiftet, gilt sie als <a href="http://fzgresearch.org/PDF_VUGS/(41)%20Hohl%202004.pdf%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Herzstück der Gehörlosenkultur“</a>. Das bedeutet, dass sogar Gehörlose die Gebärdensprache lernen oder weiter pflegen, denen ein Cochlea-Implantat das Hören und Verstehen der Lautsprache ermöglicht. Sie wollen damit ihrer Gemeinschaft treu bleiben. Florian Lothmann, Leiter der erwähnten Studie aus Köln, hat in seiner Umfrage von 2015 sogar folgendes festgestellt: Die gebärdensprachliche Kommunikation räumlich unabhängig einsetzen zu können, ist für Gehörlose inzwischen sogar der Hauptgrund, das Internet zu nutzen und nicht die erleichterte Informationsbeschaffung. Doch überraschenderweise war das nicht immer so.</p>
<h3>Neue Möglichkeiten im Netz trafen zunächst auf alte Nutzungsgewohnheiten</h3>
<p>Eine Studie der HU Berlin aus dem Jahr 2012 zur Nutzung sozialer Medien durch Gehörlose zeigt, dass der Trend, die Gebärdensprache zu pflegen, online erst verzögert eingesetzt hat. So ergab die Studie damals folgendes Bild: Von 106 befragten Gehörlosen und einigen wenigen Schwerhörigen setzte nur eine Person ausschließlich auf Video-Chats. Dagegen gaben umgekehrt mehr als 61 Prozent der Befragten an, sich dort nur schriftlich mit anderen auszutauschen und damit sogar ganz auf das Gebärden zu verzichten. Die Übrigen nutzten beide Möglichkeiten. Studienleiterin Laura Schulze hatte ferner festgestellt, dass es bei der Wahl des Netzwerks keinen Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft gibt: Auch bei den befragten Gehörlosen waren die meisten bei Facebook angemeldet. Und das, obwohl es seit 2007 ein visuell orientiertes Netzwerk gegeben hatte, das speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer Hörschädigung abgestimmt war.</p>
<p>Andreas Bittner vom Deaf-Studies-Lehrstuhl erklärt diese Ergebnisse mit ausgeprägten alten Nutzungsgewohnheiten, die erst mit der Zeit zurückgegangen sind. Noch heute kommunizierten ältere Gehörlose teils immer noch lieber per Fax als sich etwa via Skype in ihrer Muttersprache mit anderen auszutauschen – „weil sie es so gewohnt sind.“ Technikaffinität und digitale Nutzungsgewohnheiten sind also offenbar ausschlaggebender als die Nähe zur eigenen Muttersprache. „Und ich denke: Wenn man die Gebärdensprache über Video und Webcam einsetzt, zeigt man gleichzeitig sehr viel von sich persönlich, der ganze Mensch in seiner Verfassung ist dann sichtbar“, so Bittner. Wenn Gehörlose also im Internet ihre Muttersprache einsetzen wollen, ist das – anders als bei Hörenden – zwangsläufig mit Sichtbarkeit verbunden. Und setzt damit – genau umgekehrt zu den Hörenden, die problemlos auch unsichtbar kommunizieren können – immer die Überwindung einer gewissen Hemmschwelle voraus.</p>
<h3>Die Muttersprache liegt bei tauben Menschen inzwischen auch online  im Trend</h3>
<p>Dass Video-Nachrichten inzwischen im Trend liegen, hängt für Deaf-Studies-Experte Andreas Bittner auch damit zusammen, dass die technischen Voraussetzungen dazu immer besser geworden sind: Videonachrichten setzen geeignete Endgeräte, schnelles Internet, gute Videoqualität und ausreichendes Datenvolumen voraus. Bittner: „Ist das alles erfüllt, schafft das zusätzliche Anreize, die Gebärdensprache auch digital einzusetzen.“ Gerade bei gehörlosen Jugendlichen führen die neuen Videochatmöglichkeiten nach Angaben der <a href="http://www.gehoerlosen-jugend.de/allesueberdgj/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Deutschen Gehörlosen Jugend e.V.“</a> dazu, dass diese sich ihrer Muttersprache stärker bewusst werden.</p>
<p>Trotzdem kann Andreas Bittner der Schriftform nach wie vor etwas abgewinnen. Und zwar was das Verhältnis zu Hörenden angeht: „Wenn man nur schreibt, merkt man nicht zwangsläufig, ob jemand hörend ist oder nicht. Und auch wenn Gehörlose in der Schriftform nicht immer grammatisch perfekt sind: Der Kontakt zu Hörenden wird erleichtert.“ So gaben von den 241 Gehörlosen, die in der bereits genannten Studie der Rheinischen Fachhochschule befragt wurden, zwei Drittel an, durch das Internet sogar häufiger mit Hörenden zu kommunizieren. Den digitalen Austausch in Schriftform hält der taube Softwareentwickler Achim Feldmann dabei vor allem in der Arbeitswelt für wichtig: „Die Selbstständigkeit von Gehörlosen am Arbeitsplatz hat dadurch zugenommen. Und damit auch die Verantwortung und das Selbstbewusstsein.“ Aufgrund der Unabhängigkeit von Dolmetschern zieht Feldmann im Kontakt mit hörenden Arbeitskollegen Emails sogar <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Relay-Dienst" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Relay-Diensten</a> vor.</p>
<h3>Filter Bubble: Auch online trennen Gehörlose und Hörende oft noch Welten</h3>
<p>Doch konnte das Internet auch insgesamt dabei helfen, die Welten zwischen Gehörlosen und Hörenden wegzuräumen? Führen die neuen digitalen Kontaktmöglichkeiten beide Seiten stärker zusammen? Bernd Rehling bringt es mit Blick auf die sozialen Netzwerken so auf den Punkt: „Wie alle Nutzer schmoren auch Gehörlose dort im eigenen Saft, gründen also Gruppen zu ihren Interessengebieten und tauschen Informationen aus der Gehörlosenwelt aus.“ Die taube Lippenleserin und Inklusionsaktivistin Julia Probst hält Rehling dabei für eine Ausnahme: <a href="https://twitter.com/einaugenschmaus?lang=de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Probst hat auf Twitter mehr als 34.000 Follower</a>, hauptsächlich Hörende. Doch bei allen sprachlichen Barrieren und, in ihren Augen, nach wie vor ungenügender Inklusion im Netz, sieht die 34-Jährige selbst die Lage weniger pessimistisch: „Das Internet spielt eine wichtige Rolle, das Verständnis von Gehörlosen und Hörenden zu verbessern – auch wenn es nicht immer gelingt. Und es hat sich auch schon etwas verändert, aber eher bei Menschen, die schon immer offener waren.“</p>
<p>Denn bei allem technischen Fortschritt bleiben zwischen Hörenden und Gehörlosen in der Regel unterschiedliche Interessen und Denkweisen bestehen. Schon allein aufgrund ihrer visuellen Ausrichtung nähmen Gehörlose manches ganz anders wahr als Hörende, so Bernd Rehling. Das beginne schon bei Witzen und höre längst noch nicht bei einem unterschiedlichen Zugang zu Musik und Literatur auf. Rehling: „Nach anfänglicher Begeisterung brechen Kontakte zwischen hörenden und gehörlosen Jugendlichen daher meistens schnell ab – es sei denn, die Hörenden erlernen die Gebärdensprache und begeben sich in die deaf world. Solche Kontakte lassen sich dann aber besser real als im Internet pflegen.“</p>
<p>So viel das Internet also auch für Gehörlose verbessert haben mag: Mentalitätsunterschiede lassen sich eben dann doch nicht mal eben schnell wegdigitalisieren.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/barrier-gates-walking-pfad-natur-280628/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Barrier Gates von Ben Kerckx via Pixabay</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Nationales-Internet-Projekt des Iran: Zensur oder Schutz?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/nationales-internet-projekt-des-iran-zensur-oder-schutz-150299/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Sep 2016 05:23:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Iranische Browser, Suchmaschinen und E-Mail-Services gibt es schon seit ein paar Jahren. Dennoch bleiben die beliebtesten Online-Dienste in der iranischen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Iran.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150301" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Iran.jpg" alt="Internet Halal, Iran" width="640" height="352" /></a>Iranische Browser, Suchmaschinen und E-Mail-Services gibt es schon seit ein paar Jahren. Dennoch bleiben die beliebtesten Online-Dienste in der iranischen Bevölkerung weiterhin zensierte Anbieter und Netzwerke aus dem Ausland – wie Facebook, YouTube und Twitter. Durch das nationale Datennetzwerk sollen Online-Sperren noch größere Auswirkungen auf den realen Alltag im Iran haben. Die kürzlich zelebrierte Einweihung des „nationalen Internet“ im Iran stößt auf internationalen Aufschrei – die universellen Menschenrechte der Informations- und Meinungsfreiheit seien in Gefahr.</p>
<p>Die erste Phase des nationalen Internet im Iran leitete der iranische Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie, Mahmoud Vaezi, <a href="http://en.mehrnews.com/news/119304/Iran-launches-National-Information-Network" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ende August 2016</a> ein. Das auf den Iran beschränkte Datennetzwerk umfasst in dieser Phase Websites und Dienste von Regierungsstellen sowie von lokalen Behörden. Der Plan ist keineswegs neu: Seit 2010 arbeitet die iranische Regierung an dem Nationales-Internet-Projekt. Anfänglich ging die Regierung sogar von einer Implementierung bis 2015 aus. Heute wird ein nationales Datennetzwerk kaum mehr vor 2019 erwartet.</p>
<h3>Landesweit Surfen im Internet Halal</h3>
<p>Das unberechenbare World Wide Web soll an die digitale Leine genommen werden. Ein sauberes und reines Internet heißt die Maxime, kurz: Internet Halal. Das arabische Wort „Halal“ bedeutet so viel wie „zulässig“ und gestattet nur Online-Inhalte, die nach islamischem Recht erlaubt sind. Nicht nur Staatspräsident Hassan Rouhani, sondern vor allem auch Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei spricht sich für ein kontrollierbares Internet aus. Ein nationales, sicheres und reines Internet soll es also sein. Für die Regierung liegen die Vorteile auf der Hand: technisch gesehen bedeutet es, einen Zugewinn an <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Iran-stellte-erste-Phase-seines-nationalen-Internets-vor-3307868.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sicherheit</a> gegenüber Hacker-Angriffen sowie schnellere und preiswertere Breitbandverbindungen zu schaffen. Aber nicht nur der Technologiesektor, sondern auch die Wirtschaft schlage Profit, da durch die Unabhängigkeit zum World Wide Web mehr Arbeitsplätze in nationalen Projekten generiert werden können.</p>
<p>Dass manche Argumente auf Seiten der iranischen Regierung „nicht ganz ohne Substanz“ seien, meint auch Politikwissenschaftler Dr. Marcus Michaelsen. Seit Jahren forscht und publiziert er zum digitalen und politischen Wandel im Iran und hält fest: „Immerhin war der Iran Ziel eines der ersten internationalen Cyberangriffe auf eine zentrale staatliche Infrastruktur. Durch Sanktionen und Isolation des Landes hat die iranische Regierung die Bedeutung von eigenständiger Beherrschung von Technologie schätzen gelernt.“ Dass der Drang nach Sicherheit ein historisch gewachsenes Resultat der iranischen Regierung auf internationale Konflikte ist, bezweifelt auch der iranische Geflüchtete und Internetsicherheit-Forscher Amir Rashidi nicht. Amir Rashidi studierte Software Engineering im Iran, floh nach der umstrittenen Wahl 2009 als Aktivist nach Italien und arbeitet nun seit zwei Jahren in New York bei der Menschrechtsorganisation <a href="https://www.iranhumanrights.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Campaign for Human Rights in Iran</a>. Auf technischer Ebene sieht Rashidi das gesamte Projekt vielmehr als eine Art „nationales Intranet“, also wesentlich „kleiner dimensioniert im Sinne eines internen Netzes, das vor fremden Eingriffen geschützt werden soll.“ Auch Rashidi bestätigt den Vorteil der technischen Schnelligkeit und Kosteneinsparung, während er das Problem der virtuellen Kontrolle auf einer ganz anderen Ebene sieht: „Wir Iraner vertrauen der Regierung nicht.“</p>
<h3>Internetzensuren im Iran: technische Sicherheit vs. digitale Apartheid</h3>
<p>Auch wenn iranische Stimmen – wie die des ersten Vize-Präsidenten Irans, Eshagh Jahangiri – beteuern, dass das nationale Internet <a href="http://parstoday.com/de/news/iran-i14122-nationales_internet_in_iran_in_betrieb_genommen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">keine Einschränkung</a> für den Informationszugriff bedeutet, sehen dies Menschenrechtsverteidiger anders. Für die britische Menschenrechtsorganisation <a href="https://www.article19.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Article 19</a> passen internationale Standards der Informations- und Meinungsfreiheit, nach <a href="http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Art. 19, UN Menschenrechtskonvention</a>, nicht zum Konzept eines nationalen Datennetzwerkes. In ihrem Anfang 2016 erschienenen <a href="https://www.article19.org/data/files/medialibrary/38315/The-National-Internet-AR-KA-final.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Report</a> zum nationalen Internet-Projekt sehen sie den Schutz der Online-Anonymität und das Recht auf Privatsphäre in Gefahr. Auch bei Reporter ohne Grenzen (<a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ROG</a>) steht der Iran auf der Liste der „<a href="http://12mars.rsf.org/wp-content/uploads/EN_RAPPORT_INTERNET_BD.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Feinde des Internet</a>“. ROG befürchtet seit Jahren ein zweigeteiltes Internet, eine Art „<a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung/internet-experte-ohne-anklage-in-haft-rog-befuerchtet-digitale-apartheid/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">digitale Apartheid</a>“, in der die Bevölkerung lediglich Zugang zu gefilterten Online-Inhalten hat, während Regierung und religiöse Anführer, wie Ayatollah Ali Khamenei, keine Einschränkung haben.</p>
<p>Auch Michaelsen sieht Gefahren in dem Aufbau eines nationalen Datennetzwerks: „In jedem Fall birgt das Projekt Risiken für den freien Zugang zu Informationen, weil Verbindungen zum World Wide Web besser eingeschränkt, überwacht und gefiltert werden können.“ Kontrolle und Unterdrückung sind besonders aufgrund vergangener Menschenrechtsverletzungen im Iran ein brisantes Thema. So kam es bereits in der Vergangenheit zu Festnahmen von <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/deutsche-journalisten-in-iran-haft-fuer-die-pressefreiheit-1.1053773" target="_blank" rel="noopener noreferrer">JournalistInnen</a> und <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-05/iran-instagram-models-schleier-strafverfahren-festnahme" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Models</a>. Aufsehen erregte auch der Fall eines <a href="http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article107781865/Haeftling-soll-nationales-Internet-im-Iran-aufbauen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">iranischen Internet-Experten</a>, der ohne Anklage inhaftiert wurde und im Gefängnis als Programmierer für die iranische Regierung arbeiten musste.</p>
<p>Amir Rashidi betont in dem Zusammenhang, dass die Regierung einfach Angst habe vor den westlichen Lebensweisen und Selbstinszenierungen, wie sie durch Instagram, Facebook und Co. ermöglicht werden. Aber wie kommt die Regierung erst an die Leute, die sie verhaften will? „Die Taktik und die gesamte Hacker-Technik der Regierung ist unglaublich simpel“, meint Rashidi. Ob erzwungene Informationen durch InformantInnen oder einfachste Hacking-Angriffe auf Accounts von Störenfrieden des „Halal“ Internet – „die Möglichkeiten der Regierung sind so unglaublich einfach, aber effektiv“, so Rashidi.</p>
<h3>Rouhani und der virtuelle Alltag im Iran</h3>
<p>In der Islamischen Republik Iran haben sich mit Amtswechsel auch virtuelle Regierungsziele verändert: unter Mohammad Chatami und Mahmud Ahmadinedschad wurden bereits Online-Inhalte in großem Umfang gefiltert. Michaelsen stellt aber den entscheidenden Unterschied nach den Wahlen 2009 fest: Nachdem die Bevölkerung soziale Netzwerke und digitale Kommunikation zur Protestförderung nutzte, „hat die iranische Regierung ihre Versuche, das Internet zu kontrollieren und zu überwachen, eindeutig verschärft.“ Nicht nur Amir Rashidi floh zu dieser turbulenten Zeit aus dem Iran, sondern <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/flucht-aus-iran-ueber-die-grenze-und-in-den-westen-a-663465.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tausende reformorientierte IranerInnen</a>. Für Rashidi „hat alles unter Ahmadinedschad begonnen. Die Regierung wurde immer nervöser“ &#8211; es ging schon lange nicht mehr nur um die Zensur von Pornographie und Religiösem. Die politische Online-Nutzung nahm ein neues Ausmaß an. Dabei erinnert sich Rashidi vor allem an ein Video, welches die Regierung möglichst schnell aus dem Netz nahm. Darin sah man inmitten der Aufstände eine tote Frau, die zur „<a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/tote-iran-demonstrantin-neda-die-ikone-des-protests-a-631670.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ikone des Protests</a>“ wurde.</p>
<p>Zur Wahl Rouhanis 2013 kamen vor allem bessere technische Möglichkeiten auf Regierungsseite zu tragen. Michaelsen berichtet, dass der Internetverkehr in „kritischen Momenten <a href="https://iranwire.com/en/features/1653" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verlangsamt</a>“ wurde und Rouhani seitdem seinem „<a href="http://politik-digital.de/news/kurswechsel-im-iran-ein-tweet-in-richtung-freiheit-133173/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlversprechen</a> von mehr Informationsfreiheit im Internet“ nicht nachgekommen sei. Aus der Distanz betrachtet, stellen wir uns darunter extreme Einschränkungen im Alltag der iranischen Bevölkerung vor. Die deutschgebürtige Iranerin Zonai (25) berichtet aber, dass alle ihre Verwandten und Bekannten im Iran Instagram und Facebook haben. Dem Geo-Blocking im Iran lässt sich einfach über Virtual Private Networks (VPN) oder Tor entkommen. Diese technischen Lösungen sind aber im Gegensatz zu einer Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken im Iran nicht erlaubt. Die Umgehung der Zensur via Proxys steht sogar <a href="http://www.heise.de/ct/artikel/Iran-Der-Machtkampf-um-Informationen-2566400.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unter Strafe</a>. „Über Sanktionen machen sich meine Verwandten keine Gedanken oder es ist ihnen auch gar nicht so bewusst“, erzählt Zonai. Um Kontakt zu halten, schreibt die Studentin keine E-Mails, sondern nutzt Instagram und chattet über die unzensierte App Telegram mit ihren Verwandten im Iran. Auch Rashidi freut sich, dass Telegram mittlerweile mit 20 Millionen NutzerInnen im Iran als populärste Messaging-App fungiert.</p>
<h3>Twitter Halal?</h3>
<p>Auch Twitter ist seit der Wahl 2009 für die iranische Bevölkerung ohne Umwege nicht mehr zugänglich. Repressionen und Propaganda waren die Folge der intensiven Nutzung von Twitter als Informations- und Organisationstool während der Proteste. Die Politiker bleiben aber unbeirrt: im Zuge ihrer eigenen Internetfreiheit twittern Rouhani, Khamenei und Co. – und das sogar über mehrere Accounts und Sprachen. Ausgerechnet die Gegner der virtuellen Welt führen mehrere Accounts auf verschiedenen Netzwerken, wobei sie damit doch theoretisch im Internet Halal niemand in ihrem eigenen Land erreichen dürften. Auch spielte <a href="https://smallmedia.org.uk/media/projects/files/IranVotes_2016.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter in der Parlamentswahl 2016</a> eine wichtige Rolle, weshalb Rashidi der Auffassung ist: „Twitter wird die erste Plattform sein, die die Regierung wieder entblockt. Da bin ich mir sicher.“</p>
<p>Starke Interessendivergenzen bei zensierten Online-Diensten, die bekommt Zonai vor allem zwischen den Altersgenerationen mit: „Die jungen Leute wollen mehr Freiheiten haben, aber die Älteren haben einfach mehr Macht.“ Aber auch insgesamt kann sich Zonai nicht vorstellen, dass irgendwer im Iran ein nationales Intranet, geschweige denn Internet, begrüßen würde. Aus westlicher Perspektive scheinen die Einschnitte in die Menschenrechte alle anderen Vorteile in den Hintergrund zu drängen. Michaelsen betont aber auch, dass das ganze Projekt „von doppeldeutigen Zielstellungen geprägt“ sei, da die Datenspeicherung von Regierung und Administration innerhalb des eigenen Landes „auch ein legitimes Ziel“ ist. In einer Hinsicht gibt auch Rashidi zumindest eine kleine Entwarnung: „Rouhani weiß, dass es keine nationale Entkopplung geben kann, und er will auf keinen Fall eine digitale Isolation von der restlichen Welt – aber ja, Kontrolle will er schon.“</p>
<p>Titelbild: Internet Halal, Iran von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Hassplattform Internet: Tun Google &#038; Co genug dagegen?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/hassplattform-internet-tun-google-und-co-genug-dagegen-150195/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Mahler]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Sep 2016 12:17:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Auch wenn es genügend Gründe gibt, in diesen Tagen den 25. Geburtstag des Internet zu feiern: Das Netz hat die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Hatespeech-sarinhars-CC0-Public-Domain-pixabay.png"><img decoding="async" class="wp-image-150201 size-large alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/computer-rage-630x465.jpg" alt="computer-rage" width="630" height="465" /></a></p>
<p>Auch wenn es genügend Gründe gibt, in diesen Tagen den 25. Geburtstag des Internet zu feiern: Das Netz hat die Gesellschaft in den letzten Jahren auch das Fürchten gelehrt. Menschen radikalisieren sich in sozialen Netzwerken und nicht selten erwachsen daraus ganz reale Gewalttaten. Kurz: Das World Wide Web scheint nicht nur, aber auch zur Hass-Plattform zu verkommen. Doch wie lässt sich das verhindern? Das war eine der Fragen, der sich die Expertenrunde bei der telegraphen_lounge der Deutschen Telekom am vergangenen Mittwoch stellte. An der Rolle von Facebook, Google und Co schieden sich dabei besonders die Geister.</p>
<p>Bald zehn Monate ist es jetzt her, dass die vom Bundesjustizministerium initiierte Task Force erste Ergebnisse vorstellte, wie gegen Hassinhalte im Netz vorgegangen werden kann. Daran beteiligt waren nicht nur zivilgesellschaftliche Organisationen, sondern auch Vertreter von Facebook und Google. Mit ihnen wurden konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung von Hass-Inhalten vereinbart. Doch wie ist der Stand heute? Wurden die Zusagen eingehalten? Und wo reichen die Schritte noch nicht aus? Das war eine zentrale Streitfrage bei der Diskussionsrunde <a href="http://blog.telekom.com/2016/09/08/wir-alle-muessen-etwas-gegen-den-digitalen-extremismus-tun/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Digitaler Extremismus: Verkommt das Netz zur Hass-Plattform?“</a> in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom AG.</p>
<p>Simone Rafael von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die an der Task Force des Justizministeriums teilgenommen hatte, forderte die sozialen Netzwerke dazu auf, noch stärker Verantwortung zu übernehmen: „Es ist ein guter Zwischenschritt, wenn Nazis und Terroristen nicht mehr dort sind, wo sie auf sehr, sehr viele Einfluss nehmen können.“ Und wenn man als Unternehmen in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen schreibe, dass man keinen Rassismus und Antisemitismus dulde, solle man das auch umsetzen.</p>
<h3>Hatespeech: Google verweist auf eigene Grenzen</h3>
<p>Lutz Mache, der sich im Google-Hauptstadtbüro mit Hate Speech befasst, wies solche Aufrufe nach einem noch stärkeren Engagement der Netzbetreiber indirekt zurück: „Es ist klar, dass wir gegen rechtswidrige Inhalte im Netz vorgehen.“ Google wolle schließlich vor allem den rechtmäßigen Meinungen eine Plattform bieten. Allerdings sei die Unterscheidung zwischen zulässiger und unzulässiger Äußerung schwierig. Das zeige schon das Gerichtsurteil zum umstrittenen Böhmermann-Schmähgedicht: „Das ist ein schmaler Grat, das zu entscheiden.“ Außerdem würden allein auf You Tube pro Minute 400 Stunden Video-Material hochgeladen. „Das ist für kein Unternehmen möglich, diese proaktiv zu durchsuchen. Deshalb bauen wir darauf, dass Nutzer uns diese melden“, so Mache. Und Google stelle dafür – wie in der Task Force vereinbart – die Produkt-Tools bereit. Eine technische Lösung von Seiten des Unternehmens zur Bekämpfung von Hass-Inhalten scheide allerdings aus – anders als bei Urheberrechtsverstößen mit vorab verfügbarem, klar überprüfbarem Material: „Die Rechtsverstöße sind da anders zu erkennen als bei Hassinhalten“, sagte Mache.</p>
<p>Der parlamentarische Staatssekretär im Justizministerium, Ulrich Kelber (SPD), widersprach Mache und berichtete von eigenen Erfahrungen mit Hasskommentaren. Bislang würden etwa Äußerungen, die mit Worten wie „Judenschwein“ und „Untermensch“ ganz klar diskriminierten, nach angemeldeter Prüfung bei Facebook durchgehen. Kelber: „Das hat nichts mit zweifelhaft zu tun, sondern da funktioniert der Prozess nicht.“ Er erwarte, dass bei den Betreibern angezeigte Inhalte von Leuten geprüft werden, die die Landessprache beherrschen und wissen, was rechtlich in Deutschland verboten ist.</p>
<h3>Zentrale Zusage der Internetbetreiber noch nicht eingehalten</h3>
<p>Überhaupt: „Die Zusage der Internetbetreiber, dass Inhalte innerhalb von 24 Stunden geprüft und auch im Falle einer Straftat gelöscht werden, wird noch nicht eingehalten“, so der SPD-Politiker. „Da ist noch deutlich Raum zur Verbesserung.“ Auch mit Blick auf die Technik sei das der Fall. Intelligente Systeme könnten etwa einen hochgeladenen und wahrscheinlich strafrechtlich relevanten Inhalt „in eine Art Zwischen-Quarantäne stecken, bis ihn sich jemand angeschaut hat“, schlug Kelber vor. „Das verletzt das Recht von niemandem, wenn der Inhalt erst nach einer Stunde online ist.“ Ferner könnten Filter-Bubbles durch Veränderung der Algorithmen durchbrochen werden. Es sei nicht in Ordnung, dass Menschen, die sich in ihrer Ansicht zu radikalisieren begännen, in eine laufende digitale Selbstbestätigung gebracht würden, so der Staatssekretär. Da stimmte auch Google-Vertreter Mache zu.</p>
<p>Susann Rüthrich, Sprecherin der Arbeitsgruppe „Strategien gegen Rechtsextremismus“ der SPD-Bundestagsfraktion, beschrieb die Chancen einer Algorithmus-Veränderung so: „Wenn jemand nach einschlägigen Begriffen sucht, soll er nicht nur auf Seiten kommen, die er eigentlich gesucht hat, sondern auch auf Seiten, die aufklären.“</p>
<h3>„Da braucht es klare Ansagen von Demokratinnen und Demokraten“</h3>
<p>Und was kann der Staat tun? In den Augen von Simone Rafael von der Amadeu-Antonio-Stiftung braucht es jedenfalls keine Gesetzesverschärfung. Allerdings seien bei Staatsanwaltschaften und Polizeistellen weitere Spezialisten nötig, die sich mit Hate Speech im Internet auskennen. Staatssekretär Kelber sah die Behörden schon personell gestärkt. Durchaus gälte es aber, die Justiz fit zu machen: „Manchmal ist es auch einfach nur notwendig, besonders eklatante Beispiele besonders schnell zu ahnden.“ Kelber erhofft sich davon eine Signalwirkung auf Internetnutzer. Die helfe mehr, als wenn nach zwölf Monaten langsam jeder einzelne Fall abgearbeitet werde. Es gehe um Bewusstseinsschaffung. Lutz Mache von Google hat bereits beobachtet, dass die Sensibilisierung im Netz gestiegen ist: „Die Zahl der Nutzer hat sich erhöht, die Inhalte bei uns melden und sich aktiv auf unseren Plattformen gegen Hass aussprechen.“ Sich für demokratische Werte einzusetzen, sei schließlich Aufgabe aller. Darin war sich die Runde einig.</p>
<p>Von allen Diskutanten wurde daher die eigenständige Rolle der Gesellschaft im Kampf gegen Hass-Inhalte hervorgehoben. Staatssekretär Kelber sieht die Nutzer etwa vor allem dann gefordert, wenn es sich bei Kommentaren zwar nicht um Straftaten, trotz allem aber um Hate Speech handelt: „Da kann man nichts verbieten oder Löschanträge stellen, da braucht es klare Ansagen von Demokratinnen und Demokraten.“ Die Abgeordnete Susann Rüthrich unterstrich dabei die Bedeutung der Medienkompetenz. Dazu gehöre nicht nur ein reflektierter Umgang mit Inhalten im Netz: „Man muss die Menschen auch kompetent machen, sich persönlich nicht komplett angreifbar zu machen.“ Das schließe ein Bewusstsein ein, was man von sich selbst online preisgeben will und was nicht: „Denn aus einer digitalen Auseinandersetzung kann sehr schnell etwas ganz reales werden.“</p>
<p>Titelbild: Hatespeech von <a href="https://pixabay.com/de/laptop-computer-computer-pc-1155173/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sarinhars</a> und <a href="https://pixabay.com/pl/w%C5%9Bciek%C5%82o%C5%9B%C4%87-walki-faust-sp%C3%B3r-strony-1564031/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ToNic-Pics</a> via <a href="https://pixabay.com/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a></p>
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