<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sozialer Wandel &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/sozialer-wandel/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Tue, 04 Jan 2005 22:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Sozialer Wandel &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Indien hofft auf neue Medien &#8211; zu Recht?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunami_internetindien101-shtml-2723/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunami_internetindien101-shtml-2723/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Modernisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Internetnutzer]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/netzkulturtsunami_internetindien101-shtml-2723/</guid>

					<description><![CDATA[
                              Das Internet ist das wichtigste Instrument der Globalisierung von Medien und Kommunikationsmitteln in Indien. Um den Umgang Indiens mit dem Internet zu analysieren, müssen zwei Ebenen untersucht werden: die Ebene des Staates und die der Gesellschaft.
                              Der indische Staat hat sich stets dafür engagiert, durch eine Vielzahl von Maßnahmen ein Umfeld zu schaffen, das der Förderung des Internets im öffentlichen und privaten Bereich dient.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              <strong>Das Internet ist das wichtigste Instrument der Globalisierung von Medien und Kommunikationsmitteln in Indien. Um den Umgang Indiens mit dem Internet zu analysieren, müssen zwei Ebenen untersucht werden: die Ebene des Staates und die der Gesellschaft.<br />
                              <br />Der indische Staat hat sich stets dafür engagiert, durch eine Vielzahl von Maßnahmen ein Umfeld zu schaffen, das der Förderung des Internets im öffentlichen und privaten Bereich dient.</strong>
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p class="fett">Unterstützung des indischen Staates</p>
<p>Mit der Ernennung einer Telekommunikations-Kommission initiierte die indische Regierung im Jahr 1984 die landesweite &#8220;New Computer Policy&#8221;. Dadurch öffnete sich die Sphäre der Massenkommunikation für private und fremde Investitionen. Die landesweite Kampagne bewirkte durch das Erscheinen des<br />
                            <a href="http://www.rediff.com/money/2003/jul/16spec.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">STD/ISD Booth</a> die Intensivierung des Fernsprechwesens in städtischen und ländlichen Gebieten. Zehn Jahre später wurde die nationale Telekommunikations-Kommission durch die „Telecom Regulatory Authority of India“ (TRAI) ersetzt. Durch unterstützende Maßnahmen der TRAI entstanden so genannte &#8220;joint sectors’ multinationaler Konzerne im Kommunikationssektor. Der Bereich der &#8220;Computer-Software-Aktivitäten&#8221; wurde in Bezug auf Devisen in weniger als zehn Jahren zum wirtschaftlich wichtigsten Bereich Indiens.</p>
<p>Die staatliche Förderung von Computern und Internet innerhalb der Regierung, im Geschäftssektor, im Erziehungsbereich und der Unterhaltungsindustrie bescherte der indischen IT-Industrie eine Wachstumsrate von 40% pro Jahr. Heute existieren Webseiten aller großen indischen Zeitungen, Universitäten, NGOs, Geschäftskonzerne, Regierungsabteilungen und einer Vielzahl weiterer öffentlicher Institutionen. Über 2.000 Computer-Ausbildungs-Zentren wurden Im ganzen Land eingerichtet. Diese qualifizieren seit 1994 jährlich 55.000 Berufstätige mit einer abgeschlossenen Computer-Ausbildung. Laut der „National Association of Software and Service Companies of India“ (NASSCOM) basierten die Entscheidungen für die Maßnahmen des Ministeriums für Informationstechnologie auf Prognosen, die einen immensen Wachstum an Internetnutzern (von 17.000 im November 1998 auf über 1 Million im Juni 2000) voraussagten. Zudem wurde prognostiziert, dass es bis 2003 elf Millionen Internetverbindungen und 23 Millionen Internetnutzer geben würde. Diese Prognose hat sich mittlerweile bewahrheitet.</p>
<p class="fett">Reaktion der indischen Gesellschaft</p>
<p>Ende März 2004 wurden in Indien 31 Millionen Internetnutzer registriert. Doch wer gehört zu den hauptsächlichen Nutzern des Internet innerhalb der indischen Gesellschaft? Welche Funktionen erfüllt das Internet für die Nutzer? Was sind die kulturellen und politischen Auswirkungen des Internets in Indien?</p>
<p>Glaubt man den ersten Untersuchungen Ende der 90erJahre, kamen die anfänglichen Internetnutzer aus den oberen und mittleren gesellschaftlichen Schichten. Der typische Internetnutzer lebte in der Stadt, war jung, gebildet, männlich und hatte leichten Zugang zu Computern an seiner Ausbildungsinstitution oder an seinem Arbeitsplatz. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2002 ergab allerdings erstens, dass nur 68% der Internetnutzer unter 30 Jahren alt waren, der Rest jedoch älter. Zweitens zählten etwa 60% zu den Besserverdienenden (über 10.000 Rupies [über 200 €] Einkommen pro Monat), während 40% der Nutzer weniger Einkommen bezogen. Drittens ergab die Untersuchung, dass das Internet von 90% der Bevölkerung für Kommunikation, von 50% zur Information, von 43% zum chatten, und von 27% bzw. 23% zur Unterhaltung und zum arbeiten genutzt wurde.</p>
<p>Gleichzeitig kann argumentiert werden, dass das Internet den gebildeten und mobilen gesellschaftlichen Klassen neue Möglichkeiten eröffnet hat, während sich bereits existierende gesellschaftliche Ungleichheiten in den Kategorien Klasse, Kaste, Geschlecht und Region verschärft haben. Das Internet hat keinen bedeutsamen Einfluss auf Arme und Analphabeten innerhalb der indischen Gesellschaft. Das bedeutet, das Internet beschleunigt den Prozess der postkolonialen Modernisierung, ohne einen bedeutsamen Einfluss auf existierende Machtbeziehungen zu nehmen.</p>
<p>Es ist interessant, dass das Internet als letzte Stufe der Modernisierung von Information und Kommunikation in der indischen Gesellschaft akzeptiert wird. Es wird außerdem als Indikator von Modernität und Mobilität anerkannt. Das Wissen um die Nutzung von Computern und Internet gilt mittlerweile als Status-Symbol.<br />
                            <br />Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass das dörfliche Indien das Internet und Computer als Möglichkeit für Modernisierung und Entwicklung aufgenommen hat. Die modernen Technologien werden von der Dorfgemeinschaft als Schnittstelle zwischen Lokalität und Globalität behandelt: Die Technologien kamen über Regierungs-Programme in die Dorfgemeinschaften. Die Regierung nutzt das Internet für eGovernment, die Händler für eCommerce. Die Dorfjugend, vor allem ihre männlichen Mitglieder, hält sich vorzugsweise auf Seiten zu Musik, Film und Unterhaltung auf. Das Internet hat also im Moment zwei Hauptfunktionen für das Leben der indischen Nutzer: erstens die Intensivierung von Lokalität im Hinblick auf die Alltagskommunikation und –Interaktion und zweitens die Vergrößerung des Informationspools jenseits nationaler und kultureller Grenzen.</p>
<p>Wie kann also der Einfluss des Internets im Kontext des indischen Modernisierungs-Projektes bewertet werden? Ende 2000 war Neu Delhi mit 3.190.616 Anschlüssen zum „cyber hub“ Indiens aufgestiegen. Diese Anzahl von Anschlüssen war drei Mal größer als die der Bundesstaaten Bihar, Madhya Pradesh, Rajasthan und Uttar Pradesh zusammen genommen. Trotz des wachsenden Abstands zwischen den führenden Städten und den zurückbleibenden Staaten wird erwartet, dass sich die Anschlusszahlen innerhalb der kommenden fünf Jahre alle sechs Monate verdoppeln. Das wären zehn Prozent der indischen Bevölkerung.</p>
<p>Das Internet ist also Vorbote eines Zeitalters, in dem die Informationstechnologie revolutioniert werden wird. Durch die Expansion des Internets in nahezu alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens hat das indische Modernisierungs-Projekt die Hürde zur Informationsgesellschaft überschritten. Modernisierung wird jenseits von „Westernization“ in Regierung, Wirtschaft, Bildung und Unterhaltung gefördert. Während durch das Internet einerseits homogene Informationen empfangen werden, fördert es gleichzeitig – mit Cyber Cafes, Internet-Netzwerken und eMail-Interaktionen &#8211; die Heterogenität von Kulturen. Für viele Internetnutzer bedeutet die Internet-Verbindung die erste Berührung als Individuum mit der Globalität. Diese Tatsache könnte für eine Gesellschaft, die mit den Herausforderungen der De-Kolonialisierung, Modernisierung, Identitäts- und Nationenbildung im Zeitalter der Globalisierung konfrontiert ist auf verschiedene Art und Weise sehr bedeutsam sein.</p>
<p class="fett">Dr. Manjula Rathaur ist Präsidentin des „Centre for Applied Sociology“ auf dem Vasant Kanya Mahavidyalaya – Campus der Banaras Hindu Universität in Varanasi, Indien und unterrichtet dort Soziologie. Als Gastdozentin war sie in Evanston (USA), Paris und Freiburg. Ihre speziellen Forschungsinteressen umfassen Medien und Gesellschaft, Frauen und Technologie sowie sozialer Wandel in ländlichen Gebieten.</p>
<p>Der Text wurde übersetzt von Ruth Streicher</p>
<p class="fett">
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunami_internetindien101-shtml-2723/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die digitale Wirtschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/econsumer-verbraucherschutz-barbrook-shtml-2568/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/econsumer-verbraucherschutz-barbrook-shtml-2568/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[rbarbrook]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jan 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Do it yourself]]></category>
		<category><![CDATA[Industriegesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/econsumer-verbraucherschutz-barbrook-shtml-2568/</guid>

					<description><![CDATA[Dr. Richard Barbrook lehrt an der 
                      Westminster University in London Hypermedia Studies und ist dort Leiter des 
                      Hypermedia Research Centres. Der Autor der Medienbuch-Klassiker 'Media Freedom' und 'The Californian Ideology' ist einer der führenden Kritiker des neoliberalen Wirtschaftssystem aus linkspolitischer Sicht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Richard Barbrook lehrt an der<br />
                      <a href="http://www.wmin.ac.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Westminster University</a> in London Hypermedia Studies und ist dort Leiter des<br />
                      <a href="http://www.hrc.wmin.ac.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hypermedia Research Centres</a>. Der Autor der Medienbuch-Klassiker &#8216;Media Freedom&#8217; und &#8216;The Californian Ideology&#8217; ist einer der führenden Kritiker des neoliberalen Wirtschaftssystem aus linkspolitischer Sicht.<!--break-->
                    </p>
<p>Das Netz ist die Technikikone unseres Zeitalters.<br />
                    <em><br />
                      <a href="http://www.wired.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wired</a><br />
                    </em>, das aus Kalifornien stammende Computermagazin, prophezeit eine Form der Markwirtschaft, wie man sie sonst nur aus neo-klassischen Wirtschaftslehrbüchern kennt. Mit seinen Behauptungen hat das e-Zine globalen Bekanntheitsgrad erworben. Jeder wird in der Lage sein, im Cyberspace ohne Einschränkungen zu kaufen und zu verkaufen. Die Nationalstaaten werden den elektronischen Kommerz nicht mehr kontrollieren können, da er sich ohne Hindernisse über die Ländergrenzen hinwegsetzen kann. Das Netz wird für die ganze Welt den amerikanischen Traum vom großen Geld wahr werden lassen. Diese neoliberale Fantasie aus dem kalifornischen Hi-Tech-Paradies hat mystische Dimensionen angenommen. Durch Freigabe der angeblich natürlichen Gesetze immanent im unregulierten Kapitalismus werden die neuen Informationstechnologien zur Geburt einer neuen Rasse von &#8220;post-humans&#8221; (Post-Menschen) führen: Cyborg-Kapitalisten als Befreier vom einengenden Fleisch. Wie viktorianische Fabrikbesitzer glauben die Hi-Tech-Neoliberalen, dass ihr Selbstinteresse den Gipfel der Darwinistischen Evolution darstellt.</p>
<p>Die kalifornische Ideologie ist die Fantasie der &#8216;virtuellen Klasse&#8217;: Der Westküstenunternehmer und -pioniere, die darauf hoffen, ihren Reichtum aus dem Netz zu gewinnen. Natürlich sind auch die Europäer nicht immun gegen den Einfluss des kalifornischen Traums. Seit dem Untergang des Stalinismus haben viele Intellektuelle eine postmoderne, nihilistische Haltung angenommen, die zum Neoliberalismus keine Alternative bietet. Einige Linke gaben sich gar der masochistischen Freude hin, alle Formen technologischer Innovation als Triumph kapitalistischer Herrschaft zu erklären. Diesen Pessimisten zufolge ist das Anliegen der Arbeiterklasse im Cyberspace verloren gegangen. Jedoch ist der Hi-Tech-Neoliberalismus, der von der kalifornischen Ideologie verfochten wird, selbst ein Versuch, die Prometheusche Macht menschlicher Kreativität zu kontrollieren. Die breitere Verfügbarkeit von Kapital und Material hat, seit Verbesserung der globalen Kommunikation, und allein auf die monopolistische Kontrolle des Wohlstands basierend, die sozialen Kräfte unterlaufen. Vor allem macht die ständige technologische Innovation den Erfolg auf dem Markt zunehmend von den Fähigkeiten und dem Enthusiasmus der Arbeitnehmer abhängig. In der digitalen Wirtschaft ist somit nichts wertvoller als menschliche Genialität.</p>
<p>Vor über zweihundert Jahren waren die Langeweile und Disziplin des Fabrik-Systems als einzige Methode des materiellen Wachstums akzeptiert. Schließlich lebten Arbeiter unter dem Fordismus weitaus besser, als die aristokratische Schicht im Mittelalter. Als aber die Konsumgesellschaft keine Neuigkeit mehr war, fingen viele Menschen an, nach etwas zu suchen, das über das Geld hinaus ging. So fordern Arbeiternehmer seit den 60ern mehr Autonomie im Beruf und mehr Freiheit im Privatleben. Auch die Neoliberalisten haben dem traditionellen Konservatismus den Rücken gekehrt und nutzen Kommerzialisierung und Privatisierung, um jenen Aspirationen wieder Leben einzuhauchen. Zum Beispiel werden den talentierten Arbeitnehmern der Hi-Tech-Industrie Versprechen gemacht, dass auch sie die Möglichkeit haben, ihre eigene Firma zu gründen und die Unabhängigkeit, die mit dem Reichtum kommt, genießen zu können.</p>
<p>Der Hi-Tech-Neoliberalismus ist jedoch ein falscher Traum für die meisten Menschen. In den USA sinkt der Durchschnittslohn seit zwanzig Jahren. In der EU ist die Massenarbeitslosigkeit zum permanenten Phänomen geworden. Selbst die wenigen Glückspilze der &#8220;virtuellen Klasse&#8221; können sich nicht komplett von den sozialen und wirtschaftlichen Problemen des Spätkapitalismus abschotten, indem sie sich in ihren eingezäunten Vorstädten und ihrem verschlüsselten Cyberspace verstecken. Vor allem liefert die freie Marktwirtschaft keine Lösung zum Problem der Entfremdung vom Arbeitsplatz. Im Neoliberalismus drückt sich individuelle Autonomie nur noch durch Deals-Machen aus und nicht durch die Anfertigung nützlicher und schöner Artefakte. Die Geschichte von Computer und Hypermedia ist voller trauriger Episoden, in denen Ingeneure und Künstler ihre Kreativität an die Mühlen der Bürokratie geopfert haben. Anstelle der kalifornischen Ideologie brauchen wir heute ein fundierteres Verständnis vom Netz und seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Denn anstatt technischer Ausdruck des Neoliberalismus zu sein, demonstriert die digitale Wirtschaft die Notwendigkeit der Schaffung einer neuen, auf das 21. Jahrhundert zugeschnittenen, sozialdemokratischen Ordnung.</p>
<p>Die Ursprünge des Internet selbst weisen auf die Märchenqualität der kalifornischen Ideologie hin. Weit davon entfernt, ein Produkt der freien Markwirtschaft zu sein, wurde das Internet als Teil eines riesigen Militärprogramms von amerikanischen Steuerzahlern finanziert, um der Bedrohung des sowjetischen Sputnik-Satelliten entgegenzutreten. Wie viele Erfindungen im Kalten Krieg hätte auch das Internet ein offizielles Geheimnis bleiben können. Als es aber an den Universitäten entwickelt wurde, eigneten sich die Akademiker und Studierenden die neue Technologie für ihre eigenen Zwecke an. Von Online-Diskussionsgruppen über elektronische Post &#8211; die beliebtesten Bestandteile des Netzes wurden von Enthusiasten entwickelt. Angezogen vom nicht-kommerziellen Ethos begannen andere, das Internet als eine neue Art von Gemeinschaftsmedium weiter auszubauen. Selbst heutzutage wird über die Hälfte des Materials im Internet von Amateuren bereitgestellt. Und obwohl die kommerziellen Unternehmer einen Großteil der Hardware entwickelt haben, waren sie die letzten, die das große Potential des Netzes erkannten. Der Grund dafür, dass Microsoft und andere Firmen Billionen von Dollars in das Netz investieren, liegt darin, dass sie aufholen und mithalten müssen mit der weitverbreiteten Nutzung des Netzes durch staatlich subventionierte Institutionen und der Do-it-yourself-Kultur (DIY-Kultur).</p>
<p>Das Netz ist nicht der Vorläufer eines globalisierten, unregulierten Marktplatzes. Im Gegenteil: Seine profane Geschichte veranschaulicht die Vermischung von staatlichen, kommerziellen und sozialen Interessen innerhalb der sich herausbildenden digitalen Wirtschaft. Jeder Bereich will eine Rolle spielen und keiner kann ohne den anderen existieren. Zum Beispiel ist staatliche Intervention notwendig, um den Bau eines Breitband-Netzwerkes sicherzustellen, das alle Haushalte und Geschäfte verbindet. Überließe man dies unregulierten Wirtschaftskräften, würde der universelle Zugang zu den neuen Informationsangeboten nur sehr langsam zustande kommen. Auch kann das kommerzielle Potential des Netzes nur dann voll realisiert werden, wenn ein faseroptisches System bevölkerungsumspannend aufgebaut wird. Wie auch im Falle früherer Dienstleistungen werden profitable Online-Geschäfte nur durch staatliche Regulierung &#8211; oder gar staatlichen Besitz der digitalen Infrastruktur &#8211; florieren.</p>
<p>Darüber hinaus ist auch die Weiterentwicklung der DIY-Kultur notwendig. Wie die Geschichte des Netzes demonstriert, haben Hacking, Piraterie, Shareware und Open-Source-Systeme geholfen, die Einschränkungen von staatlichen und kommerziellen Interessen zu überwinden. Ob nun aus politischen oder profitorientierten Gründen &#8211; große Institutionen versuchen immer noch, ihre Eigentumskontrollen auf den Cyberspace zu übertragen. Dabei ist eines der Hauptanziehungspunkte des Netzes für die Benutzer, dass sie nicht streng kontrolliert werden von irgendwelcher öffentlichen oder privaten Bürokratie. Schon jetzt kann ein Teil der Bevölkerung das Netz zur Information, Bildung und Freizeit außerhalb der Einflusssphäre von Staat und Wirtschaft nutzen. Sobald das Breitband-Netzwerk steht, wird jeder die Möglichkeit haben, bei der Hi-Tech-Geschenkwirtschaft (hi-tech gift economy) mitzumachen. Viele der derzeitigen Netzbesucher laden sich nicht nur einfach Produkte anderer herunter. Sie wollen sich auch selber ausdrücken, zum Beispiel durch eine Homepage oder per Online-Konferenz. Im Gegensatz zu den traditionellen Medien ist das Netz nicht eine Vorstellung des passiven Konsums, sondern eine partizipative Aktivität.</p>
<p>Ironischerweise ist die DIY-Kultur auch eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Entwicklung eines erfolgreichen kommerziellen Sektors im Netz. Indem die Hi-Tech-Geschenkwirtschaft den Menschen ermöglicht, sich die Grundlagen des Hypermedia-Handwerks anzueignen, trägt sie dazu bei, eine bewanderte und innovative digitale Arbeiterschaft hervorzubringen. Allerdings ist es sehr schwierig, das Managementsystem der traditionellen Fabrikhalle auf die neuen Arbeiter und Arbeitsweisen zu übertragen. Die rapide Verbreitung von PCs und nun dem Internet ist Ausdruck des Wunsches vieler Menschen, den kleinlichen Kontrollen des Geschäfts oder Büros zu entkommen. Trotz der Unsicherheit von Kurzzeitarbeitsverträgen wollen sie die Unabhängigkeit des Handwerkerberufs, die im Prozess der Industrialisierung verloren ging, wiedererlangen. Wegen der rasanten technologischen Innovation sind die Facharbeiter der Hypermedia- und Computerindustrie prädestiniert dafür, ihre Ansprüche auf Autonomie zu behaupten.</p>
<p>Während die Neoliberalen nur den Erfolg für Wenige versprechen können, bietet das Wiederaufleben von handwerklichen Methoden eine Arbeitsweise, die die meisten kreativen Arbeiter auch innerhalb des kommerziellen Sektors übernehmen können. Schon jetzt sind die digitalen Handwerker dabei, die kulturellen und technischen Grenzen der Hyper-Medien so weit wie möglich auszudehnen. Entscheidend ist dabei, dass ihre Artefakte im Netz leicht reproduziert und vertrieben werden können. Zum ersten Mal können Handwerker auch Vorteile aus der ‚Economy of Scale&#8217; ziehen, etwas, was bis jetzt immer nur den Fabrikbesitzern vorbehalten war. Die momentane Wiederbelebung des Handwerkertums ist daher weit davon entfernt, in seine low-tech Vergangenheit zurückzufallen; vielmehr steht es für die ‚cutting edge&#8217; in der Entwicklung des Postfordismus.</p>
<p>Die Evolution des Kapitalismus spiegelt sich im Prozess des technologischen Fortschritts wieder. Während klassischer Liberalismus von Kohle und Metall abhängig war, produzierte der Fordismus elektromagnetische, sowie chemische Technologien. Am Ende des 20. Jahrhunderts wird nun behauptet, dass das Netz ein neues wirtschaftliches Paradigma erzeugt. Den Nutzen dieser neuen innovativen Technologie kann man aber nur voll ausschöpfen, wenn man auch die Arbeitsweise umstellt. Der Fordismus war nicht nur von der Erfindung des Motors und anderen Massengütern abhängig. Vor allem die Methode der Fließbandarbeit in der Produktion war für die Entstehung dieser Form des Kapitalismus grundlegend. Sogar die kalifornischen Ideologen vertreten die Ansicht, dass die Expansion des Netzes von der Unterordnung oder der Anpassung der Arbeiter durch unregulierte Märkte abhängt. Trotz ihres offenkundigen technologischen Determinismus akzeptieren sie vorbehaltlos, dass die Organisation der Arbeiterschaft im Zentrum der digitalen Wirtschaft steht.</p>
<p>In der Praxis verhindert der Hi-Tech-Neoliberalismus jedoch die Entwicklung einer gedeihenden digitalen Wirtschaft. Zum Beispiel kann nur eine kleine Minderheit das Glück haben, zur virtuellen Klasse zu gehören. Das kreative Potential der meisten Macher von Hypermedien wird immer noch durch die Produktionsmethoden des Fordismus eingeschränkt sein. Das ist der Grund, weswegen wir uns nicht von den einfach gestrickten Slogans aus Kalifornien einschüchtern lassen sollten. Stattdessen müssen wir versuchen, die Komplexität der Mischwirtschaft, die dem Postfordismus entspringt, zu begreifen. Vor allem müssen wir erkennen, dass menschliche Genialität die wichtigste Eigenschaft der sich herausbildenden digitalen Wirtschaft ist. Der Staat, kommerzielle Unternehmen und die DIY-Kultur haben dabei alle unterschiedliche Methoden, den Prometheuschen Geist menschlicher Kreativität freizusetzen. Unter dem Fordismus wurde der Fabrikarbeiter zu einer heroischen Figur, zur Verkörperung der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In der gegenwärtigen Gesellschaft hat der digitale Handwerker diese Rolle übernommen. Ob sie in der öffentlichen, Geld- oder Geschenkwirtschaft produktiv sind &#8211; digitale Handwerker repräsentieren die Zukunft, die um fachliche, kreative und autonome Arbeit kreist. Das Versprechen der digitalen Wirtschaft liegt nicht nur im praktischen Potential der neuen Informationstechnologien, sondern &#8211; viel wichtiger &#8211; in der Entstehung eines neuen Typus des Arbeiters. Deswegen sind die digitalen Handwerker die Pioniere einer, auf das 21. Jahrhundert zugeschnittenen, Sozialdemokratie.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 03.01.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="tidy-3">Ins Deutsche übersetzt von<br />
                    <a href="mailto:irobbers@politik-digital.de">Ines Robbers</a></p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/econsumer-verbraucherschutz-barbrook-shtml-2568/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
