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	<title>Sozialsystem &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Sozialsystem &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;So krank ist Deutschland nicht.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotso_krank_ist_deutschland_nichtquot-273/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ameyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/uschmidt.jpg" alt="Ulla Schmidt" align="left" border="0" height="115" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000"> Bundessozialministerin Ulla Schmidt </span></b><span style="color: #000000"><b><b>war 
am 30. Oktober 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/uschmidt.jpg" alt="Ulla Schmidt" align="left" border="0" height="115" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000"> Bundessozialministerin Ulla Schmidt </span></b><span style="color: #000000"><b><b>war<br />
am 30. Oktober 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute ist Ulla Schmidt, Ministerin<br />
für Gesundheit und Soziales, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen, vielen<br />
Dank. Alles bereit, Frau Schmidt, können wir loslegen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Frage von mir vorab: Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte<br />
und Patienten glaubt laut „Bild“-Zeitung, dass wegen aufgebrauchter<br />
Budgets der Ärzte, die Praxen keine Behandlungstermine vergeben.<br />
Können Sie ausschließen, dass die Ärzte Behandlungen ins<br />
nächste Jahr verschieben, um nicht mit den Budget-Obergrenzen in<br />
Konflikt zu kommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die Ärzte müssen alle Patienten und Patientinnen behandeln und<br />
haben einen Vertrag mit den Krankenkassen, dass sie den Kranken das medizinisch<br />
Notwendige immer zur Verfügung stellen. Die Kassenärztlichen<br />
Vereinigungen sind verpflichtet, das medizinisch Notwendige zur Verfügung<br />
zu stellen. Das hat auch im Übrigen immer funktioniert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>allmut</b>:<br />
In den beschriebenen Reformpaketen werden hauptsächlich die kleinen<br />
Leute zur Kasse gebeten. Warum sind Beamte etc. von Zahlungen in die Versicherungskassen<br />
ausgenommen??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die Beamten zahlen auch Krankenbeiträge, erhalten aber keinen Arbeitgeberanteil,<br />
sondern stattdessen Beihilfen. All das, was im Modernisierungsgesetz beschlossen<br />
wurde, wird auch auf den Beihilfeanteil übertragen. Das gilt dann<br />
auch für Politiker und Minister.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>CatherinaB</b>:<br />
Eine Frage zur Gesundheitsreform: Warum finden sich auf der Positivliste<br />
hunderte Mittel ohne wissenschaftlichen und/oder klinischen Wirksamkeitsnachweis,<br />
so wie Schweineenddarm und Drüsen junger Wölfe? Ich dachte es<br />
geht um eine Grundversorgung mit „wirksamen“ Medikamenten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Das sind auch Medikamente, die auf der Positivliste enthalten waren, aber<br />
wir brauchen darüber nicht mehr diskutieren, da die Opposition nicht<br />
bereit war, der Einführung der Positivliste zuzustimmen. Und deshalb<br />
wird sie nicht kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Damit ist aber eines der wichtigsten Reformvorhaben im Gesundheitssystem<br />
gescheitert. Nicht hart genug verhandelt? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Das wichtigste Reformprojekt waren die strukturellen Veränderungen,<br />
die Begrenzung der Ausgaben und damit einhergehend auch die Stabilisierung<br />
der Sätze. Das, was mit der Positivliste an strukturellen Veränderungen<br />
im Arzneimittelsektor vorgesehen war, wird jetzt durch andere Maßnahmen<br />
erreicht, z.B. Festbeträge auf patentgeschützte Arzneimittel,<br />
Nutzenbewertung von Arzneimitteln, und anderes mehr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>chatti</b>:<br />
Warum gelingt es den Ärzten immer wieder die Stimmung gegen Sie aufzuheizen?<br />
Haben die eine bessere Strategie in der Öffentlichkeitsarbeit? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Da bin ich mir nicht so sicher, aber sie haben natürlich das Machtmonopol<br />
in den Arztpraxen und setzen auf das besondere Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis<br />
der Patienten und Patientinnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Höre ich da heraus, Sie beneiden die Ärzte um ihr Vertrauensverhältnis<br />
zu den Patienten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein, wenn ich die Patienten alle einzeln vor mir sitzen habe, kann ich<br />
sie auch überzeugen, dass nicht alle Äußerungen der Ärzte<br />
richtig sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>silke</b>:<br />
Sollte die Kassenärztliche Vereinigung nicht abgeschafft werden?<br />
Welche Aufgabe hat diese Organisation außer durch bürokratische<br />
Vorgänge Abläufe zu verlangsamen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die wesentliche Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung ist, sicherzustellen,<br />
dass jeder die medizinische Versorgung bekommt, die er braucht. Am besten<br />
sieht man das am Beispiel der Privatversicherung, die können ihren<br />
Versicherten nicht garantieren, dass sie jederzeit einen Arzt oder Ärztin<br />
finden, die sie zu ihren Versicherungskonditionen behandelt, z.B. zum<br />
Standardtarif.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>auch interessiert</b>:<br />
Stichwort Kassenbeiträge: Sie streben für das kommende Jahr<br />
einen durchschnittlichen Satz von 13,6 Prozent an. Viele Kassen wollen<br />
zwar senken, von den 13,6 Prozent sind sie aber weit entfernt. Beispiel<br />
DAK: Jetzt 15,2 Prozent. Will ab Januar auf einen Beitrag 14,x senken.<br />
Was wollen Sie tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Natürlich muss nicht jede einzelne Krankenkasse auf diese Beiträge<br />
absenken, denn bei den Beitragssätzen geht es immer um durchschnittliche<br />
Größen. Sie haben eine Bandbreite von 11,9 bis 15,2, wenn sie<br />
die einzelnen Kassen nehmen und damit ist auch das Entlastungspotenzial<br />
jeder Kasse unterschiedlich. Aber es wäre ja für DAK-Versicherte<br />
schon erfreulich, wenn sich der Satz wieder auf 14 zubewegt, statt auf<br />
16, was ohne Reform eben zu befürchten gewesen wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Sie garantieren die 13,6% Durchschnitt für das nächste<br />
Jahr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Man sollte nie was garantieren, aber wir werden alles daran setzen, alles<br />
das was an Leistungen umfinanziert wird oder gestrichen wird oder über<br />
Steuermittel finanziert wird, dass die Kassen dies in Senkungen an die<br />
Versicherten weitergeben. <br />
Wir haben auch bei unseren Berechnungen einkalkuliert,<br />
dass die Kassen gut 3 Milliarden Euro für die Abdeckung möglicher<br />
Defizite verwenden können und insofern gehe ich davon aus, dass wir<br />
im Durchschnitt des kommenden Jahres die Beitragssatzsenkungen erreichen.<br />
Nicht zum 1.1.2004.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zur Praxisgebühr:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bayernhawkins</b>:<br />
10 € pro Quartal für den Arzt. Hat schon einmal jemand ausgerechnet<br />
wieviel es an Verwaltungskosten ausmacht diese 10 € zu erfassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein. Das ist auch nicht das Entscheidende, denn die 10 Euro sind die<br />
ersten 10 Euro des Honorars für den Arzt. Genauso wie der heute die<br />
Versicherungskarte durchscannen muss, werden in Zukunft beim Erstbesuch<br />
oder wenn keine Überweisung vorgelegt wird, die 10 Euro einbehalten<br />
und dies bei der Abrechnung mit der KV angegeben. Das ist alles nur eine<br />
Gewohnheitssache und wird in fast allen Ländern um uns herum so gehandhabt<br />
und keiner beschwert sich dort über Bürokratie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JFKF</b>:<br />
Wäre es nicht besser gewesen, in der Nachfolge von Frau Fischer erst<br />
einmal die Budgets beizubehalten &#8211; und auch sanktionsbewehrt durchzusetzen<br />
&#8211; und die Reformen dann echte Strukturreformen unter geringerem finanziellem<br />
Druck anzugehen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die Budgets sind bis heute noch beibehalten, was wir geändert haben,<br />
war die Abschaffung des Kollektiv-Regresses, der seit seinem Bestehen<br />
nie vollzogen worden war. Wir haben Obergrenzen für die Arzneimittelversorgung<br />
auf vertraglicher Ebene eingeführt und wir haben in diesem Jahr auch<br />
einen geringeren Anstieg bei den Arzneimittelausgaben. Die Budgetierung<br />
im Arzneimittelbereich hat nur zu Rationierung für die Patienten<br />
geführt, und nicht zu strukturellen Veränderungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Warum eigentlich nicht:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dumdidum</b>:<br />
Kann man nicht die Krankenkassen durch Gesetze verbieten, die zu hohe<br />
Verwaltungskosten haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Wir haben jetzt durchgesetzt, die Verwaltungsausgaben zu deckeln und darüber<br />
hinaus ab dem kommenden Jahr gesetzlich festgeschrieben, dass die Krankenkassen<br />
verpflichtet sind, ihre Mitglieder darüber zu informieren wie hoch<br />
der Anteil der Verwaltungskosten am eigenen Beitragsaufkommen ist und<br />
wofür Verwaltungskosten ausgegeben wurden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Ebenso haben wir Auskunftspflicht<br />
für Vorstandsgehälter gesetzlich vorgeschrieben. Dann kann das<br />
einzelne Mitglied mehr Einfluss nehmen. Im Übrigen sind die Verwaltungsausgaben<br />
bei den Privatvesicherern dreimal so hoch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rb</b>:<br />
Ich wüsste gerne, warum die Bundesregierung glaubt, durch die Herausnahme<br />
von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, Geld sparen zu können.<br />
Alternativ wüsste ich gerne, welche andere Logik hinter dieser Absicht<br />
steckt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die Menschen bezahlen heute schon von den rund 7,2 Milliarden Ausgaben<br />
im nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittelsektor 5 Milliarden selbst.<br />
Es bleiben gut 2 Milliarden, davon werden rund 1 Mrd von den Krankenkassen<br />
ersetzt, z.B. zur Behandlung von Kindern oder wenn ein nichtverschreibungspflichtiges<br />
Mittel zum Therapiestandard bei der Behandlung einer Krankheit gehört.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bei den übrigen Arzneimitteln gehen wir davon aus, dass der größte<br />
Teil in den Bereich der Selbstmedikation gehört. Wir geben aber die<br />
Preise in diesem Sektor frei, so dass demnächst diese Arzneimittel,<br />
die im Übrigen in ganz Europa nicht ersetzt werden, auch zu den gleichen<br />
Preisen in Deutschland angeboten werden, wie es unsere Bürgerinnen<br />
und Bürger sonst bei Auslandsreisen erfahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zur Praxisgebühr:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anja</b>:<br />
Was ist mit der Praxisgebühr, wenn man nun mal alle paar Monate nur<br />
ein bestimmtes Rezept braucht und nur deswegen eben auch zum Arzt gehen<br />
muss? Man ruft an und holt das Rezept ab. Und die Praxisgebühr muss<br />
ich jedes Mal zahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ello</b>:<br />
Glauben Sie nicht, dass eine höhere Selbstbeteiligung dazu führen<br />
wird, dass auf Präventiv-Untersuchungen verzichtet wird, so dass<br />
durch verschleppte Krankheiten ein viel größerer Schaden entsteht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Alle Vorsorgeuntersuchungen und Präventionsangebote sind weiterhin<br />
kostenfrei. Die Praxisgebühr wird einmal im Quartal erhoben und ich<br />
glaube, dass sich die Menschen daran gewöhnen werden. Die Erfahrungen<br />
in anderen Ländern zeigen, dass durch solche Gebühren notwendige<br />
Arztbesuche nicht verschoben werden. Aber wir haben heute eindeutig in<br />
Deutschland zu viele Arztkontakte: 560.000.000 im Jahr. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Ich bin sicher,<br />
so krank ist Deutschland nicht, Gott sei Dank. Bei den Rezepten ist es<br />
so, dass wir eine Regelung für z.B. Antibabypille machen, wo zwar<br />
in regelmäßigen Abständen auch eine Untersuchung erfolgen<br />
sollte, aber trotzdem zwischendurch auch nur die Rezepte abgeholt werden<br />
und dann soll keine Praxisgebühr fällig sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tdykier</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Schmidt! Die gesellschaftlichen v.a. demographischen<br />
und global-wirtschaftlichen Entwicklungen zwingen uns alle zu einem Umdenken.<br />
Ihr &#8211; eindeutig unpopulärer &#8211; Weg zeugt von Ihrer Standhaftigkeit<br />
und Wissen und ist sicherlich ein Weg, den Entwicklungen entgegenzuwirken.<br />
Doch Ihr Standpunkt geht auf Kosten der Gerechtigkeit und trägt zu<br />
einer Ausdehnung der Armuts-/Reichtumsschere bei. Erlaubt dies Ihr Gewissen,<br />
Partei? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich glaube nicht, dass das so ist, denn wenn ich heute keine Schritte<br />
auf den Weg bringen würde, die Systeme der sozialen Sicherung effizienter<br />
und effektiver zu gestalten, würden die Menschen, die auf Hilfe angewiesen<br />
sind, eindeutig die Verlierer und Verliererinnen sein. Die Einschnitte<br />
oder auch moderate Belastungen der Versicherten, z.B. im Gesundheitsbereich,<br />
sind nicht nur notwendig, um das Gesundheitssystem bezahlbar zu machen,<br />
sondern auch um die Solidarität zu stärken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Gerechtigkeit bedeutet<br />
in diesem Zusammenhang für mich, das System so zu organisieren, dass<br />
auch unter veränderten ökonomischen Bedingungen und demografischen<br />
Bedingungen jeder unabhängig von Alter und Einkommen das bekommt,<br />
was medizinisch notwendig ist, und zwar auf Höhe des medizinischen<br />
Fortschritts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Volker Wilckens</b>:<br />
Hallo Frau Ministerin !! Ist mit der Gesundheitsreform 2003 gleichzeitig<br />
das AiP zum 1.10.2004 abgeschafft worden!?! Wir Studenten sind uns nicht<br />
ganz sicher!!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
AiP ist „Arzt im Praktikum“</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Es wird zum 1.10 abgeschafft, aber das ist in einem eigenen Gesetz geregelt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wir sind ja nicht nur krank, sondern werden auch noch alt: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ein Beitragszahler</b>:<br />
Die Vorschläge zur Erhöhung des Renteneintrittalters auf 67<br />
oder 68 Jahre haben doch nur den Zweck, die in Zukunft notwendigen Abschläge<br />
auf die Rentenzahlungen zu erleichtern. Oder glauben die verantwortlichen<br />
Politiker wirklich, dass die Firmen ein Interesse daran haben, Oma und<br />
Opa im Betrieb halten zu können. Vereinzelte Ausnahmen mag es ja<br />
geben, aber in der Masse geht es doch nur um Rentenkürzungen. Unterstelle<br />
ich hier etwas Falsches?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Niemand will das Renteneintrittsalter heute oder morgen auf 67 Jahre hoch<br />
setzen. Es geht um die Frage, was ist im Jahr 2035? Wir wissen heute,<br />
dass sich die Rentenbezugsdauer um mindestens 3,5 Jahre verlängern<br />
wird, weil die Lebenserwartung steigt. Es gibt nur drei Dinge die getan<br />
werden können: Entweder wir erhöhen die Beiträge oder wir<br />
senken das Niveau oder wir erhöhen das Renteneintrittsalter. Für<br />
eines wird man sich im nächsten Jahrzehnt entscheiden müssen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Aber ich teile Ihre Auffassung, dass wir in diesem Jahrzehnt, alle Kräfte<br />
darauf konzentrieren müssen, dass auch die ältere Generation<br />
Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat und dass wir zunächst alles darin<br />
investieren müssen, dass sich das tatsächliche Renteneintrittsalter<br />
dem gesetzlichen annähert. Dann hätten wir schon viel gewonnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>krone</b>:<br />
Ich bin Ende 20. Was meinen Sie, wie viel Rente ich zu erwarten habe?<br />
Laurenz Meyer hat gestern hier im Chat gesagt 30-40 Prozent. Sehen Sie<br />
das auch so? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Meyer sprach von 35 bis 40 Prozent Bruttorentenniveau für einen heute<br />
30-jährigen. Das wären so grob geschätzt 840 Euro &#8211; bei<br />
45 Jahren Arbeit mit Durchschnittsverdienst!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein, das darf es nicht geben, denn die gesetzliche Rentenversicherung<br />
wird in 30 Jahren nicht mehr die Lebensstandard sichernde Funktion haben<br />
können, wie es die heutige Rentnergeneration nach 45 Arbeitsjahren<br />
hat. Aber sie muss eine starke Säule bleiben und wer 45 Jahre eingezahlt<br />
hat muss eine Rente erhalten, die über dem Sozialhilfeniveau liegt,<br />
sonst verliert die gesetzliche Rentenversicherung ihre Akzeptanz. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Die<br />
Berechnungen der Rürup-Kommission gehen davon aus, dass eine preisbereinigte<br />
Rente, die ohne die jetzt anstehenden Reformmaßnahmen 1500 Euro<br />
ausmachen würde, mit unseren angekündigten Maßnahmen in<br />
30 Jahren bei etwa 1430 Euro liegen wird. Das sind schon preisbereinigte<br />
Zahlen. Aber ich kann Ihnen nur empfehlen, dass Sie neben der umlagefinanzierten<br />
Rente entweder in die betriebliche oder private kapitalgestützte<br />
Säule investieren, denn zum Lebensstandard brauchen sie in 30 Jahren<br />
beides.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>auch interessiert</b>:<br />
Wie wollen sie aber denn verhindern, dass die gesetzliche Rentenversicherung<br />
an Akzeptanz verliert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Indem die Reformschritte, die wir einleiten so auf den Weg gebracht werden,<br />
dass sie den Anforderungen, wie ich sie eben beschrieben habe, auch gerecht<br />
wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>autentic_info</b>:<br />
Wie stellen Sie sich dann die Gesundheitsversorgung vor &#8211; in 30 Jahren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich hoffe dass es uns dann gelungen ist, durch den umfassenden Ausbau<br />
der Prävention dafür zu sorgen, dass Krankheiten, die durch<br />
gesundheitsbewusstes Verhalten vermieden werden, dass die Versorgung chronisch<br />
kranker Menschen so optimiert ist, dass die Folgeerkrankungen so stark<br />
wie es geht vermieden oder eingeschränkt werden und dass wir in Deutschland<br />
durch einen Wettbewerb um die beste Qualität der medizinischen Versorgung<br />
weiterhin ein attraktiver Gesundheitsstandort sind. Wenn uns dies beispielsweise<br />
gelingt, wird Gesundheit auch in 30 Jahren noch bezahlbar sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kai1239</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Schmidt, wir haben heute in einer Fußgängerzone<br />
die Menschen gefragt, was sie an der politischen Situation verbessern<br />
würden und viele sagten, die “Rentenpolitik“. Wie erklären<br />
sie sich, dass ihre “Allheilmittel“ den Wähler nicht<br />
erreichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich weiß nicht was sie unter „Allheilmitteln“ verstehen,<br />
vielleicht könnten Sie das mal klären?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Axel aus München</b>:<br />
Stichwort “Ausbildungsanrechnung in der Rentenversicherung“:<br />
Ich halte es für nicht akzeptabel, Ansprüche, die durch eine<br />
abgeschlossene Ausbildung bereits erworben wurden, rückwirkend zu<br />
streichen; wieder einmal ein Beispiel der fehlenden Berechenbarkeit im<br />
Umfeld der Sozialversicherungen. Insgesamt ist es aber sicher akzeptabel,<br />
die Ausbildungszeiten nicht als Beitragszeiten zu zählen; Anrechnung<br />
zur Lebensarbeitszeit aber notwendig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Genau das geschieht und die berufliche Ausbildung wird auch weiterhin<br />
höher angesetzt, wenn auch geringere Beiträge gezahlt werden.<br />
Insofern darf ich sie also zu den Befürwortern des Konzepts zählen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>fgdghg</b>:<br />
Frau Schmidt, einerseits sollen mehr Leute an die Uni, andererseits wollen<br />
Sie die Rentenansprüche für Akademiker kürzen. Wie passt<br />
das zusammen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich bin auch Akademikerin und habe in meinem ganzen Leben noch niemanden<br />
getroffen, der seine Entscheidung für ein Studium davon abhängig<br />
gemacht hat, ob er dafür 20 Euro mehr Rente erhält. Ich wage<br />
die Prognose, dass genauso wie ich damals, auch heute kein Student oder<br />
eine Studentin weiß, dass es eine solche Höherbewertung überhaupt<br />
gibt. Insofern muss Bildungspolitik andere Voraussetzungen erfüllen.<br />
Studenten müssen gute Professoren, gut ausgerichtete Unis, eine aktuelle<br />
Bibliothek und eine gute Studienförderung haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>frank z</b>:<br />
Guten Tag Frau Schmidt, anstelle einer Beitragserhöhung oder einer<br />
Rentennullrunde hätte es doch an sich noch eine dritte Lösungsmöglichkeit<br />
gegeben: Eine weitere Stufe der Ökosteuer. Es hatte für mich<br />
den Anschein, dass darüber nicht einmal nachgedacht wurde. Warum<br />
eigentlich nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein, da haben wir auch nicht drüber nachgedacht, weil die Menschen<br />
sich mit der derzeitigen Ökosteuer schon bis an die Grenzen belastet<br />
fühlen und ich glaube auch nicht, dass wir langfristig die Probleme<br />
in den Sozialversicherungen lösen, wenn wir immer nur nach anderen<br />
Steuerquellen suchen. Das wäre zwar bei einem ausgeglichenen Haushalt<br />
die einfachste Lösung, aber im Moment würde die Erhöhung<br />
der Ökosteuer auch die Betriebe zusätzlich belasten und nicht<br />
dazu dienen, dass die Konjunktur anspringt und damit die Bedingungen für<br />
Beschäftigung verbessert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>koebes</b>:<br />
Guten Tag Frau Schmidt. Soll bei der Neugestaltung der Riester-Rente endlich<br />
auch eine praktikable Lösung für die Einbeziehung von Immobilien<br />
gefunden werden oder verschließt sich die Politik weiterhin dieser<br />
beliebtesten Altersvorsorge???</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Wir sind derzeit in den Fraktionen noch mitten im Diskussionsprozess,<br />
wie die Entbürokratisierung der Riester-Rente aussehen wird. Bisher<br />
gibt es für die Förderung von Immobilien das Entnahmemodell,<br />
aber das wird auch von vielen als zu bürokratisch angesehen. Wir<br />
werden auch weiterhin nur das fördern können, was zu regelmäßigen<br />
Zahlungen im Alter führt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JFKF</b>:<br />
Warum werden Beamte, Berufssoldaten, Richter, Abgeordnete und Regierungsmitglieder<br />
auch nicht annähernd so stark &#8211; wenn überhaupt merklich &#8211; in<br />
die finanzielle Verantwortung gezogen wie Arbeiter und Angestellte &#8211; in<br />
der Versorgung bei Krankheit wie auch im Alter?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Es gibt nicht nur die reichen Beamten, sondern alle zahlen auch für<br />
ihre Krankenversicherung und auch die Pensionsansprüche sind auch<br />
bei der Bemessung der Gehälter berücksichtigt, aber ich kann<br />
ihnen versichern, dass alles das, was wir im Bereich Gesundheit, Rente<br />
und Pflege verabschieden werden wirkungsgleich auf Beamte, Abgeordnete,<br />
Regierungsmitglieder etc. übertragen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>breiti</b>:<br />
Wen in der Union halten sie für den kompetentesten Gesprächspartner?<br />
Besteht die Hoffnung, dass die großen Volksparteien gemeinsam mit<br />
den Bürgern die Reformen meistern? oder müssen wir uns weiterhin<br />
auf irgendwelche Parteispielchen “freuen“?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich hoffe nicht. Ich gehe fest davon aus, dass wir bei der langfristigen<br />
Reform der Rentenversicherung zu parteiübergreifenden Beschlüssen<br />
kommen werden. Im Moment ist der kompetenteste Gesprächspartner eindeutig<br />
Herr Seehofer, die Union hat nicht mehr viele.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Frau Schmidt, Es gibt Rürup-Vorschläge, Hartz-Gesetze und Riester-Rente.<br />
Traurig, dass es noch nichts mit Schmidt- gibt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das war´s, vielen Dank, Frau Schmidt, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen sind. Die Transkripte gibt es wie immer auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Das tacheles.02-Team wünscht allen Beteiligten noch einen schönen<br />
Tag. </span></p>
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