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	<title>Soziologie &#8211; politik-digital</title>
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		<title>KI und Gesellschaft: Eine Bestandsaufnahme (Teil 2/3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Constantin Estorff]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Oct 2019 11:43:14 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Der Herbst 2018 sollte in Deutschland politisch den Einstieg ins KI-Zeitalter symbolisieren: Seitens der Regierung wollte man nun zur Weltspitze gehören. Im ersten Artikel dieser Reihe wurde bereits durchleuchtet, wie das bisher funktioniert hat. Nur was macht das eigentlich mit uns als Gesellschaft? Eine Bestandsaufnahme von Sein und Selbstbewusstsein.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Über Künstliche Intelligenz wird seit mittlerweile 20 Jahren diskutiert. „Doch das öffentliche Interesse könnte irgendwann erlahmen. Man hakt die mit der KI verbundenen Chancen und Risiken geistig ab – und plötzlich ist man überrascht, dass die technische Entwicklung mit aller Durchschlagskraft am Ende doch stattfindet.“ So warnte zumindest der Bundestagspräsident a.D. Norbert Lammert auf einer Veranstaltung über die KI-Kommission. Um sicherzustellen, dass es so genau nicht kommt, gibt es sowohl die höchst ambitionierte <a href="https://www.ki-strategie-deutschland.de/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI-Strategie der Bundesregierung</a>, als auch die <a href="https://www.bundestag.de/ausschuesse/weitere_gremien/enquete_ki" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI-Enquete-Kommission</a> des Bundestages. Es ist parteipolitisch allgemeiner Konsens, dass man gesellschaftliche Akzeptanz schaffen will. Doch wie soll das eigentlich genau funktionieren?</p>
<h3>„German Angst“, oder doch eher „German Mut“? Und wer nutzt überhaupt diese Begriffe?</h3>
<p>Zunächst ein Lagebericht: Laut einer <a href="https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Kuenstliche-Intelligenz-Bundesbuerger-sehen-vor-allem-Chancen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BITKOM-Umfrage</a> aus dem Jahr 2018 befanden 71% der Deutschen künstliche Intelligenz als für den zukünftigen Wohlstand entscheidend und fast genauso viele Menschen hielten KI überwiegend für eine Chance. Noch 2017 waren es nicht mal die Hälfte. Auch die vielbeschworene „german angst“ findet sich statistisch nicht wieder: Auf die <a href="https://taz.de/Umfrage-zu-kuenstlicher-Intelligenz/!5605059/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frage</a>, welche Popkultur-KI am ehesten zu den eigenen Vorstellung einer KI passt, wurden am häufigsten der sympathische Star-Wars-Roboter „R2D2“ genannt und nicht etwa die Killer-Maschine „Terminator“. Aber von einem „R2D2“ ist heute trotzdem noch wenig zu sehen.</p>
<p>Und das ist auch das erste Problem, welches politisch angegangen werden soll: Viele haben anscheinend unzutreffende Vorstellungen davon, was KI überhaupt ist. Das kann man auch daran sehen, dass über 80% der Befragten glauben, KI würde die Gesellschaft heute noch nicht beeinflussen. Angesichts der Rolle der KI in Digitalwirtschaft, Industrie, Sicherheit, Medizin, etc. geht dieser Glaube an der Realität vorbei. Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen der auf einer bestimmten Aufgabe spezialisierten „schwachen KI“ und der „starken KI“, welche der menschlichen Intelligenz zumindest ebenbürtig ist. Letztere Vorstellung hält sich hartnäckig in den Köpfen, ist aber eher noch Zukunft.</p>
<h3>Konkurrenz belebt das Geschäft</h3>
<p>Die KI-Strategie will ein realistischeres Bild von künstlicher Intelligenz vermitteln und damit die immerhin noch 33 kritischen Prozent der Bevölkerung überzeugen. Das soll gezielt durch die Unterstützung ökologischer oder sozialer Leuchtturmprojekte geschehen, die über einen <a href="https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/G/gewinner-beim-ki-innovationswettbewerb-des-bmwi.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI-Innovationswettbewerb</a> auserkoren werden. Die 16 Gewinner der ersten Runde des mit jeweils ca. 10-20 Millionen Euro dotierten Preises stehen auch schon fest. Darunter: <em>REIF</em>, ein intelligentes Wertschöpfungsnetzwerk zur Verringerung des unnötigen Lebensmittelabfalls, <em>EMPAIA</em>, ein auf KI basierendes Diagnose-Werkzeug für den medizinischen Bereich, und viele Ökosysteme für KI-Anwendungen. Man will eben auch internationale Normen durchsetzen. Kritisieren kann man hier lediglich die Höhe der Förderungen: Amerikanische Digitalkonzerne oder der chinesische Staat rüsten einzelne Forschungsprojekte teilweise mit deutlich höheren Beträgen aus.</p>
<p>Positiv ist außerdem, dass es bereits sehr relevante staatlich finanzierte Institutionen gibt, die die Auswirkung der Digitalisierung und der KI auf die Gesellschaft umfangreich beforschen. Ein prominentes Beispiel wäre das <a href="https://www.hiig.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Institut für Internet und Gesellschaft</em></a> (HIIG). Aber auch die Länder bemühen sich: Vor kurzem hat das von der Landesregierung geförderte <a href="https://www.bidt.digital/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation</em></a> (bidt) den Betrieb aufgenommen. Das Problem ist hier jedoch häufiger wieder ein fehlendes mediales und gesellschaftliches Interesse an den teilweise höchstinteressanten Forschungsprojekten.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row one-top-padding one-bottom-padding single-h-padding limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light shift_x_neg_double shift_x_fixed"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h3 class="h3" ><span>Die Utopisten sind die Realisten von morgen</span></h3></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode-single-media  text-left"><div class="single-wrapper" style="max-width: 100%;"><div class="tmb tmb-light  tmb-media-first tmb-media-last tmb-content-overlay tmb-no-bg"><div class="t-inside"><div class="t-entry-visual"><div class="t-entry-visual-tc"><div class="uncode-single-media-wrapper"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-160956" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/ki2.png" width="640" height="480" alt="" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/ki2.png 640w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/ki2-300x225.png 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></div>
					</div>
				</div></div></div></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><em>Eine Parade durch New York für die Besatzung der Apollo 11. Doch wie sieht heute breite Euphorie für technischen Fortschritt aus?</em></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-1" data-row="script-row-unique-1" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-1"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-2"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Deshalb kann man nun fragen: Reichen diese Leuchtturmprojekte und intensive Forschung aus, um allgemeine Akzeptanz für KI zu schaffen? Man könnte hier der Ansicht sein, dass zu dem krassen Ziel des „KI-Weltmeisters Deutschland“ ein ebenso krasses soziales Ziel gehören müsste, welches dann auch ebenso laut offenbart wird. Die Regierung könnte dann zeigen, aus welchem sozial-marktwirtschaftlichen Holz sie geschnitzt ist. Für solch ein großes Denken gibt es neben der ausführlichen Forschung auch Zustimmung aus einem breiten Spektrum an Meinungen. Zu erwähnen wäre der Soziologe Harald Welzer. Auch wenn seine Thesen umstritten sind,  gehört er zu den lautesten und kritischsten Stimmen in den politischen Feuilletons. In einem <a href="https://www.zeit.de/2019/34/digitalisierung-kuenstliche-intelligenz-algorithmen-denken-dummheit/seite-3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Essay</a> forderte Welzer kürzlich, die Politik solle KI primär für zivilisatorische Zwecke nutzen, um beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen zu ermöglichen. Die Digitalisierung sei kein Schicksal, sondern eine Gestaltungsaufgabe.</p>
<p>Es gibt aber auch aus den Reihen der CDU laute Forderungen. Genauer gesagt in einem <a href="https://www.kas.de/documents/252038/4521287/Bewertung+der+deutschen+KI-Strategie+Teil+3.pdf/aa0ecb4e-3a71-de71-63ba-fb08bf72dd57?version=1.1&amp;t=1559810781469" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Positionspapier</a>, das die <em>Konrad-Adenauer-Stiftung</em> mit der industrienahen <em>Cambrian-Group</em> schon vor der Veröffentlichung der offiziellen KI-Strategie herausgegeben hat. Darin enthalten: Der Wunsch nach einer breiten gesellschaftlichen Euphorie, wie es sie auch schon während des Apollo-Raumfahrt-Programms in den USA gab. Häufige Forderungen, wie beispielsweise ein Digitalministerium, eine aktive und vor allem globale KI-Ethikpolitik, oder Digitalwissenschaften als Schulfach, sind in der tatsächlichen Strategie nur noch schemenhaft zu erkennen.</p>
<p>Die Frage mit den Digitalwissenschaften als Schulfach griff auch jüngst <a href="https://www.freiheit.org/netzpolitik-mehr-digitale-bildung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ann Cathrin Riedel vom Verein für liberale Netzpolitik</a> auf: Eine magere digitale Medienbildung sei längerfristig eine Gefahr für die Stabilität der Gesellschaft. Sichtbar sei dies am fehlenden Bewusstsein für Falschmeldungen und Scheinidentitäten, von dem viele und vor allem Ältere betroffen sind. Schon immer von russischen Desinformationskampagnen geplagt, zeigt sich Finnland hier vorbildlich und betreibt breite Aufklärungsprogramme.</p>
<p>An sozialen Ideen, aber auch Notwendigkeiten mangelt es also nicht. Und dass solch große Pläne auch von Regierungen verlautbart werden können, sieht man neben Finnland auch an Japan: Die Idee der <a href="https://www.gov-online.go.jp/cam/s5/eng/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Society 5.0</em></a>, einer vollvernetzten und smarten Gesellschaft muss man zwar nicht gut finden, aber sie zeigt: Es ist möglich zu träumen.</p>
<h3>Wird künstliche Intelligenz zur neuen sozialen Frage?</h3>
<p>Um einen Funken zu entfachen, reicht es aber nicht aus, nur mit Utopien zu zündeln. Genauso wichtig ist es, bestehenden Bedenken auszuräumen. Und diese sind nicht nur leise seitens der noch regierenden SPD zu vernehmen. Auch <em>Die Linke</em> zeigt sich besorgt: Sowohl die Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt, als auch der damit verbundene Machtzuwachs der multinationalen Plattformriesen würden das Wohl des Individuums gefährden.</p>
<p>Bezogen auf die Arbeitswelt gibt es viele Bemühungen, diese auf KI-Kurs zu trimmen. Durch KI-Trainerinnen und Trainern für den Mittelstand, oder auch das „KI-Observatorium“. Dieses sich momentan noch in den Startlöchern befindliche Forschungszentrum soll die Folgen der KI auf die Arbeitswelt erforschen und reflektieren. Vielleicht ergeben sich dann mehr Erkenntnisse zu der immer noch hart umkämpften Frage, ob sich künstliche Intelligenz wirklich negativ auf Arbeitsplätze auswirkt.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-3"><div class="row one-top-padding one-bottom-padding single-h-padding limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light shift_x_neg_double shift_x_fixed"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h3 class="h3" ><span>Ein Steiniger Weg</span></h3></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode-single-media  text-left"><div class="single-wrapper" style="max-width: 100%;"><div class="tmb tmb-light  tmb-media-first tmb-media-last tmb-content-overlay tmb-no-bg"><div class="t-inside"><div class="t-entry-visual"><div class="t-entry-visual-tc"><div class="uncode-single-media-wrapper"><img decoding="async" class="wp-image-160954" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/ki32.png" width="640" height="480" alt="" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/ki32.png 640w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/ki32-300x225.png 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></div>
					</div>
				</div></div></div></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><em>Die Bundestagskuppel: Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam aber gründlich. Nur gilt das heute immer noch?</em></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-4"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Der Frage nach der Wirkung der KI auf Plattformökonomien wiederum wurde bisher sowohl in den öffentlichen Sitzungen der KI-Kommission, als auch in der KI-Strategie weniger beachtet. Und das, obwohl die monopolisierende Dynamik dieser Wirtschaftsfelder und die dabei unterstützende Rolle der KI-Technologie von <a href="http://digital.fuerstenberg-forum.de/wp-content/uploads/2018/10/SJ_03-18_EBOOK_Plattformoekonomie_als_Game-Changer.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unterschiedlichen Seiten</a> konstatiert wurden. Eine denkbare Erklärung: Zwar können die Möglichkeiten der KI-Nutzung reguliert werden, wie an der DSGVO zu sehen ist. Doch finden die Regulierungsmöglichkeiten ihre Grenze bei den vermehrt auf KI basierenden Geschäftsmodellen der (multinationalen) Unternehmen. Ein Beispiel hierfür ist der mittlerweile als systemrelevant eingestufte Finanzdienstleister <em>Blackrock</em>, der seine Vormachtstellung dem intelligenten Risikomanagement-System <em>Aladdin </em>zu verdanken hat. Und gleichzeitig übt <em>Blackrock </em>auch noch großen <a href="https://lobbypedia.de/wiki/BlackRock" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einfluss auf die Finanzgesetzgebung</a> aus.</p>
<p>Wenn ganzheitliches Aufklären das Ziel ist, könnte es sinnvoll sein, solche Fälle öffentlich zu problematisieren, gleichzeitig aber auch die Relevanz der Innovationskraft durch die Wirtschaft zu betonen.</p>
<h3>Welchen Traum wollen wir träumen?</h3>
<p>Doch welches Resümee lässt sich jetzt ziehen? Einerseits versucht die Bundesregierung, Tatsachen zu schaffen und die Debatte damit zu erden. Das ist positiv zu bewerten. Andererseits jedoch fehlte bisher der Mut, nicht nur eine große wirtschaftliche Vision zu formulieren, sondern sich auch ein ebenso klares und großes soziales Ziel zu setzen. Diese Einseitigkeit muss nicht zwingend zu schlechten Ergebnissen führen. Doch um hier wieder mit Worten Norbert Lammerts zu enden: „Es muss ja nicht so kommen. Aber das es sicher nicht so kommt, ist so sicher auch wieder nicht“.</p>
<p>Hier geht es zum ersten Teil der Reihe: <a href="https://politik-digital.de/news/bestandsaufnahme-ki-deutschland-2019-156755/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI und Wirtschaft</a><br />
Hier geht es zum dritten Teil der Reihe: <a href="https://politik-digital.de/news/ki-und-ethik-eine-bestandsaufnahme-156842/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI und Ethik</a></p>
<div class="_3bJ2H CHExY">
<p class="_1l8RX _1ByhS">Titel: <a href="https://unsplash.com/@franckinjapan?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Franck V.</a> on <a href="https://unsplash.com/s/photos/ai?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a><br />
Parade in New York: <a href="https://images.nasa.gov/details-S70-17433.html">NASA</a><br />
Bundestagskuppel: <a href="https://unsplash.com/@ripato" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ricardo Gomez Angel</a> on <a href="https://unsplash.com/s/photos/bundestag" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unsplash</a></p>
</div>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-4" data-row="script-row-unique-4" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-4"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-6"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-6" data-row="script-row-unique-6" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-6"));</script></div></div></div>
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		<title>Facebook für die Elite, MySpace für den Rest</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 16:02:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Mediensoziologin Danah Boyd erforscht soziale Netzwerke und Online-Communities. In einem <a href="http://www.danah.org/papers/essays/ClassDivisions.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aufsatz</a> vom 24. Juni berichtet sie über ihre Beobachtung, dass Online-Netzwerke die sozialen Unterschiede der US-amerikanischen Gesellschaft abbildeten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Mediensoziologin Danah Boyd erforscht soziale Netzwerke und Online-Communities. In einem <a href="http://www.danah.org/papers/essays/ClassDivisions.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aufsatz</a> vom 24. Juni berichtet sie über ihre Beobachtung, dass Online-Netzwerke die sozialen Unterschiede der US-amerikanischen Gesellschaft abbildeten.<!--break--> So würden College-Studenten ihre Kontakte vor allem in der  Online-Community „<a href="http://www.facebook.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook</a>“ suchen, während das alternative „<a href="http://www.myspace.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MySpace</a>“ eher gemischtes Publikum und Einwandererkinder anziehe. Die soziale Schicht leitet Boyd dabei  nicht von den Einkommensunterschieden ab, sondern von den sozialen Netzwerken, in die die Jugendlichen eingebettet sind.<br />
Die Mitglieder von „Facebook“, einem zunächst Harvard-Studenten vorbehaltenen Netzwerk, vertreten nach Boyd die Werte der herrschenden Gesellschaftsordnung. Bei MySpace hingegen registrieren sich ihrer Erkenntnis nach Teenager, die sich von den dominanten Werten – und denen, die sie vertreten &#8211; abgrenzen wollen. Zur Bildung dieser Images hat nach Boyd auch die amerikanische Presse beigetragen: Diese soll über „Facebook“ stets im Zusammenenhang mit Studierenden berichtet und so das Bild einer akademischen, &quot;guten&quot; Online-Gemeinschaft geprägt haben. Die in der alternativen Musikszene beliebte Seite „MySpace“ jedoch sei vorwiegend als verrucht und gefährlich dargestellt worden – was „gute Kids“ nach Boyds Beobachtung zu „Facebook“ trieb.<br />
Die soziale Trennung von „Facebook“- und „MySpace“-Nutzern setzt sich nach Ausage von Boyd selbst im US-Militär fort: So habe das US-Militär die Nutzung von „MySpace“ im Mai 2007 <a target="_blank" href="http://www.usfk.mil/usfk/bell-sends/5_11_07_27%20-%2007%20Restricted%20Access%20to%20Internet%20Entertainment%20Sites%20Across%20DoD%20Networks.pdf" rel="noopener noreferrer">verboten</a>, weil sich dessen Mitglieder zunehmend kritisch zum Einsatz im Irak äußerten. „Facebook“ stand nicht auf der Verbotsliste.</p>
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		<title>Was eine Bundestagswahl entscheidet</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/was_eine_bundestagswahl_entscheidet-107/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:46:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">Betrachtungen einzelner Ereignisse, die eine Wahl        beeinflussen, gibt es zuhauf. Doch eine umfassende Darstellung einer        Bundestagwahl ist selten. Das Buch &#8222;Bundestagswahl 2002. Eine        Untersuchung im Zeichen hoher politischer Dynamik&#8220; vereint        die Beiträge namhafter Autoren der Sozialforschung und gibt        den Lesern einen Gesamteindruck über den Verlauf der Bundestagswahl        2002. Sonja Domeyer hat das Buch für politik-digital.de gelesen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Betrachtungen einzelner Ereignisse, die eine Wahl beeinflussen, gibt es zuhauf. Doch eine umfassende Darstellung einer Bundestagwahl ist selten. Das Buch „Bundestagswahl 2002. Eine Untersuchung im Zeichen hoher politischer Dynamik“ vereint die Beiträge namhafter Autoren der Sozialforschung und gibt den Lesern einen Gesamteindruck über den Verlauf der Bundestagswahl 2002. Sonja Domeyer hat das Buch für politik-digital.de gelesen.<!--break--></p>
<p><span class="fett"><br />
</span>Während des Bundestagswahlkampfs 2002 sah alles nach einem Regierungswechsel aus, die regierende rot-grüne Koalition schien chancenlos. Doch innerhalb weniger Wochen konnte die Koalition das Blatt aus einer scheinbar aussichtlosen Situation heraus wenden und ab dem 22. September 2002 eine weitere Legislaturperiode regieren. Wie war das möglich? Welche Gründe haben den Wähler dazu bewegt seine Meinung zu ändern? Die Antwort ist kompliziert, da Menschen ihre Entscheidungen treffen nachdem sie vorhandene Vor- und Nachteile abgewogen haben. Sie bilden sich ihre Meinung indem sie sich einen Überblick über das Ganze verschaffen. Das Buch „Bundestagswahl 2002. Eine Untersuchung im Zeichen hoher politischer Dynamik“ bietet eine umfassende Gesamtdarstellung und Analyse konkreter Einzelereignisse, die die Wähler in ihrer Entscheidungsfindung für die Bundestagswahl 2002 beeinflusst haben. Es hilft, das Verhalten der Wähler retrospektiv zu verstehen.<br />
<strong>14 Teile eines Ganzen </strong><br />
In den einzelnen Aufsätzen werden sowohl die langfristigen Entwicklungstrends der Gesellschaft und das daraus resultierende Wahlverhalten erörtert, als auch die Wirkungen der TV-Duelle, der Irak-Krise und der Elbe-Hochwasser-Katastrophe. In insgesamt 14 Kapiteln wird dem Leser ein empirisch fundierter Überblick über die Einzelereignisse und Faktoren geboten, die auf den Wähler ein Wirkungspotential ausstrahlen. Dabei betrachten die Autoren diese zeitlich nicht punktuell, sondern kontinuierlich, um der Dynamik des Wahlkampfes gerecht zu werden. Den Einstieg finden die Autoren mit der Entstrukturierung des Wählermarktes. Darauf folgt eine Bestandsaufnahme der Bundestagswahl 1998 und eine Bewertung des politischen Willenbildungsprozesses zwischen 1998 und 2002. Das fünfte Kapitel handelt von der Umsetzung der Resultate für die Bundestagswahl 2002, die sich aus der Analyse des Wahlkampfs 1998 ergeben haben. Die Kapitel sechs bis acht beschäftigen sich mit Wahrnehmung und Bewertung der Wahlprogramme, die Problemlösungskompetenzen von Parteien und Politikern und die Images von Spitzenkandidaten. Der Einsatz von konkreten Werbemitteln wird im neunten Kapitel thematisiert. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und Argumente der Analyse erfolgt im zwölften Kapitel, die empirischen Befunde werden im dreizehnten Kapitel zusammengefasst, bevor es im letzten Kapitel um einen Ausblick in die Wählermobilisierung geht.<br />
<strong>Wie viel Wirkung darf sein?</strong><br />
Die Personalisierung in der Mediendemokratie findet in den TV-Duellen ihren Höhepunkt. Die Autoren widmen sich diesem Thema ausführlich in dem Kapitel „Die TV-Duelle: Events ohne Effekt?“. Durch eine telefonische Befragung der forsa.ominet-Datenbasis konnten Rückschlüsse auf das Wirkungspotential der beiden Spitzenkandidaten Gerhard Schröder und Edmund Stoiber gezogen werden. Vorraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass diese Duelle überhaupt von den Wählern wahrgenommen wurden; mehr als 25 Prozent der ca. 60 Millionen Wahlberechtigten hatten mindestens eines der beiden TV-Duelle gesehen. Aufgrund dieser Basis ließ sich mit Hilfe einer Regressionsanalyse ein Einfluss auf die Wahlentscheidung der Zuschauer durch die Eindrücke des Schlagabtausches feststellen. Ausschlaggebende Faktoren waren hier das allgemeine Auftreten, rhetorische Fähigkeiten und die Selbstpräsentation der Kandidaten. Berücksichtigt wurden in der Analyse auch die ursprüngliche Kandidatenpräferenz und die Parteiidentifikation. Grundsätzlich wurde das zweite TV-Duell von den Zuschauern als lockerer und flüssiger wahrgenommen, da die Moderatoren während des ersten Duells auf RTL und SAT1 zu sehr auf die Vorgaben zur Durchführung der jeweiligen Parteien geachtet hatten. Der empirische Nachweis der Beeinflussung der Wähler durch TV-Duelle sollte durchaus kritisch betrachtet werden. Denn anders als im Ursprungsland der TV-Duelle wird in der Bundesrepublik nicht in einem präsidentiellen System, welches eine Personalisierung der Politik erfordert, regiert.<br />
<strong>Der Nutzen von Katastrophen im Wahlkampf</strong><br />
Welche Wirkungen der Irak-Krieg bzw. das Elbe-Hochwasser auf die Wahlentscheidung der Bürger für die Bundestagswahl 2002 gehabt haben, wurde in der Öffentlichkeit ausgiebig diskutiert. Auch Markus Quandt fragt sich in seinem Aufsatz, ob die Impulse, die diese beiden Ereignisse mit sich brachten, für den Wahlausgang entscheidend waren. Immerhin lagen die beiden großen Volksparteien in den Umfragewerten wenige Tage vor dem 22. September 2002 noch Kopf an Kopf. Zu berücksichtigen ist hierbei, wie im Kapitel 2 des Buches beschrieben, das Wählerverhalten im allgemeinen von kurzfristigen Faktoren bestimmt wird. Wird nun eine Thematik besonders durch die Medien aufgegriffen und von der Öffentlichkeit wahrgenommen, können politische Einschätzungen und Einstellungen von Wählern dadurch beeinflusst werden. Die Wirkung liegt nach Quandt nicht in der Thematik selbst, sondern in der Präsenz der Akteure, die die Brisanz einer Thematik mit sich bringt.<br />
Die dargestellten Informationen, die oft mittels Tabellen, Grafiken und Bildern gut veranschaulicht werden, sind für ein fachkundiges Publikum bestimmt. Zwar sind die Texte in einfacher, lebendiger Sprache verfasst, doch werden sie durchgehend ausführlich durch sozialwissenschaftliche Methoden bestätigt. Für Nicht-Akademiker sind zumindest die methodologischen Aspekte ohne Vorkenntnisse nur schwer zu erschließen. Für interessierte Leser bietet die Bibliographie einen ersten Überblick zur Orientierung über die Thematik der Bundestagswahl 2002. Dagegen scheint sie für wissenschaftliches Arbeiten inhaltlich jedoch nicht ausreichend zu sein.</p>
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		<title>Telekommunikation und Jugendkultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:45:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p><b>Jugendliche haben wenig Geld und sind dennoch die groesste Nutzergruppe technischer Neuheiten. Eine wissenschaftliche Annäherung an das Thema &#8222;Telekommunikation und Jugendkultur&#8220;.</b> <br /></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jugendliche haben wenig Geld und sind dennoch die groesste Nutzergruppe technischer Neuheiten. Eine wissenschaftliche Annäherung an das Thema „Telekommunikation und Jugendkultur“.</strong><br />
SMS schreiben, chatten, die täglichen Soaps gucken &#8211; Jugendliche umgeben sich heutzutage mit zahlreichen Medienangeboten. Die Wirtschaft darf jubeln, kann in diesem Fall einmal die Nachfrage mit dem wachsenden Angebot Schritt halten, wie jeder Blick ins multimediale Kinderzimmer oder alltägliche Zufallsbeobachtungen jugendlicher Verhaltensweisen bestätigen. Insbesondere die neuen Telekommunikationsmedien Handy und Internet spielen im Leben der Jugendlichen eine entscheidende Rolle. Sie gelten sowohl insgesamt als die größte Nutzergruppe als auch als ‚early adopter\&#8217;, soll heißen ‚frühe Anwender\&#8217; technischer Neuerungen, obwohl sie doch das finanzschwächste Käufersegment bilden.<br />
<strong>Neue Medien und Jugendkultur</strong><br />
Um so unverständlicher erscheint es, dass die aktuelle Jugendkulturforschung die veränderte Medienumwelt kaum in ihre Untersuchungen einbezieht. Zwar konstatiert beispielweise die kommerzielle Studie des österreichischen Mobilfunkanbieters mobilkom austria, dass 91 Prozent der einheimischen Jugendlichen ihr Handy immer bei sich tragen und durchschnittlich 23,4 SMS pro Woche verschicken, dennoch unterscheiden die meisten Studien zur Jugendkultur immer noch zwischen medialen und nicht-medialen Freizeitverhalten. Computer, Internet und Mobiltelefone sind jedoch integraler Bestandteil des jugendlichen Freizeitverhaltens. Bei den männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren hat der Computer bereits den Fernseher ‚als Medium, auf das am wenigsten verzichtet werden kann\&#8217; vom Spitzenplatz verdrängt.<br />
Judith Bug und Matthias Karmasin bieten in den von ihnen herausgegebenen Sammelband &#8220;Telekommunikation und Jugendkultur. Eine Einführung&#8221; eine erste wissenschaftliche Annäherung an dieses Thema. Unter dem Blickwinkel ihrer unterschiedlichen Disziplinen entwickeln die Autoren Fragestellungen, um das neue Forschungsfeld abzugrenzen.<br />
Themenfelder der Beiträge sind die Integration der Telekommunikationsmedien in bestehende Formen der Mediennutzung, Re-Artikulation der Kulturen und Identitäten von Jugendlichen, Angebot und Nutzung von Bildschirmspielen, neue Formen der cross-medialen Vermarktung am Beispiel Pokémon, Merkmale computer-vermittelter Kommunikation am Format Internet-Chat, die Rolle des Handys und insbesondere des Short-Message-Service für Jugendliche, die Veränderungen im Umgang mit Musik durch MP3 und die Mediatisierung jugendlicher Lebensräume.<br />
<strong>Umfassende gesellschaftliche Veränderungen</strong><br />
Die Autoren vergleichen die Neuen Medien mit de Erfindung des Buchdrucks: Ähnlich wie die Erfindung des Buchdruckes nehmen die neuen Medien nicht nur Einfluss auf das Freizeitverhalten der Menschen, sondern auf alle Lebensbereiche.<br />
Entsprechend der veränderten Mediennutzung müsse die Zuschauerforschung ihre Methodologie anpassen: Der Stellenwert der einzelnen Medien könne nicht mehr durch die quantitative Nutzungsdauer gemessen werden. Vielmehr stellen sich die Jugendlichen eigene Menüs aus alten und neuen Medien zusammen, die sie ihren Bedürfnissen entsprechend zur Information, Kommunikation oder Unterhaltung verwenden.<br />
In der Soziologie, so die Autoren, dürfe nicht länger nur Globalisierung und Individualisierung als einflussnehmende Faktoren auf das Umfeld Jugendlicher analysiert werden, auch die Auswirkungen der Mediatisierung müssten Eingang in die Forschung finden. Einige Folgen könnten schon heute beobachtet werden: Der Alltag ist weniger klar strukturiert als es noch in der Industriegesellschaft der 50er Jahre der Fall war. Beziehungen definieren sich nicht mehr so stark durch räumliche Nähe als über gemeinsame Interessen.<br />
Insgesamt stellt dieser Sammelband, der von Telekom Austria gesponsert wurde, eine gelungene Einführung in das Thema dar. Die vorgestellten Hypothesen zur gesellschaftlichen Veränderungen durch die Telekommunikationsmedien sind anschaulich und allgemein verständlich. Kritische Anmerkungen zur Kommerzialisierung und Verflachung von Kommunikation kommen allerdings zu kurz.</p>
<table width="146" border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div align="center">Erschienen am 1.5.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
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		<title>Politische Kommunikation in Deutschland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:45:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">Die Rolle der Medien in der Politikvermittlung hat        in der Vergangenheit immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Autor        Ulrich Sarcinelli befasst sich in seinem neuesten Buch mit den Auswirkungen,        die die Medien auf den Prozeß der Politik haben. Daniel Florian        hat das Buch für politik-digital.de rezensiert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die Rolle der Medien in der Politikvermittlung hat in der Vergangenheit immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Autor Ulrich Sarcinelli befasst sich in seinem neuesten Buch mit den Auswirkungen, die die Medien auf den Prozeß der Politik haben. Daniel Florian hat das Buch für politik-digital.de rezensiert.<!--break--></p>
<p class="normal">Im Zusammenhang mit Begriffen wie \&#8217;spin doctor\&#8217;, \&#8217;Mediendemokratie\&#8217; oder \&#8217;Public Affairs\&#8217; ist politische Kommunikation in den letzten zehn Jahren zu einem der wichtigsten Schlagworte in der Politikwissenschaft geworden. Und obwohl sich nur langsam eine eigene politikwissenschaftliche Disziplin und einige einzelne Studiengänge herausbilden, ist das Thema als \&#8217;Wahlkampfkommunikation\&#8217; oder \&#8217;agenda setting\&#8217; eigentlich schon immer Teil des universitären Curriculums. Ulrich Sarcinelli, der Autor des Buches und Leiter des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, hat bereits unzählige Publikation dazu veröffentlicht. Der als Lehrbuch im vs Verlag für Sozialwissenschaften erscheinende Band \&#8217;Politische Kommunikation in Deutschland\&#8217; ist der letzte Eintrag auf Sarcinellis umfangreicher Publikationsliste.</p>
<p>Der Interdisziplinarität des Faches, mit dem sich unter anderem die Kommunikationswissenschaften, die politische Soziologie und eben die Politikwissenschaften beschäftigen, setzt Sarcinelli – mit gutem Grund – eine Konzentration auf letztere entgegen. Sein Interesse gilt den Rückwirkungen, die die Professionalisierung der politischen Kommunikation und die Mediatisierung der Politik auf das politische System haben. Es geht also nicht um die Frage, wie Kommunikation effizient zur Durchsetzung politischer Ziele genutzt werden kann, sondern welche Auswirkungen sie auf die Herstellung von Politik hat. Sarcinellis betrachtet dabei fokussiert die einzelnen Akteure und Institutionen .<br />
Politik und Medien, so Sarcinellis (nicht mehr ganz neue) These, stehen in einem symbiotischen Verhältnis: Die Politik braucht die Medien zur Vermittlung ihrer Programme, und die Medien brauchen die Politik als Quelle von Informationen. Darüber hinaus ist Politik in einem demokratischen System zustimmungsabhängig und daher öffentlich begründungspflichtig: Politik ist ohne Kommunikation also nicht zu haben. Aber: verfügt das deutsche System über die institutionellen und medialen Voraussetzungen, Politik effizient zu vermitteln? Sarcinelli zufolge gibt es hier Nachbesserungsbedarf. Der Einfluss der Medien auf die Politik, die sich etwa durch Prominenzierung, Zuspitzung und Vereinfachung auszeichnet, führt zum Beispiel zu einem Bedeutungsverlust von Parteien und dem Parlament – den klassischen politischen Institutionen in Deutschland.<br />
Auch die Medien selbst ändern sich: An die Stelle der Partei- und Meinungspresse des 19. Jahrhunderts treten gewinnorientierte anstelle von gemeinwohlorientierten Medien, die distanziert zum politischen System stehen. Sie wollen nicht (nur) die politische Debatte prägen, sondern sind zunächst kommerziellen Interessen verbunden. Dennoch scheinen die Medien der Politik häufig eine Nasenlänge voraus zu sein. Institutionelle Legitimität, die durch das Parlament oder die Partei vermittelt wird, nimmt zugunsten von medial vermittelter Legitimität ab. Der Kanzler a. D., der mit Bild, BamS und Glotze regieren wollte, ist hier nur das beste Beispiel.<br />
Aber Sarcinelli betrachtet in seinem Band nicht nur die Akteure, sondern diskutiert auch wichtigen theoretische Begriffe wie Legitimität, Öffentlichkeit und Symbolik. Leider bleibt er dabei oft bei der Mediendemokratie hängen, die in anderen Büchern bereits umfangreich diskutiert wurde (z.B. Thomas Meyer, Mediokratie 2001). Auf politische Kommunikation jenseits der etablierten (Print-) Medien geht Sarcinelli hingegen nicht ein. Wie beeinflussen etwa Lobbyisten, Sozialkampagnen, Public Affairs-Agenturen und Denkfabriken wie beispielsweise die <a href="http://www.bertelsmann-stiftung.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bertelsmann Stiftung</a> die Politik? Einzelne Studien zu diesen Fragen existieren bereits. Es wäre lobenswert gewesen, eine Übersicht über diesen noch jungen Bereich in ein Lehrbuch über politische Kommunikation zu integrieren.<br />
Oft wiederholt Sarcinelli auch lediglich, was aus den Medien oder vom Stammtisch schon längst bekannt ist: Dass es oft wichtiger ist wie man ankam als was man gesagt hat oder dass Telegenität für die Auswahl von politischem Führungspersonal immer wichtiger wird. Der Autor erklärt allerdings nicht, warum das so ist: Weil unser Gesamteindruck einer Persönlichkeit zu 55 Prozent von der Körpersprache, zu 38 Prozent von der Stimme und nur zu 7 Prozent vom Inhalt des Gesprochenen bestimmt wird und weil wir an der Gestik und Mimik eines Redners unterbewusst merken, ob er lügt oder die Wahrheit sagt. Das ist – und Sarcinelli betont dies – nicht das eigentliche Thema des Bandes, dass sich mit der Rolle politischer Kommunikation in der Demokratie beschäftigt, sollte aber dennoch nicht unerwähnt bleiben, wenn sowieso schon über Telegenität gesprochen wird.<br />
Für einen Band über politische Kommunikation ist das Buch daher nur sehr bedingt zu empfehlen, da der Fokus zu einseitig auf den traditionellen Medien liegt und neuere Formen der politischen Kommunikation dafür vernachlässigt werden – genauso wie neue Medien übrigens: das Internet wird lediglich am Rande erwähnt. Wer allerdings einen Einstieg in das Thema „Mediendemokratie&#8221; sucht, wird bei Sarcinelli fündig werden.</p>
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		<title>Identität im Kontext von Medienkultur</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/identitaet_im_kontext_von_medienkultur-71/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:15 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Identität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">Die Beschäftigung mit dem Begriff Identität        boomt &#8211; in vielen Disziplinen wird sie geführt und entsprechend        unübersichtlich ist das Feld mittlerweile geworden. Das Buch        &#8222;Medienidentitäten&#8220; will mit der Unübersichtlichkeit        aufräumen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die Beschäftigung mit dem Begriff Identität boomt – in vielen Disziplinen wird sie geführt und entsprechend unübersichtlich ist das Feld mittlerweile geworden. Das Buch „Medienidentitäten“ will mit der Unübersichtlichkeit aufräumen.<!--break--></p>
<p>Bei der Untersuchung des Begriffs Identität stellt man schnell fest, da man bei diesem Forschungsgegenstand interdisziplinär vorgehen muss. Es gibt keine geschlossene Theorie, sondern mehrere übergeordnete Herangehensweisen, deren Ursprung sehr vielfältig ist und die aus zahlreichen Disziplinen kommen. Die Rolle der Identität in einer globalisierten Welt ist vielgestaltig. Ganz besonders dann, wenn der Einfluss der Medien berücksichtigt wird. Identität und Medien sind fast nicht mehr zu trennen. Diesem spannenden Feld versucht das von Carsten Winter, Tanja Thomas und Andreas Hepp herausgegebene Buch „Medienidentitäten“ gerecht zu werden. Aufgrund der aktuellen Diskussionen rund um die Identität verdient dieser Sammelband gegenwärtig eine genauere Betrachtung.<br />
Auf rund 400 Seiten kommen namhafte Experten zu Wort, die in fünf Abschnitten erklären, wie die zentralen Diskurse um den Begriff der Medienidentität in der Medien- und Kommunikationswissenschaft aussehen und wie die Vielschichtigkeit dieses Feldes deutlich zu machen ist. Nach einer Einleitung wird zuerst die Theorie angesprochen, danach werden mediale Angebote aufgeführt, im nächsten Schritt werden Alltagsbeobachtungen wie Talkshows, Soap Operas und andere populäre Phänomene empirisch analysiert. Schließlich werden die Chancen und Risiken angesprochen, die sich beispielsweise in politischen Protestplakaten, Globalisierungskritik oder Fanidentitäten ausdrücken.<br />
In der Einleitung diskutieren die Herausgeber die Frage, woher der Boom der Identitätsforschung in den Medienwissenschaften kommt und erörtern die Diskussionsfelder der kulturellen Identität und der Medien. Schließlich kommen die Autoren auf die theoretischen und empirischen Positionen des Bandes zu sprechen, die hier kurz umrissen werden sollen.<br />
Die Theoriediskussionen beginnen mit einem Beitrag von Friedrich Krotz, der Medien als Konstitution von Identität untersucht Dabei greift er auf die Theorie des symbolischen Interaktionismus zurück und plädiert für eine mediale Durchdringung der alltäglichen Lebenswelt. Carsten Winter widmet sich der konfliktären Artikulation von Identität im Kontext der Globalisierung von Medienkulturen, während Kurt Imhoff das Zusammenwirken von Öffentlichkeit und Identität betrachtet. Andreas Hepp beendet den Theorieexkurs mit der Frage der Deterritorialisierung: ihm geht es dabei vorrangig um die ethnischen, kommerziellen und politischen Aspekte von Medienidentitäten in Zeiten der Globalisierung. Nachdem die Theoriediskussionen eine differenzierte Einführung in das Thema ermöglichen, widmen sich weitere Autoren konkreten Identitätsangeboten in den Medien. Diese Beispiele sind rundweg passend und einwandfrei analysiert, doch entfalten sie oft erst auf den zweiten Blick ihre wahre Wirkung. Denn es ist überraschend, wenn man als Leser zuerst ein wenig irritiert von der Zeitschrift „Kolonie und Heimat“, der österreichischen Mediensituation am Beispiel des Atomkraftwerks Temelin in Tschechien oder der Darstellung von Dresdnern in Stadtvideos zu lesen bekommt. Nicht weit entfernt ist der Weg von den Identitätsangeboten hin zu den Medienidentitäten im Alltag. Nach einem Beitrag, der sich unter anderem der theoretischen Analyse kultureller Identität in den Cultural Studies widmet, liefert der Autor konkrete Beispiele: so wird sehr differenziert über die Identitätskonstitution italienischer Migrantenjugendlicher und über Talkshows und Daily Soaps gesprochen. Nach all diesen Beispielen werden Risiken und Potenzialen von Medienidentitäten dargestellt. Lothar Mikos erörtert die Risiken der öffentlichen Selbstdarstellung im Fernsehen, beispielsweise bei „Big Brother“, und widmet sich der durch die Medien ausgelösten Identitätsarbeit. Horst Niesyto und Peter Holzwarth beschäftigen sich mit der Jugendforschung im Bereich der Videoproduktionen als Möglichkeit interkultureller Kommunikation. Christian Wenger untersucht die Identitätsstiftung in Fangemeinden am Beispiel der Star-Trek-Fans und Jeffrey Wimmer und Sebastian Haunss diskutieren politische Fragen der Liberalisierung des Welthandels und Protestplakate und ihre Wirkung in Bezug auf die kollektive Identität sozialer Bewegungen.<br />
Die Schwerpunktsetzung vieler Beiträge auf zeitgenössische Medienanalysen und besonders in den Cultural Studies bedeutenden Themen wie Soaps oder Talkshows helfen dem Leser, die Verknüpfungen von Theorie und Praxis herzustellen. Auch wenn die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Identitätsbildungsprozessen als alltägliches Problem empirisch einleuchtend daherkommt, kann der Prozess der Identitätsbildung mit seinen Ausmaßen schnell allzu mächtig erscheinen. Doch nicht nur die gutsortierte Literaturliste und die beeindruckende Zahl der Mitwirkenden machen diesen Sammelband zu einer wichtigen Quelle in Sachen Medienidentität. Vor allem die Zusammenführung der verschiedensten Themen und der gelungene Überblick, der dadurch entsteht. Die Diskussionen rund um den Begriff der Identität haben sich seit Georg Simmel und George Herbert Mead exponentiell vervielfacht und sind unübersichtlicher und verstreuter geworden. Das Buch „Medienidentitäten“ bietet durch eine gelungene Zusammenfassung zugleich auch fortgeschrittenen Interessenten einen aufschlussreichen Einblick in die Identitätsdiskussionen der letzten Jahre.</p>
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		<title>Handbuch Wahlforschung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett"><font size="2"> <span class="fett"><font size="2">Sie        hören dem Wähler sehr genau zu: die Wahlforscher. Dabei        ergründen sie das Wahlverhalten der Bürger und betreiben        gleichsam praktische Demokratieforschung. Mit dem Handbuch Wahlforschung        liegt nun ein Studienband vor, der seine Leser behutsam in das weite        Feld der empirischen Wahlforschung einführt. Stefan Frindt        hat die Autoren <span class="fett"><font size="2">für politik-digital.de</font></span>        dabei begleitet.</font></span> </font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett"><span style="font-size: x-small;"> <span class="fett"><span style="font-size: x-small;">Sie hören dem Wähler sehr genau zu: die Wahlforscher. Dabei ergründen sie das Wahlverhalten der Bürger und betreiben gleichsam praktische Demokratieforschung. Mit dem Handbuch Wahlforschung liegt nun ein Studienband vor, der seine Leser behutsam in das weite Feld der empirischen Wahlforschung einführt. Stefan Frindt hat die Autoren <span class="fett"><span style="font-size: x-small;">für politik-digital.de</span></span> dabei begleitet.</span></span> </span><!--break--></p>
<p>Stellen wir uns vor, es sei Wahlabend. Mit Hochdruck bauen sich die Balken der ersten Hochrechnung auf. Es folgen punktgenau die ersten Analysen. Wir erleben Demokratie in einem ihrer höchst spannenden Momente. Gleichwohl – mit der klassischen Sonntagsfrage und der Demoskopie als Fernsehdisziplin hat die empirische Wahlforschung nur am Rande zu tun. Als Forschungsfeld ist ihr vor allem an der Deutbarkeit des Wahlverhaltens gelegen, und das heißt an dessen Tiefenstrukturen. Gesellschaftlicher Wertewandel und Wahlkampfforschung gehören ebenso zu ihrem Metier wie die Erforschung der Wahlbeteiligung und der Wechselwahl. Als Leitfragen und Forschungszweige sind diesen Themen gesonderte Kapitel im Handbuch Wahlforschung gewidmet, das in gut lesbarer Form einen Überblick über Methoden, Theorien und Tendenzen der empirischen Wahlforschung vermittelt. Im Verlag für Sozialwissenschaften erschienen, richtet sich der von Jürgen W. Falter und Harald Schoen herausgegebene Band an ein akademisches Lesepublikum. Das gilt es zu bedenken: Abseits der Universitäten und Fachpublika ist das Buch nur bedingt zu empfehlen.<br />
Theoretische Ansätze der empirischen Wahlforschung<br />
Drei klassische Forschungsansätze prägen das Wissen der empirischen Wahlforschung. Soziologische Modelle führen individuelles Wahlverhalten auf die Position eines Menschen in der Gesellschaftsstruktur und seine soziale Umwelt zurück. Der sozialpsychologische Ansatz geht von den politischen Einstellungen des Individuums aus, und das rationalistische Erklärungsmodell begreift die Wahlentscheidung der Bürger als eine Abwägung von Kosten und Nutzen.<br />
Erklärungskraft gewinnen die theoretischen Ansätze der empirischen Wahlforschung jedoch erst im Zusammenspiel. Die Autoren des Handbuchs Wahlforschung zeigen auf, dass monokausale Erklärungsmuster relevante Phänomene wie Wechselwahl und Nichtwahl nur unzureichend beschreiben. Dabei räumen sie mit tradierten Mythen der empirischen Wahlforschung ebenso auf wie mit der gängigen Vorstellung, dass sich das Elektorat akkurat in Stammwähler, Nicht- und Wechselwähler scheiden lässt. Die Übergänge zwischen den Wählergruppen sind fließend, so die Erkenntnis der Autoren.<br />
Schleichender Verlust der Wahlnorm? Die Nichtwähler<br />
Auch wenn sie medial allgegenwärtig ist: Entpolitisierung ist nicht die Erklärung für sinkende Wahlbeteiligung. Zu diesem Schluss kommt Claudio Caballero in seiner Darstellung der Nichtwahl. Nach Caballero belegt eine Umfrage von 2002, dass neben dem politischen Interesse vor allem die Akzeptanz der Wahlnorm, die Parteiidentifikation und die zur Wahl stehenden Kandidaten Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben. Zudem sei als Trend zu beobachten, dass insbesondere der Anteil der politisch Interessierten an den Nichtwählern stetig wächst. Diese Entwicklung verortet Caballero im Kontext eines allgemeinen Wertewandels. Der Funktionsverlust von Pflichtwerten betreffe demnach auch die Wahlnorm, also das Wahlpflichtbewusstsein. Ihre Akzeptanz bewege sich aktuell bei etwa 80% in West- und 70% in Ostdeutschland.<br />
Nach Darstellung von Caballero treten Nichtwähler vor allem dort überproportional häufig auf, wo keine Orientierung an Parteien, politische Sachthemen oder Kandidaten gegeben ist. Aber auch wo diese Orientierungen in Konflikt geraten, sei der Nichtwähleranteil beträchtlich. So genannte cross-pressures verbinden die Nicht- mit den Wechselwählern.<br />
Wahlboten der sozialen Mobilität? Die Wechselwähler<br />
Nach Harald Schoen kann der Anstieg der Wechselwahl seit den 1990er Jahren als eine „indirekte Wirkung sozialer und regionaler Mobilität“ gedeutet werden. Sie führt dazu, dass politisch homogene und sozial stabile Netzwerke zunehmend erodieren. Neben dem heterogenen sozialen Umgebungen sind nach Schoen aber auch das politische Angebot und die nachlassende Parteibindung als Ursachen der Wechselwahl hinzuziehen.<br />
In seiner Darstellung der Wechselwahl hebt sich Schoen von der klassischen floating-vote These ab, die Wechselwählern ein nur geringes politisches Interesse zuerkennt. Doch auch die gegenläufige Vorstellung einer wechselfreudigen Wählerelite, die rein sachbezogen und themenorientiert entscheidet, ist nach seiner Auffassung empirisch nicht vertretbar. Schoen bezieht eine Position, die vielleicht weniger schillernd, aber doch weitaus plausibler klingt: Die Gruppe der Wechselwähler ist im Hinblick auf ihre politische Versiertheit repräsentativ für die Wählerschaft im Gesamten. Auch das verbindet sie mit den Nichtwählern.<br />
<strong>Von keiner Relevanz? Das Internet<br />
</strong><br />
Schoen beschließt seine Betrachtungen zur Wechselwahl mit dem kritischen Ausblick, dass die empirische Wahlforschung in Zukunft vor allem Kommunikationsgewohnheiten ins Blickfeld nehmen müsse. Auch Oscar Gabriel und Silke Keil formulieren als Kritik an die empirische Wahlforschung, dass Massenmedien zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Damit ist der Schwachpunkt des Handbuchs Wahlforschung fast schon benannt. Die wachsende Bedeutung des Internets für Politikvermittlung und Partizipation wird von den Autoren nicht reflektiert. Leider genügt der Blick in das Sachregister des Buches. Der Begriff „Internet“ fällt auf 826 Seiten Handbuch Wahlforschung genau einmal.</p>
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		<title>Blick hinter die Kulissen der Ich-Identität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Ich-Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Individuum]]></category>
		<category><![CDATA[Lothar Krappmann]]></category>
		<category><![CDATA[Schizophrenie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett"><font size="2">Bereits in der zehnten Auflage erscheint        ein Klassiker der Identitätsforschung in der Soziologie. Lothar        Krappmanns Buch &#8222;Soziologische Dimensionen der Identität&#8220;        ist aber mehr als nur ein sozialwissenschaftliches Standardwerk        &#8211; vielmehr gibt es hier auch für den Nichtwissenschaftler        viel zu entdecken. Beispielsweise, wie in den Zeiten des Internets        die Interaktion mit anderen gewinnbringend für das eigene Ich        eingesetzt werden kann.</font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett"><span style="font-size: x-small;">Bereits in der zehnten Auflage erscheint ein Klassiker der Identitätsforschung in der Soziologie. Lothar Krappmanns Buch „Soziologische Dimensionen der Identität“ ist aber mehr als nur ein sozialwissenschaftliches Standardwerk – vielmehr gibt es hier auch für den Nichtwissenschaftler viel zu entdecken. Beispielsweise, wie in den Zeiten des Internets die Interaktion mit anderen gewinnbringend für das eigene Ich eingesetzt werden kann.</span><!--break--></p>
<p class="normal">Bereits seit einiger Zeit ist der Begriff der Ich-Identität in den Sozialwissenschaften von großer Bedeutung. Doch auch im alltäglichen Leben bekommen wir zu spüren, wie schwierig die Aufrechterhaltung des eigenen Ichs ist. Das Buch von Lothar Krappmann ist seit vielen Jahren als Standardwerk in den Sozialwissenschaften bekannt. Die Tatsache, dass es erstmals 1969 erschienen ist, mindert keinesfalls Qualität und Relevanz dieses Buchs. Im Gegenteil: setzt man heute als Sozialwissenschaftler den Fokus auf die Identitätsanalyse, kommt man an Krappmanns Bestseller auch weiterhin nicht vorbei. Und aufgrund der komplexer gewordenen Welt ist ein Blick hinter die Kulissen der Ich-Identität, deren Ausgestaltung in den vergangenen Jahren zweifelsohne nicht einfacher geworden ist, auch für Nichtwissenschaftler hilfreich. Besprochen wird hier die zehnte Auflage, die seit 2005 erhältlich ist.</p>
<p class="normal"><strong>Zwischen Einzigartigkeit und der Erfüllung der Erwartungen anderer</strong></p>
<p>Krappmann eröffnet die Diskussion, indem er die Identität als Untersuchungsgegenstand beleuchtet. Er grenzt den Forschungsbereich ein, definiert die Identität als vom Individuum für die Beteiligung an Kommunikation und gemeinsamem Handeln zu erbringende Leistung und stellt sein in der Folge zu entwickelndes Konzept vor: betrachtet wird die Diskrepanz der an das Individuum gestellten Erwartungen als die ihm in bestimmten sozialen Verhältnissen angebotene Chance zur Individuierung . Er lehnt sich damit an Gedankengänge Durkheims und Simmels an. Doch die Entwicklung bleibt hier nicht stehen. Der Autor bezieht andere Theoretiker wie Goffmann und Mead ein, entwickelt sein Identitätskonstrukt geschickt weiter und bildet erstaunlich konkrete Grundlagen der Identitätsforschung heraus, die auch heute noch bei der Betrachtung medialer Identitätseinflüsse sehr hilfreich sein können. Im zweiten Kapitel dreht sich alles um Interaktion und Identität. Zuerst werden die Identität und die Beteiligung des Einzelnen an Interaktionsprozessen beleuchtet. Danach geht es um die balancierende Identität, also den Vorgang der ständigen Neueinschätzung und Selbstdarstellung mit dem letztendlichen Ziel, erfolgreich zu interagieren. Im Gegensatz dazu steht die stabile Identität, die Grundvoraussetzung für die weitere Sozialisation, welche mit einigen Beispielen andersartiger Auffassungen untermauert wird. Das dritte Kapitel widmet Krappmann der Erklärung der Begriffe Identität und Rolle. Während zuvor vor allem die Belastungen des Individuums erörtert wurden, die aufgrund der Unklarheiten und mangelnden Übereinstimmung innerhalb und zwischen Interaktionssystemen herrschen, widmet sich Krappmann nun dem Rollenhandeln. Dabei stellt er fest, dass die Ich-Identität nicht als Hemmnis, sondern als Bedingung erfolgreichen Rollenhandelns zu sehen ist. Im vierten Kapitel geht es um identitätsfördernde Fähigkeiten, die als Grundlage die Erfüllung von individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen voraussetzen. Besprochen werden die Rollendistanz, „Role taking“ und Empathie, Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, widersprüchliche Informationen wahrzunehmen und zu verarbeiten, Abwehrmechanismen sowie die Identitätsdarstellung.</p>
<p class="normal">Das fünfte Kapitel widmet sich der soziologischen Schizophrenieforschung und bietet somit einen Beitrag zum Bereich der gestörten Identität. Schwerpunkt bildet die Betrachtung der Schizophrenie, da sie ein zu damaliger Zeit häufig diagnostiziertes psychotisches Krankheitsbild darstellt. Um den Sozialisationsprozess entsprechend zu berücksichtigen, widmet sich Krappmann Untersuchungen von Kindern und zeigt auf, wie durch die fehlerhafte Sozialisation Identitätsstörungen auftraten. Ein möglicher Versuch von empirischer Überprüfung des Identitätskonzeptes wird im sechsten Kapitel unternommen. Dabei spricht Krappmann nicht nur die Schwächen des bisherigen Konzepts an, sondern liefert auch Ideen für eine Beobachtungsanordnung, die im Rahmen eines seiner Forschungsprojekte entstanden sind. Besonders ausführlich widmet er sich den Watzlawick´schen Axiomen, die Grundprobleme bezeichnen, die sich in allen Systemen kommunikativen Handelns stellen, wie beispielsweise, dass man in sozialen Situationen nicht nicht kommunizieren kann, jede Kommunikation einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt hat und zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe entweder durch das Streben nach Gleichheit geprägt sind oder asymmetrisch stattfinden.</p>
<p class="normal">Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Krappmanns Werk weder an Bedeutung noch den Bezug zu gegenwärtigen Identitätsdiskussionen verloren hat. Es ist und bleibt ein Standardwerk, welches in vielen Punkten wie beispielsweise der Definition von Ich-Identität Vorbildcharakter hat. Und so ist auch sein Fazit zeitlos: Das Individuum verhält sich stets balancierend. Es versucht, Einzigartigkeit darzustellen und dennoch Erwartungen anderer gerecht zu werden. Diese Balance auszuhalten, ist die Bedingung für die Behauptung von Ich-Identität, sagt Krappmann. Ich-Identität wird in dem Ausmaß erreicht, indem, so Krappmann, das Individuum „die Erwartungen der anderen zugleich akzeptierend und sich von ihnen abstoßend, seine besondere Individualität festhalten und im Medium gemeinsamer Sprache darstellen kann“. Da die Ich-Identität in jedem Interaktionsprozeß neu formuliert wird, soll der von Krappmann entwickelte Identitätsbegriff helfen, „die Normen, unter denen Interaktionen stattfinden, kreativ zu verändern“. Dies ist Krappmann gelungen, so dass sein Buch als Referenz in dem Bereich gilt. Wer also auch als Laie wissen möchte, wie er Interaktionsprozesse für sich und andere gewinnbringend gestalten kann, der findet in diesem Buch eine hervorragende Basis. Für Sozialwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Identität ist es so oder so ein Muss.</p>
<p class="normal">
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		<title>Nicknames, Avatare, Aliasse: ein Fall fuer Soziologen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2005 15:46:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Stellvertreter im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Identität]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie selbstverständlich bewegen wir uns im Internet und hinterlassen unsere Spuren und Gewohnheiten. Stephan Humer beschreibt die Konsequenzen, die dadurch für die Nutzer und die Identitätsgeber entstehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie selbstverständlich bewegen wir uns im Internet und hinterlassen unsere Spuren und Gewohnheiten. Stephan Humer beschreibt die Konsequenzen, die dadurch für die Nutzer und die Identitätsgeber entstehen.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Identitätsdiebstahl ist mittlerweile eines der größten<br />
Internetprobleme. Die Bandbreite ist hier gewaltig: sie reicht vom<br />
Ausspähen von Passwörtern für den eBay-Account über<br />
Banktransaktionen auf fremde und nur schwer zu kontrollierende Auslandskonten<br />
in Offshoreparadiesen bis hin zur gezielten Manipulation einer Person<br />
beispielsweise durch Veränderung der Kreditwürdigkeitseinträge<br />
bei entsprechenden Auskunfteien.
</p>
<p>
Rein technisch meist ohne allzu grossen Aufwand, doch die Folgen<br />
sind enorm. Fatalismus, Ignoranz oder gar totale Hingabe an die<br />
vermeintlich übermächtige Technik sind oftmals die Folge,<br />
wenn der durchschnittliche User erst einmal Opfer geworden ist.<br />
Wechselwirkungen mit medialen Darstellungen, eigenen Wissenslücken<br />
oder der Professionalisierung der Täter verstärken häufig<br />
die Wirkung. Sollten „nur“ ein paar Euro auf ein fremdes<br />
Konto überwiesen worden sein, so lässt sich das vielleicht<br />
noch verschmerzen &#8211; sobald aber Zweifel an der eigenen Organisations-<br />
und Kontrollfähigkeit aufkommen, weil man sich eigentlich sicher<br />
war, dass man seine Mails unter Verschluss gehalten, die privaten<br />
Tagebücher gut versteckt sowie die TAN-Liste ausreichend geschützt<br />
hatte, wird es kritisch.
</p>
<p>
Die Identität ist im digitalen Raum nicht einfach gleichzusetzen<br />
mit dem Schutz eigener Daten wie PIN, digitalisierter Unterschrift<br />
oder Käufervorlieben. Identität bedeutet Individuum: es<br />
ist kein Problem, einem User ein anderes Ich oder gar eine real<br />
nicht existierende Person vorzugaukeln. Alle Ebenen, bis hin zur<br />
einzigen technisch-individuellen Identifikationsmöglichkeit<br />
während einer Surfsession, der IP-Nummer, können verschleiert<br />
oder gar gefälscht werden. Und auch andersherum kann natürlich<br />
getäuscht werden, da der Diebstahl fremder Identitäten<br />
mittlerweile ein milliardenschwerer Markt geworden ist, vor allem<br />
in den USA. Wer ein Passwort erspäht und damit den gewünschten<br />
seriösen eBay-Account nutzt, der kauft nicht nur zu Lasten<br />
eines Users ein, sondern &#8211; und das ist besonders wichtig –<br />
agiert als diese Person und kann so zum Beispiel durch entsprechendes<br />
Verhalten für negative Bewertungen sorgen. Den Schaden hat<br />
dann der „echte“ User – und zwar nicht nur in<br />
der digitalen, sondern eben auch in der nichtdigitalen Welt, da<br />
man ihn mit den negativen Ergebnissen assoziiert.
</p>
<p>
Hinsichtlich der digitalen Identität werden freilich auch<br />
beim Identitätsgeber Begehrlichkeiten wach. Eröffnet man<br />
sich den individuellen Denk-Raum, so eröffnet man sich zugleich<br />
zahlreiche verlockende Chancen. So würde es einem Single zweifellos<br />
gut gefallen, wenn seine digitale Identitätserweiterung oder<br />
–darstellung bei anderen Singles gut ankommt. Durch den Flirtchat<br />
hätte er beispielsweise eine Erweiterung in seinem Leben gefunden,<br />
die ihm schnell und unkompliziert Kontakte zum anderen Geschlecht<br />
ermöglicht. Wird die Realität verfälscht, unterscheiden<br />
sich digitale und reale Identität und früher oder später<br />
kann es zu einem Konflikt kommen. Dies ist das grösste Risiko,<br />
aber zugleich auch eine faszinierende Verlockung. Das Spiel mit<br />
den Identitäten ist im Internet und hier ganz besonders im<br />
Chat mit Sicherheit eine der reizvollsten Angelegenheiten. Anders<br />
als bei einem Gespräch in der realen Welt erfordert der Chat<br />
in der digitalen Welt eine enorme Imaginationskraft. Die Möglichkeiten<br />
sind vergleichbar mit den Begehrlichkeiten: es ist nur schwer ein<br />
Ende abzusehen. Wir sind heutzutage nicht nur aufgrund der fortschreitenden<br />
technischen Entwicklung kaum in der Lage, alle Möglichkeiten<br />
abzuschätzen. Bisher haben sich auch keine nennenswerten Grenzen<br />
aufgetan, die ein Ende dieser Technik aufgezeigt hätten. Die<br />
zahlreichen medialen Verbindungen wie die von PC, Internet und SMS-Versand<br />
oder Handy und Fotoapparat zeigen dies nur ansatzweise, aber beeindruckend.<br />
Eine ständige Erweiterung bestehender Medientheorien ist also<br />
notwendig, um mit den Möglichkeiten und ihrer Realisierung<br />
auch nur ansatzweise Schritt zu halten. Die Grenze setzt da höchstens<br />
das Individuum, denn gesellschaftliche Grenzen sind oftmals nicht<br />
erkennbar: da, wo es für den Mann die Chance zum Chat als Frau<br />
gibt und umgekehrt, da wo es die Chance zum Spiel mit den Identitäten<br />
gibt, da wird sie mit grosser Wahrscheinlichkeit auch von jemandem<br />
genutzt – egal, wie gleichgültig oder verwerflich dies<br />
insgesamt sein mag.
</p>
<p>
Die digitale Identität ist ein wichtiges soziologisches Thema<br />
&#8211; wir sind soziale Wesen und wirken immer auch auf andere. Unsere<br />
digitale Identität füllt eine mehrfache Form opulent aus:<br />
sie dient sowohl als Inhalt und beschreibt uns als Individuum, aber<br />
sie ist auch Produkt unseres Onlineverhaltens oder dessen, was andere<br />
daraus machen. Sie ist eine soziale Institution, genau wie unsere<br />
reale Identität. Der Umgang mit der digitalen Identität<br />
hat bedeutende Symbolkraft. Produktion und Rezeption haben nicht<br />
nur für uns, sondern auch aufgrund der Aussenwirkung für<br />
andere eine große Bedeutung. Und ebenso müssen gleichzeitig<br />
auch immer Mythen und Rituale aufgeklärt und entzaubert werden,<br />
die es zuhauf gibt in den unscharfen Vorstellungen der meisten Userinnen<br />
und User. Deutlich wird dies durch ein einfaches, aber beeindruckendes<br />
Beispiel: Entscheidend sind nicht die einzelnen Informationen, die<br />
machtvoll in der Vorstellung des Durchschnittsusers über ihm<br />
schweben wie ein Damoklesschwert, sondern nur ihre erfolgreiche<br />
Verknüpfung. Wer also meint, dass alles über ihn bekannt<br />
ist – Büchervorlieben, Kreditwürdigkeit, Chatpartner<br />
– der vergisst sehr oft, dass diese Daten fragmentiert und<br />
verteilt sind. Sie wirken in ihrer Singularität bereits bedrohlich,<br />
sie sehen aus wie eine machtvolle Einheit &#8211; sie sind jedoch keine.<br />
Denn sie können nur in einer richtigen Verknüpfung gefährlich<br />
werden.
</p>
<p>
Als Fazit bleibt zu sagen, dass die gesellschaftliche Relevanz<br />
der zunehmend digitalisierten Identität unbestritten ist. Ein<br />
neues Denken ist notwendig im digitalen Raum! Wir sind nicht nur<br />
die Person vor dem Monitor, sondern auch das, was auf der eBay-Bewertungssseite<br />
über uns steht. Wir sind, wenn wir Onlinebanking nutzen, bereits<br />
anders als die Personen, die dies nicht tun – wobei die Art<br />
der Aktion im Onlinebanking uninteressant ist. Allein die Tatsache,<br />
dass wir es tun, ist ausreichend. Wir sind durch unsere Ausdrucksweise,<br />
unsere Reaktionszeit, unsere Aussagen und unser Folgehandeln eine<br />
Person in der Imagination einer anderen Person, wenn wir online<br />
sind. Es tun sich also zahllose Ergänzungen und Unterschiede<br />
im Vergleich zur realen Welt auf, was ausreichend gewürdigt<br />
werden muss. Denn wenn wir uns nicht darüber im Klaren sind,<br />
dass wir zumindest fragmentarisch auch digital existieren, dann<br />
sind sich andere darüber längst im Klaren. Der eBay-Account-Dieb<br />
weiss, dass wir den Schaden haben, wenn er uns ein negatives Feedback<br />
beschert. Eine generelle Kontrolle unserer digitalen Identität<br />
ist in vielen Fällen schwierig, aber eben nicht unmöglich.<br />
Auch hier kann man durch Redundanz, Mischung und andere Einflussnahmen<br />
mehr Kontrolle behalten, als man auf den ersten Blick vermuten mag.
</p>
<p>
Gespeicherte Daten über uns sagen alleine noch nicht viel<br />
aus. Es ist nicht besonders schlimm, wenn eBay weiss, dass wir unter<br />
dem Pseudonym xyz Waren kaufen und verkaufen, denn Vergleichbares<br />
weiss unser Kaufmann um die Ecke auch. Doch wir müssen den<br />
Maschinen nicht übermässig viel Vertrauen zukommen lassen,<br />
wenn wir selbst die Macht über unsere Informationen und somit<br />
letztlich über die Maschinen behalten können. Eine kritische,<br />
detailgenaue und technisch fundierte Analyse kann hier eine enorme<br />
Hilfestellung bieten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Nie mehr leben ohne Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Stellvertreter im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medientheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Virtualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Dem Internet kann man nicht entkommen – eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben scheint ohne digitale Netze kaum mehr möglich. Umso wichtiger ist es daher, die bestehenden und aufkommenden Fragen mit soziologischen Methoden zu dechiffrieren. Denn das Netz ist längst keine mehrheitlich technische Angelegenheit mehr, sondern von genereller gesellschaftlicher Bedeutung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Dem Internet kann man nicht entkommen – eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben scheint ohne digitale Netze kaum mehr möglich. Umso wichtiger ist es daher, die bestehenden und aufkommenden Fragen mit soziologischen Methoden zu dechiffrieren. Denn das Netz ist längst keine mehrheitlich technische Angelegenheit mehr, sondern von genereller gesellschaftlicher Bedeutung.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Doch kulturelle Analysen greifen oft zu kurz, da die Technik nicht hinreichend tiefgehend berücksichtigt wird. Dabei ist es hilfreich, sich einige alltägliche Phänomene anzuschauen und aus der passenden Analyse zumindest Ansätze zu generalisieren und über die Zeit zu retten. Gehen sie nicht weit genug ins Detail, leiden sie unter einer vermeidbaren Unschärfe, die ihren Gebrauchswert absenkt. Die 2004 vom Autor verfasste Arbeit „Das Imaginäre im Internet“ ist ein erster Ansatz, dem entgegenzuwirken. Einige Ergebnisse dieser Arbeit sollen hier vorgestellt werden.</p>
<p>Vornehmlich geht es um die Digitalisierung, die die Vernetzung erst möglich gemacht hat. Des Weiteren ist die Imagination wichtig, denn der viel zitierte Begriff der Virtualität trifft das Problem nicht im Kern: unsere eigene Imaginationsleistung ist es, die uns Bilder auf dem Monitor sehen lässt. Ebenso bedeutend ist der Raumbegriff: durch den Verlust der Materialität wurde der bisher bekannte soziologische Raumbegriff schnell substanzlos, durch die Relevanz der neuen Räume aber nicht zwangsläufig bedeutungslos. Wichtig ist ein prozessualer Raumbegriff, der das „Wie“ des Entstehens von Räumen betont.</p>
<p>Verbindet man die Möglichkeiten der Digitalität mit den Prozessen der Imagination, so erweitert man das Gegenwärtige um einen Denk-Raum, eine Horizonterweiterung, die erst durch die digitalen Netze erwuchs. Dabei darf man nicht im Abstrakten verharren, sondern muss die Chance nutzen, um Lösungen für gegenwärtige Probleme zu formulieren. Es geht um generelle Fragen, die nicht zufällig wieder den Bogen schlagen zu den technischen Bedingtheiten, die nicht kurzsichtig abgehalftert werden dürfen. Es geht um Grundsatzfragen: Wer hat eigentlich die Kontrolle im Netz? Wer beschränkt oder erweitert die theoretischen wie praktischen Möglichkeiten? Wie groß ist der Einfluss auf die Individuen? Wie wird ihre Identität beeinflusst? Verbirgt sich eine soziale oder anderweitig relevante Kontrolle in den Tiefen der Digitalität? Es geht um die Möglichkeit der Verbindung von Soziologie und Digitalisierung, es geht um die Analyse gesellschaftlicher Prozesse, die niemanden mehr verschonen.</p>
<p>Dabei sollte man tunlichst darauf verzichten, Ergebnisse analoger Zeiten der Gegenwart überzustülpen oder die Entwicklungen gar zu ignorieren. Aus technischer Sicht sind Analyseformen, die für andere Medien entworfen wurden, ziemlich fehl am Platz, doch diese Erkenntnis verliert in anderen Disziplinen schnell an Schärfe. Es muss klar sein, dass das Internet allein schon aufgrund der Digitalität ein gänzlich anderes Medium mit gänzlich anderen Möglichkeiten ist. Besonders bedeutend ist in diesem Falle die Potenzierung der Individualisierung, die dem Internetnutzer beispielsweise die Macht gibt, nicht nur Rezipient, sondern auch Produzent zu sein. Das Netz bietet ein kollektives Imaginäres an, im Gegensatz zu den alten Massenmedien.</p>
<p>Ebenso darf man nicht vergessen, dass fern von der hier geforderten Ausweitung einer soziologisch-digitalen Analyse bereits vor allem Prozesse, die wir politisch nennen, im Netz ihre Wirkung entfalten. Der Bezug zur Praxis ist ganz allgemein von immanenter Bedeutung, da Horizonte und Grenzen meist rasant durch die Technik ausgestaltet werden. Wenn man mehr und mehr mit der Praxis konfrontiert wird, mehr und mehr die Ebene der Theorie verlässt, um trotz alledem Theorie zu bilden, desto eher wird man Lösungen finden, die allen dienen und kein Selbstzweck sind. Und das bedeutet nicht, dass man sich beim Praxisbezug auf Anwendung, Statistik oder quantitative Forschung beschränkt. Die ständige Auseinandersetzung mit und die Teilnahme an Möglichkeiten und Milieus, letztlich also die Aushandlung der digitalen Machtfrage, muss eine Aufgabe der technikwissenschaftlichen Forschung sein.</p>
<p>Gerüstet mit zahlreichen Fragen und Ideen, versehen mit dem Werkzeug der theoretischen Analyse, sekundiert durch Empirie, gemessen in einem gerechten Tempo und mit der notwendigen Tiefenschärfe geht es schliesslich auf die Reise ins Netz. Die Analyse erfolgt stets in einer mehrfachen Form: sie nimmt sich den Weg der Kommunikation vor, die jeweiligen Inhalte, das Netz als Produkt sowie als soziale Institution. Es geht vor allem um das Symbolsystem, auf dem das Netz basiert. Sprachliche Kommunikation ist die mächtigste Form der Kommunikation im Internet. Und die maschinelle Sprachbesetzung ist oft mächtiger als der Mensch: wenn Kinder Kühe fortan nur noch als „lila“ erkennen, wird deutlich, wie machtvoll die Maschine ist – denn die Symbole wirken. Doch anstatt zusammen zu zucken, gibt es nur eine Lösung: die Auseinandersetzung mit dem Medium und die Ausgestaltung des Umgangs mit Symbolen und das Verbessern der Fähigkeit zur Kommunikation. Lässt man sich in das weiche Bett der blanken Rezeption fallen, degradiert man das Netz &#8211; und auch sich selbst. Die Passung der Cultural Studies hing nicht zuletzt davon ab, dass Kulturpessimismus wie in der Frankfurter Schule keinesfalls unterstützt wird. Auch deswegen wurden und werden in der eigenen Arbeit stets Bezüge zu Theoretikern hergestellt, deren Werke und Fundstücke sich deutlich von Kritischer Medientheorie und Systemtheorie abgrenzen. Erwähnt seien hier vor allem<br />
                            <a href="http://www.utb.de/katalog_suchen_detailseite.jsp?buchid=144" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Neil Postman</a>,<br />
                            <a href="http://www.utb.de/katalog_suchen_detailseite.jsp?buchid=144" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Marshall McLuhan</a>,<br />
                            <a href="http://www.zvab.com/angebote/vilem-flusser.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vilém Flusser</a>,<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dromologie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Paul Virilio</a> und<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Kunstwerk_im_Zeitalter_seiner_technischen_Reproduzierbarkeit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Walter Benjamin</a>. Die Orientierung bleibt somit qualitativ und interpretativ. Auch der Zugang über die strukturalistische Forschung bietet interessante Ansätze, ebenso wie die kritische Analyse in Hinblick auf digitale Machtverhältnisse. Mythen und Rituale verdienen ebenso eine kritische Betrachtung, denn schliesslich ist der vermeintlich stärkste Wunsch des Netzzeitalters, das Paradigma von der Gleichheit aller im Netz, parallel dazu wohl auch der grösste und langlebigste Mythos von allen.</p>
<p>Gewählt wurden für die Analyse schliesslich Beispiele, die jedermann aus dem Netzalltag vertraut sind: die Relevanz der Schrift wurde hier bereits kurz erwähnt, doch auch die Rolle des Mediums Internet im Medium Film wurde beleuchtet, ebenso wie Datenschutz und Datensicherheit, P2P, die Umkehrung der Erreichbarkeit am Beispiel der Handys und die Rolle der Identität. Letztere soll nun etwas genauer betrachtet werden.<br />
                            </p>
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