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	<title>Stammzellen &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Stammzellen &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>DFG-Chat zum Thema Stammzellforschung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Apr 2008 15:00:24 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Stammzellen]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
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		<category><![CDATA[Jörg-Hinrich Hacker]]></category>
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					<description><![CDATA[Professor Jörg-Hinrich Hacker, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Präsident des Robert-Koch-Institut, war am Donnerstag, 3. April zu Gast im DFG-live-Chat. Der Molekularbiologe sprach über Stammzellforschung, Gentherapiemöglichkeiten und berichtete, dass die Gesetzeslage deutsche Forscher behindere. Das Transkript des Chats gibt es <a href="http://www.dfg.de/aktuelles_presse/termine/download/chat_stammzellen_hacker_080403.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Professor Jörg-Hinrich Hacker, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Präsident des Robert-Koch-Institut, war am Donnerstag, 3. April zu Gast im DFG-live-Chat. Der Molekularbiologe sprach über Stammzellforschung, Gentherapiemöglichkeiten und berichtete, dass die Gesetzeslage deutsche Forscher behindere. Das Transkript des Chats gibt es <a href="http://www.dfg.de/aktuelles_presse/termine/download/chat_stammzellen_hacker_080403.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.<!--break--></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8216;Nichts könnte schlimmer sein, als Stammzellen wie Bananen zu behandeln.&#8217;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Nov 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Genforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Nationaler Ethikrat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Spiros Simitis, Vorsitzender des Nationalen Ethikrates und Datenschutzexperte</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Spiros Simitis, Vorsitzender des Nationalen Ethikrates und Datenschutzexperte</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ssimitis_transcript.jpg" alt="Spiros Simitis" align="left" height="134" width="112" /><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Genforschung<br />
und Datenschutz liegen vermeintlich weit auseinander. Trotzdem kamen im<br />
Chat mit Spiros Simitis sowohl die Stammzellenforschung als auch das<br />
Sicherheitspaket von Innenminister Schily zur Sprache. Kein Wunder,<br />
denn der Professor der Rechtswissenschaften ist Vorsitzender des<br />
Nationalen Ethikrates und war einer der ersten Datenschutzbeauftragten<br />
in Deutschland. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Zunächst<br />
jedoch musste Spiros Simitis die Aufgaben des Nationalen Ethikrates<br />
erklären, insbesondere in Abgrenzung zur Enquete-Kommission: &quot;Beides<br />
sind sehr verschiedene Gremien. Enquete-Kommissionen werden vom<br />
Bundestag eingesetzt, zu sehr unterschiedlichen Fragen, und bestehen<br />
für eine Legislaturperiode. Der Ethikrat ist zeitlich nicht gebunden<br />
und ist zunächst von der Bundesregierung eingesetzt worden. Er ist aber<br />
völlig unabhängig.&quot; </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Der<br />
Ethikrat beschäftige sich u.a. auch mit der Stammzellenforschung. Auf<br />
das Problem des Grauimports von Stammzellen angesprochen meinte<br />
Simitis: &quot;Weil der Gesetzgeber sich nicht ausdrücklich geäußert hat,<br />
ja, überhaupt nicht darauf eingegangen ist, bedarf es einer besonderen<br />
Aussage. Die muss letztlich auch der Gesetzgeber fällen. Die<br />
Stellungnahmen der Enquetekommissionen und des Ethikrates bahnen den<br />
Weg dazu.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Auf<br />
die Relevanz einer deutschen Gesetzgebung angesprochen, gestand Simitis<br />
ein, dass man die gentechnische Forschung weltweit wohl kaum<br />
kontrollieren könne. Er ergänzte jedoch: &quot;Das entbindet uns nicht von<br />
der Verpflichtung, nach Regelungen zu suchen, die unseren auch und<br />
gerade im Grundgesetz verankerten Prinzipien entsprechen.&quot; </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Simitis<br />
forderte zudem zusätzliche Maßnahmen auf europäischer Ebene: &quot;Wir<br />
brauchen unbedingt gemeinsame Regelungen. Ein Beispiel: Wenn die<br />
Stammzellen aus Göteborg importiert werden sollten, muss es gemeinsame<br />
Grundsätze geben, ansonsten landen wir vor dem europäischen<br />
Gerichtshof. Und nichts könnte schlimmer sein, als Stammzellen wie<br />
Bananen zu behandeln.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Das<br />
andere große Thema des Chats war der Datenschutz. Von 1975 bis 1991 war<br />
Spiros Simitis Datenschutzbeauftragter in Hessen. Seine Einschätzung<br />
von Innenminister Schilys Sicherheitspaket war eindeutig: &quot;Ich bin sehr<br />
kritisch diesen Vorschlägen gegenüber. Ich meine, sie sind zu schnell<br />
gemacht worden, sie nehmen nicht zur Kenntnis, was gegenwärtig bereits<br />
gemacht werden kann, sie geben keine Antwort auf die Frage, warum genau<br />
in welchem Zusammenhang und mit welchen Konsequenzen so weitreichende<br />
Maßnahmen erforderlich sind, und sie bedürfen einer gründlichen<br />
Korrektur.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Fingerabdrücke<br />
im Personalausweis hielt Simitis für überflüssig, sie wären in anderen<br />
Ländern eingeführt und nach kurzer Zeit wieder abgeschafft worden.<br />
Ähnlich wie beim geplanten Gesundheitspass (&quot;Auch das ein<br />
Schnellschuss.&quot;) würden nur Unmengen von sensiblen Daten angehäuft,<br />
deren Nutzen eher gering, die aber dafür offen für Missbrauch seien:<br />
&quot;Wenn solche Sammlungen bestehen, wächst der Appetit. Und Datenschutz<br />
ist ein Appetitzügler.&quot;<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/5150_36270.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
<!-- Content Ende --></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">
<p>
			&nbsp;
			</p>
<p>			<center><br />
			<i><a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Kommentieren<br />
			Sie diesen Artikel!</span></a></i><br />
			</center></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">&nbsp;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b></b></span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Embryonenforschung wird kommen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_embryonenforschung_wird_kommenquot-367/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Sep 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Stammzellen]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschen Forschungsgemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst-Ludwig Winnacker]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Genforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Ernst-Ludwig 
Winnacker, Präsident der DFG</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Ernst-Ludwig<br />
Winnacker, Präsident der DFG</b></span><!--break--> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ewinnacker4.jpg" align="left" height="134" width="112" /><b>Moderator:</b><br />
Sehr geehrter Herr Professor Winnacker, wir heissen Sie ganz herzlich im dritten<br />
gemeinsamen Chat von politik-digital und der DFG willkommen. Sie nehmen sich<br />
heute zwei Stunden Zeit, um über das Potential der Genforschung für die Medizin<br />
der Zukunft zu sprechen. Sicher werden wir auch auf die Risiken der Genforschung<br />
zu sprechen kommen. Fangen wir aber erst einmal bei den grundsätzlicheren Fragen<br />
an:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chris:</b> Worin unterscheiden sich adulte und embryonale Stammzellen? Adulte<br />
Stammzellen sind doch ethisch unbedenklich!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Adulte Stammzellen sind in einer späteren Phase<br />
der Entwicklung als embryonale Stammzellen. Adulte Stammzellen lassen sich in<br />
der Regel nicht gut zum Teilen anregen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mkn:</b> Sehen Sie einen ethisch-moralischen Unterschied zwischen der Nutzung<br />
embryonaler beziehungsweise adulter Stammzellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Selbstverständlich. Darum geht ja die ganze<br />
Diskussion.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Warum besteht da ein Unterschied?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil embryonale Stammzellen aus Embryonen in<br />
einem sehr frühen Stadium ihrer Entwicklung hergestellt werden. Dies führt zur<br />
Zerstörung des Embryos.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>KleinerOnkel:</b> Kann man mit der Stammzellenforschung nicht warten, bis<br />
man mit adulten Stammzellen arbeiten kann?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Warten kann man immer! Die Frage ist, ob man<br />
adulte Stammzellen überhaupt ohne embryonale Stammzellen bearbeiten kann und<br />
auf eine Therapie hin entwickleln kann.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Äule:</b> Woher kommen eigentlich embryonale Stammzellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wenn der Embryo sich bis zum 100. Zellstadium<br />
entwickelt hat, sieht er aus wie ein Hohlkugel. Im Innern dieser Kugel befinden<br />
an einer Stelle circa 10 bis 20 Zellen, die man isolieren und als embryonale<br />
Stammzellen in Kultur vermehren kann.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Das ist die biologische Erklärung, wie ist es mit der Verwendung<br />
von embryonalen Stammzellen? Ist das in Deutschland erlaubt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Herstellung von embryonalen Stammzellen<br />
ist in Deutschland verboten, weil gemäß Embryonenschutzgesetz eine fremdnützige<br />
Verwendung von Embryonen untersagt ist. Die Herstellung von embryonalen Stammzellen<br />
wäre eine solche fremdnützige Nutzung. Nicht verboten ist aber die Verwendung<br />
bereits im Ausland hergestellter Zellen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kurtmmayer:</b> Sollen deutsche Forscher die Möglichkeit bekommen, embryonale<br />
Stammzellen im Land herzustellen, oder genügen die im Ausland vorhandenen Linien?<br />
Und: Muss das Embryonenschutzgesetz geändert werden, um Linien in Deutschland<br />
herstellen zu dürfen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Derzeit genügen vermutlich die bereits im Ausland<br />
hergestellten Zellinien. Sollte sich herausstellen, daß sie nicht genügen, und<br />
dafür gäbe es sicherlich Gründe, hat die DFG vorgeschlagen, in Überlegungen<br />
einzutreten, das Embryonenschutzgesetz diesbezüglich zu ändern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Faust2:</b> Warum halten sie es für notwendig importierte Embryonen zu Forschungszwecken<br />
zu verwenden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil wir die Mechanismen der Reifung von Zellen<br />
bislang nicht verstehen. Dies müssen wir aber, um am Ende entweder adulte oder<br />
embryonale Stammzellen medizinisch einsetzen zu können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Vielleicht mal ganz grundlegend: Für welche medizinischen<br />
Zwecke braucht man embryonale Stammzellen, für welche Zwecke adulte Stammzellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Im Prinzip für die Behandlung sogenannter degenrativer<br />
Erkrankungen, also von Krankheiten die durch den Verlust von Zellen entstehen,<br />
zum Beispiel Parkinson, Multiple Sklerose, vielleicht Herzinfarkt etc.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Ist es bei diesen Krankheiten unerheblich, ob es sich um<br />
adulte oder embryonale Stammzellen handelt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nicht unbedingt. Das wissen wir eben nicht.<br />
Das entwicklungsbiologische Potential der verschiedenen Zellen ist unterschiedlich.<br />
Außerdem stehen bei adulten Stammzellen nicht beliebig viele Quellen zur Verfügung.<br />
Realistisch vielleicht nur Stammzellen des blutbildenden Systems oder der Haut.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dalderson:</b> Wie weit sind die Forschungen an tierischen Stammzellen vorangeschritten?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Embryonale Stammzellen der Maus gibt es seit<br />
1981 (Evans). Embryonale Stammzellen des Menschen erst seit Ende 1998. Adulte<br />
Stammzellen sind in der Maus ebenfalls seit längerem bekannt, auch beim Menschen.<br />
Daß sie sich aber ineinander umwandeln können ist, genauso wie die Tatsache,<br />
daß es Stammzellen im Gehirn gibt. Es gibt also noch Hoffnung für uns alle,<br />
auch für die über 60-jährigen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter:</b> Befürworten sie eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Derzeit ist dies nicht notwendig. Wenn denn<br />
die existierenden Stammzellinien nicht ausreichen, dann sollte man dies ins<br />
Auge fassen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Lassen sich Stammzellen überhaupt in den Mengen und der<br />
Reinheit produzieren, die für einen therapeutischen Einsatz erforderlich wären?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist genau das Problem, weswegen noch sehr<br />
viel Forschung in diese Systeme investiert werden muss. Adulte Stammzellen,<br />
etwa des blutbildenden Systems, muß man aus Knochenmark isolieren und kann sie<br />
nicht einfach beliebig vermehren. Embryonale Stammzellen teilen sich, aber müssen<br />
natürlich in geeigneten Mengen dann auch umgewandelt werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cornelia:</b> Wie viele Embryonen benötigt man in einem Jahr in Deutschland<br />
schätzungsweise für die Forschung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Im Moment gar keine. Es ist verboten. Man arbeitet<br />
auf diesem Felde mit sogenannten Zellinien. Die Herstellung einer solchen Linie<br />
bedarf sicher einiger Versuchsansätze, vielleicht fünf Embryonen. Dann aber<br />
kann man die Linien in Kultur halten und vermehren. In der Maus werden heute<br />
fünf solcher Zellinien für 95% aller Versuche verwendet.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Was sind Zelllinien?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das sind Zellen, die man einmal aus einem Organ<br />
isoliert und dann in Kultur in einer Nährflüssigkeit hält. Dort teilen sie sich.<br />
Wenn die Petrischale gefüllt ist, nimmt man ein Drittel der Zellen und züchtet<br />
sie weiter. Die anderen zwei Drittel friert man ein, um sie bei Gelegenheit<br />
wieder zu verwenden. Bei menschlichen Zellen kann man dies nicht beliebig oft<br />
machen. Sie durchlaufen nach 50 Teilungen eine sogenannte Krise und sterben<br />
alle. Krebszellen haben diese Eigenschaft nicht und lassen sich immer weiter<br />
züchten. Ähnliches gilt für embryonale Stammzellen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>stammzelle:</b> Was ist der unterschied zwischen der Verwendung überschüssiger<br />
Embryonen und extra zu Forschungszwecken hergestellten Embryonen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Welche Stammzelle fragt? Adult?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wahrscheinlich &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Bei der künstlichen Befruchtung können Embryonen<br />
übrig bleiben, die nicht gebraucht werden, weil die Beteiligten entweder dazu<br />
nicht mehr in der Lage oder interessiert sind. Das geschieht selten, aber es<br />
geschieht. Diese Embryonen werden dann eingefroren und warten der Dinge die<br />
da kommen. Diese &#8211; und nur diese &#8211; überzähligen Embryonen sollen hier verwendet<br />
werden. Die Herstellung nur zu Forschungszwecken lehnen wir ab.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Embryonale Stammzellen besitzen aber, so weit mir bekannt ist,<br />
auch keine unbegrenzte Lebensdauer, das heißt, irgendwann wird es nicht vermeidbar<br />
sein, immer wieder neue Stammzellen zu generieren?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Im Maussystem sind die Mengen so groß, daß man<br />
in der Tat lange damit arbeiten kann. Im menschlichen System ist die Sache längst<br />
nicht so weit gediehen. Hier muß man sogar auf Feederlayer, zu deutsch Zellrasen<br />
von anderen Zellen züchten, was derzeit sicherlich das Arbeiten erschwert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Wie lange können diese Zellinien menschlicher embryonaler<br />
Stammzellen in Kultur gehalten werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> In den Originalarbeiten ist zu lesen, daß sie<br />
über viele Monate hinweg gehalten werden können. Da es sie erst seit 1998 gibt,<br />
kann ich das nicht abschliessend beantworten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chris:</b> Wenn man nur mit einigen Zelllininen forscht, sind die Ergebnisse<br />
dann überhaupt allgemein gültig?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> In der Regel schon. Es ist in der Tat aber wichtig,<br />
daß es schon einige Zellinien sind. In der Maus wissen wir, daß sie leicht unterschiedliche<br />
Entwicklungspotentiale aufweisen. Nun sind Menschen keine Mäuse, so dass auch<br />
hier Unsicherheiten bestehen. Deswegen muß eben auch mit diesen Linien gearbeitet<br />
werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kommen wir mal zum Einsatz der Stammzellen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna:</b> Wie gut stehen die Chancen degenerative Erkrankungen mit Stammzellen<br />
zu heilen beziehungsweise zu stoppen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wir reden hier über Forschung. Die Anwendung<br />
wird einige Jahre auf sich warten lassen. Immerhin werden Stammzellen des blutbildenden<br />
Systems schon in der Medizin eingesetzt, allerdings zu etwas anderen Zwecken,<br />
beispielsweise in der Therapie von Blutkrebs.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Welche Risiken müssen erforscht werden, bevor sich Stammzellen<br />
therapeutisch einsetzen lassen. Gibt es etwa Infektionsrisiken durch Viren der<br />
Mauszellen, auf denen die embryonalen Stammzellen kultiviert werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Viren sind sicherlich ein wichtiger Punkt. Weiterhin<br />
ist die Reinheit der Zellen ein Problem und auch die Frage der Transformation,<br />
also die Frage, ob sie nicht zur Krebsentstehung befähigt sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hinrich:</b> Bei Herz-Patienten werden körpereigene Stammzellen verwendet<br />
(letzte Woche gemeldet). Ist das keine Alternative?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Leider wissen auch die beteiligten Ärzte nicht,<br />
ob hier überhaupt Stammzellen eine Rolle gespielt haben. Ein einziger Fall ist<br />
eben keine Statistik. Ob adulte Stammzellen des blutbildenden Systems bei Herzinfarkt<br />
eine Alternative werden könnten, ist weiterhin offen. Wir hoffen es und unterstützen<br />
Forschungsarbeiten, die genau diese Frage bei der Maus untersuchen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kurz zur Info: Die Fragen zu moralischen Risiken kommen noch!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Ist es richtig, daß sich die potentiellen Zellersatztherapien<br />
auf Stammzellbasis vor allem zur Behandlung von Krankheiten eignen, die weit<br />
nach dem 50. Lebensjahr gehäuft auftreten (Alterdiabetes, Alzheimer, koronare<br />
Herzrankheiten)?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ist das eine Drohung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Nein<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das kann man so nicht sagen. Degenerative Erkrankungen<br />
gibt es auch bei ganz jungen Leuten, zum Beispiel MS oder Herzkrankheiten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Gabrielczyik: Meine vorige Antwort bezog sich<br />
nicht auf ihre Frage, sondern die der Moderatorin.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Keine Drohung, Herr Winnacker &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Es geht schon los!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stammzelle:</b> Was wir eigentlich meinten: Warum darf an überschüssigen<br />
Embryonen geforscht werden? Wo ist der moralische Unterschied??<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> An die Moderatorin. Sie sollten mich nicht immer<br />
ernst nehmen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig-Winnacker:</b> Überzählige Embryonen haben keinerlei Chance<br />
und Lebensperspektive mehr, so daß ich meine, dass man in dieser Hinsicht einen<br />
Abwägungsprozess durchführen darf zwischen menschlichem Leben, das keine alternativen<br />
Chancen mehr besitzt und den Interessen schwerkranker Patienten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mehnert:</b> Haben Sie selbst ethische oder auch moralische Vorbehalte hinsichtlich<br />
der Stammzellenforschung beziehungsweise der Genforschung überhaupt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Selbstverständlich. Wenn Sie unsere Empfehlungen<br />
oder Äusserungen zu diesem Thema lesen, dann wird dies sehr deutlich. Seit 20<br />
Jahren publiziere ich über die Fragen der Chancen und Risiken der Gentechnik<br />
bei ihren verschiedenen Anwendungen am Menschen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BiMi:</b> Denken sie nicht, dass es gegen ethische Grundsätze verstößt,<br />
generell an Embryonen zu forschen???<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> und andernfalls vernichtet würden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Hier ist etwas verloren gegangen &#8230; Ich werde<br />
es noch einmal versuchen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Danke.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wir empfehlen auch nicht generell, an Embryonen<br />
zu forschen. Es geht nur um die erwähnten überzähligen Embryonen, die andernfalls<br />
vernichtet würden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Relikurs:</b> In welchem Stadium beginnt das menschliche, schützenswerte<br />
Leben?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Schützenswert ist es meiner Ansicht nach immer.<br />
Auch Ei- und Samenzellen &quot;leben&quot;. Individuelles Leben beginnt allerdings erst<br />
dann, wenn die Phase der Möglichkeit der Zwillingsbildung vorbei ist. In jedem<br />
Falle bin ich der Meinung, daß in diesen allerfrühesten Phasen ein abgestufter<br />
Lebensschutz postuliert werden kann.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Lange Zeit haben Sie sich öffentlich gegen die Forschung<br />
mit embryonalen Stammzellen gewandt. Dann haben Sie Ihre Meinung offenbar geändert.<br />
Was war für diesen Sinneswandel entscheidend??<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es ist ziemlich einfach. Das Arbeiten mit embryonalen<br />
Stammzellen konnte man nicht gut empfehlen, solange es diese nicht gab. In den<br />
letzten Monaten hat es aber auf diesem Felde so große Fortschritte gegeben,<br />
daß man darüber die Öffentlichkeit informieren musste. Das ist die Aufgabe der<br />
DFG.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rutz:</b> Wie sieht dieser &quot;abgestufte Lebensschutz&quot; aus?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Er sieht so aus, daß wir eben nur mit überzähligen<br />
Embryonen arbeiten wollen. Bekanntlich ist der Embryo auch in seinen frühesten<br />
Entwicklungsphasen auch im Mutterleib nur sehr eingeschränkt geschützt. Nur<br />
etwa 20% der natürlicherweise entstandenen Embryonen kommen überhaupt bis zur<br />
Einnistung in dieGebärmutter.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hinrich:</b> Als MS-Betroffener lechze ich nach Hilfe. Ist Ethik und Moral<br />
nur eine Frage jener, die es sich leisten können?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Diese Frage dürfen Sie eigentlich mir nicht<br />
stellen. Wir versuchen ja gerade, in dieser Sache etwas zu unternehmen. Ohne<br />
die von uns befürwortete Grundlagenforschung wird es keine Entwicklungen geben,<br />
die Ihnen helfen könnten. In der Tat!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ungers:</b>Ich bin selbst seit sechs Jahren an MS erkrankt und trotzdem<br />
sehr skeptisch gegenüber der embryonalen Stammzellforschung.Glauben sie, daß<br />
sie eine Hoffnung ist?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich kann jedenfalls nicht ausschliessen, dass<br />
es keine ist. Deswegen muß ich als Wissenschaftler diesen Weg zu eröffnen versuchen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>g659574:</b> Gibt es für Sie Grenzen für den Wunsch, zu heilen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Selbstverständlich. Die Forschungsfreiheit ist<br />
nicht absolut. Die Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes sind für die Wissenschaft<br />
genauso wertvoll und verbindlich, wie für alle anderen auch.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Gutes Stichwort, kommen wir mal zu den rechtlichen Fragen,<br />
die hier aufkommen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nadine:</b> Wie sieht denn die rechtliche Situation der Stammzellenforschung<br />
aus?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> An adulten, gewebespezifischen Stammzellen kann,<br />
vorbehaltlich der Regeln des Standesrechts und Arzneimittelgesetzes etcc. gearbeitet<br />
werden. Die Herstellung embryonaler Stammzellen ist gemäß Embryonenschutzgesetz<br />
untersagt, ihre Verwendung aber nicht. Da in anderen Ländern die Herstellung<br />
erlaubt ist, wäre bei uns ein Import solcher Zellinien möglich.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chris:</b> Ist das nicht paradox?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> In der Tat. Deswegen haben wir auch empfohlen,<br />
für den Fall, daß diese Zellen nicht wissenschaftsadäquat import werden können,<br />
das heißt gemäß unserer eigenen Auflagen und Vorstellungen, diese auch bei uns<br />
hergestellt werden müssten. Dies erschien uns ehrlicher, als allein auf den<br />
Import zu setzen und die Forschungsrisiken samt ihrer moralischen Implikationen<br />
auf andere abzuwälzen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wieder zum Rechtsrahmen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sylvia:</b> Wie stellen sich sich eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes<br />
vor und in wie weit können Sie dabei auschließen, dass Artikel 1 des Grundgesetzes<br />
verletzt wird ?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das Embryonenschutzgesetz kann nur der Gesetzgeber,<br />
also der Bundestag, ändern. Vielleicht ist dies aber auch gar nicht nötig. Meiner<br />
Ansicht nach ist eben die Menschenwürde von solchen Embryonen nicht verletzt,<br />
die keinerlei Chancen haben, zu Menschen zu werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>informationer:</b> Meiner Meinung nach sollte der Widerspruch zwischen Artikel<br />
2 und 5 GG geklärt werden, welche den Schutz menschlichen Lebens sowie die Freiheit<br />
der Forschung regeln und sich bis jetzt in diesem Punkt widersprechen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Da sehe ich keinen Widerspruch. Artikel 5 gilt<br />
nicht uneingeschränkt und ist den Artikeln 1 und 2 nachgeordnet. Menschenwürde<br />
und menschliches Leben haben immer Vorrang. Aber auch Schwerkranke haben Menschenwürde.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Herr Winnacker, hier sind echte Freiwillige aufgetaucht:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marie:</b> Ich halte die Stammzellforschung für hoffnungsvoll. Kann ich<br />
mich freiwillig zur Eizellspende melden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eizellspenden sind nur einer Spenderin erlaubt,<br />
die sich der künstlichen Befruchtung für sich selbst unterziehen will. Der Spende<br />
geht ja eine sehr belastende medizinische Behandlung voraus, die sogenannte<br />
Superovulation, die ihre Risiken birgt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kurzer Einschub: Da wir leider nicht alle der zahlreichen<br />
Fragen im Chat beantworten können, hat die DFG eine Service-Hotline geschaltet.<br />
Nach dem Chat können Sie dort ihre Fragen an die Experten der DFG richten. Die<br />
kostenlose Nummer lautet: 0800-5600969<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Mal grundlegend gefragt:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dalderson:</b> Sieht sich die &#8216;deutsche Wissenschaft&#8217; einem höheren Rechtfertigungsdruck<br />
gegenüber der Öffentlichkeit ausgesetzt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Diskussion über diese Fragen finden in vielen<br />
Ländern statt. Angesichts unserer Geschichte und angesichts der rechtlichen<br />
Situation verläuft sie bei uns allerdings unter veränderten Randbedingungen.<br />
Diese hat auch die Wissenschaft zu berücksichtigen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>informationer:</b> Wie sehen sie die rechtliche Entwicklung weltweit? Ist<br />
hier überhaupt noch eine Kontrolle möglich? Speziell in den USA habe ich starke<br />
rechtliche Bedenken!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Selbstverständlich sind hier Kontrollen möglich.<br />
Präsident Bush erlaubt ausschließlich die Forschung mit öffentlichen Mitteln<br />
an Zellinien, die bis zum 9. August hergestellt waren. Wir und andere bemühen<br />
uns, diese Fragen international zu regeln, um die Übersicht über die existierenden<br />
Zellinien zu behalten, beziehungsweise zu bekommen. Das ist auch aus rein wissenschaftlichen<br />
Gründen wichtig.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Was nützt aus Ihrer Sicht ein Verbot des therapeutischen<br />
Klonens in Deutschland, wenn es in anderen Staaten, wie etwa Großbritannien,<br />
gleichzeitig unter strengen Auflagen möglich ist? möglich<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es gibt eben ein internationales Rechtsgefälle.<br />
Das enthebt mich nicht der Verpflichtung darauf hinzuweisen, daß diese Technologie<br />
beträchtliche Risiken wissenschaftlicher und ethischer Natur besitzt, und daß<br />
es zunächst im Tierversuch bearbeitet werden muß. Bekanntlich entstehen beim<br />
Kerntransfer a la Dolly geklonte Tiere nur in geringsten Ausbeuten und mit vielerlei<br />
Missbildungen. Ursache hierfür ist die stochastische Natur der Reprogrammierungsprozesse,<br />
die hier nötig, aber nicht verstanden sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>konrad:</b> Sehen Sie eine Gefahr für den Wissenschaftsstandort Deutschland<br />
bei einem eventuellen Verbot der Forschung an ES-Zellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Für den Wissenschaftsstandort, ja!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Befürchten Sie nicht, daß fähige Wissenschaftler unter diesen<br />
Bedingungen ins Ausland gehen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Im Moment nicht, da, wie erwähnt, das Arbeiten<br />
mit embryonalen Stammzellinien nicht verboten ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Beni:</b> Wieviel Geld wird eigentlich in die Embryonenforschung investiert?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> In Deutschland nichts. In das Arbeiten mit adulten<br />
Stammzellen investiert allein die DFG circa 5 bis 6 Mio DM pro Jahr.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ChrisS:</b> Warum werden die Bonner Forscher nicht engagierter gefördert<br />
?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil die öffentliche Diskussion voll im Gange<br />
ist und der Bundestag gebeten hat, bis zur Entscheidung des Ethikrates beziehungsweise<br />
der Enquetekommission und seiner Entscheidung hierzu zu warten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b>Stichwort Enquetekommission:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dalderson:</b> Welche Rolle spielt der Nationale Ethikrat bei der Diskussion<br />
über Stammzellforschung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Er ist ein vom Bundeskanzler eingesetztes Beratungsgremium.<br />
Seine Meinung wird sicherlich in der Öffentlichkeit gehört werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Und die Enquetekommission, was macht die?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Enquetekommission hat wohl ein sehr viel<br />
breiteres Mandat und befasst sich längst nicht nur mit Stammzellforschung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Snethlage:</b> Wieviel Einfluß besitzt der Nationale Ethikrat auf die Entscheidungsfindung<br />
im Bundestag?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Da müssen sie die Mitglieder des Bundestages<br />
fragen!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul:</b> Sie sind ja auch Mitglied bei der Ethikkommision: Wie ist dort<br />
der Stand der Diskussion (quasi aus erster Hand!)?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich bin Mitglied im Nationalen Ethikrat. Er<br />
wird sich bis Ende des Jahres mit der Frage des Imports von Stammzellinien befassen.<br />
Er hat aber erst zweimal getagt, um sich überhaupt erst einmal kennen zu lernen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Breher:</b> Werden auch die deutschen &quot;Akademien der Wissenschaft&quot; zu diesen<br />
Problemstellungen befragt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Jeder kann sich in diesem Lande zu dieser Frage<br />
äußern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Ist die Entscheidung des Ethikrates für die Forschung bindend?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker: </b>Für die Forschung bindend ist das Gesetz, mit<br />
anderen Worten der Deutsche Bundestag. Der Ethikrat ist eine beratende Instanz.<br />
Wenn bis 7.12. die Rechtslage nicht geändert ist, wird die DFG auf der Basis<br />
des geltenden Rechts entscheiden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Ein wissenschaftliches Einzelschicksal:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>anne:</b> Ich würde gerne wissen, warum bis heute der bereits im letzten<br />
Jahr von Dr. Brüstle/Dr. Wiesler von der Uni Bonn gestellte Forschungsantrag<br />
mit embryonalen Stammzellen zwecks MS-Heilungsabsichten noch immer auf &quot;Eis<br />
liegt&quot;, obwohl das Importieren und somit Forschen mit embryonalen Stammzellen<br />
eigentlich erlaubt ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil höchste Vertreter dieses Staates, inklusive<br />
der Bundestag, die DFG gebeten haben, diese Entscheidung zurückzustellen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Die DFG-Service Hotline zum Thema Genforschung ist nach dem<br />
Chat geschaltet: 0800-5600969. Machen wir zum schluss noch mal einen Querschnitt<br />
durch die wichtigsten Themengebiete.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Bitte!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Sozusagen ein Frequently Asked &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jojo:</b> Ich fände es wirklich interessant zu wissen, wann &quot;menschliches<br />
Leben&quot; nach der Definition von Herrn Winnacker beginnt &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzellen.<br />
Aber: Auch Samen- und Eizellen sind für sich menschliches Leben. Menschliches<br />
Leben hat letztlich keinen Anfang und Ende, sondern ist ein Kreisprozess, der<br />
sich immer wieder auf die Keimzellen reduziert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Zu den Embryonen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jeanne:</b> Liegt nicht das Risiko darin, dass man eines Tages viele Zellen<br />
brauchen und deshalb Embryonen züchten wird?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist, nach allem was wir aus tierischen Systemen<br />
wissen, eben nicht zu erwarten. Adulte Stammzellen beispielsweise würden immer<br />
nur für einen einzigen Patienten gewonnen. Embryonale Stammzellen lassen sich<br />
vermehren, und stehen daher unbegrenzt zur Verfügung. In der Maus ist dies jedenfalls<br />
so.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>miriam:</b> Wo sind die Grenzen der Genforschung und vor allem wer kann<br />
entscheiden wo sie liegen ?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Jedenfalls nicht die Wissenschaft. Zu entscheiden<br />
hat der Souverän. Die Grenzen liegen beim Umgang mit dem Menschen, und damit<br />
mit den bereits diskutierten Punkten Menschenwürde etccc.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>RalphNeumann:</b> Was halten Sie von dem Vorschlag (der von einem Autor<br />
aus der FAZ stammt &#8211; näheres weiß ich leider nicht mehr), Stammzellen &quot;zentral&quot;<br />
von einer Organisation weltweit zu vergeben? Dies würde weitgehend soziale,<br />
rechtliche und ethische Regelungen auf internationaler Ebene ermöglichen und<br />
denen, die nicht im geheimen in diesem Bereich forschen wollen, eine rechtliche<br />
Absicherung ermöglichen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker: </b>Die DFG hat in ihren Empfehlungen in der Tat<br />
gefordert, im Sinne der Transparenz und der Standardisierung der Arbeit genau<br />
das zu tun. Vorgespräche und Überlegungen hierzu sind längst im Gange.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Welche Organisation käme da in Frage?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eine möglichst autonome Instanz, wie zum Beispiel<br />
die Fertility Authority in England. Dies wäre uns durchaus ein Vorbild. Denkbar<br />
wäre auch ein Modell à la ZKBS (Zentrale Kommission für die biologische Sicherheit),<br />
die sich schon seit 23 JAhren bei uns bewährt hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Wie verhält es sich mit Stammzellen aus Nabelschnurblut &#8211; sind<br />
sie eher zu den adulten Stammzellen zu rechnen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eher zu den adulten. Aber: Das Problem ist,<br />
es gibt nur sehr wenige davon. Die Hoffnung besteht darin, diese in Zukunft<br />
besser züchten zu können. Ich glaube, es gibt nur 1500 bis 5000 Zellen im Nabelschnurblut.<br />
In diesem Zustand ist eben alles noch sehr klein. Aber: Es gibt in Düsseldorf<br />
eine Bank, wo man sich einfrieren lassen kann, ich meine, das Nabelschnurblut.<br />
Man merkt die zwei Stunden!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wir sind auch bald am Ende, in Sachen Chat zumindest!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bundesgesundheitsmin:</b> Wie denken Sie, sieht die entfernte Zukunft der<br />
embryonalen Stammforschung aus?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Sie wird kommen. Wir wünschen uns, daß es die<br />
von uns angestrebten und vorgeschlagenen internationalen Lösung geben wird.<br />
Ob am Ende embryonale Stammzellen oder adulte therapeutisch Bedeutung gewinnen<br />
und in welchem Therapiefeld, ist offen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Ist es nicht möglich, den Menschen durch Information in einer<br />
Sprache, die sie verstehen, sprich umgangssprachlich, die Angst vor der Forschung<br />
mit Stammzellen zu nehmen? Dieses Interview ist ein Ansatz, aber auch Tage der<br />
offenen Tür in Forschungseinrichtungen etc. &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Sie sagen es: Ich versuche es immer wieder.<br />
Wir wissen alles über Mallorca, aber nur wenig über die frühesten Phasen unserer<br />
Entwicklung. Ich erinnere an den Wissenschaftssommer nächste Woche in Berlin,<br />
wo alles gut erklärt wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wissenschaftsommer?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Der Wissenschaftssommer beginnt nächste Woche<br />
in Berlin. Auftakt ist eine Veranstaltung mit dem Bundeskanzler am 12. September,<br />
nachmittags auf dem Marlene Dietrich Platz. Ein passender Ort.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Noch zwei Fragen, Herr Winnacker:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dalderson:</b> Haben Sie überhaupt noch Zeit, selber zu forschen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Leider nein! Aber zu denken!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Schon fast ein gutes Schlusswort &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gizmo:</b> Hätten Sie als junger Biochemiker gedacht, dass Sie sich jemals<br />
mit solch zukunftsweisenden Fragen beschäftigen würden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ja. Ich wollte immer Biochemie studieren. Damals<br />
konnte man das aber nicht, jedenfalls nicht in Deutschland.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Sie haben diese Brisanz in der Genforschung also vorausgeahnt??<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, sicher nicht. Aber als sie 1969 entdeckt<br />
wurde, war ich in Berkeley, und wir haben nächtelang darüber geredet, bis es<br />
dann zu Asilomar kam. Asilomar (bei San Francisco) war eine Konferenz im Frühjahr<br />
1975, als die Wissenschaft erstmals mit diesem Thema an die Öffentlichkeit ging.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Sehr geehrter Herr Professor Winnacker, haben Sie ganz herzlichen<br />
Dank für diesen anschaulichen und spannenden Wissenschaftschat. Ich denke, mit<br />
dem Chat und dem Transkript, das wir später veröffentlichen werden, haben wir<br />
einige grundlegende Fragen verständlich beantwortet. Mir hat es Spass gemacht,<br />
Ihnen hoffentlich auch. Danke auch im Namen der Chatter! Und hoffentlich bis<br />
zum nächsten Mal!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich bedanke mich. Es hat Spaß gemacht!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Die Hotline der DFG ist nun geschaltet. Unter 0800-5600969<br />
können Sie mit den Experten der DFG über ihre Fragen zur Genforschung sprechen.<br />
Die Hotline ist kostenlos!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gizmo:</b> Vielen Dank und Tschüß!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Der nächste Chat an dieser Stelle: Frank Steffel, Spitzenkandidat<br />
der Berliner CDU am 14. September von 17:30 bis 18:30!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Für alle, deren Fragen nicht beantwortet werden konnten:<br />
Unter 0800-5600969 ist eine Experten-Hotline geschaltet!<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul:</b> Es war sehr informativ, danke!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>&#8220;Der Mensch ist viel mehr als eine Gen-Maschine&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 29 May 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Professor Detlev Ganten im Gentechnik-Chat am 30. Mai 2001</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Professor Detlev Ganten im Gentechnik-Chat am 30. Mai 2001</b></span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Einen Tag vor der Grundsatzdebatte über Gentechnik im Bundestag war<br />
Professor Detlev Ganten, der Gründungsdirektor des<br />
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin, zu Gast im Chat<br />
von politik-digital.de und stern.de. Aus aktuellem Anlass sprach er mit<br />
den Chattern über ethische und moralische Grenzen der Genforschung.<br />
Risiken und Potenziale der Präimplantationsdiagnostik (PID) kamen<br />
ebenso zur Sprache wie die Position Deutschlands im internationalen<br />
Forschungsumfeld und der Nationale Ethikrat.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Als Mitglied des Nationalen Ethikrates wies Prof. Ganten den Vorwurf, dieser sei nur ein &quot;Ja-Sager-Verein&quot; vehement zurück: <i>&quot;Das halte ich für eine absurde Aussage.&quot;</i><br />
Die Mitglieder des Ethikrates seien erkennbar keine Konformisten, und<br />
die Unabhängigkeit und Gruppendynamik solcher Gremien dürfe nicht<br />
unterschätzt werden. Zur Diskussion und Beratung sei der Ethikrat eine<br />
wichtige Einrichtung, denn <i>&quot;kein Mensch kann für sich in Anspruch<br />
nehmen, so komplexe Themen wie den Einfluss der Genomforschung auf<br />
unsere zukünftige Entwicklung allein zu verstehen&quot;</i>. Dies gelte insbesondere für Entscheidungsträger wie den Bundeskanzler: <i>&quot;Wir sollten uns freuen, dass er Rat sucht.&quot;</i><br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die moralische Grenze der Gentechnik zieht Ganten für sich in der <i>&quot;verbrauchenden<br />
Embryonenforschung, soweit diese Embryonen nur zu diesem Zweck<br />
hergestellt werden, ebenso beim reproduktiven Klonen, für das es<br />
überhaupt keine Begründung gibt.&quot;</i> Insbesondere in der embryonalen Stammzellenforschung sei es schwierig, Grenzen festzulegen. <i>&quot;Die<br />
persönliche Erfahrung zeigt, dass Leben in seiner vollen Bedeutung<br />
langsam und kontinuierlich beginnt und manchmal sehr schmerzhaft, auch<br />
langsam endet.&quot;</i> <i>&quot;Vom Grundsatz her kann man den Beginn der Menschenwürde gar nicht früh genug ansetzen.&quot;</i><br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Besonderes Interesse zeigten die Chatter an der Präimplantationsdiagnostik. Für Detlev Ganten ist die PID <i>&quot;ein neuer Schritt der Beratung und Diagnose vor der Einnistung des Embryo im Mutterleib&quot;</i>, der für eine umfassende Beratung der Eltern mit eingesetzt werden solle. <i>&quot;Diese<br />
neuen Möglichkeiten erleichtern weder für den Arzt noch für den<br />
Patiente die Entscheidung, aber die größeren Freiheiten dürfen auf<br />
keinen Fall dazu führen, den Druck auf Ratsuchende zu erhöhen&quot;</i>. Dass die PID die Akzeptanz von Behinderten in der Gesellschaft verringern könne, glaubt der Professor nicht, denn <i>&quot;nur ganz wenige Behinderungen sind durch genetische Ursachen, die über PID vermieden werden könnten, verursacht.&quot;</i><br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eine<br />
zu restriktive Beurteilung der Genforschung könne dazu führen, dass<br />
Deutschland den Anschluss an die internationale Forschung verpasse,<br />
warnte der Forscher. Dabei hat Prof. Ganten die Hoffnung, dass<br />
ultra-konservative Reaktionen wie in den U.S.A. hierzulande ausbleiben:<br />
<i>&quot;Ich hoffe sehr, dass wir ein tolerantes Land bleiben, in dem jeder<br />
seine Meinung äußern kann ohne Gefahr für Leib und Leben. Dieses setzt<br />
allerdings auch voraus, dass wir in den Anwendungen dessen, was wir<br />
Denken und Forschen auf gesellschaftliche Ängste und Sorgen Rücksicht<br />
nehmen. Wissenschaft darf nicht Angst machen, sondern muss Zukunft<br />
sichern.&quot;</i><br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span></span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/index.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
<!-- Content Ende --></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
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