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	<title>Steuer &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Steuer &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Ich habe Gestaltungsehrgeiz und möchte in einer Regierungsfraktion weiterarbeiten&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
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		<category><![CDATA[Joachim Poß]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Joachim Poß, stellv. Vorsitzender 
der SPD-Bundestagsfraktion zuständig für die Bereiche 
Finanzen und Haushalt, war am 5. September zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Das Steuermodell 
von Paul Kirchhof, die Finanzierungskonzepte der SPD und soziale 
Gerechtigkeit waren die zentralen Themen.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Joachim Poß, stellv. Vorsitzender<br />
der SPD-Bundestagsfraktion zuständig für die Bereiche<br />
Finanzen und Haushalt, war am 5. September zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Das Steuermodell<br />
von Paul Kirchhof, die Finanzierungskonzepte der SPD und soziale<br />
Gerechtigkeit waren die zentralen Themen.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Duell-Liebhaber,<br />
liebe Politik-Interessierte, 14 Stunden nach dem TV-Duell herzlich<br />
Willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute ist der SPD-Vizefraktionschef Joachim<br />
Poß ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herzlich willkommen,<br />
können wir beginnen?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ja.</p>
<p><b>Gleimstr:</b> Noch mal Duell: Sie haben noch 14 Tage<br />
Wahlkampf vor sich. Der Abstand SPD-CDU schmilzt &#8211; kann man von<br />
einer weiteren Verschärfung des Wahlkampfes ausgehen?<br />
<b><br />
Joachim Poß:</b> Ich habe die Hoffnung, dass es in den<br />
nächsten Tagen gelingt, auf die zentralen Inhalte dieser politischen<br />
Richtungs-entscheidung zu sprechen zu kommen und damit die Alternativen<br />
zu verdeutlichen. Wir werden uns sehr kritisch mit Frau Merkels<br />
Lockvogel-Angebot Herrn Kirchhof auseinandersetzen, denn wenn man<br />
das Produkt Kirchhof bestellt und sich dafür entscheidet, kann<br />
es bekanntlich nicht geliefert werden, weil CDU/CSU ein gänzlich<br />
anderes Konzept haben. Insbesondere muss Herr Kirchhof jetzt seine<br />
sog. 418 Ausnahmetatbestände der Öffentlichkeit bekannt<br />
machen, damit sich die Wählerinnen und Wähler ein reelles<br />
Bild machen können von dieser Kopfsteueridee, die den Verfassungsgrundsatz<br />
der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verletzt.<br />
Ein weiteres spannendes Thema wird sicherlich die sog. Kopfpauschale<br />
und deren Finanzierbarkeit werden.</p>
<p><b>kauderwelsch:</b> Ist es nicht egal, wie viele Ausnahmen<br />
Herr Kirchhof identifiziert hat? Sie wollen ihm doch nur einen Fehler<br />
beim Zählen nachweisen.
</p>
<p>
<b>Joachim Poß:</b> Das ist nicht der Fall, aber<br />
ich bin definitiv der Meinung, dass die Finanzminister aller Länder<br />
und aller Parteifarben im letzten Frühjahr formuliert haben,<br />
dass dieses Konzept ungerecht und mit 43 Milliarden Steuerausfällen<br />
im ersten Jahr auch unfinanzierbar ist.</p>
<p><b>Balduin:</b> Herr Merz hat in der „Zeit“<br />
gesagt, dass Kirchhof&#8217;sche Modell ist durchaus gerecht, weil durch<br />
die hohen Bemessungsgrenzen auch kleine Einkommen entlastet werden.<br />
Warum also immer diese Verschleierungspolemik der SPD?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich teile die Auffassung der<br />
CSU-Minister Huber, Faltlhauser und der CDU-Ministerpräsidenten<br />
Müller und Wulff, die ebenso wie ich die Auffassung geäußert<br />
haben, dass sie im Kirchhof-Konzept eine Verletzung des Verfassungsgebotes<br />
der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit<br />
sehen.</p>
<p><b>prenzlau:</b> Warum setzen Sie sich immer nur mit den<br />
Ansätzen des Gegners auseinander, statt die eigenen Konzepte<br />
in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu stellen, wenn sie so<br />
gut sind?<br />
Warum sprechen die SPD und der Bundeskanzler immer nur von der Fortsetzung<br />
der eingeschlagenen Politik, sagen aber nichts über die nächsten<br />
geplanten Schritte in den kommenden &#8211; sagen wir &#8211; 24 Monaten?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Wir haben in den letzten Jahren<br />
die Geringverdiener, die Durchschnittsverdiener, die Familien mit<br />
Kindern und den wirtschaftlichen Mittelstand mit knapp 60 Milliarden<br />
Euro entlastet &#8211; nachzulesen unter www.mehr-netto-fuer-alle.de.<br />
Für den Mittelstand haben wir die Abzugsfähigkeit der<br />
Gewerbesteuer von der Einkommenssteuerschuld durchgesetzt. Das ist<br />
das größte Steuerentlastungsprogramm der Nachkriegszeit,<br />
das wir fortsetzten werden mit einer umfassenden Unternehmenssteuerreform<br />
(siehe Wahlmanifest der SPD). Darüber hinaus gibt es ab 2006<br />
die elektronische Lohnsteuerbescheinigung und jetzt schon in vielen<br />
Finanzämtern die Arbeiternehmerkurzveranlagung. D.h. auf dem<br />
Felde der Vereinfachung hat sich auch einiges getan, worüber<br />
Herr Kirchhof offenkundig nicht informiert ist. Weitere Steuersenkungen<br />
verkraften die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen nicht.<br />
Denn schließlich müssen wir auch in den nächsten<br />
Jahren die Zukunftsaufgaben Forschung, Bildung und Kinderbetreuung<br />
finanzieren.</p>
<p><b>Moderator:</b> Fanpost:</p>
<p><b>SebastianBuggle:</b> Hallo Herr Poß! Ich unterstütze<br />
Sie und die SPD, da ich selbst Juso bin und ich denke, dass sich<br />
das Blatt wenden wird und die Menschen die Reformen verstehen.</p>
<p><b>runciter:</b> Die Ausnahmen im Steuerrecht müssen<br />
doch weg! Herr Kirchhof will das anpacken. Rot-Grün hat dies<br />
nicht getan! <br />
Joachim Poß: Wir haben bereits 1999 70 Ausnahmetatbestände<br />
abgeschafft. Inzwischen zahlen Einkommensmillionäre &#8211; anders<br />
als in der Kohl-Ära &#8211; wieder Steuern. Und leider hat die CDU/CSU<br />
in den letzten Jahren im Bundesrat die Abschaffung der Eigenheimzulage,<br />
die Besteuerung der privaten Veräußerungsgewinne (Immobilien,<br />
Wertpapiere) ebenso blockiert, wie die Abschaffung der steuersparenden<br />
Anlagemodelle (Medien- Windkraft und sonstigen Fonds). Leider ist<br />
das wohl der breiteren Öffentlichkeit verborgen geblieben.</p>
<p><b>Moderator: </b>Es ist eine Frage mit Voraussetzung<br />
&#8211; sollten Sie an einer Regierung beteiligt sein: <br />
Janine: Wie wollen Sie ohne eine Mehrwertsteuererhöhung das<br />
Haushaltsdefizit verringern?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Unser Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen<br />
wurde leider &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; von der CDU/CSU im Bundesrat<br />
blockiert. Bei einem erneuten Wahlsieg der SPD-geführten Bundesregierung<br />
könnten die CDU-geführten Länder diese Blockade wegen<br />
der Finanzprobleme in den Länderhaushalten nicht mehr aufrechterhalten.<br />
Dadurch stünden Bund, Ländern und Kommunen rund 17 Milliarden<br />
Euro mehr zur Verfügung. Darüber hinaus bedarf es eines<br />
Finanzpaktes für Deutschland, also einer Vereinbarung von Bund<br />
und Ländern über die zukünftige Konsolidierungsstrategie,<br />
denn es geht um den öffentlichen Gesamthaushalt, nicht nur<br />
um den Bundeshaushalt.</p>
<p><b>Moderator: </b>Wieso sollten die CDU-Länder ihre<br />
Haltung ändern? Nur weil die SPD wieder an einer Regierung<br />
beteiligt ist &#8211; hoffen Sie auf den &quot;öffentlichen Druck&quot;?</p>
<p><b>Joachim Poß: </b>Ich setze auf die objektive<br />
Situation, dass insgesamt elf Länder sich in der Nähe<br />
verfassungswidriger Haushalte bewegen. Die Parteipolitik wird in<br />
einer solchen Situation zurücktreten. Die Ministerpräsidenten<br />
der CDU würden Frau Merkel nicht mehr so wie in den letzten<br />
Jahren folgen, um die Koalition von SPD und Grünen wie bisher<br />
in den Schwitzkasten zu nehmen.</p>
<p><b>Pmu2005:</b> Sie reden andauernd über Blockade,<br />
dieses Verhalten hat die SPD doch in der Kohl-Zeit mit Bravour vorgelebt<br />
und die von G. Uldall vorgeschlagene Steuerreform permanent aus<br />
parteitaktischen Gründen verhindert.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es stand das Konzept von Herrn<br />
Uldall niemals zur Entscheidung im Bundestag oder Bundesrat an,<br />
es ging um das Konzept von Herrn Waigel, dessen Realisierung die<br />
öffentlichen Haushalte in der damaligen Situation zwischen<br />
30 und 40 Milliarden DM gekosten hätten. Aus diesem Grunde<br />
haben die SPD-geführten Länder &#8211; zur klammheimlichen Freude<br />
der CDU-Finanzminister &#8211; diese Pläne abgelehnt.</p>
<p><b>Usedom:</b> Werter Herr Poß, bei der gegenwärtigen<br />
Konstellation in Bundestag und Bundesrat hätte doch nur eine<br />
große Koalition Sinn. Oder das Feld wird voll der CDU/CSU<br />
überlassen.</p>
<p><b>gelb gruen: </b>Herr Poß, das Beste was bei der<br />
Debatte gestern für Ihre Partei hätte herauskommen können,<br />
wäre eine große Koalition. Aber wäre Ihnen die Opposition<br />
nicht viel lieber? Da wären Sie bei weiteren Sozialreformen<br />
außen vor.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Die Entscheidung über künftige<br />
Konstellationen liegt ausschließlich bei den Wählerinnen<br />
und Wählern und nicht bei Parteistrategen oder spekulierenden<br />
Journalisten. Deshalb gebietet es der demokratische Anstand, diese<br />
Entscheidung auch abzuwarten. Was mich betrifft, ich habe Gestaltungsehrgeiz<br />
und möchte in einer Regierungsfraktion so wie bisher weiterarbeiten.<br />
Darum kämpfen wir.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ok, spekulierende Journalisten haben<br />
aber auch Realitätssinn. Rot-Grün als Regierung ist die<br />
unrealistischste Variante. Schlägt Ihr Herz doch ein bisschen<br />
für die Große Koalition &#8211; höre ich das heraus?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich war immer Anhänger<br />
einer Koalition mit den Grünen, weil offenkundig die politische<br />
Schnittmenge mit dieser Partei am größten ist und im<br />
Übrigen hat sich die CDU/CSU vom Konzept der Sozialen Marktwirtschaft<br />
so weit entfernt, dass nach meiner Erfahrung und Erlebnissen im<br />
Wahlkampf, sozial denkende CDU-Wähler zunehmend ins Grübeln<br />
kommen. Ich will also eine Koalition mit den sozial denkenden Wählern<br />
der CDU, nicht mit der CDU/CSU unter Frau Merkel.</p>
<p><b>SPY:</b> Herr Poß, können Sie mir erklären<br />
wie der Bundeskanzler davon ausgeht, die Wahl zu gewinnen und gleichzeitig<br />
ROT-ROT-GRÜN ausschließt?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Der Bundeskanzler strebt wie<br />
ich die Fortsetzung der jetzigen Koalition an. Eine Koalition mit<br />
der PDS. Die Linke mit Lafontaine ist aus außen-, innen- und<br />
wirtschaftspolitischen Gründen nicht möglich. Wer den<br />
Menschen 250 Euro Kindergeld, einen Mindestlohn von 1400 Euro u.ä.<br />
verspricht, führt die Wählerinnen und Wähler in verantwortungsloser<br />
Weise hinters Licht.<br />
Diese Gruppierung bewegt sich außerhalb der ökonomischen,<br />
sozialen und finanziellen Realität der BRD.<br />
<b><br />
CSc:</b> War es zu früh, die Neuwahl anzugehen, angesichts<br />
der sich erst jetzt einstellenden Erfolge der Rot-Grünen Reformen?<br />
Moderator: &#8230; gehen wir mal davon aus, dass es so ist, dass sich<br />
die Erfolge jetzt zeigen.</p>
<p><b>Joachim Poß: </b>Zumindest ist festzustellen,<br />
dass die Veränderungen der letzten Jahre jetzt langsam zu greifen<br />
beginnen. Seit April nimmt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen<br />
Arbeitsplätze Tag für Tag um 1500 zu, wir haben erhebliche<br />
Erfolge bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und sehen<br />
auch Erfolge z.B. beim zunehmenden Universitätsbesuch bei Kindern<br />
aus Arbeiterfamilien. D.h. wir sind auf dem Wege und mit dem Kurs<br />
der Erneuerung in sozialer Verantwortung zunehmend erfolgreich und<br />
setzen deshalb in der Tat auf die große Zahl der bis jetzt<br />
noch unentschiedenen Wählerinnen und Wähler.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ein großer Aufschwung ist allerdings<br />
nicht in Sicht. Die Frage war daher ja auch:<br />
<b><br />
rafsandjani:</b> Ja, aber warum lassen Sie dann jetzt neu wählen??</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Nach einer Reihe bitterer Niederlagen<br />
für meine Partei haben der Bundeskanzler und der SPD-Vorsitzende<br />
Müntefering mit guten Gründen die Neuwahlen vorgeschlagen,<br />
damit die gesamte deutsche Wählerschaft über diesen Kurs<br />
der Erneuerung in sozialer Verantwortung abstimmen kann. Ansonsten<br />
wäre zu befürchten gewesen, dass Frau Merkel, Herr Stoiber<br />
und andere ihre unverantwortlichen taktischen Spielchen unvermindert<br />
fortgesetzt hätten.</p>
<p><b>Moderator: </b>Welche Rolle spielt das TV-Duell? Hat<br />
das einen entscheidenden Vorteil für die SPD gebracht?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich bin ja nicht unvoreingenommen,<br />
aber die Zahlen im Hinblick auf die unentschiedenen Wähler<br />
sprechen doch eine viel deutlichere Sprache zugunsten des Bundeskanzlers<br />
und der SPD, als dies in den Kommentaren am gestrigen Fernsehabend<br />
zum Ausdruck kam. Da haben sich viele Meinungsmacher geäußert,<br />
die ihre Meinung über den Wahlausgang schon vor Monaten festgelegt<br />
hatten. Ich setze da auf die kritischen, aber auch mündigen<br />
Wählerinnen und Wähler.</p>
<p><b>Balduin:</b> Herr Poß, hat sich Schröder<br />
nicht im Grunde vom Volk das Misstrauen aussprechen lassen? Warum<br />
meint er, es jetzt zu bekommen, wo sich offenbar auch personell<br />
nichts bei der SPD  verändert hat?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es geht hier nicht um personelle<br />
Veränderung, sondern um den Kurs der Regierungspolitik, d.h.<br />
also, um die Weichenstellungen, die notwendig sind, um auch unseren<br />
Kindern und Enkeln noch die Chance eines Lebens im Wohlstand zu<br />
eröffnen. Dabei ist die SPD die einzige Partei, die für<br />
Wohlstandssicherung und soziale Gerechtigkeit steht. Das Wort soziale<br />
Gerechtigkeit kommt z.B. im Programm der CDU nicht ein einziges<br />
Mal vor.</p>
<p><b>presse: </b>Wer, außer Ihnen, könnte denn<br />
als Fachmann in Steuerfragen in der SPD oder bei den Grünen<br />
gelten? Haben Sie einen gleichrangigen Experten wie Herrn Kirchhof<br />
aufzuweisen?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Wir sind Politiker und bedienen<br />
uns der Experten und sind damit auch offen für sog. Expertenvorschläge.<br />
Die Vorschläge von Herrn Kirchhof sind allerdings nach Meinung<br />
der ganz großen Zahl der Steuerpraktiker in Bund und Ländern<br />
und selbst der Finanzwissenschaftler, also Kirchhofs Kollegen, nicht<br />
realitätstüchtig und zudem ungerecht und unfinanzierbar.<br />
<b><br />
Paradoxon:</b> Woher soll ich als Bürger die Kompetenz<br />
eines Fachmanns wirklich beurteilen können? Lächerlich<br />
dieser Personenwahlkampf.</p>
<p><b>Moderator: </b>Ihre Meinung dazu?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Diese Bemerkung kann ich verstehen.<br />
Ich würde Herrn Kirchhof nicht die Kompetenz als Steuerjurist<br />
absprechen, aber für die Führung eines Ministeriums halte<br />
ich ihn für gänzlich ungeeignet. Ansonsten &#8211; wie erwähnt<br />
&#8211; Herr Kirchhof ist Frau Merkels Lockvogel-Angebot und muss bei<br />
einfachsten Fragen, wie der nach seiner 418-Punkteliste, passen.</p>
<p><b>Moderator:</b> Die nächste Bundesregierung ist<br />
wohl nicht mehr SPD-geführt, die nächste SPD-Bundestagsfraktion<br />
gibt es dann schon. Werden Sie sie leiten? Müntefering hat<br />
sich nur für den SPD-Vorsitz fest entschieden.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich werde alles tun, damit sich<br />
ihre Spekulation, was das Wahlergebnis angeht,  nicht bewahrheitet<br />
und halte es für sehr ärgerlich, wenn einzelne Sozialdemokraten,<br />
meist anonym zitiert, in den Medien Personalspekulationen betreiben.<br />
Ich beteilige mich nicht daran.</p>
<p><b>chaetto: </b>Herr Poß, sie sprachen davon, dass<br />
bei der CDU die Worte soziale Gerechtigkeit nicht vorkämen.<br />
Wenn man sich die Wahlumfragen in Bezug auf die Linkspartei ansieht,<br />
scheinen sie als SPD ein Problem damit zu haben, diese Gerechtigkeit<br />
zu vermitteln. Können Sie mir eventuell erklären, was<br />
sie und die SPD unter sozialer Gerechtigkeit verstehen? Hartz I-IV,<br />
10 Euro Praxisgebühr auch für die Ärmsten vielleicht?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Die Praxisgebühr hatte<br />
Frau Merkel leider zur Bedingung für den notwendigen Kompromiss<br />
in der Gesundheitspolitik gemacht. Das ist keine sozialdemokratische<br />
Erfindung. Wir wollten eine Umsteuerung mit einem Hausarztsystem<br />
und die Abschaffung der kassenärztlichen Vereinigungen etc.<br />
Das alles konnten wir leider nicht durchsetzen. Die Umsteuerung<br />
in der Arbeitsmarktpolitik, um Hunderttausenden Sozialhilfeempfängern,<br />
darunter viele Jugendliche, neue Lebenschancen zu geben, war dringend<br />
erforderlich  und &#8211; das lehrt uns der Blick z.B. nach Skandinavien<br />
&#8211; längst überfällig. Leider sind die Umstellungsschwierigkeiten<br />
größer als erwartet. Mit diesen Maßnahmen werden<br />
wir jedenfalls dem Sozialstaatsgebot eher gerecht, als mit radikalen<br />
Sprüchen à la Lafontaine und Gysi, von denen die Arbeitslosen<br />
nichts haben.</p>
<p><b>Michael B:</b> Wie wollen Sie sich in den verbleibenden<br />
Tagen die Stimmen derer sichern, die zurzeit zur Linkspartei tendieren?<br />
Moderator: Kommt noch eine Überraschung von der SPD &#8211; und Schröder?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es geht um das beharrliche Werben<br />
für den von mir beschriebenen Weg der praktischen Vernunft<br />
und ich setze darauf, dass sich noch viele überlegen werden,<br />
ob sie sich tatsächlich für die PDS.DieLinke entscheiden<br />
sollen. Die Spitzenvertreter der PDS haben in den letzten Wochen<br />
mehrfach eindeutig erklärt, dass sie sich einer Regierungsverantwortung<br />
auf keinen Fall stellen wollen.</p>
<p><b>trichers:</b> Herr Poß, warum halten Sie eisern<br />
am Kündigungsschutz fest? Viele Mittelständler stellen<br />
hier in Baden-Württemberg weniger Leute ein, weil sie die Leute<br />
nicht mehr loskriegen.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> In den letzten Jahren haben<br />
wir mehrfach gesetzliche Flexibilisierungen vorgenommen, die die<br />
befristete Beschäftigung von Arbeitnehmer, zumal von denen<br />
über 50 Jahren, erleichtern. Für die schwierige Situation<br />
in der Binnenwirtschaft kann es meines Erachtens nicht nützlich<br />
sein, die sowieso schon vorhandene Unsicherheit der Menschen, durch<br />
den Abbau von Arbeitnehmerrechten noch weiter zu erhöhen.</p>
<p><b>Legoland:</b> Was wird aus Schröder, wenn er die<br />
Wahl verliert? Jetzt bitte nicht: &quot;Er wird nicht verlieren&quot;.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Legoland sollte eigentlich aus<br />
dem bisherigen Chat gelernt haben, dass ich nicht zu den politischen<br />
Spekulanten gehöre.</p>
<p><b>Moderator:</b> Das war unsere Chat-Stunde, vielen Dank<br />
für Ihr Interes se. Herzlichen Dank Herr Poß, dass Sie<br />
sich die Zeit genommen haben. Der nächste Chat findet morgen<br />
statt. Den Fragen stellt sich dann der Grünen-Chef Reinhard<br />
Bütikofer. Der Chat beginnt um 13:00 Uhr und dauert wie immer<br />
eine Stunde.<br />
Liebe Chatter und Chatterinnen, herzlichen Dank für Ihre vielen<br />
Fragen. Leider konnten wieder einmal nicht alle gestellt und beantwortet<br />
werden. Wir bemühen uns, alle von Ihnen angesprochenen Themenfelder<br />
im Lauf der Chats anzusprechen, aber auch heute blieben viele Fragen<br />
offen. <br />
Wir würden uns freuen, wenn Sie auch beim nächsten Mal<br />
wieder dabei sind!<br />
Morgen: Reinhard Bütikofer, 13:00 bis 14:00 Uhr, hier bei tagesschau.de<br />
in Kooperation mit politik-digital.de und tagesspiegel.de.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Carl Ludwig Thiele über Finanzpolitik</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/carl_ludwig_thiele_ueber_finanzpolitik-249/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/carl_ludwig_thiele_ueber_finanzpolitik-249/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Ludwig Thiele]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/carl_ludwig_thiele_ueber_finanzpolitik-249/</guid>

					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 24. Februar, war Carl Ludwig Thiele, FDP, stellv. 
Vorsitzender des Finanzauschusses des Bundestages, von 13.00 bis 
14.00 Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.&#34;Die Regierung will durch eine Neuinterpretation 
die Kriterien des Stabilitätspaktes aushebeln&#34;, erklärte 
er im Gespräch mit den Teilnehmern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 24. Februar, war Carl Ludwig Thiele, FDP, stellv.<br />
Vorsitzender des Finanzauschusses des Bundestages, von 13.00 bis<br />
14.00 Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.&quot;Die Regierung will durch eine Neuinterpretation<br />
die Kriterien des Stabilitätspaktes aushebeln&quot;, erklärte<br />
er im Gespräch mit den Teilnehmern.<!--break--></p>
<p class="normal">
<span class="fett">Moderatorin:</span> Liebe Chatter<br />
und Chatterinnen, unser heutiger Gast wird sich vermutlich um einige<br />
Minuten verspäten, so dass wir diesen Chat nicht ganz pünktlich<br />
beginnen werden können. Wir erwarten Herr Thiele aber in den<br />
nächsten Minuten&#8230; Über die zugeschaltete Webcam können<br />
Sie verfolgen, ob er bereits Platz genommen hat. Sie können<br />
auch bereits Ihre Fragen formulieren und an die Moderatoren schicken.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin:</span>  So, jetzt sehe ich<br />
ein Taxi vor dem Hauptstadtstudio vorfahren. Ich hoffe mal, dass<br />
unser Gast darin saß. Leider war das Taxi doch noch nicht<br />
das richtige, vermutlich ist er in ein unvorhergesehenes Gespräch<br />
verwickelt worden. Das ARD-Hauptstadtstudio, von wo aus wir diesen<br />
Chat durchführen, ist ihm sicherlich bekannt und allzu weit<br />
vom Reichstag ist es auch nicht entfernt, hier ist alles fußläufig<br />
zu erreichen. <br />
Wir hören gerade, dass Herr Thiele in den nächsten zwei<br />
Minuten eintreffen wird. Also hat das Warten Sinn gehabt er ist<br />
jetzt auf dem Weg hierher und kommt zu Fuß. Der Referent wird<br />
ihn schnurstracks hier in den Konferenzraum 4 des ARD-Hauptstadtstudios<br />
geleiten. Jetzt hoffe ich nur, dass der Gehweg nicht ganz so glatt<br />
ist wie vorhin das bremst die Schritte nämlich noch ein wenig.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin:</span> Überraschung, Herr Thiele<br />
ist gerade eingetroffen: Wir können also anfangen. Herr Thiele,<br />
herzlich willkommen. Warum haben Sie denn so lange auf sich warten<br />
lassen?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Es war gerade eine<br />
Debatte im deutschen Bundestag über das Wachstums- und Stabilitätsprogramm.<br />
Deutschland hatte durchgesetzt, dass der Euro so stabil sein soll<br />
wie die D-Mark. Deshalb ist international vereinbart worden, dass<br />
die Staaten sich nicht höher als 3% dessen was erwirtschaftet<br />
wird, neu verschulden dürfen und der Schuldenstand soll nicht<br />
höher als 60% des BIP sein. In den letzten Jahren ist das 3%-Kriterium<br />
dauernd überschritten worden, der Schuldenstand ist von 58<br />
auf 66 % gestiegen. Die Bundesregierung will durch eine Neuinterpretation<br />
diese Kriterien aushebeln.
</p>
<p>
<span class="fett">feitstanz:</span> Herr Thiele, sie wollen die<br />
Unternehmenssteuern weiter senken. Aber zeigt die Deutsche Bank<br />
nicht gerade, dass damit nicht Arbeitsplätze sondern höchstens<br />
Aktionärsvillen geschaffen werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Wir befinden uns<br />
bezüglich Investitionen und Arbeitsplätzen im internationalen<br />
Wettbewerb. Andere europäische Mitbewerberländer haben<br />
die Unternehmenssteuer in den vergangenen Jahren gesenkt. Österreich<br />
auf 25%. Wenn wir dem tatenlos zusehen, werden weitere Arbeitsplätze<br />
durch Investitionen in andere Länder abwandern. Täglich<br />
verlieren wir in Deutschland mehr als 1000 Arbeitsplätze. Das<br />
Verhalten der Deutschen Bank war auch kommunikativ nicht nachvollziehbar.
</p>
<p>
<span class="fett">Manni:</span> Hallo Hr. Thiele, sind Sie / die<br />
FDP für eine Reform der Einkommensbesteuerung von Gewinnen<br />
aus Personengesellschaften?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ja. Wir sind die<br />
einzige Partei, die ein ausformulierten Gesetzesentwurf vorliegen<br />
hat. Ausnahmen müssen gestrichen, das Steuerrecht muss vereinfacht<br />
und die Steuersätze gesenkt werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Newcomer:</span> Sind sie für die Beibehaltung<br />
der 3% Grenze bei der Neuverschuldung?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ja. Es ist nicht<br />
zu akzeptieren, wenn man Reformbedarf in der Gegenwart ausweicht,<br />
und sich über 3% neu verschuldet, wie dieses in den letzten<br />
3 Jahren erfolgt ist. Die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen<br />
von morgen. Eine nachhaltige Finanzpolitik setzt voraus, dass die<br />
Probleme in der Gegenwart gelöst und nicht auf die Zukunft<br />
verschoben werden.
</p>
<p>
<span class="fett">demos:</span> Die Steuerpläne der FDP beruhen<br />
auf der Einsicht, dass wir Bürger mit unserem Geld besser umgehen<br />
können, als dies der Staat kann. Dennoch gibt es großen<br />
Widerstand. Sind die Deutschen nicht zur Eigenverantwortlichkeit<br />
fähig?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ich wünsche<br />
mir mehr Eigenverantwortlichkeit. Auch die Bürger haben zu<br />
Beginn des Jahres in einer beispiellosen Spendenaktion gezeigt,<br />
dass auch sie eigenverantwortlich dazu beitragen, Not zu lindern<br />
und anderen Menschen zu helfen. Die Staaten, die Hilfe geben, haben<br />
vorher ihren Bürgern das Geld abgenommen damit die Staaten<br />
helfen können. Bürgersinn und Engagement des Einzelnen<br />
sind aber auch durch den Staat nicht zu ersetzen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Kommen wir zur aktuellen<br />
Diskussion: Es gibt einen deftigen Streit zwischen Wirtschaftsminister<br />
Clement und Finanzminister Eichel über den richtigen Kurs in<br />
der Steuerpolitik. Clement hat Eichel eine falsche Strategie vorgeworfen<br />
und erklärt: &quot;Wir machen eine fiskalische Steuerpolitik<br />
und keine wirtschaftpolitische.&quot; Die Frage an den Finanzexperten:<br />
Was wäre denn nun besser für unser Land?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Erst mal ist es besser,<br />
wenn eine Regierung Konzepte vorlegt, anstatt Diskussionen zu verhindern.<br />
Insofern stimmen wir der Forderung von Minister Clement für<br />
die FDP ausdrücklich zu. Die Wirklichkeit besteht allerdings<br />
darin, dass der zuständige Finanzminister Eichel hiervon nichts<br />
wissen will. Deshalb ist die Aufforderung von Clement lediglich<br />
ein Sturm im Wasserglas der öffentlichen Meinung.
</p>
<p>
<span class="fett">Mak80:</span> In der Vergangenheit war ein Grundsatz<br />
der Vorschläge der FDP, dass Steuersenkungen durch ein höheren<br />
Wirtschaftswachstum in der Zukunft finanziert werden sollten. Nur<br />
ist dieses Wachstum auch unter CDU/FDP ja nie groß genug gewesen.<br />
Bleiben Sie dennoch bei diesem Ansatz?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Der Ansatz ist prinzipiell<br />
richtig, muss aber konkret nach sechs Jahren rot-grüner Stagnationspolitik<br />
überprüft werden. Alles Sachverständige sind sich<br />
aber darüber einig, dass wir Wachstum in Deutschland benötigen.<br />
Stabilität ist wichtig, aber ohne Wachstum nicht in der Lage,<br />
unsere Probleme zu lösen.
</p>
<p>
<span class="fett">Minor:</span> Eine Frage bezüglich der<br />
Bedeutung Deutschlands als Absatzmarkt, die in Bezug auf die Versteuerung<br />
nicht unwichtig ist: Welche Bedeutung bemessen Sie dem &quot;Binnenmarkt<br />
Deutschland&quot; bei?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ich messe ihm eine<br />
große Bedeutung bei. Deshalb ist es verheerend, dass durch<br />
die allgemeine Verunsicherung, die gestiegene Arbeitslosigkeit,<br />
Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes und Angst vor der Entwicklung<br />
unseres Landes dazu führt, dass die Binnennachfrage niedrig<br />
ist. Wir brauchen einen grundlegenden Politikwechsel, damit die<br />
Bürger Vertrauen in die Zukunft haben und wieder investieren<br />
und nachfragen.
</p>
<p>
<span class="fett">tymmz:</span> Guten Tag Herr Thiele, viele Experten<br />
sind sich darüber einig, dass es unausweichlich ist, den Mehrwertssteuersatz<br />
anzuheben. Wieso blendet jede Partei dieses Thema aus, da laut den<br />
Parteien Reformen jetzt stattfinden müssen und nicht erst in<br />
ferner Zukunft?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Jede Steuererhöhung<br />
senkt den Druck auf die Finanzierung der öffentlichen Haushalte.<br />
Erst müssen Strukturreformen durchgeführt werden. Wer<br />
nur über die Erhöhung der Einnahmenseite des Staates nachdenkt<br />
übersieht, dass jede Steuererhöhung die Nachfragemöglichkeit<br />
der Bürger reduziert.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Ich glaube, die nächste<br />
Frage betrifft das Thema Nebentätigkeit:
</p>
<p>
<span class="fett">t. bertram:</span> Herr Thiele, sie arbeiten<br />
als Rechtsanwalt, sitzen in 2 Aufsichtsräten, haben eine Familie<br />
mit 5 Kindern und arbeiten dann noch im Bundestag. Das ist eine<br />
beachtliche Leistung und ich freue mich dass sie Zeit für den<br />
Chat finden konnten. Wie bekommen sie das unter einen Hut, was hat<br />
bei ihnen Priorität?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Das größte<br />
Problem und die größte Herausforderung stellt die Vereinbarkeit<br />
zwischen Mandat und Familie dar. Bislang ist mir diese Vereinbarkeit<br />
trotz vieler Schwierigkeiten gelungen. Da ich einen Zeitvertrag<br />
mit dem deutschen Volk habe, muss ich mich auch im Interesse meiner<br />
Familie darum kümmern, was passiert, wenn dieser Zeitvertrag<br />
nicht verlängert wird. Da ich keine Arbeitsplatzgarantie im<br />
öffentlichen Dienst, in einer Gewerkschaft oder einem Großunter­nehmen<br />
habe, muss ich dafür Sorge tragen, dass ich auch nach dem Ausscheiden<br />
aus der Politik weiter tätig sein kann. Deshalb ist es wichtig,<br />
dass ich auch als Rechtsanwalt weiter tätig bin. Ich bin ehrenamtlich<br />
in einem Aufsichtsrat tätig. In dem anderen Aufsichtsrat habe<br />
ich drei Sitzungen pro Jahr, mit Informationen und Gesprächen<br />
auch zwischen diesen Terminen. Auch durch diese Tätigkeit erfahre<br />
ich Dinge, die ich dann in der politischen Arbeit nutzen kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Heute treffen sich die parlamentarischen<br />
Geschäftsführer, um das Thema Nebeneinkünfte zu sondieren.<br />
Sind sie für eine Offenlegung?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Es gibt bisher schon<br />
eine Regelung über ein Offenlegung. Ich bedaure, dass von einzelnen<br />
gegen diese Regelung verstoßen wurde und dadurch diese Diskussion<br />
ausgelöst wurde.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Könnten sie mit einer<br />
Verschärfung der jetzigen Regelung leben?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele: </span>Das müsste differenziert<br />
werden. Hierzu müssen Vorschläge auf den Tisch, die dann<br />
überprüft werden. Es ist z. B. in der ganzen Diskussion<br />
auffällig, dass gar nicht darüber diskutiert wird, ob<br />
Minister und Staatssekretäre ihre Tätigkeit als Abgeordnete<br />
entsprechend nachgehen können.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Wir hängen noch 5-10<br />
Minuten dran:
</p>
<p>
<span class="fett">Minor:</span> Erneut zum Binnenmarkt: Also würde<br />
die FDP dazu tendieren nicht nur Reformen im &quot;Normalen &quot;<br />
Steuerwesen (Gewerbesteuer bzw. Einkommenssteuer), sondern auch<br />
bei Steuern wie der Mehrwertsteuer oder gar Tabaksteuer etc. gut<br />
zu heißen?
</p>
<p>
<span class="fett">demos:</span> Früher wurde Kapital in Deutschland<br />
reinvestiert, heute wandert es ins Ausland ab, sollten daher Kapitalkontrollen<br />
wieder eingeführt werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Primär geht<br />
es um eine Reduzierung der öffentlichen Ausgabe. Der große<br />
Unterschied zwischen Privatpersonen, dem Staat und öffentlich-rechtlichen<br />
Anstalten besteht darin, dass jeder einzelne Bürger zunächst<br />
prüft, welche Einnahmen er hat. Erst dann plant und tätigt<br />
er seine Ausgaben. Bei der öffentlichen Hand und den öffentlich-rechtlichen<br />
Anstalten ist es genau anders herum. Erst werden die Ausgaben festgelegt<br />
und dann überlegt man sich, wo man die Einnahmen herbekommt.<br />
Dieses ist der falsche Weg. Der Staat muss im Interesse der Bürger<br />
zur Sparsamkeit gezwungen werden. Dieses ist die Voraussetzung dafür,<br />
dass die Steuern- und Sozialabgaben nicht permanent steigen.
</p>
<p>
Um auf die Frage von Demos einzugehen: Wir brauchen nicht mehr<br />
Kontrollen, sondern mehr Kapital in Deutschland. Dieses Ziel verfolgte<br />
auch die Steueramnestie. Geld, was einmal im Ausland ist, erzielt<br />
Erträge im Ausland und führt zu Steuereinnahmen im Ausland.<br />
Diese Erträge hätten wir gerne im Inland. Die Steuererträge<br />
darauf auch. Deshalb dürfen wir nicht Kapital aus Deutschland<br />
vertreiben, sondern müssen alles daran setzen, dass Kapital<br />
nach Deutschland fließt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Aber wie, Eichel ist mit<br />
seinem Modell gescheitert?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Das Modell hat einen<br />
gravierenden Nachteil: Wir haben in Deutschland keine Zinsabgeltungssteuer.<br />
Dieses ist leider während des Gesetzgebungsverfahrens an der<br />
Union gescheitert.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Kommen wir zum Ende noch<br />
zu einer Wahlnachlese zu Schleswig-Holstein:
</p>
<p>
<span class="fett">Graf_Zahl:</span> Ihr Parteichef hat sich bei<br />
der Schleswig-Holstein-Wahl mal wieder blamiert (Stichwort: Nachzählen).<br />
Denken Sie, Guido Westerwelle schadet in seiner Position als Vorsitzender<br />
der FDP?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Nein. Noch Fragen?
</p>
<p>
<span class="fett">der grahl:</span> Was halten sie von der Arbeit<br />
ihrer Kollegen in Schleswig-Holstein? Haben die nicht einen grauenhaften<br />
Job gemacht?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Wer eine erfolglose<br />
Regierung ablösen will, sollte ein klares Kontrast­programm<br />
dagegen setzen. Dieses haben wir in Niedersachsen &#8211; ich bin dort<br />
stellvertretender Landesvorsitzender &#8211; gemacht. Die Wähler,<br />
die den Wechsel wollten, haben ihn erreicht und die FDP mit 8,1%<br />
in den Landtag gewählt.
</p>
<p>
<span class="fett">Graf saint Germin: </span>Herr Thiele, was glauben<br />
sie, wer regiert in Zukunft Schleswig-Holstein?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ich habe Angst, dass<br />
die Pattex-Ministerpräsidentin Simonis als Wahlverliererin<br />
weiter die Regierung führt, obwohl sie selbst erklärt<br />
hat, dass sie jetzt erst ein paar Wochen Urlaub braucht und im Sommer<br />
noch mal. Schleswig-Holstein braucht zwar Urlauber aber vor allem<br />
eine neue Regierung für einen Neuanfang.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Wie fanden Sie den Umgang<br />
von Herrn Kubicki mit Herrn Carstensen?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Diese Frage kann<br />
am besten Herr Kubicki beantworten.
</p>
<p>
<span class="fett">Dropp:</span> Wie sehen Sie denn die Kapitalverteilung<br />
in der Bevölkerung in 10 Jahren? Wird sich das Verhältnis<br />
weiter zu Gunsten einer Minderheit verschieben? Halten Sie das für<br />
gerechtfertigt?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Hier wünsche<br />
ich mir eine breitere Verteilung des Kapitals. Aber dieses setzt<br />
voraus, dass wir ein höheres Wachstum haben und mehr Arbeitsplätze.<br />
die Menschen brauchen Hoffnung für die Zukunft und nicht Hoffnungslosigkeit.<br />
Dies Versuche ich politisch zu erreichen. Privat versuche ich; meine<br />
Kinder davon zu überzeugen, dass die Perspektive für ihr<br />
Leben Hoffnung und nicht Hoffnungslosigkeit ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Unsere Zeit ist bereits<br />
um. Vielen Dank an alle User für das große Interesse.<br />
Etliche Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank,<br />
Herr Thiele, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben.<br />
Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Den nächsten Chat gibt es am Montag, den 7. März, ab 13.00<br />
Uhr mit Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Am 8. März<br />
ist der Grünen-Politiker Rezzo Schlauch im Chat. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p><span class="fett">Carl-Ludwig Thiele</span>: Auch ich wünsche<br />
einen angenehmen Tag und weiter viel Interesse an der Politik. Politik<br />
kann sich nur ändern, wenn die Bürger sich engagieren.<br />
Hierum bitte ich Sie.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hermann Otto Solms zu Steuer-und Gesundheitsreform</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thauswedell]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Nov 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Otto Solms]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms</b> 
<span class="fett">beantwortete im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de Fragen zu Steuer-und Gesundheitsreformen der 
FDP und verteidigte seine Pläne zur Steuersenkung nicht nur für 
den deutschen Arbeitsmarkt als unerläßlich - sondern auch, 
um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn, so Solms: &#34;Wir 
stehen im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.&#34;</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms</b><br />
<span class="fett">beantwortete im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de Fragen zu Steuer-und Gesundheitsreformen der<br />
FDP und verteidigte seine Pläne zur Steuersenkung nicht nur für<br />
den deutschen Arbeitsmarkt als unerläßlich &#8211; sondern auch,<br />
um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn, so Solms: &quot;Wir<br />
stehen im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.&quot;</span><!--break-->
</p>
<p class="normal">
Moderator: Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Herr Solms, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit<br />
unseren Usern?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich bin bereit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie sind Finanzexperte der FDP und beschäftigen<br />
sich u. a. mit Steuern. Merz´ Bierdeckel Drei-Stufen-Steuermodell<br />
war in aller Munde und allgemein bekannt. Sie waren viel schneller mit<br />
einem ähnlichen Modell. Warum hat man in der Öffentlichkeit<br />
so wenig über das Solms`sche Modell gehört?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir haben ein komplett ausformuliertes<br />
Einkommenssteuergesetz vorgelegt. Es ist natürlich komplizierter<br />
sich damit zu befassen &#8211; der Bierdeckel lässt sich eben leichter<br />
verkaufen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum haben Sie sich dann nicht des Bierdeckels<br />
bedient?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Der Bierdeckel ist nicht realisierbar.<br />
Nach den CDU Vorschlägen bliebe es bei einer immer noch komplizierten<br />
Steuererklärung und Herr Merz ist damit ja auch gescheitert. Immerhin<br />
haben wir ein Steuererklärungsformular entwickelt auf einer DIN-A4-Seite.<br />
Das kann jeder in einer halben Stunde ausfüllen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu Inhaltlichem:
</p>
<p>
<b>stefanzwanzger:</b> Ist es eigentlich nachweislich richtig,<br />
dass eine Senkung der Steuern (um eine gewissen Prozentsatz) dem Staat<br />
am Ende MEHR Steuereinnahmen verschafft. Glauben Sie, dass 35% ohne<br />
Ausnahmeregelungen mehr Staatseinnahmen generieren als 42% + Soli +<br />
Gewerbesteuer &#8211; Steuerschlupflöcher?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir unterstellen, dass durch Steuer-<br />
und Abgabensenkung Wirtschaftswachstum ausgelöst wird, mehr Investitionen<br />
in Deutschland stattfinden und damit Hunderttausende neue Arbeitsplätze<br />
entstehen. Diese neuen Arbeitnehmer leben nicht mehr vom Sozialstaat,<br />
sondern zahlen Steuern und Sozialbeiträge und erhöhen damit<br />
das Staatseinkommen. Das haben uns andere Länder vorgemacht und<br />
dort hat es funktioniert, wie beispielsweise in Irland, England, Neuseeland,<br />
USA usw. Die steuerlichen Ausnahmen werden konsequent abgeschafft, auch<br />
das schafft Steuermehreinnahmen und führt zu mehr Steuergerechtigkeit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Apropos Steuergerechtigkeit:
</p>
<p>
<b>megalomane: </b>Geht Ihr Finanzierungsmodell nicht eindeutig<br />
zu Lasten der Wenigverdiener? Die FDP mal wieder als Partei der Besserverdienenden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Bei unserem Modell werden alle<br />
entlastet. Ein Schwerpunkt der Entlastung liegt bei den Familien mit<br />
Kindern, weil jedes Kind einen Grundfreibetrag wie jeder Erwachsene<br />
erhält. Eine vierköpfige Familie zahlt erst Steuern bei einem<br />
Jahreseinkommen von über 37.000 Euro, d.h. ein Großteil der<br />
kinderreichen Familien wäre in Zukunft steuerfrei. Das Kindergeld<br />
wird auf 200 Euro pro Kind und Monat erhöht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort steuerfrei und Erhöhung<br />
des Kindergeldes &#8211; Inga fragt:
</p>
<p>
<b>inga: </b>Die CDU/CSU hat für ihr Drei-Stufen-Steuer-Modell<br />
reichlich Kritik geerntet, da sie nicht plausibel machen konnte, wodurch<br />
die fehlenden Steuereinnahmen aufgefangen werden sollen. Worin unterscheidet<br />
sich Ihr Drei-Stufen-Modell von dem der CDU?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Unser Konzept führt zu einer<br />
viel weiter gehenden Vereinfachung des Steuerrechtes als das der CDU.<br />
Die Finanzministerien von Bund und Ländern haben errechnet, dass<br />
dieses zu Steuerausfällen von 14,5 Milliarden Euro führt.<br />
Um dieses abzudecken haben wir Vorschläge zu Einsparungen bei Finanzhilfen<br />
des Staates und bei Umsatzsteuerbetrug gemacht, die die Steuerausfälle<br />
mehr als kompensieren würden. Die Mehreinnahmen bzw. Minderausgaben<br />
haben ein Volumen von 20 bis 25 Milliarden Euro, d.h. mit diesem Konzept<br />
kann zusätzlich ein Beitrag zum Schuldenabbau geleistet werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachgehakt:
</p>
<p>
<b>Rudi:</b> Sie fordern, Steuervergünstigungen abzuschaffen.<br />
Welche genau sind gemeint?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Sie sollen alle abgeschafft werden.<br />
Seien es Sonderabschreibungen für die Wirtschaft oder den Wohnungsbau<br />
oder seien es Ausnahmen für die Arbeitnehmer, wie z.B. die Begünstigung<br />
der Zuschläge für Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit bzw.<br />
die Entfernungspauschale oder die Abziehbarkeit des häuslichen<br />
Arbeitszimmers. Auch die Eigenheimzulage kann bei entsprechender Steuersenkung<br />
entfallen.
</p>
<p>
<b>handsup:</b> Dass die steuerlichen Ausnahmen wirklich<br />
abgeschafft werden, glaubt Ihnen &#8211; bei allem Respekt &#8211; kein Mensch mehr.<br />
Das haben Sie auch nicht in der Amtszeit von Kohl geschafft. Was machen<br />
Sie, um hier wieder glaubwürdig zu werden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Zwei Antworten: Erstens, zur Zeit<br />
unserer Regierungsbeteiligung haben wir ein Steuerreform durch den Bundestag<br />
gebracht, die bekannt ist unter der Bezeichnung &quot;Petersberger Beschlüsse&quot;,<br />
die schon viele Verbesserungen verwirklicht hätte, wenn Lafontaine<br />
mit seiner SPD-Mehrheit sie durch den Bundesrat gelassen hätte.<br />
Diese Reform wäre schon seit sechs Jahren in Kraft, wenn sie nicht<br />
blockiert worden wäre. Zweitens, um unseren Vorstellungen Glaubwürdigkeit<br />
zu verleihen, haben wir diese in Gesetzesform in den Deutschen Bundestag<br />
eingebracht. Der Gesetzestext liegt im Internet vor und kann von jedem<br />
eingesehen werden.<br />
Im Januar werden wir im Finanzausschuss dazu eine öffentliche Anhörung<br />
durchführen.
</p>
<p>
<b>Dennis:</b> Wie werden sich ihre neuen Steuermodelle auf<br />
die mittelständischen Unternehmen auswirken?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Durch das Ersetzen der Gewerbesteuer<br />
wird es für Mittelständler nicht nur eine Steuerentlastung,<br />
sondern auch ein deutliche Steuervereinfachung geben. Dazu kommt, dass<br />
der Steuertarif auf 35 Prozent netto gesenkt wird. An der steuerlichen<br />
Gleichbehandlung arbeiten wir noch. Wir werden im ersten Halbjahr 2005<br />
auch einen Entwurf für ein neues Körperschaftsteuergesetz<br />
(vorlegen).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie wird das aussehen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Das kann ich im Einzelnen noch<br />
nicht bekannt geben, da hier äußerst komplizierte Probleme<br />
der Besteuerung von international tätigen Konzernen und der steuerlichen<br />
Behandlung von Umgestaltungen im Unternehmensbereich national wie international<br />
gelöst werden müssen. Wir orientieren uns dabei stark an der<br />
Steuerreform, die Österreich gerade durchführt.
</p>
<p>
<b>Finanzbeamte:</b> Sehr geehrter Herr Solms, wäre<br />
es nicht sinnvoll anstatt immer nur die Ausgaben zu kürzen, mal<br />
die Erhöhung der Einnahmen in Erwägung zu ziehen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Darüber denkt die Bundesregierung<br />
ja laufend nach. Wer so denkt, unterliegt einem Trugschluss: Wir stehen<br />
im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.<br />
Wer Investitionen, genauso wie menschliche Arbeitsleistungen und wie<br />
Erträge der Sparer bei uns höher zu belasten wünscht<br />
als z.B. im europäischen Ausland, wird sehen, dass die Investitionen<br />
und das Sparvermögen ins Ausland abwandern, die Arbeitskräfte<br />
ihren Job verlieren und auch die hoch qualifizierten Arbeitskräfte,<br />
wie Forscher oder Entwickler, ins Ausland abwandern.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wo soll das Geld herkommen &#8211; bzw.- wer<br />
hat das Geld ausgegeben? Dazu eine Nachfrage:
</p>
<p>
<b>OskarLafontaine: </b>Welchen Anteil an der Staatsverschuldung<br />
müssen Sie auf Ihre Kappe nehmen (siehe Ära Kohl)?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Seit 1970 haben wir nur defizitäre<br />
Haushalte, d.h. an der Überforderung des Staates waren alle Parteien<br />
beteiligt. Die besondere Gefahr heute liegt darin, dass die Neuverschuldung<br />
Jahr um Jahr zusätzlich steigt, und damit die Stabilitätskriterien,<br />
die wir selbst veranlasst haben, verfehlt werden. Eine Kehrtwende ist<br />
überfällig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weg von der Vergangenheit &#8211; ein Blick in<br />
die Zukunft:
</p>
<p>
<b>verboomen@web.de:</b> Ist es möglich, dass irgendwann<br />
alle EU-Mitgliedstaaten das gleiche Steuersystem haben?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> In der EU ist bislang nur vereinbart,<br />
die indirekten Steuern zu harmonisieren (Umsatzsteuer, Tabaksteuer,<br />
Mineralölsteuer, usw.). Die direkten Steuern sind der nationalen<br />
Gesetzgebung vorbehalten. Gegenwärtig gibt es allerdings Bestrebungen<br />
auch die Bilanzierungsvorschriften und die Errechnung der steuerlichen<br />
Grundlagen zu vereinheitlichen. Ich halte das für richtig. Ansonsten,<br />
was die Steuertarife angeht, spreche ich mich für einen internationalen<br />
Steuerwettbewerb aus.
</p>
<p>
<b>Karol:</b> Ihre Meinung zum gerade verabschiedeten Bundeshaushalt?
</p>
<p>
<b>Nachfrage vom Moderator:</b> Werden sie gemeinsam mit<br />
der Union gegen den Haushalt klagen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Der Bundeshaushalt ist eindeutig<br />
verfassungswidrig, weil die Neuverschuldung das Ausmaß der öffentlichen<br />
Investitionen deutlich übersteigt. Er wird zum vierten Mal den<br />
europäischen Stabilitätspakt verletzen. Der FDP-Vorschlag<br />
einer Verfassungsklage wird von der CDU/CSU unterstützt, und auch<br />
eingebracht werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Und wann?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Eine Verfassungsklage muss natürlich<br />
vorbereitet werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wechseln wir zum Thema Gesundheit:
</p>
<p>
<b>regina:</b> Herr Solms, das Gesundheitsmodell der FDP<br />
ist immer noch nicht durchgerechnet. Meinen Sie nicht, dass das der<br />
Glaubwürdigkeit des Konzepts schadet?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Die Modelle aller Parteien sind<br />
bis jetzt noch nicht durchgerechnet, alle vorgelegten Berechnungen sind<br />
falsch. Um uns diesem Vorwurf nicht auszusetzen wollen wir erst alle<br />
Einzelbedingungen unseres Modells festlegen, bevor wir den Auftrag zur<br />
Berechung geben. Ich denke dass unsere Arbeiten bis Herbst nächsten<br />
Jahres abgeschlossen sein können &#8211; das ist ausreichend vor der<br />
nächsten Bundestagswahl.
</p>
<p>
<b>dieter:</b> Sie betonen, dass Steuer- und Gesundheitsreform<br />
gleichzeitig umgesetzt werden müssen. Muss nicht erst einmal der<br />
von Ihnen erhoffte Gewinn aus der Steuerreform erzielt werden, um die<br />
Gesundheitsreform bezahlen zu können?</p>
<p><b>Hermann Otto Solms:</b> Das ist eine statische Betrachtungsweise.<br />
Wirtschaft ist aber ein dynamischer Prozess. Wenn sie so schnell wie<br />
möglich Wachstum und Beschäftigung erzeugen wollen, müssen<br />
sie die Erneuerung unserer Systeme gleichzeitig vornehmen. Dazu gehört<br />
insbesondere die Abkoppelung der Sozialkosten von den Arbeitskosten,<br />
die Flexibilisierung der Arbeitsmarktbedingungen und die Erneuerung<br />
unserer Finanzpolitik. Wenn sie dies stufenweise angehen würden,<br />
würden sie nicht den notwendigen Effekt erzielen und eine Wiederherstellung<br />
der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands würde auf den Sankt-Nimmerleins-Tag<br />
aufgeschoben.
</p>
<p>
<b>giebert: </b>Sie werfen der Union vor, die Gesundheitsprämie<br />
zu niedrig angesetzt zu haben und gehen davon aus, dass sie sich in<br />
den kommenden Jahren vielleicht sogar verdreifachen wird. Wie schätzen<br />
Sie die Entwicklung des Basisbeitrags in ihrem Modell ein? Wird er stabil<br />
bleiben können?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Prof. Rürup, der die Gesundheitsprämie<br />
mit entwickelt hat, hat errechnet, dass sich die Höhe der Prämie<br />
nach dem CDU-Vorschlag vervielfachen wird. Die Prämie ist schon<br />
heute zu niedrig festgesetzt und vernachlässigt völlig die<br />
Steigerung der Gesundheitskosten aufgrund der Alterung der Gesellschaft<br />
und durch den medizinischen Fortschritt. Insbesondere das Weglassen<br />
einer Altersrückstellung, die Frau Merkel ja ursprünglich<br />
vorgesehen hatte, ist ein zentraler Fehler. Wenn sie sich an den privaten<br />
Krankenversicherungen orientieren, so stellen sie fest, dass diese Altersrückstellungen<br />
für ihre Kunden gebildet haben. Sie haben mit diesen Rückstellungen<br />
einen Kapitalstock gebildet, der schon heute ein Volumen von 80 bis<br />
90 Milliarden Euro umfasst. Und mit den Erträgen aus dem Kapitalstock<br />
werden die höheren Gesundheitskosten im Alter abgedeckt. Wenn man<br />
das nicht tut, dann wird man mit mathematischer Sicherheit eine dramatische<br />
Steigerung der Versicherungsbeiträge verursachen.
</p>
<p>
<b>Catch22:</b> Halten Sie es wirklich für verantwortlich,<br />
Krankenversicherungen als private Akteure wirtschaften zu lassen? Ich<br />
verweise auf das Beispiel der USA wo die Prämien für Krankenversicherungen<br />
kontinuierlich ins unermessliche steigen und Gesundheit zum kostbaren<br />
Luxusgut verkommen ist. Wie wollen sie solche Entwicklungen vermeiden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir wollen eine gesetzliche Pflicht<br />
zur Versicherung für einen Leistungskatalog, der das medizinisch<br />
notwendige umfasst, vergleichbar mit der Haftpflichtversicherung beim<br />
Automobil. Wer zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen will,<br />
muss diese dann selber versichern. Durch die Umwandlung der gesetzlichen<br />
Krankenversicherungen in private Versicherungsunternehmen schaffe ich<br />
fairen Wettbewerb zwischen diesen, und erreiche damit mehr Effizienz<br />
und dämpfe die Kosten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Trotzdem:
</p>
<p>
<b>Kerstin:</b> Demontieren sie mit den gesetzlichen Krankenversicherungen<br />
nicht ein Fundament des Sozialstaates?</p>
<p><b>Hermann Otto Solms: </b>Das soziale Element gehört<br />
selbstverständlich dazu. Wir wollen dass alle, die bedürftig<br />
sind, aus dem Haushalt, d.h. vom Steuerzahler, unterstützt werden.<br />
Voraussetzung dafür ist allerdings eine Bedürftigkeitsprüfung,<br />
damit das Sozialsystem nicht von denen missbraucht wird, für die<br />
es nicht gedacht ist. Alle Kinder sollen ebenfalls durch die öffentliche<br />
Hand abgesichert werden.
</p>
<p>
<b>megalomane:</b> Welche Gefahren der so genannten Gesundheitskarte<br />
sehen Sie momentan? Brauchen wir sie wirklich?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Obwohl Liberaler, glaube ich,<br />
dass wir mit der Gesundheitskarte mehr Effizienz im Abrechungsbereich<br />
erreichen. Darin liegt ein Beitrag, die Gesundheitskosten unter Kontrolle<br />
zu halten. Der Datenschutz muss hier partiell zurücktreten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum amerikanischen Modell:
</p>
<p>
<b>Liberty: </b>Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen,<br />
wie man ihn in den USA sieht, hat doch als Hauptfolge, dass Kosten zwischen<br />
den Beteiligten hin und her geschoben werden. Wie wollen Sie einen Wettbewerb<br />
fördern, der zu einer effizienteren medizinischen Versorgung führt?
</p>
<p>
<br />
<b>Hermann Otto Solms: </b>Das deutsche Gesundheitssystem<br />
ist mit dem amerikanischen nicht zu vergleichen. Wir haben eine breite<br />
Absicherung für alle Gruppen der Bevölkerung, was man in den<br />
USA nicht kennt. Die USA sind für uns in diesem Bereich kein Vorbild.<br />
Auch die Qualität der Gesundheitsleistungen in Deutschland steht<br />
nicht hinter der in den USA zurück. In Gegensatz zu den USA steht<br />
die Hochleistungsmedizin in Deutschland allen Bürgern zur Verfügung<br />
und nicht nur denen, die das bezahlen können, und so muss es auch<br />
bleiben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gehen wir nun in das Reich der Spekulationen,<br />
die wir aber trotzdem wissen wollen:
</p>
<p>
<b>lassi:</b> Wird die Position der FDP bei möglichen<br />
Koalitionsverhandlungen mit der Union durch den Weggang Seehofers gestärkt?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Seehofer hat nach meiner Auffassung<br />
die sozialen Vorstellungen des letzten Jahrhunderts vertreten. Dass<br />
dieses System schon lange nicht mehr bezahlbar ist, zeigen die jährlichen<br />
Kämpfe um das Sozialprodukt. Ein modernes Sozialsystem muss auf<br />
neue Grundlagen gestellt werden und dieser Aufgabe hat sich die FDP<br />
verschrieben. Der soziale Gedanke wird dabei nicht vernachlässigt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zurück zur Gesundheitskarte:
</p>
<p>
<b>megalomane:</b> Ich hatte nach den Gefahren gefragt, Herr<br />
Solms!
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich glaube dass man die Gefahren<br />
des &quot;Gläsernen Patienten&quot; in den Griff kriegen kann.<br />
Ich bin aber selbst nicht kompetent genug, diese Fragen zu beantworten.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wir kommen zur Schlussrunde:
</p>
<p>
<b>Wietolb:</b> Wie erklären Sie sich den allgemeinen<br />
Akzeptanzverlust der FDP in der Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich kann ihn gar nicht feststellen.<br />
Wir haben bei den letzten 27 Wahlen bis auf einmal deutlich zugelegt.<br />
Wir sind in diesem Jahr in drei Parlamente zurückgekehrt: Europa,<br />
Saarland und Sachsen, und wir haben bei der Kommunalwahl in NRW erst<br />
vor kurzem das beste Ergebnis seit 30 Jahren erzielt. In den Umfragen<br />
liegen wir zwischen 7 Prozent (Forschungsgruppe Wahlen) und 9 Prozent<br />
(Forsa und Allensbach). Ich glaube, dies ist eine gute Voraussetzung<br />
für die beiden anstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein<br />
und NRW im nächsten Jahr.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das ihre Eigenleistung oder liegt es<br />
an den &quot;Großen&quot;, mit denen die Wähler unzufrieden<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Es liegt an beidem.
</p>
<p>
<b>carlo:</b> Aber werden 9% für eine Regierungsbeteiligung<br />
wirklich reichen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir sind noch steigerungsfähig.
</p>
<p>
<b>verboomen@web.de:</b> Liegt es an der Führung von<br />
Westerwelle?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Westerwelles Ruf war nach der<br />
verlorenen Wahl von 2002 beschädigt. Er hat sein Ansehen seitdem<br />
wieder deutlich verbessert und er, wie wir alle, haben vor, unser Ansehen<br />
bis zur Bundestagswahl zu erhöhen. Deswegen legen wir das modernste<br />
Wahlprogramm aller Parteien vor. Und an den Fakten wollen wir gemessen<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Haben Sie die 18-Prozent-Diskussion bedauert?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich habe es für eine Übertreibung<br />
gehalten. Und leider hat sich das als richtig herausgestellt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Unsere Zeit ist bereits um. Vielen Dank<br />
an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen sind<br />
leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Solms, dass Sie sich<br />
Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden<br />
Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt es<br />
am Donnerstag ab 13.00 Uhr mit dem Bonner Politikwissenschaftler und<br />
CDU-Insider Gerd Langguth. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch<br />
einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Vielen Dank für die interessanten<br />
Fragen. Leider muss ich mich jetzt anderen Fragen zuwenden, damit das<br />
Wahlprogramm gut wird.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Steuer, Bürokratie und EU</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Jun 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Heinz Däke]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Karl Heinz Däke<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->10.06.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Karl Heinz Däke<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->10.06.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> <!-- #EndEditable --> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Moderator: Liebe Steuerzahlende<br />
und nicht Steuerzahlende Politik-Interessierte, herzlich willkommen<br />
im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de<br />
und von sueddeutsche.de. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße<br />
ich heute Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler. </p>
<p><b>Moderator:</b> Kann es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Es kann losgehen,</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/khdaeke.jpg" align="left" height="153" width="180" />Damokles:</b><br />
Wo muss der Steuerabbau angesetzt werden? Bei uns in Deutschland? Oder<br />
müssen wir nicht weiter gehen und auch in der EU Steuerabbau betreiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Es gibt gerade bei den neuen Beitrittsländern der EU, die wesentlich<br />
geringere Steuersätze haben als wir in Deutschland, z.B. in Estland<br />
und Lettland. Daran müssen wir uns in Zukunft orientieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hydra:</b> Das<br />
Wehklagen über den Fall Vodafone sagt weniger über das britische<br />
Unternehmen aus, als über viele deutsche Politiker. Sie kennen<br />
die eigenen Gesetze nicht, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Sie haben Recht. Diejenigen, die heute schreien, &quot;Haltet den Dieb!&quot;,<br />
sind diejenigen, die die Gesetze beschlossen haben, die Vodafone in<br />
Anspruch nimmt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Beckham:</b><br />
Wer trägt in der causa Vodafone die politische Verantwortung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die politische Verantwortung tragen Bundestag und Bundesrat, denn dort<br />
sind die Gesetze beraten und beschlossen worden. Insgesamt herrscht<br />
aber gerade auf dem Gebiet der Unternehmensbesteuerung seit 2000 ein<br />
heilloses Durcheinander. Fast in jedem Jahr kam es zu Gesetzesänderungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Treudumm:</b><br />
Nutzen weitere Konzerne Abschreibungen auf den Wert von Tochterfirmen<br />
dazu, um ihre Steuerlast zu mindern? Kennen sie weitere?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die Teilwertabschreibungen werden von vielen Unternehmen und Konzernen<br />
in Anspruch genommen und zwar immer dann, wenn es heftige Kursverluste<br />
gegeben hat. Unser Steuerrecht sieht nun einmal vor, dass dann, wenn<br />
der bilanzierte Wert eines Wirtschaftsgutes über längere Zeit<br />
hinter dem aktuellen Marktwert zurückbleibt, der dann angepasst<br />
werden muss. Firmen wie Eon und Telekom haben es genauso getan wie Vodafone,<br />
nur nicht in der Höhe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Teilweise bereits beantwortet, dennoch:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Robert_T:</b><br />
In NRW hätten die Finanzämter alleine dem Telekom-Konzern<br />
für das Jahr 2002 unterm Strich 2,847 Milliarden Euro Körperschafts-<br />
und Gewerbeertragssteuern erstattet, lese ich. Stimmt das und was sagen<br />
sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Das ist möglich, dass Sie das gelesen haben und es ist auch möglich,<br />
dass es zu diesen Erstattungen gekommen ist. Ich persönlich weiß<br />
davon nichts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der CDU-Vizevorsitzende Christoph Böhr hat in Sachen Vodafone erklärt,<br />
wenn es eine Möglichkeit für eine rückwirkende Änderung<br />
des Steuerrechts gebe, solle man das tun. Guter Vorschlag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Vor einer rückwirkenden Änderung des Steuerrechts kann ich<br />
nur warnen. Zurzeit werden von den Finanzgerichten rückwirkende<br />
Steuergesetze bereits für verfassungswidrig gehalten und dem Bundesverfassungsgericht<br />
zur Entscheidung vorgelegt. Eine &quot;Lex Vodafone&quot; darf es nicht<br />
geben, auch wenn auf den ersten Blick vieles dafür spricht, ein<br />
solches Gesetz zu fordern. Besser wäre es, das Steuerrecht grundlegend<br />
zu reformieren, dass heißt, zu vereinfachen und die Steuersätze<br />
zu senken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>petraB:</b> Hat<br />
Vodafone bereits nach heute geltendem Recht Missbrauch steuerlicher<br />
Gestaltungsmöglichkeiten begangen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Nein, auch nach heutigem Recht nicht. Zwar ist das Steuerrecht in den<br />
letzten Jahren geändert worden, z. B. bei den Teilwertabschreibungen<br />
und bei der Mindestbesteuerung, aber Vodafone hätte sich wahrscheinlich<br />
heute nach dem heute geltenden Recht gerichtet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Blocky:</b> Jahrelang<br />
haben sowohl Union als auch FDP jede Beschränkung der steuerlichen<br />
Gestaltungsmöglichkeiten der Firmen als verkappte Steuererhöhung<br />
oder Standortbeschädigung diffamiert und blockiert. Jetzt wird<br />
gefordert &#8211; erkennen sie da eine klare Linie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Nein, ich erkenne keine klare Linie. In Zukunft sollten solche scheinheiligen<br />
Debatten vermieden werden. Nachtrag zu Vodafone: Zahlreiche Vorschläge<br />
zur Gewinnermittlung und Teilwertabschreibung sind in der Vergangenheit<br />
geändert worden, um steuerlichen Missbrauch einzudämmen. Bei<br />
der ganzen Debatte muss man aber auch bedenken, dass bei Kursgewinnen<br />
die Unternehmen höhere Steuern zahlen müssen. Wer also fordert,<br />
dass Kursverluste nicht mehr von den Unternehmensgewinnen abgezogen<br />
werden dürfen, muss auch zulassen, dass Kursgewinne nicht der Besteuerung<br />
unterliegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zweimal zur Unionslinie:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Burger:</b> Ist<br />
die Linie der Union unklar, wo doch Merz einen Vorschlag gemacht hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Steuermann:</b><br />
Wie beurteilen Sie die Ernsthaftigkeit der Steuerreformpläne der<br />
Union? Auf der einen Seite fordert Sie &#8211; wie jeder &#8211; Steuervereinfachung<br />
und den Abbau von Steuervergünstigungen. Auf der anderen Seite<br />
setzt sie sich für die Beibehaltung der Privilegien für Lebensversicherungen<br />
ein und sorgt mit dem erzielten Kompromiss für eine weitere Komplizierung<br />
des Steuerrechts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Leider sind die Steuerreformvorschläge der Union zurzeit wieder<br />
in die Schubladen gewandert. Das muss aber nicht heißen, dass<br />
die Diskussion demnächst nicht wieder angeschoben wird, z.B. vom<br />
Bund der Steuerzahler. Bei dem Stichwort Steuervereinfachung darf man<br />
nicht übersehen, dass es einige Vorschriften weiterhin im Steuerrecht<br />
geben muss, die einer gerechten, dem Leistungsfähigkeitsprinzip<br />
folgender Besteuerung, Rechnung tragen müssen. Erträge aus<br />
Lebensversicherungen unterliegen über einen Zeitraum von 12 Jahren<br />
der Geldentwertung. Deshalb dürfen sie auch nicht in voller Höhe<br />
besteuert werden. Ähnlich verhält es sich auch bei Zinseinkünften,<br />
z.B. aus Sparvermögen. Der Vorschlag von Minister Clement, den<br />
Sparerfreibetrag abzuschaffen war deshalb &quot;voll daneben&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Es<br />
gibt eine ganz Reihe von Vorschlägen für eine große<br />
Steuerreform. Die meisten erweisen sich als nicht richtig durchdacht.<br />
Den Bierdeckel-Vorschlag von Friedrich Merz haben die Länderfinanzminister<br />
über alle Parteigrenzen hinweg als nicht finanzierbar verworfen.<br />
Zu groß wären die Steuerausfälle für den Bund.<br />
Wie weit kann denn eine Steuerreform reichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Eine große Steuerreform muss drei Voraussetzungen erfüllen:<br />
sie muss das Steuerrecht vereinfachen, sie muss für niedrige Steuersätze<br />
und für mehr Gerechtigkeit sorgen. Eine Steuerreform ohne zusätzliche<br />
Entlastung der Steuerzahler bei weitgehender Vereinfachung wird keine<br />
Akzeptanz finden. Wir brauchen einen Eingangssteuersatz mit 15 Prozent<br />
und einen Spitzensteuersatz von 35 Prozent, der aber bei einem Ledigen<br />
erst ab 60.000 Euro zu versteuernden Einkommen wirksam wird. Bei diesem<br />
Tarif, einem linear progressiv Tarif, wird es für alle Steuerzahler<br />
zu Entlastungen von insgesamt 48 Milliarden Euro Brutto kommen. Davon<br />
werden 10 Milliarden Euro durch die Streichung von Steuervergünstigungen<br />
erzielt, 14 bis 15 Milliarden Euro durch zu erwartende Mehreinnahmen<br />
in Folge erhöhten Wachstums. 8 Mrd. sind bereits vorfinanziert<br />
durch das Streichen von Steuervergünstigungen im Jahr 2004. Der<br />
dann noch offene Finanzierungsbetrag kann nur durch Kürzungen und<br />
Ausgabenbegrenzungen auf allen Ebenen gegenfinanziert werden. Jeder<br />
der glaubt, eine Steuersenkung ließe sich ohne die Kürzung<br />
der öffentlichen Ausgaben völlig finanzieren, irrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Die<br />
Frage nach der Zeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>werter: </b>Wo<br />
bleibt denn die Steuerreform? Was glauben sie, wie lange das dauert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Wir brauchen so schnell wie möglich eine umfassende Steuerreform.<br />
Voraussetzung dafür ist aber, dass sich Bundestag und Bundesrat<br />
in dieser Frage einig sind. Das sehe ich zurzeit leider nicht. Realistisch<br />
gesehen kann es erst 2007 zu einer umfassenden Steuerreform kommen,<br />
also nach der nächsten Bundestagswahl.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ThomasM2:</b><br />
Als Besserverdienender bezahle ich mittlerweile 5 mal(!) mehr Steuern<br />
als meine Frau, welche die Hälfte von dem verdient, was ich verdiene.<br />
Wird das nach der Steuerreform noch schlimmer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Haben Sie da wirklich richtig gerechnet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Aktuell, weil am Sonntag ist ja Europawahl:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Delphi: </b>Ist<br />
Bürokratie nicht eine Hydra? Wenn wir in Deutschland Bürokratie<br />
abbauen, wächst sie doppelt so schnell in Brüssel. Was kann<br />
der EU-Bürger gegen diesen Irrsinn tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Er kann von den Politiker und den Eurokraten fordern, dass nicht alles<br />
per EU-Verordnung geregelt wird, wie z.B. der Krümmungsgrad einer<br />
Banane oder der Zuckergehalt von Bonbons. Auf der anderen Seite müssen<br />
sich auch die Bürger davor hüten, von der Politik nicht für<br />
alles, was nicht geregelt ist, Gesetze und Verordnungen zu fordern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zeus: </b>Seit<br />
Jahren schreibt sich die Bundesregierung den Abbau bürokratischer<br />
Hindernisse auf die Fahnen. Wo sind die Ergebnisse? Sehen sie welche?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Nein. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Metam:</b> Wo<br />
liegen die größten Einsparpotentiale in der staatlichen Bürokratie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die größten Einsparpotentiale liegen eindeutig beim Personal<br />
und dort wiederum, so hart es auch klingen mag, in den neuen Bundesländern.<br />
So hat der Bund der Steuerzahler schon seit längerem die jährliche<br />
Verringerung des Personalbestandes um 1 Prozent gefordert und strenge<br />
Zurückhaltung bei Besoldungs- und Tarifsanpassungen. Eine verstärkte<br />
Leistungsorientierung der Besoldung, verstärkte Eindämmungen<br />
von Frühpensionierungen, schrittweise Abbau von Sonderzuwendungen<br />
(13. Monatspension) und Absenkung des Versorgungsniveaus für Beamte<br />
sowie in der Zusatzversorgung der Angestellten und Arbeiter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chapui:</b> Auch<br />
Kürzungen der Ost-Förderung? Weil Subvention?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die Subventionsgewährung in den neuen Bundesländern darf in<br />
Zukunft nur noch ganz gezielt sein. Eine Sonderwirtschaftszone Ost,<br />
z.B. mit Sondersteuervergünstigungen, ist ebenfalls verfehlt. Helfen<br />
kann der Wirtschaft die Weitergewährung von Investitionszulagen,<br />
aber nur unter der Voraussetzung, dass neue Arbeitsplätze geschaffen<br />
werden und nicht gleichzeitig an anderer Stelle Arbeitsplätze abgebaut<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bszirske:</b><br />
Werden Ihnen da nicht die Gewerkschaften ins Gesicht springen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Das haben sie bereits getan.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nero:</b> Brauchen<br />
wir nicht gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Depression große<br />
staatliche Maßnahmen, um die Wirtschaft zu beleben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Wenn Sie unter staatlichen Maßnahmen eine noch höhere Neuverschuldung<br />
verstehen, dann sage ich eindeutig: Nein. Wir brauchen eine umfassende<br />
Steuer- und Abgabenentlastung und mehr Zutrauen in uns selber. Immerhin<br />
ist Deutschland noch die größte Exportnation der Welt. Was<br />
wir da schaffen, müsste auch nach innen möglich sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Eine<br />
Steuer- und Abgabenentlastung kosten den armen Finanzminister Hans Eichel<br />
aber noch mehr Geld. Dann reißt Deutschland wieder das 3-Prozent-Kriterium<br />
des EU-Stabilitätspaktes. Sollen wir das in Kauf nehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Nein, das müssen wir nicht in Kauf nehmen. Nach wie vor nimmt<br />
der Staat, also Bund, Länder und Gemeinden, nicht zu wenig ein,<br />
er gibt zu viel aus. Bedenken Sie bitte auch, dass nach der neuesten<br />
Steuerschätzung zwischen 2004 und 2007 das Steueraufkommen &#8211; und<br />
jetzt halten Sie sich fest &#8211; nicht sinken, sondern um 50 Milliarden<br />
Euro ansteigen wird. Unter dieser Voraussetzung und weiteren Einsparungen<br />
bei Bund, Länder und Gemeinden ist eine große Steuerreform<br />
finanzierbar, ohne dass Herr Eichel mit einem weiteren blauen Brief<br />
aus Brüssel rechnen muss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Kommentar<br />
von: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rummenigge:</b><br />
Sollten wir uns nicht einmal an die Reagan’sche Steuerreform erinnern?<br />
Ein voller Erfolg: Wegfall aller Subventionen und einem Spitzensteuersatz<br />
von 28 Prozent!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die Reagen&#8217;sche Steuerreform ist auch heute noch Vorbild für die<br />
Diskussion in Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sommerwind: </b>Zur<br />
Steuerreform: Ist es ihr Ziel, möglichst alle Ausnahmen zu beseitigen<br />
und dementsprechend die Steuersätze zu senken? Dann wären<br />
sie ja ein Liberaler?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Ich bin dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger ihr Steuerrecht<br />
verstehen, ihre Steuererklärung so einfach wie möglich ist<br />
und sie vor allem nur die Steuern bezahlen müssen, die dem Staat<br />
auch wirklich zustehen. Wenn Sie das als liberal bezeichnen, warum nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nordländer:<br />
</b>Sie sprechen von radikalen Veränderungen im Steuerrecht, welche<br />
erst nach der nächsten Bundestagswahl durchführbar erscheinen.<br />
Doch wird eine neue Bundesregierung wirklich die Kraft besitzen, sich<br />
gegen die Übermacht der Lobbyisten (Gewerkschaften, Unternehmerverbände,<br />
u.ä.) mit Subventionsstreichungen durchzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Auch die Lobbyisten müssen erkennen, dass man nicht beides haben<br />
kann: Niedrige Steuersätze und Steuervergünstigungen und Steuersubventionen.<br />
Aber ich bin doch zuversichtlich, dass diese Einsicht bei allen einkehrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Salinga: </b>Wird<br />
der Bund und werden die Länder überhaupt in der Lage sein,<br />
ihre Schulden ohne eine mittel- bis langfristig höhere Steuerbelastung<br />
der Bürger abbauen zu können? Droht nicht sonst irgendwann<br />
der Kollaps (oder der gesellschaftliche Unfrieden, weil der Staat nicht<br />
mehr in der Lage ist, soziale Leistungen zu erbringen, die eine Gesellschaft<br />
stabilisieren?)</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Vorrangiges Ziel muss es zunächst sein, die Neuverschuldung auf<br />
Null zu reduzieren. Der Staat wird auch weiterhin soziale Leistungen<br />
erbringen können, aber es fragt sich, ob das überhaupt in<br />
dem Maße notwendig ist wie heute. Selbst der Bundesfinanzminister<br />
hat ja festgestellt, dass wir über unsere Verhältnisse leben.<br />
Ein Nachtrag: Jährlich werden nach unserer Schätzung 30 Milliarden<br />
Euro an Steuergeldern zum Fenster hinausgeworfen. Würde der Staat<br />
absolut sparsam und wirtschaftlich mit unseren Steuergeldern umgehen,<br />
hätten wir weniger Sorgen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Wie<br />
bereits gesagt, Sie sind ja nicht nur &quot;zuständig&quot; für<br />
Steuern und Steuerreformen, sondern auch für die Verschwendung<br />
von Steuern:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bmilrer</b>:<br />
Thema Verschwendung: Maut-Pleite und Hartz-Verzögerungen, die viel<br />
Geld kosten. Hat die Verschwendung zugenommen? Besonders bei Großprojekten,<br />
wie die Jobbörse des Bundesarbeitsministeriums?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
In der letzten Zeit ist in der Tat eine größere Anzahl von<br />
Verschwendungsfällen bekannt geworden, die es in dem Ausmaß<br />
und in der Häufigkeit früher nicht gegeben hat. Denken Sie<br />
z.B. auch an den Lausitzring, die Chipfabrik in Frankfurt/Oder oder<br />
den Cargolifter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Damit ist unsere Chat-Stunde vorbei, vielen Dank für die zahlreichen<br />
Fragen. Herzlichen Dank, Herr Däke, dass Sie zu uns gekommen sind.<br />
Das Transkript dieses Chats finden Sie wie alle anderen auch auf den<br />
Seiten der Veranstalter. Der nächste Chat findet am Dienstag, 15.<br />
Juni um 12.00 Uhr statt. Chat-Gast ist dann der ARD-Korrespondent in<br />
Kairo, Reinhard Baumgarten. Reinhard Baumgarten ist Experte für<br />
die Region, vor allem auch für den Sudan und Saudi-Arabien, die<br />
zuletzt besuchte. Das tacheles.02-Team wünscht allen Beteiligten<br />
einen schönen Tag. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Vielen Dank für die vielen interessanten Fragen. Mich erreichen<br />
Sie unter info@steuerzahler.de.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ohne Neuverschuldung geht es derzeit nicht.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalfinanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jdieckmann.jpg" alt="Jochen Dieckmann" align="left" height="103" width="85" /> 
Jochen Dieckmann, NRW-Finanzminister (SPD), ist am 13. März 2003 
zu Gast im tacheles.02-Live-Chat </b><b>von tagesschau.de und politik-digital.de</b><b>.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jdieckmann.jpg" alt="Jochen Dieckmann" align="left" height="103" width="85" /><br />
Jochen Dieckmann, NRW-Finanzminister (SPD), ist am 13. März 2003<br />
zu Gast im tacheles.02-Live-Chat </b><b>von tagesschau.de und politik-digital.de</b><b>.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Wir haben eine Stunde Zeit, Herr Dieckmann sitzt in Köln und tippt<br />
selber. Kann es losgehen, Herr Dieckmann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Ja, ich bin soweit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Herr Dieckmann, Sie waren von 1990 bis 1999 Hauptgeschäftsführer<br />
des Deutschen Städtetages und Geschäftsführer des Städtetages<br />
NRW. Sie kennen daher die schwierige Finanzlage der Städte und Gemeinden.<br />
Welchen Ausweg wollen Sie wählen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Es wird darauf ankommen, die Einnahmen zu verstetigen und zugleich alles<br />
zu tun, um die Entwicklung der Ausgaben weiter &quot;im Griff zu halten&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andi_Hammer:<br />
</b>Ein Teil des Geldes für das Investitionsprogramm der Kommunen<br />
soll aus verbrauchten Flutopfer-Hilfen kommen sowie aus der geplanten<br />
Steuer-Amnestie für Schwarzgeld. Weitere 300 Mio. Euro sollen mit<br />
dem Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen aufgebracht werden.<br />
Kritische Stimmen zweifeln, ob bei den letztgenannten Maßnahmen<br />
tatsächlich derartige Summen eingenommen werden. Wie sieht ihrer<br />
Einschätzung aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Einnahmen aus der<br />
&quot;Steueramnestie&quot; nicht präzise im Vorhinein ermitteln lassen.<br />
Jeder Euro ist willkommen. Aber man sollte keine überhohen Erwartungen<br />
haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mechtersheimer:</b><br />
Der Kanzler will ja nun angeblich die Kommunen mit billigen Krediten unterstützen.<br />
Wie soll das denn zum Beispiel in Duisburg gehen? Die Stadt ist vollkommen<br />
pleite. Die darf gar keine Kredite mehr aufnehmen. Was soll das bringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ja. Deshalb reicht ein Kreditprogramm allein nicht aus. Dazu<br />
muss der Verzicht auf die Flutopferhilfe kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wenn Sie keine hohen Erwartungen haben, was schlagen Sie konkret<br />
vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Einen Mix: Verstetigung der Gewerbesteuer, Zusammenlegung von<br />
Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, Steuervergünstigungsabbaugesetz<br />
(auch das hilft ja den Kommunen, weil sie an den Mehreinnahmen beteiligt<br />
sind!!).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ist die Zusammenlegung in der SPD durchsetzbar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Das wird zu diskutieren sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mechtersheimer:<br />
</b>Wie viel wird denn der Verzicht auf die Flutopferhilfe bringen.<br />
Ist das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein &#8211; gerade in Nordrhein-Westfalen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Bundesweit bringt das einen 3stelligen Millionenbetrag, für<br />
NRW erfahrungsgemäss davon etwa 10%. Genaueres weiß man aber<br />
erst Ende Mai, weil bis dahin noch Anträge gestellt werden können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Accountability:<br />
</b>Mehr Geld für die Kommunen &#8211; also, den Kuchen zu vergrößern<br />
&#8211; das ist doch einfach nicht &quot;drin&quot;, maximal eine Rückführung<br />
auf das Einnahmeniveau von 2000. Wie sollen die Kommunen aus Ihrer persönlichen<br />
Sicht unter den gegebenen Rahmenbedingungen noch mehr sparen &#8211; und welche<br />
Rahmenbedingungen würden Sie ändern, damit Kommunen ihre Ausgaben<br />
noch mehr senken können (als bisher)?.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Wenn das Jahr 2000 der Bezugsrahmen wird, ist schon einiges erreicht.<br />
Rahmenbedingungen zu überprüfen, ist eine Aufgabe auf allen<br />
Ebenen. Die Landesregierung NRW hat vorgestern eine Aktion gestartet,<br />
alle Landesgesetze auf den Prüfstand zu stellen. Das kann auch den<br />
Kommunen nutzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ist das Entbürokratisierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Auch. Im Kern ist das eine Aufgabenkritik. Wir müssen uns<br />
die Frage stellen, welche Aufgaben Staat und Kommunen in Zukunft unbedingt<br />
weiter erfüllen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Welche stehen zur Diskussion?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Der Finanzminister hat da keine Vorgaben zu machen. Ich lade<br />
alle ein, ihrerseits Vorschläge zu machen. Man wird dann schnell<br />
sehen, wie schwer das ist. Es ist leichter, den Status quo zu verteidigen<br />
als an Einschnitte heranzugehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Nachfrage zu ihrer Rechnung von eben:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>z-werner:<br />
</b>Ein dreistelliger Millionenbetrag und davon zehn Prozent &#8211; das<br />
macht bestenfalls 99 Millionen Euro. Wie viel Schulden haben die Ruhrpott-Städte?<br />
Das bringt doch keinen Spielraum.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich bin ja Realo. Man kann auch keine Wunder erwarten. Es kommt<br />
darauf an, jede Chance zu nutzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rg90: </b>Die<br />
kommunalen Steuereinnahmen brechen ein (2001 &#8211; 5,4 %, 2002 &#8211; 4,1 %). Das<br />
ist deutlich mehr als bei Bund (2002 &#8211; 1,6 %) und Ländern (2002 &#8211;<br />
0,2 %). Reichen da die Maßnahmen der Regierung und was planen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Schwierige Frage. Die Einnahmen in einzelnen Ländern sind<br />
ja auch massiv eingebrochen. NRW musste seine Erwartungen wesentlich stärker<br />
zurückschrauben als 0,2 %. Wir haben für den Landeshaushalt<br />
2003 zweimal 1,4, Mrd. € ausgleichen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ist eine Neuverschuldung geplant?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ohne Neuverschuldung geht es derzeit nicht. Wir brauchen sie<br />
schon deshalb, weil nur sparen gleich &quot;kaputt sparen&quot; wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Letzte Frage zu dem Thema, danach zur morgigen Rede Schröders:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sfdfdg: </b>Haben<br />
die Kommunen nicht auch einfach über ihre Verhältnisse gelebt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Das mag im Einzelfall so sein. Das Gute an der kommunalen Selbstverwaltung<br />
ist, dass die Wähler und Wählerinnen darauf eine Antwort geben<br />
(können).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Die Erwartungen an die Rede Schröders sind hoch. Einige<br />
Fragen der UserInnen dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>KleinHanna:<br />
</b>Bundeskanzler Gerhard Schröder soll in seiner Regierungserklärung<br />
am Freitag ein 17-Mrd.-Euro-Programm ankündigen. Sollte der Staat<br />
nicht, wie vom BDI gefordert, seinen Konsolidierungskurs fortsetzen, anstatt<br />
sich neu zu verschulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Er muss beides tun. Es gibt ja schon Einschnitte. Nur sparen bringt genauso<br />
problematische Ergebnisse wie eine unbedingte Kreditpolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber die Gewichtung ist entscheidend. Wie soll er gewichten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Dafür gibt es kein Patentrezept oder eine mathematische<br />
&quot;Formel&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber ihre Meinung, die würde uns interessieren? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Die Obergrenze für eine Kreditpolitik ist das Stabilitätsziel<br />
nach Maastricht. Den Rest muss eine Konsolidierung bringen. Ich erinnere<br />
daran, dass wir auch eine Verstetigung der Einnahmen brauchen. Wer einen<br />
leistungsfähigen Staat mit Lehrern, Justiz, Uni, Straßenbau<br />
und Kulturangeboten will, muss auch bereit sein, Steuern zu zahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das sind die meisten Bürger auch, nur wollen sie nicht mehr<br />
Steuern zahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tut: </b>Wie<br />
kann Minister Eichel in einer Konjunkturkrise 48 Steuererhöhungen<br />
vorschlagen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Wir haben die niedrigste Steuerquote seit Jahren und so niedrig<br />
wie kaum ein anderes europäisches Land.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Trienkens:<br />
</b>Wir sind doch auch bereit ,Steuern zu zahlen. Aber die Verhältnismäßigkeit<br />
muss gewahrt werden. Sonst driftet man ab in die Schattenwirtschaft. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Die Steuerquote in USA liegt bei 22,7, in der Schweiz (!) bei<br />
22,6 und bei uns sind es 21,7.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Trienkens:<br />
</b>Warum empfinden die Menschen das ganz anders?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Es ist wohl wie beim Chill-Faktor beim Wetter. Die Politik hat<br />
sicher auch nicht alles getan, um über die Steuerentlastungen aufzuklären.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sonnenschein:<br />
</b>Wirtschaftsvertreter erwarten von der Regierungserklärung<br />
Schröders morgen einen radikalen Kurswechsel. Inwieweit wird Schröder<br />
einer solchen Forderung nachkommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Da müssen Sie den Bundeskanzler fragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ihre Einschätzung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich glaube nicht, dass es dazu kommt. Die Bereitschaft zu Radikalität<br />
ist in Deutschland nicht sehr entwickelt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenschein:<br />
</b>Was halten Sie vom Vorschlag des IWF, den Stabilitätspakt<br />
zu verletzen, wenn die konjunkturelle Lage so schlecht wie jetzt ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ist das radikal?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Nein, nicht radikal. Es ist mir zu einfach. Gerade die Deutschen<br />
haben auf dieses Limit hingewirkt. Das macht wenig Sinn, jetzt als erste<br />
dessen Aufhebung zu verlangen. Dieser &quot;Ausweg&quot; ist mir zu billig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Welchen Ausweg sehen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Wir müssen die schon beschriebene &quot;Mischung&quot; von<br />
Konsolidierung, Kreditpolitik und Einnahmenverstetigung fortsetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zu den Reformen im Einzelnen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christian<br />
Legner: </b>Zur geplanten Lockerung des Kündigungsschutzes:<br />
Welche konkreten arbeitsmarktstimulierenden Impulse verspricht sich die<br />
Regierung davon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Die Bereitschaft, mehr Arbeitnehmer einzustellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gh***: </b>Aha.<br />
Und warum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Weil die Arbeitgeber augenscheinlich manchmal zögern, sich<br />
dauerhaft zu binden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dortmund:<br />
</b>Können Personal-Service-Agenturen ihrer Meinung die Arbeitsämter<br />
entlasten? Ich habe von einem Fall gehört, in dem eine verschuldete<br />
Firma verschwunden ist, dann wieder mit der selben Geschäftsidee<br />
auftauchte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich bin sicher, dass die Agenturen eine wichtige Bereicherung<br />
sind. Es gibt aber nicht den einen Weg in der Arbeitsmarktpolitik. Andererseits:<br />
Man darf auch von einem schwarzen Schaf nicht auf die Farbe der ganzen<br />
Herde schließen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>S.Solomon:<br />
</b>Führt eine Lockerung des Kündigungsschutzes aber wirklich<br />
zur Bereitschaft mehr Arbeitnehmer einzustellen, wenn die Lohnnebenkosten<br />
dadurch nicht gesenkt werden? Denn an ihnen hängt es doch eigentlich,<br />
oder liege ich da falsch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich sehe das Problem nicht nur in einer Ursache. Deshalb muss<br />
auch an der Senkung der Nebenkosten gearbeitet werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lordoftherings:<br />
</b>Mal ein ganz anderes Thema: Aus dem Bekanntenkreis höre<br />
ich von mittelständischen Unternehmern ganz ohne Jammerei herbe Kritik<br />
an den Flächentarifverträgen. Das ist für Leute, die fünf,<br />
sechs Menschen in einer schwierigen Branche (Verlag) beschäftigen,<br />
ein echtes Problem. Warum sind SPD und Gewerkschaften hier so unbeweglich?<br />
Das würde meines Erachtens mal wirklich Bewegung in den Arbeitsmarkt<br />
bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Tarifverträge sind keine Entscheidungen von Parteien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber auch der Länder, wo Berlin letztens ausgestiegen ist.<br />
Wollen Sie dem folgen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Nein. Eine Tarifgemeinschaft ist auch Schutz der Arbeitgeber<br />
&#8211; gegen punktuelle Arbeitskämpfe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lordoftherings:<br />
</b>Wie sieht es denn mit der Mehrwertsteuererhöhung aus. Die<br />
ist doch nur eine Frage der Zeit, oder? Würden Sie eine Wette dagegen<br />
halten, dass sie nicht kommt &#8211; sagen wir mal bis 2006?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ausschließen kann und sollte man das nicht. Im übrigen:<br />
ich wette nie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lordoftherings:<br />
</b>Wie viele SPD-Abgeordnete im Landtag in Düsseldorf sind<br />
in der Gewerkschaft? Wenn die SPD hier eindeutig Stellung beziehen würde,<br />
würde sich auch bei den Gewerkschaften in Sachen Flächentarifverträgen<br />
was ändern, oder glauben Sie etwa nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Eine Äußerung einer Partei würde &#8211; zu Recht &#8211;<br />
als Verletzung der Tarifautonomie (Art.9 GG) angesehen. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder<br />
kenne ich nicht. Das steht in www.landtag.nrw.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tut: </b>Drastische<br />
Steuersenkungen des Bundes scheuen die Länder wegen der Belastung<br />
ihrer Haushalt. Ein Konflikt zwischen Eichel und Ihnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Auch Herr Eichel weiß, dass die Länderhaushalte &quot;am<br />
Limit&quot; sind. Einige schon darüber hinaus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Die Unionsmehrheit im Bundesrat hat angekündigt, dass so<br />
genannte Steuervergünstigungsabbaugesetz abzulehnen. Wie ist ihre<br />
Position zu dem Gesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich bin grundsätzlich dafür. Wenn es in den Vermittlungsausschuss<br />
geht, wird man über Kompromisse reden müssen. Insgeheim sind<br />
ja auch die CDU-Länder vielfach dafür.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wer genau?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Eingeplant hat die Mehreinnahmen in Höhe von 140 Mio. €<br />
z.B. Hessen. Ich bin gespannt, wie Herr Koch sich verhält.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zur aktuellen weltpolitischen Lage gibt es Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>financialt**:<br />
</b>Welche Auswirkungen auf die Wirtschaft in NRW wären eigentlich<br />
mit einem Irak-Krieg zu erwarten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Genaues weiß man nicht. Jedenfalls wäre es sehr negativ.<br />
Zusätzlich zu der ohnehin schlechten Lage.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Im Falle eines Irak-Krieges hält jedoch Finanzminister Eichel<br />
ein erneutes Überschreiten der Drei-Prozent-Grenze durch Deutschland<br />
für denkbar. Im Falle eines Krieges werde man sich früher vom<br />
Versuch verabschieden, die drei Prozent einzuhalten. Das Ende des strengen<br />
Konsolidierungskurses?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Eine kriegerische Auseinandersetzung dieser Dimension ist immer<br />
eine Ausnahmesituation. Man darf sie aber nicht fest einplanen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber auch nicht nutzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Das ist doch nicht &quot;nutzen&quot;, wenn die Möglichkeiten<br />
durch Konjunktureinbruch geringer werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie würden Sie gegensteuern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Dafür habe ich (noch) kein Rezept. Auch habe ich die letzte<br />
Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Krieg vermieden wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lischen: </b>Was<br />
halten sie vom Irak-Kurs der Bundesregierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Der Kurs findet eine Unterstützung in der Bevölkerung,<br />
die mich beeindruckt und beruhigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pedropan:<br />
</b>Man muss aber inzwischen von so einer kriegerischen Auseinandersetzung<br />
ausgehen. Und als guter Planer haben Sie die Pflicht, worst- case-Szenarien<br />
in der Tasche zu haben. Dieser nähern wir uns gerade. Wie sieht das<br />
worst-case-Szenario aus, Herr Dieckmann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich halte es nicht für vertretbar, solche Szenarios, wenn<br />
man sie denn hätte, in der Öffentlichkeit auszubreiten. Das<br />
würde auch unzutreffenderweise den Eindruck erwecken, man hätte<br />
die Folgen eines Krieges &quot;im Griff&quot;. Das Gegenteil ist der Fall.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benebiene:<br />
</b>Aber als Mensch mit einer öffentlichen Aufgabe haben Sie<br />
auch die Pflicht, wahrheitsgemäß zu informieren und nicht Politikerspielchen<br />
zu spielen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>So allgemein ist das zutreffend. Politiker haben aber auch die<br />
Pflicht, nicht vordergründig mit Ängsten und Emotionen der Öffentlichkeit<br />
zu spielen.<br />
Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank, Herr Dieckmann, dass Sie am Chat teilgenommen haben und vielen Dank<br />
an alle UserInnen für Ihr Interesse. Vielen Dank auch für die<br />
Unterstützung durch unseren Partner in Köln www.europa-digital.de.<br />
Noch ein Terminhinweis: Am Mittwoch, den 19.März, werden wir mit<br />
Friedbert Pflüger, dem außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion<br />
im Bundestag, sprechen. Der Chat findet wieder zwischen 17:00 und 18:00<br />
Uhr statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die<br />
Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter<br />
tagesschau.de und politik-digital.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Auch ich sage Danke. Auf Wiedersehen! 8-):</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Vielen Dank und Tschüß!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Selbst der Papst schließt Krieg als letztes Mittel nicht aus&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cberghahn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">    </span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> CDU-Bundesvorsitzende 
Angela Merkel an 5. Februar 2003  <span style="color: #000000">   
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> ist 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de </span> 
im ARD-Hauptstadtstudio. </span>
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">    </span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> CDU-Bundesvorsitzende<br />
Angela Merkel an 5. Februar 2003  <span style="color: #000000"><br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> ist<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de </span><br />
im ARD-Hauptstadtstudio. </span>
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Wir haben eine Stunde Zeit, kann es losgehen, Frau Merkel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Mhhmh. Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Eine Frage von mir vorweg: Frau Merkel, Sie haben angesichts<br />
der jüngsten Arbeitslosenzahl von 4,6 Millionen heute einen &quot;nationalen<br />
Kraftakt&quot; von der Regierung gefordert. National schließt die<br />
Union wohl mit ein &#8211; was ist konkret der Beitrag der Union zum Kraftakt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
National schließt in der Tat die Union mit ein. Wenn die Bundesregierung<br />
auf uns zukommt, werden wir uns zum Wohle der Menschen nicht verschließen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Freundchen: Guten<br />
Tag, in wie weit ist nach Ihrer Meinung das Modell der sozialen Marktwirtschaft<br />
in Bezug auf die Arbeitslosigkeit noch zeitgemäß?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich glaube, dass wir eine neue soziale Marktwirtschaft brauchen.<br />
Neu, weil sich durch die Informationsgesellschaft die Gegebenheiten auf<br />
dem Arbeitsmarkt sehr stark verändert haben. Darauf müssen wir<br />
auch im Arbeitsrecht, Steuerrecht und bei der Gesundheits &#8211; und Rentenpolitik<br />
reagieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rup-knechtrecht:</b><br />
Warten Sie, bis die Bundesregierung auf sie zukommt? Was sind &#8211; von der<br />
Bundesregierung unabhängig &#8211; die eigenen Vorschläge der Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Wir haben den Vorschlag unterbreitet, wenn es um Beschäftigungssicherung<br />
geht, abweichend vom Tarifvertrag auch betriebliche Bündnisse für<br />
Arbeit zu zulassen. Wir fordern im Rentensystem einen demografischen Faktor,<br />
um Generationengerechtigkeit durchzusetzen. Im Gesundheitssystem kommen<br />
wir um mehr Eigenbeteiligung nicht herum.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gregor:</b><br />
Guten Tag Frau Merkel, apropos soziale Marktwirtschaft &#8211; wo sehen Sie<br />
die Rolle der Familie. Es müssen doch die Menschen noch mehr gewürdigt<br />
und gefördert werden, die in den Familien Verantwortung für<br />
andere übernehmen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Da haben Sie Recht. Unsere sozialen Sicherungssysteme sind zu stark an<br />
den Faktor Arbeit gekoppelt und berücksichtigen die Leistung der<br />
Kindererziehung zu wenig. Deshalb müssen wir hier Schritt für<br />
Schritt Verbesserungen durchsetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rasmussen:</b><br />
Liebe Frau Merkel, wie würden Sie die Arbeitslosigkeit bekämpfen?<br />
Neuverschuldung um damit die Konjunktur anzukurbeln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Nein, Abbau von Bürokratie und starren Regelungen, um damit die Konjunktur<br />
anzukurbeln. Aus Wachstum entstehen auch wieder mehr Einnahmen, und nur<br />
so nimmt die Neuverschuldung ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Untobias:</b><br />
Wie schaut es denn mit dem Thema Zuwanderung aus im Zusammenhang mit den<br />
Arbeitslosenzahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Wir werden den Wettbewerb um die besten Köpfe auch in Deutschland<br />
brauchen. Angesichts der vielen Arbeitslosen brauchen wir aber mit Sicherheit<br />
keine unkontrollierte Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kleine Nachfrage:<br />
Das Zuwanderungsgesetz dürfte der erste Prüfstein für eine<br />
Kooperation zwischen Union und Regierung sein. Ihr Parteifreund Peter<br />
Müller sah kaum noch Einwände gegen das Gesetz, jetzt liegen<br />
im Bundesrat 121 Änderungsanträge vor. Das sieht nicht nach<br />
Kooperation aus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Die Anträge liegen schon immer vor. Dennoch wäre Kooperation<br />
möglich gewesen und wird sie auch sein, wenn die Bundesregierung<br />
ein Stück auf unsere Bedenken über eine ungesteuerte Zuwanderung<br />
zugeht. Den ersten Fall der Kooperation haben wir aber bereits hinter<br />
uns, das war bei den 400 Euro-Jobs.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal eine Nachfrage zur &quot;Geldgewinnung&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rasmussen:</b><br />
Aber wo soll das Geld denn so schnell herkommen, Abbau von Bürokratie<br />
dauert doch Jahre…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Das stimmt nicht ,das kann sehr schnell gehen. Wir können aber ja<br />
auch nicht alle Investitionen streichen, dann würden noch mehr Arbeitsplätze<br />
wegfallen. Vor allen Dingen brauchen wir Verlässlichkeit. Die gibt<br />
es bei der Bundesregierung im Augenblick nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Gleich noch mal vom gleichen Politik-Interessierten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rasmussen:</b><br />
Warum sollen die Wähler annehmen, dass die Union die besseren Konzepte<br />
für den Arbeitsmarkt hat? Nach den 16 Jahren Kohl-Regierung war sie<br />
ja auch bei vier Millionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Nachdem wir die Wahl verloren hatten, haben wir 1998 neu nachgedacht.<br />
Deshalb sind unsere Vorschläge heute besser.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FrankMG: </b>Sollte<br />
in dieser kritischen Situation, in der sich die Bundesrepublik befindet,<br />
nicht endlich die parteipolitischen Streiterein beendet werden und eine<br />
gemeinsame Lösung der Probleme gefunden werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Der Streit um den besten Weg muss immer geführt werden.<br />
Aber dann muss man entscheiden. Beim Niedriglohnsektor haben wir das gut<br />
geschafft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bastian Lux:</b><br />
weniger Bürokratie = mehr Geld&#8230; das verstehe ich nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Wenn weniger Bürokratie herrscht, haben Leute Mut, ihren Betrieb<br />
zu erweitern und damit mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Das bringt<br />
mehr Steuern und kostet weniger Sozialuntestützung für den Staat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
noch mal Bürokratie:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Berlin: </b>Abbau<br />
der Bürokratie ist ein schönes Schlagwort; aber wo sieht die<br />
CDU eine Möglichkeit zum Abbau?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Quadratus:</b><br />
Wie kann man die Bürokratie abbauen, wenn sich doch eine starke Bürokratie<br />
dagegen wehrt, z.B. Bundesanstalt für Arbeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Das ist in der Tat ein Kraftakt. Aber man kann viele Verordnungen einfach<br />
zeitlich befristen, wenn anschließend keinem auffällt, dass<br />
sie weggefallen sind, kann man auch auf sie verzichten. Man kann auch<br />
mehr Freiräume für Unternehmerentscheidungen z.B. im Baurecht<br />
schaffen und damit Bauzeiten verkürzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jennifer:<br />
</b>Meine Frage: Was wird Angela Merkel als Vorsitzender der CDU<br />
gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit (neue Zahlen: über 9%) vorschlagen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich schlage vor, dass wir uns mehr um neue Technologien und den Mittelstand<br />
kümmern. Im Augenblick haben viele keine Lust, in Deutschland zu<br />
investieren. Auch wegen der Unsicherheit, wie viel Steuererhöhung<br />
es geben wird. Das muss geändert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Seehaserl:</b><br />
Liebe Frau Merkel, was sagen Sie der jugendlichen Bevölkerung, um<br />
ihr Angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen nicht den Mut für die<br />
Zukunft zu nehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Die jugendliche Bevölkerung soll alle Chancen, die sich<br />
bieten, nutzen und notfalls auch mal bereit sein, dahin zu ziehen, wo<br />
es mehr Arbeitsplätze gibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kurz vor dem Chat hat die Sitzung des UNO-Sicherheitsrats in New York<br />
begonnen, bei der US-Außenminister Powell die Beweise der USA gegen<br />
Irak vorlegt. Sie haben einen ersten Agenturbericht dazu bereits gelesen.<br />
Danach wurden Expertenbefragungen verhindert und Fahrzeuge durch den Irak<br />
vor Beginn der Inspektionen versteckt. Wie ist Ihre erste Einschätzung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Das was ich bisher gehört habe, bestätigt meine Vermutung, dass<br />
der Irak &#8211; wenn überhaupt &#8211; die UN-Resolution 1441 nur unvollkommen<br />
einhält.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jens:</b><br />
Liebe Frau Merkel, sind sie bereit, auch deutsche Soldaten notfalls in<br />
den Krieg zu schicken ? Bitte um kurze und präzise Antwort &#8230; danke<br />
sehr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Die Frage deutscher Soldaten in Form von Truppen stellt sich<br />
nicht. Deutsche Soldaten in Awacs-Maschinen, wenn sie von der Nato angefordert<br />
würden, <br />
sollten im Falle eines UN-unterstützten Einsatzes allerdings nicht<br />
aus den Maschinen aussteigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MINK: </b>Halten<br />
sie das Vorgehen von George W. Bush für besonders intelligent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich glaube, dass es gute Gründe gibt, ein Drohpotenzial gegen den<br />
Irak aufzubauen, weil ich Saddam Hussein für einen Diktator halte,<br />
der nur durch die Völkergemeinschaft gezwungen werden kann, sein<br />
Drohpotenzial abzuschaffen. Ich glaube, dass wir in Deutschland häufig<br />
die Bedrohung nicht ausreichend berücksichtigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">r<b>up-knechtrecht:</b><br />
Das &quot;Nein&quot; zum Krieg spiegelt die Meinung der Mehrheit der deutschen<br />
Bevölkerung wieder. Sollte gerade deshalb dieser Weg nicht vorbehaltlos<br />
unterstützt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>So einfach ist es leider nicht. Nach meiner Auffassung sollte<br />
die demokratische Gemeinschaft der Völker Saddam Hussein drohen.<br />
Dabei darf man nicht von vorne herein das allerletzte Mittel des Krieges<br />
ausschließen, <br />
weil Hussein sich ansonsten sofort sicher fühlt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ako: </b>Ist<br />
das nur unvollkommene Einhalten der UN-Resolution 1441 Ihrer Meinung nach<br />
ein ausreichender Grund, den Irak militärisch anzugreifen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Damit wird sich der UN-Sicherheitsrat in den nächsten Wochen<br />
befassen. Am 14. Februar werden die Waffeninspekteure einen nächsten<br />
Bericht geben. Dem kann ich nicht vorgreifen. Auf gar keinen Fall darf<br />
man wie der Bundeskanzler schon vor dem UN-Bericht sagen, was man alles<br />
nicht tut.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal zur Stimmung in der Bevölkerung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jan Krz: </b>Die<br />
Angst der Bevölkerung vor einem Krieg, ist die ihnen egal?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Natürlich nicht. Jeder Mensch hat Angst und wird deshalb alles tun,<br />
um einen Krieg zu vermeiden. Aber ich frage zurück: haben Sie keine<br />
Angst vor Saddam Hussein? Auch dafür gibt es viele Gründe. Deshalb<br />
die ganze Mühe, Ihn durch Bedrohung zum Einlenken zu bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>be_fruit:</b><br />
Denken sie Saddam Hussein ist eine akute Bedrohung für Europa, geschweige<br />
denn die Vereinigten Staaten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich kann das nicht ausschließen. 1991 hat er Israel angegriffen<br />
und Kuwait besetzt. Durch solche Aktionen sind von ihm Bedrohungen ausgegangen,<br />
die sehr schnell auch auf Europa Einfluss haben können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hr. Dreier:<br />
</b>Welche konkrete Bedrohung liegt denn vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Dazu sind die Inspektoren unterwegs und Herr Powell berichtet darüber<br />
gerade. Insbesondere geht es um die Möglichkeit, biologische Waffen,<br />
z.B. Milzbranderreger, herzustellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SOKRATES:</b><br />
Der Krieg ist doch nur ein Ölkrieg, Frau Merkel!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ali99:</b><br />
Auf der ganzen Welt unterdrücken Diktatoren ihr Volk, warum sollte<br />
Deutschland eine von Eigeninteressen geleitete US-Politik unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Zu Sokrates: Das ist ein falsches Klischee. Wenn ein Land für andere<br />
eine Bedrohung ist, kann die UNO das nicht einfach ignorieren. Ich glaube,<br />
es ist nicht nur im Interesse der USA, sondern auch noch in unserem eigenen,<br />
deutschen Interesse, dass wir uns Gefahren nicht einfach aussetzen. Außerdem<br />
ist eine der Lehren unserer Geschichte, dass Deutschland keine Sonderwege<br />
abseits seiner europäischen und amerikanischen Verbündeten gehen<br />
sollte. Wir sollten unser Gewicht einbringen, um an einer gemeinsamen<br />
Meinungsbildung mitzuwirken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alces:</b><br />
Stellt Nord-Korea nicht eine viel größere Gefahr für die<br />
Menschheit da?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Nord Korea gehört nach Aussage des damaligen Präsidenten Clinton<br />
auch zu den &quot;Schurkenstaaten&quot;. Dort ist die Gefahr vor allen<br />
Dingen die Kapazität zur Herstellung von Nuklearwaffen. Deshalb sind<br />
sie ja auch unter scharfer Überwachung seitens der Amerikaner.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tom491:</b><br />
Sie haben doch eben gesagt, dass Hussein eine Bedrohung sei, und wenn<br />
man nach einer konkreten Bedrohung fragt, verweisen Sie auf die Inspektoren?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bastian Lux:<br />
</b>Geht es nicht weniger um die Bedrohung als mehr um die konsequente<br />
Durchsetzung der UN-Resolution 1441?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Die Resolution ist ja nur wegen der Bedrohung verabschiedet worden. Die<br />
Bedrohung besteht darin, dass der Irak nicht von sich aus nachweist, dass<br />
er seine biologischen und chemischen Waffen vernichtet hat. Deshalb sollen<br />
die Inspektoren genau dies herausfinden. Aber sie können es nur,<br />
wenn Hussein seine Kenntnisse offen legt. Das tut er bis jetzt nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bastian Lux:<br />
</b>Mich ärgert, dass in der Irakfrage überhaupt nicht<br />
differenziert wird: Geht es bei der Frage &quot;Krieg, ja oder nein?&quot;<br />
nun um Angst vor einer irakischen Bedrohung, um die Durchsetzung der UN-Resolution,<br />
um politische Annäherung zu den USA oder um unsere weltpolitische<br />
Verantwortung gegenüber einem hungernden Volk?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Das sind ja alles keine Gegensätze. Um eine Drohkulisse aufzubauen,<br />
darf man den Krieg als letztes Mittel nicht ausschließen. Die UN-Resolution<br />
ist doch nur die Folge der gemeinsamen Erkenntnis, dass man beim Irak<br />
vermuten muss, dass er seine Massenvernichtungswaffen nicht vernichtet<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jens:</b><br />
Liebe Frau Merkel, finden sie, dass möglicherweise eine permanente<br />
Inspektorenpräsenz nicht viel intelligenter wäre und billiger<br />
als ein Krieg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Über die Dauer des Aufenthalts von Inspektoren müssen die Gegebenheiten<br />
entscheiden. Ich bin dafür, dass man den Inspektoren ausreichend<br />
Zeit gibt. Wenn Hussein sie allerdings an der Nase herumführt, dann<br />
wird man vielleicht einen Schlussstrich setzen müssen. Am 14. Februar<br />
werden wir mehr wissen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hr. Dreier:</b><br />
Die CDU trägt noch das &quot;C&quot; für christlich im Parteinamen.<br />
Wie vereinbart sich Ihre Haltung mit der christlichen Grundlage?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Genau aus diesem Grunde darf man es sich mit dem Beginn eines Krieges<br />
nicht zu leicht machen, aber selbst der Papst, der den Krieg als Versagen<br />
der Menschheit bezeichnet, schließt den Krieg als letztes Mittel<br />
nicht aus. Deutschland wäre vom Nationalsozialismus ohne militärisches<br />
Eingreifen der Alliierten nicht befreit worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zwei Fragen zu einem Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Borris Guglia:</b><br />
Amerika ist sehr fixiert auf bestimmte Feinde, je nach dem, wie es ihnen<br />
gerade passt. Europa sollte sich endlich von Amerika emanzipieren!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ersti:</b><br />
Noch mal zu der Rolle Europas im Irak-Konflikt. Sie haben in einem Interview<br />
angegeben, dass Sie an Schröders Stelle den Brief der acht EU-Staaten<br />
unterschrieben hätten. Steht das nicht im krassen Widerspruch zu<br />
der Forderung nach einer gemeinsamen EU-Außenpolitik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Europa muss mit einer Stimme sprechen, damit es mehr Gewicht in der Nato<br />
bekommt. Leider sind wir militärisch zurück und wirtschaftlich<br />
nicht sehr stark, das muss sich ändern. Der Aufruf einiger europäischer<br />
Staaten war die Antwort auf den Bundeskanzler, der schon vor einem Bericht<br />
der Inspekteure seine Festlegung getroffen hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Meinung:</b><br />
Wenn Schröder zum Irak-Krieg ja sagt, werden sie ein Misstrauensvotum<br />
einberufen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich sehe gar nicht, dass der Bundeskanzler seine Meinung ändert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Jetzt wieder ein paar Fragen zur Innenpolitik:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SOKRATES:</b><br />
Die Opposition ist unfair, wenn sie nur die Bundesregierung für die<br />
gegenwärtige Finanzmisere verantwortlich macht, da auch sie die negativen<br />
Folgen der Einheit zu tragen hat und nicht nur den Profit!!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Daniela:</b><br />
Sind sie bereit, die Steuerpläne der Regierung zu unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Zu Daniela: Nein. Weil sie das Wachstum noch weiter abwürgen werden.<br />
Zu Sokrates: Natürlich müssen wir gemeinsam die Lasten der deutschen<br />
Einheit tragen, aber gerade deshalb müssen wir zu mehr Wachstum kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Unternehmerin:</b><br />
Die CDU hatte heute eine Sitzung, bei der über die Zustimmung / Ablehnung<br />
der Regierungssteuerpläne beraten wurde. Was sind die Ergebnisse<br />
in wichtigen Schlagworten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bastian Surmann:<br />
</b>Welche Steuern würden Sie zuerst senken bzw. abschaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Die Sitzung findet erst morgen statt, aber es wird darum gehen,<br />
dass wir das so genannte Steuervergünstigungsabbaugesetz mit 48 Steuererhöhungen<br />
diskutieren. Wir halten dieses Gesetz für falsch, wollen allerdings<br />
eine Veränderung bei der Körperschaftssteuer, weil dort die<br />
Einnahmen dramatisch eingebrochen sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Freundchen:</b><br />
Sehr geehrte Frau Merkel, mit großer Sorge verfolge ich als junger<br />
Mensch die Thematik Altersvorsorge. Welches Konzept ist Ihrer Meinung<br />
nach entscheidend, damit wir als junge Bevölkerung nicht nur Einzahler<br />
sondern in 40 Jahren auch Empfänger bleiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Wir befürworten einen demografischen Faktor, der nicht nur<br />
die Jungen belastet. Um allerdings Sicherheit zu bekommen, ob das für<br />
die nächsten 20 Jahre schon reicht, habe ich Roman Herzog gebeten,<br />
mit einer Kommission auf diese Frage eine Antwort zu suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rurupro: </b>Frau<br />
Merkel, sehen Sie Ihre Position in der CDU nach dem grandiosen Wahlsieg<br />
von Roland Koch im Hinblick auf die nächste Kanzlerkandidatur geschwächt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b> Nein.<br />
Im übrigen sind wir froh, einmal keine Kandidatendiskussion zu führen.<br />
Im übrigen war der Erfolg in Hessen und Niedersachsen ein Gemeinschaftswerk.</p>
<p><b>Kleio:</b> Und wie sollte dieser demografische Faktor aussehen?<br />
Ich bin 31 und gehe davon aus, mal kein Geld mehr vom Staat zu bekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
So pessimistisch würde ich das nicht sehen. Im übrigen kommt<br />
das Geld ja von den Beitragszahlern. Der Faktor muss das veränderte<br />
Verhältnis von Rentnern zu heute noch Arbeitenden wiederspiegeln.<br />
Es werden ja von Jahr zu Jahr mehr Rentner und weniger im arbeitsfähigen<br />
Alter sein. Deshalb müssen wir auch von den hohen Arbeitslosenzahlen<br />
runter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof. Dr.<br />
Abeltshauser: </b>Haben wir es durch die Wahlsiege in Hessen und<br />
Niedersachsen, zu denen ich gratuliere, faktisch mit einer Großen<br />
Koalition auf Bundesebene zu tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Nein. Wir haben eine Mehrheit im Bundesrat, es gibt aber viele Gesetze,<br />
zu denen wird die Zustimmung der Mehrheit des Bundesrates gar nicht gebraucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Frau Merkel, mal ehrlich, wenn Sie wollten, könnten Sie Bundespräsidentin<br />
werden? Reizt Sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich finde es sehr reizvoll, Partei- und Fraktionsvorsitzende zu sein.<br />
Für mehr Reize habe ich im Augenblick keine Kraft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, unsere Chat-Zeit ist leider vorbei. Über<br />
800 Fragen sind eingegangen, da musste vieles unbeantwortet bleiben, sorry.<br />
Herzlichen Dank an Frau Merkel fürs Kommen und alle User für<br />
ihr Interesse. Noch ein Terminhinweis: Am Mittwoch, 12. Februar, kommt<br />
der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Friedbert<br />
Pflüger, zum Chat. Wir würden uns freuen, wenn sie wieder dabei<br />
sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Websiten<br />
der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de. Frau Merkel hat übrigens einen neuen Web-Auftritt,<br />
zu finden unter: http://www.angela-merkel.de. Allen Beteiligten wünscht<br />
das tacheles.02-Team noch einen schönen Abend.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Auf Wiedersehen!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wegen der Alterung der Gesellschaft müssen wir mit der Schuldenpolitik schleunigst Schluß machen&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jun 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Eichel]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/heichel1.jpg" alt="Hans Eichel" align="left" height="90" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit Hans Eichel am 25. Juni 2002</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/heichel1.jpg" alt="Hans Eichel" align="left" height="90" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit Hans Eichel am 25. Juni 2002</b></span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
<br />
Moderator: </b>Herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-chat. Nach Gesundheitsministerin Ulla Schmidt<br />
ist heute der Herr des Geldes im Kabinett Schröder gekommen &#8211;<br />
Bundesfinanzminister Hans Eichel. Herzlich willkommen, Herr Eichel. </span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Leider hat Herr Eichel nur bis 21.00 Uhr Zeit, beginnen wir also. Sind Sie bereit Herr Eichel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b> JA!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herr Eichel, die deutsche Nationalelf steht nach dem 1:0-Sieg gegen<br />
Südkorea im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. Mal steuer- und<br />
finanzpolitisch gesehen: Bringt das dem Finanzminister was?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Es bringt jedenfalls gute Laune. Und wie sie wissen, ist das ein Wirtschaftsfaktor.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Und wie groß ist der Wirtschaftsfaktor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b> Je mehr Leute gute Laune haben um so größer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zur Politik, seit 1974 macht der Bund jedes Jahr neue Schulden. Für den<br />
Bund sind bislang rund 700 Milliarden Euro Schulden aufgelaufen. Nimmt<br />
man die Länder und Gemeinden dazu, beträgt der Schuldenberg rund 1200<br />
Milliarden Euro. Selbst wenn es der Bundesregierung gelingt, bis 2006<br />
die Nettokreditaufnahme des Bundes auf Null zu senken, kommen wir<br />
jemals wieder von diesem Schuldenberg herunter?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Natürlich<br />
kommen wir runter wenn wir wollen. Wenn wir jedes Jahr eine solide<br />
Finanzpolitik betreiben, so wie wir es 1999 begonnen haben, dann<br />
schaffen wir es.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ce: </b>Wird es durch die Alterung der Gesellschaft nicht immer schwieriger, den Haushalt zu begrenzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Die<br />
Alterung der Gesellschaft bedeutet etwa ab 2020 erhebliche zusätzliche<br />
Belastungen des Haushalts. Bis zur Mitte des Jahrhunderts etwa 4-8% des<br />
Bruttoinlandsprodukts. Deshalb müssen wir jetzt mit der Schuldenpolitik<br />
möglichst schnell Schluss machen und mit dem Abbau der Staatsschulden<br />
beginnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>christina:</b> Wird nach der Bundestagswahl die Mehrwertsteuer erhöht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jan:</b> Wäre nach der Bundestagswahl nicht eine Große Koalition die beste Lösung, um die großen Reformvorhaben umzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Die Unterschiede zwischen den großen Parteien sind beträchtlich. Die<br />
CDU/CSU verspricht Steuersenkungen und Zusatzausgaben, die bei 35 Mrd.<br />
Euro beginnen und auf 70 Mrd. Euro anwachsen. Das hat mit solider<br />
Finanzpolitik nichts zu tun. Außerdem ist es für die Demokratie gut,<br />
wenn einer starken Regierung auch eine starke Opposition gegenübersteht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Eine Nachfrage zur Mehrwertsteuer, wie ich annehme:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mic</b>: Warum können Sie sich da so sicher sein, anhand der neuerlichen Wahlversprechen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Meine<br />
Aussage &quot;keine Mehrwertsteuererhöhung&quot; gilt für meine Partei. Bei FDP<br />
und CDU würde ich da nicht finanzierbare Wahlversprechen keine Garantie<br />
abgeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ingo har:</b> Wieso sind die finanzpolitischen Vorstellungen der Union unseriös?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Weil<br />
Steuersenkungen versprochen werden, die nur über zusätzlichen Schulden<br />
finanziert werden können, und das heißt zusätzliche Belastungen und das<br />
heißt Steuererhöhungen in der Zukunft, denn die Zinsen müssen bezahlt<br />
werden. Außerdem sind diese zusätzlichen Schulden ein schwerer Verstoß<br />
gegen unsere Pflichten im Rahmen des europäischen Stabilitäts- und<br />
Wachstumspakts, und damit auch ein schwerer Schaden für die gemeinsame<br />
Währung, den Euro. Herr Stoiber hat ja auch bereits erklärt, dass er<br />
einen nahezu ausgeglichenen Haushalt 2004, wie ihn alle Länder in der<br />
EU haben müssen, nicht anstrebt, sondern erst 2006. Das ist schädlich<br />
für die gemeinsame Entwicklung in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bdi: </b>War ihr Etatentwurf nur ein Sparhaushalt ohne Gestaltung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Nein,<br />
denn er enthält die nächste Stufe der Steuersenkungen. Ab 1. Januar<br />
steigt erneut der Grundfreibetrag, sinkt der Eingangssteuersatz von<br />
19,9 auf 17 Prozent, und der Spitzensteuersatz von 48,5 auf 47 Prozent.<br />
Das sind die bisher günstigsten Steuersätze in Deutschland nach dem<br />
Zweiten Weltkrieg. Zweitens beginnen wir mit dem Programm zum Ausbau<br />
von 10.000 Schulen zu Ganztagsschulen. Drittens steigen die<br />
Verkehrsinvestitionen auf 12 Mrd. Euro, und damit auf den höchsten<br />
Stand den sie in Deutschland jemals hatten. Das als Beispiel für<br />
Gestaltung im Haushalt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>chess: </b>Was tun sie gegen die Verschwendung von Steuergeldern? Ich vermisse mehr Transparenz des Staates gegenüber den Bürgern!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Zunächst<br />
haben wir durch unsere konsequente Sparpolitik die Möglichkeiten für<br />
die Verschwendung von Steuergeldern drastisch eingeschränkt. Dann<br />
gibt&#8217;s den Bundesrechnungshof und seine Prüfungsberichte, die ja auch<br />
veröffentlicht werden und alle Ministerien zwingen, sich vor dem<br />
Bundestag und der Öffentlichkeit zu verantworten. Aufgedeckte Fehler<br />
werden abgestellt. Und schließlich ist der Vorzug der Demokratie, dass<br />
der Staat einer intensiven öffentlichen Kontrolle, durch die Bürger und<br />
durch die Medien, unterliegt. Deswegen sind ganz gewiss demokratische<br />
Staaten, was den Umgang mit Steuergeldern betrifft, wesentlich<br />
sorgfältiger als Diktaturen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>torben76:</b> Müssen innerhalb der EU Steuerschlupflöcher wie Luxemburg nicht schleunigst geschlossen werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Ja, daran arbeiten wir. Ich hoffe, die europäischen Finanzminister<br />
werden sich in diesem Herbst endgültig über die Besteuerung aller<br />
Kapitalerträge in Europa einigen und damit die Steueroasen schließen.<br />
Wir kämpfen seit langem dafür.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>marta:</b> Wodurch ist die Stärke des Euro zur Zeit bedingt, wird er in Zukunft noch weiter steigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oskar: </b>Wie bewerten Sie den Höhenflug des €?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Von<br />
einem Höhenflug des Euro würde ich nicht sprechen. Er hat ja bisher<br />
noch nicht die Parität zum Dollar erreicht, und liegt deutlich unter<br />
seinem Anfangswert vom Frühjahr 1999. Der Euro wird jetzt höher<br />
bewertet, weil es mehr Vertrauen zu Europa als zu Amerika gibt. Die<br />
Wirtschafts- und Finanzdaten sind solider als in den USA. Das hohe<br />
Leistungsbilanzdefizit dort und neuerdings wieder ein hohes<br />
Haushaltsdefizit schüren Misstrauen in die Tragfähigkeit der<br />
amerikanischen Wirtschaft. Daran erkennt man, wie wichtig eine solide<br />
Finanzpolitik ist. Der höhere Außenwert des Euro mindert die Preise bei<br />
allen Importgütern, z.B. bei Öl, vermindert damit die Preissteigerung<br />
und gibt der Europäischen Zentralbank die Chance, die Zinsen niedrig zu<br />
halten. Das ist besser als ein niedriger Außenwert des Euro, höhere<br />
Inflationsraten und höhere Zinsen im Binnenmarkt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Halten Sie eine Parität des Euro zum Dollar für wünschenswert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Ich<br />
äußere mich nicht zu Devisenrelationen, aber zweifelsfrei hat Europa<br />
gute wirtschaftliche Fundamentaldaten und damit eine reale Grundlage<br />
für einen starken Euro.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael k:</b> Glauben, Sie dass Großbritannien bald der Eurozone beitreten wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b> Ich weiß es nicht genau, aber ich hoffe sehr, dass es bis 2004, bis zur Osterweiterung der EU, geschieht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>breuer: </b>Die Osterweiterung der Europäischen Union macht uns Deutsche arm, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Die Osterweiterung der EU hat uns zunächst wesentlich, im Vorfeld<br />
bereits, stärkere Handelspartner beschert. Die Wachstumsraten in<br />
Osteuropa sind höher als in vielen andern Staaten der Erde. Und unser<br />
Export nach Osteuropa ist höher als in die USA. Also haben wir<br />
erhebliche Vorteile durch die Osterweiterung der EU. Andererseits, die<br />
Finanzierung der Mittel, die wir den neuen Ländern geben, die<br />
wesentlich weniger Wirtschaftskraft als die 15 haben, die jetzt der<br />
Wirtschaftsunion angehören, muss von allen 15 Mitgliedern gemäß ihrer<br />
Leistungsfähigkeit aufgebracht werden. Deswegen brauchen wir<br />
Einsparungen im Haushalt der jetzigen EU, insbesondere in der<br />
Agrarpolitik und der Strukturpolitik, um den Beitrittsländern in der<br />
Zukunft die selben Chancen geben zu können, wie es in der Vergangenheit<br />
Spanien, Portugal, Irland, und Griechenland bekommen haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>euro: </b>Die Osterweiterung kann mit der jetzigen Unionsstruktur doch gar nicht funktionieren, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Das ist richtig. Deswegen gibt es den Konvent, der eine europäische Verfassung ausarbeiten soll.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>panther: </b>Wir bezahlen die Osterweiterung und die Unternehmen zahlen keine Steuern, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Wir kämpfen ja gerade darum, dass die Osterweiterung nicht so teuer<br />
wird wie sich das manche Besitzstandswahrer in der EU vorstellen. Die<br />
Unternehmen zahlen sehr wohl Steuern, aber zu einem gerechten<br />
Steuersystem kommen wir in Europa nur, wenn wir zu einem weitgehend<br />
gemeinsamen Steuersystem gelangen, das auch eine einheitliche<br />
Unternehmensbesteuerung kennt, und in dem allenfalls national<br />
variierende Steuersätze gelten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ingo har: </b>Verliert Deutschland in Zukunft nicht überhaupt immer mehr steuerpolitische Souveränität an die EU?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Ja. Das muss auch so sein, denn ein gemeinsamer Markt und eine<br />
gemeinsame Währung funktionieren auf Dauer nicht mit 12, 15 oder 25<br />
unterschiedlichen Steuersystemen. Das war übrigens bei der deutschen<br />
Einigung im 19. Jahrhundert nicht anders.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>annette:</b> Wäre es nicht ein besseres Signal gewesen, wenn Deutschland den &quot;blauen Brief&quot; aus Brüssel bekommen hätte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Nein,<br />
denn wir hatten keinerlei Meinungsverschiedenheiten über die Bewertung<br />
der deutschen Haushaltspolitik und die konsequente Fortsetzung des<br />
Konsolidierungskurses. Deswegen bedurfte es keines streitigen<br />
Verfahrens zwischen der europäischen Kommission, dem Rat der<br />
Wirtschafts- und Finanzminister und Deutschland. Der Rat der<br />
Wirtschafts- und Finanzminister hat das in seiner ganz großen Mehrheit<br />
von Anfang an genauso gesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kahn: </b>Was tun Sie für die finanzschwachen Kommunen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Wir<br />
haben eine Gemeindefinanzreformkommission ins Lebens gerufen, die bis<br />
zum Sommer nächsten Jahres Vorschläge für ein besseres<br />
Gemeindefinanzsystem machen soll. Unser Ziel ist, dass das System ab<br />
2004 gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rose:</b> Wie fanden sie das Buch von Oskar Lafontaine und seine Kritik an der Regierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Ich habe es nicht gelesen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>godzilla:</b> Wieso ist die Inflationsrate so niedrig, wenn doch so viele Artikel nachweislich teurer geworden sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Weil die Artikel die teurer geworden sind, denen man übrigens als<br />
Verbraucher weitgehend ausweichen kann, für unsere gesamte<br />
Lebenshaltung keine so große Rolle spielen. Z.B. sind die Mieten<br />
vollkommen konstant geblieben bei der Umstellung auf das Euro-Bargeld,<br />
und das ist bei den meisten Familien ein Anteil zwischen 20 und 30<br />
Prozent am Monatsbudget. Außerdem ist der Ölpreis wieder billiger<br />
geworden, und der steigende Eurowert sorgt zusätzlich für billigere<br />
Importe. So haben wir insgesamt jetzt ein Inflationsrate von unter<br />
einem Prozent, die niedrigste in der Europäischen Union.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>boris: </b>Wer ein nur geringes Einkommen hat, kann dem nicht ausweichen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Doch,<br />
weil die Waren ja unterschiedlich von Geschäft zu Geschäft verteuert<br />
worden sind oder auch nicht. Eine Reihe von Geschäften werben ja<br />
ausdrücklich mit ihren niedrigen Preisen. Das muss man als Verbraucher<br />
natürlich nutzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter Schmeichel:</b><br />
Euro = Teuro-Debatte: Zur Zeit kursiert eine Kettenmail mit Aufruf zum<br />
Kaufboykott an einem bestimmten Tag. was halten sie davon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Überhaupt nichts. Weil man dann die große Mehrzahl der Händler, der<br />
Gaststätten, der Dienstleistungsbetriebe, die sich bei der Umstellung<br />
vernünftig verhalten haben, mitbestrafen würde und wir uns insgesamt<br />
nur selber schädigen &#8211; weil wir unseren Wirtschaftsaufschwung schwächer<br />
machen, als er ohne ein solche Verhalten wäre. Also, die schwarzen<br />
Schafe meiden, die überteuerten Produkte meiden, aber die vielen<br />
billigen Angebote, z.B. auch die großen Rabatte bei Neukäufen von<br />
Autos, die günstigen Kalkulation beim Neubau von Häusern, nutzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rodi: </b>Wen unterstützen die Wirtschaftverbände ihrer Meinung nach? Stoiber oder Schröder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Ganz überwiegend Stoiber.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rodi:</b> Was halten sie vom Fernsehduell? Medienwahlkampf und Amerikanisierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Von Amerikanisierung wenig, aber eine Vermittlung der Politik geht nur<br />
über Medien, und die Bürgerinnen und Bürger können sich angesichts von<br />
Fernsehstreitgesprächen eine eigene Meinung bilden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>harry: </b>Herr Eichel, wird das Thema Zuwanderung den Wahlkampf dominieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Es kann sein, dass die CDU/CSU versucht, das zu einem Hauptthema zu machen. Ich glaube nicht, dass sie damit Erfolg hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pet:</b> Was machen Sie wenn die Konjunktur nicht anspringt wie erwartet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Wir tun ja eine Menge, um zu helfen, dass das Wirtschaftswachstum<br />
besser wird. Deswegen haben wir in 2003 bereits die nächste Stufe der<br />
Steuersenkung. Deswegen erhöhen wir systematisch die Investitionen. Wir<br />
werden keine zusätzlichen neue Schulden machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Noch einmal zum Thema Zuwanderung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>starcat: </b>Ist die Zuwanderung nicht auch eine zentrale Wirtschaftsfrage? Wie sollen die Renten ohne sie finanziert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Ein<br />
alternde Gesellschaft hat in der Tat größere Probleme, die Renten zu<br />
finanzieren. Deswegen haben wir die Rentenreform machen müssen, um ein<br />
neues Gleichgewicht in der Belastung der Generationen zu finden.<br />
Zuwanderung, und das ist mit dem neuen Gesetz gemeint, die uns hilft,<br />
die Wirtschaftskraft zu stärken, ist ein Beitrag zur Lösung. Allerdings<br />
brauchen wir bei der gegenwärtig hohen Arbeitslosigkeit nur sehr<br />
begrenzt Zuwanderung von Fachkräften, die wir gegenwärtig bei uns nicht<br />
haben. Wir sollten uns im übrigen zuvor alle Mühe geben, die<br />
Arbeitslosen in Deutschland so zu qualifizieren, dass sie wie die<br />
Wirtschaft sagt, 1,2 bis 1,4 Mio. offenen Stellen, ausfüllen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Liebe Chat-Gäste, Finanzminister Hans Eichel hat leider nur 45 Minuten Zeit, daher zum Abschluss:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kwaak: </b>Herr Eichel, bekommen Sie nicht manchmal Angst, wenn Sie Ihre eigene Prominenz bemerken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel:</b><br />
Nein, es führt vielmehr dazu, dass mich viele Menschen jeden Tag direkt<br />
ansprechen, und das finde ich gut so. So erfährt man viel<br />
unmittelbarer, was die Menschen denken. Das ist halt Element einer<br />
lebendigen Demokratie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Vielen Dank Herr Eichel, einen schönen Abend wünschen wir noch!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Eichel: </b>Ich bedanke mich für die lebendige Kommunikation. Mir hat&#8217;s Spaß gemacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Wir<br />
danken für das Interesse und laden Sie herzlich ein zum Chat mit einem<br />
weiteren Kabinetts-Mitglied. Am kommenden Mittwoch, 3.Juli, kommt<br />
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zum<br />
tacheles.02-chat &#8211; wie immer um 20.15 Uhr.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">tacheles.02 ist ein Format von <a href="http://www.tagesschau.de/">tagesschau.de</a> und <a href="http://www.politik-digital.de/index.shtml">politik-digital.de</a> und wird unterstützt von <a href="http://www.tagesspiegel.de/">tagesspiegel.de</a>.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ex Oriente lux &#8211; Das Licht kommt aus dem Osten&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 May 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Cornelia Pieper]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Cornelia Pieper im Chat am 16 Mai 2001</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Cornelia Pieper im Chat am 16 Mai 2001</b></span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><i>&quot;Ex Oriente lux &#8211; Das Licht kommt aus dem Osten&quot;</i>.<br />
Das sagt die neue Generalsekretärin der FDP nicht nur über sich selbst,<br />
sondern vor allem über das Potenzial der neuen Bundesländer. Daneben<br />
sprach sie im Chat von stern.de und politik-digital.de auch über das<br />
Internet, Prozentrechnung und grüne Relikte.<br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Mit Begeisterung vertrat Cornelia Pieper das Internetkonzept ihrer Partei: <i>&quot;Jeder kann im Netz mit uns das Wahlkampfprogramm diskutieren oder auch Mitglied im Internetlandesverband werden&quot;</i>.<br />
Die FDP sei die erste Partei, bei der Abstimmungen über das Netz liefen<br />
und bei der man seine Ideen zum Bürgerprogramm 2002 über das Internet<br />
einbringen könne. Dass dieses Angebot auch Zulauf findet, belegten<br />
monatlich 520.000 Zugriffe auf die Internetseite.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In der Politik komme es heute auf eine gute Mischung aus Kompetenz und medialer Präsenz an. <i>&quot;Die FDP ist voller temperamentvoller, ideenreicher und witziger Persönlichkeiten&quot;</i>,<br />
sagt Cornelia Pieper. Ihre Kompetenz wolle die Partei im nächsten<br />
Bundestagswahlkampf vor allem mit Themen wie Steuerpolitik,<br />
Bildungsreformen und Mobilität beweisen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Thema im Chat war natürlich auch<br />
die Steuerpolitik. Sie verteidigte erneut ihre Forderung nach der<br />
Beibehaltung des Solidaritätszuschlages, mit der sie sich noch vor<br />
kurzem gegen die bisherige Parteilinie der FDP gestellt hatte. <i>&quot;Die FDP will nicht die Solidarität mit dem Osten aufgeben&quot;</i>, der &quot;Soli&quot; müsse auch aus psychologischen Gründen erhalten bleiben. <i>&quot;Wir<br />
wollen die Förderung für den Aufbau Ost nicht nach dem<br />
Gießkannenprinzip sondern mit mehr Effizienz stattfinden lassen. Unsere<br />
Schwerpunkte: der Infrastrukturausbau und die Stärkung der<br />
Forschungslandschaft unter dem Aspekt der engeren Vernetzung mit der<br />
Wirtschaft.&quot;</i><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der Umgang mit den Steuern ist für Cornelia Pieper auch der Schwachpunkt bei den Grünen. <i>&quot;Da die Grünen soviel Ahnung haben vom Steuersenken wie der Papst vom erfüllten Eheleben&quot;</i>, könne man sie durchaus als <i>&quot;armes Relikt aus den 80ern&quot;</i><br />
sehen. Mit dem ehrgeizigen Ziel eines Stimmenanteils von 18 Prozent<br />
Stimmenanteil positioniert sich die FDP sowohl den Grünen gegenüber als<br />
auch in der gesamten Parteienlandschaft neu. Mit dem Ziel von 18<br />
Prozent mache sich die FDP nicht zur Lachnummer, ganz im Gegenteil: <i>&quot;Man muss sich im Leben ehrgeizige und klare Ziele stecken&quot;</i>. Vehement abgelehnt wurde von Pieper eine Koalitionsaussage der Liberalen für die nächste Bundestagswahl. Die FDP als <i>&quot;einzige liberale Partei Deutschlands&quot;</i> wolle mit einem eigenständigen Kurs und ohne Koalitionsaussagen in den Bundestagswahlkampf gehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Sich selbst sieht die theaterbegeisterte Sprachwissenschaftlerin, die lange Zeit ihren Mann im <i>&quot;Tante-Emma-Laden&quot;</i> in Halle an der Saale unterstützt hat, als die <i>&quot;die typische Vertreterin von Vereinbarkeit von Beruf und Familie&quot;</i>.<br />
Auch wenn sie mit der Nachfolge von Guido Westerwelle vor einer<br />
schwierigen Aufgabe stehe, wolle sie niemanden kopieren, sondern ihren<br />
eigenen unverkennbaren Stil im Amt prägen, versprach Pieper.<br />
<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/5150_16872.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
<!-- Content Ende --></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">
<p>
			&nbsp;
			</p>
<p>			<center><br />
			<i><a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Kommentieren<br />
			Sie diesen Artikel!</span></a></i><br />
			</center><br />
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
			</span><br />
			<center><br />
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><i><a href="http://www.politik-digital.de/salon/diskussion/">Diskutieren<br />
			Sie mit anderen in unserem Forum!</a></i></span><br />
			</center></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Peter Struck</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_peter_struck-486/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Sep 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Ökosteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Struck]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/chat_mit_peter_struck-486/</guid>

					<description><![CDATA[<table align="left" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="300">
	<tbody>
		<tr>
			<td width="106"><img src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/images/carostruck.jpg" alt="Chat mit Peter Struck" border="1" height="188" hspace="0" vspace="0" width="300" /></td>
			<td rowspan="2"><spacer type="block" height="1" width="10"></spacer></td>
		</tr>
		<tr width="300">
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<table align="left" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="300">
<tbody>
<tr>
<td width="106"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/images/carostruck.jpg" alt="Chat mit Peter Struck" border="1" height="188" hspace="0" vspace="0" width="300" /></td>
<td rowspan="2"><spacer type="block" height="1" width="10"></spacer></td>
</tr>
<tr width="300">
<td bgcolor="#e0e0e0"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial,Helvetica; color: #333333"><br />
			Dr. Peter Struck, Carolin Welzel</span></td>
</tr>
<tr>
		</tr>
</tbody>
</table>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<br clear="all" /><br />
<!-- Transcript --><br />
<!-- saved from url=(0040)http://160.jazzcafe.de/cgi/placelog/LIVE --></p>
<table border="0">
<tbody>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Sehr geehrter Herr Struck, im Namen von politik-digital und stern.de<br />
			begrüßen wir Sie ganz herzlich zu unserem Chat!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Beginnen wir mit der Öko-Steuer:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Heiko:</th>
<td>Wie sehen Sie die momentane Diskussion um die<br />
			Ökosteuer?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">PeterStruck:</th>
<td>CDU: populistisch, unredlich, Ökosteur ist nicht der Grund für die<br />
			Ölpreiskrise, sie bleibt,weil sie rentenversicherungsbeiträge<br />
			senkt.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">TMA:</th>
<td>Wann senkt die SPD den Anteil der Sprit-Steuer bei Benzin<br />
			auf unter 60%?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">PeterStruck:</th>
<td>Zur Zeit wegen der übernommenen Staatsverschuldung nicht möglich.<br />
			
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Thema Renten: 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Thomas Gärtner:</th>
<td>Finden Sie im Nachhinein die Rücknahme der<br />
			von Blüm eingeleiteten Maßnahmen bei den Renten durch die Regierung nicht<br />
			auch falsch?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">PeterStruck:</th>
<td>Nein, die Vorschläge von Walter Riester führen zu einer höheren Rente<br />
			als bei den Blüm-Planungen und belasten die jetztige<br />
			Beitragszahlergeneration nicht so wie bei Blüm.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Nordlicht:</th>
<td>Würde eine Partei sich endlich entschließen, auch die<br />
			jetzigen Rentenbezieher durch Kürzungen an einer Reform zu beteiligen &#8211;<br />
			sagen wir, die FDP &#8211; erhielte diese auf Anhieb vermutlich um die 15%. Dies<br />
			könnte doch neue Koalitionen ermöglichen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">PeterStruck:</th>
<td>1. Ich sehe keine Partei, die die jetzigen Renter mit zusätzlichen<br />
			Steuern belasten will. 2. Die jetztige Koalition ist bis 2002 vereinbart,<br />
			danach entscheidet der Wähler.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Chris:</th>
<td>Herr Struck, glauben Sie, die FDP wäre ein möglicher<br />
			Koalitionspartner nach der Wahl 2002?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">PeterStruck:</th>
<td>Grundsätztlich ist jede demokratische Partei koalitionsfähig, die<br />
			Frage stellt sich jetzt nicht.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Antigone:</th>
<td>Wie bilanzieren Sie die ersten zwei Jahre an der<br />
			Regierung? Haben Sie viel geschafft, was Sie sich vorgenommen<br />
			hatten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Ja, das erste Jahr war etwas holperig, aber die Hauptziele sind<br />
			erreicht: Abbau der Arbeitslosigkeit, Ausstieg aus der Kernenergie,<br />
			Steuerreform u.v.m. &#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Die zweite Hälfte wird sicher etwas ruhiger.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Ernie:</th>
<td>Warum verkauft sich die Regierung so schlecht in der<br />
			Öffentlichkeit? Z.B. sollte man doch zum Thema der hohen Energiekosten<br />
			u.a. für die Spediteure ganz deutlich Stellung beziehen &#8211; z.B. dass man<br />
			alles und zwar unverzüglich daran setzt, eine europaweite Gleichbehandlung<br />
			der Besteuerung zu erreichen!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Die Frage ist berechtigt, zur Zeit ist es allerdings durch die emotionale<br />
			Situation der Spediteure und der Autofahrer schwer in der Argumentation<br />
			druchzudringen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">thomaspahlings:</th>
<td>Glauben Sie, die SPD kann dem Ziel weniger Staat<br />
			und Belastungen auf Dauer gerecht werden?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Ja, die Steuerreform führt zu erheblichen Entlastungen in allen<br />
			Bereichen. Der Staat sollte sich auch noch mehr aus Bereichen<br />
			zurückziehen, in denen die Aufgaben andere besser erledigen<br />
			können.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">wernerernst:</th>
<td>Muss denn unbedingt nochmals eine Öko-Steuer für<br />
			den 1.1.2001 eingeführt werden? Sollte man nicht diese Steuer für einige<br />
			Zeit verschieben?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Die Ökosteuer dient der Senkung des Rentenversicherungsbeitrages, ab<br />
			1.1.2001 wird dieser um weitere 0,2 % gesenkt, so dass davon Arbeitgeber<br />
			und -nehmer profitieren. Lohnnebenkosten werden damit nämlich weiter<br />
			gesenkt.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Wechseln wir mal das Thema: 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">peter:</th>
<td>Wie schwer ist eigentlich die<br />
			Arbeit als Fraktionsvorsitzender? Immerhin müssen Sie die Fraktion bei<br />
			Abstimmungen zusammenhalten.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Nicht einfach. Aber macht Spaß.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">papst 34:</th>
<td>Wie sehen Sie die Arbeit der Fraktion bewertet? Geht<br />
			sie nicht bei einem solchen Kanzler ziemlich unter?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Nein. Wir arbeiten sehr gut zusammen, Gerd Schröder und ich haben<br />
			keinerlei Probleme. Die Fraktion hat eine Menge Initiativen in die<br />
			Regierungsarbiet eingebracht.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">lila:</th>
<td>Haben Sie überhaupt noch Zeit, sich um Ihren Wahlkreis zu<br />
			kümmern?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Nur am Wochenende, aber bisher habe ich noch keine Beschwerden aus dem<br />
			Wahlkreis erhalten.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Karl:</th>
<td>Hallo Herr Struck, schön, dass Sie dem Internet so eine<br />
			große Priorität einräumen, haben Sie denn eine eigene Homepage?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Ja, habe ich, muss grade mal überlegen, wie die Adresse<br />
			lautet&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td><a href="http://www.bundestag.de/mdbhome/strucpe0/" target="_new" rel="noopener noreferrer">www.bundestag.de/mdbhome/strucpe0/</a>
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">MrExplosion:</th>
<td>Verfolgen Sie die Debatte um e-Government? Was<br />
			denken Sie darüber?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Ja, bedingt. Ich verlasse mich auf den Sachverstand der<br />
			Experten.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Emil:</th>
<td>Was sind denn Ihre Lieblingsthemen? In welchen Ausschüssen<br />
			wären Sie gerne, wenn Sie nicht Fraktionschef wären?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Mein Lieblingsthema ist Motorradfahren. Dafür gibt es keinen<br />
			Ausschuss. Am liebsten wäre ich im Haushaltsausschuss.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Was würden Sie dann dort durchsetzen wollen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Sagen wir so, im Haushaltsausschuss war ich lange Jahre, dort werden<br />
			die wichtigen Entscheidungen getroffen. Ich würde gerne mehr Geld für<br />
			Energiesparprogramme und den Weg &quot;weg vom Öl&quot; einsetzen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">catwiesel:</th>
<td>Warum Atomausstieg, wenn unsere Nachbarn neue<br />
			Kernkraftwerke bauen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Die Entsorgung hochradioaktiven Abfalls ist ungelöst, deshalb müssen<br />
			wir raus aus der Kernenergie. Die anderen Staaten werden irgendwann<br />
			folgen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Drzewicki:</th>
<td>Sollte man nicht doch einen<br />
			festen Prozentsatz der Öko-Steuer für die Erforschung und Entwicklung von<br />
			alternativen Energien festschreiben?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Wir haben an anderen Stellen im Haushalt Mittel für die Erforschung<br />
			alternativer Energien bereitgestellt, vielleicht müssen wir dort noch<br />
			etwas erhöhen. Jetzt brauchen wir die Ökosteuer für die Rente.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">K.Hansen:</th>
<td>Wieso wird die Ökosteuer so schlecht verkauft?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Das hängt mit der emotionale Situation an den Tankstellen zusammen.<br />
			Die Situation wird sich beruhigen, wenn der Benzinpreis sinkt. Umfragen<br />
			zeigen, dass das Prinzip der Ökosteuer akzeptiert wird.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Boris:</th>
<td>Wird die Bundesregierung den Transrapid nun auch in<br />
			Deutschland fördern (nach China-Erfolg) oder bleibt rot-grün weiterhin<br />
			technikfeindlich?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Wie technikfeindlich?? Transrapid wird geprüft für die Strecke<br />
			München-Zentrum/Flughafen und für eine Strecke in NRW.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Strauch:</th>
<td>Wie unterstützt Deutschland die Entwicklung der<br />
			Wasserstoff- bzw. andere Energietechniken neben der<br />
			Ölwirtschaft?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Zu wenig. Die Produktreife der Wasserstoffautos scheint gegeben zu<br />
			sein, wir müssen uns darum intensiver kümmern.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Baumgarten:</th>
<td>Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, die<br />
			Spritpreise zu verringern?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Keine. die Spritpreise werden von den Konzernen gemacht, die sich an<br />
			den Förderkosten, Transportkosten und Gewinnen orientieren. 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Bierholz:</th>
<td>Wie stehen Sie zu der Einstellung der Grünen bzgl. der<br />
			Rentenpolitik?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Positiv. Wir sind mit den Grünen über die Rentenreform<br />
			einig.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Drzewicki:</th>
<td>Sollte man nicht doch einen festen Prozentsatz der<br />
			Öko-Steuer für alternative Energiegewinnung festlegen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Nein. Die alternative Energieförderung wird aus dem allgemeinen Haushalt und<br />
			nicht aus der Ökosteuer finanziert.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">inok:</th>
<td>Wie wollen Sie langfristig das Problem der erhöhten<br />
			Treibstoffkosten lösen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Nur durch Energie einsparen und durch andere Energiequellen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">g519589:</th>
<td>Was tun Sie für Ausbildungsplätze in Deutschland?<br />
			Stichwort Ausbildungsabgabe!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Das &quot;Jump-Programm&quot; hat viele zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen,<br />
			derzeit ist eine Ausbildungsplatzabgabe nicht erforderlich.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">K.Hansen:</th>
<td>Warum ist Bildung von Kindern ein Stiefkind bei uns<br />
			und wird mit PC-Kenntnissen verwechselt?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Schulen ans Netz ist natürlich wichtig. Ich sehe allerdings nicht,<br />
			dass in den übrigen Bereichen Bildung vernachlässigt wird. 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Eric:</th>
<td>Was halten Sie von der Internetsteuer?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Gar nichts.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Eitel:</th>
<td>Wäre es nicht interessant, wenn sich das Volk zu festen<br />
			Zeiten mit den jeweiligen Politikern unterhalten könnte?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Ja, immer zu. 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Könnten Sie da nicht eine Initiative starten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Schwierig. Das hängt von der Bereitschaft der Politiker ab, zu<br />
			chatten. Muss jeder selbst entscheiden. Auf den SPD-Sites werden ja auch<br />
			Chats mit Ministern angeboten, die SPD-Fraktion wird das auch bald<br />
			anbieten.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">G.Merzky:</th>
<td>Mich würde interessieren, warum bleiben e-Mails an den<br />
			Fraktionsvorsitzenden seit Juni 2000 unbeantwortet?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Wird mein Büro klären. Bitte melden Sie sich dort.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Hier werden Fußball-Fragen gefordert:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">nene:</th>
<td>Sind Sie ein Fußball-Fan?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Ja! Borussia Dortmund!!!!!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Antigone:</th>
<td>Was sagen Sie zu dem letzten Spiel gegen<br />
			Schalke?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Scheiße! 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Maje:</th>
<td>Ist Sammer für Borussia Dortmund der richtige Trainer? Wie<br />
			beurteilen Sie den Weggang von A.Möller zu Schalke?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Sammer ist genau der Richtige. A. Möller ist kein Verlust.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Maje:</th>
<td>Wer wird nächster Fußballmeister und warum?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Dortmund. Weil sie den nötigen langen Atem haben und Bayern nicht<br />
			Meister werden darf.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Noch drei Fragen, dann muss ich los.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Shuffle:</th>
<td>Wie sehen Sie die Chancen für die<br />
			Regierungskoalition, auch nach der nächsten Wahl an der Macht zu<br />
			bleiben?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Sehr gut. Wenn wir die Nerven behalten, und uns nicht<br />
			zerstreiten.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Kreon:</th>
<td>Reizt Sie auch mal eine andere Aufgabe als die des<br />
			Fraktionsvorsitzenden?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Neeee.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Letzte Frage: 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Stefan:</th>
<td>Wie haben Sie sich in Berlin eingelebt? Noch Wehmut nach Bonn?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>Gut eingelebt. Bonn vermisse ich manchmal, wenn ich im Stau stehe.<br />
			Sonst ist Berlin absolut o.k.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Im Namen von politik-digital und stern.de bedanken wir uns bei Ihnen,<br />
			Herr Struck, für diesen interessanten Chat. Wir bedanken uns auch bei den<br />
			Chattern für Ihre Geduld trotz der technischen Probleme.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Peter Struck:</th>
<td>An alle herzliche Grüße, wir wiederholen das noch mal ohne technische<br />
			Schwierigkeiten!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Das Transcript des Chats wird hier demnächst zu lesen<br />
			sein.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_peter_struck-486/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Weg mit der Surfsteuer!&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/weg_mit_der_surfsteuer-691/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nrieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Mehrwertsteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Joachim Otto]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/weg_mit_der_surfsteuer-691/</guid>

					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hü oder Hott Herr Eichel? Verwirrung und Unmut herrscht derzeit bei
Internetusern, Wirtschaft und Datenschützern, wenn es um das Thema Internetsteuer geht.
Nachdem die Diskussion seit dem letzten Sommer leiser
wurde, ist sie nun angesichts der Pläne des
Finanzministers Hans Eichel erneut aufgeflammt. Hans-Joachim Otto, Vorsitzender der F.D.P.- Kommissionen
Internet und Medien, will mit einer E-mail-Aktion gegen die Entwürfe zur
Gebührenpflicht im Internet vorgehen.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hü oder Hott Herr Eichel? Verwirrung und Unmut herrscht derzeit bei<br />
Internetusern, Wirtschaft und Datenschützern, wenn es um das Thema Internetsteuer geht.<br />
Nachdem die Diskussion seit dem letzten Sommer leiser<br />
wurde, ist sie nun angesichts der Pläne des<br />
Finanzministers Hans Eichel erneut aufgeflammt. Hans-Joachim Otto, Vorsitzender der F.D.P.- Kommissionen<br />
Internet und Medien, will mit einer E-mail-Aktion gegen die Entwürfe zur<br />
Gebührenpflicht im Internet vorgehen.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Bereits im vergangenen Jahr gab es eine <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/fdp_aktion.shtml"> Initiative</a> der<br />
FDP gegen die Pläne Eichels. Nun mobilisiert die FDP wieder Stimmen: gegen eine Steuer auf das Internet.<br />
Auf der Homepage der FDP gibt es die Vorlage einer Protest-E-mail, die Herrn Eichel zu einem Stopp seiner<br />
Pläne auffordert. Die <a href="http://www.fdp.de/fraktion/aktionen/" target="_new" rel="noopener noreferrer">Protestmailaktion</a> richtet<br />
sich gegen zwei zentrale Entwürfe des Finanzministers. Einerseits betrifft dies den Entwurf zur Einführung<br />
von Rundfunkgebühren für PCs mit der Möglichkeit des Hörfunk- und Fernsehempfgangs und andererseits<br />
der Erlass zur sogenannten &quot;Surfsteuer&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Rundfunkgebühr für PCs wurde bereits im Juni 1999 mit der Änderung des Rundfunkstaatsvertrages<br />
beschlossen, jedoch aufgrund von Bedenken der Länder bis 2003 ausgesetzt. Der<br />
Umkehrschluss impliziert, dass mit dem Aufschub die Einführung eigentlich schon festgelegt ist. Lutz<br />
Reulecke, Referent Neue Medien bei der FDP, erläuterte, dass bezüglich des Rundfunkempfangs eine klare<br />
Diffenenzierung vorgenommen werden müsse. Es sei selbstverständlich, dass auf PCs, die mittels einer<br />
TV-Karte Rundfunk empfangen, Gebühren erhoben würden. In geraumer Zeit jedoch wird es möglich sein, direkt<br />
über das Internet Fernsehen und Radio empfangen zu können. Damit wären die digitalen Angebote für jeden<br />
Internetsurfer zugänglich. Das rechtfertigt jedoch noch keine Gebührenverplichtung, da die Einspeisung ins<br />
Netz freiwillig erfolgt und auch nicht jeder User Rundfunkangebote nutzen wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Regelung zur &quot;Surfsteuer&quot;, die immer wieder,<br />
auch von Seiten des Finanzministeriums dementiert wurde, soll sie nun zum 1. Januar 2001 in Kraft treten.<br />
Das private Surfen am Arbeitsplatz soll dann ebenso wie das Telefonieren besteuert<br />
werden. Um die private und die dienstliche Nutzung von Internetseiten und -diensten auseinanderzuhalten,<br />
ist eine umfassende Protokollierung aller Online-Zugriffe des Arbeitnehmners nötig. Das wiederum bedeutet:<br />
eine umfassenden Kontrolle der Kommunikationsaktivitäten aller Mitarbeiter, auch wenn der Arbeitgeber das<br />
private Surfen grundsätzlich untersagt. Neben der Wirtschaft kritisieren auch Datenschützer und der Bund für<br />
Steuerzahler die geplante Besteuerung der privaten Internetnutzung am Arbeitsplatz.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Von der Protestaktion der FDP klar ausgenommen seien jedoch die Pläne der EU zu einer Harmonisierung<br />
der <a href="http://europa.eu.int/comm/taxation_customs/proposals/taxation/com349_2000/com2000_349de.pdf" target="_new" rel="noopener noreferrer"><br />
Mehrwertsteuerregeln</a> des Dienstleistungsverkehrs im Internet. Sie klärt die steuerrechtlichen<br />
Verhältnisse für das Online-Geschäft. Diese Regulierungen seien notwendig, um einen fairen Wettbewerb<br />
garantieren zu können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auf einer Pressekonferenz betonte die FDP ihren Anspruch als &quot; Partei der Generation @&quot; .<br />
Zusätzlich zur Mail-Aktion wurde eine FDP-Internet-Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich für<br />
die privaten, als auch die kommerziellen Internet-Nutzer gleichermaßen einsetzten will.<br />
Der Arbeitsgruppe gehören derzeit an: Hans-Joachim Otto (FDP), Dr. Günther Rexrodt (FDP),<br />
Dr.Jorgo Chatzimarkakis (FDP, Sandra von Münster (FDP), Dr. Stefan Grüll (FDP),<br />
Alexander Graf Lambsdorf (FDP, Dr. Detlef Eckert (EU-GD Informationsgesellschaft),<br />
Uwe Evers (Universum Verlag), Felix Frohn-Bernau (Dooyoo.de), Bernd Harder,<br />
Dr. Detlev Krüger (Pixelpark AG), Marcel Reichart (Venturepark AG), Karsten Schneider (Intershop AG),<br />
Dr. Florian Schultz (Allmaxx AG) und Dr. Loretta Würtenberger (webmiles.de).<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Otto sprach sich dafür aus, die größtmögliche Freiheit des<br />
Internet von staatlichen Eingriffen zu bewahren.<br />
Die bürokratische Distanz zwischen Bürgern und der öffentlichen<br />
Verwaltung müsse verringert werden, indem Bürgerdienstleistungen zunehmend über das<br />
Internet angeboten werden.<br />
Gleichzeitig forderte Otto die Verhinderung des von der<br />
Bundesregierung geplanten Zwangs-Urheberschutzes im Internet. Mit der beabsichtigten<br />
Novellierung des Urheberschutzrechtes würden viele Marketingkonzepte vereitelt, da sie<br />
es unmöglich mache kostenlose Software zum Download über das Netz anzubieten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">politik-digital sprach mit dem Initiator Hans-Joachim Otto, MdB, Vorsitzender der FDP-Internetkommission.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Herr Otto, warum haben Sie sich zu diesem Zeitpunkt entschlossen,<br />
eine Aktion gegen die Internetsteuer zu starten? Braucht Herr Eichel<br />
angesichts der Versteigerungspreise für die UMTS-Lizenzen nun kein Geld<br />
mehr in seiner Kasse?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hans-Joachim Otto:</b> Wir haben die Aktion gestartet, weil Bundesfinanzminister Eichel vor zwei Tagen bekannt gegeben hat, dass er<br />
trotz starker Kritik an der Surfsteuer festhalten will.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> In welchen Bereichen soll eine geplante Internet-Steuer greifen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hans-Joachim Otto:</b> Die Frage bitte ich an Herrn Eichel zu richten, denn er will das Internet mit ständig neuen Steuern belasten. Herr<br />
Eichel hat sich dafür ausgesprochen, die Privatnutzung des Internet am Arbeitsplatz als sogenannten<br />
&quot;geldwerten Vorteil&quot; der Lohnsteuer zu unterwerfen. Zum anderen befürwortet Herr Eichel, die internetfähigen<br />
PC ab 2004 mit Rundfunkgebühren zu belegen. Und schließlich will er digitale Dienstleistungen europaweit mit<br />
Mehrwertsteuer belasten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Welche Punkte sprechen Ihrer Auffassung nach gegen eine solche<br />
Steuer?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hans-Joachim Otto:</b> Alle neuen Steuern und Gebühren sind kontraproduktiv für die rasche Verbreitung des Internet in Deutschland.<br />
Die Politik muss Anreize für eine stärkere Nutzung des Internet setzen statt die User abzuzocken. Die geplante<br />
Surfsteuer würde zudem eine gigantische Bürokratie heraufbeschwören, weil jedes Unternehmen ein<br />
&quot;Surfbuch&quot; führen müsste, um sämtliche privaten Ausflüge seiner Mitarbeiter ins Internet aufzuzeichnen und zu<br />
dokumentieren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Könnte eine Internetsteuer sinnvoll werden, wenn das Netz stärker an<br />
die Stelle der herkömmlichen Medien Fernsehen und Radio tritt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hans-Joachim Otto:</b> Niemand zwingt ARD und ZDF, ihre Programme ins Netz zu stellen. Ich halte es für inakzeptabel, jeden<br />
internetfähigen Arbeitsplatz der Rundfunkgebührenpflicht in Höhe von künftig über DM 400,00 pro Jahr zu<br />
unterwerfen, nur weil dort neben Millionen anderer Netzangebote auch ARD und ZDF ihre öffentlich-rechtlichen<br />
Programme ins Netz gestellt haben. Die PC werden auf absehbare Zeit nicht primär als<br />
Rundfunkempfangsgeräte genutzt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Tatsache ist ja, dass manches e-commerce Unternehmen die<br />
Mehrwertsteuer umgeht, indem im Ausland abgerechnet wird. Sollten da<br />
nicht ein Riegel vorgeschoben werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hans-Joachim Otto:</b> Im Bereich e-commerce gibt es einen scharfen weltweiten Wettbewerb. In diesem globalen Wettbewerb dürfen<br />
die europäischen Unternehmen nicht gegenüber US-amerikanischen benachteiligt werden. Dies gilt auch<br />
hinsichtlich der Mehrwertsteuer. Ich plädiere daher für eine pragmatische Lösung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Welchen Erfolg versprechen Sie sich von Ihrer Internetaktion? Gehen<br />
Sie auch auf analogem Wege gegen die Steuerpläne vor?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hans-Joachim Otto:</b> Der Widerstand gegen Eichels Steuerpläne schwillt an. Wir sehen deshalb wachsende Chancen für unsere<br />
Initiative und werden mit Nachdruck gegen seine weltfremden Pläne auch auf analogem Wege und<br />
selbstverständlich auch im Deutschen Bundestag vorgehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Sie haben vor einer Weile schon einmal eine ähnliche Aktion zum Thema<br />
&quot;Flatrates&quot; gestartet. War diese Aktion so erfolgreich, dass Sie die Vorgehensweise überzeugt hat?<br />
Die Flatrate hat sich schliesslich noch nicht durchstetzen könnnen.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hans-Joachim Otto:</b>Unsere bisherige Netzkampagnien waren alle sehr erfolgreich und haben unbestreitbar Wirkung erzielt. Wir<br />
sind davon überzeugt, mit dazu beigetragen zu haben, dass immer mehr Provider Flatrates anbieten. Für<br />
Reformen braucht man einen langen Atem. Wir bleiben deshalb am Ball (und im Netz), um die<br />
Rahmenbedingungen für das Internet in Deutschland nachhaltig zu verbessern.</span></p>
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