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	<title>Steuerrecht &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Steuerrecht &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Steuer, Bürokratie und EU</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Jun 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Heinz Däke]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Karl Heinz Däke<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->10.06.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Karl Heinz Däke<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->10.06.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> <!-- #EndEditable --> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Moderator: Liebe Steuerzahlende<br />
und nicht Steuerzahlende Politik-Interessierte, herzlich willkommen<br />
im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de<br />
und von sueddeutsche.de. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße<br />
ich heute Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler. </p>
<p><b>Moderator:</b> Kann es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Es kann losgehen,</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/khdaeke.jpg" align="left" height="153" width="180" />Damokles:</b><br />
Wo muss der Steuerabbau angesetzt werden? Bei uns in Deutschland? Oder<br />
müssen wir nicht weiter gehen und auch in der EU Steuerabbau betreiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Es gibt gerade bei den neuen Beitrittsländern der EU, die wesentlich<br />
geringere Steuersätze haben als wir in Deutschland, z.B. in Estland<br />
und Lettland. Daran müssen wir uns in Zukunft orientieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hydra:</b> Das<br />
Wehklagen über den Fall Vodafone sagt weniger über das britische<br />
Unternehmen aus, als über viele deutsche Politiker. Sie kennen<br />
die eigenen Gesetze nicht, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Sie haben Recht. Diejenigen, die heute schreien, &quot;Haltet den Dieb!&quot;,<br />
sind diejenigen, die die Gesetze beschlossen haben, die Vodafone in<br />
Anspruch nimmt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Beckham:</b><br />
Wer trägt in der causa Vodafone die politische Verantwortung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die politische Verantwortung tragen Bundestag und Bundesrat, denn dort<br />
sind die Gesetze beraten und beschlossen worden. Insgesamt herrscht<br />
aber gerade auf dem Gebiet der Unternehmensbesteuerung seit 2000 ein<br />
heilloses Durcheinander. Fast in jedem Jahr kam es zu Gesetzesänderungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Treudumm:</b><br />
Nutzen weitere Konzerne Abschreibungen auf den Wert von Tochterfirmen<br />
dazu, um ihre Steuerlast zu mindern? Kennen sie weitere?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die Teilwertabschreibungen werden von vielen Unternehmen und Konzernen<br />
in Anspruch genommen und zwar immer dann, wenn es heftige Kursverluste<br />
gegeben hat. Unser Steuerrecht sieht nun einmal vor, dass dann, wenn<br />
der bilanzierte Wert eines Wirtschaftsgutes über längere Zeit<br />
hinter dem aktuellen Marktwert zurückbleibt, der dann angepasst<br />
werden muss. Firmen wie Eon und Telekom haben es genauso getan wie Vodafone,<br />
nur nicht in der Höhe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Teilweise bereits beantwortet, dennoch:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Robert_T:</b><br />
In NRW hätten die Finanzämter alleine dem Telekom-Konzern<br />
für das Jahr 2002 unterm Strich 2,847 Milliarden Euro Körperschafts-<br />
und Gewerbeertragssteuern erstattet, lese ich. Stimmt das und was sagen<br />
sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Das ist möglich, dass Sie das gelesen haben und es ist auch möglich,<br />
dass es zu diesen Erstattungen gekommen ist. Ich persönlich weiß<br />
davon nichts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der CDU-Vizevorsitzende Christoph Böhr hat in Sachen Vodafone erklärt,<br />
wenn es eine Möglichkeit für eine rückwirkende Änderung<br />
des Steuerrechts gebe, solle man das tun. Guter Vorschlag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Vor einer rückwirkenden Änderung des Steuerrechts kann ich<br />
nur warnen. Zurzeit werden von den Finanzgerichten rückwirkende<br />
Steuergesetze bereits für verfassungswidrig gehalten und dem Bundesverfassungsgericht<br />
zur Entscheidung vorgelegt. Eine &quot;Lex Vodafone&quot; darf es nicht<br />
geben, auch wenn auf den ersten Blick vieles dafür spricht, ein<br />
solches Gesetz zu fordern. Besser wäre es, das Steuerrecht grundlegend<br />
zu reformieren, dass heißt, zu vereinfachen und die Steuersätze<br />
zu senken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>petraB:</b> Hat<br />
Vodafone bereits nach heute geltendem Recht Missbrauch steuerlicher<br />
Gestaltungsmöglichkeiten begangen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Nein, auch nach heutigem Recht nicht. Zwar ist das Steuerrecht in den<br />
letzten Jahren geändert worden, z. B. bei den Teilwertabschreibungen<br />
und bei der Mindestbesteuerung, aber Vodafone hätte sich wahrscheinlich<br />
heute nach dem heute geltenden Recht gerichtet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Blocky:</b> Jahrelang<br />
haben sowohl Union als auch FDP jede Beschränkung der steuerlichen<br />
Gestaltungsmöglichkeiten der Firmen als verkappte Steuererhöhung<br />
oder Standortbeschädigung diffamiert und blockiert. Jetzt wird<br />
gefordert &#8211; erkennen sie da eine klare Linie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Nein, ich erkenne keine klare Linie. In Zukunft sollten solche scheinheiligen<br />
Debatten vermieden werden. Nachtrag zu Vodafone: Zahlreiche Vorschläge<br />
zur Gewinnermittlung und Teilwertabschreibung sind in der Vergangenheit<br />
geändert worden, um steuerlichen Missbrauch einzudämmen. Bei<br />
der ganzen Debatte muss man aber auch bedenken, dass bei Kursgewinnen<br />
die Unternehmen höhere Steuern zahlen müssen. Wer also fordert,<br />
dass Kursverluste nicht mehr von den Unternehmensgewinnen abgezogen<br />
werden dürfen, muss auch zulassen, dass Kursgewinne nicht der Besteuerung<br />
unterliegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zweimal zur Unionslinie:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Burger:</b> Ist<br />
die Linie der Union unklar, wo doch Merz einen Vorschlag gemacht hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Steuermann:</b><br />
Wie beurteilen Sie die Ernsthaftigkeit der Steuerreformpläne der<br />
Union? Auf der einen Seite fordert Sie &#8211; wie jeder &#8211; Steuervereinfachung<br />
und den Abbau von Steuervergünstigungen. Auf der anderen Seite<br />
setzt sie sich für die Beibehaltung der Privilegien für Lebensversicherungen<br />
ein und sorgt mit dem erzielten Kompromiss für eine weitere Komplizierung<br />
des Steuerrechts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Leider sind die Steuerreformvorschläge der Union zurzeit wieder<br />
in die Schubladen gewandert. Das muss aber nicht heißen, dass<br />
die Diskussion demnächst nicht wieder angeschoben wird, z.B. vom<br />
Bund der Steuerzahler. Bei dem Stichwort Steuervereinfachung darf man<br />
nicht übersehen, dass es einige Vorschriften weiterhin im Steuerrecht<br />
geben muss, die einer gerechten, dem Leistungsfähigkeitsprinzip<br />
folgender Besteuerung, Rechnung tragen müssen. Erträge aus<br />
Lebensversicherungen unterliegen über einen Zeitraum von 12 Jahren<br />
der Geldentwertung. Deshalb dürfen sie auch nicht in voller Höhe<br />
besteuert werden. Ähnlich verhält es sich auch bei Zinseinkünften,<br />
z.B. aus Sparvermögen. Der Vorschlag von Minister Clement, den<br />
Sparerfreibetrag abzuschaffen war deshalb &quot;voll daneben&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Es<br />
gibt eine ganz Reihe von Vorschlägen für eine große<br />
Steuerreform. Die meisten erweisen sich als nicht richtig durchdacht.<br />
Den Bierdeckel-Vorschlag von Friedrich Merz haben die Länderfinanzminister<br />
über alle Parteigrenzen hinweg als nicht finanzierbar verworfen.<br />
Zu groß wären die Steuerausfälle für den Bund.<br />
Wie weit kann denn eine Steuerreform reichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Eine große Steuerreform muss drei Voraussetzungen erfüllen:<br />
sie muss das Steuerrecht vereinfachen, sie muss für niedrige Steuersätze<br />
und für mehr Gerechtigkeit sorgen. Eine Steuerreform ohne zusätzliche<br />
Entlastung der Steuerzahler bei weitgehender Vereinfachung wird keine<br />
Akzeptanz finden. Wir brauchen einen Eingangssteuersatz mit 15 Prozent<br />
und einen Spitzensteuersatz von 35 Prozent, der aber bei einem Ledigen<br />
erst ab 60.000 Euro zu versteuernden Einkommen wirksam wird. Bei diesem<br />
Tarif, einem linear progressiv Tarif, wird es für alle Steuerzahler<br />
zu Entlastungen von insgesamt 48 Milliarden Euro Brutto kommen. Davon<br />
werden 10 Milliarden Euro durch die Streichung von Steuervergünstigungen<br />
erzielt, 14 bis 15 Milliarden Euro durch zu erwartende Mehreinnahmen<br />
in Folge erhöhten Wachstums. 8 Mrd. sind bereits vorfinanziert<br />
durch das Streichen von Steuervergünstigungen im Jahr 2004. Der<br />
dann noch offene Finanzierungsbetrag kann nur durch Kürzungen und<br />
Ausgabenbegrenzungen auf allen Ebenen gegenfinanziert werden. Jeder<br />
der glaubt, eine Steuersenkung ließe sich ohne die Kürzung<br />
der öffentlichen Ausgaben völlig finanzieren, irrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Die<br />
Frage nach der Zeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>werter: </b>Wo<br />
bleibt denn die Steuerreform? Was glauben sie, wie lange das dauert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Wir brauchen so schnell wie möglich eine umfassende Steuerreform.<br />
Voraussetzung dafür ist aber, dass sich Bundestag und Bundesrat<br />
in dieser Frage einig sind. Das sehe ich zurzeit leider nicht. Realistisch<br />
gesehen kann es erst 2007 zu einer umfassenden Steuerreform kommen,<br />
also nach der nächsten Bundestagswahl.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ThomasM2:</b><br />
Als Besserverdienender bezahle ich mittlerweile 5 mal(!) mehr Steuern<br />
als meine Frau, welche die Hälfte von dem verdient, was ich verdiene.<br />
Wird das nach der Steuerreform noch schlimmer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Haben Sie da wirklich richtig gerechnet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Aktuell, weil am Sonntag ist ja Europawahl:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Delphi: </b>Ist<br />
Bürokratie nicht eine Hydra? Wenn wir in Deutschland Bürokratie<br />
abbauen, wächst sie doppelt so schnell in Brüssel. Was kann<br />
der EU-Bürger gegen diesen Irrsinn tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Er kann von den Politiker und den Eurokraten fordern, dass nicht alles<br />
per EU-Verordnung geregelt wird, wie z.B. der Krümmungsgrad einer<br />
Banane oder der Zuckergehalt von Bonbons. Auf der anderen Seite müssen<br />
sich auch die Bürger davor hüten, von der Politik nicht für<br />
alles, was nicht geregelt ist, Gesetze und Verordnungen zu fordern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zeus: </b>Seit<br />
Jahren schreibt sich die Bundesregierung den Abbau bürokratischer<br />
Hindernisse auf die Fahnen. Wo sind die Ergebnisse? Sehen sie welche?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Nein. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Metam:</b> Wo<br />
liegen die größten Einsparpotentiale in der staatlichen Bürokratie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die größten Einsparpotentiale liegen eindeutig beim Personal<br />
und dort wiederum, so hart es auch klingen mag, in den neuen Bundesländern.<br />
So hat der Bund der Steuerzahler schon seit längerem die jährliche<br />
Verringerung des Personalbestandes um 1 Prozent gefordert und strenge<br />
Zurückhaltung bei Besoldungs- und Tarifsanpassungen. Eine verstärkte<br />
Leistungsorientierung der Besoldung, verstärkte Eindämmungen<br />
von Frühpensionierungen, schrittweise Abbau von Sonderzuwendungen<br />
(13. Monatspension) und Absenkung des Versorgungsniveaus für Beamte<br />
sowie in der Zusatzversorgung der Angestellten und Arbeiter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chapui:</b> Auch<br />
Kürzungen der Ost-Förderung? Weil Subvention?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die Subventionsgewährung in den neuen Bundesländern darf in<br />
Zukunft nur noch ganz gezielt sein. Eine Sonderwirtschaftszone Ost,<br />
z.B. mit Sondersteuervergünstigungen, ist ebenfalls verfehlt. Helfen<br />
kann der Wirtschaft die Weitergewährung von Investitionszulagen,<br />
aber nur unter der Voraussetzung, dass neue Arbeitsplätze geschaffen<br />
werden und nicht gleichzeitig an anderer Stelle Arbeitsplätze abgebaut<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bszirske:</b><br />
Werden Ihnen da nicht die Gewerkschaften ins Gesicht springen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Das haben sie bereits getan.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nero:</b> Brauchen<br />
wir nicht gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Depression große<br />
staatliche Maßnahmen, um die Wirtschaft zu beleben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Wenn Sie unter staatlichen Maßnahmen eine noch höhere Neuverschuldung<br />
verstehen, dann sage ich eindeutig: Nein. Wir brauchen eine umfassende<br />
Steuer- und Abgabenentlastung und mehr Zutrauen in uns selber. Immerhin<br />
ist Deutschland noch die größte Exportnation der Welt. Was<br />
wir da schaffen, müsste auch nach innen möglich sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Eine<br />
Steuer- und Abgabenentlastung kosten den armen Finanzminister Hans Eichel<br />
aber noch mehr Geld. Dann reißt Deutschland wieder das 3-Prozent-Kriterium<br />
des EU-Stabilitätspaktes. Sollen wir das in Kauf nehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:<br />
</b>Nein, das müssen wir nicht in Kauf nehmen. Nach wie vor nimmt<br />
der Staat, also Bund, Länder und Gemeinden, nicht zu wenig ein,<br />
er gibt zu viel aus. Bedenken Sie bitte auch, dass nach der neuesten<br />
Steuerschätzung zwischen 2004 und 2007 das Steueraufkommen &#8211; und<br />
jetzt halten Sie sich fest &#8211; nicht sinken, sondern um 50 Milliarden<br />
Euro ansteigen wird. Unter dieser Voraussetzung und weiteren Einsparungen<br />
bei Bund, Länder und Gemeinden ist eine große Steuerreform<br />
finanzierbar, ohne dass Herr Eichel mit einem weiteren blauen Brief<br />
aus Brüssel rechnen muss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Kommentar<br />
von: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rummenigge:</b><br />
Sollten wir uns nicht einmal an die Reagan’sche Steuerreform erinnern?<br />
Ein voller Erfolg: Wegfall aller Subventionen und einem Spitzensteuersatz<br />
von 28 Prozent!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Die Reagen&#8217;sche Steuerreform ist auch heute noch Vorbild für die<br />
Diskussion in Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sommerwind: </b>Zur<br />
Steuerreform: Ist es ihr Ziel, möglichst alle Ausnahmen zu beseitigen<br />
und dementsprechend die Steuersätze zu senken? Dann wären<br />
sie ja ein Liberaler?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Ich bin dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger ihr Steuerrecht<br />
verstehen, ihre Steuererklärung so einfach wie möglich ist<br />
und sie vor allem nur die Steuern bezahlen müssen, die dem Staat<br />
auch wirklich zustehen. Wenn Sie das als liberal bezeichnen, warum nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nordländer:<br />
</b>Sie sprechen von radikalen Veränderungen im Steuerrecht, welche<br />
erst nach der nächsten Bundestagswahl durchführbar erscheinen.<br />
Doch wird eine neue Bundesregierung wirklich die Kraft besitzen, sich<br />
gegen die Übermacht der Lobbyisten (Gewerkschaften, Unternehmerverbände,<br />
u.ä.) mit Subventionsstreichungen durchzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Auch die Lobbyisten müssen erkennen, dass man nicht beides haben<br />
kann: Niedrige Steuersätze und Steuervergünstigungen und Steuersubventionen.<br />
Aber ich bin doch zuversichtlich, dass diese Einsicht bei allen einkehrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Salinga: </b>Wird<br />
der Bund und werden die Länder überhaupt in der Lage sein,<br />
ihre Schulden ohne eine mittel- bis langfristig höhere Steuerbelastung<br />
der Bürger abbauen zu können? Droht nicht sonst irgendwann<br />
der Kollaps (oder der gesellschaftliche Unfrieden, weil der Staat nicht<br />
mehr in der Lage ist, soziale Leistungen zu erbringen, die eine Gesellschaft<br />
stabilisieren?)</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Vorrangiges Ziel muss es zunächst sein, die Neuverschuldung auf<br />
Null zu reduzieren. Der Staat wird auch weiterhin soziale Leistungen<br />
erbringen können, aber es fragt sich, ob das überhaupt in<br />
dem Maße notwendig ist wie heute. Selbst der Bundesfinanzminister<br />
hat ja festgestellt, dass wir über unsere Verhältnisse leben.<br />
Ein Nachtrag: Jährlich werden nach unserer Schätzung 30 Milliarden<br />
Euro an Steuergeldern zum Fenster hinausgeworfen. Würde der Staat<br />
absolut sparsam und wirtschaftlich mit unseren Steuergeldern umgehen,<br />
hätten wir weniger Sorgen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Wie<br />
bereits gesagt, Sie sind ja nicht nur &quot;zuständig&quot; für<br />
Steuern und Steuerreformen, sondern auch für die Verschwendung<br />
von Steuern:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bmilrer</b>:<br />
Thema Verschwendung: Maut-Pleite und Hartz-Verzögerungen, die viel<br />
Geld kosten. Hat die Verschwendung zugenommen? Besonders bei Großprojekten,<br />
wie die Jobbörse des Bundesarbeitsministeriums?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
In der letzten Zeit ist in der Tat eine größere Anzahl von<br />
Verschwendungsfällen bekannt geworden, die es in dem Ausmaß<br />
und in der Häufigkeit früher nicht gegeben hat. Denken Sie<br />
z.B. auch an den Lausitzring, die Chipfabrik in Frankfurt/Oder oder<br />
den Cargolifter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Damit ist unsere Chat-Stunde vorbei, vielen Dank für die zahlreichen<br />
Fragen. Herzlichen Dank, Herr Däke, dass Sie zu uns gekommen sind.<br />
Das Transkript dieses Chats finden Sie wie alle anderen auch auf den<br />
Seiten der Veranstalter. Der nächste Chat findet am Dienstag, 15.<br />
Juni um 12.00 Uhr statt. Chat-Gast ist dann der ARD-Korrespondent in<br />
Kairo, Reinhard Baumgarten. Reinhard Baumgarten ist Experte für<br />
die Region, vor allem auch für den Sudan und Saudi-Arabien, die<br />
zuletzt besuchte. Das tacheles.02-Team wünscht allen Beteiligten<br />
einen schönen Tag. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl Heinz Däke:</b><br />
Vielen Dank für die vielen interessanten Fragen. Mich erreichen<br />
Sie unter info@steuerzahler.de.</span></p>
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		<title>&#8220;Die Welt wird immer komplizierter, deswegen muss das Recht immer einfacher werden.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Kirchhof]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pkirchhof%20copy.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="left" border="0" height="116" width="82" /> 
</b> <b><span style="color: #000000">Der Experte für radikale Steuerreformen, 
Professor an der Universität Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Paul Kirchhof ist am 9. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pkirchhof%20copy.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="left" border="0" height="116" width="82" /><br />
</b> <b><span style="color: #000000">Der Experte für radikale Steuerreformen,<br />
Professor an der Universität Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Paul Kirchhof ist am 9. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe SteuerzahlerInnen und Chat-Interessierte, herzlich willkommen im<br />
tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de und<br />
von sueddeutsche.de. Heute ist Paul Kirchhof ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen, Experte für radikale Steuerreformen, Professor an der Universität<br />
Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter. Können wir beginnen, Herr Kirchhof?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof:</b><br />
Jawohl</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M</b>.:<br />
Die Deutschen schaffen es nicht einmal kleine Reformen in Gang zu bringen<br />
&#8211; warum sollte dann eine große Steuerreform funktionieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Deutschen haben vor 15 Jahren eine große Reform geschafft. Bei<br />
der Wiedervereinigung Deutschlands hat die Welt den Atem angehalten, weil<br />
es uns gelungen ist, zwei Staaten friedlich wieder zu vereinen. Seitdem<br />
sind wir etwas erschöpft, aber inzwischen haben wir uns erholt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julious Knaak</b>:<br />
Lässt sich diese Mega-Aufgabe überhaupt in einem einzigen großen<br />
Schritt umsetzen, oder geht das nur langfristig über viele einzelne<br />
Phasen? Werden die Menschen von so vielen Reformen nicht überfordert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ich meine, wir sollten es &#8211; was die Steuerreform angeht &#8211; in einem großen<br />
Schritt tun, weil vor allem die Fülle von Subventions- und Ausnahmeregelungen<br />
abzubauen ist. Wer heute ein Steuerprivileg genießen kann, wird<br />
den Verlust dieses Privilegs nur hinnehmen, wenn er sicher ist, dass alle<br />
anderen ihre Privilegien auch hergeben müssen und das durch Subventionsabbau<br />
erreichbare Mehraufkommen an Steuererträgen insgesamt durch Absenkung<br />
der Steuersätze an die Allgemeinheit der Steuerpflichtigen zurückgegeben<br />
wird. Er verliert also sein Privileg, ist aber durch den niedrigeren Steuersatz<br />
begünstigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logopäde</b>:<br />
Steuerprivilegien: Politiker setzen auf Rasenmäherkürzungen,<br />
da sie nicht glauben, einzelne Subventionen gegen die Lobbys abschaffen<br />
zu können. Ein gangbarer Weg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Der sukzessive Abbau von Steuervergünstigungen wäre die zweitbeste<br />
Lösung, weil er zwar den Einstieg in ein vereinfachteres und privilegienfeindliches<br />
Steuerrecht bietet, der Vereinfachungseffekt aber gegenwärtig noch<br />
nicht spürbar ist, weil wir noch alle Ausnahmetatbestände weiterhin<br />
anwenden müssen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>spd_leipzig</b>:<br />
Das Steuersystem in Deutschland ist zwar kompliziert, aber dafür<br />
gerecht &#8211; sehen Sie das nicht auch so? Die vielen Ausnahmen sind ja nicht<br />
über Nacht entstanden, sondern entwuchsen einer langen Rechtstradition.<br />
Jede Ausnahme konnte ja auch zum Zeitpunkt der Entstehung mal begründet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ich halte das Gegenteil für richtig. Jede Ausnahme ist grundsätzlich<br />
ein Privileg. Der verfassungsmäßige Gleichheitssatz wehrt sich<br />
gegen Sondertatbestände und Bevorzugungen, wenn der eine Steuerpflichtige<br />
in einem Ausnahmetatbestand weniger Steuern zahlen muss, hat dafür<br />
der andere entsprechend mehr zu bezahlen. Das ist ungerecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt bei Ihrem Modell: Keinerlei Ausnahmen, keine Eigenheimzulage,<br />
keine Pendlerpauschale etc?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Keine Ausnahmen keine Eigenheimzulage keine Pendlerpauschale, aber der<br />
Steuerpflichtige wird dadurch nicht schlechter gestellt, weil die Steuersätze<br />
entsprechend dem Subventionsabbau verringert werden. Ihn trifft also grundsätzlich<br />
die gleiche Steuerlast, unabhängig davon, ob er ein Haus baut, ob<br />
er pendelt oder in der Nacht arbeitet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M</b>.:<br />
Die Welt wird immer komplizierter – da brauchen wir auch komplexe<br />
Steuergesetze. Wird ein einfaches Steuerrecht einer differenzierten sozialen<br />
Wirklichkeit gerecht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Welt wird immer komplizierter, deswegen muss das Recht immer einfacher<br />
werden. Je mehr Einzeltatbestände das Gesetz regelt, desto mehr kann<br />
der Steuerpflichtige diesem Einzeltatbestand durch Steuergestaltung ausweichen.<br />
Der Bürger gewinnt dann nicht das Gefühl, dass er Steuern zahlen<br />
muss, da er wirtschaftlich erfolgreich war, sonder dass er Steuern zahlen<br />
muss, da er sich steuertaktisch ungeschickt verhalten habe. Zu dem Ärger<br />
der Steuerzahlung tritt ein intellektueller Selbstvorwurf. Das ist unerträglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich glaube wir brauchen hier ein wenig Erklärung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dk_man23</b>:<br />
Sie sprechen von Einzeltatbeständen &#8211; sehen Sie Steuerpflichtige<br />
als Verbrecher?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Tatbestand ist die gesetzliche Bezeichnung für den Grund, weswegen<br />
ein Steuerpflichtiger belastet wird. Ein Tatbestand ist das Einkommen,<br />
ein weiterer der Umsatz, ein weiterer die Erbschaft. Das alles sind schöne<br />
wirtschaftliche Erfolge &#8211; nicht vorwerfbare Verhalte.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zur Frage der Gerechtigkeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>glucomat</b>:<br />
Aber es gibt doch auch wirklich benachteiligte Steuerzahler, zum Beispiel<br />
Pendler oder Familien oder Kranke etc.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir werden bei der großen Steuerreform mit großer Deutlichkeit<br />
die besonderen Bedürfnisse der Familien zu berücksichtigen haben.<br />
Das Familienrecht verpflichtet die Eltern, ihre Kinder aus ihrem Einkommen<br />
zu unterhalten. Deswegen können die Eltern über diesen Anteil<br />
des Einkommens, der den Kindern gehört, nicht verfügen &#8211; auch<br />
nicht für Zwecke der Steuerzahlung verfügen. Dieser Einkommensteil<br />
darf deshalb bei der Besteuerung der Eltern nicht belastet werden. Das<br />
ist heute im Kinderfreibetrag grundsätzlich anerkannt, das Problem<br />
ist die Höhe dieser Freibeträge. Es genügt heute nicht<br />
mehr, dass das Kind ernährt und bekleidet wird, es will auch in einem<br />
Verein Sport treiben, ein Musikinstrument lernen, Fremdsprachen in Auslandsreisen<br />
erproben, seine Fertigkeiten an modernen Computern verbessern. All das<br />
kostet das Geld der Eltern. Deswegen müssen wir die Kinderfreibeträge<br />
deutlich erhöhen. Noch besser wäre es, den Eltern ein angemessen<br />
hohes Kindergeld zu bezahlen, weil die Steuerentlastung für die Familien<br />
mit geringen Einkommen kaum wirkt, denn diese zahlen sowieso keine Einkommenssteuer,<br />
benötigen aber die Unterstützung für ihre Kinder am dringendsten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Fragen zum Problem Durchsetzbarkeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logopäde</b>:<br />
Das von Ihnen vorgeschlagene Konzept bekommen Sie nie durch. Auch nicht<br />
bei einer anderen Regierungsmehrheit. Sie kennen doch die Realpolitik<br />
&#8211; warum machen Sie dann so einen Vorschlag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>andreas singer</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Prof. Kirchhof, wie groß ist Ihrer Meinung nach<br />
die Chance, dass sich die Politik gegen die Lobbygruppen durchsetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Singer setzt also schon voraus, dass die Politik Ihr Konzept will.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Bereitschaft zur Reform in Deutschland hat sich in den letzten drei<br />
Jahren grundlegend verändert. Während anfangs auch ein kleiner<br />
Reformvorschlag meist auf prinzipielle Ablehnung gestoßen ist, besinnen<br />
sich heute die Abgeordneten und die politischen Parteien im Bundestag<br />
auf ihre Kernaufgabe, dem Menschen das einfache und maßvolle Steuerrecht<br />
zu garantieren. Die parlamentarische Demokratie ist in Deutschland erkämpft<br />
worden, damit der Steuerzahler selbst &#8211; repräsentiert durch seine<br />
Abgeordnete &#8211; über die Steuerlast entscheide und schon durch dieses<br />
Verfahren der Selbstentscheidung, die gleichmäßige und maßvolle<br />
Steuerlast gewährleistet sei. Dieser demokratische Ursprungsgedanke<br />
bleibt so faszinierend, dass er dem Parlament von heute die Kraft zu einer<br />
Grundsatzerneuerung vermittelt.<br />
Dies wird gegenwärtig glücklicherweise auch von vielen Interessengruppen<br />
so gesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pauliensche</b>:<br />
Wie könnte man denn Unterstützung für Ihren Vorschlag organisieren?<br />
Es gibt da ja sehr gegensätzliche Interessen der Interessensvertreter<br />
und Lobbys&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Reform wird davon abhängen, wie groß die Reformbereitschaft<br />
der Abgeordneten im deutschen Bundestag und der Landesregierungen im deutschen<br />
Bundesrat ist. Deswegen sollte jeder Reformwillige, diesen politischen<br />
Verantwortungsträgern bewusst machen, wie hoch seine Reformerwartungen<br />
sind und wie groß seine Enttäuschung bei einem Scheitern der<br />
Reformvorhaben sein wird.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof2.jpg" alt="Der &quot;Chatroom&quot; im ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Siedler</b>:<br />
Wie realistisch ist eigentlich ein radikal vereinfachtes Steuerrecht,<br />
wenn man die notwendigen Übergangsregeln einbezieht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Der Übergang vom alten zum neuen Recht ist ein schwieriges Problem,<br />
das große juristisch handwerkliche Anstrengungen verlangt. Der Bürger<br />
vertraut auf das ihm bisher vertraute Gesetz, hat seine Dispositionen<br />
etwa bei der Altersvorsorge oder bei einer Betriebsgründung auf das<br />
geltende Steuerrecht eingerichtet. In diesem Vertrauen ist er auch von<br />
Verfassungswegen schutzwürdig. Deswegen muss die Reform der Einkommensbesteuerung<br />
durch ein Einführungsgesetz ergänzt werden, das schonende Übergänge<br />
vom alten zum neuen Recht regelt. Ein solches Gesetz ist machbar. Auch<br />
hier werden Schwierigkeiten im Detail die Bereitschaft zum großen<br />
Wurf nicht hemmen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pauliensche</b>:<br />
Das Steuerkonzept der FDP &#8211; auch nur drei Steuersätze &#8211; müsste<br />
Ihnen eigentlich gefallen. Ist das Konzept der Liberalen stimmig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Das Konzept der Liberalen setzt sich zum Ziel, möglichst alle Ausnahmen<br />
zu beseitigen und dementsprechend die Steuersätze zu senken. Diese<br />
ist der allein richtige Weg. Er verdient Unterstützung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Ihr Konzept finden Sie doch besser?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Unser Konzept bezieht die Reform der Körperschaftssteuer, also die<br />
Einkommensbesteuerung der Kapitalgesellschaften, in die Gesamtreform mit<br />
ein. Damit entfallen die gleichheitswidrigen Belastungsunterschiede zwischen<br />
der Besteuerung des Einzelkaufmanns, der Personengesellschaft (zum Beispiel<br />
der KG) und der Kapitalgesellschaft (zum Beispiel der GmbH). Außerdem<br />
erlaubt ein konsequenter Subventionsabbau die Absenkung des Spitzensteuersatzes<br />
auf 25 Prozent. Entscheidend ist, dass jeder Mensch in seinem wirtschaftlichen<br />
Erfolg des Einkommens gleich besteuert wird und er die Steuerlast nicht<br />
dadurch verringern kann, dass er rechtlich eine bestimmte Organisationsform<br />
wählt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal konkret dazu eine Frage von:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>taxman</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Professor, wie lösen Sie das Problem, dass es<br />
Unternehmern möglich ist, einen Teil privater Aufwendungen in den<br />
steuerlich relevanten Bereich zu verschieben (z.B. Kfz-Nutzung), Arbeitnehmern<br />
dagegen bei Ihrem Modell nicht mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir nennen diese Probleme die gemischten Aufwendungen, also Zahlungen<br />
des Steuerpflichtigen, die sowohl seiner beruflichen Sphäre als auch<br />
dem <br />
Privatleben zu Gute kommen. Er erwirbt ein Auto, ein Telefon, einen Computer,<br />
den er jeweils beruflich und privat nutzt. In unserem Vorschlag dürfen<br />
diese gemischten Aufwendungen grundsätzlich nicht abgezogen werden,<br />
weder durch den Betriebsinhaber noch durch den Arbeitnehmer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Es tut sich was in Reichenhall: Die Runde dort legt Wert darauf, dass<br />
Sie die Anrede vergessen hat, also: &quot;Sehr geehrter Herr Kirchhof,<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POLIS Reichenhall</b>:<br />
Was glauben Sie: Ist ein Steuer-Weltbild, wie es die SPD-Leipzig gerade<br />
vertreten hat, Ausdruck von Dummheit, Unfähigkeit oder was?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir werden bei jeder Ausnahme zunächst die historischen Gründe<br />
prüfen müssen, die zu dieser Ausnahme geführt haben, dann<br />
zu untersuchen haben, ob diese Gründe noch heute genügen. Die<br />
Steuerfreiheit der Nachtzuschläge zum Beispiel sind 1940 vom damaligen<br />
Reichsfinanzminister eingeführt worden, als die meisten Menschen<br />
draußen im Krieg waren, man deshalb zu Hause Steueranreize brauchte,<br />
um die viele Arbeit durch wenige Hände zu erledigen. Heute haben<br />
wir das gegenteilige Problem. Wir haben zu viele Hände für zu<br />
wenig Arbeit. Deswegen muss dieser, ehemals berechtigte Freibetrag entfallen.<br />
Allerdings muss die dadurch verursachte Minderung des Lohns arbeitsrechtlich<br />
ausgeglichen werden. Den gerechten Lohn definiert nicht das Steuerrecht,<br />
sondern das Arbeitsrecht.<br />
Wenn wir alle Sonderegeln in dieser Weise prüfen, werden wir feststellen,<br />
dass es historisch durchaus manche Rechtfertigung für eine Ausnahme<br />
gegeben hat, <br />
diese aber meist nur kurzfristig trägt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>R. Berndt</b>:<br />
Gibt es ein (großes, ökonomisch starkes) Land, in dem ein solch<br />
einfaches Steuersystem erfolgreich angewandt wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter-1337</b>:<br />
Wie sehen Sie ihr Modell im internationalen Vergleich &#8211; Irland, Frankreich,<br />
USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Zunächst einmal es hat in den USA die Reagan’sche Steuerreform<br />
gegeben, mit einem Wegfall aller Subventionen und einem Spitzensteuersatz<br />
von 28 Prozent. Der ökonomische Erfolg für die Privatwirtschaft<br />
wie für den Staat war überragend. Leider ist das amerikanische<br />
Steuerrecht heute wieder so kompliziert wie ehemals. Ein anderes Beispiel<br />
bietet Neuseeland, das mit einem radikal vereinfachten Steuerrecht einen<br />
gewaltigen Prosperitätsauftrieb organisiert hat. Zur Frage 2: Wenn<br />
wir in Deutschland ein einfaches und verständliche Steuerrecht mit<br />
einem Spitzensteuersatz von 25 Prozent haben werden, wird Deutschland<br />
ein Niedrigsteuerland im Weltvergleich. Alle hochqualifizierten Arbeitskräfte<br />
werden in Deutschland bleiben, leistungsfähige Menschen werden nach<br />
Deutschland kommen.<br />
Das Kapital wird vermehrt den deutschen Markt suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Siedler</b>:<br />
Welche Opfer müssten die Bürger eigentlich bei Ihrem Vorschlag<br />
erbringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Bürger müssen bereit sein, sich vom vertrauten Recht und<br />
den liebgewordenen Besitzständen zu lösen. Dies ist aber letztlich<br />
kein echtes Opfer, weil die Bürger steuerlich nicht mehr belastet<br />
werden, sie aber ein wesentliches Stück Freiheit zurückgewinnen.<br />
Sie brauchen sich vor dem Steuerrecht nicht mehr zu verbiegen und zu verbeugen,<br />
werden bei der Steuererklärung nicht mehr überfordert <br />
und gewinnen die Sicherheit, dass die Steuerlast unausweichlich Ausdruck<br />
ihres persönlichen wirtschaftlichen Erfolges ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wenn sich Ihr Modell durchsetzen sollte, müssten einige zehntausend<br />
Steuerberater eigentlich arbeitslos werden. Bekommen Sie schon böse<br />
Briefe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Auch die Steuerberater werden gewinnen. Selbst der Steuerexperte kann<br />
seinen mit Mandanten bei ständig wechselndem Steuerrecht nicht mehr<br />
sachgerecht beraten. Er leidet darunter, dass er seinen Klienten eine<br />
Empfehlung geben muss, die steuerjuristisch klug, ökonomisch aber<br />
töricht ist. Außerdem vermehrt das unübersichtliche Recht<br />
die Haftungsfälle für den Steuerberater. Nach der Reform wird<br />
der Berater seine gleichschönen Honorare leichter verdienen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>reinhard</b>:<br />
Was noch fehlt, weil dies aus einer steuerlichen Vereinfachung allein<br />
noch nicht entsteht, ist ein &quot;Steuerungsmechanismus&quot; zur Belebung<br />
der Wirtschaft und damit des Arbeitsmarktes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ein vereinfachtes Steuerecht erlaubt es dem Unternehmer weniger über<br />
Steuern nachzudenken und mehr über sein Produkt und seinen Markt.<br />
Dadurch kann der Unternehmer erfolgreicher sein. Wir gewinnen Wirtschaftswachstum<br />
und damit letztlich auch Arbeitsplätze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Riker2k2</b>:<br />
Guten Morgen, die Herren. Herr Prof. Kirchhof, wie finden Sie es, dass<br />
es in der Öffentlichkeit so wirkt, als ob Ihre Vorschläge von<br />
Herrn Merz entwickelt wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Unsere Vorschläge sind darauf angelegt, möglichst im Bundesgesetzblatt<br />
zu erscheine, also Allgemeingut zu werden. Deswegen sind wir über<br />
jeden Menschen, insbesondere über jeden Abgeordneten froh, der sich<br />
unsere Anregungen ganz oder teilweise zu Eigen macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, vielen Dank für das Interesse und die<br />
zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Herr Kirchhof, dass Sie sich die<br />
Stunde Zeit genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie wie<br />
alle anderen auch auf den Seiten der Veranstalter. Morgen stellt sich<br />
von 13.00 bis 14.00 Uhr Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn der<br />
Diskussion über Bildungskrise und Finanzmisere bei den Universitäten.<br />
Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen Tag. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Schönen Dank. Ich war gerne hier.</span></p>
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