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	<title>Steuerreform &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Steuerreform &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Die Welt wird immer komplizierter, deswegen muss das Recht immer einfacher werden.&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pkirchhof%20copy.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="left" border="0" height="116" width="82" /> 
</b> <b><span style="color: #000000">Der Experte für radikale Steuerreformen, 
Professor an der Universität Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Paul Kirchhof ist am 9. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pkirchhof%20copy.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="left" border="0" height="116" width="82" /><br />
</b> <b><span style="color: #000000">Der Experte für radikale Steuerreformen,<br />
Professor an der Universität Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Paul Kirchhof ist am 9. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe SteuerzahlerInnen und Chat-Interessierte, herzlich willkommen im<br />
tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de und<br />
von sueddeutsche.de. Heute ist Paul Kirchhof ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen, Experte für radikale Steuerreformen, Professor an der Universität<br />
Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter. Können wir beginnen, Herr Kirchhof?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof:</b><br />
Jawohl</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M</b>.:<br />
Die Deutschen schaffen es nicht einmal kleine Reformen in Gang zu bringen<br />
&#8211; warum sollte dann eine große Steuerreform funktionieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Deutschen haben vor 15 Jahren eine große Reform geschafft. Bei<br />
der Wiedervereinigung Deutschlands hat die Welt den Atem angehalten, weil<br />
es uns gelungen ist, zwei Staaten friedlich wieder zu vereinen. Seitdem<br />
sind wir etwas erschöpft, aber inzwischen haben wir uns erholt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julious Knaak</b>:<br />
Lässt sich diese Mega-Aufgabe überhaupt in einem einzigen großen<br />
Schritt umsetzen, oder geht das nur langfristig über viele einzelne<br />
Phasen? Werden die Menschen von so vielen Reformen nicht überfordert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ich meine, wir sollten es &#8211; was die Steuerreform angeht &#8211; in einem großen<br />
Schritt tun, weil vor allem die Fülle von Subventions- und Ausnahmeregelungen<br />
abzubauen ist. Wer heute ein Steuerprivileg genießen kann, wird<br />
den Verlust dieses Privilegs nur hinnehmen, wenn er sicher ist, dass alle<br />
anderen ihre Privilegien auch hergeben müssen und das durch Subventionsabbau<br />
erreichbare Mehraufkommen an Steuererträgen insgesamt durch Absenkung<br />
der Steuersätze an die Allgemeinheit der Steuerpflichtigen zurückgegeben<br />
wird. Er verliert also sein Privileg, ist aber durch den niedrigeren Steuersatz<br />
begünstigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logopäde</b>:<br />
Steuerprivilegien: Politiker setzen auf Rasenmäherkürzungen,<br />
da sie nicht glauben, einzelne Subventionen gegen die Lobbys abschaffen<br />
zu können. Ein gangbarer Weg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Der sukzessive Abbau von Steuervergünstigungen wäre die zweitbeste<br />
Lösung, weil er zwar den Einstieg in ein vereinfachteres und privilegienfeindliches<br />
Steuerrecht bietet, der Vereinfachungseffekt aber gegenwärtig noch<br />
nicht spürbar ist, weil wir noch alle Ausnahmetatbestände weiterhin<br />
anwenden müssen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>spd_leipzig</b>:<br />
Das Steuersystem in Deutschland ist zwar kompliziert, aber dafür<br />
gerecht &#8211; sehen Sie das nicht auch so? Die vielen Ausnahmen sind ja nicht<br />
über Nacht entstanden, sondern entwuchsen einer langen Rechtstradition.<br />
Jede Ausnahme konnte ja auch zum Zeitpunkt der Entstehung mal begründet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ich halte das Gegenteil für richtig. Jede Ausnahme ist grundsätzlich<br />
ein Privileg. Der verfassungsmäßige Gleichheitssatz wehrt sich<br />
gegen Sondertatbestände und Bevorzugungen, wenn der eine Steuerpflichtige<br />
in einem Ausnahmetatbestand weniger Steuern zahlen muss, hat dafür<br />
der andere entsprechend mehr zu bezahlen. Das ist ungerecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt bei Ihrem Modell: Keinerlei Ausnahmen, keine Eigenheimzulage,<br />
keine Pendlerpauschale etc?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Keine Ausnahmen keine Eigenheimzulage keine Pendlerpauschale, aber der<br />
Steuerpflichtige wird dadurch nicht schlechter gestellt, weil die Steuersätze<br />
entsprechend dem Subventionsabbau verringert werden. Ihn trifft also grundsätzlich<br />
die gleiche Steuerlast, unabhängig davon, ob er ein Haus baut, ob<br />
er pendelt oder in der Nacht arbeitet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M</b>.:<br />
Die Welt wird immer komplizierter – da brauchen wir auch komplexe<br />
Steuergesetze. Wird ein einfaches Steuerrecht einer differenzierten sozialen<br />
Wirklichkeit gerecht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Welt wird immer komplizierter, deswegen muss das Recht immer einfacher<br />
werden. Je mehr Einzeltatbestände das Gesetz regelt, desto mehr kann<br />
der Steuerpflichtige diesem Einzeltatbestand durch Steuergestaltung ausweichen.<br />
Der Bürger gewinnt dann nicht das Gefühl, dass er Steuern zahlen<br />
muss, da er wirtschaftlich erfolgreich war, sonder dass er Steuern zahlen<br />
muss, da er sich steuertaktisch ungeschickt verhalten habe. Zu dem Ärger<br />
der Steuerzahlung tritt ein intellektueller Selbstvorwurf. Das ist unerträglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich glaube wir brauchen hier ein wenig Erklärung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dk_man23</b>:<br />
Sie sprechen von Einzeltatbeständen &#8211; sehen Sie Steuerpflichtige<br />
als Verbrecher?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Tatbestand ist die gesetzliche Bezeichnung für den Grund, weswegen<br />
ein Steuerpflichtiger belastet wird. Ein Tatbestand ist das Einkommen,<br />
ein weiterer der Umsatz, ein weiterer die Erbschaft. Das alles sind schöne<br />
wirtschaftliche Erfolge &#8211; nicht vorwerfbare Verhalte.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zur Frage der Gerechtigkeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>glucomat</b>:<br />
Aber es gibt doch auch wirklich benachteiligte Steuerzahler, zum Beispiel<br />
Pendler oder Familien oder Kranke etc.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir werden bei der großen Steuerreform mit großer Deutlichkeit<br />
die besonderen Bedürfnisse der Familien zu berücksichtigen haben.<br />
Das Familienrecht verpflichtet die Eltern, ihre Kinder aus ihrem Einkommen<br />
zu unterhalten. Deswegen können die Eltern über diesen Anteil<br />
des Einkommens, der den Kindern gehört, nicht verfügen &#8211; auch<br />
nicht für Zwecke der Steuerzahlung verfügen. Dieser Einkommensteil<br />
darf deshalb bei der Besteuerung der Eltern nicht belastet werden. Das<br />
ist heute im Kinderfreibetrag grundsätzlich anerkannt, das Problem<br />
ist die Höhe dieser Freibeträge. Es genügt heute nicht<br />
mehr, dass das Kind ernährt und bekleidet wird, es will auch in einem<br />
Verein Sport treiben, ein Musikinstrument lernen, Fremdsprachen in Auslandsreisen<br />
erproben, seine Fertigkeiten an modernen Computern verbessern. All das<br />
kostet das Geld der Eltern. Deswegen müssen wir die Kinderfreibeträge<br />
deutlich erhöhen. Noch besser wäre es, den Eltern ein angemessen<br />
hohes Kindergeld zu bezahlen, weil die Steuerentlastung für die Familien<br />
mit geringen Einkommen kaum wirkt, denn diese zahlen sowieso keine Einkommenssteuer,<br />
benötigen aber die Unterstützung für ihre Kinder am dringendsten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Fragen zum Problem Durchsetzbarkeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logopäde</b>:<br />
Das von Ihnen vorgeschlagene Konzept bekommen Sie nie durch. Auch nicht<br />
bei einer anderen Regierungsmehrheit. Sie kennen doch die Realpolitik<br />
&#8211; warum machen Sie dann so einen Vorschlag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>andreas singer</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Prof. Kirchhof, wie groß ist Ihrer Meinung nach<br />
die Chance, dass sich die Politik gegen die Lobbygruppen durchsetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Singer setzt also schon voraus, dass die Politik Ihr Konzept will.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Bereitschaft zur Reform in Deutschland hat sich in den letzten drei<br />
Jahren grundlegend verändert. Während anfangs auch ein kleiner<br />
Reformvorschlag meist auf prinzipielle Ablehnung gestoßen ist, besinnen<br />
sich heute die Abgeordneten und die politischen Parteien im Bundestag<br />
auf ihre Kernaufgabe, dem Menschen das einfache und maßvolle Steuerrecht<br />
zu garantieren. Die parlamentarische Demokratie ist in Deutschland erkämpft<br />
worden, damit der Steuerzahler selbst &#8211; repräsentiert durch seine<br />
Abgeordnete &#8211; über die Steuerlast entscheide und schon durch dieses<br />
Verfahren der Selbstentscheidung, die gleichmäßige und maßvolle<br />
Steuerlast gewährleistet sei. Dieser demokratische Ursprungsgedanke<br />
bleibt so faszinierend, dass er dem Parlament von heute die Kraft zu einer<br />
Grundsatzerneuerung vermittelt.<br />
Dies wird gegenwärtig glücklicherweise auch von vielen Interessengruppen<br />
so gesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pauliensche</b>:<br />
Wie könnte man denn Unterstützung für Ihren Vorschlag organisieren?<br />
Es gibt da ja sehr gegensätzliche Interessen der Interessensvertreter<br />
und Lobbys&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Reform wird davon abhängen, wie groß die Reformbereitschaft<br />
der Abgeordneten im deutschen Bundestag und der Landesregierungen im deutschen<br />
Bundesrat ist. Deswegen sollte jeder Reformwillige, diesen politischen<br />
Verantwortungsträgern bewusst machen, wie hoch seine Reformerwartungen<br />
sind und wie groß seine Enttäuschung bei einem Scheitern der<br />
Reformvorhaben sein wird.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof2.jpg" alt="Der &quot;Chatroom&quot; im ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Siedler</b>:<br />
Wie realistisch ist eigentlich ein radikal vereinfachtes Steuerrecht,<br />
wenn man die notwendigen Übergangsregeln einbezieht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Der Übergang vom alten zum neuen Recht ist ein schwieriges Problem,<br />
das große juristisch handwerkliche Anstrengungen verlangt. Der Bürger<br />
vertraut auf das ihm bisher vertraute Gesetz, hat seine Dispositionen<br />
etwa bei der Altersvorsorge oder bei einer Betriebsgründung auf das<br />
geltende Steuerrecht eingerichtet. In diesem Vertrauen ist er auch von<br />
Verfassungswegen schutzwürdig. Deswegen muss die Reform der Einkommensbesteuerung<br />
durch ein Einführungsgesetz ergänzt werden, das schonende Übergänge<br />
vom alten zum neuen Recht regelt. Ein solches Gesetz ist machbar. Auch<br />
hier werden Schwierigkeiten im Detail die Bereitschaft zum großen<br />
Wurf nicht hemmen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pauliensche</b>:<br />
Das Steuerkonzept der FDP &#8211; auch nur drei Steuersätze &#8211; müsste<br />
Ihnen eigentlich gefallen. Ist das Konzept der Liberalen stimmig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Das Konzept der Liberalen setzt sich zum Ziel, möglichst alle Ausnahmen<br />
zu beseitigen und dementsprechend die Steuersätze zu senken. Diese<br />
ist der allein richtige Weg. Er verdient Unterstützung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Ihr Konzept finden Sie doch besser?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Unser Konzept bezieht die Reform der Körperschaftssteuer, also die<br />
Einkommensbesteuerung der Kapitalgesellschaften, in die Gesamtreform mit<br />
ein. Damit entfallen die gleichheitswidrigen Belastungsunterschiede zwischen<br />
der Besteuerung des Einzelkaufmanns, der Personengesellschaft (zum Beispiel<br />
der KG) und der Kapitalgesellschaft (zum Beispiel der GmbH). Außerdem<br />
erlaubt ein konsequenter Subventionsabbau die Absenkung des Spitzensteuersatzes<br />
auf 25 Prozent. Entscheidend ist, dass jeder Mensch in seinem wirtschaftlichen<br />
Erfolg des Einkommens gleich besteuert wird und er die Steuerlast nicht<br />
dadurch verringern kann, dass er rechtlich eine bestimmte Organisationsform<br />
wählt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal konkret dazu eine Frage von:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>taxman</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Professor, wie lösen Sie das Problem, dass es<br />
Unternehmern möglich ist, einen Teil privater Aufwendungen in den<br />
steuerlich relevanten Bereich zu verschieben (z.B. Kfz-Nutzung), Arbeitnehmern<br />
dagegen bei Ihrem Modell nicht mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir nennen diese Probleme die gemischten Aufwendungen, also Zahlungen<br />
des Steuerpflichtigen, die sowohl seiner beruflichen Sphäre als auch<br />
dem <br />
Privatleben zu Gute kommen. Er erwirbt ein Auto, ein Telefon, einen Computer,<br />
den er jeweils beruflich und privat nutzt. In unserem Vorschlag dürfen<br />
diese gemischten Aufwendungen grundsätzlich nicht abgezogen werden,<br />
weder durch den Betriebsinhaber noch durch den Arbeitnehmer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Es tut sich was in Reichenhall: Die Runde dort legt Wert darauf, dass<br />
Sie die Anrede vergessen hat, also: &quot;Sehr geehrter Herr Kirchhof,<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POLIS Reichenhall</b>:<br />
Was glauben Sie: Ist ein Steuer-Weltbild, wie es die SPD-Leipzig gerade<br />
vertreten hat, Ausdruck von Dummheit, Unfähigkeit oder was?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir werden bei jeder Ausnahme zunächst die historischen Gründe<br />
prüfen müssen, die zu dieser Ausnahme geführt haben, dann<br />
zu untersuchen haben, ob diese Gründe noch heute genügen. Die<br />
Steuerfreiheit der Nachtzuschläge zum Beispiel sind 1940 vom damaligen<br />
Reichsfinanzminister eingeführt worden, als die meisten Menschen<br />
draußen im Krieg waren, man deshalb zu Hause Steueranreize brauchte,<br />
um die viele Arbeit durch wenige Hände zu erledigen. Heute haben<br />
wir das gegenteilige Problem. Wir haben zu viele Hände für zu<br />
wenig Arbeit. Deswegen muss dieser, ehemals berechtigte Freibetrag entfallen.<br />
Allerdings muss die dadurch verursachte Minderung des Lohns arbeitsrechtlich<br />
ausgeglichen werden. Den gerechten Lohn definiert nicht das Steuerrecht,<br />
sondern das Arbeitsrecht.<br />
Wenn wir alle Sonderegeln in dieser Weise prüfen, werden wir feststellen,<br />
dass es historisch durchaus manche Rechtfertigung für eine Ausnahme<br />
gegeben hat, <br />
diese aber meist nur kurzfristig trägt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>R. Berndt</b>:<br />
Gibt es ein (großes, ökonomisch starkes) Land, in dem ein solch<br />
einfaches Steuersystem erfolgreich angewandt wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter-1337</b>:<br />
Wie sehen Sie ihr Modell im internationalen Vergleich &#8211; Irland, Frankreich,<br />
USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Zunächst einmal es hat in den USA die Reagan’sche Steuerreform<br />
gegeben, mit einem Wegfall aller Subventionen und einem Spitzensteuersatz<br />
von 28 Prozent. Der ökonomische Erfolg für die Privatwirtschaft<br />
wie für den Staat war überragend. Leider ist das amerikanische<br />
Steuerrecht heute wieder so kompliziert wie ehemals. Ein anderes Beispiel<br />
bietet Neuseeland, das mit einem radikal vereinfachten Steuerrecht einen<br />
gewaltigen Prosperitätsauftrieb organisiert hat. Zur Frage 2: Wenn<br />
wir in Deutschland ein einfaches und verständliche Steuerrecht mit<br />
einem Spitzensteuersatz von 25 Prozent haben werden, wird Deutschland<br />
ein Niedrigsteuerland im Weltvergleich. Alle hochqualifizierten Arbeitskräfte<br />
werden in Deutschland bleiben, leistungsfähige Menschen werden nach<br />
Deutschland kommen.<br />
Das Kapital wird vermehrt den deutschen Markt suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Siedler</b>:<br />
Welche Opfer müssten die Bürger eigentlich bei Ihrem Vorschlag<br />
erbringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Bürger müssen bereit sein, sich vom vertrauten Recht und<br />
den liebgewordenen Besitzständen zu lösen. Dies ist aber letztlich<br />
kein echtes Opfer, weil die Bürger steuerlich nicht mehr belastet<br />
werden, sie aber ein wesentliches Stück Freiheit zurückgewinnen.<br />
Sie brauchen sich vor dem Steuerrecht nicht mehr zu verbiegen und zu verbeugen,<br />
werden bei der Steuererklärung nicht mehr überfordert <br />
und gewinnen die Sicherheit, dass die Steuerlast unausweichlich Ausdruck<br />
ihres persönlichen wirtschaftlichen Erfolges ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wenn sich Ihr Modell durchsetzen sollte, müssten einige zehntausend<br />
Steuerberater eigentlich arbeitslos werden. Bekommen Sie schon böse<br />
Briefe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Auch die Steuerberater werden gewinnen. Selbst der Steuerexperte kann<br />
seinen mit Mandanten bei ständig wechselndem Steuerrecht nicht mehr<br />
sachgerecht beraten. Er leidet darunter, dass er seinen Klienten eine<br />
Empfehlung geben muss, die steuerjuristisch klug, ökonomisch aber<br />
töricht ist. Außerdem vermehrt das unübersichtliche Recht<br />
die Haftungsfälle für den Steuerberater. Nach der Reform wird<br />
der Berater seine gleichschönen Honorare leichter verdienen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>reinhard</b>:<br />
Was noch fehlt, weil dies aus einer steuerlichen Vereinfachung allein<br />
noch nicht entsteht, ist ein &quot;Steuerungsmechanismus&quot; zur Belebung<br />
der Wirtschaft und damit des Arbeitsmarktes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ein vereinfachtes Steuerecht erlaubt es dem Unternehmer weniger über<br />
Steuern nachzudenken und mehr über sein Produkt und seinen Markt.<br />
Dadurch kann der Unternehmer erfolgreicher sein. Wir gewinnen Wirtschaftswachstum<br />
und damit letztlich auch Arbeitsplätze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Riker2k2</b>:<br />
Guten Morgen, die Herren. Herr Prof. Kirchhof, wie finden Sie es, dass<br />
es in der Öffentlichkeit so wirkt, als ob Ihre Vorschläge von<br />
Herrn Merz entwickelt wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Unsere Vorschläge sind darauf angelegt, möglichst im Bundesgesetzblatt<br />
zu erscheine, also Allgemeingut zu werden. Deswegen sind wir über<br />
jeden Menschen, insbesondere über jeden Abgeordneten froh, der sich<br />
unsere Anregungen ganz oder teilweise zu Eigen macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, vielen Dank für das Interesse und die<br />
zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Herr Kirchhof, dass Sie sich die<br />
Stunde Zeit genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie wie<br />
alle anderen auch auf den Seiten der Veranstalter. Morgen stellt sich<br />
von 13.00 bis 14.00 Uhr Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn der<br />
Diskussion über Bildungskrise und Finanzmisere bei den Universitäten.<br />
Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen Tag. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Schönen Dank. Ich war gerne hier.</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Vorgezogene Steuerreform nur wenn Arbeitnehmern mehr Geld bleibt.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Laurenz Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Rentenreform]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/Lmeyer_2003.jpg" alt="Laurenz Meyer" align="left" border="0" height="110" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Generalsekretär der CDU Laurenz Meyer</span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
ist am 29. Oktober 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/Lmeyer_2003.jpg" alt="Laurenz Meyer" align="left" border="0" height="110" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Generalsekretär der CDU Laurenz Meyer</span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
ist am 29. Oktober 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin begrüße ich heute den CDU-Generalsekretär<br />
Laurenz Meyer. Bis 14 Uhr hat sich Herr Meyer Zeit genommen, um Ihre Fragen<br />
zu beantworten. <br />
Herr Meyer, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angelo</b>:<br />
Kommt es der CDU nicht ganz gelegen, dass die SPD nun die über Jahrzehnte<br />
verschleppten Reformen anfasst?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Bis jetzt ist die SPD lediglich dabei, die Fehler rückgängig<br />
zu machen, die sie nach dem Regierungsantritt 1998 gemacht hat &#8211; siehe<br />
630 DM Verträge, heute 400 €, und Abschaffung des demografischen<br />
Faktors in der Rentenversicherung. Wirkliche Veränderungen für<br />
Deutschland oder richtige Reformen sehe ich bisher nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bundesrat-Fan</b>:<br />
Frage: Welche Chancen geben Sie dem Vorziehen der Steuerreform und den<br />
Hartz-Gesetzen im Bundesrat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Bei den Hartz-Gesetzen müssen wir im Bundesrat Verbesserungen für<br />
mehr Flexibilität in den Betrieben und eine bessere Motivation der<br />
bisherigen Bezieher von Transferleistungen anstreben. Der Steuerreform<br />
dürfen wir nur zustimmen, wenn den Arbeitnehmern wirklich mehr Geld<br />
in der Tasche verbleibt und sie nicht ganz überwiegend über<br />
noch mehr Schulden finanziert wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jens2</b>:<br />
Sie haben Recht. Sollten Sie jedoch nicht konstruktiv an den Reformen<br />
mitarbeiten, und Kompromisse suchen, statt zu blockieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Das ist völlig richtig. Aber wo wird blockiert?<br />
Das einzige, was wir bisher blockiert haben, waren Steuererhöhungen<br />
und das ist auch gut so.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gesunde Skepsis</b>:<br />
Gibt es mittlerweile eine einheitliche Position der CDU/CSU zum Vorziehen<br />
der Steuerreform? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Im Prinzip ja, mit den Voraussetzungen, die ich eben schon genannt habe.<br />
Allerdings haben unsere Ministerpräsidenten unterschiedliche Akzentsetzungen,<br />
je nach dem, wie schlecht die derzeitige Haushaltslage in dem jeweiligen<br />
Land ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Meyer, in den vergangenen Wochen sind Sie zum &quot;Zahlenmeister<br />
der Union&quot; geworden. Auf zahlreichen Regionalkonferenzen haben Sie<br />
versucht, mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation und diversen Zahlenkolonnen<br />
die Vorzüge der Herzog-Vorschläge zur Reform der Sozialversicherung<br />
der Unionsbasis schmackhaft zu machen. Man hatte jedoch mitunter den Eindruck,<br />
dass nicht alle Ihren Rechenkünsten folgen konnten. Haben Sie Ihre<br />
Parteifreunde nicht etwas überfordert? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Die Materie der sozialen Sicherungssysteme in Deutschland<br />
ist sehr kompliziert, deshalb habe ich auch versucht, über Bilder<br />
und Grafiken die Veränderungen aufzuzeigen. Ich bin sicher, dass<br />
alle in unserer Partei zumindest eins begriffen haben: Vor dem Hintergrund,<br />
dass immer weniger Junge mehr Älteren gegenüberstehen müssen<br />
wir handeln. Nichts tun und die Dinge auf sich zukommen lassen wäre<br />
geradezu sträflich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>josefine</b>:<br />
Wie würden Sie kurz und prägnant den Unterschied zwischen der<br />
Kopfpauschale und der Bürgerversicherung bezeichnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Die Bürgerversicherung hat den schöneren Namen.<br />
Ich halte allerdings von dieser Zwangs-AOK überhaupt nichts. Sie<br />
würde auch keinen Beitrag zur Lösung der demografischen Probleme<br />
bringen. Die Kopfpauschale bringt diesen Beitrag auch nicht, koppelt aber<br />
wenigstens die Arbeitskosten in einem Teilbereich von den Sozialkosten<br />
ab. Weil beide Vorschläge langfristig nicht tragen, schlagen wir<br />
eine Gesundheitsprämie vor, die bei jeder Person für das Alter<br />
Vorsorge treffen soll.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>josefine</b>:<br />
Der Vorschlag der Grünen umfasst allerdings auch eine Wettbewerbssteigerung<br />
zwischen den Krankenkassen. Was halten Sie von diesem Aspekt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Die wird es bei der Bürgerversicherung nicht geben.<br />
Im Gegenteil, der Ausgleich in den Kosten unter den Krankenkassen soll<br />
noch ausgedehnt werden. Das führt letztlich zur Einheitskasse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Simon Weber</b>:<br />
Ist die Kopfpauschale nicht sozial unausgewogen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andreas Möhring</b>:<br />
Herr Meyer, ist es nicht sozial &quot;ungerecht&quot;, wenn ein Abteilungsleiter<br />
den gleichen Betrag zahlen muss wie eine kleine Schreibkraft?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Eine Kopfpauschale braucht sozialen Ausgleich für geringe Einkommen<br />
und Familien. Der Ausgleich über das Steuersystem, den wir vorsehen,<br />
ist allerdings wesentlich sozialer als weiter wie bisher ausschließlich<br />
die Arbeitnehmer mit Einkommen zwischen zwei- und dreieinhalbtausend Euro<br />
Monatseinkommen mit den gesamten Kosten des sozialen Ausgleichs zu belasten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurentinus</b>:<br />
Dr. Herbert Rische, der Präsident der Bundesversicherungsanstalt<br />
für Angestellte und Mitglied der Herzog-Kommission, sagte vor Wochen<br />
hier im Chat, dass die Kopfpauschale nicht organisierbar sei. Was sagen<br />
sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Herr Rische hat Unrecht, ein solches System gibt es zum Beispiel in der<br />
Schweiz. Wir wollen allerdings im Gegensatz zur Kopfpauschale, dass der<br />
Einzelne individuelle versicherungsmathematisch berechnete Prämien<br />
zahlt, um für sein jeweiliges Alter vorzusorgen, weil sonst die Beiträge<br />
sowohl im jetzigen System wie auch bei der Bürgerversicherung und<br />
den Kopfpauschalen, in wahnsinnige Höhen steigen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Herzogin</b>:<br />
Die Kopfpauschale erfordert vielfältige soziale Ausgleichsmechanismen,<br />
die weder verwaltungsmäßig organisierbar sind, noch dem Gerechtigkeitsempfinden<br />
vieler Versicherter entsprechen. Ihre Meinung dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Ich sehe überhaupt keine Verwaltungsprobleme. In unserem System sind<br />
zurzeit die Beträge auf maximal 15 Prozent vom Einkommen begrenzt.<br />
Bei Arbeitnehmern oder Rentnern, bei denen die Prämie 15 Prozent<br />
übersteigen würde, würde sich die Versicherung den Rest<br />
direkt als staatliche Zuwendung besorgen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frau Maget</b>:<br />
Aber die Schweiz hat ja auch Probleme in ihrem System, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Weil sie eben keine Gesundheitsprämie, sondern eine Kopfpauschale<br />
eingeführt hat, und deshalb die Beiträge mit zunehmender Alterung<br />
der Bevölkerung und dem medizinischen Fortschritt nach wie vor steigen.<br />
Trotzdem, auch diese Kopfpauschale hat wirtschaftlich erhebliche Vorteile<br />
und ist auch durch den Ausgleich über das Steuersystem sozialer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das sieht Herr Geißler aber anders.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Das habe ich auch gelesen, aber erstens hat Herr Geißler nicht immer<br />
Recht und zweitens lehne ich die Lösung, die er vorschlägt,<br />
die Probleme über zusätzliche Zuwanderung zu suchen, ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Martini</b>:<br />
Wie hoch schätzen Sie betragsmäßig den Anteil ein, den<br />
die Krankenkassen durch Einsparung im Verwaltungsbereich nach Einführung<br />
des Kopfpauschalensystems einsparen werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Ich glaube nicht, dass die Einsparungen bei den Verwaltungskosten, die<br />
notwendig sind, die Systemprobleme lösen helfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Simon Weber</b>:<br />
Muss man aber nicht grundsätzlich ALLE Abgaben und Sozialversicherungen<br />
in einer Art und Weise organisieren, die festlegt, dass diejenigen, die<br />
mehr verdienen, auch einen höheren sozialen Ausgleich tragen müssen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Ja, genau aus dem Grunde schlagen wir ja diesen sozialen Ausgleich über<br />
das Steuersystem vor, weil nur hier alle, auch die höheren Einkommen,<br />
die Freiberufler, die Beamten, die Politiker, einen Beitrag zu diesem<br />
Ausgleich leisten. Bisher müssen ausschließlich die qualifizierten<br />
Arbeitnehmer zwischen 2000 und 3500 € den gesamten Sozialausgleich<br />
für die geringen Einkommen leisten. Der Ausgleich, der hier stattfindet,<br />
beträgt immerhin rund 40 Milliarden Euro.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maju</b>:<br />
Und wie soll sichergestellt werden, dass die geplanten staatliche Rücklagen<br />
im Bereich der Gesundheitsvorsorge nicht angetastet werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Wir brauchen staatliche Rücklagen, in unserem Vorschlag nur für<br />
die Zeit bis zur Umstellung auf das Prämiensystem, damit die Älteren<br />
im Umstellungszeitpunkt nicht horrend hohe Prämien zu zahlen haben.<br />
Wir wollen diese Rücklagen bei der Bundesbank ansiedeln oder ein<br />
Sondervermögen bilden, damit das Geld dem Zugriff des Finanzministers<br />
entzogen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Eichhorn</b>:<br />
Die Bundesregierung erwägt die Reduzierung der so genannten Schwankungsreserve<br />
der gesetzlichen Rente, die Grünen denken sogar an „Null“<br />
Schwankungsreserve. Aus Ihrer Sicht o.k.?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Nein, damit sind die Rentner endgültig Verfügungsmasse des Finanzministers.<br />
Nach unseren Vorschlägen soll die Schwankungsreserve schrittweise<br />
auf zwei Monate aufgestockt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Martini</b>:<br />
Wie hoch schätzen Sie die Einsparung für eine durchschnittliche<br />
Familie bei der beide Eltern berufstätig sind ein, wenn das Pauschalenmodell<br />
zum tragen kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Das hängt vom Einkommen ab. Ein Arbeitnehmer der heute 3000 Euro<br />
verdient, würde um rund 200 Euro pro Monat entlastet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maju</b>:<br />
Fehlt in Deutschland nicht viel mehr das nötige Gespür für<br />
private Vorsorge und Eigenverantwortung? Wollen wir nicht immer zuviel<br />
Staat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Wir werden für die Zukunft, insbesondere bei der Altersvorsorge,<br />
sehr viel mehr private und betriebliche Vorsorge brauchen. Ein heute 30-Jähriger<br />
wird sich darauf einrichten müssen, dass er aus der gesetzlichen<br />
Rentenversicherung nur noch zwischen 35 und 40% seines Bruttoeinkommens<br />
erhalten wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maju</b>:<br />
Thema Gesundheitsreform: wieso benötigt die CDU nach 4 Jahren Opposition<br />
und dem allseits bekannten Wissen um den demografischen Faktor, erst wieder<br />
eine &quot;Kommission&quot;, um sich dem Thema anzunehmen? Hatte man nicht<br />
genug Zeit &quot;vorzuarbeiten&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Graf</b>:<br />
Warum kommen die Reformvorstellungen der CDU erst so spät?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Wir sind die erste Partei, die überhaupt für alle sozialen Sicherungssysteme<br />
langfristige Vorschläge erarbeitet hat. Insofern kann ich die Frage<br />
nicht richtig nachvollziehen. Sie sollte lieber der Regierung und der<br />
SPD gestellt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bundesrat-Fan</b>:<br />
Frage: Raten Sie der Bevölkerung derzeit zum Abschluss einer Riester-Rente?<br />
Würde eine CDU-geführte Bundesregierung die &quot;Riester&quot;-Rente<br />
abschaffen oder modifizieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Die CDU würde die Riester-Rente in der jetzigen Form abschaffen,<br />
das Prinzip aber erhalten. Die Riester-Rente ist viel zu bürokratisch.<br />
Wir brauchen für die Zukunft nur ganz wenige Kriterien, die eine<br />
Kapitalanlage erfüllen muss, um als private Altersvorsorge auch gefördert<br />
zu werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>josefine</b>:<br />
Wie würden Sie die derzeitige Lage der CDU/CSU beschreiben. Gibt<br />
es ihrer Meinung nach die Entwicklung einer starken Partei bis zur nächsten<br />
Bundestagswahl 2006? Auch wenn die CDU/CSU Personaldebatten dahingehend<br />
vermeiden will, sollte doch zumindest eine starke Person, das Bild der<br />
Partei summierend darstellen können. Wie schätzen Sie die derzeitige<br />
Situation der CDU/CSU ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Wir werden zurzeit in den Meinungsumfragen nahezu bei einer absoluten<br />
Mehrheit in Deutschland gesehen. Das darf uns allerdings nicht überheblich<br />
machen. Wir dürfen auch die Fehler der SPD nicht wiederholen, die<br />
in ihrer langen Oppositionszeit keine wirklichen programmatischen Vorstellungen<br />
für eine Regierungszeit entwickelt hat. Deshalb haben wir unser Arbeitsprogramm<br />
unmittelbar nach der letzten Bundestagswahl in Angriff genommen und werden<br />
bis zum Ende des Jahres allen Menschen in Deutschland ganz konkret Antwort<br />
geben können, was sich ändern muss im Bereich Arbeitsmarkt,<br />
Steuern, und soziale Sicherungssysteme.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>General</b>:<br />
Meinen Sie nicht, die Blockade-Haltung der CDU kann auf Dauer die Umfragewerte<br />
nach unten beeinflussen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Eichhorn</b>:<br />
Wer wird von den guten Umfrageergebnissen profitieren? Koch, Merkel oder<br />
Stoiber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Auch wenn ich mich jetzt wiederhole: Blockiert haben wir bisher lediglich<br />
Steuererhöhungen, die die Bundesregierung durchführen wollte.<br />
Im Übrigen geht es darum, die Vorstellungen der Bundesregierung auszuweiten.<br />
Nun zu den Umfrageergebnissen: Meine Überzeugung ist, dass kein Mensch<br />
in Deutschland zurzeit möchte, dass sich die CDU um Personaldebatten<br />
kümmert, aber alle wollen, dass wir bei dieser unfähigen Regierung<br />
einen Beitrag zur Überwindung der schweren Krise in unserer Wirtschaft<br />
leisten. Das werden wir auch tun. Personalentscheidungen stehen an, kurz<br />
vor einer Bundestagswahl, wann immer sie auch kommen mag. Hoffentlich<br />
möglichst schnell.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edmund</b>:<br />
Kann Angela Merkel sich im nächsten Wahlkampf gegen Stoiber und Koch<br />
durchsetzen? Wen würden Sie als Kanzlerkandidaten favorisieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Siehe die letzte Antwort.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>General</b>:<br />
CSU-Chef Stoiber und DGB-Chef Sommer demonstrieren Einigkeit in der Ablehnung<br />
des Herzog-Konzepts, die CSU bezeichnet sich als die Partei der kleinen<br />
Leute &#8211; wo bleibt da die CDU? Ist es nicht ein Schlag ins Gesicht der<br />
CDU in welcher Form sich die Schwesterpartei derzeit verhält?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Gegen Partei der kleinen Leute ist zunächst mal überhaupt nichts<br />
zu sagen, die sind nämlich zurzeit die wirklich gekniffenen der derzeitigen<br />
rot-grünen Politik. Ansonsten wünsche ich mir natürlich,<br />
dass sich die CSU möglichst argumentativ mit unseren Vorschlägen<br />
auseinandersetzt. Für bessere Vorschläge sind wir nämlich<br />
jederzeit offen. Die liegen allerdings bisher noch von niemandem, der<br />
die Ergebnisse der Herzog-Kommission kritisiert hat, auf dem Tisch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Hat Sie die Harmonie zwischen Stoiber und Sommer überrascht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
So harmonisch hab ich das persönlich nicht empfunden. Herr Sommer<br />
sucht ganz offensichtlich Verbündete gegen die derzeitige Bundesregierung.<br />
Bei CDU und CSU würde er sie sicher dann auch finden, wenn der DGB<br />
in seinen Positionen ein bisschen mehr an die denken würde, die heute<br />
keine Arbeit haben, statt nur Besitzstände zu verteidigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurentinus</b>:<br />
Deutschland wird nach einer Prognose der EU-Kommission auch 2004 gegen<br />
den Euro-Stabilitätspakt verstoßen. Soll die vorgezogene Steuerreform<br />
nun kommen oder nicht? Und wie wollen sie die Finanzierung realisieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wirtschaftsweiser</b>:<br />
Hallo Herr Meyer, wann kommen die Vorschläge der Union für die<br />
Finanzierung einer vorgezogenen Steuerreform. Diese Woche, nächste<br />
Woche, nie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laurenz Meyer</b>:<br />
Wir werden uns mit der vorgezogenen Steuerreform dann beschäftigen,<br />
wenn wir um die Ergebnisse der nächsten Steuerschätzung Bescheid<br />
wissen. Das wird Anfang bis Mitte November der Fall sein. Ich wiederhole<br />
aber noch mal, wenn den Arbeitnehmern die Steuersenkung für ein Jahr<br />
vorgezogen wird und ihnen gleichzeitig über Kilometerpauschale streichen<br />
und Eigenheimzulage streichen mehr Geld abgenommen als ihnen gegeben wird<br />
zu den enormen Schulden noch zusätzliche Schulden gemacht werden<br />
sollen, halte ich diese Politik für unvertretbar.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hinweis</b>:<br />
Wegen eines technischen Problems wurde der Chat wenige Minuten vor Schluss<br />
unterbrochen. Wir bitten alle User um Verständnis.</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Eine Steuerreform auf Pump lehne ich ab.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine-steuerreform-auf-pump-lehne-ich-ab-281/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Dagmar Wöhrl]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindefinanzreform]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dwoehrl.jpg" alt="Dagmar Wöhrl" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b>Dagmar Wöhrl, wirtschaftspolitische 
Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 24. September 2003 zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dwoehrl.jpg" alt="Dagmar Wöhrl" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b>Dagmar Wöhrl, wirtschaftspolitische<br />
Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 24. September 2003 zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Heute ist die wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag,<br />
Dagmar Wöhrl (CSU), zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Kann<br />
es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der Fraktionsvize Friedrich Merz hat mit seinem Rückzug vom Rückzug<br />
für viel Aufregung in der Unionsfraktion gesorgt. Nun streiten sich<br />
die Geister. Hat er damit Angela Merkels Position gestärkt oder geschwächt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also, Angela Merkel hat gestern ein sehr gutes Ergebnis bekommen bei ihrer<br />
Wahl zur Fraktionsvorsitzenden der Union, so dass es keinesfalls zu einer<br />
Schwächung gekommen ist. Wir sind froh, dass sich Herr Merz gestern<br />
wieder zur Wahl als Fraktions-Vize gestellt hat, denn er ist einer der<br />
fähigsten Wirtschafts- und Finanzpolitiker der Union.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ehrich</b>:<br />
Was waren die Motive des Zickzack-Kurses von Friedrich Merz vor der Wahl<br />
zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Er hat seine Kritik an der Gesundheitsreform zum Ausdruck gebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lassie</b>:<br />
Merz, mit dem schlechtesten Ergebnis aller Stellvertreter, hat einen Denkzettel<br />
verpasst bekommen. Er verteidigt sich, dass er in der Sache ein Thema<br />
angesprochen habe, &quot;bei dem viele Kolleginnen und Kollegen mit mir<br />
einer Meinung sind, sowohl vom Verfahren wie vom Inhalt. Diese Gesundheitsreform<br />
ist für uns eine schwere Entscheidung.&quot; Auch für Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Dass wir alle nicht glücklich sind, über diese Gesundheitsreform,<br />
kann man, glaube ich, verstehen. Wichtig wäre eine große Strukturreform<br />
gewesen, aber wenn man einen Konsens finden will, müssen natürlich<br />
auch Abstriche gemacht werden. Wenn wir an der Regierung gewesen wären,<br />
hätte eine Gesundheitsreform anders ausgesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie werden Sie im Bundestag abstimmen? Mit Ja oder Nein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich werde mit Ja abstimmen. Aber auch in dem Wissen, dass es nicht das<br />
Ende einer Gesundheitsreform ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernie</b>:<br />
Gemeindefinanzreform: Auf welcher Seite stehen sie? Auf der Seite des<br />
Städtetages oder stimmen sie dem BDI (die Gewerbesteuer abzuschaffen)<br />
zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Nach meiner Auffassung entspricht keiner der beiden Vorschläge einer<br />
richtigen Gemeindefinanzreform. Es müssen nochmals neue Vorschläge<br />
erarbeitet werden. Da die Gemeinden und Städte jedoch mit dem Rücken<br />
an der Wand stehen, hat die Union einen Sofortprogramm-Antrag eingebracht,<br />
wonach den Kommunen auf ein Jahr befristet der Umsatzsteueranteil erhöht<br />
werden soll und die von Rot-Grün erhöhte Gewerbesteuerumlage<br />
von 28 auf 20 Prozent zurückgenommen werden soll. Ich bin ein absoluter<br />
Gegner davon, ertragsunabhängige Elemente wie auch Mieten, Leasingraten<br />
und Zinsen in die Berechnung mit aufzunehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Klagen der Kommunen werden immer &quot;lauter&quot; &#8211; trotzdem scheinen<br />
Sie keine richtig &quot;Lobby&quot; in der Bundespolitik zu haben oder<br />
täuscht der Eindruck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Die größten Lobbyisten bei der Gemeindefinanzreform sind die<br />
Politiker selbst, da sehr viele früher in der Kommunalpolitik tätig<br />
gewesen sind und die Beschwerden der Bürger in ihren Wahlkreisen<br />
über Schließungen von Schwimmbädern, Schulbüchereien,<br />
usw. hautnah mitbekommen. Auch ich komme aus der Kommunalpolitik und kann<br />
so meine Erfahrungen aus dieser Zeit mit einbringen. Eigentlich sollte<br />
jeder Bundespolitiker vorher in der Kommunalpolitik tätig gewesen<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kohler</b>:<br />
Welche anderen Subventionen sollen abgebaut werden? Was werden Koch und<br />
Steinbrück am kommenden Dienstag vorstellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also: Was wissen Sie schon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also, ich weiß noch nichts genaues, aber ich gehe davon aus, dass<br />
eine Pauschalenkürzung von 10 % über 3 Jahre vorgeschlagen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hugo_Boss</b>:<br />
Die Kürzung der Pendlerpauschale ist im Haushaltsbegleitgesetz 2004<br />
Teil eines umfassenden Subventionsabbaus. Sind Sie gegen die Kürzung<br />
der Entfernungs-Pauschale für Berufspendler auf 15 Cent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Die Entfernungspauschale ist für ein Flächenland wie Bayern<br />
eine wichtige Angelegenheit, deswegen bin ich nicht für diese Kürzung.<br />
Außerdem muss man sehen, dass diese Entfernungspauschale von Rot-Grün<br />
als Kompensation für die Erhöhung der Ökosteuer eingeführt<br />
worden ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Damit stellt sich die Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lacoste</b>:<br />
Hat die Kürzung der Pendlerpauschale im Bundesrat eine Chance?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich glaube nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maja</b>:<br />
Aber ökologisch ist es doch sinnvoll, wenn Pendler den ÖPNV<br />
benutzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Sicher ist es sinnvoll, aber in vielen Gegenden gibt es keine Angebot<br />
des öffentlichen Personen-Nahverkehrs.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>petermann25</b>:<br />
Sie sagen, dass ein „Befreiungsschlag“ auf dem Arbeitsmarkt<br />
nötig ist. Aber wie genau sieht denn so ein Befreiungsschlag aus?<br />
Wie sollen neue Arbeitsplätze finanziert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Wichtig ist, dass unsere Betriebe wieder mehr Luft zum Atmen bekommen.<br />
Arbeitsplätze werden nun mal von Unternehmern geschaffen. Leider<br />
ist die wirtschaftliche Lage unseres Standortes zur Zeit nicht gerade<br />
rosig. Unternehmer sind verunsichert. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt.<br />
Nicht nur hinsichtlich ihrer Auftragslage, sondern auch vor allem hinsichtlich<br />
der Gesetzgebung der Regierung. Diese äußert sich in einem<br />
Hü und Hott und lässt jegliches Gesamtkonzept vermissen. Nicht<br />
alles kostet Geld, was von der Regierung auf den Weg gebracht werden müsste.<br />
Einer der wichtigsten Punkte wäre eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.<br />
Als Beispiel will ich hier erwähnen: betriebliche Bündnisse<br />
für Arbeit in den Betrieben oder z.B. das Kündigungsschutzgesetz.<br />
In unserem Antrag des Arbeitsmarktmodernisierungsgesetzes der Union sind<br />
viele Forderungen enthalten von Wiedereinführung des alten Teilzeitgesetzes<br />
bis hin von Einstellungen von Mitarbeitern während der Probezeit<br />
unter Tarif. Ein ganz wichtiger Punkt ist unser Ziel, die Lohnnebenkosten<br />
zu senken. Leider geht die Schere zwischen brutto und netto immer weiter<br />
auseinander und die Menschen haben netto immer weniger Geld in der Tasche.<br />
Vor allem der personalintensive Mittelstand, der sowieso schon unter einer<br />
geringen Eigenkapitalquote zu leiden hat, ist besonders stark davon betroffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paris</b>:<br />
Reformen a la Stoiber heißt aber auch, Pleiten wie Kirch hinzunehmen?<br />
Herr Stoiber ist da nicht besser als Herr Clement in NRW!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pumuckl</b>:<br />
Aber ist das nicht auch das Erbe der langen Kohlregierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Dass auch während unserer Regierungszeit Fehler gemacht worden sind,<br />
wird, glaube ich, niemand bestreiten. Als Beispiel kann man hier das Frühverrentungsgesetz<br />
nennen, womit sich viele Unternehmen auf Kosten des Staates von älteren<br />
Mitarbeitern getrennt haben, ohne im Gegenzug, wie mit dem Gesetz angedacht,<br />
Arbeitsplätze mit jüngeren Mitarbeitern zu schaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Resterampe</b>:<br />
Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich, um am Arbeitsmarkt Effekte zu<br />
erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten Arbeitslosen miteinbeziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Man geht davon aus, dass wir in Deutschland mindestens ein Wachstum von<br />
2,0 % benötigen, um zu einem Beschäftigungszuwachs zu kommen.<br />
Andere Staaten benötigen ein viel geringeres Wachstum, die USA z.B.<br />
nur 0,7 %. Das zeigt, dass wir kein konjunkturelles Problem haben, sondern<br />
ein strukturelles. Mit großer Sorge habe ich letzte Woche vom IWF<br />
vernommen, dass Deutschland dieses Jahr das einzige Land in der Welt mit<br />
Null Wachstum sein wird. Ein Abbau unserer Arbeitslosigkeit scheint somit<br />
in weite Ferne gerückt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das klingt ziemlich hoffnungslos: 2% Wachstum, dann erst tut sich was.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Deswegen ist es notwendig, Mut zu haben und Strukturreformen anzugehen.<br />
Früher hat man immer gesagt, wir haben kein Erkenntnisproblem in<br />
der Politik, sondern wir haben ein Umsetzungsproblem. Ich sehe es inzwischen<br />
anders: Nämlich, dass wir ein Erkenntnisproblem haben, dass unsere<br />
jetzigen Strukturen wie z.B. unsere sozialen Sicherungssysteme in der<br />
bestehenden Form keine Zukunft mehr haben; aufgrund immer geringeren Beschäftigungszahlen<br />
und immer höherer Lebenserwartung der Menschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>TollSammler</b>:<br />
Die Gegenfinanzierung der vorgezogenen Steuerreform durch Kredite: ist<br />
das sinnvoll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zug</b>:<br />
Soll die Nachfrage der Konsumenten gestärkt werden, dann ist doch<br />
Eichel auf dem richtigen Weg: Wie würden sie die Bürger netto<br />
besser stellen, ohne mehr Schulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Eine Steuerreform auf Pump lehne ich ab. Vergessen wird in der ganzen<br />
Diskussion, dass die Steuerreform schon vom Mittelstand durch Abschreibungsverschlechterungen<br />
vorfinanziert wurde. Für mich ist das ein populistischer Vorschlag,<br />
da es für die Länder und die Kommunen unmöglich ist, das<br />
benötigte Finanzvolumen in Milliardenhöhe aufzubringen. Ein<br />
ganz großes Problem ist die Schwäche unserer Binnenkonjunktur,<br />
die auch auf eine starke Konsumzurückhaltung zurückzuführen<br />
ist. Die Menschen sind verunsichert. Sie wissen bei dieser Regierung nicht<br />
woran sie sind, viele haben Angst um ihren Arbeitsplatz, viele um ihre<br />
Altersversorgung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kohler</b>:<br />
Müssen Schröder und Eichel die Stabilitätskriterien der<br />
EU einhalten oder würden sie die auch flexibel auslegen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich bin ein strikter Befürworter des Stabilitätspaktes. Deutschland<br />
hat unter Finanzminister Theo Waigl mit viel Mühe den Stabilitätspakt<br />
bei den anderen Mitgliedsländern der EU durchgesetzt. Ein Aufweichen<br />
des Paktes hätte schwerwiegende Folgen für den Euro. Deutschland<br />
wird unter Eichel nächstes Jahr das dritte Mal in Folge das Defizitkriterium<br />
von 3 % bei weitem überschreiten, so dass mit Strafzahlungen in Höhe<br />
von 10 Milliarden Euro an die Europäische Union zu rechnen ist. Wir<br />
können nur hoffen, dass die unsolide Haushaltspolitik Deutschlands<br />
in Europa keine Schule macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zu den Subventionen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oioi</b>:<br />
Subventionen abbauen, da fällt mir die Landwirtschaft als erstes<br />
ein. Ihnen auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rwqrw</b>:<br />
Warum nicht endlich die Subventionen für Bauern und Häuslebauer<br />
abschaffen? Weil das ihre Wähler sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Es ist dringend notwendig, an die Subventionen heranzugehen. Dennoch bin<br />
ich der Auffassung, dass man zwischen strukturerhaltenden und investitionsfördernden<br />
Subventionen unterscheiden muss. Wissen muss man, dass die deutsche Landwirtschaft<br />
mit viel höheren Umwelt- und Tierschutzauflagen zu leben hat. Nichtsdestoweniger<br />
war die deutsche Landwirtschaft bereit, im Rahmen des EU-Abkommens mit<br />
der USA zur Agrarreform Subventionskürzungen hinzunehmen. Wichtig<br />
ist eine Diskussion: Wie sollen zukünftig Subventionen vergeben werden?<br />
Subventionen werden immer irgendwann notwendig sein, aber sie müssen<br />
von Anfang an befristet sein und nicht zur Dauereinrichtung werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ein ganz anderes &#8211; berechtigtes &#8211; Subventionsthema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerri</b>:<br />
Wie sieht es denn aus mit Subventionen für Kunst und Kultur? Das<br />
sind keine Gebiete, mit denen kurzfristig Geld verdient werden kann, trotzdem<br />
erscheinen sie mir förderungswürdig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Frage stellt sich vor allem angesichts der Finanzlage der Kommunen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also ich setze hier sehr stark auf privates Engagement, vor allem der<br />
Unternehmen. Auch die IHK’s haben in diesem Zusammenhang schon einige<br />
Kulturstiftungen ins Leben gerufen, die sich durch Spenden von Unternehmen<br />
finanzieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Markus</b>:<br />
Frau Wöhrl, hätten Sie nicht Lust, den Merz zu beerben? Schon<br />
mal mit Frau Merkel darüber gesprochen? Oder darf das nur ein CDU’ler<br />
machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich glaube, dass sich diese Frage nicht stellt. Ich bin froh, mit Herrn<br />
Merz zusammen zu arbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Leser/innen und Fragende, die Stunde ist vorbei, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und die Fragen. Vielen Dank, Frau Wöhrl, dass Sie sich<br />
die Zeit genommen haben. Ein Terminhinweis noch: Am kommenden Dienstag,<br />
30.9.2003 ist Anna Lührmann voraussichtlich von 17.30 bis 18.30 Uhr<br />
bei uns Gast im ARD-Hauptstadtstudio. Die Grünen-Politikerin ist<br />
die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Alle Chat-Transkripte<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht noch einen schönen Nachmittag und Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Tschüß, bis vielleicht bald wieder einmal hier bei tacheles02.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine-steuerreform-auf-pump-lehne-ich-ab-281/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Stabilitätsprobleme werden zunehmen. Das Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindes</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_stabilitaetsprobleme_werden_zunehmen_das_maastrichtkriterium_wird_deutlich_ueberschritten_es_w-295/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Neuverschuldung]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b> 
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b><br />
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator</b>: Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Der Präsident des Deutschen Instituts für<br />
Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, ist heute in den Büroräumen<br />
von politik-digital zu Gast im Chat. Der Live-Chat kann über die<br />
geschaltete Webcam mitverfolgt werden. Herr Zimmermann, sind Sie bereit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Selbstverständlich.</p>
<p><b>Frage</b>: Bundeskanzler Schröder hat heute erklärt,<br />
dass die Finanzierung der dritten Stufe der Steuerreform ab 2005 durch<br />
&quot;darin vorgesehene Maßnahmen&quot; gedeckt sei. Was sind denn<br />
das für Maßnahmen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, zu den Maßnahmen gehören<br />
der Abbau von Subventionen in der Landwirtschaft und beim Bau sowie wahrscheinlich<br />
auch die Kürzung der Unterstützung für die Entfernungsgeldpauschale.</p>
<p><b>Moderator</b>: Heute hat Herr Eichel die Eckpfeiler seiner<br />
Steuerreform bekannt gegeben. Wie soll diese in Zeiten flauer Wirtschaft<br />
finanziert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Es ist vorgesehen, zunächst einmal<br />
Kredite auf zu nehmen und Bundesbesitz zu privatisieren. Das ist gut,<br />
weil deshalb die Konjunktur im nächsten Jahr leichter anspringen<br />
kann. Für die Jahre danach muss man dann aber daran denken, Subventionen<br />
ab zu bauen, etwa in der Landwirtschaft und beim Bau.</p>
<p><b>Ursula</b>: Nach Eichels Konzept will der Bund im kommenden<br />
Jahr 5 Milliarden Euro zusätzlichen Kredit aufnehmen. Wird die vorgezogene<br />
Steuerreform also deutlich schuldenfinanziert sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, und damit haben die Menschen netto<br />
mehr Geld in der Tasche und werden stärker konsumieren und in neue<br />
Unternehmungen investieren.</p>
<p><b>Nicole</b>: Schröder meinte, dass es lediglich darum<br />
ginge, ein Jahr finanziell über die Runden zu kommen. Aber jetzt<br />
mal ehrlich: Nach einem Jahr, also 2005, wird die Wirtschaft doch nicht<br />
über den Berg sein, Herr Zimmermann, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Da haben Sie Recht. Die Regierung muss<br />
weiter ihre Hausaufgaben machen, dazu gehört die Durchführung<br />
konsequenter Strukturreformen, etwa am Arbeitsmarkt. Weitere Maßnahmen<br />
sind die Reform der sozialen Sicherungssysteme und die Haushaltssanierung.</p>
<p><b>öltanker</b>: Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich,<br />
um am Arbeitsmarkt Effekte zu erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten<br />
Arbeitslosen mitziehen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig durchgeführt wird dies<br />
die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen erhöhen. Um am<br />
Arbeitsmarkt wirkliche Effekte zu erzielen, brauchen wir mindestens zwei<br />
Prozent Wachstum. Soviel werden wir demnächst nicht bekommen, das<br />
heißt die Arbeitslosigkeit wird auch in den nächsten Jahren<br />
eher anwachsen.</p>
<p><b>peterter</b>: Warum brauchen wir zwei Prozent Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Weil erst mit mehr als zwei Prozent<br />
mehr Menschen eingestellt werden.</p>
<p><b>kohl</b>: Ist das in anderen Ländern anders? Gibt es<br />
da früher Arbeitsplätze bei weniger Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: In Amerika und in England beispielsweise<br />
brauchen wir viel weniger Wachstum, um mehr Beschäftigung zu erreichen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Hier kommt wieder eine Frage zur Situation<br />
in Deutschland:</p>
<p><b>Rudi</b>: Aber wenn die Arbeitslosigkeit wächst, haben<br />
die Menschen doch nicht mehr Geld um zu investieren, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Wir müssen vermeiden,<br />
dass noch mehr Menschen arbeitslos werden. Gleichzeitig soll durch die<br />
Steuerreform mehr Geld in die Taschen von Konsumenten und Unternehmern<br />
gelangen, damit mehr Nachfrage entsteht.</p>
<p><b>igmetalla</b>: Bringt denn nur Arbeit mehr Wachstum? Oder<br />
nur anders herum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Beides ist möglich. Wichtig ist<br />
allerdings, dass Wachstum entsteht, damit mit mehr Gütern auch mehr<br />
Menschen in Arbeit kommen. Steigt andererseits die Arbeitsbereitschaft,<br />
dann führt dies auch zu einer Kostensenkung bei den Unternehmen und<br />
die Güterpreise können sich so günstig entwickeln, dass<br />
auch mehr abgesetzt wird.</p>
<p><b>Mirijam</b>: Aber ist es nicht auch ein psychologisches Problem?<br />
Die Menschen werden doch nur mehr investieren, wenn sie auch tatsächlich<br />
das Gefühl haben, nicht mehr in einer Konjunkturschwäche zu<br />
stecken? Kann man dieses Problem mit der Steuerreform lösen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Wenn die Steuerreform hilft, dass der<br />
Konjunkturaufschwung tatsächlich für die Menschen spürbar<br />
wird, dann wächst das Vertrauen in die Zukunft und es wird mehr investiert.</p>
<p><b>susip</b>.: Alle reden von Wachstum, aber warum muss die<br />
Wirtschaft eigentlich immer wachsen? Kann sie nicht auf dem heutigen Niveau<br />
bleiben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nein, sonst würde das Arbeitslosigkeitsproblem<br />
immer größer werden. Nur Wachstum sichert, dass sich neue Märkte<br />
entwickeln und zusätzliche Beschäftigung entsteht.</p>
<p><b>kohl</b>: Muss das Problem nicht EU-weit angegangen werden?<br />
Was machen etwa Frankreich und Chirac?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Auch die Franzosen haben Probleme mit<br />
der Sparpolitik und verfolgen eine ähnliche Politik, die Konjunktur<br />
durch zusätzliche Budgetdefizite anzuregen. Generell gilt, dass ganz<br />
Europa in einer Wachstumsschwäche steckt. Deutschland muss als größte<br />
Nation mit helfen, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zu einer europaweit bedeutsamen Frage:</p>
<p><b>Dieter Schmidt</b>: Hält Eichels Steuerreform dem Stabilitätspakt<br />
stand, oder sprengt sie ihn damit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Stabilitätsprobleme werden<br />
zunehmen. Der Pakt kann im nächsten Jahr nicht gehalten werden. Das<br />
Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindestens<br />
3,7 Prozent betragen.</p>
<p><b>Sucher</b>: Die marginale Grenze von 3% an Neuverschuldung<br />
soll nicht gesprengt werden. Was besagt diese Zahl genau? Ist sie nicht<br />
willkürlich gewählt und könnte in flauen Zeiten wie diesen,<br />
die ja ganz Europa auf dem Magen liegen, nach oben korrigiert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Bei dieser Grenze geht es um den Anteil<br />
der Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt. 3 % heißt, dass das<br />
Defizit so groß ist wie 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl<br />
ist vertraglich vereinbart und kann nicht einfach verändert werden.<br />
Allerdings kann die Grenze überschritten werden, wenn eine Regierung<br />
die Finanzpolitik begründen kann. Im Fall für Deutschland kann<br />
man mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage, mit der Steuerreform selbst<br />
sowie mit den Strukturreformen erfolgreich argumentieren. Dann kann man<br />
die drohenden finanziellen Strafen vermeiden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ist sie also eine beliebige Zahl, die vertraglich<br />
vereinbart wurde? Könnten es auch 3,5% sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Begründung<br />
für diese genaue Zahl, es könnte auch 5 % heißen. Allerdings<br />
galt sie bei Vertragsabschluß als politisch tragfähig und finanzpolitisch<br />
wirksam.</p>
<p><b>libero</b>: Chirac hatte angedeutet, den Stabilitätspakt<br />
nicht einhalten zu wollen? Warum soll sich Eichel daran halten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Eichel hat das Probleme, dass die Deutschen<br />
den Stabilitätspakt erfunden haben. Wir wollten diese Regelungen,<br />
damit wir die Aufgabe der DM leichter verkraften. Jetzt zeigt sich, dass<br />
kritische Länder wie Griechenland stabilitätsbewusster handeln.<br />
Allerdings hat Eichel in Brüssel erreicht, dass ein Reißen<br />
des Kriteriums dann akzeptiert wird, wenn Strukturreformen eingeleitet<br />
werden und der mittelfristige Stabilisierungspfad nicht verlassen wird.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zwei Fragen in die gleiche Richtung&#8230;</p>
<p><b>Sucher</b>: Was hat die Überschreitung denn für<br />
Konsequenzen?</p>
<p><b>Mumpitz</b>: Jedes Land hat doch Probleme, diese Zahl einzuhalten.<br />
Hätte man das nicht vorher absehen können?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nicht jedes Land hat Probleme, nur<br />
die großen Länder neben Deutschland und Frankreich auch Italien.<br />
Das war nicht voraus zu sehen, da damals größeres Wachstum<br />
herrschte, deshalb sollte man den Pakt bald sinnvoll reformieren, um Konjunkturschwankungen<br />
besser Rechnung zu tragen.<br />
Zu Sucher:<br />
Das kann zu Strafzahlungen in Milliardenhöhe führen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun ein Schwenk zur Innenpolitik Deutschlands&#8230;</p>
<p><b>Mirijam</b>: Um was für Subventionskürzungen geht<br />
es denn inhaltlich? Was bedeutet das für den Normalbürger?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die derzeit diskutierten Subventionen<br />
sind die Eigenheimzulage, das Entfernungsgeld beim Weg zur Arbeit, die<br />
Steuerbefreiung von Überstunden und Nachtarbeit sowie die Landwirtschaft.<br />
Größenordnungsmäßig geht es um Beträge in Höhe<br />
von 15 &#8211; 20 Milliarden Euro, die zunächst zur Diskussion stehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Wo soll das Geld genau herkommen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Aus den Taschen der Haushalte und Unternehmungen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zur Opposition:</p>
<p><b>kohl</b>: Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf Rot-Grün<br />
eine &quot;Flucht in neue Schulden&quot; vor. Aber anders geht es doch<br />
nicht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es geht nicht anders, wenn man jetzt<br />
im kommenden Jahr die Konjunktur etwas stützen will. Natürlich<br />
könnte man durch eine Kürzung von Subventionen oder auch durch<br />
Haushaltseinsparungen eine Gegenfinanzierung schaffen. Dann müssten<br />
sich Regierung und Opposition allerdings darauf einigen, was gestrichen<br />
werden soll. Das fällt allen Parteien derzeit denkbar schwer. Dazu<br />
kommt, dass diese Einsparungen gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern<br />
und Dienstleistungen reduzieren würden, und es uns somit wirtschaftlich<br />
schlechter ginge. Das kann niemand wollen, also sollte sich rasch eine<br />
Einigung auch im Bundesrat auf Vorziehen der Steuerreform ohne Ausgabenkürzung<br />
finden.</p>
<p><b>peterter</b>: Die überwiegende Kreditfinanzierung und<br />
die fehlende Entlastung für Kommunen und Länder seien &quot;nicht<br />
hinnehmbar&quot;, sagt Stoiber. Abgesehen davon, das er kein eigenes Konzept<br />
hat, hat er inhaltlich recht und was schlagen sie vor?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die fehlende Entlastung für die<br />
Kommunen müssen bei der Gemeindefinanzreform kommen. Es ist ein großes<br />
Problem, dass die kommunalen Investitionen bereits seit Jahren schrumpfen.<br />
Das wird auf Dauer zu einem schwerwiegenden Wachstumshemmnis für<br />
die deutsche Wirtschaft. Die Länder haben dagegen eine konjunkturpolitischen<br />
Auftrag und würden bei einem mittelfristigen Subventionsabbau auch<br />
erhebliche Vorteile haben. Damit löst sich das Problem mittelfristig</p>
<p><b>jung</b>: Die Opposition sagt: Eine Steuerreform auf Pump<br />
sei gegenüber der jüngeren Generation unverantwortlich. Stimmt<br />
das? Bezahlen wir Jungen die Schulden von morgen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Jungen stehen vor großen<br />
Belastungen. Das kann nur vermieden werden, wenn jetzt Strukturreformen<br />
gemacht werden. Diese sind aber nur erträglich und praktikabel, ja<br />
sogar wirksam, wenn die wirtschaftliche Dynamik anspringt. Wer mit dem<br />
Fahrrad voran kommen will, muss zwar die Handbremse lösen, er muss<br />
aber auch in die Pedale treten.</p>
<p><b>cher</b>: Wenn der Staat jetzt neue Schulden, d.h. Kredite,<br />
aufnimmt, macht er das in Deutschland oder im Ausland? Denn Kredite im<br />
Inland fördern doch letztlich auch die deutsche Volkswirtschaft,<br />
oder?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das geschieht überwiegend im Inland.<br />
Der Staat tritt aber in Konkurrenz zu privaten Investoren, die dann höhere<br />
Zinsen zahlen müssen, um an ihre Kredite zu kommen. Auch sind höhere<br />
Staatsschulden mittelfristig über Steuern zurück zu zahlen.<br />
Die Haushalte haben also nicht dauerhaft mehr Geld in der Tasche.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ein Schwenk zu einer von Eichel angekündigten<br />
Privatisierungsmaßnahme:</p>
<p><b>Frodo</b>: Wie wird sich der geplante Verkauf der Telekom-<br />
und Post-Aktien auf den Börsenmarkt auswirken? Muss dann nicht wieder<br />
der kleine Mann, in diesem Fall die Kleinaktionäre, dran glauben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das wird wohl über die Kreditanstalt<br />
für Wiederaufbau langsam in den Markt eingebracht, keinesfalls wird<br />
das Bundeseigentum jetzt billig verschleudert. Somit kann sicher gestellt<br />
werden, dass die Aktien dann in den Markt kommen, wenn auch Nachfrage<br />
besteht. Aber natürlich ist es richtig, dass die Aussichten auf kurzfristige<br />
Wertzuwächse bei diesen Aktien zunächst verbaut.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das heißt, die Kreditanstalt für<br />
Wiederaufbau steuert den Rückfluss der Aktien auf den Markt?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Diese Bank des Bundes ist<br />
für die Marktpflege verantwortlich. Sie stellt der Regierung kurzfristig<br />
die benötigten Gelder für den Haushalt zur Verfügung.</p>
<p><b>Lara</b>: Herr Zimmermann, die Börsenkurse sind im Moment<br />
am Boden. Für verkaufte Telekomaktien wird nicht viel zu bekommen<br />
sein. Wo kommt der Rest des Geldes her, das die vorgezogene Steuerreform<br />
gegenfinanzieren soll?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Aktien werden nicht sofort verkauft.<br />
Die Kreditanstalt bringt sie erst in den Markt, wenn die Situation günstig<br />
ist. Derzeit erhält also die Regierung einen Kredit der Kreditanstalt.</p>
<p><b>Moderator</b>: Und zurück zu grundsätzlichen Fragen<br />
der User:</p>
<p><b>jäggi</b>: Nachfrage zum Stabilitätspakt: Sollte<br />
Eichel also die drei Prozent Grenze überschreiten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Er hat keine andere Chance. Sonst würde<br />
er die Wirtschaft weiter abwürgen und mehr Arbeitslosigkeit schaffen.<br />
Allerdings muss er sehr genau begründen, warum er das tut.</p>
<p><b>Wundertüte</b>: Ist die Neuverschuldung überhaupt<br />
verfassungsmäßig?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Der Haushalt liegt über der normalen<br />
Grenze. Die Neuverschuldung ist größer als die Summe der Investitionen.´Das<br />
ist dennoch verfassungsgemäß, wenn Eichel gleichzeitig eine<br />
gesamtwirtschaftliche Notlage erklärt. Das wird er tun und dann ist<br />
es ganz legal.</p>
<p><b>jäggi</b>: Also hat die Union mit Ihrem Vorwurf der<br />
nicht Verfassungsmäßigkeit unrecht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Nein. Der Haushalt ist ohne diese Erklärung<br />
verfassungswidrig. Mit allerdings nicht, insofern ist das nur ein Spiel<br />
mit der Öffentlichkeit.</p>
<p><b>Moderator</b>: Vorletzte Frage: Aber ist das &quot;Gleichgewicht&quot;<br />
von Neuverschuldung und Investition vor dem Hintergrund der Steuerreform<br />
durchzuhalten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die Steuerreform wird kurzfristig zum<br />
Überschießen führen. Springt die Konjunktur aber an, gibt<br />
es weitere Steuereinnahmen und der Haushalt saniert sich.</p>
<p><b>Moderator</b>: Letzte Frage noch einmal zum Stabilitätspakt:</p>
<p><b>Spd</b>: Stabilitätspakt: Sie haben noch nicht präzisiert,<br />
warum die 3% in Maastricht vertraglich festgelegt wurden. Hat diese willkürlich<br />
gefundene Grenze eine ökonomische Basis? Ich lebe in Frankreich und<br />
dort werden seit drei Jahren die 3% überschritten. Dazu hat Frankreich<br />
seit 1997 mehr Wirtschaftswachstum erreicht als Deutschland.</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Basis.<br />
Das war eine politisch gegriffene Größe. Damit sollte eine<br />
restriktive Regelung gefunden werden, die nationalen Regierungen zu disziplinieren.</p>
<p><b>Moderator</b>: Liebe Politik-Interessierte, eine Stunde ist<br />
vorbei. Vielen Dank für Ihre Fragen, vielen Dank Herr Zimmermann,<br />
dass Sie in die Redaktionsräume von politik-digital gekommen sind.<br />
Den nächsten Chat gibt&#8217;s am kommenden Montag, den 21. Juli, dann<br />
stellt sich der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände<br />
Hans-Günter Friese von 17.00 bis 18.00 Uhr Ihren Fragen. Wir freuen<br />
uns, wenn Sie wieder dabei sind. Einen schönen Abend wünscht<br />
das tacheles.02-Team.</span></p>
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		<title>&#8220;Das größte soziale Problem in unserem Land ist die Perspektivlosigkeit von über 4 Millionen arbeitslosen Me</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Kündigungsschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarktpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Karl-Josef Laumann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/klaumann.jpg" alt="Karl-Josef Laumann" align="left" border="0" height="116" width="98" /></b><span style="color: #000000"><b><b> 
Karl-Josef Laumann, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Union, ist am 
8. Juli 2003</b></b></span></span> <b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">zu 
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/klaumann.jpg" alt="Karl-Josef Laumann" align="left" border="0" height="116" width="98" /></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
Karl-Josef Laumann, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Union, ist am<br />
8. Juli 2003</b></b></span></span> <b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">zu<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">.</span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>M</b></span><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">anu</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">:<br />
Wie bewerten Sie die heute erschienenen Arbeitslosenzahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl-Josef Laumann</b>:<br />
Ich bin der Meinung, dass die Arbeitslosenzahlen keine Entspannung für<br />
den Arbeitsmarkt bedeuten. Die traurige Realität ist, dass heute<br />
in Deutschland rund 300.000 Menschen mehr arbeitslos sind als vor einem<br />
Jahr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Heinz Müller</b>: Herr Laumann, einige sehen in den neuen Arbeitslosenzahlen<br />
einen konjunkturellen Aufschwung, da ein doppelt so starker Rückgang<br />
zu verzeichnen war wie im Schnitt der letzten 10 Jahre. Stimmen Sie dem<br />
zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Nein, dem stimme ich nicht zu, weil dieser<br />
Rückgang auf ein sehr hohes Niveau &#8211; nämlich der höchsten<br />
Arbeitslosigkeit in Deutschland seit Kriegsende &#8211; bezieht.</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Arbeitnehmer</b>: Worauf führen Sie den Rückgang der Arbeitslosenquote<br />
im Juni gegenüber Mai zurück?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Auf einen stetigen Beschäftigungsanstieg,<br />
der rein saisonal zu begründen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu den Reformplänen der Bundesregierung<br />
in Sachen Steuer und Gesundheitsreform?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Bei der Gesundheitsreform versuchen wir ja<br />
gerade notwendige erste Reformschritte gemeinsam mit der Bundesregierung<br />
zu verabreden. Was ich höre, verlaufen diese Gespräche durchaus<br />
erfolgversprechend. Was die Steuerreform anbelangt, bin ich sehr gespannt,<br />
wie Schröder sie gegen finanzieren will. Eine Steuerreform auf Pump<br />
ist gegenüber der jüngeren Generation unverantwortlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissen ist Macht</b>: Herr Laumann, schadet eine innerparteiliche Auseinandersetzung,<br />
wie jüngst wegen der Steuerreform geschehen, dem Image der Partei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Natürlich hat das das Image der CDU beschädigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Sehen sie den Haushaltsplan für 2004 als verfassungswidrig<br />
an?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Der Haushaltsplan ist deshalb verfassungswidrig,<br />
weil die Verschuldung die Höhe der Investitionen übersteigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissen ist Macht</b>: Wie sehen Sie den Ausweg aus der Finanzmisere?<br />
Der Großteil der Union fand den Ansatz, auf Pump zu leben, doch<br />
gar nicht mal so schlecht, oder?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich sehe den Ausweg aus der Misere zunächst<br />
einmal in einer Reform des Arbeitsmarktes und klare Finanzierungsperspektiven<br />
für die sozialen Sicherungssysteme. Dieses zusammen mit einer gegenfinanzierten<br />
Steuerreform würde sicherlich Impulse für Wachstum und Beschäftigung<br />
bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Anni</b>: Sie haben sich auch für Steuersenkungen ausgesprochen.<br />
dies bedeutet für die Kommunen deutliche Mindereinnahmen. Glauben<br />
Sie dass ein paar Euro mehr im eigenen Säckel besser sind als intakte<br />
Schulen, Kindergärten, soziale Einrichtungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Wir brauchen dringend eine Reform der kommunalen<br />
Finanzen. In den letzten Jahren haben Bund und Länder den Kommunen<br />
immer mehr Aufgaben zugewiesen, ohne ihnen die dafür erforderlichen<br />
Mittel am Gesamtsteueraufkommen des Staates zur Verfügung zu stellen.<br />
Außerdem rächt es sich jetzt gewaltig, dass Schröder die<br />
deutschen Großbetriebe und Banken durch die faktische Abschaffung<br />
der Körperschaftssteuer nicht mehr an der Finanzierung des Gemeinwesens<br />
beteiligt. Wir reden hier immerhin über 20 Mrd. Euro.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Durch was kann man ihrer Meinung nach die Konjunktur ankurbeln,<br />
ohne dies auf Kosten der nächsten Generation zu tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Karl-Josef Laumann</b>: Reformen am Arbeitsmarkt, Stabilisierung der sozialen<br />
Sicherungssysteme, gerade im Hinblick der demographischen Entwicklung<br />
und einer Aufgabenkritik auf allen staatlichen Ebenen um auch zu einer<br />
schlankeren Verwaltung unseres Landes zu kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Für viele Bürger sind die Unterschiede der<br />
Konzepte von Regierung und Opposition im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit<br />
kaum feststellbar. Können Sie in wenigen Worten die wesentlichen<br />
Unterschiede verdeutlichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">1. Die CDU ist der<br />
Meinung, dass betriebliche Bündnisse für Arbeit, wenn sie der<br />
Beschäftigungssicherung dienen, auf betrieblicher Ebene durchgeführt<br />
werden müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Diese Abweichung vom<br />
Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung lehnt Rot-Grün kategorisch<br />
ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">2. Mittelständische<br />
Betriebe bis 20 Beschäftigte sollten für Neueinstellungen vom<br />
Kündigungsschutzgesetz freigestellt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">3. Überprüfungen<br />
aller Schwellenwerte im Betriebsverfassungsgesetz auf Einstellungshemmnisse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">4. Eine Zusammenführung<br />
von Arbeitslosen- und Sozialhilfe wo wir Fördern und Fordern stärker<br />
zusammenbringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">5. brauchen wir eine<br />
Entkoppelung der sozialen Sicherungssysteme vom Faktor Arbeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">6. Stopp aller Frühverrentungsmodelle,<br />
weil sie die Beiträge zu stark belasten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>kai arbeitslos</b>: Sie wollen den Kündigungsschutz herabsetzen.<br />
Wie rechtfertigen Sie die massiven Eingriffe in die Arbeitnehmerrechte???</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Dieses</b>: zu 1: Nehmen Sie dabei nicht leichtfertig die Lockerung<br />
des Kündigungsschutzes in kauf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich nehme keinen Arbeitnehmer mit unseren Vorschlägen<br />
seinen Kündigungsschutz, sondern alle unsere Vorschläge sollen<br />
nur für Neueinstellungen gelten&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">In der jetzigen Arbeitsmarktlage<br />
halte ich alles, was zu Einstellungen führt, für sozial.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Theo</b>: Meinen Sie nicht Herr Laumann, das Ihr Motto: &quot;Sozial<br />
ist, was Beschäftigung schafft&quot; zu einseitig ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Nein. Das größte soziale Problem<br />
&#8211; ich möchte fast sagen: gesellschaftspolitische Problem &#8211; in unserem<br />
Land ist die Perspektivlosigkeit von über 4 Millionen arbeitslosen<br />
Menschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Heinz Müller</b>: Aber neu eingestellte Arbeitnehmer sollten doch<br />
auch Kündigungsschutz erhalten, oder etwa nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>sozial eingestellt</b>:<br />
Es soll also zwei Klassen von Arbeitnehmern geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Zwei Klassen von Arbeitnehmern gibt es heute<br />
schon, weil der Kündigungsschutz in Betrieben mit fünf Arbeitnehmern<br />
noch nie gegolten hat. Wir wissen aber, dass in diesen Betrieben nicht<br />
geheuert und gefeuert wird, sondern die Inhaber mit ihren Mitarbeitern<br />
sehr verantwortungsbewusst &#8211; gerade weil man sich persönlich kennt<br />
&#8211; umgehen. Und ich denke dieses Kriterium kann auch für Betriebe<br />
mit 20 Beschäftigten gelten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu Betriebstarifverträgen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich bin kein großer Anhänger von<br />
betrieblichen Tarifverträgen. Es hat sich bewährt, dass wir<br />
in Deutschland die Tarifauseinandersetzung außerhalb der Betriebe<br />
führen und bislang auch gelöst haben. Ich sage deshalb klar<br />
ja zur Ordnungsfunktion des Flächentarifvertrages&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">bin aber der Meinung,<br />
dass die Betriebsvertragsparteien aus Gründen der Beschäftigungssicherung<br />
auch abweichen können</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>ach Herr Laumann</b>: Halten Sie es nicht für übertrieben,<br />
den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit komplett zu streichen? In anderen<br />
Ländern funktioniert das auch!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die CDU schlägt nicht vor, den gesetzlichen<br />
Anspruch auf Teilzeit zu streichen, sondern wir möchten diesen Anspruch<br />
begrenzen für Arbeitnehmer, die Erziehungspflichten für Kinder<br />
haben oder nahe Familienangehörige pflegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Noch eine Nachfrage zum Thema Tarifvertrag:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Manu</b>: Was genau meinen Sie mit einer Ordnungsfunktion für<br />
einen Flächentarifvertrag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die Ordnungsfunktion liegt darin, dass unterschiedliche<br />
Betriebe einer Branche zumindest in größeren Regionen einheitliche<br />
Lohnbedingungen haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Noch eine Anmerkung zur Teilzeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>wißbegierig</b>: Aber Teilzeit schafft doch auch Arbeitsplätze,<br />
oder?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Teilzeit ist ein gutes Instrument, vorhandene<br />
Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Aber ich finde nicht, dass<br />
es hier auf ein Rechtsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber geben muss,<br />
es sei denn, es geht um Pflege oder Kinder.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz Y</b>.: Warum pochen Sie so auf die Beibehaltung des Meisterzwanges?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Weil sich der Meisterbrief insbesondere in<br />
der handwerklichen Berufsausbildung sehr bewährt hat. Das deutsche<br />
Handwerk bildet zur Zeit 500000 junge Menschen breit handwerklich aus,<br />
und ich fürchte, wenn wir den Meisterzwang aufgeben, dass mittelfristig<br />
die breite Basis handwerklicher Fähigkeiten unserer Arbeitnehmer<br />
abnimmt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Wenn will noch ein<br />
Standortvorteil haben, ist es gerade dieses duale Berufsausbildungssystem.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Apropos Ausbildung: 70.000 Jugendliche werden &#8211; das<br />
meldet die Bundesanstalt für Arbeit heute &#8211; bei der Lehrstellensuche<br />
in diesem Jahr leer ausgehen. Eine dramatische Zahl, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Diese Zahl macht mir große Sorgen &#8211; dadurch<br />
dass die Bundesregierung mit der weitgehenden Zerschlagung der Handwerksordnung<br />
zu großer Unsicherheit gerade im Mittelstand beiträgt, befürchte<br />
ich, dass die Zahl noch eher größer wird. Im Notfall bin ich<br />
dafür, dass wir jeden Ausbildungswilligen, der keine Lehrstelle gefunden<br />
hat, im Herbst auch ein über den Staat finanziertes überbetriebliches<br />
Ausbildungsangebot machen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Vor allem in Ostdeutschland sieht es für Jugendliche,<br />
die eine Lehrstelle suchen, düster aus. Wie kann da der Staat helfen?<br />
Kann er überhaupt helfen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Der Staat hat gerade in Ostdeutschland schon<br />
in der Vergangenheit erhebliche überbetriebliche Ausbildungsplätze<br />
angeboten und in dieser Situation muss er dieses auch weiterhin tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Heinz Müller</b>: Wie wollen Sie Arbeitgeber davon überzeugen,<br />
mehr Lehrstellen zu schaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Indem durch eine verlässliche Politik<br />
gerade der Wirtschaft wieder eine verlässliche Grundlage für<br />
ihr Handeln gegeben wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissbegierig</b>: Herr Laumann, was würden Sie denn Ihren eigenen<br />
Kindern raten, um sich erfolgreich um eine Lehrstelle zu bewerben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Sich persönlich bei Ausbildungsbetrieben<br />
vorzustellen und sich vor allen Dingen mit diesen Unternehmungen vorher<br />
ein wenig beschäftigen. Das persönliche Gespräch und die<br />
Tatsache, dass man sich mit seinem zukünftigen Arbeitgeber beschäftigt<br />
hat, macht immer noch einen guten Eindruck.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Manu</b>: Bestimmt die Politik wirklich die Wirtschaft? Ist es nicht<br />
eher andersherum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die Politik kann nur dafür sorgen, dass<br />
es Rahmenbedingungen gibt, die es der Wirtschaft ermöglichen, sich<br />
zu entfalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Wissen ist Macht</b>: Sind die Jugendlichen also selbst schuld, wenn sie<br />
keinen Arbeitsplatz bekommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Zur Zeit haben wir in Deutschland objektiv<br />
gesehen zu wenig Arbeitsplätze. Allerdings bin ich der Meinung, dass<br />
einen jungen Menschen vorübergehend auch jede Arbeit zuzumuten ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu einer Sondersitzung des Bundestages, wie<br />
es Angela Merkel am letzten Donnerstag dem Bundeskanzler angeboten hatte,<br />
während der Sommerpause?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Damit habe ich kein Problem, denn der Bundeskanzler<br />
sollte seinen vielen Ankündigungen endlich in Gesetzestexten ganz<br />
konkret dem Bundestag vorlegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Unsere Zeit ist leider um. Vielen Dank an alle User<br />
für das Interesse. Vielen Dank Herr Laumann, dass Sie sich die Zeit<br />
für den Chat genommen haben. Entschuldigung nochmals für die<br />
Verspätung zu Beginn. Die Technik&#8230;</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl-Josef Laumann</b>:<br />
Es hat Spaß gemacht. Beschäftigen Sie sich weiter mit Politik,<br />
schließlich geht es um unser aller Zukunft.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Fallstricke für Dotcoms</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/fallstricke_fuer_dotcoms-920/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ulrich Hottelet]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[New Economy]]></category>
		<category><![CDATA[IT-Branche]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Die Steuerreform benachteiligt die New Economy gegenüber der Old Economy</b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Steuerreform benachteiligt die New Economy gegenüber der Old Economy<br />
Keine Gelegenheit lässt die Bundesregierung aus, sich in den Medien als politische<br />
Speerspitze des Internet-Booms zu präsentieren. Schröder &#038; Co. tun alles, um die New<br />
Economy zu fördern, lautet die Botschaft. Doch die Realität sieht anders aus. Die vom<br />
Bundesrat abgesegnete Steuerreform hält einige Fallstricke für die vorwärts stürmenden<br />
Dotcoms bereit.<br />
Größte Stolperfalle ist die Benachteiligung von Personengesellschaften gegenüber<br />
Kapitalgesellschaften bei der Betriebsveräußerung. Gerade mittelständische Firmen, die<br />
in der New Economy weitaus stärker den Ton angeben als in der Old Economy, sind häufig<br />
Personengesellschaften (OHG, KG oder GbR). Die eindeutigen Gewinner der Steuerreform sind<br />
dagegen die großen Aktiengesellschaften der Old Economy. Sie können ihre zahlreichen<br />
Beteiligungen an Unternehmen künftig steuerfrei veräußern. Kein Wunder, dass die<br />
Sektkorken bei den Großbanken in Frankfurt knallten. Der Bundeskanzler hatte sich erneut<br />
als &#8220;Genosse der Bosse&#8221; erwiesen.<br />
Die Regelung für Betriebsveräußerungen sieht nach der Steuerreform für<br />
Anteilseigner so aus: Die Steuerfreiheit von Teilhabern wurde von zehn auf ein Prozent<br />
gesenkt. Das heißt, wer mehr als ein Prozent Eigentum an einem Unternehmen hält,<br />
muss seinen Veräußerungsgewinn versteuern. Bereits 1999 wurde die Steuerfreiheit von<br />
25 auf zehn Prozent herabgesetzt. Für Internet-Start-Ups, häufig Drei-Mann-Betriebe,<br />
sind steuerfreie Veräußerungsgewinne damit in unerreichbare Ferne gerückt. Gerade in<br />
der jetzigen Phase der Übernahme junger IT-Firmen durch die arrivierten Großen wirkt<br />
sich die Steuerreform für erfolgreiche Gründer fatal aus. Sie müssen einen Teil ihres<br />
Verkaufsgewinns nach ihrem persönlichen Einkommensteuersatz an den Fiskus abführen,<br />
während die Großbanken ihre zahlreichen Beteiligungen lukrativ abstoßen können,<br />
ohne dass der Finanzminister davon eine Mark sieht.<br />
Die auf Druck der Opposition versprochene Nachbesserung der Reform nützt der<br />
Internet-Branche nichts. Denn nur wer älter als 55 Jahre ist, darf nach der<br />
Gesetzesvorlage ein einziges Mal für den Verkauf seines Betriebs einen ermäßigten<br />
Steuersatz, nämlich den halben durchschnittlichen persönlichen Steuersatz, in Anspruch<br />
nehmen. Interessant für mittelständische Handwerker, aber nicht für die Dotcom-Szene,<br />
bei der man mit 35 Jahren schon fast zum alten Eisen gehört.<br />
Kein Wunder, dass Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer von Bitkom<br />
(Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien), an der<br />
rot-grünen Steuerreform einiges auszusetzen hat: &#8220;Wir hätten uns natürlich die<br />
Gleichstellung der Personengesellschaften bei der Betriebsveräußerung gewünscht.<br />
Es gibt ja nicht nur die berühmten Start-Ups; wir haben in der IT-Branche einen<br />
soliden Mittelstand von 10.000 Unternehmen, die seit Jahren als Personengesellschaften<br />
existieren. Das ist der größte Teil unseres Verbandes.&#8221; Auch dauere es zu lange, bis<br />
die Entlastung der Unternehmen greife, nämlich erst im Jahre 2005. Bis dahin müssten<br />
Unternehmer einen Spitzensteuersatz von 45 Prozent bezahlen, wenn man den<br />
Solidaritätszuschlag einberechne.<br />
Damit nicht genug: &#8220;Ein weiterer gravierender<br />
Schwachpunkt aus unserer Sicht ist es, dass es wiederum versäumt wurde, das komplizierte<br />
Steuerrecht zu vereinfachen. Gerade für den Mittelstand stellt die ausufernde<br />
Steuergesetzgebung ein großes Problem dar.&#8221; Der Klage einiger Unternehmen und Verbände<br />
gegen die Steuerreform vor dem Bundesverfassungsgericht wolle man sich aber nicht<br />
abschließen. Rohleder: &#8220;Das dauert Jahre. Unsere Branche denkt dagegen in Drei-Monats-<br />
Zyklen.&#8221; Derzeit klopft Bitkom an die Türen des Bundeskanzleramts und der Ministerien,<br />
um weitere Nachbesserungen der Reform zu erreichen. Allerdings mit mageren Aussichten:<br />
&#8220;Momentan herrscht Jubelstimmung in Berlin, dass die Steuerreform den Bundesrat passiert<br />
hat. Da herrscht wenig Neigung zu Änderungen&#8221;, sagt Rohleder.<br />
Doch nicht nur das Eichelsche Gesamtkunstwerk, auch die Abgabenlast bereitet der<br />
IT-Branche Kopfzerbrechen. &#8220;Allein durch die Änderung des Urheberrechts-Gesetzes,<br />
wonach für Faxgeräte und Scanner künftig höhere GEMA-Abgaben anfallen, kommen Kosten in<br />
Höhe von 100 Millionen Mark auf uns zu&#8221;, so Rohleder. Darüber hinaus werde die von<br />
Brüssel forcierte Elektroaltgeräte-Verordnung die Unternehmen stark belasten.<br />
&#8220;In der Außendarstellung setzt sich die Bundesregierung vehement für uns ein. Aber<br />
wenn es budgetäre Zwänge gibt, sieht die Praxis häufig anders aus&#8221;, lautet Rohleders<br />
Fazit.<br />
Ähnlich kritisch fällt die Einschätzung der Steuerreform bei dem<br />
Deutschen Multimedia Verband (dmmv) aus. Der dmmv zählt 1100 Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche<br />
zu seinen Mitgliedern. &#8220;Wir befürworten eine Nachbesserung. Die Regelung bei<br />
Betriebsveräußerungen behindert gerade die Internet-Start-Ups&#8221;, sagt Burkard Luhmer,<br />
der im dmmv für rechtliche Fragen und e-Commerce zuständig ist. &#8220;Der Missmut in der<br />
Branche kann dazu führen, dass sich Business Angels künftig mit Engagements zurückhalten.<br />
Dadurch ginge den Gründern wertvolles Know-how verloren.&#8221; Die Befürchtung: Wenn<br />
Kapitalgeber ihr riskantes Engagement in Start-Ups durch den späteren Verkauf ihrer<br />
Anteile nicht versilbern können, profitieren sie lieber bequem von Aktienkursgewinnen<br />
der etablierten Unternehmen.<br />
Das Bundesfinanzministerium reagiert auf die Kritik mit Achselzucken:<br />
&#8220;Die Steuerfreiheit von Betriebsveräußerungen für Kapitalgesellschaften ist Ergebnis der<br />
Umstellung auf das Halbeinkünfteverfahren. Danach wird erst dann besteuert,<br />
wenn Kapital das Unternehmen verlässt. Und das ist nicht der Fall bei einem<br />
Beteiligungsverkauf&#8221;, sagt Ministeriumssprecherin Andrea Herrmannsen. &#8220;Die Regelung ist<br />
also in sich logisch. Außerdem erhalten die Personengesellschaften eine Verbesserung bei<br />
der Einkommensteuer und können künftig die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer<br />
anrechnen. Wir sehen daher keinen Anlass für eine Nachbesserung. Man kann nicht Äpfel<br />
mit Birnen vergleichen.&#8221;<br />
Etwas konzilianter gibt sich Jörg Tauss, Beauftragter der SPD-Bundestagsfraktion für<br />
Neue Medien: &#8220;Ich hätte mir gewünscht, wenn man mehr für die Start-Ups getan hätte.<br />
Eine Diskussion darüber wäre sinnvoller gewesen als der Streit über das<br />
Halbeinkünfteverfahren und den Spitzensteuersatz. Aber die Linie in Bund und Ländern<br />
war einhellig, man wollte keine Ausnahmen machen.&#8221; Wer kein Geld zur Gründung einer<br />
GmbH habe und stattdessen eine Personengesellschaft gründe, würde ohnehin nicht hoch<br />
besteuert. &#8220;Und wer sehr schnell mit seinem Start-Up Geld gemacht habe, soll auch<br />
ordentlich Steuern zahlen&#8221;, meint Tauss. Den Vorwurf, die Steuerreform führe nicht zur<br />
Vereinfachung des Steuerrechts, kontert der Bundestags-Abgeordnete so: &#8220;Einerseits<br />
will die New Economy ein einfacheres Steuersystem, andererseits ruft sie nach<br />
Sonderregelungen für die Internet-Branche. Das ist ein Widerspruch.&#8221; Letzten Endes, so<br />
Tauss, sei das Problem aber grundsätzlicher Natur: &#8220;Steuern und Internet &#8211; das sind<br />
immer noch zwei Welten.&#8221;</p>
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