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	<title>Stichtag &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Stichtag &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Menschen, nicht Reproduktionsabfall</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Torge]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 17:25:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Stammzellforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Embryonen]]></category>
		<category><![CDATA[Hubert Hüppe]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Freitag, 11.4.08, war Hubert Hüppe, CDU-Bundestagsabgeordneter, von 13.30 bis 14.30 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Ergebnisse der Stammzelldebatte im Bundestag, seine Enttäuschung über die beschlossene Stichtagsverschiebung und die umstrittene Frage der Menschenwürde von Embryonen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag, 11.4.08, war Hubert Hüppe, CDU-Bundestagsabgeordneter, von 13.30 bis 14.30 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Ergebnisse der Stammzelldebatte im Bundestag, seine Enttäuschung über die beschlossene Stichtagsverschiebung und die umstrittene Frage der Menschenwürde von Embryonen.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Ich begrüße ganz herzlich Hubert Hüppe. Können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe:</b> Ja, sehr gerne!
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/hhueppe300x_0.jpg" height="193" width="151" />
</p>
<p align="center">
<i>Hubert Hüppe (CDU)</i>
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Der<br />
Bundestag hat abgestimmt. Sind Sie jetzt sehr enttäuscht oder<br />
haben Sie mit dem Ergebnis schon gerechnet und sich darauf<br />
eingestellt?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>:<br />
Ich habe zwar damit gerechnet, aber trotzdem bin ich natürlich<br />
über das Endergebnis sehr enttäuscht, denn tatsächlich<br />
ist das eingetreten, was wir schon 2002 befürchtet haben: Die<br />
Menschenwürde wird in der Forschung weiter relativiert und die<br />
Tür zur tötenden Embryonenforschung ist wieder ein Stück<br />
weiter aufgemacht worden. Auf der anderen Seite &#8211; auch wenn es kein<br />
richtiger Trost ist &#8211; war ich doch über die Zustimmung unseres<br />
Antrages erfreut, weil wir mehr als doppelt so viel Stimmen bekommen<br />
haben wie wir an Unterstützungsunterschriften vorher hatten. Und<br />
letztendlich hatte der Antrag der Kollegin Flach auf Abschaffung des<br />
Stichtages mehr Gegenstimmen als unser Antrag.
</p>
<p>
<b>chariti theou:</b> Herr Hüppe, der Stichtag<br />
wurde nun zum ersten Mal verschoben. Ich könnte mir vorstellen,<br />
dass in fünf bis zehn Jahren die gleiche Debatte wieder ansteht.<br />
Was wird dann passieren?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: In der Tat habe ich diese<br />
Befürchtung auch. Denn wer einmal verschiebt, dem glaubt man<br />
nicht. Und in der Tat ist ja das eingetreten, was wir 2002 schon<br />
befürchtet hatten: Dass bald &#8211; wie diese Debatte heute gezeigt<br />
hat &#8211; weitere Stammzelllinien von neu getöteten Embryonen<br />
eingefordert werden. Deswegen wird der Hunger nach neuen Zellen<br />
wahrscheinlich nur zeitweise gestillt sein. Aber es wird &#8211; wenn die<br />
Forschung weiterhin so erfolglos bleibt wie jetzt und in den letzten<br />
zehn Jahren &#8211; schwerfallen, abermals mit der Heilung von<br />
Krankheiten zu argumentieren.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Kurze Konkretisierung für alle,<br />
die sich gerade zuschalten und noch keine Zeit hatten, die neuesten<br />
Nachrichten zu verfolgen:
</p>
<p>
<b>Eike:</b><br />
Guten Tag Herr Hüppe, wie haben Sie heute im Bundestag<br />
abgestimmt?
</p>
<p>
<b>Hubert<br />
Hüppe</b>: Ich habe natürlich für meinen Antrag<br />
gestimmt, den ich den Kolleginnen und Kollegen gestellt habe. Der<br />
besagt, dass wir die embryonale Stammzellforschung nicht brauchen und<br />
deswegen die Einfuhr von embryonalen Stammzellen, für die<br />
Embryonen getötet worden sind, verboten hätten. Ansonsten<br />
habe ich den Antrag auf völlige Freigabe von Frau Flach, MdB,<br />
abgelehnt. Gleiches gilt für den Antrag Röspel und anderer,<br />
der eine Verschiebung des Stichtages vorgesehen hat und der jetzt<br />
eine Mehrheit im Bundestag gefunden hat. Wäre noch der Antrag<br />
von Frau Hinz abgestimmt worden, der zumindestens keine Erweiterung<br />
der Einfuhr von embryonalen Stammzellen vorgesehen hat, hätte<br />
ich dort mit Ja gestimmt.
</p>
<p>
<b>Blastozyste:</b> Wie bewerten Sie die<br />
Stichtagsverschiebung?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Die Stichtagsverschiebung ist<br />
für mich die sogenannte ethische Wanderdüne. Sie ist<br />
inkonsequent und unbegründet und es ist für mich<br />
unverständlich, dass auch der ein oder andere jetzt dafür<br />
gestimmt hat, der noch vor sechs Jahren gegen jeglichen Import<br />
gestimmt hat, denn heute gibt es viel mehr Argumente gegen die<br />
embryonale Stammzellenforschung als 2002, wo man noch große<br />
Hoffnungen hegte. Inzwischen gibt es auch viel mehr Fortschritte in<br />
der sogenannten adulten Stammzellenforschung. Und es gibt viel mehr<br />
Alternativen, wie zum Beispiel &quot;Nabelblutstammzellen&quot;, die<br />
nicht nur ethisch unproblematisch gewonnen werden können sondern<br />
darüber hinaus auch heute schon Menschen retten, die krank sind.
</p>
<p>
<b>onmis:</b> Aber zwingt die Entscheidung des<br />
Bundestages Forscher nicht, ins Ausland zu gehen? Gute Forschung ist<br />
nur mit ,,frischen&quot; Embryonen möglich.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Nein, niemand wird gezwungen,<br />
ins Ausland zu gehen. Aber das ist auch nicht die entscheidende<br />
Frage. Denn wenn wir alles zulassen wollten, was Forscher im Ausland<br />
machen, dann müssten wir hier auch zulassen, dass Embryonen<br />
geklont werden oder dass wir sogar Mischwesen aus Mensch und Kuh<br />
schaffen, wie das im letzten Monat in Großbritannien passiert<br />
ist. Die Menschenwürde ist auch dann unantastbar, wenn sie im<br />
Ausland angetastet wird. Übrigens sind die neuesten Ergebnisse<br />
nicht mit den neuesten Zellen entwickelt worden, sondern im Vergleich<br />
mit den ersten embryonalen Stammzellen, die überhaupt produziert<br />
worden sind und auch nach Deutschland importierbar sind. Wenn diese<br />
Zellen nichts brächten, dann muss man sich fragen, warum allein<br />
in diesem Jahr noch fünf Importgenehmigungen von sogenannten<br />
alten embryonalen Stammzellen erteilt worden sind.
</p>
<p>
<b>Christian Heinemann:</b> Inwiefern wird Ihrer Ansicht<br />
nach die Menschenwürde bei der Verwendung menschlicher<br />
Stammzellen verletzt?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Für embryonale<br />
Stammzellen muss man Embryonen töten, die durch künstliche<br />
Befruchtung entstanden sind. Zum Teil muss man Embryonen, die man auf<br />
Vorrat eingefroren hat, wieder auftauen und sie sich noch ein paar<br />
Tage weiterentwickeln lassen, bis sie so groß sind, dass man<br />
ihnen Stammzellen entnehmen kann. Wenn aber &#8211; wie meine Auffassung<br />
ist &#8211; der Embryo auch schon Mensch ist und ich ihn töte, dann<br />
würde ich ja dem Objekt der Menschenwürde die Existenz<br />
entziehen und das ist vielleicht der schlimmste Verstoß gegen<br />
die Menschenwürde. Bei adulten Stammzellen dagegen entnehme ich<br />
einem bereits geborenen Mensch Zellen aus dem eigenen Körper.<br />
Hierfür muss kein Mensch getötet werden. Es gibt zahlreiche<br />
Therapien, und heute gibt es schon Tausende von Menschen, die dieser<br />
Anwendung der adulten Stammzellen ihr Leben verdanken. Darüber<br />
hinaus gibt es auch Stammzellen im Nabelschnurblut, die therapeutisch<br />
sehr vielversprechend sind und mit denen man auch heute vor allem<br />
Kindern das Leben retten könnte. Deswegen setze ich mich zum<br />
Beispiel dafür ein, dass das Geld nicht für die erfolglose<br />
embryonale Stammzellenforschung ausgegeben wird, sondern dass man zum<br />
Beispiel eine bundesweit zugängliche öffentliche<br />
Stammzellbank aus Nabelschnurblut schaffen würde, zu der jeder<br />
Patient Zugriff hätte.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die folgende Frage wurde von den<br />
Lesern vorab zur wichtigsten Frage gewählt:
</p>
<p>
<b>PaulWest:</b> Warum sind acht Stammzellen für<br />
Sie schon ein Embryo und damit Mensch?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Für mich sind es zunächst<br />
einmal keine acht Stammzellen, sondern hier handelt es sich um ein<br />
Embryo der schon viel älter ist. Denn man &quot;gewinnt&quot;<br />
aus einem Embryo 100-200 Stammzellen. Aber für mich gibt es<br />
keine andere logische Grenze als die Verschmelzung von Ei und<br />
Samenzelle, bei dem individuelles Leben entstanden ist. Bei dem<br />
feststeht, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, ob man rote,<br />
schwarze oder blonde Haare hat und vieles mehr. Und man entwickelt<br />
sich nicht zum Menschen, sondern als Mensch. Und wenn ich heute<br />
frage, ob ich ihn nicht mit acht Tagen freigeben darf, wird der<br />
nächste vielleicht fragen, warum nicht nach fünfzehn Tagen,<br />
nach drei Monaten oder vielleicht noch später. Im Übrigen<br />
war das ja offensichtlich auch mal die Meinung des Deutschen<br />
Bundestages, der Anfang der 90er Jahre mit ganz ganz großer<br />
Mehrheit das Embryonenschutzgesetz in Deutschland beschlossen hat,<br />
denn wenn es kein Mensch wäre sondern nur Reproduktionsabfall,<br />
dann stellt sich in der Tat die Frage: Warum brauchen wir überhaupt<br />
irgendwelche Einschränkungen?
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Hier treffen eine ganze Reihe von<br />
Fragen zur Religion ein, es folgt eine Auswahl:
</p>
<p>
<b>Ihr Benutzername:</b> Hallo Herr Hüppe. Sollten<br />
Ihrer Meinung nach religiöse Argumente in der Diskussion<br />
berücksichtigt werden? Wenn ja, warum?<b> </b>
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Religion gehört zu<br />
unserer Gesellschaft und selbst in der Präambel unseres<br />
Grundgesetzes wird auf Gott Bezug genommen. Von daher gehört es<br />
natürlich auch in diese Debatte: Allerdings muss man nicht<br />
katholisch oder evangelisch sein, um gegen die embryonale<br />
Stammzellenforschung zu sein. Zum Beispiel hat heute auch Volker Beck<br />
von den Grünen für unseren Antrag gesprochen, der nicht<br />
gerade als religiöser Fundamentalist verschrien ist und Frau<br />
Knoche (Linkspartei) hat heute als Frauenpolitikerin gegen die<br />
embryonale Stammzellenforschung gesprochen. Der deutsche Frauenrat<br />
hat sich sogar einstimmig gegen eine Stichtagsverschiebung<br />
ausgesprochen.<b> </b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Aber dort wurde nicht religiös<br />
argumentiert!
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Nein, es wurde frauenpolitisch<br />
argumentiert, weil man Angst hat, dass zukünftig Frauen als<br />
Eizelllieferanten missbraucht werden, wie es ja zum Teil im Ausland<br />
schon passiert. Auch ich habe nicht religiös argumentiert<br />
sondern aus Sicht der Menschenrechte, obwohl ich eine religiöse<br />
Überzeugung habe.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Bleiben wir noch kurz beim Kapitel<br />
Religion &#8211; das ist wie gesagt ein Anliegen vieler User im Chat.
</p>
<p>
<b>Herbert:</b><br />
Ist es erlaubt in einer rationalen Debatte religiös zu<br />
argumentieren?
</p>
<p>
<b>Hubert<br />
Hüppe</b>: Ich glaube, dass es natürlich erlaubt ist,<br />
religiös zu argumentieren, weil es zu unserer Gesellschaft<br />
gehört und das Gewissen und die Verantwortung des Einzelnen<br />
natürlich mitprägt, wobei heute in der Debatte religiöse<br />
Argumente eher seltener der Fall waren und komischerweise auch<br />
häufiger von denen angeführt worden sind, die eher für<br />
die Erweiterung der embryonalen Stammzellforschung sind.
</p>
<p>
<b>harry hirsch:</b> Kann man rational überhaupt<br />
mit religiös verbinden?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ja, aber das spielt bei dieser<br />
Debatte keine entscheidende Rolle, weil &#8211; wie gesagt &#8211; die Debatte<br />
gar nicht religiös geführt wurde. Es ist rational, wenn man<br />
beweisen kann, dass die embryonale Stammzellforschung für die<br />
Heilung des Menschen nichts beigetragen hat, dass es weltweit nach<br />
zehn Jahren noch nicht mal irgendeine klinische Studie gibt. Und wenn<br />
man trotzdem so viel Zeit für diesen kleinen Forschungsbereich<br />
investiert &#8211; und auch so viel Geld &#8211; dann glaube ich, ist das<br />
wesentlich irrationaler als mein Standpunkt.
</p>
<p>
<b>Wunderlich:</b> Sie argumentieren den Beginn<br />
menschlichen Lebens anhand seines Potentials herbei. Immerhin nisten<br />
sich bei einer natürlichen Befruchtung 70% der befruchteten<br />
Eizellen gar nicht erst ein und werden vom Körper ausgestoßen.<br />
Verstößt die Natur (Gott?) da nicht auch gegen Ihre<br />
Auffassung von Embryonenschutz?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Entscheidend ist nicht, wie<br />
viele Embryonen überleben und wie viele sterben. Der menschliche<br />
Akt des Tötens widerspricht der Menschenwürde. Wäre es<br />
so, dass die Überlebensrate entscheidend für die<br />
Menschenwürde des Einzelnen wäre, dann wäre ja die<br />
Menschenwürde von Neugeborenen in Entwicklungsländern<br />
geringer einzustufen als bei uns, weil dort die Kindersterblichkeit<br />
nach der Geburt wesentlich höher ist als hier. Somit kann man<br />
aus meiner Sicht dieses Argument nicht gelten lassen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Zum christlichen &quot;C&quot; der<br />
CDU zwei User-Fragen, die ich direkt hintereinander stelle, bitte<br />
beide gleich beantworten, lieber Herr Hüppe!
</p>
<p>
<b>CG:</b> Können Sie als CDU-Politiker denn<br />
überhaupt noch guten Gewissens in der CDU bleiben?
</p>
<p>
<b>rabenstefan:</b> Herr Hüppe, sehen Sie ihre<br />
Verantwortung gegenüber dem Leben eines Embryonen auch in dem<br />
&quot;C&quot; ihrer Partei begründet &#8211; die<br />
Kirche streitet ja ebenfalls lautstark gegen die<br />
Stammzellenforschung. Wenn ja, was sagen Sie zu Parteikollegen mit<br />
einer weniger christlichen Meinung?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich bin noch in der CDU, weil<br />
ich hoffe, dass ich für meinen Standpunkt dort weiterhin werben<br />
kann. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich enttäuscht bin,<br />
dass hier die Union nicht geschlossener ist, denn auf dem<br />
Bundesparteitag der Union hatte noch eine große Mehrheit<br />
beschlossen, dass der Mensch schon mit Verschmelzung von Ei und<br />
Samenzelle entstanden ist und von daher zu schützen ist. Wenn<br />
man aber sagt, dass menschliches Leben entstanden ist und trotzdem<br />
dazu kommt, dass man es für die Forschung nutzen darf, dann ist<br />
dies schon sehr schwierig noch mit dem C zu verbinden. Aber in meiner<br />
Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der CDU hat die Mehrheit der<br />
Abgeordneten gegen eine Verschiebung des Stichtags gestimmt und das<br />
macht mir Hoffnung.
</p>
<p>
<b>Embryonenmensch:</b> Sehr geehrter Herr Hüppe,<br />
zuerst: Danke für ihr Engagement in der Debatte! Auch wenn<br />
kritische BioethikerInnen diese Abstimmung sicher als schwarzen Tag<br />
für die Menschenwürde und als Sieg der Forschungsfreiheit<br />
sehen werden. Laut eben vorliegenden Ergebnissen auf der<br />
Bundestagswebseite haben bei der CDU/CSU-Fraktion 102 Abgeordnete mit<br />
&quot;Ja&quot; für eine Stichtagsverschiebung gestimmt gegenüber<br />
113 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung und sieben nicht abgegeben<br />
Stimmen. Ein relativ ausgeglichenes Ergebnis im Vergleich zur<br />
Abstimmung 2002, bei der noch gut 60 Prozent der CDU/CSU Abgeordneten<br />
gegen einen Import embryonaler Stammzellen gestimmt haben &#8211; gegenüber<br />
36 Prozent Befürwortern. Wie beurteilen Sie das aktuelle<br />
Abstimmungsverhalten in Ihrer Fraktion vor dem Hintergrund des<br />
Druckes von Forschungsministerin Schavan und Bundeskanzlerin Angela<br />
Merkel? Hatte dieser Druck Ihrer Ansicht nach einen erheblichen<br />
Einfluss auf das Abstimmungsverhalten?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Also ich kann nicht<br />
ausschließen, dass es auch Kolleginnen und Kollegen gab, die<br />
sich möglicherweise haben davon beeindrucken lassen, dass die<br />
Kanzlerin und die eigene CDU-Ministerin sehr für eine<br />
Stichtagsverschiebung geworben haben. Trotzdem muss man sagen, dass &#8211;<br />
wenn Ihr Ergebnis stimmt &#8211; immerhin mehr als die Hälfte der<br />
Fraktion eine andere Meinung haben und man muss dann genau<br />
analysieren wie das bei den verschiedenen Abstimmungen gelaufen ist.<br />
In der Kürze der Zeit kann ich das jetzt noch nicht sagen, aber<br />
zum Beispiel hat die Junge Union Deutschlands ganz eindeutig gegen<br />
die Stichtagsverschiebung Stellung bezogen. Unter anderem auch ihr<br />
Bundesvorsitzender, der Mitglied des Deutschen Bundestages ist. Und<br />
es macht mir Hoffnung wenn gerade die Jugendorganisation der Union so<br />
geschlossen für den Wert des Lebens und der Menschenwürde<br />
eintritt. Auf jeden Fall werde ich weiter für eine Mehrheit<br />
kämpfen und mich mit dem jetzigen Ergebnis nicht abfinden.
</p>
<p>
<b>CG:</b> Sehr geehrter Herr Hüppe, ist das<br />
Ergebnis der Abstimmung nicht ein großer Schlag gegen die<br />
gesamte Pro-Life-Bewegung? Wie schätzen Sie nun die Gefahr ein,<br />
dass das Embryonenschutzgesetz als nächstes fällt?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: In der Tat ist es eine<b><br />
Ni</b>ederlage für die Lebensschutzbewegung und in der Tat<br />
muss man Angst haben, dass die sogenannte ethische Wanderdüne<br />
weiterzieht. Es gab ja jetzt auch schon Stimmen wie die des<br />
Landesvorsitzenden der SPD im Saarland Maas, die jetzt die Tötung<br />
von Embryonen auch in Deutschland zulassen wollen. Ich hoffe, dass<br />
die, die sich für den Lebensschutz engagieren, sich auch in die<br />
Parteien begeben, denn nur dort kann man den politischen Einfluss<br />
geltend machen.
</p>
<p>
<b>Moest:</b> Ist es keine Doppelmoral, die embryonale<br />
Stammzellenerstellung nicht zu erlauben, mit dem Verweis auf das<br />
menschliche Leben, aber Abtreibungen zu erlauben?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich habe ja auch gegen die<br />
Freigabe der Abtreibung gestimmt. Ich habe auch mehrfach Anfragen und<br />
Initiativen zum Beispiel beim Thema Spätabtreibung &#8211; auch im<br />
Bundestag &#8211; gestartet und ich finde das natürlich auch nicht<br />
richtig, dass zum Beispiel bei behinderten Föten eine Abtreibung<br />
in Deutschland sogar bis zur Geburt möglich ist. Für mich<br />
ist allerdings unverständlich,  dass diese Argumentation,<br />
dass man &#8211; wenn man Abtreibung zulässt, auch die embryonale<br />
Stammzellforschung zulassen muss &#8211; von allen betrieben worden ist,<br />
die für diese Abtreibungsregelung gestimmt haben. Denn früher<br />
haben auch die, die für die jetzige Regelung der Abtreibung<br />
sind, gesagt dass man durch die Beratungsregelung besser das Leben<br />
schützen könnte als mit Strafrecht.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Einige kritische Nachfragen sind<br />
inzwischen eingetroffen:
</p>
<p>
<b>Taigabaer:</b> Ist, wenn es hart auf hart kommt, die<br />
Existenzberechtigung eines kranken erwachsenen Menschen nicht höher<br />
als die einer gefühls- und gedankenlosen Ansammlung von 200<br />
Zellen?
</p>
<p>
<b>felipe:</b> Wieso räumen Sie menschlichen<br />
Embryonen die volle Menschenwürde ein? Ich persönlich würde<br />
da eher von einer Art &quot;Vorwürde&quot; sprechen.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Also dieses Dilemma gibt es<br />
überhaupt nicht, denn diesem Kranken wird auch nicht dadurch<br />
geholfen, dass ein Embryo getötet wird. Im Gegenteil: Es ist<br />
viel Geld verbrannt worden für diese Forschung, an der noch kein<br />
Mensch genesen ist und von denen noch kein Kranker etwas hatte.<br />
Ansonsten geht es nicht um 200 Zellen sondern um einen Embryo, wie<br />
Sie und ich einer waren. Und wenn ich einmal anfange, abzuwägen,<br />
welcher Mensch denn die höhere Qualität hätte als der<br />
andere, dann wird es aus meiner Sicht noch in ganz anderen Bereichen<br />
Tabubrüche geben.
</p>
<p>
<b>CG:</b> Ist nun das Embryonenschutzgesetz in Gefahr?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ja, das Embryonenschutzgesetz<br />
ist in Gefahr und es wird unter Druck geraten, weil jetzt schon<br />
einige argumentieren, warum wir nicht in Deutschland auch eigene<br />
embryonale Stammzellen herstellen können &#8211; aus deutsch<b>en<br />
</b>Embryonen, damit das in der Hand von deutschen Forschern<br />
unter standardisierten Bedingungen stattfinden kann. Auf jeden Fall<br />
fing es auch in anderen Ländern erst mit kleinen Tabubrüchen<br />
an. Heute gibt es sogar Nachbarländer, in denen man im Rahmen<br />
der künstlichen Befruchtung sich sogar das passende Geschlecht<br />
des Embryo aussuchen kann und die anderen dann getötet werden.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Kurze Information zu unserer<br />
Leser-Umfrage, die hier nebenbei live im Chat-Room lief. Wir haben<br />
gefragt: „Finden Sie, dass der Bundestag bei der<br />
Stichtagsverschiebung richtig entschieden hat?&quot; &#8211; 50 Prozent haben<br />
ja gesagt, 50 Prozent nein.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich nehme das Ergebnis zur<br />
Kenntnis. Es gibt auch aus diesem Jahr eine Infratest-Umfrage bei der<br />
über 60 Prozent meinen Standpunkt in der deutschen Bevölkerung<br />
teilen &#8211; aber für mich sind eigentlich in dieser Frage Umfragen<br />
nicht so wichtig, weil wenn ich meine, dass die Menschenwürde<br />
durch die embryonale Stammzellenforschung angetastet wird, dann würde<br />
ich auch dann dagegen stimmen, wenn 90 Prozent der Bevölkerung<br />
in Umfragen etwas anderes fordern.
</p>
<p>
<b>SoWhy:</b> Auf welcher (wissenschaftlichen) Grundlage<br />
basiert die Annahme, Stammzellen seien menschliches Leben? Und halten<br />
Sie auch die Pille danach für ein Mordwerkzeug? Oder die<br />
Spirale?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Also ich lehne die Pille<br />
danach ab, weil sie darauf ausgerichtet ist, entstandenes<br />
menschliches Leben zu töten, gar keine Frage. Aber ich habe auch<br />
nicht gesagt, dass die Stammzelle menschliches Leben sei im Sinne<br />
eines ganzen Menschen, sondern der Embryo aus dem die Stammzelle<br />
stammt und der für die Stammzellforschung getötet wird. Und<br />
dass der Mensch individuell mit Verschmelzung von Ei und Samenzelle<br />
beginnt, ist einfach eine biologische Tatsache, die sogar von den<br />
meisten der Befürwortern für die jetzige Regelung heute so<br />
dargestellt wurde.</p>
<p><b>theScientist :</b> Guten Tag,<br />
Herr Hüppe. Sie stellen den Wert der Embryonen als menschliches<br />
Leben besonders heraus. Weniger christlich geprägte Menschen<br />
sprechen von einem Zellhaufen. Aber dessen ungeachtet: Warum betonen<br />
Sie nicht den Wert des Lebens der Menschen, denen vielleicht eines<br />
Tages durch eine Stammzelltherapie geholfen werden könnte?
</p>
<p>
<b>harry hirsch:</b> Forschung betreibt man deswegen,<br />
weil man etwas herausfinden will (zum Beispiel, wie sich Stammzellen<br />
nutzen lassen) und nicht weil man schon weiß, wie etwas<br />
funktioniert.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich betone sehr wohl den Wert<br />
von zum Beispiel chronisch-kranken und behinderten Menschen. Deswegen<br />
engagiere ich mich nicht nur für den Schutz des ungeborenen<br />
Menschen sondern auch für Menschen mit Behinderung und deswegen<br />
bin ich auch behindertenpolitischer Sprecher meiner Fraktion und<br />
unter anderem auch im Bundesvorstand der Lebenshilfe für<br />
Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung. Es ist Realität,<br />
dass fast alle Behindertenverbände &#8211; unter anderem auch die<br />
Lebenshilfe &#8211; gegen die embryonale Stammzellforschung sind, weil sie<br />
Angst haben, dass wenn man einmal anfängt, die<br />
Forschungsfreiheit so absolut zu stellen, dass auch das Lebensrecht<br />
und die Menschenwürde eingeschränkt werden kann, es in<br />
anderen Bereichen weitergeht. So war zum Beispiel in der<br />
Bioethik-Konvention des Europarats gefordert worden, dass auch<br />
fremdnützige Forschung an nicht-einwilligungsfähigen<br />
Personen erlaubt werden soll. Deutschland hat dieses Abkommen nicht<br />
ratifiziert, weil wir gesagt haben, dass zum Beispiel so genannte<br />
geistig Behinderte, Altersdemente, Kleinkinder und andere, die in<br />
eine Forschung nicht einwilligen können, niemals als<br />
Forschungsobjekte missbraucht werden dürfen. Deswegen würde<br />
ich mich freuen, wenn alle, die heute so für die<br />
Forschungsfreiheit gesprochen haben, sich genau so dafür<br />
einsetzen würden, dass die, die heute krank sind, unter besseren<br />
Bedingungen gepflegt und therapiert werden und dass sie zum Beispiel<br />
auch Zugang zu Therapien haben, wie zum Beispiel Therapien mit<br />
adulten Stammzellen, wie es in anderen Ländern mit mehr Zugang<br />
zu Nabelschnurblutstammzellen schon längst der Fall ist. Wenn<br />
wir mal so viel Zeit im Deutschen Bundestag darüber reden<br />
würden, wie es Menschen in Heimeinrichtungen geht, die künstlich<br />
ernährt werden, um Pflegezeit zu sparen, dann wäre dieser<br />
Personenkreis sicherlich sehr dankbar.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Das war eine Stunde hier im<br />
tagesschau-Chat. Nochmals vielen Dank, Herr Hüppe, dass Sie sich<br />
Zeit genommen haben für die Diskussion mit den Lesern von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Dankeschön an unsere User<br />
für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen<br />
konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich bedanke mich auch und wenn<br />
Sie mich das nächste mal einladen und ich nicht so früh<br />
nach Hause muss und nicht so viele Termine habe, können wir auch<br />
mehrere Stunden diskutieren. Und allen noch einen schönen guten<br />
Tag (am Computer) &#8211; auch denen die nicht meine Meinung teilen.</p>
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