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	<title>Stimmentausch &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Stimmentausch &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Biete Kerry, suche Nader</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Oct 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das knappe Rennen der Präsidentschaftskandidaten in den Vereinigten Staaten befördert eine Idee ins Rampenlicht, die sich „vote-swapping“ (to swap = tauschen, wechseln) nennt. Über Vermittlungswebseiten finden dabei Anhänger verschiedener Bewerber zueinander, um ihre Wählerstimmen über die Grenzen der einzelnen Bundesstaaten hinweg zu tauschen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Das knappe Rennen der Präsidentschaftskandidaten in den Vereinigten Staaten befördert eine Idee ins Rampenlicht, die sich „vote-swapping“ (to swap = tauschen, wechseln) nennt. Über Vermittlungswebseiten finden dabei Anhänger verschiedener Bewerber zueinander, um ihre Wählerstimmen über die Grenzen der einzelnen Bundesstaaten hinweg zu tauschen.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">Der College-Student Michael Holms aus Florida hat ein Problem. Als überzeugter Anhänger von Ralph Nader, will er dem Verbraucheranwalt und Präsidentschaftskandidaten durch seine Wählerstimme mehr politisches Gewicht verschaffen. Aber sein Alptraum wäre es, wenn er damit dem von ihm ungeliebten Republikaner George W. Bush indirekt zum Wahlsieg verhelfen würde. Ein Scheinproblem? Keineswegs, denn der Ausgang der Präsidentenwahlen 2000 stand und fiel mit den abgegebenen Stimmen für Nader. Gerade diese fehlten dem demokratischen Kandidaten Al Gore letztlich zum Wahlsieg. In diesem Jahr könnten sie John Kerry den Sieg kosten.</p>
<p>
                            <span class="fett">Der Ausweg</span></p>
<p>Für Michael Holms heißt der Ausweg aus diesem Dilemma „vote-swapping“. Hinter dem Schlagwort verbirgt sich eine Partnerschaftsvermittlung der politischen Art, die schon bei der letzten Wahl für Wirbel sorgte und sich nun anschickt, möglicherweise Einfluss auf die Präsidentschaftswahl 2004 auszuüben.</p>
<p>                            <span class="fett">Die Prozedur</span></p>
<p>Das Verfahren ist simpel. So registriert sich Michael Holms dieses Jahr unter Angabe seines Bundesstaates und seiner Wahlpräferenz bei einer der sogenannten „swapping-sites“ (seit dem 20. September 2004 ist das Joint Venture<br />
                            <a href="http://www.votepair.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.votepair.org</a> online, eine weitere findet sich unter<br />
                            <a href="http://www.defeatbushagain.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.defeatbushagain.com</a>). Dort wird ihm vom Computer ein Wähler aus einem anderen Staat vermittelt, der sich auf der Webseite als Kerry Anhänger registriert hat. Der Kniff dabei ist folgender: Der Anhänger Kerrys wählt in einem der sogenannten „safe states“. In diesen ist der Sieg für Bush oder Kerry bereits derart absehbar, dass er das Ergebnis mit seiner Stimme nicht mehr beeinflussen kann. Daher „tauscht“ er nun mit Michael Holms seine Präferenz und wählt am Wahltag dessen Favoriten Ralph Nader. Holms im „swing state“ Florida gibt dafür John Kerry seine Stimme.</p>
<p>                            <span class="fett">Vorteile für beide Tauschpartner</span></p>
<p>Beide Tauschpartner profitieren. Kerry hat in einem der entscheidenden „swing states“ eine zusätzliche Stimme erhalten. Michael Holms hingegen kann indirekt doch Nader wählen und muss nicht befürchten, Steigbügelhalter des politischen Gegners zu werden.</p>
<p>Das System funktioniert theoretisch sowohl im linken wie auch im rechten Lager, da neben den beherrschenden Kandidaten der Demokraten und Republikanern, noch Bewerber kleiner Parteien („third partys“) um Stimmen werben und damit für einen „vote-swapping“ in Frage kommen. Bei den Konservativen gilt dies für die Michael Peroutka (Constitution Party) und Earl Dogde (Prohibition Party) während für das linke bzw. liberale Lager neben Ralph Nader noch David Cobb (Green Party), Walt Brown (Socialist Party) und Michael Badnarik (Libertarian Party) landesweit antreten. Bisher wurden aber vornehmlich linksorientierte Swapping-Sites für Kerry eingerichtet, die sich unter dem Motto „Anybody but Bush!“ hauptsächlich an Nader Wähler, die eindeutig stärkste dritte Kraft, richten.</p>
<p>                            <span class="fett">Effekt nicht abschätzbar</span></p>
<p>Dennoch kann noch niemand den tatsächlichen Effekt des digitalen Stimmentausches für die kommende Präsidentschaftswahl vorhersagen. Bei den Wahlen 2000 wurden nach Schätzungen der Webseitenbetreiber jedenfalls insgesamt 16.024 digital vermittelte Tauschaktionen durchgeführt. Davon kamen 1.400 Teilnehmer aus dem Bundesstaat Florida. Das mag zunächst wenig scheinen. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass im Jahre 2000 Florida, als umstrittenster „swing state“, von George W. Bush mit knapp über 500 Stimmen gewonnen wurde, dann bekommt so eine Vermittlungsquote plötzlich Brisanz. Die diesjährige Wahl verspricht nämlich ähnlich hauchdünn auszufallen. Digitales „vote-swapping“ könnte also wahlentscheidend wirken.</p>
<p>Streit um ethische und rechtliche Probleme<br />
                            <br />So alt wie die Webseiten selbst, ist aber auch der Schlagabtausch darüber, ob „vote-swapping“ überhaupt ethisch wie rechtlich zulässig ist. Befürworter wie die ACLU (American Civil Liberties Union) pochen darauf, dass es weder verwerflich noch verboten sei, taktisch zu wählen. Diese Praxis werde selbst von Kongressabgeordneten gepflegt, die munter nach dem Motto „Ich stimme für dein Gesetz, wenn du mein Vorhaben unterstützt!“ (sog. „logrolling“) verfahren. Weiterhin führen sie ins Feld, dass dem tatsächlichen Wählerwillen am treffendsten entsprochen werde. Dieser wolle nämlich seinen favorisierten Kandidaten unterstützen, ohne dem politischen Gegner direkt in die Hände zu spielen, weil dem aussichtsreichen politisch näher stehenden Kandidaten am Ende die Stimme fehlen könnte. Sich in politischer Hinsicht abzusprechen, sei ja wohl auch durch das First Amendment der amerikanischen Verfassung zum Schutz der freien Rede gedeckt.</p>
<p>Für die Gegner des „vote-swappings“ handelt es sich bei derartigen Internetabsprachen schlichtweg um Manipulation des Wahlergebnisses durch unethisches Handeltreiben mit Wählerstimmen. Die Ablehnung ging bei den letzten Präsidentschaftswahlen so weit, dass der oberste kalifornische Wahlbeamte Bill Jones die in Kalifornien ansässige Tauschseite www.votexchange2000.com wegen angeblichen Wahlbetrugs und Verstoßes gegen mehrere Wahlvorschriften vor der Abstimmung vorübergehend schließen ließ. Die anschließende juristische Auseinandersetzung vor einem Bundesgericht verlor er allerdings. Dennoch haben unter anderem die Wahlkommissionen der Bundesstaaten Wisconsin und Washington für die aktuelle Wahl verlautbaren lassen, dass sie die Tauschpraxis in ihrem Bundesstaat für gesetzeswidrig halten.</p>
<p>                            <span class="fett">Keine Handhabe</span></p>
<p>Eine effektive Handhabe gegen derartigen Stimmentausch bleibt den Behörden jedoch kaum, da die Webseiten häufig nicht ihrem gerichtlichen Einflußbereich unterliegen.<br />
                            <br />Und die einzelnen Vereinbarungen der Wähler („vote pairings“) lassen sich nicht fassen. Derartige „Verträge“ sind weder rechtlich bindend, noch kann man wegen des Wahlgeheimnisses überprüfen, ob sich tatsächlich beide Partner an ihre Absichtserklärungen aus dem Internet gehalten haben.</p>
<p>Dieses Problem bleibt allerdings auch Michael Holms nicht erspart, wenn er seine Stimme am 2. November vertrauensvoll John Kerry geben sollte.<br />
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wählen im Kollektiv?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wahlkampf-bundestagswahl2002-koll-shtml-3144/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Sep 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlbetrug]]></category>
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					<description><![CDATA[Über den Handel mit Wählerstimmen im Internet]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über den Handel mit Wählerstimmen im Internet<!--break-->
                    </p>
<p>Auf den letzten Metern vor der Wahlurne haben Berichte über Verkaufsangebote für Wählerstimmen nicht nur die Bundeswahlleitung aufgeschreckt. Über das Internet sind in den vergangenen Wochen gleich mehrere Varianten innovativer „Zweitstimmenkampagnen“ aufgetaucht. Bisher dominierten dabei eher plumpe Aufrufe zum Tausch „Stimme gegen Geld“, die Empörung und Besorgnis ausgelöst hatten. Angenehmerweise wurde dabei nicht der Überbringer der bösen Botschaft – das Internet – zur Rechenschaft gezogen. Tatsächlich eignet sich aber die neue Medienumgebung in hervorragender Art und Weise zum Handel mit Wählerstimmen. Besteht nun auch in Deutschland das Potenzial für einen florierenden Handel mit der kostbaren Währung der Demokratie?</p>
<p>
                    <strong>Der Fall „Fortschritt“<br />
                    <br /></strong>Der schillernde Fall des Kieler Unternehmens „Fortschritt“ brachte es an die breite Öffentlichkeit – Wählerstimmen in Paketen von 1000 oder 10.000 Stimmen wurden im Internet über die Website<br />
                    <a href="http://www.cashvote.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">cashvote.com</a> zum Kauf angeboten – zu haben für satte vier- bis fünfstellige Euro-Beträge. Der offenbar organisierte Handel mit vakanten Wählervoten wurde noch in der vergangenen Woche von Bundeswahlleiter Johann Hahlen als „pervers und hochkriminell“ eingestuft, konfligierten die Angebote doch mit einschlägigen Paragrafen des Strafgesetzbuches, die die Beeinflussung der Wahlentscheidung mittels Geld- oder sonstigen Geschenken untersagen (vgl. dazu<br />
                    <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,214038,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bei spiegel.de</a>). Aber zu guter letzt entpuppte sich das unmoralische Angebot doch noch als naseweises Satireprojekt – zumindest stellt es sich als solcher auf der noch immer aktiven Website dar.<br />
                    <br />Schon vor der Cashvote-Aktion hatte es bereits Einzelofferten von Privatpersonen gegeben, die dazu Versteigerungsplattformen wie ebay.de genutzt hatten – und sich dadurch den Zorn der Anbieter zuzogen. Scheinbar ratlose Bürger wollten angesichts der „allgemeinen politischen Lage“ ihre Stimme meistbietend versteigern und nutzten dazu die praktische Internet-Plattform als Schaufenster für ihre politische Verzweiflungstat. Beinahe ebenso unvermittelt wie die Angebote zum bezahlten Ankreuzen erschienen waren, hatte das Online-Auktionshaus die umstrittenen Artikel wieder vom Netz genommen.</p>
<p>
                    <strong>Vorbilder in den USA und GB<br />
                    <br /></strong>Dabei handelten die deutschen Online-Versteigerer in guter Tradition: auch in den USA und Großbritannien waren solche Stimm-Auktionen in den letzten Wochen vor Präsidentschafts- oder Unterhauswahlen an der Tagesordnung. Den Anfang machten vor zwei Jahren die US-Amerikaner. Bei der noch heute denkwürdigen Wahl von George W. Bush ins Weiße Haus hatte es bereits im Sommer 2000 über die Adresse „<br />
                    <a href="http://www.voteauction.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">voteauction.com</a>“ Online-Offerten für Stimmenpakete in Einzelstaaten gegeben – die Aktion entpuppte sich jedoch als effektvolle „Performance“ des österreichischer Netzkünstlers Hans Bernhard aus dem Umfeld der Internet-Aktivistengruppe „eToy“. Ganz offenbar stand dieses Projekt Pate für die Kieler „cashvote“-Aktion.<br />
                    <br />Etwas mehr als einen Monat vor dem traditionellen Wahltermin im November 2000 hatte dann allerdings der Internet-gestützte Tausch von Wählerstimmen, das so genannte „Vote-Swapping“, seinen Lauf genommen: dabei wurden über verschiedene nicht-kommerzielle Online-Plattformen Wählervoten quer zu den Einzelstaaten vermittelt. Der wichtigste Unterschied zu den schnöden Stimmversteigerungen war das Tauschmedium: gehandelt werden sollten nicht Stimmen gegen Geld, sondern Stimmen gegen Stimmen. Genau diese feine Abweichung machte aus einem offensichtlichen Wahlbetrug eine subtil-subversive Form demokratischer Partizipation (vgl. zum<br />
                    <a href="/archiv/edemocracy/usa/voteswapping.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">amerikanischen Vote-Swapping</a>).<br />
                    <br />Ein zu erwartendes Echo dieser Ereignisse war im vergangenen Jahr in Großbritannien zu beobachten – aufgrund einer ähnlichen Wahlsystematik mit starrem Mehrheitswahlsystem bei einem stabilen Konkurrenzverhältnis zwischen „Labour Party“ und Conservative Party“ mit sporadischem Drittparteivorkommen hatte es hier ähnlich profitable Konstellationen gegeben. Folgerichtig hatten sich auch hier einige „Swapping-Sites“ gebildet, die das überalterte „First-Past-the-Post“-Verfahren kreativ kritisierten: Angebote wie tacticalvoter.net oder votedorset.net widmeten sich der Vermittlung von Wählerstimmen zur Unterwanderung des Wahlverfahrens und der „Umwertung“ verlorener Stimmpotenziale erzielen (vgl. zum<br />
                    <a href="/archiv/edemocracy/uk/voteswapping.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Tactical Voting“ in Großbritannien</a>).</p>
<p>
                    <strong>Stimmenhandel in Deutschland?<br />
                    <br /></strong>Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich nun wohl die Frage, wie hierzulande die Erfolgschancen für ein „Vote-Swapping“ stehen. Zunächst spricht vor allem der zeitliche Rahmen gegen das kollektive Wählen per digitalem Stimmentausch – um den Handel mit Wählerstimmen über „Peer-to-Peer“-Angebote noch etablieren zu können, ist es längst zu spät. Die Beispiele aus den USA und Großbritannien haben gezeigt, dass etwa ein Zeitraum von sechs bis acht Wochen nötig ist, um überhaupt messbare Effekte zu erzielen.<br />
                    <br />Ein anderer, weitaus wichtiger Hinderungsgrund ist selbstverständlich das komplexere deutsche Wahlsystem, das auf eine Mischung von Mehrheits- und Verhältniswahlrecht setzt. „Tauschfähig“ wären hierzulande lediglich die Erststimmen für die Mehrheitswahl der Direktkandidaten im Wahlkreis, die nach dem Verhältniswahlrecht zu vergebende Zweitstimme ist nicht im Sinne des anglo-amerikanischen „Vote-Swappings“ übertragbar. Dies gilt selbstverständlich nur für die bei der Bundestagswahl angewendete Melange aus Verhältnis- und Mehrheitswahl – bei Wahlverfahren wie etwa den mehrstufigen Direktwahlen um Bürgermeisterposten wäre eine solche Stimmenvermittlung durchaus praktikabel.</p>
<p>
                    <strong>Ein Beispiel<br />
                    <br /></strong>Mit etwas Phantasie wäre aber doch ein Anwendungsfeld für einen Stimmentausch zur Bundestagswahl denkbar, wenngleich die besondere Konstellation den Wählern erhebliche Flexibilität und viel Vertrauen aufnötigen würde. Ein denkbarer Ansatzpunkt wären nämlich die drei Direktmandate, die die PDS im Falle des Verfehlens der Fünf-Prozent-Hürde erringen müsste, um doch in den Bundestag einzuziehen.<br />
                    <br />Mit dem Wissen der inflationär auftretenden Umfragen und vor allem den offiziellen Daten der Bundeswahlleitung lassen sich mehrere aussichtsreiche Wahlkreise ermitteln, in denen die PDS-Direktkandidaten auf Tauschstimmen hoffen könnten – solche Wahlkreise liegen insbesondere im Osten Berlins, in Mecklenburg-Vorpommern oder in Sachsen-Anhalt (vgl. dazu die<br />
                    <a href="http://www.bundeswahlleiter.de/bundestagswahl2002/deutsch/ergeb98_um/btw2002/index_btw2002.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berechnungen der Bundeswahlleitung</a>).<br />
                    <br />Erfolg versprechend wären dabei Vermittlungen innerhalb des linken politischen Spektrums – so könnte etwa ein Anhänger der Grünen in einem für die PDS aussichtsreichen Wahlkreis seine Erststimme der PDS zur Verfügung stellen. Zum quasi-paritätischen Ausgleich müsste im Gegenzug ein PDS-Wähler in einem anderen Wahlkreis seine Zweitstimme an die Grünen vergeben und so deren Stellung gegenüber der FDP stärken. Ähnliches gilt prinzipiell auch für einen SPD-Anhänger, sofern der Eigenkandidat im fraglichen Wahlkreis nicht selbst eine Chance auf das Direktmandat hat. Die genannten Beispiele zeigen, dass außerdem die unterschiedliche Bedeutung von Erst- und Zweitstimme den Tausch erschwert – schließlich entscheidet lediglich die Zweitstimme über die Verteilung der Bundestagsmandate, die Erststimme stellt nur eine ergänzende und personalisierende Komponente dar.<br />
                    <br />Für den Prozess des Stimmentauschs wäre die besondere Leistung der Online-Plattformen einerseits die Bekanntmachung entsprechender Konstellationen und umstrittener Wahlkreise, sowie außerdem die Kontaktherstellung zwischen interessierten Bürgern, die alle weiteren Absprachen dann direkt übernehmen müssten. Rechtlichen Problemen und Anfechtungen könnte dabei mit dem Verweis auf den informellen „Abmachungscharakter“ begegnet werden – aus diesem Grund waren auch die amerikanischen Tausch-Websites weniger als „Interventionsplattformen“ ausgelegt, sondern eher als „politische Kontaktbörsen“ getarnt.</p>
<p>
                    <strong>Wahlartistische Fähigkeiten<br />
                    <br /></strong>Anhand solcher Überlegungen wird deutlich, dass der digitale Stimmentausch gewisse wahlartistische Fähigkeiten erfordert – und ein hohes Maß an Vertrauen zum Tauschpartner. In den USA und Großbritannien haben die wenigen Untersuchungen zum „Vote-Swapping“ gezeigt, dass ein solches Vertrauen tatsächlich oft in den Tauschakt eingebracht wurde. Darüber hinaus haben die Tauschplattformen vor allem einen Beitrag zur politischen Bildung und Aktivierung geleistet. Teilnehmende oder auch nur interessierte Bürger frischten auf diese Weise ihre Kenntnis des politischen Systems und des Wahlverfahrens auf. Als Resümee der anglo-amerikanischen Erfahrungen ist bislang fest zu halten, dass dem „Vote-Swapping“ als zwar risikoreichem, prinzipiell aber hoch-rationalem Wählerverhalten durchaus Zukunftschancen eingeräumt werden können.<br />
                    <br />Ähnliches hätte wohl auch hierzulande geschehen können, doch ist die Zeit dafür bereits abgelaufen. Die plumpen Versuche des Stimmenhandels über Internet-Auktionen werden vermutlich als kurze, für manchen auch teure Episode enden. Dennoch dürfte die auch bei zukünftigen Wahlen bevor stehende Diskussion um den Handel mit Wählerstimmen via Internet ein Vorgeschmack sein auf kommende Verwicklungen – insbesondere angesichts der Neueinteilung der Wahlkreise und der damit verbundenen, teilweise massiven Verschiebungen der Wählerpotenziale. Insofern könnte der profitorientierte Handel mit Stimmenpaketen auch ein Startsignal für kreative Überlegungen sein, ob es nicht doch Einsatzfelder für den digital vermittelten Stimmentausch gibt und damit eine legitime Modifikation der Stimmenverteilung innerhalb des personalisierten Verhältniswahlrechts möglich ist.</p>
<p>Ein ausführlicher Artikel von Christoph Bieber über den Stimmenhandel in den USA, Großbritannien und Deutschland erscheint am 20.9.2002 auf der Dokumentationsseite der Frankfurter Rundschau.</p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 19.09.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tausche Labour gegen Liberal</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/tausche_labour_gegen_liberal-729/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[sfalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Stimmentausch]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlsystem]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
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		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Neue Internetangebote bringen Farbe
in den grauen britischen Wahlkampf</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Neue Internetangebote bringen Farbe<br />
in den grauen britischen Wahlkampf</span></b><!--break--><br />
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<br />
</span></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Am 7. Juni 2001 wird in Großbritannien<br />
gewählt. Die Wahlen zum <a href="http://www.parliament.uk/commons/HSECOM.HTM" target="_new" rel="noopener noreferrer">House<br />
of Commons</a> (Unterhaus) versprechen wenig Aufregendes. &quot;Dr Feelgood&quot; Blair<br />
führt in allen Meinungsumfragen mit großem Abstand &#8211; Überraschungen<br />
werden nicht erwartet. Auch der Wahlkampf ist öde, seit Blair in einem klugen<br />
strategischen Schachzug jene die Briten spaltende europäische Frage durch<br />
ein erst nach den Wahlen geplantes Referendum von der Agenda des hemdsärmligen<br />
konservativen Herausforderers William Hague genommen hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Die politische Online-Landschaft in England hat da schon einiges mehr zu bieten.<br />
Angeregt durch die sites zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2000<br />
wie <a href="http://www.nadertrader.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.nadertrader.org</a><br />
oder <a href="http://www.votetrader.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.votetrader.org</a><br />
lässt sich in Großbritannien derzeit auf vier websites der Stimmentausch<br />
verabreden. Im britischen <a href="http://www.electoral-reform.org.uk/sep/votingsystems/systems.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">First-Past-The-Post-Wahlsystem</a><br />
(relative Mehrheitswahl im Einerwahlkreis) wird jener Kandidat aus den 659 Wahlkreisen<br />
in das Parlament entsandt, der die meisten Stimmen im Wahlkreis auf sich vereinigt<br />
&#8211; auch wenn dies weniger als 50 Prozent der in diesem Wahlkreis abgegebenen<br />
Stimmen sind. Alle anderen Stimmen sind &quot;verloren&quot;. Anhänger der wenig<br />
aussichtsreichen Liberaldemokraten im Wahlkreis Wimbledon schießen also<br />
ihre Stimme &quot;in den Wind&quot;, ebenso wie Unterstützer von Labour im Bezirk<br />
Kingston &amp; Surbiton: Hier haben Liberale die Tories bei den Unterhauswahlen<br />
1997 knapp geschlagen, benötigen also jede Stimme, und Labour spielt praktisch<br />
keine Rolle. Auf <a href="http://www.tacticalvoter.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.tacticalvoter.com</a><br />
können sich wahlberechtigte Bürger zum Stimmentausch registrieren<br />
lassen und werden über email miteinander in Kontakt gebracht. Auf diese<br />
Weise lassen sich die zwei normalerweise verlorenen Stimmen retten &#8211; Vertragstreue<br />
natürlich vorausgesetzt. In welchem Wahlkreis voteswapping Sinn macht,<br />
läßt sich auf der site online in Echtzeit feststellen. Unterstützt<br />
wird die mittlerweile von über 50.000 usern <a href="http://www.guardian.co.uk/Columnists/Column/0,5673,496383,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">besuchte<br />
Seite</a> durch die ehrwürdige <a href="http://www.electoral-reform.org.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Electoral<br />
Reform Society</a>, die seit 116 Jahren Wahlen in Großbritannien betreut<br />
und kommentiert. Vertreter der Gesellschaft haben wiederholt eine Reform des<br />
britischen Wahlsystems eingefordert und sehen in der online-Verabredung zum<br />
Stimmentausch eine ihrer zentralen Forderungen erfüllt: dass jede der abgegeben<br />
Stimmen zählt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Der Rockmusiker Billy Bragg ist Englands bekanntester bekennender Voteswapper:<br />
mittels der von ihm eingerichteten site <a href="http://www.votedorset.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.votedorset.org/</a><br />
versucht er, durch den Stimmentausch mit den Nachbargemeinden Mid Dorset und<br />
Poole North die knappe Mehrheit der Tories von lediglich 77 Stimmen bei den<br />
Wahlen von 1997 zu verhindern. Rund 700 Anträge sollen bereits vorliegen.<br />
Die obskure Seite <a href="http://www.stophague.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.stophague.com</a><br />
fordert Wählerinnen und Wähler in Kingston &amp; Surbiton und Wimbledon<br />
auf, mit vereinten Kräften den Torie-Sieg in ihrem Wahlkreis zu verhindern.<br />
Auch im politisch unruhigen <a href="http://www.votebasingstoke.f2s.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nordirland</a><br />
soll durch Stimmentausch mit Wählern aus Winchester verhindert werden,<br />
dass der als strammer Rechter geltende Kandidat Andrew Hunter nochmals ins Unterhaus<br />
einzieht, der lediglich eine einfache Mehrheit von 43 Prozent hält . Der<br />
<a href="http://users.eastlink.ca/%7Esrgl/election2001.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tactical<br />
Voting Wizard</a> zeigt, in welchem Wahlkreis taktisches Wählen überhaupt<br />
Sinn macht : Er nennt letzte Hochrechnungen für jeden Wahlkreis, auf deren<br />
Basis Entscheidungen gefällt werden können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Diese Sites kommen allesamt aus dem linken und liberalen Spektrum mit einem<br />
gemeinsamen Ziel: <a href="http://www.keepthetoriesout.co.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Keep<br />
the Tories out</a>. <a href="http://www.btinternet.com/%7Etorywatch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Torywatch</a><br />
stellt sicher, dass kein politisch inkorrektes Zitat eines Torie-Kandidaten<br />
der breiten Öffentlichkeit verborgen bleibt. Dahingehen haben die Konservativen<br />
das Internet als Medium für politische Kampagnen noch nicht für sich<br />
entdeckt. Insgesamt sind die britischen MP&#8217;s im Vergleich zu ihren deutschen<br />
Kollegen eher zurückhaltend in der Nutzung des aussichtsreichen Kommunikationskanals.<br />
Kaum ein Viertel der 659 britischen Parlamentarier hat eine eigene Homepage,<br />
darunter 88 Labour, 34 Tories, 24 Liberals und ein Vertreter der Scottish Nationals.<br />
In der Bundesrepublik hingegen haben alle Bundestagsabgeordneten einen eigenen<br />
Internetauftritt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Unterschiedlichen Schätzungen zufolge brachte taktisches Wählen<br />
Blair bei den <a href="http://www.times-archive.co.uk/news/pages/infotimes/politics/ballot97.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlen<br />
von 1997</a> bis zu 40 zusätzliche Sitze ein &#8211; ohne, dass im Vorfeld Absprachen<br />
zwischen einzelnen Individuen getroffen worden wären. Wählerinnen<br />
und Wähler wollten vor allem eins: den Wechsel nach 18 Jahren konservativer<br />
Regierung. </span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wählerverschwörung im Internet?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christoph Bieber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Stimmentausch]]></category>
		<category><![CDATA[Präsidentschaftswahl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial">Als am 12. Dezember 2000 der Sturm der Journalisten und
Beobachter aus dem Supreme Court in der US-Bundeshauptstadt Washington die tatsächlich
letzte Episode der mehrwöchigen Wahl-Soap einleitete, hatten die europäischen Beobachter]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial">Als am 12. Dezember 2000 der Sturm der Journalisten und<br />
Beobachter aus dem Supreme Court in der US-Bundeshauptstadt Washington die tatsächlich<br />
letzte Episode der mehrwöchigen Wahl-Soap einleitete, hatten die europäischen Beobachter<br />
eine ganze Menge gelernt. Immer neue Vokabeln aus dem Wahl-Latein fanden den Weg in die<br />
Fernseh- wie Stammtisch-Debatten auf dem alten Kontinent. Mit haarsträubenden Geschichten<br />
von &quot;Punch Cards&quot;, &quot;Pregnant Ballots&quot;, &quot;Butterfly Ballots&quot;<br />
oder dem &quot;Florida Recount&quot; hat sich das US-amerikanische Wahlsystem an den<br />
globalen Pranger stellen müssen. Die &quot;Leading Democracy&quot; (US-Eigenwerbung)<br />
balancierte eine Zeit lang am Rande der Blamage.</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial">Dass die Wahl des 43. US-Präsidenten zu einer solch<br />
nervenzerreißenden Angelegenheit werden würde, ist weniger ungewöhnlich als eine<br />
direkte und selbstverständliche Folge des knappen Wahlausganges. Mit George Bush ist erst<br />
zum vierten Mal ein Kandidat ins Weiße Haus eingezogen, der nicht das &quot;popular<br />
vote&quot; (die Mehrheit aller abgegebenen Stimmen) gewonnen hatte. Bush war letztlich mit<br />
271:266 Stimmen &quot;nur&quot; der Favorit des &quot;Electoral College&quot;, jenes<br />
altehrwürdigen Wahlmännergremiums aus der Gründerzeit, das so stark unter Beschuss<br />
genommen worden war. Doch kritische Stimmen erhoben sich nicht erst in der vermeintlich<br />
unsicheren Zwischenzeit nach dem Wahltag am 7. November und der Zusammenkunft der<br />
Wahlmänner am 18. Dezember, die Tauglichkeit des Wahlsystems der &quot;modernsten<br />
Demokratie der Welt&quot; wurde schon vor der Stimmabgabe angezweifelt. Auf besonders<br />
subtile Art hinterfragten und &quot;hintergingen&quot; das angestaubte Wahlsystem jene<br />
mehreren Zehntausend US-Bürgerinnen und Bürger, die sich in der letzten Oktober- und der<br />
ersten Novemberwoche am so genannten &quot;Vote-Swapping&quot; beteiligten. Dieser via<br />
Internet vermittelte Tausch von Wählerstimmen zwischen Anhängern unterschiedlicher<br />
Kandidaten fand über den Umweg der digitalen, interaktiven Medien eine Lücke im<br />
US-Wahlrecht mit seiner strengen bundesstaatlichen Grenzziehung.</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial">Auslöser für den Start vieler Websites war ein Artikel<br />
des Washingtoner Verfassungsrechtlers Jamin Raskin, der im <a href="http://slate.msn.com/Concept/00-10-24/Concept.asp">Online-Magazin Slate vom<br />
24.10.2000</a> die Möglichkeiten für einen digital vermittelten Stimmenhandel skizziert<br />
hatte. Dabei sollte den beiden &quot;linken&quot; Kandidaten aus dem Dilemma ihrer<br />
direkten Konkurrenz geholfen werden. Potenzielle Wähler des Grünen Ralph Nader sowie<br />
Gore-Anhänger waren die Zielgruppe dieser Aktionen: im Gegenzug für die Unterstützung<br />
des Vizepräsidenten in den hart umkämpften &quot;Battleground States&quot; hatten die<br />
Anhänger des demokratischen Kandidaten in sicher gewonnen oder verloren geglaubten<br />
Bundesstaaten Naders Grünen zum Sprung über die 5%-Hürde helfen sollen. Mit Blick auf<br />
die bevorstehende Vereidigung von George W. Bush am 20. Januar 2000 läßt sich klar<br />
sagen: das Unternehmen ist fehlgeschlagen. Doch ein Streifzug zu den Überresten der<br />
Swapping-Sites zeigt, dass die Stimmung bei den Polit-Brokern nicht ins Bodenlose gesunken<br />
ist.</span></span>
</p>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial"><br />
</span></span></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="392">
<tbody>
<tr>
<td colspan="3" bgcolor="#ffbb00" valign="top" width="388">
<p align="center">
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial"><b>Websites zum Vote-Swapping</b></span>
			</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Website</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Ort der<br />
			Registrierung</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Eröffnung/<br />
			Schließung</span></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="3" bgcolor="#ffbb00" valign="top" width="388">
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial"> </span></p>
<p align="center">
			<b><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Informationsseiten</span></b>
			</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.greensforgore.org/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">greensforgore.org</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Eugene (Oregon)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">29.08.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.nadersraidersforgore.com/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">nadersraidersforgore.com</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Falls Church<br />
			(Virginia)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">01.09.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.voteexchange.org/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">voteexchange.org</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Washington (DC)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">20.09.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.voteswap.com/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">voteswap.com</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Florham Park<br />
			(New Jersey)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">02.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.nadertrader.org/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">nadertrader.org</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Madison<br />
			(Wisconsin)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">23.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="3" bgcolor="#ffbb00" valign="top" width="388">
<p align="center">
			<b><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Aktive Swapping-Sites</span></b>
			</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.swapvote.com/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">swapvote.com</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Austin (Texas)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">25.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.voteexchange.com/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">voteexchange.com</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Lake Fores<br />
			(Kalifornien)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">27.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.votetrader.org/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">votetrader.org</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Oakland<br />
			(Kalifornien)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">27.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.tradevotes.com/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">tradevotes.com</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Eugene (Oregon)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">28.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.voteswap2000.net/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">voteswap2000.net</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Seattle<br />
			(Washington)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">30.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.winwincampaign.com/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">winwincampaign.com</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">San Francisco<br />
			(Kalifornien)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">31.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="3" bgcolor="#ffbb00" valign="top" width="388">
<p align="center">
			<b><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Geschlossene Swapping-Sites</span></b>
			</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">voteswap2000.com</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Hollywood<br />
			(Kalifornien)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">25.10.2000 &#8211;<br />
			30.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><a href="http://www.votexchange2000.com/"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">votexchange2000.com</span></a></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">San Francisco<br />
			(Kalifornien)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">26.10.2000 &#8211;<br />
			30.10.2000</span></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="154"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">nadergore.com</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="161"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">Seattle<br />
			(Washington)</span></td>
<td bgcolor="#ffffaa" valign="top" width="65"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial">31.10.2000 &#8211;<br />
			n. bekannt</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial"></p>
<p>
Im Kern handelte es sich bei den Online-Angeboten um Vermittlungsagenturen, die zumeist<br />
nach Ablauf einer Registrierungsprozedur den Austausch von Adressen tauschwilliger<br />
Wählerinnen und Wähler vornahmen. Als Sortier- und Vermittlungskriterien fungierten<br />
dabei insbesondere die bundesstaatliche Zugehörigkeit sowie die angegebene Wahlabsicht.<br />
Anhand dieser Daten ermittelten die Online-Angebote &quot;passende&quot; Tauschpartner in<br />
anderen US-Bundesstaaten, mit denen ein &quot;produktiver&quot; Stimmentausch<br />
durchgeführt werden könnte.
</p>
<p>
Durch diese Beschränkung auf die ausschließliche Vermittlung von Kontakten wurde &#8211;<br />
zumindest aus Sicht der Betreiber &#8211; keinerlei bindender Vertrag über den Stimmentausch<br />
beschlossen, sondern lediglich die Interessenten für eine &quot;strategischen<br />
Stimmabgabe&quot; miteinander in Verbindung gebracht. Dadurch war zwar keineswegs auch das<br />
Einlösen dieser virtuellen Übereinkunft sichergestellt, jedoch eine wichtige<br />
Argumentationshilfe gegen den häufig aufkommenden Vorwurf der Illegalität gefunden: die<br />
&quot;Swapping-Sites&quot; übernahmen im wesentlichen &quot;nur&quot; die Funktion eines<br />
politisch motivierten Diskussionsforums, das um eine technische Vermittlungsprozedur zur<br />
Auswahl der &quot;Diskussionspartner&quot; ergänzt war.
</p>
<p>
Die Frage nach der Rechtmäßigkeit dieser Vermittlungstätigkeit lieferte schließlich<br />
die spannendsten Episoden rund um die &quot;Swapping-Sites&quot;. Unmittelbar nachdem die<br />
Online-Angebote national bekannt geworden waren, schalteten sich in einzelnen<br />
Bundesstaaten die Wahlaufsichtsbehörden ein. In mindestens drei Fällen (vgl. Tabelle)<br />
wurde durch die Androhung rechtlicher Schritte gegen die Betreiber von<br />
&quot;Swapping-Sites&quot; eine Schließung der Online-Angebote herbeigeführt.<br />
Hauptargument des kalifornischen Staatsministers und obersten Wahlbeamten <a href="http://www.ss.ca.gov/">Bill Jones</a> war die Anschuldigung, dass jeglicher Handel<br />
mit Wählerstimmen den Tatbestand des Wahlbetruges erfülle und somit gleich mehrere<br />
Paragraphen des Wahlgesetzes verletze. Zudem läge darüber hinaus eine strafrechtlich zu<br />
verfolgende kriminelle Verschwörung vor.
</p>
<p>
Die direkt beschuldigten Betreiber der Websites Voteswap2000.com und<br />
Votexchange2000.com kamen der Aufforderung zur &quot;Abschaltung&quot; der Websites<br />
schnell nach, obwohl die Anschuldigungen einer eingehenden rechtlichen Prüfung<br />
möglicherweise nicht lange stand gehalten hätten. Als letztliche Begründung führte die<br />
Aufsichtsbehörde an, dass Wählerstimmen nicht gegen etwas Wertvolles (&quot;something of<br />
value&quot;) eingetauscht werden dürften.
</p>
<p>
Bislang wurde diese Bestimmung stets auf materielle oder finanzielle Gegenleistungen<br />
angewendet, ob darin jedoch auch der &quot;ideelle&quot; Tausch <i>Stimme gegen Stimme</i><br />
eingeschlossen werden kann, ist mehr als unklar. Unmittelbar nach der<br />
Unterlassungsaufforderung Anfang November legte eine Gruppe von Bürgerrechtlern,<br />
Studenten und Online-Nutzern unter Anleitung des Anwaltes Peter J. Eliasberg eine formelle<br />
Beschwerde gegen den Bescheid des Ministeriums ein. Die Gegenargumentation berief sich &#8211;<br />
wie so oft &#8211; auf das &quot;First Amendment&quot;, das Recht auf freie Meinungsäußerung,<br />
die in den besonderen Fällen der &quot;Swapping-Sites&quot; eben auf eine zwar besondere,<br />
aber legale Art und Weise durchgeführt werde (<a href="http://www.aclu-sc.org/docs/complaintporter.pdf">Volltext der Beschwerde</a> im<br />
pdf-Format). Der Beschwerde wurde bis zum Wahltermin nicht entsprochen &#8211; ein weiteres<br />
juristische Zeitspiel in diesem denkwürdigen Wahlkampf.
</p>
<p>
Kaum eine der zahlreichen Stimmentauschbörsen hat die Arbeit seit dem 7. November<br />
vollständig niedergelegt &#8211; ganz im Gegenteil, die Betreiber bieten Informationen über<br />
die Resultate der Wählervermittlung an, beschreiben ihre Erfahrungen mit der<br />
unkonventionellen Netznutzung oder führen Umfragen über die Akzeptanz der Angebote<br />
durch. Die bisher vorliegenden Resultate sind nicht uninteressant: Der Blick auf die<br />
zeitliche Entwicklung der Zugriffsdaten weist auf ein stetig wachsendes Interesse an den<br />
&quot;Swapping-Sites&quot; hin. Durch das Aufkommen immer neuer Angebote und insbesondere<br />
auch die Diskussion um Schließungen von Tauschbörsen verzeichneten die aktiv gebliebenen<br />
Anbieter gerade in der Zeit zwischen dem 31.10. und dem 2.11. einen starken Nutzerzuwachs.<br />
Nach deutlichen &quot;Einbrüchen&quot; über das Wochenende vor der Wahl (4.11./5.11.)<br />
kam es zu einem Endspurt mit nochmals höheren Beteiligungsraten.
</p>
<p>
Methodisch verlässliche Ergebnisse zur Nutzung der &quot;Vote-Swapping&quot;-Sites<br />
liegen bislang nicht vor, zu verweisen ist lediglich auf vereinzelte Server-Statistiken,<br />
die von einigen Administratoren geführt wurden. In einer <a href="http://votetrader.org/results">Auflistung der Nutzerdaten</a> von zehn<br />
&quot;Swapping-Sites&quot; wird eine Gesamtzahl von 16.024 digital vermittelten<br />
Tauschaktionen errechnet. Die Anzahl der daran beteiligten Wählerinnen und Wähler wird<br />
mit 36.025 angegeben. Angesichts von mehr als 100 Millionen abgegebener Stimmen mutet<br />
dieser Wert verschwindend gering an, aufgrund der bundesstaatlichen Aufteilung der Stimmen<br />
und angesichts des überaus knappen Wahlausgangs hat die Gesamtzahl digital vermittelter<br />
Tauschaktionen jedoch nur eine geringe Aussagekraft. So lag die für den Bundesstaat<br />
Florida ermittelbare Minimalzahl von &quot;Swaps&quot; bei 991 &#8211; und war damit größer<br />
als die <a href="http://election.dos.state.fl.us/">im offiziellen Wahlergebnis</a> auf 573<br />
Stimmen bezifferte Differenz zwischen Bush und Gore.
</p>
<p>
Wesentlicher Effekt des &quot;Vote-Swapping&quot; ist also die Ausbildung eines<br />
Netzwerks von Online-Angeboten, die sich auf je verschiedene Art und Weise mit dem<br />
Stimmenhandel auseinandergesetzt haben. Nicht zu unterschätzen ist zudem die<br />
flächendeckende Diffussion der Idee des Stimmentauschs durch die landesweiten Medien.<br />
Daher ist es wichtig, den Prozess des &quot;Vote-Swapping&quot; nicht allein auf die<br />
tatsächlich aktiven Tauschbörsen zu reduzieren, sondern auch das Umfeld dieser<br />
Kern-Angebote zu berücksichtigen. Auch wenn die Zahl der letztlich aktiv gewordenen<br />
&quot;Swapper&quot; relativ gering ausfällt, ist das &quot;Vote-Swapping&quot; als<br />
politisches Thema und alternative Methode zur Willensbildung auf die nationale Agenda<br />
gesetzt worden. Dadurch erhielt die schon länger schwelende Diskussion um eine<br />
Aktualisierung des indirekten, föderalen Wahlsystems zugleich eine praktische Dimension<br />
und eine neue Dynamik. Und wie immer heißt es nach erfolgter Stimmabgabe: Die nächste<br />
Wahl ist immer die schwerste&#8230;
</p>
<p></span></span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Hauch von Napster</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/ein_hauch_von_napster-813/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/ein_hauch_von_napster-813/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christoph Bieber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Stimmentausch]]></category>
		<category><![CDATA[Tauschbörse]]></category>
		<category><![CDATA[Präsidentschaftswahl]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/ein_hauch_von_napster-813/</guid>

					<description><![CDATA[<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&#34;Das amerikanische Volk hat gesprochen, aber es wird noch eine Weile dauern bis wir wissen, was es gesagt hat.&#34;
Noch-Präsident Bill Clinton fand am Mittwoch <a href="http://www.whitehouse.gov/library/hot_releases/Wed_Nov_8_161912_2000.html">eine geradezu philosophische Umschreibung</a>
für die Ereignisse der amerikanischen Wahlwoche, denn aus dem längsten
Wahltag der US-Geschichte ist inzwischen eine mehrtägige Veranstaltung
geworden, die sich möglicherweise noch bis weit in den November hinein
ziehen kann.</b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&quot;Das amerikanische Volk hat gesprochen, aber es wird noch eine Weile dauern bis wir wissen, was es gesagt hat.&quot;<br />
Noch-Präsident Bill Clinton fand am Mittwoch <a href="http://www.whitehouse.gov/library/hot_releases/Wed_Nov_8_161912_2000.html">eine geradezu philosophische Umschreibung</a><br />
für die Ereignisse der amerikanischen Wahlwoche, denn aus dem längsten<br />
Wahltag der US-Geschichte ist inzwischen eine mehrtägige Veranstaltung<br />
geworden, die sich möglicherweise noch bis weit in den November hinein<br />
ziehen kann.</b></span></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die<br />
durch den knappen Wahlausgang im Bundesstaat Florida notwendig<br />
gewordene Nachzählung gießt reichlich Öl ins Feuer einer Debatte, die<br />
zwar schon im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen geführt wurde, nun<br />
aber vom<br />
politikwissenschaftlichen Rand ins tagespolitische Zentrum gerückt ist:<br />
Ist das entlang bundesstaatlicher Grenzen organisierte<br />
Mehrheitswahlrecht ein überkommenes Relikt aus der Zeit der<br />
Gründerväter?</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Neben<br />
den Diskussionslinien um die Vor- und Nachteile von Mehrheits- und<br />
Verhältniswahlrecht, die Notwendigkeit der Wahlmänner-Versammlung, das <a href="http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/4225/1.html">Design der Stimmzettel</a><br />
und den Einsatz von Wahlmaschinen, sind die noch in der letzten Woche<br />
vor der Wahl heftig diskutierten Stimmentauschbörsen im Internet in den<br />
Hintergrund gedrängt worden. Durch die historische Dimension der Wahl<br />
(oder Nicht-Wahl) des amerikanischen Präsidenten sind die innovativen<br />
Online-Angebote aus den Schlagzeilen der selbst in die Kritik geratenen<br />
großen Medienverbünde geraten.</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zur Erinnerung: Online-Handelsplätze wie das vorzeitig stillgelegte &quot;Voteswap2000&quot; oder die bis zur Wahl aktiven<br />
<a href="http://www.winwincampaign.org/">Win Win Campaign, </a><a href="http://nadertrader.org/">Nader´s Traders</a> und <a href="http://www.voteexchange.com/">VoteExchange</a><br />
richteten sich an potenzielle Wähler des Grünen Ralph Nader sowie an<br />
Gore-Anhänger: im Gegenzug für die Unterstützung des Vizepräsidenten in<br />
den hart umkämpften &quot;Battleground States&quot; hatten die Anhänger des<br />
demokratischen Kandidaten in<br />
sicher gewonnen oder verloren geglaubten Bundesstaaten Naders Grünen<br />
zum Sprung über die 5%-Hürde helfen sollen.</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die<br />
zusätzlichen Unruhestifter an der Wahlfront funktionierten zunächst<br />
einmal nach dem Muster einer Kontaktbörse und ähnelten wenn auch nicht<br />
technisch, so doch prinzipiell dem Bertelsmann-Neukauf Napster:<br />
kooperationsbereite Wähler wurden quer zu bundesstaatlichen Grenzen<br />
miteinander in Verbindung gebracht und konnten dann ihre Stimme für ein<br />
&quot;Vote-Swapping&quot; zur Verfügung stellen. Auf diese Weise wurde kein<br />
bindender Vertrag über den Stimmentausch beschlossen, sondern lediglich<br />
das Interesse an einer <a href="http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/4167/1.html">&quot;strategischen Stimmabgabe&quot;</a><br />
bekundet. Dadurch war &#8211; wie sich nach dem Verlauf der Wahl nun zeigt,<br />
keineswegs auch das Einlösen der virtuellen Übereinkunft sichergestellt.</span></span>
</p>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span></span></p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Mit<br />
den Online-Plattformen zum Stimmentausch fand aber eine vermeintlich<br />
ganz andere Diskussion aus der vergangenen Woche ihre Fortführung auf<br />
neuem Terrain. Schließlich hatte sich ja auch Napster den Groll der<br />
mächtigen Musikindustrie zugezogen, da die Plattform eingefahrene<br />
Konventionen über den Haufen warf.</span></span></span>
</p>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span></span></span></p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Treibendes<br />
Element sowohl bei Napster wie auch bei den Websites zum Vote-Swapping<br />
ist die intelligente Nutzung der Kommunikationsmöglichkeiten der<br />
Online-Kommunikation. Durch die Vermittlungsplattformen entsteht ein<br />
&quot;peer-to-peer-Netzwerk&quot;, in dem schnell und variabel unterschiedliche<br />
Inhalte ausgetauscht werden &#8211; dabei ist es nur in zweiter Linie<br />
wichtig, ob der Tauschgegenstand nun begehrte mp3-Dateien oder Optionen<br />
auf Wählerstimmen sind. In beiden Fällen reizt der Eingriff in eine<br />
virtuelle Schatzkammer.<br />
</span></span></span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Insbesondere<br />
durch die Verschiebung der Kommunikationsrichtung unterscheiden sich<br />
die Tauschbörsen deutlich von den marketinglastigen Online-Kampagnen<br />
der Präsidentschaftskandidaten und den quotenorientierten<br />
Berichterstattungsversuchen der Online-Medien. Die Bereitstellung einer<br />
kostengünstigen, dabei aber reichweitenstarken Kommunikationsplattform<br />
und die Zusammenführung eines über die Bundesstaaten verteilten<br />
Publikums setzt im besten Sinne auf das &quot;interaktivierende&quot; Potential<br />
der Online-Kommunikation.<br />
</span></span></span></span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Doch<br />
trotz dieses internet-bezogenen Konzepts hat die nationale<br />
Stimmentauschaktion nicht gut genug funktioniert &#8211; denn ganz offenbar<br />
hat Al Gore nicht genügend Schützenhilfe erhalten und auch Ralph Nader<br />
hat sein Ziel eines 5%igen Stimmenanteils am &quot;popular vote&quot; verfehlt.<br />
Dennoch weht ein Hauch von Napster durch die politische Netzwelt. Das<br />
Modell der Online-Tauschbörse als Vehikel zur politischen<br />
Meinungsbildung scheint durchaus geeignet, die politische Kommunikation<br />
im Internet um eine neue Facette zu bereichern.</span></span></span></span></span></span>
</p>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span></span></span></span></span></span></p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Eines aber hat die Episode des &quot;Vote-Swappings&quot; schon jetzt geleistet:<br />
Bereits vor der Wahl hat diese bislang unbekannte Form politischer<br />
Partizipation nämlich auf die Entstehung &quot;virtueller<br />
Stimmgemeinschaften&quot; hingewiesen, die im US-Wahlrecht eigentlich gar<br />
nicht vorgesehen sind. Damit wurde die nun heiß geführte Debatte um<br />
eine Wahlrechtsreform schon vor der Wahl begonnen.</span></span></span></span></span></span></span></p>
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