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	<title>Studiengebühr &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Studiengebühr &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Ich bin eben ein überzeugter Anhänger von Wettbewerb&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ich-bin-eben-ein-ueberzeugter-anhaenger-von-wettbewerb-136/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jun 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Ilse Aigner]]></category>
		<category><![CDATA[Ländersache]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Donnerstag, 29. Juni, 
war Ilse Aigner, bildungs- und forschungspolitische Sprecherin der 
CDU/CSU-Fraktion, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de. Sie diskutierte mit den Nutzern über 
Studiengebühren, die Bedeutung von Bildung und die Kompetenzverteilung 
zwischen Bund und Ländern.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Donnerstag, 29. Juni,<br />
war Ilse Aigner, bildungs- und forschungspolitische Sprecherin der<br />
CDU/CSU-Fraktion, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de. Sie diskutierte mit den Nutzern über<br />
Studiengebühren, die Bedeutung von Bildung und die Kompetenzverteilung<br />
zwischen Bund und Ländern.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b><b><b>Moderator:</b></b></b></b><br />
Liebe Bildungs-, Forschungs- und Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen zum tagesschau-Chat. Unser Gast im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist heute Ilse Aigner, Bundestagsabgeordnete und bildungspolitische<br />
Sprecherin der Unions-Fraktion. Vielen Dank fürs Kommen, Frau<br />
Aigner. Neben Bildung und Forschung, Gentechnik und Schulbank darf<br />
es natürlich auch um andere interessante Themen gehen und Ihre<br />
Fragen können Sie natürlich wie immer jederzeit stellen,<br />
sie werden gesammelt. Eine Bemerkung noch: Im Bundestag hat sich<br />
der Zeitplan verschoben. Frau Aigner muss uns daher bereits nach<br />
40 Minuten verlassen &#8211; es kommt bei der Abstimmung auf ihre Stimme<br />
an.
</p>
<p>
<b>Benjamin Stierl:</b> Werte Frau Aigner, sind Sie persönlich<br />
für Studiengebühren, oder sind Sie dagegen?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/photos/iaigner%20webcam1.jpg" align="right" height="130" width="127" />Ilse<br />
Aigner:</b> Ich bin für Studiengebühren, weil es<br />
zu einer Verbesserung der Studienbedingungen führen wird und<br />
es eine Gleichbehandlung gibt mit denjenigen, die die berufliche<br />
Weiterbildung durchlaufen.
</p>
<p>
<b>peterm:</b> Mit welchen Argumenten könnte man<br />
mich dafür begeistern, für mein letztes Semester an einer<br />
bayerischen Hochschule noch 500 Euro zu zahlen – die Bedingungen<br />
werden sich nicht von heute auf morgen verbessern!
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Doch. Weil diese Mittel zusätzlich<br />
eingesetzt werden und deshalb wird es auch zu Verbesserungen für<br />
Sie kommen.
</p>
<p>
<b>scully:</b> Wie sollen Studiengebühren die Studienbedingungen<br />
verbessern, wenn das Geld die Institute nicht erreicht?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Ich weiß nicht, wie Sie zu<br />
der Erkenntnis kommen, dass die Mittel die Hochschulen nicht erreichen.<br />
Mein Kenntnisstand ist, dass die Länder ihre Mittel aufrecht<br />
erhalten und die Mittel zusätzlich den Hochschulen zur Verfügung<br />
stehen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Wissen Sie, ob das<br />
in allen Bundesländern so gehandhabt wird oder gibt es Unterschiede?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Meines Wissens ist es in allen Bundesländern<br />
so.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Nachfrage von:
</p>
<p>
<b>arzt-im-streik:</b> In wie fern bedeuten denn 500<br />
Euro im Semester eine Gleichbehandlung der Studierenden mit Auszubildenden?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Da muss ich missverstanden worden<br />
sein. Es ist nicht um die Auszubildenden gegangen, sondern um die<br />
berufliche Weiterbildung wie z.B. Meister oder Techniker. Ich selbst<br />
bin so ein Beispiel. Hier müssen Schulgeld und Lebensunterhalt<br />
selbst bestritten werden. Nur über das so genannte Meister-BAföG<br />
gibt es mittlerweile eine teilweise Entlastung bei den Lebenshaltungskosten<br />
auf Darlehensbasis.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Sie sprechen von sich<br />
als Beispiel &#8211; können Sie das ein bisschen näher erklären?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Ich habe ich eine Berufsausbildung<br />
als Radio- und Fernsehtechniker durchlaufen. Nach fünfjähriger<br />
Berufserfahrung dann eine zweijährige Weiterbildung zur staatlich<br />
geprüften Elektrotechnikerin. Meine Mitstudierenden und ich<br />
waren aber immer der Meinung, dass eine Investition in die Ausbildung<br />
sich langfristig rechnet.
</p>
<p>
<b>Mike S:</b> Aber Weiterbildungen können doch<br />
nicht mit einer universitären Erstausbildung verglichen werden?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Ich glaube, das ist genauso eine<br />
Investition in die Zukunft. Der Arbeitslosenanteil von arbeitslosen<br />
Akademikern ist weit geringer als der Durchschnitt.
</p>
<p>
<b>Finity:</b> Studierende aus Arbeiterfamilien sind<br />
ohnehin an Unis stark in der Minderzahl. Wird diese soziale Selektion<br />
nicht noch weiter vorangetrieben durch die Studiengebühren?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Hier muss natürlich von den<br />
Ländern (die auch zuständig sind) ein Stipendiensystem<br />
aufgebaut werden, andererseits kann ich auch sagen, dass eben diese<br />
besprochenen Arbeiter über die Steuermittel eine universitäre<br />
Ausbildung bisher voll finanzieren, um anderen damit eine bessere<br />
Aussicht auf potentiell höhere Verdienste zu ermöglichen.
</p>
<p>
<b>hanss:</b> Wird mit der Erhebung von Studiengebühren<br />
auch das BAföG erhöht werden, um die finanzielle Mehrbelastung<br />
finanzschwacher Studenten auszugleichen?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Die Frage der Studiengebühren<br />
ist Sache der Länder und sie müssen auch ein Stipendiensystem<br />
gewährleisten, das jungen Menschen mit geringen finanziellen<br />
Mitteln die Aufnahme eines Studiums ermöglicht. Unabhängig<br />
davon haben wir ein Studienkreditprogramm auf den Weg gebracht,<br />
das es auch denjenigen, die nicht BAföG-berechtigt sind, ermöglicht,<br />
ihre Lebenshaltungskosten über einen Kredit mitzufinanzieren<br />
(ohne Bonitätsprüfung).
</p>
<p>
<b>lenita:</b> Sind Studiengebühren nicht nur ein<br />
Tropfen auf den heißen Stein? Ein Dozent der Ruhr-Uni sagte<br />
mir, dass diese lediglich einen Anteil von 1,5 Prozent ausmachen.
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/photos/iaigner%20webcam2.jpg" align="left" height="137" width="150" />Ilse<br />
Aigner:</b> Ich kann die Zahl nicht nachvollziehen. Wichtig<br />
ist aber auch, dass durch eine Mitfinanzierung der Studenten eine<br />
stärkere Erfolgskontrolle von diesen eingefordert wird &#8211; gegenüber<br />
dem Lehrbetrieb.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Stichwort Generation<br />
Praktikum:
</p>
<p>
<b>DanielS:</b> Halten Sie es für richtig, dass<br />
man gerade in Zeiten unsicherer Arbeitsbedingungen &#8211; auch für<br />
Akademiker &#8211; mit einem Schuldenberg in sein Berufsleben starten<br />
soll?
</p>
<p>
<b><b>Ilse Aigner:</b></b> Es ist eine Frage<br />
auch der Rückzahlungsmodalitäten, die die Länder<br />
auch so regeln müssen, dass bei geringem oder keinem Verdienst<br />
die Rückzahlung ausgesetzt oder gegebenenfalls erlassen werden<br />
muss. Dieses trifft übrigens genauso auf diejenigen zu, die<br />
eine berufliche Ausbildung durchlaufen. Bei den Studiengebühren<br />
noch einmal der Hinweis, dass dies alleinige Angelegenheit der Länder<br />
ist und in ihrem alleinigen Verantwortungsbereich. Dies wurde durch<br />
ein Bundesverfassungsgerichtsurteil bestätigt. Der Bund hat<br />
hier keine Handlungskompetenz.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Die Kompetenz bei<br />
Bildungsangelegenheiten liegt aber ganz sicher bei Ihnen. Darum<br />
weiter:
</p>
<p>
<b>jojo:</b> Warum werden keine zinslosen Kredite für<br />
Studierende diskutiert, sonder von 7 Prozent geredet, also einem<br />
Mehrwert, den z.B. die KFW plant und viele Banken. Weshalb wird<br />
an der von Ihnen richtig benannten Investition in die Zukunft dieser<br />
Mehrwert vorausgesetzt? Warum sind zinslose Kredite nicht diskutabel?
</p>
<p>
<b>anna.adb:</b> Ich studiere in Großbritannien<br />
und dort gibt es bereits Studiengebühren. Dort existiert aber<br />
ein funktionierendes Bildungskreditsystem mit keinen oder geringen<br />
Zinsen. In Deutschland fehlt ein entsprechendes Angebot bis jetzt.<br />
Was gedenken Sie hier zu tun?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Zum einen sind mir die Kreditkonditionen<br />
der KfW mit 5 bis 5,5 Prozent bekannt und nicht 7 Prozent. Zum anderen:<br />
Wenn zinslose Kredite bereit gestellt werden müssen, bedeutet<br />
dies indirekt eine weitere Verschuldung des Staates. Bei einer momentanen<br />
täglichen Zinslast des Bundes von 100 Millionen Euro können<br />
wir uns dies nicht mehr erlauben. Der Bund zieht sich aber nicht<br />
aus dem Bereich der Forschung und Hochschulen zurück, sondern<br />
setzt in diesem Bereich Akzente. Wir investieren bis zum Jahr 2009<br />
zusätzlich 6 Milliarden Euro. Unter anderem wird dabei der<br />
Einstieg in eine Overhead-Finanzierung (Aufschlag von bis zu 20<br />
Prozent für die Hochschulen auf eingeworbene Drittmittel der<br />
DFG) vollzogen.
</p>
<p>
<b>Anders:</b> Bisher ist es allerdings so, dass die<br />
Studenten an den Universitäten immer weniger politische Macht<br />
ausüben können / dürfen. Wie könnte ein effizientes<br />
Evaluationssystem der Lehre an den Unis aussehen? Können studentische<br />
Kommissionen Professoren, die eine schlechte Lehre bieten, abmahnen?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Ich kann mir vorstellen, dass die<br />
Länder ihre Hochschulen auch dahingehend modernisieren müssen,<br />
dass eine Evaluation auch die berechtigten Interessen der Studierenden<br />
mit einbezieht.
</p>
<p>
<b>sabine:</b> Hätten Sie sich bei der Föderalismusreform<br />
noch mehr Kompetenzen für die Länder gewünscht? Wenn<br />
ja, in welchen Bereichen?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Ich finde es richtig, dass die Länder<br />
eine eindeutige Kompetenz aber auch die volle Verantwortung für<br />
die Bildung haben. Bei den Hochschulen war mein Wunsch die jetzt<br />
geplante Regelung im Paragraph 91b, die Länder wollten dies<br />
ursprünglich nicht. Ich bin froh, dass im Sinne der Hochschullandschaft<br />
dieser Kompromiss geglückt ist. Im Gegensatz zur Bildung ist<br />
eine strikte Trennung zwischen Forschung an Hochschulen (Kompetenz<br />
des Bundes auch schon bisher) und der Lehre in der Praxis schwierig<br />
gewesen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Noch mal zu den Studiengebühren.<br />
Kritik von:
</p>
<p>
<b>gkztgui:</b> Angeblich kommen Studiengebühren<br />
den Unis zusätzlich zugute. Spätestens beim nächsten<br />
Haushaltsloch wird die Politik Fördermittel abziehen, denn<br />
kaum jemand wird den Unis mehr geben als unbedingt nötig. Woran<br />
liegt es also, dass die Politiker uns diese absehbare Reduktion<br />
verschweigen? Sind die wirklich so naiv und unfähig in die<br />
Zukunft zu schauen oder verschaukeln sie den Bürger absichtlich?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Diese Unterstellung kann ich so nicht<br />
teilen. Die Länder sind sich, glaube ich, sehr wohl ihrer Verantwortung<br />
für die Studierenden bewusst. Wir hatten am Montag erst eine<br />
Diskussion mit dem zuständigen hochschulpolitischen Sprechern,<br />
die uns dies versichert haben.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Kommentar dazu:
</p>
<p>
hanss: Dies ist teilweise schon indirekt geschehen. In NRW wurden<br />
die Fördermittel für die Studentenwerke gekürzt!
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Haben Sie den Eindruck,<br />
dass die Bildungspolitik einen größeren Stellenwert in<br />
der Politik bekommen hat?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Allein durch die Diskussion um die<br />
Föderalismusreform und die Frage der Kompetenzverteilung ist<br />
aktuell dieser Politikbereich mehr in den Fokus gerückt. Ich<br />
glaube aber, insgesamt ist die Erkenntnis auf allen Ebenen mittlerweile<br />
ausgeprägter, dass wir hier ein sehr wichtiges Themenfeld finden.
</p>
<p>
<b>Herodot:</b> Als Dozent eines Massenfaches sehe ich<br />
den Studiengebühren skeptisch entgegen. Wie soll man bei einem<br />
Schlüssel von 80 Studierenden pro Dozent eine angemessene Ausbildung<br />
gewährleisten. Die Studiengebühren sind da nur ein Tropfen<br />
auf den heißen Stein, zumal ein Großteil im Hochschulbau<br />
und der Verwaltung versickert. Müsste nicht parallel zu den<br />
Gebühren auch ein deutliches Signal von Bund und Ländern<br />
zur finanziellen Aufstockung erfolgen?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Ich habe schon darauf hingewiesen,<br />
dass der Bund 6 Mrd. Euro in diesen Bereich in den nächsten<br />
Jahren zusätzlich investiert. Das ist für meine Begriffe<br />
ein deutliches Zeichen, wenn man die Rahmenbedingungen der Haushaltslage<br />
berücksichtigt. Ich appelliere auch an die Länder, dies<br />
zu tun.
</p>
<p>
<b>Emjay:</b> Die zusätzlichen 6 Mrd. werden aber<br />
als Aufstockung der Drittmittel verwendet und kommen daher bestenfalls<br />
der Forschung, nicht aber der Lehre zugute.
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Wenn die Länder gerade im Bereich<br />
der Forschung vom Bund etwas entlastet werden, besteht umso mehr<br />
die Möglichkeit, in Bereich der Lehre einen Handlungsspielraum<br />
der Länder zu eröffnen.
</p>
<p>
<b>anna.adb:</b> Wie wollen Sie sicherstellen, dass es<br />
aufgrund der Länderhoheit nicht zu unterschiedlichen Studienbedingungen<br />
bezüglich der Finanzen in den einzelnen Bundesländern<br />
kommt? Wird auf diese Weise nicht ein Marktwettbewerb begünstigt,<br />
der sich nicht mehr an der Studienqualität, sondern am Preis<br />
orientiert?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Ich glaube ganz im Gegenzug, dass<br />
sich die Studenten sehr wohl an der unterschiedlichen Qualität<br />
der Lehre und den unterschiedlichen Bedingungen an den Hochschulen<br />
orientieren werden. Ich glaube, dass Wettbewerb immer zu besseren<br />
Lösungen führt als eine Nivellierung.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Und noch einmal auf<br />
das alte Problem zurück &#8211; Frage an die Bundespolitikerin.
</p>
<p>
<b>MartinS79:</b> Sie verweisen hier sehr viel auf die<br />
Länder, die dies oder jenes sollten&#8230; Hätten Sie sich<br />
hier nicht mehr Kontrollmöglichkeiten gewünscht?
</p>
<p>
<b>Ilse Aigner:</b> Natürlich wäre einem Politiker<br />
immer eine größtmögliche Regelungsfreiheit immer<br />
lieber, weil der persönliche Einfluss größer ist.<br />
Ich bezweifle aber, dass generell zentralistische Lösungen<br />
zu einem besseren Ergebnis führen. Ich bin eben ein überzeugter<br />
Anhänger von Wettbewerb und ich würde mir auch wünschen,<br />
dass eben die Hochschulen selbst mehr Kompetenzen erhalten um in<br />
einen direkten Wettbewerb einzusteigen. Wir konkurrieren nicht nur<br />
auf nationaler Ebene, sondern müssen immer bedenken, dass wir<br />
mittlerweile praktisch weltweit im Wettbewerb liegen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Das war unser tagesschau-Chat,<br />
heute nur 45 Minuten, der geänderte Bundestagsterminplan ist<br />
schuld. Vielen Dank Frau Aigner, dass Sie sich Zeit genommen haben.<br />
Das Protokoll des Chats ist wie immer in Kürze zum Nachlesen<br />
auf den Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de zu finden.<br />
Das Tagesschau-Chat-Team dankt allen Teilnehmern für Ihr Interesse<br />
und die zahlreichen Fragen und wünscht noch einen angenehmen<br />
Tag.
</p>
<p><b>Ilse Aigner:</b> Auf Wiedersehen und einen schönen<br />
Tag. Und hoffentlich einen Sieg der deutschen Mannschaft morgen<br />
nachmittag.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich rate Kurt Beck, seine Äußerungen nicht zu wiederholen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_rate_kurt_beck_seine_aeusserungen_nicht_zu_wiederholenquot-138/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jun 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Jusos]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
		<category><![CDATA[Björn Böhning]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialleistung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, 9. Juni, war Björn Böhning, 
Vorsitzender der JuSos, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in 
Kooperation mit politik-digital.de. Er stellte sich den Fragen zur 
Rolle der Jusos in der SPD, Studiengebühren und den Äußerungen 
Kurt Becks zum Hartz 4-Missbrauch.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, 9. Juni, war Björn Böhning,<br />
Vorsitzender der JuSos, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in<br />
Kooperation mit politik-digital.de. Er stellte sich den Fragen zur<br />
Rolle der Jusos in der SPD, Studiengebühren und den Äußerungen<br />
Kurt Becks zum Hartz 4-Missbrauch.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Chatter, heute<br />
ist der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, Björn Böhning,<br />
ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Wie es sich für einen Juso<br />
gehört, hält er mit Kritik an der SPD nicht hinter dem<br />
Berg. Alle Fragen sind willkommen, wir sammeln und ordnen dann.<br />
Herr Böhning, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Ja, gerne.
</p>
<p>
<b>Pille90: </b>Herr Böhning, ich bin 16 Jahre alt<br />
und habe schon selber an einer Veranstaltung der Jusos teilgenommen.<br />
Dabei fiel mir auf, dass nur wenige Mitglieder in meinem Alter bei<br />
den Jusos sind. Dies entmutigte mich, weiter mitzumachen. Spiegelt<br />
dies auch die Bundessituation der Jusos wieder?
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Ganz im Gegenteil. Die<br />
Jusos haben im letzten Jahr über 11.000 neue Mitglieder gewonnen.<br />
Damit sind wir erstmals seit den 70er Jahren in absoluten Zahlen<br />
mehr geworden. Unter den neuen Mitgliedern sind vor allem Jüngere<br />
zwischen 16 und 22 Jahren.
</p>
<p>
<b>Simon_Haber:</b> Wie ist der Altersdurchschnitt der<br />
Jusos?
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Der Altersdurchschnitt<br />
der Aktiven liegt zwischen 16 und 21 Jahren und der Altersdurchschnitt<br />
insgesamt wird bei Ende 20 liegen.
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Es gibt kein einziges<br />
durchgerechnetes oder wirklich zur Verfügung stehendes Kreditprogramm.<br />
Gleichzeitig ist es so, dass natürlich nur ärmere Studierende<br />
auf solche Kreditangebote zurückgreifen müssten und andere<br />
sich die Kredite sparen können. Es kann nicht sein, dass mit<br />
einem Studium bereits ein Schuldenberg für den weiteren Lebenslauf<br />
aufgebaut wird. Auch diese Maßnahme würde einem Großteil<br />
der jungen Menschen den Zugang zur Hochschule abspenstig machen.
</p>
<p>
<b>sirius:</b> Wieso gegen Studiengebühren, wenn<br />
Studienkonten okay waren?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die Jusos treten auch gegen andere Formen<br />
von Studiengebühren wie Studienkonten oder Einschreibegebühren<br />
ein. Grundsätzlich aber ist mir ein gebührenfreies Erststudium<br />
sympathischer als die Studiengebührenforderung der Union.
</p>
<p>
<b>Philipp Stroehle:</b> Würden die Jusos Hochschulgebühren<br />
akzeptieren, wenn sie direkt in die Hochschulen einfließen<br />
und einen Betrag von 300 Euro pro Semester nicht überschreiten<br />
würden? Ausbildungen können auch richtig Geld kosten.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ausbildung und Bildung kosten immer Geld<br />
und sollten von der gesamten Gesellschaft getragen werden. Wenn<br />
Deutschland eine Chance in Europa haben möchte, muss es ein<br />
hochleistungsfähiges Bildungssystem haben. Das bedeutet auch,<br />
wir brauchen mehr und nicht weniger Akademiker. Alle Erfahrungen<br />
mit Studiengebühren zeigen uns, dass es bei z.B. 300 Euro nicht<br />
bleiben würde, sondern die Studiengebühren in den Jahren<br />
massiv ansteigen. Dazu kommt, dass natürlich der Staat seine<br />
Mittel für das Hochschulsystem zurückfahren würde<br />
und damit Studiengebühren zu einer unsozialen Milchmädchenrechnung<br />
verkommen.
</p>
<p>
<b>Craim:</b> Wie sollen aber die Universitäten<br />
finanziert werden bzw. die Forschung?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir brauchen in der Tat massiv zusätzliche<br />
Mittel im Bildungssystem. In den nächsten Jahren müssten<br />
wir durchsetzen, dass etwa sechs bis sieben Prozent des Bruttoinlandproduktes<br />
der Bildung und Forschung zugute kommen. Das lässt sich nicht<br />
aus der Portokasse bezahlen, dazu brauchen wir zusätzliche<br />
Steuermittel. Ich plädiere stark für eine drastische Erhöhung<br />
der Erbschaftssteuer, damit alle junge Menschen vom zukünftig<br />
vererbten Vermögen profitieren.
</p>
<p>
<b>Riedel:</b> Dann müssten Kindergartenplätze<br />
auch von der gesamten Gesellschaft getragen werden, da dort die<br />
Ausbildung der Kleinen bereits beginnt.
</p>
<p>
<b>palimpalim:</b> Sind Sie dann auch für kostenlose<br />
Kindergärten?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die Jusos plädieren stark für<br />
kostenfreie Kindergartenplätze. Da sind jetzt die Kommunen<br />
und die Länder in der Verantwortung, Kindergärten kostenfrei<br />
zu gestalten. Hier gehen sowohl Klaus Wowereit in Berlin als auch<br />
Kurt Beck in Rheinland-Pfalz mit gutem Beispiel voran. Der neue<br />
SPD-Chef hat sogar angekündigt, in den nächsten Jahren<br />
in seinem Land den kostenfreien Zugang zu Kindergärten für<br />
alle zu ermöglichen. Das ist aber nur ein Schritt hin zu einer<br />
Vorschule ab dem vierten Lebensjahr, in dem alle Kinder sowohl Betreuungs-<br />
als auch Bildungsangebote spielerisch erhalten. Das würde nicht<br />
nur bildungspolitisch Sinn machen, sondern wäre auch ein wichtiger<br />
Beitrag zur Integration von Migrantinnen und Migranten.
</p>
<p>
<b>Kuntze1:</b> Was halten Sie von dem Fondsmodell, das<br />
die Arbeitsgruppe Gesundheit derzeit diskutiert?
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Das Fondsmodell ist bisher<br />
hinreichend unkonkret geblieben. Grundsätzlich kann ich mir<br />
einen Fond, in den die privaten Krankenversicherungen ebenfalls<br />
einzahlen, gut vorstellen. Das Fondsmodell à la Kauder allerdings<br />
sieht das Einfrieren der Arbeitgeberbeiträge sowie eine kleine<br />
Kopfpauschale vor. Letztere würde dafür sorgen, dass die<br />
großen Kassen, die einen Großteil der Patienten versichern,<br />
hohe Kopfpauschalen von ihren Versicherten nehmen müssen. Damit<br />
würden die Ersatzkassen und die AOK vor einer strukturellen<br />
Krise stehen und die vielen auch sozial schwächeren Versicherten<br />
ständen plötzlich ohne jegliche gesundheitliche Betreuung<br />
da. Wir lehnen daher das Fondsmodell in dieser Form ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kann es sein, dass die SPD heimlich<br />
still und leise und im Schutze der WM nachgibt und sich auf das<br />
Kauder-Modell einlässt, um später womöglich beim<br />
Kündigungsschutz zu punkten?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich habe auch die Befürchtung, dass<br />
die SPD in der Gesundheitspolitik einer Reduzierung der Solidarität<br />
im System Vorschub leistet. Es kommt jetzt für uns darauf an,<br />
dass unser Modell der solidarischen Bürgerversicherung stärker<br />
in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Wir wissen, dass die<br />
übergroße Mehrheit der Bevölkerung Kopfpauschalen<br />
ablehnt. Diese Mehrheit müssen wir für eine fortschrittliche<br />
Gesundheitspolitik mobilisieren.
</p>
<p>
<b>palimpalim:</b> Wie wollen Sie denn eigentlich Einfluss<br />
auf die Entscheidungen der Koalition nehmen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir sind im ständigen Kontakt mit<br />
der SPD-Bundestagsfraktion und auch den sozialdemokratischen Ministern.<br />
Hier werben wir stark für unsere Positionen. Wir Jusos stellen<br />
dazu mittlerweile 20 Prozent der Delegierten auf Bundesparteitagen,<br />
was unsere Stellung innerhalb der SPD enorm verstärkt. Gleichzeitig<br />
werden wir über die Öffentlichkeit und auch mit Bündnispartnern,<br />
wie den Gewerkschaften, die SPD dazu drängen, dass sie es nicht<br />
zulässt, dass das Gesundheitssystem zerschlagen wird.
</p>
<p>
<b>Tarja:</b> Hallo Björn. Die Jusos treten ja gelegentlich<br />
in offene Opposition zur SPD. Glaubst du, dass die Jusos tatsächlich<br />
Einfluss auf die Politik der Mutterpartei nehmen können? Konkret:<br />
Glaubst du, die SPD wird jemals wieder für ArbeitnehmerInnen<br />
und sozial Ausgegrenzte eintreten?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Dafür setze ich mich ein und die<br />
stark ansteigenden Mitgliedszahlen bei den Jusos zeigen, dass unsere<br />
Positionen wieder attraktiver werden. Z.B. sind wir beim Thema &quot;Generation<br />
Praktikum&quot;, also jungen Leuten, die sich von Praktikum zu Praktikum<br />
ohne jegliche Bezahlung hangeln, mit der SPD-Fraktion und dem Arbeitsminister<br />
Franz Müntefering in einem intensiven Dialog. Wir setzen uns<br />
dafür ein, dass junge Praktikanten endlich mehr Rechte und<br />
sozialen Schutz bekommen und finden für unsere Forderungen<br />
bei beiden sehr offene Ohren.
</p>
<p>
<b>PolitBürger:</b> Herr Böhning, Herr Beck<br />
hat meines Erachtens eine unsinnige Debatte angestoßen: Ist<br />
es anstößig, ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Existenzsicherung<br />
geltend zu machen? Wenn dies der Fall wäre, dann müsste<br />
es bereits anstößig sein, derartige Gesetze zu machen.<br />
Zumal kein einziger Politiker im Bundestag existenzielle Probleme<br />
haben dürfte. Was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich denke auch, dass jegliche Debatten<br />
über angebliche Sozialschmarotzer sofort eingestellt werden<br />
müssen. Es kann nicht sein, dass wegen einiger schwarzer Schafe,<br />
die es überall gibt, die Arbeitslosen pauschal verunglimpft<br />
werden. Auch kann es nicht sein, dass die Arbeitslosen jetzt für<br />
handwerkliche Fehler der Politik büßen sollen. Wir wollen<br />
eine soziale Existenzsicherung für alle und dann muss man auch<br />
akzeptieren, wenn Menschen diese in Anspruch nehmen. Ich begrüße<br />
es sehr, dass Kurt Beck seine Äußerungen vom gestrigen<br />
Tage heute bereits deutlich entschärft hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hat Kurt Beck sich da schon zum ersten<br />
Mal in die Nesseln gesetzt, als Parteivorsitzender?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Leider ist es so, dass<br />
Missbrauchsdebatten eine politische Konjunktur haben. Immer dann,<br />
wenn den Schwächsten der Gesellschaft Transfermittel gekürzt<br />
werden sollen, kommt eine populistische Diskussion gegen Ausgegrenzte<br />
hoch. Ich rate Kurt Beck, seine Äußerungen nicht zu wiederholen,<br />
bin aber schon der Meinung, dass sein Hinweis darauf, dass die Wohlhabenden<br />
in der Gesellschaft auch ihren Beitrag zur Finanzierung des Staates<br />
leisten müssen, sehr richtig ist.
</p>
<p>
<b>Philipp Stroehle:</b> Kann man mit den Bürgern<br />
auf Kuschelkurs gehen, wenn die Realität sagt, dass eines der<br />
besten Sozialsysteme nicht mehr refinanziert ist? Da gehören<br />
Fakten auf den Tisch, denen Aktionen folgen müssen. Ob es schmeckt<br />
oder nicht.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Fakt ist, dass unsere Sozialsysteme intakt<br />
sind, allerdings wir auch Reformbedarf haben. Im Gesundheitssystem<br />
z.B. sind die Ausgaben der GKV in den letzten 30 Jahren, gemessen<br />
am Bruttoinlandsprodukt, nicht gestiegen. Wir wissen allerdings<br />
auch, dass wir massive Strukturreserven im System haben müssen.<br />
Z.B. ist es mir nicht einsichtig, warum die Patienten immer zusätzliche<br />
Lasten tragen müssen, Apotheker oder Pharmahersteller weiterhin<br />
ihre Scheininnovationen bei Medikamenten für teures Geld verkaufen<br />
dürfen. Hier ist eine Reform angezeigt. Die Behauptung, die<br />
Sozialsysteme seien alle nicht mehr finanzierbar, trifft aber nicht<br />
zu.
</p>
<p>
<b>Klassensprecher:</b> Sie klingen ein bisschen wie<br />
ihr ehemaliger Parteikollege Oskar Lafontaine. Alles wollen, aber<br />
ohne Verantwortung übernehmen zu können bzw. realisierbare<br />
Vorschläge zu machen. Glauben Sie, dass das bei der jungen<br />
Bevölkerung noch zieht?
</p>
<p>
<b>palimpalim:</b> Sie lehnen ja vieles ab. Mir fehlen<br />
da ein wenig die schlüssigen und realistischen Konzepte als<br />
Antwort auf die Ablehnung!
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich setze mich in der Bildungspolitik<br />
sehr stark für ein längeres gemeinsames Lernen bis Klasse<br />
zehn ein. Alle internationalen Erfahrungen zeigen, dass ein solches<br />
Schulsystem erfolgreicher und chancengleicher ist. Im Gesundheitssystem<br />
schlage ich statt einer Entsolidarisierung eine stärkere Steuerfinanzierung<br />
und ein sinnvollen Qualitätswettbewerb. Drittens plädieren<br />
die Jusos in der Arbeitsmarktpolitik für einen gesetzlichen<br />
Mindestlohn, damit man von Arbeit wieder leben kann. Alle diese<br />
Vorschläge sind auch in der großen Koalition realisierbar<br />
und mit Oskar Lafontaine hatten die Jusos schon in seiner Zeit als<br />
SPD-Vorsitzender nichts zu tun.
</p>
<p>
<b>uta65:</b> Intakt? Dann machen wir uns also nur mal<br />
wieder zu viele Sorgen?
</p>
<p>
<b>Chris82:</b> Aber die Beitragszahler werden doch immer<br />
weniger. Wie kann man da von einem intakten System sprechen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> In der Tat sind viele pauschale Vorwürfe<br />
an die Sozialsysteme der Versuch, diese abzuschaffen. Aber es gibt<br />
natürlich auch Reformbedarf. Weil wir immer weniger Beitragszahler<br />
haben, brauchen wir einen neuen Finanzierungsmix in den sozialen<br />
Sicherungssystemen. Das bedeutet: Wir müssen Kapitaleinkünfte,<br />
die einen immer größeren Stellenwert bei den Einkünften<br />
der Menschen bekommen, über Steuern oder Beiträge in die<br />
Finanzierung des Sozialstaates einbeziehen. Das wäre nur logisch.
</p>
<p>
<b>benji:</b> Es geht darum, eigene Finanzierungsvorschläge<br />
für den Umbau der Sozialsysteme zu machen. Fällt den Jusos<br />
da mehr ein als immer nur die vom Verfassungsgericht für gesetzeswidrig<br />
erklärte Vermögensteuer und die Erhöhung der Erbschaftssteuer?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass<br />
wir einen neuen Finanzierungsmix brauchen. Ich halte z.B. den Vorschlag,<br />
einen Gesundheitssoli einzuführen, um die Kinderversicherung<br />
zu bezahlen, für sinnvoll. Gleichzeitig ist es mir überhaupt<br />
nicht einsichtig, warum man in Deutschland für eine CD Mehrwertsteuer<br />
bezahlt, aber jemand, der auf Börsen Finanzen transferiert,<br />
nicht einen Cent zahlen muss. Wenn wir die Globalisierung wirklich<br />
ernst nehmen, brauchen wir auch neue internationale Steuern. Deshalb<br />
treten die Jusos für eine Börsenumsatzsteuer ein.
</p>
<p>
<b>George2:</b> Was halten Sie von einem bedingungslosen<br />
Grundeinkommen, das armutsfest ist und jedem ohne Bedarfsprüfung<br />
zusteht?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das halte ich für eine linksutopische<br />
Illusion. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre weder finanzierbar<br />
noch politisch sinnvoll. Es wäre nichts anderes als eine Alimentierung<br />
des Nichtstuns und ein Abschreiben der Arbeitslosen in ihrer Situation.<br />
Ein Sozialsystem muss immer auf die Erwerbsverhältnisse zugeschnitten<br />
sein und sollte sich nicht von der Realität abkoppeln.
</p>
<p>
<b>BlubberBlaBla:</b> Eine Börsensteuer wäre<br />
auch nur europaweit interessant. Die Möglichkeit für Schlupflöcher<br />
würde man so in den Griff bekommen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das ist richtig. Wir brauchen endlich<br />
einen europäischen Rahmen für die Steuerpolitik. Ich fordere<br />
von der Bundesregierung ein, dass sie im nächsten Jahr, wenn<br />
sie die EU-Ratspräsidentschaft innehat, endlich konsequente<br />
Schritte für europäische Mindeststeuersätze und eine<br />
europäische Börsenumsatzsteuer unternimmt. Das würde<br />
uns als stärkste Wirtschaftsmacht in Europa gut zu Gesicht<br />
stehen.
</p>
<p>
<b>knutaux:</b> Ist es nicht auch so. dass die Kosten<br />
für Hartz IV systematisch unterschätzt wurden, um jetzt<br />
eine Missbrauchsdebatte anzetteln zu können?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das halte ich für zu verschwörungstheoretisch.<br />
Richtig ist aber, dass Hartz IV die wirkliche Armut in Deutschland<br />
konsequent offen gelegt hat. Wer sich darüber heute beschwert,<br />
hat entweder früher die Realität nicht zur Kenntnis genommen<br />
oder will nun aus Hartz IV ein Murks-ALG II machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gesundheitsreform, Pflegereform, Kündigungsschutz,<br />
Reform der Hartz-Reformen &#8211; gefährliche Klippen für die<br />
große Koalition. Wie sehen Sie deren Zukunft? Wann fliegt<br />
der Laden auseinander? Wie weit kann sich die SPD verbiegen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die Zeit unter rot-grün mit der Agenda<br />
2010 hat gezeigt, dass die SPD viele derlei Sargnägel nicht<br />
mehr verträgt. Neuerliche Massenaustritte oder weitere verheerende<br />
Wahlniederlagen stellen die SPD vor eine Existenzkrise. Gerade deshalb<br />
muss sie in der großen Koalition ein klares sozialdemokratisches<br />
Profil zeigen. Wichtig ist, dass wir den Niedriglohnsektor endlich<br />
ordnen und existenzsichernde Löhne in Deutschland durchsetzen<br />
und dass wir den Mut haben, nicht nur mittlere und niedrige Einkommen<br />
zu belasten, sondern auch hohe. Ich finde den Weg, der jetzt bei<br />
der Erbschaftssteuer eingeschlagen wird, nämlich Steuererlasse<br />
nur zu gewähren, wenn auch wirklich Arbeitsplätze gesichert<br />
oder geschaffen werden, für richtig. Hier zeigt sich die Doppelmoral<br />
der Union. Sie will Unternehmen nur entlasten, damit ihre Gewinne<br />
steigen. Das ist nicht unser Weg.
</p>
<p>
<b>borowski:</b> Wer wird Weltmeister?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Deutschland wird Weltmeister. Wir werden<br />
Brasilien im Finale schlagen. Das geht aber nur, wenn Franz Beckenbauer,<br />
besser bekannt unter &quot;der Kaiser&quot;, dem Bundestrainer und<br />
der Nationalmannschaft endlich nicht mehr öffentlich in den<br />
Rücken fällt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Herzlichen Dank an alle, die sich beteiligt haben. Wer heute mit<br />
seiner Frage nicht durchgekommen ist, möge es uns nachsehen.<br />
Besonderen Dank an unseren Gast, Björn Böhning, der sich<br />
Zeit für uns genommen hat. Unser nächster Chatgast wird<br />
am 26. Juni ab 14 Uhr Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD)<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Vielen Dank auch. Und<br />
ich wünsche uns allen ein gutes Fußballspiel heute Abend.<br />
Deutschland gewinnt 3:0.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Jungpolitiker für mehr gemeinsamen Druck auf Mutterparteien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Junge Liberale]]></category>
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		<category><![CDATA[Generationengerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Grüne Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Nike Wessel, Sprecherin der Grünen 
Jugend, und Johannes Vogel, Vorsitzender der JuLis, waren am 12. 
September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale für 
politische Bildung. Die Ausbildung junger Menschen, Studiengebühren 
und die Praktikumsproblematik standen im Mittelpunkt der Diskussion.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Nike Wessel, Sprecherin der Grünen<br />
Jugend, und Johannes Vogel, Vorsitzender der JuLis, waren am 12.<br />
September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale für<br />
politische Bildung. Die Ausbildung junger Menschen, Studiengebühren<br />
und die Praktikumsproblematik standen im Mittelpunkt der Diskussion.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe<br />
Politik-Interessierte, herzlich willkommen im Live-Duellchat der<br />
Bundeszentrale für politische Bildung. Heute chatten wir mit<br />
der Sprecherin der Grünen Jugend, Nike Wessel, und dem Vorsitzenden<br />
der Julis (Junge Liberale), Johannes Vogel. Im oberen Feld werden<br />
die beiden Politiker befragt, in dem unteren Feld werden die Fragen<br />
und Kommentare der Chatterinnen und Chatter abgebildet. Wir freuen<br />
uns auf Ihre Kommentare und Fragen, die Sie gerne an die beiden<br />
Duellanten richten können. Herzlich willkommen Frau Wessel<br />
und Herr Vogel, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Johannes Vogel:</b></b> Ja.
</p>
<p>
<b><b>Nike Wessel:</b></b> Ja.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Die Grünen wollen<br />
ja schon seit Jahren das Cannabis legalisiert wird, aber bisher<br />
ist, obwohl sie an der Regierung sind, noch nichts passiert. Wie<br />
positionieren Sie sich in dieser Frage? Frau Wessel, bitte!
</p>
<p>
<b><b>Nike Wessel:</b></b> Das bleibt weiterhin ein ganz wichtiges<br />
Thema von uns. Es ist sehr schade, dass in der letzten Legislaturperiode<br />
nur weitere Straffreiheit ausgebaut wurde und wir werden uns weiterhin<br />
dafür einsetzen. Ich habe große Hoffnung, dass auch mit<br />
anderen Jugendorganisationen an dem Thema gearbeitet wird. Der Ansatz<br />
der jungen Liberalen &quot;bekifft-ficken.de&quot; hat seinen Charme.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Vogel, wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das war ein etwas pointierter Ansatz eines Landesverbandes.<br />
Grundsätzlich bin ich auch für die Legalisierung des Cannabis<br />
und würde mich freuen, wenn wir in den kommenden Jahren zu<br />
einer Legalisierung kommen würden. Leider muss man sich als<br />
politische Jungendorganisation erstmal in der eigenen Organisation<br />
durchsetzen und dann kann man die Realität verändern.<br />
Wir arbeiten weiter daran, das erstmal in der FDP mehrheitsfähig<br />
zu machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Inwiefern weicht Ihre Position von<br />
der Position Ihrer jeweiligen Mutterpartei in Bezug auf die Legalisierung<br />
von Cannabis ab?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Wir JuLis sind für die Legalisierung, weil<br />
ich glaube, dass die bisherige Unterscheidung von legalen und illegalen<br />
Drogen an dieser Stelle recht willkürlich ist, und auch weil<br />
der Jugendschutz und Fragen wie verantwortungsvoller Konsum nach<br />
einer Legalisierung besser behandelt werden könnten. Die FDP<br />
teilt das bisher leider nicht und ist für die Beibehaltung<br />
der jetzigen Gesetzeslage.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Grundsätzlich sind wir schon sehr nah mit den<br />
Grünen in dem Thema gekommen, wir hätten aber z.B. für<br />
die nächste Legislatur den großen Wunsch, das nicht nur<br />
der SPD zu überlassen und z.B. den Posten der/s Drogenbeauftragten<br />
von unserer Partei zu besetzen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zum Thema Studiengebühren:<br />
Wie stehen Sie zum Thema Studiengebühren? Soll es beim gebührenfreien<br />
Erststudium bleiben?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich finde, es sollte den Hochschulen ermöglicht<br />
werden, eigenverantwortlich über nachgelagerte Studiengebühren<br />
bis zu einer gewissen Obergrenze frei zu entscheiden. Ich glaube,<br />
dass so die Finanzausstattung der Hochschulen verbessert werden<br />
kann und dies auch ein logischer Bestandteil von mehr Autonomie<br />
der einzelnen Hochschulen und somit mehr Wettbewerb untereinander<br />
ist. Entscheidend ist, dass weiterhin für jeden oder jede unabhängig<br />
von finanziellen Ausstattung des Elternhauses möglich ist.<br />
Hier ist insbesondere die Möglichkeit der nachgelagerten Bezahlung<br />
entscheidend.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Die grüne Jugend ist klar für ein gebührenfreies<br />
Studium und in jedem Fall gegen Studiengebühren. Wir sind übrigens<br />
auch für unentgeltliche Kindergartenplätze. Für uns<br />
ist Bildung und ein freier Zugang hierzu eine Grundbedingung, um<br />
soziale Gleichheit zu sichern.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Für unentgeltliche Kindergartenplätze<br />
sind wir auch ganz entschieden. Ich glaube, es ist aber sinnvoller,<br />
die Elementarpädagogik für alle kostenlos anzubieten und<br />
dafür für ein gutes Studium an einer gut ausgestatteten<br />
Uni einen gewissen Eigenbetrag zu verlangen.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Die Universitäten sind jetzt schon vom Staat<br />
zu wenig ausgestattet. Es ist überhaupt nicht sicher, dass<br />
die jetzt erhobenen Studiengebühren auch direkt den Unis zugute<br />
kommen. Wir haben jetzt schon zu wenig Studierende und eigentlich<br />
müsste es in einem wirtschaftlich so starken Land wie Deutschland<br />
auch möglich sein, sozial und für alle offen, ein Bildungs-<br />
und Hochschulsystem zu finanzieren. Das alte Beispiel Schweden:<br />
Dort wird erheblich mehr für die Bildung ausgegeben, ohne dass<br />
die Studierenden bezahlen müssen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Für eine soziale ausgeglichene Bildungslandschaft<br />
sind wir, glaube ich, alle. Der internationale Vergleich zeigt uns<br />
aber, dass Studiengebühren hier schlicht und ergreifend hier<br />
kein Problem darstellen müssen. In Deutschland, einem der wenigen<br />
Länder ohne Studiengebühren, ist der Zusammenhang zwischen<br />
finanziellen Background des eigenen Elternhauses und dem eigenen<br />
Bildungserfolg so hoch wie fast nirgendwo. Dass in der Vergangenheit<br />
die Einnahmen aus Studiengebühren oft direkt in die Länderhaushalte<br />
geflossen sind, ist völlig unverantwortlich, aber doch kein<br />
Argument gegen Studiengebühren, sondern vielmehr dafür,<br />
politisch dafür zu sorgen, dass das Geld bei den Unis bleibt<br />
und zusätzlich dazu die staatliche Finanzierung ausgebaut wird.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Da wir dennoch viel zu wenig Absolventinnen haben,<br />
gibt es kein Argument dafür, dass Zahlen für ein Studium<br />
es in irgend einer Weise besser oder attraktiver macht, in Deutschland<br />
zu studieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nena hat dazu eine Frage: Was ihr wollt,<br />
sagt ihr deutlich, doch wie ihr eure Forderungen umsetzen wollt,<br />
würde mich interessieren.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wir sind für eine klare Erhöhung des Bildungshaushalts.<br />
Rot-Grün hat hier schon um 30% erhöht, und in der nächsten<br />
Legislaturperiode müsste es noch mehr werden. Dazu kommt aber<br />
auch eine umfassende Reform an den Universitäten selbst. Auch<br />
dort muss Bürokratie abgebaut werden und man muss sicher auch<br />
noch einmal über die Zuständigkeiten der Länder und<br />
eine grundsätzliche Föderalismusreform nachdenken.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Grundsätzlich versuchen wir Druck auf unsere<br />
Mutterpartei auszuüben, damit diese nach einem möglichen<br />
Wahlsieg hart verhandelt und unsere klaren Schwerpunkt für<br />
eine bessere Bildung und Forschung im Wahlprogramm auch gegenüber<br />
dem zukünftigen Koalitionspartner durchsetzt. Ich bin sehr<br />
zuversichtlich, dass dies auch gelingt, schließlich haben<br />
wir die besseren Argumente auf unserer Seite.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> CDU-FDP 4 Future&gt; @Sommerrauschen:<br />
Sehe ich genauso, wie kann also Hochschulabsolventen besser beim<br />
Berufseinstieg geholfen werden? Ein Großteil fängt als<br />
Praktikanten an. Ist da nicht auch die Politik dran Schuld?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich glaube, das Hauptproblem hier liegt bei der<br />
aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt und diese ist durch die<br />
wirtschaftliche Misere ausgelöst. Gerade deshalb, weil sich<br />
die katastrophale Situation ja auch insbesondere auf junge Menschen<br />
auswirkt, die dann keine Perspektive haben mit einem Job selbstbestimmt<br />
ins Leben zu starten, machen wir uns Gedanken, wie wir die grundsätzlichen<br />
strukturellen Probleme lösen können. Sobald das gelungen<br />
ist, werden mehr junge Leute auch wieder die Möglichkeit haben,<br />
nach Schule, Studium oder Ausbildung direkt einen Job zu finden<br />
und nicht als Praktikant zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Gerade zum Thema Praktika haben wir als Grüne<br />
Jugend einen unserer zwei inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt. Unter<br />
dem Thema &quot;Lasst Euch nicht ausbeuten&quot; setzen wir uns<br />
dafür ein, z.B. einen Mindestlohn für die Zeit der Ausbildung<br />
und des Praktikums gesetzlich festzulegen. Und das Argument, nur<br />
die schlechte Lage am Arbeitsmarkt wäre für die Praktika<br />
verantwortlich, widerlegt zum Teil schon, dass selbst 1999 &#8211; als<br />
der Arbeitsmarkt noch viel weniger umkämpft war- Ausbildungsplätze<br />
abgebaut und unentgeltliche Praktika immer mehr in Mode kamen. Deshalb<br />
ist meine Meinung, dass es sehr wichtig ist, dass an den Universitäten<br />
zum Teil praxisnah gelehrt wird, dass aber auch Betriebe und Firmen<br />
ehrlicher und nachhaltiger ausbilden.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Sicherlich sind Praktika in den letzten Jahren<br />
ein allgemeiner Trend gewesen. Das ist ja auch nicht unbedingt schlecht,<br />
schließlich bietet ein Praktikum die Möglichkeit, Erfahrungen<br />
zu sammeln und in verschiedene Bereiche hereinzuschnuppern. Das<br />
Problem heute ist doch, dass junge Leute monatelang Praktika machen<br />
müssen und nicht, wie eigentlich nötig, im Anschluss eine<br />
feste Anstellung finden. Dieses Problem wird sich leider überhaupt<br />
nicht durch einen Mindestlohn für Praktika lösen lassen.<br />
Außerdem halte ich es allgemein nicht für besonders realistisch,<br />
dass die Politik einfach mal eben beschließen könnte,<br />
das die Unternehmen einen Mindestlohn zu zahlen haben. Das würde<br />
nur dazu führen, dass weniger Praktikumsplätze existieren.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Das Problem beim Thema &quot;Praktikum&quot; ist vor<br />
allen Dingen, dass es sich auch wieder nur bestimmte junge Leute<br />
leisten können, lange, zum Teil ein Jahr lang, unentgeltlich<br />
zu arbeiten. Was dazu kommt, ist, dass sich die Idee eines &quot;Reinschnupperns&quot;<br />
in einen Beruf in der Zeit des Praktikums längst zu einem,<br />
für viele Firmen wichtigen Teil an unbezahlter, qualifizierter<br />
junger Arbeitskräfte ausgemacht hat. Die Forderung nach einem<br />
Mindestlohn würde den Wildwuchs in diesem Bereich stark eingrenzen<br />
und mehr dazu führen, dass deutlich sind: das sind Minijobs<br />
oder halbe Stellen und das ist wirklich qualitativ gute Ausbildung.<br />
Es gibt bei aller Kritik gute Beispiele in Unternehmen im Wirtschaftsbereich.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Und genau aus dem Grund, dass es sich viele junge<br />
Leute nicht leisten können, längere Zeit unbezahlte Praktika<br />
zu machen, müssen wir endlich wieder genügend Arbeitsplätze<br />
für diese jungen Leute schaffen. Nur so schaffen wir doch,<br />
eine Perspektive auf ein selbstbestimmtes und selbstverwirklichendes<br />
Leben. Das geht nur, wenn wir die grundlegenden Strukturprobleme<br />
auf dem Arbeitsmarkt und beim Wirtschaftswachstum lösen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sollten Ihrer Meinung nach in Zukunft<br />
die Kompetenzen in der Bildungspolitik aufgeteilt werden?
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Das pluralistische System der Länderhoheit macht<br />
in vielen Dingen sicher Sinn und hat seine Traditionen, doch wie<br />
wir zur Zeit an jeder deutschen Uni &#8211; durch die Einführung<br />
von Bachelor und Master &#8211; gemerkt haben, sind längst europäische<br />
Richtlinien in unserem System und es ist dringend notwendig, dass<br />
die Kompetenzen zwischen Land und Bund geklärt werden und sich<br />
Deutschland, meiner Meinung nach, klar darauf konzentriert, ein<br />
Wissenschafts- und Bildungsland in der EU und international zu werden.<br />
Dort liegt für mich ein großes Stück, wie die Zukunft<br />
auch für Arbeitsplätze hier aussehen könnte.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich bin klar für einen Bildungsföderalismus.<br />
Das heißt, dass die Länder ihre bisherigen Kompetenzen<br />
in der Bildungspolitik behalten und wir nicht zu bundeseinheitlichen<br />
Standards übergehen, weil diese dann oft nur zu einem Einheitsbrei<br />
auf niedrigen Niveau führen würden. Grundsätzlich<br />
glaube ich, dass einzelnen Bildungsstätten, also jeder einzelnen<br />
Schule und Hochschule, viel mehr Autonomie geben müssen. So<br />
könnten diesen dann um das beste Konzept für die individuelle<br />
Förderung jedes Einzelnen wetteifern. Jeder sucht sich dann<br />
das Modell aus, welches am besten zu ihm passt. So werden wir ganz<br />
unterschiedliche pädagogische Konzepte in einem Wettbewerb<br />
haben, was dann wiederum das Gesamtniveau der Bildung in Deutschland<br />
erhöht.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wichtig ist bei der Kompetenzentflechtung, dass es<br />
weniger Mischbereiche zwischen Land und Bund gibt und dass z.B.<br />
für alle verbindlich ist, dass Bildung von Lehrmittelfreiheit<br />
bis zu Studiengebühren kostenlos ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir noch einmal zur Arbeitsmarktpolitik:<br />
Welche Rolle sollte die Politik bei der Schaffung von Ausbildungsplätzen<br />
übernehmen?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich glaube, das Problem beim Mangel der Ausbildungsplätze<br />
ist im Grundsatz dasselbe wie bei den Arbeitsplätzen allgemein.<br />
Wir müssen durch eine Politik, die der Marktwirtschaft wieder<br />
traut, den Rahmen für mehr Bildungs- und Ausbildungsplätze<br />
schaffen. Das geht durch eine Steuerreform als eine dynamische Impuls<br />
für mehr Wirtschaftswachstum und Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt,<br />
damit sich dieses auch auswirkt zusätzlich können wir<br />
glaube ich durch eine Reform der beruflichen Bildung noch etwas<br />
für die spezielle Attraktivität von Ausbildung für<br />
Unternehmen tun.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wie schon beim Thema Praktikum kann nicht immer die<br />
schlechte Konjunktur dafür verantwortlich gemacht werden, dass<br />
Betriebe Unternehmen sich entziehen und nicht oder schlecht ausbilden.<br />
Viele Unternehmer haben den Zukunftsblick verloren und hoffen, dass<br />
sie auf dem Arbeitsmarkt früher oder später die Arbeitnehmer<br />
finden, die sie brauchen, aber selbst nicht ausgebildet haben. Das<br />
System kann auf Dauer nicht funktionieren.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Natürlich ist nicht nur die Konjunktur für<br />
alles verantwortlich aber die Dramatik von 5 Millionen Arbeitslosen<br />
zeigt doch wohl, wo der Kern all unser Probleme liegt. Und das müssen<br />
wir endlich ändern, damit junge Menschen wieder mehr Perspektiven<br />
haben. <b></p>
<p>Moderator:</b> Zum Thema Generationengerechtigkeit: Besteht<br />
nicht die Gefahr, dass angesichts unserer Altersstruktur in der<br />
Gesellschaft eine Politik für junge Leute kaum noch Mehrheiten<br />
findet?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich hoffe nicht. Aber sollte es zu einem solch<br />
&quot;klientelistischen&quot; Agieren der jeweiligen Altersschichten<br />
bedauerlicher Weise jemals kommen, steigt die Gefahr hierfür<br />
logischerweise von Jahr zu Jahr. Deshalb ist es ja gerade so wichtig,<br />
dass wir die Probleme der aktuellen Generationengerechtigkeit nicht<br />
länger vor uns her schieben. Ich glaube, dass sehen wir als<br />
politische Jugendvereinigungen aber alle relativ ähnlich.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Eines der wichtigsten Politikfelder der Grünen<br />
war das Thema &quot;nachhaltige Politik&quot;. Das bedeutet, sich<br />
in allen Politikfeldern sich darum zu bemühen, dass an Morgen<br />
gedacht wird: bei der Umwelt, bei den Staatsfinanzen aber auch in<br />
der Frauen- und Familienpolitik, was hoffentlich dazu führt,<br />
dass Familie und Beruf besser vereinbar miteinander wird und wir<br />
auch mehr Kinder kriegen. Der derzeitige Wahlkampf hat allerdings<br />
schon gezeigt, dass das Thema Jugend an sich bei keiner Partei unter<br />
den vorderen Plätzen der Themen lag. Das ist eigentlich unverständlich.<br />
Deshalb haben wir als Grüne Jugend dafür eingesetzt, dass<br />
wir nun im Wahlprogramm von Bündnis 90/Grüne ein extra-Kapitel<br />
&quot;Jugend&quot; haben. Was sich allerdings auch in diesem Wahlkampf<br />
seltsamerweise entwickelt hat, ist die Idee, die PDS stehe für<br />
eine moderne und junge Linke, dabei ist diese Partei mit Abstand<br />
die mit den meisten Rentnern und den ältesten Ideen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das ist ja alles als Ansatz sehr löblich,<br />
aber leider konnten sich die Grünen damit ja offenbar nicht<br />
durchsetzen: Wir hatten in diesem Jahr mit einer Neuverschuldung<br />
des Staates von 39 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2005 einen<br />
neuen, bisher unerreichten Rekord. Darüber hinaus sind die<br />
Sozialsysteme Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung immer noch<br />
nicht grundlegend reformiert, was insbesondere die junge Generation<br />
belasten wird. Da müssen wir als junge Politiker darauf drängen,<br />
dass sich hier endlich etwas tut. Ich weiß aber, dass das<br />
nicht an der Grünen Jugend liegt 😉
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Ich bin natürlich etwas jung, möchte dennoch<br />
an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Hauptteil der Staatsschulden<br />
in der Regierungszeit mit FDP-Verantwortung angehäuft wurde.<br />
Daran sind natürlich auch die jungen Liberalen nicht schuld<br />
und ich bin mir sicher, wenn wir Jugendvertreter miteinander verhandeln<br />
würden, würde eine alternative und modernere Politik dabei<br />
herauskommen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das stimmt. Wir sollten beim Thema Generationengerechtigkeit<br />
noch viel mehr als bisher gemeinsam unseren &quot;Seniorenorganisationen&quot;<br />
Druck machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Schluss noch eine Frage zum Politikverdruss:<br />
Wie wollen Sie die jungen Leute wieder für Politik interessieren?
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Ich bin mir sicher, für jede und jeden, die sich<br />
aufmerksam in ihrer Umgebung und unserer Gesellschaft umsehen, gibt<br />
es genügend Themen und Anstöße, sich einzubringen<br />
und zu interessieren. Ich widerspreche auch vehement dem Eindruck,<br />
unsere Generation sei politkmüder als andere. Die letzten Wahlkampfsommerwochen<br />
haben vom Baggersee bis zum Schulhof mir eigentlich nur Mut gemacht,<br />
dass es genug Interesse an Politik gibt.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das beste Argument, junge Leute für politisches<br />
Engagement zu gewinnen, ist, dass ansonsten die Alten alles alleine<br />
unter sich entscheiden. Es gibt so viele Themen die jeden Einzelnen<br />
betreffen und unsere Zukunft so stark beeinflussen, dass man in<br />
Gesprächen mit fast jedem oder jeder Gleichaltrigem schnell<br />
zu der Einigung kommt, dass wir uns als junge Generation da einfach<br />
nicht raushalten dürfen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten Live-Chatduell<br />
der Bundeszentrale für politische Bildung, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse. Herzlichen Dank auch an Frau Wessel und Herrn Vogel,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Es sind viele Fragen und<br />
Kommentare übrig geblieben. Der nächste Chat findet morgen<br />
in der Zeit von 15.00 bis 16.00 Uhr statt. Den Fragen stellen sich<br />
dann die Vorsitzenden von Jusos und der Jungen Union, Philipp Missfelder<br />
und Björn Böhning. Wir freuen uns, wenn Sie auch morgen<br />
wieder dabei sind!
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Vielen Dank. Hat super Spaß gemacht, nur<br />
schade, dass wir nicht auf alle Fragen eingehen können. Aber<br />
jeder kann mich auch gerne persönlich anmailen. Einfach auf<br />
www.julis.de reingucken!
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Vielen Dank fürs Mitlesen und Chatten. Nicht<br />
vergessen, am Sonntag zu wählen und wer persönlich noch<br />
Fragen hat, einfach an gruene-jugend.de schicken.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es muss Hochschulen gestattet werden, Studienbeiträge zu erheben&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jan 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Katherina Reiche]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Katherina 
Reiche ist am 19. Januar 2004 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Katherina<br />
Reiche ist am 19. Januar 2004 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-, Bildungs- und Forschungs-Liebhaber,<br />
herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im ARD-Hauptstadtstudio<br />
begrüße ich heute Katherina Reiche, die bildungs- und forschungspolitische<br />
Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag. Frau Reiche, kann es losgehen?</p>
<p><b>Katherina Reiche:</b> Ja, gerne.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Erst mal eine ziemlich allgemeine, aber<br />
interessante Frage:
</p>
<p>
<b>pweber:</b> Frau Reiche, sollte prinzipiell jeder in Deutschland studieren<br />
können oder können wir uns das nicht mehr leisten?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Jeder, der dazu in der Lage ist, der über die<br />
Fähigkeit verfügt zu studieren, soll auch in Zukunft eine<br />
Hochschule besuchen können. Wir haben das Begabungspotenzial in<br />
Deutschland noch lange nicht ausgeschöpft.
</p>
<p>
<b>Bert B.:</b> Guten Tag, Frau Reiche! Was genau verstehen Sie unter einer<br />
Innovationskultur in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Innovationen sind Erfindungen oder Entwicklungen,<br />
die die Gesellschaft / Wissenschaft in einem großen Schritt nach<br />
vorne bringen, quasi revolutionieren. Wir sind in Deutschland nicht<br />
mehr an der Spitze, wenn es um den Export von Spitzentechnologie geht.<br />
Wir sind gut in der höher- und hochwertigen Technologie. Das muss<br />
sich wieder ändern. Wenn wir wissen, dass in Zukunft z.B. der Bereich<br />
Life Science immer entscheidender wird, kann man es nicht unkommentiert<br />
lassen, dass wir Jahre hinter den USA zurückliegen. Deshalb wünsche<br />
ich mir ein Land, in dem wir Freiheit von Forschung und Lehre wirklich<br />
umsetzen, wo wir mehr Ja zu Chancen sagen und weniger langatmige Debatten<br />
zu möglichen Risiken führen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hätten Sie ein Beispiel für die Unterschiede zwischen<br />
Spitzen- und hochwertiger Technologie? Also wo wir wirklich vorn liegen<br />
und wo wir nur mit an der Spitze dabei sind?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Zum Beispiel liegen wir bei der Chemie- und bei der<br />
Automobilbranche ganz vorne, im Bereich Datenverarbeitung nur noch auf<br />
Platz 8, bei der Biotechnologie auf Platz 9 oder bei der Materialforschung<br />
auf Platz 4.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Welche Quelle zitieren Sie da?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik.
</p>
<p>
<b>Bulfrau:</b> Bisher werden schlechte wie gute Studierende gleichmäßig<br />
auf die Universitäten verteilt. Die von der SPD angekündigten<br />
Leitlinien zur Innovations- und Wissenschaftspolitik beinhalten das<br />
Ziel, begabte Studierende besonders zu fördern. Was haben sie daran<br />
auszusetzen?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> In den vergangenen 30 Jahren war das Wort Elite verpönt.<br />
Gerade die SPD hat mit großer Hartnäckigkeit negiert, dass<br />
Menschen unterschiedlich begabt sind. Das gilt für die Schule,<br />
für die Ausbildung und auch für die Hochschulen. Wenn nun<br />
ausgerechnet diese SPD kommt und die Eliteförderung für sich<br />
entdeckt, dann ist das für mich sehr unglaubwürdig. Als Rockefeller<br />
vor über 50 Jahren zum Präsidenten der Harvard University<br />
kam und fragte, was man brauche, um eine Elite-Uni zu gründen,<br />
sagte er: 50 Millionen Dollar und 200 Jahre. Das zeigt zwei Dinge deutlich:<br />
1. Universitäten brauchen mehr Geld und mehr Freiheit und 2. Eliten<br />
kann man nicht verordnen, die wachsen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dann würden Sie angesichts auch gewisser kultureller<br />
Unterschiede (Spendenverhalten von privaten Organisationen etc.) vermutlich<br />
die Frage von DW1 mit Nein beantworten, oder?
</p>
<p>
<b>DW1:</b> In ihren Vorschlägen will sich die SPD am großen Vorbild<br />
Amerika orientieren. Und zieht als Beispiel Elite-Universitäten<br />
wie Harvard, Columbia oder Stanford heran. Ist vor dem Hintergrund der<br />
verschiedenen Bildungssysteme in Deutschland und Amerika ein deutsches<br />
Harvard möglich?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Es ist immer richtig sich an jemandem zu orientieren,<br />
der besser ist als man selbst. Wir werden das aber nicht über Nacht<br />
haben. Wir haben in Deutschland viele Fakultäten renommierter Hochschulen,<br />
die schon jetzt Spitzenforschung betreiben. Aber Harvard hat ein Stiftungskapital<br />
von 19,3 Milliarden ein Jahresetat von 2,5 Milliarden Dollar. Die Uni<br />
Köln verfügt im Jahr über 656 Millionen Euro, in Harvard<br />
ist das Betreuungsverhältnis 1:7, in Köln 1:125. Diese Zahlen<br />
zeigen unser Problem. Wir sollten den Universitäten erlauben, ihr<br />
eigenes Geld einzunehmen. Das sind &#8211; natürlich neben der Grundfinanzierung<br />
durch die Länder – Lizenzgebühren, Industrieverträge,<br />
das Einwerben privaten Kapitals und natürlich Studienbeiträge.
</p>
<p>
<b>herzinfarkt257:</b> Sollten nicht anstelle wenige Elite-Unis zu unterstützen,<br />
lieber gute Institute oder herausragende Ideen und Dozenten dezentral<br />
unterstützt werden? Dann versickerten die Mittel nicht in Verwaltungen<br />
und die Empfänger hätten Ansporn, sich immer neu zu beweisen<br />
für neue Mittel (wie es bei der DFG ja üblich ist).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> DFG = Deutsche Forschungsgemeinschaft.
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Ich bin sehr dafür, Mittel im Wettbewerb zu<br />
vergeben. Gerade die DFG, die ja maßgeblich die Forschung an den<br />
Universitäten fördert, hat hier eine herausragende Bedeutung.<br />
Wir brauchen auch weniger Bürokratie, wenn es um Anträge geht.<br />
Ich denke nur an EU-Forschungsprogramme. Im Wettbewerb wird sich dann<br />
herausstellen, welcher Wissenschaftler oder welche Fakultät wirklich<br />
Spitze ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin<br />
Teufel hat angekündigt, sein Land wolle den Staatsvertrag über<br />
die Zentrale Studienplatzvergabe (ZVS) kündigen, wenn es keine<br />
Einigung gebe, dass sich Hochschulen künftig die Studenten selbst<br />
aussuchen und Studiengebühren erheben dürfen. Sieht so aus,<br />
als ob die Studiengebühren kommen &#8211; ob politisch herbeiverhandelt<br />
oder vor dem Verfassungsgericht eingeklagt, was ja derzeit sechs Bundesländer<br />
tun. Wie stehen Sie zu Teufels Vorschlag?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Wir kommen um Studienbeiträge auch in Deutschland<br />
nicht herum. Schon jetzt fehlen den Hochschulen in Deutschland zwischen<br />
3 und 4 Mrd. Euro, davon 1 Mrd. für die Lehre. Die 6 Bundesländer<br />
klagen nicht für die Einführung von Studiengebühren,<br />
sondern gegen die Bestimmung im Hochschulrahmengesetz (HRG), dass das<br />
Erheben von Studiengebühren untersagt ist. Meiner Auffassung nach<br />
muss das HRG nicht nur in diesem Punkt deutlich entschlackt werden.<br />
Es muss Hochschulen gestattet werden, Studienbeiträge zu erheben.<br />
Die Studierenden müssen nur unmittelbar spüren, dass sich<br />
die Bedingungen für sie verbessern, d.h. überschaubare Seminare,<br />
keine Auslosung bei Praktika und Begleitung bei ihrer beruflichen Laufbahn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Kommentar zu Ihrer Rechnung in Sachen der Jahresetats<br />
Köln und Harvard:
</p>
<p>
<b>bagelcat:</b> Und zeigen diese Zahlen nicht auch, dass an deutschen Unis<br />
noch Effizienzsteigerungen möglich sind &#8211; schließlich kann<br />
Harvard mit dem 3,8fachen Etat der Uni Köln eine 25fach bessere<br />
Betreuung anbieten?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei leicht verschiedene Fragen mit der gleichen Zielrichtung:
</p>
<p>
<b>Kultusministerium:</b> Braucht Deutschland nicht die Erhaltung seines offenen<br />
Bildungszuganges, den andere Länder so nicht haben?
</p>
<p>
<b>Dekannater:</b> Sollte es aber nicht darum gehen, mehr Menschen an die<br />
Hochschule zu holen und gerade auch Menschen aus niedrigen sozialen<br />
Schichten? Da sind Gebühren Gift!
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Die Einführung von Studienbeiträgen muss<br />
mit einem breiten Angebot von Stipendien erfolgen. Ich bin jedoch der<br />
Meinung, nicht jeder der will, muss an einer Hochschule studieren können,<br />
sondern jeder, der die entsprechenden Fähigkeiten besitzt. Deshalb<br />
brauchen die Hochschulen die Möglichkeit, sich Studenten selbst<br />
auszuwählen. Auch das ist derzeit in Deutschland nicht möglich.<br />
Das Modell der nachlaufenden Gebühren übrigens erscheint mir<br />
als das sozial verträglichste. Das heißt, die Beiträge<br />
für ein Studium werden erst dann erhoben, wenn jemand über<br />
ein gesichertes Einkommen verfügt, sprich einen Job hat. Das würde<br />
auch eine größere Bindung zwischen Studierenden und seiner<br />
ehemaligen Hochschule erzeugen, denn auch das ist eine große Stärke<br />
des amerikanischen Systems &#8211; das Alumni-System.
</p>
<p>
<b>huth1971:</b> Wie verträgt sich ihre Meinung zu den Hochschulgebühren<br />
mit der Tatsache, dass es ihnen möglich war, ohne derartige Gebühren<br />
zu bezahlen? Sind sie nicht der Meinung, künftige Studenten sollten<br />
genau wie sie behandelt werden?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Mein Studium musste ich in der Tat nicht bezahlen.<br />
Allerdings habe ich mein Chemie-Studium in 9 Semestern absolviert und<br />
trotzdem nebenbei als Assistentin an der Universität gearbeitet.<br />
Mein Jahr in den USA habe ich mir durch ein Stipendium finanziert und<br />
ebenfalls durch Arbeiten an der amerikanischen Universität. Gerechtigkeit<br />
heißt nicht, &quot;jeder so lange er will und was er will&quot;,<br />
sondern zielgerichtet und effizient zu studieren. Noch einmal: Studienbeiträge<br />
werden nur akzeptiert, wenn sich gleichzeitig die Bedingungen an den<br />
Hochschulen verbessern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur &quot;nachlaufenden Studiengebühr&quot;,<br />
dem so genannten australischen Modell:
</p>
<p>
<b>HeikoHirt:</b> Und wenn der Studi hinterher keinen Job kriegt, ist die<br />
staatliche Aufwendung umsonst gewesen?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Auch die internationalen Studienfinanzierungsmodelle<br />
kalkulieren mit Ausfallraten.<br />
Australien beispielsweise rechnet mit Ausfallraten von 15 bis 20 %.<br />
Dies kann aber kein Argument dafür sein, auf die restlichen 80%<br />
zu verzichten. Auch in Deutschland wird sich ein solcher Bildungskreditmarkt<br />
sehr viel schneller entwickeln als wir es glauben, wenn das Verbot im<br />
HRG erst mal fällt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie könnte das australische Modell mit dem BAföG<br />
kombiniert werden?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Die Umstellung auf ein Studienbeitragsmodell ist<br />
eine komplette Umstellung. Die Stipendien und ein staatlich finanziertes<br />
Kreditmodell soll es aber auch weiterhin gerade einkommensschwachen<br />
Schichten ermöglichen, Zugang zu den Hochschulen zu erhalten.
</p>
<p>
<b>StudiTrier:</b> Australien ist nun aber wirklich nicht das beste Beispiel.<br />
Gerade in Australien herrscht starke Ungerechtigkeit zwischen den Reicheren<br />
und den Ärmeren, da schon in der Schule Gebühren verlangt<br />
werden. Und wenn man nicht an einer der besseren und teueren Schulen<br />
ist, kommt man kaum in die besseren Studiengänge.
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Für mich ist es schwer zu vermitteln, dass die<br />
Kita-Gebühren steigen, das Studium aber umsonst ist. Der selbständige<br />
Handwerker und sein Sohn, der die Nachfolge antritt, zahlen mit ihren<br />
Steuern das Umsonst-Studium für andere. Ein Studium ist immer auch<br />
eine persönliche Investition in die Zukunft. Es ist auch eine Art<br />
Risikoversicherung gegen Arbeitslosigkeit. Zumindest die Statistik sagt<br />
uns, dass ca. 3% der Akademiker, jedoch 8% der Ausgebildeten und gar<br />
25 % der Menschen ohne Abschluss von der Arbeitslosigkeit bedroht sind.
</p>
<p>
<b>huth1971:</b> Wie stehen sie zu der Forderung, auch von den ehemaligen<br />
Studenten die Gebühren einzufordern, die trotz entsprechender Möglichkeiten<br />
nicht im studierten Beruf tätig sind? Hier stellt sich die Frage<br />
der Sinnhaftigkeit der Ausgaben.
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Das australische Modell richtet sich nicht nach der<br />
Art des ergriffenen Berufes, sondern nach der späteren Einkommenssituation.<br />
Das Modell der nachlaufenden Gebühren orientiert sich somit daran,<br />
dass überhaupt nach Ablauf des Studiums eine Stelle angetreten<br />
wird, nicht nach dem Berufsfeld.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur Größenordnung:
</p>
<p>
<b>StudiTrier:</b> In Australien würde ich für mein Studium an einer<br />
Durchschnitts-Uni pro Term 3000 Euro zahlen müssen. Wie soll ich<br />
mir eine solche Investition leisten können, auch wenn ich sie erst<br />
nachher zurückzahle?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Momentan sprechen wir in Deutschland über Beiträge<br />
von ca. 500 Euro / Semester.
</p>
<p>
<b>Perle:</b> Wir dürfen aber eine inhaltsorientierte Studienreform nicht<br />
vergessen, oder? Nur Strukturen ändern reicht nicht. Was sind da<br />
ihre konkreten Vorschläge?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Wir stecken mitten im Bologna-Prozess, das heißt,<br />
in der Internationalisierung unserer Studiengänge. Unsere Studienabschlüsse<br />
und die Zeit, die man zum Abschluss eines Studiums braucht, müssen<br />
international vergleichbar sein. Nach 6 bis 8 Semestern soll man einen<br />
Bachelor-Abschluss erhalten, nach weiteren 4 einen Master-Abschluss.<br />
Daran kann ein Promotionsstudium folgen. Das hat Konsequenzen für<br />
den Aufbau von Studiengängen. Wir können uns dem Wettbewerb<br />
jedoch nicht entziehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zu den Studiengebühren, deren Höhe<br />
und der Frage, wie sie finanziert werden sollen:
</p>
<p>
<b>96er:</b> Aber die Frage war gut: Wie soll ich 1000 Euro im Jahr finanzieren?
</p>
<p>
<b>M.Watermann:</b> Aber auch diese 500 Euro müssen irgendwie erst einmal<br />
bezahlt werden. Da es auch Studierende gibt, die ihr Wissen hart erlernen<br />
müssen, sprich stundenlang büffeln müssen, können<br />
die nicht nebenbei arbeiten, um ihren Lebensunterhalt UND Studiengebühren<br />
zu finanzieren! Wie stellen sie sich das konkret vor? Welche Möglichkeiten<br />
haben diese &quot;Nicht-Überflieger&quot;?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Stipendienmodelle und Darlehensmodelle der Banken,<br />
zum Beispiel der KfW
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> … KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau, eine Bank<br />
des Bundes ..
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> werden es auch Nicht-Überfliegern ermöglichen,<br />
ein Studium aufzunehmen.
</p>
<p>
<b>96er:</b> Die größten Probleme der deutschen Hochschulen liegen<br />
in der Lehre, nicht in der Forschung, oder?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Die Stärke von amerikanischen Universitäten<br />
liegt darin, dass sie den Humboldtschen Grundsatz &quot;Lehre aus Forschung&quot;<br />
perfektioniert haben. Forschung und Lehre sind hier ganz eng verzahnt.<br />
Für uns in Deutschland heißt das, außeruniversitäre<br />
Forschungseinrichtungen in Hochschulen viel stärker miteinander<br />
zu vernetzen als dies derzeit mit gemeinsamen Professuren oder Projekten<br />
der Fall ist.
</p>
<p>
<b>HAnnes:</b> Von 1980 bis heute sind die öffentlichen Ausgaben für<br />
Hochschulen real um 15 Prozent gesunken &#8211; bei zugleich massiv steigenden<br />
Studentenzahlen. Da waren Kohl und die CDU also stark dabei oder? Wo<br />
sehen sie ihre Verantwortung an der Misere?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Die Hochschulen werden maßgeblich durch die<br />
Länder finanziert. Der Bund besitzt Kompetenzen in der Gemeinschaftsaufgabe<br />
Hochschulbau. In diesem Jahr hat Rot-Grün den Hochschulbau um 135<br />
Mio. Euro (von 1,1 Mrd. Euro) zusammengestrichen. Von den Hochschulbaumitteln<br />
werden nicht nur neue Gebäude errichtet, sondern es wird auch in<br />
Geräte investiert. Das ist für mich ein Lehrbeispiel, wie<br />
man es nicht machen sollte.
</p>
<p>
<b>Friedrich Heinemann:</b> Gleich zu Beginn des Superwahljahrs 2004 wollen<br />
die Genossen um Schröder der Union und der FDP ein Thema klauen,<br />
konservative Begriffe besetzen, Modernität simulieren. Verloren?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Keineswegs. Rot-Grün hat in den vergangenen<br />
Jahren nur wenig getan um Deutschland auf zukunftsfähigen Innovationsfeldern<br />
nach vorne zu bringen. Die grüne Gentechnik wurde nahezu ausgebremst,<br />
der Ausstieg aus der Kernkraft führt zum Zusammenbruch des Know-Hows<br />
in Deutschland im Gebiet der Kernenergienutzung, der Transrapid fährt<br />
in Shanghai und nicht in Deutschland, die Nanotechnologie &#8211; eines der<br />
Innovationsfelder der Zukunft &#8211; wird zusammengestrichen. Durch die Chemikalienpolitik<br />
der EU ist der Chemiestandort Deutschland in Gefahr. Der jetzt einberufene<br />
Gipfel hat außer einem &quot;Jetzt-haben-wir-mal-drüber-geredet&quot;<br />
nichts gebracht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Eindruck, dem man sich in der tat manchmal nicht erwehren<br />
kann:
</p>
<p>
<b>rathfelder:</b> Wie kommt es eigentlich, dass in der politischen Konversation<br />
nur noch vom Versagen der Gegenseite die Rede ist. Dies ist eine Ausdrucksform,<br />
die man aus er der Bildzeitung und ähnlichen Gazetten kennt. Es<br />
ist außerdem wenig hilfreich und kaum konversationsfördernd.<br />
Gerade, wenn sie von Bildung reden, sollten sie die Konzepte der Gegenseite<br />
differenzierter kritisieren.
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Ich anerkenne durchaus, dass Rot-Grün in den<br />
vergangenen Jahren den Haushalt des BMBF wenn nicht verdoppelt, aber<br />
doch gesteigert hat. Auch im Bereich der roten Gentechnik sind positive<br />
Entwicklungen zu verzeichnen. Man kann aber nicht rote Gentechnik fördern<br />
und die grüne vollkommen ausbremsen, aus ideologischen Gründen.<br />
Mir fehlt eine ganzheitliche Strategie, wie wir Deutschland im Bereich<br />
der Bio-, Nano- oder optischen Technologie nach vorne bringen können.<br />
Das reicht eben vom Mathe-Unterricht in der Schule bis hin zu verstärkter<br />
Forschung an den Hochschulen. Von Bürokratieabbau bis Unternehmensförderung.<br />
Wir führen die Debatte um den Innovationsstau in Deutschland sehr<br />
wohl im Detail. Aber viele interessante Vorschläge werden durch<br />
tagesaktuelle Debatten schnell verschüttet.
</p>
<p>
<b>Teetrinker:</b> Wir reden immer davon, dass wir Eliten erzeugen müssen.<br />
Deutschland blutet sprichwörtlich aus, weil die existierenden Eliten<br />
ins Ausland gehen. Der jüngste Marketing-Professor Nordamerikas<br />
ist Deutscher, hat gerade das Land verlassen. Was möchten sie tun,<br />
um diese Eliten wieder nach Deutschland zu holen?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> In der Tat haben im Jahr 2002 111.000 Menschen Deutschland<br />
verlassen, davon 25.000 Wissenschaftler im Jahr 2003 waren es schon<br />
117.000, Tendenz steigend. Was wir brauchen, ist 1. Innovationspolitische<br />
Leitvisionen und Innovationsstrategien in Wirtschaft, Wissenschaft und<br />
Politik. 2. Unsere Hochschulen brauchen die Freiheit zu mehr Profilbildung,<br />
mehr Geld. 3. Wir müssen ideologisch motivierte Wissenschafts-<br />
und Forschungsdebatten beenden. Wir waren mal das Land der Dichter und<br />
Denker, Naturwissenschaftler und Ingenieure. Das müssen wir wieder<br />
werden. 4. Wir brauchen einen stärkeren Schulterschluss zwischen<br />
Politik und Wissenschaft. Wissenschaftler müssen spüren, dass<br />
sie und ihre Arbeit willkommen sind, und dass es um mehr als Lippenbekenntnisse<br />
geht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Umsetzungsproblem, bei denen die es tun müssen,<br />
den Bundesländern:
</p>
<p>
<b>koksio:</b> Von der Autonomie der Hochschulen haben die Wissenschaftsminister<br />
der Länder stets nur geredet, trauen den Rektoren und akademischen<br />
Gremien aber nicht über den Weg. Wie kann sich das ändern?
</p>
<p>
<b>Schavama:</b> Deutschen Ministerialbürokraten in den Ländern<br />
dürfte ein längerer Lernprozess bevorstehen. Sie sind es in<br />
der Regelungswut gewohnt, die Hochschulen bis ins kleinste Detail fernzusteuern.<br />
Wie wollen sie das ändern? Beamtenstatus abschaffen bei Hochschullehrern?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und bei den Ministerialbürokraten?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Wenn wir das Hochschulrahmengesetz auf Bundesebene<br />
deutlich entschlacken, müssen auch natürlich die Länder<br />
die Hochschulen &quot;in die Freiheit entlassen&quot;. Baden-Württemberg<br />
tut dies bereits. Der BAT in seiner jetzigen Form ist in der Tat so<br />
für die Wissenschaft nicht zu halten. ..
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> … BAT = Bundesangestelltentarif …
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Auch bei der Verbeamtung von Professoren wird es<br />
Veränderungen geben müssen. Leistung muss sich auch da mehr<br />
lohnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Stunde ist um, vielen Dank für Ihr Interesse.<br />
Vielen Dank, Frau Reiche, dass Sie zu uns gekommen sind. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Noch ein Terminhinweis:<br />
am Mittwoch, 21. Januar, chattet Bundestagspräsident Wolfgang Thierse<br />
(SPD) um13.00 Uhr. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag!
</p>
<p><b>Katherina Reiche:</b> Ich bedanke mich bei den Usern und vor allem bei<br />
dem netten Team vor Ort für den Gedankenaustausch. Bleiben Sie<br />
tacheles.02 gewogen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich hätte mir ein größeres Ergebnis gewünscht.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Niels Annen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Jusos]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/nannen.jpg" alt="Niels Annen" align="left" border="0" height="119" width="84" /></b> 
<b><span style="color: #000000"> Niels Annen, Bundesvorsitzender der Jusos, </span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
am 16. Dezember 2003 </b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="color: #000000"><b><b> 
</b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> zu 
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/nannen.jpg" alt="Niels Annen" align="left" border="0" height="119" width="84" /></b><br />
<b><span style="color: #000000"> Niels Annen, Bundesvorsitzender der Jusos, </span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
am 16. Dezember 2003 </b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="color: #000000"><b><b><br />
</b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> zu<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Moderator: Liebe Chat-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Heute ist Niels Annen in die Redaktionsräume von tagesschau.de in<br />
Hamburg gekommen. Herr Annen ist Bundesvorsitzender der Jusos und sitzt<br />
seit kurzem auch im Vorstand der SPD. In der kommenden Stunde haben Sie<br />
die Möglichkeit, Ihre Fragen an Niels Annen zu richten. In fünf<br />
Minuten legen wir los! Einen schönen Guten Tag Herr Annen, sind Sie<br />
startbereit?</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Aber sicher!</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Beginnen wollen wir mit dem innenpolitischen Thema der vergangenen Wochen,<br />
den Reformbemühungen im Vermittlungsausschuss. &quot;Die Ergebnisse<br />
des Vermittlungsausschuss bleiben in der Gesamtschau ernüchternd&quot;<br />
&#8211; so ihr Fazit auf der Webseite der Jusos. Was ist denn so ernüchternd?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ernüchternd ist, dass die Union die Frage der Steuersenkungen mit<br />
der Arbeitsmarktreform verknüpfen konnte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>p_baecker</b>:<br />
Nils, was sagst du zu den Ergebnissen des Vermittlungsausschusses? Können<br />
die Jusos mit dieser Steuerreform leben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Wir finden es erst einmal gut, wenn der Eingangssteuersatz stärker<br />
abgesenkt wird als der Spitzenssteuersatz. Insgesamt bin ich aber nicht<br />
zufrieden, wenn Langzeitarbeitslose jetzt jeden legalen Job annehmen müssen.<br />
Das hat die Union zu verantworten!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>a_walter</b>:<br />
Führende Ökonomen und Wirtschaftsverbände halten den jetzt<br />
erzielten Reformkompromiss für nicht ausreichend. Arbeitgeberpräsident<br />
Dieter Hundt hält zum Beispiel die vereinbarte Lockerung des Kündigungsschutzes<br />
für nicht ausreichend. Was entgegnen sie solchen Äußerungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das ist reine Propaganda. Was in Deutschland fehlt ist eine konjunkturelle<br />
Belebung. Die Menschen brauchen mehr Geld in ihren Taschen und nicht weniger<br />
soziale Sicherheit. Die Rezepte von Herrn Hund haben schon die letzten<br />
20 Jahre nicht funktioniert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>idaober</b>:<br />
Das Ifo-Institut sagt ganz klar: Kein konjunktureller Effekt. Wie sehen<br />
Sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Dem stimme ich zu. Aber es hätte auch mehr sein können, wenn<br />
die Union nicht nur auf Parteitagen Steuersenkungen versprechen würde,<br />
sondern sie auch mit auf den Weg brächte, im Vermittlungsausschuss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>turnundtaxis</b>:<br />
Es scheint aber, dass die Leute auch mit mehr Geld in den Taschen das<br />
nicht so richtig auf den Kopf hauen. Das reicht wohl nicht zum Konjunktur<br />
beleben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das werden wir dann ja sehen. Aber richtig ist: Wir brauchen auch weitere<br />
Impulse für Wachstum. Da muss die Politik etwas leisten, Wirtschaft<br />
und Forschung zusammenbringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M. Weiler</b>:<br />
Sie sagen: „Die alltägliche Sparlogik beraubt gerade der jungen<br />
Generation die notwendigen Handlungsspielräume. Immer wieder wird<br />
die These erneuert, es gebe keinen gesellschaftlichen Verteilungsspielraum<br />
mehr. Diese These ist weder richtig noch stichhaltig und hält keiner<br />
empirischen Untersuchung stand“. Wie sieht denn dann die tatsächliche<br />
Situation auf empirischer Grundlage tatsächlich aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Nun ich bin kein Wissenschaftler, aber Deutschland ist ein reiches Land<br />
und alle Untersuchungen zeigen: Wenn wir den Reichtum gerechter verteilen<br />
belebt dies auch die Wirtschaft. Wir müssen in produktive Bereiche<br />
investieren, Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen, das schafft<br />
auch Arbeitsplätze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wer hat sich im Vermittlungsausschuss besser durchsetzen können?<br />
Dazu drei Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jungeUnion</b>:<br />
Hallo Niels, der Kompromiss ist ja wohl ein Sieg nach Punkten für<br />
Merkel und Stoiber. Wie ist denn da die Stimmung an der SPD-Basis?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>idaober</b>:<br />
Aber die Taktik der CDU ist doch aufgegangen: Sie sind nicht mehr die<br />
Blockierer und haben der Regierung eine faule Reform aufgezwungen. Ein<br />
voller Erfolg der Union, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sonja</b>:<br />
Hat nicht die CDU im Vermittlungsausschuss ihre Interessen besser durchsetzen<br />
können als die SPD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Es geht nicht um Punktsiege. Die Union wird sich noch wundern. Sie hat<br />
den Menschen Entlastung versprochen und sie dann verhindert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>calista</b>:<br />
Hallo Niels, für mich ist das Verhandlungsergebnis nur ein fauler<br />
Kompromiss, der die Probleme nicht löst. Was ist mit der Generationengerechtigkeit<br />
und wo bleibt der Beitrag der Jusos zur Zukunft der BRD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Die Mehrheiten können wir uns nicht schnitzen. Das ist manchmal bitter<br />
und ich bin auch nicht zufrieden aber wichtig ist: Die Tarifautonomie<br />
ist nicht angetastet worden. Das ist unser Erfolg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>markus</b>:<br />
Die SPD-Linken haben Schröder vor so einer Bundestagsabstimmung wie<br />
am Freitag eine Menge Nerven gekostet. Jetzt geht das wieder los, die<br />
ersten Links-Denker haben schon wieder gesagt, sie stimmen dagegen. Man<br />
kann sich auch richtig das Reformimage selbst verhageln was?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen:</b><br />
Die Stimmung an der Basis ist nicht euphorisch, aber wenn wir jetzt unsere<br />
Punkte wie Bürgerversicherung, Umlagefinanzierung angehen, gewinnen<br />
wir auch Vertrauen zurück.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POPMART</b>:<br />
Franz Müntefering droht erneut den Abweichlern. Das ist ja wohl verfassungswidrig,<br />
weil der Parlamentarier laut Verfassung nach eigenem Gewissen entscheiden<br />
darf. Finden Sie das nicht unfair?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich gebe den Abgeordneten keine Empfehlungen, aber eine große Mehrheit<br />
ist ja wohl sicher, denn die Union stimmt zu. Letztlich muss es aber jeder<br />
selbst entscheiden. In einer großen Partei müssen auch unterschiedliche<br />
Meinungen vorkommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Frage war, ob sie das Verhalten von Müntefering, die Abgeordneten<br />
zu beeinflussen, &quot;unfair&quot; finden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Niels Annen</b>: Ich halte gar nichts von Drohungen, auch<br />
nicht in der Fraktion. Da ist die Meinung der Jusos eindeutig!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POPMART</b>:<br />
Glauben Sie es wird Gegenstimmen gegen diese Reform in Reihen der SPD<br />
geben am Freitag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich habe von meinem Freund Ottmar Schreiner gelesen, dass er dagegen stimmen<br />
will. Warten wir es ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Seneca</b>:<br />
Sollte die SPD angesichts dieser faulen Reformen nicht sofort weitere<br />
und weitergehende Änderungen fordern, um die Blockierer aus CDU/CSU<br />
wieder ihre Rolle zuzuweisen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das werden wir tun bei der Gesundheitspolitik. Da will die Union die Kopfprämien<br />
und die SPD das solidarische System weiterentwickeln zu einer Bürgerversicherung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Strahleman</b>:<br />
Kompromiss: Ich lese: Es ist halt nur ein Bündel, kein Paket und<br />
erst recht kein Meilenstein. Mit dem größtmöglichen Aufwand<br />
wurde das geringst mögliche Ergebnis erzielt.&quot; Was antworten<br />
Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich hätte mir ein größeres Ergebnis gewünscht. Aber<br />
offensichtlich hat auch der Machtkampf innerhalb der Union eine Entscheidung<br />
in der Sache verhindert. Sicher gibt es Einsparpotentiale, aber in einer<br />
solchen wirtschaftlichen Krise muss man notfalls auch kreditfinanzierte<br />
Programme auflegen, denn es ist auch nicht gerecht gegenüber den<br />
heute Jungen, notwendige Investitionen, in der Bildung, nicht zu tätigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MrBrook</b>:<br />
Die SPD wollte die Reformen ja durch Schulden finanzieren. Ist der Einwand<br />
der CDU, dass nicht noch mehr Schulden gemacht werden sollten, nicht berechtigt?<br />
Es gibt immer noch genügend Fälle, in denen meiner Meinung nach<br />
zu wenig getan wird, um wirklich Einsparungen vorzunehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wirtshausberater</b>:<br />
Warum konnte sich die SPD nicht durchringen, weitere Subventionen zu kürzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das ist so nicht ganz richtig: Die SPD hat am Anfang des Jahres das berühmte<br />
Steuervergüngstigungs-Abbaugesetz eingebracht. Die Union hat es so<br />
gefleddert, dass fast nichts übrig geblieben ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Seneca</b>:<br />
Hat die USA nicht erfolgreich vorexerziert, wie durch ungehemmtes Schuldenmachen<br />
ein wirtschaftlicher Aufschwung herbeigezaubert wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Die USA sind in dieser Frage durchaus ein Vorbild. Im Mutterland des Kapitalismus<br />
scheint es weit weniger ideologische Vorbehalte zu geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Seneca</b>:<br />
Sind Bürgerversicherung und eine Umlagefinanzierung die einzigen<br />
Perspektiven für eine Einflussnahme auf den politischen Entscheidungsprozess<br />
durch die Jusos, oder siehst du noch weitere Politikfelder, die im Sinne<br />
einer forcierten Reformdiskussion von den Jusos bearbeitet werden können<br />
?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Einer aktiven Konjunkturpolitik zu geben. Wir möchten eine Idee von<br />
Sozialstaat entwickeln, die auf die heutigen Risiken eine Antwort gibt.<br />
Also: Absicherung von Übergängen von Ausbildung in Arbeit; Absicherung<br />
von Erziehungszeiten, Fortbildung etc. also einen flexiblen Sozialstaat<br />
für den flexiblen Kapitalismus schaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franziska<br />
H</b>.: Sie fordern eine zusätzliche Verbrauchersteuer von 6%<br />
auf Luxusgüter. Wo würden Sie die Grenze ziehen, was Luxus ist<br />
und was nicht? So genannte Luxusgüter sind doch letztlich immer auch<br />
Statussymbole. Sind darin auch schon die Markenklamotten der Kids von<br />
heute inbegriffen, die ihren Eltern dadurch das Geld aus der Tasche ziehen?<br />
Wer kann in dieser, eher verwöhnten Gesellschaft entscheiden, was<br />
Luxus ist und was nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Die Idee ist, die Mehrwertsteuer zu splitten und Luxusgüter stärker<br />
zu belasten. Dafür gibt es in Belgien ein gutes Vorbild.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MrBrook</b>:<br />
Was sagen sie zu der Tatsache, dass die SPD Gesetze, die bereits 98 existierten,<br />
und die nach dem Machtwechsel zurückgenommen wurden, plötzlich<br />
doch wieder einbringen will? Ich denke da an den Kündigungsschutz,<br />
der ja gelockert wurde. Hat da die SPD nicht grundlegende Fehler gemacht,<br />
wenn diese Rücknahme nur 5 Jahre gehalten hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich bin eindeutig gegen diese Veränderung. Wir wollen als Jusos keine<br />
Lockerung, aber das war wohl nicht durchzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Strahleman</b>:<br />
Verschärfte Zumutbarkeitsregel für Arbeitslose und die Lockerung<br />
des Kündigungsschutzes sind &quot;bittere Pillen&quot;, die aber<br />
im Blick auf das Gesamtergebnis vertretbare Zugeständnisse darstellten,<br />
sagen die Grünen. Ist das auch ihre Politik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Mein Eindruck ist, wir werden diese Kröten wohl schlucken müssen,<br />
aber ich kann mich auch nicht des Eindrucks erwehren, dass Wolfgang Clement<br />
nicht gerade engagiert für unsere Position gekämpft hat, wenn<br />
sich in Deutschland gegen unseren Willen ein Niedriglohnsektor etablieren<br />
sollte, müssen wir offen über die Konsequenzen reden, brauchen<br />
wir z. B. dann einen Mindestlohn?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Fragen, gleiche Stoßrichtung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wirtshausberater</b>:<br />
Wann wacht die SPD endlich auf und befreit sich vom dogmatischen Einfluss<br />
der Betonköpfe in den Gewerkschaften?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Consensus</b>:<br />
Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände haben sich für eine<br />
Zementierung des Tarifkartells ausgesprochen. Warum wurde hier nicht mehr<br />
Flexibilität erreicht? Ist die Macht der beiden Lobbygruppen durch<br />
die Politik nicht zu brechen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich bin selber Gewerkschafter und ich glaube nicht, dass dieses Klischee<br />
richtig ist. Schon heute gibt es über 50.000 flexible Regelungen<br />
im Rahmen von Tarifverträgen. Die Frage, wie man mit Lobbygruppen<br />
umgeht, muss sich die Politik immer stellen, aber es ist normal in einer<br />
Demokratie, dass sich Interessen organisieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MrBrook</b>:<br />
Meiner Meinung nach sind die Gewerkschaften zu gierig. Eine Forderung<br />
nach 4,5% Lohnerhöhung ist schon unverschämt, wäre ich<br />
Arbeitgeber würde ich mich weigern, mit diesen Leuten überhaupt<br />
zu verhandeln. Wie wollen sie Flexibilität in den Arbeitsmarkt bringen,<br />
wenn Arbeitgeber an diese Löhne gebunden werden und gleichzeitig<br />
kaum eine Chance haben, nach Auftragslage Leute einzustellen und zu entlassen?<br />
Brauchen wir nicht mehr Flexibilität?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich glaube, da liegen Sie falsch. Die Arbeitgeber sind genau so interessiert<br />
daran, das Tarifsystem aufrecht zu erhalten. Denn es garantiert ihnen<br />
sozialen Frieden und einen klaren Ansprechpartner auf der Seite der Arbeitnehmer.<br />
Ein Blick zu unseren europäischen Nachbarn reicht aus, um sich von<br />
den Vorzügen des deutschen Systems zu überzeugen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wirtshausberater</b>:<br />
Was sagen Sie den Kollegen in kleinen Firmen, die für weniger Geld<br />
arbeiten würden, wenn sie dadurch ihren Arbeitsplatz sichern könnten,<br />
durch den Flächentarifvertrag so eine Einigung aber verhindert wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Deutschland hat keine Zukunft als Niedriglohnland, und die Flächentarifverträge<br />
stellen sicher, dass die Lohnspirale sich nicht weiter nach unten dreht.<br />
Unternehmen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind, haben auch<br />
heute schon die Möglichkeit vom Tarifvertrag abweichende Regelungen<br />
zu treffen. Übrigens fast immer in enger Zusammenarbeit mit Betriebsrat<br />
und Gewerkschaften. Ich finde, das sollte so bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Kommentare dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>UweK</b>:<br />
Herr Rogowski sieht das wohl anders.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>looser</b>:<br />
Aber die Betriebe sind abhängig von den Funktionären beider<br />
Seiten. Das wurde nicht geändert!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und noch einer:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Umpf</b>:<br />
Ist es (hinter vorgehaltener Hand) nicht so, dass die Wirtschaft mittlerweile<br />
bestimmt, was hier an politischen Entscheidungen (für sie, die Wirtschaft,<br />
noch) zulässig bzw. besonders wünschenswert (oder: &quot;das<br />
kleinere Übel&quot;) wäre? <br />
Niels Annen: Worum es Herrn Rogowski geht, ist doch klar. Die wirtschaftlich<br />
schwierige Lage will er ausnutzen, um das Lohniveau in Deutschland generell<br />
zu drücken. Dabei wird mit der Angst der Kollegen um ihre Arbeitsplätze<br />
leichtfertig gespielt. Die Lösung liegt nicht in niedrigeren Löhnen,<br />
sondern in einer hohen Innovationsfähigkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nun wechseln wir mal das Thema: Viele User im Chat wollen über die<br />
Studentenproteste diskutieren:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franziska<br />
H</b>.: Wo bleibt die Uni, Sie sind doch auch noch Student, äußern<br />
Sie sich doch auch mal zu dieser Problematik!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>demonstrant</b>:<br />
Was halten sie von den Studentenprotesten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Wir Jusos unterstützen die Studenten, haben zu der großen Demo<br />
am 13. mit aufgerufen. Wir müssen endlich dafür sorgen, dass<br />
die Politik &#8211; auch meine eigene Partei &#8211; nicht nur über Bildung redet,<br />
sondern Investitionen in Forschung und Ausbildung wirklich zum Schwerpunkt<br />
macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POPMART</b>:<br />
Da redet die SPD immer von Forschung und Bildung, und dann wird erst einmal<br />
der Bildungsetat gekündigt. Wie soll ich das verstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das ist genau, was ich meine: Es klafft eine große Lücke zwischen<br />
dem, was die SPD an guter Bildungspolitik auf Bundesebene verkündet,<br />
und dem, was sie in den Ländern umsetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>studentenseele</b>:<br />
Wie sollen die Hochschulen aus ihrer Finanzmisere kommen &#8211; Studiengebühren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tina_goettingen</b>:<br />
Wie stehst Du zu den wohl im nächsten Wintersemester kommenden Studiengebühren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
ich bin gegen Studiengebühren. Ich glaube, dass Bildung eine gesellschaftliche<br />
Aufgabe ist und deswegen auch von allen mitfinanziert werden sollte. Wir<br />
Jusos haben den Vorschlag gemacht, die Erbschaftssteuer zu erhöhen<br />
und das Geld in Bildung zu stecken. Der Bundeskanzler hat diesen Vorschlag<br />
auf unserem Parteitag aufgegriffen. Mal sehen, was daraus wird. Wir bleiben<br />
am Ball.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Studi1977</b>:<br />
Mal angenommen, es würden flächendeckend Studiengebühren<br />
eingeführt, und zwar nach dem Generationen-Prinzip (Jetzt studieren,<br />
später zahlen), so wäre das doch eine Lösung der Misere,<br />
vorausgesetzt, das Geld geht auch ohne Umwege direkt an die Unis und nicht<br />
an die Länder, die es &quot;Fremdverwenden&quot; würden. Wie<br />
stehst Du dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das wäre dann ja eine Akademiker-Steuer. Ich bin der Meinung, wer<br />
gut verdient, soll auch entsprechend viel Steuern zahlen. Das wäre<br />
gerechter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ferdinand<br />
von Ahnen</b>: Ist es nicht zu erwarten, dass die Eltern die heutzutage<br />
Unterbringungskosten für Kitas und Horte aufbringen, in Zukunft auch<br />
deren evtl. Universitätsstudium bezahlen müssen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich hoffe nicht! Wir haben ein großes Defizit in Deutschland bei<br />
der Betreuung von Kleinkindern. Wir müssten uns eigentlich vornehmen,<br />
die Versorgung zu verbessern und sie irgendwann auch einmal kostenfrei<br />
anbieten zu können, damit sich mehr Menschen, insbesondere Frauen,<br />
ihre Vorstellung von Beruf und Familie erfüllen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>calista</b>:<br />
Wie wollen die Jusos denn die Unis wettbewerbsfähiger machen? Protestieren<br />
allein hilft auch nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Bildung ist nicht nur eine Frage von Wettbewerb. Aber es ist schon richtig:<br />
Die Zustände an den Unis sind zum Teil katastrophal. Deswegen müssen<br />
wir mehr in die Hochschulen investieren. Vorschläge dazu liegen auf<br />
dem Tisch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Soviel zum Thema Studentenproteste. Wir haben noch andere Fragen zu anderen<br />
Themen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dieter_h</b>:<br />
Niels, wie glaubst du im SPD-Vorstand die Meinung der Jusos vertreten<br />
zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Indem ich mich weiterhin zu Wort melde und mein Mandat ernst nehme. Der<br />
SPD ist mit Jasagern alleine nicht geholfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>patrick_w</b>:<br />
Wie kann man das Urvertrauen der SPD-Basis wieder zurück gewinnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Wir haben die Kompetenz in Sachen soziale Gerechtigkeit an die Union verloren.<br />
Das müssen wir durch politisches Handeln wieder korrigieren, sonst<br />
wird die SPD als Volkspartei auf Dauer keine Zukunft haben. Die Beteiligung<br />
von großen Vermögen an den Reformen wird da die erste Probe<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Holger Israel</b>:<br />
Welche Chancen siehst Du, dass die SPD kurz- oder mittelfristig zu ihren<br />
sozialen Werten zurückfindet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen:</b><br />
Ich glaube, die SPD, ihre immer noch über 600.000 Mitglieder stehen<br />
zu den Grundwerten der Sozialdemokratie. Es war immer unsere Stärke,<br />
diese Grundwerte an die aktuelle Situation anzupassen. Das werden wir<br />
auch dieses Mal schaffen können, aber nur, wenn sich die heute enttäuschten<br />
nicht abwenden!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Doch die Zahl der Mitglieder nimmt ständig ab. Wie lässt sich<br />
diese Dynamik aufhalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Es stimmt, 30.000 Leute sind in diesem Jahr ausgetreten und ich hoffe<br />
noch immer, dass wir sie zurück gewinnen können. Aber es gab<br />
auch über 10.000 Eintritte, davon fast die Hälfte junge Leute.<br />
Das ist nicht genug, aber ein Hoffnungsschimmer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Simone</b>:<br />
Wenn Sie aus der jetzigen Perspektive der politischen und ökonomischen<br />
Situation in Deutschland auf die nächsten Wahlen 2006 sehen. Für<br />
wie realistisch halten Sie es, dass die SPD nochmals als regierende Partei<br />
aus den Wahlen geht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Wenn die SPD klar für die Idee der solidarischen Finanzierung des<br />
Sozialstaates steht, also für die Bürgerversicherung, und die<br />
Union auf der anderen Seite, den Sozialstaat komplett privatisieren und<br />
auch Kopfpauschalen umstellen will, bin ich sicher, dass wir gewinnen.<br />
Denn die Menschen wollen nicht weniger, sondern mehr Sicherheit im Wandel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>marlies</b>:<br />
Freuen Sie sich auf die Wahl in Hamburg? Kommt die Wahl nicht zu früh<br />
angesichts der schlechten Umfragewerte für die SPD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ja. Ole von Beust ist verantwortlich für das Desaster. Er hat nicht<br />
nur dem Ruf der Stadt geschadet, sondern auch einen unberechenbaren neurotischen<br />
Rechtspopulisten hoffähig gemacht. Ich bin mir sicher, die Hamburger<br />
werden sich gegen diesen Rechtssenat entscheiden und damit auch ein Zeichen<br />
für die Bundespolitik setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>giorgos stamtsis</b>:<br />
Niels, welche ist die Meinung von Jusos zum Konflikt über die EU-Verfassung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich bedauere das Scheitern des Gipfels. Ich bin aber überzeugt davon,<br />
dass Gerhard Schröder die richtige Position vertreten hat. Europa<br />
kann auf Dauer nur funktionieren, wenn die Bürger den Eindruck haben,<br />
dass die Entscheidungen demokratisch zustande kommen. Die Berücksichtigung<br />
der Bevölkerungszahl ist daher unumgänglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dieter_h</b>:<br />
Was hältst du von dem Medium, dass wir hier für den Chat gerade<br />
nutzen? Welche Rolle spielt das Internet für deine Parteiarbeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen:</b><br />
Das Internet hat schon heute die Arbeit der Parteien stark verändert.<br />
Wir Jusos waren in der SPD mit die ersten, die ein Großteil ihrer<br />
Kommunikation nach außen und nach innen über das Internet abgewickelt<br />
haben. Ich glaube nicht, dass dieser Prozess schon abgeschlossen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>linke_offensive</b>:<br />
Hallo. Ich komme zwar etwas spät, mich hätte aber interessiert<br />
ob die Jusos Ottmar Schreiner dabei unterstützen werden, wenn er<br />
gegen den Kompromiss stimmen will.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich teile die Kritikpunkte von Ottmar Schreiner in der Sache, aber letztlich<br />
muss jeder Abgeordnete selber entscheiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Holger Israel:</b><br />
Was meinst Du mit &quot;Grundwerte anpassen?&quot;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Die Grundwerte bleiben unverändert, aber die Bedingungen, unter denen<br />
wir Politik machen, haben sich seit 140 Jahren immer wieder verändert.<br />
Das müssen wir berücksichtigen oder, wie Willy Brandt gesagt<br />
hat, &quot;auf der Höhe der Zeit sein&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
So, liebe User, noch zwei Minuten, noch zwei Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Polo</b>:<br />
Gibt es häufig Treffen mit anderen Jugendorganisationen JU oder Jung-Liberalen<br />
etc.?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich habe gerade vor einigen Tagen mit den Vorsitzenden der anderen Jugendorganisationen<br />
ein Streitgespräch gehabt. Wir sehen uns recht häufig und es<br />
gibt über die Parteigrenzen hinweg in der Jugendpolitik auch einige<br />
Punkte, die wir gemeinsam vertreten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und nun die unvermeidliche Abschlussfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>fragezeichen</b>:<br />
Niels, wie stellst du Dir deine politische Zukunft vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich rüttle an keinen Toren 🙂 Zunächst mal habe ich mit meiner<br />
Aufgabe als Juso-Vorsitzender genug zu tun, und die Arbeit macht mir trotz<br />
der manchmal unerfreulichen Nachrichten weiterhin viel Spaß.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Lieber Herr Annen, Liebe User, die Stunde ist um. Wir bedanken uns ganz<br />
herzlich für die konstruktive Diskussion und die vielen Fragen, die<br />
uns erreicht haben. Leider konnten wir bei weitem nicht alle an Herrn<br />
Annen weiterreichen. Herr Annen, Ihnen vielen Dank, dass Sie sich für<br />
die Nutzer von tagesschau.de, politik-digital.de, tagesspiegel.de und<br />
sueddeutsche.de Zeit genommen haben. Ihnen und allen Chat-Teilnehmern<br />
wünschen wir noch einen schönen Tag.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Vielen Dank für die vielen Fragen. Es hat mir viel Spaß gemacht,<br />
und wer Weiteres über die Jusos wissen möchte, kann sich gerne<br />
über www.jusos.de an uns wenden. Tschüss und Frohe Weihnachten</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ein kostenfreies Erststudium kann immer nur ein Recht für eine begrenzte Zeit sein.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Edelgard Bulmahn]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ebulmahn_neu2.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="left" border="0" height="107" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000"> Die Bundesbildungsministerin ist </span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
am 10. Dezember 2003 zu Gast im </b></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02-Chat 
von tagesschau.de und poltik-digital.de.</b></span></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ebulmahn_neu2.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="left" border="0" height="107" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000"> Die Bundesbildungsministerin ist </span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
am 10. Dezember 2003 zu Gast im </b></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02-Chat<br />
von tagesschau.de und poltik-digital.de.</b></span></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn im ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Frau Bulmahn, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren<br />
Usern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie fühlt man sich als Bundesbildungsministerin, wenn der wichtigste<br />
Rohstoff Deutschlands, die Bildung, sprichwörtlich baden geht oder<br />
sich die Bildungselite als Hausbesetzer profiliert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wenn die Bildungselite für ihre Rechte eintritt, dann halte ich das<br />
für gut. Das Baden ist nicht das Problem, aber die Bildung muss oben<br />
schwimmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>musterstudi</b>:<br />
Wie sollen die Studienplätze finanziert werden, wenn auf Studiengebühren<br />
verzichtet werden soll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Hochschulen generell, und damit die Studienplätze werden durch<br />
Steuermittel finanziert und dadurch von uns allen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius Knaak</b>:<br />
Sind da Studiengebühren, die ausdrücklich der Verbesserung der<br />
Lehre und Forschung dienen sollen, nicht schon längst zwingende Maßnahme.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Keine Bildungsministerin hat die rechtlichen Möglichkeiten dies zu<br />
verhindern. Ich bin der Auffassung dass das Erststudium Studiengebührenfrei<br />
bleiben sollte (in einer angemessenen Zeit). Wir geben im Übrigen<br />
in Deutschland pro Studierenden in der OECD nach der Schweiz am meisten<br />
aus. Deshalb müssen wir die Mittel besser einsetzen. Sonst werden<br />
sich die Studienbedingungen auch bei mehr Geld nicht verbessern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Müsste nicht vielmehr der Anteil der Hochschulausgaben an der Wirtschaftsleistung<br />
gemessen werden? Und da liegt Deutschland mit 1,0 Prozent deutlich unter<br />
dem Durchschnitt der Industriestaaten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir geben insgesamt rund 9% unseres Bruttosozialproduktes für Bildung<br />
aus. Damit liegen wir etwas unterhalb des Durchschnittes, aber bei den<br />
Ausgaben pro Studienplatz liegen wir im OECD-Vergleich an zweiter Stelle.<br />
Leider wissen das die wenigsten und kümmern sich auch nicht um die<br />
Frage, wie man die Mittel sinnvoller und besser einsetzen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Besser wie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>student</b>:<br />
Glauben Sie, dass die Bildung in besseren Händen wäre, wenn<br />
sich der Bund darum kümmern würde?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir kürzen unsere Ausgaben für Studierende nicht, sondern wir<br />
haben sie in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Für die<br />
Hochschulen insgesamt haben wir ein Plus von 23% erreicht. Das spricht<br />
für sich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Konstruktiver Vorschlag, denn die Probleme sind offensichtlich:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kassenwart</b>:<br />
Wäre es nicht an der Zeit für einen Deal: Es gibt Studiengebühren,<br />
aber dafür garantieren die Länder oder der Bund auch, dass die<br />
Hochschulen das nötige Geld bekommen. Was heute ja wohl heißt,<br />
keine Gelder streichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Genau das kann keine Ministerin garantieren. Weil das Parlament über<br />
das Geld entscheidet. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Sie haben das Gebührenverbot durchgesetzt, das jetzt unter Beschuss<br />
steht. Kritiker sagen, damit würden nur sinnlose Systeme wir Gebühren<br />
für Langzeitstudenten unterstützt. Die aber bringen wenig Geld<br />
und trotzdem verstärkten sie den Anreiz für Unis, ihre Zahlmeister<br />
noch länger an der Uni zu halten? <img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn_ard.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ein kostenfreies Erststudium kann immer nur ein Recht für eine begrenzte<br />
Zeit sein. Jemand, der mit dieser Zeit nicht verantwortungsvoll umgeht,<br />
kann meines Erachtens auch zu Gebühren herangezogen werden. An diejenigen,<br />
die Gebühren fordern, stelle ich die Frage: &quot;Welches Land hat<br />
bisher ein Stipendienprogramm bereits beschlossen? Der Bund wird diese<br />
Kosten nicht übernehmen können und dürfen. Welche Hochschule<br />
hat bereits Mittel eingestellt für die Finanzierung der Studiengebühren<br />
für Studierende von einkommensschwächeren Studierenden? Wie<br />
will man erreichen, dass keine unerwünschte Studienwahllenkung erfolgt,<br />
z.B. sind Ingenieurstudiengänge, naturwissenschaftliche Studiengänge<br />
um ein vielfaches teurer als ein Sprachenstudium. Deshalb kann man nicht<br />
von allen gleiche Studiengebühren verlangen. Wir brauchen zurzeit<br />
aber gerade Studierende, die sich für diese naturwissenschaftlichen/ingenieurwissenschaftlichen<br />
Studiengänge entscheiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Viele Fragen, wir versuchen Antworten zu finden:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>u_klose</b>:<br />
Wie könnte eine zukünftige Kompetenzverteilung zwischen Bund<br />
und Ländern in Sachen Hochschulpolitik aussehen, wenn Bildung immer<br />
mehr zur &quot;nationalen Aufgabe&quot; wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Indem zum einen die Hochschulen selbst sehr viel mehr Entscheidungshoheit<br />
erhalten und damit eine größere Autonomie erhalten und die<br />
Hochschulförderung viel stärker im Wettbewerb geschieht, z.B.<br />
nach den Leistungen in der Lehre und der Forschung. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Norbert Koch</b>:<br />
Mehrere Eckpunkte der Bildungsreform wie Abschaffung der Habilitation,<br />
Einführung der Juniorprofessur, und Einführung von Bachelor-Abschlüssen<br />
stoßen bei den Universitäten auf heftige und begründete<br />
Kritik. Wie sollen Reformen gegen die Universitäten durchgeführt<br />
werden? Die Argumente der Universitäten werden durch die Politik<br />
nicht berücksichtigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Argumente der Wissenschaftler und Professoren werden berücksichtigt<br />
denn die Juniorprofessur ist ein Vorschlag maßgeblicher international<br />
anerkannter Wissenschaftler, den ich aufgegriffen habe, um damit jungen<br />
Wissenschaftlern vergleichbare Arbeitsbedingungen zu bieten wie sie sie<br />
im Ausland vorfinden. Wir können natürlich auch glauben, als<br />
letztes Land weltweit auf die frühe Eigenständigkeit von jungen<br />
Wissenschaftlern verzichten zu können. Ich glaube dieses nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Studifrust</b>:<br />
Immer mehr Studenten versuchen über ein Auslandsstudium das zu finden,<br />
was sie in Deutschland nicht mehr bekommen: Qualität in der Ausbildung<br />
und Perspektiven. Deutsche Studenten genießen in den USA immer noch<br />
ein hohes Ansehen. Viele kommen nach dem Auslandsjahr gar nicht mehr wieder.<br />
Was unternehmen Sie gegen diese Abwanderung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich kann jedem Studierenden nur raten, nach Möglichkeit zumindest<br />
ein Jahr oder ein Semester im Ausland zu studieren. Deshalb ist Auslandsstudium<br />
per se kein Nachteil, sondern etwas Positives. Das der Anteil der ausländischen<br />
Studierenden in Deutschland in den letzten drei Jahren ebenfalls gestiegen<br />
ist, so dass wir in den guten Hochschulen inzwischen einen Anteil von<br />
25 bis 28 Prozent haben, halte ich für eine gute Entwicklung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>franz</b>:<br />
Welches Land hat Ihrer Ansicht nach ein gutes Bildungssystem. Können<br />
wir davon lernen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Meiner Ansicht nach haben die skandinavischen Länder ein gutes Bildungssystem.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Kritiker von Studiengebühren verweisen gerne auf Nordeuropa,<br />
wo das Studium nichts kostet. Doch um skandinavische Verhältnisse<br />
zu bekommen, müsste Ihr Ministerium viel mehr Geld ausgeben. Wie<br />
erklären Sie das vor dem Hintergrund leerer Kassen?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn_ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
In Deutschland wird Bildung durch die Länder und den Bund finanziert.<br />
Deshalb muss man dann die Summen gemeinsam für einen Vergleich heranziehen.<br />
Noch einmal ausdrücklich: Es geht kein Weg daran vorbei. Wir haben<br />
das große Problem, dass es uns offenbar nicht gelungen ist, die<br />
Mittel, die wir einsetzen, optimal einzusetzen. Einer der Gründe<br />
liegt darin, dass es noch immer keine leistungsbezogene Bezahlung von<br />
Hochschulen gibt, dass es bisher kein umfassendes Benchmarking der Hochschulen<br />
gab, dass Lehre bisher an den Hochschulen nicht regelmäßig<br />
evaluiert wurde und damit auch nicht den entsprechenden Stellenwert hatte.<br />
Ich hoffe, dass sich dieses zügig ändern wird, z.B. durch die<br />
im Bundesgesetz bereits vollzogene Änderung der Professorenbesoldung<br />
(leistungsbezogen), durch ein systematisches Benchmarking, für das<br />
der Wissenschaftsrat in Kürze einen Vorschlag vorlegen wird und auch<br />
durch eine klare Prioritätensetzung der Länder für Bildung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>u_klose</b>:<br />
Wie kann man die finanzielle Situation der Studierenden verbessern, damit<br />
es durch Nebentätigkeiten nicht zu überlangen Studienzeiten<br />
kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir haben die finanzielle Situation für Studierende aus einkommensschwachen<br />
Familien deutlich verbessert durch die BAföG-Reform.<br />
Wir haben aber ganz sicher nicht die finanziellen Ressourcen, um für<br />
jeden Studierenden,<br />
unabhängig von der persönlichen finanziellen Situation, Stipendien<br />
anbieten zu können.<br />
Und die Banken sind sicher auch nicht bereit, ohne entsprechende Sicherheiten<br />
Kredite anzubieten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jtm</b>:<br />
Bezüglich der Studiengebühren. Ich halte den Vorschlag der Grünen<br />
einer rückwirkenden Finanzierung ähnlich dem BAföG-Modell<br />
für sehr sinnvoll. Dieses könnte man nach dem Studium je nach<br />
wirtschaftlicher Lage erheben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ein rückfinanzierendes Modell hilft den Hochschulen erst in ca. 10<br />
Jahren, denn vorher würden keine Mittel zurückfließen.<br />
Zumindest nicht in nennenswerter Weise. Im übrigen sprechen wir in<br />
der Realität auch nicht von Studiengebühren von 100 Euro, sondern<br />
von 2000 bis 5000 Euro. Das sind die realistischen Zahlen. Australien,<br />
das immer als Modell für rücklaufende Studiengebühren genannt<br />
wird, hat sich zum großen Teil von diesem Modell verabschiedet,<br />
weil man sich jetzt auf 50% der Studienplätze sofort einkaufen kann<br />
mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Studierenden aus einkommensschwächeren<br />
Familien erheblich gesunken ist. Das sagt selbst das Bildungsministerium<br />
in Australien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>esbleibtdabei</b>:<br />
Frau Bulmahn, es bleibt doch ein Dilemma: Es gibt in Deutschland zu wenig<br />
Geld für die Ausbildung. Das gilt ja auch für die Schulen. Wenn<br />
Leute in überfüllten Klassen und Hörsälen sitzen,<br />
dann ist einfach was nicht in Ordnung. Das kriegt man auch durch Evaluierungen<br />
nicht hin. Vielleicht sollte man einen Eurofighter weniger kaufen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Erstens müssen wir in Deutschland ganz sicherlich auf Dauer auch<br />
mehr in Bildung und Forschung investieren, auf allen Ebenen nicht nur<br />
auf Bundesebene, aber auch hier. Zweitens müssen wir die Mittel besser<br />
einsetzen, denn sonst ist es ein Zahlen in ein Fass ohne Boden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aus der Praxis:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schokolade</b>:<br />
Ich studiere gerade in Trondheim/Norwegen und finde es beeindruckend,<br />
wie viel Geld hier in den Bildungssektor fließt. Ich kenne viele<br />
Deutsche die ihr Studium hier beenden möchten. Ich selbst spiele<br />
auch mit diesem Gedanken. Das ist ein Export von fähigen Menschen<br />
mit fatalen Folgen für Deutschland. Das sollte bei allen Kürzungen<br />
im Hochschulbereich beachtet werden! Die Einführung von Studiengebühren<br />
würde diesem Abwanderungsstrom noch Auftrieb geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich halte die Kürzungen wie sie jetzt von den Ländern durchgeführt<br />
werden für falsch. Gerade an den Personalkosten sollte nicht gespart<br />
werden. Hier sollte teilweise umgeschichtet werden, aber nicht gekürzt<br />
werden. Im Vergleich: Der Bund hat seine Hochschulausgaben zwischen 1988<br />
und 2003 um insgesamt 23,4 Prozent gesteigert, die Länder um 12,9<br />
Prozent. Der Bund wird auch in den kommenden Jahren seine Ausgaben für<br />
die Hochschulen nicht reduzieren. Wir werden uns aber auch darum bemühen,<br />
sie leistungsbezogener einzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tobias</b>:<br />
Liegen viele Probleme der deutschen Hochschulen im Vergleich zu anderen<br />
europäischen Ländern nicht schon am dreigliedrigen Schulsystem?<br />
Speziell bezogen auf Kinder aus &quot;bildungsferneren Schichten&quot;,<br />
denen durch unser Bildungssystem der Zugang zur Hochschulbildung unnötig<br />
erschwert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir können durch die Hochschulausbildung sicher nicht alles rückgängig<br />
machen, was in den Schulen versäumt worden ist. Insofern haben Sie<br />
Recht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cloninger</b>:<br />
Bietet die Regierung den Universitäten &#8211; die vor Kürzungen stehen<br />
&#8211; aktive Hilfe an, um diese doch noch abwenden zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Cloninger, wir haben ein föderales System!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Norbert Koch</b>:<br />
Norbert Koch: Bei der Einführung von Bachelor-Studiengängen<br />
werden die besseren Studenten nach ihrem Abschluss ins Ausland gehen und<br />
dort promovieren. In Deutschland müssen sie zuerst den Master machen,<br />
bevor sie promovieren können. Das ist ein echter Standortnachteil.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Man kann natürlich im Ausland ein PhD Studium machen, so wie man<br />
das in Deutschland im Rahmen von Modellprojekten auch entwickelt worden<br />
ist. Ansonsten benötigt man auch im Ausland einen Master, bevor man<br />
einen PhD machen kann. Man kann aber natürlich bereits im Masterstudium<br />
mit seiner Dissertation beginnen. Das ist auch in Deutschland möglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Arno:</b><br />
Ein Problem unseres Bildungssystems ist doch die Frage der Zuständigkeiten.<br />
Einerseits ist hohe Eigenverantwortung der einzelnen Einheiten gewünscht,<br />
andererseits führt es zu den Unterschieden zwischen den Bundesländern<br />
und noch mehr innerhalb der EU. Wäre es da nicht sinnvoll, die kleinste,<br />
überschaubare Ebene, ob Uni oder Schule, entscheidet und bestimmt<br />
am striktesten, jede weitere höhere Ebene gibt jeweils weniger bestimmende<br />
&quot;Empfehlungen&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich plädiere ausdrücklich für eine hohe Eigenständigkeit<br />
der Bildungseinrichtung selbst. Was generell geregelt werden muss, ist<br />
z.B. die Frage der Abschlüsse, des Hochschulzugangs, sind z.B. dienstrechtliche<br />
Fragen und ist die Frage, wie man Transparenz und Durchlässigkeit<br />
gewährleisten kann. Das sind im übrigen auch die zentralen Fragen,<br />
auf die sich die 40 europäischen Bildungsminister in Berlin in diesem<br />
Jahr in der Bologna-Vereinbarung geeinigt haben. Stichworte sind z.B.<br />
Bachelor- und Master-Studiengänge und Promotionsstudiengänge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Goethe</b>:<br />
Wie kann der Bund die zaghaften Bestrebungen der Länder mehr Lehrer<br />
einzustellen unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Leider gar nicht. Es gibt keine Rahmenzuständigkeit des Bundes für<br />
Schulen. Wir unterstützen die Länder aber im Rahmen unseres<br />
Ganztagsschulprogramms mit vier Milliarden Euro, um eine Qualitätsverbesserung<br />
des Unterrichts zu erreichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gonzalez</b>:<br />
Wie ernst nehmen Sie eigentlich den Protest der Studenten. Sie kriegen<br />
es hier in Berlin ja mit. Hoffen auf Weihnachten und dass dann alles vorbei<br />
ist, weil die Studis sich im Januar eh´ nicht mehr in die Kälte<br />
stellen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich nehme den Protest der Studierenden sehr ernst, weil ich persönlich<br />
davon überzeugt bin, dass die Studienbedingungen dringend verbessert<br />
werden müssen.<br />
Zu einer Verbesserung der Studienbedingungen gehört z.B. eine klare<br />
Struktur der Studiengänge eine gute systematische Studienberatung<br />
&#8211; nicht nur zu Beginn des Studiums, sondern kontinuierlich. Dazu gehört,<br />
dass ein Prof. nicht nur eine Stunde in der Woche für seine Studierenden<br />
anzusprechen ist, sondern jeden Tag. Dazu gehört z.B. die Möglichkeit,<br />
in den Semesterferien Prüfungen nachzuholen, dazu gehört z.B.<br />
eine frühzeitige Beratung über zukünftige Berufsmöglichkeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>karsten</b>:<br />
Denken Sie daran, den Beamtenstatus der Professoren irgendwann einmal<br />
abzuschaffen oder zumindest deren Arbeit transparenter und sanktionierbarer<br />
zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Länder können jetzt schon entscheiden, ob sie Professoren<br />
als Angestellte oder Beamte beschäftigen. Im Bundesgesetz habe ich<br />
im Jahre 2001 schon <br />
die Voraussetzung dafür geschaffen, dass in Zukunft die Lehr- und<br />
Forschungsleistung <br />
von Professoren evaluiert (damit transparent gemacht wird) und dass im<br />
Durchschnitt mindestens ein Drittel des Gehaltes leistungsbezogen gezahlt<br />
werden sollte. Leider haben bei weitem noch nicht alle Bundesländer<br />
dieses Bundesgesetz in Landesgesetze umgesetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ChristianS</b>:<br />
Einige Ideen, die sie nennen sind ja nicht schlecht, aber wie viel Macht<br />
haben sie, diese gegen die Länder durchzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Der Bund hat keinerlei Zuständigkeit für Personalausstattung<br />
der Hochschulen. Der kann in einem Rahmengesetz nur die bundesweit relevanten<br />
Eckpunkte festlegen und durch (wie z.B. die Einführung der Bachelor-<br />
und Master-Studiengänge oder die Junior Professuren) und er kann<br />
durch Programme wünschenswerte Entwicklungen in Gang setzen, z.B.<br />
durch Nachwuchsförderungsprogramme, das BAföG oder das Hochschulentwicklungsprogramm<br />
zur Internationalisierung der Hochschulen / Nutzung der neuen Medien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt doch auch, das Nord-Süd-Arm-Reich-Gefälle in<br />
der Bundesrepublik bei den Unis wird sich immer mehr verschärfen.<br />
Weil einige Länder &#8211; wie Berlin &#8211; haben ja nun wirklich kein Geld.<br />
Zum Studieren also ab nach Bayern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Jeder Student sollte selbst entscheiden können, an welcher Uni in<br />
welcher Stadt er studiert. Die Überlegungen mancher Länderminister<br />
nur Studienplätze für Menschen eigener Bundesländer anzubieten,<br />
halte ich im Zeitalter der Globalisierung für überholt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Deutschland hat im internationalen Vergleich immer noch zu wenig Studierende.<br />
Das wurde von der OECD gerügt, nun wurde die Zahl der Studenten gesteigert.<br />
Wie aber will Deutschland immer mehr Studenten ausbilden, ohne dafür<br />
die richtigen Strukturen bereitzustellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich habe ja vorhin bereits auf einige notwendige strukturelle Veränderungen<br />
hingewiesen, deren Schaffung ich ja mit meinem Programm unterstütze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>abrafax:</b><br />
Als Vater einer 7jährigen Tochter frage ich Sie, wann es endlich<br />
ein einheitliches Schulsystem geben wird, wie wir es als gelernte DDR-Bürger<br />
gewöhnt waren. Und wann wird die Gewichtung der Bildung wieder mehr<br />
auf die Naturwissenschaften gelegt, damit der Nachwuchs lernt, was er<br />
fürs Leben braucht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich plädiere seit langem dafür, dass die Naturwissenschaften<br />
in der Schule wieder eine größere Rolle spielen, nicht als<br />
abstrakte Wissenschaft, sondern als notwendiges Wissen, was wir im Alltag<br />
brauchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>weitweg</b>:<br />
Wir haben 50 Minuten über die Hochschule gesprochen. Ich würde<br />
gerne eine Frage zu den geplanten Bildungsstandards stellen: Wird es eine<br />
standardisierte Erhebung, wie es sie in den USA seit 40 Jahren gibt, in<br />
Zukunft Deutschland geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich hoffe das. Das Jahr der Technik (2004) wird ganz sicherlich auch dazu<br />
beitragen. (www.jahr-der-technik.de) Es wird in Deutschland ganz sicherlich<br />
in Zukunft Erhebungen geben, wie wir sie im Rahmen der Pisa-Studie durchgeführt<br />
haben. Diese Erhebungen haben eine sehr hohe Aussagekraft. Sie zeigen<br />
uns sehr deutlich, wo wir stehen.<br />
Ich versuche in den Verhandlungen mit den Ländern durchzusetzen,<br />
dass wir in Zukunft eine regelmäßige nationale Bildungsberichterstattung<br />
haben, die uns eine genaue Kenntnis der Stärken und Schwächen<br />
dann ermöglicht. Um dann auf der Basis dieses gesicherten Wissens<br />
unser Bildungssystem zu verbessern. Leider werden viel zu viele unserer<br />
bildungspolitischen Debatten auf Basis von Meinungen geführt und<br />
nicht auf der Basis solider empirischer Fakten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schokolade</b>:<br />
Frau Bulmahn, ihr guter Wille ist eindeutig zu erkennen &#8211; haben sie schon<br />
einmal den Finanzminister gefragt, wie er sich die Zukunft der deutschen<br />
Wissenschaft und damit die Zukünftige Quelle für Innovation<br />
und Neuentwicklungen in Deutschland vorstellt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Nicht nur einmal, darüber sprechen wir regelmäßig und<br />
manchmal streiten wir uns auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle für ihr Interesse und<br />
die zahlreichen Fragen. Es ist leider Vieles noch unbeantwortet geblieben.<br />
Dank an Sie, Frau Bulmahn. Das Transkript dieses Chats und aller anderen<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02.<br />
Morgen chatten wir mit Jeanette Hofmann live vom UN-Informationsgipfel.<br />
Wir wünschen allen noch einen angenehmen Tag.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Tschüss, ich bedanke mich und hoffe, das ich weiterhin so viel Unterstützung<br />
für Bildung und Forschung haben werde.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kommunikationsguerilla oder &#8220;Wie stoppe ich den Rasenmähermann?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkampagnen-rasen-shtml-2787/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten]]></category>
		<category><![CDATA[Studentenstreik]]></category>
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		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Universitäten]]></category>
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		<category><![CDATA[Protest]]></category>
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		<category><![CDATA[Hessen]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Menschen gehen auf die Straße gegen Sozial- und Bildungsabbau. Die Universitäten werden bestreikt. Wie funktioniert die Koordination mit Hilfe des Internet?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Menschen gehen auf die Straße gegen Sozial- und Bildungsabbau. Die Universitäten werden bestreikt. Wie funktioniert die Koordination mit Hilfe des Internet?<!--break-->
                    </p>
<p>Die hessische Landesregierung unter der Leitung von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) führt unter dem Namen &#8220;Operation Sichere Zukunft&#8221; massive Kürzungen im sozialen und bildungspolitischen Bereich, sowie eine Einführung von Studiengebühren zur Finanzierung des maroden Landeshaushaltes durch. Die Landesregierung bezeichnete diese Maßnahmen als „Rasenmähermethode“, womit gemeint ist, dass alle Bereiche unter den Kürzungen leiden werden müssten. In der Realität sieht es aber so aus, dass vor allem die Sozial- und Bildungsbereiche empfindliche Einbußen hinnehmen müssten. So soll das Sozialbudget um<br />
                    <a href="http://www.gruene-fraktion-hessen.de/rsvgn/rs_dok/0,,45952,00.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">über 35% gekürzt</a> werden. Das betrifft z.B. Schuldnerberatungsstellen, Eltern- und Erziehungsberatungsstellen, Familienbildungsstätten und Projekte zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die ab 2004 keine staatliche Unterstützung mehr erhalten werden,<br />
                    <a href="http://www.hessen.de/stk/gbgateinvoker.cfm/PM_Sparpaket_Sammelmeldung3.pdf?gbAction=gbFileDownload&amp;ObjectID=7A00B676-D018-4DB3-9B6B589BE4C706E6&amp;index=7" target="_blank" rel="noopener noreferrer">falls das Gesetz abgesegnet werden sollte</a>.</p>
<p>
                    <strong>Kein Geld für Bildung</strong><br />
                    <br />Die Lage an den Hochschulen sieht ähnlich bedrohlich aus.<br />
                    <br />Die Landesregierung will ab 2004 Verwaltungsgebühren in Höhe von 50 EUR pro Semester für alle Studierenden und Studiengebühren von 500-1500 EUR pro Semester für sogenannte Langzeitstudierende erheben. Durch die als Verwaltungsgebühren getarnten Studiengebühren wird potentiellen Hochschulbesuchern der Einstieg ins Studium erschwert oder sogar verhindert. Denn wenn das Gesetz einmal abgesegnet wurde, steht der baldigen Erhöhung der Beträge nicht mehr viel im Wege. Die erhobenen Gebühren fließen fast komplett in den Landeshaushalt und die Universitäten, denen durch die Erhebung dieser Kosten ein Mehraufwand entsteht, erhalten nur einen kleinen Bruchteil der Gelder.</p>
<p>Die jetzt schon schwierigen Studienbedingungen werden noch zusätzlich dadurch verschärft, dass durch die &#8220;Operation Sichere Zukunft&#8221; 30 Mio. EUR im Hochschulsektor eingespart werden sollen und somit z.B. dringend benötigte Dozentenstellen nicht mehr besetzt werden können und kleinere Fachbereiche um ihre Existenz bangen müssen.</p>
<p>„<br />
                    <strong>Spar Wars – The university streiks back“</strong><br />
                    <br />Diese Umstände haben dazu geführt, dass die Studierenden hessenweit ihrem Unmut Luft gemacht haben. Auf ihren Vollversammlungen haben die Studierenden nahezu aller hessischen Unis, aber auch in weiteren Städten wie Bremen, Berlin, Bonn, Köln und Kiel den Streik beschlossen.</p>
<p>Die Koordination der Streikaktionen funktioniert mittlerweile nicht mehr ohne die Hilfe des Internet. Die Studierenden der Uni Marburg haben beispielsweise zu diesem Zweck die Site<br />
                    <a href="http://www.education-project.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.education-project.de</a> ins Leben gerufen, auf der die neuesten Veranstaltungen angekündigt werden und die vergangenen Aktionen mit Bildern und Artikeln abgerufen werden können. Außerdem verfügt die Site über ein Forum, in dem die über 70 Arbeitskreise, unter anderem zu Themen wie „Alternatives Lehrprogramm“ (von Studierenden und Lehrenden zum Thema Sozial- und Bildungsabbau), „Sozialabbau“ (Vernetzung mit außeruniversitären Gruppen), „Aktionen“ usw. ihre Arbeit koordinieren und vernetzen können. Durch einen Newsletter kann sich der interessierte Leser immer mit den neuesten Informationen versorgen lassen.</p>
<p>Aber auch andere Formen werden zur Vernetzung genutzt. Beispielsweise findet man unter<br />
                    <a href="http://protest.blogger.de/stories/12228/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://protest.blogger.de/stories/12228/</a> einen Webblog zum Thema Studiengebühren und Streikaktionen. Eine interaktive Form des Protestes im Internet bietet die Site<br />
                    <a href="http://www.petitiononline.com/2311031/petition.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.petitiononline.com/2311031/petition.html</a>. Hier haben Studierende der Uni Marburg eine Online-Petition ins Leben gerufen, die sich gegen den geplanten Sozial- und Bildungsabbau richtet. Hier hat jeder Bürger die Möglichkeit, mit seiner Online-Stimme ein Zeichen zu setzen. Die Studierenden versuchen, bis zum 23.11. so viele Stimmen wie möglich zu sammeln und der hessischen Landesregierung zukommen zu lassen, bevor das Gesetz zur „Operation Sichere Zukunft“ verabschiedet wird.</p>
<p>Den Höhepunkt der Proteste dürfte die Großdemonstration in Wiesbaden am 18.11. bilden, zu der Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet werden. Der Aufruf zu dieser Demo wird nicht nur von den Studierenden, sondern auch von Institutionen wie DGB, GEW, IGM und ver.di<br />
                    <a href="http://www.hessen-kahlschlag.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unterstützt</a>.</p>
<p>
                    <strong>Jemand zu Hause?</strong><br />
                    <br />Wenn man einen Blick auf die „Gegenseite“ wirft, also auf<br />
                    <a href="http://www.hessen.de/stk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die Sites der hessischen Landesregierung</a> oder des<br />
                    <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hessischen Kultusministerium</a> wird man erstaunt feststellen, dass man dort keinen Hinweis darauf findet, dass sich eine Protestaktion erhoben hat, die fast alle Bereiche der Bevölkerung betrifft. Das Thema „<br />
                    <a href="http://www.operation-sichere-zukunft.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Operation Sichere Zukunft</a>“ besitzt zwar eine eigene Website, aber auch hier findet man keine Möglichkeit, seine Meinung zu artikulieren. Der Menupunkt „Forum“ ist als einziger nicht hinterlegt, im Bereich „Service“ wird einem nur das entsprechende Logo in verschiedenen Größen angeboten. Den Service, interaktiven Gedankenaustausch mit Betroffenen der Sparmaßnahmen oder Verantwortlichen führen zu können, sucht man vergebens.</p>
<p>Man kann also klar festhalten: 1:0 für die Studierenden!<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 15.11.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="2" width="390" border="0">
<tbody>
<tr>
<td align="middle">
                            <em><br />
                              <a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
                            </em></p>
<p>                            <em><br />
                              <a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
                            </em><br />
                            
                          </td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" width="390" noshade="noshade" size="1" />
                    </p>
<p>
                      <strong>Weiterführende Artikel:</strong>
                    </p>
<ul class="noindent">
<li>
                      <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkampagnen/index.shtml#streik"><br />
                        <strong>Dossier Uni-Streik</strong><br />
                      </a><br />
                      <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/netzkampagnen-rasen-shtml-2787/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Was nichts kostet, taugt nichts&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwas_nichts_kostet_taugt_nichtsquot-378/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwas_nichts_kostet_taugt_nichtsquot-378/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jul 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dieter Hundt im Chat am 04. Juli 2001</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dieter Hundt im Chat am 04. Juli 2001</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Nachlassende Konjunktur,<br />
Fachkräftemangel und stagnierende Arbeitslosenzahlen bestimmen derzeit<br />
die Diskussion in der Wirtschaftspolitik. Dieter Hundt, Präsident der<br />
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), bezog klar<br />
Stellung zu diesen Fragen und appellierte an Politik und<br />
Gewerkschaften, wirtschafts- und produktivitätsorientiert zu denken.<br />
Mit den Chattern sprach er darüber hinaus auch über Frauenförderung,<br />
Studiengebühren, Politik und Fußball.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Parteipolitische Äußerungen<br />
wollte sich Dieter Hundt nicht entlocken lassen, wohl aber eine<br />
deutliche Kritik an der bisherigen Wirtschaftspolitik der<br />
Bundesregierung. &quot;<i>Vor dem Hintergrund der weltweiten Abschwächung<br />
des Wirtschaftswachstums sollte die deutsche Politik die richtigen<br />
Weichenstellungen vornehmen und nicht, wie dies in den letzten Monaten<br />
geschehen ist, den Arbeitsmarkt zusätzlich regulieren. </i>&quot; Schließlich sei es auch im vergangenen Jahr &quot;<i>aufgrund angemessener und vernünftiger produktivitätsorienter Tarifabschlüsse</i>&quot; gelungen, 600.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Notwendige Maßnahmen seien jetzt die &quot;<i>Rückführung<br />
von Sozialmaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt, die verstärkte Beschäftigung<br />
älterer Arbeitnehmer und die verstärkte Erschließung des<br />
Niedriglohnsektors</i>&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zur Verbesserung der<br />
internationalen Wettbewerbsfähigkeit gehöre es auch, die deutschen<br />
Sozialversicherungssysteme auf ein finanzierbares Niveau<br />
zurückzufahren. In der Kranken-, Pflege- und Altersversicherung sei es<br />
notwendig, &quot;<i>auf eine Basissicherung zurückzugehen, die den Einzelnen<br />
vor unverkraftbaren Risiken schützt, von ihm auf der anderen Seite aber<br />
verlangt, dass er zusätzliche private Versorgungssysteme unter<br />
Berücksichtigung seiner individuellen Situation abschließt</i>&quot;. Dies<br />
sei nicht der Weg zu einem Zweiklassensystem, sondern führe dazu, dass<br />
versicherungsfremde Leistungen nicht mehr über die<br />
Sozialversicherungssysteme bezahlt würden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Die Vereinbarung zur Frauenförderung, die zwischen Bundesregierung und Spitzenverbänden<br />
geschlossen wurde, bezeichnete Hundt als gut. &quot;<i>Sie wird die erfolgreiche<br />
Entwicklung der Beschäftigung von Frauen in der deutschen Wirtschaft fortsetzen<br />
und intensivieren. Dies ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der demographischen<br />
Entwicklung auch richtig und wichtig.</i>&quot; Sowohl Politik, Wirtschaft als auch<br />
Gesellschaft müßten sich dafür einsetzen, die Frauenbeschäftigung zu intensivieren.<br />
&quot;<i>Die Politik muss wichtige Voraussetzungen im Zusammenhang mit Kinderbetreuung<br />
und Schule erfüllen. Die Frauen selbst sind aufgefordert, sich verstärkt in<br />
technisch-naturwissenschaftlichen Berufen ausbilden zu lassen.</i>&quot; Die Arbeitgeberverbände<br />
schließlich würden die Unternehmen auffordern, sich in dieser Frage stärker<br />
zu engagieren. Eine Selbstverpflichtung komme jedoch schon deshalb nicht in<br />
Frage, weil die Voraussetzungen in den einzelnen Unternehmen nach Branchen und<br />
Regionen zu stark differieren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein wichtiger Schritt zur Beseitigung des Fachkräftemangels ist laut Hundt die Reform des Bildungswesens, &quot;<i>und zwar auf allen Ebenen, von der Hauptschule über die Realschulen und Gymnasien bis hin zu Hochschulen und Universitäten</i>&quot;. Dazu gehöre auch die Einführung von Studiengebühren in angemessenem Umfang, denn diese &quot;<i>verbessern die Situation der Hochschulen bzw. Universitäten in Richtung auf mehr Eigenständigkeit und Selbstverantwortlichkeit</i>&quot;. Allerdings müßten für einkommensschwächere Familien auch Stipendienlösungen und Darlehen angeboten werden. Er halte es &quot;<i>nicht für vertretbar, dass Facharbeiter das Studium der Kinder von Bankdirektoren finanzieren</i>&quot;. Hundt befürwortet auch die Elitenausbildung: &quot;<i>Für<br />
mich gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, warum Hochbegabte nicht<br />
entsprechend ihren Kenntnissen und Fähigkeiten geschult und ausgebildet<br />
werden sollen. </i>&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Zum Wahlkampf in Berlin befragt, plädierte Dieter Hundt für Sachlichkeit.<br />
&quot;<i>Wir sollten unterschiedliche Positionen argumentativ und nicht durch Werfen<br />
von Eiern und Flaschen ausdiskutieren.</i>&quot; Eine Einbeziehung der PDS in die<br />
Regierungsverantwortung hält er für problematisch: &quot;<i>Eine Regierungsbeteiligung<br />
der SED-Nachfolgepartei würde sich auf Investitionen aus dem In- und Ausland<br />
negativ auswirken. Darüber hinaus sind wirtschaftliche Positionen der PDS, wie<br />
etwa die Verstaatlichung von Großunternehmen, unerträglich. Im Zeitalter der<br />
Globalisierung ist der gegenteilige Weg notwendig. </i>&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auch über persönliche Belange gab der Arbeitgeberpräsident Auskunft, z.B. wie er zu seiner jetzigen Position gelangte: &quot;<i>Ich bin dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind</i>&quot;.<br />
Dass es nicht ganz ohne eigenes Zutun dazu kam, gab er schließlich doch<br />
zu &#8211; als Vorsitzender des Verbands der Metallindustrie hatte er schon<br />
ausreichende Erfahrungen gesammelt, um für sein jetziges Amt<br />
vorgeschlagen zu werden. Etwas Lokalpatriotismus ließ der gebürtige<br />
Schwabe Dieter Hundt in der Fußballfrage anklingen: &quot;<i>Irgendwann wird<br />
der VfB Stuttgart auch wieder Deutscher Meister. In der neuen Saison<br />
erwarte ich, dass wir deutlich besser abschneiden als in der letzten.<br />
Ob es allerdings dieses Mal schon zur Meisterschaft reicht, ist<br />
fraglich. </i>&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> <b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/5150_22537.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
</span> <!-- Content Ende -->  </p>
<p>
&nbsp;
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