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	<title>Studiengebühren &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Studiengebühren &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Wir halten die Kernenergie für richtig&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jan 2009 17:02:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, den 29.01.09 war CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen der Chatter zur kommenden Bundestagswahl, zur CDU-Parteiprogrammatik und möglichen Koalitionspartnern. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, den 29.01.09 war CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen der Chatter zur kommenden Bundestagswahl, zur CDU-Parteiprogrammatik und möglichen Koalitionspartnern. </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen beim tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Mein Name ist Corinna Emundts. Ich darf den CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla herzlich begrüßen, der<br />
inzwischen samt Pressesprecher Matthias Barner eingetroffen ist. Herr<br />
Pofalla, danke dass sie für uns Zeit haben &#8211; sind Sie bereit?<b> </b>
</p>
<p><b></b></p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Ich bin bereit!
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die erste Frage an Sie ist zugleich eine, die viele User vorab als besonders wichtig bewertet haben.
</p>
<p>
<b>PAT</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Pofalla, Sie und die CDU sprechen von der FDP als<br />
Wunschpartner, mit dem nach der Bundestagswahl im September regiert<br />
werden soll. Wie kategorisch ist diese Aussage? Sollten CDU/CSU nicht<br />
eher sagen, dass wir uns eine schwarz-gelbe Koalition wünschen und, da<br />
Wünsche nicht immer in Erfüllung gehen, gleichzeitig sagen, dass wir<br />
uns andere Konstellationen vorstellen können, wenn Inhalte der Union<br />
umgesetzt werden können? Zum Beispiel mit den Grünen?!
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Wir werden eine klare Koalitionsaussage zugunsten der FDP in unser<br />
Wahlprogramm aufnehmen. Die Schnittmengen mit der FDP sind am größten.<br />
Wir wollen eine Bundesregierung aus Union und FDP.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Weshalb wollte sich die CDU-Vorsitzende bisher dann so wenig auf die FDP festlegen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Dieser Eindruck ist falsch. Sie hat ja unter anderem in ihrer<br />
Parteitagsrede am 1. Dezember des vergangenen Jahres in Stuttgart<br />
deutlich gemacht, dass sie die Zusammenarbeit mit der FDP will und dass<br />
sie auch eine Koalitionsaussage zugunsten der FDP will.
</p>
<p>
<b>TW</b>: Glauben Sie, dass die FDP bei der Bundestagswahl ähnlich erfolgreich sein kann wie in Hessen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Das glaube ich nicht, weil es in Hessen ganz spezifische hessische<br />
Gründe gab, die zu diesem tollen Ergebnis der FDP beigetragen haben.
</p>
<p>
<b>me2</b>:<br />
Die CDU hat sich klar für den Bündnispartner FDP ausgesprochen,<br />
bedeutet dies im Endeffekt auch eine Abwendung von Klimazielen hin zu<br />
Zielen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die FDP hat von Anfang an in den vergangenen zwölf Monaten nach der<br />
Wahl im Januar 2008 deutlich gemacht, dass sie nur eine Regierung mit<br />
der CDU haben will und bei dieser Aussage ist sie verlässlich und<br />
standhaft geblieben. Um diese Fragen wird es aber bei der<br />
Bundestagswahl gar nicht gehen. Zur zweiten Frage: Die Klima- und<br />
Umweltschutzpolitik der CDU bleibt ambitioniert. Wir haben in unserem<br />
Grundsatzprogramm außerordentlich ambitionierte Umweltschutzziele<br />
festgeschrieben, daran wird die FDP nichts ändern können. Wir führen<br />
einen eigenständigen Wahlkampf &#8211; Leihstimmen wird es für die FDP nicht<br />
geben.
</p>
<p>
<b>GehtsLos</b>: Um welche Fragen wird es bei der Bundestagswahl gehen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Auch familienpolitische Fragen, Umweltschutzfragen, Fragen der Integrationspolitik werden ihre eigenständige Bedeutung haben.
</p>
<p>
<b>GehtsLos</b>: Familienpolitik, Umweltfragen, Integrationspolitik, und das in Zeiten der Finanzkrise?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die drohende Klimakatastrophe ist ja nicht abhängig von<br />
Wirtschaftskrisen und die Bewältigung dieser drohenden Klimakatastrophe<br />
ist unabhängig von Konjunkturzyklen. Diese Frage ist von zentraler<br />
Bedeutung, sie wird jetzt nicht im zentralen Mittelpunkt stehen, aber<br />
sie wird die Menschen weiter bewegen.
</p>
<p>
<b>Julien B.</b>:<br />
Wird die Energiepolitik, besonders die Energiesicherheit und das damit<br />
verbundene &quot;Ja&quot; zur Kernkraft eines der Hauptwahlkampfthemen der Union?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Es wird kein Hauptwahlkampfthema sein, aber wir werden deutlich machen,<br />
dass wir die Kernenergie als Brückentechnologie für richtig halten. Wir<br />
werden uns für eine Verlängerung der Laufzeiten der vorhandenen<br />
sicheren Kernkraftwerke in Deutschland aussprechen. Damit erreichen wir<br />
Energiesicherheit und wir könnten die zusätzlichen Gewinne der<br />
Unternehmen, die sie durch die Verlängerung der Laufzeit der<br />
Kernkraftwerke erzielen, in Energiepreissenkungen und in zusätzliche<br />
Forschungsprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien investieren.
</p>
<p>
<b>Stefan</b>: Glauben Sie, dass das Ergebnis der Hessenwahl aus der Stärke der CDU resultiert oder vielmehr aus der Schwächung der SPD?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Beides. Roland Koch hat bewiesen, dass er in den vergangenen zwölf<br />
Monaten in einer nie dagewesenen schwierigen Situation Nervenstärke und<br />
Führungskraft gezeigt hat. Die SPD ist mit zwei Köpfen drei Mal gegen<br />
dieselbe Wand gelaufen, hat das Wort gebrochen und sich dabei auch noch<br />
wohl gefühlt. Dafür ist sie abgestraft worden.
</p>
<p>
<b>Lars</b>: Wird es im Wahlkampf eine Aussage der CDU über einen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan geben?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Diese Frage stellt sich gar nicht. Der Einsatz der Bundeswehr in<br />
Afghanistan ist unverzichtbar und wir werden jetzt mit dem neuen<br />
amerikanischen Präsidenten &#8211; aber auch unseren anderen Verbündeten &#8211;<br />
darüber zu reden haben, wie der Einsatz aller ausländischer Soldaten in<br />
Afghanistan in den nächsten Jahren ausgestaltet sein muss.
</p>
<p>
<b>Hans Müller</b>: Was wird dann das Hauptwahlkampfthema der Union sein?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich glaube, dass das zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht vorhergesehen<br />
werden kann. Wenn wir uns die Entwicklung der letzten drei Monate<br />
ansehen, bekommt man ja einen Eindruck davon, wie schnell und<br />
dramatisch sich die Themen verändern. Ein moderner Wahlkampf muss sich<br />
an den aktuellen Themen der Menschen, die sie für wichtig halten,<br />
orientieren und nicht an theoretischen Überlegungen, die Monate vorher<br />
unternommen worden sind.
</p>
<p>
<b>balduin</b>: Was sagen Sie zu den aktuellen Arbeitslosenzahlen? Wurden die Konjunkturprogramme zu spät gestartet?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ganz im Gegenteil. Der Anstieg der Kurzarbeiter auf 404.000 bedeutet<br />
eine Zunahme um rund 300.000 und dies beweist, dass die Regelungen zur<br />
Kurzarbeit aus dem Maßnahmenpaket I der Bundesregierung jetzt greifen.<br />
Kurzarbeit soll ja Arbeitslosigkeit verhindern, dieses Instrument ist<br />
höchst effizient und wirksam.
</p>
<p>
<b>balduin</b>: Warum wurden bei der Kfz-Steuerreform die großen Spritfresser und CO2-Abgasschleudern nicht stärker zur Kasse gebeten?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich bin erstmal riesenfroh darüber, dass nach einer jahrelangen<br />
Diskussion wir zum 1.7. diesen Jahres die Kfz-Steuer zu einer<br />
CO2-orientierten Steuer umbauen werden. Damit wird der richtige Anreiz<br />
gesetzt, CO2-arme Autos zu kaufen, weil man dadurch insgesamt den<br />
CO2-Ausstoß bei den Automobilen reduzieren will.
</p>
<p>
<b>kay</b>: Wie ökologisch durchdacht ist Ihrer Meinung nach die Abwrackprämie?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Bei der Abwrackprämie geht es ja vor allem darum, den eingebrochenen<br />
Automobilverkauf neu anzuregen. In Deutschland ist jeder siebte<br />
Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Automobilindustrie abhängig<br />
und jetzt geht es darum, insbesondere alte Autos, die älter als 9 Jahre<br />
sind, aus dem Verkehr zu nehmen und die neuen Autos werden deutlich<br />
CO2-ärmer sein als diese alten Autos. So gesehen ist auch die<br />
Abwrackprämie eine Prämie, die eine klare eindeutige ökologische<br />
Komponente hat.
</p>
<p>
<b>me2</b>: Ist ein der CDU<br />
nahestehender Wähler, der eine Abweichung der CDU von energischen<br />
Klima- bzw. Energiezielen realisiert, nicht besser beraten, die Grünen<br />
zu wählen, um ein Bündnis, das sich nur aus CDU und FDP zusammensetzt,<br />
zu vermeiden?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Die Frage verstehe ich  nicht.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Ich versuche, zu übersetzen: Wenn ein CDU-Fan befindet, dass die CDU<br />
derzeit nicht grün genug ist, wäre er dann besser beraten, grün zu<br />
wählen, um Schwarz-Grün zu erhalten und Schwarz-Gelb zu verhindern?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die Klimaschutzziele der CDU sind so ambitioniert, dass wir zum<br />
Zeitpunkt unserer Beschlüsse offensiver beim Klima- und Umweltschutz<br />
waren als es die geltende Beschlusslage der Grünen im Dezember 2007<br />
wiedergab. Im Anschluss daran haben die Grünen einen Großteil unserer<br />
Klimaschutzziele übernommen und sind an einer speziellen Stelle über<br />
unsere Beschlusslage hinausgegangen. Ich würde ihnen empfehlen, das<br />
Original zu wählen und CDU zu wählen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Übrigens fällt auf, dass Sie als alter Schwarz-Grün-Fan sich irgendwie<br />
um das Thema drücken : Bei der ersten Frage hatten Sie auch nicht<br />
darauf reagiert. Gibt es dafür einen Grund? Ist Schwarz-Grün für Sie<br />
immer noch eine Option, an die Sie gerne denken, auf die Sie neugierig<br />
wären? Schließlich könnten Sie die Union ein bisschen verändern?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Dass ich persönlich ökologisch ausgerichtet bin und der Frage der<br />
Ökologie eine zentrale Bedeutung beimesse, ist nicht neu. Und in der<br />
Tat: Ich bin bei der schwarz-grünen Pizza-Connection am Beginn der 90er<br />
Jahre bei der Gründung mit dabeigewesen. Aber es bleibt dabei: Ich<br />
persönlich und auch die CDU halten eine Koalitionsaussage zugunsten der<br />
FDP für richtig, weil ich glaube, dass man ökologische Fragen mit<br />
ökonomischen Fragen zusammen verbinden muss und genau diese Verbindung<br />
klappt mit der FDP bestens.
</p>
<p>
<b>JuppZupp</b>: Wie unterscheidet sich eigentlich noch die CDU von der FDP?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die CDU ist die Partei der sozialen Marktwirtschaft. Zur sozialen<br />
Marktwirtschaft gehören Freiheit und Sicherheit als zwei Seiten ein und<br />
derselben Medaille zusammen. Die einseitige Betonung der FDP nur des<br />
Marktes entspricht überhaupt nicht dem breit aufgestellten<br />
programmatischen Anspruch der CDU.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Es kommen viele Nachfragen zu Ökologie/CDU/Abwrackprämie:
</p>
<p>
<b>Aaron</b>:<br />
Zur ökologischen Komponente: Ist es nicht so, dass es ökonomisch und<br />
auch ökologisch effizienter ist, ein altes Auto &quot;runterzufahren&quot;? Das<br />
ZDF behauptete dies in seiner letzten Sendung &quot;Abenteuer Wissen&quot;.
</p>
<p>
<b>Fredson999</b>:<br />
Weder die Abwrackprämie noch die Kfz-Steuer setzten ein Zeichen für die<br />
Umwelt, die Autoindustrie wird unterstützt. Warum wird das<br />
Konjunkturpaket nicht dazu genutzt, eine klares Zeichen für ÖPNV zu<br />
setzten und diesen zu subventionieren? Arbeitsplätze, die in der<br />
Autoindustrie verloren gehen, werden dort neu entstehen.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die ganzen Berechnungen zeigen, dass die Herausnahme insbesondere der<br />
über neun Jahre alten Autos und der Anreiz, neue Autos zu kaufen, die<br />
die Euronorm 4 erfüllen, zu einer erheblichen Reduzierung des<br />
CO2-Ausstoßes beitragen. Und deshalb ist die Abwrackprämie auch eine<br />
Umweltprämie und ein guter Beitrag zur CO2-Reduktion. Die<br />
Arbeitsplätze, die wir in der Automobilindustrie haben, sind<br />
außerordentlich wichtig. weil sie auch die Zukunft hunderttausender von<br />
Menschen sichern. Und deshalb war es richtig, dass sich die<br />
Bundesregierung hier auf die Sicherung dieser Arbeitsplätze<br />
konzentriert hat.
</p>
<p>
<b>TOBL</b>: Herr Pofalla, Sie sagen, dass die CDU<br />
die Partei der sozialen Marktwirtschaft sei, während die FDP an einer<br />
einseitigen Betonung des Marktes festhalte. Wären dann nicht<br />
Sozialdemokraten oder Grüne die sinnvolleren Koalitionspartner der CDU?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Dass bei der SPD der Markt besonders betont wird, sehe ich auch nicht,<br />
aber die SPD ist immer eine Partei gewesen, die staatliche Eingriffe<br />
und Regulierungen für richtig hält und nie darüber nachdenkt, wie sie<br />
vielleicht auch einmal zurückgenommen werden können. Die Grünen<br />
verstehen viel von Ökologie aber so gut wie gar nichts von Ökonomie.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Vergessen Sie da nicht Schröder und die Agenda 2010?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die Agenda 2010 hat dazu beigetragen, dass wir mehr Geld als jemals<br />
vorher in Deutschland für Soziales ausgegeben haben, beim<br />
Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II ausgeben. Wenn man<br />
vergleicht, was vorher für Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe ausgegeben<br />
wurde, dann geben wir heute zwischen drei und fünf Milliarden Euro mehr<br />
aus. Eine Zurücknahme des Staates und eine Reduzierung staatlicher<br />
Ausgaben kann ich darin nicht erkennen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die CDU hat die Agenda 2010 mit unterstützt und Merkel lobt sie heute noch.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die Kritik, die ich geübt habe, bezieht sich ja nicht auf das neue<br />
System, sondern versuchte, dem Einwand zu begegnen, dass Schröder nun<br />
mit der Agenda 2010 volkswirtschaftlich gesehen besonders ökonomisch<br />
gehandelt hätte.
</p>
<p>
<b>Jan87</b>: Haben Sie denn die Agenda 2010 nicht im Bundestag/-rat unterstützt und sogar verändert?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Wir haben zusätzliche neue Arbeitsplätze in einer Größenordnung von bis<br />
zu 1,6 Millionen Arbeitsplätzen, wir haben in den vergangenen drei<br />
Jahren das größte Wirtschaftswachstum dieses Jahrzehnts und wir hatten<br />
das Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes fast erreicht. Und schließlich<br />
haben wir die Sozialversicherungssysteme wieder zukunftsfest gemacht<br />
und wir haben die Arbeitslosigkeit in der Spitze um über zwei Millionen<br />
abgebaut.
</p>
<p>
<b>frankk</b>: Sind Sie zufrieden mit dem was die Große Koalition bisher geleistet hat?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich glaube, dass die Große Koalition eine gute Bilanz vorweisen kann.<br />
Wir haben eine Abnahme der Arbeitslosigkeit in einem Umfang von fast<br />
zwei Millionen Arbeitslosen gehabt.
</p>
<p>
<b>TOBL</b>: SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier sagt, das Konjunkturpaket sei zu 90 Prozent sozialdemokratisch, was entgegen Sie ihm?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ein putziger Beitrag des Kanzlerkandidaten der SPD. Die SPD wollte<br />
Steuern erhöhen, wir senken Steuern. Hieran wird alleine deutlich, wer<br />
sich durchgesetzt hat.
</p>
<p>
<b>SusiSun</b>: Wie werden die nachfolgenden Generationen die Rekordschulden tilgen?
</p>
<p>
<b>lollo</b>:<br />
Was tut die CDU konkret, um eine weitere Schuldenzunahme zu Lasten der<br />
jungen Generation einzuschränken? Das Konjunkturpaket I und II stellen<br />
immerhin eine enorme Belastung dar, sind aber in ihrer Wirkung<br />
umstritten.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Es wird einen klaren<br />
Tilgungsplan geben. Die zusätzlichen Schulden durch das Maßnahmenpaket<br />
I und II werden in einen Fonds kommen und dieser Fonds wird in den<br />
nächsten Jahren schnell getilgt werden. Zusätzlich sprechen wir uns zum<br />
Schutz der jungen Generationen klipp und klar für die Aufnahme einer<br />
Schuldenbremse im Grundgesetz aus. Hier müssen sich vor allem die<br />
Sozialdemokraten endlich bewegen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Die Kanzlerin wertet die Konjunkturpakete der Koalition als<br />
erfolgreiche Maßnahme im Kampf gegen die Finanzkrise, die FDP fordert<br />
Nachbesserungen. Was spricht da eigentlich gegen die Fortsetzung der<br />
Großen Koalition mit der SPD?
</p>
<p>
<b>balduin</b>: Wenn<br />
durch die Agenda 2010 viele Arbeitsplätze geschaffen wurden und die<br />
große Koalition erfolgreich gearbeitet hat, warum wollen Sie dann nicht<br />
mit der SPD weiterregieren?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Eine<br />
Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass die unterschiedlichen<br />
Grundströmungen auch immer in eine Alternativstellung gebracht werden.<br />
Wir haben von Anfang an deutlich gemacht, dass wir die große Koalition<br />
aufgrund des Wahlergebnisses für vier Jahre für richtig halten &#8211; aber<br />
eben darüber hinaus sie auch nicht fortsetzen wollen. Also ersteinmal<br />
habe ich nicht gesagt, dass durch die Agenda 2010 viele Arbeitsplätze<br />
geschaffen worden sind. Ich halte die Agenda 2010 in Teilen für<br />
richtig, aber vieles von dem war auch falsch. Und Schröder hat die<br />
Agenda 2010 erst aufgelegt, als das Kind bereits in den Brunnen<br />
gefallen war. Das zeigt, dass Sozialdemokraten immer erst zu spät<br />
reagieren und ich wünsche mir eine Regierung, die so flexibel und<br />
sensibel reagiert, dass man auf strukturelle Schwierigkeiten so früh<br />
wie möglich reagiert&#8230;
</p>
<p>
<b>aleks</b>: Wieviel Prozent trauen sie der SPD bei der nächsten Bundestagswahl zu?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die SPD liegt im 20-Prozent-Turm. Noch vor einigen Jahren hatte sie die<br />
Chance, auf Ende-20 zu kommen. Da sie ihr Verhältnis zur Linkspartei<br />
nicht geklärt hat, wird die Linkspartei ihr weiter Stimmen abnehmen und<br />
nun besteht die Gefahr, dass der 20-Prozent-Turm sich eher an 20<br />
Prozent orientiert.
</p>
<p>
<br />
<b>Eugen</b>: Was halten Sie von Frank-Walter Steinmeier?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Frank-Walter Steinmeier ist kein guter stellvertretender<br />
SPD-Vorsitzender. Er hat die Beschlüsse, die die SPD in die<br />
Schwierigkeit mit der Linkspartei gebracht haben, zu verantworten. Er<br />
hat sich nicht in den vergangenen zwölf Monaten gegen die hessische SPD<br />
gestellt und den Wortbruch der hessischen SPD kritisiert. In dieser<br />
Frage hat der stellvertretende SPD-Vorsitzende Steinmeier der SPD<br />
geschadet.
</p>
<p>
<b>gans</b>: Es findet eine weltweite<br />
Politikwende statt, Stichwort Obama. Steht die wirtschaftsliberale CDU<br />
nicht für die Politik von gestern?
</p>
<p>
<b>börder11</b>: Was erhoffen Sie sich von Obama?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich kann jetzt gar nicht erkennen, wo zwischen der praktischen Politik,<br />
die Obama in den wenigen Tagen seiner Präsidentschaft deutlich gemacht<br />
hat, ein Unterschied zur CDU zu erkennen ist. Er hat jetzt den Versuch<br />
unternommen, ein umfangreiches Konjunkturprogramm für die USA<br />
umzusetzen. Wir haben bereits zwei Maßnahmenpakete beschlossen. Ich<br />
erhoffe mir von Obama, dass wir eine neue Belebung des<br />
transatlantischen Verhältnisses bekommen und dass Europa im<br />
deutsch-amerikanischen Verhältnis eine zentrale Rolle behält.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Kommen wir zum Thema Bildung. Hier eine der im Pre-Chat hoch bewerteten Fragen:
</p>
<p>
<b>Advocat</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Pofalla, die Wirtschaft und Politik sind einer<br />
Meinung, dass mehr hochqualifizierte Menschen gebraucht werden. Warum<br />
wird aber im Gegenzug der Zugang zum Studium erschwert, indem bspw.<br />
hohe finanzielle Hürden geschaffen werden und die Studienzeit nicht<br />
einmal mehr auf die Rente anrechenbar ist?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Der Zugang zum Studium ist doch eher erleichtert worden in den letzten<br />
Jahren. Das Bafög ist erhöht worden, um nur ein Beispiel zu nennen. Und<br />
genau damit soll doch gerade finanzschwächeren Studenten die<br />
Möglichkeit zu einem Studium gegeben werden. Auf dem Bildungsgipfel ist<br />
deutlich beschlossen worden, dass insgesamt die Ausgaben für Bildung<br />
und Hochschule in Deutschland deutlich erhöht werden müssen. Alles das<br />
halte ich für richtig.
</p>
<p>
<b>Jan87</b>: Als Student kann ich das ganz und gar nicht bestätigen.
</p>
<p>
<b>ole</b>: Bafög Erhöhung gleicht doch nicht mal die Inflation aus&#8230;
</p>
<p>
<b>suppi</b>: Wer bekommt heute noch Bafög? Das ist doch eine Minderheit.
</p>
<p>
<b>blub</b>: Studiengebühren sprechen aber genau vom Gegenteil.
</p>
<p>
<b>Haifa2009</b>: Welches Konzept bieten Sie, um mehr junge Erwachsene zu einem akademischen Uni-/FH-Abschluss zu bewegen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
In dem wir die Bildungsdurchlässigkeit propagieren. Wir halten es für<br />
richtig, dass berufliche Abschlüsse &#8211; sei es der Gesellenbrief oder der<br />
Meisterbrief &#8211; Eingangsvorraussetzungen sein sollen, um studieren zu<br />
können.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Studiengebühren sollen<br />
ja zu 100 Prozent den Universitäten zur Verbesserung ihrer Situation<br />
zur Verfügung stehen und wirken sich deshalb außerordentlich positiv<br />
auf die Studienbedingungen der Studenten aus. Im Übrigen ist es<br />
Länderangelegenheit, über Fragen der Studiengebühren zu entscheiden und<br />
keine Bundesangelegenheit.
</p>
<p>
<b>besserwisser1</b>: Das<br />
meinen Sie doch nicht im Ernst? An meiner Hochschule sieht es ganz<br />
anders aus! Studiengebühren sollen zur Renovierung und Sanierung<br />
eingesetzt werden?! Kaum einer bekommt Bafög und nahezu jeder muss fast<br />
Vollzeit arbeiten um auch nur annähernd über die Runden kommen! Das<br />
kann Ihnen doch nicht entgehen!
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Zur Verbesserung der Situation von Studenten zählt doch unter anderem<br />
auch die Verbesserung der gebäudlichen Situation der Hochschulen.<br />
Dieses Geld wird doch so gesehen ausschließlich zur Verbesserung der<br />
Situation der Studienbedingungen von Studenten eingesetzt. Ich bleibe<br />
dabei: Der Anteil der Bafög-Bezieher steigt in den letzten Jahren und<br />
im übrigen will ich aus meiner eigenen Studien-Vita sagen: Ich habe<br />
während meiner beiden Studien, die ich begangen und abgeschlossen habe,<br />
selber immer arbeiten müssen, um mir das Studium zu finanzieren. Ich<br />
kann nicht erkennen, dass mir das geschadet hat.
</p>
<p>
<b>blub</b>:<br />
An meiner Uni merke ich nichts von besseren Studienbedingungen durch<br />
die Studiengebühren. Überfüllte Kurse, schlechte Ausstattung usw. sind<br />
hier immer noch normal. Wenn ich mit dem Argument rangehe &quot;Ich bezahle<br />
was dafür, ich will was dafür bekommen&quot; &#8211; kann man studieren in<br />
Deutschland vergessen.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Aber es<br />
bleibt dabei: Die Länder, die Studiengebühren erheben, können in allen<br />
Fällen nachweisen, dass das Aufkommen der Studiengebühren zu 100%<br />
Prozent den Hochschulen zur Verfügung gestellt wird. Und diesen Ansatz<br />
halte ich für richtig&#8230;
</p>
<p>
<b>Christoph R.</b>: Was<br />
wollen Sie in Zukunft unternehmen, damit nicht noch mehr junge Ärzte,<br />
die gerade erst ihr Studium abgeschlossen haben in Deutschland, ins<br />
Ausland wechseln, weil die dortigen Arbeitsbedingungen (Lohn, Zeit<br />
etc.) deutlich besser sind?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Deshalb haben wir gerade mit der Gesundheitsreform, die seit dem 1.1.<br />
diesen Jahres umgesetzt worden ist, rund zweieinhalb Milliarden Euro<br />
mehr für die Arztvergütung in Deutschland zur Verfügung gestellt. Wir<br />
wollen, dass Ärzte in Deutschland gut und ausreichend vergütet werden.
</p>
<p>
<b>knorr</b>:<br />
In der deutschen Bildungspolitk ist innerhalb der Länder und des Bundes<br />
in den letzten Jahren eine unglaubliche Hektik entstanden &#8211; alles muss<br />
reformiert werden. Ob es die Hochschulabschlüsse oder die Bildungspläne<br />
sind. Schüler, Eltern, Lehrer, Studenten und Hochschulabgänger sind<br />
unzufrieden und nach jeder Studie wird alles nur noch weiter<br />
beschleunigt. Wie könnte Ihre Partei es schaffen dies zu<br />
entschleunigen, Druck herauszunehmen, den Menschen wieder Vertrauen in<br />
die Bildung zu geben? Wird das Thema Bildung auch Bundeswahlthema sein,<br />
obwohl es weiterhin Ländersache bleibt?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich glaube, dass Thema Bildung wird weiter von zentraler Bedeutung<br />
sein, weil sich Deutschland gerade im Übergang von der<br />
Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft befindet. Dass sich<br />
unsere Bildungsinstitutionen reformieren mussten, zeigen alle<br />
internationalen Vergleiche und Ruhe kann nun wirklich nicht an der<br />
Bildungsfront das oberste Ziel sein. Oberstes Ziel muss es sein, sowohl<br />
die Institution Schule als auch die Institution Hochschule so zu<br />
verändern, dass wir mit den internationalen Standards Schritt halten<br />
können.
</p>
<p>
<b>iSoul</b>: Versuchen Sie mal, unter den<br />
aktuellen Bedingungen noch einmal zu studieren. Das Bachelor-Studium<br />
macht das Arbeiten nebenher fast unmöglich!
</p>
<p>
<b>tim</b>: Was halten sie von Ganztagsschulen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich glaube, dass Ganztagesschulen von immer größerer Bedeutung werden.<br />
Deshalb bin ich der Auffassung, dass die Erhöhung der Investitionen in<br />
den Bereich Schule notwendig sind, um überhaupt an vielen Schulen<br />
Ganztagsangebote unterbreiten zu können. Ich glaube, dass das ein<br />
Zukunftsweg ist, der noch energischer beschritten werden muss.
</p>
<p>
<b>tim</b>: Wie könnte man Deutschland familienfreundlicher machen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Indem wir den Eltern, die Kinder in die Welt gesetzt haben, zusätzliche<br />
weitere Hilfen geben. Die Einführung des Elterngeldes war richtig, ist<br />
aber im wesentlichen auf zwölf Monate beschränkt worden. Sobald wir<br />
dafür wieder finanzielle Möglichkeiten haben, muss man über die<br />
Verlängerung des Elterngeldes nachdenken und entscheiden.
</p>
<p>
<b>Margret</b>: Herr Pofalla, was halten Sie vom Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich stehe diesem Ansatz eher skeptisch gegenüber.Ich glaube, dass<br />
staatliche Leistungen an Voraussetzungen gebunden sein müssen, weil<br />
sonst der Anteil der Menschen steigen wird, die sich auf diesen<br />
bedingungslosen Grundeinkommen ausruhen.
</p>
<p>
<b>Dennis Neubert</b>:<br />
Es ist eine wahre Armut, dass die Wirtschaft erst zusammenbrechen muss,<br />
dass mehr in Bildung investiert wird! Was meinen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Das Thema Bildung ist seit Jahren ein zentrales Thema und der<br />
Bildungsgipfel war übrigens terminlich schon festgelegt zu einem<br />
Zeitpunkt, da hat kein Mensch über die Wirtschaftskrise geredet&#8230;
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Thema schon, aber handeln?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
&#8230;die Wirtschaftskrise hat allerdings uns noch einmal deutlich vor<br />
Augen geführt, wie wichtig das Thema Bildung ist. Je höher die Bildung,<br />
je geringer die Wahrscheinlichkeit auf Arbeitslosigkeit. Man kann immer<br />
mehr tun. Aber auf dem Bildungsgipfel ist ja vereinbart worden, die<br />
Ausgaben für Bildung und Forschung bis zum Jahre 2015 auf 10 Prozent<br />
des Bruttosozialproduktes zu steigern. Wenn dieses Ziel erreicht wird,<br />
haben wir einen Meilenstein in die Zukunft gelegt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Wir haben im Chat nebenbei eine (nicht repräsentative) Umfrage unter<br />
den Usern gemacht &#8211; ob die Fortsetzung der Großen Koalition gewünscht<br />
ist. Hier das Ergebnis: 22 Prozent für, 78 Prozent gegen Fortsetzung &#8211;<br />
Herr Pofalla, wollen Sie darauf kurz reagieren?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Wunderbar. Ich teile die Mehrheitsmeinung der User.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
(Er lacht ziemlich breit.) Die Süddeutsche Zeitung schreibt heute über<br />
die &quot;verunsicherte CDU&quot; und den Eiertanz der Vorsitzenden um eine<br />
undefinierte Mitte: War es ein Fehler, dass Sie den Slogan &quot;Die Mitte&quot;<br />
für sich ausgesucht haben?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Es<br />
war ein richtiger Schachzug. Wir haben damit deutlich gemacht, dass die<br />
SPD sich von Schröders &quot;Neuer Mitte&quot; endgültig verabschiedet hat. Und<br />
wir haben deutlich gemacht, dass die CDU die Partei der Leistungsträger<br />
in unserer Gesellschaft ist &#8211; der Menschen, die arbeiten und für andere<br />
sorgen, der Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, der<br />
Menschen, die der Hilfe bedürfen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Eine persönliche User-Frage an Sie zum Schluss 😉
</p>
<p>
<b>TSG</b>: Sehen Sie sich als einen möglichen Nachfolger für Angela Merkel?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich bin Generalsekretär der CDU Deutschland. Mir macht der Job riesig<br />
Spaß und ich will mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin und<br />
CDU-Vorsitzenden die Wahlen im September gewinnen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Das war aber eine sehr vorgedruckte Antwort, also nochmal:
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Angela Merkel ist eine tolle CDU-Vorsitzende und eine Bundeskanzlerin,<br />
die Deutschland sicher in die Zukunft führt. Beide Ämter werden von ihr<br />
super ausgefüllt. Es gibt überhaupt keinen Bedarf an irgendeiner<br />
Veränderung.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Okokok, capito! Sie können<br />
nicht aus der Rolle&#8230; Das war bereits eine gute Stunde hier im<br />
tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Ronald Pofalla, dass Sie sich hier im<br />
ARD-Hauptstadtstudio Zeit für die Diskussion mit den Lesern von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de genommen haben. Ein Dankeschön<br />
auch an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle<br />
stellen konnten. In kurzer Zeit finden Sie das Protokoll dieses Chats<br />
auf unserer Homepage. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Ich bedanke mich wirklich für die tollen Fragen und wenn ich von der ARD noch einmal eingeladen werde, komme ich gerne wieder.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Mehr Exzellenz für deutsche Unis</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/mehr-exzellenz-fuer-deutsche-unis-3622/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Oct 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Exzellenzinitiative]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Forschungsgemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Elite-Unis]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Kleiner]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, den 23. Oktober, war Prof. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er
sprach über die neue Runde der Exzellenzinitiative für deutsche Unis und erklärte, ob Studiengebühren der Lehre zu Gute kommen.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, den 23. Oktober, war Prof. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er<br />
sprach über die neue Runde der Exzellenzinitiative für deutsche Unis und erklärte, ob Studiengebühren der Lehre zu Gute kommen.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Herzlich Willkommen im tagesschau-Chat.<br />
Heute begrüßen wir als Gast im ARD-Hauptstadtstudio den<br />
Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Professor<br />
Matthias Kleiner. Was bringt die Spitzenförderung? Und sorgen<br />
Studiengebühren für eine Verbesserung von Forschung und<br />
Lehre? Liebe User, stellen Sie unserem Experten Ihre Fragen rund<br />
um die deutsche Hochschullandschaft. <br />
Herr Kleiner, schön, dass Sie bei uns sind. Können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Oh ja! Ich freue mich schon<br />
darauf.
</p>
<p align="center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mkleiner.jpg" height="300" width="200" /><br />
<i>Prof. Matthias Kleiner, <br />
Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft</i>
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Skizzieren Sie doch bitte erst einmal,<br />
was Ihre Aufgabe als DFG-Präsident ist.
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Es gibt zunächst mal die<br />
formale Aufgabe, alle Ausschüsse und Gremien der DFG, sofern<br />
es nicht fachbezogene Kommissionen sind, zu leiten, die DFG nach<br />
außen zu vertreten, ein Stück weit auch nach innen in<br />
die Geschäftsstelle hinein, und Leitlinien gemeinsam mit dem<br />
Rest des Präsidiums (da gibt es acht Vizepräsidenten)<br />
zu entwickeln. Darüber hinaus gibt es einen Senat der DFG,<br />
indem etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sitzen. Diesen<br />
Senat leite ich, um gemeinsam mit diesem Senat und anderen Gremien<br />
(Hauptausschuss) und den Mitgliedern der DFG diese Geschicke zu<br />
lenken. <br />
Wobei die interessante Frage ist: Was ist eigentlich die DFG? DFG<br />
heißt &quot;Deutsche Forschungsgemeinschaft&quot; und sie<br />
ist zum einen die zentrale Institution zur Förderung von Grundlagenforschung<br />
in Deutschland &#8211; im Übrigen die größte Institution<br />
dieser Art in Europa &#8211; und zum anderen ist sie eine Selbstorganisation<br />
der deutschen Wissenschaft. Manchmal sagen wir, die Gemeinschaft<br />
der Forschenden in Deutschland. Sie ist ein Verein. Mitglieder sind<br />
die forschungsrelevanten Universitäten, das sind etwa 80, dann<br />
die Forschungsinstitutionen wie Max-Planck, Helmholtz und Leibnitz,<br />
und die Akademien.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Kommen wir zur Exzellenzinitiative:</p>
<p><b>juniper: </b>Wie will man sicherstellen, dass durch<br />
die Exzellenzinitiative andere, Nicht-Elite-Unis, ebenfalls eine<br />
gute Lehre und Forschung anbieten können?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Es ist zunächst wichtig<br />
zu wissen, dass die Exzellenzinitiative nicht nur die Neuen in der,<br />
wie wir sagen, dritten Förderlinie ausgezeichneten Universitäten<br />
fördert. Dies macht nur etwa 25 Prozent des Geldes aus. Diese<br />
Universitäten mussten mindestens eine Graduiertenschule und<br />
ein Exzellenzcluster erfolgreich beantragen. Und von diesen gibt<br />
es viel mehr, nämlich 39 Graduiertenschulen und 37 Exzellenzcluster.<br />
Diese sind an mehr als 30 Universitäten angesiedelt, sodass<br />
wir mit der Exzellenzinitiative Spitzenforschung in Deutschland<br />
auch in ihrer Breite fördern.
</p>
<p>
<b>JJ:</b> Warum werden Fachhochschulen nicht in der<br />
Exzellenzinitiative berücksichtigt? Ist das geplant?</p>
<p><b>Matthias Kleiner: </b>Nein, das ist nicht geplant.<br />
Bei der Exzellenzinitiative geht es zunächst um Grundlagenforschung,<br />
die an Fachhochschulen weit überwiegend nicht gemacht wird.<br />
Daher können Fachhochschulen nicht berücksichtigt werden.</p>
<p><b>Moderatorin: </b>Vor dem Chat konnten bereits Fragen<br />
von den Usern formuliert und bewertet werden. Hier kommt eine der<br />
beliebtesten:</p>
<p><b>Würgermonster:</b> Guten Tag: Wieso wurden die<br />
ostdeutschen. Unis bei der Mittelvergabe so eklatant benachteiligt?<br />
Befürchten Sie nicht, dass in Deutschland nun eine Art Hochschulprekariat<br />
derart entsteht, dass manche Universitäten nicht mal ein gewisses<br />
Mindestniveau an Forschung und Lehre gewährleisten können?<br />
Wieso wurde das viele Geld nicht gerecht in der Breite an alle Unis<br />
verteilt, sodass das Niveau in Deutschland insgesamt und nicht bloß<br />
an zehn West-Unis steigt, wenn auch langsam, aber dafür stetig<br />
und nachhaltig?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Für eine „gerechte“<br />
und breite Verteilung der Mittel aus der Exzellenzinitiative hätte<br />
es eben diese Exzellenzinitiative nicht gebraucht, sondern nur einen<br />
guten Statistiker. Es ging bei der Exzellenzinitiative um einen<br />
Wettbewerb, der allein aufgrund von herausragenden wissenschaftlichen<br />
Leistungen entschieden wurde. Dazu sind 320 Gutachterinnen und Gutachter<br />
zur Beurteilung eingesetzt worden, von denen kamen etwa 80 Prozent<br />
aus dem Ausland. Daher haben sie nicht darauf geschaut, ob ein Antrag<br />
aus den neuen Bundesländern oder aus den alten kam, sondern<br />
allein auf die Qualität. Auch bei den abgelehnten Anträgen,<br />
von denen es auch zahlreiche aus den neuen Bundesländern gab,<br />
gibt es vielfach sehr gute Qualität, insbesondere bei den Vollanträgen<br />
der Endrunde. Im Übrigen sind die Neuen Bundesländer ebenfalls<br />
mit erfolgreichen Universitäten vertreten, zum Beispiel einer<br />
hervorragende Graduiertenschule in Leipzig. Oder eben so eine in<br />
Jena. Ich bin ziemlich sicher, dass in einer weiteren Runde der<br />
Exzellenzinitiative wesentlich mehr Universitäten aus den neuen<br />
Bundesländern Erfolg haben werden.</p>
<p><b>chriskraft:</b> Als Eliteuniversitäten wurden<br />
solche Hochschulen ausgewählt, die aufgrund einer hervorragenden<br />
finanziellen Situation aussichtsreiche Projekte und eine vielversprechende<br />
Forschung präsentieren konnten. Ist es nicht unsozial, nun<br />
gerade solche Universitäten noch weiter zu fördern?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Zunächst: Ich spreche nicht<br />
so gerne von Eliteuniversitäten, weil wir mit den neuen Zukunftskonzepten<br />
diesen Universitäten einen Impuls gegeben haben, sich zu internationalen<br />
Spitzenuniversitäten im Laufe der nächsten zehn bis fünfzehn<br />
Jahre zu entwickeln. Ob sie in diesem engeren Wettbewerb dann erfolgreich<br />
sein werden, muss sich ja noch beweisen. Zum anderen schauten die<br />
Gutachter und Mitglieder des Bewilligungsausschusses oder der wissenschaftlichen<br />
Kommission auf das, was bereits geleistet worden ist, aber auch<br />
auf die Konzepte, wie man in die Zukunft gehen will &#8211; sowohl bei<br />
den einzelnen Projekten, Schulen als auch bei den Zukunftskonzepten<br />
für die ganze Universität. Es wurde nicht so sehr darauf<br />
geachtet, ob eine Universität nun besonders reich ist oder<br />
eine Hochglanzpräsentation machen konnte. Es ging allein um<br />
die wissenschaftliche Qualität.</p>
<p><b>Alonso1981: </b>Die Exzellenzinitiative ist sehr intransparent,<br />
beispielsweise finden die Sitzungen aller Kommissionen unter Ausschluss<br />
der Öffentlichkeit statt. Selbst abstrakte Regelungen wie die<br />
Befangenheitsregelungen für die Gutachter werden nicht herausgegeben,<br />
obwohl bei der Exzellenzinitiative öffentliche Gelder verteilt<br />
werden. Was sind die Gründe für dieses intransparente<br />
Verfahren? </p>
<p><b>Matthias Kleiner:</b> Da möchte ich energisch<br />
widersprechen. Die Entscheidungsverfahren sind aus meiner Sicht<br />
sehr transparent und nachvollziehbar. Allerdings brauchen die intensiven<br />
Diskussionen über die einzelnen Anträge den Schutz der<br />
Vertraulichkeit, damit man sich dort offen über die Qualität<br />
und auch die Mängel der Anträge auseinandersetzen kann.<br />
Die Befangenheitsregeln sind außerdem vollkommen klar: Dort<br />
wo es den Anschein der Befangenheit gibt, zum Beispiel dadurch,<br />
dass ein Gutachter oder eine Gutachterin oder ein Kommissionsmitglied<br />
aus dem Standort der Antragsteller kommt, muss er für die Beratung<br />
oder Entscheidung über den Antrag den Raum verlassen.</p>
<p><b>Alonso1981: </b>Spiegel online hat berichtet, dass<br />
der Antrag der Uni Göttingen in der 3. Förderlinie (Elite-Uni)<br />
von der gemeinsamen Kommission, die ausschließlich aus Wissenschaftlern<br />
besteht, negativ bewertet wurde. Trotzdem wurde Göttingen am<br />
Ende Elite-Uni. Was sind die Gründe dafür? Sollte der<br />
föderale Proporz gewahrt bleiben oder haben die Wissenschaftler<br />
ihre Ansicht geändert?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Das Entscheidungsverfahren ist<br />
wie alle Entscheidungsverfahren der DFG ein mehrstufiges und es<br />
gibt am Ende ein Gremium, das über die Förderung am Ende<br />
letztlich bestimmt. Das war in diesem Fall der Bewilligungsausschuss<br />
der Exzellenzinitiative, der sich alle Anträge in der dritten<br />
Förderlinie hat vortragen lassen und nach gemeinsamer und offener<br />
Diskussion ebenso entschieden hat. Diese Entscheidung war aus meiner<br />
Sicht der Sitzung rein wissenschaftsgeleitet, was auch dadurch gesichert<br />
wird, dass auch im Bewilligungsausschuss die Wissenschaft die Mehrheit<br />
hat.</p>
<p><b>clara:</b> In den USA und in Großbritannien sind<br />
Eliteunis über Jahrzehnte gewachsen und verfügen über<br />
eine lange Tradition. Wie realistisch ist es, in Deutschland durch<br />
staatliche Förderung Eliteunis zu schaffen?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Man darf aus meiner Sicht nicht<br />
alleine auf den finanziellen Aspekt schauen. Da sind die 1,9 Milliarden<br />
Euro, die es in der Exzellenzinitiative auf fünf Jahre verteilt<br />
gibt, wirklich grade einmal der Jahresetat einer Spitzenuniversität<br />
wie zum Beispiel Harvard. Dennoch denke ich, dass für deutsche<br />
Verhältnisse und wohl auch für europäische die Fördersummen<br />
schon erheblich sind. Darüber hinaus darf man den eher ideellen<br />
Wert der Exzellenzinitiative auf keinen Fall unterschätzen.<br />
Die Exzellenzinitiative hat im deutschen Wissenschaftssystem vor<br />
allem durch ihren Wettbewerbscharakter eine ungeheure positive Dynamik<br />
bewirkt, die sich auch fortsetzt. Und noch einmal: Es geht um Impulse,<br />
sowohl für die Universitäten in der ersten und zweiten<br />
Förderlinie, also die etwa 30 bis 35, die mit ihren Spitzenbereichen<br />
sich in ihre eigene Zukunft aufmachen, <br />
wie für die neuen Universitäten in der dritten Förderlinie,<br />
die sich aufmachen in zehn bis fünfzehn Jahren international<br />
sichtbare Spitzenuniversitäten zu werden.
</p>
<p>
<b>chriskraft:</b> 1,9 Milliarden Euro klingt nach viel.<br />
In fünf Jahren bleiben pro „Eliteuni“ nur etwa<br />
40 Millionen pro Jahr. (Zum Vergleich: Das Jahresbudget von Harvard<br />
beträgt etwa drei Milliarden Dollar). Ist die Eliteförderung<br />
nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?</p>
<p><b>Matthias Kleiner: </b>Mit dem Jahresetat von Harvard<br />
verglichen, ist sie eher bescheiden. Für die deutschen Universitäten<br />
sind zehn, zwanzig, fünfzig Millionen Euro jährlich frei<br />
für Forschung verfügbares Geld schon ein sehr erheblicher<br />
Betrag. Und es geht nicht nur um Geld, sondern es geht um Ideen,<br />
um den Aufbruch, um den Mut Neues zu wagen.
</p>
<p>
<b>Frisbee:</b> Würde eine Privatisierung der Universitäten<br />
nicht automatisch ein Konkurrenzdenken und eine Spezialisierung<br />
der Unis auslösen und eine staatliche Eliteförderung überflüssig<br />
werden lassen?<br />
Matthias Kleiner: Eine Privatisierung der deutschen Universitäten<br />
in einer großen Breite würde zum Beispiel eine Erhebung<br />
von Studiengebühren in einer großen Breite nach sich<br />
ziehen. Und zwar Studiengebühren in weit größerer<br />
Höhe als die, über die wir jetzt diskutieren oder die<br />
es jetzt schon gibt. Ob das ein Vorteil wäre?</p>
<p><b>listenin:</b> Die Gleichung Elite = Qualität ist<br />
ja bekanntlich umstritten. Meine Erfahrung mit Eliteuniversitäten<br />
im Ausland zeigt, dass sie sich vor allem durch ihre Auswahl an<br />
hervorragenden (und leistungswilligen) Studenten und insbesondere<br />
eine exzellente Marketingabteilung auszeichnen. Die Qualität<br />
der Lehre, der Infrastruktur et cetera ist oft nicht so viel anders<br />
wie an einer guten deutschen Uni. Wie stellt die Exzellenzinitiative<br />
sicher, dass in Zukunft zum Beispiel ein hervorragender kasachischer<br />
Bachelor-Absolvent seinen Master in Deutschland macht und nicht<br />
in London?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Kommilitonen aus dem Ausland<br />
müssen ja zunächst einmal auf deutsche Universitäten<br />
aufmerksam werden. Und das schafft man nur, wenn sie international<br />
renommiert, das heißt sichtbar, sind. Wenn ich Kollegen/innen<br />
aus Zürich, aus Boston oder aus Palo Alto (Stanford) frage,<br />
wie viel Vorlesungsstunden sie pro Woche machen, dann sagen die<br />
mir: zwei Stunden, drei Stunden, zwei Stunden &#8211; und nehmen sich<br />
dann für diese zwei oder drei Stunden zwölf bis fünfzehn<br />
Stunden pro Woche Vorbereitungszeit. Dadurch entsteht exzellente<br />
Lehre, die man dann Kleingruppen von Studierenden mit Betreuungsrelationen<br />
von 1:10 oder 1:20 zuteil werden lässt. Ich selbst hatte als<br />
Professor bis zum Dezember letzten Jahres im Schnitt neun Semesterwochenstunden<br />
Lehrdeputat, die man nicht mit jeweils sechs bis acht Stunden Vorbereitungszeit<br />
pro Stunde abdecken kann. Und die Betreuungsrelation in Deutschland<br />
beträgt im Schnitt 1:70. Die Universitäten brauchen in<br />
ihrer grundlegenden Ausstattung mehr Geld, um ihre Lehre verbessern<br />
zu können. Und trotzdem: Ich freue mich, in einigen Jahren<br />
wieder in meine Forschung und Lehre zurückkehren zu können.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Zwei Fragen zur Bezahlung der wissenschaftlichen<br />
Mitarbeiter:</p>
<p><b>peterrosenberger:</b> Ein zentrales Problem bei der<br />
Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auch an den so<br />
genannten Elite-Universitäten ist die adäquate Vergütung<br />
des wissenschaftlichen Nachwuchses und dessen Förderung, da<br />
oft junge Wissenschaftler zunächst mehrere Jahre in den USA<br />
verbringen, bevor sie überhaupt von der DFG gefördert<br />
werden. Bringt diese Initiative wirklich eine Förderung des<br />
Nachwuchses mit sich, und zwar auf der Ebene der wissenschaftlichen<br />
Förderung als auch einer adäquaten persönlichen Vergütung,<br />
oder wird das Geld eh schon bei den Etablierten landen, und wie<br />
wollen Sie dies bitte kontrollieren&#8230;.?
</p>
<p>
<b>Steffen:</b> Ich erhalte als von der DFG geförderter<br />
Doktorand an der Uni Heidelberg, verheiratet, zwei Kinder, circa<br />
300 Euro pro Monat weniger, als der Hartz-IV-Satz mir zugesteht.<br />
Dieser ist laut Studien nicht ausreichend, um zum Beispiel seine<br />
Kinder gesund zu ernähren. Wird sich an dieser Situation an<br />
den geförderten &#8211; oder besser &#8211; insgesamt etwas ändern?<br />
Werden Doktoranden und Postdocs besser bezahlt werden?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Die Exzellenzinitiative schafft<br />
etwa vier- bis fünftausend Stellen für Doktoranden und<br />
wissenschaftliche Mitarbeiter sowie einige hundert Juniorprofessuren<br />
und Professuren. Zusätzlich werden, wie ich schätze, drei-<br />
bis fünftausend Stellen für studentische Mitarbeiter entstehen.<br />
Insofern schafft die Exzellenzinitiative viele Karrierechancen für<br />
junge Leute und bezieht auch Studentinnen und Studenten mit ein.<br />
Eine große Sorge von mir ist allerdings, dass wir tatsächlich<br />
in Deutschland Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wegen der<br />
bestehenden Tarifverträge im öffentlichen Dienst nicht<br />
international wettbewerbsfähig bezahlen können. Hier verlangt<br />
die DFG und die deutsche Wissenschaft insgesamt seit Jahren einen<br />
angemessenen eigenen Wissenschaftstarifvertrag, um hier Abhilfe<br />
zu schaffen. An diesem dicken Brett bohren wir allerdings noch.<br />
Zu dem Einzelfall: Es hört sich hier nach Forschungsstipendium<br />
an, das tatsächlich für die wirtschaftliche Absicherung<br />
einer Familie sehr eng bemessen ist. Die DFG wird schon in Kürze<br />
neue Möglichkeiten bieten, in Forschungsprojekten die so genannte<br />
„Eigene Stelle“ mit einer ganz normalen tariflichen<br />
Vergütung beantragen zu können. Damit werden wir die Forschungsstipendien<br />
im Inland überwiegend abbauen können.</p>
<p><b>Moderatorin: </b>Auch die Studierenden haben Geldsorgen&#8230;</p>
<p><b>abcd:</b> wie kann ihrer Meinung nach sichergestellt<br />
werden, dass die Einnahmen aus den Studiengebühren ausschließlich<br />
zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Diese Frage beantworte ich gerne,<br />
obwohl sie mit der Exzellenzinitiative ja zunächst nichts zu<br />
tun hat und auch die DFG nicht im engeren Sinne betrifft. Aus meiner<br />
Erfahrung an meiner Universität, an der Technischen Universität<br />
Dortmund, weiß ich, dass in den Hochschulen sehr großer<br />
Wert darauf gelegt wird, dass zum einen mit den Einnahmen aus Studiengebühren<br />
nur Dinge zur Verbesserung der Lehre finanziert werden und dass<br />
in die Entscheidungsprozesse in erheblichem Maße Studierende<br />
eingebunden sind.
</p>
<p>
<b>chriskraft: </b>Stagnierende BAföG-Sätze<br />
bei zwei Prozent Inflation, zinsbelastete Studienkredite, Studiengebühren<br />
und hohe Lebenshaltungskosten an den Standorten der neuen Elite:<br />
Ist es richtig, einen Weg zu gehen, der das Studium mit dem Anhäufen<br />
eines Schuldenberges verbindet?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Was ist die Alternative? Dass<br />
die Handwerksmeisterin oder der Handwerksmeister, der seinen Meisterkurs<br />
vollständig selbst bezahlen musste, über seine Steuern<br />
das Studium der Akademiker mitfinanziert, die später eine große<br />
materielle und soziale Sicherheit haben? Die Beträge, um die<br />
es tatsächlich geht, sind doch in den ersten Jahren einer Berufstätigkeit<br />
nach dem Studium nur dann zurückzuzahlen, wenn ein ausreichend<br />
hohes Einkommen verfügbar ist und die Rückzahlung nicht<br />
einen ausreichenden Lebensstandard gefährdet. Ich selbst habe<br />
mein Studium nur zum Teil mit BAföG finanzieren können,<br />
sondern überwiegend dafür arbeiten müssen und würde<br />
es im Nachhinein eher als hilfreich empfunden haben, dafür<br />
ein Darlehen aufnehmen zu können, was ich in den ersten zehn<br />
Jahren meiner Berufstätigkeit nach dem Studium zurückgezahlt<br />
hätte. Ich glaube, wir diskutieren auf einem relativ hohen<br />
Niveau, wenn man mal an andere soziale Brennpunkte unserer Gesellschaft<br />
denkt.</p>
<p><b>austrian student:</b> Heute hat der Europäische<br />
Gerichtshof geurteilt, dass deutschen Studenten BAföG zusteht,<br />
wenn sie &#8211; wie ich an der Medizinischen Uni Innsbruck &#8211; ein Vollstudium<br />
im Ausland aufnehmen. Hat dieses Urteil für Sie eine Bedeutung?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Da dieses Urteil die Mobilität<br />
von Studierenden erhöhen kann, finde ich auf den ersten Blick<br />
diese Entscheidung recht positiv.</p>
<p><b>Moderatorin: </b>Während des Chats haben wir unsere<br />
User gefragt, ob sie glauben, dass die Exzellenzinitiative die deutsche<br />
Hochschullandschaft insgesamt verbessert. Das Ergebnis: 29 Prozent<br />
sagen JA, 70 Prozent sagen NEIN. Herr Kleiner, wie bewerten Sie<br />
das Umfrage-Ergebnis?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Ich hoffe, dass wenn mehr über<br />
die Exzellenzinitiative bekannt ist und man vor allem merkt, was<br />
sie bewirken wird, dass sich das Ergebnis genau umdreht. Denn ich<br />
bin auch aus meinen Erfahrungen als Hochschullehrer sicher, dass<br />
die Exzellenzinitiative nicht nur einigen wenigen Forschern sondern<br />
in ganzer Breite auch den Studierenden zu Gute kommt. Schon allein,<br />
dass sie frühzeitig in Forschung einbezogen werden und sie<br />
mitbekommen, welch großes Abenteuer Wissenschaft darstellt.<br />
Auch die materiellen Bedingungen in den Universitäten werden<br />
sich verbessern. Und wenn man das Ergebnis beider Runden der Exzellenzinitiativen<br />
ansieht, betrifft dies alle Disziplinen, von den Geisteswissenschaften<br />
bis hin zu den Ingenieurswissenschaften. Allein die Tatsache, dass<br />
erstmalig mit einer Forschungsförderung so genannte Programmpauschalen<br />
bezahlt werden, wird dies bewirken. Auf alle Bewilligungssummen<br />
kommen 20 Prozent „freies Geld“ mit dem die Universitäten<br />
vieles &#8211; vor allem hoffentlich innovatives &#8211; bewirken können.<br />
Ich glaube auch, wenn wir es schaffen, viel mehr Details über<br />
die Exzellenzinitiative und die geförderten Projekte zu kommunizieren,<br />
wird sich ein solches Abstimmungsergebnis vollständig ändern.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Zweifel bleiben:</p>
<p><b>terrainc: </b>Aber gerade kleinere Fächer werden<br />
an „Elite“-Unis ins Abseits gedrängt.</p>
<p><b>Lemim:</b> Ich studiere in Oldenburg Musik. Da bei<br />
uns in Musik wenig geforscht wird, sondern mehr in die Lehre investiert<br />
wird, gibt es weniger Gelder. Wieso wird der Schwerpunkt immer mehr<br />
auf die Forschung und immer weniger auf die Lehre gelegt?</p>
<p><b>Matthias Kleiner:</b> Die Exzellenzinitiative ist ausdrücklich<br />
ein Instrument zur Verbesserung der universitären Forschung,<br />
vor allem in der Spitze. Ich bin auch der Meinung, dass die Lehr-<br />
und Studierbedingungen an den Universitäten erheblich verbessert<br />
werden müssen, vor allem durch eine bessere finanzielle Ausstattung.<br />
20 Prozent bis 30 Prozent mehr Grundausstattung für die Universitäten<br />
wären aus meiner Sicht hier das richtige Mittel. Ich finde,<br />
an Universitäten, an denen es ja ausdrücklich um Wissenschaft<br />
geht, dürfen Forschung und Lehre nicht gegeneinander ausgespielt<br />
werden, sondern gehören eng zusammen. Daher muss man ausreichend<br />
forschen, um Forschung in Lehre integrieren zu können. Wenn<br />
ich den Titel mancher Graduiertenschule oder manches Exzellenzclusters<br />
lese, dann habe ich gar nicht den Eindruck, dass die so genannten<br />
„kleinen Fächer“ zu kurz kommen. Ein Kurztitel<br />
ist zum Beispiel „TOPOI“. Hier wird man sich mit Raum<br />
und Wissen in alten Zivilisationen beschäftigen. Sicherlich<br />
kein Thema des wissenschaftlichen Mainstreams und trotzdem ganz<br />
fantastisch! Wenn ich diese ganzen Titel lese (schauen sie im Einzelnen<br />
bei uns auf der Homepage, <a href="http://www.dfg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.dfg.de</a>),<br />
werde ich richtig neidisch, dass ich dort nicht mitmachen kann.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Eine Stunde Chat neigt sich dem Ende<br />
zu. Herr Kleiner, möchten Sie noch eine Schlussbemerkung an<br />
die User richten?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Ja, sehr gerne. Ich bin sehr<br />
gespannt darauf, was im Detail an den Universitäten und Institutionen,<br />
die in der Exzellenzinitiative erfolgreich waren, passieren wird.<br />
Und ich hoffe sehr, dass sich das entwickeln wird, was sich mir<br />
als zukünftige Wissenschaftslandschaft in Deutschland darstellt:<br />
Nicht etwa eine Wüste mit einigen Leuchttürmen, sondern<br />
eine vielfältige bergige Landschaft, die der Unterschiedlichkeit<br />
unserer Wissenschaften entspricht.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Dankeschön an unsere User für<br />
die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen konnten. Dankeschön<br />
an unseren Gast, Professor Kleiner.</p>
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