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	<title>Subventionsabbau &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Subventionsabbau &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Es muss eine Kultur der Altersarbeit entstehen.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[kreinhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
		<category><![CDATA[Renteneintrittsalter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <span style="color: #000000"><b><b>Anna Lührmann (Grüne), jüngstes Mitglied des Bundestags, am 30. September 2003 </b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <span style="color: #000000"><b><b>Anna Lührmann (Grüne), jüngstes Mitglied des Bundestags, am 30. September 2003 </b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von süddeutsche.de. Heute begrüßen wir im ARD-Hauptstadtstudio die jüngste Bundestagsabgeordnete aller Zeiten, Anna Lührmann sitzt für die Grünen-Fraktion im Bundestag und ist im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union. Sie wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten. Frau Lührmann, sind Sie bereit?<b> </b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ja. Immer.</span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="/salon/photos/aluehrmann.jpg" alt="Anna Lührmann" align="left" border="0" height="104" width="83" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Steigen wir gleich in die aktuelle Politik ein. Die Herzog-Kommission hat vorgeschlagen, eine abschlagsfreie Rente nur dann zu zahlen, wenn Arbeitnehmer erst mit 67 Jahren in Rente gehen oder mindestens 45 Jahre lang Beiträge eingezahlt haben? Das geht doch auch in ihre Richtung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ja, also der erste Vorschlag, dass Arbeitnehmer erst mit 67 Jahren in die Rente gehen geht in meine Richtung. Allerdings nur wenn es einen langen Übergangszeitraum gibt, so wie Rürup das vorgeschlagen hat. Ich halte allerdings nichts davon, dass man mindestens 45 Jahre lang Beiträge eingezahlt haben muss, weil das vor allem Frauen diskriminieren würde, die Pausen zur Kindererziehung genommen haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna 2</b>: Bei der Herzog-Kommission wird von &quot;mehr Spielraum für Eigenverantwortung&quot; geredet. Diese nette Formulierung bedeutet doch im Klartext nur, dass der Bürger mehr selbst finanzieren muss, oder?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ja, aber dazu gibt es keine Alternative. Denn wenn weniger Arbeitnehmer für mehr Rentner aufkommen müssen, dann muss der Einzelne mehr Spielraum haben, um selber vorzusorgen. Dadurch wird das Risiko gestreut.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fguzqgfuwe</b>: Aber wollen Sie bis 67 arbeiten und in ein Rentensystem einzahlen, das ihren Lebensstandard trotzdem nicht sichern wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Wenn wir immer kürzer arbeiten und immer länger leben, so wie es bisher der Fall ist, dann ist es doch klar, dass das Rentensystem nicht funktionieren kann. Wenn wir länger arbeiten und privat vorsorgen, dann kann es gelingen, auch im Alter noch ausreichend Geld zur Verfügung zu haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>KleinerStier</b>: Wird durch das steigende Rentenalter nicht das Problem der Arbeitslosigkeit verschärft?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Das ist leider oft so in der Politik, dass man, wenn man ein Problem löst, dadurch andere eher verschärft. Deshalb müssen wir einen Mittelweg finden und ich glaube, dass die Erhöhung der Lebensarbeitszeit ein solcher ist. Denn wenn die Leute länger einzahlen können, Lohnnebenkosten gesenkt oder stabil gehalten werden und wird somit die Schaffung von Arbeitsplätzen billiger.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mmmmh?</b>: Wie könnte denn ein Mittelweg Ihrer Meinung aussehen? Mir ist das nicht so klar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Das habe ich eben beschrieben. Gleichzeitig müssen Anreize zur Früh-Verrentung abgeschafft werden und es muss eine Kultur der Altersarbeit entstehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ReneW</b>: Kann man nicht nur dann selbst vorsorgen oder selbst finanzieren, wenn man genügend Geld zum Vorsorgen hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Das Konzept soll so aussehen: Der Staat garantiert eine Grundrente, die zum Leben reicht. Und jeder, der einen höheren Lebensstandard haben will, muss privat vorsorgen. Die private Vorsorge soll durch unbürokratische Altersvorsorge-Konten erleichtert werden, auf denen steuerfrei fürs Alter angespart werden kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chris-USA</b>: Anna, was sagst du denn dazu, dass in den USA (dort bin ich im Moment) alte Menschen aufgrund einer unzureichenden Rente zum Beispiel bei Walmart arbeiten &quot;müssen&quot;? Also ich hab das jetzt mal live miterlebt und finde es erschreckend von Menschen im hohen Alter bedient zu werden? Also, so stelle ich mir meine Zukunft nicht vor!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="/salon/photos/lauehrmann2.jpg" alt="Anna Lührmann, Grünen-Abgeordnete" align="left" height="150" width="200" />Anna Lührmann</b>: So stelle ich mir meine Zukunft auch nicht vor. Ich habe auch mal ein Jahr in den USA bei Gasteltern im Rentenalter gelebt, die enorme Schwierigkeiten hatten, am Monatsende noch für Nahrungsmittel zu sorgen. Das soll in Deutschland nicht passieren. Deswegen müssen wir unsere sozialen Sicherungssysteme jetzt reformieren. So können wir auch in Zukunft noch ein Leben über der Armutsgrenze für alle ermöglichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Kommen wir nun zum Schlagwort Bürgerversicherung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>RuckdurchD</b>: Wo liegen ihrer Meinung nach die Vorteile der Bürgerversicherung? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Anna Lührmann: Die Vorteile der Bürgerversicherung liegen darin, dass alle einbezogen werden &#8211; also auch Beamte, Selbständige und Politiker. So werden die Lasten gerechter verteilt und der Faktor Arbeit entlastet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Noch ein aktuelles Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bundestag</b>: Anna, wie stehst Du zu Kochs und Steinbrücks Rasenmäher-Methode?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ich halte es für sinnvoll, Subventionen drastisch abzubauen. Da würde ich mir am liebsten natürlich nur bestimmte Subventionen vornehmen wie etwa die Eigenheimzulage oder die Steinkohlesubvention. Aber wenn Subventionsabbau nur nach der Rasenmäher-Methode eine Mehrheit im Bundestag und Bundesrat findet, dann ist das besser als nichts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Vielzujung</b>: Zum Subventionsabbau: Auch das steuerfreie Jobticket steht zur Disposition. Ist das nicht unglaublich und ökologisch dumm?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ja, aber dazu gilt das gleiche was ich oben gesagt habe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>His</b>: Zum Subventionsabbau: Warum nicht endlich die EU-Agrarsubventionen abbauen? Die sind gegenüber nicht EU-Ländern sehr ungerecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ja, da haben sie vollkommen recht. Es ist auch Politik der Bundesregierung, die EU-Agrarsubventionen stärker abzubauen. Aber andere Länder wie z.B. Frankreich haben da ganz andere Interessen. Deshalb ist es Renate Künast zumindest gelungen, die Zahlung der Subventionen von der Produktion zu entkoppeln, so dass die Bauern nicht mehr unnötig viel produzieren und so die Weltmarktpreise in den Keller drücken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ReneW:</b> Warum gerade die Eigenheimzulage?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Die Eigenheimzulage ist die größte Subventionszahlung im Bundeshaushalt und ich sehe nicht ein, warum wir angesichts stagnierenden Bevölkerungszahlen weiterhin den Bau von neuem Wohnraum subventionieren. Sinnvollere Programme sind da z.B. das Altbausanierungsprogramm, mit dem Häuser besser isoliert werden, so dass weniger CO2 verbraucht wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Gehen wir nun nach Europa:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jetzt aber</b>: Wie wollen Sie das Interesse der Deutschen an der Europa-Politik wecken, wo doch alle mit innerdeutschen Problemen beschäftigt sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Das Interesse an der Europa-Politik will ich dadurch wecken, dass ich den Leuten deutlich mache, dass Europa auch ganz konkret mit ihrem Leben zu tun hat. Drei Beispiele: Die europäische Einigung garantiert ein stabiles und friedliches regionales Umfeld für Deutschland. Vom europäischen Binnenmarkt und dem Euro profitieren deutsche Unternehmen und somit deutsche Arbeitnehmer in starkem Umfang. Und drittens, für junge Menschen eröffnen sich durch die Schaffung eines europäischen Hochschulraumes ganz neue Zukunftschancen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mmmmh?</b>: Wer wird bei der EU-Debatte um die Software-Patente geschädigt? Und wer profitiert von diesen neuen Regelungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Die neue Rahmenrichtlinie zu Softwarepatenten ist zum Glück noch nicht beschlossen. Wir Grüne setzen uns stark dafür ein, dass die Methode &quot;Open Source&quot; zu den Gewinnern der Debatte gehört.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chris-USA</b>: Anna, was hältst du vom Subsidiaritätsprinzip (Volksabstimmung) in Bezug auf die Europa-Wahlen? Die CDU hat nun gemeinsam dagegen gestimmt, aber in vielen anderen Ländern ist das Alltag. Wie sieht deine Meinung dazu aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Das Subsidiaritätsprinzip besagt, dass politische Entscheidungen am besten auf der niedrigst möglichen Ebene getroffen werden. Das Prinzip finde ich gut, es hat jedoch mit Volksabstimmung erst mal nichts zu tun, die ich auch gut finde. Die CDU finde ich jedoch nicht gut, weil die meine Forderung nach einem Referendum über die europäische Verfassung blockiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DaRkZeAlOt</b>: Finden Sie, dass das Europaparlament (das bisher doch recht wenig zu sagen hat) mehr Einflussmöglichkeiten bekommen sollte</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ja, und zum Glück bekommt es in der neuen europäischen Verfassung wesentlich mehr Mitspracherechte. So soll es z.B. in Zukunft den Kommissionspräsidenten wählen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mohammed</b>: Sollte Ihrer Meinung nach die Türkei der EU beitreten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Wenn die Türkei die Kopenhagener Kriterien (Einhaltung der Menschenrechte, Demokratie und funktionierende Marktwirtschaft) erfüllt, dann sollten meiner Meinung nach Beitrittsverhandlungen beginnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>giorgos stamtsis</b>: Anna, welche ist die Meinung von jungen Grünen zum europäischen Grundgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Damit meinst Du wahrscheinlich die europäische Verfassung, die wir gut finden. Denn in der Verfassung ist die Charta der Menschenrechte verbindlich fest geschrieben. Die Europäerinnen und Europäer bekommen mehr Einfluss, weil das Europäische Parlament gestärkt wird und die EU wird handlungsfähiger nach außen, weil sie einen Außenminister bekommt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Hätten Sie Herrn Fischer gerne auf diesem Posten gesehen, oder gefällt er Ihnen besser bei Ihrer Partei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ich glaube schon, wie viele andere, dass Joschka Fischer auch ein guter Europäischer Außenminister wäre. Doch was nicht ist, kann ja noch werden, denn er ist ja noch vergleichsweise jung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hamburger</b>: Anna, wie stehst du zu den &quot;Vereinigten Staaten von Europa&quot;, also einem europäischen Staatenverbund?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: So eng wie die Vereinigten Staaten von Amerika sollte die EU nicht zusammen wachsen. Ich stelle mir eher ein föderales Modell irgendwo zwischen dem Status Quo und den USA vor. Das heißt z.B., dass die europäische Außenpolitik nun nur noch von der EU gemacht werden sollte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Und würden Sie eine europäische Verteidigungsarmee befürworten, die sich gegen die Vereinigten Staaten behaupten kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ich halte nichts davon, dass die EU sich als Gegengewicht zu den USA aufbaut. Denn schließlich haben wir viel mehr Gemeinsamkeiten mit den USA als mit anderen Staaten auf der Welt. Ich stelle mir die transatlantische Beziehung eher als selbstbewusste Partnerschaft vor. Dazu gehört dann auch, dass die EU in der Außenpolitik mit einer Stimme spricht und dass die nationalen Armeen in eine europäische Armee überführt werden. Das kann auch durch Effizienz-Steigerungen zu einer Reduktion der Rüstungsausgaben führen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Sind die Europäer dann aber für Amerika ein ernst zunehmender Partner, wenn sie die Rüstungsausgaben kürzen und beispielsweise im Anti-Terror-Kampf nicht viel beisteuern können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Die Europäer tragen gerade viele Lasten im Anti-Terror-Kampf wie z.B. in Afghanistan. Außerdem hat gerade der Irak-Krieg gezeigt, dass man um Frieden auf der Welt zu schaffen, gerade auch über Kompetenzen in der zivilen Konfliktprävention und im zivilen Nation-Building verfügen muss. Hier hat Europa seine Stärke.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gruen</b>: Wie lange wird das wohl noch dauern? Der Irak Krieg hat ja gezeigt wie wenig Europa mit einer Stimme spricht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Das stimmt, der Irakkrieg war ein schlechtes Beispiel. Fast zeitgleich konnten die Europäer jedoch große Schritte auf dem Weg zu einer wirklichen gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik gehen, z.B. der gemeinsame Militäreinsatz in Mazedonien, das gemeinsame Engagement für das Kyoto-Protokoll und eben auch der europäische Außenminister. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft auch den letzten Schritt zum Ziel einer gemeinsamen Außenpolitik gehen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Brutha</b>: Wurden die Beziehungen zu den USA deiner Meinung nach dauerhaft durch den Irak-Krieg geschädigt? Oder ist das in einem Jahr vergessen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ich glaube nicht, dass die Beziehungen zu den USA dauerhaft geschädigt sind. Ich war selber ihn Washington im Mai mit unserer Fraktionsvorsitzenden. Wir sind dort sehr freundlich empfangen worden und haben ein gutes und konstruktives Gesprächsklima erlebt, auch bei Regierungsinstitutionen. Deswegen bin ich auch hier optimistisch, dass das auch in den USA akzeptiert wird, dass Partner eben auch manchmal Meinungsverschiedenheiten haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Zurück nach Deutschland und seinen politischen Debatten!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moser</b>: Welche Meinung haben Sie zum Kopftuchverbot?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Meiner Meinung nach sollen Frauen selber entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht. Und das sollte ihnen auch in Schulen nicht verboten werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Greenpower</b>: Frau Lührmann, wo sehen Sie sich bei Ihrem rasanten Lebenswandel in 10 Jahren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Keine Ahnung, weil mein Lebenswandel eben etwas rasant ist, kann ich das auch nicht voraussehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Kein Streben nach dem Fraktionsvorsitz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ich will auf jeden Fall, bevor ich 30 bin, noch einen Studienabschluss machen. Das beißt sich, glaube ich, etwas mit höheren Ämtern 🙂</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Wir werden das beobachten 🙂</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gewinnertyp</b>: Du hast doch vermutlich mehr Interesse an der politischen Förderung junger Menschen als die &quot;älteren&quot; Politiker? Wie, meinst Du, kann man Jugendliche für Politik begeistern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Indem man ihnen zeigt, dass es etwas bringt, sich zu engagieren und das dass auch noch Spaß macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Puschi</b>: Hallo Anna, ich als Studi habe schon wenig Freizeit, aber wie bekommst Du die Doppelbelastung mit Studium und Job eigentlich hin, bzw. hast Du überhaupt noch Zeit, mit Freunden abends ein Bier (oder einen Apfelwein) trinken zu gehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Apfelwein mag ich nicht, aber für ein Bier mit Freunden muss immer wieder Zeit bleiben. Sonst würde ich ja auch die Bodenhaftung verlieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>: Liebe Gäste, die Stunde ist vorbei, herzlichen Dank für Ihr Interesse und die vielen Fragen. Vielen Dank, Frau Lührmann, dass Sie unseren Usern zur Verfügung standen. Das tacheles.02-Team wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Abend! Am kommenden Donnerstag ist die Vorstandsvorsitzende der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Dr. Edda Müller, von 14.00 bis 15.00 Uhr im tacheles.02-Chat und wird Licht in das Dunkel des Dosenpfand bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna Lührmann</b>: Ja, vielen Dank, es war nett hier!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Eine Steuerreform auf Pump lehne ich ab.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine-steuerreform-auf-pump-lehne-ich-ab-281/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
		<category><![CDATA[Dagmar Wöhrl]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dwoehrl.jpg" alt="Dagmar Wöhrl" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b>Dagmar Wöhrl, wirtschaftspolitische 
Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 24. September 2003 zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dwoehrl.jpg" alt="Dagmar Wöhrl" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b>Dagmar Wöhrl, wirtschaftspolitische<br />
Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 24. September 2003 zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Heute ist die wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag,<br />
Dagmar Wöhrl (CSU), zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Kann<br />
es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der Fraktionsvize Friedrich Merz hat mit seinem Rückzug vom Rückzug<br />
für viel Aufregung in der Unionsfraktion gesorgt. Nun streiten sich<br />
die Geister. Hat er damit Angela Merkels Position gestärkt oder geschwächt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also, Angela Merkel hat gestern ein sehr gutes Ergebnis bekommen bei ihrer<br />
Wahl zur Fraktionsvorsitzenden der Union, so dass es keinesfalls zu einer<br />
Schwächung gekommen ist. Wir sind froh, dass sich Herr Merz gestern<br />
wieder zur Wahl als Fraktions-Vize gestellt hat, denn er ist einer der<br />
fähigsten Wirtschafts- und Finanzpolitiker der Union.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ehrich</b>:<br />
Was waren die Motive des Zickzack-Kurses von Friedrich Merz vor der Wahl<br />
zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Er hat seine Kritik an der Gesundheitsreform zum Ausdruck gebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lassie</b>:<br />
Merz, mit dem schlechtesten Ergebnis aller Stellvertreter, hat einen Denkzettel<br />
verpasst bekommen. Er verteidigt sich, dass er in der Sache ein Thema<br />
angesprochen habe, &quot;bei dem viele Kolleginnen und Kollegen mit mir<br />
einer Meinung sind, sowohl vom Verfahren wie vom Inhalt. Diese Gesundheitsreform<br />
ist für uns eine schwere Entscheidung.&quot; Auch für Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Dass wir alle nicht glücklich sind, über diese Gesundheitsreform,<br />
kann man, glaube ich, verstehen. Wichtig wäre eine große Strukturreform<br />
gewesen, aber wenn man einen Konsens finden will, müssen natürlich<br />
auch Abstriche gemacht werden. Wenn wir an der Regierung gewesen wären,<br />
hätte eine Gesundheitsreform anders ausgesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie werden Sie im Bundestag abstimmen? Mit Ja oder Nein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich werde mit Ja abstimmen. Aber auch in dem Wissen, dass es nicht das<br />
Ende einer Gesundheitsreform ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernie</b>:<br />
Gemeindefinanzreform: Auf welcher Seite stehen sie? Auf der Seite des<br />
Städtetages oder stimmen sie dem BDI (die Gewerbesteuer abzuschaffen)<br />
zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Nach meiner Auffassung entspricht keiner der beiden Vorschläge einer<br />
richtigen Gemeindefinanzreform. Es müssen nochmals neue Vorschläge<br />
erarbeitet werden. Da die Gemeinden und Städte jedoch mit dem Rücken<br />
an der Wand stehen, hat die Union einen Sofortprogramm-Antrag eingebracht,<br />
wonach den Kommunen auf ein Jahr befristet der Umsatzsteueranteil erhöht<br />
werden soll und die von Rot-Grün erhöhte Gewerbesteuerumlage<br />
von 28 auf 20 Prozent zurückgenommen werden soll. Ich bin ein absoluter<br />
Gegner davon, ertragsunabhängige Elemente wie auch Mieten, Leasingraten<br />
und Zinsen in die Berechnung mit aufzunehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Klagen der Kommunen werden immer &quot;lauter&quot; &#8211; trotzdem scheinen<br />
Sie keine richtig &quot;Lobby&quot; in der Bundespolitik zu haben oder<br />
täuscht der Eindruck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Die größten Lobbyisten bei der Gemeindefinanzreform sind die<br />
Politiker selbst, da sehr viele früher in der Kommunalpolitik tätig<br />
gewesen sind und die Beschwerden der Bürger in ihren Wahlkreisen<br />
über Schließungen von Schwimmbädern, Schulbüchereien,<br />
usw. hautnah mitbekommen. Auch ich komme aus der Kommunalpolitik und kann<br />
so meine Erfahrungen aus dieser Zeit mit einbringen. Eigentlich sollte<br />
jeder Bundespolitiker vorher in der Kommunalpolitik tätig gewesen<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kohler</b>:<br />
Welche anderen Subventionen sollen abgebaut werden? Was werden Koch und<br />
Steinbrück am kommenden Dienstag vorstellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also: Was wissen Sie schon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also, ich weiß noch nichts genaues, aber ich gehe davon aus, dass<br />
eine Pauschalenkürzung von 10 % über 3 Jahre vorgeschlagen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hugo_Boss</b>:<br />
Die Kürzung der Pendlerpauschale ist im Haushaltsbegleitgesetz 2004<br />
Teil eines umfassenden Subventionsabbaus. Sind Sie gegen die Kürzung<br />
der Entfernungs-Pauschale für Berufspendler auf 15 Cent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Die Entfernungspauschale ist für ein Flächenland wie Bayern<br />
eine wichtige Angelegenheit, deswegen bin ich nicht für diese Kürzung.<br />
Außerdem muss man sehen, dass diese Entfernungspauschale von Rot-Grün<br />
als Kompensation für die Erhöhung der Ökosteuer eingeführt<br />
worden ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Damit stellt sich die Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lacoste</b>:<br />
Hat die Kürzung der Pendlerpauschale im Bundesrat eine Chance?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich glaube nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maja</b>:<br />
Aber ökologisch ist es doch sinnvoll, wenn Pendler den ÖPNV<br />
benutzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Sicher ist es sinnvoll, aber in vielen Gegenden gibt es keine Angebot<br />
des öffentlichen Personen-Nahverkehrs.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>petermann25</b>:<br />
Sie sagen, dass ein „Befreiungsschlag“ auf dem Arbeitsmarkt<br />
nötig ist. Aber wie genau sieht denn so ein Befreiungsschlag aus?<br />
Wie sollen neue Arbeitsplätze finanziert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Wichtig ist, dass unsere Betriebe wieder mehr Luft zum Atmen bekommen.<br />
Arbeitsplätze werden nun mal von Unternehmern geschaffen. Leider<br />
ist die wirtschaftliche Lage unseres Standortes zur Zeit nicht gerade<br />
rosig. Unternehmer sind verunsichert. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt.<br />
Nicht nur hinsichtlich ihrer Auftragslage, sondern auch vor allem hinsichtlich<br />
der Gesetzgebung der Regierung. Diese äußert sich in einem<br />
Hü und Hott und lässt jegliches Gesamtkonzept vermissen. Nicht<br />
alles kostet Geld, was von der Regierung auf den Weg gebracht werden müsste.<br />
Einer der wichtigsten Punkte wäre eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.<br />
Als Beispiel will ich hier erwähnen: betriebliche Bündnisse<br />
für Arbeit in den Betrieben oder z.B. das Kündigungsschutzgesetz.<br />
In unserem Antrag des Arbeitsmarktmodernisierungsgesetzes der Union sind<br />
viele Forderungen enthalten von Wiedereinführung des alten Teilzeitgesetzes<br />
bis hin von Einstellungen von Mitarbeitern während der Probezeit<br />
unter Tarif. Ein ganz wichtiger Punkt ist unser Ziel, die Lohnnebenkosten<br />
zu senken. Leider geht die Schere zwischen brutto und netto immer weiter<br />
auseinander und die Menschen haben netto immer weniger Geld in der Tasche.<br />
Vor allem der personalintensive Mittelstand, der sowieso schon unter einer<br />
geringen Eigenkapitalquote zu leiden hat, ist besonders stark davon betroffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paris</b>:<br />
Reformen a la Stoiber heißt aber auch, Pleiten wie Kirch hinzunehmen?<br />
Herr Stoiber ist da nicht besser als Herr Clement in NRW!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pumuckl</b>:<br />
Aber ist das nicht auch das Erbe der langen Kohlregierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Dass auch während unserer Regierungszeit Fehler gemacht worden sind,<br />
wird, glaube ich, niemand bestreiten. Als Beispiel kann man hier das Frühverrentungsgesetz<br />
nennen, womit sich viele Unternehmen auf Kosten des Staates von älteren<br />
Mitarbeitern getrennt haben, ohne im Gegenzug, wie mit dem Gesetz angedacht,<br />
Arbeitsplätze mit jüngeren Mitarbeitern zu schaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Resterampe</b>:<br />
Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich, um am Arbeitsmarkt Effekte zu<br />
erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten Arbeitslosen miteinbeziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Man geht davon aus, dass wir in Deutschland mindestens ein Wachstum von<br />
2,0 % benötigen, um zu einem Beschäftigungszuwachs zu kommen.<br />
Andere Staaten benötigen ein viel geringeres Wachstum, die USA z.B.<br />
nur 0,7 %. Das zeigt, dass wir kein konjunkturelles Problem haben, sondern<br />
ein strukturelles. Mit großer Sorge habe ich letzte Woche vom IWF<br />
vernommen, dass Deutschland dieses Jahr das einzige Land in der Welt mit<br />
Null Wachstum sein wird. Ein Abbau unserer Arbeitslosigkeit scheint somit<br />
in weite Ferne gerückt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das klingt ziemlich hoffnungslos: 2% Wachstum, dann erst tut sich was.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Deswegen ist es notwendig, Mut zu haben und Strukturreformen anzugehen.<br />
Früher hat man immer gesagt, wir haben kein Erkenntnisproblem in<br />
der Politik, sondern wir haben ein Umsetzungsproblem. Ich sehe es inzwischen<br />
anders: Nämlich, dass wir ein Erkenntnisproblem haben, dass unsere<br />
jetzigen Strukturen wie z.B. unsere sozialen Sicherungssysteme in der<br />
bestehenden Form keine Zukunft mehr haben; aufgrund immer geringeren Beschäftigungszahlen<br />
und immer höherer Lebenserwartung der Menschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>TollSammler</b>:<br />
Die Gegenfinanzierung der vorgezogenen Steuerreform durch Kredite: ist<br />
das sinnvoll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zug</b>:<br />
Soll die Nachfrage der Konsumenten gestärkt werden, dann ist doch<br />
Eichel auf dem richtigen Weg: Wie würden sie die Bürger netto<br />
besser stellen, ohne mehr Schulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Eine Steuerreform auf Pump lehne ich ab. Vergessen wird in der ganzen<br />
Diskussion, dass die Steuerreform schon vom Mittelstand durch Abschreibungsverschlechterungen<br />
vorfinanziert wurde. Für mich ist das ein populistischer Vorschlag,<br />
da es für die Länder und die Kommunen unmöglich ist, das<br />
benötigte Finanzvolumen in Milliardenhöhe aufzubringen. Ein<br />
ganz großes Problem ist die Schwäche unserer Binnenkonjunktur,<br />
die auch auf eine starke Konsumzurückhaltung zurückzuführen<br />
ist. Die Menschen sind verunsichert. Sie wissen bei dieser Regierung nicht<br />
woran sie sind, viele haben Angst um ihren Arbeitsplatz, viele um ihre<br />
Altersversorgung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kohler</b>:<br />
Müssen Schröder und Eichel die Stabilitätskriterien der<br />
EU einhalten oder würden sie die auch flexibel auslegen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich bin ein strikter Befürworter des Stabilitätspaktes. Deutschland<br />
hat unter Finanzminister Theo Waigl mit viel Mühe den Stabilitätspakt<br />
bei den anderen Mitgliedsländern der EU durchgesetzt. Ein Aufweichen<br />
des Paktes hätte schwerwiegende Folgen für den Euro. Deutschland<br />
wird unter Eichel nächstes Jahr das dritte Mal in Folge das Defizitkriterium<br />
von 3 % bei weitem überschreiten, so dass mit Strafzahlungen in Höhe<br />
von 10 Milliarden Euro an die Europäische Union zu rechnen ist. Wir<br />
können nur hoffen, dass die unsolide Haushaltspolitik Deutschlands<br />
in Europa keine Schule macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zu den Subventionen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oioi</b>:<br />
Subventionen abbauen, da fällt mir die Landwirtschaft als erstes<br />
ein. Ihnen auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rwqrw</b>:<br />
Warum nicht endlich die Subventionen für Bauern und Häuslebauer<br />
abschaffen? Weil das ihre Wähler sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Es ist dringend notwendig, an die Subventionen heranzugehen. Dennoch bin<br />
ich der Auffassung, dass man zwischen strukturerhaltenden und investitionsfördernden<br />
Subventionen unterscheiden muss. Wissen muss man, dass die deutsche Landwirtschaft<br />
mit viel höheren Umwelt- und Tierschutzauflagen zu leben hat. Nichtsdestoweniger<br />
war die deutsche Landwirtschaft bereit, im Rahmen des EU-Abkommens mit<br />
der USA zur Agrarreform Subventionskürzungen hinzunehmen. Wichtig<br />
ist eine Diskussion: Wie sollen zukünftig Subventionen vergeben werden?<br />
Subventionen werden immer irgendwann notwendig sein, aber sie müssen<br />
von Anfang an befristet sein und nicht zur Dauereinrichtung werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ein ganz anderes &#8211; berechtigtes &#8211; Subventionsthema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerri</b>:<br />
Wie sieht es denn aus mit Subventionen für Kunst und Kultur? Das<br />
sind keine Gebiete, mit denen kurzfristig Geld verdient werden kann, trotzdem<br />
erscheinen sie mir förderungswürdig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Frage stellt sich vor allem angesichts der Finanzlage der Kommunen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also ich setze hier sehr stark auf privates Engagement, vor allem der<br />
Unternehmen. Auch die IHK’s haben in diesem Zusammenhang schon einige<br />
Kulturstiftungen ins Leben gerufen, die sich durch Spenden von Unternehmen<br />
finanzieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Markus</b>:<br />
Frau Wöhrl, hätten Sie nicht Lust, den Merz zu beerben? Schon<br />
mal mit Frau Merkel darüber gesprochen? Oder darf das nur ein CDU’ler<br />
machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich glaube, dass sich diese Frage nicht stellt. Ich bin froh, mit Herrn<br />
Merz zusammen zu arbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Leser/innen und Fragende, die Stunde ist vorbei, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und die Fragen. Vielen Dank, Frau Wöhrl, dass Sie sich<br />
die Zeit genommen haben. Ein Terminhinweis noch: Am kommenden Dienstag,<br />
30.9.2003 ist Anna Lührmann voraussichtlich von 17.30 bis 18.30 Uhr<br />
bei uns Gast im ARD-Hauptstadtstudio. Die Grünen-Politikerin ist<br />
die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Alle Chat-Transkripte<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht noch einen schönen Nachmittag und Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Tschüß, bis vielleicht bald wieder einmal hier bei tacheles02.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Stabilitätsprobleme werden zunehmen. Das Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b> 
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b><br />
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator</b>: Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Der Präsident des Deutschen Instituts für<br />
Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, ist heute in den Büroräumen<br />
von politik-digital zu Gast im Chat. Der Live-Chat kann über die<br />
geschaltete Webcam mitverfolgt werden. Herr Zimmermann, sind Sie bereit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Selbstverständlich.</p>
<p><b>Frage</b>: Bundeskanzler Schröder hat heute erklärt,<br />
dass die Finanzierung der dritten Stufe der Steuerreform ab 2005 durch<br />
&quot;darin vorgesehene Maßnahmen&quot; gedeckt sei. Was sind denn<br />
das für Maßnahmen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, zu den Maßnahmen gehören<br />
der Abbau von Subventionen in der Landwirtschaft und beim Bau sowie wahrscheinlich<br />
auch die Kürzung der Unterstützung für die Entfernungsgeldpauschale.</p>
<p><b>Moderator</b>: Heute hat Herr Eichel die Eckpfeiler seiner<br />
Steuerreform bekannt gegeben. Wie soll diese in Zeiten flauer Wirtschaft<br />
finanziert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Es ist vorgesehen, zunächst einmal<br />
Kredite auf zu nehmen und Bundesbesitz zu privatisieren. Das ist gut,<br />
weil deshalb die Konjunktur im nächsten Jahr leichter anspringen<br />
kann. Für die Jahre danach muss man dann aber daran denken, Subventionen<br />
ab zu bauen, etwa in der Landwirtschaft und beim Bau.</p>
<p><b>Ursula</b>: Nach Eichels Konzept will der Bund im kommenden<br />
Jahr 5 Milliarden Euro zusätzlichen Kredit aufnehmen. Wird die vorgezogene<br />
Steuerreform also deutlich schuldenfinanziert sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, und damit haben die Menschen netto<br />
mehr Geld in der Tasche und werden stärker konsumieren und in neue<br />
Unternehmungen investieren.</p>
<p><b>Nicole</b>: Schröder meinte, dass es lediglich darum<br />
ginge, ein Jahr finanziell über die Runden zu kommen. Aber jetzt<br />
mal ehrlich: Nach einem Jahr, also 2005, wird die Wirtschaft doch nicht<br />
über den Berg sein, Herr Zimmermann, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Da haben Sie Recht. Die Regierung muss<br />
weiter ihre Hausaufgaben machen, dazu gehört die Durchführung<br />
konsequenter Strukturreformen, etwa am Arbeitsmarkt. Weitere Maßnahmen<br />
sind die Reform der sozialen Sicherungssysteme und die Haushaltssanierung.</p>
<p><b>öltanker</b>: Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich,<br />
um am Arbeitsmarkt Effekte zu erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten<br />
Arbeitslosen mitziehen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig durchgeführt wird dies<br />
die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen erhöhen. Um am<br />
Arbeitsmarkt wirkliche Effekte zu erzielen, brauchen wir mindestens zwei<br />
Prozent Wachstum. Soviel werden wir demnächst nicht bekommen, das<br />
heißt die Arbeitslosigkeit wird auch in den nächsten Jahren<br />
eher anwachsen.</p>
<p><b>peterter</b>: Warum brauchen wir zwei Prozent Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Weil erst mit mehr als zwei Prozent<br />
mehr Menschen eingestellt werden.</p>
<p><b>kohl</b>: Ist das in anderen Ländern anders? Gibt es<br />
da früher Arbeitsplätze bei weniger Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: In Amerika und in England beispielsweise<br />
brauchen wir viel weniger Wachstum, um mehr Beschäftigung zu erreichen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Hier kommt wieder eine Frage zur Situation<br />
in Deutschland:</p>
<p><b>Rudi</b>: Aber wenn die Arbeitslosigkeit wächst, haben<br />
die Menschen doch nicht mehr Geld um zu investieren, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Wir müssen vermeiden,<br />
dass noch mehr Menschen arbeitslos werden. Gleichzeitig soll durch die<br />
Steuerreform mehr Geld in die Taschen von Konsumenten und Unternehmern<br />
gelangen, damit mehr Nachfrage entsteht.</p>
<p><b>igmetalla</b>: Bringt denn nur Arbeit mehr Wachstum? Oder<br />
nur anders herum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Beides ist möglich. Wichtig ist<br />
allerdings, dass Wachstum entsteht, damit mit mehr Gütern auch mehr<br />
Menschen in Arbeit kommen. Steigt andererseits die Arbeitsbereitschaft,<br />
dann führt dies auch zu einer Kostensenkung bei den Unternehmen und<br />
die Güterpreise können sich so günstig entwickeln, dass<br />
auch mehr abgesetzt wird.</p>
<p><b>Mirijam</b>: Aber ist es nicht auch ein psychologisches Problem?<br />
Die Menschen werden doch nur mehr investieren, wenn sie auch tatsächlich<br />
das Gefühl haben, nicht mehr in einer Konjunkturschwäche zu<br />
stecken? Kann man dieses Problem mit der Steuerreform lösen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Wenn die Steuerreform hilft, dass der<br />
Konjunkturaufschwung tatsächlich für die Menschen spürbar<br />
wird, dann wächst das Vertrauen in die Zukunft und es wird mehr investiert.</p>
<p><b>susip</b>.: Alle reden von Wachstum, aber warum muss die<br />
Wirtschaft eigentlich immer wachsen? Kann sie nicht auf dem heutigen Niveau<br />
bleiben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nein, sonst würde das Arbeitslosigkeitsproblem<br />
immer größer werden. Nur Wachstum sichert, dass sich neue Märkte<br />
entwickeln und zusätzliche Beschäftigung entsteht.</p>
<p><b>kohl</b>: Muss das Problem nicht EU-weit angegangen werden?<br />
Was machen etwa Frankreich und Chirac?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Auch die Franzosen haben Probleme mit<br />
der Sparpolitik und verfolgen eine ähnliche Politik, die Konjunktur<br />
durch zusätzliche Budgetdefizite anzuregen. Generell gilt, dass ganz<br />
Europa in einer Wachstumsschwäche steckt. Deutschland muss als größte<br />
Nation mit helfen, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zu einer europaweit bedeutsamen Frage:</p>
<p><b>Dieter Schmidt</b>: Hält Eichels Steuerreform dem Stabilitätspakt<br />
stand, oder sprengt sie ihn damit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Stabilitätsprobleme werden<br />
zunehmen. Der Pakt kann im nächsten Jahr nicht gehalten werden. Das<br />
Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindestens<br />
3,7 Prozent betragen.</p>
<p><b>Sucher</b>: Die marginale Grenze von 3% an Neuverschuldung<br />
soll nicht gesprengt werden. Was besagt diese Zahl genau? Ist sie nicht<br />
willkürlich gewählt und könnte in flauen Zeiten wie diesen,<br />
die ja ganz Europa auf dem Magen liegen, nach oben korrigiert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Bei dieser Grenze geht es um den Anteil<br />
der Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt. 3 % heißt, dass das<br />
Defizit so groß ist wie 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl<br />
ist vertraglich vereinbart und kann nicht einfach verändert werden.<br />
Allerdings kann die Grenze überschritten werden, wenn eine Regierung<br />
die Finanzpolitik begründen kann. Im Fall für Deutschland kann<br />
man mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage, mit der Steuerreform selbst<br />
sowie mit den Strukturreformen erfolgreich argumentieren. Dann kann man<br />
die drohenden finanziellen Strafen vermeiden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ist sie also eine beliebige Zahl, die vertraglich<br />
vereinbart wurde? Könnten es auch 3,5% sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Begründung<br />
für diese genaue Zahl, es könnte auch 5 % heißen. Allerdings<br />
galt sie bei Vertragsabschluß als politisch tragfähig und finanzpolitisch<br />
wirksam.</p>
<p><b>libero</b>: Chirac hatte angedeutet, den Stabilitätspakt<br />
nicht einhalten zu wollen? Warum soll sich Eichel daran halten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Eichel hat das Probleme, dass die Deutschen<br />
den Stabilitätspakt erfunden haben. Wir wollten diese Regelungen,<br />
damit wir die Aufgabe der DM leichter verkraften. Jetzt zeigt sich, dass<br />
kritische Länder wie Griechenland stabilitätsbewusster handeln.<br />
Allerdings hat Eichel in Brüssel erreicht, dass ein Reißen<br />
des Kriteriums dann akzeptiert wird, wenn Strukturreformen eingeleitet<br />
werden und der mittelfristige Stabilisierungspfad nicht verlassen wird.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zwei Fragen in die gleiche Richtung&#8230;</p>
<p><b>Sucher</b>: Was hat die Überschreitung denn für<br />
Konsequenzen?</p>
<p><b>Mumpitz</b>: Jedes Land hat doch Probleme, diese Zahl einzuhalten.<br />
Hätte man das nicht vorher absehen können?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nicht jedes Land hat Probleme, nur<br />
die großen Länder neben Deutschland und Frankreich auch Italien.<br />
Das war nicht voraus zu sehen, da damals größeres Wachstum<br />
herrschte, deshalb sollte man den Pakt bald sinnvoll reformieren, um Konjunkturschwankungen<br />
besser Rechnung zu tragen.<br />
Zu Sucher:<br />
Das kann zu Strafzahlungen in Milliardenhöhe führen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun ein Schwenk zur Innenpolitik Deutschlands&#8230;</p>
<p><b>Mirijam</b>: Um was für Subventionskürzungen geht<br />
es denn inhaltlich? Was bedeutet das für den Normalbürger?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die derzeit diskutierten Subventionen<br />
sind die Eigenheimzulage, das Entfernungsgeld beim Weg zur Arbeit, die<br />
Steuerbefreiung von Überstunden und Nachtarbeit sowie die Landwirtschaft.<br />
Größenordnungsmäßig geht es um Beträge in Höhe<br />
von 15 &#8211; 20 Milliarden Euro, die zunächst zur Diskussion stehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Wo soll das Geld genau herkommen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Aus den Taschen der Haushalte und Unternehmungen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zur Opposition:</p>
<p><b>kohl</b>: Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf Rot-Grün<br />
eine &quot;Flucht in neue Schulden&quot; vor. Aber anders geht es doch<br />
nicht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es geht nicht anders, wenn man jetzt<br />
im kommenden Jahr die Konjunktur etwas stützen will. Natürlich<br />
könnte man durch eine Kürzung von Subventionen oder auch durch<br />
Haushaltseinsparungen eine Gegenfinanzierung schaffen. Dann müssten<br />
sich Regierung und Opposition allerdings darauf einigen, was gestrichen<br />
werden soll. Das fällt allen Parteien derzeit denkbar schwer. Dazu<br />
kommt, dass diese Einsparungen gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern<br />
und Dienstleistungen reduzieren würden, und es uns somit wirtschaftlich<br />
schlechter ginge. Das kann niemand wollen, also sollte sich rasch eine<br />
Einigung auch im Bundesrat auf Vorziehen der Steuerreform ohne Ausgabenkürzung<br />
finden.</p>
<p><b>peterter</b>: Die überwiegende Kreditfinanzierung und<br />
die fehlende Entlastung für Kommunen und Länder seien &quot;nicht<br />
hinnehmbar&quot;, sagt Stoiber. Abgesehen davon, das er kein eigenes Konzept<br />
hat, hat er inhaltlich recht und was schlagen sie vor?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die fehlende Entlastung für die<br />
Kommunen müssen bei der Gemeindefinanzreform kommen. Es ist ein großes<br />
Problem, dass die kommunalen Investitionen bereits seit Jahren schrumpfen.<br />
Das wird auf Dauer zu einem schwerwiegenden Wachstumshemmnis für<br />
die deutsche Wirtschaft. Die Länder haben dagegen eine konjunkturpolitischen<br />
Auftrag und würden bei einem mittelfristigen Subventionsabbau auch<br />
erhebliche Vorteile haben. Damit löst sich das Problem mittelfristig</p>
<p><b>jung</b>: Die Opposition sagt: Eine Steuerreform auf Pump<br />
sei gegenüber der jüngeren Generation unverantwortlich. Stimmt<br />
das? Bezahlen wir Jungen die Schulden von morgen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Jungen stehen vor großen<br />
Belastungen. Das kann nur vermieden werden, wenn jetzt Strukturreformen<br />
gemacht werden. Diese sind aber nur erträglich und praktikabel, ja<br />
sogar wirksam, wenn die wirtschaftliche Dynamik anspringt. Wer mit dem<br />
Fahrrad voran kommen will, muss zwar die Handbremse lösen, er muss<br />
aber auch in die Pedale treten.</p>
<p><b>cher</b>: Wenn der Staat jetzt neue Schulden, d.h. Kredite,<br />
aufnimmt, macht er das in Deutschland oder im Ausland? Denn Kredite im<br />
Inland fördern doch letztlich auch die deutsche Volkswirtschaft,<br />
oder?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das geschieht überwiegend im Inland.<br />
Der Staat tritt aber in Konkurrenz zu privaten Investoren, die dann höhere<br />
Zinsen zahlen müssen, um an ihre Kredite zu kommen. Auch sind höhere<br />
Staatsschulden mittelfristig über Steuern zurück zu zahlen.<br />
Die Haushalte haben also nicht dauerhaft mehr Geld in der Tasche.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ein Schwenk zu einer von Eichel angekündigten<br />
Privatisierungsmaßnahme:</p>
<p><b>Frodo</b>: Wie wird sich der geplante Verkauf der Telekom-<br />
und Post-Aktien auf den Börsenmarkt auswirken? Muss dann nicht wieder<br />
der kleine Mann, in diesem Fall die Kleinaktionäre, dran glauben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das wird wohl über die Kreditanstalt<br />
für Wiederaufbau langsam in den Markt eingebracht, keinesfalls wird<br />
das Bundeseigentum jetzt billig verschleudert. Somit kann sicher gestellt<br />
werden, dass die Aktien dann in den Markt kommen, wenn auch Nachfrage<br />
besteht. Aber natürlich ist es richtig, dass die Aussichten auf kurzfristige<br />
Wertzuwächse bei diesen Aktien zunächst verbaut.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das heißt, die Kreditanstalt für<br />
Wiederaufbau steuert den Rückfluss der Aktien auf den Markt?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Diese Bank des Bundes ist<br />
für die Marktpflege verantwortlich. Sie stellt der Regierung kurzfristig<br />
die benötigten Gelder für den Haushalt zur Verfügung.</p>
<p><b>Lara</b>: Herr Zimmermann, die Börsenkurse sind im Moment<br />
am Boden. Für verkaufte Telekomaktien wird nicht viel zu bekommen<br />
sein. Wo kommt der Rest des Geldes her, das die vorgezogene Steuerreform<br />
gegenfinanzieren soll?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Aktien werden nicht sofort verkauft.<br />
Die Kreditanstalt bringt sie erst in den Markt, wenn die Situation günstig<br />
ist. Derzeit erhält also die Regierung einen Kredit der Kreditanstalt.</p>
<p><b>Moderator</b>: Und zurück zu grundsätzlichen Fragen<br />
der User:</p>
<p><b>jäggi</b>: Nachfrage zum Stabilitätspakt: Sollte<br />
Eichel also die drei Prozent Grenze überschreiten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Er hat keine andere Chance. Sonst würde<br />
er die Wirtschaft weiter abwürgen und mehr Arbeitslosigkeit schaffen.<br />
Allerdings muss er sehr genau begründen, warum er das tut.</p>
<p><b>Wundertüte</b>: Ist die Neuverschuldung überhaupt<br />
verfassungsmäßig?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Der Haushalt liegt über der normalen<br />
Grenze. Die Neuverschuldung ist größer als die Summe der Investitionen.´Das<br />
ist dennoch verfassungsgemäß, wenn Eichel gleichzeitig eine<br />
gesamtwirtschaftliche Notlage erklärt. Das wird er tun und dann ist<br />
es ganz legal.</p>
<p><b>jäggi</b>: Also hat die Union mit Ihrem Vorwurf der<br />
nicht Verfassungsmäßigkeit unrecht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Nein. Der Haushalt ist ohne diese Erklärung<br />
verfassungswidrig. Mit allerdings nicht, insofern ist das nur ein Spiel<br />
mit der Öffentlichkeit.</p>
<p><b>Moderator</b>: Vorletzte Frage: Aber ist das &quot;Gleichgewicht&quot;<br />
von Neuverschuldung und Investition vor dem Hintergrund der Steuerreform<br />
durchzuhalten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die Steuerreform wird kurzfristig zum<br />
Überschießen führen. Springt die Konjunktur aber an, gibt<br />
es weitere Steuereinnahmen und der Haushalt saniert sich.</p>
<p><b>Moderator</b>: Letzte Frage noch einmal zum Stabilitätspakt:</p>
<p><b>Spd</b>: Stabilitätspakt: Sie haben noch nicht präzisiert,<br />
warum die 3% in Maastricht vertraglich festgelegt wurden. Hat diese willkürlich<br />
gefundene Grenze eine ökonomische Basis? Ich lebe in Frankreich und<br />
dort werden seit drei Jahren die 3% überschritten. Dazu hat Frankreich<br />
seit 1997 mehr Wirtschaftswachstum erreicht als Deutschland.</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Basis.<br />
Das war eine politisch gegriffene Größe. Damit sollte eine<br />
restriktive Regelung gefunden werden, die nationalen Regierungen zu disziplinieren.</p>
<p><b>Moderator</b>: Liebe Politik-Interessierte, eine Stunde ist<br />
vorbei. Vielen Dank für Ihre Fragen, vielen Dank Herr Zimmermann,<br />
dass Sie in die Redaktionsräume von politik-digital gekommen sind.<br />
Den nächsten Chat gibt&#8217;s am kommenden Montag, den 21. Juli, dann<br />
stellt sich der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände<br />
Hans-Günter Friese von 17.00 bis 18.00 Uhr Ihren Fragen. Wir freuen<br />
uns, wenn Sie wieder dabei sind. Einen schönen Abend wünscht<br />
das tacheles.02-Team.</span></p>
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