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	<title>Tagesschau-Chat-Serie &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Tagesschau-Chat-Serie &#8211; politik-digital</title>
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		<title>tagesschau-Chatreihe zur Finanzkrise: B&#8217;90/Die Grünen</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Nov 2008 15:36:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch, 12. November 2008, war der dritte Tag der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Zu Gast im Chat im Chat war <span class="articleImg"><span class="imgSubline">Christine Scheel, Vize-Vorsitzende der B'90/Grüne-Bundestagsfraktion</span></span>. Die  Bundestagsabgeordnete und Finanz-Expertin der Grünen beantwortete Fragen zur Finanzkrise, zum möglichen Konjunkturabschwung und gab dem Chatteam eine Frage an den kommenden Chatgast von der SPD auf den Weg.<br />
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch, 12. November 2008, war der dritte Tag der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Zu Gast im Chat im Chat war <span class="articleImg"><span class="imgSubline">Christine Scheel, Vize-Vorsitzende der B&#8217;90/Grüne-Bundestagsfraktion</span></span>. Die  Bundestagsabgeordnete und Finanz-Expertin der Grünen beantwortete Fragen zur Finanzkrise, zum möglichen Konjunkturabschwung und gab dem Chatteam eine Frage an den kommenden Chatgast von der SPD auf den Weg.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tagesschau-Chat.<br />
Hier im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich jetzt die stellvertretende<br />
Vorsitzende der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen, Christine Scheel.<br />
Wir freuen uns sehr, dass Sie an der Chat-Serie zur Finanzkrise<br />
teilnehmen. Noch bis übermorgen haben Sie, liebe User, die Möglichkeit,<br />
Ihre Fragen an die Finanzexperten des Bundestages zu richten. Frau<br />
Scheel, wollen wir starten?
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-1.html" onclick="windowOpen('/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-1.html',820,700,1,1);return false;" title="Zur Fotostrecke des Beitrages [neues Fenster]"><br />
</a><b>Christine Scheel:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Kommen wir direkt zu unserer Top1-Frage aus dem Chatroom:
</p>
<p>
<b>ole:</b><br />
Welche Vorschläge haben die Grünen zur Beendigung der gängigen Praxis<br />
in Deutschland: Gewinne privatisieren, Verluste vergesellschaften, wie<br />
zum Beispiel geschehen in der Bankenkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir brauchen eine bessere Finanzaufsicht. Es darf nicht sein, dass<br />
außerhalb von Bilanzen Papiere, die riskant sind, regelrecht gehortet<br />
werden. Das heißt, die Bilanzierungsregeln müssen geändert werden,<br />
damit so etwas nicht noch einmal passiert. Finanzmarktprodukte müssen<br />
besser kontrolliert werden in Hinblick auf ihre Risiken. Außerdem gilt<br />
es, für Rating-Agenturen neue Bestimmungen festzulegen, damit diese die<br />
Risiken auch richtig einschätzen.
</p>
<p>
<b>alex:</b> Wie bewerten die Grünen das Hilfspaket der Bundesregierung?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir halten im Grundsatz ein Hilfspaket für richtig. Wir hätten uns<br />
allerdings gewünscht, dass das Parlament mehr Kontrollmöglichkeiten für<br />
die Bedingungen, die an die Banken oder Versicherungen gerichtet<br />
werden, gehabt hätte. Außerdem hätten wir es für sinnvoll gehalten,<br />
wenn alle Banken erstmal unter diesen Rettungsschirm gegangen wären.
</p>
<p>
<b>witreu:</b> Warum sollen nicht ein paar Banken pleite gehen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Banken, die systemrelevant sind, das heißt, wenn die Pleite einer Bank<br />
massive Auswirkungen auf das Marktgeschehen insgesamt hätte, sollten<br />
gestützt werden. Das heißt nicht, dass jede kleine Bank machen kann was<br />
sie will &#8211; ohne das Risiko einer Insolvenz.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu auch die nächste Frage:
</p>
<p>
<b>knt:</b><br />
Hallo! Es hieß bei der Rechtfertigung des Rettungsplanes für Banken:<br />
&quot;Man muss die Banken retten, um die Realwirtschaft zu retten &#8211; denn die<br />
Banken stellen der Realwirtschaft das Kapital zur Verfügung&quot; Warum<br />
lässt man die Banken nicht absaufen und rettet die Realwirtschaft<br />
direkt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Wichtig ist, dass der<br />
Bankensektor untereinander wieder Vertrauen aufbaut. Derzeit geben<br />
Banken sich untereinander zu wenig Kredite, weil das Misstrauen, dass<br />
faule Papiere in der Bilanz schlummern, noch immer sehr groß ist. Das<br />
ist das Hauptproblem, denn Unternehmen brauchen für ihre Investitionen<br />
eine vernünftige Kreditvergabe.
</p>
<p>
<b>Blablubb:</b> Sollte die Regierung Ihrer Meinung nach die deutsche Konjuktur stützen oder doch eher dem Markt die Regulierung überlassen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Ich halte von Gießkannenkonjunkturprogrammen nichts, da sie lediglich<br />
viel kosten, aber durch Mitnahmeeffekte verpuffen.Wichtig ist, dass die<br />
Wirtschaft, beziehungsweise die verschiedenen Branchen,<br />
Planungssicherheit haben in Hinblick darauf, wie die Zukunft von<br />
staatlicher Seite gewünscht wird. Beispiel Automobilwirtschaft: Hier<br />
brauchen wir eine klare gesetzliche Änderung im Kfz-Steuerrecht, damit<br />
CO2-arme Fahrzeuge produziert werden.
</p>
<p>
<b>Gunter:</b><br />
Die Wirtschaftsweisen meinen, dass der Abschwung zu bremsen sei, wenn<br />
Ländern und Kommunen Milliarden in die Verkehrsinfrastruktur stecken.<br />
Was halten Sie von dem Vorschlag?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Planungen in der Verkehrsinfrastruktur brauchen eine Vorlaufzeit, damit<br />
die Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren auch ordentlich<br />
vorgenommen werden können. Bislang gibt es im Bundesverkehrswegeplan<br />
noch genügend Projekte, deren Finanzierung noch nicht abgerufen wurde.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Die fünf &quot;Wirtschaftsweisen&quot; haben der Kanzlerin heute ihr Gutachten<br />
zur Wirtschaftsentwicklung überreicht. Darin steht wenig Erfreuliches:<br />
Deutschland sei auf dem Weg in die Rezession und es werde wieder zu<br />
einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen kommen. Halten Sie die<br />
Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung für ausreichend?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung sind sehr beliebig. Sie<br />
lassen kein System erkennen. Das Thema Befreiung der Kfz-Steuern ist ja<br />
schon wieder in der Großen Koalition heftig umstritten. Andere<br />
Maßnahmen, wie zum Beispiel die bessere Absetzbarkeit bei<br />
Handwerkerrechnungen, begrüßen die Grünen. Ebenso wie ein<br />
Investitionsanreiz im Bereich der Gebäudesanierung und die Vergabe von<br />
Krediten an kleine und mittelständische Unternehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu auch der nächste User<b>.</b>
</p>
<p>
<b>karstenhh:</b><br />
Das Konjunkturprogamm ist doch eigentlich eine Farce bezüglich der<br />
Steuervergünstigung, weil die Käufer sollen etwas kaufen, wofür sie<br />
dann vom Staat eine kleine Entschädigung erhalten. Aber keiner sagt,<br />
wie das der normale Deutsche leisten soll, wo doch das Geld allgemein<br />
so knapp ist und das Auto nur teuer finanziert werden müsste. Da hat<br />
die Politik wieder einmal mehr ihre Kurzsichtigkeit und die Probleme<br />
des Volkes aus den Augen verloren!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Dieses Beispiel der Steuerbefreiung bei der Kfz-Steuer zeigt, dass die<br />
Regierung nur ein Strohfeuer entfacht, ohne dass dies nachhaltig für<br />
die Bürgerinnen und Bürger Sinn macht. Dahingehend haben Sie Recht.<br />
Allerdings ist es nicht DIE Politik, sondern die Große Koalition, weil<br />
die Grünen zum Beispiel diesen Vorschlag abgelehnt hatten.
</p>
<p>
<b>knt:</b><br />
Nachfrage. Sie sagen: &quot;Unternehmen brauchen für die Investitionen eine<br />
Kreditvergabe.&quot; Nun ist es doch aber so, dass Banken das meiste Geld<br />
gar nicht in die Realwirtschaft investieren. Die Investions-Quote in<br />
Deutschland ist seit Jahren rückläufig! Darum: Warum hat man keinen<br />
&quot;Rettungsschirm für die Realwirtschaft&quot; aufgespannt? Droht einem<br />
Unternehmen die Pleite, weil seine Bank sich verspekuliert hat, bekommt<br />
es Hilfe vom Staat.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ein<br />
Rettungsschirm für die Realwirtschaft wäre nicht finanzierbar und die<br />
Hilfe für einzelne Branchen würde unseren Wettbewerb beschädigen.<br />
Welche Branchen sollen es denn dann sein?
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zum Beispiel die Automobilindustrie&#8230;
</p>
<p>
<b>Justin P.:</b><br />
Inwieweit sollte Nicht-Finanzinstitutionen geholfen werden?<br />
(Beispielsweise aus den USA, wo vor allem eine Unterstützung für<br />
General Motos im Raum steht.)
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir halten eine Subventionierung der Automobilindustrie in Deutschland<br />
für falsch. Wichtig ist, dass die Automobilindustrie ihre Produktion<br />
auf die Bedürfnisse der Menschen &#8211; im Zusammenhang mit den gestiegenen<br />
Benzinpreisen und der Diskussion über CO2-Emmissionen &#8211; endlich<br />
anpasst. Die Selbstverpflichtungserklärungen der Industrie, Autos mit<br />
weniger Verbrauch zu produzieren, ist leider nicht umgesetzt worden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Thomas Oppermann, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der<br />
SPD-Bundestagsfraktion, hält eine Sonderbehandlung der Autoindustrie<br />
für gerecht &#8211; schließlich hänge an ihr jeder sechste bis siebte<br />
Arbeitsplatz.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Es geht<br />
letztendlich darum, dass die Automobilindustrie zukunftsfähige<br />
Fahrzeuge produziert. Dies tut sie nicht so schnell, wenn erst einmal<br />
Subventionen hineingeschoben werden. Wir befürchten, dass staatliche<br />
Subventionen den Innovationsdruck bei der Industrie herausnehmen und<br />
wir Zeit verlieren, eine nachhaltigere Produktion zu bekommen. Die<br />
sollen sich endlich mal bewegen. Die haben in ihren<br />
Forschungsabteilungen hervorragende Entwicklungen, die jetzt schnell<br />
auf den Markt gebracht werden müssen.
</p>
<p>
<b>ThommyD:</b><br />
Wäre eine kurzzeitige Mehrwertsteuersenkung nicht viel effektiver als<br />
ein Ansetzen bei der Kfz-Steuer? Dies käme doch auch den Dienstleistern<br />
und dem Einzelhandel zugute.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Eine Mehrwertsteuersenkung hat die Große Koalition ausgeschlossen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was sagen Sie denn dazu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Dies würde bedeuten, dass wir eine weitere Staatsverschuldung von &#8211; bei<br />
einem Mehrwertsteuerpunkt &#8211; rund sieben Milliarden Euro hätten und<br />
damit die Schuldenlast sich für die nächsten Generationenen erhöhen<br />
würde. Außerdem glaube ich, dass eine Senkung bei der Mehrwertsteuer<br />
erst Wirkungen zeigen würde, wenn diese mindestens drei Prozentpunkte<br />
wäre. Was aufgrund der Haushaltslage derzeit unverantwortlich wäre.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Joschka Fischer kritisiert die Performance von Merkel während der<br />
Finanzkrise und wirft ihr Führungsschwäche vor. Außerdem hält er die<br />
beschlossenen Konjunkturmaßnahmen für völlig unzureichend. Diese würden<br />
dem heranrollenden &quot;realwirtschaftlichen Tsunami&quot; nicht gerecht.<br />
Stimmen Sie ihm zu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Leider erschließt sich mir nicht, was er denn stattdessen besser fände. Nur meckern hilft auch nicht weiter.
</p>
<p>
<b>Klara:</b> Frau Scheel, wo sehen die Grünen die Verantwortlichen für die Finanzkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir sehen die Verantwortlichkeit bei der Aufsicht, aber auch bei<br />
fehlenden Regelungen im Finanzmarkt, wofür wiederum die Politik die<br />
Verantwortung trägt.
</p>
<p>
<b>buh79:</b> Inwiefern trägt die<br />
rot-grüne Regierung Mitschuld an der Anfälligkeit des deutschen<br />
Finanzplatzes, insbesondere der Landesbanken, gegenüber der von den USA<br />
verursachten Finanzkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich<br />
sehe keine Veranlassung einer Mitschuld, insbesondere bei den<br />
Landesbanken. Fakt ist, dass die Landesbanken kein Geschäftsmodell<br />
haben, sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt herumtummelten, mit<br />
Produkten hantierten, die sie nicht verstanden haben und die<br />
zuständigen Landesregierungen dem nicht Einhalt geboten haben.
</p>
<p>
<b>alex:</b> Wie würde sich ein grünes Hilfspaket von dem der Großen Koalition denn grundsätzlich unterscheiden?
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-2.html" onclick="windowOpen('/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-2.html',820,700,1,1);return false;" title="Zur Fotostrecke des Beitrages [neues Fenster]"><br />
</a><b>Christine Scheel</b>: Wir begrüßen das Hilfspaket<br />
von seiner Größenordnung, allerdings hätten wir mehr parlamentarische<br />
Kontrolle in Hinblick auf die Bedingungen der jeweiligen Stützaktionen<br />
festgelegt. Jetzt gibt es lediglich ein Gremium, dass von Abgeordneten<br />
jeder Fraktion besetzt ist, der Geheimhaltung unterliegt und lediglich<br />
informiert wird, aber selbst keine Entscheidungen treffen kann.
</p>
<p>
<b>spiderman:</b><br />
Mich würde interessieren, in welchem Bereich des Konjunkturzykluses uns<br />
die Finanzexpertin sieht. Im Abschwung oder schon auf dem Tiefpunkt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich befürchte, wir sind im Abschwung.
</p>
<p>
<b>nachdenkerin:</b><br />
Eine Frage über die Parteigrenzen hinweg. Global und tiefer geschaut:<br />
Muss nicht generell das Geld- und Finanzsystem reformiert werden, weil<br />
durch die negativen Wirkungen der Zinsproblematik (exponentielles<br />
Wachstum von Zins und Zinseszins) sowohl die Schulden (auch des<br />
Staates), als auch die Schere zwischen Arm und Reich immer größer<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich bin für eine<br />
Reform des Finanzsystems mit mehr Transparenz und besseren Regeln.<br />
Allerdings glaube ich, dass die Abschaffung von Zinsen weltweit eine<br />
utopische Vorstellung ist. Unser Wirtschaftssystem braucht auch<br />
Kredite. Es wäre schwer verständlich, wenn diese Kredite nicht<br />
unterschiedliche Konditionen haben würden, die ja letztendlich auch<br />
über dieses Zinsniveau zum Ausdruck kommen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was erwarten Sie sich vom Weltfinanzgipfel in Washington?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich erwarte mir, dass die Länder sich schnell &#8211; im Zusammenhang der weltweiten Finanzkrise &#8211; auf gemeinsame Regeln einigen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Halten Sie eine Einigung wirklich für realistisch?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Ich befürchte schon auch, dass einzelne Interessen der Länder ein<br />
gemeinsames Vorgehen in den bisher diskutierten Punkten &#8211;<br />
Bankenaufsicht, Bilanzierungsregelungen, Rating-Agenturen,<br />
Managergehälter, Haftungsfragen &#8211; verhindern. Letztendlich geht es<br />
vielen Regierungschefs dann doch wieder um das Eigeninteresse ihres<br />
Landes, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
</p>
<p>
<b>JoeMcGrath:</b><br />
Die armen Länder der Erde haben die Krise nicht verursacht, aber werden<br />
am stärksten von ihr betroffen sein. Müsste es nicht ein<br />
internationales Insolvenzverfahren für Staaten geben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Mir ist nicht klar, was Sie mit einem internationalen<br />
Insolvenzverfahren für Staaten meinen. Bislang wurden vom IWF Staaten,<br />
die drohten, in die Insolvenz zu stürzen, gestützt, wie z.B. Island.<br />
Ich sehe allerdings auch, dass viele arme Länder der Erde von der<br />
Finanzkrise ohne Zutun stark betroffen sind. Daher muss die<br />
Staatengemeinschaft in ihrer Verantwortung diesen Ländern &#8211; im Blick<br />
auf Bekämpfung von Hunger &#8211; auch mehr Unterstützung geben.
</p>
<p>
<b>Acidos:</b><br />
Was muss getan werden, wenn es im schlimmsten Fall zu dem Zusammenbruch<br />
der Finanz- und Gesellschaftsordnung kommt, wie sie in Island droht?<br />
Was für Alternativen zu einem auf exponentiellem Wachstum basierenden<br />
System haben wir?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ein völliger<br />
Zusammenbruch der Finanz- und Gesellschaftsordnung von großen<br />
Industriestaaten wie Deutschland ist nicht zu befürchten. Island ist<br />
ein kleines Land und hat eine völlig andere Situation.
</p>
<p>
<b>Thomas:</b><br />
Ich habe Geld bei der isländischen Kaupthing Bank als Tagesgeld<br />
angelegt. Die ist jetzt ja Pleite. Erst hieß es, dass die<br />
Bundesregierung die Bürgschaft für die Einlagen deutscher Sparer<br />
abgibt. Steinbrück hatte selbst gesagt, dass man diese Sparer nicht<br />
vergessen darf. Jetzt ist davon nicht mehr die Rede. Welche Auffassung<br />
haben Sie? Sollte das Rettungspaket auch für deutsche Sparer gelten,<br />
die in Island ihr Fest- und Tagesgeld angelegt haben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir sind im Austausch mit dem Finanzministerium, dass die isländische<br />
Einlagensicherung auch für deutsche Anleger gelten soll. Wir erwarten<br />
vom Finanzminister, dass er die Sparer nicht im Stich lässt.
</p>
<p>
<b>Otto:</b> In welchem Umfang, glauben Sie, zahlen wir künftig für das Schuldenmachen der Amerikaner?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Das amerikanische System, dass alles auf Pump finanziert werden kann,<br />
hat leider Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Ich hoffe, dass mit<br />
Barack Obama in Amerika eine andere Politik greift.
</p>
<p>
<b>alexander:</b><br />
Wird die Finanzkrise so viele staatliche Finanzhilfen verschlingen,<br />
dass am Ende Abstriche für den Klimaschutz gemacht werden müssen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir Grünen weisen täglich darauf hin, dass der Klimaschutz im<br />
Zusammenhang mit den Diskussionen über die Finanzkrise nicht vergessen<br />
werden darf. Im Gegenteil: Klimaschutz hat etwas mit Vorsorge zu tun<br />
und hat auch eine hohe Relevanz in Hinblick auf die ökonomischen<br />
Folgewirkungen. Dies hat der Stern-Bericht eindeutig gezeigt.
</p>
<p>
<b>Schulstreik:</b> Wieso hat die Regierung Geld für die Banken, aber nicht für die Bildung?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Das Rettungspaket dient der Stabilisierung unseres gesamten<br />
Wirtschaftsraumes. 400 Milliarden sind Bürgschaften, die mit<br />
Bedingungen vergeben werden. Sodass am Ende &#8211; wenn die Rettungsaktion<br />
abgeschlossen sein wird &#8211; nicht unbedingt Steuerausfälle damit<br />
verbunden sein müssen. Generell sind wir seit Jahren der Auffassung,<br />
dass auf allen politischen Ebenen mehr für die Bildung getan werden<br />
muss. Ein Gutachten hat uns bestätigt, dass in den nächsten Jahren<br />
mindestens 27 Milliarden Euro investiert werden müssen, damit wir<br />
wenigstens im Durchschnitt der OECD-Länder liegen. Zur Finanzierung<br />
schlagen wir Grünen vor, den Solidaritätszuschlag in einen<br />
Bildungs-Soli umzuwandeln und die Einnahmen den zuständigen Stellen für<br />
die Bildungsinvestitionen zur Verfügung zu stellen.
</p>
<p>
<b>lmx:</b><br />
Sie waren Unterstützer der INSM, der Arbeitgeber-Kampagne &quot;Initiative<br />
Neue Soziale Marktwirtschaft&quot;, die seit Jahren Stimmungsmache für den<br />
Markt und für Deregulierung betreibt. Sind Sie damit nicht, wie<br />
Friedrich Merz und andere Lobbyisten der Groß- und Finanzindustrie,<br />
Teil des Problems?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Sie sagen<br />
ja zu Recht, ich WAR Unterstützerin der INSM. Ich bin vor Jahren aus<br />
dieser Initiative ausgetreten, weil mir die politischen Implikationen<br />
nicht gepasst haben.
</p>
<p>
<b>Liberaler:</b> Wo unterscheidet sich ihr Lösungspaket zur Finanzkrise von dem der FDP?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir wollen national und international mehr Regeln. Wir setzen uns ein<br />
für eine stärkere Haftung der Manager, genauso wie für eine Begrenzung<br />
der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Managergehältern und Abfindungen.<br />
Wir fordern eine neue Gehaltsstruktur der Manager, da die kurzfristigen<br />
Boni das Verhalten angereizt haben, auf dem Finanzmarkt stärker zu<br />
zocken. Diese Forderungen werden bislang von der FDP so nicht geteilt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Die Große Koalition plant, die Managergehälter zu begrenzen. Werden Sie den Vorschlag unterstützen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Wir erwarten eine langjährige<br />
Diskussion in der Koalition zu diesem Thema. Bislang gibt es noch nicht<br />
einmal ein gemeinsames Eckpunktepapier, geschweige denn eine<br />
Gesetzesformulierung. Falls es hier eine vernünftige Vorlage gibt,<br />
werden wir sie selbstverständlich unterstützen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Gestern war FDP-Fraktionsvize Carl-Ludwig Thiele hier im Chat und hat<br />
uns Folgendes für Sie hinterlassen: &quot;Frau Scheel sollte doch einmal<br />
erklären, wie unter einer rot-grünen Bundesregierung die IKB-Anteile<br />
von der KfW erworben worden sind, in dessen Verwaltungsrat sie saß und<br />
welche finanziellen Folgen dies für den Steuerzahler hat.&quot; Möchten Sie<br />
das jetzt tun?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ja, gern: Als<br />
die KfW die Anteile der Allianz und der Münchner Rück an der IKB<br />
übernommen hat, saß ich nicht im Verwaltungsrat der KfW. Herr Thiele<br />
sollte sich darüber informieren, wer denn da zuständig war. Außerdem<br />
habe ich damals von der FDP keine Stimme vernommen, die der Meinung<br />
war, dass die Mittelstandsfinanzierung an eine ausländische Bank gehen<br />
soll.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Leider müssen wir schon zum<br />
Schluss kommen. Nebenbei haben wir unter den Chattern eine Umfrage<br />
gestartet: &quot;Trauen Sie Bündnis90/Die Grünen zu, die Finanzkrise zu<br />
lösen?&quot; 24 Prozent haben Ja gesagt, 75 Prozent Nein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Das ist gar nicht so schlecht. Bislang lagen wir bei der Kompetenz in Wirtschaftsfragen immer im einstelligen Bereich.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Eine persönliche Frage zuletzt: Sollte es 2009 zu einer<br />
Regierungsbeteiligung der Grünen kommen, trauen Sie sich das Amt der<br />
Finanzministerin zu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich gehe<br />
nicht davon aus, dass in einer Regierungskonstellation mit zwei oder<br />
drei Mitgliedern das Finanzministerium an eine kleine Fraktion vergeben<br />
wird. Hier bin ich Realistin.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das war<br />
die heutige Ausgabe der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Frau<br />
Scheel, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Herzlichen<br />
Dank an alle User. Leider konnten wir nicht alle Fragen stellen. Die<br />
nächste Gelegenheit gibt es aber morgen: Dann ist der Vize-Chef der<br />
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Meister, hier bei uns zu Gast.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es hat mir viel<br />
Spaß gemacht. Außerdem finde ich es immer sehr interessant, was die<br />
Chatterinnen und Chatter so bewegt. Und von Herrn Dr. Meister würde ich<br />
gerne wissen, wann denn endlich die gesetzlichen Vorgaben für eine<br />
bessere Regulierung unseres Finanzmarktes von Seiten der Koalition<br />
vorgelegt werden. Reden reicht nicht. Handeln ist gefragt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Das fragen wir ihn! Das Team von tagesschau.de wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag. Bis morgen &#8211; dann legen wir um 12.00 Uhr los!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts und Thomas Querengässer, tagesschau.de.</i>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
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