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	<title>Tagesschau &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Tagesschau &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Digital ist egal? Warum die Absetzung der tagesWEBschau ein falsches Signal ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Lagershausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Apr 2013 15:24:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
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					<description><![CDATA[Es war ein hoffnungsvoller Start, in der Historie des Öffentlich-Rechtlichen aber reicht es nur für eine Fußnote: Die tagesWEBschau, erstmals [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/digital-ist-egal-warum-die-absetzung-der-tageswebschau-ein-falsches-signal-ist/opaschautfern/" rel="attachment wp-att-128510"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-128510" alt="OpaSchautFern" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/OpaSchautFern.jpg" width="640" height="512" /></a>Es war ein hoffnungsvoller Start, in der Historie des Öffentlich-Rechtlichen aber reicht es nur für eine Fußnote: Die tagesWEBschau, erstmals gesendet vor einem knappen Jahr, wird in wenigen Wochen abgesetzt. Am vergangenen Donnerstag gab die verantwortliche Rundfunkanstalt Radio Bremen bekannt, dass die ARD-Intendanten keine Fortsetzung der Mini-Nachrichtensendung wünschen, die Internet-Themen in den Mittelpunkt rückt.<br />
<br/><div class="subcolumns">
             <div class="c75l">
               <div class="subcl">
                 <div class="entry-content-position">
                   </p>
<h2>Digital ist egal? Warum die Absetzung der tagesWEBschau ein falsches Signal ist</h2>
<p>Da fragt man sich zuerst, woran das eigentlich liegt. Hat es vielleicht damit zu tun, dass die Intendantenriege – wie auch die ARD-Zuschauerschaft &#8211; im Durchschnitt etwa 60 Jahre alt ist? Schließlich nutzen in dieser Altersgruppe, laut aktuellem (N)ONLINER-Atlas, nur 43 Prozent einen Breitbandanschluss. Aber gut, die genauen Ursachen bleiben Spekulation. Dennoch gibt es fünf sehr konkrete Gründe, warum die Absetzung der tagesWEBschau strategisch falsch ist.<br />
Erstens: Der Newsstrom im Netz verläuft genauso schnell wie einseitig. Ständig wird man von Thema zu Thema gerissen, weil permanent irgendwo etwas aufpoppt, andererseits passiert das aber meist nur in den Grenzen der Favoritenleiste und Kontaktliste. Die tagesWEBschau sorgt für Gewichtung und ist im Optimalfall eine Alternative zu den Filtern, die uns scheinbar konsumentengerechte Appetithäppchen bieten.<br />
Zweitens: Wir leben im Jahr 2013. Das Internet beobachtet Themen, setzt welche und muss deswegen auch selbst Nachrichtengegenstand sein. Natürlich gehört die Berichterstattung übers Netz zuallererst in die Hauptnachrichten – Skurriles wie die isländische Inzest-Warn-App darf aber auch gerne weiterhin separat beleuchtet werden.<br />
Drittens: Wie bereits erwähnt, ist der ARD-Zuschauer im Durchschnitt 60 Jahre alt. Wer langfristig jüngere Zielgruppen erreichen will, muss auch die entsprechenden Inhalte liefern und darf nicht bei den ersten Problemen kapitulieren. Zumal die Quote sowieso kein sonderlich geeigneter Gradmesser ist, siehe Viertens und Fünftens.<br />
Viertens: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert sich über Gebühren, die jeder zahlen muss – ob er das Programm nun schaut oder nicht. Diese Regelung birgt, von Kritikern gerne übersehen, auch eine Freiheit: die Chance nämlich, unabhängig zu sein vom Massengeschmack. Wer, wenn nicht ein Sender mit garantierten Einnahmen, soll sich ein Nischenformat leisten können? Ist das nicht der Traum eines jeden Programmgestalters?<br />
Fünftens: Auch wer keine Formate für Minderheiten machen möchte, sollte sich im Netz nicht an die Quote ketten. Laut RB-Sprecher Glöckner werde z. B. gar nicht erfasst, wie viele Nutzer die tagesWEBschau auf ihren Smartphones angesehen haben. Das führt zu einem Argumentationsproblem, sobald – wie geschehen – die Absetzung u. a. mit angeblich zu geringen Zuschauerzahlen begründet wird und auf der anderen Seite die Nutzungszahlen des mobilen Internets immer weiter steigen.<br />
Die ARD stützt sich bei der Absetzung der tagesWEBschau auf ein zweifelhaftes Messverfahren und geht bereits nach knapp einem Jahr vor einer fragwürdigen Quote in die Knie. Ein langer Atem und ein nachhaltiges Konzept, um gerade jüngere, netzaffine Menschen für die Marke tagesschau zu begeistern, sieht anders aus. Was meinen Eltern vielleicht egal ist, lässt mich doch ziemlich enttäuscht zurück.<br />
&nbsp;<br />
Bild: BuddyHesseling (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC 2.0</a>)</p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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                 </div>
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             </div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Olaf Scholz im Videochat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jul 2010 13:47:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsidentenwahl]]></category>
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					<description><![CDATA[Was möchten Sie von Olaf Scholz wissen? Der Partei- und Fraktionsvize der SPD beantwortet live Ihre Fragen - am Dienstag ab 13
Uhr im tagesschau-Videochat.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was möchten Sie von Olaf Scholz wissen? Der Partei- und Fraktionsvize der SPD beantwortet live Ihre Fragen &#8211; am Dienstag ab 13<br />
Uhr im tagesschau-Videochat.<br />
<!--break--><a href="http://www.tagesschau.de/zumchat100.html" title="Zum Tagesschau-Chat" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier<br />
können Sie jetzt schon ihre Fragen stellen</a></p>
<p>
<meta http-equiv="CONTENT-TYPE" content="text/html; charset=utf-8" /><br />
<title></title><br />
<meta name="GENERATOR" content="OpenOffice.org 3.2  (Win32)" /></p>
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<!--
@page { margin: 2cm }
P { margin-bottom: 0.21cm }
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</p>
<p>
Was bedeutet der Ausgang der Bundespräsidentenwahl für das zukünftige<br />
Verhältnis von SPD und Linkspartei? Olaf Scholz sprach der Linkspartei<br />
angesichts der vielen Enthaltungen im dritten Wahlgang die<br />
Regierungsfähigkeit ab: „Die Partei ist der Verantwortung in der<br />
Bundesversammlung nicht gerecht geworden“, sagte er der „Frankfurter<br />
Rundschau“. Mit der „demonstrativen Wahl“ des Bürgerrechtlers Joachim<br />
Gauck hätte die Linkspartei-Spitze ihre Abwendung vom DDR-Erbe beweisen<br />
können, so Scholz weiter. Ist Rot-Rot-Grün in Bund und Ländern<br />
unwahrscheinlicher geworden?
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/zumchat100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier<br />
können Sie jetzt schon ihre Fragen stellen</a>
</p>
<p><meta http-equiv="CONTENT-TYPE" content="text/html; charset=utf-8" /><br />
<title></title><br />
<meta name="GENERATOR" content="OpenOffice.org 3.2  (Win32)" /></p>
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<p style="margin-bottom: 0cm">
<b>Zur Person</b>
</p>
<p style="margin-bottom: 0cm">
Olaf Scholz, 1958 in Osnabrück geboren, studierte in Hamburg<br />
Rechtswissenschaften und trat 1975 in die SPD ein. Zwischen 1982 bis<br />
1988 war Scholz stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender. 1994 wurde<br />
er als Chef der SPD Altona gewählt und übernahm ab 2000 bis 2004 und<br />
erneut 2009 den Landesvorsitz der SPD Hamburg. Dem Bundestag gehört<br />
Scholz &#8211; mit einer Unterbrechung in den Jahren 2001 und 2002 &#8211; seit<br />
1998 an. Von Mai 2001 bis Oktober 2001 war er Innensenator der Freien<br />
und Hansestadt Hamburg. Seit 2001 gehört Scholz dem SPD-Bundesvorstand<br />
an, ab 2005 der Parteispitze. Zwischen Oktober 2002 und März 2004 war<br />
er zudem Generalsekretär der SPD und von 2005 bis 2007 Erster<br />
Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. In der<br />
Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD übernahm Scholz von November 2007<br />
bis zum Regierungswechsel 2009 das Amt des Bundesministers für Arbeit<br />
und Soziales. Seit 2009 ist Scholz stellvertretender SPD-Fraktionschef<br />
im Bundestag und Vize-Parteivorsitzender der SPD.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Man kann Google anonym nutzen&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Bergemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 17:15:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Google Street View]]></category>
		<category><![CDATA[Video-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Kay Oberbeck]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
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					<description><![CDATA[Google-Sprecher Kay Oberbeck stellte sich im <a href="http://www.tagesschau.de/inland/googlevideochat100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Videochat</a> in Zusammenarbeit mit politik-digital.de den Fragen der User. Diskutiert wurde über die Themen Datenschutz, Google-Street-View und die Privatsphäre.
<p>
&#160;
</p>
<p align="center">
<a href="http://www.tagesschau.de/inland/googlevideochat100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img src="/sites/politik-digital.de/files/oberbeckchat.jpg" alt="tagesschau-Videochat mit Kay Oberbeck" title="tagesschau-Videochat mit Kay Oberbeck" height="191" width="320" /></a>
</p>
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Google-Sprecher Kay Oberbeck stellte sich im <a href="http://www.tagesschau.de/inland/googlevideochat100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Videochat</a> in Zusammenarbeit mit politik-digital.de den Fragen der User. Diskutiert wurde über die Themen Datenschutz, Google-Street-View und die Privatsphäre.</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p align="center">
<a href="http://www.tagesschau.de/inland/googlevideochat100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/oberbeckchat.jpg" alt="tagesschau-Videochat mit Kay Oberbeck" title="tagesschau-Videochat mit Kay Oberbeck" height="191" width="320" /></a>
</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<i>Wenn Sie den Chat noch einmal sehen möchten, klicken Sie bitte auf das Bild.</i></p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Videochat mit Hannelore Kraft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/projekt/videochat-mit-hannelore-kraft-4627/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Kemmerich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 12:50:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Video-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[Was möchten Sie von Hannelore Kraft wissen? Die SPD-Politikerin beantwortet live Ihre Fragen - am Montag von 16.45 Uhr bis 17.30 Uhr im tagesschau-Videochat.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was möchten Sie von Hannelore Kraft wissen? Die SPD-Politikerin beantwortet live Ihre Fragen &#8211; am Montag von 16.45 Uhr bis 17.30 Uhr im tagesschau-Videochat.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/zumchat100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier können Sie bereits Ihre Fragen stellen und die Fragen anderer User bewerten!</a>
</p>
<p>
Das Debakel bei der Bundestagswahl steckt den Sozialdemokraten tief in den Knochen. Für die SPD-Basis ist der Bundesparteitag Mitte November in Dresden die Gelegenheit, sich ihrem Unmut über die alte Parteispitze Luft zu machen. Und auch darüber, dass sich die neue Mannschaft die Posten im kleinen Kreis gesichert hat: Sigmar Gabriel will Vorsitzender, Andrea Nahles Generalsekretärin werden &#8211; und Hannelore Kraft stellvertretende Parteichefin. Kann das neue Personal die angeschlagene SPD aus der Krise führen? Kommt es auf dem Parteitag zur Abrechnung mit Schröder und Müntefering? Im Mai 2010 steht für Hannelore Kraft bereits die nächste Wahl an. Ihr Job: Sie soll das SPD-Stammland Nordrhein-Westfalen zurückerobern. Wie stehen ihre Chancen, CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zu schlagen? Und will sie dafür auch die Linkspartei mit ins Boot holen?
</p>
<p>
Was möchten Sie von Hannelore Kraft wissen? Die SPD-Politikerin beantwortet live Ihre Fragen &#8211; am Montag, dem 2. November, von 16.45 bis 17.30 Uhr im tagesschau-Videochat. Der tagesschau-Chat wird veranstaltet von tagesschau.de in Zusammenarbeit mit politik-digital.de.<a href="http://www.tagesschau.de/zumchat100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"></a>
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/zumchat100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier können Sie bereits Ihre Fragen stellen und die Fragen anderer User bewerten!</a>
</p>
<p>
Zur Person:<br />
Hannelore Kraft, geboren 1961 in Mühlheim an der Ruhr. Nach dem Abitur macht Kraft eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Ab 1982 studiert sie Wirtschaftswissenschaften in Duisburg und London und schließt als Diplom-Ökonomin ab. 1994 tritt Kraft in die SPD ein, im Jahr 2000 wird sie in den Düsseldorfer Landtag gewählt. Bereits im Jahr darauf ist sie Landesministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, später Ministerin für Wissenschaft und Forschung. Nach der Niederlage der SPD bei der Landtagswahl 2005 wird sie Fraktionschefin und übernimmt 2007 den SPD-Parteivorsitz in Nordrhein-Westfalen. Zur Landtagswahl im Mai 2010 tritt Kraft als Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten an. Hannelore Kraft ist verheiratet und hat ein Kind.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir brauchen eine Schuldenbremse&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-brauchen-eine-schuldenbremse-4911/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Roleff]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2009 10:42:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Video-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Niedersachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
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					<description><![CDATA[Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) stellte sich am 4. Mai 2009 im <a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll498.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Videochat</a> in Zusammenarbeit mit 
politik-digital.de den Fragen der User. Diskutiert wurde u.a. über die Themen Steuerreform, Neuverschuldung und die Zukunft der Automobilbranche.
<p>
&#160;
</p>
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) stellte sich am 4. Mai 2009 im <a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll498.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Videochat</a> in Zusammenarbeit mit<br />
politik-digital.de den Fragen der User. Diskutiert wurde u.a. über die Themen Steuerreform, Neuverschuldung und die Zukunft der Automobilbranche.</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p align="center">
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll498.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/wulffchat.jpg" alt="Christian Wulff im Video-Chat" title="Christian Wulff im tagesschau-Videochat" height="192" width="320" /></a>
</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<i>Wenn Sie den Chat noch einmal sehen möchten, klicken Sie bitte auf das Bild.</i></p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Datenschützer: &#8220;Gefahr der Gefälligkeitskontrolle&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/datenschuetzer-gefahr-der-gefaelligkeitskontrolle-4179/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[esnakker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Dec 2008 19:03:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Durchsuchung]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Datensicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Vorratsdatenspeicherung]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch, 10. Dezember 2008 war Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig Holstein zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der Datenschutzexperte äußerte sich zu den gesetzlichen Neuregelungen im Datenschutz und ging auch auf die Problematiken und Versäumnisse ein.  
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch, 10. Dezember 2008 war Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig Holstein zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der Datenschutzexperte äußerte sich zu den gesetzlichen Neuregelungen im Datenschutz und ging auch auf die Problematiken und Versäumnisse ein. <br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Herzlich willkommen zum tagesschau-Chat. Am Wochenende ist der neueste Datenskandal bekannt geworden: Offenbar waren Bankdaten von 21 Millionen Bürgern auf dem Schwarzmarkt zu haben. Wie sicher sind unsere persönlichen Daten? Dazu wollen wir heute chatten: In Kiel begrüße ich jetzt Thilo Weichert. Er ist der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz und Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein. Vielen Dank Herr Weichert, dass Sie sich die Zeit nehmen! Kann es losgehen?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Es kann losgehen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das Bundeskabinett hat auf die Serie von<br />
Datenschutzskandalen reagiert und heute Vormittag Neuregelungen zum<br />
Datenschutz beschlossen. So dürfen persönliche Daten zukünftig nur<br />
noch mit Einwilligung weitergegeben werden. Außerdem ist ein<br />
Gütesiegel für Unternehmen geplant, die sich regelmäßigen<br />
Datenschutzkontrollen unterziehen. Sie haben den Gesetzesentwurf als<br />
&quot;Katastrophe&quot; bezeichnet. Was genau kritisieren Sie?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Der Gesetzentwurf regelt das<br />
Permission-Marketing, also die Nutzung von Daten für Werbezwecke<br />
sowie das Datenschutzaudit. Die Wirtschaft hat im Vorfeld gegen das<br />
Gesetz viel Lobbyarbeit gemacht. Trotzdem ist das Grundprinzip<br />
beibehalten worden, dass bei der Nutzung von Fremddaten die<br />
Einwilligung der Betroffenen nötig ist. Dies ist okay. Kritisiert<br />
wird von uns vor allem das Auditgesetz, das alle Fehler enthält, die<br />
man machen kann: Es sieht weder Transparenz noch Qualitätssicherung<br />
vor und schafft weder Vertrauen noch Rechtssicherheit.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was genau wird im Auditgesetz geregelt und was<br />
stört Sie im Detail?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Das Auditgesetz soll es der Wirtschaft<br />
ermöglichen, durch Experten &#8211; ohne Einschaltung der staatlichen<br />
Aufsicht und schon präventiv &#8211; ein Verfahren oder ein IT-Produkt auf<br />
Datenschutzkonformität hin zu überprüfen. Damit sollen die<br />
Unternehmen auch nach außen hin werben können. Unsere Kritik<br />
besteht darin, dass die Ergebnisse der Prüfung durch die Gutachter<br />
nicht veröffentlicht werden sollen, so dass die Verbraucher keine<br />
Transparenz haben. Auch eine Qualitätsprüfung durch eine<br />
unabhängige Instanz ist nicht vorgesehen. So läuft das Audit<br />
Gefahr, zur Gefälligkeitskontrolle zu werden. Ein inhaltlicher<br />
Gewinn wäre damit nicht verbunden. Vielmehr hätten wir<br />
Aufsichtsbehörden nur mehr Arbeit beim Beschwerden Bearbeiten.
</p>
<p>
<b>MatthiasKD</b>: Das Kabinett hat einen Gesetzesentwurf<br />
beschlossen, nach dem persönliche Daten nur noch weitergegeben<br />
werden dürfen, wenn die Betroffenen ausdrücklich zustimmen. Gibt es<br />
eigentlich Regelungen, wie solche Zustimmungen kenntlich zu machen<br />
sind? Man muss ja zum Beispiel für die Teilnahme an<br />
Onlinegewinnspielen oder bei Registrierungen im Netz immer die<br />
Datenschutzerklärung bestätigen, die kaum einer liest. Kann hier<br />
die Zustimmung im Kleingedruckten versteckt sein?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Der Entwurf sieht vor, dass die<br />
Einwilligung ausdrücklich erfolgen muss. Es genügt also nicht, die<br />
Einwilligung irgendwo im Kleingedruckten zu verstecken. Das ist im<br />
Grunde gut geregelt. Nur ist die Regelung selbst so monströs<br />
geraten, dass sie für normale Nutzer kaum verstanden werden kann.<br />
Außerdem gibt es ein Koppelungsverbot. Das heißt,<br />
Vertragsabschlüsse dürfen nicht davon abhängig gemacht werden,<br />
dass man der Werbenutzung zustimmt. Dies gilt aber nur für Dienste,<br />
für die es keine Alternativen auf dem Markt gibt. Dadurch wird das<br />
Koppelungsverbot weitgehend nutzlos.
</p>
<p>
<b>KV</b>: Gemeinnützige Organisationen sollen weiterhin Daten<br />
ohne die direkte Einwilligung der Betroffenen nutzen können. Sehen<br />
Sie einen Unterschied zwischen einem Werbebrief von Greenpeace und<br />
zum Beispiel dem Otto-Versand?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Es ist richtig, dass eine ganze Menge von<br />
Ausnahmen zugelassen werden, so auch für gemeinnützige<br />
Organisationen. Unsere Erfahrung ist, dass dort Daten nicht sorgsamer<br />
verarbeitet werden als bei anderen Stellen. Es gibt also aus<br />
Datenschutzsicht keinen Grund für diese Ausnahme. Offensichtlich<br />
wollte die Politik mit ihr den Widerstand gegen den Entwurf etwas<br />
mildern.
</p>
<p>
<b>OllyEden</b>: Aktuell ist ja noch das Thema Datenklau im<br />
Bereich der Kontodaten im Gespräch. Eine gesetzlich verankerte<br />
härtere Gangart ist das eine. Doch was wird man an technischen<br />
Vorgaben machen (können), um den Anwender und somit seine Daten<br />
besser zu schützen?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Leider hat insofern der Gesetzgeber alle<br />
unsere Vorschläge übergangen. Die Datenschutzbeauftragten haben<br />
gefordert, dass die Daten mit ihrer Herkunft und der zulässigen<br />
Nutzung markiert werden sollen, so dass niemand sich herausreden<br />
kann, er wüsste nicht, woher er die Daten hat und für was sie<br />
genutzt werden dürfen. Dies lässt sich technisch abbilden. Wurde<br />
aber leider bisher nicht Gesetz.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Warum wurde das nicht mit in den Entwurf<br />
aufgenommen?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Die Wirtschaft hat einen gewaltigen<br />
Widerstand gegen das gesamte Gesetzespaket organisiert. Bei SPD und<br />
CDU sowie den Ministerien sind scheinbar die Telefone nicht<br />
stillgestanden. Die Politik hat sich daher auf einige Punkte<br />
beschränkt, die bei Schäubles Datenschutzgipfel am 4.9. zugesagt<br />
wurden, und hat sinnvolle und nötige Ergänzungen unter den Tisch<br />
fallen lassen.
</p>
<p>
<b>ich</b>: Die Erfahrung zeigt, dass selbst sensible Daten in den<br />
Umlauf kommen, auch wenn sie nicht weitergegeben werden dürfen.<br />
Selbst wenn der &quot;Schuldige&quot; bestraft wird, sind die Daten<br />
dann im Umlauf. Muss ich jetzt jedes mal meine Kontodaten ändern?<br />
Oder kann ich Schadensersatz einfordern?
</p>
<p>
<b>Datenkrake</b>: Was kann ich tun, um meine im Umlauf<br />
befindlichen Daten zu sichern? Identität wechseln? Abmahnungen<br />
verschicken?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Wichtig ist in jedem Fall Datensparsamkeit.<br />
Aber oft müssen Daten herausgegeben werden. Da sollte man sich der<br />
Vertrauenswürdigkeit des Partners versichern. Wenn die Daten erst<br />
mal im Umlauf sind, gibt es wirklich kaum noch ein Halten. Kontrolle<br />
des Kontos ist wichtig. Wenn der Missbrauch festgestellt wird, sollte<br />
man sich bei den beteiligten Unternehmen beschweren. Wenn dies nichts<br />
bringt, hilft vielleicht die Beschwerde beim Datenschutz und beim<br />
Verbraucherschutz. Wenn der Missbrauch dadurch nicht beendet werden<br />
kann, hilft tatsächlich nur ein Identitätswechsel, also konkret<br />
zumeist der Austausch der Kontonummer.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu eine Nachfrage:
</p>
<p>
<b>Eismann</b>: Wie soll ich mich dieser Vertrauenswürdigkeit<br />
versichern? Heute arbeiten selbst sehr seriöse Firmen mit<br />
Drittanbietern, von denen ich unter Umständen gar nichts weiß. Wie<br />
soll ich da denn wissen, ob die vertrauenswürdig sind oder nicht?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Das ist tatsächlich ein gewaltiges<br />
Problem. Seriöse Firmen überprüfen oft nicht genügend die<br />
eingeschalteten Dienstleister. Vielleicht wird es bald zu einem<br />
Markenzeichen von Unternehmen, dass sie sich gegenüber den Kunden<br />
verpflichten, keine Dienstleister bei ihrem Angebot einzuschalten.<br />
Natürlich ist Transparenz wichtig. Je offener ein Unternehmen<br />
bezüglich seiner Privacy-Policy ist und je genauer die Datennutzung<br />
beschrieben wird, desto bessere Kontroll- und<br />
Entscheidungsmöglichkeiten hat der Verbraucher. Dies ist eine<br />
wichtige Grundlage für das Vertrauen. Eine andere ist eine bisherige<br />
positive Erfahrung mit dem Unternehmen.
</p>
<p>
<b>Nr6655321</b>: Die Problematik ist doch eigentlich nicht neu,<br />
die Bürger waren schon immer unvorsichtig mit ihren Daten. Welchen<br />
Einfluss haben insbesondere die medienwirksamen Vorfälle der letzten<br />
Zeit auf die Gesetzgebung?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Wir können schon eine zunehmende<br />
Zurückhaltung feststellen, vor allem bei Internetangeboten und<br />
Gewinnspielen. Richtig ist aber, dass immer noch viele Menschen sich<br />
keinen Kopf machen um den möglichen Missbrauch ihrer Daten. Die<br />
Skandale haben meines Erachtens einen großen Einfluss auf die<br />
Gesetzgebung. Hätte es den 21-Millionen-Daten-Skandal nicht gegeben,<br />
so wäre der Entwurf wahrscheinlich jetzt nicht ins Kabinett<br />
gekommen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zum Thema persönliche Daten im Netz:
</p>
<p>
<b>pommes-olaf</b>: Viele Leute geben ihre Daten bereitwillig in<br />
Facebook oder StudiVZ ein, wissentlich, dass jeder sie sehen kann.<br />
Wollen die Leute nur Datenschutz, wenn er keinen Verzicht bedeutet?
</p>
<p>
<b>sureshot</b>: Werden meine Daten auf Xing, Facebook etc. auch<br />
für Zwecke genutzt, die ich gar nicht kenne? Kann ich den Netzwerken<br />
vertrauen?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Ich denke, die Blauäugigkeit ist noch weit<br />
verbreitet. Viele denken nicht über den Tag hinaus. Garantiert<br />
möchte niemand, dass irgendwelche Selbstdarstellungen im Netz von<br />
einem künftigen Arbeitgeber genutzt werden, wenn sie anstößig sein<br />
können. Selbstbeschränkung muss nicht Verzicht sein. Alles, was im<br />
öffentlichen Teil des Netzes verfügbar ist, kann bezüglich des<br />
Zweckes nicht mehr eingeschränkt werden. Das heißt, die Daten<br />
können von allen und von jedem für alle und jede Zwecke verwendet<br />
werden, vom Finanzamt über den Arbeitgeber bis zur Polizei und zum<br />
Nachbarn.
</p>
<p>
<b>Frank Scheun</b>: Gibt es Gratis-Emaildienste, die sicherer<br />
sind als andere? Wir wissen überhaupt nicht, was amerikanische<br />
Anbieter wie Google, Yahoo und MSN mit unseren Daten machen.
</p>
<p>
<b>pommes-olaf</b>: Sollte der Staat stärker gegen die<br />
Datensammlung von Google vorgehen?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Dienste in Deutschland sind sicher<br />
zuverlässiger als Dienste aus dem Ausland &#8211; vor allem in den USA, wo<br />
es kein wirksames Datenschutzrecht gibt. Aber auch bei deutschen<br />
Anbietern würde ich meine Hand in kein Feuer legen. Die<br />
Datenverarbeitung von Google ist ein riesiges Feld. Im Unabhängigen<br />
Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein haben wir gerade<br />
mit der härteren Auseinandersetzung begonnen. Google ist<br />
gesprächsbereit. Ob die Firma auch bereit ist, auf Forderungen der<br />
Datenschützer einzugehen, kann ich noch nicht bestätigen.
</p>
<p>
<b>j.a.n.s</b>: Im Dorf weiß und wusste jeder über jeden<br />
Bescheid. Durch die Globalisierung ist nur das Dorf größer<br />
geworden. Damit auch die Konsequenzen. Doch dies kann doch nur durch<br />
ein Umdenken der Menschen geändert werden. Aber die sammeln<br />
Bonuspunkte, stellen Persönlichstes in Soziale Internetnetzwerke.<br />
Was muss passieren, dass Menschen hier sensibler werden?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Ich bin sicher, dass dieser Prozess lange<br />
dauert, aber zu einem Umdenken führen wird. Wenn die Menschen<br />
merken, dass ihre Daten zu Schäden und Nachteilen führen, dann<br />
werden sie vorsichtiger werden. Leider werden viele Menschen erst<br />
durch Schaden klug.
</p>
<p>
<b>Storm</b>: Welche Risiken für meine Daten birgt die<br />
&quot;elektronische Gesundheitskarte&quot;? Kann ich mich weigern,<br />
meiner Krankenkasse ein Foto zu schicken?
</p>
<p>
<b>Prof.H.R.</b>: Krankenakten- Daten, wie kann ich diese für<br />
Ärzte freigeben?
</p>
<p>
<b>nummer5</b>: Welchen Schutz gibt es bei der neuen<br />
elektronischen Gesundheitskarte gegen den Datendiebstahl- und Handel?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Die eGK, also die Gesundheitskarte, ist ja<br />
noch nicht eingeführt. Die Vorbereitungen sehen aus meiner<br />
Datenschutzsicht gar nicht schlecht aus: Das Gesetz ist ganz gut. Die<br />
Umsetzung ist bisher auch okay. Es gibt aber natürlich Zwänge.<br />
Einer ist die Pflicht, ein Bild abzugeben. Da geht wohl kein Weg<br />
vorbei. Die Freigabe von Patientendaten ist eine Anwendung bei der<br />
eGK. Insofern sollen die Patienten vollständige<br />
Entscheidungsfreiheit haben. Das wird technisch auch so umgesetzt.<br />
Der Handel mit Gesundheitsdaten ist absolut verboten. Es gibt auch<br />
technische Sicherungen: Die Telematik-Infrastruktur ist ein<br />
Virtual-Private-Network. Die Daten werden mit einem öffentlichen<br />
Schlüssel verschlüsselt und können nur mit dem privaten auf der<br />
eGK entschlüsselt werden. Außerdem soll es differenzierte<br />
Zugriffsregelungen auf technischer Ebene geben.
</p>
<p>
<b>ringo</b>: Was kann man gegen die Weitergabe personenbezogener<br />
Daten durch die Einwohnermeldeämter tun?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Meldebehörden eröffnen die Möglichkeiten<br />
zu Widersprüchen, z.B. Weitergabe an Adressbücher, an politische<br />
Parteien usw.. Dies muss man nicht begründen. Will jemand eine<br />
generelle Sperre einrichten lassen, was auch möglich ist, dann muss<br />
dies damit begründet werden, dass die Weitergabe der Daten direkte<br />
Schäden zur Folge haben kann.
</p>
<p>
<b>Romeyer</b>: Welche Wahl hat denn der Bürger, wenn Unternehmen<br />
Daten für Verträge etc. erheben? Sind die Datenpools bei Behörden<br />
und Unternehmen nicht das eigentliche Problem?
</p>
<p>
<b>Palatius</b>: Wie sieht es dann z.B. mit den &quot;berühmten<br />
Schufaauskünften&quot; aus?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Wir haben Privatautonomie, das heißt, wenn<br />
einem die Vertragsbedingungen nicht passen, muss man es bleiben<br />
lassen. Künftig soll es das schon erwähnte Koppelungsverbot geben,<br />
so dass man nicht zu stark über den Tisch gezogen werden kann. Dann<br />
gibt es natürlich die Kontrolle. Die Schufa ist auch ein weites<br />
Feld. Künftig soll es das Recht geben, sich regelmäßig selbst<br />
unentgeltlich eine Schufaauskunft einzuholen. Damit nichts Falsches<br />
an Dritte beauskunftet wird, sollten viele dieses kommende Angebot<br />
auch nutzen.
</p>
<p>
<b>akala</b>: Thema Vorratsdatenspeicherung:<br />
Bundesjustizministerin Zypries behauptet immer wieder, mit der<br />
Einführung der Vorratsdatenspeicherung hätte sich für den Bürger<br />
nicht viel geändert, die Telekommunikationsdaten wären ja auch<br />
vorher schon gespeichert worden. Was ist also das Neue und<br />
Gefährliche an der Vorratsdatenspeicherung? Oder ist sie tatsächlich<br />
harmlos?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Diese Dauerbehauptung von Frau Zypries wird<br />
mit ihrer Wiederholung nicht richtiger. Das Problem ist, dass künftig<br />
alle Verbindungsdaten gespeichert werden, auch wenn sie für<br />
Abrechnungen nicht nötig sind. Angesichts von Flatrates ist dies<br />
eine gewaltige Menge. Diese Daten sind sehr aussagekräftig. Auch nur<br />
deshalb haben Polizei und Geheimdienste hieran ein so großes<br />
Interesse.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Auch bei diesem Chat konnten die User schon<br />
vorab Fragen stellen. Diese hat die meisten interessiert:
</p>
<p>
<b>John</b>: Wird Schäuble versuchen, durch die<br />
Vorratsdatenspeicherung/Onlinedurchsuchungen illegale Film-, Musik-<br />
und Spieldownloads einzugrenzen?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Es ist gut möglich, dass Herr Schäuble<br />
dies versuchen will. Die Urheberindustrie macht insofern gewaltige<br />
Lobbyarbeit. Nur läuft die Rechtsprechung des<br />
Bundesverfassungsgerichts in eine ganz andere Richtung. Es ist<br />
relativ klar, dass bei Bagatellen wie einzelnen<br />
Urheberrechtsverstößen die Nutzung der Vorratsdaten nicht<br />
zugelassen wird.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Leider müssen wir zum Schluss kommen, ein<br />
Hilferuf:
</p>
<p>
<b>Matthias L.</b>: Ist es nicht der blanke Hohn, dass die<br />
Bundesregierung angeblich so viel für den Datenschutz tut und<br />
mittlerweile selbst die größte Datenkrake überhaupt ist? Wer<br />
schützt mich vor der Regierung mit der Vorratsdatenspeicherung?
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Schutz vor Datenmissbrauch durch den Staat<br />
gibt es von &#8211; möglichst unabhängigen &#8211; Datenschutzbehörden. Aber<br />
wichtiger ist die öffentliche Diskussion und die Einflussnahme auf<br />
die Politik. Insofern stehen wir in Deutschland besser da als zum<br />
Beispiel in den USA oder in England. Wenn die Regierung etwas<br />
Positives tut, sollten wir das auch positiv kommentieren. Aber<br />
Vorsicht ist immer sinnvoll.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das war eine Stunde tagesschau-Chat zum Thema<br />
Datenschutz. Vielen Dank, liebe User, für Ihre Fragen! Herzlichen<br />
Dank, Herr Weichert, für Ihre Zeit und Grüße von Berlin nach Kiel.<br />
Das Team von tagesschau.de wünscht allen noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Thilo Weichert</b>: Ich habe gerne am Chat mitgemacht. Liebe<br />
Grüße.
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Thomas Querengässer,<br />
tagesschau.de.</i>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>tagesschau-Chatreihe zur Finanzkrise: B&#8217;90/Die Grünen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[esnakker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Nov 2008 15:36:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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		<category><![CDATA[Christine Scheel]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch, 12. November 2008, war der dritte Tag der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Zu Gast im Chat im Chat war <span class="articleImg"><span class="imgSubline">Christine Scheel, Vize-Vorsitzende der B'90/Grüne-Bundestagsfraktion</span></span>. Die  Bundestagsabgeordnete und Finanz-Expertin der Grünen beantwortete Fragen zur Finanzkrise, zum möglichen Konjunkturabschwung und gab dem Chatteam eine Frage an den kommenden Chatgast von der SPD auf den Weg.<br />
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch, 12. November 2008, war der dritte Tag der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Zu Gast im Chat im Chat war <span class="articleImg"><span class="imgSubline">Christine Scheel, Vize-Vorsitzende der B&#8217;90/Grüne-Bundestagsfraktion</span></span>. Die  Bundestagsabgeordnete und Finanz-Expertin der Grünen beantwortete Fragen zur Finanzkrise, zum möglichen Konjunkturabschwung und gab dem Chatteam eine Frage an den kommenden Chatgast von der SPD auf den Weg.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tagesschau-Chat.<br />
Hier im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich jetzt die stellvertretende<br />
Vorsitzende der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen, Christine Scheel.<br />
Wir freuen uns sehr, dass Sie an der Chat-Serie zur Finanzkrise<br />
teilnehmen. Noch bis übermorgen haben Sie, liebe User, die Möglichkeit,<br />
Ihre Fragen an die Finanzexperten des Bundestages zu richten. Frau<br />
Scheel, wollen wir starten?
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-1.html" onclick="windowOpen('/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-1.html',820,700,1,1);return false;" title="Zur Fotostrecke des Beitrages [neues Fenster]"><br />
</a><b>Christine Scheel:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Kommen wir direkt zu unserer Top1-Frage aus dem Chatroom:
</p>
<p>
<b>ole:</b><br />
Welche Vorschläge haben die Grünen zur Beendigung der gängigen Praxis<br />
in Deutschland: Gewinne privatisieren, Verluste vergesellschaften, wie<br />
zum Beispiel geschehen in der Bankenkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir brauchen eine bessere Finanzaufsicht. Es darf nicht sein, dass<br />
außerhalb von Bilanzen Papiere, die riskant sind, regelrecht gehortet<br />
werden. Das heißt, die Bilanzierungsregeln müssen geändert werden,<br />
damit so etwas nicht noch einmal passiert. Finanzmarktprodukte müssen<br />
besser kontrolliert werden in Hinblick auf ihre Risiken. Außerdem gilt<br />
es, für Rating-Agenturen neue Bestimmungen festzulegen, damit diese die<br />
Risiken auch richtig einschätzen.
</p>
<p>
<b>alex:</b> Wie bewerten die Grünen das Hilfspaket der Bundesregierung?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir halten im Grundsatz ein Hilfspaket für richtig. Wir hätten uns<br />
allerdings gewünscht, dass das Parlament mehr Kontrollmöglichkeiten für<br />
die Bedingungen, die an die Banken oder Versicherungen gerichtet<br />
werden, gehabt hätte. Außerdem hätten wir es für sinnvoll gehalten,<br />
wenn alle Banken erstmal unter diesen Rettungsschirm gegangen wären.
</p>
<p>
<b>witreu:</b> Warum sollen nicht ein paar Banken pleite gehen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Banken, die systemrelevant sind, das heißt, wenn die Pleite einer Bank<br />
massive Auswirkungen auf das Marktgeschehen insgesamt hätte, sollten<br />
gestützt werden. Das heißt nicht, dass jede kleine Bank machen kann was<br />
sie will &#8211; ohne das Risiko einer Insolvenz.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu auch die nächste Frage:
</p>
<p>
<b>knt:</b><br />
Hallo! Es hieß bei der Rechtfertigung des Rettungsplanes für Banken:<br />
&quot;Man muss die Banken retten, um die Realwirtschaft zu retten &#8211; denn die<br />
Banken stellen der Realwirtschaft das Kapital zur Verfügung&quot; Warum<br />
lässt man die Banken nicht absaufen und rettet die Realwirtschaft<br />
direkt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Wichtig ist, dass der<br />
Bankensektor untereinander wieder Vertrauen aufbaut. Derzeit geben<br />
Banken sich untereinander zu wenig Kredite, weil das Misstrauen, dass<br />
faule Papiere in der Bilanz schlummern, noch immer sehr groß ist. Das<br />
ist das Hauptproblem, denn Unternehmen brauchen für ihre Investitionen<br />
eine vernünftige Kreditvergabe.
</p>
<p>
<b>Blablubb:</b> Sollte die Regierung Ihrer Meinung nach die deutsche Konjuktur stützen oder doch eher dem Markt die Regulierung überlassen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Ich halte von Gießkannenkonjunkturprogrammen nichts, da sie lediglich<br />
viel kosten, aber durch Mitnahmeeffekte verpuffen.Wichtig ist, dass die<br />
Wirtschaft, beziehungsweise die verschiedenen Branchen,<br />
Planungssicherheit haben in Hinblick darauf, wie die Zukunft von<br />
staatlicher Seite gewünscht wird. Beispiel Automobilwirtschaft: Hier<br />
brauchen wir eine klare gesetzliche Änderung im Kfz-Steuerrecht, damit<br />
CO2-arme Fahrzeuge produziert werden.
</p>
<p>
<b>Gunter:</b><br />
Die Wirtschaftsweisen meinen, dass der Abschwung zu bremsen sei, wenn<br />
Ländern und Kommunen Milliarden in die Verkehrsinfrastruktur stecken.<br />
Was halten Sie von dem Vorschlag?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Planungen in der Verkehrsinfrastruktur brauchen eine Vorlaufzeit, damit<br />
die Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren auch ordentlich<br />
vorgenommen werden können. Bislang gibt es im Bundesverkehrswegeplan<br />
noch genügend Projekte, deren Finanzierung noch nicht abgerufen wurde.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Die fünf &quot;Wirtschaftsweisen&quot; haben der Kanzlerin heute ihr Gutachten<br />
zur Wirtschaftsentwicklung überreicht. Darin steht wenig Erfreuliches:<br />
Deutschland sei auf dem Weg in die Rezession und es werde wieder zu<br />
einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen kommen. Halten Sie die<br />
Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung für ausreichend?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung sind sehr beliebig. Sie<br />
lassen kein System erkennen. Das Thema Befreiung der Kfz-Steuern ist ja<br />
schon wieder in der Großen Koalition heftig umstritten. Andere<br />
Maßnahmen, wie zum Beispiel die bessere Absetzbarkeit bei<br />
Handwerkerrechnungen, begrüßen die Grünen. Ebenso wie ein<br />
Investitionsanreiz im Bereich der Gebäudesanierung und die Vergabe von<br />
Krediten an kleine und mittelständische Unternehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu auch der nächste User<b>.</b>
</p>
<p>
<b>karstenhh:</b><br />
Das Konjunkturprogamm ist doch eigentlich eine Farce bezüglich der<br />
Steuervergünstigung, weil die Käufer sollen etwas kaufen, wofür sie<br />
dann vom Staat eine kleine Entschädigung erhalten. Aber keiner sagt,<br />
wie das der normale Deutsche leisten soll, wo doch das Geld allgemein<br />
so knapp ist und das Auto nur teuer finanziert werden müsste. Da hat<br />
die Politik wieder einmal mehr ihre Kurzsichtigkeit und die Probleme<br />
des Volkes aus den Augen verloren!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Dieses Beispiel der Steuerbefreiung bei der Kfz-Steuer zeigt, dass die<br />
Regierung nur ein Strohfeuer entfacht, ohne dass dies nachhaltig für<br />
die Bürgerinnen und Bürger Sinn macht. Dahingehend haben Sie Recht.<br />
Allerdings ist es nicht DIE Politik, sondern die Große Koalition, weil<br />
die Grünen zum Beispiel diesen Vorschlag abgelehnt hatten.
</p>
<p>
<b>knt:</b><br />
Nachfrage. Sie sagen: &quot;Unternehmen brauchen für die Investitionen eine<br />
Kreditvergabe.&quot; Nun ist es doch aber so, dass Banken das meiste Geld<br />
gar nicht in die Realwirtschaft investieren. Die Investions-Quote in<br />
Deutschland ist seit Jahren rückläufig! Darum: Warum hat man keinen<br />
&quot;Rettungsschirm für die Realwirtschaft&quot; aufgespannt? Droht einem<br />
Unternehmen die Pleite, weil seine Bank sich verspekuliert hat, bekommt<br />
es Hilfe vom Staat.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ein<br />
Rettungsschirm für die Realwirtschaft wäre nicht finanzierbar und die<br />
Hilfe für einzelne Branchen würde unseren Wettbewerb beschädigen.<br />
Welche Branchen sollen es denn dann sein?
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zum Beispiel die Automobilindustrie&#8230;
</p>
<p>
<b>Justin P.:</b><br />
Inwieweit sollte Nicht-Finanzinstitutionen geholfen werden?<br />
(Beispielsweise aus den USA, wo vor allem eine Unterstützung für<br />
General Motos im Raum steht.)
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir halten eine Subventionierung der Automobilindustrie in Deutschland<br />
für falsch. Wichtig ist, dass die Automobilindustrie ihre Produktion<br />
auf die Bedürfnisse der Menschen &#8211; im Zusammenhang mit den gestiegenen<br />
Benzinpreisen und der Diskussion über CO2-Emmissionen &#8211; endlich<br />
anpasst. Die Selbstverpflichtungserklärungen der Industrie, Autos mit<br />
weniger Verbrauch zu produzieren, ist leider nicht umgesetzt worden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Thomas Oppermann, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der<br />
SPD-Bundestagsfraktion, hält eine Sonderbehandlung der Autoindustrie<br />
für gerecht &#8211; schließlich hänge an ihr jeder sechste bis siebte<br />
Arbeitsplatz.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Es geht<br />
letztendlich darum, dass die Automobilindustrie zukunftsfähige<br />
Fahrzeuge produziert. Dies tut sie nicht so schnell, wenn erst einmal<br />
Subventionen hineingeschoben werden. Wir befürchten, dass staatliche<br />
Subventionen den Innovationsdruck bei der Industrie herausnehmen und<br />
wir Zeit verlieren, eine nachhaltigere Produktion zu bekommen. Die<br />
sollen sich endlich mal bewegen. Die haben in ihren<br />
Forschungsabteilungen hervorragende Entwicklungen, die jetzt schnell<br />
auf den Markt gebracht werden müssen.
</p>
<p>
<b>ThommyD:</b><br />
Wäre eine kurzzeitige Mehrwertsteuersenkung nicht viel effektiver als<br />
ein Ansetzen bei der Kfz-Steuer? Dies käme doch auch den Dienstleistern<br />
und dem Einzelhandel zugute.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Eine Mehrwertsteuersenkung hat die Große Koalition ausgeschlossen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was sagen Sie denn dazu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Dies würde bedeuten, dass wir eine weitere Staatsverschuldung von &#8211; bei<br />
einem Mehrwertsteuerpunkt &#8211; rund sieben Milliarden Euro hätten und<br />
damit die Schuldenlast sich für die nächsten Generationenen erhöhen<br />
würde. Außerdem glaube ich, dass eine Senkung bei der Mehrwertsteuer<br />
erst Wirkungen zeigen würde, wenn diese mindestens drei Prozentpunkte<br />
wäre. Was aufgrund der Haushaltslage derzeit unverantwortlich wäre.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Joschka Fischer kritisiert die Performance von Merkel während der<br />
Finanzkrise und wirft ihr Führungsschwäche vor. Außerdem hält er die<br />
beschlossenen Konjunkturmaßnahmen für völlig unzureichend. Diese würden<br />
dem heranrollenden &quot;realwirtschaftlichen Tsunami&quot; nicht gerecht.<br />
Stimmen Sie ihm zu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Leider erschließt sich mir nicht, was er denn stattdessen besser fände. Nur meckern hilft auch nicht weiter.
</p>
<p>
<b>Klara:</b> Frau Scheel, wo sehen die Grünen die Verantwortlichen für die Finanzkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir sehen die Verantwortlichkeit bei der Aufsicht, aber auch bei<br />
fehlenden Regelungen im Finanzmarkt, wofür wiederum die Politik die<br />
Verantwortung trägt.
</p>
<p>
<b>buh79:</b> Inwiefern trägt die<br />
rot-grüne Regierung Mitschuld an der Anfälligkeit des deutschen<br />
Finanzplatzes, insbesondere der Landesbanken, gegenüber der von den USA<br />
verursachten Finanzkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich<br />
sehe keine Veranlassung einer Mitschuld, insbesondere bei den<br />
Landesbanken. Fakt ist, dass die Landesbanken kein Geschäftsmodell<br />
haben, sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt herumtummelten, mit<br />
Produkten hantierten, die sie nicht verstanden haben und die<br />
zuständigen Landesregierungen dem nicht Einhalt geboten haben.
</p>
<p>
<b>alex:</b> Wie würde sich ein grünes Hilfspaket von dem der Großen Koalition denn grundsätzlich unterscheiden?
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-2.html" onclick="windowOpen('/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-2.html',820,700,1,1);return false;" title="Zur Fotostrecke des Beitrages [neues Fenster]"><br />
</a><b>Christine Scheel</b>: Wir begrüßen das Hilfspaket<br />
von seiner Größenordnung, allerdings hätten wir mehr parlamentarische<br />
Kontrolle in Hinblick auf die Bedingungen der jeweiligen Stützaktionen<br />
festgelegt. Jetzt gibt es lediglich ein Gremium, dass von Abgeordneten<br />
jeder Fraktion besetzt ist, der Geheimhaltung unterliegt und lediglich<br />
informiert wird, aber selbst keine Entscheidungen treffen kann.
</p>
<p>
<b>spiderman:</b><br />
Mich würde interessieren, in welchem Bereich des Konjunkturzykluses uns<br />
die Finanzexpertin sieht. Im Abschwung oder schon auf dem Tiefpunkt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich befürchte, wir sind im Abschwung.
</p>
<p>
<b>nachdenkerin:</b><br />
Eine Frage über die Parteigrenzen hinweg. Global und tiefer geschaut:<br />
Muss nicht generell das Geld- und Finanzsystem reformiert werden, weil<br />
durch die negativen Wirkungen der Zinsproblematik (exponentielles<br />
Wachstum von Zins und Zinseszins) sowohl die Schulden (auch des<br />
Staates), als auch die Schere zwischen Arm und Reich immer größer<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich bin für eine<br />
Reform des Finanzsystems mit mehr Transparenz und besseren Regeln.<br />
Allerdings glaube ich, dass die Abschaffung von Zinsen weltweit eine<br />
utopische Vorstellung ist. Unser Wirtschaftssystem braucht auch<br />
Kredite. Es wäre schwer verständlich, wenn diese Kredite nicht<br />
unterschiedliche Konditionen haben würden, die ja letztendlich auch<br />
über dieses Zinsniveau zum Ausdruck kommen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was erwarten Sie sich vom Weltfinanzgipfel in Washington?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich erwarte mir, dass die Länder sich schnell &#8211; im Zusammenhang der weltweiten Finanzkrise &#8211; auf gemeinsame Regeln einigen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Halten Sie eine Einigung wirklich für realistisch?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Ich befürchte schon auch, dass einzelne Interessen der Länder ein<br />
gemeinsames Vorgehen in den bisher diskutierten Punkten &#8211;<br />
Bankenaufsicht, Bilanzierungsregelungen, Rating-Agenturen,<br />
Managergehälter, Haftungsfragen &#8211; verhindern. Letztendlich geht es<br />
vielen Regierungschefs dann doch wieder um das Eigeninteresse ihres<br />
Landes, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
</p>
<p>
<b>JoeMcGrath:</b><br />
Die armen Länder der Erde haben die Krise nicht verursacht, aber werden<br />
am stärksten von ihr betroffen sein. Müsste es nicht ein<br />
internationales Insolvenzverfahren für Staaten geben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Mir ist nicht klar, was Sie mit einem internationalen<br />
Insolvenzverfahren für Staaten meinen. Bislang wurden vom IWF Staaten,<br />
die drohten, in die Insolvenz zu stürzen, gestützt, wie z.B. Island.<br />
Ich sehe allerdings auch, dass viele arme Länder der Erde von der<br />
Finanzkrise ohne Zutun stark betroffen sind. Daher muss die<br />
Staatengemeinschaft in ihrer Verantwortung diesen Ländern &#8211; im Blick<br />
auf Bekämpfung von Hunger &#8211; auch mehr Unterstützung geben.
</p>
<p>
<b>Acidos:</b><br />
Was muss getan werden, wenn es im schlimmsten Fall zu dem Zusammenbruch<br />
der Finanz- und Gesellschaftsordnung kommt, wie sie in Island droht?<br />
Was für Alternativen zu einem auf exponentiellem Wachstum basierenden<br />
System haben wir?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ein völliger<br />
Zusammenbruch der Finanz- und Gesellschaftsordnung von großen<br />
Industriestaaten wie Deutschland ist nicht zu befürchten. Island ist<br />
ein kleines Land und hat eine völlig andere Situation.
</p>
<p>
<b>Thomas:</b><br />
Ich habe Geld bei der isländischen Kaupthing Bank als Tagesgeld<br />
angelegt. Die ist jetzt ja Pleite. Erst hieß es, dass die<br />
Bundesregierung die Bürgschaft für die Einlagen deutscher Sparer<br />
abgibt. Steinbrück hatte selbst gesagt, dass man diese Sparer nicht<br />
vergessen darf. Jetzt ist davon nicht mehr die Rede. Welche Auffassung<br />
haben Sie? Sollte das Rettungspaket auch für deutsche Sparer gelten,<br />
die in Island ihr Fest- und Tagesgeld angelegt haben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir sind im Austausch mit dem Finanzministerium, dass die isländische<br />
Einlagensicherung auch für deutsche Anleger gelten soll. Wir erwarten<br />
vom Finanzminister, dass er die Sparer nicht im Stich lässt.
</p>
<p>
<b>Otto:</b> In welchem Umfang, glauben Sie, zahlen wir künftig für das Schuldenmachen der Amerikaner?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Das amerikanische System, dass alles auf Pump finanziert werden kann,<br />
hat leider Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Ich hoffe, dass mit<br />
Barack Obama in Amerika eine andere Politik greift.
</p>
<p>
<b>alexander:</b><br />
Wird die Finanzkrise so viele staatliche Finanzhilfen verschlingen,<br />
dass am Ende Abstriche für den Klimaschutz gemacht werden müssen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir Grünen weisen täglich darauf hin, dass der Klimaschutz im<br />
Zusammenhang mit den Diskussionen über die Finanzkrise nicht vergessen<br />
werden darf. Im Gegenteil: Klimaschutz hat etwas mit Vorsorge zu tun<br />
und hat auch eine hohe Relevanz in Hinblick auf die ökonomischen<br />
Folgewirkungen. Dies hat der Stern-Bericht eindeutig gezeigt.
</p>
<p>
<b>Schulstreik:</b> Wieso hat die Regierung Geld für die Banken, aber nicht für die Bildung?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Das Rettungspaket dient der Stabilisierung unseres gesamten<br />
Wirtschaftsraumes. 400 Milliarden sind Bürgschaften, die mit<br />
Bedingungen vergeben werden. Sodass am Ende &#8211; wenn die Rettungsaktion<br />
abgeschlossen sein wird &#8211; nicht unbedingt Steuerausfälle damit<br />
verbunden sein müssen. Generell sind wir seit Jahren der Auffassung,<br />
dass auf allen politischen Ebenen mehr für die Bildung getan werden<br />
muss. Ein Gutachten hat uns bestätigt, dass in den nächsten Jahren<br />
mindestens 27 Milliarden Euro investiert werden müssen, damit wir<br />
wenigstens im Durchschnitt der OECD-Länder liegen. Zur Finanzierung<br />
schlagen wir Grünen vor, den Solidaritätszuschlag in einen<br />
Bildungs-Soli umzuwandeln und die Einnahmen den zuständigen Stellen für<br />
die Bildungsinvestitionen zur Verfügung zu stellen.
</p>
<p>
<b>lmx:</b><br />
Sie waren Unterstützer der INSM, der Arbeitgeber-Kampagne &quot;Initiative<br />
Neue Soziale Marktwirtschaft&quot;, die seit Jahren Stimmungsmache für den<br />
Markt und für Deregulierung betreibt. Sind Sie damit nicht, wie<br />
Friedrich Merz und andere Lobbyisten der Groß- und Finanzindustrie,<br />
Teil des Problems?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Sie sagen<br />
ja zu Recht, ich WAR Unterstützerin der INSM. Ich bin vor Jahren aus<br />
dieser Initiative ausgetreten, weil mir die politischen Implikationen<br />
nicht gepasst haben.
</p>
<p>
<b>Liberaler:</b> Wo unterscheidet sich ihr Lösungspaket zur Finanzkrise von dem der FDP?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir wollen national und international mehr Regeln. Wir setzen uns ein<br />
für eine stärkere Haftung der Manager, genauso wie für eine Begrenzung<br />
der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Managergehältern und Abfindungen.<br />
Wir fordern eine neue Gehaltsstruktur der Manager, da die kurzfristigen<br />
Boni das Verhalten angereizt haben, auf dem Finanzmarkt stärker zu<br />
zocken. Diese Forderungen werden bislang von der FDP so nicht geteilt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Die Große Koalition plant, die Managergehälter zu begrenzen. Werden Sie den Vorschlag unterstützen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Wir erwarten eine langjährige<br />
Diskussion in der Koalition zu diesem Thema. Bislang gibt es noch nicht<br />
einmal ein gemeinsames Eckpunktepapier, geschweige denn eine<br />
Gesetzesformulierung. Falls es hier eine vernünftige Vorlage gibt,<br />
werden wir sie selbstverständlich unterstützen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Gestern war FDP-Fraktionsvize Carl-Ludwig Thiele hier im Chat und hat<br />
uns Folgendes für Sie hinterlassen: &quot;Frau Scheel sollte doch einmal<br />
erklären, wie unter einer rot-grünen Bundesregierung die IKB-Anteile<br />
von der KfW erworben worden sind, in dessen Verwaltungsrat sie saß und<br />
welche finanziellen Folgen dies für den Steuerzahler hat.&quot; Möchten Sie<br />
das jetzt tun?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ja, gern: Als<br />
die KfW die Anteile der Allianz und der Münchner Rück an der IKB<br />
übernommen hat, saß ich nicht im Verwaltungsrat der KfW. Herr Thiele<br />
sollte sich darüber informieren, wer denn da zuständig war. Außerdem<br />
habe ich damals von der FDP keine Stimme vernommen, die der Meinung<br />
war, dass die Mittelstandsfinanzierung an eine ausländische Bank gehen<br />
soll.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Leider müssen wir schon zum<br />
Schluss kommen. Nebenbei haben wir unter den Chattern eine Umfrage<br />
gestartet: &quot;Trauen Sie Bündnis90/Die Grünen zu, die Finanzkrise zu<br />
lösen?&quot; 24 Prozent haben Ja gesagt, 75 Prozent Nein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Das ist gar nicht so schlecht. Bislang lagen wir bei der Kompetenz in Wirtschaftsfragen immer im einstelligen Bereich.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Eine persönliche Frage zuletzt: Sollte es 2009 zu einer<br />
Regierungsbeteiligung der Grünen kommen, trauen Sie sich das Amt der<br />
Finanzministerin zu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich gehe<br />
nicht davon aus, dass in einer Regierungskonstellation mit zwei oder<br />
drei Mitgliedern das Finanzministerium an eine kleine Fraktion vergeben<br />
wird. Hier bin ich Realistin.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das war<br />
die heutige Ausgabe der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Frau<br />
Scheel, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Herzlichen<br />
Dank an alle User. Leider konnten wir nicht alle Fragen stellen. Die<br />
nächste Gelegenheit gibt es aber morgen: Dann ist der Vize-Chef der<br />
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Meister, hier bei uns zu Gast.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es hat mir viel<br />
Spaß gemacht. Außerdem finde ich es immer sehr interessant, was die<br />
Chatterinnen und Chatter so bewegt. Und von Herrn Dr. Meister würde ich<br />
gerne wissen, wann denn endlich die gesetzlichen Vorgaben für eine<br />
bessere Regulierung unseres Finanzmarktes von Seiten der Koalition<br />
vorgelegt werden. Reden reicht nicht. Handeln ist gefragt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Das fragen wir ihn! Das Team von tagesschau.de wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag. Bis morgen &#8211; dann legen wir um 12.00 Uhr los!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts und Thomas Querengässer, tagesschau.de.</i>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>tagesschau-Chatreihe zur Finanzkrise: FDP</title>
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		<dc:creator><![CDATA[esnakker]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Nov 2008 16:28:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Carl-Ludwig Thiele]]></category>
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					<description><![CDATA[Dienstag, 11. November 2008, war der zweite Tag der tagesschau-Chat-Serie zur Finanzkrise in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Diesmal war Carl-Ludwig Thiele zu Gast. Der Finanzexperte und Vize-Chef der FDP-Bundestagsfraktion beantwortete 45 Minuten lang die Fragen der Chatter.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dienstag, 11. November 2008, war der zweite Tag der tagesschau-Chat-Serie zur Finanzkrise in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Diesmal war Carl-Ludwig Thiele zu Gast. Der Finanzexperte und Vize-Chef der FDP-Bundestagsfraktion beantwortete 45 Minuten lang die Fragen der Chatter.<!--break--> </p>
<p>
<b>Moderator</b>: Herzlich willkommen zum zweiten Teil unserer Chat-Serie zur Finanzkrise. Noch bis Freitag können Sie, liebe User, jeden Tag Ihre Fragen an die Finanzexperten des Bundestages richten. Hier bei uns im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich jetzt den stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Fraktion, Carl-Ludwig Thiele. Herr Thiele, sind Sie bereit für die erste Frage?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>: Ja!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Nach einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung<br />
(ZEW), die heute veröffentlicht wurde, legen die Konjunkturerwartungen<br />
&#8211; im Vergleich zu Oktober &#8211; wieder zu. Rettungsschirm und Ankündigung<br />
eines Konjunkturpakets scheinen sich bemerkbar zu machen?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Es wäre wünschenswert, wenn es so ist. Wir erleben momentan aber immer<br />
nur Momentaufnahmen. Als FDP haben wir uns auch für den Rettungsschirm<br />
ausgesprochen, weil er erforderlich ist, um Vertrauen wieder<br />
herzustellen. Dieses Vertrauen ist insbesondere im Interesse der Sparer<br />
und Anleger.
</p>
<p>
<b>Kenny</b>: Sollte nicht erst einmal abgewartet werden, welche Wirkungen die Krise insgesamt hat, um dann umfassend zu reagieren?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Nein, es ist kurzfristiges Handeln erforderlich gewesen. Inzwischen<br />
sind die meisten Akteure sich einig, dass es ein Fehler war, die große<br />
Bank Lehman Brothers in den Vereinigten Staaten in die Insolvenz gehen<br />
zu lassen. Dieses hat zu erheblichen weiteren Schädigungen im<br />
Finanzsektor &#8211; aber sogar in der Versicherungswirtschaft &#8211; geführt.
</p>
<p>
<b>Keks</b>:<br />
Inwiefern ist das Rettungspaket wirklich notwendig? Ist eine<br />
Sozialisierung der Bankenverluste nach der Privatisierung der Gewinne<br />
nicht schlicht und ergreifend unfair?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Das Problem der Sozialisierung der Verluste und Privatisierung der<br />
Gewinne sehen wir als FDP genauso und kritisieren es auch. Gleichwohl<br />
muss man feststellen, dass in der Finanzkrise das Vertrauen im<br />
Interbankenmarkt &#8211; in den Geschäftsbeziehungen der Banken untereinander<br />
&#8211; zusammengebrochen ist. In der Vergangenheit gaben die Banken sich<br />
untereinander Gelder und stellten dadurch die Liquidität für sich und<br />
für andere Banken sicher &#8211; in der heutigen Marktsituation trauen viele<br />
Banken den anderen Banken nicht mehr. Das ist der Grund, warum der<br />
Interbankenmarkt zusammengebrochen ist und die Zentralbanken gewaltige<br />
Finanzströme in Gang gesetzt haben, um Liquiditätsengpässe möglichst<br />
nicht entstehen zu lassen.
</p>
<p>
<b>eschatlon</b>: Warum<br />
folgt man nicht dem obersten Maxim der Globalsierung: Alles regelt der<br />
Markt? Hat man nun Angst vor den eigenen Lehrsätzen?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Nein, wir müssen feststellen, dass kein Bereich der Wirtschaft so stark<br />
reguliert ist wie der Finanzsektor. Es gibt das Kreditwesengesetz in<br />
Deutschland, in dem den Banken klare Auflagen gemacht wurden. Der<br />
Finanzsektor ist wegen seiner ihm eigenen Unwägbarkeiten und<br />
Unsicherheiten deshalb traditionell stark reguliert. Wer Kredit<br />
einräumt, gewährt einen Vertrauensvorschuss. Ohne Vorschuss gibt es<br />
keinen Kredit und insofern ist es wichtig, dass Vertrauen wieder<br />
hergestellt werden muss. Es hat im Finanzsektor keine völlige Freiheit<br />
gegeben, wir als FDP wollen diese völlige Freiheit auch nicht.
</p>
<p>
<b>Roland 43</b>: Wo hätte die FDP, anders als die Große Koalition, bei der Finanzkrise reagiert?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Aus unserer Sicht haben der Finanzminister, die Bankenaufsicht aber<br />
auch die Wirtschaftsprüfer versagt. Es hätte nie zugelassen oder<br />
stillschweigend geduldet werden dürfen, dass auf der Anlageseite der<br />
Banken Gelder in Zweckgesellschaften angelegt werden, ohne die Risiken<br />
entsprechend zu erkennen. Hier reicht es auch nicht, sich auf<br />
Rating-Agenturen zu verlassen. Man muss selbst bei der Anlage von<br />
Geldern in diesen Instrumenten wissen, welche Risiken hierbei bestehen.<br />
Dies ist nicht entsprechend erfolgt und hat zu den dramatischen<br />
Konsequenzen geführt. Zusammengefasst: Als FDP sehen wir in dieser<br />
Finanzmarktkrise Staatsversagen, insbesondere Staatsversagen in der<br />
Aufsicht.
</p>
<p>
<b>george</b>: Die Banken haben sich zu sehr<br />
auf spekulative Geschäfte konzentriert. Sowohl für sich selbst, als<br />
auch in der Kundenberatung. Der deregulierte Finanzmarkt hat hier<br />
versagt und wir brauchen eindeutigere und restriktivere Regeln. Was<br />
schlägt die FDP hier vor?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Ich bin der Auffassung, dass Vorstände von Banken, die Papiere kaufen,<br />
diese auch tatsächlich kennen. Diese Vorstände sind ihren Eigentümern<br />
gegenüber verantwortlich und insofern ist es richtig, wenn die<br />
Eigentümer sich für diese Verantwortung an ihre Vorstände wenden. Wer<br />
jetzt nach dem Staat ruft, muss wissen, dass der Staat gerade in Form<br />
der öffentlichen Banken in Deutschland die Spitze des Eisberges<br />
darstellt. Insofern ist für uns als FDP der Staat der schlechteste<br />
Banker.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welche Funktionen sollen die Landesbanken in Zukunft wahrnehmen?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Aus meiner Sicht muss zwischen den Landesbanken deutlich differenziert<br />
werden: Es gibt einige Landesbanken mit großen Problemen, Fusionen sind<br />
schon erfolgt, andere Landesbanken haben weniger Probleme. Hier sollten<br />
die jeweiligen Eigentümer den Weg der Bank bestimmen &#8211; und die<br />
Eigentümer sind in der Regel die entsprechenden Länder und ihre<br />
Sparkassen. Als FDP sind wir der Auffassung, dass die Länder sich von<br />
ihren Beteiligungen an Landesbanken trennen sollten. Insofern ist es<br />
vernünftig, hier auch das Gespräch mit den Sparkassen zu suchen.
</p>
<p>
<b>ChrEich008</b>:<br />
Was ist außer der Liquiditätsstütze für den Bankensektor noch von<br />
großer Wichtigkeit? Sind für einzelne Wirtschaftsbereiche Staatsmittel<br />
vonnöten?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>: Der Staat sollte<br />
die Rahmenbedingungen setzen, der Staat sollte aber nicht selbst als<br />
Akteur wirken. Jeder staatliche Eingriff zieht Wettbewerbsverzerrungen<br />
nach sich. Es ist sehr schwer, Marktteilnehmern Hilfe zu verweigern,<br />
nachdem man sie anderen gewährt hat.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Axel Troost, Finanzexperte der Linksfraktion, war gestern hier bei uns<br />
zu Gast, er kritisiert den Umfang des Konjunkturpakets der<br />
Bundesregierung als zu gering. Er fordert mindestens 50 Milliarden<br />
Euro. Was halten Sie davon?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Die Konjunkturprogramme der Vergangenheit haben gezeigt, dass sie vor<br />
allem Strohfeuereffekte erzielt haben. Das bedeutet, kurzfristig<br />
entsteht etwas, langfristig bleiben Schulden und die Schulden von heute<br />
sind die Steuererhöhungen von morgen. Insofern halten wir als FDP<br />
nichts von kurzfristigen Konjunkturprogrammen. Wichtiger ist für uns<br />
mehr netto für alle. Nur so kann die Nachfrage und der Konsum in<br />
unserem Lande angekurbelt werden.
</p>
<p>
<b>chriwi</b>: Wie<br />
erklären Sie einem Hartz-IV-Empfänger, warum er nicht mehr Geld<br />
bekommt, eine Bank im Gegenzug aber Milliarden? Schließlich hat die<br />
Bank auch nichts geleistet.
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Ich glaube dass es auch im Interesse eines Hartz-IV-Empfängers ist,<br />
unser Finanzsystem aufrecht zu erhalten. Von einem Zusammenbruch des<br />
Finanzsystems würden gerade auch die kleinen Leute getroffen. Wir haben<br />
als FDP Wert darauf gelegt, dass die staatlichen Gelder nicht an<br />
Personen als Einkommen weitergereicht werden. Wer die staatlichen<br />
Hilfen in Anspruch nimmt, muss sich einer stärkeren staatlichen<br />
Kontrolle, auch was die Einkünfte der Bankvorstände angeht, unterwerfen<br />
und zusätzliche Zinsen für diese Gelder bezahlen. Es wird auch<br />
abzuwarten sein, ob diese Hilfen, die der Staat gewährt in einer<br />
späteren Betrachtung den Staat Geld gekostet haben oder nicht sogar<br />
Einnahmen gebracht haben. Denn für den Fall, dass keine Bank notleidend<br />
wird, wird von einem erheblichen Überschuss aus dem Rettungspaket für<br />
die Banken zugunsten des Staates ausgegangen.
</p>
<p>
<b>rooterbob</b>: Was wird uns Steuerzahlern das kosten?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Das ist unbekannt. Es ist ein Sondervermögen geschaffen worden und es<br />
wird abzuwarten sein, wie sich dieses Sondervermögen entwickelt.<br />
Aktuell können wir feststellen, dass die Bereitschaft von<br />
Kreditinstituten, sich an diesen Schutzschirm zu wenden und zusätzliche<br />
Sicherheit gegen Zinskosten und Gebühren zu erhalten, deutlich steigt.<br />
Das Risiko für den Steuerzahler besteht insbesondere dann, wenn Banken<br />
notleidend werden, die unter dem Schutzschirm stehen und hier der Staat<br />
als Gläubiger der Banken das Geld nicht mehr zurückerhält, was er ihnen<br />
zuvor geliehen hat.
</p>
<p>
<b>breakdown</b>: Warum sollte man<br />
dieses unsoziale System nicht zusammenbrechen lassen und ein neues<br />
einführen, das nicht nur die Reichen bevorzugt?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Das derzeitige System stellt keine Bevorzugung der Reichen dar, das<br />
derzeitige System sichert den Geldverkehr in unserem Lande für die<br />
gesamte Bevölkerung unabhängig vom Einkommen des Einzelnen. Ich halte<br />
es für absurd und irreal, hier den Zusammenbruch zu wagen. Keiner weiß,<br />
was stattdessen kommen würde und welche Auswirkungen es hätte. Ich<br />
halte es für unverantwortlich.
</p>
<p>
<b>Borch</b>: Sehr<br />
geehrter Herr Thiele, wäre es nicht sinnvoll gewesen, einzelne Banken<br />
wie die IKB oder Sachsen LB ausfallen zu lassen? Da den Managern<br />
ansonsten signalisiert wird, dass sie ein höheres Risiko eingehen<br />
können, da der Staat als &quot;leader of last resort&quot; einspringt?
</p>
<p><b>Carl-Ludwig Thiele</b>: Der erste Punkt bei der<br />
IKB ist, dass die Vorstände zur Rechenschaft gezogen werden. Hier sind<br />
Klageforderungen im Raum. Die Staatsanwaltschaft ist zudem im<br />
strafrechtlichen Sinne tätig geworden. Aber gerade rückblickend glaube<br />
ich sagen zu können, dass es richtig war die IKB &#8211; als persönliche<br />
Meinung &#8211; nicht vor die Wand zu fahren, da es die erste Bank<br />
international gewesen wäre, mit enormen Kollateralschäden. Nicht nur<br />
Privatanleger, sondern auch viele Kreditinstitute, Krankenkassen,<br />
Sozialversicherungsträger haben Papiere und Anleihen der IKB in<br />
Milliardenhöhe gekauft. Wäre die Bank nicht gestützt worden, wäre ein<br />
Großteil dieser Kredite nicht mehr bedient worden und hätte<br />
entsprechende weitreichende Schäden verursacht. Es wäre als erster Fall<br />
international in kleinerer Größenordnung das eingetreten, was wir in<br />
Amerika bei Lehman Brothers erlebt haben. Dabei darf man nicht<br />
übersehen, dass gerade die IKB als Haupteigentümer den Staat über die<br />
KfW hatte. Es wurde damals argumentiert, dass &quot;die IKB das Ohr der KfW<br />
am Mittelstand sei&quot;. Die Entwicklung hat gezeigt, dass diese Begründung<br />
überhaupt nicht trägt, sondern nur verschleiern sollte, dass die<br />
Staatsbank ihren Einfluss ausdehnt und in das Geschäftsfeld der<br />
Privatbanken wollte. Die Beteiligung der KfW an der IKB ist unter der<br />
rot-grünen Bundesregierung getroffen worden. Es war ein Fehler, diese<br />
Beteiligung einzugehen. Ein weiterer Fehler war es, diese Beteiligung<br />
mit Beginn der großen Koalition nicht zu veräußern. Für diese<br />
Regierungsfehler haftet der Steuerzahler leider mit gut zehn Milliarden<br />
Euro. Wir haben als FDP immer kritisiert, dass der Staat Eigentümer<br />
einer Privatbank wird &#8211; und sehen uns leider in unserer Kritik durch<br />
die Entwicklung bestätigt.</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Nochmal zurück zu den Managern: Welche Änderungen schlagen Sie bei Managervergütungen/-haftung vor?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Ich bin der Auffassung, dass in keinem Land die Managerhaftung so<br />
strikt geregelt ist wie in Deutschland. Es geht hier nicht um<br />
zusätzliche Vorschriften, sondern es geht darum, dass die derzeit<br />
geltenden Vorschriften auch tatsächlich angewandt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Da hat ihre Partei-Kollegin Koch-Mehrin bei &quot;Anne Will&quot; aber etwas anderes gesagt&#8230;
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Das mag so sein. Gleichwohl bin ich der Auffassung, wer sich die<br />
Vorschriften des deutschen Aktienrechtes anschaut und diese<br />
Vorschriften mit den Vorschriften in anderen Ländern vergleicht, wird<br />
feststellen, dass schon bei leichter Fahrlässigkeit eines Bank-Managers<br />
das ganze Vermögen in der Haftung steht. Und insofern bin ich auch<br />
gespannt, wie die Aktionäre als Eigentümer der privaten Kreditinstitute<br />
reagieren, wenn es Fehlverhalten in den Kreditinstituten gegeben hat.
</p>
<p>
<b>Nachdenker</b>:<br />
Sie sind Mitbegründer der einflussreichen und arbeitgebernahen<br />
Lobbyistengruppe INSM. Welchen Anteil hatte die Arbeit dieser Gruppe<br />
auf die Deregulierungs- und Privatisierungsentscheidungen der<br />
Bundesregierung?
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: INSM = Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Diese Gruppe hat keinen Anteil am Regierungshandeln. Ich halte es<br />
allerdings für notwendig und richtig, innerhalb unserer Bevölkerung für<br />
die Vorteile der Marktwirtschaft öffentlich zu werben. Viele Bürger<br />
sehnen sich nach einem starken Staat und vergessen dabei, dass es<br />
eigentlich immer schiefgegangen ist, wenn der Staat sich zu sehr in die<br />
Wirtschaft eingemischt hat. Und insofern ist es richtig, täglich für<br />
die Vorzüge der sozialen Marktwirtschaft einzutreten, die auch durch<br />
Presse, durch Öffentlichkeit dazu beiträgt, Fehlverhalten öffentlich zu<br />
machen und in die Kritik zu führen. Dieses ist Voraussetzung dafür,<br />
dass offen diskutiert wird und Fehlentwicklungen korrigiert werden.
</p>
<p>
<b>Egon</b>:<br />
Wird die FDP mit den Entwicklungen der Finanzmarktkrise nicht Lügen<br />
gestraft? Schließlich hat Ihre Partei am meisten auf die regulativen<br />
Kräfte des freien Marktes vertraut.
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Wir werden überhaupt nicht Lügen gestraft. Ich hatte schon ausgeführt,<br />
dass es keinen Bereich unserer Wirtschaft gibt, der so stark reguliert<br />
ist wie der Finanzsektor. Insofern bin ich immer noch der Auffassung,<br />
dass hier nicht der Markt, sondern die Aufsicht und der Staat versagt<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Eine Frage aus dem Pre-Chat:<br />
Wird die Luftfahrt hinsichtlich der aktuellen Finanzkrise gut<br />
davonkommen, wie sieht ihre Prognose hinsichtlich der Luftfahrtbranche<br />
für 2009 aus?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>: Jede Branche,<br />
die größere Anschaffungen plant, wie z.B. Luftlinien bei Flugzeugen,<br />
muss sicherstellen, dass die Finanzierung geregelt ist. Ich wünsche<br />
mir, dass die Finanzierung der Flugzeuge auch weiter gesichert bleibt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Eine Nachfrage zu dem Thema davor:
</p>
<p>
<b>bobo</b>: Also noch mehr &quot;freien Markt&quot;, Herr Thiele?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Nein. Gerade im Finanzsektor haben wir einen regulierten<br />
Wirtschaftszweig. Die FDP steht für einen starken Staat, der die<br />
Spielregeln setzt und notfalls mit einem Schiedsrichter Foulspiel<br />
ahndet. Das ist auch die Meinung unserer gesamten Fraktion.
</p>
<p>
<b>maap</b>:<br />
Ist der Neoliberalismus am Ende? Selbst Sarkozy scheint eingesehen zu<br />
haben, dass Liberalisierung und Deregulierung nicht zum Ziel führen.
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Frankreich hat eine andere Tradition. Es ist ein zentralistisches Land<br />
mit starken Verbindungen zwischen Wirtschaft und Politik. Ich erinnere<br />
mich noch an die Einführung des Euro. Es gab den Grundstreit zwischen<br />
Frankreich und Deutschland, ob die Europäische Zentralbank unabhängig<br />
sein soll oder ob der Staat in eine solche Bank eingreifen solle. Ich<br />
bin froh, dass wir Deutschen uns durchgesetzt haben und die EZB nach<br />
der Blaupause der Bundesbank geschaffen haben. Wir brauchen Freiheit in<br />
unserem Land, wir brauchen aber auch Verantwortung in unserem Land. Für<br />
die FDP ist Freiheit und Verantwortung untrennbar zusammenzusehen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was heißt das in diesem Themenfeld konkret?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>: Wir brauchen einen starken Staat, der klare Regeln setzt und an die Regeln haben sich die Marktteilnehmer zu halten.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Hat Sie das Ausmaß der Krise zum Überdenken einiger Ihrer Leitlinien gebracht?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Ich habe momentan eine kleine Anfrage von 25 Fragen bezüglich der<br />
Hypo-Real-Estate an die Bundesregierung gerichtet. Denn im<br />
Finanzausschuss hat die Bundesregierung auf meine Fragen eingestanden,<br />
dass die Hypo-Real-Estate als Dax-notiertes Unternehmen, welches im<br />
Finanzsektor tätig ist, nicht der deutschen Bankenaufsicht unterliegt.<br />
Es wurde damit argumentiert, dass die Hypo-Real-Estate (HRE), eine<br />
Holding sei und da die Holding selbst keine Bankgeschäfte betreibe,<br />
müsse sie auch nicht überprüft werden. Ich halte es für einen Skandal,<br />
dass bei Erwerb der irischen Depfa-Bank durch die HRE weder die<br />
deutsche Bundesbank noch die BaFin noch das Finanzministerium, die<br />
Abgeordneten im Finanzausschuss des deutschen Bundestages darauf<br />
aufmerksam gemacht haben, dass sich die Aufsicht nicht auf diese Bank<br />
erstreckt. Dieses ist tätig werden durch Unterlassen. Wenn Herr<br />
Steinbrück erklärt, dass er den Brand löschen müsse, dann kann ich nur<br />
sagen: Er hätte sich früher um vorbeugenden Brandschutz kümmern müssen.
</p>
<p>
<b>Willi Klink</b>:<br />
Halten Sie eine stärkere Kontrolle der Banken durch eine zentrale<br />
Behörde überhaupt für sinnvoll? Oder ist die freie Regulierung auf dem<br />
Markt nicht immer noch die bestmögliche Kontrolle, aus dem System<br />
heraus?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>: Wir brauchen eine<br />
starke Kontrolle. Als FDP wollen wir allerdings das aufsichtsrechtliche<br />
Durcheinander zwischen Bundesbank und BaFin beenden. Wir wollen die<br />
Finanzaufsicht bei der unabhängigen Bundesbank ansiedeln und nicht bei<br />
der Bankenaufsicht, die dem Bundesfinanzministerium untersteht. Neben<br />
der Regulierung muss natürlich der Markt über das Geschäft und die<br />
Anlagen entscheiden. Die Aufsicht kann diese originäre Aufgaben der<br />
Banken nicht übernehmen. Da wäre mir der Staatseinfluss durch die<br />
Aufsicht zu hoch.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Am Wochenende tagt der Weltfinanzgipfel in Washington, was erwarten Sie von dem Treffen?
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Hoffnung &#8211; denn wenn auch keine aktuellen konkreten Ergebnisse zu<br />
erwarten sind, so ist es doch richtig, dass die parteilichen Akteure<br />
miteinander reden und ins Gespräch kommen. Die Finanzkrise hat<br />
schließlich ihre Entstehung in den Vereinigten Staaten, die Wirkungen<br />
sind aber auf der ganzen Welt zu spüren. Ich hoffe auch, dass die<br />
Europäische Union von ihrem unseligen Vorhaben absieht, im<br />
Bankenbereich Kredite mit weniger Sicherheitsvorschriften zu vergeben<br />
als bisher. Die EU hat in einem Weiß- und Grünbuch gefordert, für eine<br />
erleichterte Kreditvergabe zu sorgen, um entsprechend dem Beispiel<br />
Amerikas in Europa zu mehr Wachstum zu gelangen. Ich glaube gerade<br />
Deutschland hat mit einer restriktiven Kreditvergabe an Privatpersonen<br />
ein ganz anderes Selbstverständnis über die Finanzierung, als die<br />
Vereinigten Staaten. Zum Glück sind in Deutschland Finanzierungen ohne<br />
Eigenkapital nicht möglich.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Nebenbei<br />
haben wir unter den Chattern eine Umfrage durchgeführt: Trauen Sie es<br />
der FDP zu, die Finanzkrise zu lösen? 10 Prozent haben ja gesagt, 90<br />
Prozent nein.
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>: Ich traue es<br />
der FDP zu, die Finanzkrise zu lösen. Wir haben uns auch als Opposition<br />
in dieser Frage immer als konstruktive Opposition verstanden und das<br />
werden wir auch weiter tun. 10 Prozent wären vor einigen Jahren noch<br />
ein Traumergebnis für die FDP gewesen. Inzwischen sind wir weiter.
</p>
<p><b>Moderator</b>: Das war der tagesschau-Chat zum<br />
Thema Finanzkrise, heute mit Carl-Ludwig Thiele. Herzlichen Dank, dass<br />
Sie sich die Zeit genommen haben. Und vielen Dank an die User! Wie<br />
immer konnten wir leider nicht alle Fragen stellen. <a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chat2.html" title="Was tun gegen die Finanzkrise?">Morgen chatten wir weiter! Dann ist die Vize-Chefin der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen, Christine Scheel</a>, bei uns zu Gast. Herr Thiele, haben Sie noch einen Tipp für Frau Scheel?</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>:<br />
Frau Scheel sollte doch einmal erklären, wie unter einer rot-grünen<br />
Bundesregierung die IKB-Anteile von der KfW erworben worden sind, in<br />
dessen Verwaltungsrat sie saß und welche finanziellen Folgen dies für<br />
den Steuerzahler hat.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wir richten es aus. Das Team von tagesschau.de wünscht allen noch einen schönen Tag. Bis morgen um 13 Uhr!
</p>
<p>
<b>Carl-Ludwig Thiele</b>: Herzlichen Dank an alle Chatterinnen und Chatter und das Super-Team von tagesschau.de.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das Kompliment nehmen wir gerne an.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>tagesschau-Chatreihe zur Finanzkrise</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/projekt/tagesschau-chatreihe-zur-finanzkrise-0-4135/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 17:03:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Carl-Ludwig Thiele]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Antworten hat die deutsche Politik auf die Weltfinanzkrise? Was würde ein Konjunkturprogramm bringen? Wie sollen die Finanzmärkte kontrolliert werden? Dazu die tagesschau-Chat-Serie mit Finanzexperten des Bundestages. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=200&#38;id=ts#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier können Sie bereits Fragen stellen!</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Welche Antworten hat die deutsche Politik auf die Weltfinanzkrise? Was würde ein Konjunkturprogramm bringen? Wie sollen die Finanzmärkte kontrolliert werden? Dazu die tagesschau-Chat-Serie mit Finanzexperten des Bundestages. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=200&amp;id=ts#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier können Sie bereits Fragen stellen!</a><!--break--></p>
<p>
Dienstag um 13 Uhr mit der FDP. Von 13 bis 13.45 Uhr ist Carl-Ludwig Thiele, Vize-Chef der Bundestagsfraktion und Mitglied im Finanzausschuss, zu Gast im tagesschau-Chat. Thema: Welche Konzepte hat die FDP zur Lösung der Finanzkrise?
</p>
<p>
Welche konkreten Auswege aus der Finanzmarktkrise gibt es? Was schlagen die einzelnen Parteien vor? Worauf können sie sich einigen? Und wie kann das Vertrauen der Bürger in Banken und Finanzmarkt wieder hergestellt werden?
</p>
<p>
Die weiteren Gäste im tagesschau-Chat zur Finanzkrise:<br />
Christine Scheel (Bündnis 90/Die Grünen) Mittwoch, 13.00 &#8211; 13.45 Uhr,<br />
Michael Meister (CDU) Donnerstag, 12.00 &#8211; 12.45 Uhr und<br />
Hans-Ulrich Krüger (SPD) Freitag, 11.00 &#8211; 11.45 Uhr.
</p>
<p>
Die tagesschau-Chats werden veranstaltet von tagesschau.de und politik-digital.de</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>tagesschau-Chatreihe zur Finanzkrise: Die Linke</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tagesschau-chatreihe-zur-finanzkrise-die-linke-4136/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 10:39:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Troost]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
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					<description><![CDATA[Zum Auftakt der Chatreihe zur Finanzkrise war Axel Troost am 10. November 2008 live im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag beantwortete die zahllreichen User-Fragen rund um die Position seiner Partei zur Finanzkrise.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Auftakt der Chatreihe zur Finanzkrise war Axel Troost am 10. November 2008 live im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag beantwortete die zahllreichen User-Fragen rund um die Position seiner Partei zur Finanzkrise.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute starten wir mit unserer<br />
Chat-Serie zum Thema Finanzkrise. Bis Freitag haben Sie, liebe User,<br />
jeden Tag die Möglichkeit, Ihre Fragen an die Finanzexperten des<br />
Bundestages zu richten. Hier im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich jetzt<br />
Axel Troost, den finanzpolitischen Sprecher der Linksfraktion. Schön,<br />
dass Sie bei uns sind. Können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Ja!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Kommen wir zu der im Chatroom am häufigsten gestellten Frage: Welchen<br />
volkswirtschaftlichen Sinn hat das &quot;Zocken&quot; am Aktienmarkt? Sollte der<br />
Handel nicht besser auf mittel- und langfristige Käufe und Verkäufe<br />
beschränkt werden?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Ja, er sollte<br />
beschränkt werden, weil volkswirtschaftlichen Sinn hat das Zocken<br />
überhaupt nicht. Es hat einen rein betriebswirtschaftlichen Sinn,<br />
nämlich kurzfristige Gewinne zu erzielen, aber dies hat auch negative<br />
Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Deswegen treten wir seit vielen<br />
Jahren für eine Beschränkung und für eine Verlangsamung der<br />
Finanzmarkttransaktionen ein.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Am Wochenende tagt der Weltfinanzgipfel in Washington, was erwarten Sie von dem Treffen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Relativ wenig konkrete Beschlüsse. Es wird viel geredet, aber konkrete<br />
Maßnahmen sind bisher so gut wie nicht besprochen und beschlossen<br />
worden. Wir glauben, dass es auch sinnvoller ist, zunächst auf<br />
europäischer Ebene entsprechende Vereinbarungen festzulegen und dann<br />
auch umzusetzen.
</p>
<p>
<b>stadtbibliothek</b>: Die<br />
Finanzkrise ist im internationalen Rahmen, durch die USA, ausgelöst<br />
worden. Gibt es überhaupt die Möglichkeit, wirkungsvolle Werkzeuge im<br />
nationalen Rahmen zu finden, um solchen Entwicklungen effektiv entgegen<br />
zu wirken?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Ja, die gibt es schon.<br />
Dass es zu dieser Ausweitung in den internationalen Bereich gekommen<br />
ist, liegt an der Deregulierung des Finanzmarktes insgesamt. Wenn<br />
künftig Kreditverkäufe nicht mehr in diesem Maße möglich sind, weil sie<br />
mit Eigenkapital unterlegt werden müssten oder ein Großteil der Risiken<br />
bei der abgebenden Bank verbleiben würden, dann wäre es nicht in diesem<br />
Ausmaß zu einer Übertragung der amerikanischen Kreditkrise in die ganze<br />
Welt gekommen.
</p>
<p>
<b>querbeet</b>: Hallo Herr Troost, in<br />
der Finanzmarktkrise wurden Staatsgelder neu verteilt, um taumelnde<br />
Banken zu retten und damit ein marodes System am Leben zu halten, bzw.<br />
die ganz große Katastrophe zu verzögern. Wäre es nicht klüger gewesen,<br />
die Banken und mit ihr die Wirtschaft komplett an die Wand fahren zu<br />
lassen? Der Kollaps kommt auch ohne weitere Kapitalströme von unten<br />
nach oben ohnehin früher oder später.
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
So pessimistisch bin ich nicht. Auch wenn wir einen<br />
realwirtschaftlichen Abschwung und eine Krise erwarten, wird diese doch<br />
geringer sein, als sie bei einem Zusammenbruch des Bankensystems<br />
gewesen wäre. Deswegen war es aus unserer Sicht richtig, Maßnahmen zu<br />
ergreifen, um eine gewisse Beruhigung wieder in den Finanzmarkt hinein<br />
zu bekommen. Unsere Kritik am Bankenrettungsfonds in der Bundesrepublik<br />
konzentriert sich auf drei Punkte. Erstens, dass parlamentarische<br />
Verfahren beim Bundestag und Bundesrat im Nachhinein außen vor gehalten<br />
werden. Zweitens die Tatsache, dass nicht geklärt ist, wer eventuell<br />
entstehende Kosten und Verluste am Schluss zu tragen hat. Hier haben<br />
wir eindeutig dafür plädiert, dass dies die Kreditwirtschaft und nicht<br />
die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler tragen müssen. Und drittens,<br />
wenn Eigenkapital Banken zur Verfügung gestellt wird, dann muss dies<br />
mit Stimmrechten versehen werden, damit die öffentliche Hand Einfluss<br />
auf die Geschäftspolitik der betreffenden Banken nehmen kann.
</p>
<p>
<b>Fero</b>: Wie viel mehr Staat benötigt der Finanzmarkt?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Wir brauchen endlich wieder eine deutliche Regulierung und das heißt,<br />
auch die Rücknahme von sehr vielen Gesetzen aus den letzten zehn<br />
Jahren. Rot-Grün hat mit der Deregulierung begonnen, hat versucht, die<br />
sogenannte Finanzindustrie in der Bundesrepublik zu fördern und dies<br />
ist von der Großen Koalition fortgesetzt worden. Wir brauchen wieder<br />
deutlich mehr Staat und staatliche Regulierung in diesem Bereich. Diese<br />
Position wird zumindestens im Grundsatz von allen Parteien, vielleicht<br />
mit Ausnahme der FDP, im Bundestag getragen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welche Regelungen für den internationalen Finanzmarkt schlagen Sie vor? Welche Instrumente sind praktikabel?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Das Erste ist, dass wir eine drastische Beschränkung der<br />
Kreditverbriefungen durch mehr Eigenkapitalanforderungen und durch die<br />
Überlassung von Restrisiken bei der abgebenden Bank herbeiführen<br />
müssen. Wir müssen bestimmte Kreditgeschäfte, insbesondere mit<br />
Hedgefonds und Private-Equity-Fonds, ebenfalls stärkeren<br />
Eigenkapitalpflichten unterwerfen. Wir müssen im ganzen Bereich der<br />
Derivate in erheblichem Umfange Einschränkungen herbeiführen, zum<br />
Beispiel durch die Einführung eines Finanz-TÜVs, der von uns als Die<br />
Linke Anfang des Jahres vorgeschlagen wurde. Der prüft bei jedem<br />
Produkt zunächst bei Einführung ersteinmal, ob mit diesem Produkt<br />
überhaupt gehandelt werden kann und dieses zulassen würde.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welche Stelle sollte das prüfen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Dazu müsste möglicherweise im Rahmen der Bankenaufsicht eine eigene<br />
Stelle bei der BaFin oder der deutschen Bundesbank bei der<br />
Bundesrepublik geschaffen werden. Bei der Gesamtfrage spielt dann auch<br />
noch die Frage der Rating-Agenturen eine zentrale Rolle. Die<br />
Rating-Agenturen haben gegenwärtig eine nicht verträgliche Doppelrolle.<br />
Sie sollen Produkte auf ihre Seriösität prüfen und beraten Banken<br />
gleichzeitig beim Handel mit diesen Produkten. Wir sind für die<br />
Einführung einer europäischen öffentlich-rechtlichen Rating-Agentur<br />
bzw. eine Einrichtung die über Gebühren von den Nutzern finanziert wird.
</p>
<p>
<b>Bilderberg</b>:<br />
Hallo Herr Troost. Einen großen Beitrag zur aktuellen Finanzkrise haben<br />
die Hedgefonds geleistet. Eine ähnliche Art auf fallende Kurse zu<br />
&quot;wetten&quot;, gab es schon Anfang des 20. Jahrhunderts, bis sie nach dem<br />
Börsencrash in den 20ern verboten wurden. Wieso wurden sie<br />
zwischendurch wieder erlaubt?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Ja,<br />
das ist insgesamt die Frage der Deregulierung der Finanzmärkte, wo im<br />
Prinzip der klassische Industriekredit inzwischen ersetzt wird durch<br />
Beteiligungen an Unternehmen in Form von Hedgefonds und<br />
Private-Equity-Fonds. Wir sind der Ansicht, dass diese Branche wieder<br />
massiv zurück geschnitten werden muss. Gerade weil durch diese Fonds in<br />
erheblichem Umfang Einfluss auf die Realwirtschaft, das heißt auf<br />
Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle und die dort beschäftigten<br />
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ausgeübt wird.
</p>
<p>
<b>Vincent</b>: Wie stehen Sie zu einer Verstaatlichung von Banken?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Ich halte die Forderung in dieser Abstraktheit für wenig Ziel führend.<br />
Wir haben in der Bundesrepublik ein dreigliedriges Bankensystem, wo<br />
neben den Privatbanken ein öffentlich-rechtlicher Bankensektor und ein<br />
Genossenschaftssektor existiert. Wenn alle Privatbanken nun auf einmal<br />
in Form von Unternehmen des Bundes geführt würden, würde dies eine<br />
massive Konkurrenz oder auch den Untergang für das Sparkassenwesen<br />
bedeuten und das scheint mir nicht zielführend zu sein. Was wir aber<br />
brauchen, ist eine deutliche Regulierung aller drei Bankensysteme und<br />
die Beschränkung des Einflusses von Privatbanken auf die Realwirtschaft.
</p>
<p>
<b>controller</b>:<br />
Wie ist es möglich, dass öffentliche Einrichtungen, wie Landesbanken<br />
oder die Kfw sich an hochspekulativen Fonds beteiligen dürfen und was<br />
will man künftig dagegen tun?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Es<br />
ist in der Tat ein Skandal, dass die öffentlichen Banken, insbesondere<br />
die großen Landesbanken, im internationalen Bereich an spekulativen<br />
Geschäften in diesem Ausmaß teilgenommen haben. Dies widerspricht ihrem<br />
öffentlich-rechtlichen Aufgabenbereich und muss künftig auch gesetzlich<br />
untersagt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welche Funktionen sollen die Landesbanken in Zukunft wahrnehmen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Häufig wird behauptet, dass<br />
sämtliche Landesbanken in einer Krise seien. Aus meiner Sicht ist diese<br />
pauschale Aussage so nicht richtig. In erheblicher Schieflage war die<br />
Sachsen LB und ist heute die West LB und die Bayern LB. Die anderen<br />
Landesbanken haben durchaus auch tragfähige Geschäftsmodelle, zum<br />
Beispiel im Bereich der Finanzierung des Schiffbaus, im Bereich der<br />
Finanzierung der Flugzeugindustrie aber auch des großen Mittelstandes<br />
mit seinem entsprechenden Auslandsgeschäft. Aber Landesbanken sind<br />
langfristig nur dann wirklich sinnvoll, wenn sie die<br />
Geschäftsaktivitäten der regionalen Sparkassen unterstützen und nicht<br />
mit diesen in Konkurrenz treten, beziehungsweise deren Gewinne dann<br />
anschließend verzocken. Die Linke ist seit langer Zeit in intensiven<br />
Kontakten mit dem Giro- und Sparkassenverband. Wir haben gemeinsam die<br />
Privatisierung der Berliner Sparkasse verfolgt und einen Einfluss von<br />
Privatkapital dort verhindern können. Auch seit Beginn der<br />
Finanzmarktkrise sind wir in intensiven Kontakten und Gedankenaustausch.
</p>
<p>
<b>kai</b>:<br />
Wie viele kleine und mittelständische Unternehmen müssen noch kaputt<br />
gehen, bevor die Banken in die Schranken gewiesen werden ?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Sicherlich ist die Kreditvergabe an kleine und mittelständische<br />
Unternehmen auch durch die Regelungen von Basel II erschwert worden.<br />
Die jetzige Finanzkrise führt möglicherweise in dem einen oder anderen<br />
Fall auch dazu, dass Kreditanforderungen verschärft worden sind oder<br />
Zinsen erhöht worden sind. Aus unserer Sicht ist es gerade in dieser<br />
Situation zwingend erforderlich, dass die Sparkassen hier in die<br />
Bresche springen und entsprechende Liquidität und Kredite für kleine<br />
und mittelständische Unternehmen zur Verfügung stellen.
</p>
<p>
<b>Kriese73</b>:<br />
Hallo Herr Troost. Warum wurde die Entwicklung zur Finanzkrise/<br />
Weltwirtschaftskrise nicht früher erkannt (durch die US-Regierung oder<br />
durch andere Regierungen/Institutionen) und warum wurde nicht<br />
frühzeitig entgegen gesteuert? Sah man die Krise nicht kommen oder<br />
konnte/ wollte niemand reagieren?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Letztlich hat die Presse, wie auch die Wissenschaft, seit vielen Jahren<br />
darauf hingewiesen, dass die Entwicklung in den USA relativ ungesund<br />
gewesen ist. Trotzdem hat niemand international, wie auch in der<br />
Bundesrepublik, hier wirkliche Konsequenzen gezogen. Man muss immer<br />
wieder sagen, im Rahmen der Finanzkrise haben die Vorstände der Banken<br />
versagt, haben die Aufsichtsräte ihre Aufgaben nicht richtig<br />
wahrgenommen, haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Testate<br />
ausgestellt, die im Nachhinein wenig wert sind, haben die<br />
Rating-Agenturen Bewertungen abgegeben, die sich als völlig<br />
unrealistisch herausgestellt haben, hat die BaFin und die Bundesbank<br />
stark versagt, weil die Risiken nicht richtig erkannt worden sind. Aber<br />
auch das Bundesfinanzministerium und letztlich natürlich auch die<br />
Politik und die Finanzpolitiker haben nicht frühzeitig Gegenmaßnahmen<br />
ergriffen.
</p>
<p>
<b>Ramon</b>: Was halten Sie davon, dass<br />
Politiker alle Schuld auf die Spekulanten schieben? Lenken Sie dann<br />
nicht auch von ihrem eigenen Unvermögen ab, denn schließlich wussten<br />
sie seit langem von dem Regelungsbedarf hinsichtlich der Finanzmärkte<br />
und haben so ja auch mit Schuld an der Situation&#8230;
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Wir betonen immer wieder als Linke und auch Oskar Lafontaine als<br />
Person, dass es Viele gegeben hat, die in den letzten zehn Jahren vor<br />
dieser Entwicklung gewarnt haben. Aber leider haben alle Politiker der<br />
anderen Parteien, erst Rot-Grün und dann die große Koalition, genau<br />
gegenteilige Beschlüsse herbeigeführt. Insofern ist die Politik<br />
natürlich auch für dieses Versagen in die Haftung zu nehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welchen Anteil hat denn Ihr Partei- und Fraktionsvorsitzender Lafontaine als Mitglied im KfW-Verwaltungsrat?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Zunächst einmal bleibt es dabei: Oskar Lafontaine hat 1999 genau auf<br />
diesen Regulierungsbedarf hingewiesen und galt dann in der<br />
internationalen Finanzwelt als der gefährlichste &quot;Regulierer&quot; in der<br />
ganzen Welt&#8230;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: &#8230; Sie lenken ab!
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Lafontaine ist eines von vielen Verwaltungsratsmitgliedern, er hat<br />
meines Wissens nach als Einziger gegen die Rettungsmaßnahmen der IKB<br />
gestimmt. Die bedeuten, dass öffentliche Gelder in Höhe von fast zehn<br />
Milliarden Euro zur Sanierung der IKB verwendet worden sind, denen<br />
Verkaufserlöse in Höhe von weniger als 200 Millionen Euro<br />
gegenüberstehen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Jetzt haben Sie die Politik kritisiert und bei Ihrer eigenen Partei sind Sie so unkritisch?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Nein, es geht weniger um die Politiker in den Aufsichtsräten, sondern<br />
es geht um die Politiker als Gesetzgeber, die bestimmte Geschäfte und<br />
Geschäftsmodelle unterbinden oder stark regulieren müssen. In den<br />
Aufsichtsräten selbst ist die Chance der Einflussnahme ausgesprochen<br />
schwierig, weil letztlich ein Aufsichts- oder Verwaltungsratsmitglied,<br />
dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, natürlich auf Angaben<br />
des Vorstandes und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bzw. der<br />
Bankenaufsicht angewiesen ist.
</p>
<p>
<b>TOBL</b>: Wann hat<br />
Lafontaine denn bisher Verantwortung gezeigt? Hat er sich nicht<br />
vielmehr als inaktiv während der Finanzkrise erwiesen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Lafontaine ist gegenwärtig ein wichtiger Oppositionsführer, aber nicht<br />
in der Lage, aus dieser Position heraus Verantwortung und Einfluss zu<br />
nehmen.
</p>
<p>
<b>gunda</b>: Wie hätte man die Finanzkrise abwenden können?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Das Grundproblem der ständig wieder aufkochenden Finanzblasen in aller<br />
Welt liegt in zweierlei Tatbeständen: Erstens in der Tatsache, dass wir<br />
in den letzten zehn Jahren weltweit &#8211; besonders stark aber in der<br />
Bundesrepublik &#8211; eine Umverteilung von unten nach oben feststellen<br />
müssen. Mit der Konsequenz, dass große Kapitalmengen im privaten<br />
Bereich angesammelt worden sind, die nun auf den Finanzmarkt geworfen<br />
werden. Dass heißt, vom früheren Umlagesystem in ein Anlagesystem<br />
überzugehen, mit der Konsequenz, dass Billionen von Mitteln weltweit<br />
verzinslich angelegt werden müssen, um die private Altersvorsorge<br />
sichern zu können. An beiden Punkten ist aus unserer Sicht dringender<br />
Änderungsbedarf angesagt. Wir brauchen wieder eine Rückverteilung<br />
zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und wir brauchen<br />
wieder eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Zu Beiden hat<br />
die Linke entsprechende Maßnahmepläne und Gesetzesvorschläge<br />
eingebracht.
</p>
<p>
<b>harald</b>: Was halten Sie vom Konjunkturpaket?
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<b>Axel Troost</b>:<br />
Wir halten es erstens für wesentlich zu gering, weil Herr Steinbrück<br />
mit allen Mitteln versucht, Maßnahmen, die bereits lange beschlossen<br />
worden sind, in dieses Paket hinein zurechnen. Wir glauben zum Zweiten<br />
dass viele Maßnahmen, wie zum Beispiel die befristete Aufhebung der<br />
KfZ-Steuer letztlich nicht zielführend sind. Nötig sind öffentliche<br />
Investitionen in großem Umfang, insbesondere ausgeführt durch den<br />
kommunalen Bereich. Dies sichert unmittelbar Beschäftigung und kann<br />
insbesondere im Handwerksbereich und bei kleinen und mittelständischen<br />
Unternehmen den Verlust weiterer Arbeitsplätze verhindern.
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<b>Moderator</b>: Lafontaine kritisiert Merkels Konjunkturanreize als &quot;Schutzschirmchen&quot;, welche Summen möchte die Linkspartei ausgeben?
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<b>Axel Troost</b>:<br />
Wir glauben, dass auch kurzfristig eine Größenordnung von 50 Milliarden<br />
Euro notwendig ist, um einen Konjunktureinbruch, wie er möglicherweise<br />
noch nie in der Bundesrepublik in diesem Ausmaß stattgefunden hat,<br />
entgegenzuwirken. Die Gefahr, dass wir weltweit in eine Rezession<br />
gleiten, hat es in dieser Form seit dem zweiten Weltkrieg noch nie<br />
gegeben. Deswegen sind alle Länder und natürlich auch die<br />
Bundesrepublik als wichtiges führendes Land in Europa gefordert, hier<br />
massiv entgegenzuwirken. Dies wird aber nur Erfolg haben, wenn die<br />
Politik deutlich macht, dass sie auch mittelfristig wirklich gewillt<br />
ist, die Wirtschaftskrise abzuwenden. Wenn bereits jetzt wieder<br />
diskutiert wird, dass man 2012 wieder einen ausgeglichenen Haushalt auf<br />
der Bundesebene anstrebt, dann muss man bezweifeln, dass wirklich<br />
ernsthafte Maßnahmen zur Konjunkturstabilität wirklich durchgeführt<br />
werden. In den USA ist in den 30er Jahren mit der sogenannten<br />
New-Deal-Politik gezeigt worden, dass ein Gegensteuern möglich ist,<br />
wenn die Politik entsprechend konsequent handelt.
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<b>JRauchfuss</b>:<br />
Ihre Partei fordert in ihrem Sofortprogramm die Verschärfung der<br />
Haftung von Managern. Inwieweit sollen Manager haften? Macht dies nicht<br />
den Posten Manager in Deutschland denkbar unattraktiv?
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<b>Axel Troost</b>:<br />
Manager sollen aus unserer Sicht durchaus mehr verdienen als normale<br />
Beschäftigte. Unsere Vorstellung ist allerdings, dass es nicht mehr als<br />
das 20fache des Durchschnittseinkommens in den entsprechenden Betrieben<br />
sein sollte. Wenn wir, wie gegenwärtig, ganz andere Zahlen immer wieder<br />
sehen, dann ist aus unserer Sicht eine deutlich verschärfte<br />
Manager-Haftung zwingend erforderlich. Wenn man aus der heutigen Presse<br />
entnehmen kann, dass im Bereich der Dresdner Bank an eine einzelne<br />
Person ein Bonus von 400 Millionen Euro gezahlt werden soll, dann ist<br />
dies ein Hohn auf die politischen Bestrebungen, hier regulierend<br />
einzugreifen.
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<b>berolina</b>: Bekommen wir nächstes Jahr eine Rezession? Was ist Ihre Prognose?
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<b>Axel Troost</b>:<br />
Alle Prognosen gehen davon aus, dass wir im nächsten Jahr einen<br />
Rückgang des Sozialproduktes erleben werden. Wir haben unterschiedliche<br />
Schätzungen, die von minus 0,2 bis minus 0,8 reichen. Ich halte es aber<br />
auch nicht für ausgeschlossen, dass wir Ende nächsten Jahres bereits<br />
bei einem Minus von 2 Prozentpunkten wären. Dies wäre der stärkste<br />
Rückgang in der Bundesrepublik seit dem Zweiten Weltkrieg. Dies hätte<br />
dann auch zur Folge, dass wir ein massives Ansteigen der<br />
Arbeitslosigkeit und damit wieder Arbeitslosenquoten im zweistelligen<br />
Bereich befürchten müssen.
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<b>hansi</b>: Halten Sie einen ausgeglichen Bundeshaushalt bzw. einen Schuldenabbau nicht für wichtig?
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<b>Axel Troost</b>:<br />
Die Linke hat hier eine sehr differenzierte Position. Die Tatsache,<br />
dass wir im Augenblick über 1,5 Billionen Schulden haben, ist im<br />
Wesentlichen auf zwei Prozesse zurückzuführen: Erstens, beim Prozess<br />
der deutschen Einheit von 1992 bis 1998 ist die öffentliche<br />
Verschuldung um 700 Milliarden Euro angestiegen. Zweitens, durch einen<br />
Steuersenkungswahn, eingeleitet von Rot-Grün ab dem Jahr 2000, der dazu<br />
geführt hat, dass Einnahmeausfälle von weit über 300 Milliarden Euro<br />
entstanden sind. Die sind über Neuverschuldung dann ausgeglichen<br />
worden. Das heißt, eine Billion der insgesamt 1,5 Billionen<br />
Gesamtschulden sind auf diese beiden Prozesse zurückzuführen. Deswegen<br />
glauben wir, dass einer allgemeine Verteufelung von Staatsverschuldung<br />
entgegenzuwirken ist. In der wirtschaftlichen Krise ist staatliche<br />
Neuverschuldung die einzige Möglichkeit, Konjunktureinbrüchen wirklich<br />
entgegen zu wirken. Mittelfristig sind wir allerdings der Ansicht, dass<br />
wir wieder eine erhöhte Steuerquote benötigen. Aus unserer Sicht müssen<br />
die Besserverdienenden in Form einer reformierten Vermögens- und<br />
Erbschaftssteuer wieder zu einer Finanzierung des Sozialstaates<br />
beitragen.
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<b>Kalotta</b>: Sehen Sie den Fehler im System Kapitalismus? Wenn ja, was ist ihre Alternative?
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<b>Axel Troost</b>:<br />
In ersten Schritten geht es zunächst einmal um eine Regulierung dieses<br />
Kapitalismus. Wir haben ganz unterschiedliche Ausprägungen in der<br />
Vergangenheit, wie auch gegenwärtig. Die Spanne zwischen einem<br />
anglo-amerikanischem Kapitalismus und dem, was wir in den<br />
skandinavischen Ländern sehen, ist sehr groß. Aus unserer Sicht gilt<br />
es, aus Erfahrungen &#8211; aus positiven Erfahrungen &#8211; aus den<br />
skandinavischen Ländern zu lernen und viele Dinge von dort auch zu<br />
übernehmen.
</p>
<p>
<b>T</b>: Was kann der gewöhnliche Bürger tun, um sein Vermögen zu retten? Edelmetalle kaufen?
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<b>Axel Troost</b>:<br />
Nein, das halte ich für genauso spekulativ, wie viele andere<br />
Anlagenformen auch. Ich glaube, dass ganz normale Bankguthaben bei<br />
allen Banken, aber insbesondere beim Sparkassensektor, die sichere Form<br />
der Anlage sind.
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<p><b>Moderator</b>: Letzte Frage: Wie viel haben Sie persönlich in den vergangenen Wochen am Aktienmarkt verloren?</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Überhaupt nichts. Ich hatte für meine Tochter eine private<br />
Altersvorsorge auf Fondsbasis abgeschlossen und diese bereits Anfang<br />
des Jahres komplett aufgelöst. Ich selbst besaß und besitze keine<br />
Aktien, geschweige denn irgendwelche dubiosen Derivate.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Das waren 45 Minuten tagesschau-Chat zum Thema Finanzkrise. Herr<br />
Troost, ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit! Vielen Dank auch an die<br />
User, leider konnten wir nicht alle Fragen stellen. Doch morgen geht&#8217;s<br />
weiter: <a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chat2.html" title="Was tun gegen die Finanzkrise?">Um 13 Uhr ist dann der Vize-Chef der FDP-Bundestagsfraktion, Carl-Ludwig Thiele, im tagesschau-Chat zu erreichen.</a> Das Team von tagesschau.de freut sich auf die Diskussion. Noch einen schönen Tag und bis morgen!
</p>
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<b>Axel Troost</b>:<br />
Herzlichen Dank für die vielen interessanten Fragen. Morgen werden Sie<br />
von Herrn Thiele die extreme Gegenposition zur Kenntnis nehmen können.
</p>
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<b>Moderator</b>: Wir sind gespannt!
</p>
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<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts und Thomas Querengässer, tagesschau.de</i></p>
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