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	<title>Thomas Middelhoff &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Thomas Middelhoff &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#034;Der Schnelle frißt den Langsamen&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[Bertelsmann]]></category>
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		<category><![CDATA[Thomas Middelhoff]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Der Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff
erläutert, wie er den Bertelsmann-Konzern für die
Medienwelt der Zukunft fit machen will.
Von Manfred Bissinger und Bernd Gäbler</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Der Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff<br />
erläutert, wie er den Bertelsmann-Konzern für die<br />
Medienwelt der Zukunft fit machen will.<br />
Von Manfred Bissinger und Bernd Gäbler</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><br />
<b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Als wir Ihren Vorgänger,<br />
Mark Wössner, hier an diesem Tisch fragten, wie er sich selbst sieht,<br />
antwortete er spontan, er sei ein &#8220;Orchestrierer&#8221;. Haben Sie für sich<br />
auch ein Lieblingsattribut?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Nein.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Wie arbeiten Sie? Wie viel Papier bewegen Sie, wie viele E-Mails lesen Sie, kommunizieren Sie schon via Internet?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> An<br />
einem guten Arbeitstag bearbeite ich ungefähr 100 bis 120 E-Mails. Am<br />
Wochenende sind es oft ein bisschen mehr. Es ist effizienter als das<br />
herkömmliche Briefeschreiben.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Was war denn die größte Überraschung, als Sie Ihr Amt als Vorstandsvorsitzender angetreten haben?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Wie<br />
groß dieses Büro ist. Und die zweite ­ ernsthaft ­ war die Art und<br />
Weise, wie mein Vorgänger alles perfekt vorbereitet hat. Er hat es mir<br />
leicht gemacht.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b><br />
Mark Wössner hat uns gesagt, dass er mit seinem<br />
Aufsichtsratsvorsitzenden anfangs täglich, später mindestens einmal die<br />
Woche zusammengesessen hat. Wie halten Sie es ?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Ich<br />
denke, meine ersten fünf Jahre werden durch eine relativ intensive<br />
Kooperation gekennzeichnet sein, die zweiten fünf Jahre durch<br />
deutlichere Arbeitsteiligkeit und die letzten fünf Jahre durch hohe<br />
Eigenständigkeit und partiell schon den Blick auf die Nachfolge.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Haben Sie schon etwas verändern können bei Bertelsmann?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Wir arbeiten in großer Kontinuität.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Das hat der Bundeskanzler auch immer gesagt, und trotzdem ist in Bonn der Bär los.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Daran<br />
können Sie sehen, dass es in der Politik schwieriger ist, Kontinuität<br />
herzustellen, als in einem Unternehmen. Mark Wössner hatte schon darauf<br />
hingewiesen, dass wir in zwei Bereichen besser werden müssen. Es gilt<br />
im Bereich &#8220;Buch&#8221; und im Bereich &#8220;Musik&#8221; die Ertragskraft<br />
wiederherzustellen, die bei Bertelsmann üblich ist.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Sie ist also unter 15 Prozent gefallen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Ja, vor<br />
allem im Buchclub-Geschäft in Deutschland müssen wir uns der<br />
veränderten Wettbewerbssituation und den neu- en Leser- und<br />
Nutzergewohnheiten stellen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Und warum kränkelt die Musik?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Das<br />
Musikgeschäft war durch Wachstum geprägt, eine wirkliche Erfolgsstory.<br />
Aber der &#8220;Nachholeffekt CD&#8221; ist aufgebraucht. Also müssen wir die<br />
Kostenstrukturen optimieren und aus der starken Marktstellung, die wir<br />
ja haben, eine bessere Ergebnisrendite erwirtschaften. Von Kränkeln<br />
kann keine Rede sein.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Warum ist es so wichtig, in jedem Bereich die 15 Prozent zu erreichen?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Wir<br />
wollen selbstständig bleiben und eigenfinanziert wachsen. Das ist das<br />
Erfolgsgeheimnis von Bertelsmann: 15 Prozent Gesamtkapital-Rendite<br />
reichen, damit wir 10 Prozent wachsen können. Wir konzentrieren uns<br />
jetzt zwei Jahre auf Ertragsverbesserung ­ alte Wössner&#8217;sche<br />
Treppentechnik ­, um dann wieder größere Schritte aufwärts tun zu<br />
können.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> In beiden Geschäftsfeldern hatte schon Ihr Vorgänger eine &#8220;Unwucht&#8221; registriert ­ also nichts Neues bei Bertelsmann?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Doch,<br />
parallel zu den Korrekturen müssen wir die großen Investitionen<br />
verarbeiten. In den USA läuft das bei Random House phantastisch. Im<br />
Bereich &#8220;Fachinformationen&#8221;, also nach dem Erwerb des<br />
wissenschaftlichen Springer-Verlages, ist die Integration in Teilen<br />
auch eine Art Sanierungsaufgabe. Hinzu kommt E-Commerce, das wir<br />
weltweit aggressiv erfolgreich entwickeln werden ­ in den USA durch<br />
unsere Beteiligung an barnesandnoble.com und durch den<br />
Bertelsmann-online(BOL)-Start in Europa.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Müssen Sie Bertelsmann nicht völlig umbauen: weg von Buch und Print, hin zu Multimedia?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Im Jahr<br />
2000 werden wir etwa 30 Milliarden Mark umsetzen. Es werden 50 Prozent<br />
im Print und 50 Prozent in der Elektronik sein. Letzteres umfasst<br />
Musik, Fernsehen und Multimedia. Also eine gelungene Balance.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Hat das Club-Geschäft noch Zukunft?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Davon<br />
bin ich überzeugt. Es muss nur an das sich verändernde<br />
Konsumentenverhalten angepasst werden. Das heißt, wir müssen diejenigen<br />
werden, die ein hoch attraktives inhaltliches Angebot am schnellsten,<br />
am servicefreundlichsten zu den Kunden bringen. Wir müssen die sein,<br />
die den besten Preis bieten und der Club-Formel einen neuen Stellenwert<br />
geben. Das heißt auch: Zwischen dem virtuellen Buchhändler BOL und dem<br />
Club wird es eine enge Verbindung geben.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Wollen Sie so die Buchpreisbindung unterlaufen?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Ganz eindeutig nicht. Bertelsmann ist überzeugt vom Wert der Buchpreisbindung.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b><br />
Der schwächelnde Buch-Club gehört in die Verantwortung des<br />
Vorstandsmitgliedes Frank Wössner, der zukunftsträchtige virtuelle<br />
Buchhandel BOL aber wurde Klaus Eierhoff zugeordnet. Ist diese Trennung<br />
nicht ein deutlicher Hinweis?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Wir<br />
haben Klaus Eierhoff die Verantwortung für BOL gegeben, weil er in<br />
seinem Bereich mittlerweile vorzügliche Multimedia-Experten und<br />
Fachleute für das elektronische Direct-to-customer-Geschäft hat. In der<br />
jetzigen embryonalen Phase kommt es darauf an, communities zu bilden,<br />
One-klick-shopping-Elemente zu entwickeln und auf einfache Nutzung zu<br />
achten.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Sie warten, bis der zuständige Vorstand aus Altersgründen ausscheidet, und ordnen den Bereich dann neu?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Diese<br />
Frage hat nichts mit Alters- und Nachfolgeregelungen des Hauses zu tun,<br />
sondern mit den Erfordernissen des Marktes. Aus anderen Märkten können<br />
wir lernen, dass bisher keine so genannte alte Industrie dem Ansturm<br />
von Internet-start-ups standhalten konnte. Weder in der<br />
Telekommunikation noch im klassischen Buchhandel in den USA. Der<br />
elektronische Versender Amazon hat alle überrannt. Es geht nicht darum,<br />
ob der Vorstandsvorsitzende Internet-Freak ist oder nicht. Es geht um<br />
die Verknüpfung klassischer Medieninhalte mit neuen Technologien und um<br />
neue, unkompliziertere Wege zum Leser.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Sind Sie vielleicht schon zu spät dran?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Ich<br />
denke nicht. Es gibt weltweit kein einziges Medien-Unternehmen, das im<br />
Internet-Bereich so stark und gut aufgestellt ist wie Bertelsmann. In<br />
den USA haben wir die Kooperation mit barnesandnoble.com, dem<br />
zweitgrößten Internet-Buchhändler der Welt. Es ist kein Geheimnis, dass<br />
barnesandnoble.com in Kürze an die Börse gehen wird. Dieser Börsengang<br />
wird der größte Internet-IPO in der noch jungen Internet-Geschichte der<br />
USA sein. Mit BOL haben wir jetzt den europäischen Markt ins Visier<br />
genommen. Mit AOL und Compuserve sind wir in Europa die Nummer eins.<br />
Die 5 Prozent an AOL, die wir damals für 70 Millionen Mark gekauft<br />
haben, sind heute knapp 3 Milliarden Mark wert.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Und jetzt haben Sie Teile verkauft, um die Kasse wieder aufzufüllen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Nicht<br />
um die Kasse aufzufüllen. Am Anfang der Kooperation wollten wir zeigen,<br />
dass Bertelsmann zu AOL steht. Mit Steve Case, dem Gründer, bin ich<br />
mittlerweile eng befreundet. Wir haben gemeinsam Compuserve übernommen,<br />
wir haben gemeinsam ein erfolgreiches Geschäft in Europa entwickelt,<br />
wir haben es in Australien gestartet und weit reichende Überlegungen,<br />
wie wir das Geschäft gemeinsam ausbauen können. Vor diesem Hintergrund<br />
bedarf es keiner 5-prozentigen Beteiligung mehr.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Sie sprechen von den Erfolgen, klammern aber Deutschland aus. Da hechelt AOL dem Konkurrenten T-online hinterher.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Nein.<br />
T-online ist ein deutsches Produkt, AOL ist ein globales Produkt. AOL<br />
Deutschland hat bis heute jedes Jahr seine Mitgliederzahl verdoppelt ­<br />
und ich bin sicher, im Jahr 1999 wird AOL sie wieder verdoppeln. Das<br />
heißt, Ende dieses Jahres sind es 1,6 Millionen Mitglieder. Wir wollen<br />
in Europa in den nächsten drei Jahren ungefähr 8 bis 9 Millionen neue<br />
Abonnenten gewinnen. Wenn ich mir die Wachstumskurven anschaue, bin ich<br />
auch für Deutschland ziemlich optimistisch.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Gilt das auch für BOL gegenüber Amazon?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Der<br />
US-Markt ist deutlich weiter entwickelt. BOL in Europa wird sich da<br />
vorsichtiger und in anderen Rhythmen bewegen müssen. Klar ist: Wie<br />
barnesandnoble.com wird BOL auf Medienprodukte fokussiert sein, das<br />
heißt zuerst Buch, dann Musik, dann Video. Wir wollen kein Warenhaus im<br />
Internet sein, sondern der Buch- oder Medienfachhändler. Darin liegt<br />
unsere Chance. Ein kleines Beispiel: In den USA entwickelt<br />
barnesandnoble.com gerade den Service, dass Kunden untereinander<br />
gebrauchte Bücher oder Musik-CDs tauschen oder verkaufen können. Es ist<br />
unglaublich, welch ein Bedarf da vorhanden ist. Das ist die<br />
Bertelsmann-Strategie: Im Inhalte-Bereich wollen wir so weit wie<br />
möglich vorne sein und dann haben wir BOL und barnesandnoble.com für<br />
E-Commerce und dazwischen diejenigen, die die Vermittlung organisieren:<br />
AOL, Compuserve, Lycos, Fireball und die Genre-Sites.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Damit wollen Sie dann an die Börse gehen?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b><br />
Bertelsmann wird nie an die Börse gehen, auch nicht mit einzelnen<br />
Produktlinien. Nur bei einigen Internet-Aktivitäten prüfen wir, ob<br />
Börsengänge sinnvoll sein können. Für barnesandnoble.com und Pixelpark<br />
steht er an. Darüber hinaus können wir uns auch für BOL einen<br />
Börsengang vorstellen, wenn in den nächsten zwei Jahren gute<br />
Zuwachsraten zu verzeichnen sind.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Das verändert Ihre Strukturen aber gewaltig.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Unser<br />
Management ist vor allem herausgefordert durch die zunehmende<br />
Schnelligkeit in den Geschäften. Es zählt nicht mehr Größe allein,<br />
sondern die Schnelligkeit. Nicht der Große frisst den Kleinen, sondern<br />
der Schnelle den Langsamen. Bertelsmann war immer eine Flotte: Viele<br />
selbstständige Profitcenter und jeweils ein Unternehmer an der Spitze.<br />
Daran wird sich nichts ändern. Wichtig ist die Koordination der Flotte<br />
und die Möglichkeit zu schnellen Wendemanövern.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b><br />
Im Print-Bereich wollen Sie jetzt trotz hohen Seegangs eine deutsche<br />
&#8220;Financial Times&#8221; auf den Markt bringen ­ ein hohes Risiko? Sie haben<br />
bei fast allen Print-Produkten stagnierende oder rückläufige Auflagen.<br />
Die &#8220;Berliner Zeitung&#8221; ist führungslos, der Kurs des &#8220;Stern&#8221; ist noch<br />
nicht recht zu erkennen, und dann wollen Sie noch eine Finanzzeitung?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Ich<br />
kann Ihrer Charakterisierung nicht folgen. Gruner + Jahr ist ein<br />
exzellent geführtes Unternehmen. Bei den von Ihnen namentlich erwähnten<br />
Publikationen ist es so, dass ich die &#8220;Berliner Zeitung&#8221; in ihrer<br />
heutigen Gestalt als gelungen empfinde. Führungsprobleme sehe ich dort<br />
nicht. Diese Fragen fallen auch nicht in meine Zuständigkeit, also<br />
kommentiere ich sie nicht. Die Probleme der General-interest-Titel im<br />
verschärften Wettbewerb der Medien untereinander, also auch des<br />
&#8220;Stern&#8221;, haben die Kollegen bei Gruner + Jahr erkannt, und sie arbeiten<br />
mit allen Mitteln daran, sie zu lösen. Ich bin sicher, sie werden das<br />
erfolgreich tun.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Was spricht für eine deutsche &#8220;Financial Times&#8221;? Sehen Sie diesen Markt noch nicht so dicht besetzt?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Die<br />
Kollegen bei Gruner + Jahr gehen davon aus, dass es diesen kritischen,<br />
fordernden, hochqualitativen Wirtschafts-Journalismus in Deutschland so<br />
noch nicht gibt. Unterstellt, uns würde es gelingen, hoch qualifizierte<br />
Journalisten zu versammeln, dann ist das eine Chance, die man ­ auch im<br />
Wettbewerb mit einem starken Marktführer wie dem &#8220;Handelsblatt&#8221; und den<br />
Wirtschaftsteilen angesehener überregionaler Blätter ­ suchen sollte.<br />
Das ist gut für den Markt, für den Leser und für die beteiligten<br />
Häuser. Wenn es scheitert, was ich nicht glaube, dann war es das wert.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> War auch Ihr Pay-TV Premiere die Milliarden wert?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Vor<br />
vier, fünf Jahren wurde zwischen den Häusern Kirch, Telekom und<br />
Bertelsmann erstmals über die Chancen eines digitalen Fernsehens und<br />
eines Pay-Konzeptes diskutiert. In dieser Zeit ist der Globus nicht<br />
stehen geblieben. Man rechnet heute: Drei Monate sind ein Internet-Jahr<br />
­ wir haben also einiges verpasst. Wir haben aber auch die Zeit<br />
genutzt, um unsere Strategie zu überdenken, und wir wissen heute mehr<br />
denn je: Die Zukunft liegt beim Free-TV, dem werbefinanzierten<br />
Fernsehen ­ einem Stammgeschäft von uns ­ und beim Internet, das alle<br />
möglichen Inhalte, auch Bewegtbilder, transportieren kann. Pay-per-view<br />
wird auf völlig andere, neue Weise möglich. Vor vier oder fünf Jahren<br />
sind wir bei AOL eingestiegen, damals belächelt, heute steht da &#8220;ein<br />
Gigant&#8221;.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Das kann man von Premiere nicht sagen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Nein.<br />
Was aber wichtiger ist: ein Gigant, der sich in der Internet-Welt<br />
durchgesetzt hat und Service-Angebote möglich macht, die dem digitalen<br />
Fernsehen nicht nachstehen. Wir sind fest davon überzeugt, dass die<br />
Entertainment-Industrie neu zu definieren ist, wenn es uns gelingt, AOL<br />
ins Kabel zu bekommen. Die Internet-Welt läuft auf weltweit offene<br />
Standards hinaus. Dieser Prozess ist nicht mehr aufzuhalten.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Sie glauben, dass dann Pay-TV eher marginal sein wird?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Es wird<br />
Pay-TV geben, aber die neuen Konzepte ermöglichen uns, auch unsere<br />
eigenen Inhalte zu liefern: das Buch, ob traditionell oder digital<br />
bestellt; die Musik, ob physisch zugestellt oder digital<br />
heruntergeladen, ob eigene Soap-Operas, die wir dann produzieren *<br />
Daran haben wir zielstrebig gearbeitet und wir sind uns heute sicher,<br />
dieses wird parallel zum Pay-TV, das wir kennen, eine Zukunft haben.<br />
Ich habe so weit ausgeholt, um Ihnen die Gemütslage bei Bertelsmann zu<br />
beschreiben. Wo vor einem Jahr noch angespannte Vorstände gesessen<br />
haben, sind wir jetzt sehr gelassen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Sie können also bei Premiere aussteigen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Ja, aber es kommt auf die Bedingungen an.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Gibt es einen zeitlichen Rahmen?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Bis zum<br />
Ende des Kalenderjahres 1999 wird es bei Bertelsmann kein Geschäft mehr<br />
geben, das Verlust schreibt. Bis Ende des Kalenderjahres 2000 kein<br />
Geschäft mehr unter 10 Prozent Gesamtkapital-Rendite. Das wird das<br />
Ergebnis konsequenter Konsolidierungspolitik sein. Daraus folgt unter<br />
anderem auch: Bis Ende 2000 wird es eine Lösung für Premiere geben.<br />
Darüber hinaus wird es keine weiteren Großinvestitionen geben, wie sich<br />
der Vorstand selbst auferlegt hat ­ es sei denn, es handelt sich um<br />
eine ungewöhnliche Okkasion.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Um vom kreativen Inhalt bis zum Endkunden alles unter einem Dach zu haben, müssten Sie schon bald ein Hollywood-Studio kaufen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Nein, kein Studio.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Ehrenwort?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b><br />
Heiliges Ehrenwort. Kein Studio. Wir wollen stark sein im Buchbereich.<br />
Bücher werden immer ihre Welt haben. Wir bauen durch die Möglichkeit,<br />
Bücher online zu bestellen oder sie später einmal digital<br />
herunterzuladen, lediglich einen zusätzlichen Vertriebskanal auf. Auch<br />
Musik bildet eine eigenständige Gattung. Neu wird sein, dass man sich<br />
aus den Katalogen die CDs selber zusammenstellen und runterladen kann.<br />
Nebenbei sei erwähnt, dass hier gravierende Urheberrechtsprobleme<br />
global zu lösen sind. Wir wollen im Inhalte-Bereich stark sein und<br />
überall dort, wo es um direkte Kundenkontakte geht.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Sie haben jetzt das Fernsehen ausgelassen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Die<br />
CLT-Ufa macht 6 Milliarden Mark Umsatz, davon sind 400 Millionen Mark<br />
Premiere-Geschäft. Da sieht man die Gewichtung. Als Free-TV-Anbieter<br />
Nummer eins in Europa hat die CLT-Ufa für uns einen großen Stellenwert.<br />
Ich setze darauf, dass es meinem Kollegen Michael Dornemann mit seinem<br />
Team gelingt, rund um RTL eine Senderfamilie zu entwickeln. Sie wird in<br />
den nächsten sechs Monaten kommen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b><br />
Gehört der Sender Vox dann zur Senderfamilie und behalten Sie die<br />
Vox-Anteile, um den an Vox beteiligten australisch-amerikanischen<br />
TV-Multi Rupert Murdoch zu blockieren?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Einen Murdoch kann man nicht blockieren. Ich habe großen Respekt vor seiner Leistung. Ich mag ihn, als Typ.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b><span style="color: #ff6600;">Die Woche:</span></b> Auch als Partner?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica;"><b>Thomas Middelhoff:</b> Murdoch könnte ein Partner sein, aber wie immer müsste man das sorgfältig prüfen.</span></p>
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