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	<title>Thorsten Schäfer-Gümbel &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Thorsten Schäfer-Gümbel &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Politische Audio-Offensive via SoundCloud</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Nov 2013 16:51:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Es wird ernst: Im Bund gehen die Beratungen zur Bildung einer Großen Koalition in die entscheidende Phase, und in Hessen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Megaphone1.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-134717" alt="Megaphone1" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Megaphone1.jpg" width="640" height="427" /></a>Es wird ernst: Im Bund gehen die Beratungen zur Bildung einer Großen Koalition in die entscheidende Phase, und in Hessen beginnen schwarz-grüne Koalitionsverhandlungen. Nachdem einige Akteure die Audio-Plattform SoundCloud bereits zur Wahlkampfkommunikation genutzt haben, dokumentiert spd.de ausführlich Statements von Unterhändlern aus dem schwarz-roten Verhandlungsmarathon.<br />
Schon seit Längerem unterhält die SPD ein <a href="https://soundcloud.com/spdde" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SoundCloud-Profil</a>, mit dem sie vor allem Pressestatements und ausgewählte Reden von Spitzenpolitikern der Partei bei Veranstaltungen auf Bundesebene dokumentiert. In der Regel ergänzen diese O-Töne auch die Berichterstattung auf der Website der SPD. Im Wahlkampf wurde diese Praxis noch erweitert, indem eine Kurzfassung des Regierungsprogramms kapitelweise von Wolfgang Thierse und der stellvertretenden Parteivorsitzenden Aydan Özoğuz vorgelesen sowie in die betreffenden Themenseiten eingebunden wurde. Darauf folgte eine <a href="https://soundcloud.com/spdde/unser-regierungsprogramm-3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vollständige Version</a>, die in Kooperation mit der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland erstellt wurde &#8211; Umfang: sechs Stunden und 44 Minuten. Und auch der sozialdemokratische <a href="https://soundcloud.com/dirtyredcarpet/zuhaus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlkampf-Song</a> fand so seinen Weg ins Web.<br />
Unterdessen kündigte seinerzeit die CDU im hessischen <a href="http://www.cduhessen.de/inhalte/2/aktuelles/40415/wahlkampagne-in-wiesbaden-vorgestellt-peter-beuth-die-hessen-sagen-ja-zu-ihrem-bundesland-und-unserer-erfolgreichen-arbeit-/index.html">Landtagswahlkampf</a> an: “Um unsere Inhalte möglichst barrierefrei anzubieten, werden wir weiter Soundcloud für Berichte und O-Töne nutzen (&#8230;).” So richtete beispielsweise Spitzenkandidat Volker Bouffier einen <a href="https://soundcloud.com/cdu-hessen/volker-bouffier-7000-facebook">persönlichen Dank</a> an seine Facebook-Fans.<br />
Nun ist häufig das Phänomen zu beobachten, dass während des Wahlkampfs ausgefeilte Angebote zur Online-Kommunikation aufgesetzt werden, die dann nach der Wahl verwaisen. Interessanterweise ist beim SoundCloud-Profil der SPD das Gegenteil zu beobachten. Dort haben sich seit Beginn der Koalitionsverhandlungen mit der CDU schon etwa 70 (!) Beiträge angesammelt, die Statements vor oder nach Verhandlungsrunden dokumentieren. Und darin kommen nicht nur SPD-Politiker, sondern auch Vertreter der Union zu Wort. Dieses umfassende öffentliche Audioarchiv ist natürlich Bestandteil der Kommunikations-Offensive, mit der die Parteispitze die Basis dazu bewegen will, einem ausgehandelten Koalitionsvertrag am Ende zuzustimmen.<br />
In diesem Zusammenhang ist auch Hessen wieder in der politischen Sound-Landschaft aufgetaucht: Dort wurden nach der Landtagswahl langwierige Sondierungsgespräche geführt. Nach deren Abschluss entstand eine Phase, in der die Konstellation der Regierungsbildung unklar war. Diese beendete der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel mit einem Pressestatement am 22. November 2013, in dem er die Absicht des hessischen CDU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Volker Bouffier öffentlich machte, Bündnis 90/Die Grünen ein Angebot für Koalitionsverhandlungen zu unterbreiten. Zu diesem Zeitpunkt war Schäfer-Gümbel in Berlin, um an den Koalitionsverhandlungen im Bund teilzunehmen. Diesem Umstand verdanken wir nun die Aufzeichnung seines Statements und dessen Publikation im SoundCloud-Profil der SPD.<br />
[soundcloud url=&#8221;https://api.soundcloud.com/tracks/121347806&#8243; width=&#8221;100%&#8221; height=&#8221;166&#8243; iframe=&#8221;true&#8221; /]<br />
Schäfer-Gümbel kam damit der CDU zuvor, die am selben Nachmittag die Entscheidung über Koalitionsverhandlungen in den Parteigremien beriet. Am Abend verkündete dann Bouffier das Angebot zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen an die hessischen Grünen. Die Christdemokraten erinnerten sich nun ihres SoundCloud-Profils und publizierten das Statement ebenfalls dort.<br />
[soundcloud url=&#8221;https://api.soundcloud.com/tracks/121402384&#8243; width=&#8221;100%&#8221; height=&#8221;166&#8243; iframe=&#8221;true&#8221; /]<br />
Nachdem Bündnis 90/Die Grünen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der CDU beschlossen haben, wurde auch die Reaktion von Bouffier darauf in diesem Format <a href="https://soundcloud.com/cdu-hessen/schwarz-gruen">veröffentlicht</a>.<br />
Es lässt sich also feststellen, dass sich diese Praxis als Innovation in der Online-Kommunikation der Parteien etabliert hat. Die Nutzer verfügen somit über einen Kanal, um sich auch unabhängig von medialer Berichterstattung nahezu in Echtzeit, aber nicht notwendigerweise live, über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Die O-Töne ergänzen das multimediale Mosaik politischer Kommunikation in Online-Medien. Leider wird die Möglichkeit sowohl zur Einbindung der Audio-Angebote auf den Webseiten anderer Anbieter, als auch zur Kommentierung durch SoundCloud-Nutzer bislang kaum genutzt. Bleibt abzuwarten, wer uns am Ende in beiden Fällen den Koalitionsvertrag vorlesen wird.<br />
&nbsp;<br />
<em>Der Text basiert auf Beiträgen von Erik Meyer für sein <a href="http://www.sound-blog.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SoundBlog</a>. Er kuratiert Tweets von an den schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen beteiligten Personen und Parteien auf <a href="https://www.rebelmouse.com/schwarzgruen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">RebelMouse</a>.</em><br />
&nbsp;<br />
Bild : <a href="http://www.flickr.com/photos/ghwpix/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ghwpix</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Nein, mit Roland Koch geht gar nichts.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[esnakker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Dec 2008 14:01:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Thorsten Schäfer-Gümbel]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, 16. Dezember 2008 war der Spitzenkandidat der Hessen-SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de
Der SPD-Politiker, der bereits durch seinen <a href="http://politik-digital.de/spd-will-im-hessen-wahlkampf-online-punkten" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Web-Wahlkampf auffiel</a>, nutzte die Chance, um auf digitalem Wege die Fragen der Nutzer zu beantworten. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 16. Dezember 2008 war der Spitzenkandidat der Hessen-SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de<br />
Der SPD-Politiker, der bereits durch seinen <a href="http://politik-digital.de/spd-will-im-hessen-wahlkampf-online-punkten" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Web-Wahlkampf auffiel</a>, nutzte die Chance, um auf digitalem Wege die Fragen der Nutzer zu beantworten. </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat.<br />
Der Kampf um die Macht in Hessen geht in die nächste Runde: Nach<br />
Ypsilantis Scheitern stehen am 18. Januar vorgezogene Landtagswahlen<br />
an. Am vergangenen Wochenende wurde Thorsten Schäfer-Gümbel mit knapp<br />
97 Prozent der Delegierten-Stimmen zum Herausforderer von Roland Koch<br />
gewählt. In Frankfurt begrüße ich jetzt den Spitzenkandidaten der<br />
hessischen SPD! Herr Schäfer-Gümbel, sind Sie bereit zum Chatten?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Ja!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Seit wann haben Sie den Wunsch, Ministerpräsident zu werden?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Seit dem 8. November 9:15 Uhr.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wirklich zum ersten Mal?!
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Ja!
</p>
<p>
<b>Felix</b>:<br />
Warum distanzieren Sie sich nicht deutlich von Andrea Ypsilanti, die<br />
durch ihr Verhalten viele Ihrer potentiellen Wähler enttäuscht hat.<br />
Wollen Sie etwa nach der Wahl verstärkt mit ihr zusammenarbeiten?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Die hessische SPD hat schwierige Entscheidungen nach einem von uns<br />
nicht gewünschten Wahlergebnis am 27. Januar 2008 getroffen und diese<br />
haben wir gemeinsam getroffen. Diese Entscheidungen haben wir uns nicht<br />
einfach gemacht. Wir müssten uns also von uns selbst distanzieren, was<br />
auch etwas eigenartig wäre. Deshalb haben wir die Probleme und Fehler<br />
benannt und entsprechend Konsequenzen gezogen. Damit sind wir bisher<br />
alleine. Andere Parteien haben bisher keine erkennbaren Konsequenzen<br />
aus den hessischen Verhältnissen gezogen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Wollen Sie Andrea Ypsilanti als Partei- und Fraktions-Chef beerben?<br />
Wäre es nicht ehrlicher, vor der Wahl die Verhältnisse zu klären?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Die Verhältnisse sind geklärt.
</p>
<p>
<b>ThinkTank</b>: Wie wollen Sie die SPD in Hessen aus dem Keller holen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Indem wir uns mit den konkreten Problemen beschäftigen und dafür<br />
konkrete Antworten liefern. Beispielsweise in der Frage der<br />
Bildungspolitik, aber auch in der Frage der Wirtschafts- und<br />
Arbeitspolitik, ebenso wie in der Frage der sozialen Gerechtigkeit und<br />
der Energiewende. Genau mit diesem Programm haben wir vor einem Jahr<br />
Menschen bis weit in die gesellschaftliche Mitte erreicht und deshalb<br />
sind wir auch überzeugt davon, dass dies wieder gelingen kann, wenn man<br />
zu seinen inhaltlichen Antworten steht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu auch die Top1-Frage der User:
</p>
<p>
<b>eddie</b>:<br />
Herr Schäfer-Gümbel, Wolfgang Clement hielt die energiepolitischen<br />
Pläne der hessischen SPD für so falsch, dass er von der Wahl abriet.<br />
Halten Sie an den Plänen fest?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Ja.
</p>
<p>
<b>Joerg</b>:<br />
Wie erklären Sie sich die schlechten Umfragewerte der SPD, obwohl Frau<br />
Ypsilanti immer wieder von einer Mehrheit der hessischen Wähler<br />
gesprochen hat, die eine neue Politik wollen und die keinen MP Koch<br />
mehr haben wollen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: An<br />
der Grundlage hat sich auch nichts verändert. Es gab aber<br />
Enttäuschungen darüber, dass wir den Versuch der Bildung einer<br />
Minderheitsregierung gemacht haben, und Enttäuschung darüber, dass die<br />
Bildung einer Regierung nicht funktioniert hat und dass dieses doppelte<br />
Dilemma sich natürlich in den Umfragen derzeit widerspiegelt.
</p>
<p>
<b>wähler</b>: Welches Wahlversprechen der letzten<br />
Wahl Anfang 2008 in Hessen ist ihnen wichtiger: Roland Koch abzulösen<br />
oder nicht mit der Linken zusammen zu arbeiten?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Wir hatten insgesamt drei Wahlversprechen: den Politikwechsel in<br />
Bildung, Gerechtigkeit und Energiewende, die Ablösung der Regierung<br />
Koch sowie den Beweis anzutreten, dass das Thema Gerechtigkeit bei der<br />
SPD am besten aufgehoben ist und es die Partei DIE LINKE nicht braucht.<br />
Diese sind alle gleich gewichtig und genau das war ja unser Problem<br />
nach dem 27. Januar, dass die Wählerinnen und Wähler entschieden haben,<br />
dass Die Linke im hessischen Landtag ist und wir mussten mit dieser<br />
Situation umgehen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wie wollen Sie die Linkspartei aus dem Parlament heraushalten?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Indem wir uns glaubwürdig und entschlossen auf unsere Stärken<br />
konzentrieren. Das heißt eben auf die konkreten Probleme,<br />
beispielsweise in der Bildungspolitik, konkrete und realistische<br />
Antworten zu geben.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Warum glaubt Ihre Landes- und Fraktionsvorsitzende nicht daran? Sie stellt sich auf ein Fünf-Parteien-Parlament ein.
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Wir müssen natürlich zur Kenntnis nehmen, dass Politik kein<br />
Wunschkonzert ist. Wir arbeiten daran, so erfolgreich wie möglich im<br />
Interesse unserer Inhalte und den damit verbundenen Angeboten für die<br />
Menschen zu sein. Das schließt aber nicht aus und das ist ja auch die<br />
Erfahrung des 27. Januars, dass die Wählerinnen und Wähler das anders<br />
sehen. Also das eine ist sozusagen meine Zielbestimmung und das andere<br />
ist die Frage, was wird real passieren? Und wir haben uns gewünscht,<br />
dass die LINKE nicht im Landtag ist, sie ist aber mit rein gekommen und<br />
vor derselben Situation stehen wir am 18. Januar erneut.
</p>
<p>
<b>Edel</b>: Würden Sie eine große Koalition auch mit Roland Koch akzeptieren ?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Nein. Nein, mit Roland Koch geht gar nichts.
</p>
<p>
<b>Noah</b>: Wie sehen Sie Roland Koch als Politiker?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Roland Koch ist ein intelligenter Mensch, dem ich auch den nötigen<br />
Respekt gegenüber bringe. Es ist nie bestritten worden von uns oder<br />
mir, dass er in der Lage ist, Politik zu gestalten. Er gestaltet aber<br />
die falsche Politik und außerdem ist er der Ministerpräsident in<br />
Hessen, der das Land sozial und kulturell spaltet. Gerade in einem<br />
toleranten, weltoffenen Land wie Hessen ist das ein großes<br />
Qualifikationsdefizit.
</p>
<p>
<b>henrikMS</b>: Schließen Sie irgendwelche Koalitionsoptionen aus?
</p>
<p>
<b>Eule</b>:<br />
Sie sagen, Sie würden keine Koalition ausschließen. Heißt das, dass Sie<br />
auch als Juniorpartner in eine große Koalition gehen würden?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Wir haben nach den Ereignissen dieses Jahres gelernt, dass wir keine<br />
Konstellation ausschließen sollten. Wir werden Koalitionen danach<br />
bilden, wenn die Wählerinnen und Wähler uns dazu in die Lage versetzen.<br />
In welchem Umfang und in welcher Zuverlässigkeit wir den Politikwechsel<br />
umsetzen können, beispielsweise in der Bildungspolitik und dies in<br />
möglichst stabilen Konstellationen, diese Entscheidungen treffen jetzt<br />
zunächst die Wählerinnen und Wähler und nicht die Parteistrategen in<br />
den Hinterzimmern.
</p>
<p>
<b>Politiknerd</b>: Ist eine Koalition mit den Linken kategorisch ausgeschlossen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Die Frage ist mit der Antwort vorher beantwortet.
</p>
<p>
<b>Jimmy Hosseini</b>: Roland Koch spaltet das Land, wen vereint Herr Schäfer-Gümbel?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Derzeit auf jeden Fall meine sozialdemokratische Partei, dies hat ja<br />
der Parteitag eindrucksvoll demonstriert. An allem Weiteren arbeite<br />
ich. Ich bin ja erst seit 39 Tagen Spitzenkandidat, aber in den<br />
Veranstaltungen &#8211; wenn ich bisher aufgetreten bin &#8211; konnte man ein<br />
Gefühl dafür entwickeln, in welcher Art ich arbeite, wie ich arbeite<br />
und dass das Zusammenführen von Menschen, Positionen und Interessen<br />
eines meiner zentralen Anliegen ist. Weil nicht der politische Streit<br />
über den besseren Weg zum Selbstzweck werden darf, sondern am Ende auch<br />
eines politischen Streites möglichst die beste Antwort stehen muss.
</p>
<p>
<b>Spiegelturm</b>: Wie wollen Sie das Land sozial und kulturell zusammenführen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Indem wir beispielsweise in der Bildungspolitik neue Akzente setzen,<br />
indem wir Schule zukünftig von den Kindern her denken und sie<br />
befähigen, die sozialen Kompetenzen auch wieder zu leben. Zweitens<br />
durch einen intensiven Dialog, beispielsweise mit den<br />
Tarifvertragsparteien über die notwendige Entwicklung in der<br />
Wirtschafts-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Und drittens durch den<br />
intensiven Dialog mit den Vertreterinnen und Vertretern der<br />
unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Diese Aufzählung ist nur<br />
exemplarisch und nicht abschließend.
</p>
<p>
<b>JakobW</b>: Was halten Sie von Studiengebühren? Halten Sie eine Verbesserung der Lehre nicht für notwendig?
</p>
<p>
<b>Nietzsche</b>: Wie stehen Sie zur Förderung von privaten Bildungseinrichtungen wie der Frankfurter School of Finance?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Wir halten eine Verbesserung der Lehre für notwendig. Deswegen haben<br />
wir auch, als wir die Studiengebühren in diesem Sommer im hessischen<br />
Landtag abgeschafft haben, zugesagt, dass die Mittel für die<br />
Hochschulen aus dem Haushalt ersetzt werden. Studiengebühren selbst<br />
werden von mir entschieden abgelehnt, weil nicht soziale Herkunft und<br />
Einkommenssituation den Bildungserfolg bestimmen dürfen sondern<br />
persönliche Leistungsfähigkeit und wir daher keine weiteren Hürden im<br />
Bildungssystem brauchen. Im Gegenteil: Diese müssen abgebaut werden.
</p>
<p>
<b>elchico</b>: Können sie das konkretisieren? Wie wollen sie Kompetenzen fördern, Akzente setzen etc.?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Wir weisen die Mittel den Hochschulen zu und das muss in den<br />
Hochschulen umgesetzt werden. Beispielsweise Tutorensysteme, die in<br />
bestimmten Fachbereichen die Lehrtätigkeit unterstützen. Bis zur Frage,<br />
ob in bestimmten Bereichen die technische Ausstattung ausreichend ist.
</p>
<p>
<b>loew</b>:<br />
Ihr Programm scheint kaum verändert. Die Probleme in Bildungspolitik<br />
etc. bestehen weiter. Werden Sie die Finanz- und Wirtschaftskrise<br />
thematisieren? Welche Lösungen bieten Sie für Arbeitnehmer und<br />
Unternehmen in Hessen an?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ich habe bereits vor 14 Tagen ein Zehn-Punkte-Programm vorgestellt mit<br />
konkreten Maßnahmen, die wir in Hessen zur Unterstützung der<br />
Wirtschafts- und Konjunkturlage vornehmen können. Dieses Programm<br />
unterscheidet sich von vielen anderen dadurch, dass es nicht abstrakte<br />
Forderungen an Dritte sind, sondern Maßnahmen, die wir in Hessen<br />
machen. Dazu gehört die Neustrukturierung der Förderinstitute, die<br />
Frage der Stärkung der öffentlichen und privaten Investitionen, die<br />
Technologieförderungen, die energetische Sanierung von Häusern, die<br />
Breitbandausstattung des ländlichen Raumes bis zum Vorschlag einer<br />
verringerten Mehrwertsteuer auf energieeffiziente Produkte.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der Kanzlerin?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Sub-Optimal. Man kann die Dinge nicht einfach nur wegmoderieren,<br />
sondern muss auch die Entscheidungen treffen. Eine der wesentlichen<br />
Fehlleistungen der Kanzlerin in diesen Tagen ist die Rücknahme der<br />
Klimaschutzziele im Rahmen der europäischen Verabredungen. Nur die<br />
Standorte, die zukünftig am energieeffizientesten und<br />
ressourceneffizientesten arbeiten, werden wirtschaftlich nachhaltigen<br />
Erfolg haben. Arbeit und Umwelt oder Wirtschaft und Umwelt sind keine<br />
Gegensätze, sondern bedingen sich einander. Gerade in einer<br />
Volkswirtschaft wie der unsrigen. Wir werden nicht in Lohnkonkurrenz zu<br />
Südostasien bestehen, sondern durch innovative Produkte. Von der<br />
Kanzlerin und auch der Union erlebe ich aber derzeit nur falsche<br />
Antworten.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Reicht das beschlossene<br />
Maßnahmenpaket der Bundesregierung aus? Wie hoch sollte Ihrer Meinung<br />
nach das zweite Paket im Januar ausfallen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Es wird ganz sicher zu einem zweiten Paket kommen, die Höhe ist dabei<br />
nicht so entscheidend. Entscheidend ist, ob die richtigen Maßnahmen<br />
ergriffen werden. Einer der wesentlichen Aspekte dabei ist, ob es<br />
gelingen kann und ich sage, es muss gelingen, einen Beschäftigungspakt<br />
unter dem Namen &quot;Keine Entlassungen 2009&quot; zwischen den<br />
Tarifvertragsparteien und der Politik zu vereinbaren.
</p>
<p>
<b>loew</b>:<br />
Die Konjunktur anzuregen in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs ist<br />
sinnvoll. Doch wann ist für Sie die Schmerzgrenze für<br />
Staatsverschuldung erreicht?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Die Frage kann man abstrakt nicht beantworten, dafür gibt es keine<br />
konkreten Zahlen. Wir müssen darauf achten, dass der Staat insgesamt<br />
handlungsfähig bleibt, damit die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen<br />
vorgenommen werden können. Nach aktuellen Berechnungen wird<br />
beispielsweise der Modernisierungs- und Sanierungsbedarf bei<br />
Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Straßen auf jährlich 80<br />
Milliarden Euro geschätzt. Die öffentliche Hand (Bund, Länder,<br />
Kommunen) investieren derzeit jährlich zwischen 14 und 16 Milliarden.<br />
Wir leben also von der Substanz und daher kann die Frage nicht abstrakt<br />
beantwortet werden.
</p>
<p>
<b>pessoist</b>: Klima- und<br />
Finanzkrisen verteuern das Fliegen. Wozu braucht es einen<br />
Flughafenausbau langfristig? Die Flugkorridore sind doch schon voll in<br />
Deutschland!
</p>
<p>
<b>Bruno</b>: Wie ist Ihre Meinung zum geplanten Ausbau des Frankfurter Flughafens?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Wir haben als hessische SPD immer erklärt, dass wir den Ausbau des<br />
Frankfurter Flughafen unter den Bedingungen der Mediation für sinnvoll<br />
und notwendig erachten. An dieser Position ändert sich nichts.
</p>
<p>
<b>Schekker</b>: Hallo Herr Schäfer-Gümbel. Haben Sie die persönlichen Angriffe nicht-politischer Art in den vergangenen Wochen verletzt?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ich habe sie ausdrücklich als eine Art der Respektlosigkeit erfahren<br />
und natürlich geht man danach nicht einfach zur Tagesordnung über. Aber<br />
wer in die Politik geht, der weiß, dass er ein dickes Fell braucht und<br />
es gibt eine einfache Methode: Man liest einfach nicht mehr alles.
</p>
<p>
<b>Frank</b>:<br />
Mal was anderes: Wie beurteilen sie diese Obama-Schäfer-Gümbel-Aktion?<br />
Könnte man daraus nicht eine nette Werbekampagne starten?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Also ich finde das sehr humorvoll, habe auch über vieles herzlich<br />
gelacht. Eine Kampagne daraus wird unsererseits aber nicht gemacht. Die<br />
Hessen sind zwar alle selbstbewusst aber nicht größenwahnsinnig.
</p>
<p>
<b>FRAN</b>: Wie sind Sie eigentlich in die Politik gekommen? Sie waren doch eigentlich Wissenschaftler.
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ich habe mit 16 Jahren bereits angefangen Politik zu machen. Davor habe<br />
ich mich auch in der Schule bereits an politischen Aktionen beteiligt.<br />
Insofern hat Politik immer eine Rolle in meinem Leben gehabt. Ich komme<br />
zudem aus einem sehr politischen Elternhaus und ich habe ja auch<br />
Politikwissenschaften studiert. Insofern lag es jetzt nicht so ganz<br />
fern. Es war aber nicht meine persönliche Karriereplanung, irgendwann<br />
hauptamtlich Politik zu machen. Ich komme aus der Universität und habe<br />
dort in der Verwaltung gearbeitet. Ich habe mir viele Jahre gut<br />
vorstellen können, bei der Europäischen Kommission arbeiten zu können.<br />
Aber nicht als Kommissar, sondern als Mitarbeiter der Verwaltung und es<br />
gab auch eine Zeit in der ich Entwicklungshelfer werden wollte.
</p>
<p>
<b>hors</b>: Herr Schäfer-Gümbel, wen würden Sie als Ihr politisches Vorbild bezeichnen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ganz sicherlich Jacques Delors, der mich als Europäer immer fasziniert<br />
hat und die Europäische Integration auch stark vorangebracht hat. Aber<br />
auch Menschen wie Willy Brandt und Helmut Schmidt. Auch wenn das für<br />
viele ein Gegensatz ist, haben sie mich immer interessiert und haben<br />
mir immer imponiert.
</p>
<p>
<b>Jutta</b>: Ist Franz Müntefering ein Vorbild für Sie?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Franz Müntefering ist ein sehr erfahrener Politiker, mit dem ich gerne<br />
zusammenarbeite, aber aus meiner vorhergehenden Antwort ist auch<br />
deutlich geworden, dass es &quot;das&quot; Vorbild für mich nicht gibt, sondern<br />
mich einfach Menschen mit ihren jeweiligen Lebensleistungen faszinieren<br />
und ich dort auch sehr genau hinschaue und versuche zu lernen, weil das</p>
<p>Lernen bei Menschen nicht mit dem Abgang von der Schule endet.
</p>
<p>
<b>Rozo</b>:<br />
Dem amtierenden Ministerpräsidenten ist sein katholischer Glaube ein<br />
Fundament seines Handelns. Welche Rolle spielt Religion in Ihrem Leben?
</p>
<p>
<b>Benedikt</b>:<br />
Herr Schäfer-Gümbel, ich möchte nicht indiskret sein; aber darf man<br />
erfahren, warum Sie von der katholischen zur evangelischen Kirche<br />
konvertiert sind?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Also<br />
Religion spielt in meinem Leben eine gewisse Rolle. Mein Wechsel der<br />
Religionszugehörigkeit hat im ersten Teil politische und im zweiten<br />
Teil religiöse Gründe. Ich habe die katholische Kirche in den frühen<br />
90er Jahren aufgrund der Reaktion des katholischen Erzbischofs von<br />
München anlässlich des Kruzifix-Urteils verlassen. Also nicht aus<br />
theologischen, sondern aus politischen Gründen. Damit bin ich aber<br />
nicht in einen religions- oder glaubensfreien Raum getreten. Nach dem<br />
Tod meiner Mutter vor einigen Jahren hat bei mir eine stärkere<br />
Auseinandersetzung mit Religion wieder stattgefunden, an deren Ende &#8211;<br />
vor der Geburt meines dritten Kindes &#8211; die Entscheidung stand, wieder<br />
in die Kirche einzutreten. Da ich in meinem privaten und beruflichen<br />
Umfeld in den vergangenen Jahren sehr stark mit evangelischen Pfarrern<br />
und Kirchenvorständen zu tun hatte, bin ich dann aber in die<br />
evangelische Kirche Hessen-Nassau eingetreten.
</p>
<p>
<b>timtomkin</b>: Was ist Ihre wichtigste Erfahrung/Eigenschaft, die Sie zum Ministerpräsident auszeichnet?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Dass ich erst zuhöre und nachdenke und dann entscheide.
</p>
<p>
<b>aelmstee</b>:<br />
Nach dem Debakel mit Frau Ypsilanti hat die SPD in Hessen und auch<br />
landesweit einiges an Ansehen verloren.Wie wollen Sie das Image der<br />
Partei verbessern?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Indem ich rund um die Uhr arbeite und Menschen erkläre, dass es bei uns<br />
um Inhalte geht und sie am 18. Januar schlicht die Frage entscheiden<br />
müssen, ob der alte Ministerpräsident Koch die Probleme und<br />
Herausforderungen des Landes meistern kann oder ein neuer<br />
Ministerpräsident Thorsten Schäfer-Gümbel.
</p>
<p>
<b>Amadeus</b>:<br />
Warum sollen insbesondere diejenigen, die beim letzten Mal SPD gewählt<br />
haben, (wie ich) in absehbarer Zeit auch nur irgendwelchen<br />
Wahlkampfaussagen Glauben schenken?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ich kann nicht mehr tun als Ihnen sagen, dass wir einen Neuanfang<br />
gemacht haben. Dass wir zu unseren politischen Inhalten stehen und Sie<br />
um Ihr Vertrauen bitten. Ich kann Ihnen ihre Unsicherheit nicht nehmen,<br />
weil Sie diese Frage selbst beantworten müssen, ob Sie nach dem, was<br />
ich Ihnen sage, dieses Vertrauen neu aufbauen können, das notwendig ist.
</p>
<p>
<b>andreas</b>: Wie stehen Sie zu den Flügeln Ihrer Partei und wo ordnen Sie sich politisch ein?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Wenn mich in den letzten Monaten etwas genervt hat, dann der permanente<br />
Versuch, Diskussionen in und um die SPD in Schablonen zu pressen.<br />
Politische Gruppen in Parteien sind völlig normal. In der Union heißen<br />
sie Mittelstandsvereinigung oder Arbeitnehmerflügel, bei den Grünen<br />
Realos und Fundis, bei der SPD Links und Rechts. Wenn Sie allerdings<br />
genau hinschauen, stimmen diese Schablonen selten mit dem richtigen<br />
Leben überein und so ist es auch in der hessischen SPD. Das heißt<br />
nicht, dass es nicht unterschiedliche Gruppen auch in der SPD gibt,<br />
sondern dass diese Gruppen in der Außenwahrnehmung völlig überschätzt<br />
werden, weil es in der Regel nicht mehr als Gesprächszusammenhänge<br />
sind, die aber unter dem Dach der SPD am gemeinsamen Ziel arbeiten.<br />
Wenn Sie Bildungsgerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, die Energiewende<br />
und ein Konjunkturprogramm als links bezeichnen wollen, bin ich ein<br />
Linker in der SPD. Ich kann auch gut mit der Kategorie &quot;pragmatischer<br />
Linker&quot; leben. Sie können aber auch einfach zu mir sagen, dass ich<br />
Sozialdemokrat bin oder einfach zu mir Thorsten Schäfer-Gümbel sagen.<br />
Ich will damit deutlich machen, dass die Flügelbetrachtungen an der<br />
Oberfläche bleibt und niemals dazu beitragen wird zu verstehen, wie und<br />
was in einer Partei diskutiert wird.
</p>
<p>
<b>Ypsilanti</b>: Dürfen die SPD-Abgeordneten im nächsten Parlament wieder ihre Meinung frei äußern?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Sie tun das auch jetzt.
</p>
<p>
<b>Jimmy Hosseini</b>: Erklären Sie bitte in einfachen Worten, was falsch an einem Bündnis mit den Linken ist.
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Sie können nicht erwarten, dass ich den Entscheidungsprozess der<br />
letzten Monate und unzähliger Debatten in der SPD in eine kurze<br />
Zusammenfassung bringe.
</p>
<p>
<b>tankwart</b>: Ich finde<br />
Dagmar Metzger gut. Metzger verzichtet auf eine neue Kandidatur. Hätten<br />
Sie es besser gefunden, wenn Metzger wieder antreten würde? Oder sind<br />
sie froh, Ypsilantis Gegnerin in Sachen Linkspartei nicht im Landtag<br />
erwarten zu müssen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Ich<br />
habe mit Dagmar Metzger vor einiger Zeit telefoniert und wie bei allen<br />
vertraulichen Gesprächen handhabe ich das auch in diesem Fall so. Wir<br />
schauen nicht mehr zurück. Menschen haben Entscheidungen für sich<br />
getroffen. Die habe ich in der einen wie in der anderen Richtung zu<br />
akzeptieren. Insoweit richte ich jetzt den Blick nach vorne und<br />
versuche wieder über die Inhalte zu reden.
</p>
<p>
<b>KarlHeinz</b>: Haben Sie mit den vier &quot;Abweichlern&quot; Kontakt? Wenn ja, in welcher Form?
</p>
<p>
<b>xy</b>: Haben Sie das Gefühl von den Abweichlern Jürgen Walter, Dagmar Metzger, Carmen Everts und Silke Tesch unterstützt zu werden?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Nein, ich hatte in der Zeit keinen Kontakt. Es geht nicht um ein<br />
Gefühl. Ich freue mich über jeden Sozialdemokraten und jede<br />
Sozialdemokratin, die sich in eine Kampagne für einen Politikwechsel in<br />
Hessen einbringt.
</p>
<p>
<b>Arne</b>: Wie beurteilen Sie das Verhalten der anderen Abweichler?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ich schaue nicht mehr zurück, sondern muss eine Partei in einer sehr<br />
schwierigen Situation in einen Wahlkampf führen. Zu den vier<br />
Abgeordneten ist aus meiner Sicht alles gesagt.
</p>
<p>
<b>Edel</b>: Warum tun sich alle Parteien, auch die SPD, so schwer, wenn es um ein Verbot der NPD geht?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ein Parteienverbotsverfahren ist in einer parlamentarischen Demokratie<br />
wie der Bundesrepublik Deutschland ein sehr schwerer Eingriff. Deshalb<br />
muss er auch gut geprüft werden. Dazu erwarte ich, dass sich Bund und<br />
Länder auf eine gemeinsame Linie verständigen und danach gemeinsam<br />
agieren. Die derzeitigen Profilierungsversuche des bayerischen<br />
Ministerpräsidenten sind deshalb nicht hilfreih. Unabhängig davon steht<br />
die NPD für eine rassistische und nationalchauvinistische Politik, die<br />
zunehmend von militanten Personen begleitet wird. Und die jüngsten<br />
Ereignisse in Passau, aber auch in Nordhessen, sind der abscheuliche<br />
Beweis, dass sich die NPD nicht auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Würden Sie persönlich ein NPD-Verbotsverfahren begrüßen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ich würde meine Antwort von eben ad absurdum führen, wenn ich Ihnen<br />
dazu jetzt ein Ja oder Nein geben würde. Es muss zu einer gemeinsam<br />
abgestimmten Linie zwischen Bund und Ländern kommen. Und zwar zügig.
</p>
<p>
<b>Jacke Wahnsihn</b>: Haben sie ein Konzept gegen &quot;Gewalt von Rechts&quot;, wie sie gerade verstärkt medienpräsent ist?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ich war in den vergangenen fünf Jahren in der Landtagsfraktion der SPD<br />
zuständig für das Thema Rechtsextremismus. In diesem Kontext sind viele<br />
Vorschläge entstanden, wie präventiv gegen rechtsextreme Vorstellungen<br />
vorgegangen werden kann. Dies gilt für die Medien, für die Jugendarbeit<br />
und die Schule ebenso wie für die Polizei, aber auch die<br />
Finanzbehörden, wenn es um die Aberkennung der Gemeinnützigkeit von<br />
Rechtsextremen Vereinen, Stiftungen oder Burschenschaften geht.
</p>
<p>
<b>Schleichmichel</b>: Wie beurteilen Sie das Internet als Wahlkampfmedium?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Wir nutzen in diesen Tagen das Internet sehr intensiv als<br />
Kommunikationsmedium. Beispielsweise über Videoblogs mit der<br />
Aufforderung, Anregungen zu geben. Die erste Welle ist aufgearbeitet<br />
worden. Wir haben brandaktuell die Beantwortung von einer Reihe von<br />
Fragen im Internet vorgenommen. Dazu gehört auch die Nutzung<br />
verschiedener Foren und Blogs. Insoweit spielt das Internet eine<br />
zunehmend große Rolle.
</p>
<p>
<b>BigNick</b>: Herr Schäfer-Gümbel, was wird Ihre erste Maßnahme sein, wenn Sie gewählt werden sollten?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Die erste Maßnahme wird die Abschaffung der so genannten<br />
Sternchen-Regelung für die Bildung neuer Klassen in Hessen sein, da<br />
kleine Klassen einen Beitrag für bessere Bildung leisten können.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Wir haben eine Umfrage unter den Chattern gemacht: Wird Thorsten<br />
Schäfer-Gümbel nächster hessischer Ministerpräsident? Was glauben Sie,<br />
wie ist die Abstimmung für Sie gelaufen?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Ich vermute, dass die Wetten im Moment noch nicht so sehr hoch auf mich<br />
fallen. Aber unter anderem deswegen bin ich ja auch im Wahlkampf. In<br />
Oberhessen sagt man: Die Hühner werden am Ende gezählt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: 23 Prozent ja, 77 Prozent nein.
</p>
<p>
<b>cboenig</b>:<br />
Haben Sie Pläne für den Fall, dass sich doch nicht der Traum vom<br />
Ministerpräsident erfüllen könnte? Weiter Landespolitik oder gleich die<br />
Chance ergreifen, über die Europa- und Bundestagswahl über Hessen<br />
hinaus aktiv zu werden?
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>:<br />
Das ist kein Widerspruch. Ich werde erstmal ein paar Tage Urlaub machen<br />
und danach weiter für unsere Inhalte und Überzeugungen arbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Das war eine Stunde tagesschau-Chat. Vielen Dank, liebe User, für die<br />
zahlreichen Fragen! Leider konnten wir nicht alle stellen. Herzlichen<br />
Dank, Herr Schäfer-Gümbel, für Ihre Zeit. Grüße von Berlin nach<br />
Frankfurt. Das Team von tagesschau.de wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag.
</p>
<p>
<b>Thorsten Schäfer-Gümbel</b>: Ich darf mich auch<br />
herzlich bedanken für die angeregte Debatte im Netz. Ich hoffe nur,<br />
dass sie die Umfrage nicht bei Forsa in Auftrag gegeben haben. Ich<br />
wünsche allen schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wenn, dann wäre es natürlich Infratest dimap gewesen!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Thomas Querengässer, tagesschau.de</i></p>
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