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	<title>Tom Buhrow &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Tom Buhrow &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Duell Clinton vs Obama &#8220;Wahlkampfmunition für Republikaner&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Feb 2008 16:43:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Super Tuesday]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Buhrow]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahl 2008]]></category>
		<category><![CDATA[US-Präsidentschaftswahl]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch, den 06.02.2008, war der tagesthemen-Moderator und langjährige USA-Korrespondent Tom Buhrow eine Stunde lang im tageschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zu Gast.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch, den 06.02.2008, war der tagesthemen-Moderator und langjährige USA-Korrespondent Tom Buhrow eine Stunde lang im tageschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zu Gast. Einen Tag nach dem Höhepunkt der Vorwahlen in den USA, dem &#8220;Super Tuesday&#8221;, beantwortete er Fragen zu den Chancen der einzelnen Kandidaten, dem Einfluss der Wahlen auf Deutschland und der Wahrnehmung der Vorwahlen in den Medien.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/sites/all/modules/tinymce/tinymce/jscripts/tiny_mce/themes/advanced/images/spacer.gif" alt="&lt;--break-&gt;" title="&lt;--break--&gt;" class="mce_plugin_drupalbreak_break" width="100%" height="12"></p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Einen Tag nach dem Super Tuesday bleibt es weiter spannend in den USA: Weder stehen klare Favoriten der beiden Lager fest, noch die Präferenz der US-Amerikaner für Republikaner oder Demokraten. Alles scheint möglich fürs Weiße Haus: Die erste Frau, der erste schwarze Präsident oder ein Vietnam-Veteran. Wieso eigentlich reden alle nur über Barack und Hillary? Unser Gast und kompetenter Gesprächspartner ist der ARD-Amerikaexperte und Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow. Er sitzt in Hamburg am Laptop. Vielen Dank, Herr Buhrow, dass Sie Zeit für den Chat haben. Die erste Frage nach Hamburg ist diese: Was hat Sie am gestrigen Ergebnis am meisten überrascht?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>: Nicht allzu viel. Die Umfragen vorher hatten ja schon im Groben ergeben, dass es bei den Demokraten spannend bleibt und bei den Republikanern McCain vorne liegen würde.
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center;">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/tbuhrow_gross.jpg" mce_src="/wp-content/uploads/tbuhrow_gross.jpg" alt="Tom Buhrow" title="Tom Buhrow" width="180" height="207">
</div>
<div style="text-align: center;">
<i>tagesthemen-Moderator Tom Buhrow</i>
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Hier kommt die Top-Frage aus unserem &#8220;Warteraum&#8221;:
</p>
<p>
<b>anothertom:</b> Herr Buhrow, warum erweckt die US-Wahl auch in Deutschland ein so großes Medieninteresse? Immerhin ist es fast noch ein ganzes Jahr hin bis zur Wahl. Ich habe übertrieben gesagt den Eindruck, als wüsste man beinahe mehr über Clinton, Obama und Co. als beispielsweise über Frau Merkel vor der Bundestagswahl. Wird hier das Interesse der Masse bedient oder über das berichtet, was für uns Deutsche im Augenblick wirklich wichtig ist?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>: Dazu muss ich länger antworten. Einmal ist natürlich der amerikanische Präsident wichtiger als eine deutsche Bundeskanzlerin, im Guten wie im Schlechten. Das Interesse ist auch nicht nur in Deutschland groß, sondern auf der ganzen Welt. Sogar extrem groß. Zum einen ist die Sehnsucht nach einem Wechsel auf der ganzen Welt verbreitet, zum anderen hat diese Wahl etliche historische Superlative zu bieten: Vielleicht die erste Frau als Präsidentin oder der erste Schwarze im Weißen Haus &#8211; oder, falls es McCain würde, der älteste Präsident, den es je beim Amtsantritt gab. Außerdem ist alles offen. Wir beide waren noch nicht geboren, als zum letzten Mal eine Wahl stattfand, wo weder ein amtierender Präsident noch ein Vizepräsident Kandidat war. Es ist eine historische Wahl und die Welt spürt das. Insofern würde ich sagen: Das Resultat der Wahl ist für uns wichtig und der Verlauf ist super interessant. Echter Nachrichtenwert!
</p>
<p><b>Henning:</b> Die Medien (zumindest in Deutschland) scheinen viel mehr über die Nominierung bei Demokraten zu berichten als bei Republikanern. Gibt das den Demokraten einen Vorteil?</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Wenn deutsche Medienberichterstattung Einfluss auf amerikanische<br />
Wahlen hätte, wäre Bush schon letztes Mal abgewählt<br />
worden.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Dennoch: Wie kommt es, dass sich das öffentliche Interesse so<br />
sehr um das Duell Hillary-Obama dreht?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Die beiden haben natürlich den meisten Faszinationswert. Obama<br />
als Schwarzer,<br />
Hillary als Frau und dazu noch als Gattin des<br />
schillernden Bill Clinton. Dazu kommt noch etwas: Die Sehnsucht nach<br />
Wandel weg von Bush ist besonders in Europa so groß, dass wir<br />
automatisch voraussetzen, dass ein Republikaner keine Chance mehr<br />
hat. Da könnten wir uns aber täuschen.
</p>
<p>
<b>frederik:</b> Herr Buhrow, inwiefern<br />
unterscheiden sich Frau Clinton und Herr Obama denn politisch? In den<br />
Medien werden vor allem die charakterlichen Unterschiede deutlich,<br />
politisch scheinen sich die beiden jedoch sehr ähnlich bezüglich<br />
der Themen Irak-Krieg, Gesundheitsreform&#8230;
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Stimmt, hauptsächlich hat Obama die höhere Symbolkraft, was<br />
glaubwürdigen Wandel angeht. Frau Clinton hat 2002 im Senat<br />
Präsident Bush zum Krieg autorisiert. Das hängt ihr wie ein<br />
Mühlstein um den Hals, auch wenn jetzt beide ähnliche Pläne<br />
für einen amerikanischen Rückzug haben.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Zum Thema Irak kommen wir noch &#8211; lassen Sie uns zunächst bei<br />
Obama bleiben: Gleich drei Fragen dazu:</p>
<p><b>JakkO:</b><br />
Kann Obama tatsächlich die amerikanische Politik so erneuern,<br />
wie er es verspricht (will)?</p>
<p><b>bob:</b> Wie schätzen Sie<br />
die Chancen für Obama ein?
</p>
<p>
<b>jschmidt:</b> Ist Obama wirklich<br />
deutlich unerfahrener als Frau Clinton?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
JakkO, niemand kann Wunder vollbringen, aber er hat eine Ausstrahlung<br />
wie Kennedy. Er kann Leute begeistern. Und etwas, was wir in<br />
Deutschland gar nicht mehr kennen: Man hört einem Politiker zu<br />
und glaubt anschließend ein bisschen mehr an das Gute, das man<br />
selbst zum Gemeinwesen beitragen kann. Er bringt die Leute dazu, die<br />
zynischen Masken abzulegen
</p>
<p>
und zur<br />
Erneuerung des Landes beizutragen. Irgendwann würde es sich<br />
sicher verschleißen, aber erstmal könnte das Berge<br />
versetzen. Stellen Sie sich nur einmal vor, ein Präsident Obama<br />
ginge vor die UNO und verspräche: „Guantanamo wird dicht<br />
gemacht und Folter kommt für uns nicht in Frage.&#8221; Man würde<br />
ihm mehr glauben als irgendjemand sonst.
</p>
<p>
Zu Bobs Frage:<br />
Schwer zu sagen, wie seine Chancen sind. Es ist wie beim Tennis. Es<br />
kommt nicht darauf an, Treffer zu landen, sondern Fehler zu<br />
vermeiden. Der Wahlkampf wird noch brutaler als bisher und Obama wird<br />
noch viele Bewährungsproben überstehen müssen.
</p>
<p>
An Jschmidt: Ja,<br />
er ist unerfahrener als Frau Clinton, aber wie sagte gerade der<br />
Schauspieler Robert de Niro: Wenn Erfahrung bedeutet, dass man Bush<br />
den Irakkrieg ermöglicht, dann habe ich die Nase voll von<br />
Erfahrung.</p>
<p><b>monspi:</b> Herr Buhrow, was denken Sie<br />
persönlich: Ist Amerika &#8220;reif&#8221; für den ersten<br />
schwarzen Präsidenten?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Ja! Natürlich ist Amerika nicht das Paradies auf Erden, aber es<br />
ist das Land, das mehr aus Träumen und aus Zuversicht gemacht<br />
ist als aus Materie. Natürlich gibt es dort noch Rassismus, aber<br />
Bill Clinton hat es einmal so formuliert: Am Ende lassen wir uns von<br />
unseren inneren Engeln leiten, aber nicht von unseren<br />
Dämonen.</p>
<p><b>grünstein:</b> Wie würde ein<br />
Schwarzer US-Präsident das Bild der USA in der Welt verändern?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Allein seine Präsenz würde viel von dem schlechten Image<br />
der Bush-Jahre ausradieren. Und wenn er nach Kenia geht und versucht,<br />
dort den drohenden Bürgerkrieg zu schlichten, dann ist er nicht<br />
irgendein Präsident einer fernen Supermacht, sondern ein Mann,<br />
in dem sich die Konfliktparteien wiedererkennen können.</p>
<p><b>laubert:</b><br />
Ist die Begeisterung, die Obama auslöst, nicht ein wenig<br />
unbegründet? Wird er diese Erwartungen erfüllen können?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Nach den Bush-Jahren sind die Erwartungen so groß, dass selbst<br />
Superman sie nicht erfüllen könnte. Aber die Welt würde<br />
Obama eine echte Chance für einen frischen Start<br />
geben.</p>
<p><b>JungUsSiebursch:</b> Hallo Herr Buhrow,<br />
sollte Deutschland nicht als Erstes an außenpolitischer<br />
Erfahrung und Zuverlässigkeit eines US-Präsidenten<br />
interessiert sein? Mir persönlich wäre da eine Clinton<br />
lieber als ein Obama.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Legitim: Viele Amerikaner denken ja auch so und in der Tat ist<br />
Erfahrung gerade für die außenpolitischen Entscheidungen<br />
wichtig, aber was unser Interesse angeht, würde ich sagen: Für<br />
uns kann schon nichts mehr schief gehen. McCain ist zwar ein harter<br />
Bursche, aber er kennt und schätzt Deutschland (er ist jedes<br />
Jahr in der Münchner Sicherheitskonferenz). Romney ist<br />
Geschäftsmann &#8211; also pragmatisch. Hillary Clinton kennt und<br />
schätzt Deutschland wie ihr Mann und Obama würde mit<br />
Sicherheit unsere verlässliche Partnerschaft zu schätzen<br />
wissen.
</p>
<p>
Zusammengefasst:<br />
Die Zeit der Neokonservativen ist vorbei.</p>
<p><b>Bayern:</b> Wie<br />
denken die Amerikaner über die Bewerbung einer Frau?</p>
<p><b>Tom<br />
Buhrow</b>: Grundsätzlich positiv. Ich habe im Herbst viele<br />
konservative Frauen getroffen, die sonst immer republikanisch wählen<br />
und die von Hillary unglaublich beeindruckt sind. Hillarys<br />
Handicap ist nicht, dass man Vorbehalte gegenüber einer Frau<br />
hat, sondern ihr Mann.
</p>
<p>
Im Vorwahlkampf<br />
kann Obama sich nicht leisten, das anzusprechen. Aber ich garantiere<br />
Ihnen:<br />
im Hauptwahlkampf würden<br />
die Republikaner Gerüchte über neue Affären und alles<br />
mögliche in die Welt setzen.</p>
<p><b>Fischer:</b><br />
Lassen die Amerikaner sich vielleicht auch dadurch beeinflussen, dass<br />
Deutschland auch eine Frau an der Macht hat und sie Frau Merkel<br />
vielleicht mögen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Ausländische Aspekte beeinflussen amerikanische Wähler gar<br />
nicht.<br />
Aber es stimmt: Frau Merkel<br />
ist populär und manche Amerikaner sagen: Da gibt es Frau Merkel,<br />
es gab Frau Thatcher &#8211; sollen wir die Letzten sein?</p>
<p><b>buddha:</b> Nachfrage: Warum ist<br />
Bill Clinton ein Handicap für seine Frau?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Er wäre immerhin fast des Amtes enthoben worden, er gilt als<br />
unberechenbar und leichtsinnig. Viele haben zwar eine gute Erinnerung<br />
an die Resultate seiner Politik, aber Amerikaner hassen Erbpfründe.<br />
Vier Jahre Bush senior, acht Jahre Clinton, acht Jahre Bush junior &#8211;<br />
da sagen viele: &#8220;Sind wir denn eine Dynastie?&#8221;</p>
<p><b>Timon-K.:</b><br />
Kann das sehr knappe Ergebnis am Ende die Partei dazu bewegen, beide<br />
Kandidaten zusammen ins Rennen um das Präsidentenamt zu<br />
schicken?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Das ist nicht undenkbar. Aber dieser Vorwahlkampf wird noch bis aufs<br />
Blut ausgefochten werden und da ist fraglich, ob die zwei<br />
Hauptkampfhähne sich am Ende in den Armen liegen können.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Eine Nachfrage noch zu Bill Clintons aktueller Rolle:
</p>
<p>
<b>Stan:</b><br />
Warum ist Bill dann aber beteiligt am Wahlkampf seiner Frau? Hilft er<br />
ihr damit denn dann wirklich?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Ein schwieriger Balance-Akt. In den letzten Wochen hatte er auch<br />
schon ein paar Mal das Blatt überreizt und war damit ein kleiner<br />
Stolperstein. Die Clintons wollen ihn zwar nutzen, müssen aber<br />
auch ständig aufpassen, dass er die Kandidatin nicht überstrahlt<br />
oder etwas sagt, was von ihrer Wahlkampf-Botschaft ablenkt.
</p>
<p>
<b>CCE:</b> Ist eine Präsidentschaft<br />
von Clinton mit einem Vizepräsidenten Obama oder andersherum<br />
denkbar?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Wie gesagt: Die beiden werden noch bis zum letzten Blutstropfen<br />
kämpfen<br />
und da ist die Frage, ob<br />
man sich nach zum Teil persönlichen Angriffen schnell und<br />
glaubwürdig versöhnen kann.</p>
<p><b>calypso242:</b><br />
Obama hat 14 der 22 &#8220;Super-Tuesday&#8221;-Staaten gewonnen, wieso<br />
machen jetzt große Teile der Medien alles an New York (Clintons<br />
Heimatstaat) und Kalifornien (40 Prozent der Stimmen sind „Absentee<br />
Ballots&#8221;, die schon vor Wochen abgegeben wurden) fest? Ist nicht<br />
Obama der eindeutige Gewinner des &#8220;Super Tuesdays&#8221;?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Am Ende zählen nur Delegiertenstimmen. Und weil bei den<br />
Demokraten die Delegiertenstimmen der einzelnen Staaten nach dem<br />
Verhältniswahlrecht proportional vergeben werden, bekommt der<br />
Gewinner eines Staates nicht alle Delegiertenstimmen. Deshalb bleibt<br />
es so knapp. Es gibt sogar schon Spekulationen und Berechnungen, dass<br />
bei einem Patt am Ende sogar die Stimmen von jenen Staaten dazu<br />
gerechnet werden könnten, die im Augenblick ungültig sind<br />
(weil sie die Abstimmung ohne Erlaubnis der Partei vorverlegt<br />
hatten).</p>
<p><b>totti:</b> Wie hoch<br />
sehen Sie denn die Chancen, dass überhaupt ein Demokrat in das<br />
Weiße Haus einziehen wird?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Relativ groß, weil die Wechselstimmung so stark ist. Bush hat<br />
die niedrigsten Popularitätswerte eines Präsidenten seit<br />
dem Vietnamkrieg und das färbt auf seine ganze Partei<br />
ab.</p>
<p><b>München:</b> Besteht nicht die Gefahr, dass nach<br />
diesem Vorwahlkampf die Demokraten so gespalten sind, dass am Ende<br />
John McCain der lachende Dritte sein wird?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Ich glaube nicht, dass die Demokraten gespalten sein werden. Aber die<br />
Kandidaten können sich im Vorwahlkampf beschädigen. Das ist<br />
alles Wahlkampfmunition für die Republikaner im Hauptwahlkampf.<br />
Grundsätzlich gilt: McCain ist der Beste, den die Republikaner<br />
noch aus dem Hut zaubern können.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Stichwort Irak:</p>
<p><b>JungUsSiebursch:</b> Wie wird der<br />
Irak-Krieg tatsächlich in der US-amerikanischen Öffentlichkeit<br />
beurteilt? Wo liegen die Unterschiede zwischen unserer Meinung,<br />
beziehungsweise unserer Wahrnehmung und der amerikanischen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Auch die Amerikaner haben den Irakkrieg als Fehler verbucht, aber die<br />
jüngste Truppenverstärkung hat die Lage etwas beruhigt und<br />
das nehmen die Amerikaner stärker wahr als wir. Da diese<br />
Truppenverstärkung von McCain gefordert und durchgesetzt worden<br />
war, stärkt das sein Image als erfahrener Militärexperte.<br />
Noch ein Punkt: Auch wenn der Krieg selbst als Fehler angesehen wird,<br />
bleiben die Amerikaner patriotisch und<br />
unterstützen ihre Truppen. Ich bekam gestern Abend von einer<br />
amerikanischen Freundin eine Mail (sie hasst Bush), aber in dieser<br />
Kettenmail waren von A bis Z Fotos von Soldaten. Und der Appell, dass<br />
man im eigenen komfortablen Alltag die Opfer der einfachen Soldaten<br />
nie vergessen solle, ist für uns Deutsche schwer nach zu<br />
empfinden, nicht wahr?</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Würde die künftige Irak-Strategie eines demokratischen<br />
Präsidenten beziehungsweise einer demokratischen Präsidentin<br />
wirklich deutlich anders aussehen als die eines Republikaners?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Nein, beide sind den gleichen Zwängen unterworfen. Möglich<br />
ist höchstens, dass ein Demokrat sich traut, ein Abzugsdatum<br />
festzusetzen.</p>
<p><b>Jojo:</b> Ist es überhaupt möglich,<br />
die Amerikaner einfach so aus dem Irak abzuziehen (so wie es die<br />
Demokraten wollen)? Einfach so die Iraker alleine lassen?</p>
<p><b>Tom<br />
Buhrow</b>: Gute Frage, die Antwort ist: Nein. Man kann schon von der<br />
Logistik her nicht von einem Tag auf den anderen abziehen. Das heißt:<br />
Aus welchem Teil zieht man zuerst ab, wie ist die Sicherheit der<br />
letzten Einheiten, etc. ?</p>
<p><b>Absalom:</b> Obama<br />
betreibt eher eine konservative Außenpolitik, nicht wahr?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Er würde wahrscheinlich von der Welt mehr verlangen, also von<br />
Afrika eigene Anstrengungen zur Überwindung der Armut, von<br />
Deutschland möglicherweise Einsätze im Süden<br />
Afghanistans. Und noch ein wichtiger<br />
Punkt: Auch Amerikaner, vor allen Dingen Demokraten, sind skeptisch,<br />
was Globalisierung angeht. Nicht auszuschließen, dass sie<br />
versuchen, ihre Außenhandelsbilanz zu verbessern &#8211; mit Folgen<br />
für ein Exportland wie Deutschland.</p>
<p><b>MKarcher:</b><br />
Wird Hillary den Nahost-Konflikt lösen können? Ihr Mann<br />
hatte es sich zu seinen Aufgaben gemacht.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Wer den löst, bekommt 10 Friedensnobelpreise hintereinander.<br />
Im Ernst: ohne Israelis und Palästinenser<br />
ist da natürlich nichts zu machen. Aber<br />
die Clintons waren schon immer extrem engagiert, was diesen Konflikt<br />
angeht. Das letzte Mal hat es Arafat vergeigt, der meinte, er könnte<br />
noch mehr heraus holen.
</p>
<p>
<b>Teddy:</b><br />
McCain gilt als liberal-konservativ. Stimmen Sie zu?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Ja, ich stimme zu. Er ist unideologisch und hat viel mit Demokraten<br />
zusammen gearbeitet, etwa bei der Reform der Wahlkampfspenden. Er<br />
tritt für seine Überzeugungen ein.<br />
Ich habe ihn einmal<br />
kennengelernt und halte große Stücke auf<br />
ihn.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Wir kommen leider langsam zum<br />
Schluss. Ein persönliche und eine medienkritische Frage:</p>
<p><b>JENWEB:</b> Ihre persönliche Einschätzung: wie<br />
werden die beiden Kandidaten heißen, die im Herbst in den<br />
Wahlkampf ziehen werden und wer wird amerikanischer Präsident<br />
und warum?</p>
<p><b>klausw:</b> Woran liegt es, dass in den<br />
deutschen Medien so wenig über inhaltliche Standpunkte der<br />
Kandidaten berichtet wird? Man hat manchmal das Gefühl, es würde<br />
nur ein Staatsoberhaupt gewählt.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Leider kann ich nur noch meinen persönlichen Tipp abgeben: Bei<br />
den Demokraten bleibt es bis zum Schluss offen, bei den Republikanern<br />
wird es McCain. Mein Tipp: Im Falle McCain gegen Clinton gewinnt<br />
McCain, im Fall McCain gegen Obama gewinnt Obama. Und vergessen Sie<br />
nicht, ich habe beim letzten Mal viele, viele Wetten gewonnen, auch<br />
gegen Vorgesetzte&#8230;. 😉
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Bitte ein Schlusswort, lieber Herr Kollege: Stimmt Sie der laute und<br />
bunte Vorwahlkampf in den USA eher optimistisch oder pessimistisch?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow</b>:<br />
Optimistisch. Egal, welcher Kandidat gewinnt. Amerika hat jetzt schon<br />
gewonnen.<br />
Es ist wirklich eine<br />
Graswurzel-Demokratie. Welche Frische und welche Ohrfeigen für<br />
alle Experten, Medien, Millionenspender. Wann haben wir jemals die<br />
Chance, einen Regierungschef direkt zu wählen? Oder ein Mitglied<br />
der Europäischen Kommission? Wer über Politikverdrossenheit<br />
klagt, sollte sich das mal überlegen.
</p>
<p>
Und damit: Keine<br />
weiteren Fragen, Euer Ehren!</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Eine gute und muntere Stunde tagesschau-Chat ist vorbei. Dankeschön<br />
an Tom Buhrow für die Ausführungen und Analysen. Dankeschön<br />
auch an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht<br />
alle stellen konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch<br />
einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Und hier noch das Ergebnis unserer Umfrage. Wir hatten gefragt:
</p>
<p>
Ist Obama<br />
tatsächlich der überzeugendere Kandidat der Demokraten? 71%<br />
der User sagten  &#8216;ja&#8217;, 29% &#8216;nein&#8217;.</p>
<p><b>Tom<br />
Buhrow</b>: Danke für das Interesse und nicht vergessen: Heute<br />
abend Tagesthemen gucken!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Tom Buhrow und Jörg Armbruster im tacheles.02-Doppelchat</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tom_buhrow_und_joerg_armbruster_im_tacheles02doppelchat-229/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tom_buhrow_und_joerg_armbruster_im_tacheles02doppelchat-229/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Buhrow]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Armbruster]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/tom_buhrow_und_joerg_armbruster_im_tacheles02doppelchat-229/</guid>

					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small">
Am 17. März trafen sich die ARD-Korrespondenten Tom Buhrow 
(Washington) und Jörg Armbruster (Kairo) zum tacheles.02-Doppel-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de und diskutierten über 
die Situation im Nahen Osten zwei Jahre nach den ersten Bombenangriffen 
auf Bagdad.</span>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small"><br />
Am 17. März trafen sich die ARD-Korrespondenten Tom Buhrow<br />
(Washington) und Jörg Armbruster (Kairo) zum tacheles.02-Doppel-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und diskutierten über<br />
die Situation im Nahen Osten zwei Jahre nach den ersten Bombenangriffen<br />
auf Bagdad.</span><br />
<!--break--> <b>Moderator3:</b> Liebe Nutzer und Nutzerinnen, herzlich<br />
Willkommen! An dieser Stelle findet in zwei Minuten der Chat mit den<br />
beiden ARD Korrespondenten in Kairo und Washington, Jörg Armbruster<br />
und Tom Buhrow statt. Beide sind bereits online, die Moderatoren nehmen<br />
Ihre Fragen gerne entgegen! Die Fragen werden zunächst gesammelt<br />
und dann gegebenenfalls veröffentlicht. </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, willkommen im Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de. In Kairo und Washington<br />
begrüße ich unsere ARD-Korrespondenten Jörg Armbruster<br />
und Tom Buhrow. An beide die Frage: Kann es losgehen?
</p>
<p>
<b>Moderator3:</b> Ich glaube übrigens, dass wir<br />
eine gleichzeitige Schaltung auf zwei Kontinente mit Moderation<br />
auf einem dritten Kontinent noch nie hatten, und halte mich jetzt<br />
zurück
</p>
<p>
<b>gabelstichtmesser:</b> Wie beurteilen Sie beide die<br />
Demokratisierungsversuche der Amerikaner im Irak?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vielleicht beginnt Herr Armbruster.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ajlan wa sahlan: das heißt<br />
herzlich willkommen. Wie man gestern erleben konnte, ist das erste<br />
frei gewählte Parlament zusammengetreten. Das ist sicherlich<br />
ein Fortschritt für das Land, auch wenn die Sunniten sich nicht<br />
an den Wahlen beteiligt haben. Leider aber haben die Amerikaner<br />
so gut wie keinen Fehler ausgelassen bei dem Versuch so etwas wie<br />
eine staatliche und demokratische Struktur aufzubauen. Ich bin zwar<br />
nach wie vor skeptisch, ich halte es aber nicht für ausgeschlossen,<br />
dass am Ende doch so etwas wie eine neue Demokratie entstehen wird,<br />
auch wenn die wenig mit unseren Demokratievorstellungen zunächst<br />
zu tun haben wird. Die muss aber von den Irakern selber gefunden<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Tom Buhrow, was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow: </b>Aus Sicht von Präsident Bush<br />
hat seine Politik im Nahen Osten zwei Seiten: Einmal die Sicherheit<br />
der USA und seiner Verbündeten (wozu wir ja auch gehören).<br />
Er geht davon aus, dass man den Terrorismus nur dann wirksam bekämpfen<br />
kann wenn man nicht nur einzelne Gruppen bekämpft, sondern<br />
auch den Menschen in dieser Region Freiheit und Hoffnung bringt.<br />
Dann &#8211; so seine Kalkulation &#8211; würde der Nährboden für<br />
Terror austrocknen. Der zweite Aspekt ist der: Er glaubt wirklich<br />
an die Mission Demokratie zu verbreiten und an die konstruktive<br />
Kraft der Demokratie.
</p>
<p>
<b>arafatssitzbadewanne:</b> Wie ist es seit Kriegsbeginn<br />
um die Pressefreiheit im Irak bestellt? Wie in Amerika?
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Diesmal bitte Tom Buhrow zuerst
</p>
<p>
Tom Buhrow: Hier gibt es zweierlei zu beobachten: Natürlich<br />
ist die Pressefreiheit hier grundsätzlich gewährleistet.<br />
Aber diese Regierung hat die Kunst der &quot;message control &quot;<br />
fast schon perfektioniert. Wenn etwas gegen die Umwelt unternommen<br />
wird, dann geschieht die Rede vor einem Banner mit der Aufschrift<br />
&quot;die Umwelt schützen &quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Und im Irak? Jörg Armbruster bitte.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster: </b>Nein sicherlich nicht wie<br />
in den USA. Aber vor dem Krieg gab es überhaupt keine Pressefreiheit.<br />
Es gab nur eine staatlich gelenkte Presse, der genau vorgeschrieben<br />
war, was sie zu schreiben hatte und was nicht. Das hat sich nach<br />
dem Krieg im Irak radikal geändert. Es gibt eine Zeitungsvielfalt,<br />
die aber auch in der Hand von Geldgebern ist, es gibt private Fernsehstationen.<br />
Es gibt bei den Irakern einen großen Hunger nach Informationen.<br />
Aber es gibt auch verschiedene Regierungsverantwortliche, die zum<br />
Beispiel die arabischen Nachrichtensender wie Al Jazeera verboten<br />
haben. Man kann sie empfangen, sie dürfen aber nicht im Land<br />
arbeiten. Also eine Gängelung der Presse.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nachfrage an Tom Buhrow:
</p>
<p>
<b>tagesschauer2: </b>Was bedeutet in den USA &quot;Message<br />
control&quot; konkret? Die Pressefreiheit ist doch in den Bill of<br />
Rights verankert, wie kann man das umgehen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Noch ein Punkt (damit man nicht meint,<br />
wir ließen die kritischen Punkte aus): Eine besorgniserregende<br />
Entwicklung in USA ist folgende: Immer häufiger werden Journalisten<br />
unter Druck gesetzt, nach Enthüllungsgeschichten ihre vertraulichen<br />
Quellen preiszugeben. Einige, die sich weigerten, sind schon in<br />
Haft gekommen. Das wird von den Standesorganisationen der amerikanischen<br />
Journalisten scharf angeprangert und man fordert einen gesetzlichen<br />
Schutz ähnlich wie dem, den Priester und Ärzte genießen.
</p>
<p>
Nun zu der neuen Frage: Pressefreiheit ist eine Sache, aber natürlich<br />
will jede Firma und jede Regierung ihre Sicht der Dinge rüberbringen,<br />
das ist ja überall so, auch bei uns in Deutschland. Man kann<br />
sagen &quot;Arbeitslosenquote steigt &quot;, da wird jede Regierung<br />
sagen: &quot;aber in diesem oder jenem Bereich haben wir Jobs geschaffen<br />
&quot;. Die Bush Regierung hat einfach eine ganz besonders verfeinerte<br />
Art der PR entwickelt. &quot;message control &quot; bedeutet also<br />
nicht, dass die Presse gezwungen ist, etwas zu berichten, es ist<br />
eine Art von PR und da sind die eben besonders raffiniert. Die Pressefreiheit<br />
ist zwar garantiert, aber (s.o.) nicht das Recht, seine Quellen<br />
zu schützen. Einer wurde vor einiger verurteilt, nachdem er<br />
gefilmt hatte, wie ein Politiker sich bestechen ließ, also<br />
Geld nahm. Sicher ein Dienst an der Öffentlichkeit, aber der<br />
Richter wollte den Kollegen zwingen, seinen Informanten zu nennen,<br />
jemand aus der Behörde. Der Journalist weigerte sich und der<br />
Kollege wurde verurteilt. Das ist hier im Gewerbe ein großes<br />
Thema.
</p>
<p>
<b>linlin:</b> Herr Buhrow sprach davon, dass die Bush-Regierung<br />
wirklich an die Mission glaubt, Demokratie zu verbreiten. Frage<br />
an Herrn Armbruster: Inwieweit gibt es in der irakischen Gesellschaft<br />
oder Politik einen ideologischen Hintergrund dieser Art? Wird dort<br />
das Individuum und Selbstverwirklichung genauso gepriesen wie in<br />
der westlichen Welt?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Nein, die letzten Wahlen<br />
haben gezeigt, dass entlang der Stammesgrenzen gewählt wird,<br />
nach Religionszugehörigkeit; das heißt Schiiten haben<br />
in ihrer großen Mehrheit die schiitische Liste gewählt.<br />
Außerdem spielen ethnische Zugehörigkeiten eine wichtige<br />
Rolle. Kurden wählen die Kurdische Liste&#8230; Sunniten haben<br />
boykottiert natürlich auch unter der Drohung der Terroristen.<br />
Die Iraker haben einen Willen zur Demokratie aber keine Erfahrung<br />
in Demokratie. Das müssen sie noch lernen so wie wir das nach<br />
dem Zweiten Weltkrieg auch gelernt haben. Diese Probleme sind weit<br />
verbreitet im Nahen Osten, auch in Jordanien wird so gewählt<br />
wie der Stamm es wünscht. Individualismus und Selbstbestimmung<br />
müssen sich langsam durchsetzen. Es ist aber möglich wie<br />
wir im Libanon im Augenblick erleben.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Ich habe auch eine Frage an Jörg<br />
Armbruster: Man hat den Eindruck, dass die Wahlen im Irak ansteckend<br />
auf die Bevölkerung anderer Länder der Region wirkten<br />
(z.B.Libanon). Ist der Eindruck richtig? Gibt es so etwas wie eine<br />
Dynamik der Demokratiebewegung?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ich glaube nicht, dass es<br />
die Wahlen im Irak waren. Dazu wird der Irak als ein viel zu abschreckendes<br />
Bespiel wahrgenommen. Viel wichtiger ist das, was im Libanon im<br />
Augenblick passiert. Die Opposition hat es geschafft eine Regierung<br />
zum Rücktritt zu zwingen. So etwas ist im Nahen Osten ein ungeheuerer<br />
Vorgang.
</p>
<p>
<b>Hans2:</b> Herr Buhrow sprach von 2 Zielen die Präsident<br />
Bush im Irak verfolgt: Kampf gegen den Terrorismus und Demokratisierung.<br />
Wie wichtig aber scheint Ihnen neben diesen noblen Zielen die Rolle<br />
der Ressourcensicherung, d.h. der Sicherung des Zugangs zu Ölvorräten?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Das spielt in der Tat im Hintergrund<br />
auch eine Rolle. Ich denke aber am meisten bei der Behandlung von<br />
Saudi Arabien. Ob man im Irak Öl an erster Stelle im Sinn hatte<br />
wird man erst sehen, wenn die USA Kräfte abziehen, ob dann<br />
die Ölproduktion wirklich in irakischer Hand bleibt. Aber im<br />
Falle Saudi Arabien kann man sagen, dass die milde Behandlung dieser<br />
&quot;Nicht-Demokratie&quot; ganz klar mit den Ölvorkommen<br />
zu tun hat und mit der Tatsache, dass die Saudis mäßigend,<br />
sprich: prowestlichen Einfluss in der Region nehmen, insofern: Ölversorgung<br />
ist ein wichtiger Faktor, innerhalb der USA gibt es auch eine Anstrengung,<br />
die strategischen Ölreserven (die eigenen) zu erhöhen<br />
und neue Ölquellen und -Energiequellen zu erschließen,<br />
auch wenn das heißt, dass man in Naturschutzgebieten bohren<br />
muss (Alaska).
</p>
<p>
<b>Suchen:</b> Was passiert wenn der Preis für Öl<br />
weiter steigt und noch mehr Staaten ihre Truppen abziehen wollen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Armbruster &#8230;
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Die USA können ihre<br />
Truppen im Augenblick noch nicht aus dem Irak abziehen, weil die<br />
irakischen Sicherheitskräfte noch nicht für Sicherheit<br />
sorgen können. Schlimmstenfalls heißt dies für die<br />
USA, dass sie ihre Truppen erhöhen müssen oder neue Verbündete<br />
finden müssen, die bereit sind Soldaten zu stationieren. Das<br />
heißt aber auch, dass irakische Sicherheitskräfte im<br />
Ausland verstärkt ausgebildet werden müssen, so wie es<br />
die Bundesrepublik schon anbietet. Vorläufig geht es aber nicht<br />
ohne ausländische Hilfe.
</p>
<p>
<b>Sonya Sue:</b> Immer mehr US-Soldaten desertieren,<br />
immer weniger junge Leute melden sich zum Armeedienst. Bröckelt<br />
die Heimatfront in den USA?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Zunächst zum vorherigen noch<br />
kurz: &quot;Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral &quot;<br />
&#8211; heißt es in einem Stück von Bertold Brecht. Wenn es<br />
ans Eingemachte geht &#8211; so wage ich anzunehmen, wird auch bei uns<br />
der hehre Anspruch mehr in den Hintergrund treten. Jetzt zu Ihrer<br />
Frage, Sonya: Die Armee hat Schwierigkeiten, ihre Rekrutierungsziele<br />
zu erfüllen, das hat sie selbst zugegeben und das hat ganz<br />
klar mit dem Irak-Krieg zu tun. Aber man darf daraus keine falschen<br />
Schlüsse ziehen. Die Amerikaner unterstützen im Großen<br />
und Ganzen ihre Truppen, auch wenn man unsicher ist, ob das ganze<br />
Irak-Abenteuer die Sache wert war / ist. Auch der Protest gegen<br />
den Vietnamkrieg brauchte etliche Jahre bis er auf Touren kam. Also:<br />
Auch wenn die Skepsis über den langen, langen Einsatz zunimmt,<br />
so ist noch keine Protestbewegung zu sehen, die so groß wäre,<br />
dass sie der Regierung in den Arm fallen könnte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kleiner Ortswechsel:
</p>
<p>
<b>Nawied:</b> Herr Armbruster, haben die Ereignisse<br />
im Libanon irgendeinen Einfluss auf den Irak?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Glaube ich nicht, die Iraker<br />
wünschen sich in erster Linie Sicherheit, dann noch mal Sicherheit.<br />
Erst dann kommt der Gedanke an so etwas wie eine Demokratisierung.<br />
Der Libanon ist in einer sehr komfortablen Situation. Er hat schon<br />
so etwas wie eine Demokratie, die Medien sind in privater Hand,<br />
Der Staat verfügt nicht anders als in den meisten übrigen<br />
arabischen Ländern über eine Polizei, die Demonstrationen<br />
zerschlägt. Der Libanon ist noch eine Ausnahme. Eine Massenbewegung<br />
wie in Beirut wäre weder in Bagdad noch in Kairo im Augenblick<br />
denkbar.
</p>
<p>
<b>moby dünn:</b> Herr Buhrow, wie wird die amerikanische<br />
Politik gegenüber dem Iran aussehen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Kleine Anmerkung: Wie gut, dass ich<br />
mal 10-Finger System gelernt habe, sonst könnte ich nicht so<br />
zügig antworten, Moby. Iran: Meine Prognose: Das läuft<br />
jetzt so ab: Gerade hat Bush den 3 EU Staaten, die mit dem Iran<br />
verhandeln ein Angebot in die Hand gedrückt, die Europäer<br />
sind entzückt, dass Washington nun endlich ihre Verhandlungen<br />
aktiv unterstützt, der Iran wird nicht darauf eingehen ( nur<br />
meine persönliche Prognose, aber etliche Experten in Washington<br />
nehmen das auch so an). Dann müssen wir Europäer uns revanchieren<br />
und den Iran vor den Sicherheitsrat der UNO zitieren. Motto: Washington<br />
hat bei der Zuckerbrot-Lösung mitgemacht. Es klappte nicht,<br />
jetzt müssen die Europäer mit die Peitsche schwingen.<br />
Dann ist die Frage, ob z.B. China sich Sanktionen anschließt.<br />
China hat Milliarden Öl-Verträge mit dem Iran und braucht<br />
immer mehr ÖL (s.o.). Irgendwann ist dann die Frage (etwa 2006):<br />
läuft uns die Zeit weg? Also: Hat der Iran schon bald die Bombe.<br />
Weder USA noch Israel werden dieses Risiko eingehen. Übrigens:
</p>
<p>
<b>Roman_59de:</b> Europäer mit der Peitsche schwingen<br />
klingt wie Chamäleon macht einen 100 m lauf.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> bei uns sind 2006 Bundestagswahlen,<br />
dann können wir uns wieder schön leidenschaftlich mit<br />
der Außenpolitik befassen statt mit unseren eigenen wirtschaftlichen<br />
Problemen.
</p>
<p>
<b>Sonya Sue:</b> Stimmt es wirklich, wie man liest,<br />
dass die Mehrheit der Iraner die behördlich verordnete Amerika-Feindlichkeit<br />
satt hat? Oder ist das Teil der &quot;Democracy in the Middle East<br />
&quot;-PR-Kampagne?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Jörg Armbruster, können Sie<br />
was dazu sagen?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ich habe das auch gehört.<br />
Der Iran gehört allerdings nicht zu meinem Gebiet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zurück in Ihr Berichtsgebiet 🙂
</p>
<p>
<b>sevek:</b> Herr Armbruster, wie hoch sehen Sie die<br />
Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen Syrien, -USA und Syrien-<br />
Türkei? Wann wir der Streit um die Wasserversorgung Syriens<br />
mit der Türkei beigelegt?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Man darf sich allerdings<br />
nicht täuschen. In der Atomfrage stehen auch die oppositionellen<br />
Iraner hinter ihrer nicht sehr geliebten Regierung; denn das Nationale<br />
Selbstverständnis verbietet es, sich von einer fremden Macht<br />
diktieren zu lassen, ob man am Fortschritt teilhaben darf oder nicht.<br />
Solche Kanonenbootdrohungen der USA, das kann ich auch immer wieder<br />
in der arabischen Welt beobachten, führen eher zu Trotzreaktionen<br />
als zu Einsicht. Jetzt war ich noch bei der alten Antwort, sorry&#8230;
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Macht nichts, wir waren wohl etwas<br />
schnell 🙂
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Krieg gegen Syrien eher<br />
unwahrscheinlich, zumal Bashar im Augenblick alles tut was die Amerikaner<br />
wollen. Ein schwacher Bashar ist besser als ein gestürzter<br />
(Siehe Nachbarland Irak). Krieg um Wasser ist immer wieder ein Thema<br />
hier in der Region. Vor drei Jahren war das Säbelrasseln zwischen<br />
Türkei und Syrien recht laut. Im Augenblick ist Syrien für<br />
einen Krieg zu schwach. Außerdem sind Israel und die Türkei<br />
militärisch miteinander verbunden, und Syrien liegt wie der<br />
Belag eines Sandwichs dazwischen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch ein Ortswechsel:
</p>
<p>
<b>Christian Wiese:</b> Herr Buhrow, wie reagiert Washington<br />
auf die weltweite Zurückhaltung zur Nominierung Wolfowitz &quot;?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow: </b>Ja das war eine Überraschung<br />
gestern. Im Augenblick gibt es noch keine Reaktionen auf die Reaktionen.<br />
Aber ich denke, dass Bush genau wusste, wie unpopulär W. international<br />
ist und dass er das einfach mit in Kauf nimmt. Es könnte sogar,<br />
wie bei Entsendung Boltons zur UNO, ein cleverer Schachzug sein,<br />
denn UNO und Weltbank sind im rechten Flügel der Republikaner<br />
sehr unbeliebte Organisationen. Wenn man nun erklärte Erzkonservative<br />
dorthin schickt, können die diesem Flügel am ehesten Kompromisse<br />
in diesen Organisationen &quot;verkaufen &quot;.
</p>
<p>
<b>TylerDurden: </b>Besitzt die derzeitige Regierung<br />
unter Bush die Fähigkeit, die Krisengebiete zu stabilisieren<br />
oder wird weiterhin nur über Waffen, Geld, Politische Mittel<br />
und Öl eine naive Außenpolitik geführt (wie es nach<br />
dem Krieg oft der Fall war).
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Es sieht ja so aus, als ob Bush in<br />
der zweiten Amtszeit die nicht-militärischen Mittel mehr einsetzen<br />
will, auch deshalb, weil das Militär im Irak gebunden ist.<br />
Und er scheint erkannt zu haben, dass er ganz allein, ganz unilateral,<br />
nicht alle Ziele erreichen kann. Er hat gerade der Abteilung &quot;öffentliche<br />
Diplomatie &quot; im Außenministerium einen Schub gegeben.<br />
Man sieht gerade, dass er im Nahen Osten auch sehr auf nicht militärische<br />
Mittel setzt, z.B. Ägypten wird ermutigt, mehr Demokratie zuzulassen<br />
&#8211; Mubarak überlegt (wahrscheinlich auch ohne Bushs Ermahnung),<br />
die nächste Präsidentschaftswahl als richtige Wahl, und<br />
nicht als &quot;Referendum &quot; durchzuführen. Dann gibt<br />
es gewisse Bewegung im iraelisch-palästinensischen Konflikt<br />
Prognose: Bush wird mehrgleisig fahren. Wir werden mehr diplomatische<br />
Mittel im Einsatz sehen, ohne dass militärische Mittel ganz<br />
ausgeschlossen werden.
</p>
<p>
<b>Sonya Sue:</b> Wie werden diese Signale Bushs im Nahen<br />
Osten wahrgenommen? Glauben die Araber ihm?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Armbruster bitte.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Sie werden Taten glauben.<br />
Also wenn sich die Lage im Irak verbessert, dann werden sie auch<br />
den Amerikanern glauben. Wenn es Bush gelingen sollte, den Palästinenserkonflikt<br />
näher an eine Lösung zu bringen, dann kann er Vertrauen<br />
zurückgewinnen. Wenn Bush zum Beispiel spürbar Israel<br />
unter Druck setzt, im Westjordanland den Siedlungsbau einzustellen,<br />
dann wäre es für die Glaubwürdigkeit ein großer<br />
Fortschritt. Das gleiche gilt für die Demokratiebewegungen,<br />
die zwar im Kern anti-amerikanisch sind, aber bereit sind Hilfe<br />
anzunehmen, wenn sich diese Hilfe gegen die eigene autoritäre<br />
Regierung wendet. Ein Beispiel: ägyptische NGO werden in diesem<br />
Jahr als Wahlbeobachter von USAID finanziert, obwohl in Kairo bekannt<br />
ist, dass einige dieser NGOs nicht gerade Bushfans sind. Und die<br />
ägyptische Regierung ärgert sich über eine solche<br />
&quot;Einmischung der Amerikaner.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Ich muss mich jetzt leider ausklinken.<br />
Ich danke allen für die sehr gut informierten und interessanten<br />
Fragen! Und Jörg Armbruster für die &quot;Chat-Brücke&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vielen Dank Tom Buhrow. Die letzte<br />
Frage geht eigentlich an beide Korrespondenten.
</p>
<p>
<b>lapis lazuhli:</b> Könnten sie sich vorstellen<br />
ihre Arbeitsplätze mal zu tauschen? Herr Buhrow sie klingen<br />
ja fast schon ein wenig amerikanisch 😉
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow: </b>Interessanter Vorschlag. Ich fürchte,<br />
es dauert zu lange, sich in ein neues Berichtsgebiet einzuarbeiten.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ich hätte nichts dagegen<br />
einmal eine Zeitlang in Washington zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> OK, dann schlagen wir das mal unseren<br />
Chefs vor, mal sehen, was die sagen.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ich weiß das schon.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In diesem Sinne. Das war unsere Chat-Stunde,<br />
vielen Dank an alle User für das Interesse und die zahlreichen<br />
Fragen. Herzlichen Dank an unsere Kollegen Jörg Armbruster<br />
und Tom Buhrow, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben.<br />
Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter.
</p>
<p>
<b>Moderator3:</b> Unser nächster Chat: 7. April,<br />
13 bis 14 Uhr, Klaus Uwe Benneter. Zudem ist es möglich dass<br />
ein Chat zum Bericht aus Berlin angeboten werden kann, also am Sonntag<br />
ab 18.50, nach dem Bericht aus Berlin, der zwischen 18.30 und 18.50<br />
gesendet wird, seit letzter Woche, wie Sie sicherlich wissen. Danach,<br />
am 13. April, 13 bis 14 Uhr, ist Claudia Roth bei uns zu Gast. Wir<br />
würden uns freuen, Sie wieder im Chatraum begrüßen<br />
zu dürfen. Einen schönen Nachmittag in alle Welt!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>US-Wahlkampf wird eine Schlammschlacht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[John Edwards]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Tom Buhrow <!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->03.02.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Tom Buhrow <!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->03.02.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Chat-Interessierte, herzlich willkommen im<br />
tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de<br />
und von sueddeutsche.de. Heute sind wir mit Tom Buhrow verabredet, dem<br />
ARD-Fernseh-Korrespondent in Washington.
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/tbuhrow.jpg" align="left" height="119" width="84" />Moderator:</b><br />
Können wir beginnen, Herr Buhrow?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Ja, bin da!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ok, die erste Frage:
</p>
<p>
<b>barabar:</b> Ist die Wahlkampfdiskussion über die militärische<br />
Vergangenheit der beiden Kontrahenten nicht sonderbar? Sprich: auf der<br />
einen Seite der große Vietnam-Veteran und vaterländische<br />
Held Kerry, der Kriege jetzt natürlich doof findet, und auf der<br />
anderen Seite das drückebergerische Weichei Bush, der Kriege gerne<br />
anzettelt? Wie passt das zusammen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Eins muss man wissen: Amerika ist sehr patriotisch.<br />
Das Militär spielt hier eine größere Rolle als bei uns,<br />
gerade jetzt, wo man offen sagt, wir befinden uns im Krieg (gegen den<br />
Terror), ist es wichtig, auf dem Gebiet &quot;nationale Sicherheit&quot;<br />
keine Schwäche zu zeigen. Da die Demokraten immer etwas unter dem<br />
Verdacht stehen, sie seien, salopp gesagt &quot;liberale Weicheier&quot;<br />
&#8211; in den Augen der Republikaner, natürlich &#8211; ist es wichtig, dass<br />
die einen Kandidaten haben, der sagen kann: Ich habe für mein Land<br />
das Leben riskiert. Bush, Cheney und Rumsfeld, die nie selbst in Kampfhandlungen<br />
waren, werden von ihren Gegnern übrigens als &quot;chicken hawks&quot;<br />
verspottet, das heißt frei übersetzt: Feiglings-Falken.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bleiben wir bei den Demokraten, sechs Wochen nach<br />
Beginn der Vorwahlen der Demokraten steht fest: John Kerry wird Präsident<br />
George W. Bush am 2. November herausfordern. Wie genau geht es jetzt<br />
bei den Demokraten weiter? Und wozu gibt’s eigentlich noch den<br />
demokratischen Nominierungs-Parteitag im Sommer?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Gute Frage, also die nächste Frage ist: Wen<br />
sucht sich Kerry als Partner für das Amt des Vizepräsidenten<br />
aus? Könnte gut Edwards sein. Der kommt aus den Südstaaten<br />
und da dominieren die Republikaner. Edwards könnte also da Stimmen<br />
holen, wo sonst für Demokraten nicht viel zu holen ist. Noch was:<br />
Die Vorwahlen gehen wie geplant weiter, auch wenn es keinen Gegenkandidaten<br />
mehr gibt, aber die stehen jetzt mehr unter dem Vorzeichen: Partei hinter<br />
sich einigen und natürlich: Geld sammeln, die Kriegskasse von Kerry<br />
ist leer. Bush hat dagegen über 100 Millionen Dollar. Zum Parteitag:<br />
Das sind die großen Jubelveranstaltungen, auf denen man die Schlagzeilen<br />
dominiert, inhaltlich nicht zu vergleichen mit unseren Parteitagen,<br />
auf denen es ja um Programmliches geht.
</p>
<p>
<b>Lucie:</b> Wieso ist die Kriegskasse von Kerry leer? Woher wissen<br />
Sie das?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Er hat noch 3 Millionen Dollar. Die Wahlkampfgesetze<br />
sind hier sehr streng. Das heißt, man muss alles offen legen.<br />
Jeder Kandidat muss Einnahmen und Ausgaben der Wahlaufsichtsbehörde<br />
melden, und zwar auf Heller und Pfennig. Jeder einzelne Spender ist<br />
auf der Webseite dieser Behörde aufgeführt mit Namen, Adresse,<br />
Beruf und dem gespendeten Betrag. Stellen Sie sich das mal in Deutschland<br />
vor. Schauen sie sich das ruhig mal an. Es ist die Federal Election<br />
Commission, die Website <a href="http://www.fec.gov/">http://www.fec.gov/</a>.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> US-Präsident Bush hat Kerry zur faktischen Kandidatur<br />
gratuliert und sich einen spannenden Wahlkampf gewünscht. Wie wird<br />
der genau aussehen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Blutig, d.h. Schlammschlacht. Es wird sehr persönlich<br />
werden. Es wird gehen um: pro oder contra Bush. Die Basis von beiden<br />
Parteien ist motiviert. Viele eingefleischte Demokraten hassen Bush,<br />
die Rechten lieben ihn. Frage: Wie wird in der Mitte abgestimmt? Noch<br />
was Interessantes: Die Schlacht wird in einigen &quot;Swing&quot;-Staaten<br />
geschlagen, hauptsächlich im Mittelwesten. Dort werden die Strategen<br />
beider Seiten konzentriert ihr Geld ausgeben und die Wähler bearbeiten.<br />
Bush fängt ab morgen mit Werbespots genau in diesen Bundesstaaten<br />
an.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zum Kandidaten Kerry:
</p>
<p>
<b>KlausM.:</b> Ist Kerry ein guter Gegner für Bush oder wäre<br />
Edwards oder Dean besser für Bush gewesen?
</p>
<p>
<b>Kalle:</b> Wie wirkt Kerry? Locker und gelöst oder angespannt?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Dean hätte wahrscheinlich kaum Chancen gehabt.<br />
Die Republikaner hätten versucht, ihn als linksradikal und gefährlich<br />
darzustellen. Edwards ist sympathisch und charismatisch, aber hat zuwenig<br />
politische Erfahrung. Kerry selbst ist kein lockerer Typ. Er ist etwas<br />
hölzern und akademisch, aber er wirkt glaubwürdig, auch wegen<br />
seines Militärdienstes (s.o.). Sein Problem: Sein Abstimmungsverhalten<br />
ist widersprüchlich gewesen im Senat. Er stimmte gegen den ersten<br />
Golfkrieg, für den letzten, ist jetzt rückblickend aber wieder<br />
dagegen. Das wird ihm noch um die Ohren gehauen.
</p>
<p>
<b>testu:</b> Welche &quot;schwarzen Flecken&quot; hat Kerrys Weste?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Hauptsächlich sein Abstimmungsverhalten. Es<br />
gab vor einigen Wochen ein Gerücht über eine Affäre,<br />
das wurde aber schnell beigelegt. Dann: Als er aus dem Vietnam Krieg<br />
zurückkam, protestierte er gegen den Krieg. Wird ihm sicherlich<br />
vorgeworfen werden. Noch was: Er wirft Bush vor, zuviel Spenden von<br />
der Industrie zu nehmen, aber er selbst hat auch Geld von Firmen genommen,<br />
um seine Senatswahlkämpfe zu finanzieren. Das ist nicht illegal,<br />
aber man wird ihm Heuchelei vorwerfen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Reicht &quot;Anyone but Bush&quot; als Begründung,<br />
um Kerry zu wählen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Auf dem linken Flügel der Demokraten: Ja. Aber<br />
die Frage ist, was denkt man in der Mitte, wenn man Kerry und Bush vergleicht?<br />
Vergessen wir nicht: Es ist schwer, einen amtierenden Präsidenten<br />
abzuwählen.
</p>
<p>
<b>deaner:</b> Welche Rolle spielt die Ehefrau von Kerry im Wahlkampf?<br />
Eher Doris Schröder-Köpf oder Karin Stoiber, die stille Frau<br />
an der Seite?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Sie ist eine sehr interessante Person. In Afrika<br />
aufgewachsen, portugiesischer Hintergrund, traf den ersten Mann in Genf,<br />
keine typische First Lady, falls sie es würde. Ihr erster Mann<br />
war der Besitzer von Heinz Ketchup. Sie erbte nach dessen Tod das Imperium.<br />
Sie ist interessant , intelligent, sagt ihre Meinung, was natürlich<br />
gefährlich sein kann. Manager von Wahlkämpfen wollen lieber<br />
risikolose Kandidatenfrauen.
</p>
<p>
<b>Lucie:</b> Hat Kerry eigentlich Kinder und einen Hund?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Er hat mehrere Töchter. Hund weiß ich<br />
nicht. Eine Tochter studiert Medizin, half jetzt aber bei der Kampagne<br />
aus. Teresa Heinz-Kerry hat 3 Söhne, die sind jetzt eine harmonische<br />
Patchwork Familie, wie man hört.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu den harten Fakten des Kampagnen-Lebens: Was macht<br />
Kerry jetzt, da er nicht mehr jeden Dienstag automatisch in den Nachrichten<br />
landet?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Genau um weiter in den Schlagzeilen zu bleiben,<br />
werden weiterhin die Vorwahlen wie geplant stattfinden. Er muss jetzt<br />
vor allem Geld sammeln.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> John Kerry ist in den letzten Wochen noch mehr gehypt<br />
worden als zuvor sein innerparteilicher Rivale Howard Dean. Von Dean<br />
spricht heute kaum noch jemand. Bis November kann viel passieren &#8211; wie<br />
kann Kerry sich davor schützen, wie Dean abzustürzen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Kerry hat richtige Stimmen bekommen. Dean hatte<br />
nur Umfragen. Übrigens: In seinem Heimatstaat hat Dean gestern<br />
die Vorwahl gewonnen &#8211; in Vermont &#8211; obwohl er gar nicht mehr kandidierte.<br />
Was Kerry angeht: Er wird die Partei hinter sich sammeln und alle die<br />
Bush loswerden wollen, müssen ihn jetzt unterstützen. Alternative:<br />
Vier weitere Jahre Bush. Also: Selbst wer lieber Dean gehabt hätte,<br />
unterstützt jetzt Kerry.
</p>
<p>
<b>Manu:</b> Wie steht Kerry zu Themen wie Kyoto-Protokoll und Internationaler<br />
Strafgerichtshof, etc?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Er sagt, er wolle Amerika wieder in das Konzert<br />
der Welt eingliedern und wirft Bush vor, er habe Amerika isoliert. Er<br />
hat auch ein paar Umweltideen: Er will Amerika vom Öl unabhängiger<br />
machen, Energiesparsamkeit propagieren etc. Aber Vorsicht: Auch wenn<br />
er Kyoto unterschriebe (nicht sicher), im Kongress bekäme das keine<br />
Mehrheit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vor vier Jahren haben einige Demokraten die Grüne<br />
Partei angefeindet, weil deren Kandidat Ralph Nader Al Gores Sieg verhindert<br />
habe. Wie gefährlich kann der mittlerweile unabhängige Bewerber<br />
Nader den Demokraten in diesem Jahr noch werden?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Wenn es sehr knapp wird, natürlich schon gefährlich,<br />
aber diesmal weiß die Linke: Wenn zu viele Stimmen an Nader gehen,<br />
dann haben sie wieder Bush.
</p>
<p>
<b>Cali:</b> Wird die von Bush angekündigte neue Raumfahrtstrategie<br />
eine Rolle für die Wähler spielen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Die Raumfahrtrede hat nicht die große Begeisterung<br />
ausgelöst. Zwar fand eine Mehrheit die Idee klasse, aber sie finden<br />
gar nicht klasse, dass man dafür so viel Geld ausgeben soll, wo<br />
es doch daheim genug Probleme gibt und das Geld lieber im Alltag gebraucht<br />
werden sollte.
</p>
<p>
<b>Lucie:</b> Welche Rolle spielt die Religion? Bush setzt sehr auf<br />
die Hardcore-Gläubigen.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Ein wichtiger Punkt, Religion spielt hier eine große<br />
Rolle. Ein Atheist hätte keine Chance. Ich erinnere an den Riesenerfolg<br />
des Films Passion, gerade in diesen Tagen. Bush hat die sogenannte &quot;Religiöse<br />
Rechte&quot; auf seiner Seite. Seine Initiative, die gleichgeschlechtlichen<br />
Ehen durch einen Verfassungszusatz zu verbieten, zielt genau auf diese<br />
Wählergruppe. Kerry wird sich auf jeden Fall als ebenfalls gläubiger<br />
Christ darstellen und versuchen, Bush das Monopol auf Religiosität<br />
streitig zu machen.
</p>
<p>
<b>benutzer:</b> Befürwortet Kerry die Todesstrafe?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Gebe zu: Ist mir nicht geläufig. Sein Heimatstaat,<br />
Massachussets hat sie meines Wissens nicht. Aber wenn er darauf angesprochen<br />
wird, hat er keine Wahl: Er müsste sagen, dass er sie befürwortet,<br />
sonst wäre er erledigt. Erinnern wir uns: Clinton flog mitten im<br />
Wahlkampf 1992 zurück nach Arkansas, um dort als Gouverneur ein<br />
Todesurteil zu unterschreiben . Signal: ich bin kein Weichei, ich bin<br />
ein &quot;New Democrat&quot;, wie es damals hieß.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Todfeind Nr.1:
</p>
<p>
<b>Lucie:</b> Wenn Osama bin Laden gefasst wird, hat Kerry doch keine<br />
Chance mehr, oder?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> So was könnte aber auch verpuffen, siehe Saddam<br />
Hussein. War ein Riesenerfolg für Bush, dann kamen die Demokraten<br />
groß in die Schlagzeilen. Der eigene Waffeninspektor sagt: Es<br />
gab keine Massenvernichtungswaffen und wir werden auch keine mehr finden.<br />
Was folgten, waren zwei schlechte Wochen für Bush und Hussein war<br />
erst mal wieder vergessen. Aber es stimmt: Es wäre ein Riesenerfolg.<br />
Inwieweit wahlentscheidend, hinge sicher auch vom Zeitpunkt ab.
</p>
<p>
<b>Dr. Kampulus:</b> Religion, Raumfahrt, militärische Karriere,<br />
Irakpolitik &#8211; stimmt die alte Wahrheit &quot;it&#8217;s the economy, stupid&quot;<br />
nicht mehr? Sollte Kerry nicht Wirtschaftsstrategien predigen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Letztenendes ist die Wirtschaft immer wahlentscheidend,<br />
wenn sie gut oder schlecht genug läuft. Im Augenblick wächst<br />
die Wirtschaft, in den letzten zwei Quartalen sogar deutlich. Aber es<br />
hat sich auf dem Arbeitsmarkt noch nicht ausreichend bemerkt gemacht.<br />
Also ist die Frage: Gibt es bis zum Herbst das Gefühl eines Aufschwungs<br />
oder nicht? Wenn kein weiterer Anschlag erfolgt, wird man sich sicher<br />
fühlen und die Wirtschaft wird großes Gewicht haben. Gibt<br />
es einen Anschlag in den USA, wird das Thema Sicherheit wieder beherrschend<br />
sein. Im Irak sieht es so aus, als ob die Regierung alles tut, um den<br />
Anschein einer Stabilisierung zu erwecken. Machtübergabe im Sommer<br />
nach Wahlen, wie auch immer die aussehen.
</p>
<p>
<b>Lucie:</b> Wie ist Kerrys Verhältnis zur CIA?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Die Geheimdienste gelten hier nicht als grundsätzlich<br />
verdächtig. Kerry ist aber kritisch nach den letzten Pannen bei<br />
der Auswertung von Infos über das Bedrohungspotential des Irak.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dann weiter zur 4. Gewalt: Keine andere Demokratie<br />
der Erde wird so sehr vom Fernsehen aus regiert. Welche Rolle spielen<br />
die US-Networks im Wahlkampf? Stehen sie – wie Teile der Presse<br />
oder des Rundfunks – eindeutig auf der einen oder anderen Seite?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Die großen Networks versuchen peinlich, sich<br />
nicht zu einer Seite zu bekennen. Anders bei FOX von Rupert Murdoch,<br />
deren Slogan ist zwar &quot;fair and balanced&quot; (fair und ausgewogen),<br />
aber die sind unverblümt im Bush Lager. Es gibt noch nichts Entsprechendes<br />
auf der Linken Seite.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bush ist wegen diverser Lügen im Zusammenhang<br />
mit dem Irak-Krieg in der Defensive. Analysten betonen aber immer wieder,<br />
dass Bush seinen Wahlkampf noch gar nicht begonnen hat und verweisen<br />
auf das viele Geld, das Bush dafür zur Verfügung hat. Kann<br />
Bush sich aus der Glaubwürdigkeitskrise seiner Regierung freikaufen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Die Frage ist zwar zugespitzt, aber natürlich<br />
nutzt die beste Botschaft nichts, wenn man kein Geld hat, sie an den<br />
Mann bzw. die Frau zu bringen. Alle sind sich einig: Wenn Bush mit einem<br />
Flächenbombardement von Werbespots anfängt, wird das Wirkung<br />
haben. Ich habe noch einen Aspekt: Interesse?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Also dann: Als Clinton 1996 um die Wiederwahl kämpfte,<br />
da hatte er viel Geld in der Kasse und er hat es so eingesetzt: Er hat<br />
gegen Bob Dole noch vor den Parteitagen sehr viel Geld für Werbung<br />
ausgegeben und damit zwei Dinge erreicht: Erstens &#8211; er hat die Themen<br />
gesetzt. Zweitens &#8211; er hat Dole definiert, ihm ein negatives gleich<br />
altes Image verpasst, bevor der selbst eine Chance hatte, sich den Wählern<br />
vorzustellen. Das wollen die Bush Leute jetzt auch so machen. Also Themen<br />
setzten und Kerry ein Image verpassen, bevor der selbst sich vorstellen<br />
kann. Deshalb &#8211; siehe oben: Geld sammeln, Geld sammeln, Geld sammeln,<br />
dass ist für Kerry jetzt Priorität Nr. eins.
</p>
<p>
<b>Lucie:</b> Welche Bedeutung haben die Wahlkampfmanager? Kerry hat<br />
seine ja von Kennedy geerbt.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Richtig, Kerry und Kennedy sind beide aus Massachussets.<br />
Also die Rolle der Manager ist immens. Letztlich hat natürlich<br />
die Persönlichkeit des Kandidaten den Ausschlag, aber die Manager<br />
beraten, welches Thema die Wähler interessiert, welche Schwachstelle<br />
der Gegner hat etc. &#8211; wieder mal Clinton: Wisst ihr noch, als Hillary<br />
erst angepriesen wurde als aktive First Lady und dann nach der negative<br />
Presse in der Wahl 1996 mit neuem diskreteren Image auftrat? So läuft<br />
das.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur Wahl am 2.11.:
</p>
<p>
<b>Radiomen:</b> Hat man inzwischen vorgesorgt, dass es bei der Wahl<br />
im November keine Pannen mehr gibt?
</p>
<p>
<b>lifestyler:</b> Wissen Sie, ob es dieses Jahr genauere Wahlmaschinen<br />
geben wird und auch keine dubiosen Wahlberechtigungsentzüge? Es<br />
könnte zwischen Kerry und Bush ja knapp werden.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Einige Dinge sind immer noch etwas besorgniserregend.<br />
Es gab Artikel darüber, was inzwischen behoben ist, was noch nicht.<br />
Aber es gibt einen enormen Druck, dass alle Walkreise bis November ordentlich<br />
mit sicheren Maschinen ausgestattet sind.
</p>
<p>
<b>Bean:</b> Bushs Verfassungsvorschlag zur Homoehe, wie beeinträchtig<br />
das seine Chancen und wie steht Kerry dazu?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Das war ganz klar Bushs Geschenk an die rechte Basis,<br />
aber es motiviert auch die Gegenseite. Ist noch nicht klar, wie Nutzen<br />
und Schaden sich die Waage halten, wenn der Kongress jetzt darüber<br />
wirklich debattiert und das Thema lange im Kongress Thema ist, dann<br />
hätte er ein Thema gesetzt. Aber Kerry wird sagen, dass ist ein<br />
weiterer Beweis dafür, dass Bush ein &quot;Spalter&quot; ist und<br />
kein „Versöhner&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Medien/Movies:
</p>
<p>
<b>Cali:</b> Vielleicht noch dazu: wie wird Hollywood wählen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Die sind wieder ziemlich im Demokratischen Lager.<br />
Vor allem was Wahlkampfspenden angeht. Allerdings gibt es neue Obergrenzen:<br />
2000 Dollar pro Person. Das heißt, die großen privaten Spenden<br />
sind diesmal gedeckelt.
</p>
<p>
<b>Radiomen:</b> Welchen Effekt könnte ein Präsident Kerry<br />
auf das deutsch-amerikanische Verhältnis haben?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Sie wissen es vermutlich besser als ich. In Deutschland<br />
würde das amerikanische Image wohl deutlich besser. Umgekehrt würde<br />
Kerry sicher auf Europa und die UNO zugehen, aber er dürfte auch<br />
nicht zu weich erscheinen. Noch was: Der Kalte Krieg ist vorbei und<br />
dieser Umstand führt zu Veränderungen, mit denen jede Regierung<br />
zu tun hätte.
</p>
<p>
<b>kennedie:</b> Stimmt es, dass die USA politisch so tiefgehend gespalten<br />
sind wie noch nie?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Das hat man schon vor vier Jahren gesagt. Man nannte<br />
es die 50:50 Nation. Ich merke allerdings wirklich einen rechthaberischen<br />
Ton in der Debatte, der mich sonst eher an Deutschland erinnert. Wir<br />
werden ja schnell pampig und meinen oft, Recht haben sei alles. Früher<br />
ging es hier eher um den höflichen Austausch von Meinungen, aber<br />
jetzt klingt es irgendwie gereizter, es ist ja auch ernster geworden.
</p>
<p>
<b>Aluas:</b> Inwieweit könne die anderen ausgestiegenen Nominierten<br />
Kerry in seinen Kampagnen unterstützen und tun sie dieses überhaupt?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Tun sie alle. Dean hatte gesagt: Er unterstütze,<br />
wer auch immer die Kandidatur bekomme und Edwards hat gerade gesagt<br />
(vor knapp 2 Stunden): Er unterstütze Kerry.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Blick in die Kristallkugel:
</p>
<p>
<b>TSoul:</b> Wer wird die Wahl gewinnen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Ich wage keine Prognosen. Bush ist schlagbar. Das<br />
war vor einem halben Jahr noch nicht der Fall. Es wird also mindestens<br />
kein langweiliges Jahr. Mehr wage ich nicht zu sagen. Von dem her, was<br />
bisher bekannt ist, hat Bush immer noch gut Chancen. Nur weil jetzt<br />
die Kritik der Demokraten in den Schlagzeilen ist, heißt das noch<br />
nicht, dass er in der Bredouille ist. Aber er muss kämpfen, mehr<br />
als er und seine Partei dachten. Ich danke euch / ihnen sehr für<br />
das Interesse. Wir werden weiter versuchen, gut von hier zu informieren.<br />
Was hier passiert, betrifft ja nicht nur Amerika, sondern auch den Rest<br />
der Welt. Alles Gute und bis bald wieder im ARD-Programm.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, vielen Dank für<br />
das Interesse und die zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Herr Buhrow,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden<br />
Sie wie alle anderen auch auf den Seiten der Veranstalter. Der nächste<br />
Chat findet übrigens am Montag, 8. März ab dreizehn Uhr statt.<br />
Chat-Gast am offiziellen Tag der Frau ist dann Barbara Lochbihler, Generalsekretärin<br />
von amnesty international. Das tacheles.02-Team wünscht noch einen<br />
schönen Abend!
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Herzlichst Ihr Tom Buhrow!</p>
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<p>
&nbsp;</p>
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