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	<title>Ulla Schmidt &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Ulla Schmidt &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;So krank ist Deutschland nicht.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ameyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/uschmidt.jpg" alt="Ulla Schmidt" align="left" border="0" height="115" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000"> Bundessozialministerin Ulla Schmidt </span></b><span style="color: #000000"><b><b>war 
am 30. Oktober 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/uschmidt.jpg" alt="Ulla Schmidt" align="left" border="0" height="115" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000"> Bundessozialministerin Ulla Schmidt </span></b><span style="color: #000000"><b><b>war<br />
am 30. Oktober 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute ist Ulla Schmidt, Ministerin<br />
für Gesundheit und Soziales, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen, vielen<br />
Dank. Alles bereit, Frau Schmidt, können wir loslegen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Frage von mir vorab: Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte<br />
und Patienten glaubt laut „Bild“-Zeitung, dass wegen aufgebrauchter<br />
Budgets der Ärzte, die Praxen keine Behandlungstermine vergeben.<br />
Können Sie ausschließen, dass die Ärzte Behandlungen ins<br />
nächste Jahr verschieben, um nicht mit den Budget-Obergrenzen in<br />
Konflikt zu kommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die Ärzte müssen alle Patienten und Patientinnen behandeln und<br />
haben einen Vertrag mit den Krankenkassen, dass sie den Kranken das medizinisch<br />
Notwendige immer zur Verfügung stellen. Die Kassenärztlichen<br />
Vereinigungen sind verpflichtet, das medizinisch Notwendige zur Verfügung<br />
zu stellen. Das hat auch im Übrigen immer funktioniert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>allmut</b>:<br />
In den beschriebenen Reformpaketen werden hauptsächlich die kleinen<br />
Leute zur Kasse gebeten. Warum sind Beamte etc. von Zahlungen in die Versicherungskassen<br />
ausgenommen??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die Beamten zahlen auch Krankenbeiträge, erhalten aber keinen Arbeitgeberanteil,<br />
sondern stattdessen Beihilfen. All das, was im Modernisierungsgesetz beschlossen<br />
wurde, wird auch auf den Beihilfeanteil übertragen. Das gilt dann<br />
auch für Politiker und Minister.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>CatherinaB</b>:<br />
Eine Frage zur Gesundheitsreform: Warum finden sich auf der Positivliste<br />
hunderte Mittel ohne wissenschaftlichen und/oder klinischen Wirksamkeitsnachweis,<br />
so wie Schweineenddarm und Drüsen junger Wölfe? Ich dachte es<br />
geht um eine Grundversorgung mit „wirksamen“ Medikamenten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Das sind auch Medikamente, die auf der Positivliste enthalten waren, aber<br />
wir brauchen darüber nicht mehr diskutieren, da die Opposition nicht<br />
bereit war, der Einführung der Positivliste zuzustimmen. Und deshalb<br />
wird sie nicht kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Damit ist aber eines der wichtigsten Reformvorhaben im Gesundheitssystem<br />
gescheitert. Nicht hart genug verhandelt? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Das wichtigste Reformprojekt waren die strukturellen Veränderungen,<br />
die Begrenzung der Ausgaben und damit einhergehend auch die Stabilisierung<br />
der Sätze. Das, was mit der Positivliste an strukturellen Veränderungen<br />
im Arzneimittelsektor vorgesehen war, wird jetzt durch andere Maßnahmen<br />
erreicht, z.B. Festbeträge auf patentgeschützte Arzneimittel,<br />
Nutzenbewertung von Arzneimitteln, und anderes mehr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>chatti</b>:<br />
Warum gelingt es den Ärzten immer wieder die Stimmung gegen Sie aufzuheizen?<br />
Haben die eine bessere Strategie in der Öffentlichkeitsarbeit? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Da bin ich mir nicht so sicher, aber sie haben natürlich das Machtmonopol<br />
in den Arztpraxen und setzen auf das besondere Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis<br />
der Patienten und Patientinnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Höre ich da heraus, Sie beneiden die Ärzte um ihr Vertrauensverhältnis<br />
zu den Patienten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein, wenn ich die Patienten alle einzeln vor mir sitzen habe, kann ich<br />
sie auch überzeugen, dass nicht alle Äußerungen der Ärzte<br />
richtig sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>silke</b>:<br />
Sollte die Kassenärztliche Vereinigung nicht abgeschafft werden?<br />
Welche Aufgabe hat diese Organisation außer durch bürokratische<br />
Vorgänge Abläufe zu verlangsamen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die wesentliche Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung ist, sicherzustellen,<br />
dass jeder die medizinische Versorgung bekommt, die er braucht. Am besten<br />
sieht man das am Beispiel der Privatversicherung, die können ihren<br />
Versicherten nicht garantieren, dass sie jederzeit einen Arzt oder Ärztin<br />
finden, die sie zu ihren Versicherungskonditionen behandelt, z.B. zum<br />
Standardtarif.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>auch interessiert</b>:<br />
Stichwort Kassenbeiträge: Sie streben für das kommende Jahr<br />
einen durchschnittlichen Satz von 13,6 Prozent an. Viele Kassen wollen<br />
zwar senken, von den 13,6 Prozent sind sie aber weit entfernt. Beispiel<br />
DAK: Jetzt 15,2 Prozent. Will ab Januar auf einen Beitrag 14,x senken.<br />
Was wollen Sie tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Natürlich muss nicht jede einzelne Krankenkasse auf diese Beiträge<br />
absenken, denn bei den Beitragssätzen geht es immer um durchschnittliche<br />
Größen. Sie haben eine Bandbreite von 11,9 bis 15,2, wenn sie<br />
die einzelnen Kassen nehmen und damit ist auch das Entlastungspotenzial<br />
jeder Kasse unterschiedlich. Aber es wäre ja für DAK-Versicherte<br />
schon erfreulich, wenn sich der Satz wieder auf 14 zubewegt, statt auf<br />
16, was ohne Reform eben zu befürchten gewesen wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Sie garantieren die 13,6% Durchschnitt für das nächste<br />
Jahr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Man sollte nie was garantieren, aber wir werden alles daran setzen, alles<br />
das was an Leistungen umfinanziert wird oder gestrichen wird oder über<br />
Steuermittel finanziert wird, dass die Kassen dies in Senkungen an die<br />
Versicherten weitergeben. <br />
Wir haben auch bei unseren Berechnungen einkalkuliert,<br />
dass die Kassen gut 3 Milliarden Euro für die Abdeckung möglicher<br />
Defizite verwenden können und insofern gehe ich davon aus, dass wir<br />
im Durchschnitt des kommenden Jahres die Beitragssatzsenkungen erreichen.<br />
Nicht zum 1.1.2004.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zur Praxisgebühr:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bayernhawkins</b>:<br />
10 € pro Quartal für den Arzt. Hat schon einmal jemand ausgerechnet<br />
wieviel es an Verwaltungskosten ausmacht diese 10 € zu erfassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein. Das ist auch nicht das Entscheidende, denn die 10 Euro sind die<br />
ersten 10 Euro des Honorars für den Arzt. Genauso wie der heute die<br />
Versicherungskarte durchscannen muss, werden in Zukunft beim Erstbesuch<br />
oder wenn keine Überweisung vorgelegt wird, die 10 Euro einbehalten<br />
und dies bei der Abrechnung mit der KV angegeben. Das ist alles nur eine<br />
Gewohnheitssache und wird in fast allen Ländern um uns herum so gehandhabt<br />
und keiner beschwert sich dort über Bürokratie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JFKF</b>:<br />
Wäre es nicht besser gewesen, in der Nachfolge von Frau Fischer erst<br />
einmal die Budgets beizubehalten &#8211; und auch sanktionsbewehrt durchzusetzen<br />
&#8211; und die Reformen dann echte Strukturreformen unter geringerem finanziellem<br />
Druck anzugehen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die Budgets sind bis heute noch beibehalten, was wir geändert haben,<br />
war die Abschaffung des Kollektiv-Regresses, der seit seinem Bestehen<br />
nie vollzogen worden war. Wir haben Obergrenzen für die Arzneimittelversorgung<br />
auf vertraglicher Ebene eingeführt und wir haben in diesem Jahr auch<br />
einen geringeren Anstieg bei den Arzneimittelausgaben. Die Budgetierung<br />
im Arzneimittelbereich hat nur zu Rationierung für die Patienten<br />
geführt, und nicht zu strukturellen Veränderungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Warum eigentlich nicht:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dumdidum</b>:<br />
Kann man nicht die Krankenkassen durch Gesetze verbieten, die zu hohe<br />
Verwaltungskosten haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Wir haben jetzt durchgesetzt, die Verwaltungsausgaben zu deckeln und darüber<br />
hinaus ab dem kommenden Jahr gesetzlich festgeschrieben, dass die Krankenkassen<br />
verpflichtet sind, ihre Mitglieder darüber zu informieren wie hoch<br />
der Anteil der Verwaltungskosten am eigenen Beitragsaufkommen ist und<br />
wofür Verwaltungskosten ausgegeben wurden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Ebenso haben wir Auskunftspflicht<br />
für Vorstandsgehälter gesetzlich vorgeschrieben. Dann kann das<br />
einzelne Mitglied mehr Einfluss nehmen. Im Übrigen sind die Verwaltungsausgaben<br />
bei den Privatvesicherern dreimal so hoch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rb</b>:<br />
Ich wüsste gerne, warum die Bundesregierung glaubt, durch die Herausnahme<br />
von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, Geld sparen zu können.<br />
Alternativ wüsste ich gerne, welche andere Logik hinter dieser Absicht<br />
steckt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Die Menschen bezahlen heute schon von den rund 7,2 Milliarden Ausgaben<br />
im nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittelsektor 5 Milliarden selbst.<br />
Es bleiben gut 2 Milliarden, davon werden rund 1 Mrd von den Krankenkassen<br />
ersetzt, z.B. zur Behandlung von Kindern oder wenn ein nichtverschreibungspflichtiges<br />
Mittel zum Therapiestandard bei der Behandlung einer Krankheit gehört.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bei den übrigen Arzneimitteln gehen wir davon aus, dass der größte<br />
Teil in den Bereich der Selbstmedikation gehört. Wir geben aber die<br />
Preise in diesem Sektor frei, so dass demnächst diese Arzneimittel,<br />
die im Übrigen in ganz Europa nicht ersetzt werden, auch zu den gleichen<br />
Preisen in Deutschland angeboten werden, wie es unsere Bürgerinnen<br />
und Bürger sonst bei Auslandsreisen erfahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zur Praxisgebühr:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anja</b>:<br />
Was ist mit der Praxisgebühr, wenn man nun mal alle paar Monate nur<br />
ein bestimmtes Rezept braucht und nur deswegen eben auch zum Arzt gehen<br />
muss? Man ruft an und holt das Rezept ab. Und die Praxisgebühr muss<br />
ich jedes Mal zahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ello</b>:<br />
Glauben Sie nicht, dass eine höhere Selbstbeteiligung dazu führen<br />
wird, dass auf Präventiv-Untersuchungen verzichtet wird, so dass<br />
durch verschleppte Krankheiten ein viel größerer Schaden entsteht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Alle Vorsorgeuntersuchungen und Präventionsangebote sind weiterhin<br />
kostenfrei. Die Praxisgebühr wird einmal im Quartal erhoben und ich<br />
glaube, dass sich die Menschen daran gewöhnen werden. Die Erfahrungen<br />
in anderen Ländern zeigen, dass durch solche Gebühren notwendige<br />
Arztbesuche nicht verschoben werden. Aber wir haben heute eindeutig in<br />
Deutschland zu viele Arztkontakte: 560.000.000 im Jahr. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Ich bin sicher,<br />
so krank ist Deutschland nicht, Gott sei Dank. Bei den Rezepten ist es<br />
so, dass wir eine Regelung für z.B. Antibabypille machen, wo zwar<br />
in regelmäßigen Abständen auch eine Untersuchung erfolgen<br />
sollte, aber trotzdem zwischendurch auch nur die Rezepte abgeholt werden<br />
und dann soll keine Praxisgebühr fällig sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tdykier</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Schmidt! Die gesellschaftlichen v.a. demographischen<br />
und global-wirtschaftlichen Entwicklungen zwingen uns alle zu einem Umdenken.<br />
Ihr &#8211; eindeutig unpopulärer &#8211; Weg zeugt von Ihrer Standhaftigkeit<br />
und Wissen und ist sicherlich ein Weg, den Entwicklungen entgegenzuwirken.<br />
Doch Ihr Standpunkt geht auf Kosten der Gerechtigkeit und trägt zu<br />
einer Ausdehnung der Armuts-/Reichtumsschere bei. Erlaubt dies Ihr Gewissen,<br />
Partei? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich glaube nicht, dass das so ist, denn wenn ich heute keine Schritte<br />
auf den Weg bringen würde, die Systeme der sozialen Sicherung effizienter<br />
und effektiver zu gestalten, würden die Menschen, die auf Hilfe angewiesen<br />
sind, eindeutig die Verlierer und Verliererinnen sein. Die Einschnitte<br />
oder auch moderate Belastungen der Versicherten, z.B. im Gesundheitsbereich,<br />
sind nicht nur notwendig, um das Gesundheitssystem bezahlbar zu machen,<br />
sondern auch um die Solidarität zu stärken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Gerechtigkeit bedeutet<br />
in diesem Zusammenhang für mich, das System so zu organisieren, dass<br />
auch unter veränderten ökonomischen Bedingungen und demografischen<br />
Bedingungen jeder unabhängig von Alter und Einkommen das bekommt,<br />
was medizinisch notwendig ist, und zwar auf Höhe des medizinischen<br />
Fortschritts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Volker Wilckens</b>:<br />
Hallo Frau Ministerin !! Ist mit der Gesundheitsreform 2003 gleichzeitig<br />
das AiP zum 1.10.2004 abgeschafft worden!?! Wir Studenten sind uns nicht<br />
ganz sicher!!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
AiP ist „Arzt im Praktikum“</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Es wird zum 1.10 abgeschafft, aber das ist in einem eigenen Gesetz geregelt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wir sind ja nicht nur krank, sondern werden auch noch alt: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ein Beitragszahler</b>:<br />
Die Vorschläge zur Erhöhung des Renteneintrittalters auf 67<br />
oder 68 Jahre haben doch nur den Zweck, die in Zukunft notwendigen Abschläge<br />
auf die Rentenzahlungen zu erleichtern. Oder glauben die verantwortlichen<br />
Politiker wirklich, dass die Firmen ein Interesse daran haben, Oma und<br />
Opa im Betrieb halten zu können. Vereinzelte Ausnahmen mag es ja<br />
geben, aber in der Masse geht es doch nur um Rentenkürzungen. Unterstelle<br />
ich hier etwas Falsches?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Niemand will das Renteneintrittsalter heute oder morgen auf 67 Jahre hoch<br />
setzen. Es geht um die Frage, was ist im Jahr 2035? Wir wissen heute,<br />
dass sich die Rentenbezugsdauer um mindestens 3,5 Jahre verlängern<br />
wird, weil die Lebenserwartung steigt. Es gibt nur drei Dinge die getan<br />
werden können: Entweder wir erhöhen die Beiträge oder wir<br />
senken das Niveau oder wir erhöhen das Renteneintrittsalter. Für<br />
eines wird man sich im nächsten Jahrzehnt entscheiden müssen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Aber ich teile Ihre Auffassung, dass wir in diesem Jahrzehnt, alle Kräfte<br />
darauf konzentrieren müssen, dass auch die ältere Generation<br />
Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat und dass wir zunächst alles darin<br />
investieren müssen, dass sich das tatsächliche Renteneintrittsalter<br />
dem gesetzlichen annähert. Dann hätten wir schon viel gewonnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>krone</b>:<br />
Ich bin Ende 20. Was meinen Sie, wie viel Rente ich zu erwarten habe?<br />
Laurenz Meyer hat gestern hier im Chat gesagt 30-40 Prozent. Sehen Sie<br />
das auch so? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Meyer sprach von 35 bis 40 Prozent Bruttorentenniveau für einen heute<br />
30-jährigen. Das wären so grob geschätzt 840 Euro &#8211; bei<br />
45 Jahren Arbeit mit Durchschnittsverdienst!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein, das darf es nicht geben, denn die gesetzliche Rentenversicherung<br />
wird in 30 Jahren nicht mehr die Lebensstandard sichernde Funktion haben<br />
können, wie es die heutige Rentnergeneration nach 45 Arbeitsjahren<br />
hat. Aber sie muss eine starke Säule bleiben und wer 45 Jahre eingezahlt<br />
hat muss eine Rente erhalten, die über dem Sozialhilfeniveau liegt,<br />
sonst verliert die gesetzliche Rentenversicherung ihre Akzeptanz. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Die<br />
Berechnungen der Rürup-Kommission gehen davon aus, dass eine preisbereinigte<br />
Rente, die ohne die jetzt anstehenden Reformmaßnahmen 1500 Euro<br />
ausmachen würde, mit unseren angekündigten Maßnahmen in<br />
30 Jahren bei etwa 1430 Euro liegen wird. Das sind schon preisbereinigte<br />
Zahlen. Aber ich kann Ihnen nur empfehlen, dass Sie neben der umlagefinanzierten<br />
Rente entweder in die betriebliche oder private kapitalgestützte<br />
Säule investieren, denn zum Lebensstandard brauchen sie in 30 Jahren<br />
beides.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>auch interessiert</b>:<br />
Wie wollen sie aber denn verhindern, dass die gesetzliche Rentenversicherung<br />
an Akzeptanz verliert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Indem die Reformschritte, die wir einleiten so auf den Weg gebracht werden,<br />
dass sie den Anforderungen, wie ich sie eben beschrieben habe, auch gerecht<br />
wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>autentic_info</b>:<br />
Wie stellen Sie sich dann die Gesundheitsversorgung vor &#8211; in 30 Jahren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich hoffe dass es uns dann gelungen ist, durch den umfassenden Ausbau<br />
der Prävention dafür zu sorgen, dass Krankheiten, die durch<br />
gesundheitsbewusstes Verhalten vermieden werden, dass die Versorgung chronisch<br />
kranker Menschen so optimiert ist, dass die Folgeerkrankungen so stark<br />
wie es geht vermieden oder eingeschränkt werden und dass wir in Deutschland<br />
durch einen Wettbewerb um die beste Qualität der medizinischen Versorgung<br />
weiterhin ein attraktiver Gesundheitsstandort sind. Wenn uns dies beispielsweise<br />
gelingt, wird Gesundheit auch in 30 Jahren noch bezahlbar sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kai1239</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Schmidt, wir haben heute in einer Fußgängerzone<br />
die Menschen gefragt, was sie an der politischen Situation verbessern<br />
würden und viele sagten, die “Rentenpolitik“. Wie erklären<br />
sie sich, dass ihre “Allheilmittel“ den Wähler nicht<br />
erreichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich weiß nicht was sie unter „Allheilmitteln“ verstehen,<br />
vielleicht könnten Sie das mal klären?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Axel aus München</b>:<br />
Stichwort “Ausbildungsanrechnung in der Rentenversicherung“:<br />
Ich halte es für nicht akzeptabel, Ansprüche, die durch eine<br />
abgeschlossene Ausbildung bereits erworben wurden, rückwirkend zu<br />
streichen; wieder einmal ein Beispiel der fehlenden Berechenbarkeit im<br />
Umfeld der Sozialversicherungen. Insgesamt ist es aber sicher akzeptabel,<br />
die Ausbildungszeiten nicht als Beitragszeiten zu zählen; Anrechnung<br />
zur Lebensarbeitszeit aber notwendig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Genau das geschieht und die berufliche Ausbildung wird auch weiterhin<br />
höher angesetzt, wenn auch geringere Beiträge gezahlt werden.<br />
Insofern darf ich sie also zu den Befürwortern des Konzepts zählen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>fgdghg</b>:<br />
Frau Schmidt, einerseits sollen mehr Leute an die Uni, andererseits wollen<br />
Sie die Rentenansprüche für Akademiker kürzen. Wie passt<br />
das zusammen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich bin auch Akademikerin und habe in meinem ganzen Leben noch niemanden<br />
getroffen, der seine Entscheidung für ein Studium davon abhängig<br />
gemacht hat, ob er dafür 20 Euro mehr Rente erhält. Ich wage<br />
die Prognose, dass genauso wie ich damals, auch heute kein Student oder<br />
eine Studentin weiß, dass es eine solche Höherbewertung überhaupt<br />
gibt. Insofern muss Bildungspolitik andere Voraussetzungen erfüllen.<br />
Studenten müssen gute Professoren, gut ausgerichtete Unis, eine aktuelle<br />
Bibliothek und eine gute Studienförderung haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>frank z</b>:<br />
Guten Tag Frau Schmidt, anstelle einer Beitragserhöhung oder einer<br />
Rentennullrunde hätte es doch an sich noch eine dritte Lösungsmöglichkeit<br />
gegeben: Eine weitere Stufe der Ökosteuer. Es hatte für mich<br />
den Anschein, dass darüber nicht einmal nachgedacht wurde. Warum<br />
eigentlich nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein, da haben wir auch nicht drüber nachgedacht, weil die Menschen<br />
sich mit der derzeitigen Ökosteuer schon bis an die Grenzen belastet<br />
fühlen und ich glaube auch nicht, dass wir langfristig die Probleme<br />
in den Sozialversicherungen lösen, wenn wir immer nur nach anderen<br />
Steuerquellen suchen. Das wäre zwar bei einem ausgeglichenen Haushalt<br />
die einfachste Lösung, aber im Moment würde die Erhöhung<br />
der Ökosteuer auch die Betriebe zusätzlich belasten und nicht<br />
dazu dienen, dass die Konjunktur anspringt und damit die Bedingungen für<br />
Beschäftigung verbessert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>koebes</b>:<br />
Guten Tag Frau Schmidt. Soll bei der Neugestaltung der Riester-Rente endlich<br />
auch eine praktikable Lösung für die Einbeziehung von Immobilien<br />
gefunden werden oder verschließt sich die Politik weiterhin dieser<br />
beliebtesten Altersvorsorge???</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Wir sind derzeit in den Fraktionen noch mitten im Diskussionsprozess,<br />
wie die Entbürokratisierung der Riester-Rente aussehen wird. Bisher<br />
gibt es für die Förderung von Immobilien das Entnahmemodell,<br />
aber das wird auch von vielen als zu bürokratisch angesehen. Wir<br />
werden auch weiterhin nur das fördern können, was zu regelmäßigen<br />
Zahlungen im Alter führt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JFKF</b>:<br />
Warum werden Beamte, Berufssoldaten, Richter, Abgeordnete und Regierungsmitglieder<br />
auch nicht annähernd so stark &#8211; wenn überhaupt merklich &#8211; in<br />
die finanzielle Verantwortung gezogen wie Arbeiter und Angestellte &#8211; in<br />
der Versorgung bei Krankheit wie auch im Alter?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Es gibt nicht nur die reichen Beamten, sondern alle zahlen auch für<br />
ihre Krankenversicherung und auch die Pensionsansprüche sind auch<br />
bei der Bemessung der Gehälter berücksichtigt, aber ich kann<br />
ihnen versichern, dass alles das, was wir im Bereich Gesundheit, Rente<br />
und Pflege verabschieden werden wirkungsgleich auf Beamte, Abgeordnete,<br />
Regierungsmitglieder etc. übertragen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>breiti</b>:<br />
Wen in der Union halten sie für den kompetentesten Gesprächspartner?<br />
Besteht die Hoffnung, dass die großen Volksparteien gemeinsam mit<br />
den Bürgern die Reformen meistern? oder müssen wir uns weiterhin<br />
auf irgendwelche Parteispielchen “freuen“?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Ich hoffe nicht. Ich gehe fest davon aus, dass wir bei der langfristigen<br />
Reform der Rentenversicherung zu parteiübergreifenden Beschlüssen<br />
kommen werden. Im Moment ist der kompetenteste Gesprächspartner eindeutig<br />
Herr Seehofer, die Union hat nicht mehr viele.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Frau Schmidt, Es gibt Rürup-Vorschläge, Hartz-Gesetze und Riester-Rente.<br />
Traurig, dass es noch nichts mit Schmidt- gibt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt</b>:<br />
Nein.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das war´s, vielen Dank, Frau Schmidt, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen sind. Die Transkripte gibt es wie immer auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Das tacheles.02-Team wünscht allen Beteiligten noch einen schönen<br />
Tag. </span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wer eine drastische Beitragssenkung fordert, will die Finanzierung des Gesundheitswesens privatisieren&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Jun 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ulla Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/uschmidt.jpg" alt="Ulla Schmidt" align="left" height="89" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit Ulla Schmidt am 24. Juni 2002</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/uschmidt.jpg" alt="Ulla Schmidt" align="left" height="89" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit Ulla Schmidt am 24. Juni 2002</b></span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
<br />
Moderator:</b><br />
Herzlich Willkommen im tacheles.02-Chat. Heute beginnt unsere kleine<br />
&quot;Minister- bzw. Ministerinnen-Reihe&quot;. Ich begrüße Ulla Schmidt,<br />
Gesundheitsministerin im Kabinett Schröder. Morgen wird<br />
Bundesfinanzminister Hans Eichel unser Gast sein, am kommenden Mittwoch<br />
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. <br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Hallo liebe Chatter. Ich grüße alle und freue mich auf eine anregende Diskussion.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Frau<br />
Schmidt, Fallpauschalen für die Krankenhäuser sind beschlossen, die<br />
aut-idem-Regelung, die Pflicht zur Verschreibung preiswerterer<br />
Medikamente mit gleichen Wirkstoffen ist schon da &#8211; die<br />
Krankenkassenbeiträge sind weiter unverändert hoch. Nun soll auch noch<br />
die Versichertenpflichtgrenze für Neumitglieder auf 4500 Euro steigen.<br />
Auch die Patienten müssen sich wohl aufs Sparen einstellen. Egal wer<br />
gewinnt &#8211; kommen nach der Wahl dann die Maßnahmen, die richtig weh tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b> Nach der Wahl kommt genau das, was wir vorher auch sagen. Und jeder kann sich darauf einstellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>camille: </b>Von der Wirtschaft wird die drastische Senkung der Beiträge gefordert, was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Die Beiträge dienen dazu, die gesundheitliche Versorgung der<br />
Bevölkerung sicherzustellen. Deshalb kommt es darauf an, durch<br />
verbesserte Abläufe im System, mehr Qualität, mehr Effizienz und<br />
Effektivität dafür zu sorgen, dass jeder Euro zielgenau eingesetzt<br />
wird. Wer wie die Wirtschaft, oder auch andere, einfach eine drastische<br />
Absenkung der Beiträge fordert, muss sagen, welche Leistungen er<br />
streichen will. Wer einfach nur eine drastischen Senkung der Beiträge<br />
fordert, will die Finanzierung des Gesundheitsrisikos privatisieren.<br />
Kostensenkend ist das alles nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>minusp: </b>Viele Ärzte, besonders Psychologen, beklagen sinkende Einnahmen. Wie kommt das und wie wollen Sie diesen Misstand beheben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Wir haben heute ein Problem mit dem Honorarverteilungsmaßstab und den<br />
floatenden Punktwerten, die dazu führen, dass Ärztinnen und Ärzte, die<br />
immer ein offenes Ohr für ihre Patienten haben, für den einzelnen<br />
Patienten weniger erhalten als diejenigen, die ihre Türen öfter<br />
schließen. Wir müssen zu einer Neuordnung kommen, das Geld muss der<br />
medizinischen Leistung folgen. Deshalb möchte ich für den<br />
fachärztlichen Bereich diagnosebezogene Fallpauschalen (wie künftig im<br />
Krankenhausbereich) und für den hausärztlichen Bereich Kopfpauschalen,<br />
die sich am Gesundheitszustand der Patienten und Patientinnen<br />
orientieren. Dann muss verhandelt werden über Menge und Preis.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>peer: </b>Sollen die Hausärzte gestärkt werden auf Kosten der freien Arztwahl?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Die freie Arztwahl ist für uns unantastbar. Auch in Zukunft wird jeder Versicherte den Arzt oder die Ärztin aussuchen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dr schiwago: </b>Wie wollen sie das Patienten-Ärzte-Verhältnis verbessern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Ich<br />
kann da nur etwas sagen zur Stellung der Patienten: Wir wollen, dass<br />
Patienten besser informiert sind, deshalb wollen wir z.B. für große<br />
Volkskrankheiten medizinische Leitlinien festlegen, damit jeder Patient<br />
sich informieren kann über das, was zu Bekämpfung der Krankheit nach<br />
medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen am besten geeignet ist,<br />
und er kann sich dann den Arzt aussuchen, der die Qualitätsstandards<br />
garantiert. Das führt zu einem partnerschaftlichen Verhältnis.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dango:</b> Der gläserne Patient &#8211; effizientes Behandlungsmodell oder Datenschutzproblem?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Den<br />
gläsernen Patienten wird es ebenso wenig geben wie den gläsernen<br />
Bankkunden. Wir wollen mehr Transparenz im Gesundheitswesen. Ein Mittel<br />
dazu ist die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, damit<br />
Doppeluntersuchungen, Mehrbehandlungen oder auch Gesundheitsschäden<br />
durch Unverträglichkeiten von Arzneimitteln minimiert werden können.<br />
Insofern ist es ein effizientes Behandlungsmodell, die Datenhoheit<br />
liegt allein beim Versicherten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>peer:</b><br />
Warum gibt es seitens der Krankenkassen für gewisse seltene Krankheiten<br />
keine Behandlungen und Medikamente, die auf einer vorher definierten<br />
Liste stehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Die<br />
Krankenkasse ersetzt alles, was wissenschaftlich anerkannt notwenig ist<br />
zur Behandlung von Krankheiten. Bei seltenen Krankheiten kann es<br />
manchmal zu Problemen kommen, weil weder Behandlungsmethoden noch<br />
Medikamente für diese Krankheit entwickelt wurden. Hier sorgen wir<br />
dafür, dass Einzelfallentscheidungen möglich sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>walter: </b>Welche Wissenschaftler erkennen denn die Medikamente an? Wie ist es mit alternativen Heilmethoden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Bei<br />
uns ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte<br />
zuständig für die Zulassung von Arzneimitteln und die Sicherheit.<br />
Alternative Heilmethoden, wenn sie wissenschaftlich anerkannt und<br />
therapeutisch wirksam sind, sind dabei eingeschlossen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>LarsH: </b>Warum<br />
Leistungen streichen um einen günstigen Beitragssatz zu bekommen? Viele<br />
Beitragssätze wären günstiger wenn es den RSA (Risikostrukturausgleich<br />
zwischen den Krankenkassen) nicht geben würde!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Das ist der größte Irrtum des heutigen Abends. In einem Solidarsystem,<br />
wie es die gesetzliche Krankenversicherung ist, muss insgesamt dafür<br />
gesorgt werden, dass die solidarischen Prinzipien zu Geltung kommen.<br />
D.h. Junge für Alte, Gesunde für Kranke, die mit hohem Einkommen für<br />
die mit niedrigem, die ohne Kinder für die mit Kinder. Da die<br />
gesetzliche Krankenkasse ohne Ansehen von Vorerkrankung jeden<br />
versichern muss, muss auch zwischen den Kassen das Risiko verteilt<br />
sein. Der Risikostrukturausgleich sorgt dafür. Gäbe es den<br />
Risikostrukturausgleich nicht, gäbe es vielleicht einzelne Kassen, die<br />
sehr günstig wären, andere aber umso teurer, wenn sie sehr viele ältere<br />
Menschen, chronisch Kranke oder Menschen mit Behinderungen versichert.<br />
Dies ginge zu Lasten aller. Die stünden am besten, die Junge, Gesunde<br />
und Alleinstehende versichern. Die Krankenversicherung wurde aber<br />
gegründet, um vor allem diejenigen, die krank sind, zu versorgen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Neumann:</b><br />
Bundesknappschaft 80 % Rentner, Beitragssatz 12,9 %, AOK Sachsen 50 %<br />
Rentner, Beitragssatz ebenfalls 12,9 %, Barmer und DAK Beitragssatz<br />
14,5 % &#8211; der RSA sorgt für eine verkehrte Welt!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Nein. Der RSA gleicht Risiken aus. Wir haben in diesem Jahr eine Reform<br />
des RSA auf den Weg gebracht, der hier zielgenauer wirken soll.<br />
Unabhängig der Risiken müssen die Kassen wirtschaftlich arbeiten, die<br />
Knappschaft z.B. hat in den letzten Jahren mit einer<br />
Unternehmensberatung vieles an Wirtschaftlichkeitsreserven in ihren<br />
Krankenhäusern, ihren Rehabilitationseinrichtungen und durch die<br />
bessere Zusammenarbeit ihrer Ärzte erschlossen. Dadurch konnte der<br />
Beitragsatz von über 14 Prozent auf 12,9 Prozent gesenkt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>greg: </b>Wäre es nicht denkbar ein Beitragssystem einzuführen das private Vorsorge fördert, ähnlich der Riester-Rente?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Im<br />
Gegensatz zur Altersversorgung ist das Risiko Krankheit nicht planbar.<br />
Leider kann ein Kind schon krank zur Welt kommen, ehe es sich selber<br />
privat absichern kann. Und auch jeder junge Mensch kann, gerade während<br />
wir hier chatten, so schwer krank werden, dass er eventuell bei einer<br />
privaten Vorsorge keinen Versicherungsschutz mehr hat.<br />
Während die Versicherung gerne für die private Altersvorsorge<br />
Versicherungen anbieten, ohne verständlicherweise nach dem<br />
Gesundheitszustand zu fragen, ist es im Falle einer Krankenversicherung<br />
genau umgekehrt. Gesundheitsrisiken müssen nicht abgesichert werden,<br />
oder aber Versicherungen werden mit so hohen Zuschlägen belegt, dass<br />
der einzelne sie nicht bezahlen kann. Deshalb kann eine<br />
Teilprivatisierung des Risikos Krankheit dazu führen, dass Menschen<br />
keinen ausreichenden Versicherungsschutz haben. Das Pendant der<br />
Riester-Rente in der Altersvorsorge ist in der Gesundheitspolitik der<br />
Ausbau und die Stärkung der Prävention.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>greg: </b>Druck<br />
auf Krankenhausbetreiber, aut idem und Reimportarzneimittel etc. führen<br />
zwangsläufig zu einer Zwei-Klassen-Medizin. Da Patienten die sich eine<br />
private Versicherung leisten, können in den Genuss von umfangreicheren<br />
Leistungen kommen. Wie wollen sie bei dieser Entwicklung gegensteuern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Aut idem hat nichts mit Zweiklassenmedizin zu tun, sondern ist ein Weg,<br />
um bei Wirkstoff und wirkungsgleichen Arzneimitteln dafür zu sorgen,<br />
dass das kostengünstigere Produkt verordnet wird, so wie es jeder im<br />
privaten Bereich auch tun würde. Beim Arzneimittel ist der Wirkstoff<br />
entscheidend und nicht der Name des Unternehmers. Wir sorgen durch die<br />
aut idem Regelung dafür, dass Preise abgesenkt werden und damit auch in<br />
Zukunft alle Patienten innovative (in der Regele teure) Medikamente zur<br />
Verfügung stehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Auch Gesundheitspolitik findet nicht im wahlkampffreien Raum statt. Daher:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>messer:</b> Was sagen sie zur Berufung von Herrn Seehofer ins Kompetenzteam von Herrn Stoiber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Das<br />
zeigt, dass die Union da weitermachen will, wo sie 1998 aufgehört hat<br />
und wofür sie abgewählt wurde: immer höhere Beiträge (von 12,3 auf 13,6<br />
Prozent), immer höhere Zuzahlungen (allein im Arzneimittelbereich auf<br />
5,4 Mrd. DM) und gleichzeitig Leistungsstreichungen (Zahnersatz für<br />
Jugendliche, die gesamte Prävention, Kuren, Absenkung des<br />
Krankengeldes).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>franzerl:</b> Frau Schmidt, nennen Sie drei Gründe aus Ihrem Ressort für eine Fortsetzung von Rot-Grün.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
1. Stärkung der Patienten. 2. Verbesserung der Qualität der Versorgung.<br />
3. Wir sind die einzigen, die auch in Zukunft dafür stehen, dass jeder<br />
der krank ist das erhält, was er braucht, um seine Krankheit zu<br />
bekämpfen, was er braucht, um seine Krankheit oder Schmerzen zu<br />
lindern, oder vielleicht auch nur in den letzten Wochen oder Tagen ein<br />
Stück Lebensqualität zu erhalten und das ohne Ansehen seiner Person und<br />
ohne Ansehen dessen, was er an Beiträgen eingezahlt hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>frankenstein: </b>Wird es in Deutschland bald holländische Verhältnisse geben, d.h. Sterbehilfe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Unsere Antwort ist der Ausbau der Angebote in der Palliativmedizin,<br />
Schmerztherapie und aktiver Sterbebegleitung, z.B. durch Förderung der<br />
Hospizarbeit. Ich glaube, dass der Ruf der Menschen nach aktiver<br />
Sterbehilfe immer dann laut wird, wenn sie befürchten, nicht in Würde<br />
sterben zu können. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sie in Würde,<br />
in Begleitung anderer Menschen und nach Möglichkeit ohne Schmerzen<br />
sterben können. Das ist für mich die humanere Perspektive.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dudidu: </b>Wie<br />
wollen Sie verhindern, dass immer mehr Menschen krank durch immer mehr<br />
Arbeitsbelastung werden, denn die Einkommen steigen ja eher nicht &#8211; Sie<br />
contra Herr Eichel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Ich glaube nicht, dass ich da gegen Herrn Eichel sein muss, denn die<br />
Einkommen steigen ja doch in diesem Jahr. Entscheidend ist aber, dass<br />
wir den betrieblichen Gesundheitsschutz und die betriebliche Prävention<br />
stärken. SPD und Grüne haben dies möglich gemacht durch die Aufnahme<br />
der Prävention in den Leistungskatalog der Krankenkassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>LarsH: </b>Die holländischen und Schweizer Gesundheitssysteme sind sehr gut, können wir uns davon nicht etwas abgucken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Man soll immer in einzelnen Fragen auch auf die Gesundheitssysteme der<br />
einzelnen Länder schauen und von positiven Beispielen lernen. Als<br />
Bewohnerin einer Grenzregion zu den Niederlanden weiß ich, dass zur<br />
Zeit große Unzufriedenheit herrscht, weil es Wartelisten gibt und die<br />
Niederländer derzeit mit deutschen Krankenhäusern Versorgungsverträge<br />
abschließen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dudidu:</b> Sind sie für eine Ausweitung des Einsatzes von Cannabis für medizinische Zwecke?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Wohin<br />
wollen Sie das ausweiten. Für medizinische Zwecke wird es gerade in<br />
Modellversuchen erprobt. In die medizinische Versorgung darf nur das,<br />
was nachgewiesenermaßen therapeutisch wirksam eingesetzt werden kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>armin_h:</b> wie ist Ihre Haltung zum Organspendeausweis? Sollte er Pflicht werden, da Organe bekanntermaßen schwer verfügbar sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt: </b>Ich<br />
selber habe einen, und wir müssen mehr dafür tun, dass die Bereitschaft<br />
der Deutschen, Organe zu spenden (immerhin fast 70 Prozent) sich auch<br />
in einer eindeutigen Willenserklärung zur Organspende niederschlägt.<br />
Wir haben in Deutschland lange Zeit diskutiert; die Freiwilligkeit bei<br />
den Organspendeausweisen hat etwas damit zu tun, dass die Entscheidung<br />
jedes einzelnen, die jeder auch nur aus seinem eigenen Glauben, seinen<br />
Wertvorstellungen beantworten kann, bewahrt bleibt. Dieser Respekt vor<br />
der Entscheidung des einzelnen hat es dem Parlament verboten, einen<br />
Zwang zu Organspenden einzuführen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>eins:</b> Dem<br />
sich schon jetzt abzeichnenden Ärztemangel, insbesondere in den neuen<br />
Bundesländern, aber auch in den alten Bundesländern muss unverzüglich<br />
entgegengewirkt werden, um eine drohende Unterversorgung der<br />
Bevölkerung abzuwenden, stimmt das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Im Moment haben wir noch ein Arzt-Patienten-Verhältnis das besser ist<br />
als in allen europäischen Ländern. Trotzdem haben wir strukturelle<br />
Probleme, vor allem in den neuen Bundesländern. Ohne politisches<br />
Handeln könnte es in einigen Jahren zu Problemen kommen. Deshalb haben<br />
wir das Studium attraktiver und praxisnäher gemacht.<br />
Deshalb werden wir den Arzt im Praktikum, der für junge Ärzte kein<br />
Einkommen für ihr Auskommen bietet, abschaffen. Deshalb wollen wir die<br />
Arbeitszeitbedingungen in den Krankenhäusern so verändern, dass neben<br />
der Arbeitszeit auch Zeit für die Familie ist.<br />
Deshalb sind die Krankenhäuser aufgefordert, ihr Hierarchien abzubauen,<br />
damit insgesamt der Arztberuf wieder attraktiver wird, denn wir haben<br />
nicht zu wenig Studienanfänger und -anfängerinnen, sondern zu viele<br />
gehen in andere Berufe oder andere Länder. Das zweite ist, dass wir im<br />
niedergelassenen Bereich Möglichkeiten für junge Ärzte und Ärztinnen<br />
schaffen, sich niederzulassen, ohne sich bis über beide Ohren<br />
verschulden zu müssen. Es war ein kapitaler Fehler, dass das Mitglied<br />
der Stoiberschen Kompetenzteams Horst Seehofer in den neunziger Jahren<br />
die Polikliniken zerschlagen hat, anstatt sie zu Zentren der<br />
integrierten Versorgung auszubauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Zum Abschluss noch zwei Fragen, auf deren Ausgang wir sehr gespannt sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>LarsH:</b> Wahl-ja(hr)? Denken Sie, dass Sie weiterhin als Gesundheitsministerin im Parlament sein werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>armin_h: </b>Frau Schmidt &#8211; Ihr Tipp für das Halbfinalspiel morgen Deutschland:Südkorea?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b> Wenn Sie uns ihre Stimme geben, bin ich dem Ziel schon ein bisschen näher &#8211; und Deutschland gewinnt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chatterinnen und Chatter, leider ist unsere Zeit zu Ende. Es<br />
blieben viele Fragen unbeantwortet. Vielen Dank Frau Schmidt fürs<br />
Kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulla Schmidt:</b><br />
Vielen Dank für die angeregte Debatte. Die Zeit ist wie im Flug<br />
vergangen und ich hoffe wir sehen uns in einigen Monaten wieder: sie in<br />
der bewährten Rolle als Chatter, ich als Gesundheitsministerin.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Wir<br />
würden uns freuen, wenn wir Sie bereits Morgen wieder beim Chat<br />
tacheles.02 begrüßen dürfen &#8211; diesmal mit Bundesfinanzminister Hans<br />
Eichel. Bis Morgen und einen angenehmen Abend noch.</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Hier finden sie ein weiteres Chat-Transcript mit Ulla Schmidt:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/uschmidt.shtml">24. Juli 2001</a></span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwer_eine_drastische_beitragssenkung_fordert_will_die_finanzierung_des_gesundheitswesens_privatis-338/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir halten an der solidarischen Versicherung fest&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwir_halten_an_der_solidarischen_versicherung_festquot-373/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jul 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenversicherung]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> <b>Ulla Schmidt im Chat am 24. Juli 2001</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> <b>Ulla Schmidt im Chat am 24. Juli 2001</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Trotz strahlendem<br />
Sonnenschein und fast 30 Grad in Berlin war der Chatraum voll, als<br />
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sich bei stern.de und<br />
politik-digital den Fragen der Chatter stellte. Das Hauptinteresse galt<br />
der Zukunft der Gesundheitsversorgung: Private oder gesetzliche<br />
Krankenversicherung, das Solidarprinzip und die Beiträge zu den<br />
Krankenkassen waren die Themen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Frau Schmidt vertraut fest darauf, dass eine Gesundeitsreform nur dann erfolgreich<br />
sein kann, wenn sie auf der Solidarität der Menschen aufbaut: <i>&quot;Das Risiko,<br />
krank zu werden, kann jedem jederzeit, z.B. Sie oder mich in dieser Sekunde<br />
treffen, und wir beide wären froh, wenn wir dann die notwendige ärztliche Hilfe<br />
erhalten. Dieses Prinzip will ich erhalten.&quot;</i> Die private Krankenversicherung<br />
könne dagegen keine Lösung sein, da es für die Versicherungen keinen Zwang zur<br />
Versicherung gibt: <i>&quot;Die Privatkassen versichern nur Menschen ohne Vorerkrankungen<br />
oder ohne besondere Risiken zu annehmbaren Preisen.&quot;</i><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Sorgen, dass auf<br />
die private Rentenvorsorge auch die private Gesundheitsvorsorge folge<br />
und daraus ein Zweiklassen-System nach dem Vorbild der USA entstünde,<br />
zerstreute die Gesundheitsministerin: Mit dieser Bundesregierung werde<br />
es eine solche Privatvorsorge nicht geben. <i>&quot;Wir halten auch in Zukunft an der solidarischen Versicherung fest&quot;.</i><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Warum ist es trotz<br />
dieser klaren Zielvorstellung so schwierig, die Gesundheitsreform in<br />
Bundestag und Bundesrat durchzusetzen?, wollte eine Chatterin wissen. <i>&quot;Es gibt sehr viele Einzelinteressen&quot;</i>, so die Gesundheitsministerin, <i>&quot;und es geht um sehr viel Geld. Insgesamt mehr, als der Bundeshaushalt zur Verfügung hat, ca. 500 Milliarden DM.&quot;</i> In direkten Gesprächen komme man mit den Lobbyisten aus Pharmaindustrie und Medizin zwar zu vernünftigen Ergebnissen, <i>&quot;ansonsten<br />
muss jede dieser Lobbygruppen immer wieder laut schreien, damit ihre<br />
Verbandsmitglieder das Gefühl vermittelt bekommen, man setzt sich ein.&quot;</i><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Die Beiträge für die Krankenversicherung möchte Ulla Schmidt stabil halten: <i>&quot;Trotzdem werden verschieden Kassen sie erhöhen, andere werden sie absenken.&quot;</i><br />
Sie wendete sich jedoch dagegen, die Beiträge an das Krankheitsrisiko<br />
anzupassen, also zum Beispiel höhere beiträge für Raucher zu verlangen:<br />
<i>&quot;Ich kann nicht kontrollieren, ob jemand raucht. Er kann als<br />
Nichtraucher aufgenommen werden und anschließend zum Kettenraucher<br />
werden. Da ist niemand, der das überprüfen könnte.&quot;</i> Überprüft wurde<br />
die Ministerin auf ihre politische Verlässlichlichkeit: auf die Frage<br />
nach ihrem Favoriten im Berliner Wahlkampf antwortete Frau Schmidt: <i>&quot;Wowereit, und das ist gut so.&quot;</i><br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> <b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/5150_26932.html#transkript" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
</span> <!-- Content Ende -->  </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><center><br />
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</center></p>
]]></content:encoded>
					
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