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	<title>Ulrich Heide &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Ulrich Heide &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Die Gefahr, dass Heterosexuelle Aids nicht ernst nehmen, besteht tatsächlich&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Nov 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Deutsche AIDS-Stiftung]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><span style="font-size: x-small">Am 
<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Welt-Aids-Tag</span></span>, 1<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. 
Dezember 2006, war Dr. Ulrich Heide, geschäftsführender 
Vorstand der deutschen Aids-Stiftung, zu Gast im tagesschau-Chat in 
Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern 
über Aufklärung, Kampagnen, und die Betreuung der Patienten</span></span></span></b>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><span style="font-size: x-small">Am<br />
<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Welt-Aids-Tag</span></span>, 1<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">.<br />
Dezember 2006, war Dr. Ulrich Heide, geschäftsführender<br />
Vorstand der deutschen Aids-Stiftung, zu Gast im tagesschau-Chat in<br />
Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern<br />
über Aufklärung, Kampagnen, und die Betreuung der Patienten</span></span></span></b>.<!--break--> </p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen<br />
zum tagesschau-Chat am Welt-Aids-Tag. 49.000 Menschen sind in Deutschland<br />
derzeit mit dem HI-Virus infiziert; jeden Tag kommen etwa sieben<br />
neue Fälle dazu. Weltweit steigt die Zahl der HIV-infizierten<br />
teils dramatisch. Was können Politik, Hilfsorganisationen und<br />
die Bürger gegen Aids tun? 60 Minuten wird uns heute Dr. Ulrich<br />
Heide, der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung,<br />
für Fragen im Chat zur Verfügung stehen. Vielen Dank,<br />
Herr Heide, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben<br />
und die Frage nach Bonn: Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Ja gern.
</p>
<p>
<b>gupsi:</b> Ein Freund von mir hat Angst, seinen Eltern<br />
zu erzählen, dass er HIV-infiziert ist. Ich weiß nicht,<br />
wie ich ihm weiterhelfen soll. Was würden Sie ihm für<br />
Tipps geben?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Ich würde ihm empfehlen, zu<br />
einer örtlichen Beratungsstelle zu gehen, also beispielsweise<br />
einer Aids-Hilfe in seinem Wohnort und sich mit dem Berater sehr<br />
konkret auf das Gespräch mit seinen Eltern vorzubereiten. Die<br />
Adressen von Aids-Hilfen und anderen Beratungsstellen sind über<br />
die Homepage der Stiftung www.Aids-stiftung.de auffindbar.
</p>
<p>
<b>norisknofun:</b> So wahnsinnig viele Menschen sterben<br />
doch gar nicht an Aids. Da ist es doch gefährlicher auf einer<br />
Autobahn unterwegs zu sein. Warum wird gerade dieses &quot;Lebensrisiko&quot;<br />
so hoch gehängt?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Erstens gilt die Aussage, dass nicht<br />
so viele Menschen sterben nur für Deutschland und nicht für<br />
die weltweite Situation, denn weltweit werden in diesem Jahr über<br />
drei Millionen Menschen an Aids sterben &#8211; alle elf Sekunden ein<br />
Toter. Für Deutschland rechnen wir in diesem Jahr mit 600 bis<br />
700 Todesfällen durch Aids, weil seit zehn Jahren Medikamente<br />
zur Verfügung stehen, die das Leben Infizierter und Erkrankter<br />
deutlich verlängern können. Die Zahl der Neuinfektionen<br />
mit dem HI-Virus ist in den letzten Jahren bei uns aber deutlich<br />
gestiegen und die Infektion ist ja leicht zu vermeiden, im Wesentlichen<br />
durch Kondomnutzung. Darum ist es wichtig, immer wieder auf diesen<br />
Schutz hinzuweisen, wie im Straßenverkehr auf das Anlegen<br />
des Sicherheitsgurtes.
</p>
<p>
<b>konzentrat:</b> Wieso denkt eine steigende Anzahl<br />
Jugendlicher, Aids spiele für sie keine Rolle?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Dafür gibt es wohl mehrere<br />
Gründe. Der erste Grund: Aids ist in Deutschland nicht zu einer<br />
solchen Katastrophe geworden, wie wir sie in anderen Ländern,<br />
insbesondere in Afrika, sehen. Damit hat die Aufmerksamkeit für<br />
das Thema und das Risiko einer Infektion und Erkrankung deutlich<br />
abgenommen. Zweitens: Viele verwechseln Behandelbarkeit und Lebensverlängerung<br />
durch neue Medikamente mit Heilung oder hoffen, dass der medizinische<br />
Fortschritt in wenigen Jahren eine Heilung ermöglichen wird.<br />
Hierfür gibt es aber keine Anhaltspunkte. Von daher sollte<br />
sich jeder weiterhin in riskanten Situationen, also zum Beispiel<br />
beim Sex außerhalb von langfristigen, festen Partnerschaften,<br />
vor dem Virus schützen. Drittens: In vielen Ländern der<br />
Welt, insbesondere in Afrika, ist Aids zu einer gigantischen gesellschaftlichen<br />
Katastrophe geworden. Das verleitet uns oft dazu, Aids nur noch<br />
als ein Problem der Entwicklungsländer anzusehen.
</p>
<p>
<b>Amadeus:</b> Welche Formen von Aufklärung über<br />
Aids gibt es? Gibt es das schon in der Schule?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Für die Aufklärung von<br />
Jugendlichen und insgesamt der Allgemeinbevölkerung ist in<br />
Deutschland vor allem die Bundeszentrale für gesundheitliche<br />
Aufklärung (BZgA) zuständig. Die Bundeszentrale für<br />
gesundheitliche Aufklärung hat etliche Broschüren für<br />
Jugendliche entwickelt und Materialien für die Arbeit in der<br />
Schule. Diese Informationen können über www.bzga.de abgefragt<br />
oder bestellt werden.
</p>
<p>
<b>HarryPotter:</b> Wie erfolgreich sind die Anti-Aids-Kampagnen<br />
(mit Promis) tatsächlich? Welche Resultate gab es, und was<br />
sind die Ziele für die neue Kampagne &quot;Gemeinsam gegen<br />
Aids&quot;?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Alle Kampagnen haben unterschiedliche<br />
Methoden für unterschiedliche Zielgruppen. Bei den Kampagnen<br />
wie &quot;Gemeinsam gegen Aids&quot; und bei der Arbeit mit Prominenten<br />
geht es uns vor allem darum, überhaupt Öffentlichkeit<br />
für das Thema HIV und Aids herzustellen und damit Aufmerksamkeit<br />
für die weiterhin bestehende Risikosituation zu schaffen. Gleichzeitig<br />
haben die Kampagnen und die Arbeit von Prominenten eine wichtige<br />
Funktion, wenn es um die Verhinderung der Diskriminierung von Menschen<br />
mit HIV und Aids geht. Um wirkliche Verhaltensänderungen wie<br />
die Nutzung von Kondomen in riskierten Situationen zu erreichen,<br />
brauchen wir andere Methoden. Wir setzen aber auch andere Methoden<br />
ein. Vor allem direkte Beratung und das persönliche Gespräch<br />
in Beratungsstellen oder auch durch Streetworker, die z.B. Bars<br />
und Kneipen aufsuchen. Deutschland hat eine der niedrigsten Infektionsraten<br />
weltweit. Beispielsweise ist die Infektionsrate in der Schweiz dreimal<br />
höher, in Italien viermal höher und in Spanien sogar siebenmal<br />
höher als bei uns. Dies belegt, dass die Präventionsarbeit<br />
in Deutschland insgesamt sehr erfolgreich war und ist, auch wenn<br />
es uns Sorge machen muss, dass die Neuinfektionszahlen in den letzten<br />
Jahren steigen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich weiß nicht, ob jemand schon<br />
mal so eine Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgestellt hat, aber man<br />
hat ja häufig den Wunsch, nach schönen klaren Zahlen:
</p>
<p>
<b>Samira:</b> Herr Heide, mal ganz konkret: Wie hoch<br />
ist die Gefahr, wenn ich in einer deutschen Großstadt ausgehe<br />
und mich abschleppen lasse, mich zu infizieren?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Das hängt von sehr unterschiedlichen<br />
Dingen ab. In Deutschland sind es nach wie vor vor allem Männer,<br />
die Sex mit Männern haben, die bedroht sind. Vor allem, weil<br />
innerhalb dieser Gruppe der prozentuale Anteil der Infizierten weit<br />
höher ist als im heterosexuellen Teil der Bevölkerung.<br />
Eine statistisch geringe Wahrscheinlichkeit einer Infektion schützt<br />
im Einzelfall aber natürlich gar nicht und man sieht bei demjenigen,<br />
von dem man sich abschleppen lässt ja auch nicht, welche sexuelle<br />
Vorgeschichte man mit ins Bett nimmt.
</p>
<p>
<b>Andi0110:</b> Gibt es Unterschiede wo man sich in<br />
Deutschland befindet? Nord versus Süd oder Berlin im Vergleich<br />
mit Frankfurt?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Ja, die Mehrzahl der Menschen mit<br />
HIV und Aids leben in den sehr großen Städten. Ca. 50%<br />
aller Betroffenen leben allein in den sechs Großstädten<br />
München, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Hamburg und<br />
Berlin. Oft sind sie aber erst nachdem ihnen die Infektion bekannt<br />
geworden ist in eine der Großstädte gezogen, weil dort<br />
die Beratungssituation und oft auch die medizinische Versorgung<br />
besser ist als auf dem &quot;flachen Land&quot;.
</p>
<p>
<b>Andreas_:</b> HIV wird in der westlichen Welt häufig<br />
immer noch direkt mit Homosexualität in Verbindung gebracht.<br />
Selbst die Ärztekammer schließt Homosexuelle generell<br />
vom Blutspenden aus, statt einfach nur nach häufig wechselnden<br />
Sexualpartnern oder ungeschütztem Verkehr zu fragen. Neben<br />
der Frage der Diskriminierung ist hier möglicherweise auch<br />
die Gefahr zu sehen, dass Heterosexuelle für sich keine Gefahr<br />
sehen. Was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Die Gefahr, dass Heterosexuelle<br />
HIV und Aids nicht ernst nehmen, besteht tatsächlich. Dabei<br />
ist weltweit gesehen HIV eine ganz überwiegend durch heterosexuellen<br />
Verkehr übertragene Infektion. In Afrika sind inzwischen mehr<br />
Frauen als Männer infiziert, aber auch bei uns nimmt die Zahl<br />
der heterosexuellen Übertragungen von HIV zu. Obwohl in Deutschland<br />
tatsächlich die Mehrzahl der Neuinfektionen auf Männer,<br />
die Sex mit Männern haben, entfallen.
</p>
<p>
<b>Drumma:</b> Vor welchen Infektionsmöglichkeiten<br />
sollte ich mich (abgesehen von Sexualkontakten, bin verheiratet)<br />
schützen und wie mache ich das?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Im Wesentlichen wird die HIV-Infektion<br />
durch Blut-zu-Blut-Kontakt wie beispielsweise beim Benutzen nicht<br />
steriler Spritzbestecke weitergegeben. Andere Risiken (neben ungeschützten<br />
Sexualkontakten) bestehen in Deutschland kaum, da seit vielen Jahren<br />
Blut und Blutprodukte auf das Virus kontrolliert werden.
</p>
<p>
<b>micc:</b> Eine Gruppe, unter welcher die HIV-Prävalenz<br />
überdurchschnittlich hoch ist, ist die der Migranten. Was denken<br />
sie, wie kann man diese Gruppe am besten erreichen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Migranten sind in Deutschland genau<br />
wie die deutsche Bevölkerung ja keine heterogene Gruppe. Untersuchungen<br />
zeigen zum Beispiel, dass Migrantinnen und Migranten aus Afrika<br />
besser über HIV und Aids informiert sind als Migranten aus<br />
Osteuropa. Beide Gruppen sind aber schlechter aufgeklärt als<br />
der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Dies müssen<br />
wir dringend ändern. Wir brauchen dazu die Hilfe von Menschen<br />
aus den jeweiligen Migrantengruppen, die einerseits den Zugang haben,<br />
die andererseits aber auch den soziokulturellen Hintergrund kennen<br />
und daher in der Lage sind, Präventionsbotschaften und Informationen<br />
so zu formulieren und weiterzugeben, dass sie akzeptiert werden<br />
können und dadurch wirksam sein können. Die deutsche AIDS-Stiftung<br />
hat zum Beispiel gerade mit einer Gruppe von jugendlichen Migrantinnen<br />
und Migranten aus Afrika einen Präventionsspot für Jugendliche<br />
Migrantinnen und Migranten produziert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zum Thema Osteuropa:
</p>
<p>
<b>Stanislaw:</b> Wie kommt es, dass gerade in Osteuropa<br />
die Zahl der HIV-Neuinfizierten in den letzten Jahren steigt? Was<br />
ist dort anders als in Deutschland? Schlechtere Aufklärung?
</p>
<p>
<b>Ariane:</b> Sehr geehrter Herr Heide, ich befinde<br />
mich im Moment in Litauen und bin doch sehr enttäuscht, dass<br />
es keine gute Aufklärungsarbeit gibt. Viele scheuen sich auch,<br />
Kondome zum Schutz zu kaufen. An dieser Stelle möchte ich Sie<br />
fragen, ob es auch Abkommen oder besser gesagt gemeinsame Projekte<br />
mit den neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gibt?<br />
Vielen Dank!
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Osteuropa und hier vor allem Estland,<br />
die Ukraine und Russland sind die Länder, in denen im Augenblick<br />
weltweit die Neuinfektionszahlen am schnellsten steigen. Es fehlt<br />
und es fehlte vor allem in den zurückliegenden Jahren an der<br />
Bereitschaft der Regierung und der Gesellschaft, offen über<br />
HIV und Aids und die Möglichkeiten, sich zu schützen,<br />
zu informieren. In Osteuropa ist die Bereitschaft gerade der Regierungen<br />
wohl auch deshalb so gering gewesen, weil insbesondere junge männliche<br />
Drogennutzer, die gemeinsam nicht sterile Spritzbestecke benutzt<br />
haben, die Hauptbetroffenengruppe stellen &#8211; und damit neben HIV<br />
und Aids immer auch illegaler Drogenkonsum und zum Teil Kriminalität<br />
angesprochen werden müsste. Die Bundesregierung und die Europäische<br />
Union bemühen sich seit einigen Jahren darum, dass der HIV-Prävention<br />
auch in Osteuropa mehr Aufmerksamkeit beigemessen wird. So wird<br />
im Rahmen der deutschen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr<br />
2007 eine Konferenz der europäische Gesundheitsminister zur<br />
Rolle von Regierungen und Zivilgesellschaft in der HIV/Aids-Prävention<br />
in Bremen stattfinden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wissen Sie, was da beschlossen werden<br />
soll?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Zentrales Thema soll vor allem die<br />
Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Regierung, Selbsthilfe und<br />
Zivilgesellschaft in der Prävention von HIV und Aids sein.<br />
Aus meiner Sicht eine sehr gut gewählte Themenstellung, weil<br />
die relativ guten Erfolge in der Prävention von HIV in Deutschland<br />
maßgeblich auf das langjährige und insgesamt gute Zusammenspiel<br />
von Regierung, Selbsthilfe und Zivilgesellschaft zurückzuführen<br />
sind. Insoweit ist die deutsche AIDS-Politik durchaus vorbildlich<br />
und kann Anregungen für die Arbeit zu diesem Thema in anderen<br />
Ländern leisten.
</p>
<p>
<b>John Doe:</b> Was für großen Aktionen gibt<br />
es im Rest der Welt? Macht Afrika zum Beispiel auch mit?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Aids ist zurzeit die weltweit größte<br />
gesundheitliche Bedrohung. Darum gibt es natürlich und glücklicherweise<br />
in fast allen Ländern Anstrengungen zur Prävention und<br />
zur Hilfe für bereits infizierte und erkrankte Menschen. So<br />
gibt es auch etliche afrikanische Staaten wie beispielsweise Kenia,<br />
Uganda und Ruanda, in denen es aufgrund intensiver Präventionsanstrengungen<br />
gelungen ist, die Neuinfektionsraten gerade bei Jugendlichen zu<br />
senken. Es gibt aber auch andere Länder wie die Republik Südafrika,<br />
in denen die Regierung eine sehr indifferente Haltung zu HIV und<br />
Aids einnimmt. So wird beispielsweise immer wieder von der südafrikanischen<br />
Gesundheitsministerin bezweifelt, dass HIV Aids auslöst und<br />
dass antiretrovirale Medikament helfen. Das führt trotz großer<br />
Anstrengungen von Selbsthilfegruppen und internationalen Organisationen<br />
dazu, dass in Südafrika noch keine entscheidenden Fortschritte<br />
bei der Senkung der Neuinfektionsrate erreicht wurden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Thema Osteuropa noch ein Kommentar<br />
von:
</p>
<p>
<b>micc:</b> Die Deutsche Gesellschaft für Technische<br />
Zusammenarbeit implementiert in den Baltischen Staaten ein angepasstes<br />
deutsches Instrument zur HIV-Prävention. Es ist vor allem an<br />
die dort lebende deutsche Minderheit gerichtet, erreicht aber auch<br />
deren Umfeld. Es gibt also auch gemeinsame Projekte mit Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich weiß nicht, ob dies zu den<br />
Aufgaben eines geschäftsführenden Vorstands der Aidsstiftung<br />
gehört:
</p>
<p>
<b>saldi:</b> Wann waren Sie zum letzten Mal in einer<br />
der Aids-Stationen in Nigeria, Südafrika etc.?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Die deutsche Aids-Stiftung unterstützt<br />
seit sechs Jahren auch Projekte im Ausland, im Augenblick vor allem<br />
im südlichen Afrika in den Ländern Namibia, Südafrika,<br />
Mosambik und Tansania. Ich selbst war vor zwei Jahren in Tansania<br />
und Südafrika. Mein Vorstandskollege vor einem Jahr in Namibia<br />
und ich werde voraussichtlich Anfang nächsten Jahres nach Mosambik<br />
und Tansania fahren. Wir versuchen, die Kommunikation mit den von<br />
uns geförderten Projekten im Ausland zwar nicht nur über<br />
zeit- und auch kostenintensive Reisen sicherzustellen. Aber es ist<br />
trotzdem sehr wichtig, immer wieder auch den persönlichen Kontakt<br />
und die persönliche Anschauung von der Entwicklung der Projekte<br />
zu haben.
</p>
<p>
<b>pandora:</b> Arbeiten Sie auch mit den (katholischen)<br />
Kirchen zusammen und wenn ja: Wie muss man sich das vorstellen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein weiterer User fragt dazu nach Ihrer<br />
Einschätzung, wenn der Papst das Kondomverbot lockert. Was<br />
würde das Ihrer Ansicht nach für die AIDS-Aufklärung<br />
und die Kampagnen vor allem in den katholischen Ländern bedeuten?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Wir arbeiten mit kirchlichen Einrichtungen<br />
in Namibia, Südafrika und Mosambik zusammen. Unsere Erfahrung<br />
zeigt, dass die Gemeinden an der Basis auf Grund ihrer Erfahrung<br />
und aufgrund der Größe des Problems sich längst<br />
von bestimmten Vorstellungen des Vatikans verabschiedet haben. Selbstverständlich<br />
informieren auch von katholischen Gemeinden getragene Projekte über<br />
die Nutzung von Kondomen. Teilweise stellen sie sie sogar zur Verfügung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Fragen stellvertretend für<br />
viele mehr zum Thema Bekämpfung der Erkrankung selbst:
</p>
<p>
<b>Schnuffelino:</b> Wie weit ist die Wissenschaft? Wann<br />
gibt es Ihrer Schätzung nach so etwas wie einen Impfstoff oder<br />
ein Gegenmittel?
</p>
<p>
<b>stefanscheerer:</b> Mich würde mal interessieren,<br />
wie der Stand der Forschung/Entwicklung von Medikamenten derzeit<br />
ist. Man liest/hört immer, dass geforscht wird. Gibt es greifbare<br />
Ergebnisse?
</p>
<p>
<b>hans84:</b> Wie weit ist eigentlich der Forschungsstand<br />
in Sachen Aids-Bekämpfung? und wie sieht es mit staatlicher/nichtsstaatlicher<br />
Unterstützung zur Aids-Forschung aus?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Im Bereich der Entwicklung neuer<br />
Medikamente gibt es laufend Fortschritte, die aber auch dringend<br />
nötig sind, um mit den Mutationen des Virus und der Resistenzbildung<br />
Schritt zu halten. Ohne diese Fortschritte stünden die Therapieerfolge<br />
der letzten 10 Jahre sofort in Frage. Es gibt aber bisher keine<br />
große Wahrscheinlichkeit auf eine Heilung von Aids in einem<br />
überschaubaren Zeitraum. Ein weiteres großes Thema für<br />
die Forschung ist die Entwicklung eines Impfstoffes &#8211; aus meiner<br />
Sicht die einzige Option, um Aids tatsächlich mittelfristig<br />
weltweit deutlich zurückzudrängen oder günstigstenfalls<br />
zu besiegen.
</p>
<p>
Seit einigen Jahren wird weltweit intensiver nach Impfstoffen gesucht.<br />
Es besteht aber kaum eine realistische Hoffnung, in den nächsten<br />
zehn bis zwölf Jahren einen wirksamen und marktfähigen<br />
Impfstoff zur Verfügung zu haben. Gleichwohl muss intensiv<br />
geforscht werden. Denn ohne Forschung hätten wir auch in 15<br />
Jahren nicht die Chance auf eine wirksame Substanz. Bei der Entwicklung<br />
von Impfstoffen fehlt es bislang an einer Unterstützung der<br />
Bundesregierung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die User fragen: Hilft schocken, statt<br />
aufklären?
</p>
<p>
<b>AngelOfLove:</b> Viele junge Menschen in Deutschland<br />
haben keine Sensibilität für die Krankheit Aids. In Großbritannien<br />
gibt es eine tolle Kampagne durch Fernsehspots, die grade die Jugend<br />
ansprechen. Warum nicht auch in Deutschland? Die Fernsehspots finde<br />
ich eher langweilig. Bringen Schocker im Fernsehen noch etwas?
</p>
<p>
<b>Richard5:</b> Sehr geehrter Herr Dr. Heide, ich bin<br />
in der Versicherungsbranche tätig und würde als ein neues<br />
Gegen-Aids-Konzept das Prinzip der Angst vorschlagen, weil es sehr<br />
effektiv ist. Ich selbst verhüte immer mit Kondom und spreche<br />
offen über das Thema. Jedoch denke ich, dass man mehr Menschen<br />
erreichen kann, wenn man ihnen vor Augen führt, was mit ihnen<br />
passiert, sollten sie sich anstecken. Versicherungen werden effektiv<br />
mit Angstmache verkauft.
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Sehr viele Untersuchungen haben<br />
gezeigt und zeigen weiterhin, dass Angst nur kurzfristig wirksam<br />
ist. Es geht aber bei der HIV-Prävention um eine mittel- und<br />
langfristig stabile Verhaltensänderung, nämlich um die<br />
ständige Nutzung von Kondomen in riskanten Situationen. Und<br />
hier wirkt Angst nicht. Sondern nur eine durch sachliche Information<br />
erzielte stabile Haltung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum vieldiskutierten Thema:<br />
Wer bezahlt die Aids-Bekämpfung in Afrika:
</p>
<p>
<b>Hans FR:</b> Das hört sich toll an! Leider können<br />
sich fast keine Menschen in Afrika diese Medikamente leisten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müssen sich die westlichen Länder<br />
mehr engagieren?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Das Hauptproblem bei der dringend<br />
notwendigen Ausweitung von Therapieprogrammen in Afrika (bislang<br />
haben nur ca. 15 Prozent der Menschen, die behandelt werden müssten,<br />
in Afrika Zugang zu Therapien) ist im Augenblick nicht so sehr der<br />
Preis der Medikamente. Denn einerseits stellen viele Pharmaunternehmen<br />
Produkte für die Entwicklungsländer kostenfrei oder zu<br />
extrem abgesenkten Preisen zur Verfügung, andererseits haben<br />
fast alle großen Hersteller Lizenzen für die Generikaherstellung<br />
erteilt. Somit stehen Medikamente in Afrika zu Preisen zur Verfügung,<br />
die zwar nicht direkt von den Menschen bezahlt werden könnten,<br />
die im Rahmen internationaler Hilfsprogramme &#8211; vor allem durch den<br />
Global Fund &#8211; aber bezahlbar sind. Das Hauptproblem bei der Ausweitung<br />
dieser Programme ist im Moment die schlechte Infrastruktur und vor<br />
allem der Mangel an ausgebildetem Personal (Ärzte und Pflegekräfte).
</p>
<p>
<b>Schnuffelino:</b> Wenn Sie in Ihrer Position drei<br />
Wünsche frei hätten, welche wären das?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Weltweit eine offene und intensive<br />
Informationsarbeit über die Gefahren von HIV und Aids und die<br />
Möglichkeit, sich vor diesen Gefahren zu schützen. Weltweit<br />
die Verhinderung der Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen<br />
mit HIV und Aids und weltweit den Zugang zu qualitativ guten Therapieprogrammen<br />
für alle Infizierten und Erkrankten, die der Medikation bedürfen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unserer tagesschau-Chat bei<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Vielen Dank für Interesse<br />
und vielen Dank an Herrn Dr. Heide. Das Protokoll des Chats ist<br />
in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht<br />
noch einen schönen Tag und ein schönes erstes Adventswochenende.
</p>
<p><b>Ulrich Heide:</b> Ich bedanke mich für Ihr Interesse<br />
und wünsche ebenfalls ein schönes Wochenende. Für<br />
weitere Informationen empfehle ich die Homepage der deutschen AIDS-Stiftung<br />
www.Aids-stiftung.de.</p>
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