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	<title>Umweltpolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Umweltpolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>InfoMonitor Dezember 2009: Top-Nachrichtenthema im Dezember: Klimagipfel in Kopenhagen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jan 2010 09:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Klimagipfel]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichtenthemen]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsthemen]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Dezember führten die Klimapolitik und der Weltklimagipfel in Kopenhagen die Liste der Topthemen in den deutschen Fernsehnachrichten an, wie aus dem aktuellen InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, hervorgeht.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Dezember führten die Klimapolitik und der Weltklimagipfel in Kopenhagen die Liste der Topthemen in den deutschen Fernsehnachrichten an, wie aus dem aktuellen InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, hervorgeht.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Insgesamt 152 Minuten berichteten die vier Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 über dieses Thema. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Themen Weihnachten (128 Minuten) und Winterwetter/Verkehrschaos (90 Minuten). Weitere Themen unter den Top-10 waren: Diskussion um Flugsicherheit und so genannte Nacktscanner, Streit um den Luftangriff in Afghanistan, Debatte um die Steuerpolitik und das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Proteste im Iran, Lage in Afghanistan, Comeback von Rennfahrer Michael Schumacher sowie Gedenken an die Opfer des Tsunami von 2004.
</p>
<p>
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/top10-themen_in-tv_6.jpg" alt="Top-10-Themen" title="Top-10-Themen" height="397" width="468" />
</p>
<p>
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
Auffällig ist, das mehr als die Hälfte der Berichterstattung über das Weihnachtsthema allein auf die Sendung &quot;RTL aktuell&quot; entfiel. Auch das Winterwetter mit dem üblichen Verkehrschaos wurde hauptsächlich von RTL und Sat.1 thematisiert. Das Comeback von Michael Schumacher war vor allem für RTL ein Topthema. Themen, über die &quot;Tagesschau&quot; und &quot;heute&quot; im Dezember deutlich mehr berichteten als die privaten Nachrichten, waren unter anderem der Nato-Luftangriff in Afghanistan und der Steuerstreit.
</p>
<p>
Die Nachrichtenmagazine „Tagesthemen“ und &quot;heute-journal&quot; berichteten im Dezember erheblich umfangreicher als die anderen Nachrichtensendungen über die Lage in Afghanistan (jeweils Rang 2 hinter der Klimapolitik). Das „heute-journal“ befasste sich außerdem intensiv mit dem Steuerstreit zwischen Bund und Ländern, die &quot;Tagesthemen&quot; mit den Protesten im Iran.
</p>
<p>
<b><br />
CDU baut Vorsprung bei  Politikerauftritten in den Nachrichten aus</b>
</p>
<p>
Die CDU konnte im Dezember ihren Vorsprung bei der Anzahl der Auftritte ihrer Politiker in den Fernsehnachrichten nochmals deutlich gegenüber der SPD ausbauen. 401 Auftritte konnte die CDU insgesamt verbuchen, die SPD dagegen nur 155. Relativ knapp dahinter lagen bereits die CSU mit 126 Auftritten und die FDP mit 121 Auftritten. Die Linke und die Grünen waren 47-mal bzw. 44-mal in den Nachrichten vertreten.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/parteienpraesenz-in-tv_4.jpg" alt="Praesenz der Parteien bei Politikerauftritten" title="Parteienpraesenz" height="355" width="468" />
</p>
<p>
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Insgesamt 901 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder O-Ton).<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
Afghanistan, die Klimapolitik und die Steuerdiskussion sorgten im Dezember dafür, dass sich die Bundesminister zu Guttenberg (70 Auftritte), Röttgen (42 Auftritte) und Schäuble (36 Auftritte) ganz oben auf der Liste der am häufigsten in den Fernsehnachrichten präsenten deutschen Politiker etablieren konnten. Angeführt wird die Topliste jedoch unangefochten von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die 132-mal in den Fernsehnachrichten präsent war. Diese Mal konnten sich auch die Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (10 Auftritte) und Gerhard Schröder (9 Auftritte) unter den Top-20 platzieren.
</p>
<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/top20-politikerpraesenz_dezember_2009.jpg" alt="Top-20-Politikerpräsenz" title="Top-20-Politikerpräsenz" height="558" width="468" /></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Insgesamt 901 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder O-Ton).<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
<b>Klimaschutz führt zu hohem Anteil für Wissenschaftsthemen</b>
</p>
<p>
Alle sechs untersuchten Sendungen wiesen im Dezember einen niedrigeren Anteil an Politikthemen auf als im Vormonat. Dies erklärt sich zum großen Teil durch die Berichterstattung über den Klimaschutz im Zusammenhang mit dem Weltklimagipfel, die zu außergewöhnlich hohen Anteilen für die Themenkategorie Wissenschaft/Kultur führte, sowie durch die üblichen Weihnachts- und Winterthemen. Die &quot;Tagesschau&quot; kam auf 45 Prozent Politikanteil (entspricht 7 Minuten pro Ausgabe), &quot;heute&quot; auf 33 Prozent (6 Minuten), &quot;Tagesthemen&quot; auf 36 Prozent (10 Minuten) und &quot;heute-journal&quot; auf 33 Prozent (9 Minuten). Die privaten Nachrichtensendungen lagen deutlich darunter mit 24 Prozent (3 Minuten) für die &quot;Sat.1 Nachrichten&quot; und 16 Prozent (3 Minuten) für &quot;RTL aktuell&quot;.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/themenstruktur-in-prozent_3.jpg" alt="Klimaschutz führt zu hohem Anteil für Wissenschaftsthemen" title="Themenstruktur Klimaschutz" height="506" width="468" />
</p>
<p>
<i><br />
Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/themenstruktur-in-min_6.jpg" alt="Themenstruktur in TV-Nachrichten" title="Themenstruktur in TV-Nachrichten" height="532" width="468" />
</p>
<p>
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Deutsch muss die erste Sprache sein&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/deutsch-muss-die-erste-sprache-sein-4162/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2008 16:08:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Cem Özdemir]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[Cem Özdemir war am 26. November zu Gast im tagesschau-Chat, in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der Grünen-Parteivorsitzende bezog klar Stellung zur Bonusmeilen-Affäre, einer Zusammenarbeit mit der CDU auf Bundesebene und Türkisch-Unterricht in Schulen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Cem Özdemir war am 26. November zu Gast im tagesschau-Chat, in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der Grünen-Parteivorsitzende bezog klar Stellung zur Bonusmeilen-Affäre, einer Zusammenarbeit mit der CDU auf Bundesebene und Türkisch-Unterricht in Schulen.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Herzlich willkommen beim<br />
tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Mein Name ist Corinna<br />
Emundts. Zu Gast heute ist der frischgewählte Parteivorsitzende der<br />
Grünen, Cem Özdemir. Herzlich willkommen auch an Sie, Herr Özdemir<br />
&#8211; und danke, dass Sie sich Zeit genommen haben, hierher zu kommen!<br />
Können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Absolut, danke für den<br />
freundlichen Empfang!
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Vor nicht allzu langer Zeit haben<br />
Sie gesagt, Sie trauten sich das Amt des Grünen-Parteivorsitzenden<br />
nicht zu. Was führte zu dem Sinneswandel?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Das Amt des Parteivorsitzenden<br />
generell, aber im Besonderen bei mir in der Partei, ist ein sehr<br />
Anspruchsvolles und es will gut überlegt sein. Und ich habe es mir<br />
gut überlegt und mich dann entschlossen, dass ich Parteivorsitzender<br />
werden möchte. Nachdem für mich auch klar war, dass sich das mit<br />
meinen Pflichten als Vater vereinbaren lässt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das sagt einer der Partei, die lange<br />
schon für Vereinbarkeit von Familie und Beruf kämpft?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Anspruch und Wirklichkeit klaffen<br />
bei jemandem mit einer 70-Stunden-Woche gelegentlich auseinander.<br />
Umso wichtiger ist es, dass man vorher gut plant und es sich vor<br />
allem gründlich überlegt. Ich gehöre zu einer Generation, die<br />
beides zusammenbringen möchte. Beide Elternteile berufstätig und<br />
dennoch mit dem Anspruch, genug Zeit für sich und für das Kind zu<br />
haben. Im Grunde bin ich doch sogar eigentlich privilegiert im<br />
Verhältnis zu vielen anderen in der Gesellschaft, da ich<br />
beispielsweise morgens meine Tochter selber in den Kindergarten<br />
bringen und anschließend zur Arbeit gehen kann. Viele Menschen haben<br />
eine solche Möglichkeit nicht, weil es entweder von der Arbeitszeit<br />
her nicht geht oder die entsprechende Kinderbetreuungseinrichtung<br />
fehlt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Im Prechat wurde häufig für die<br />
Frage gestimmt, warum Sie nach der Bonusmeilenaffäre wieder auf die<br />
politische Bühne gegangen sind?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Die Logik kann, glaube ich, nicht<br />
so funktionieren, dass derjenige, der Verantwortung übernimmt,<br />
lebenslänglich bekommt und derjenige, der auf Durchzug schaltet,<br />
sich damit zu Höherem berufen zeigt. Zumindest wäre dies nicht<br />
meine Logik. Ansonsten ist es aber so, dass ich nach 2002 ernsthafter<br />
aus der Parteipolitik schon draußen war und auch nicht so schnell<br />
vorhatte, wieder aus den USA zurückzukehren. Reinhard Bütikofer und<br />
Daniel Cohn-Bendit, die ich bei ihren USA-Reisen getroffen habe,<br />
haben mich aber überzeugt, für das Europa-Parlament 2004 zu<br />
kandidieren.
</p>
<p>
<b>IK:</b> Befürchten Sie nicht ein<br />
Glaubwürdigkeitsproblem nach der versäumten Steuerpflicht, der<br />
Hunzigeraffäre und dem Bonusmeilenskandal? Alles vergeben und<br />
vergessen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich habe meine Steuerpflicht nicht<br />
versäumt &#8211; sondern erfüllt. Und in Sachen Hunzinger meinte der in<br />
dieser Frage wohl eher unverdächtige Hans-Christian Ströbele, zum<br />
Zeitpunkt der Aufnahme des Darlehens hätte er mir auch nicht davon<br />
abraten können. Bei den Bonusmeilen habe ich private und dienstliche<br />
nicht geteilt, so wie viele andere auch, und dies nicht aus<br />
Böswilligkeit, sondern weil ich davon ausging, dass ich genug privat<br />
erworbene Meilen habe. Für all dieses habe ich Verantwortung<br />
übernommen, indem ich &#8211; wie angekündigt &#8211; das Mandat nicht<br />
angenommen habe, nachdem ich für den Bundestag wiedergewählt worden<br />
war. Dies gibt mir jetzt allerdings auch die Möglichkeit, an dem<br />
gemessen zu werden, was ich zuvor gemacht habe und vor allem aber,<br />
was ich seither mache. Man wird verstehen, dass ich doppelte<br />
Standards nicht akzeptiere, auch in dieser Frage nicht. Dass es immer<br />
wieder welche geben wird, die mir Fragen stellen, die sie anderen<br />
nicht stellen, ist mir nicht ganz unvertraut.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Wieso?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Es hat sich auch nicht jeder<br />
darüber gefreut, dass jemand wie ich da ist, wo er heute ist.
</p>
<p>
<b>Dennis:</b> Auf die Landesliste wollte man Sie nicht<br />
wählen. Warum glauben Sie, dass Ihnen die Partei als Vorsitzender<br />
folgen wird?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Weil diejenigen, die mich auf die<br />
Landesliste in Baden-Württemberg nicht gewählt haben, mir auch dort<br />
schon gesagt haben, dass sie mich als Bundesvorsitzenden wollen. Und<br />
das Ergebnis auf dem Bundesparteitag, das für grüne Verhältnisse<br />
(bei uns gibt es keine 90-Prozent-Ergebnisse für Vorsitzende) sehr<br />
gut war, zeigt, wie breit die Unterstützung in der Partei ist. Die<br />
Landespartei in Baden-Württemberg tut sich traditionell schwer mit<br />
der Vereinbarkeit von Amt und Mandat. Dies muss man verstehen vor dem<br />
Hintergrund unserer Tradition: Traditionell wollen viele bei uns<br />
vermeiden, dass Einzelne in der Führung zu viele Aufgaben und zu<br />
viel Macht in einer Person konzentrieren.
</p>
<p>
<b>Alessandra:</b> Lieber Cem! Was hast du in deiner<br />
Zeit im europäischen Ausland gelernt und wie wirkt sich diese<br />
Erfahrung nun auf dein politisches Engagement aus?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>In einem Parlament mit 27<br />
Mitgliedsländern bleibt es nicht aus, dass man viel lernt über die<br />
Hintergründe der anderen Kollegen. Um nur ein Beispiel zu nennen:<br />
Die Länder, die diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs waren,<br />
haben beispielsweise oft einen ganz anderen Zugang zum Verhältnis zu<br />
Russland. Spannend für mich ist auch, dass das Europäische<br />
Parlament im Gegensatz zu nationalen Parlamenten nicht über einen<br />
strengen Fraktionszwang verfügt. Das heißt, bei uns suchen sich die<br />
Themen ihre Mehrheiten. Für den einzelnen Abgeordneten bedeutet das,<br />
dass er mal mit konservativen Kollegen und mal mit Kollegen von der<br />
Linkspartei bei bestimmten Themen zusammenarbeitet. Etwas von dieser<br />
Flexibilität und Offenheit in den etwas robusteren Alltag von Berlin<br />
rüberzuretten, würde ich gerne versuchen. Was sicherlich bleiben<br />
wird, ist meine Begeisterung für Europa.
</p>
<p>
<b>pp:</b> Cem, was muss geschehen, damit Dein<br />
Migrationshintergund nicht mehr im Vordergrund steht, sondern die<br />
politischen Inhalte, für die Du stehst?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Nicht ohne Grund habe ich in meiner<br />
Rede auf dem Bundesparteitag in Erfurt das Thema &quot;Migration&quot;<br />
mit keinem Wort erwähnt, sondern, als es beispielsweise um das Thema<br />
&quot;Bildung&quot; ging, von Arbeiterkindern gesprochen. Denn<br />
schließlich haben deutsche Arbeiterkinder keine grundlegend anderen<br />
Probleme als türkischstämmige Arbeiterkinder, die an den<br />
unsichtbaren Mauern des deutschen Schulsystems &#8211; das genau diese<br />
soziale Schicht systematisch von höheren Schulen und damit von<br />
Zugang zu den Universitäten ausschließt &#8211; scheitern. Mein Wunsch<br />
ist, dass wir eines Tages in einer farbenblinden Gesellschaft leben.<br />
Dass die Menschen nicht danach beurteilt werden, welcher<br />
Religionsgemeinschaft sie angehören oder wo ihre Vorfahren<br />
herkommen, sondern danach, was sie zu sagen haben und was sie machen.<br />
Dies wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Da würde ich gerne nachhaken: Wieso<br />
haben Sie dann gleich quasi als erste Amtshandung das &quot;Türkisch<br />
in der Schule&quot;-Thema in der &quot;Bild&quot;-Zeitung gespielt?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Meine Ansage war doch eigentlich<br />
sehr klar: Deutsch muss die erste Sprache sein und wenn neben<br />
Englisch, Französisch, Russisch und anderen Sprachen, die bei uns<br />
angeboten werden, auch Türkisch als weiteres Fach angeboten wird,<br />
kann dies der Gesellschaft eigentlich nur gut tun. Nochmal: Grundlage<br />
sind gute Deutschkenntnisse für alle. Dies gilt auch für den<br />
Schwaben Cem Özdemir, der schließlich auch Hochdeutsch lernen<br />
musste. Spannend ist allerdings, was die Zeitungen und vor allem<br />
Agenturen aus dem, was ich gesagt habe, gemacht haben. Dies fängt<br />
schon bei der Überschrift der Bild-Zeitung an und hört bei den<br />
Reaktionen noch nicht auf. Es zeigt mir eigentlich nur, dass man<br />
künftig bei der PISA-Studie nicht mehr nur 15-Jährige, sondern auch<br />
den Berufsstand der Politiker und möglicherweise auch der<br />
Hauptstadtjournalisten und vor allem derjenigen, die Agenturmeldungen<br />
machen, mit einbeziehen sollte. Ich bin mir allerdings nicht ganz<br />
sicher, ob die möglichen Resultate so wären, wie wir uns das alle<br />
wünschen.
</p>
<p>
<b>Simon:</b> Sehr geehrter Herr Özdemir, welches Motiv<br />
vermuten Sie hat die &quot;Bild&quot;, dass sie so gegen Sie wettert?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Ich würde nicht sagen dass die<br />
&quot;Bild&quot; gegen mich wettert, denn in der Reaktion am nächsten<br />
Tag wurde ja auch wiedergegeben, dass es unterschiedliche<br />
Rückmeldungen gab. Die Bild ist die Bild und die Bild will sich<br />
verkaufen und braucht dafür eine gute Schlagzeile. Und wenn ich sie<br />
nicht liefere, dann muss man eben etwas zuspitzen. Viel<br />
bemerkenswerter ist, dass seriöse Medien, die dieses eigentlich<br />
wissen sollten, ausschließlich die Überschrift zitieren und damit<br />
eine virtuelle Debatte entfachen, zu der sich dann wiederum virtuelle<br />
Politiker äußern und so weiter. Eigentlich sollte der Ernst der<br />
PISA-Studie und ihre Ergebnisse dazu führen, dass man an ein solches<br />
Thema mit etwas mehr Tiefgang herangeht. Aber vielleicht hat meine<br />
Erwartungshaltung auch damit zu tun, dass ich noch immer etwas von<br />
dem Stil in Brüssel &quot;verdorben&quot; bin.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Die folgende Frage an Sie ist<br />
zugleich eine, die viele User vorab für besonders wichtig bewertet<br />
haben.
</p>
<p>
<b>Nichttürkischer Ausländer:</b> Finden Sie nicht,<br />
dass der Türkischunterricht an deutschen Schulen zu einer<br />
Zweiklassen-Ausländerschaft führt? Warum sind Sie für Sonderrechte<br />
für Türken? Warum missachten Sie die anderen Kulturen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Es ist immer schwierig, Positionen<br />
zu verteidigen, die man nie vertreten hat. Dies meine ich mit<br />
virtuellen Diskussionen. Ich setze mich dafür ein, dass neben der<br />
deutschen Amtssprache und den wichtigsten Fremdsprachen auch andere<br />
Sprachen in unserer Gesellschaft unterrichtet werden, wo immer es<br />
entsprechende Nachfrage gibt. Dies bedeutet für meine Tochter<br />
beispielsweise, dass sie auf einen spanisch-deutschen Kindergarten<br />
geht, weil ihre Mutter Argentinierin ist. Für andere mag es<br />
bedeuten, dass sie neben Deutsch auch Kurdisch, Arabisch, Persisch<br />
oder was auch immer lernen. Es gibt ein schönes anatolisches<br />
Sprichwort, das heißt: Eine neue Sprache ist wie ein neuer Mensch.<br />
Dem kann ich nicht viel hinzufügen außer der Verwunderung darüber,<br />
wie schwer man sich in Deutschland mit der Mehrsprachigkeit tut.
</p>
<p>
<b>banjo:</b> Zudem ist ein Zweitsprachenerwerb<br />
erwiesenermaßen nur dann möglich, wenn die Muttersprache<br />
ausreichend beherrscht wird. Erst dann kann auf dieser aufgebaut<br />
werden. Warum wird so wenig auf dieser Grundlage diskutiert? Ich<br />
begrüße Ihre Wahl. Mit welchen Konzepten wollen Sie die Integration<br />
in unserer Gesellschaft voranbringen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Es ist nicht zwingend so, dass man<br />
erst die Muttersprache gelernt haben muss. Wichtig ist vor allem,<br />
dass man eine Sprache richtig gut lernt. Die Eltern sollten die<br />
Sprache vermitteln, die sie am besten können. Deshalb ist es auch<br />
Quatsch, wenn einige &quot;Experten&quot; sagen, die Eltern sollen in<br />
jedem Fall deutsch mit ihren Kindern sprechen. Wenn es fehlerhaftes<br />
Deutsch ist, versündigt man sich an den Kindern eher.
</p>
<p>
<b>mahdi1:</b> Guten Tag, Cem Özdemir. Ich möchte Sie<br />
fragen, was Sie für Muslime in Deutschland tun werden, um deren<br />
Rechte zu stärken und dafür zu sorgen, dass trotz einer Integration<br />
(die sein muss), der Islam trotzdem ausgelebt werden kann? Ich wäre<br />
sehr dankbar für Ihre Antwort.
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Ich mache keine spezielle Politik<br />
für eine Religion. Der Islam und damit auch die Muslime sind Teil<br />
unserer Gesellschaft. Dazu gehört auch der Bau von Moscheen und<br />
damit der Abschied von den Hinterhöfen. Oder das Thema<br />
Religionsunterricht: Es ist mir schließlich lieber, wenn hier<br />
ausgebildete Religionslehrer in Deutsch muslimische Kinder<br />
unterrichten und nicht irgendwelche radikalen Prediger.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Ich bitte um Verständnis, dass wir<br />
nun von den politischen Fragen zu den Grünen wechseln, dazu sind<br />
hier live in diesen Minuten bereits sehr viele Fragen eingetroffen.
</p>
<p>
<b>Laurens:</b> Ich habe große Sorge, dass Sie eines<br />
der Kernthemen der Grünen, den Umweltschutz und insbesondere den<br />
Klimaschutz, unter den Tisch fallen lassen oder auf Kuschelkurs mit<br />
der halbherzigen Unionspolitik gehen. Warum widmen Sie diesen<br />
wichtigen Themen so wenig Aufmerksamkeit?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Wie kommen Sie darauf, dass ich dem<br />
Thema wenig Aufmerksamkeit widmen würde? Es ist praktisch in jeder<br />
Rede Kernbestandteil und einen Kuschelkurs mit der Union kann ich bei<br />
bestem Willen nicht erkennen. Sie müssten dies schon belegen. Die<br />
Grünen haben eine sehr klare Position in Sachen Atomausstieg und die<br />
Union muss wissen, dass es da nichts zu verhandeln gibt. Und auch der<br />
Bau neuer Kohlekraftwerke zusätzlich zu den bereits bestehenden und<br />
in Bau befindlichen ist mit uns nicht zu machen.
</p>
<p>
<br />
<b>Moderatorin:</b> Bei folgender sehr umfassenden<br />
Frage bitte ich um eine KURZE Antwort im Interesse aller anderen noch<br />
Fragenden!
</p>
<p>
<b>Peter Klaus:</b> Was sind Ihre Ziele für den<br />
Bundestagswahlkampf 2009 und mit wem wollen Sie eine Koalition<br />
eingehen und warum gerade mit diesem?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich kann verstehen, dass viele die<br />
Koalitionsfrage interessiert. Mich interessiert aber vor allem, dass<br />
die Grünen gestärkt in diese Wahlauseinandersetzungen gehen und<br />
gute Ergebnisse einfahren. Über Koalitionen wird nicht entlang<br />
arithmetischer Mehrheiten entschieden, sondern es geht hier um<br />
Inhalte. Und zwar grüne Inhalte. Und dann schauen wir, mit wem wir<br />
sie am besten umsetzen können.
</p>
<p>
<b>Laurens:</b> Auf ihrer Homepage ist das Thema kaum<br />
erwähnt.
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Es ist die Homepage des<br />
Europa-Abgeordneten Cem Özdemir und sie gibt insofern die Arbeit des<br />
Europa-Abgeordneten Cem Özdemir wieder und Cem Özdemir ist im<br />
Europa-Parlament außenpolitischer Sprecher der Grünen. Wenn Sie<br />
aber schauen, es findet sich auch auf meiner Website, welche<br />
Interviews ich im letzten halben Jahr zu welchen Themen gegeben habe.<br />
Dann ist es glaube ich sehr eindeutig, oder?
</p>
<p>
<b>kayboard:</b> Sehr geehrter Herr Özdemir, ich würde<br />
gerne weg von der Nationalitätenfrage und wechseln zu einem Thema,<br />
welches sehr präsent ist: Politikverdrossenheit der Wähler,<br />
Rezession. Überzeugen Sie mich bitte in wenigen Worten, warum ich<br />
Ihre Partei als voraussichtlicher Koalitionspartner der CDU bei der<br />
nächsten Bundestagswahl wählen soll?
</p>
<p>
<b>Fr. Vogt:</b> Mit welcher Koalitionsaussage gehen Sie<br />
in die Bundestagswahl 2009? Ich gehe nämlich davon aus, dass, wenn<br />
Sie sich mit der Union zusammentun würden, immer weniger Bürger die<br />
Grünen wählen würden. Auch in Hamburg haben Sie damit viele<br />
Stimmen verloren. Sehr viele ehemals links-alternative Wählerinnen<br />
und Wähler wandern ab zur Linkspartei. Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich sehe nicht, dass wir<br />
Koalitionspartner der Union werden sollen. So wie Frau Merkel sich<br />
gegenwärtig von ihren hehren Zielen des Klimaschutzes verabschiedet<br />
hat und bedauerlicherweise mit Umweltminister Gabriel zusammen in<br />
Brüssel jede Art von Fortschritt in Sachen &quot;Reduzierung des<br />
CO2-Ausstoßes im Automobilverkehr&quot; verhindert, geht da nicht<br />
sehr viel mit uns. Wer sich gegen ein Tempolimit wendet und eine<br />
CO2-basierte-Kfz-Steuer nicht einführt, meint es nicht ernst mit dem<br />
Klimaschutz. Ich hoffe, dies war klar genug. In Hamburg geht es um<br />
eine Landeskoalition und Landeskoalitionen werden bei uns von den<br />
Landesverbänden entschieden und die grüne Handschrift ist dort klar<br />
zu erkennen.
</p>
<p>
<b>Sealand:</b> Sehr geehrter Herr Özdemir, wie<br />
beurteilen Sie die Situation der Grünen in Hessen in Hinblick auf<br />
die anstehenden Neuwahlen?
</p>
<p>
<b>Spiegelturm:</b> Welche Lehren ziehen Sie aus den<br />
Vorgängen in Hessen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Ich ärgere mich über den<br />
Ypsilanti-Walter-Chaosladen, der das Projekt &quot;Eine Mehrheit<br />
jenseits von Roland Koch&quot; an die Wand gefahren hat. Jetzt ist<br />
aber auch klar, worum es in Hessen geht. Wer möchte, dass derjenige,<br />
der Minderheiten in früheren Wahlkämpfen stigmatisiert hat und<br />
Umweltschutz für einen Standortnachteil für die hessische<br />
Wirtschaft hält, Ministerpräsident bleibt, der muss Roland Koch<br />
wählen. Und wer einen Politikwechsel möchte, dessen Kandidat heißt<br />
Tarik &#8211; ach, ich schreib&#8217;s türkisch &#8211; mit e&#8230; Tarek Al-Wazir!
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Nochmal zum Bund:
</p>
<p>
<b>Pete: </b>Wenn Sie mit der CDU nicht koalieren wollen<br />
oder können, bliebe nur die SPD/FDP als Dreierkoalition. Lehnen Sie<br />
eine Koalition mit der Linkspartei auch ab oder werden Sie sich vor<br />
der Wahl nicht festlegen?
</p>
<p>
<b>alfredo:</b> Guten Tag Herr Özdemir, wie sehen Sie<br />
persönlich das politische Verhältnis der Grünen zur neuen Partei<br />
&quot;Die Linke&quot;? Übereinstimmungen in den Parteiprogrammen<br />
sehe ich. Aber mich würde interessieren, wie nahe sich die Grünen<br />
und die Linken wirklich kommen wollen, auch gesehen auf die<br />
bevorstehende Bundestagswahl im kommenden Jahr. Ich persönlich würde<br />
es begrüßen!
</p>
<p>
<b>M_Linke:</b> Können Sie sich vorstellen, mit der<br />
Linken unter einem Lafontaine zu koalieren?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Zur letzten Frage noch ein kurzer<br />
Nachtrag: Die anderen Namen muss man sich nicht merken. Eine<br />
Koalition mit der Union schließt die Union de facto aus durch ihren<br />
klimafeindlichen Kurs. Zur Linken: Mal ganz abgesehen davon, dass sie<br />
selber eine Regierungsbeteiligung 2009 ausschließen, sehe ich nicht,<br />
wie wir mit einer europafeindlichen (sie haben den EU-Vertrag<br />
abgelehnt) und populistischen (&quot;Fremdarbeiter&quot;) Partei<br />
zusammen kommen sollen, die allen alles verspricht, so lange die<br />
anderen sich um die Finanzierung kümmern. 2009 sehe ich dafür keine<br />
Möglichkeit. Übrigens schließt dieses auch die SPD ausdrücklich<br />
aus.
</p>
<p>
<b>Kuehl:</b> Sehen Sie die Grünen eher als eine<br />
Oppositionspartei?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Wir sind in der Opposition,<br />
insofern ist unser Job klar definiert. Wir müssen Alternativen<br />
formulieren zur Großen Koalition. Da ist Manndeckung gefragt und<br />
gegenwärtig deutliche Kritik.
</p>
<p>
<b>tomkrishan:</b> Sehr geehrter Herr Özdemir, unter<br />
Rot-grün wurde die Agenda 2010 verabschiedet. Denken Sie unter Ihrer<br />
persönlichen Regierungsbeteiligung wird die Entrechtung der<br />
Arbeitslosen weiter ausgebaut bzw. die Niedriglohnpolitik weiter<br />
forciert?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Die Agenda 2010 war im Prinzip<br />
richtig. Allerdings gab es dabei auch handwerkliche Fehler und<br />
wichtige Versäumnisse. Ich denke beispielsweise an die<br />
Altersrückstellungen, da konnten wir uns damals leider gegen die SPD<br />
nicht durchsetzen. Eines ist allerdings auch klar: Wir brauchen<br />
dringend Mindestlöhne, die es ja schließlich in Großbritannien<br />
auch gibt. Es darf nicht weiter auseinander gehen zwischen oben und<br />
unten in dieser Gesellschaft.
</p>
<p>
<b>vyasa:</b> Möchten Sie den Niedriglohnsektor<br />
bekämpfen? Und wenn ja, wie?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Wir wollen, dass die Friseurin<br />
beispielsweise von ihrer Arbeit menschenwürdig leben kann. Dazu ist<br />
neben dem Mindestlohn auch eine Änderung der Besteuerung notwendig.
</p>
<p>
<b>Sparro: </b>Sehr geehrter Herr Özdemir, was ist Ihre<br />
Lösung für die bevorstehende Rezession? Wollen Sie weiterhin die<br />
Banken retten und somit den eigentlich Schuldigen weiterhelfen? Oder<br />
doch den Markt seine Arbeit machen und die Guten von den Schlechten<br />
trennen lassen.
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Wir haben zur Zeit nicht nur eine<br />
Finanzmarktkrise und Wirtschaftskrise sondern immer noch und vor<br />
allem bleibend eine Klimakrise. Die Lösung kann nur in der<br />
Verknüpfung der beiden Themen bestehen. Das heißt, wir müssen<br />
jetzt Energie sparen und Investitionen in erneuerbare Energien,<br />
Energieeffizienz (Altbausanierung) und intelligente Mobilität<br />
(Autos, die weniger als 120g CO2 ausstoßen) tätigen.
</p>
<p>
<b>greenworld:</b> Beziehen Sie Ökostrom?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ja, aus Schönau, schließlich komm<br />
ich ja aus dem Ländle.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Noch eine Frage aus dem Prechat<br />
dazu:
</p>
<p>
<b>cem:</b> Aus welcher Stadt der Türkei stammen Sie?
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Apropos &quot;Ländle&quot; 🙂
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Die Stadt heißt &quot;Bad Urach&quot;<br />
und liegt zumindest bislang immer noch in Baden-Württemberg.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Zwei außenpolitische Fragen:
</p>
<p>
<b>hadi112:</b> Wie stehen Sie zum EU-Beitritt der<br />
Türkei?
</p>
<p>
<b>Sebastian: </b>Wollen Sie Außenminister einer<br />
schwarz-grünen Koalition werden?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Zu hadi112: Wenn die Türkei die so<br />
genannten Kopenhagener Kriterien erfüllt, also beispielsweise die<br />
Menschenrechte nachprüfbar einhält und die Lebensumstände<br />
innerhalb der Türkei sich angleichen, dann soll die Türkei nicht<br />
anders behandelt werden als andere Länder, die vor der Türkei<br />
Mitglied geworden sind. zu Sebastian: Ich bin Parteivorsitzender und<br />
nicht Spitzenkandidat. Insofern sind unsere Kandidaten für<br />
Ministerämter unsere beiden Spitzenkandidaten Renate Künast und<br />
Jürgen Trittin, die sich allerdings auch nicht für eine<br />
schwarz-grüne Koalition einsetzen, sondern für starke Grüne.
</p>
<p>
<b>Shrek the Ogger:</b> Eine CDU, die Klimapolitik zur<br />
Chefsache erklärt, eine Linke, die soziale Gerechtigkeit fordert.<br />
Grüne Themen sind nicht mehr (ausschließlich) grün. Welches Thema<br />
bleibt den Grünen noch als Alleinstellungsmerkmal?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Erst einmal ist es ja keine<br />
schlechte Nachricht, wenn die Themen, für die wir früher belächelt<br />
worden sind, mittlerweile immerhin dazu führen, dass die anderen<br />
Parteien ihre Überschriften geändert haben. Wenn es allerdings ums<br />
Handeln geht, dann sehen wir aktuell ja bei der Kanzlerin, wie sie<br />
den Lobbyinteressen der deutschen Automobilindustrie nachgibt. Ich<br />
bin mir sicher, dass das Original im Zweifelsfall den Vorzug erhält.<br />
Aber: Wir Grünen wissen, dass wir klar machen müssen, worin der<br />
Unterschied besteht.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wir kommen in die letzte Runde, was<br />
unsere Chat-Zeit angeht. Hier sind noch ein paar Fragen zur Person<br />
gekommen &#8211; Spielregel jetzt: Sie haben jeweils einen Satz pro<br />
Antwort! (Dann kriegen wir mehr unter)
</p>
<p>
<b>Cihat:</b> Herr Özdemir, ich bin 17, Gymnasiast<br />
türkischer Abstammung. Und ich frage mich, was Sie bewegt hat,<br />
gerade bei den Grünen aktiv zu werden?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich bin in der Schule aktiv<br />
geworden und über die Umwelt und Friedenspolitik zu den Grünen<br />
gekommen.
</p>
<p>
<b>Schwabe: </b>Warum nennen Sie sich anatolischer<br />
Schwabe, wenn sie doch in Bad Urach geboren sind? Sollte es nicht<br />
selbstverständlich sein, dass Sie Schwabe sind wie die anderen Bad<br />
Uracher auch?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Als ich 1994 in den Bundestag<br />
gewählt worden bin, wurde ich mal Spätzle-Türke genannt, dann<br />
wieder Deutsch-Türke und so weiter und irgendwann habe ich dann eben<br />
gedacht, ich kreiere selber einen Begriff, bevor es andere tun.
</p>
<p>
<b>JaneJones:</b> Sie sagen, dass deutsche<br />
Arbeiterkinder keine anderen Probleme als türkischstämmige<br />
Arbeiterkinder haben. Viele Freunde von mir mit Migrationshintergrund<br />
haben große Probleme damit, sich selbst innerhalb der verschiedenen<br />
Kulturen zu verorten. Obwohl Sie in Deutschland geboren sind, sehen<br />
Sie sich nicht als Deutscher und wenn Sie es doch versuchen, werden<br />
Sie sehr schnell in Ihre Schranken verwiesen. Wie kann dies Ihrer<br />
Meinung nach geändert werden und wäre das Ihrer Ansicht nach<br />
überhaupt sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Wichtig ist, dass man trotz aller<br />
Hindernisse sich selbst als Inländer sieht und sich nicht selbst zum<br />
Ausländer macht bzw. machen lässt.
</p>
<p>
<b>Salim Spohr:</b> Lieber Cem, bist du eigentlich<br />
Muslim?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich komme aus einer muslimischen<br />
Familie.
</p>
<p>
<b>MadMax:</b> Herr Özdemir, könnten Sie sich<br />
vorstellen, Bundeskanzler der BRD zu sein?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Es dürfte etwas dauern, bis meine<br />
Partei die Mehrheit in Deutschland stellt und sich daraus auch der<br />
Anspruch ergibt, den Bundeskanzler zu stellen &#8211; wenn es soweit ist<br />
und ich noch lebe, werde ich sehen, was dann wird.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das Ergebnis unserer Chat-Umfrage<br />
ist da: (&quot;Können Sie sich eine schwarz-grüne Koalition auf<br />
Bundesebene vorstellen, wenn der Atomausstieg beibehalten wird?&quot;)<br />
43 Prozent haben ja gesagt, 57 Prozent nein &#8211; Wollen Sie kurz darauf<br />
reagieren?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Der Atomausstieg alleine würde mir<br />
auch nicht genügen. Schließlich geht es auch um die anderen<br />
Politikfelder, wo wir uns verständigen müssten.
</p>
<p>
<b>pp:</b> Cem, ist die Spaltung der Grünen in Fundis<br />
und Realos noch zeitgemäß und wie möchtest Du die Lager innerhalb<br />
der Partei näher zusammen bringen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Eines ist jedenfalls klar: Die<br />
beiden Bundesvorsitzenden sind grüne Bundesvorsitzende und nicht<br />
Flügelvorsitzende. Ich bekomme auch mit, wie immer mehr jüngere<br />
Mitglieder bei uns mit den klassischen Flügeln nicht mehr viel<br />
anfangen können. Dies muss kein Schaden sein.
</p>
<p>
<b>werner:</b> Wer ist politisch Dein Vorbild und warum?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Aktuell war und ist es mein<br />
ermordeter Freund Hrant Dink, der türkisch-armenischer Journalist<br />
war.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Eine persönliche Frage unsererseits<br />
zum Schluss: Berufspolitiker werden ja oft kritisiert als zu<br />
unerfahren in anderen Bereichen. Sie sind jung in die Politik<br />
gekommen. Wollen Sie in diesem Beruf auch auch alt werden, also<br />
Berufspolitiker bleiben?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich hatte mich ja schon einmal<br />
verabschiedet von der Berufspolitik. Diese Erfahrung, sich in einem<br />
Land mit einer anderen Sprache zurecht finden zu müssen, war für<br />
mich spannend und hat mir gezeigt, dass ich meine Brötchen auch<br />
außerhalb der Parteipolitik verdienen kann. Ansonsten habe ich ja<br />
auch noch einen bürgerlichen Beruf. Ich bin Erzieher und<br />
Sozialpädagoge.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das war bereits eine gute Stunde<br />
hier im tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Cem Özdemir, dass Sie sich<br />
Zeit für die Diskussion mit den Lesern von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de genommen haben. Ein Dankeschön auch an unsere<br />
User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen<br />
konnten. In kurzer Zeit finden Sie das Protokoll dieses Chats auf<br />
unserer Homepage. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich danke allen die sich am Chat<br />
beteiligt haben &#8211; Keep it real!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts, tagesschau.de.</i></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>tagesschau-Chat mit Cem Özdemir</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2008 16:02:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[&#34;Yes, we Cem!&#34; - mit dieser Parole haben die Grünen deutsche Parteiengeschichte geschrieben und einen türkischstämmigen Vorsitzenden gewählt. Auch wenn Cem Özdemir nicht der Obama der Grünen sein möchte, Hoffnungsträger ist der &#34;anatolische Schwabe&#34; allemal. Aber Fragen Sie ihn doch selbst: Am Mittwoch, dem 26. November ist Cem Özdemir live im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=206&#38;id=ts#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier können Sie bereits Fragen stellen!
</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&quot;Yes, we Cem!&quot; &#8211; mit dieser Parole haben die Grünen deutsche Parteiengeschichte geschrieben und einen türkischstämmigen Vorsitzenden gewählt. Auch wenn Cem Özdemir nicht der Obama der Grünen sein möchte, Hoffnungsträger ist der &quot;anatolische Schwabe&quot; allemal. Aber Fragen Sie ihn doch selbst: Am Mittwoch, dem 26. November ist Cem Özdemir live im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=206&amp;id=ts#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier können Sie bereits Fragen stellen!<br />
</a><!--break--></p>
<p>
Wird der Realo die Partei weiter zur Union hin öffnen &#8211; und welche Rolle spielt dabei die Atomkraft? Wird Özdemir sich besonders für die Integration von Migranten einsetzen? Kann er sich neben der Ko-Vorsitzenden Claudia Roth und dem Spitzen-Duo für die Bundestagswahl, Renate Künast und Jürgen Trittin, behaupten? Und welche Rolle werden die Grünen im Fünf-Parteien-Parlament spielen?
</p>
<p>
Diese und andere Fragen beantwortet der Parteichef von Bündnis90/DieGrünen, Cem Özdemir am Mittwoch von 13.00 bis 14.00 Uhr im tagesschau-Chat.
</p>
<p>
Die tagesschau-Chats werden veranstaltet von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a> und politik-digital.de.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Doppelchat: Tag des Dialogs</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/projekt/doppelchat-tag-des-dialogs-4124/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/projekt/doppelchat-tag-des-dialogs-4124/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 16:41:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesumweltministerium]]></category>
		<category><![CDATA[ProDialog-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Familienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Energiepolitik]]></category>
		<category><![CDATA[ProDialog]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesfamilienministerium]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/doppelchat-tag-des-dialogs-4124/</guid>

					<description><![CDATA[Am Tag des Dialogs am 11. November sind ab 11 Uhr zwei Vertreter aus Bundesministerien zu Gast im Chat der Initiative ProDialog. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=196&#38;id=prodialog#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Diskutieren Sie hier aktuelle Fragen der Bundespolitik!</a> ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Tag des Dialogs am 11. November sind ab 11 Uhr zwei Vertreter aus Bundesministerien zu Gast im Chat der Initiative ProDialog. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=196&amp;id=prodialog#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Diskutieren Sie hier aktuelle Fragen der Bundespolitik!</a> <!--break--></p>
<p>
Wie können politische Inhalte besser vermittelt und drängende Fragen der Bürgerinnen und Bürger besser beantwortet werden? Um das herauszufinden, hat die Initiative ProDialog den Tag des Dialogs ins Leben gerufen. Am 11. November können Sie gleich zu zwei wichtigen Themen mitreden:
</p>
<p>
<b>Das sind die Gäste:</b>
</p>
<p>
11-12 Uhr: Franzjosef Schafhausen, Bundesumweltministerium zum Thema „Bleibt Energie bezahlbar? Explodierende Energiepreise als umweltpolitische Herausforderung“
</p>
<p>
12-13 Uhr: Dr. Thomas Metker, Bundesfamilienministerium zum Thema „Wem hilft was? Unterstützung und Mittelverteilung in der deutschen Familienpolitik“</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>bundestag.de-Live-Chat zum Erhalt der Artenvielfalt</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/bundestagde-live-chat-zum-erhalt-der-artenvielfalt-3881/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/bundestagde-live-chat-zum-erhalt-der-artenvielfalt-3881/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Florian Wittig]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 May 2008 15:20:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[bundestag.de-Live-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Petra Bierwirth]]></category>
		<category><![CDATA[Undine Kurth]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/bundestagde-live-chat-zum-erhalt-der-artenvielfalt-3881/</guid>

					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 08.05.08, waren Petra Bierwirth (SPD) und Undine Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Abgeordnete im Bundestag, zu Gast im
bundestag.de-Live-Chat und diskutierten zum Thema &#34;Umweltpolitik und Artenvielfalt&#34;. <a href="http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2008/20373650_kw19_natur/transkript.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Chattranscript finden Sie hier.</a>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 08.05.08, waren Petra Bierwirth (SPD) und Undine Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Abgeordnete im Bundestag, zu Gast im<br />
bundestag.de-Live-Chat und diskutierten zum Thema &quot;Umweltpolitik und Artenvielfalt&quot;. <a href="http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2008/20373650_kw19_natur/transkript.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Chattranscript finden Sie hier.</a></p>
]]></content:encoded>
					
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			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#034;Kernkraft senkt die Energie-Emissionen&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotkernkraft_senkt_die_energieemissionenquot-520/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotkernkraft_senkt_die_energieemissionenquot-520/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jul 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Energiepolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Schlesinger]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotkernkraft_senkt_die_energieemissionenquot-520/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span class="fett"> Am 3. Juli 2007 war der Energie-Experte Michael
Schlesinger vom Prognos-Insitut zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation
mit politik-digital.de. <span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Für
den Energiegipfel der Bundesregierung am 3. Juli 2007 hat sein Institut
die Zukunft von Energiepolitik und Klimaschutz durchgerechnet -
inklusive Weiternutzung der Atomkraft.</span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span class="fett"> Am 3. Juli 2007 war der Energie-Experte Michael<br />
Schlesinger vom Prognos-Insitut zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation<br />
mit politik-digital.de. <span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Für<br />
den Energiegipfel der Bundesregierung am 3. Juli 2007 hat sein Institut<br />
die Zukunft von Energiepolitik und Klimaschutz durchgerechnet &#8211;<br />
inklusive Weiternutzung der Atomkraft.</span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><b>Moderatorin: </b></b></b><br />
Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute ist Michael Schlesinger<br />
zu uns ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Er ist Direktor und Chefökonom<br />
des Prognos-Institutes und hat für den heutigen Energiegipfel<br />
der Bundesregierung Zukunftsszenarien entwickelt. Für Sie,<br />
liebe User, eine gute Gelegenheit, Fragen rund um die Energie an<br />
einen Experten zu richten. Herr Schlesinger, ich begrüße<br />
Sie, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Michael Schlesinger:</b></b> Können<br />
wir. 
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mschlesinger85x.jpg" alt="Michael Schlesinger" align="absmiddle" height="120" width="85" /><br />
<i> Michael Schlesinger,<br />
Direktor und Chefökonom des Prognos-Institutes </i>
</p>
<p>
<br />
<b> kohlenstoff:</b> Es gibt ja wohl drei Szenarien in<br />
ihrer Studie. Können Sie die mal beschreiben?
</p>
<p>
<b><b>Michael Schlesinger:</b></b> Also die<br />
Szenarien beruhen zunächst mal &#8211; das sollte man vorweg sagen<br />
&#8211; auf der Annahme, dass die Wirtschaft in Deutschland mit 1,7 Prozent<br />
pro Jahr wächst, dass die Bevölkerung leicht zurückgeht<br />
bis zum Jahr 2020 und dass die Zahl der privaten Haushalte noch<br />
etwas ansteigt. <br />
Dann war es eine ganz wichtige Vorgabe, dass sich die Energieproduktivität<br />
&#8211; das ist eine Größe, die angibt, wie viel Bruttoinlandsprodukt<br />
pro Energieeinheit man erwirtschaften kann &#8211; zwischen 1990 und 2020<br />
verdoppelt. Das ist ein Ziel, das auch im Koalitionsvertrag (KV)<br />
festgelegt ist. Und das bedeutet dann, dass sich zwischen 2005 und<br />
2020 die Energieproduktivität jedes Jahr um drei Prozent steigern<br />
muss. <br />
Eine weitere Annahme ist, dass der Ölpreis bis 2015 zurückgeht<br />
und dann wieder ansteigt. 2020 sind es dann so etwa 50 US-Dollar<br />
pro Barrel. Das zweite Szenario hatte einen stärkeren Ausbau<br />
der erneuerbaren Energie (EE) als Vorgabe und im dritten Szenario<br />
ist die Laufzeit der Kernkraftwerke verlängert worden, also<br />
anders als in der Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Kraftwerkswirtschaft<br />
vorgesehen.
</p>
<p>
<b><b>Moderatorin: </b> </b>Gab es signifikante<br />
Unterschiede in den Ergebnissen?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Zunächst mal geht in<br />
allen Szenarien der Energieverbrauch zurück und die CO2-Emissionen<br />
gehen zurück. Zwischen dem ersten Szenario (KV) und dem zweiten<br />
(EE) sind die Unterschiede bei den CO2-Emissionen nicht allzu gravierend.<br />
Zwischen 1990 und 2020 gehen die Treibhausgas-Emissionen im Szenario<br />
KV um 39 Prozent zurück und im Szenario EE um 42 Prozent und<br />
im Szenario mit den verlängerten Laufzeiten der Kernkraftwerke<br />
(KKW) ist der Rückgang 45 Prozent. Also sieht man schon Unterschiede<br />
zwischen den Szenarien.
</p>
<p>
<b>Bernd58: </b>Welches Energiekonzept würden Sie<br />
sich für Deutschland wünschen?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Also einmal brauchen wir<br />
für Deutschland einen breiten Energiemix, das heißt,<br />
wir brauchen sowohl Kohle, Gas und erneuerbare Energien. Bei der<br />
Kernkraft muss man politisch entscheiden, ob die Risiken getragen<br />
werden sollen. Und wir brauchen ein Energiekonzept, dass die Verbesserung<br />
der Energieeffizienz zum Ziel setzt, weil sich damit gleich mehrere<br />
Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen.
</p>
<p>
<b>Holgi:</b> Welche Argumente liefert ihre Studie den<br />
Atomkraftbefürwortern (oder den Gegnern)?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Den Befürwortern liefern<br />
sie Ergebnisse, dass die Energieemissionen weiter gesenkt werden<br />
können und die Energieversorgung und die Stromversorgung insgesamt<br />
billiger ist als in den anderen Szenarien. Den Gegnern der Kernenergie<br />
liefert die Studie das Argument, dass man auch ohne Kernenergie<br />
rund 40 Prozent CO2-Emissionsreduktion erreichen kann, allerdings<br />
immer unter der Voraussetzung, dass die Energieproduktivität<br />
um drei Prozent pro Jahr steigt, was nach meiner Einschätzung<br />
sehr ambitioniert ist.
</p>
<p>
<b>Dipl.-Phys. MH: </b>Die fossilen Brennstoffe werden<br />
in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen, gibt es<br />
eigentlich wirkliche (nicht politische) Alternativen zum Atom?
</p>
<p>
<b>Calvin:</b> Ist es wirklich sinnvoll, deutsche AKWs<br />
zu schließen und dann Strom eventuell aus Nachbarländern<br />
einzukaufen, die schlechtere Sicherheit in den AKWs haben?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Man kann da sehr viele Argumente<br />
abwägen. Letztlich kann man das aus wissenschaftlicher Sicht<br />
nicht eindeutig belegen. Was man festhalten kann, ist, dass, wie<br />
die Szenarien gezeigt haben, sich die Emissionen leichter reduzieren<br />
lassen und dass man Strom kostengünstiger produzieren kann.<br />
Nun sind mit der Kernkraft Risiken verbunden. Zum einen entstehen<br />
Abfälle und zum anderen gibt es das Risiko im Betrieb. Und<br />
letztlich müssen diese Risiken gegen Vorteile abgewogen werden.<br />
Das kann im Grunde nur in einem gesellschaftlichen Prozess passieren.
</p>
<p>
<b>thomasK: </b>Haben Sie auch eine sinnvolle Lösung<br />
für die Lagerung des Atommülls?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Ich habe da keine sinnvolle<br />
Lösung. Man kann nur schwer absehen, ob es eine geben wird.<br />
Es sind eben die beiden Risiken und das Lagerungsrisiko, das man<br />
dabei bedenken muss.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> In der Studie werden Voraussetzungen<br />
gemacht, zum Beispiel ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent jährlich<br />
bis 2020. Mit Blick auf das schlechte Wachstum noch vor ein paar<br />
Jahren ist das ganz schön viel. Wie belastbar sind die Aussagen<br />
noch, wenn das Wirtschaftswachstum weniger stark ausfällt?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> 1,7 Prozent sind gemessen<br />
an der Vergangenheit wirklich viel, kann man sagen. Aber es ist<br />
nicht ausgeschlossen, dass es so kommt. Man muss zwei Effekte sehen:<br />
Wenn die Wirtschaft langsamer wächst, bedeutet das weniger<br />
Energieverbrauch. Auf den zweiten Blick relativiert sich das ein<br />
bisschen. Und zwar deshalb, weil bei schwachem Wirtschaftswachstum<br />
weniger investiert wird und auch weniger Einkommen zur Verfügung<br />
steht. Das bedeutet dann beispielsweise, dass in der Industrie neue<br />
Anlagen nicht in Betrieb genommen werden, die Energie einsparen,<br />
dass Gebäude nicht isoliert werden oder dass Sprit schluckende<br />
Autos länger gefahren werden. Aber wenn man mal alles zusammen<br />
nimmt, glaube ich, dann wäre bei weniger Wirtschaftswachstum<br />
der Energieverbrauch niedriger. Auf jeden Fall, wenn man drei Prozent<br />
als Vorgabe hat.
</p>
<p>
<b>Grolle:</b> Sie waren vermutlich beim Energiegipfel.<br />
Wie war denn die Stimmung dort zwischen Industrie und Politik?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Ich will das nicht im Einzelnen<br />
darlegen, aber ich fand die Stimmung konstruktiv. Ich hatte nach<br />
der Presseberichterstattung im Vorfeld erwartet, dass dort mehr<br />
Konfrontation entsteht.
</p>
<p>
<b>MalleP:</b> Bleibt das Klimaschutzziel beim Energiegipfel<br />
wirklich ein frommer Wunsch?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Das Klimaschutzziel ist aus<br />
meiner Sicht ganz wichtig, auch beim Gipfel. Es ist auch immer wieder<br />
betont worden.
</p>
<p>
<b>Truko: </b>Kann die Bundesregierung an den Stromkonzernen<br />
vorbei regulieren? Das sind doch Global Player!
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Die Bundesregierung kann<br />
natürlich im Rahmen ihrer Kompetenzen die Regeln für den<br />
Strommarkt aufstellen. Da ist man ja auch dabei und die Regulierungsbehörde<br />
geht ja jetzt mehr in die Richtung, die Preise im Strombereich nach<br />
unten zu bringen und den Wettbewerb zu stärken. Insofern denke<br />
ich, dass die Politik da eine wichtige Rolle spielt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> Utz Claasen, Chef des Energiekonzerns<br />
EnBW hält gar nichts vom Ziel, beim Energieverbrauch jährlich<br />
drei Prozent effektiver zu werden. Das sei eine Illusion, meinte<br />
er im „Bericht aus Berlin“. Woher kommt diese Skepsis<br />
und der Widerstand der Energieerzeuger?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Diese drei Prozent sind einfach<br />
ein sehr hohes Ziel. Wenn man mal in die Vergangenheit schaut, lag<br />
dieser Wert eher so im Bereich ein bis zwei Prozent und um diese<br />
drei Prozent zu erreichen, müssten in allen Bereichen (Haushalte,<br />
Industrie, Fahrzeuge, &#8230;) sehr viele Maßnahmen ergriffen<br />
werden, die zur Effizienzsteigerung beitragen. Das ist technisch<br />
zwar möglich, aber es gibt doch zahlreiche Hemmnisse, die dem<br />
entgegenstehen. Vielleicht dazu ein Beispiel: Wenn heute ein Hausbesitzer<br />
sein Gebäude isoliert, also auf den neuesten Stand bringt,<br />
dann kann er die daraus resultierenden Energieeinsparungen seinen<br />
Mietern nur zum Teil weitergeben. Da besteht noch ein großes<br />
Hemmnis. Das so genannte Vermieter-Mieter-Dilemma. Oft ist es auch<br />
so, dass beispielsweise der Verbraucher gar nicht weiß, wo<br />
er Energie einsparen kann. Und das es sich im Einzelfall auch rechnet.<br />
Dass es billiger ist, ein teureres Gerät zu kaufen und nachher<br />
weniger Energiekosten zu haben. Beispiel ist die Energiesparleuchte.
</p>
<p>
<b>kkkk-lllll: </b>Wie sehen Sie das Energieeinspar-Verhalten<br />
der Bürger? Und bringt das überhaupt was im Vergleich<br />
zu dem, was die Industrie sparen kann?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Bei den privaten Haushalten<br />
wird ein Großteil der Energie für die Gebäudeheizung<br />
gebraucht. Da kann man jede Menge einsparen. Das würde aber<br />
bedeuten, dass, wenn Gebäude saniert werden, man dann auch<br />
eine energetische Sanierung durchführen müsste. Also beispielsweise<br />
die Außendämmung verbessern, das Dach vernünftig<br />
dämmen, Kellerdecke und so weiter. Und dann idealerweise auch<br />
noch eine Heizanlage einbauen, die der modernsten Technik entspricht<br />
und auf das nur wenig Energie verbrauchende Gebäude abgestimmt<br />
ist. Genauso könnte man dadurch sparen, dass man sparsame Waschmaschinen<br />
kauft oder auch dadurch, dass man sich ein kleineres Auto anschafft.<br />
Ich glaube, dass es im Bereich der privaten Haushalte ein ganz enormes<br />
Einsparpotenzial gibt und ein Teil davon kann schon durch reine<br />
Verhaltensänderung realisiert werden.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> Hier kommt mehr ein Kommentar als<br />
eine Frage:
</p>
<p>
<b>uranbob: </b>Energiesparen ist ja eine feine Sache,<br />
doch wächst der tägliche Stromverbrauch doch auch seit<br />
den letzten Jahren.
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Das stimmt. Ein Grund dafür<br />
ist sicherlich, dass die Ausstattung mit Kommunikationsgeräten<br />
zunimmt. Das führt zu einem höheren Verbrauch, selbst<br />
wenn die Geräte an sich effizienter sind. Gerade weil das so<br />
ist, müsste mehr darauf geachtet werden, dass man energiesparende<br />
Geräte kauft und auch da gibt es ja Kampagnen der deutschen<br />
Energieagentur, die auch dort Informationen für die Verbraucher<br />
bereitstellt. Das tun im Übrigen auch Energieversorger und<br />
in der EU wird an diesem Thema auch intensiv gearbeitet.
</p>
<p>
<b>troll: </b>Mit welchen Maßnahmen wird die Industrie<br />
auf die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Regierung reagieren? Welche<br />
Kosten sind zu erwarten?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Es gibt Branchen, zum Beispiel<br />
die Stahlindustrie, da gibt es einfach physikalische Grenzen für<br />
die Absenkung des Energieverbrauchs. Dann gibt es viele Unternehmen<br />
und Branchen, in denen spielt die Energie als Kostenfaktor keine<br />
so große Rolle. Und gerade dort gibt es sicherlich noch Potenzial,<br />
das man ausschöpfen kann, um Energie einzusparen. Beispiele<br />
dafür sind elektronisch geregelte Antriebe oder Pumpen, Benutzung<br />
von Druckluft oder aber auch die Abwärmenutzung. Da gibt es<br />
schon Potenziale, die letztlich nicht unbedingt mit Kostensteigerungen<br />
verbunden sind. Aber die Frage ist für ein Unternehmen immer:<br />
Soll es lieber in Markterweiterung investieren oder Energieeinsparung.<br />
Und da steht die Energieeinsparung in Konkurrenz mit anderen und<br />
vielleicht rentableren Investitionen.
</p>
<p>
<b>klotzz: </b>Die Wirtschaft sagt, der ganze Klimaschutzkram<br />
bremst die wirtschaftliche Entwicklung. Sie sind ja Ökonom.<br />
Ist das nachvollziehbar?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Auch da muss man ganz stark<br />
differenzieren. Es gibt sicherlich Unternehmen, für die ist<br />
der Klimaschutz mit Mehrkosten verbunden. Und das kann dann bei<br />
diesen Unternehmen auch dazu führen, dass sie langsamer wachsen<br />
oder die Produktion verlagern. Aber ebenso gibt es Unternehmen,<br />
die Vorteile aus dem Klimaschutz haben. Denken Sie beispielsweise<br />
an Hersteller von Dämmmaterial für Gebäude oder die<br />
Hersteller von Windkraftanlagen oder Solarzellen. Ich denke insgesamt<br />
führt Klimaschutz nicht zu langsamerem Wachstum &#8211; aber zu Umstrukturierungen<br />
in der Wirtschaft. Und sie kann den Strukturwandel beschleunigen.
</p>
<p>
<b>Helios:</b> Wird es, falls Deutschland seine ambitionierten<br />
Klimaschutzvorhaben in die Tat umsetzt, nicht zu einer massiven<br />
Abwanderung einiger Industriezweige kommen?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Man muss schon sehen, dass,<br />
wenn Deutschland sehr anspruchsvolle Klimaziele verfolgt, man sich<br />
nicht zu weit von den anderen Ländern entfernen darf. Denn<br />
wenn das der Fall wäre, wenn also Produktion nur verlagert<br />
wird, ist dem Klima damit weltweit nicht geholfen. Deswegen ist<br />
es wichtig, auf diesen Abstand zu achten und die anderen Länder<br />
mitzuziehen. Das ist letztlich wieder eine Frage der Politik, wie<br />
beispielsweise innerhalb der EU Klimaschutzziele verteilt werden.<br />
Und ganz wichtig ist es, gerade auch die Entwicklungsländer<br />
hier einzubinden, weil von dort die stärksten Steigerungsraten<br />
bei den Emissionen zu erwarten sind.
</p>
<p>
<b>loggoo:</b> Wie sieht das eigentlich in anderen Ländern<br />
aus? Werden da solche Diskussionen auch geführt? Haben Sie<br />
dazu mal Studien gemacht?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Studien haben wir nicht gemacht,<br />
aber man bekommt so einiges mit. Wenn man sich mal anschaut, wie<br />
die Klimaschutzerfolge in anderen Ländern sind: Deutschland<br />
und England sind auf dem Weg, die Ziele zu erreichen, bei den anderen<br />
Ländern sieht es nicht so gut aus. Ich denke auch, dass die<br />
Energieversorgung in vielen anderen Ländern weniger unter dem<br />
Aspekt des Klimaschutzes gesehen wird, als mehr unter dem der Versorgungssicherheit.<br />
Deswegen ist auch da eine Diskussion um die Steigerung der Energieproduktivität<br />
ganz wichtig, weil die dazu beiträgt, auch die Abhängigkeit<br />
zu verringern.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> Sie haben die EU schon erwähnt,<br />
aber noch einmal konkret:
</p>
<p>
<b>Falbala: </b>Welche Rolle spielt eigentlich die EU<br />
bei den Klimaschutzbestrebungen?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Die EU treibt ja den Klimaschutz<br />
auch ganz klar mit voran. Sie hat sich jetzt auch sehr anspruchsvolle<br />
Ziele gesetzt, sowohl was die Effizienz angeht, als auch was die<br />
erneuerbaren Energien angeht. Dahinter steht letztlich Klimaschutz<br />
und die Verringerung der Abhängigkeit. Insofern kommt der EU<br />
eine wichtige Rolle beim Klimaschutz zu.
</p>
<p>
<b>Dipl.-Phys. MH:</b> Die Wirtschaft? Die Stromkonzerne<br />
sind an einem Haartrockner mit fünf Watt genauso interessiert<br />
wie die Mineralölkonzerne am Drei-Liter-Auto. Sie als Ökonom<br />
wissen das sehr viel besser als ich. Aber wäre es nicht sinnvoll,<br />
sich mal die drei Kurven anzusehen: Stromerzeugung: Kosten, Umweltbelastung<br />
und mögliche Gefahren &#8211; rein mathematisch muss es für<br />
die drei Kurven ein gemeinsames Minimum geben.
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Natürlich ist es so,<br />
dass Stromkonzerne Strom verkaufen wollen und Mineralölkonzerne<br />
Öl. Aber ich glaube nicht, dass das einem wirksamen Klimaschutz<br />
entgegen steht. Man braucht nur ein Zwischenglied, das ist dieses<br />
so genannte Contracting. Dabei verkauft Ihnen der Stromkonzern zum<br />
Beispiel nicht mehr den Strom, sondern dass ihr Gebäude beleuchtet<br />
ist. Dann wird er im eigenen Interesse dort Energiesparleuchten<br />
einsetzen, weil das im Zweifel günstiger ist, als den Strom<br />
zu liefern. Letztlich verdient dann der Stromkonzern daran, dass<br />
er die Dienstleistung „Licht&quot; verkauft und nicht mehr<br />
den Strom. In die Richtung müsste aus meiner Sicht noch viel<br />
mehr gedacht und gemacht werden.
</p>
<p>
<b>mule: </b>Was halten Sie von dem Vorgehen der Japaner,<br />
nachdem der Markt sich immer nach dem sparsamsten zur Verfügung<br />
stehenden Elektrogerät richten muss?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Das ist ein sehr anspruchsvolles<br />
Vorgehen. Mit dem man auch hier den Energieverbrauch stärker<br />
absenken kann, als es zur Zeit mit den üblichen Maßnahmen<br />
der Fall ist. Wir haben ja heute nur diese Kennzeichnung von Elektrogeräten<br />
nach Effizienzklassen und der Verbraucher entscheidet sich dann<br />
nicht immer für das effizienteste Gerät.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> Noch mehr Technik:
</p>
<p>
<b>bigTom2000: </b>Kann man auf lange Sicht auf Energie<br />
aus Fusionsreaktoren hoffen oder ist die Forschung noch zu weit<br />
am Anfang, um darüber genaueres sagen zu können? Und wie<br />
umweltfreundlich und wirtschaftlich wäre diese Technologie<br />
einzuschätzen?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Wir sind heute noch sehr<br />
weit davon entfernt, dass das wirklich wirtschaftlich nutzbar wäre.<br />
Innerhalb der nächsten 50 Jahre ist von dieser Seite sicherlich<br />
kein Beitrag zur Energieversorgung zu erwarten, was danach kommt,<br />
ist kaum einzuschätzen, aber ich bin da sehr skeptisch.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> Noch einmal zum Energiesparen im<br />
Kleinen:
</p>
<p>
<b>muftoni: </b>Wie sehen Sie die Ökobilanz bezüglich<br />
dem Kauf neuer, energiesparender Autos/Geräte gegenüber<br />
dem „Aufbrauchen&quot; existierender?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Es ist schon sinnvoll, ein<br />
Auto, nachdem es zehn oder zwölf Jahre alt ist, auszutauschen.<br />
Es muss ohnehin irgendwann technisch ausgetauscht werden. Dann sollte<br />
man auf ein möglichst energieeffizientes umsteigen. Wann jetzt<br />
unter Berücksichtigung der Emission und des Energieverbrauchs<br />
bei der Produktion der Fahrzeuge der günstigste Zeitpunkt ist,<br />
kann ich beim besten Willen nicht sagen.
</p>
<p>
<b>Frutzlbub: </b>Tragen nicht die Konzerne am meisten<br />
zur Energieverschwendung bei, indem sie Produkte mit Verfallsdatum<br />
produzieren (zum Beispiel Kühlschränke mit beabsichtigt<br />
niedriger Lebensdauer) und so eine Wegwerfgesellschaft erzeugen?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Ich denke, es gibt ja schon<br />
Produkte auf dem Markt, die deutlich länger halten als andere.<br />
Diese Produkte haben meist auch einen höheren Preis. Und die<br />
entscheidende Frage ist jetzt, ob der Verbraucher bereit ist, beim<br />
Kauf eines Gerätes eben das teurere zu wählen, das dann<br />
länger hält. Es ist ganz schwer zu sagen, ob nun eher<br />
die Industrie oder der Verbraucher schuld ist. Denn letztlich stellt<br />
die Industrie das her, was der Verbraucher nachfragt und wenn sich<br />
der Verbraucher letztlich für das bessere Gerät entscheidet,<br />
wird es langfristig auch bei der Industrie zu einem gewissen Umschwenken<br />
führen. Das setzt immer voraus, dass der Verbraucher die Möglichkeit<br />
und die Bereitschaft hat, mehr auszugeben.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> Zurück zu Ihrer Studie. „Sonntag&quot;<br />
will wissen:
</p>
<p>
<b>sonntag:</b> Sie haben die Szenarien für den<br />
heutigen Gipfel entwickelt. Wer sind die Auftraggeber?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Auftraggeber war das Wirtschaftsministerium<br />
und die Szenarien sind in einem größeren Kreis zwischen<br />
Wirtschaftsministerium, Umweltministerium und Bundeskanzleramt abgestimmt<br />
worden.
</p>
<p>
<b>Eindringling: </b>Halten Sie die Ergebnisse der <a href="http://www.ipcc.ch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IPCC</a>-Berichte<br />
für so gesichert, dass man sie als feste Grundlage der Energiepolitik<br />
ansehen kann [Das IPCC ist eine zwischenstaatliche Sachverständigengruppe<br />
über Klima-Änderungen, Anm. d. Red.] Es wurde ja massive<br />
Kritik an der Arbeitsweise des IPCC laut.
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Im IPCC-Bericht steht, dass<br />
die Klimaveränderung unterwegs ist. Da gibt es dann Spannweiten,<br />
die zeigen, wie das Klima sich verändern wird in Abhängigkeit<br />
vom Treibhausgasausstoß. Ich bin jetzt nicht der Klimaexperte,<br />
aber ich denke, dass vieles darauf hindeutet, dass an den Studien<br />
etwas dran ist. Und dass man, wenn man Vorsorge betreibt, als verantwortungsvoller<br />
Politiker auch auf diese Studien achten sollte und Klimaschutz als<br />
eine wichtige Aufgabe begreift.
</p>
<p>
<b>Mondragon:</b> Herr Schlesinger, was wäre Ihre<br />
erste Maßnahme in der Energiepolitik?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Für ganz wichtig halte<br />
ich eine verbesserte Gebäudequalität. Als politische Maßnahme<br />
steht dahinter meist eine bessere Information und wahrscheinlich<br />
auch ein Förderprogramm, das mehr Investition in energiesparende<br />
Gebäude auslöst. Aber ich glaube, jeder sollte sich auch<br />
die Frage stellen, welches die erste Maßnahme für ihn<br />
persönlich ist beim Energiesparen. Das fängt mit so einfachen<br />
Dingen an wie das Licht ausschalten, wenn man den Raum verlässt,<br />
Energiesparlampen zu benutzen oder bei kurzen Wegen statt des Autos<br />
das Fahrrad zu benutzen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> Hier kommen von „alma&quot;<br />
zwei Fragen auf einmal:
</p>
<p>
<b>alma:</b> Inwieweit können Sie mit Ihrem Wissen<br />
Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger in der Energiepolitik<br />
ausüben? Ich habe bei Umweltminister Gabriel das Gefühl,<br />
Wahlversprechen seien die höhere Maßgabe. Warum hält<br />
die SPD wider besseren Wissens am Ausstieg aus der Atomenergie fest?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Die Einflussmöglichkeit<br />
auf die Politik ist begrenzt. Wobei ich schon denke, dass die Ergebnisse<br />
von Studien und Gutachten von der Politik beachtet werden. Denn<br />
diese Szenarien zeigen auf, wohin bestimmte Maßnahmen und<br />
Handlungen führen. Und ich glaube, es ist für die Politik<br />
auch wichtig, die Folgen des Handelns zu kennen. Was dann nicht<br />
mehr zu beeinflussen ist, ist, welchen Stellenwert bestimmte Maßnahmen<br />
im gesamten politischen Kontext bekommen.
</p>
<p>
<b>sonntag: </b>In der Diskussion und Ihren Szenarien<br />
wird bei der Energieversorgung von monopolartigen Energiekonzernen<br />
ausgegangen. Wäre es nicht auch sinnvoll darüber nachzudenken,<br />
welchen Beitrag die lokalen Energieanbieter (Stadtwerke) leisten<br />
könnten? So zum Beispiel durch Kraft-Wärme-Kopplung, BHKWS<br />
[Blockheizkraftwerke, Amn. d. Red.] , Nahwärmenetze und so<br />
weiter.
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Wir haben ja in den Szenarien<br />
schon angenommen, dass die Kraft-Wärme-Kopplung eine deutlich<br />
größere Bedeutung erhält als heute. So steigt der<br />
Anteil des durch KWK-Anlagen hergestellten Stroms in den Szenarien<br />
bis 2020 auf 23 Prozent, heute sind wir so bei zwölf bis12,5<br />
Prozent. Insofern ist so ein Aspekt schon in gewisser Weise berücksichtigt.<br />
Aber es wurde keine fundamental andere Versorgungsstruktur unterstellt,<br />
als das heute der Fall ist.
</p>
<p>
<b>werdas:</b> Sind die Unterschiede zwischen den Szenarien<br />
überhaupt relevant? Fünf Milliarden zwischen erneuerbaren<br />
Energien und Kernkraftwerken sind doch gar nicht so viel?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Fünf Milliarden sind<br />
erstmal fünf Milliarden. Im Hinblick auf die Haushalte ist<br />
es nicht so viel (ca. 100 Euro pro Haushalt und Jahr). Wenn man<br />
es ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzt, ist der Unterschied<br />
nicht allzu gravierend.
</p>
<p>
<b>hawi: </b>Auf tagesschau.de wird gefragt, welcher<br />
Energiemix am sinnvollsten ist? Was denken Sie?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Langfristig werden die erneuerbaren<br />
Energien sicherlich eine größere Rolle spielen als heute,<br />
das ist gar keine Frage. Wenn wir bis zum Jahr 2020 gucken, dann<br />
wird der ganz überwiegende Teil des Energiebedarfs nach wie<br />
vor durch fossile Energien gedeckt werden. Und bei denen ist wichtig,<br />
dass man auch hier die Quellen diversifiziert, das heißt,<br />
einen Mix aus Öl, Gas und Kohle hat. Das zum einen, um sich<br />
gegen Preisrisiken abzusichern und zum anderen, um die Versorgungssicherheit<br />
zu gewährleisten.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b> Wir sind leider schon wieder am<br />
Ende unserer Zeit angelangt. Herzlichen Dank unseren Usern, die<br />
viele und interessante Fragen gestellt haben. Leider kamen nicht<br />
alle zum Zug. Herr Schlesinger, möchten Sie noch ein Schlusswort<br />
an die User richten?
</p>
<p>
<b>Michael Schlesinger:</b> Ich habe das schon kurz erwähnt:<br />
Ich glaube, dass man nicht unbedingt auf die Politik warten muss,<br />
um Energie zu sparen sondern jeder bei sich anfangen kann und sollte<br />
und wir alle dazu beitragen, das Klima zu schützen.
</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Das war unser tagesschau-Chat bei<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und vielen Dank an Herrn Schlesinger. Das Protokoll des Chats ist<br />
in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht<br />
noch einen schönen Tag!</p>
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		<item>
		<title>&#034;Merkel will keine faulen Klima-Kompromisse&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/merkel_will_keine_faulen_klima_kompromisse-488/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Jun 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[G8]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Töpfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span class="fett"><b> Klaus Töpfer war am 4. Juni zu Gast im
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Der ehemalige
Leiter des UN-Umweltprogramms und Ex-Bundesumweltminister sprach
über den Einfluss der G8-Staaten auf den Klimawandel und den
neuen klimapolitischen Weg von USA und China.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span class="fett"><b> Klaus Töpfer war am 4. Juni zu Gast im<br />
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Der ehemalige<br />
Leiter des UN-Umweltprogramms und Ex-Bundesumweltminister sprach<br />
über den Einfluss der G8-Staaten auf den Klimawandel und den<br />
neuen klimapolitischen Weg von USA und China.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Liebe Globalisierungs- und Klima-Interessierte,<br />
herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist unser Chat-Gast heute Klaus Töpfer, langjähriger Bundesumweltminister,<br />
langjähriger Leiter des UN-Umweltprogramms und damit einer<br />
der fachkundigsten Politiker bei den Themen Klimaschutz und Globalisierungsproblematik.<br />
Vielen Dank fürs Kommen, Herr Töpfer, kann es losgehen.</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ja. Ich freue mich, dass ich<br />
hier bin. Hoffentlich haben wir viele Interessierte an der anderen<br />
Seite der Leitung. </p>
<p><b>arzt im einsatz:</b> Was könnte es denn für<br />
Auswirkungen haben, wenn sich die USA nicht am Klimaschutz beteiligen?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Die Auswirkungen wären<br />
erstens, dass die Schwellenländer dies als Signal nehmen, selbst<br />
Anstrengungen zu einer kohlenstoffärmeren Energieversorgung<br />
mit einer geringer Priorität zu behandeln. Zweitens, dass auch<br />
andere entwickelte Länder in Europa die Besorgnis hätten,<br />
dadurch Wettbewerbsnachteile zu haben. Drittens, dass viele Menschen<br />
in der Welt die Rolle und die Aufgaben der Vereinigten Staaten von<br />
Amerika extrem kritisch betrachten und an der Leistungsfähigkeit<br />
demokratischer Systeme zweifeln könnten. Letztlich, dass über<br />
25 Prozent der globalen CO²-Emissionen, die von der USA verursacht<br />
werden, in den Kampf gegen den Klimawandel nicht einbezogen würden.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ktoepfer85x.jpg" alt="Klaus Töpfer" height="120" width="85" /><br />
<i>Klaus Töpfer, <br />
ehemaliger Leiter des UN-Umweltprogramms <br />
und Ex-Bundesumweltminister</i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt: Klimaschutz-Förderung<br />
ist auch Demokratieförderung?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass ist sehr, sehr<br />
ernst zu betrachten. Wir müssen sehen, dass gegenwärtig<br />
das hohe Wohlstandsniveau der entwickelten Länder auch zu einem<br />
Teil über die Klimafolgekosten durch die Ärmsten der Armen,<br />
etwa in Afrika, durch Wetteränderungen, durch Wüstenbildung,<br />
durch Veränderung der Niederschläge, bezahlt wird. Dies<br />
hat weitreichende Konsequenzen für Spannungen und Krisen in<br />
dieser Welt, auch für Flüchtlingsströme und &#8211; wie<br />
gesagt &#8211; für die Glaubwürdigkeit und moralische Integrität<br />
der hoch entwickelten Demokratien. </p>
<p><b>Moderator:</b> Doppelt zum Thema:</p>
<p><b>davidper: </b>Glauben Sie persönlich an eine konstruktiven<br />
Mitwirkung der Bush-Administration in Sachen Klimaschutz?</p>
<p><b>dreigradkälter:</b> Wie lange können sich<br />
Bush bzw. die USA eigentlich noch weigern, das Kyoto-Protokoll zu<br />
unterzeichnen? Wird der internationale Druck nicht irgendwann zu<br />
stark?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Der internationale Druck ist<br />
Grund dafür, dass Präsident Bush jetzt zum ersten Mal<br />
die Notwendigkeit eines quantitativen Ziels auch für die USA<br />
akzeptiert hat. Nach wie vor bedeutet das nicht die Annahme einer<br />
rechtlichen Verbindlichkeit. Nach wie vor ist dies nicht eingebunden<br />
in den rechtlichen Prozess im Rahmen der Vereinten Nationen. Und<br />
es war in besonderer Weise der Druck in den USA, der in der jüngsten<br />
Vergangenheit drastisch angestiegen ist. Die Aktivitäten großer<br />
Unternehmen, etwa des weltweit größten Unternehmens,<br />
General Electric, ja selbst General Motors, auf die Bush-Administration<br />
für eine Klimapolitik bestätigen das. Ebenso die Entwicklung<br />
in den Bundesstaaten, so vor allem in Kalifornien mit Gouverneur<br />
Schwarzenegger und in den Neuenglandstaaten. Nicht zuletzt aber<br />
in einem breiten Druck der Zivilgesellschaft, der in besonderer<br />
Weise durch den Film von Al Gore völlig neue Dimensionen erreicht<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Erneuerbare Energien sichern die Wettbewerbsfähigkeit</b></p>
<p><b>malnor:</b> Spätestens seit dem „Stern-Review“<br />
dürften doch die wirtschaftlichen Risiken eines ungebremsten<br />
Klimawandels angekommen sein. Wieso weigern sich die sonst immer<br />
so wirtschaftlich denkenden Amerikaner dann, endlich aktiv zu werden?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Es ist richtig, die wirtschaftliche<br />
Dimension nicht mit Hinblick auf die Amerikaner, sondern auch mit<br />
Hinblick auf die wachsenden Schwellenländer zu sehen. Zum einen<br />
mit Blick auf die Anpassungskosten an den Klimawandel. Der Bericht<br />
von Sir Nicolas Stern belegt dies und hat gerade auch in der Wirtschaft<br />
der USA, wie bereits zuvor kurz angesprochen, Wirkung gezeigt. Zum<br />
anderen: Die globale wirtschaftliche Entwicklung, so vor allem auch<br />
in China und Indien, bedeutet einen massiven Anstieg der Energienachfrage.<br />
Sie kann nur bei massiv steigenden Preisen und bei erheblicher Versorgungsunsicherheit<br />
bewältigt werden, wenn sich das Energieangebot nur auf Kohle,<br />
Erdöl und Gas begrenzt. Auch die Energieeffizienz ist Voraussetzung<br />
für die Wettbewerbsfähigkeit. Daher sind erneuerbare Energien<br />
und Energieeffizienz auch für die USA eine Grundvoraussetzung,<br />
auch für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. </p>
<p><b>DasWetter:</b> Was ist von Bushs Plan zu halten, mit<br />
China und Indien einen Alleingang in Sachen Klimaschutz zu starten?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dieser Ansatz ist ja gemeinsam<br />
mit Japan und Australien bereits vor einiger Zeit als gemeinsame<br />
Technologie-Initiative gestartet worden. Als Ergänzung zu erfolgreichen<br />
Klima-Verhandlungen im Rahmen der UN ist dieses sinnvoll. Auch Europa<br />
hat mit den asiatischen Staaten und darüber hinaus diese energiebezogene<br />
Technologie-Kooperation deutlich verstärkt. Die Initiative<br />
der USA ist jedoch kein Ersatz, sondern eben nur eine Ergänzung,<br />
eine wichtige Ergänzung, des Klimaprozesses.
</p>
<p>
<b>g-Achter:</b> Ist die Bundeskanzlerin in Sachen Klimaschutz<br />
zu zögerlich, was ein Ergebnis beim G8-Gipfel angeht?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass die Bundeskanzlerin<br />
sehr herausfordernd in die Verhandlungen eines Schlussdokumentes<br />
in das Thema hineingegangen ist. Sie konnte dies von einer guten<br />
Basis tun, nämlich von dem Beschluss der EU, 20 Prozent &#8211; bei<br />
gemeinsamem Handeln sogar 30 Prozent &#8211; des CO²-Ausstoßes<br />
zurückzuführen. Auch die Akzeptanz der wissenschaftlichen<br />
Fakten, so vor allem die Begrenzung des Klimaanstiegs auf maximal<br />
zwei Grad, sind als nicht verhandlungsfähig gestellt worden.<br />
Dies ist sicherlich keine Zögerlichkeit. Der neue Ansatz aus<br />
Washington führt natürlich dazu, das gemeinsam Erreichbare<br />
so kurz vor dem Gipfel zu analysieren und das Nötige auch als<br />
Untergrenze festzulegen. Zu Recht hat Angela Merkel unmissverständlich<br />
klar gemacht, dass sie faule Kompromisse nicht zu unterzeichnen<br />
gedenkt. </p>
<p><b>Moderator:</b> War der Klimaschutzplan von Bush ein<br />
Versuch, Merkel den Wind aus den Segeln zu nehmen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Es war sicherlich der Versuch,<br />
wieder Wind in die eigenen Segel zu bekommen. Die USA waren und<br />
sind nach wie vor in der Klimafrage unter den hoch entwickelten<br />
Ländern weitgehend isoliert, verbunden mit Australien und neuerdings<br />
auch mit Kanada. Die Chancen der Führerschaft auf diesem Gebiet<br />
wurden vertan. Die technologischen Möglichkeiten der USA sind<br />
für eine wirksame Klimapolitik dringlich erforderlich. </p>
<p><b>Substitut:</b> Sind die Treffen der G8 überhaupt<br />
noch zeitgemäß? Müssen nicht viel mehr Interessenvertreter<br />
beteiligt werden, um über die Themen zu beraten?</p>
<p><b>tom l.: </b>Denken Sie, dass die Teilnehmer des G8-Gipfels<br />
legitimiert sind, für die Völker dieser Welt zu entscheiden?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Die G8 entscheiden nicht für<br />
die Völker dieser Welt. Noch einmal ist zu betonen, dass die<br />
Beratungen und Überlegungen der G8, wie die auch anderer Staatengemeinschaften,<br />
etwa die der Gruppe der 77 &#8211; also der Entwicklungsländer &#8211;<br />
in den rechtlichen Prozess der UN einzubinden sind. Die G8 hat keine<br />
rechtlich verbindliche Entscheidungsmöglichkeit für die<br />
globale Staatengemeinschaft.
</p>
<p>
<b>Globalisierung bedarf der Auseinandersetzung</b></p>
<p><b>Räato: </b>Können Sie die (auch gewalttätigen)<br />
Proteste gegen den Gipfel nachvollziehen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer: </b>Ich kann gewalttätige<br />
Proteste nicht nachvollziehen. Und ich bin auch deswegen empört,<br />
weil durch solche Proteste eine Diskussion, die dringlich erforderliche<br />
Diskussion über die Gestaltung der Globalisierung, ganz verdrängt<br />
oder an den Rand gedrückt wird. Globalisierung bedarf auch<br />
der sehr strittigen Auseinandersetzung. Aber eben einer Auseinandersetzung<br />
mit Argumenten und mit Überzeugung, nicht mit Gewalt, die wiederum<br />
nur entsprechende Gegenreaktionen auslöst. So wird die Chance<br />
vertan, anlässlich eines solchen globalen Gespräches den<br />
Verantwortlichen der hoch entwickelten Staaten die Konsequenzen<br />
der Globalisierung vorzustellen und ergänzende Lösungsmöglichkeiten<br />
zu vermitteln. Globalisierung wird nur erfolgreich mit den Menschen<br />
gestaltet werden können. Dies wiederum ist nur möglich,<br />
wenn Globalisierung die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter<br />
vertieft, sondern sie Stück für Stück abbaut. </p>
<p><b>Moderator:</b> Die Veranstalter der Demonstration in<br />
Rostock und Attac-Vertreter haben sich sehr deutlich von den gewalttätigen<br />
Demonstranten distanziert. Wie bewerten Sie das?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist eine gute Entwicklung.<br />
Ich bin sicher, dass sie auch in entsprechende Verhaltensweisen<br />
einmündet und dass man sich von diesen chaotischen Gruppen,<br />
denen die Argumente fehlen und die Gewalt suchen, bei Demonstrationen<br />
distanziert. Dies ist eine gute Voraussetzung für ernsten und<br />
auch fordernden Dialog, auch für Demonstrationen und Protest.<br />
Diese grundgesetzlichen Rechte dürfen in keiner Weise in Frage<br />
gestellt werden. </p>
<p><b>Daniel Fischer: </b>Wie schätzen Sie den Einfluss<br />
der Zivilgesellschaft und die Bedeutung von friedlichen, gewaltfreien<br />
Protesten ein, um den notwendigen Druck auf die Politik auszuüben,<br />
damit der Klimaschutz in der Praxis tatsächlich vorankommt?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dieser Einfluss ist sehr weit<br />
reichend und in demokratischen Staaten auch sehr wirksam. Die klaren<br />
Signale, dass ein wirksamer Klimaschutz auch von den Menschen definitiv<br />
und ultimativ eingefordert wird, ist für die politischen Entscheidungen<br />
in einem demokratischen System von entscheidender Bedeutung. Gerade<br />
deswegen bin ich so daran interessiert, dass diese friedlichen Demonstrationen,<br />
diese Artikulationen an politisches Handeln, sehr machtvoll bestätigt<br />
wird, und nicht durch Chaos und Gewalt erdrückt wird.
</p>
<p>
<b>Das Umweltkapital begrenzt das Wirtschaftswachstum</b>
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Sie haben die Kluft zwischen Arm und<br />
Reich angesprochen:</p>
<p><b>tom l.:</b> Herr Töpfer, glauben Sie, dass maximale<br />
Profite mit einem ehrlichen und kurzfristigen Umweltschutz vereinbar<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, verantwortliches<br />
wirtschaftliches Handeln kann sich nicht ausrichten an maximalen<br />
kurzfristigen Profiten. Die Stabilität der Gesellschaft im<br />
nationalen und globalen Bereich sind entscheidende Voraussetzungen<br />
für globale wirtschaftliche Entwicklung. Ohne diese Stabilität<br />
in Zeiten von Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen<br />
werden auch wirtschaftliche Entwicklungen massiv beeinträchtigt.<br />
Dies gilt auch für den Umweltbereich. Nicht zuletzt in China<br />
ist klar geworden, dass man wirtschaftliches Wachstum nur über<br />
eine begrenzte Zeit ohne Rücksicht auf die Umweltkonsequenzen<br />
maximieren kann. Inzwischen ist das Umweltkapital, also die Verfügbarkeit<br />
und die Sauberkeit von Wasser, die Belastung der Böden, die<br />
Auswirkungen chemischer Stoffe, aber auch die Folgen des Klimawandels,<br />
etwa auf die Wasserwirtschaft, zum begrenzenden Faktor für<br />
das Wirtschaftswachstum geworden. Investitionen in dieses Umweltkapital<br />
erweisen sich nicht als Luxus, sondern als Grundvoraussetzung weiterer<br />
wirtschaftlicher Entwicklung. Diese Erkenntnis wird nicht nur in<br />
China gewonnen und hat auch vor etwa 30, 40 Jahren die Entwicklung<br />
einer bewussten Umweltpolitik in den hoch entwickelten Ländern<br />
zwingend gemacht &#8211; nebenbei auch herausgefordert von einer sehr<br />
kritischen, sehr fordernden Zivilgesellschaft und Bürgerinitiativen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In diesem Zusammenhang: </p>
<p><b>Marbastmann: </b>Wie bewerten Sie den aktuellen chinesischen<br />
CO²-Plan? Wie wird sich China bei den Verhandlungen verhalten?<br />
Moderator: Ist dieser chinesische Plan ein echter Fortschritt?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Zunächst ist festzuhalten,<br />
dass sich China auch in der chinesischen Öffentlichkeit dieser<br />
Herausforderung des Klimawandels stellt. Die Rede des Premierministers<br />
im Parteikongress ist ein Zeichen dieser neuen Orientierung, die<br />
eben nicht mehr nur auf das Wirtschaftswachstum, sondern auch auf<br />
die sozialen Verwerfungen, regionalen Unterschiede zwischen Stadt<br />
und Land sowie auf die weit reichenden Umweltprobleme konkret eingeht.<br />
Der Plan ist umzusetzen und wird, nicht zuletzt auch aus der engen<br />
technologischen Zusammenarbeit mit den hoch entwickelten Staaten,<br />
deutlich weitergehen müssen. Die Entscheidung in China, 20<br />
Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu erhalten,<br />
entspricht der Zielsetzung, die sich auch die EU gegeben hat. <br />
Moderator: Sie sind ja einer der Menschen, der in Sachen Klimaschutz<br />
am meisten unterwegs war:
</p>
<p>
<b>Es gibt nur Verlierer des Klimawandels</b></p>
<p><b>Dogmatix: </b>Ich lebe hier in Irland &#8211; was von der<br />
Distanz nicht weit weg von Deutschland ist. Aber Umweltschutz ist<br />
hier nicht so präsent, man freut sich eher über wärmeres<br />
Wetter durch den Klimawandel. In Tschechien hat der Präsident<br />
sogar ein Buch über das Thema geschrieben. Wie sehr ist das<br />
Klimaproblem eigentlich global gesehen bei den Menschen angekommen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Eine ganz wichtige Frage. Nach<br />
wie vor gibt es die Meinung, dass vom Klimawandel auch viele Menschen<br />
positiv betroffen sind. Dies kann für eine Übergangszeit<br />
sicher auch der Fall sein. Mittel- und langfristig gibt es jedoch<br />
nur Verlierer des Klimawandels: Von den Klimaflüchtlingen bis<br />
hin zu den veränderten Eismassen auf dieser Welt und den damit<br />
verbundenen Veränderungen der Meeresspiegel. Nicht zuletzt<br />
wird auch durch die immer wieder erfolgende Überlegung einiger<br />
Wissenschaftler, dass Klimawandel nicht auf menschliche Aktivitäten<br />
zurückzuführen ist, der Handlungsdruck abgeschwächt.<br />
So ist Klimawandel sicherlich noch nicht überall auf diesem<br />
Globus angekommen. Auch in den Entwicklungsländern wie etwa<br />
in Afrika, die gegen den Klimawandel angesichts ihrer Energiestruktur<br />
nichts tun können &#8211; diesen auch nicht verursachen, wird der<br />
Kampf gegen den Klimawandel als Verpflichtung der hoch entwickelten<br />
Länder angesehen, der das Streben nach mehr wirtschaftlicher<br />
Perspektive nicht in Frage stellen darf. </p>
<p><b>Gerhard123: </b>Gibt es noch wissenschaftlich ernstzunehmende<br />
Zweifel an den Ergebnissen des Weltklimarates?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Wissenschaft besteht immer<br />
darin, dass man bemüht ist, gesichertes Wissen wieder in Frage<br />
zu stellen. Wissenschaft ist nicht die Suche nach bestätigenden<br />
Ereignissen, sondern die gezielte Suche nach widerlegenden, nach<br />
falsifizierenden Fakten. Deswegen muss jeder Wissenschaftler auch<br />
die gesicherten Kenntnisse über den Klimawandel in Frage stellen.<br />
Dies ist nicht zu kritisieren, sondern herauszufordern. Nicht hinzunehmen<br />
ist allerdings, dass die geäußerten Vorbehalte oder Bedenken<br />
als Alibi für Nicht-Handeln missbraucht werden. Eine weniger<br />
kohlenstoffhaltige Energieversorgung ist unter allen Aspekten zwingend<br />
geboten. Wenige Felder politischen Handelns sind wissenschaftlich<br />
so gut abgesichert und erforscht wie die im Klimabereich. <br />
Moderator: Ein Problembereich, den wir im industrialisierten Deutschland<br />
vielleicht gelegentlich aus den Augen verlieren:<br />
mattes: Herr Töpfer, die Entwicklung der Landwirtschaft, vor<br />
allem der Kampf gegen Bodenerosion als erster Schritt, um Umweltkapital<br />
zu sichern, scheint unterzugehen. Welche Rolle spielt die Landwirtschaft<br />
beim G8-Gipfel?</p>
<p><b>baldur:</b> Für wie wichtig halten Sie den Beitrag,<br />
den eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft zum Thema<br />
Klimawandel machen kann?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Der Beitrag der Landnutzung<br />
insgesamt in der Beeinflussung des Klimas ist außerordentlich<br />
weit reichend. Es ist gesichert, dass sowohl die Ozeane als auch<br />
die Lebewesen in den Böden und die Biomasse so genannte Senken<br />
für Kohlendioxid sind. Besonders bedeutsam sind in diesem Zusammenhang<br />
Wälder. Eine ökologisch bewusste Landbewirtschaftung,<br />
eine Erhaltung und Weiterentwicklung von Wäldern erhöhen<br />
damit auch die Senken und ist ein wichtiger Bestandteil jeder Klimapolitik.<br />
So wird zum Beispiel die Aufforstung auch in die Zusammenarbeit<br />
zwischen entwickelten und Entwicklungsländern im so genannten<br />
„sauberen Entwicklungsmechanismus“ (CDM) finanziell<br />
gefördert. Raubbau an Wäldern, Brandrodung und andere<br />
Eingriffe erhöhen dagegen die Risiken des Klimawandels. Nicht<br />
zuletzt ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass auch die Art<br />
der landwirtschaftlichen Produktion und der damit verbundenen Energienutzung<br />
sowie der Einsatz von Kunstdünger Rückwirkungen auf den<br />
Klimawandel haben. Etwas pointiert ist oft gesagt worden: &quot;Wir<br />
essen Öl&quot;. </p>
<p><b>malnor: </b>Sehen sie eine Gefahr in den steigenden<br />
Bestrebungen, Pflanzen als Treibstoffe und ähnliches zu benutzten?<br />
Wird mit diesen theoretisch nachhaltigen Energieträgern nicht<br />
der Druck auf die bestehenden Regenwälder erhöht und der<br />
positive Effekt damit wieder ausgeglichen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist eine sehr berechtigte<br />
Besorgnis. Es ist ein Fakt, dass etwa in Malaysia oder Indonesien<br />
der Anbau von Ölpalmen zur Erzeugung von Palmöl weitreichende<br />
Veränderungen in den Wäldern bewirkt hat. Deswegen ist<br />
es zwingend nötig, schnellstmöglich ökologische Standards<br />
als Voraussetzung für die Erzeugung von Biomasse zu verabschieden,<br />
die selbstverständlich auch bei uns selbst gelten müssen.<br />
Die Weiterentwicklung zu einer zweiten Generation der Treibstoffe<br />
aus Biomasse ist massiv in der Forschung und Entwicklung zu unterstützen.<br />
Der Konflikt zwischen &quot;vollen Tellern, vollen Tanks und intakter<br />
Natur&quot; ist stets zu beachten.
</p>
<p>
<b>Das Konsumverhalten muss sich verändern</b></p>
<p><b>Marko: </b>Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen<br />
Klimaschutz und Bevölkerungspolitik? Etwas platt gefragt: Muss<br />
die Weltbevölkerung nicht möglichst abnehmen, um einen<br />
effektiven Klimaschutz zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass wir zunächst<br />
einmal hinterfragen müssen, ob es sinnvoll ist, dass 20 Prozent<br />
der Weltbevölkerung, also die Menschen in den hoch entwickelten<br />
Ländern, 80 Prozent der Ressourcen für sich in Anspruch<br />
nehmen. Die Bevölkerungsfrage stellt sich bereits gegenwärtig,<br />
wenn jeder Mensch dieser Welt denselben Anspruch an Energie, Rohstoffen<br />
und Lebensmittelversorgung hätte wie der Durchschnitt in den<br />
hoch entwickelten Ländern. Es muss also der Einsatz auch bei<br />
einer Veränderung des Konsumverhaltens in diesen Ländern<br />
glaubwürdig in Angriff genommen werden. Es zeigt sich auch,<br />
dass die Zunahme der Bevölkerung in den einzelnen Regionen<br />
sehr eng geknüpft ist an die Lebensmöglichkeiten in diesen<br />
Ländern. </p>
<p><b>mpichemieAndreas:</b> Menschen, die den Klimawandel<br />
ernst nehmen und differenziert betrachten, tun dies oft, weil sie<br />
viel gereist sind und verschiedensten Landschaften und Kulturen<br />
begegnet sind. Andererseits sollten wir insbesondere Flugreisen<br />
einschränken. Ich würde mich über einen Kommentar<br />
zu diesem Widerspruch sehr freuen.</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist im Kern kein Widerspruch.<br />
Auch in Zukunft bedeutet Globalisierung immer die Möglichkeit,<br />
Kontakt zu haben mit anderen Menschen, andere Regionen kennen zu<br />
lernen, Verständnis zu entwickeln für unterschiedliche<br />
Kulturen, Werte und Überzeugungen. Dies ist durchaus in Einklang<br />
zu bringen mit einem sehr viel bewussteren, sparsameren Reisen,<br />
mit weniger Kurzzeittrips und längeren, aber wesentlich wenigeren<br />
Reisen. Es ist auch in Einklang zu bringen damit, dass Flugbenzin<br />
besteuert wird und dass die Kosten der Umweltnutzung auch bei diesen<br />
Reisen in den Preisen berücksichtigt werden. So wünsche<br />
ich Ihnen auch weiterhin viele gute Kontakte um die ganze Welt herum,<br />
die, wie sie ja wissen, auch sehr gut gepflegt werden können<br />
mit den modernen Techniken der Informations- und Kommunikationstechnologie<br />
&#8211; nicht zuletzt mit der Technologie, durch die ich mich heute mit<br />
ihnen unterhalten konnte. Nebenbei: Ohne Reisen, ohne CO²-Belastung,<br />
ohne Lärm &#8211; von Irland bis Deutschland, sicherlich auch rund<br />
um die Erde. Herzlichen Dank, dass Sie in dieser Stunde mitgewirkt<br />
haben.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren unsere 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wer ihn verpasst hat, kann wie immer das komplette Protokoll dieser<br />
Diskussion in Kürze auf www.tagesschau.de oder www.politik-digital.de<br />
nachlesen. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und die zahlreichen<br />
Fragen und herzlichen Dank an Herrn Töpfer, dass Sie sich die<br />
Zeit für den Chat genommen haben.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/merkel_will_keine_faulen_klima_kompromisse-488/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Den armen Ländern steht das Wasser bis zum Hals&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotden_armen_laendern_steht_das_wasser_bis_zum_halsquot-531/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotden_armen_laendern_steht_das_wasser_bis_zum_halsquot-531/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Mar 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Luftfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Schmied]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<span class="fett">Bayerischer
Wald statt Ballermann: Der Tourismus- und Luftfahrtexperte Martin
Schmied vom Öko-Institut chattete im tagesschau-Chat in Kooperation
mit politik-digital.de über den Klimakiller Flugzeug und beantwortete
Fragen der User, wie man denn guten Gewissens Urlaub machen kann.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett">Bayerischer<br />
Wald statt Ballermann: Der Tourismus- und Luftfahrtexperte Martin<br />
Schmied vom Öko-Institut chattete im tagesschau-Chat in Kooperation<br />
mit politik-digital.de über den Klimakiller Flugzeug und beantwortete<br />
Fragen der User, wie man denn guten Gewissens Urlaub machen kann.</span><!--break--></p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen,<br />
liebe User, zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Bei uns zu Gast ist heute<br />
Martin Schmied, Luftfahrt- und Tourismus-Experte beim Öko-Institut.<br />
Herr Schmied, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Ja, vielen Dank.
</p>
<p>
<b>spitzer</b>: Was halten Sie vom aktuellen EU-Klimakompromiss?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Das ist erfreulich, dass er zustande<br />
kam. Aber wichtiger als das 20-Prozent-Ziel bei regenerativen Energien<br />
ist, 20 Prozent weniger CO2 zu erreichen, was gestern schon beschlossen<br />
wurde. Damit dies allerdings Rückwirkungen auch auf den Tourismus<br />
hat, müsste auch der Flugverkehr miteinbezogen werden. Dazu<br />
laufen derzeit noch die Verhandlungen.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/photos/mschmied.jpg" height="356" width="300" /><br />
<i>Martin Schmied, Tourismus- und Luftfahrtexperte</i>
</p>
<p>
<b>rondo:</b> Ich fliege gerne zweimal im Jahr nach Mallorca.<br />
Was kann ich trotzdem für den Klimaschutz tun?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Grundsätzlich formuliert<br />
ist dann vor allem eins noch möglich: tatsächlich die<br />
Reise zu kompensieren. Hierzu gibt es verschiedene Anbieter wie<br />
zum Beispiel Atmosfair. Hier würde dann der Hin- und Rückflug<br />
20 Euro zusätzlich kosten, dafür führt Atmosfair<br />
Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern durch,<br />
die die gleiche Menge CO2 reduzieren wie der Flug. Besser wäre<br />
aber auch, einmal auf eine Reise zu verzichten und vielleicht auch<br />
einen Urlaub in Deutschland oder Italien zu machen.
</p>
<p>
<b>feldberg:</b> Kann man Flugzeuge nicht einfach klimafreundlicher<br />
bauen? Bei Autos scheint das doch auch zu gehen.
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Da gibt es gewisse technische<br />
Grenzen. Derzeit plant Boeing ein neues Flugzeug mit der Bezeichnung<br />
„Dreamliner&quot;. Das soll 20 Prozent weniger Kerosin verbrauchen.<br />
Das Problem ist, dass Flugzeuge viel länger geflogen werden<br />
als Fahrzeuge in Betrieb sind. <br />
Bis sich solche Flugzeuge durchsetzen, kann es 30 Jahre dauern.
</p>
<p>
<b>Zocker:</b> Was halten Sie von einer Besteuerung des<br />
Flugbenzins und einer CO2-Abgabe durch die Fluggesellschaften?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Grundsätzlich wäre das<br />
durchaus ein Schritt, da man nicht hoffen kann, dass Urlauber freiwillig<br />
auf ihren heiß geliebten Urlaub verzichten werden. Wenn allerdings<br />
der Flug teurer wird, wird sich der ein oder andere vielleicht doch<br />
überlegen, wo er hinreist.
</p>
<p>
<b>regula:</b> Die Umweltprobleme enden doch nicht beim<br />
Flug (Bettenburgen, Trinkwasser). Wie kann man am Urlaubsort etwas<br />
für die Umwelt tun?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Das ist richtig. Derzeit wird<br />
alles auf das Thema Klima und Flug reduziert. Ein weiterer Schritt<br />
sind umweltfreundliche Hotels, die auch große Reiseveranstalter<br />
im Angebot haben. Die sparen Wasser und Energie. Selbst kann man<br />
vor Ort auch versuchen, sich umweltfreundlich zu verhalten, zum<br />
Beispiel auf Mietautos zu verzichten. Aber man muss trotzdem resümieren,<br />
dass der Flug bezogen auf die Gesamttreibhausgasemissionen bei einer<br />
Reise den höchsten Teil ausmachen – zum Beispiel bei<br />
Fernreisen über 90 Prozent.
</p>
<p>
<b>weiss:</b> Wie reagiert die Reisebranche auf umweltfreundlichen<br />
Urlaub?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Verhalten. Es gibt einerseits<br />
alternative Reiseveranstalter, die auch in der Vergangenheit hohe<br />
Wachstumsraten hatten. Ihr Marktanteil ist aber verschwindend gering,<br />
kleiner als ein Prozent. Große Reiseveranstalter bieten in<br />
der Regel umweltfreundliche Hotels an. Das reicht in diesem Fall<br />
aber nicht. Eigentlich müsste man andere Urlaubsregionen stärker<br />
bewerben &#8211; die, die näher liegen. Oder auch dafür werben,<br />
längere Reisen durchzuführen statt vieler kurzer Reisen.
</p>
<p>
<b>Jan Kummerfeldt:</b> Welches ist denn Ihrer Meinung<br />
nach das umweltfreundlichste Verkehrsmittel für Fernreisen?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Für Fernreisen wäre<br />
es tatsächlich wahrscheinlich das Schiff. Es ist allerdings<br />
in der heutigen Gesellschaft völlig unrealistisch, dass ein<br />
Urlauber fünf Tage per Schiff nach New York fährt. Bei<br />
Fernreisen gibt es de facto keine Alternative zum Flug.
</p>
<p>
<b>ÖkoUrlauber:</b> Mit dem Flugzeug nach Übersee<br />
in den Ökourlaub: Wie sind die Verhältnisse? Ich vermute,<br />
dass ein Überseeflug das Gute am Ökourlaub mehr als zunichte<br />
macht.
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Das ist schwierig gegeneinander<br />
abzuwägen. Auf der einen Seite die Treibhausgasemissionen,<br />
die bei einer Fernreise hoch sind, und auf der anderen Seite die<br />
wirtschaftliche Entwicklung, die in den Urlaubsregionen initiiert<br />
wird. Gerade Ökoreise-Veranstalter versuchen, dass am Urlaub<br />
die bereisten Urlaubsregionen gut verdienen. Das ist auch ein wichtiger<br />
Aspekt.
</p>
<p>
<b>cs: </b>Denkt man rein in Kosten-Nutzen-Kategorien:<br />
Würde eine stärkere Reglementierung des Flugverkehrs in<br />
Richtung Klimaschutz nicht teurer (zumindest für Deutschland)<br />
sein als die Schäden, die uns der Klimawandel bringt und mit<br />
denen wir ja aufgrund unserer hoch entwickelten Wirtschaft vielleicht<br />
relativ gut umgehen könnten im Gegensatz zu vielen Entwicklungsländern?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Das wäre sehr unverantwortlich<br />
bezogen auf die Länder, die vom Klimawandel noch stärker<br />
betroffen sind als Deutschland. Man könnte sagen: Wir Reichen<br />
überstehen den Klimawandel gut und machen deshalb nichts. Und<br />
den armen Ländern steht das Wasser bis zum Hals &#8211; im wahrsten<br />
Sinne des Wortes &#8211; weil die Meeresspiegel ansteigen. Wer, wenn nicht<br />
wir, sollte die Emissionen reduzieren?
</p>
<p>
<b>cybersnake:</b> Wenn wir weniger fliegen, fallen doch<br />
mehr Arbeitsplätze weg, oder nicht? Sollten die Firmen nicht<br />
versuchen, bessere Filter zu verwenden?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Bezogen auf CO2 gibt es keine<br />
Filtertechnik, die im Flugzeug einsetzbar ist. So etwas wird derzeit<br />
bei Kraftwerken diskutiert. Für diesen Fall müssen Sie<br />
aber eine große chemische Fabrik hinter das Kraftwerk stellen.<br />
So etwas ist beim Flugzeug überhaupt nicht möglich, allein<br />
aufgrund der Größe.
</p>
<p>
<b>Robinho:</b>: Glauben Sie, durch Abschaffung von Billigfliegern<br />
kann der CO2-Ausstoß schon verringert werden?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Durch Abschaffung der Billigflieger<br />
nicht. Entscheidend ist ja der Preis. Es gibt ja auch immer mehr<br />
billige Angebote von traditionellen Airlines. Alles auf Billigflieger<br />
zu reduzieren, wäre zu einfach.
</p>
<p>
<b>gecko:</b> Sind viele Länder nicht vom Tourismus<br />
abhängig und haben gerade in letzter Zeit den Umweltschutz<br />
erkannt, um den Tourismus aufrecht zu erhalten?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Das stimmt. Aus diesem Grund ist<br />
ein wichtiges Ziel, Qualitätstourismus in diesen Ländern<br />
zu fördern, damit mit weniger Urlaubern genügend Einkommen<br />
in den Ländern erwirtschaftet werden kann.
</p>
<p>
<b>sudnews.net:</b> Mir hat gerade vorgestern ein Tourismusmanager<br />
gesagt, dass seine Branche Illusionen verkaufe. Wie kann ich ihm<br />
erklären, dass die Zukunft im ehrlichen Tourismus liegt?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Indem man Geld damit verdient.<br />
Gerade die Urlauber, die für das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit<br />
ansprechbar sind &#8211; das sind etwa 30 Prozent der deutschen Urlauber<br />
&#8211; verdienen überdurchschnittlich gut und sind daher ein attraktiver<br />
Markt für Reiseveranstalter. Daher kann man mit dieser Gruppe<br />
Geld verdienen.
</p>
<p>
<b>ÖkoUrlauber:</b> Gibt es für zertifizierte<br />
Ökoreisen (inklusive Anreise) ein Siegel?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Nein, ein pauschales Siegel gibt<br />
es nicht. Es gibt allerdings in Deutschland einen Zusammenschluss<br />
alternativer Reiseveranstalter unter dem Dach „Forumandersreisen<br />
e.V.&quot;. Die Mitglieder vom „Forum Anders Reisen&quot;<br />
müssen Umwelt und Sozialstandards erfüllen. Damit sind<br />
diese Reiseveranstalter durchaus eine gute Wahl. In Deutschland<br />
gibt es die Umweltdachmarke „Viabono&quot;. Die Hotels, die<br />
über „Viabono&quot; angeboten werden, müssen ebenfalls<br />
Umweltkriterien erfüllen.
</p>
<p>
<b>rudivoeller:</b> Was zeichnet denn eine Ökoreise<br />
als solche aus? Wer kann das bestimmen???
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Es kann eigentlich niemand pauschal<br />
bestimmen. Aber grundsätzlich sollte eine Öko-Reise ökologisch<br />
vertretbar sein, zur Stärkung der regionalen Wirtschaft in<br />
den bereisten Ländern beitragen, Arbeitsplätze vor Ort<br />
schaffen und Zufriedenheit bei den Reisenden und Bereisten ermöglichen.<br />
Kurz: Es muss sowohl ökonomische, ökologische und vor<br />
allem auch soziale Ziele erfüllen.
</p>
<p>
<b>patera:</b> Merkt man bereits ein Umdenken bei den<br />
Kunden hinsichtlich des Umweltbewusstseins?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Bisher nicht. Es ist zwar derzeit<br />
kurzfristig das Thema Klima in aller Munde, allerdings zeigt die<br />
Vergangenheit, dass das Thema nicht sehr beliebt ist bei Urlaubern<br />
und daher sehr gerne verdrängt wird. Ich hatte gerade schon<br />
darauf hingewiesen, dass ca. 30 Prozent der Urlauber prinzipiell<br />
ansprechbar sind für das Thema. Das heißt aber auch,<br />
dass 70 Prozent für das Thema nicht ansprechbar sind. Bei diesen<br />
Urlaubern wird ein Umdenken wahrscheinlich nur über eine Verteuerung<br />
der Reise erfolgen.
</p>
<p>
<b>nico71:</b> Welche Alternative soll es denn zum Fliegen<br />
geben? Das Flugzeug ist heute das ökologisch und ökonomisch<br />
fortschrittlichste Transportmittel für Strecken ab 350 Kilometer.
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Grundsätzlich hängt<br />
die Verkehrsmittelwahl mit der Auswahl des Reiseziels zusammen.<br />
Damit ist es tatsächlich so, dass, wer weitere Reisen macht,<br />
das Flugzeug nutzt, weil er schnell dorthin kommen möchte.<br />
Aber deshalb ist das Flugzeug nicht das ökologischste Verkehrsmittel.<br />
Nehmen Sie zum Beispiel das Beispiel Norditalien. Sie fahren mit<br />
dem PKW von Berlin in die Toskana. Dann emittieren Sie etwa 25 Prozent<br />
weniger Treibhausgase als bei einem Flug. Was aber viel entscheidender<br />
ist: dass in der Regel mit der Entscheidung zu fliegen auch gleichzeitig<br />
ein weiter entfernter Urlaubsort ausgewählt wird. Um es plakativ<br />
zu machen: Für eine Karibikreise, bei der Sie sechs Tonnen<br />
CO2 emittieren, könnten Sie auch 40 Mal in Deutschland Urlaub<br />
machen, wenn Sie mit dem PKW anreisen. Reisen Sie mit dem Zug an,<br />
könnten Sie auch 80 Mal Urlaub machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine heute oft gestellte Frage unserer<br />
User:
</p>
<p>
<b>takeoff:</b> Wieso wird derzeit nur auf der Fliegerei<br />
rumgehackt? Es ist doch eindeutig, dass pro Einzelperson und Kilometer<br />
das Auto deutlich umweltschädlicher ist. Und auch in absoluten<br />
Werten werden weltweit deutlich mehr Autoabgase produziert als Flugzeugabgase.<br />
Warum fängt die Diskussion nicht beim Auto an?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Das ist ein schräger Vergleich.<br />
Ich wollte das gerade mit diesem Beispiel verdeutlichen. Sie haben<br />
Recht: Ein Flugzeug braucht pro 100 Kilometer und Person rund vier<br />
Liter Kerosin, ein Auto mit zwei Personen besetzt braucht etwas<br />
weniger. Das Problem ist aber, dass Sie mit dem Flugzeug deutlich<br />
weitere Strecken zurücklegen. Der zweite Punkt ist, dass der<br />
Flugverkehr stark anwächst. Allein die Auslandsflüge in<br />
Deutschland haben sich gegenüber 1990 verdreifacht. Geht man<br />
von den Wachstumsraten von rund drei Prozent pro Jahr weiter, dann<br />
verdoppelt sich der Flugverkehr rund alle 20 Jahre. Rechnen Sie<br />
das auf die ganze EU hoch, bedeuten diese Wachstumsraten, dass der<br />
Flugverkehr allein schon im Jahr 2050 so viel CO2 emittiert wie<br />
der gesamten EU zur Verfügung steht, damit eine Klimaerwärmung<br />
auf zwei Grad beschränkt werden könnte. Sie dürften<br />
also gar nicht mehr Autofahren, nicht mehr heizen, keine Produkte<br />
kaufen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was halten Sie von den Malus-Regelungs-Plänen<br />
von Verkehrsminister Tiefensee, nach denen Airlines mit älterer<br />
Flotte höhere Start- und Landegebühren zahlen sollen?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Es ist auf jeden Fall ein guter<br />
Schritt. Es ist aber kein wesentlicher Beitrag im Rahmen der gerade<br />
geführten Klimaschutzdebatte für Flugreisen. Wichtiger<br />
wäre hier die Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel.
</p>
<p>
<b>Martinus:</b> Fernreisen werden immer billiger. Müssen<br />
nicht auch die Reiseveranstalter hier etwas tun?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Die Reiseveranstalter versuchen<br />
natürlich, ihre Reisen so billig wie möglich zu verkaufen.<br />
Ich halte es für völlig unrealistisch, dass ein gewinnorientiertes<br />
Unternehmen freiwillig seine Reisen verteuern würde und damit<br />
Marktanteile an Konkurrenten verliert.
</p>
<p>
<b>günter k:</b> Warum wird die Bahn nicht mehr<br />
in die Pflicht genommen?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Die Bahn könnte natürlich<br />
mehr Reiseangebote auf den Markt bringen, zum Beispiel über<br />
ihren Veranstalter „Ameropa-Reisen&quot;. Allerdings muss<br />
einem klar sein, dass diese Angebote nur dann punkten können,<br />
wenn auch Kunden sie nachfragen. Hierzu müssen Urlauber überhaupt<br />
erstmal überlegen, ob sie in Deutschland oder im benachbarten<br />
Ausland überhaupt Urlaub machen wollen. Nur dann haben diese<br />
Angebote überhaupt eine Chance. Derzeit fragen sich die Urlauber<br />
eher: Mache ich dieses Jahr Urlaub in Spanien oder in der Türkei?<br />
Und da ist die Bahn natürlich keine echte Alternative.
</p>
<p>
<b>test2:</b> Gäbe es nicht auch die Möglichkeit,<br />
die Flüge besser logistisch zu verknüpfen? Das heißt,<br />
wenn ich von Paris nach New York fliege, sollte ich ja nicht unbedingt<br />
über Prag fliegen. Vermutlich sind auch viele Flüge nicht<br />
hundertprozentig ausgelastet. Wieviel Potenzial (alleine prozentual)<br />
hat die bessere Verknüpfung?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> In gleicher Art und Weise wird<br />
derzeit ein europaweit einheitlicher Flugraum diskutiert. Ziel wäre,<br />
unnötige Umwege zu vermeiden. Es wird geschätzt, dass<br />
damit zwischen zehn und 15 Prozent der Emissionen eingespart werden<br />
könnten. Dies ist ein wichtiger Schritt, aber die oben beschriebenen<br />
Wachstumsraten fressen solche Effizienzverbesserungen schnell auf.
</p>
<p>
<b>Rimme:</b> Was ist gegen ein Verbot von Inlandsflügen<br />
&#8211; abgesehen von Notfällen &#8211; einzuwenden?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Dass es rechtlich nicht möglich<br />
ist.
</p>
<p>
<b>nico71:</b> Sollen nur noch Reiche weit fliegen dürfen<br />
und der „Normalverdiener“ im verregneten Deutschland<br />
Urlaub machen müssen? Ich kann mit der Bahn nicht nach Kapstadt<br />
fahren!
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Diese Preisproblematik ist tatsächlich<br />
ein wichtiges Argument. Daher gehen derzeit die Überlegungen<br />
dahin, den Luftverkehr in den Emissionshandel mit einzubeziehen.<br />
Es soll dadurch erreicht werden, dass alle Effizienzminderungen<br />
ausgereizt werden. Die Folge ist aber, dass die Flüge zwischen<br />
fünf und 40 Euro teurer werden. Ich denke, dass diese Preiserhöhungen<br />
durchaus noch im vertretbaren Rahmen sind. Langfristig werden allerdings<br />
auch durch den Emissionshandel Flüge deutlich teurer werden.<br />
Und damit werden Fernreisen nicht mehr für jeden bezahlbar.
</p>
<p>
<b>fanta:</b> Welche CO2-Ersparnis erreiche ich denn<br />
mit einer Bahnreise gegenüber dem Flugzeug?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Ein Flug emittiert etwa 170 Gramm<br />
CO2 pro Kilometer und Person. Mit der Bahn liegen Sie bei etwa 75<br />
Gramm. Bei diesem Vergleich ist noch nicht berücksichtigt,<br />
dass die Flugzeugemissionen eine deutlich höhere Klimawirksamkeit<br />
haben. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Klimawirkung<br />
bezogen auf CO2 um den Faktor zwei bis fünf höher liegt.<br />
Das kommt daher, dass Stickoxid- und Wasserdampf-Emissionen der<br />
Flugzeuge in Reiseflughöhe ebenfalls zum Treibhauseffekt beitragen.<br />
Sie müssen daher die 170 Gramm eigentlich noch mit dem Faktor<br />
Zwei multiplizieren.
</p>
<p>
<b>Robinho:</b>: Glauben Sie, dass wir wirklich den CO2-Ausstoß<br />
bis 2020 um ein Fünftel verringern können? Meiner Meinung<br />
nach ist dies nicht realistisch. Es ist auch die Frage, was es bringt,<br />
wenn USA und China gar kein Interesse daran haben?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Ich persönlich halte überhaupt<br />
nichts davon, immer auf andere zu verweisen, die nichts tun. Man<br />
sollte schon vor seiner eigenen Haustüre als erstes kehren.<br />
Wenn wir Vorreiter im Klimaschutz sind, ziehen vielleicht andere<br />
Staaten hinterher. Und was man auch nicht vergessen darf: Durch<br />
eine auf Klimaschutz ausgerichtete Wirtschaft kann man in Zukunft<br />
auch viel Geld verdienen. Zur Frage, ob das Ziel erreichbar ist:<br />
Ich denke sehr wohl. Allerdings ist der Teilbereich des Flugverkehrs<br />
sicher einer der kritischsten.
</p>
<p>
<b>Jonas2:</b> Wie kann CO2 denn konkret aus der Luft<br />
gebunden werden? Ich frage dies vor dem Hintergrund der Ankündigung<br />
Neuseelands, CO2-neutral zu werden.
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Man kann CO2 nicht aus der Luft<br />
binden. Man kann CO2 nur reduzieren, durch Klimaschutzmaßnahmen.<br />
Wenn Neuseeland plant, klimaneutral zu werden, heißt das,<br />
dass Klimaschutzprojekte realisiert werden, die genau die Menge<br />
an CO2 einsparen, die in Neuseeland emittiert wird. Ganz wichtig<br />
dabei ist: Diese Klimaschutzprojekte können auch in anderen<br />
Ländern realisiert werden, weil es egal ist, wo das CO2 vermieden<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nochmal zum Stichwort „vor der<br />
eigenen Tür kehren&quot;:
</p>
<p>
<b>Yeti747:</b> Ist denn eine Vorreiterrolle in absehbarer<br />
Zeit realistisch, wenn Frau Merkel bei der Umweltverträglichkeit<br />
unserer eigenen Autos auf die Bremse tritt und wir immer noch Kohle<br />
subventionieren?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Das ist tatsächlich fraglich.<br />
Sie sprechen zwei wichtige Bereiche an. Wenn wir tatsächlich<br />
bei dieser Haltung zu diesen Themen bleiben, dann wird die Zielerreichung<br />
schwierig. <br />
Aber ich denke, bei Autos ist der gefundene Kompromiss durchaus<br />
geeignet, die Treibhausgasemissionen nachhaltig zu senken.
</p>
<p>
<b>mtu:</b> Was sagen Sie jenen, die die Kernenergie<br />
als Weg aus der Klimaproblematik sehen?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Die Kernenergie ist zwar CO2-arm,<br />
aber mit Sicherheit keine Zukunftstechnologie. Unsere Anstrengungen<br />
sollten viel stärker in die Richtung gehen, alle möglichen<br />
Effizienzpotentiale zu erschließen und den Anteil erneuerbarer<br />
Energien auszubauen. Ich möchte nochmals betonen: Wenn wir<br />
Vorreiter bei diesen Technologien sind, werden wir auch ökonomisch<br />
die Vorreiterrolle haben.
</p>
<p>
<b>Robinho:</b>: Mal als Fazit &#8211; kann der Einzelne wirklich<br />
schon dazu beitragen, um den CO2 &#8211; Ausstoß zu verringern &#8211;<br />
oder sollten sich eher die Großkonzerne an die Nase packen?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Es sollten sich beide an die Nase<br />
packen. Aber auf jeden Fall kann der Kunde oder der Reisende selbst<br />
viel entscheiden. Er kann sich überlegen, ob er vielleicht<br />
länger verreist, ob er näher verreist oder ob er auf umweltfreundliche<br />
Verkehrsmittel umsteigt. Durch Ihre Nachfrage nach entsprechenden<br />
Reisen werden auch die Konzerne motiviert, mehr davon anzubieten.<br />
Die Reiseveranstalter selbst sollten sich aber durchaus auch stärker<br />
engagieren &#8211; für Klimaschutz und für die Umwelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir sind leider schon wieder am Ende<br />
unserer Zeit angelangt. Herzlichen Dank unseren Usern, die viele<br />
und interessante Fragen gestellt haben. Herr Schmied, möchten<br />
Sie noch ein Schlusswort an die Leser richten?
</p>
<p>
<b>Martin Schmied:</b> Ja: Ich wünsche einen schönen<br />
Urlaub.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat bei tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Vielen Dank für Ihr Interesse und vielen<br />
Dank an Herrn Schmied. Das Protokoll des Chats ist in Kürze<br />
zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht noch einen schönen<br />
Tag!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Unser Jahrhundert kann zu einem Jahrhundert der Ressourcenkriege werden&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jul 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Biosprit]]></category>
		<category><![CDATA[Erneuerbare Energie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Donnerstag, 13. Juli, 
war Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im 
Bundesumwelt-ministerium, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in 
Kooperation mit politik-digital.de. Er stellte sich den Fragen der 
Nutzer zu der Besteuerung von Öko-Kraftstoffen, der Zukunft 
der Atomenergie und alternativer Energiegewinnung.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Donnerstag, 13. Juli,<br />
war Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im<br />
Bundesumwelt-ministerium, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in<br />
Kooperation mit politik-digital.de. Er stellte sich den Fragen der<br />
Nutzer zu der Besteuerung von Öko-Kraftstoffen, der Zukunft<br />
der Atomenergie und alternativer Energiegewinnung.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Chatter, heute<br />
ist Michael Müller zu uns ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen.<br />
Er ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium.<br />
Entsprechend sind Fragen zu den Themen Umwelt und Energie bei ihm<br />
goldrichtig aufgehoben. Wir versuchen wie immer, so viele Fragen<br />
wie möglich zu berücksichtigen. Herr Müller, können<br />
wir loslegen?
</p>
<p>
<b><b>Michael Müller:</b></b> Gerne.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Beziehungen zwischen Russland und den USA seien<br />
auf dem Tiefpunkt angekommen, schreibt der SPIEGEL. Es geht vor<br />
allem um das neue Selbstbewusstsein, das Russland aus seinen riesigen<br />
Öl- und Gasvorkommen bezieht. Droht der Welt eine ähnliche<br />
Konfrontationslage wie zu Zeiten des Kalten Krieges und kann daraus<br />
sogar ein „warmer“ Krieg werden?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Es sind viele sehr ernsthafte Politiker und<br />
Wissenschaftler, die davor warnen, dass unser Jahrhundert zu einem<br />
Jahrhundert der Ressourcenkriege werden kann. Man muss sehen, dass<br />
es dazu viele Vorwarnungen gibt. 1979 hat der damalige US-Präsident<br />
Carter versucht, seinem Land ein vergleichsweise bescheidenes Einsparprogramm<br />
bei Öl zu diktieren. Er ist gescheitert und eine Konsequenz<br />
daraus war, dass er eine Direktive zur Bildung einer Nahost-Einsatztruppe<br />
zur Sicherung von Öl erlassen hat. Der erste Chef dieser Truppe<br />
war General Schwartzkopf, der 1991 Oberbefehlshaber im Golfkrieg<br />
war. Und schließlich ist heute in der NATO-Doktrin die Sicherung<br />
von Rohstoffquellen auch ein Auftrag. Selbst im Entwurf des Weißbuchs<br />
der Bundeswehr hat Verteidigungsminister Jung herein schreiben lassen,<br />
dass die Bundeswehr auch zur Sicherung von Rohstoffquellen zur Verfügung<br />
stehen soll. Dies ist eine dramatische Zuspitzung. Ich bin dafür,<br />
dass vor allem die EU mit Russland, das in der Tat zu einer neuen<br />
Supermacht wegen seiner Rohstoffquellen aufsteigt, eine strategische<br />
Partnerschaft beginnt. Ziel muss es sein, dass die Westeuropäer<br />
intelligente Nutzungs- und Effizienztechnologien zum schonenden<br />
Abbau von Rohstoffen liefern und im Gegenzug Russland Versorgungssicherheit<br />
garantieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie können ja das Weißbuch als Leitlinie<br />
scheitern lassen.
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Ich habe schon mehrfach öffentlich erklärt,<br />
dass ich das für grundfalsch halte, was da im Weißbuch<br />
steht. Es geht aber um die Grundfrage, ob die sich zuspitzenden<br />
Energie- und Rohstofffragen militärisch oder zivil gelöst<br />
werden. Im Augenblick überwiegt eher die militärische<br />
Komponente.
</p>
<p>
<b>JPF:</b> Warum ist die Mehrwertsteuer so hoch bei<br />
den Spritpreisen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Die Mehrwertsteuer ist generell und hat nichts<br />
mit dem Spritpreis zu tun. Damit ist aber wohl gemeint, ob es nicht<br />
zu viele Belastungen der öffentlichen Hand auf den Spritpreis<br />
gibt. Unabhängig davon, dass in Westeuropa der Spritpreis überall<br />
relativ gleich ist, muss man davon ausgehen, dass auch unabhängig<br />
vom staatlichen Anteil die Energiepreise steigen werden. Heute liegt<br />
der Barrelpreis Öl bei 75 US-Dollar, das war vor zwei Jahren<br />
noch völlig undenkbar. Nun müssen wir davon ausgehen,<br />
dass er sogar bis 200 US-Dollar ansteigen kann in den nächsten<br />
Jahrzehnten. Deshalb müssen endlich spritschonendere Fahrzeuge<br />
auf den Markt. Es kann nicht sein, dass wir zwar zum Teil effizientere<br />
Motoren haben, aber der Benzinverbrauch trotzdem kaum sinkt, weil<br />
die Autos immer schwerer werden und immer mehr Nebeneinrichtungen<br />
haben. Hier ist jetzt vor allem die Automobilindustrie am Zuge,<br />
mindestens das Fünf-Liter-Auto auf den Markt zu bringen.
</p>
<p>
<b>Leutselig: </b>Sprit ist eh schon teuer genug, warum<br />
wird er nicht von der Mehrwertsteuererhöhung ausgenommen –<br />
das wäre doch ein faires Signal von der Bundesregierung an<br />
den Verbraucher?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Erstens wäre es europarechtlich gar nicht<br />
machbar und zweitens löst es nicht das Kernproblem, dass wir<br />
wegkommen müssen von dem hohen Ölverbrauch. Das Umweltministerium<br />
wird stattdessen und das wird sich auch für den Verbraucher<br />
auszahlen, schrittweise den Anteil der Biokraftstoffe erhöhen.<br />
Unser Ziel ist es, in den nächsten 15 Jahren auf einen Anteil<br />
von 10-12 Prozent zu kommen.
</p>
<p>
<b>Udo Schuldt:</b> Sie gelten als Förderer des<br />
Bio-Diesels. Alle deutschen Agrarflächen reichen aber nicht<br />
aus, um genug Bio-Diesel für alle deutschen Kfz zu produzieren.<br />
Nun soll z.B. Palmöl aus der Dritten Welt&quot; importiert<br />
werden. Für die Palmölproduktion werden aber Naturwälder<br />
abgeholzt. Ist das sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Nein, überhaupt nicht. Das ist auch nicht<br />
mein Weg. Es geht darum, einerseits reine Biokraftstoffe zu fördern.<br />
Dazu müssen entsprechende ökologisch vertretbare Rahmenbedingungen<br />
gesetzt werden. Und andererseits müssen industrielle Beimischungsformen<br />
gefunden werden. Es darf auf keinen Fall dazu kommen, dass die Strategie<br />
&quot;Weg vom Öl&quot; heißt, die Ausbeutungsspirale<br />
für die indigenen Völker noch weiter zu verschärfen.<br />
Für mich gehören beispielsweise die Urwälder zum<br />
gemeinsamen Erbe der Menschheit und müssen deshalb im Interesse<br />
aller Menschen geschützt werden.
</p>
<p>
<b>ÖkoAir:</b> Keine Steuerprivilegien mehr für<br />
Öko-Kraftstoffe, aber für Kerosin? Seit wann ist eigentlich<br />
das Flugzeug das umweltfreundlichste Verkehrsmittel?
</p>
<p>
<b>Aral:</b> Wird das Steuerprivileg für Öko-Kraftstoffe<br />
definitiv fallen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Wir haben im Augenblick eine Situation, dass<br />
wir von der EU, also von Brüssel, aufgefordert sind, eine angebliche<br />
Privilegierung von Ökokraftstoffen zu beenden. Deshalb sind<br />
wir auch in Verhandlungen mit der EU, weil wir eine Privilegierung<br />
des Ökokraftstoffs wollen, weil er sich nur so am Markt durchsetzen<br />
kann. Derzeit haben wir eine Regelung, die bis zum Jahre 2013 geht.<br />
Sie muss aus meiner Sicht Ende des Jahrzehnts überprüft<br />
und möglichst verlängert werden. Die Steuerbefreiung für<br />
Kerosin ist und bleibt eine ökologische Sünde, für<br />
deren Beseitigung wir allerdings europäische Regeln brauchen.<br />
Die Finanzminister beraten über eine solche Regelung. Allerdings<br />
habe ich nicht den Eindruck, dass das alle mit Nachdruck tun. Im<br />
Übrigen kann man auch selbst etwas dazu tun. Wir haben deshalb<br />
die Aktion &quot;AtmosFair&quot; gestartet, wo die Benutzer von<br />
Flugzeugen in einen Fonds einzahlen, aus dem wir ökologische<br />
Maßnahmen finanzieren.
</p>
<p>
<b>GTI:</b> Welche Vorteile hat die Beimischung von Biosprit<br />
eigentlich?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Sie senkt, das ist wohl das Wichtigste, ganz<br />
eindeutig den CO2-Gehalt. Wir kommen etwa auf eine Reduzierung von<br />
10-12 Prozent CO2. Außerdem ist es der richtige Schritt zu<br />
größerer Unabhängigkeit einerseits von den großen<br />
Ölkonzernen und andererseits von den Förderländern.<br />
Das ist allerdings nur relativ.
</p>
<p>
<b>TiDE:</b> Ist das Problem bei dem Spritverbrauch der<br />
Autos nicht auch, dass zwar sparsamere Fahrzeuge auf den Markt kommen,<br />
aber keine Nachfrage besteht (siehe VW Lupo)? In den letzten Jahren<br />
ist meines Wissens der konstante durchschnittliche Spritverbrauch<br />
auf steigende PS-Zahlen zurückzuführen &#8211; wie kann man<br />
ein Umdenken in der Bevölkerung stützen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Es ist richtig, dass auch die Firmen zu wenig<br />
tun, um den sparsamen Autos eine Massenproduktion zu geben. Sie<br />
sind in der Regel vergleichsweise teuer. Autos sind heute höchst<br />
ineffizient, bei Ottomotoren unter 20Prozent der eingesetzten Energie.<br />
Die wesentlichen Faktoren, dass der Spritverbrauch nur langsam sinkt,<br />
sind folgende drei: 1. Höhere PS-Zahlen, 2. immer mehr Zusatzeinrichtungen,<br />
die relativ viel Benzin verbrauchen &#8211; so z.B. eine Klimaanlage mehr<br />
als ein Liter auf 100 Kilometer &#8211; und 3. höhere Gewichte der<br />
Fahrzeuge.
</p>
<p>
<b>Dr. Klaus:</b> Weshalb schafft der Staat nicht Anreize<br />
für die Unternehmen, Automobile, die unhabhängig vom Öl<br />
sind, auf den Markt zu bringen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Anreize werden geschaffen, allerdings brauchen<br />
sie auch eine entsprechende Infrastruktur. Wir haben gewaltige Möglichkeiten,<br />
sparsame Fahrzeuge zu entwickeln, auch Hybrid-Fahrzeuge, künftig<br />
auch Fahrzeuge mit Brennstoffzelle. Aber wir haben leider keine<br />
ausreichende Bereitschaft bei großen Automobilunternehmen,<br />
diesen Weg auch mitzugehen. Ein Beispiel ist die Auseinandersetzung<br />
zwischen der deutschen Umwelthilfe und Daimler-Chrysler über<br />
den Smart. Mir scheint es interessant zu sein, was 2008 passiert.<br />
Dann muss nämlich die Automobilwirtschaft eingestehen, dass<br />
sie ihre Selbstverpflichtungs-Ziele nicht einhalten wird. Sie hat<br />
zugesagt, die Emissionen auf 140g CO2 zu begrenzen. Tatsächlich<br />
gibt es aber nur ganz wenige Fahrzeuge, die diesen Wert erreichen.
</p>
<p>
<b>Weltbürger:</b> Sind hohe Spritpreise nicht sinnvoll<br />
um die Erderwärmung durch Treibhausgase aus Automotoren zu<br />
schützen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Der Verkehrssektor verursacht etwa 22-24 Prozent<br />
an den Erwärmungstendenzen der Erde. Entscheidend ist aber<br />
das Wachstum des Autosektors, so dass der Anteil stark zunehmen<br />
wird. Die Klimafrage ist viel problematischer als sie im Augenblick<br />
öffentlich debattiert wird. Nach den neuen Erkenntnissen der<br />
Wissenschaft wird vor allem Europa stark betroffen sein von den<br />
Prozessen, die im Nordatlantik ablaufen. So ist beispielsweise die<br />
Klimasensibilität über Grönland vier- bis fünfmal<br />
höher als im Weltdurchschnitt. Das heißt, wenn es im<br />
Schnitt auf der Erde, wie die UNO prognostiziert, bis zum Ende dieses<br />
Jahrhunderts 2,5° C wärmer wird, dann heißt das,<br />
über Grönland kann es weit über 10° C wärmer<br />
werden. Eine Erwärmung um mehr als 10°C heißt aber,<br />
dass Grönland eisfrei wird. Und eine Eisfreiheit von Grönland<br />
bedeutet langfristig einen Anstieg des Meeresspiegels um drei Meter.<br />
Deshalb brauchen wir vor allem auch im Mobilitätssektor den<br />
Kraftakt, die Emissionen drastisch zu verringern. Das erreichen<br />
wir nicht alleine durch höhere Spritpreise, sondern dafür<br />
müssen sehr viel mehr Alternativen zum Auto aufgezeigt werden<br />
und andererseits neue technische Möglichkeiten eingesetzt werden.
</p>
<p>
<b>ottoessig:</b> USA und England wollen weitere AKWs<br />
errichten. Wie lange wird die Große Koalition, die ja von<br />
einer CDU-Kanzlerin geführt ist und die bekanntlich dem Atomausstieg<br />
eher skeptisch entgegensteht, dagegenhalten?
</p>
<p>
<b>Sven Bock: </b>Wird auch in Europa der Bau von neuen<br />
Atomkraftwerken wieder Thema, wenn die USA und England welche bauen<br />
wollen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Es ist leider wieder ein Thema geworden. Wobei<br />
ich allerdings nicht sehe, dass in Großbritannien und USA<br />
neue Kraftwerke gebaut werden. In beiden Ländern formiert sich<br />
starker Widerstand. Großbritannien war das Pionierland der<br />
zivilen Atomnutzung, dort wurde 1956 in Calderhall der erste Reaktor<br />
mit 35 MW in Betrieb genommen. Er wurde vor einigen Jahren still<br />
gelegt, was übrigens auch das Gerede von 60 Jahren Laufzeit<br />
als Geschwätz entlarvt. Es gibt keinen Reaktor auf der Welt,<br />
der bisher auch nur 50 Jahre erreicht hat. Weshalb deshalb CDU-Ministerpräsidenten<br />
in Deutschland Laufzeiten von 60 Jahren fordern, zeugt nur von Unkenntnis.<br />
In den USA ist seit 1978 kein Kraftwerk mehr gebaut worden und in<br />
allen Bundesstaaten gibt es mehrheitlich eine Ablehnung. Im Übrigen<br />
ist das Entsorgungsproblem gerade in den USA dramatisch.
</p>
<p>
<b>scheringmeetseon:</b> Wer ist eigentlich schlimmer:<br />
Die Strom- oder die Pharmalobby?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Jeder für sich und beide zusammen. Im<br />
Ernst: Es geht darum, ob ein altes, überholtes Denken auch<br />
in die Zukunft fortgesetzt wird. Der Bau großer Kraftwerke,<br />
die letztlich nur das Ziel haben, möglichst viel Strom zu verbrauchen,<br />
das war die Vergangenheit. Heute geht es um die intelligente Vernetzung<br />
von effizienten Energietechniken, um mit möglichst wenig Energieeinsatz<br />
die gewünschte Leistung zu erzielen. Deshalb muss man sehen,<br />
dass wir jetzt an einem Scheidepunkt sind, denn in den nächsten<br />
20 Jahren gehen fast zwei Drittel der bisherigen Kraftwerke vom<br />
Netz. Wenn sie nur eins zu eins ersetzt werden, dann schreiben wir<br />
bis weit über die Mitte dieses Jahrhunderts eine überholte<br />
Energiestruktur fest. Jetzt muss der Sprung in die erneuerbaren<br />
und in die Effizienzrevolution gemacht werden.
</p>
<p>
<b>Pronature:</b> Warum setzen die Energieversorger eigentlich<br />
nach der Kernkraft vor allem auf umweltschädliche Kohlekraftwerke?<br />
Müsste man dem nicht einen Riegel vorschieben? Es gibt doch<br />
Alternativen!
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Die Alternativen habe ich ja genannt. Schon<br />
mit heutiger Technik können wir in Deutschland den Energieumsatz<br />
um rund 40% verringern. Durch einen bewußteren Umgang mit<br />
Energie, also Einsparen, können weitere 5-10% minimiert werden.<br />
Und im Strombereich werden wir wahrscheinlich bis zum Jahre 2020<br />
den Anteil der Solarenergie auf 25% steigern. Das sind gute Leistungen.<br />
Insofern geht es nicht um die Frage nach Alternativen, sondern um<br />
die Macht, diese Alternativen auch durchsetzen zu können. Ich<br />
hoffe, dass wir in den nächsten drei Jahren wenigstens ein<br />
paar Schritte in diese Richtung machen können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben also die Macht nicht und müssen nach<br />
der Pfeife der Konzerne tanzen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Nein, wir kämpfen um die Macht. Aber<br />
es ist nun schließlich keine neue Erkenntnis, dass vor allem<br />
die Global Player mit ihrer Interessenpolitik auch eine hohe Durchsetzungsmacht<br />
haben. Am liebsten wäre mir aber, wenn diese großen Unternehmen<br />
mit ihren gewaltigen Möglichkeiten sich an die Spitze einer<br />
Energiewende stellen. Dies würde sich schon mittelfristig auf<br />
den Zukunftsmärkten und durch mehr Beschäftigung auszahlen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Aber noch mal ganz klar: Wir bräuchten die Kohlekraftwerke<br />
nicht?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Unter den fossilen Energieträgern hat<br />
die Kohle die längste Reichweite. Insofern wird sie im Übergang<br />
zum solaren Zeitalter auch noch am längsten genutzt. Aber für<br />
mich ist nicht die entscheidende Frage, ob Kohle, Gas oder Öl,<br />
schon gar nicht ob Uran, die kürzeste Reichweite hat, sondern<br />
unter welchen Bedingungen kann ich am schnellsten den Sprung in<br />
die Einspar- und Solarwirtschaft verwirklichen. Wir sind leider<br />
immer noch zu sehr von der Debatte über Optionen oder Energiemix<br />
geprägt. Das ist ein Teil des alten Denkens. Das neue Denken<br />
lautet: Wie kann ich den Energieeinsatz absolut und möglichst<br />
drastisch absolut senken, ohne dabei hohe Emissionen zu haben, die<br />
das Klima und die Umwelt schädigen.
</p>
<p>
<b>Tapier:</b> Guten Tag, wird der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung<br />
(KWK) durch die Großkonzerne verhindert?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Sie erschweren ihn zumindest. Es gehörte<br />
auch in den letzten zehn Jahren zum Kampf der Politik gegen die<br />
großen Unternehmen, den Anteil der KWK deutlich zu erhöhen.<br />
Wir sind beispielsweise weit hinter dem zurück, was die Niederlande<br />
oder Dänemark haben. Zuständig für diesen Bereich<br />
ist das Wirtschaftsministerium. Wir freuen uns schon auf die Debatte<br />
über die Novellierung des KWK-Gesetzes, die nach der Sommerpause<br />
beginnen wird.
</p>
<p>
<b>Pedro:</b> Die Technik ist da aber der Wille der Industrie,<br />
diese auch einzusetzen, nicht existent. Wie wollen Sie die Großindustrie<br />
überzeugen? Ausschließlich durch steuerliche Anreize?<br />
Ist das nicht auch überholtes Denken?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Wir machen ja gar keine steuerlichen Anreize,<br />
sondern wir haben ein Umlagesystem entwickelt, das deshalb schon<br />
nicht überholt sein kann, weil 46 Staaten der Erde dieses Förderinstrumentarium<br />
übernommen haben. Weltweit gilt die Bundesrepublik mit ihrem<br />
Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien als vorbildlich.<br />
Die Großindustrie hätte das gerne geändert, aber<br />
wir haben &#8211; insbesondere durch ein Bündnis mit kleinen und<br />
mittleren Unternehmen- sowie zunehmend mit der Landwirtschaft, eine<br />
Brandmauer errichtet, dass diese Förderung so schnell nicht<br />
mehr beendet werden kann.
</p>
<p>
<b>DaDon:</b> Wird die Kohle nicht durch Subventionen<br />
künstlich konkurrenzfähig gehalten?
</p>
<p>
<b>Periander: </b>Wenn die Regierung nicht mehr auf Kohlekraftwerke<br />
setzt, warum werden diese dann noch subventioniert?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> In der Zwischenzeit sind die Unterstützungsmittel<br />
für Kohle deutlich zurückgegangen &#8211; schon in den letzten<br />
sieben Jahren. Wir werden den Umbau weiter forcieren und es kann<br />
auch sein, dass, wenn Kohle eingesetzt wird, dies nur in Verbindung<br />
mit effizienten Techniken geschieht. Entscheidend ist aber auch,<br />
dass der Ausstieg aus der Kohle auf jeden Fall teuer kommt. Selbst<br />
ein Sofortausstieg hätte erhebliche Belastungen. So haben wir<br />
einen Weg eingeschlagen, der das Auslaufen markiert, aber zugleich<br />
Raum schafft für neue Technologien, so dass wir nicht schlagartig<br />
Kohle beispielsweise durch Öl oder Gas und schon gar nicht<br />
durch Atom ersetzen müssten. Natürlich muss man über<br />
die Umweltbelastungen der Kohle umfassend reden. Aber man darf nicht<br />
vergessen, dass auch die anderen fossilen Energieträger mit<br />
erheblichen Emissionen verbunden sind. Deshalb, wie gesagt, geht<br />
es nicht um einen Austausch von Energieträgern, sondern um<br />
eine Umbaustrategie ins solare Zeitalter.
</p>
<p>
<b>Dr. Klaus:</b> Was halten Sie davon, dass Russland<br />
künftig die Pipeline nach Asien fertig gestellt haben wird.<br />
Wird es dann boomartig mit den Ölpreisen explizit für<br />
Deutschland nach oben gehen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Erst einmal bin ich froh, dass nicht zuletzt<br />
durch unseren Einsatz verhindert werden konnte, dass die Pipeline<br />
den größten Süßwassersee, den Baikalsee nicht<br />
schneidet, wie das ursprünglich vorgesehen war. Die Trasse<br />
wurde verlegt, so dass die Umweltgefahren deutlich verringert wurden.<br />
Man muss aber sehen, dass Präsident Putin auf zwei Schultern<br />
trägt. Auf der europäischen wie der asiatischen. Auch<br />
wenn die Sympathien überwiegend in Richtung Westeuropa gehen,<br />
ist eine Umorientierung in Richtung Asien nicht auszuschließen.<br />
Auch deshalb die Idee mit der Rohstoffpartnerschaft mit Russland,<br />
über die ich geredet habe. Russland ist zurück auf dem<br />
Weg zu einer Supermacht, denn noch immer ist nicht bekannt, wie<br />
groß die Naturschätze in Sibirien sind. Und Russland<br />
arbeitet mit aller Kraft daran, diese Zukunftsressourcen nutzbar<br />
zu machen. Ein Beispiel: Die Stadt Tomsk, wo der Ölkonzern<br />
Yukos angesiedelt ist, hat 500.000 Einwohner, aber sie hat dort<br />
rund 120.000 Studenten, die mit aller Kraft an der Entwicklung dieses<br />
ungehobenen Schatzes arbeiten. Ich kann deshalb nur raten, im Sinne<br />
des KSZE-Gedankens eine, auch aus ökologischen Gründen<br />
höchst wichtige Partnerschaft mit Russland, zu vertiefen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gasprom profitiert vom freien Markt in der EU, geriert<br />
sich selbst aber als Staatsmonopolist &#8211; ein Thema für den G<br />
8 &#8211; Gipfel am Wochenende?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Es gibt in der Zwischenzeit zahlreiche Debatten<br />
über die Rolle von Gasprom. In der Tat ist es zum Teil eine<br />
merkwürdige Mischung zwischen Staatskonzern und autoritärem<br />
Kapitalismus. Umso wichtiger ist es, mit diesen Unternehmen den<br />
Kontakt zu suchen und auch geordnete Bahnen in der Geschäftspolitik<br />
zu erreichen. Das ist zweifellos eine gewaltige Aufgabe, aber es<br />
gibt ein wechselseitiges Interesse. Gasprom braucht effiziente Techniken<br />
um den Wohlstand auf Dauer zu sichern und Russland muss sich zunehmend<br />
Sorgen machen über die Erwärmungsprozesse in den Permagebieten.<br />
Dort kann sich eine gewaltige ökologische Katastrophe anbahnen,<br />
wenn nicht die Verbindung zwischen Rohstoffreichtum und schonender<br />
Nutzung erreicht wird.
</p>
<p>
<b>DanielSei:</b> Apropos Gasprom, wie stehen Sie zum<br />
Wechsel von Gerhard Schröder in den Aufsichtsrat von Gasprom?<br />
Und in diesem Zusammenhang auch zu dem Wechsel von Caio Koch-Weser<br />
zur Deutschen Bank, nachdem er als Staatssekretär dieser Bank<br />
über eine ungewöhnliche Bundesbürgschaft einen risikofreien<br />
Kreditgewinn verschaffte?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Das muss sicherlich jeder selber entscheiden.<br />
Aber mir ist es beispielsweise lieber, Gerhard Schröder ist<br />
Vorsitzender des Aufsichtsrats der Beteiligungsgesellschaft, als<br />
einer der nur harte wirtschaftliche Interessen durchsetzt. Doch<br />
mit diesen Personaldebatten lenken wir doch von etwas anderen ab,<br />
nämlich dass es keine europäische Strategie in der Energiepolitik<br />
gibt.
</p>
<p>
<b>Stephan:</b> Mal angenommen die Bahn ist Kapitalmarktfähig.<br />
Wieso muss sie denn an die Börse?
</p>
<p>
<b>poet:</b> Was halten Sie vom Vorhaben der Privatisierung<br />
der Bahn, auch wenn dadurch ein Abbau in der Fläche und steigende<br />
Autonutzung verbunden sind (Ölzeitalter zu Ende)?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Wir werden nach der Sommerpause sehr intensiv<br />
über den geplanten Börsengang der Bahn beraten. Im Augenblick<br />
stehen unterschiedliche Modelle zur Diskussion, insbesondere in<br />
der Frage, ob es auch eine Privatisierung des Netzes gibt, oder<br />
ob es in öffentlicher Kontrolle bleiben soll. Da kann ich Ihnen<br />
im Augenblick nicht sagen, wie diese Debatte aussehen wird. Auf<br />
jeden Fall müssen die politischen Rahmenbedingungen so aussehen,<br />
dass nicht nur betriebswirtschaftliche Gründe bei der Bahn<br />
ausschlaggebend sind, sondern auch Ziele des Allgemeinwohls, wie<br />
zum Beispiel Erreichbarkeit in der Fläche und ökologische<br />
Verträglichkeit des Gesamtverkehrs.
</p>
<p>
<b>holger3:</b> Zurück zur Einstiegsfrage: Ist es<br />
nicht so, dass die Staaten der EU selbst die militärische Sichtweise<br />
auf das globale Energieproblem vorantreiben und damit die Gefahr<br />
der beschriebenen Ressourcenkriege erhöhen? Welche Möglichkeiten<br />
sehen Sie, zu einer mehr partnerschaftlichen Sichtweise auf die<br />
Staaten der Ditten Welt zurückzukehren und die &quot;Falken&quot;<br />
des Westens zu bändigen?
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Dies ist aus meiner Sicht der Grundkonflikt<br />
dieses Jahrhunderts: Ob es mit der Globalisierung zu einer unilateralen<br />
Welt kommt, in der sich die Spirale von Gewalt und militärischen<br />
Reaktionen immer schneller dreht, weil wir nicht fähig sind,<br />
kulturell, sozial und ökonomisch den Herausforderungen einer<br />
zusammenwachsenden Welt gerecht zu werden. Oder es gibt, ähnlich<br />
wie im Modell der EU, eine Regionalisierung der Weltwirtschaft,<br />
eine Welt der Vielfalt und Kooperation, in der bei aller Notwendigkeit<br />
der Zusammenarbeit der Freiraum für eigene Wege gewahrt bleibt.<br />
Dieser Grundkonflikt wurde auch im Irakkonflikt unter dem Stichwort<br />
&quot;Altes Europa&quot; thematisiert. Ich hoffe, dass das alte<br />
Europa noch so viel Kraft hat, sein historisches Erbe neu zu begründen.<br />
Dieses historische Erbe ist das Modell der sozialen Demokratie und<br />
kooperativen Zusammenarbeit, dass sich hart abgrenzt sowohl von<br />
einem autoritären Kapitalismus asiatischer Prägung als<br />
auch dem &quot;Laisser-faire&quot;- Kapitalismus marktradikaler<br />
Ausrichtung auf die Wallstreet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat. Herzlichen Dank<br />
an alle, die sich beteiligt haben und die Bitte um Verständnis<br />
an jene, deren Frage wir nicht berücksichtigen konnten. Besonderen<br />
Dank an Michael Müller, dass er sich für uns Zeit genommen<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Michael Müller:</b> Ich glaube dass der Grundkonflikt, der dieses<br />
Jahrhundert prägen kann, beschrieben wurde: Entweder es wird<br />
ein Jahrhundert der Gewalt oder ein Jahrhundert, in der aus meiner<br />
Sicht der ökologische Gedanke, die Verbindung von Ökonomie,<br />
soziales und Natur, sich durchsetzen kann. Bis zum nächsten<br />
Mal!
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
<!-- Content --><br />
<span style="font-size: x-small"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>&#8220;Das Klima in der Regierung ist gut, besser als der Klimawandel auf dem Globus&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jun 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 26. Juni, war 
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte 
mit den Nutzern über die Emissionszertifikate, Kohlesubventionen 
und die Zukunft der Stromversorgung.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 26. Juni, war<br />
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte<br />
mit den Nutzern über die Emissionszertifikate, Kohlesubventionen<br />
und die Zukunft der Stromversorgung.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Heute<br />
begrüßen wir im ARD-Hauptstadtstudio Bundesumweltminister<br />
Sigmar Gabriel. In den kommenden 45 Minuten wird er Ihre Fragen<br />
zur Umweltpolitik beantworten. Selbstverständlich ist unser<br />
Chat aber auch heute wieder für Fragen aus anderen Themenbereichen<br />
offen. Herr Gabriel können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Sigmar Gabriel:</b></b> Gern.
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/photos/sgabrielwebcam1.jpg" align="left" height="110" hspace="10" width="147" />Moderator:</b><br />
Diese Woche soll das Kabinett Ihre Pläne zum Emissionshandel<br />
beschließen. Darauf kommen wir gleich zu sprechen. Derzeit<br />
beschäftigt viele Menschen neben dem Fußball kurioserweise<br />
ein ganz anderes Thema: Es geht um Problem-Braunbär Bruno.<br />
Der ist heute erschossen wurden. Sie haben das umgehend begrüßt.<br />
Warum? Unter Tierschützern werden Sie sich damit keine Freunde<br />
machen.
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ich weiß nicht, wo Sie gelesen<br />
haben, dass ich das &quot;begrüßt&quot; habe. Natürlich<br />
tut es mir leid, dass &quot;Bruno&quot; erschossen wurde, das ist<br />
doch ganz normal. Allerdings habe ich Verständnis für<br />
das Dilemma, in dem sich mein bayerischer Kollege befunden hat:<br />
Heute reagieren viele geschockt auf den Abschuss von &quot;Bruno&quot;<br />
und kritisieren den bayerischen Umweltminister. Hätte &quot;Bruno&quot;<br />
irgendwann einen Menschen verletzt oder gar getötet, würden<br />
vermutlich die gleichen Menschen den Rücktritt des bayerischen<br />
Umweltministers fordern.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Und jetzt zur ernsthaften politischen<br />
Agenda:
</p>
<p>
<b>erweon:</b> Wie stehen Sie zu dem Vorwurf, mit der<br />
kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten werde die Energiewirtschaft<br />
subventioniert?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Also ich finde, der Umgang mit<br />
wilden Tieren in Naturschutzgebieten ist durchaus auch ein ernstzunehmendes<br />
Thema der politischen Agenda. Aber nun zu Ihrer Frage: Niemand &quot;subventioniert&quot;<br />
die Energiewirtschaft dadurch, dass wir die Zertifikate beim Emissionshandel<br />
nicht zu 10 Prozent versteigern. Sondern die Energiewirtschaft würde<br />
sich die Preise dafür mit Sicherheit durch einen weiteren Aufschlag<br />
beim Strompreis von den Verbrauchern zurückholen. Deshalb schützen<br />
wir durch den Verzicht auf die Auktionierung vor allem die Verbraucher.
</p>
<p>
<b>Harald Toepfer:</b> Mit Ihrer Entscheidung im NAP2<br />
die Emissionszertifikate nicht zu versteigern und keinen einheitlichen<br />
Benchmark für CO2- Emissionen einzuführen, subventionieren<br />
Sie die Kohleverstromung und haben sich bereits den Spitznamen &quot;Kohleminister&quot;<br />
eingefangen. Warum haben Sie sich so entschieden?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Wenn wir das in Zukunft ändern<br />
wollen, müssen wir endlich die Stromnetze in Europa so öffnen,<br />
dass wir mehr Wettbewerb bekommen. Genau dafür will die Bundesregierung<br />
auch sorgen. So lange wir das nicht geschafft haben, sind die Verbraucher<br />
schutz- und wehrlos. Deshalb: First things first. Danach werden<br />
wir auktionieren &#8211; und zwar nicht nur 10 Prozent.
</p>
<p>
Zur Frage von Herrn Toepfer: Ehrlich gesagt ist es mir ziemlich<br />
egal, welche Spitznamen ich bekomme. Wichtiger ist, dass man &#8211; in<br />
diesem Fall ich &#8211; sich seiner Sache sicher ist: Zur Auktionierung<br />
habe ich bereits eine Antwort gegeben. Sie ist solange ein trojanisches<br />
Pferd, dass schön aussieht aber gefährliche Inhalte hat,<br />
solange wir keinen Wettbewerb auf dem europäischen Strommarkt<br />
haben. Im übrigen bringt sie kein Gramm weniger Co2, sondern<br />
viele wünschen sich, dass die gigantischen Windfallprofits<br />
wieder abgeschöpft werden, die die Stromwirtschaft beim ersten<br />
Emissionshandel eingestrichen hat. Das verstehe ich und würde<br />
die Windfallprofits auch gern abschöpfen, aber ich weiß,<br />
dass dies nicht gelingen wird, sondern der Verbraucher die Zeche<br />
doppelt zahlen wird. Also: Erst für Wettbewerb sorgen, dann<br />
auktionieren. Nicht umgekehrt.
</p>
<p>
Zur Kohle nur folgende Hinweise: Der erste Allokationsplan unter<br />
der Verantwortung der Grünen, sorgte für eine Minderung<br />
von Co2 um ganze 2 Mio. Tonnen. Unser Allokationsplan mindert die<br />
Co2 Emissionen um immerhin 15 Mio. Tonnen. Ich finde, dass ist deutlich<br />
anspruchsvoller. Selbst die damaligen Pläne der Grünen<br />
sahen für den NAP II nur eine Minderung von 10 Mio. Tonnen<br />
vor &#8211; mit 15 Mio. Tonnen sind wir immer noch um ein Drittel besser,<br />
als die Planungen der Grünen in der letzten Legislaturperiode.</p>
<p>Wir wollen durch höhere Wirkungsgrade in neuen Kohlekraftwerken<br />
die alten Kohlekraftwerke ersetzen, um damit auch weniger Co2 zu<br />
emittieren. Und wir bringen neue Gaskraftwerke in den Wettbewerb,<br />
in dem sie ebenso viele Zertifikate für ihre Betriebsstunden<br />
erhalten wie Kohlekraftwerke. Bislang erhielten die Gaskraftwerke<br />
nur Zertifikate für die Spitzen- und Mittellast, Kohlekraftwerke<br />
aber für die Grundlast. Jetzt statten wir beide Kraftwerksarten<br />
mit 7500 Betriebsstunden für die Grundlast aus.
</p>
<p>
<b>Jüterburg:</b> Die Naturkatastrophen häufen<br />
sich und werden als Folgen des globalen Klimawandels begriffen.<br />
Dennoch leugnen Staaten wie die USA den Klimawandel. Wie könnten<br />
die USA und andere Emittenten dazu bewegt werden, ihre Emissionen<br />
zu reduzieren und somit ihren Teil zum Schutz des Klimas beitragen?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Nur durch internationale Verhandlungen<br />
und durch einen Wandel in der inneramerikanischen Diskussion. Und<br />
diesen Wandel gibt es bereits jetzt unter Bush. Ich bin sicher,<br />
dass die nächste amerikanische Regierung sich anders aufstellen<br />
wird.
</p>
<p>
<b>einfallslos:</b> Hallo Herr Gabriel. Wie passt es<br />
denn Ihrer Meinung nach zusammen, dass Sie einerseits erneuerbare<br />
Energien unterstützen wollen, sich andererseits aber für<br />
eine Weiterführung der Kohle-Subventionen aussprechen?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Wenn wir uns sehr anstrengen &#8211;<br />
und das wollen wir tun -, dann werden wir im Jahr 2020 etwa 20 Prozent<br />
der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien decken. Das ist ein<br />
sehr ehrgeiziges Ziel, das weltweit von niemandem übertroffen<br />
wird. Aber dann bleiben noch 80 Prozent übrig. Und auch durch<br />
noch so große Anstrengungen im Bereich der Energieeffizienz<br />
werden wir ja nicht auf nur noch 20 Prozent unseres heutigen Strombedarfs<br />
kommen und nun müssen wir entscheiden, wie wir diese 80 Prozent<br />
decken wollen. Gas allein wird nicht ausreichen, weil es gar nicht<br />
soviel Gas gibt, um diesen Bedarf in Deutschland und in Europa zu<br />
decken und Kohle zu ersetzen. Und Länder wie China werden sich<br />
schon gar nicht davon abbringen lassen, ihre Kohlevorkommen zu nutzen.<br />
Wer also die Atomenergie nicht will, der muss den Gasanteil erhöhen<br />
&#8211; das tun wir &#8211; und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Kohlekraftwerke<br />
bessere Wirkungsgrade haben (und damit deutlich weniger Co2) und<br />
auch in die Forschung von Carbon Capture investieren. Und genau<br />
diesen Weg gehen wir.
</p>
<p>
<b>Franz21:</b> Hallo, Herr Minister. Unter welchen Bedingungen,<br />
wären Sie bereit, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern?<br />
Brauchen wir den Ausstieg wirklich? Ich mache mir große Sorgen<br />
um die Energiesicherheit nach dem Ausstieg!
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Unter keinen, weil wir keinen<br />
Atomstrom brauchen. Bis zum Jahr 2012 gehen beispielsweise rund<br />
7000 MW Atomstrom vom Netz, es kommen aber allein 17.500 MW durch<br />
neue Kraftwerke hinzu. Diese Zahlen sind die gemeinsame Grundlage<br />
des Energiegipfels der Bundeskanzlerin, also keine Zahlen, die nur<br />
aus dem Umweltministerium kommen. Und dabei sind die Zahlen der<br />
erneuerbaren Energien noch gar nicht dabei.
</p>
<p>
<b>Franz21:</b> Bitte geben Sie uns einen Einblick in<br />
die tägliche Arbeit der Großen Koalition: Ist das Klima<br />
wirklich so schlecht, wie es im Moment dargestellt wird? Zur Aussage<br />
von Peter Struck: Glauben Sie auch, dass Schröder besser als<br />
Merkel war (ist)?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/photos/sgabrielwebcam2.jpg" align="right" height="120" vspace="10" width="142" />
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Das Klima in der Regierung ist<br />
gut, besser jedenfalls als der Klimawandel auf dem Globus. Und dass<br />
Sozialdemokraten sich wünschen, sie hätten die Wahlen<br />
gewonnen und mit ihrem Kanzler weiter regiert, ist doch logisch,<br />
oder?
</p>
<p>
<b>Franz21:</b> Die (nicht immer ernst zu nehmende) BILD-Zeitung<br />
betitelte Ihren Kollegen Glos jüngst als &quot;Problembär<br />
&quot; der Bundesregierung. Ist er das wirklich?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Nein. Die Probleme erwachsen aus<br />
den Aufgaben, die wir zu lösen haben, nicht den Personen.
</p>
<p>
<b>amjahid:</b> Kann man tolerieren, dass wir in Deutschland<br />
kein Atomstrom mehr erzeugen wollen, wir aber von Nachbarstaaten<br />
den selben importieren können?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Natürlich wünschen wir<br />
uns, dass auch die Mitgliedsstaaten, die heute noch die Atomenergie<br />
weiter nutzen wollen, ebenfalls aussteigen. Immerhin 17 von 25 Mitgliedsstaaten<br />
der EU nutzen heute die Atomenergie nicht oder wollen aussteigen.<br />
Und Länder wie Frankreich mussten in den letzten Jahren eher<br />
Windstrom aus Deutschland nutzen, als Atomstrom zu uns liefern.<br />
Denn immer dann, wenn die Sommer heiß sind und die Wasserstände<br />
in der Rhone fallen, müssen französische Atomkraftwerke<br />
abgeschaltet bzw. herunter gefahren werden. Sie sehen also, die<br />
Sache ist nicht ganz so, wie es die deutsche Atomwirtschaft gern<br />
darstellen möchte.
</p>
<p>
<b>Cruzifix:</b> Wie weit wird die Bundesregierung ihre<br />
Haltung zur Solarenergie ändern &#8211; besonders im Hinblick auf<br />
Subventionierungen?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Am Willen der Bundesregierung,<br />
erneuerbare Energien zu fördern, wird sich nichts ändern.<br />
Auch nicht bei der Solarindustrie. Bei allen neuen Technologien<br />
(z.B. beim Airbus) hat es am Anfang Subventionen gegeben. Übrigens<br />
muss man immer dagegen rechnen, wie viel man dadurch gewinnt, dass<br />
neue und zukunftssichere Jobs entstehen. In der Solarindustrie inzwischen<br />
einige Tausend. Worüber wir reden werden, sind die Höhe<br />
der Subventionen.
</p>
<p>
<b>Irma16:</b> Eine Nachfrage zur Auktionierung der Emissionsrechte:<br />
Ab wann glauben Sie damit beginnen zu können? Schon in der<br />
Phase II oder erst nach 2012? &#8211; und wie ist der Stand der Debatte<br />
zur Besteuerung der Windfall-Profite der Versorger?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Wir werden auktionieren können,<br />
wenn wir die europäischen Strommärkte so geöffnet<br />
haben, dass ein Stromkunde, dem der deutsche Strompreis zu hoch<br />
ist, seinen Bedarf über einen portugiesischen, polnischen oder<br />
jeden anderen europäischen Stromanbieter decken kann. Spätestens<br />
in der dritten Handelsperiode müssen wir das machen.
</p>
<p>
<b>Mika77:</b> Glauben Sie, dass ein Großteil der<br />
Bevölkerung über ihren eigenen persönlichen Energieverbrauch,<br />
sowie den Relationen, was Energieproduktion und Nutzen angeht, nachdenkt?<br />
Finden Sie nicht auch, dass durch eine bessere Energiebildung der<br />
&quot;Energiehunger &quot; signifikant reduziert werden könnte?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Mika7:</b> Glauben Sie, dass in 15 Jahren die Menschen<br />
anfangen müssen (elektrische) Energie selbst zu Hause zu produzieren?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Wieso erst in 15 Jahren? Dass<br />
können sie doch heute schon.
</p>
<p>
<b>falko:</b> Zu Ihrem Lieblingsargument, Nutzung der<br />
standby-Schaltungen: Wo bleibt das Gesetz, das die Industrie verpflichtet,<br />
bessere Lösungen zu schaffen?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Das ist nicht mein &quot;Lieblingsargument&quot;,<br />
sondern ein allzu sinnfälliges Beispiel. Sowohl auf der Ebene<br />
der EU arbeiten wir an der Öko-Design-Richtlinie, um dafür<br />
strengere Vorgaben zu machen, als auch an einem Energieeffizienzprogramm<br />
der Bundesregierung.
</p>
<p>
<b>SummeAllerDinge:</b> Herr Gabriel, beim letzten tagesschau-Chat<br />
haben Sie gesagt, dass Sie sicher sind, dass es Neuwahlen geben<br />
würde. Wie stabil ist die große Koalition wirklich? Und<br />
wird sie die Problemfragen &quot;Gesundheitsreform/ Steuerreform&quot;<br />
zusammen überstehen?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Na ich hoffe doch, dass meine<br />
Prognose zur Stabilität genauso gut ist, wie damals zu den<br />
Neuwahlen. Und ich glaube: Die Koalition ist stabil und wird die<br />
anstehenden Probleme lösen.
</p>
<p>
<b>Homfeldt:</b> Sehr geehrter Herr Ministerpräsident<br />
Gabriel, fühlen Sie Ihren Posten nicht als Notlösung,<br />
Sie noch irgendwo unterzubringen? Immerhin haben Sie doch zuvor<br />
keine Erfahrung mit dem Thema Umwelt sammeln können!
</p>
<p>
<b>Mika77:</b> Ihre Karriere zeigte ja kurzzeitig in<br />
eine andere Richtung. Haben sie lange gebraucht, um sich in das<br />
Amt des Umweltministers einzuleben?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Zu Herrn Homfeldt: Was hilft es,<br />
wenn ich Ihre Frage beantworte? Sie scheinen ja ein ziemlich fest<br />
gefügtes Weltbild zu haben. Und so etwas kann man besitzen,<br />
ohne wirklich etwas über diejenigen zu wissen, über die<br />
man gerne urteilt.</p>
<p>Und zu Mika 77: Wenn man gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat,<br />
und die habe ich, dann lernt man jeden Tag etwas hinzu. Und ein<br />
Minister &#8211; egal in welchem Ressort &#8211; ist ja nicht deshalb Minister,<br />
weil er der beste Sachbearbeiter ist. Im Gegenteil: Jeder Referent,<br />
jeder Sachbearbeiter in jedem Ressort weiß im Zweifel viel<br />
mehr als der jeweilige Minister. Der Job eines Ministers ist eine<br />
politische Managementaufgabe, die andere Qualifikationen erfordert,<br />
als Detailwissen zu jeder Frage. Dieses Detailwissen haben die Mitarbeiterinnen<br />
und Mitarbeiter, und die müssen sie fragen.
</p>
<p>
<b>Christoph Becker:</b> Hallo Herr Minister, mir gefällt<br />
der frische Wind, den Sie ins BMU gebracht haben. Wie Sie wissen,<br />
ist das Thema FCKW aus Altkühlgeräten noch lange nicht<br />
abgearbeitet, da alleine in Europa noch 100.000 Tonnen der Klimakiller<br />
in alten Kühlgeräten stecken. Das Recycling der Geräte<br />
in Deutschland findet unter Ausschluss konsequenter Kontrollen der<br />
Wirksamkeit der Anlagen statt. Wie kann diesem Zustand zum Wohle<br />
des Klimaschutzes abgeholfen werden?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Bis zu Ihrer Mail bin ich davon<br />
ausgegangen, dass es sehr wohl qualitative Anforderungen an das<br />
Recycling dieser Geräte gibt. Nachher werde ich dem mal nachgehen.<br />
Wenn Sie eine Antwort möchten, schreiben Sie mir einfach ins<br />
BMU.
</p>
<p>
<b>legehenne:</b> Herr Gabriel, Sie kritisierten einen<br />
wachsenden Einfluss der Wirtschaft auf den Natur- und Klimaschutz.<br />
Ist das nicht naiv? Wie wollen Sie diese Verflechtungen bekämpfen?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Naivität hilft manchmal beim<br />
Erkennen der wirklichen Gründe für die Probleme in unserem<br />
Land oder in der Welt. Wer sich immer auf die sogenannten Sachzwänge<br />
einlässt, wird letztlich von ihnen gefangen gehalten. Ich denke,<br />
dass wir viel stärker als in der Vergangenheit zu europäischen<br />
und internationalen Regeln kommen müssen. In der Umweltpolitik<br />
sind wir in Europa dabei übrigens viel weiter als z.B. in der<br />
Finanz- oder Sozialpolitik. Und bei allem gilt Max Weber: Politik<br />
ist das Bohren dicker Bretter.
</p>
<p>
<b>peter:</b> Werde Sie im Zuge der Föderalismusreform<br />
Kompetenzen im Umweltbereich an die Länder abgeben müssen?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ja. Anders als andere, habe ich<br />
damit nicht so viele Probleme. Denn wenn wir in Deutschland Wahlen,<br />
Parlamente und demokratisch legitimierte Regierungen auf Länderebene<br />
haben, dann dürfen wir nicht soviel Angst vor demokratischen<br />
Auseinandersetzungen auf Länderebene haben. Ich bin kein Anhänger<br />
des Mottos: Alles Gute kommt von oben. Und man muss wissen, wir<br />
erhalten ja durchaus auch mehr Kompetenzen auf Bundesebene als heute<br />
und geben nicht nur welche ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist fast um. Zwei letzte<br />
Fragen:
</p>
<p>
<b>Merkel:</b> Sie fordern mehr Patriotismus in unserem<br />
Land. Was sagen Sie zu der aktuellen Stimmung in unserem Land? Ist<br />
das eine temporäre Phase oder wird es auch in der Zeit nach<br />
der WM so bleiben?
</p>
<p>
<b>klinsi:</b> Obligatorische Schlussfrage: Wer wird<br />
Weltmeister?
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Horst Eckel, Nationalspieler der<br />
WM 1954, hat mir gerade gesagt: Wenn man auf den Platz geht, muss<br />
man gewinnen wollen. Das ist ein gutes Motto für den Fußball<br />
und die Politik. Und deshalb sagte ich: Deutschland wird Weltmeister.<br />
Und was den Patriotismus angeht: Die Fahnen werden sicher nach der<br />
WM nicht mehr so häufig zu sehen sein. Aber vielleicht ja das<br />
Bild eines weltoffenen, freundlichen und vor allem für ALLE<br />
Nationen gastfreundlichen Deutschland mit seinen fröhlichen<br />
Bürgerinnen und Bürgern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unserer Tagesschau-Chat bei<br />
tagesschau.de und politik-digital.de, heute nur 45 Minuten. Vielen<br />
Dank für Ihr Interesse und vielen Dank an Herrn Minister Gabriel.<br />
Das Protokoll des Chats ist in Kürze zum Nachlesen auf den<br />
Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team<br />
wünscht noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Sigmar Gabriel:</b> Und ich kann nur sagen: Bis zum<br />
nächsten Mal. Tschüss.
</p>
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