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	<title>Umweltschutz &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Umweltschutz &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Die Digitalisierung der Welt – Brauchen wir die United Nations of Internet?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Raab]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 May 2016 12:04:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zwischen Datenschützern und Netzkulturen- Eine digitale Reise durch Europa]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p><a href="http://politik-digital.de/news/auf-dem-weg-zur-datenunion-gemeinsam-verschieden-auch-im-netz-148966/">Von Madrid bis Tallinn, von Stockholm bis Athen;</a> einmal quer durch die europäische Union ging die Datenreise. Egal wo die Menschen leben, welche Geschichte, Kultur und Traditionen jedes Volk geprägt haben, sehen doch alle die Chancen der Technologie. Vielleicht ist es Zeit, das Recht im Internet weiter zu denken.</p>
<p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<h3>Internet, was ist das Internet?</h3>
<p>Über 3,4 Milliarden Menschen haben bereits ihre eigene Antwort auf diese Frage gefunden und es werden täglich mehr. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2019 mehr als die Hälfte aller Menschen im Netz unterwegs sein wird.</p>
<h3>Digitalisierung als Chance für alle Menschen</h3>
<p>Sie arbeiten, sie lernen, sie tauschen sich aus und haben auch Spaß. Es eröffnen sich neue Chancen. Egal welcher Hautfarbe, Geschlecht, Nation: das Internet hat das Potenzial, alle Menschen an neuen sozialen, technischen und politischen Entwicklungen teilhaben zu lassen.</p>
<p>“Das Internet ist längst zu einem unverzichtbaren Instrument geworden, um die Wahrung der Menschenrechte zu fördern, Ungleichheit zu bekämpfen sowie Fortentwicklung und menschlichen Fortschritt zu beschleunigen“, betonte der ehemalige UN-Sonderberichterstatter Frank La Rue im Jahr 2011. Daher sehen die Vereinten Nationen den Zugang zum Internet als ein wichtiges Grundrecht an. Jeder Mensch soll die Chance bekommen, am technischen Fortschritt und seinen Segnungen teilzuhaben, Teil der digitalen Welt werden zu können. Das Internet ist Erbe der gesamten Menschheit.</p>
<h3>Datenschutz ist digitaler Umweltschutz</h3>
<p>Immer mehr gleichen die virtuellen Welten dem, was wir noch als reale Welt bezeichnen. Die Grenzen werden immer fließender. Begonnen hat alles als Forschungsprojekt. Wissenschaftler sollten sich austauschen und gemeinsam am Fortschritt der Menschheit arbeiten. Glaubten die ersten Internetpioniere noch an eine neue demokratischere Gesellschaft, in der die Menschen sich zum Guten austauschen, scheint diese Hoffnung zu schwinden.</p>
<p>Große Datenabfälle lagern auf unseren Providern, Hass und Verbrechen haben längst Einzug gehalten in die anfangs so edlen Absichten der ersten Internetkolonien. „Die Gedanken sind frei“, so heißt es in einem alten Studentenlied. Genau wie es saubere Luft und eine gesunde Natur braucht um zu leben, kann das Internet nur in einer gleichen, freien und „sauberen“ Atmosphäre seine kreative Wirkung entfalten.</p>
<p>„Macht euch die Erde Untertan“ entlässt die Bibel den Menschen in sein Schicksal. Heute sind die Spuren dieses Auftrags deutlich überall zu erkennen. Nun hat die Menschheit einen neuen Lebensraum für sich entdeckt und auch erobert. Ob Zensur, Massenüberwachung oder Propaganda: die menschlichen Eingriffe sind auch hier klar zu erkennen. Nur wenn wir begreifen, dass Datenschutz digitaler Umweltschutz ist, können wir dem entgegenwirken.</p>
<h3>Die Lehren der Kohlenstoff-Welt</h3>
<p>Jeden Tag durchkämmen die großen Trawler unsere Weltmeere, überfischen sie und fegen sie leer. Auf gleiche Weise durchstöbern große Akteure unser digitales Meer, stets auf der Suche nach neuen Schwachstellen, um diese auszubeuten.</p>
<p>Um die Vielfalt und den Reichtum unserer weiten, freien Meere zu wahren, haben über 167 Staaten das internationale Seerechtsabkommen unterzeichnet. Vielleicht ist es an der Zeit, auch über ein digitales Völkerrecht nachzudenken. Gemeinsame verbindliche Standards könnten unser digitales Leben begleiten und Sicherheiten sowie Vertrauen in diese Technologien wiederherstellen, gar ihre positiven Entwicklungen verteidigen und fördern.</p>
<p>Das Meer umspannt unseren blauen Planeten wie das Internet unsere neue digitale Welt. Niemand -keine Person noch Nation- kann für sich behaupten, alleiniger Besitzer des Internet zu sein. Die digitalen Technologien haben die Menschheit in einer neuen Welt vereint. Erhalt der Natur und des ökologischen Gleichgewichts sind daher wichtig, um diese zu schützen. Nur gemeinsam durch freie internationale Forschung und wissenschaftliche Zusammenarbeit können wir die großen Potenziale erkennen und erforschen, die uns die neuen Technologien bringen. Wie das internationale Völkerrecht den Umgang der Völker miteinander ordnet, könnte ein digitales Völkerrecht den Umgang der Nutzer miteinander regeln.</p>
<h3>Die Zukunft des Internets und die Zukunft der Menschen</h3>
<p>Natürlich mag die Vorstellung eines digitalen Völkerrechts angesichts der Grenzenlosigkeit des Internets und der Komplexität einzelner Interessengruppen illusorisch erscheinen, jedoch sollten wir folgendes nicht vergessen: Die gesamte Menschheit teilt und teilt mit. Dies geschieht immer mehr durch die neue gemeinsame digitale Welt. Die Chancen stehen also nicht schlecht, denn wie wünschte es sich einst John Lennon in seiner Hymne für den Frieden:„Imagine all the people sharing all the world.“ <a href="http://politik-digital.de/news/menschenrechte-im-cyberspace-zwischen-panoptikum-und-privatsphaere-149411/">Die Frage nach einem neuen digitalen Völkerrecht wird uns also weiter beschäftigen</a>. Unsere <a href="http://politik-digital.de/news/auf-dem-weg-zur-datenunion-gemeinsam-verschieden-auch-im-netz-148966/">Reihe</a> durch Europa geht zu Ende. In diesem Sinne bleibt dem Leser nur zu wünschen: Gute Reise auf der nächsten virtuellen Entdeckungsfahrt!</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/users/stokpic-692575/">Stokpic</a> via <a href="https://pixabay.com/">Pixabay</a> licensed <a href="http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/">CCO</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div>
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		<title>Nachhaltigkeit und &#8220;Öffentliche Beschaffung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/nachhaltigkeit-und-informationsgesellschaft/wissensgesellschaftnik5-shtml-2859/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nachhaltigkeit und Informationsgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[E-Procurement]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie-Roadmap]]></category>
		<category><![CDATA[Mario Dompke]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview mit Mario Dompke, 
                      Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR e.V.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Interview mit Mario Dompke,<br />
                      <a href="http://www.dlr.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR e.V.</a><!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Was verbirgt sich hinter dem Begriff &#8220;Öffentliche Beschaffung&#8221; und warum wurde &#8220;Öffentliche Beschaffung&#8221; als Fokusthema gewählt?</p>
<p>
                    <strong>Dompke:</strong> Hierunter verbirgt sich alles, was im Bereich der Öffentlichen Hand und der Institutionen, die nach öffentlichen Kriterien beschaffen, beschafft wird. Es fängt an beim Bleistift am Schreibtisch bis hin zum Panzer. Als Fokusthema für das Roadmapping in der IKT wurde es ausgewählt, da die Informations- und Publikationstechnik in ihrer Durchdringung in sehr vielen Produkten der Öffentlichen Hand enthalten ist. 13% des Bruttoinlandproduktes werden direkt für die Öffentliche Beschaffung verwendet und 4,6 Millionen Menschen sind im Öffentlichen Bereich beschäftigt. Daran sieht man, dass es sich um einen Massenmarkt handelt. Durch klare Regelungen, wie der VOL (Verdienungsordnung Leistung) und der VOB (Verdienungsordnung Bauwerke), ist genau organisiert, wie zu beschaffen ist. Man kann daher nach Identifikationen von Zielen und Entwicklung von Strategien über die Integration in die VOL oder VOB oder Rahmenvorschriften eine breite Umsetzung erreichen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Für welche Aspekte des Themas &#8220;Öffentliche Beschaffung&#8221; soll und kann Nachhaltigkeit eine Rolle spielen? Umweltverträglichkeitsaspekte scheinen meist im Vordergrund zu stehen.</p>
<p>
                    <strong>Dompke:</strong> Das ist ein allgemeines Problem, was nicht nur auf das Fokusthema Öffentliche Beschaffung bezogen ist. Wir haben sehr viele Initiativen im Umweltbereich. Das fing damals an mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die sich ganz bewusst dem Thema Umwelt zugewandt haben, ist dann in allen gesellschaftlichen Schichten und Bereichen aufgenommen worden und ist in den letzten Jahren richtigerweise auch auf Nachhaltigkeit ausgeweitet worden &#8211; Rio 1992 als Stichwort. Nur in der konkreten Umsetzung ist es immer noch ein Problem zu definieren, was Nachhaltigkeit eigentlich ist. Wir haben keine Kriterien. In der Theorie kann man sagen, Nachhaltigkeit bedeutet, heute so zu wirtschaften, dass ein Morgen auch noch möglich ist, aber ohne dabei heute Einschränkungen machen zu müssen. Kurzes Beispiel: Alte Gutsbesitzer wussten sehr wohl, wann sie welches Feld bestellen sollten und wie sie ihre Arbeiter behandeln mussten, damit diese auch eine Identifikation zum Guts-Unternehmen hatten, damit die Landwirtschaft funktionierte. Das war Integrierte Nachhaltigkeit. Die Initiativen, die heute laufen, sind sehr stark gefärbt von etwas Messbarem. Und was ist heute am besten messbar? Geld und ökologische Effekte &#8211; was auch zwei Säulen innerhalb der Nachhaltigkeit sind. Wir versuchen die dritte Säule mit hineinzubringen, die Soziokultur. Soziokultur bedeutet, dass alle Kriterien aus den Bereichen der Arbeitswissenschaften, Arbeitschutz, Gesundheitsschutz, Sicherheitstechnik und auch Tarifpolitik unter dem Begriff Integrierte Nachhaltigkeit zusammen gefasst werden, um dann zu einem neuen Bewertungssystem zu kommen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie wird reagiert, wenn sich ökonomische, ökologische und soziale Ziele widersprechen?</p>
<p>
                    <strong>Dompke:</strong> Betriebswirtschaftliche Sicht ist auch Nachhaltigkeitssicht: Die drei Aspekte Wachstum, Gewinn und Nachhaltigkeit müssen gleichberechtigt behandelt werden. Ein Widerspruch tritt nur dann auf, wenn nur ein Punkt betrachtet wird, aus welchen Gründen auch immer &#8211; globales Handeln, gesellschaftspolitische Notwendigkeiten, u.s.w.. In dem Moment, in dem man alle drei Punkte betrachtet, kann kein Widerspruch entstehen. Wie löst man aber einen existierenden Widerspruch auf? Man zeigt auf, dass eine bestimmte Säule nicht ausreichend betrachtet wird und macht deutlich, dass die langfristige Sicherung eines Unternehmens nur möglich ist, wenn alle drei Säulen gleichberechtigt behandelt werden. Darin liegt natürlich die Schwierigkeit in unserer sozialen Marktwirtschaft. Ein Problem ist sicher, wobei ich mich damit recht weit aus dem Fenster lehne, dass wir eine Managementkultur haben, die nicht mehr unmittelbar mit dem Unternehmen verbunden ist. Ein Familienbetrieb, bei dem der Besitzer noch selbst das Unternehmen geleitet hat, denkt wesentlich stärker an die Zukunft, an seine Kinder und Enkel, als ein Aufsichtsratsvorsitzender, der, wenn die Firma nicht mehr den erwarteten Erfolg hat, auch wo anders einen Posten bekommen kann.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie setzt sich die Fokusgruppe, die das Thema Öffentliche Beschaffung bearbeitet, zusammen? Inwieweit findet zur Zeit schon Zusammenarbeit mit nachgeordneten Ebenen, wie Mitarbeitern von Behörden, statt?</p>
<p>
                    <strong>Dompke:</strong> Die Fokusgruppe setzt sich aus drei Gruppen zusammen. Die Öffentliche Beschaffung verläuft nach Regeln, das ist für unsere Arbeit Vorteil und Nachteil zugleich.<br />
                    <br />An einer Stelle sitzen die Facheinkäufer oder Beschaffer, die ihre Arbeit nach diesen Regeln gestalten. An einer anderen Stelle sitzen die Bedarfsträger, die Kriterien definieren, die sie für ihre Arbeit brauchen. Sie geben diese Kriterien weiter, und sie müssen eingepasst werden in die Regel der Beschaffer. Darin liegt eventuell eine Diskrepanz. Es gibt europäische Interpretationen der Beschaffungsrichtlinien, in denen ausgesagt wird, dass die Integration möglich ist. Wir müssen zuerst aus den Bedarfsträgern herauskitzeln, welche Kriterien originär für ihre Arbeit notwendig und auch nachhaltig sind. Dann müssen wir mit den Beschaffern reden und herausfinden, wie solche Kriterien formuliert sein müssen, damit sie in ihr Regelwerk aufgenommen werden können. Das sind zwei unterschiedliche Diskussionsprozesse, die nicht vermischt werden dürfen. Über die Hemmnisse, die wir im Gespräch mit Beschaffern und Bedarfträger herausgefunden haben, müssen wir mit den die für die Regelwerke verantwortlichen diskutieren. Wir müssen darüber sprechen, ob es Möglichkeiten gibt, diese Regelwerke partiell zu ändern oder zu erweitern. Deshalb haben wir drei Fokusgruppen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie begegnet man Berührungsängsten oder Schwierigkeiten mit neuen Techniken und Strategien insbesondere beim Thema Öffentliche Beschaffung?</p>
<p>
                    <strong>Dompke:</strong> Das ist kein großes Problem. Es gibt zahlreiche Erkenntnisse aus der Forschung, wie man mit den Problemen &#8220;das habe ich schon immer so gemacht&#8221; oder &#8220;Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht&#8221; umgehen kann. Diese Erkenntnisse kann man anwenden. Solche Strategien anzuwenden hat aber nur Erfolg, wenn man die Ziele definiert hat und sie Ziele in die Regelwerke der Öffentlichen Beschaffung hinein bekommt. Wir versuchen die Ziele aus dem zu definieren, was existent ist, ohne neue Forschung zu betreiben. Der nächste Schritt ist die Planung konkreter organisatorischer Maßnahmen, wie Maßnahmen zur Förderung der Akzeptanz oder die Integration bestimmter neuer Verhaltensweisen in der Einarbeitungsphase. Beispiele sind die Verwendung energieeffizienter Steckernetzteile, die es schon gibt, oder die Information über energiesparende Verhaltensmöglichkeiten, beispielsweise während der Einarbeitung in Computerprogramme.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche Unterstützung seitens der Verwaltung (Bund, Länder) ist ihrer Meinung nach noch nötig?</p>
<p>
                    <strong>Dompke:</strong> Soweit ist der Prozess noch nicht. Ich würde mir wünschen, dass die Unterstützung, die bereits angefangen hat, auch erhalten bleibt wenn es konkret wird. Ich weiß allerdings noch nicht, ob das passiert. Im Moment bin ich sehr positiv eingestimmt, wir bekommen sehr viel Unterstützung von Bund und Ländern. Nach einer gewissen Beobachtungszeit sollten Änderung von Gesetzen und Regelwerken stattfinden, wenn die neuen Kriterien aus Akzeptanzgründen oder Erklärbarkeitsgründen nicht in die Beschaffungsrichtlinie integrierbar sind &#8211; das würde ich mir wünschen. Stichwort Steckernetzteile: Wenn wir es nicht schaffen, eine Selbstverpflichtung mit Herstellern, Beschaffern und Bedarfsträgern zu erreichen, dann kann es der Bund eventuell mit einer Verordnung durchsetzten. Aber soweit sind wir noch nicht. Man sollte nicht den dritten Schritt vor dem ersten machen, denn da verschreckt man mehr mit.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Im Bereich E-Government ist E-Procurement (online-Beschaffung) ein wichtiges Thema. Aber Nachhaltigkeit noch nicht. Wie kann das geändert werden und was wären konkrete Schritte dazu?</p>
<p>
                    <strong>Dompke:</strong> Wenn man E-Government richtig macht, stecken darin natürlich viele Nachhaltigkeitspotenziale. Nicht nur im Bereich Ökologie, sondern gerade auch im Bereich der Soziokultur, der Gesellschaft. Nur dabei spielen noch andere Dinge eine Rolle. Wenn man die Potenziale von E-Government ausschöpfen will, muss man eben auch alte Menschen an das Netz bringen, die 80jährige, gehbehinderte Frau, die ihren Antrag oder ihr Formular selbst nicht mehr abholen kann. Es nützt ihr nichts, wenn es E-Government gibt, sie damit aber nicht umgehen kann.<br />
                    </p>
<p>
                      
                    </p>
<p>
                      
                    </p>
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			</item>
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		<title>Digitale Presseschau &#8211; KW 21</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/presseschau/digitale-presseschau-kw-21-5260/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 May 2011 18:31:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
		<category><![CDATA[ACTA]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerforum 2011]]></category>
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					<description><![CDATA[<a href="/digitale-presseschau-kw-21"><img src="/sites/politik-digital.de/files/logo-linkliste.png" align="left" height="82" width="75" /></a>Beschleunigungsgesellschaft auf dem Vormarsch, Kritik an  Abstimmungspraxis im Bundestag, BürgerForum 2011 auf der Zielgeraden und der Klimakiller Internet - Dies und mehr in der Digitalen Presseschau.        
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Beschleunigungsgesellschaft auf dem Vormarsch, Kritik an  Abstimmungspraxis im Bundestag, BürgerForum 2011 auf der Zielgeraden und der Klimakiller Internet &#8211; Dies und mehr in der Digitalen Presseschau.</p>
<p><a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1457635/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Verödung der Öffentlichkeit?</strong></a></p>
<p>Einen sehr erfrischenden und geistreichen Essay von Reinhard Mohr sendete der Deutschlandfunk. Die durch das Internet beförderte Beschleunigung der weltweit verfügbaren Informationen habe nicht nur die Medien selbst und ihren Gebrauch tiefgreifend verändert, sondern die Struktur der Öffentlichkeit, die Willensbildung und Entscheidungsprozesse. Mohr befürchtet, dass aus dem Zusammenspiel von forcierter Mediengesellschaft und Stimmungsdemokratie ein fortschreitender Verlust der allgemeinen Urteilsfähigkeit resultieren könnte. Große Teile der Gesellschaft würden längst im Liveticker-Rhythmus schwingen.</p>
<p><a href="http://blog.abgeordnetenwatch.de/2011/05/27/bundestag-kein-bedarf-an-transparenten-abstimmungen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Willkür im Bundestag?</strong></a></p>
<p>Im eigenen Blog weist abgeordnetenwatch.de auf eine parlamentarische Praxis hin, die reformbedürftig scheint. So müssten die meisten Abstimmungen im Deutschen Bundestag „nicht namentlich“ erfolgen, sondern durch bloßes Handheben oder Aufstehen. Zudem werde über die Anwesenheit der Abgeordneten öffentlich nicht Buch geführt. Um dies zu ändern und größere Transparenz für die Öffentlichkeit zu schaffen, reichte Dieter Klemke von der Organisation <a href="http://www.diebuergerlobby.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diebuergerlobby.de</a> eine Petition beim Deutschen Bundestag ein, um die Einführung eines E-Votings zu prüfen. Diese wurde jedoch erst gar nicht zugelassen!</p>
<p><a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,15092671,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>BürgerForum 2011 auf der Zielgeraden</strong></a></p>
<p>Auf der Online-Präsenz von Deutsche Welle geht Kay-Alexander Scholz auf das unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Christian Wulff stehende BürgerForum 2011 ein. Im daran teilnehmenden Landkreis Teltow-Fläming wurde am vergangenen Samstag, wie in den 24 weiteren Regionen, <a href="http://bund.buergerforum2011.de/index.php?page=infopage&amp;id_page=49&amp;menucontext=40" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein Bürgerprogramm erstellt</a>. politik-digital.de hatte im Vorfeld bereits <a href="/buergerforum-2011-demokratiefoerdernd" target="_blank" rel="noopener noreferrer">darüber berichtet</a>. Zuletzt gab es bei Telepolis auch einen <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/34/34721/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">interessanten Erfahrungsbericht</a> von Susanne Krüger, die Online-Moderation beim BürgerForum 2011 war. Das bundesweite Bürgerprogramm ist <a href="http://bund.buergerforum2011.de/index.php?page=viewcompiler_tasks&amp;id_view=10&amp;menucontext=74" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mittlerweile beschlossen</a> worden und wird am morgigen &#8220;Tag der Demokratie&#8221; im ehemaligen Bundestag in Bonn an Bundespräsident Christian Wulff überreicht.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-05/internet-proteste-demokratie" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Die Macht von Volkes Stimme</strong></a></p>
<p>Michael Seemann schreibt bei Zeit Online, dass sich die Bürger so langsam der Macht ihrer Stimme bewusst würden und mitregieren wollten. Dabei referiert er u.a. auf die aktuellen Proteste in Spanien, die keinem politischen Lager und keiner Organisation entsprängen. Durch die dank Internet mögliche direkte Kommunikation verändere sich der Diskurs. Die politische Meinungsbildung erreiche eine Komplexität, der politische Institutionen nicht mehr gerecht werden könnten und die sie zu delegitimieren drohe, solange die Politik nicht mehr Transparenz und Mitbestimmung zuließe.</p>
<p><a href="http://netzwertig.com/2011/05/23/der-ungeliebte-kontrollverlust-internet-am-scheideweg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Internet am Scheideweg</strong></a></p>
<p>In seinem Artikel bei netzwertig.com zeigt sich Martin Weigert besorgt, dass die Zeit des verhältnismäßig freien, demokratischen und offenen Internet bald vorbei sein könnte und die Befürworter eines kontrollierten und regulierten Internet die Oberhand gewinnen. So paradox es auch klingen mag: Dieser Entwicklung könnten nur die Global Player der Internetbranche, wie Google, Twitter und Facebook, entgegensteuern, die allzu oft wegen ihrer Marktdominanz oder auch Privatsphäre- und Datenschutzverstöße kritisiert werden. Denn nur sie würden als Gegenpol zu staatlicher Regulation die einzige echte, weil finanzkräftige Lobby für eine freie und gegen eine härter kontrollierte digitale und vernetzte Zukunft bilden, so Weigert.</p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/internet-aktivist-zimmermann-im-gespraech-der-zugang-fuer-alle-ist-in-gefahr-1.1101413" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Internet-Zensur</strong></a></p>
<p>In einem Interview mit Alex Rühle von sueddeutsche.de kritisiert der Netz-Aktivist Jérémie Zimmermann von der französischen Bürgerrechtsorganisation <a href="http://www.laquadrature.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">La Quadrature du Net</a> die Versuche der Politik, das Internet stärker zu regulieren. Dazu gehören für ihn u.a. Zensurbestrebungen in Frankreich und das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ACTA-Handelsabkommen</a>. Dessen Realisierung mit staatlicher Zustimmung mache Internetfirmen zu einer privaten Urheberrechts-Polizei und –Justiz. Als positives Gegenbeispiel nennt er z. B. eine Gesetzesregelung aus Brasilien, die nur die unmittelbar Verantwortlichen für illegale Handlungen im Netz strafrechtlich belange.</p>
<p><a href="http://www.welt.de/wissenschaft/article13391627/Wie-das-Internet-zum-Klimakiller-wird.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Klimakiller Internet</strong></a></p>
<p>Ulrich Clauß merkt auf Welt Online an, dass IT- Lobbyisten sich allzu oft mit dem Umweltschutz brüsteten. So werbe Google schon seit längerem mit dem Begriff der Green-IT, also der umweltschonenden Datenverarbeitung. Die Realität sehe jedoch anders aus: Denn die Energieerzeugung für den Betrieb der Datentechnik sei noch immer und überwiegend konventioneller Natur und verursache erhebliche Umweltlasten. Zugleich stellt Clauß jedoch fest, dass öffentliche Förderprogramme wie „IT2Green“ auf Anklang in der Wirtschaft treffen würden und es dort einen ökologischen Wertewandel gebe.</p>
<p><a href="http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:gastkommentar-des-innenministers-das-internet-braucht-nicht-immer-gleich-gesetze/60056634.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Absage an neue Internet-Gesetze</strong></a></p>
<p>In einem Gastkommentar für die Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland resümiert Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, dass das Netz neuer Regelungen im Interesse von Meinungsfreiheit und Datenschutz bedürfe. Doch anstatt neue Gesetze zu fordern, setzt er vermeintlich auf eine verstärkte Selbstregulierung von Internet-Nutzern und –Wirtschaft. Denn in einer freiheitlichen Demokratie solle der Staat erst dort eingreifen, wo es wirklich nötig ist. Ob dies mehr als nur Lippenbekenntnisse sind, wird sich aber erst noch zeigen müssen.</p>
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		<title>Chat vom Umweltministerium Baden-Württemberg zum Thema Nachhaltigkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Bergemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 17:30:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltministerium]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Fasel]]></category>
		<category><![CDATA[Meike Gebhard]]></category>
		<category><![CDATA[Tanja Gönner]]></category>
		<category><![CDATA[wir-ernten-was-wir-säen]]></category>
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					<description><![CDATA[Tanja Gönner, Dr. Meike Gebhard und Prof. Dr. Christoph Fasel beantworteten im Expertenchat des Umweltministeriums Baden-Württemberg am 21. Juni 2010 Fragen zum Thema Nachhaltigkeit. Die User interessierten vor allem nachhaltige Mobilitätskonzepte, regenerative Energien und Maßnahmen zum aktiven Umweltschutz. Den ganzen Chat gibt es <a href="http://www.wir-ernten-was-wir-saeen.de/protokoll-des-chats-am-21" target="_blank" title="Chatprotokoll" rel="noopener noreferrer">hier</a> zum Nachlesen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Tanja Gönner, Dr. Meike Gebhard und Prof. Dr. Christoph Fasel beantworteten im Expertenchat des Umweltministeriums Baden-Württemberg am 21. Juni 2010 Fragen zum Thema Nachhaltigkeit. Die User interessierten vor allem nachhaltige Mobilitätskonzepte, regenerative Energien und Maßnahmen zum aktiven Umweltschutz. Den ganzen Chat gibt es <a href="http://www.wir-ernten-was-wir-saeen.de/protokoll-des-chats-am-21" target="_blank" title="Chatprotokoll" rel="noopener noreferrer">hier</a> zum Nachlesen.<br />
<!--break--></p>
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		<title>Umweltministerium startet Online-Dialog</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/umweltministerium-startet-online-dialog-4762/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nina Schröter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 14:40:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Dialog]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltministerium]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[Unter „mitreden-u.de – Umweltdialog zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie“ können Bürger vom heutigen Dienstag an (17.2.10) dem Bundesumweltministerium sagen, welche Umweltthemen ihnen wichtig sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unter „mitreden-u.de – Umweltdialog zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie“ können Bürger vom heutigen Dienstag an (17.2.10) dem Bundesumweltministerium sagen, welche Umweltthemen ihnen wichtig sind.<!--break--></p>
<p>
Bis zum 17. März 2010 kann man<a href="http://www.mitreden-u.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Beiträge schreiben</a>, bis zum 26. März können die Vorschläge öffentlich kommentiert und unterstützt werden. Nach einer Auswertung der Beiträge sollen die Ergebnisse der Diskussion in zwei Jahren in den Fortschrittsbericht 2012 zur nationalen Nachhaltigkeitstrategie aufgenommen werden.</p>
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			</item>
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		<title>&#8220;Deutsch muss die erste Sprache sein&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/deutsch-muss-die-erste-sprache-sein-4162/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2008 16:08:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Cem Özdemir]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[Cem Özdemir war am 26. November zu Gast im tagesschau-Chat, in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der Grünen-Parteivorsitzende bezog klar Stellung zur Bonusmeilen-Affäre, einer Zusammenarbeit mit der CDU auf Bundesebene und Türkisch-Unterricht in Schulen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Cem Özdemir war am 26. November zu Gast im tagesschau-Chat, in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der Grünen-Parteivorsitzende bezog klar Stellung zur Bonusmeilen-Affäre, einer Zusammenarbeit mit der CDU auf Bundesebene und Türkisch-Unterricht in Schulen.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Herzlich willkommen beim<br />
tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Mein Name ist Corinna<br />
Emundts. Zu Gast heute ist der frischgewählte Parteivorsitzende der<br />
Grünen, Cem Özdemir. Herzlich willkommen auch an Sie, Herr Özdemir<br />
&#8211; und danke, dass Sie sich Zeit genommen haben, hierher zu kommen!<br />
Können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Absolut, danke für den<br />
freundlichen Empfang!
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Vor nicht allzu langer Zeit haben<br />
Sie gesagt, Sie trauten sich das Amt des Grünen-Parteivorsitzenden<br />
nicht zu. Was führte zu dem Sinneswandel?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Das Amt des Parteivorsitzenden<br />
generell, aber im Besonderen bei mir in der Partei, ist ein sehr<br />
Anspruchsvolles und es will gut überlegt sein. Und ich habe es mir<br />
gut überlegt und mich dann entschlossen, dass ich Parteivorsitzender<br />
werden möchte. Nachdem für mich auch klar war, dass sich das mit<br />
meinen Pflichten als Vater vereinbaren lässt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das sagt einer der Partei, die lange<br />
schon für Vereinbarkeit von Familie und Beruf kämpft?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Anspruch und Wirklichkeit klaffen<br />
bei jemandem mit einer 70-Stunden-Woche gelegentlich auseinander.<br />
Umso wichtiger ist es, dass man vorher gut plant und es sich vor<br />
allem gründlich überlegt. Ich gehöre zu einer Generation, die<br />
beides zusammenbringen möchte. Beide Elternteile berufstätig und<br />
dennoch mit dem Anspruch, genug Zeit für sich und für das Kind zu<br />
haben. Im Grunde bin ich doch sogar eigentlich privilegiert im<br />
Verhältnis zu vielen anderen in der Gesellschaft, da ich<br />
beispielsweise morgens meine Tochter selber in den Kindergarten<br />
bringen und anschließend zur Arbeit gehen kann. Viele Menschen haben<br />
eine solche Möglichkeit nicht, weil es entweder von der Arbeitszeit<br />
her nicht geht oder die entsprechende Kinderbetreuungseinrichtung<br />
fehlt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Im Prechat wurde häufig für die<br />
Frage gestimmt, warum Sie nach der Bonusmeilenaffäre wieder auf die<br />
politische Bühne gegangen sind?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Die Logik kann, glaube ich, nicht<br />
so funktionieren, dass derjenige, der Verantwortung übernimmt,<br />
lebenslänglich bekommt und derjenige, der auf Durchzug schaltet,<br />
sich damit zu Höherem berufen zeigt. Zumindest wäre dies nicht<br />
meine Logik. Ansonsten ist es aber so, dass ich nach 2002 ernsthafter<br />
aus der Parteipolitik schon draußen war und auch nicht so schnell<br />
vorhatte, wieder aus den USA zurückzukehren. Reinhard Bütikofer und<br />
Daniel Cohn-Bendit, die ich bei ihren USA-Reisen getroffen habe,<br />
haben mich aber überzeugt, für das Europa-Parlament 2004 zu<br />
kandidieren.
</p>
<p>
<b>IK:</b> Befürchten Sie nicht ein<br />
Glaubwürdigkeitsproblem nach der versäumten Steuerpflicht, der<br />
Hunzigeraffäre und dem Bonusmeilenskandal? Alles vergeben und<br />
vergessen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich habe meine Steuerpflicht nicht<br />
versäumt &#8211; sondern erfüllt. Und in Sachen Hunzinger meinte der in<br />
dieser Frage wohl eher unverdächtige Hans-Christian Ströbele, zum<br />
Zeitpunkt der Aufnahme des Darlehens hätte er mir auch nicht davon<br />
abraten können. Bei den Bonusmeilen habe ich private und dienstliche<br />
nicht geteilt, so wie viele andere auch, und dies nicht aus<br />
Böswilligkeit, sondern weil ich davon ausging, dass ich genug privat<br />
erworbene Meilen habe. Für all dieses habe ich Verantwortung<br />
übernommen, indem ich &#8211; wie angekündigt &#8211; das Mandat nicht<br />
angenommen habe, nachdem ich für den Bundestag wiedergewählt worden<br />
war. Dies gibt mir jetzt allerdings auch die Möglichkeit, an dem<br />
gemessen zu werden, was ich zuvor gemacht habe und vor allem aber,<br />
was ich seither mache. Man wird verstehen, dass ich doppelte<br />
Standards nicht akzeptiere, auch in dieser Frage nicht. Dass es immer<br />
wieder welche geben wird, die mir Fragen stellen, die sie anderen<br />
nicht stellen, ist mir nicht ganz unvertraut.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Wieso?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Es hat sich auch nicht jeder<br />
darüber gefreut, dass jemand wie ich da ist, wo er heute ist.
</p>
<p>
<b>Dennis:</b> Auf die Landesliste wollte man Sie nicht<br />
wählen. Warum glauben Sie, dass Ihnen die Partei als Vorsitzender<br />
folgen wird?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Weil diejenigen, die mich auf die<br />
Landesliste in Baden-Württemberg nicht gewählt haben, mir auch dort<br />
schon gesagt haben, dass sie mich als Bundesvorsitzenden wollen. Und<br />
das Ergebnis auf dem Bundesparteitag, das für grüne Verhältnisse<br />
(bei uns gibt es keine 90-Prozent-Ergebnisse für Vorsitzende) sehr<br />
gut war, zeigt, wie breit die Unterstützung in der Partei ist. Die<br />
Landespartei in Baden-Württemberg tut sich traditionell schwer mit<br />
der Vereinbarkeit von Amt und Mandat. Dies muss man verstehen vor dem<br />
Hintergrund unserer Tradition: Traditionell wollen viele bei uns<br />
vermeiden, dass Einzelne in der Führung zu viele Aufgaben und zu<br />
viel Macht in einer Person konzentrieren.
</p>
<p>
<b>Alessandra:</b> Lieber Cem! Was hast du in deiner<br />
Zeit im europäischen Ausland gelernt und wie wirkt sich diese<br />
Erfahrung nun auf dein politisches Engagement aus?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>In einem Parlament mit 27<br />
Mitgliedsländern bleibt es nicht aus, dass man viel lernt über die<br />
Hintergründe der anderen Kollegen. Um nur ein Beispiel zu nennen:<br />
Die Länder, die diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs waren,<br />
haben beispielsweise oft einen ganz anderen Zugang zum Verhältnis zu<br />
Russland. Spannend für mich ist auch, dass das Europäische<br />
Parlament im Gegensatz zu nationalen Parlamenten nicht über einen<br />
strengen Fraktionszwang verfügt. Das heißt, bei uns suchen sich die<br />
Themen ihre Mehrheiten. Für den einzelnen Abgeordneten bedeutet das,<br />
dass er mal mit konservativen Kollegen und mal mit Kollegen von der<br />
Linkspartei bei bestimmten Themen zusammenarbeitet. Etwas von dieser<br />
Flexibilität und Offenheit in den etwas robusteren Alltag von Berlin<br />
rüberzuretten, würde ich gerne versuchen. Was sicherlich bleiben<br />
wird, ist meine Begeisterung für Europa.
</p>
<p>
<b>pp:</b> Cem, was muss geschehen, damit Dein<br />
Migrationshintergund nicht mehr im Vordergrund steht, sondern die<br />
politischen Inhalte, für die Du stehst?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Nicht ohne Grund habe ich in meiner<br />
Rede auf dem Bundesparteitag in Erfurt das Thema &quot;Migration&quot;<br />
mit keinem Wort erwähnt, sondern, als es beispielsweise um das Thema<br />
&quot;Bildung&quot; ging, von Arbeiterkindern gesprochen. Denn<br />
schließlich haben deutsche Arbeiterkinder keine grundlegend anderen<br />
Probleme als türkischstämmige Arbeiterkinder, die an den<br />
unsichtbaren Mauern des deutschen Schulsystems &#8211; das genau diese<br />
soziale Schicht systematisch von höheren Schulen und damit von<br />
Zugang zu den Universitäten ausschließt &#8211; scheitern. Mein Wunsch<br />
ist, dass wir eines Tages in einer farbenblinden Gesellschaft leben.<br />
Dass die Menschen nicht danach beurteilt werden, welcher<br />
Religionsgemeinschaft sie angehören oder wo ihre Vorfahren<br />
herkommen, sondern danach, was sie zu sagen haben und was sie machen.<br />
Dies wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Da würde ich gerne nachhaken: Wieso<br />
haben Sie dann gleich quasi als erste Amtshandung das &quot;Türkisch<br />
in der Schule&quot;-Thema in der &quot;Bild&quot;-Zeitung gespielt?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Meine Ansage war doch eigentlich<br />
sehr klar: Deutsch muss die erste Sprache sein und wenn neben<br />
Englisch, Französisch, Russisch und anderen Sprachen, die bei uns<br />
angeboten werden, auch Türkisch als weiteres Fach angeboten wird,<br />
kann dies der Gesellschaft eigentlich nur gut tun. Nochmal: Grundlage<br />
sind gute Deutschkenntnisse für alle. Dies gilt auch für den<br />
Schwaben Cem Özdemir, der schließlich auch Hochdeutsch lernen<br />
musste. Spannend ist allerdings, was die Zeitungen und vor allem<br />
Agenturen aus dem, was ich gesagt habe, gemacht haben. Dies fängt<br />
schon bei der Überschrift der Bild-Zeitung an und hört bei den<br />
Reaktionen noch nicht auf. Es zeigt mir eigentlich nur, dass man<br />
künftig bei der PISA-Studie nicht mehr nur 15-Jährige, sondern auch<br />
den Berufsstand der Politiker und möglicherweise auch der<br />
Hauptstadtjournalisten und vor allem derjenigen, die Agenturmeldungen<br />
machen, mit einbeziehen sollte. Ich bin mir allerdings nicht ganz<br />
sicher, ob die möglichen Resultate so wären, wie wir uns das alle<br />
wünschen.
</p>
<p>
<b>Simon:</b> Sehr geehrter Herr Özdemir, welches Motiv<br />
vermuten Sie hat die &quot;Bild&quot;, dass sie so gegen Sie wettert?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Ich würde nicht sagen dass die<br />
&quot;Bild&quot; gegen mich wettert, denn in der Reaktion am nächsten<br />
Tag wurde ja auch wiedergegeben, dass es unterschiedliche<br />
Rückmeldungen gab. Die Bild ist die Bild und die Bild will sich<br />
verkaufen und braucht dafür eine gute Schlagzeile. Und wenn ich sie<br />
nicht liefere, dann muss man eben etwas zuspitzen. Viel<br />
bemerkenswerter ist, dass seriöse Medien, die dieses eigentlich<br />
wissen sollten, ausschließlich die Überschrift zitieren und damit<br />
eine virtuelle Debatte entfachen, zu der sich dann wiederum virtuelle<br />
Politiker äußern und so weiter. Eigentlich sollte der Ernst der<br />
PISA-Studie und ihre Ergebnisse dazu führen, dass man an ein solches<br />
Thema mit etwas mehr Tiefgang herangeht. Aber vielleicht hat meine<br />
Erwartungshaltung auch damit zu tun, dass ich noch immer etwas von<br />
dem Stil in Brüssel &quot;verdorben&quot; bin.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Die folgende Frage an Sie ist<br />
zugleich eine, die viele User vorab für besonders wichtig bewertet<br />
haben.
</p>
<p>
<b>Nichttürkischer Ausländer:</b> Finden Sie nicht,<br />
dass der Türkischunterricht an deutschen Schulen zu einer<br />
Zweiklassen-Ausländerschaft führt? Warum sind Sie für Sonderrechte<br />
für Türken? Warum missachten Sie die anderen Kulturen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Es ist immer schwierig, Positionen<br />
zu verteidigen, die man nie vertreten hat. Dies meine ich mit<br />
virtuellen Diskussionen. Ich setze mich dafür ein, dass neben der<br />
deutschen Amtssprache und den wichtigsten Fremdsprachen auch andere<br />
Sprachen in unserer Gesellschaft unterrichtet werden, wo immer es<br />
entsprechende Nachfrage gibt. Dies bedeutet für meine Tochter<br />
beispielsweise, dass sie auf einen spanisch-deutschen Kindergarten<br />
geht, weil ihre Mutter Argentinierin ist. Für andere mag es<br />
bedeuten, dass sie neben Deutsch auch Kurdisch, Arabisch, Persisch<br />
oder was auch immer lernen. Es gibt ein schönes anatolisches<br />
Sprichwort, das heißt: Eine neue Sprache ist wie ein neuer Mensch.<br />
Dem kann ich nicht viel hinzufügen außer der Verwunderung darüber,<br />
wie schwer man sich in Deutschland mit der Mehrsprachigkeit tut.
</p>
<p>
<b>banjo:</b> Zudem ist ein Zweitsprachenerwerb<br />
erwiesenermaßen nur dann möglich, wenn die Muttersprache<br />
ausreichend beherrscht wird. Erst dann kann auf dieser aufgebaut<br />
werden. Warum wird so wenig auf dieser Grundlage diskutiert? Ich<br />
begrüße Ihre Wahl. Mit welchen Konzepten wollen Sie die Integration<br />
in unserer Gesellschaft voranbringen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Es ist nicht zwingend so, dass man<br />
erst die Muttersprache gelernt haben muss. Wichtig ist vor allem,<br />
dass man eine Sprache richtig gut lernt. Die Eltern sollten die<br />
Sprache vermitteln, die sie am besten können. Deshalb ist es auch<br />
Quatsch, wenn einige &quot;Experten&quot; sagen, die Eltern sollen in<br />
jedem Fall deutsch mit ihren Kindern sprechen. Wenn es fehlerhaftes<br />
Deutsch ist, versündigt man sich an den Kindern eher.
</p>
<p>
<b>mahdi1:</b> Guten Tag, Cem Özdemir. Ich möchte Sie<br />
fragen, was Sie für Muslime in Deutschland tun werden, um deren<br />
Rechte zu stärken und dafür zu sorgen, dass trotz einer Integration<br />
(die sein muss), der Islam trotzdem ausgelebt werden kann? Ich wäre<br />
sehr dankbar für Ihre Antwort.
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Ich mache keine spezielle Politik<br />
für eine Religion. Der Islam und damit auch die Muslime sind Teil<br />
unserer Gesellschaft. Dazu gehört auch der Bau von Moscheen und<br />
damit der Abschied von den Hinterhöfen. Oder das Thema<br />
Religionsunterricht: Es ist mir schließlich lieber, wenn hier<br />
ausgebildete Religionslehrer in Deutsch muslimische Kinder<br />
unterrichten und nicht irgendwelche radikalen Prediger.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Ich bitte um Verständnis, dass wir<br />
nun von den politischen Fragen zu den Grünen wechseln, dazu sind<br />
hier live in diesen Minuten bereits sehr viele Fragen eingetroffen.
</p>
<p>
<b>Laurens:</b> Ich habe große Sorge, dass Sie eines<br />
der Kernthemen der Grünen, den Umweltschutz und insbesondere den<br />
Klimaschutz, unter den Tisch fallen lassen oder auf Kuschelkurs mit<br />
der halbherzigen Unionspolitik gehen. Warum widmen Sie diesen<br />
wichtigen Themen so wenig Aufmerksamkeit?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Wie kommen Sie darauf, dass ich dem<br />
Thema wenig Aufmerksamkeit widmen würde? Es ist praktisch in jeder<br />
Rede Kernbestandteil und einen Kuschelkurs mit der Union kann ich bei<br />
bestem Willen nicht erkennen. Sie müssten dies schon belegen. Die<br />
Grünen haben eine sehr klare Position in Sachen Atomausstieg und die<br />
Union muss wissen, dass es da nichts zu verhandeln gibt. Und auch der<br />
Bau neuer Kohlekraftwerke zusätzlich zu den bereits bestehenden und<br />
in Bau befindlichen ist mit uns nicht zu machen.
</p>
<p>
<br />
<b>Moderatorin:</b> Bei folgender sehr umfassenden<br />
Frage bitte ich um eine KURZE Antwort im Interesse aller anderen noch<br />
Fragenden!
</p>
<p>
<b>Peter Klaus:</b> Was sind Ihre Ziele für den<br />
Bundestagswahlkampf 2009 und mit wem wollen Sie eine Koalition<br />
eingehen und warum gerade mit diesem?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich kann verstehen, dass viele die<br />
Koalitionsfrage interessiert. Mich interessiert aber vor allem, dass<br />
die Grünen gestärkt in diese Wahlauseinandersetzungen gehen und<br />
gute Ergebnisse einfahren. Über Koalitionen wird nicht entlang<br />
arithmetischer Mehrheiten entschieden, sondern es geht hier um<br />
Inhalte. Und zwar grüne Inhalte. Und dann schauen wir, mit wem wir<br />
sie am besten umsetzen können.
</p>
<p>
<b>Laurens:</b> Auf ihrer Homepage ist das Thema kaum<br />
erwähnt.
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Es ist die Homepage des<br />
Europa-Abgeordneten Cem Özdemir und sie gibt insofern die Arbeit des<br />
Europa-Abgeordneten Cem Özdemir wieder und Cem Özdemir ist im<br />
Europa-Parlament außenpolitischer Sprecher der Grünen. Wenn Sie<br />
aber schauen, es findet sich auch auf meiner Website, welche<br />
Interviews ich im letzten halben Jahr zu welchen Themen gegeben habe.<br />
Dann ist es glaube ich sehr eindeutig, oder?
</p>
<p>
<b>kayboard:</b> Sehr geehrter Herr Özdemir, ich würde<br />
gerne weg von der Nationalitätenfrage und wechseln zu einem Thema,<br />
welches sehr präsent ist: Politikverdrossenheit der Wähler,<br />
Rezession. Überzeugen Sie mich bitte in wenigen Worten, warum ich<br />
Ihre Partei als voraussichtlicher Koalitionspartner der CDU bei der<br />
nächsten Bundestagswahl wählen soll?
</p>
<p>
<b>Fr. Vogt:</b> Mit welcher Koalitionsaussage gehen Sie<br />
in die Bundestagswahl 2009? Ich gehe nämlich davon aus, dass, wenn<br />
Sie sich mit der Union zusammentun würden, immer weniger Bürger die<br />
Grünen wählen würden. Auch in Hamburg haben Sie damit viele<br />
Stimmen verloren. Sehr viele ehemals links-alternative Wählerinnen<br />
und Wähler wandern ab zur Linkspartei. Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich sehe nicht, dass wir<br />
Koalitionspartner der Union werden sollen. So wie Frau Merkel sich<br />
gegenwärtig von ihren hehren Zielen des Klimaschutzes verabschiedet<br />
hat und bedauerlicherweise mit Umweltminister Gabriel zusammen in<br />
Brüssel jede Art von Fortschritt in Sachen &quot;Reduzierung des<br />
CO2-Ausstoßes im Automobilverkehr&quot; verhindert, geht da nicht<br />
sehr viel mit uns. Wer sich gegen ein Tempolimit wendet und eine<br />
CO2-basierte-Kfz-Steuer nicht einführt, meint es nicht ernst mit dem<br />
Klimaschutz. Ich hoffe, dies war klar genug. In Hamburg geht es um<br />
eine Landeskoalition und Landeskoalitionen werden bei uns von den<br />
Landesverbänden entschieden und die grüne Handschrift ist dort klar<br />
zu erkennen.
</p>
<p>
<b>Sealand:</b> Sehr geehrter Herr Özdemir, wie<br />
beurteilen Sie die Situation der Grünen in Hessen in Hinblick auf<br />
die anstehenden Neuwahlen?
</p>
<p>
<b>Spiegelturm:</b> Welche Lehren ziehen Sie aus den<br />
Vorgängen in Hessen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Ich ärgere mich über den<br />
Ypsilanti-Walter-Chaosladen, der das Projekt &quot;Eine Mehrheit<br />
jenseits von Roland Koch&quot; an die Wand gefahren hat. Jetzt ist<br />
aber auch klar, worum es in Hessen geht. Wer möchte, dass derjenige,<br />
der Minderheiten in früheren Wahlkämpfen stigmatisiert hat und<br />
Umweltschutz für einen Standortnachteil für die hessische<br />
Wirtschaft hält, Ministerpräsident bleibt, der muss Roland Koch<br />
wählen. Und wer einen Politikwechsel möchte, dessen Kandidat heißt<br />
Tarik &#8211; ach, ich schreib&#8217;s türkisch &#8211; mit e&#8230; Tarek Al-Wazir!
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Nochmal zum Bund:
</p>
<p>
<b>Pete: </b>Wenn Sie mit der CDU nicht koalieren wollen<br />
oder können, bliebe nur die SPD/FDP als Dreierkoalition. Lehnen Sie<br />
eine Koalition mit der Linkspartei auch ab oder werden Sie sich vor<br />
der Wahl nicht festlegen?
</p>
<p>
<b>alfredo:</b> Guten Tag Herr Özdemir, wie sehen Sie<br />
persönlich das politische Verhältnis der Grünen zur neuen Partei<br />
&quot;Die Linke&quot;? Übereinstimmungen in den Parteiprogrammen<br />
sehe ich. Aber mich würde interessieren, wie nahe sich die Grünen<br />
und die Linken wirklich kommen wollen, auch gesehen auf die<br />
bevorstehende Bundestagswahl im kommenden Jahr. Ich persönlich würde<br />
es begrüßen!
</p>
<p>
<b>M_Linke:</b> Können Sie sich vorstellen, mit der<br />
Linken unter einem Lafontaine zu koalieren?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Zur letzten Frage noch ein kurzer<br />
Nachtrag: Die anderen Namen muss man sich nicht merken. Eine<br />
Koalition mit der Union schließt die Union de facto aus durch ihren<br />
klimafeindlichen Kurs. Zur Linken: Mal ganz abgesehen davon, dass sie<br />
selber eine Regierungsbeteiligung 2009 ausschließen, sehe ich nicht,<br />
wie wir mit einer europafeindlichen (sie haben den EU-Vertrag<br />
abgelehnt) und populistischen (&quot;Fremdarbeiter&quot;) Partei<br />
zusammen kommen sollen, die allen alles verspricht, so lange die<br />
anderen sich um die Finanzierung kümmern. 2009 sehe ich dafür keine<br />
Möglichkeit. Übrigens schließt dieses auch die SPD ausdrücklich<br />
aus.
</p>
<p>
<b>Kuehl:</b> Sehen Sie die Grünen eher als eine<br />
Oppositionspartei?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Wir sind in der Opposition,<br />
insofern ist unser Job klar definiert. Wir müssen Alternativen<br />
formulieren zur Großen Koalition. Da ist Manndeckung gefragt und<br />
gegenwärtig deutliche Kritik.
</p>
<p>
<b>tomkrishan:</b> Sehr geehrter Herr Özdemir, unter<br />
Rot-grün wurde die Agenda 2010 verabschiedet. Denken Sie unter Ihrer<br />
persönlichen Regierungsbeteiligung wird die Entrechtung der<br />
Arbeitslosen weiter ausgebaut bzw. die Niedriglohnpolitik weiter<br />
forciert?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Die Agenda 2010 war im Prinzip<br />
richtig. Allerdings gab es dabei auch handwerkliche Fehler und<br />
wichtige Versäumnisse. Ich denke beispielsweise an die<br />
Altersrückstellungen, da konnten wir uns damals leider gegen die SPD<br />
nicht durchsetzen. Eines ist allerdings auch klar: Wir brauchen<br />
dringend Mindestlöhne, die es ja schließlich in Großbritannien<br />
auch gibt. Es darf nicht weiter auseinander gehen zwischen oben und<br />
unten in dieser Gesellschaft.
</p>
<p>
<b>vyasa:</b> Möchten Sie den Niedriglohnsektor<br />
bekämpfen? Und wenn ja, wie?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Wir wollen, dass die Friseurin<br />
beispielsweise von ihrer Arbeit menschenwürdig leben kann. Dazu ist<br />
neben dem Mindestlohn auch eine Änderung der Besteuerung notwendig.
</p>
<p>
<b>Sparro: </b>Sehr geehrter Herr Özdemir, was ist Ihre<br />
Lösung für die bevorstehende Rezession? Wollen Sie weiterhin die<br />
Banken retten und somit den eigentlich Schuldigen weiterhelfen? Oder<br />
doch den Markt seine Arbeit machen und die Guten von den Schlechten<br />
trennen lassen.
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Wir haben zur Zeit nicht nur eine<br />
Finanzmarktkrise und Wirtschaftskrise sondern immer noch und vor<br />
allem bleibend eine Klimakrise. Die Lösung kann nur in der<br />
Verknüpfung der beiden Themen bestehen. Das heißt, wir müssen<br />
jetzt Energie sparen und Investitionen in erneuerbare Energien,<br />
Energieeffizienz (Altbausanierung) und intelligente Mobilität<br />
(Autos, die weniger als 120g CO2 ausstoßen) tätigen.
</p>
<p>
<b>greenworld:</b> Beziehen Sie Ökostrom?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ja, aus Schönau, schließlich komm<br />
ich ja aus dem Ländle.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Noch eine Frage aus dem Prechat<br />
dazu:
</p>
<p>
<b>cem:</b> Aus welcher Stadt der Türkei stammen Sie?
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Apropos &quot;Ländle&quot; 🙂
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Die Stadt heißt &quot;Bad Urach&quot;<br />
und liegt zumindest bislang immer noch in Baden-Württemberg.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Zwei außenpolitische Fragen:
</p>
<p>
<b>hadi112:</b> Wie stehen Sie zum EU-Beitritt der<br />
Türkei?
</p>
<p>
<b>Sebastian: </b>Wollen Sie Außenminister einer<br />
schwarz-grünen Koalition werden?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Zu hadi112: Wenn die Türkei die so<br />
genannten Kopenhagener Kriterien erfüllt, also beispielsweise die<br />
Menschenrechte nachprüfbar einhält und die Lebensumstände<br />
innerhalb der Türkei sich angleichen, dann soll die Türkei nicht<br />
anders behandelt werden als andere Länder, die vor der Türkei<br />
Mitglied geworden sind. zu Sebastian: Ich bin Parteivorsitzender und<br />
nicht Spitzenkandidat. Insofern sind unsere Kandidaten für<br />
Ministerämter unsere beiden Spitzenkandidaten Renate Künast und<br />
Jürgen Trittin, die sich allerdings auch nicht für eine<br />
schwarz-grüne Koalition einsetzen, sondern für starke Grüne.
</p>
<p>
<b>Shrek the Ogger:</b> Eine CDU, die Klimapolitik zur<br />
Chefsache erklärt, eine Linke, die soziale Gerechtigkeit fordert.<br />
Grüne Themen sind nicht mehr (ausschließlich) grün. Welches Thema<br />
bleibt den Grünen noch als Alleinstellungsmerkmal?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Erst einmal ist es ja keine<br />
schlechte Nachricht, wenn die Themen, für die wir früher belächelt<br />
worden sind, mittlerweile immerhin dazu führen, dass die anderen<br />
Parteien ihre Überschriften geändert haben. Wenn es allerdings ums<br />
Handeln geht, dann sehen wir aktuell ja bei der Kanzlerin, wie sie<br />
den Lobbyinteressen der deutschen Automobilindustrie nachgibt. Ich<br />
bin mir sicher, dass das Original im Zweifelsfall den Vorzug erhält.<br />
Aber: Wir Grünen wissen, dass wir klar machen müssen, worin der<br />
Unterschied besteht.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wir kommen in die letzte Runde, was<br />
unsere Chat-Zeit angeht. Hier sind noch ein paar Fragen zur Person<br />
gekommen &#8211; Spielregel jetzt: Sie haben jeweils einen Satz pro<br />
Antwort! (Dann kriegen wir mehr unter)
</p>
<p>
<b>Cihat:</b> Herr Özdemir, ich bin 17, Gymnasiast<br />
türkischer Abstammung. Und ich frage mich, was Sie bewegt hat,<br />
gerade bei den Grünen aktiv zu werden?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich bin in der Schule aktiv<br />
geworden und über die Umwelt und Friedenspolitik zu den Grünen<br />
gekommen.
</p>
<p>
<b>Schwabe: </b>Warum nennen Sie sich anatolischer<br />
Schwabe, wenn sie doch in Bad Urach geboren sind? Sollte es nicht<br />
selbstverständlich sein, dass Sie Schwabe sind wie die anderen Bad<br />
Uracher auch?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Als ich 1994 in den Bundestag<br />
gewählt worden bin, wurde ich mal Spätzle-Türke genannt, dann<br />
wieder Deutsch-Türke und so weiter und irgendwann habe ich dann eben<br />
gedacht, ich kreiere selber einen Begriff, bevor es andere tun.
</p>
<p>
<b>JaneJones:</b> Sie sagen, dass deutsche<br />
Arbeiterkinder keine anderen Probleme als türkischstämmige<br />
Arbeiterkinder haben. Viele Freunde von mir mit Migrationshintergrund<br />
haben große Probleme damit, sich selbst innerhalb der verschiedenen<br />
Kulturen zu verorten. Obwohl Sie in Deutschland geboren sind, sehen<br />
Sie sich nicht als Deutscher und wenn Sie es doch versuchen, werden<br />
Sie sehr schnell in Ihre Schranken verwiesen. Wie kann dies Ihrer<br />
Meinung nach geändert werden und wäre das Ihrer Ansicht nach<br />
überhaupt sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Wichtig ist, dass man trotz aller<br />
Hindernisse sich selbst als Inländer sieht und sich nicht selbst zum<br />
Ausländer macht bzw. machen lässt.
</p>
<p>
<b>Salim Spohr:</b> Lieber Cem, bist du eigentlich<br />
Muslim?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich komme aus einer muslimischen<br />
Familie.
</p>
<p>
<b>MadMax:</b> Herr Özdemir, könnten Sie sich<br />
vorstellen, Bundeskanzler der BRD zu sein?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Es dürfte etwas dauern, bis meine<br />
Partei die Mehrheit in Deutschland stellt und sich daraus auch der<br />
Anspruch ergibt, den Bundeskanzler zu stellen &#8211; wenn es soweit ist<br />
und ich noch lebe, werde ich sehen, was dann wird.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das Ergebnis unserer Chat-Umfrage<br />
ist da: (&quot;Können Sie sich eine schwarz-grüne Koalition auf<br />
Bundesebene vorstellen, wenn der Atomausstieg beibehalten wird?&quot;)<br />
43 Prozent haben ja gesagt, 57 Prozent nein &#8211; Wollen Sie kurz darauf<br />
reagieren?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir: </b>Der Atomausstieg alleine würde mir<br />
auch nicht genügen. Schließlich geht es auch um die anderen<br />
Politikfelder, wo wir uns verständigen müssten.
</p>
<p>
<b>pp:</b> Cem, ist die Spaltung der Grünen in Fundis<br />
und Realos noch zeitgemäß und wie möchtest Du die Lager innerhalb<br />
der Partei näher zusammen bringen?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Eines ist jedenfalls klar: Die<br />
beiden Bundesvorsitzenden sind grüne Bundesvorsitzende und nicht<br />
Flügelvorsitzende. Ich bekomme auch mit, wie immer mehr jüngere<br />
Mitglieder bei uns mit den klassischen Flügeln nicht mehr viel<br />
anfangen können. Dies muss kein Schaden sein.
</p>
<p>
<b>werner:</b> Wer ist politisch Dein Vorbild und warum?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Aktuell war und ist es mein<br />
ermordeter Freund Hrant Dink, der türkisch-armenischer Journalist<br />
war.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Eine persönliche Frage unsererseits<br />
zum Schluss: Berufspolitiker werden ja oft kritisiert als zu<br />
unerfahren in anderen Bereichen. Sie sind jung in die Politik<br />
gekommen. Wollen Sie in diesem Beruf auch auch alt werden, also<br />
Berufspolitiker bleiben?
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich hatte mich ja schon einmal<br />
verabschiedet von der Berufspolitik. Diese Erfahrung, sich in einem<br />
Land mit einer anderen Sprache zurecht finden zu müssen, war für<br />
mich spannend und hat mir gezeigt, dass ich meine Brötchen auch<br />
außerhalb der Parteipolitik verdienen kann. Ansonsten habe ich ja<br />
auch noch einen bürgerlichen Beruf. Ich bin Erzieher und<br />
Sozialpädagoge.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das war bereits eine gute Stunde<br />
hier im tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Cem Özdemir, dass Sie sich<br />
Zeit für die Diskussion mit den Lesern von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de genommen haben. Ein Dankeschön auch an unsere<br />
User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen<br />
konnten. In kurzer Zeit finden Sie das Protokoll dieses Chats auf<br />
unserer Homepage. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Cem Özdemir:</b> Ich danke allen die sich am Chat<br />
beteiligt haben &#8211; Keep it real!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts, tagesschau.de.</i></p>
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		<item>
		<title>bundestag.de-Live-Chat zum Erhalt der Artenvielfalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Wittig]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 May 2008 15:20:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Undine Kurth]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[bundestag.de-Live-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Petra Bierwirth]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/bundestagde-live-chat-zum-erhalt-der-artenvielfalt-3881/</guid>

					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 08.05.08, waren Petra Bierwirth (SPD) und Undine Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Abgeordnete im Bundestag, zu Gast im
bundestag.de-Live-Chat und diskutierten zum Thema &#34;Umweltpolitik und Artenvielfalt&#34;. <a href="http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2008/20373650_kw19_natur/transkript.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Chattranscript finden Sie hier.</a>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 08.05.08, waren Petra Bierwirth (SPD) und Undine Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Abgeordnete im Bundestag, zu Gast im<br />
bundestag.de-Live-Chat und diskutierten zum Thema &quot;Umweltpolitik und Artenvielfalt&quot;. <a href="http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2008/20373650_kw19_natur/transkript.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Chattranscript finden Sie hier.</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tempolimit für den Klimaschutz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tempolimit-fuer-den-klimaschutz-3544/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Nov 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Troge]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Tempolimit]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltbundesamt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/tempolimit-fuer-den-klimaschutz-3544/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, dem 21. November, war Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über Energiequellen, Umweltschutz und forderte ein Tempolimit auf Autobahnen.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, dem 21. November, war Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über Energiequellen, Umweltschutz und forderte ein Tempolimit auf Autobahnen.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Liebe Umwelt- und Politik-Interessierte,<br />
herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Der vierte Bericht des Weltklimarat<br />
ist verabschiedet und seine Aussage ist klar: Der Klimawandel kommt<br />
und möglicherweise schneller und intensiver als bislang gedacht.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich einen höchst<br />
kompetenten Gast zum Thema Klimawandel und praktischer Umweltschutz:<br />
Den Präsidenten des Umweltbundesamtes, Andreas Troge. Herzlichen<br />
Dank Herr Troge, dass Sie sich Zeit für den Chat mit den Usern<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de nehmen. Können wir<br />
loslegen, Herr Troge?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja!
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/salon/photos/atroge85x.jpg" alt="Andreas Troge" height="120" width="85" /><br />
<i>Andreas Troge<br />
Präsident des Umweltbundesamtes</i>
</p>
<p align="left">
<b>Bummi:</b> Wie wird das Umweltbundesamt<br />
in der Bundesregierung gehört, was zählt Ihre Expertise<br />
dort?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Die Expertise zählt zumeist<br />
im besonderen Maße, was langfristige Wirkung angeht: Beispielsweise<br />
haben wir zum Thema Waldschäden bereits in den siebziger Jahren<br />
unsere Expertisen geliefert, kurz nach Gründung des Amtes.<br />
Im Jahre 1986 ist dies erst in praktische Politik, also in Gesetze<br />
zu Entstickung und Entschwefelung der Kraftwerke, gegossen worden.
</p>
<p>
Wir sind im Grunde die größte Bundesfacheinrichtung<br />
und unterstützen die Bundesregierung in allen fachlichen Fragen,<br />
außer Strahlenschutz / Reaktorsicherheit und speziellen Fragen<br />
des Naturschutzes. Unser Leitbild ist &quot;Für Mensch und<br />
Umwelt&quot;, wir schützen also die menschliche Gesundheit<br />
vor Umwelteinflüssen und kümmern uns um die natürlichen<br />
Lebensgrundlagen, wie es das Grundgesetz in Artikel 20 a verlangt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Beispiel Waldschäden: In den<br />
1970er Jahren kommen die Studien, Mitte der 1980er passiert was,<br />
ist das immer noch das Tempo der Politik?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja, wir erleben es beim Klimawandel.<br />
Die Warnungen kommen hier aus Mitte der Achtziger Jahre und wir<br />
haben erst im Jahre 1997 die völkerrechtliche Vereinbarung,<br />
das Kyoto-Protokoll, unterschrieben. Wenn ich sage &quot;wir2, dann<br />
sind das weit über hundert Staaten, von denen alle Industriestaaten<br />
Verpflichtungen eingegangen sind, ihre Treibhausgasemmissionen um<br />
durchschnittlich fünf Prozent bis 2012 gegenüber 1990<br />
zu vermindern.
</p>
<p>
Wir erleben diese langen Wirkungszeiträume in der Politik<br />
auch bei der Chemikaliengesetzgebung: Erst im letzten Jahr beschloss<br />
die Europäische Union, alle auf dem Markt befindlichen ungeprüften<br />
(über 30.000) Chemikalien daraufhin zu prüfen, ob sie<br />
der Natur und der menschlichen Gesundheit auch keine Schäden<br />
zufügen. Und das, obwohl die Wissenschaften schon lange vor<br />
Gründung des Umweltbundesamtes im Jahre 1974 die Chemikalienrisiken<br />
erkannten. Auch Politiker sind Erfahrungswesen.
</p>
<p>
<b>Klima2004: </b>Die Klimasituation hatte sich bereits<br />
2004 deutlich abgezeichnet. Schröder hatte die Klimaschutzpläne<br />
der Bundesregierung im April 2005 dennoch abgeschrieben. Warum findet<br />
die Diskussion erst 2007 statt? Geben die Lobbygruppen der Industrie<br />
das politische Handeln vor?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Die Lobbygruppen geben das Handeln<br />
nicht vor, denn sonst wären wir noch nicht so weit. Sie grätschen<br />
allerdings in progressive Vorschläge hinein. Klimaschutz findet<br />
in Deutschland aktiv seit Anfang der 1990er Jahre statt. Ich erinnere<br />
daran, dass der damalige Bundeskanzler Kohl gesagt hat, wir wollen<br />
die CO²-Emissionen bis 2005 um 25 Prozent gegenüber 1990<br />
senken. Dieses Ziel haben wir nicht ganz erreicht, aber wir werden<br />
unser Ziel erreichen bis 2012 alle sechs Treibhausgase zu reduzieren,<br />
und zwar um 21 Prozent. Hier ging es früh los und die neuen<br />
Beschlüsse der Bundesregierung &#8211; Stichwort Kabinettsklausur<br />
Meseberg &#8211; sind eine wesentliche Stärkung des klimapolitischen<br />
Trends.
</p>
<p>
<b>John Harris:</b> Was können wir tun, um die Macht<br />
von den Lobbys, die gegen den Klimaschutz arbeiten, zu brechen?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Indem man mit den Lobbys nicht<br />
umgeht nach dem Sumoringer-Prinzip, sondern nach dem JiuJitsu-Prinzip,<br />
also nicht Kraft gegen Kraft, sondern mit der Kraft wirken. Symptomatisch<br />
ist hier die europäische Automobilindustrie das Beispiel. Die<br />
Märkte der europäischen und der weltweiten Autoindustrie<br />
liegen in der Motorisierung sich stark entwickelnder Länder.<br />
Die Motorisierung läuft dort ähnlich ab wie bei uns in<br />
den 1950er Jahren, kleine verbrauchsarme Autos machen die Massenmotorisierung<br />
aus.
</p>
<p>
Ein Automobilangebot, das auf Surpreme-Fahrzeuge setzen würde,<br />
kickte sich aus dem Weltmarkt weitgehend heraus. Deshalb ist die<br />
Botschaft des Klimaschutzes: Wer zukünftig Geld verdienen will,<br />
muss energiesparsame Produkte anbieten, sonst ist er vom Markt weg.<br />
Schönes Beispiel sind die erneuerbaren Energien. Deutschland<br />
hat 1990, als noch ein gewisser Herr Töpfer Umweltminister<br />
war, ein Stromeinspeisegesetz für Windenergien beschlossen.<br />
Dann kam das Erneuerbare-Energien-Gesetz in den 1990ern, setzte<br />
auf das alte Stromeinspeisegesetz auf und heute haben wir hoch effiziente<br />
Windenergieanlagen. Ohne diesen Vorlauf wären wir heute nicht<br />
Weltmarktführer und Exportweltmeister in Windenergieanlagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein bisschen provokativ gefragt:
</p>
<p>
<b>Ruupe:</b> Die Prognosen lauten auf einen Energiebedarf<br />
von weiteren circa 50 Prozent in den kommenden Jahren. Um wie viel<br />
lässt sich dieser weltweite Mehrbedarf reduzieren, wenn ich<br />
Energiesparlampen reindrehe?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge: </b>Das ist das typische Argumentationsmuster,<br />
das wir in jeder Politik, nicht nur in der Klimapolitik, haben.<br />
Welchen Teil macht mein möglicher Beitrag zum Gesamtziel aus?<br />
Jeder Beitrag ist nur klein, aber setzt auch Vorbilder für<br />
andere und regt zum Nachahmen an. Insbesondere dann, wenn man mit<br />
Energiesparlampen, rechnet man Einkaufspreis und Strom zusammen,<br />
richtig Geld sparen kann. Wie ich es gestern mal wieder in einer<br />
Talkrunde gehört habe: &quot;Warum ist der Flugverkehr im Klimaschutz<br />
so wichtig, da doch die Kohlekraftwerke viel mehr Co² ausstoßen?&quot;
</p>
<p>
Jetzt wird es für mich wichtig: Die Klimaänderung ist<br />
eine so große Bedrohung, dass wir gar nicht mehr fragen dürfen:<br />
&quot;Tun wir dieses oder jenes?&quot;, sondern uns aufraffen müssen,<br />
alles zu tun, was in unseren Kräften steht. Also weniger Kohlekraftwerke,<br />
weniger Treibhausgase aus dem Flugverkehr, sparsamere Autos, gedämmte<br />
Autos und gedämmte Häuser.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben ja vor dem Chat wie immer<br />
Fragen gestellt: Das hier war die am höchsten bewertete:
</p>
<p>
<b>AGER e.V.</b>: In Deutschland sind mehr als 20 neue<br />
Kohlekraftwerke geplant. Der Co²-Ausstoß wird immens<br />
sein. Warum erlaubt die Regierung den Bau dieser Kraftwerke? Sind<br />
diese Emissionen in der aktuellen Co²-Kalkulationen für<br />
Deutschland schon enthalten? Wenn nicht, wären es zusätzliche<br />
Emissionen? Wo würde das Co² eingespart werden?</p>
<p><b>Andreas Troge:</b> Erstens: Nach meiner Kenntnis sind<br />
momentan neun Kraftwerke, davon drei Gaskraftwerke, geplant oder<br />
in Bau, die bis zum Jahr 2012 ans Netz gehen. Es gibt andere Zahlen,<br />
die reden von 20 &#8211; 40 Kraftwerken. Dabei handelt es sich bei diesen<br />
anderen höheren Zahlen um bloße Absichtserklärungen,<br />
die bei der deutschen Netzagentur angemeldet werden.
</p>
<p>
Warum verhindert die Bundesregierung keine Kohlekraftwerke? Die<br />
einfache Antwort wäre, jeder, der ein Kohlekraftwerk haben<br />
möchte, kann eines bauen, falls er die Anforderung nach dem<br />
Imissionsschutzrecht und die örtlichen Voraussetzungen erfüllt.<br />
Also genügend Kühlwasser, Zufahrtsmöglichkeiten und<br />
die Beachtung der Lärmbelästigung. Trotzdem regulieren<br />
die Bundesregierung und die Europäische Union Kohlekraftwerke,<br />
aber aus einer ganz anderen Ecke, nämlich über den Emissionshandel.<br />
Der Emissionshandel beschränkt die Menge der jährlich<br />
aus Kraftwerken ausgestoßenen Kohlendioxidemission.
</p>
<p>
Man muss sich das so vorstellen: Ein großes Kraftwerk erhält<br />
ein Emissionszertifikat, also eine Berechtigung Emissionen auszustoßen<br />
(beispielsweise 2,5 Millionen Tonnen). Diese Menge hat die Bundesregierung<br />
jetzt herabgesetzt, um 57 Millionen Tonnen für Gesamtdeutschland.<br />
Das bedeutet beispielsweise, dass ein Kraftwerk nicht mehr zwei<br />
Millionen Tonnen für ein Jahr bekommt, sondern 1,9. Das heißt,<br />
es muss, wenn es weiterhin zwei Millionen ausstoßen wollte,<br />
sich von einem anderen Kraftwerk Emissionsberechtigungen kaufen<br />
in Höhe von 100.000 Tonnen. Das macht Kohle teuer.
</p>
<p>
Zweitens wird ab 2013 aller Voraussicht nach kein Zertifikat, keine<br />
Emissionsberechtigung, mehr unentgeltlich vom Staat an die Stromerzeuger<br />
gegeben, sondern nur noch gegen Entgelt. Der Preis für die<br />
2008er Zertifikate liegt zur Zeit zwischen 21 und 23 Euro pro Jahrestonne<br />
Co². Das heißt, wer Kohlendioxid ausstößt,<br />
muss die immer knapper werdenden Zertifikate zu immer höheren<br />
Preisen kaufen. Das macht Kohle immer weniger konkurrenzfähig<br />
und zwar aus Klimaschutzgründen, so dass die Antwort auf die<br />
Frage heißt: Die Bundesregierung regelt nicht das einzelne<br />
Kraftwerk, sondern die Gesamtmenge des Kohlenstoffdioxidausstoßes<br />
aller Kraftwerke. Welches Kraftwerk wie stark Strom produziert,<br />
hängt dann von den wirtschaftlichen Überlegungen der einzelnen<br />
Kraftwerksbetreiber ab. Den Umweltschützern kommt es aber auf<br />
eines an: Mit der Co²-Menge pro Jahr, die wir ausstoßen,<br />
muss es runter gehen, egal wo Co² herkommt und aus welchem<br />
Kraftwerk.
</p>
<p>
Meine Prognose ist, jeder Investor ist heute schlecht beraten,<br />
ein Kondensationskraftwerk neu zu bauen, also ein Kraftwerk, das<br />
nur Strom produziert und die Wärme in die Umwelt entlässt,<br />
weil diese Kraftwerke pro Kilowattstunde viel Co² ausstoßen<br />
und wertvolle Zertifikate brauchen, die man sonst am Markt verkaufen<br />
könnte oder nicht kaufen müsste. Kohlekraftwerke haben<br />
eine Zukunft als dezentrale, relativ kleine Kraftwärmekopplungsanlagen.
</p>
<p>
<b>Smallville:</b> Bezogen auf die Frage mit den Kraftwerken:<br />
Wurden bei der Einführung des Emissionshandels nicht erhebliche<br />
Fehler gemacht? Schließlich liegt der Preis pro Tonne Co²<br />
aktuell bei gerade mal fünf Cent?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja und Nein. Ja deshalb, weil wir<br />
rückblickend sagen können, dass zuviel Zertifikate vor<br />
allem auch noch kostenlos verteilt worden sind. Nein, weil damals<br />
niemand wusste, wie viel Co²die einzelnen Kraftwerke ausstießen.<br />
Und nein auch deshalb, weil es damals (im Jahre 2003/2004) überhaupt<br />
um die Frage ging, einen Emissionshandel einzuführen. Denn<br />
die Ausgangslage hieß, jedes Kraftwerk durfte unentgeltlich<br />
so viel Co² ausstoßen, wie es wollte &#8211; und betrachtete<br />
dies als sein Eigentumsrecht. Plötzlich kam der Staat und sagte<br />
&quot;Du darfst das nicht mehr unbegrenzt ausstoßen, Kraftwerksbetreiber&quot;<br />
und da war es klug, zwei Dinge zu tun: Erstens: die Menge nicht<br />
allzu sehr zu verkürzen, die jährliche Emissionskraft<br />
nicht zu sehr zu verkürzen, weil der Widerstand sonst enorm<br />
gewesen wäre. Und zweitens: die Zertifikate auch unentgeltlich<br />
zu verteilen.
</p>
<p>
Jetzt ist die Situation eine andere: Das Umweltbundesamt weiß<br />
genau, wie viel Co² die Kraftwerke pro Jahr ausstoßen.<br />
Und wir wissen also genau, wenn wir diese Gesamtmenge um zehn oder<br />
20 Prozent reduzieren, was dieses für Kraftwerke bedeutet und<br />
was für Größenordnungen das sind. Im Schritt von<br />
2007 zu 2008 gibt es 57 Millionen weniger Erlaubnisse, Co²<br />
zu emittieren. Das heißt, der Preis steigt und jetzt können<br />
wir aus diesem Gelernten herangehen: Wir als Umweltbundesamt empfehlen<br />
der Bundesregierung in jedem Jahresschritt (Emissionshandelsperiode)<br />
um gut 50 Millionen weitere Tonnen herunterzugehen, was die Gesamtemissionen<br />
an Co² angeht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben gerade den Investoren von<br />
Kohlekraftwerken einen guten Rat gegeben &#8211; wie ist das Echo aus<br />
der Industrie? Wird dieser Rat angenommen? Die medialen Proteste<br />
der Stromkonzerne aus der letzten Zeit sprechen da eher dagegen.
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ein Rat wird erst angenommen, wenn<br />
man im Grunde mit dem letzten Finger am Brunnenrand hängt.<br />
Will heißen, solange die Europäische Union &#8211; das will<br />
sie Anfang des Jahres machen &#8211; nicht den Entwurf einer neuen Emissionshandelsrichtlinie<br />
vorgelegt haben wird, werden die Co²-Emittenten ihre Lobbyposition<br />
verteidigen. Das ist das übliche Geschäft.
</p>
<p>
Ich bin dennoch guten Mutes, dass die kaufmännische Einsicht<br />
darin, wie teuer Kohlekraftwerke sind, die nur Strom produzieren<br />
und nicht gleichzeitig Wärme, dazu führen wird, das viele<br />
Kraftwärmekopplung machen. Weil nur dies im europäischen<br />
Rahmen wettbewerbsfähige Strompreise bringt. Die Industrie<br />
hat das lange erkannt. Sie baut nämlich praktisch ausschließlich<br />
Kraftwärmekopplung, sei es mit Kohle, sei es mit Gas. Deshalb<br />
ist es wichtig, dass die Bundesregierung jetzt mit einem neuen Kraftwärmekopplungsgesetz<br />
diese Tendenz in Richtung Kraftwärmekopplung stärkt und<br />
auch Industrieanlagen, die nicht das öffentliche Stromnetz<br />
bedienen, mit einbezieht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur beliebten Tempolimit-Debatte:
</p>
<p>
<b>hanswurschd:</b> Warum wird immer der Pkw-Fahrer verteufelt<br />
und soll Schuld an allem sein, speziell der Dieselfahrer?
</p>
<p>
<b>Hacken:</b> Macht ein Tempolimit auf Autobahnen Sinn,<br />
um das Klima zu schützen, oder ist der Preis eines Tempolimits<br />
zu hoch, um einen zu geringen Anteil der Co²-Ausstöße<br />
zu verhindern?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Zum ersten Aspekt: Niemand verteufelt<br />
Pkw-Fahrer oder Dieselfahrer, sondern wir fragen ganz vernünftig<br />
nicht nach Schuld, sondern nach dem möglichen Beitrag zum Klimaschutz.<br />
Richtig ist, dass das Bundesumweltamt weniger die öffentliche<br />
Debatte, sondern alle Co²-Quellen im Blick hat &#8211; übrigens<br />
schon im September 2005 umfangreich publiziert (auf der Internetpräsenz<br />
des Umweltbundesamtes finden sich 21 Thesen zum Thema &quot;Klimaschutz<br />
im 21. Jahrhundert&quot;). Ich sage nur zwei Dinge: Wir brauchen<br />
alle Beiträge möglichst schnell, um mit den Treibhausgasemissionen<br />
herunterzukommen.
</p>
<p>
Denn die internationale Wissenschaftsgemeinde sagt, wir müssen<br />
die nächsten fünfzehn Jahren nutzen, um einen Temperaturanstieg<br />
um mehr als zwei Grad global bis Ende des Jahrhunderts zu vermeiden.<br />
Beim Diesel geht es um alle Diesel, Pkw, Lkw, Bahn, Schiffe &#8211; überall<br />
muss der Ruß verringert werden. Manches können wir in<br />
Europa (Pkw, Lkw), manches können wir allein in Deutschland<br />
(Bahn), manches können wir nur im Rahmen der UN (Schiffe).<br />
An allem sind wir dran (die Bundesregierung).
</p>
<p>
Was bringt das Tempolimit auf Autobahnen? Es bringt nach unseren<br />
(allerdings etwas alten Berechnungen) etwa drei Millionen Tonnen<br />
weniger Co² pro Jahr in Deutschland. Bei Tempo 120, bei Tempo<br />
130 vermutlich etwas weniger. Zum Vergleich: Das Gebäudesanierungsprogramm<br />
der Kreditanstalt für Wiederaufbau zum Energiesparen in unseren<br />
Wohnungen brachte im letzten Jahr knapp eine Million Tonnen.
</p>
<p>
Auch hier gilt: Jeder Beitrag zählt. Insbesondere weil jede<br />
Erneuerung langlebiger Güter wie Häuser (100 Jahre Lebenserwartung),<br />
wie Autos (12 Jahre Lebenserwartung) sehr lange braucht, bis die<br />
energiesparenden Güter den jeweiligen Bestand prägen.<br />
Also, wir brauchen etwa zwölf Jahre ab 2012 gerechnet, bis<br />
alle Pkw im Durchschnitt nur noch 130 Gramm Co² pro Kilometer<br />
ausstoßen.
</p>
<p>
Ein Tempolimit wirkt (nachdem sich die Fahrerinnen und Fahrer an<br />
intensivere Geschwindigkeitskontrollen gewöhnt haben), etwa<br />
schon nach zwei bis drei Jahren. Und beim Tempolimit nicht zu vergessen:<br />
Wer weiß, dass er nicht mehr als 120 oder 130 fahren darf<br />
und bei 150 bis 160 richtig Punkte und Fahrverbote bekäme,<br />
kommt vielleicht auf die Idee, dass das nächste Auto nicht<br />
unbedingt über 200 fahren muss &#8211; und schon deshalb (geringere<br />
Motorisierung, leichtere Bauweise) viel weniger Sprit als das Hochleistungsauto<br />
braucht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zur Frage der Kontrolle ein Kommentar<br />
von:
</p>
<p>
<b>ingmar:</b> Ich habe Angst vorm Tempolimit &#8211; nicht<br />
weil ich dann nicht mehr rasen kann, das werde ich immer noch können.<br />
Angst habe ich vor der Technik, die das Tempolimit kontrollieren<br />
werden wird (siehe momentane Diskussion um Kennzeichenerfassung).
</p>
<p>
<b>Andreas Troge: </b>Wenn Sie sich ans Tempolimit halten,<br />
haben Sie ja keine Personenkontrolle zu fürchten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Tempolimit: Wird die öffentliche<br />
Diskussion von Seiten der Politiker fair geführt? Eigentlich<br />
sollte man meinen: &quot;Zahlen lügen nicht&quot;?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Soweit Politik überhaupt fair<br />
ist, wird die Diskussion fair geführt. Ich gestehe ja auch<br />
freimütig: Leider sind die Zahlen die wir aus dem Verkehrsministerium<br />
haben von 1993. Wir argumentieren mit alten Zahlen, weil es leider<br />
keine neue amtliche Statistik oder amtliche Erhebung gibt. Nämlich<br />
erstens, wie lang sind die Strecken ohne Tempolimit auf deutschen<br />
Autobahnen? Zweitens: Wie viel Fahrstrecke passiert auf diesen Autobahnabschnitten?<br />
Und drittens: Wie viele Autos fahren über 120, über 130,<br />
über 150 und welche Autos sind dies? Wir stoßen jetzt<br />
gerade eine neue Untersuchung an und können dann berechnen,<br />
wie viel Co² ein Tempolimit von 130 oder 120 erbrächte.<br />
Meine Erwartung: Weil die Autobahnen immer mehr Verkehr anziehen<br />
und die Fahrzeuge immer mehr PS unter der Motorhaube haben, dürfte<br />
die Tendenz des Co²-Ausstoßes aus Pkw heute eher nach<br />
oben denn nach unten gehen.
</p>
<p>
<b>Smallville:</b> Zum Tempolimit: Aber es gibt doch<br />
auch andere Länder mit Tempolimit (USA) und dort werden trotzdem<br />
Autos gekauft und gebaut, die deutlich schneller fahren können.<br />
Ist es nicht blauäugig zu denken, dass man die Menschen so<br />
zu einem anderen Verhalten anregt?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Blauäugig nicht. Der Umstand,<br />
dass schnell fahrende Fahrzeuge auch in den USA zugelassen sind,<br />
zeigt ja im Grunde, dass unser Premium-Sortiment bei schnellen und<br />
starken Fahrzeugen nicht davon abhängt, dass wir freie Fahrt<br />
auf deutschen Autobahnen zulassen. Wir sind Gewohnheitstiere. So<br />
lange wir daran gewöhnt sind, jede Geschwindigkeit zu fahren,<br />
die das Auto hergibt, werden wir dies auch immer mal tun. Und dieses<br />
„immer mal“ führt dazu, dass die Geschwindigkeitsdifferenzen<br />
zwischen langsamen und schnellen Fahrzeugen (Pkw) auf den Autobahnen<br />
größer werden. Weil diese Geschwindigkeitsdifferenzen<br />
größere Abstände brauchen, sinkt damit die Aufnahmekapazitäten<br />
der Autobahnen. Dies drängt zu Ausbau und Neubau.
</p>
<p>
Wer also die natürlichen Lebensgrundlagen schonen will, sollte<br />
für einen gleichmäßigeren Verkehr auch auf unseren<br />
Autobahnen plädieren. Vor allen Dingen deshalb, weil damit<br />
das Risiko von Unfällen mit Todesfolge oder schweren Verletzungen<br />
um etwa einen Drittel abnimmt. Wir werden uns an das Gleichmäßige<br />
gewöhnen, wie uns viele deutsche Schnellfahrer erklären,<br />
die mal einige Monate in den USA lebten.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Den zweiten Teil der Frage haben Sie<br />
ja schon beantwortet, aber der erste Teil ist noch offen:
</p>
<p>
<b>KeinRaser:</b> Ist die Forderung nach einem Tempolimit<br />
gerade in Deutschland nicht superschwierig durchzusetzen? Was würde<br />
das Limit für die Umwelt bringen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Prognostizieren Sie doch mal: In welchem<br />
Jahr kommt das Tempolimit?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge</b>: Also ich habe Zeit. Das Umweltbundesamt<br />
fordert dies seit mehr als fünfzehn Jahren. Ich rechne in den<br />
nächsten fünf Jahren damit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weil es auch in unserem Einführungstext<br />
stand: Zurück zur Kohle und Akw-Diskussion:
</p>
<p>
<b>emjay:</b> Es wird immer gern die Kernenergie als<br />
alternative klimafreundliche Energie angegeben. Dabei handelt es<br />
sich bei der Annahme, wie viel spaltbares Material tatsächlich<br />
abbaubar ist, nur um grobe, vielleicht auch zu optimistische Schätzungen.<br />
Womit sollen wir aber heizen / PCs betreiben et cetera?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Eine Faustregel, die wir seit einigen<br />
Jahren als ein Ziel im Umweltbundesamt vorgeschlagen haben: Bis<br />
2050 50 Prozent weniger Primärenergieverbrauch durch Energieeffizienz<br />
und hiervon 50 Prozent Anteil erneuerbare Energien, Restgas und<br />
Kohle. Das würde uns erlauben, die Kohlenstoffdioxidemissionen<br />
in Deutschland um 80 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Wie<br />
es bereits die Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz der<br />
Erdatmosphäre“ 1989 öffentlich formulierte: Es gibt<br />
noch Konstanz in der Entwicklung.
</p>
<p>
Wer auf Kernenergie setzt, der sagt im Grunde, wir machen nur noch<br />
&quot;Umweltschutz ist Klimaschutz&quot;. Kernenergie hat aber Strahlenrisiken,<br />
durch im Betrieb normale Unfälle, durch Terroranschläge<br />
(also vorsätzliche Unfälle &#8211; ich hoffe, so etwas kommt<br />
nie) und letztlich durch die Frage &quot;Was machen wir mit den<br />
Abfällen?&quot;. Eine Frage, die wir in Deutschland noch nicht<br />
beantwortet haben.
</p>
<p>
Wir müssen aufpassen, dass wir mit der weiteren Nutzung von<br />
Kernenergie das Klimarisiko nicht durch das Strahlenrisiko ersetzen.<br />
Um ein Beispiel zu geben: Eine mit Biomasse betriebene Kraftwärmekopplung<br />
hat ähnlich niedrige Kohlendioxidwerte wie ein Kernkraftwerk.<br />
Und in der weltweiten Betrachtung gilt vor allem: Wer Kernenergie<br />
weltweit durch Zubau von Kraftwerken nutzen will (wir haben jetzt<br />
etwa 440) müsste schon in Größenordnungen von etwa<br />
1000 kommen. Die Uranreserven hierfür wären zu erschließen,<br />
mit dem Effekt wesentlich höherer Kosten. Und sie würden<br />
nicht reichen, denn wir müssten dann in die Wiederaufarbeitung<br />
gehen. Die Wiederaufarbeitung ist einer der chemisch und energetisch<br />
intensivsten Prozesse, die wir kennen. Anders formuliert: Die Verallgemeinerung<br />
der Kernenergie zum Klimaschutz lässt nicht nur das Strahlenrisiko<br />
wachsen, sondern auch das Klimaproblem.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal aus dem unserem &quot;Warteraum&quot;<br />
ganz konkret zum Thema Auto:
</p>
<p>
<b>ReneWabel:</b> Elektroautos bzw. Plug-In-Fahrzeuge<br />
&#8211; Wie kann man die Marktdurchdringung unterstützen?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ich darf zunächst mal sagen,<br />
bei Elektroautos sind wir beim Umweltbundesamt sehr optimistisch,<br />
dass wir im nächsten Jahr bei Lithium-Ionen-Akkus vorankommen.<br />
Die sind zu begünstigen beispielsweise durch eine Kraftfahrzeugssteuer,<br />
die sich neben den üblichen Schadstoffen auf den Co²-Ausstoß<br />
der Fahrzeuge bezieht. Gleiches gilt übrigens für eine<br />
zweite hoffnungsstimulierende Entwicklung, nämlich den Gasantrieb<br />
mit Hilfe biogenerzeugten Gases. Hier haben wir mit der Markteinführung<br />
von Erdgasautos und Tankstellen schon eine gewisse Infrastruktur<br />
geschaffen, die auch von Biogas zu nutzen ist.
</p>
<p>
Nicht zuletzt deshalb ist es ein Fortschritt, dass die Bundesregierung<br />
die Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz fördern will. Denn<br />
man muss ja nicht rein Bio fahren, sondern kann das auch gemischt<br />
machen. Vorteil der Biogasverwendung: Man kann die bisherigen Antriebe<br />
weitgehend nutzen und ich sagte eingehend: Was schnell geht, nutzt<br />
dem Klimaschutz doppelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mal ab von der Treibhausgas-Debatte:<br />
Welche Umweltthemen werden in der Öffentlichkeit zu wenig diskutiert?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Zu wenig wird all das diskutiert,<br />
was uns aus der Umwelt krank macht. Lärm, Chemikalien in den<br />
Innenräumen und Feinstaub. Zu wenig diskutiert wird das Thema<br />
biologische Vielfalt, weil die Vielfalt des uns umgebenden Lebenden<br />
unsere eigene Existenz darstellt. Nur wenn wir Vielfalt haben, gleichen<br />
sich Risiken in unseren Lebensbedingungen aus und wir haben die<br />
Möglichkeit unser Leben (am Ende der Nahrungskette stehend)<br />
hierauf auszubauen.
</p>
<p>
Ein weiteres wichtiges Thema scheint mir das Thema &quot;Die Flächennutzung<br />
für Siedlung und Verkehr&quot; zu sein. Denn dieses haben wir<br />
noch nicht als Problem begriffen. Wir brauchen heute etwa 118 Hektar<br />
für Siedlung und Verkehr zusätzlich. Die Bundesregierung<br />
hat das Ziel, diesen Zusatzbedarf bis 2020 auf dreißig Hektar<br />
pro Tag zu drücken. Das bedeutet, wir müssen uns in unsere<br />
angestammten Siedlungsgebiete zurückziehen, um der Mitgeschöpflichkeit<br />
mehr Entfaltungsraum zu lassen. Denn das Besondere der biologischen<br />
Vielfalt ist, wir müssen sie praktisch um ihrer selbst schützen.<br />
Und logisch deshalb, weil wir nicht wissen, was sie uns –<br />
zukünftig &#8211; nutzen kann. Nicht, was sie uns heute nutzen kann,<br />
sondern die Nutzungsoption. Auch hier werden wir es ähnlich<br />
haben, wie beim Klimaschutz: Wirtschaftliche Erwägungen werden<br />
uns in die richtige Richtung bringen. Bei abnehmender Bevölkerung<br />
stellt sich nämlich die Frage, ob diese auf immer mehr Fläche<br />
verteilt werden sollte, denn pro Kopf stellen sich die Infrastrukturkosten<br />
(Wasser, Abwasser, Gas, Strom, öffentlicher Personennahverkehr)<br />
progressiv.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> 60 Minuten tagesschau-Chat sind leider<br />
schon wieder vorbei. Vielen Dank Herr Troge, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen sind. Das tagesschau-Chat -Team wünscht noch einen<br />
schönen Abend!
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Herzlichen Dank!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Umweltschonender Fahrspaß ist das Ziel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[abackhaus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Sep 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CO2]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, 18. September, war Dr. Thomas Weber, Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler AG und verantwortlich für die Konzernforschung und Entwicklung der Mercedes Car Group, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, 18. September, war Dr. Thomas Weber, Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler AG und verantwortlich für die Konzernforschung und Entwicklung der Mercedes Car Group, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen im tagesschau-Chat!<br />
Unser Gast ist heute in Sindelfingen DaimlerChrysler-Vorstand Dr.<br />
Thomas Weber. Er ist zuständig für die Konzernforschung<br />
und die Entwicklung bei der Mercedes Car Group. Wie sieht die Zukunft<br />
des Autos aus? Reicht es, Fahrzeuge zu bauen, die weniger CO²<br />
produzieren? Welche Szenarios hat DaimlerChrysler für die Autowelt<br />
in 20 Jahren? Forschung und Entwicklung dürften in klimakritischen<br />
Zeiten für einen Autokonzern wichtiger sein als je zuvor &#8211;<br />
herzlichen Dank, Herr Weber, dass Sie Zeit für den tagesschau-Chat<br />
gefunden haben! Moderiert wird aus dem ARD-Hauptstadtstudio. Daher<br />
die Frage nach Sindelfingen: Herr Weber, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> Jawohl, ich freue mich drauf und<br />
herzlich willkommen an alle Technikinteressierten. 
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/tweber_85x.jpg" alt="Dr. Thomas Weber" height="120" width="85" /><br />
<i>Dr. Thomas Weber</i><br />
<i>DaimlerChrysler-Vorstand</i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Beginnen wir damit:
</p>
<p>
<b>cphilips:</b> Wie stark ist das Bemühen der Entwicklungsabteilung,<br />
nachhaltige und langlebige Autos zu bauen? Das wäre zwar umweltfreundlich,<br />
würde aber die Absatzzahlen langfristig schwächen. Wie<br />
wird mit diesem Konflikt umgegangen? </p>
<p><b>Thomas Weber:</b> Sie sprechen ein wichtiges Thema<br />
an: Wir haben in Frankfurt hierzu eine große Präsentation<br />
vorbereitet, die deutlich zeigt, dass wir uns mit der Frage der<br />
Zukunft der Mobilität beschäftigen. Mit 19 besonders umweltfreundlichen<br />
Fahrzeugen zeigen wir, wie wir uns die Zukunft der Mobilität<br />
vorstellen. Wir haben große Aktivität vor uns, das ist<br />
eine Kraftanstrengung. Wir glauben aber, dass wenn wir das gut machen<br />
und wir gute Ergebnisse abliefern, werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit<br />
auch auf den internationalen Märkten verbessern können.<br />
Nicht zuletzt durch die laufende Umweltdiskussion ist die Nachfrage<br />
nach umweltverträglichen Produkten stark angestiegen. Wir fühlen<br />
uns auf diesen neuen Trend, den wir insbesondere in Europa sehen,<br />
sehr gut vorbereitet.
</p>
<p>
<b>Gideon M.:</b> Was würde bzw. könnte geschehen,<br />
wenn es DaimlerChrysler nicht schafft, verbrauchsärmere Fahrzeuge<br />
herzustellen?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> In der aktuellen Diskussion würden<br />
wir in einzelnen Regionen des Weltmarkts sicher damit unsere Wettbewerbsfähigkeit<br />
massiv gefährden. Ich denke hier insbesondere an Europa. Und<br />
deswegen ist es für uns auch gar keine Frage, auf eine solche<br />
Situation nicht entsprechend zu reagieren. Wir haben bereits vor<br />
einigen Jahren die Weichen ganz klar gestellt in Richtung zukunftsweisender<br />
Antriebe, mit denen wir in der Lage sind, die weltweit strengsten<br />
Verbrauchs- und Emissionsgesetze zu erfüllen. </p>
<p><b>Moderator: </b>Aus Ihrer Antwort entnehme ich, dass<br />
der Umweltschutz in anderen Region der Welt diese Bedeutung noch<br />
nicht hat. Wie schätzen Sie die Entwicklung dort ein?</p>
<p><b>Thomas Weber:</b> Sie haben völlig Recht, die<br />
Diskussion zu Umweltfragen ist regional sehr unterschiedlich. Während<br />
wir in Saudi-Arabien keine Diskussion über den Verbrauch von<br />
Fahrzeugen haben, erkennen wir aber schon, dass selbst in Amerika<br />
in nur ganz wenigen Monaten sich die öffentliche Diskussion<br />
völlig verändert hat. Spritsparende Fahrzeuge werden deutlich<br />
mehr nachgefragt, der steigende Kraftstoffpreis und damit die wirtschaftliche<br />
Auswirkung auf den Kunden tut ein Übriges dazu, dass sich in<br />
wenigen Jahren die Diskussion völlig verändert hat. In<br />
Asien wird durch die extreme Zunahme des Verkehrs und durch die<br />
dadurch verursachte starke Luftverschmutzung in den großen<br />
Ballungszentren die Diskussion auch anders geführt. Das zeigt<br />
nicht zuletzt Peking mit den Vorbereitungen auf die Olympiade nächstes<br />
Jahr mit weitreichenden Maßnahmen bis hin zu Fahrverboten<br />
um saubere Luft zu garantieren. Europa ist sicher in der Diskussion<br />
an der Spitze, die anderen Länder werden aber schnell folgen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dann hat sich diese Frage erledigt?</p>
<p><b>KaiJ:</b> Ist es überhaupt notwendig in die Entwicklung<br />
von verbrauchsärmeren und umweltfreundlichen Autos zu investieren,<br />
wenn in China, den USA und Mexiko weiterhin viele „Spritschlucker“<br />
fahren? Was tut DaimlerChrysler, um auch auf diesen Märkten<br />
das Umweltbewusstsein zu wecken? </p>
<p><b>Thomas Weber:</b> Wir glauben, dass wir massiv in diese<br />
Technologie investieren müssen, nicht zuletzt weil die Energieressourcen<br />
begrenzt sind. Wir sind als Konzern in all diesen Ländern aktiv<br />
und beteiligen uns an der politischen Diskussion, rechtzeitig die<br />
Voraussetzungen zu schaffen, dass auch in diesen Ländern moderne<br />
Technologien eingesetzt werden können, die den Verbrauch reduzieren.</p>
<p><b>Alfred:</b> Wie kam es Ihrer Meinung nach dazu, dass<br />
gerade in einem Land wie der BRD, in dem Umweltschutz seit den 1980-er<br />
Jahren propagiert wurde, die Japaner in alternativen Antriebstechniken<br />
den deutschen Automobilbauern voran sind? Wie konnte es geschehen,<br />
die Weiterentwicklung der Hybridtechnologie so lange zu vernachlässigen?<br />
In einem Land, in dem die meisten Premium-Fahrzeuge der Welt hergestellt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> Interessante Fragestellung. Wir<br />
haben in unseren Forschungs- und Entwicklungslabors viele Hybridfahrzeuge<br />
gebaut und sie unter realen Bedingungen getestet und dabei immer<br />
wieder festgestellt, dass sie nur unter ganz spezifischen Bedingungen<br />
Vorteile gegenüber dem modernen Diesel bieten, z.B. dem Stop-and-go-Betrieb.<br />
Aufgrund der inzwischen eingetretenen technischen Entwicklung insbesondere<br />
auf der Batterieseite ist die Zeit heute reif, speziell für<br />
diese spezifischen Bedingungen unseren Kunden eine Produktpalette<br />
anzubieten, die eine Hybridoption als eine Wahlmöglichkeit<br />
vorsieht. Dieses Konzept haben wir in Frankfurt vorgestellt und<br />
sind damit gut aufgestellt im Wettbewerbsumfeld. Sicher besser als<br />
mit einem einzelnen, sehr spezifisch gestalteten Auto, wie es einzelne<br />
Wettbewerber schon früher vorgestellt haben, das sehr spezifisch<br />
Umweltbewusstsein adressiert und dabei andere Eigenschaften wie<br />
z.B. den Fahrspaß und Komfort vernachlässigt. </p>
<p><b>dsvere:</b> Die deutschen Hersteller sagen, dass e-Hybrid<br />
noch kein richtiges Thema ist, weil die Batterien noch nicht so<br />
weit sind &#8211; das Ausland sieht es offensichtlich anders. Wann gibt<br />
es deutsche taugliche Batterien?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> Das Thema Batterien ist sicher DIE<br />
Schlüsseltechnologie für die sinnvolle Anwendung des Elektroantriebs<br />
in Form von Hybridkonzepten im Fahrzeug. Weltweit ist hier noch<br />
ein großer Nachholbedarf. Alle heutigen Hybridfahrzeuge, die<br />
bekannt sind, basieren auf der Nickel-Metall-Hydrid-Technologie,<br />
die bezogen auf viele technische Eigenschaften nicht wirklich optimal<br />
ist. Insbesondere kann nur bedingt wirklich elektrisch gefahren<br />
werden. Die Zukunft liegt in der Lithium-Ionen-Batterie-Technologie,<br />
die von MercedesBenz 2009 als erster serienmäßig in einem<br />
Hybridfahrzeug angeboten werden wird. Wir werden uns massiv darum<br />
kümmern, dass diese Zukunftstechnologie aus Deutschland heraus<br />
entwickelt wird.
</p>
<p>
<b>Gee:</b> Wie sieht es denn mit Solarautos aus? Solarzellen<br />
würden das Gewicht einer Batterie sparen.</p>
<p><b>Thomas Weber:</b> Wir haben dieses Thema immer wieder<br />
detailliert untersucht. Es gibt auch Anwendungen, z.B. Solarzellen<br />
auf dem Dach eines Autos, die genutzt werden können zur Stromerzeugung,<br />
beispielsweise zur Kühlung des Autos. In Summe ist eine breitere<br />
Anwendung bis heute gescheitert an den hohen spezifischen Kosten<br />
und den relativ geringen Wirkungsgraden solcher technologischen<br />
Anwendungen. Trotzdem werden wir die Entwicklung der Solartechnologie<br />
verfolgen als eine Möglichkeit, regenerativ Strom zu erzeugen,<br />
was für zukünftige Anwendungen auch in der Mobilität<br />
durchaus Sinn machen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage in Sachen Batterie: Sie haben<br />
gesagt, das ist eine Schlüsseltechnologie: Wer liegt da vorn?<br />
Wer kämpft (forscht) da gegen wen?</p>
<p><b>Thomas Weber:</b> Ich denke, hier gibt es mehrere Lager.<br />
Ganz eindeutig forcieren die japanischen Automobilhersteller mit<br />
japanischen Zulieferern diese Technologie, stark auch getrieben<br />
von Erfolgen der Batterieentwicklung aus dem Sektor Handys/Laptops.<br />
Parallel dazu werden in den USA, aber auch in Europa im Moment Kräfte<br />
gebündelt derer, die von der Batterietechnologie heute etwas<br />
verstehen. Diese Bewegung steht aber noch ganz am Anfang. Wir rufen<br />
daher alle weltweit kompetenten Zulieferfirmen auf, sich an diesem<br />
Innovationswettbewerb zu beteiligen. Wir selbst werden unsere Forschungsergebnisse<br />
und Patente in solche Kooperationen gerne mit einbringen, um dieser<br />
Zukunftstechnologie zum Durchbruch zu verhelfen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>Moonfruit:</b> Stichwort Wettbewerbsfähigkeit.<br />
Gehen die Forschungen und die Umsetzung bezüglich der die Umwelt<br />
schonenden Technologien zu Lasten des Geldbeutels ihrer Kunden?
</p>
<p>
<b>psn:</b> Wenn wir davon ausgehen, dass der Hybridmotor<br />
sich bei deutschen Autobauern durchsetzen wird, wie wird sich diese<br />
Technik auf den Fahrzeugpreis auswirken?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> All das, was wir derzeit an zusätzlicher<br />
Technik entwickeln und ins Auto bringen, um die Fahrzeuge noch verbrauchsärmer<br />
und umweltfreundlicher zu gestalten, kostet viel Geld. Unser Ziel<br />
ist es, durch Standardisierung und effiziente Prozesse dies so kostengünstig<br />
wie möglich zu machen. Parallel dazu versuchen wir, ein Gesamtpaket<br />
zu schnüren, so dass der Kunde außer Spritsparen und<br />
sauber fahren auch zukünftig das emotionale Fahrerlebnis hat.<br />
Dafür wird er auch bereit sein, etwas mehr zu bezahlen. Die<br />
Kunst wird sein, den Einstieg zu schaffen, wo wir sicher sehr viel<br />
mehr Kosten haben, als wir auf der Erlösseite zurückbekommen.<br />
Dies ist aber eine sinnvolle Investition in die Zukunft und wird<br />
sich langfristig für uns auszahlen.</p>
<p><b>der Siamese:</b> Wie sieht es mit der Zusammenarbeit<br />
mit BMW, VW und General Motors in Sachen Hybrid oder Dieselmotorenentwicklung<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> Kooperationen auf allen Feldern<br />
der Zukunftstechnologie sind sinnvoll. Mit GM und BMW entwickeln<br />
wir gemeinsam in Troy (Michigan, USA) ein so genanntes 2Mode-Hybridsystem,<br />
das 2009 in der M-Klasse in Serie geht. Mit BMW entwickeln wir auch<br />
ein Hybridkonzept, das speziell für heckangetriebene Fahrzeuge<br />
insbesondere die Stop-and-go-Funktionalität und Rekuberationsmöglichkeiten<br />
bietet und damit hilft, Kraftstoff zu sparen. Mit Ford und Ballard<br />
in Kanada entwickeln wir den Brennstoffzellenantrieb, der uns emissionsfreies<br />
Fahren ermöglichen wird. In Summe wollen wir durch solche Entwicklungspartnerschaften<br />
Know-how bündeln, Ressourcen sparen und damit unseren Kunden<br />
eine Zukunftslösung schneller und kostengünstiger zur<br />
Verfügung stellen.
</p>
<p>
<b>RALF1979:</b> Warum setzen die Automobilhersteller<br />
nicht mehr auf den Einsatz von gasbetriebenen Fahrzeugen? Diese<br />
sind kostenseitig sehr attraktiv und stoßen zudem weniger<br />
CO2 aus.</p>
<p><b>Thomas Weber:</b> Sie haben Recht, diese Technologie<br />
hat Zukunftschancen. Mit das größte Problem war über<br />
viele Jahre die mangelnde Infrastruktur, das heißt, es waren<br />
schlicht zu wenig Tankstellen z.B. in Europa verfügbar, um<br />
sicher mit einem reinen Gasfahrzeug überall hinfahren zu können.<br />
Wir haben sowohl im Pkw-Bereich mit unserer E-Klasse ein so genanntes<br />
bivalentes Fahrzeug im Programm, das über mehrere hundert Kilometer<br />
rein mit Erdgas fahren kann und zusätzlich den normalen Verbrennungsmotor<br />
an Bord hat und damit kombiniert 1000 Kilometer fahren kann. Eine<br />
sehr wirtschaftliche und umweltschonende Zukunftstechnologie. Wir<br />
werden deswegen nächstes Jahr ein weiteres Gasfahrzeug in Serie<br />
bringen, den B107 NGT in der B-Klasse. Auch im Nutzfahrzeugbereich<br />
und hier insbesondere beim Sprinter gibt es vergleichbare Konzepte.</p>
<p><b>milchreis:</b> Wie stehen Sie zu dem Argument der Übermotorisierung?<br />
Ist diesbezüglich eine Veränderung geplant oder denken<br />
Sie, dass die Zielgruppe von DaimlerChrysler unnötig hohe PS-Zahlen<br />
sogar fordert?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> Ich bin dankbar, dass ich hierzu<br />
Stellung nehmen kann. Was wir anstreben, ist eine möglichst<br />
hohe spezifische Leistung unserer Motoren. Wie in Frankfurt gezeigt,<br />
wird es damit möglich sein, schon durch leistungs- und drehmomentstarke<br />
4-Zylinder Fahrleistungen zu erreichen, die früher nur mit<br />
einem V8-Motor möglich waren und dabei gleichzeitig ein Verbrauchsniveau<br />
zu erzielen, das heute nur mit Kleinwagen möglich ist &#8211; beispielsweise<br />
5,4 Liter pro 100 km bei Autos im S-Klasse-Format. Das heißt,<br />
wir glauben, dass hier ein Umdenkungsprozess beginnt und Kunden<br />
verstärkt solche Fahrzeuge nachfragen werden, den Zielkonflikt<br />
Leistung und Verbrauch auflösen.
</p>
<p>
<b>mhaberl:</b> Wie stehen Sie zu der Forderung, die<br />
Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 130kmh zu senken?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In der Annahme, dass Sie kein Fan davon<br />
sind, erlaube ich mir mal die Erweiterung der Frage: Was bedeutet<br />
das Autobahn-Image für Mercedes?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> Das Autobahn-Image ist kein Mercedes-spezifisches<br />
Merkmal, sondern ein Vorteil, den alle deutschen Hersteller insbesondere<br />
aus dem Premiumsegment gemein haben. Fahrzeuge, die für die<br />
spezifische Situation auf Autobahnen in Deutschland ausgelegt sind,<br />
haben nachweislich ganz andere, wesentlich härtere Sicherheitsstandards,<br />
z.B. durch besonders leistungsfähige Bremssysteme eingebaut.<br />
Dies honorieren unsere Kunden in aller Welt. Parallel dazu muss<br />
einfach gesagt werden, dass wir inzwischen nur noch ein bis zwei<br />
Prozent des gesamten Straßennetzes in Deutschland haben, in<br />
denen wir ohne Tempolimit unterwegs sein können. Damit ist<br />
das Potenzial, durch ein generelles Tempolimit Kraftstoff einzusparen,<br />
sehr gering. </p>
<p><b>Pega:</b> Autohersteller wie Daimler versuchen sich<br />
immer noch fast ausschließlich über ihre Produkte, also<br />
Pkw, zu profilieren. Müssten Sie nicht viel stärker intelligente<br />
Mobilitätskonzepte entwickeln und politisch vertreten, die<br />
etwa zwischen der Nutzung von Pkw auf dem Lande und in der Stadt<br />
oder in Industrie- und Entwicklungsländern unterscheiden? </p>
<p><b>Thomas Weber: </b>Gut, wir haben mit dem Konzept Smart<br />
sehr früh schon auch diese sehr viel weiter gefasste Mobilität<br />
der Zukunft diskutiert. Vielleicht waren wir damit unserer Zeit<br />
etwas voraus. Heute erleben wir zunehmen, dass dieses Thema wieder<br />
an Attraktivität gewinnt, in dem Kunden mit Flugzeug oder Bahn<br />
große Distanzen überwinden um dann final in den Ballungsräumen<br />
mit dem platzsparenden und umweltverträglichen Smart ans Ziel<br />
zu gelangen. Hier sind wir sicher noch nicht am Ende, zumal technologisch<br />
inzwischen Konzepte vorliegen, die für sehr unterschiedliche<br />
Situationen optimal passen. Zum Beispiel das sehr effiziente Antriebskonzept<br />
Blue-Tech, der sauberste Diesel der Welt, der insbesondere auf langen<br />
Strecken im Überlandverkehr bestens geeignet ist und auf der<br />
anderen Seite Hybridfahrzeuge oder den batteriegetrieben Smart für<br />
die Fahrt in der Stadt. Voraussetzung, dass solche Konzepte nun<br />
stärker in der Praxis auch angewendet werden ist, dass der<br />
Kunde bereit ist, zwischen solchen Konzepten zu wechseln und beispielsweise<br />
auf Pool-Fahrzeuge für spezifische Regionen zurückzugreifen.<br />
Auf diesem Feld treiben wir unsere Forschungsaktivitäten massiv<br />
voran.</p>
<p><b>Moderator:</b> Zweimal zum Thema Brennstoffzelle:</p>
<p><b>Seth Gecko:</b> Wie stehen Ihrer Meinung nach die Chancen,<br />
dass wir in naher Zukunft nun doch auf Wasserstoffantriebe umsteigen<br />
und was hemmt dies derzeit Ihrer Einschätzung nach?</p>
<p><b>MaxMosley:</b> Mercedes arbeitet doch schon Jahre an<br />
der Entwicklung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen, wie z.B. dem Necar.<br />
Wo liegen hierbei die größten Probleme, um die Brennstoffzelle<br />
als saubere Alternative zum gehypten Hybrid in die Serienreife zu<br />
bringen?</p>
<p><b>Thomas Weber:</b> Beim Thema Brennstoffzelle sind wir<br />
gut unterwegs. Viele technische Fragestellungen wie bspw. die Kaltstartfähigkeit<br />
bis -25°C sind inzwischen gelöst und auch Bauraum und Leistungsdichte<br />
werden immer besser. Die größte Herausforderung ist es<br />
jetzt, diese Technologie entsprechend kostengünstig den Kunden<br />
anbieten zu können. Wir werden deshalb 2010 mit dem nächsten<br />
Brennstoffzellenfahrzeug basierend auf unserer B-Klasse mit einer<br />
Kleinserie an den Start gehen, das heißt, wir sind von der<br />
Serienfähigkeit dieses Konzepts überzeugt. Parallel dazu<br />
muss sicher die Infrastruktur, das heißt, das Tankstellennetz<br />
weiter entwickelt werden. Aber auch hier sehen wir weltweit große<br />
Aktivitäten unterstützt von der Politik. Wasserstoff zum<br />
Betrieb dieser Fahrzeuge ist weltweit auch genügend vorhanden.<br />
Natürlich müssen jetzt die Weichen gestellt werden, dies<br />
auf die Basis regenerativ erzeugten Wasserstoffs zu stellen, aber<br />
auch hier laufen weltweit große Forschungs- und Entwicklungsprojekte,<br />
die wir unterstützen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Auf die Frage habe ich gewartet 🙂</p>
<p><b>gaston:</b> Was fahren Sie eigentlich für einen<br />
Dienstwagen?
</p>
<p>
<b>Thomas Weber:</b> Als Entwicklungschef wechsle ich<br />
die Dienstwagen regelmäßig und bin vom Smart über<br />
die C- und E- bis zur S-Klasse mit unserer gesamten Produktflotte<br />
unterwegs. </p>
<p><b>Moderator:</b> Unsere 60 Minuten tagesschau-Chat sind<br />
leider schon wieder vorbei. Herzlichen Dank nach Sindelfingen an<br />
DaimlerChrysler-Vorstand Dr. Thomas Weber! Herzlichen Dank an alle<br />
User für Ihr Interesse und die Bitte um Nachsicht, dass natürlich<br />
angesichts der Vielzahl von Fragen nicht alle drangekommen sind.<br />
Wie immer ist der tagesschau-Chat keine Veranstaltung nur für<br />
diese eine flüchtige Stunde. Das Protokoll des Chats findet<br />
sich ist in Kürze auf den Seiten der Veranstalter www.tagesschau.de<br />
und www.politik-digital.de zum Nachlesen. Noch ein Hinweis. Morgen,<br />
Mittwoch, chatten wir ab zwölf Uhr mit Grünen-Chefin Claudia<br />
Roth. Fragen an Frau Roth können Sie auch heute schon stellen<br />
&#8211; die Links finden Sie auf www.tagesschau.de und auf www.politik-digital.de<br />
Das tagesschau.de-Team bedankt sich und wünscht allen Beteiligten<br />
noch einen schönen Tag!</p>
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		<title>Ehrenamtliches Projekt zum Umweltschutz auf Wikipedia</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Jun 2007 10:05:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[Matthias Bauer will das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Umweltschutz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Portal Umweltschutz</a> im Online-Lexikon <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia</a> ausbauen. Der Redakteur beim Deutschen Naturschutzring ist selbst ehrenamtlicher Autor bei Wikipedia und sucht   Umweltexperten, die fehlende Themen in dem Portal abdecken wollen. Im Bereich Umweltschutz fehlen Artikel zu zentralen Schlagwörtern wie „Ökologische Nachhaltigkeit“ und zu Themen wie „Bürgerinitiativen zum Umwelt- und Landschaftsschutz“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Matthias Bauer will das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Umweltschutz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Portal Umweltschutz</a> im Online-Lexikon <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia</a> ausbauen. Der Redakteur beim Deutschen Naturschutzring ist selbst ehrenamtlicher Autor bei Wikipedia und sucht   Umweltexperten, die fehlende Themen in dem Portal abdecken wollen. Im Bereich Umweltschutz fehlen Artikel zu zentralen Schlagwörtern wie „Ökologische Nachhaltigkeit“ und zu Themen wie „Bürgerinitiativen zum Umwelt- und Landschaftsschutz“.<!--break--> Neu geschriebene Artikel müssen außerdem auf Lücken und Fehler geprüft werden.<br />
In der freien Enzyklopädie Wikipedia kann jeder kostenlos Artikel einstellen und verändern. Da sie keine feste Redaktion hat, können die Nutzer selbst Initiativen und Projekte zu bestimmten Themen starten.</p>
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