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	<title>Vatikan &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Haben es mit Unbelehrbaren zu tun&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Feb 2009 19:38:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, war am Mittwoch, 11. Februar zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Sie erneuerte ihre Kritik am Umgang des Vatikans mit dem Holocaust-Leugner Williamson und sprach sich für ein NPD-Verbot aus. <a href="/chat-mit-charlotte-knobloch-von-hackern-attackiert">Kurz vor Ende wurde der Chat von Unbekannten mit maschinellen Massenanfragen gestört.</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, war am Mittwoch, 11. Februar zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Sie erneuerte ihre Kritik am Umgang des Vatikans mit dem Holocaust-Leugner Williamson und sprach sich für ein NPD-Verbot aus. <a href="/chat-mit-charlotte-knobloch-von-hackern-attackiert">Kurz vor Ende wurde der Chat von Unbekannten mit maschinellen Massenanfragen gestört.</a><!--break--> </p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen beim tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Aus München ist uns Charlotte Knobloch zugeschaltet, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland. Ihnen ein herzliches Willkommen &#8211; vielen Dank, dass Sie sich Zeit für die Diskussion mit den Lesern von tagesschau.de und politik-digital.de nehmen. Können wir loslegen?<b></b>
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Ja!
</p>
<p>
<b>benny</b>:<br />
Frau Knoblauch, glauben Sie, dass die Vorfälle der vergangenen 14 Tage<br />
in Rom rund um die Piusbruderschaft nachhaltig das Verhältnis zwischen<br />
dem Vatikan und dem Judentum schädigen wird?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich hoffe nicht. Es ist natürlich viel in dieser Zeit passiert, was man<br />
hätte verhindern können. Man hätte es zum Beispiel dadurch verhindern<br />
können, indem man die Situation entschärft und die Piusbrüder und den<br />
Herrn Williamson ganz entschieden sofort in die Schranken gewiesen<br />
hätte.
</p>
<p>
<b>beobachter</b>: Wie empfanden Sie es, dass<br />
ein Vertreter einer Glaubensgemeinschaft den Holocaust, das mit am<br />
besten dokumentierte geschichtliche Ereignis, einfach leugnet?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Wir haben es hier mit einem Menschen zu tun, der sich mit den<br />
Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad und mit diesem auf<br />
eine Stufe stellt. Er findet damit natürlich ein offenes Ohr bei<br />
Rechtsextremisten, aber ich weiß, dass es sehr viele Menschen gibt, die<br />
diese Äußerungen verurteilen und das bestärkt mich.
</p>
<p>
<b>Kölner</b>: Für wie verbreitet halten Sie Antisemitismus innerhalb der katholischen Kirche in- und außerhalb Deutschlands?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Vor dem zweiten vatikanischen Konzil war der Antisemitismus in der<br />
Kirche durch vorhandene Textstellen in einzelnen Themen und Büchern<br />
vorhanden. Das hat sich nach dem zweiten vatikanischen Konzil und der<br />
Haltung des Papstes und der Päpste nachhaltig verbessert, hat aber<br />
jetzt durch die Aussage der Piusbrüder, die uns als Gottesmörder<br />
bezeichnen, und der Aussage von Williamson, einen erheblichen<br />
Rückschlag erlitten.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die nächste Frage an Sie ist zugleich eine, die viele User vorab für besonders wichtig bewertet haben.
</p>
<p>
<b>Buchinger</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Präsidentin Charlotte Knobloch, der Eichstätter<br />
Bischof Gregor Maria Hanke kritisiert Frau Merkel für ihr Eingreifen<br />
mit folgenden Worten: Es sei &quot;unbegreiflich und empörend&quot;, wenn die<br />
Kanzlerin &quot;vom Papst klare Worte fordert in einem Zusammenhang, in dem<br />
gerade Papst Benedikt es nie an Eindeutigkeit hat fehlen lassen&quot;. Wie<br />
bewerten Sie eine solche Stellungnahme eines bayerischen Bischofs, der<br />
zudem noch für die theologische Lehre in der Uni Eichstätt<br />
verantwortlich zeichnet?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Ich<br />
glaube nicht, dass Bischof Hanke von seinen Äußerungen selbst überzeugt<br />
ist. Ich habe es sehr begrüßt und die Ereignisse haben es mir ja<br />
bestätigt, dass durch die sehr höfliche Aufforderung unserer Kanzlerin<br />
Türen geöffnet wurden, die vorher noch verschlossen waren. Der<br />
Eichstätter Bischof ist für seine extrem konservative Einstellung<br />
bekannt. Er sollte es aber nicht soweit kommen lassen, dass man ihm<br />
vorwerfen kann, dass er sich mit den bereits genannten Äußerungen<br />
identifiziert.
</p>
<p>
<b>MM</b>: Sehr geehrte Frau Knobloch!<br />
Bundeskanzlerin Merkel hat vom Vatikan eine Klarstellung in Sachen<br />
Williamson und Piusbruderschaft gefordert. Dies hat ihr viel Kritik<br />
eingebracht. Ist ein deutsches Verfassungsorgan wie die Kanzlerin<br />
aufgrund der historischen Situation Deutschlands verpflichtet, hier<br />
eine Klarstellung einzufordern? Darf die Politik von einer Religion (ob<br />
katholisch oder jüdisch oder andere) Positionen einfordern?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Nachdem was hier vorgefallen ist, hoffe ich, es bleibt eine<br />
Einmaligkeit. Keiner von uns hätte sich vorstellen können, dass wir<br />
Juden uns von einer Äußerung eines Bischofs distanzieren müssen, ihn<br />
zur Rücknahme auffordern müssen, bevor es der Papst getan hat. Und<br />
deswegen war die Kanzlerin als Repräsentantin eines Landes, das den<br />
Holocaust verursacht hat, verpflichtet, zu diesem Thema eine eindeutige<br />
Stellungnahme abzugeben. Meine Aufforderung an die jungen Menschen in<br />
diesem Lande geht immer dahin, für die Zukunft die Verantwortung zu<br />
übernehmen, die ihnen aufgetragen wird &#8211; sofern sie sie akzeptieren.<br />
Damit dieser Völkermord, der in diesem Lande geschehen ist, nicht<br />
wieder vorkommt. Das ist meine Aufforderung an alle unsere Nachkommen<br />
und da gehört die Kanzlerin auch dazu.
</p>
<p>
<b>Markus Diliberto</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, warum lädt die deutsch-jüdische Gemeinde<br />
die Piusbrüder nicht ein, um ihnen in den ehemaligen<br />
Konzentrationslagern die Verbrechen der Nazis erklären zu können?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich werde diese Frage in meinen Gremien mal besprechen. Sicher nicht in<br />
der nächsten Zeit, denn sie können sich vorstellen, wie es mir zumute<br />
ist, zu diesem Thema Stellung zu nehmen. Aber wenn es heutzutage in<br />
dieser geistig hochqualifizierten Bruderschaft Menschen gibt, die mir<br />
erklären wollen, dass für sie der Holocaust noch etwas unbekanntes ist<br />
&#8211; und dies auch glaubhaft erklären &#8211; dann gehe ich davon aus, dass man<br />
sich vielleicht über ihre Frage Gedanken machen müsste.
</p>
<p>
<b>Chefkoch81</b>:<br />
Zum Beitrag von Diliberto: Man müsste die Piusbrüder einmal nach<br />
Auschwitz führen. Vielleicht ergeht es ihnen genauso wie dem Papst<br />
damals, der sichtlich berührt war und große Worte sprach.
</p>
<p>
<b>Ntexv</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, wäre es nicht sinnvoll, auch einmal die<br />
Hauptleugner des Holocaust zu einem Gespräch in einem<br />
öffentlich-rechtlichen Medium (Fernsehen) einzuladen? Ich finde, das<br />
wäre die beste Gelegenheit, sie vor der Öffentlichkeit vorzuführen und<br />
ihre abartigen und verlogenen Argumente zu widerlegen.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich kann hier natürlich über die Entscheidungen der Medien bzw. der<br />
Fernsehanstalten nicht befinden, aber ich habe das Gefühl, dass wir es<br />
mit Unbelehrbaren zu tun haben. Und ich glaube, dass wir diesen<br />
Menschen kein Forum geben dürfen.
</p>
<p>
<b>Aligator</b>:<br />
Hätten Sie es auch gut geheißen, wenn die Aufforderung von Angela<br />
Merkel nicht öffentlich gefordert worden wäre, sondern über<br />
diplomatische Kanäle?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Gerade<br />
weil die Aufforderung in dieser Form ergangen ist, hat sie eben das<br />
bewirkt, was man bis jetzt nur als positiv bezeichnen kann.
</p>
<p>
<b>timmy</b>: Wie schätzen Sie die Verbreitung von Antisemitismus in Deutschland im Allgemeinen ein?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Das ist auch ein Thema, das mir große Gedanken macht. Weil ich eben<br />
feststellen kann, dass es wieder einen sogenannten neuen Antisemitismus<br />
gibt, der natürlich auf dem bereits bestehendem aufbaut. Die Tatsache,<br />
dass man der Meinung ist &#8211; obwohl wir immer dieser Meinung<br />
widersprechen &#8211; wenn man Israel kritisiert, sei man bereits ein<br />
Antisemit: das sind alles Klischees, Vorurteile wie man es auch nennen<br />
kann, die dem Antisemitismus wieder einen fruchtbaren Boden bereiten.
</p>
<p>
<b>Buchinger</b>:<br />
Frau Präsidentin Knobloch, Sie sprechen ganz bewusst die &quot;jungen<br />
Menschen in diesem Lande an&quot;. Was können wir hier in Deutschland, in<br />
Europa, konkret in der Jugendarbeit gegen den erneut aufflammenden<br />
Antisemitismus tun?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Indem<br />
man den jungen Menschen sagt, dass sie in einem Land leben, in einem<br />
demokratischen Land, dass sie in diesem Land eine Zukunft haben. Dass<br />
sie einen gesunden Patriotismus entwickeln sollen, dass sie ihr Land<br />
gegen verbale Angriffe verteidigen sollen und dass sie summa summarum<br />
allen Grund haben, ihr Land zu lieben. Immer in Hinblick aber auch<br />
darauf, dass sie auch die Vergangenheit dieses Landes im Blickfeld<br />
haben und gerade dann, wenn sie sich all das aneignen, was ich jetzt<br />
vorgeschlagen habe, dann sind sie auch gefeit gegen Rechtsradikalismus<br />
und den Versprechungen, die die NPD und ihre Helfershelfer ihnen<br />
täglich vorführen.
</p>
<p>
<b>uhri</b>: Ich denke, Frau<br />
Knobloch weiß im Gegensatz zu Markus Diliberto, dass es nicht Sache der<br />
Juden ist, Antisemitismus zurückzuweisen. Das wäre die Aufgabe einer<br />
aufgeklärten Gesellschaft und nicht die der Opfer.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Antisemitismus und der Judenhass ist natürlich eine Aufgabe, die die<br />
Allgemeinheit zu regeln hätte. Schon im Hinblick auf die Vergangenheit<br />
dieses Landes. Aber wir werden manchmal sehr alleine gelassen, werden<br />
mit Sonntagsreden beruhigt. Aber Handlungen, wie zum Beispiel das<br />
Verbot der NPD und ihrer Parteienfinanzierung in Angriff zu nehmen, die<br />
ja die Grundlagen für den Antisemitismus weiter verbreiten, vermisse<br />
ich eben.
</p>
<p>
<b>timmy</b>: Wie stehen Sie denn zum NPD-Verbot?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich kenne die Nachteile, die momentan vorhanden sind, um dieses<br />
NPD-Verbot nochmal anzugehen. Es geht aber auch nicht an, dass eine<br />
antidemokratische Partei es für sich in Anspruch nimmt, von Demokraten<br />
gewählt zu sein und demokratisch gewählt zu sein. Die NPD verachtet das<br />
Grundgesetz, verachtet unsere Werte und deswegen muss etwas geschehen,<br />
damit sie nicht ihre abscheulichen Ideen und Beurteilungen weiterhin<br />
unter jungen Menschen &#8211; vor allem im Internet &#8211; verbreiten kann.
</p>
<p>
Zumindest<br />
sollte sie nicht mehr in der Lage sein, Steuergelder von Menschen, die<br />
diese Inhalte der NPD auch ablehnen, für ihre eigenen Zwecke zu<br />
benutzen &#8211; vor allem auch für Zwecke, die diesem unserem Land in der<br />
Welt einen negativen Stellenwert geben. Das hat dieses Land in der<br />
heutigen Zeit nicht verdient.
</p>
<p>
<b>abc</b>: Es scheint,<br />
als würden antisemitische Klischees wie etwa das &quot;des Juden&quot; als<br />
lästigen, nachtragenden Mahners in letzter Zeit immer offener geäußert.<br />
Stellen Sie eine Zunahme manifest antisemitischer Positionen bzw. eine<br />
Auflösung des gesellschaftlichen Kommunikationstabus für<br />
antisemitischen Einstellungen und Ideen in Deutschland fest?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich habe diesem Land nicht den Rücken zugewandt, obwohl meine Biografie<br />
und mein damaliges Erleben mich fast dazu gezwungen haben. Ich wäre<br />
glücklich und zufrieden, wenn ich nicht immer als lästiger Mahner<br />
dargestellt würde, sondern dass die Menschen, die das Mahnen als<br />
negativ empfinden, mit mir zusammen, mit uns zusammen, ein Bollwerk<br />
errichten würden gegen diesen Antisemitismus. Und ich bin aber trotzdem<br />
ein Optimist.
</p>
<p>
Ich werde es nie zulassen, dass Hitler Recht gehabt<br />
hätte, wenn es hier keine Juden mehr geben würde, sondern ich baue<br />
weiter an der Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland, das mir auch<br />
Recht gibt und in vielen neu errichteten Möglichkeiten, wie<br />
Synagogenneubauten und Gemeindezentrenneubauten. Und ich freue mich,<br />
dass es auch diesen Grund gibt, Optimist zu sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Das heißt, Sie sehen eine positive Entwicklung? Kann man von einer<br />
Normalisierung des jüdischen Lebens in Deutschland sprechen?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich würde noch nicht von einer Normalisierung sprechen, sondern ich<br />
würde von einem positiven Miteinander sprechen, das sich nach einem<br />
jahrzehntelangem Nebeneinander entwickelt hat. Normalität muss wachsen.<br />
Normalität kann man nicht als Befehl durchführen, vor allem, wenn man<br />
heute noch die Menschen nach ihrer Religionszugehörigkeit beurteilt und<br />
nicht nach ihren charakterlichen Eigenschaften.
</p>
<p>
<b>HermyMA</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, wo würden Sie die Grenze ziehen zwischen<br />
Kritik und Antisemitismus &#8211; beziehungsweise wo fängt Antisemitismus an?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Antisemitismus fängt für mich an, wo sich Kritik unsachlich,<br />
beleidigend darstellt: In dem man uns, die Überlebenden und ihre<br />
Nachkommen, als Helfershelfer von Hitlers Vernichtungspolitik<br />
bezeichnet und weitere Klischees verbreitet werden.
</p>
<p>
<b>Sarah Rosenthal</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, als in Deutschland geborene Jüdin<br />
interessiert mich besonders: Halten Sie eine Kritik am Staat Israel &#8211;<br />
zum Beispiel aufgrund des Vorgehens im Flüchtlingslager Gaza &#8211;<br />
zwangsläufig für antisemitisch?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich muss immer wieder betonen, dass sachliche Kritik nicht<br />
Antisemitismus darstellt. Die Regierung in Israel muss sich einer<br />
massiven Kritik ihrer Bevölkerung unterziehen. Sachliche Kritik hat<br />
immer auch etwas Positives, sie kann manchmal zum Nachdenken anregen.
</p>
<p><span class="zitatBox breit"><br />
<span class="zTitle"></span><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine"></span><span class="inv"><br />
</span></span><br />
</span></p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Damit wir thematisch nicht zu<br />
sehr springen, habe ich inzwischen ein paar eingetroffene Fragen im<br />
Chat zum Thema Israel gesammelt:
</p>
<p>
<b>same</b>: Hallo nach München. Frau Knobloch, wie bewerten Sie das Wahlergebnis in Israel?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Das noch nicht endgültige Wahlergebnis. Die Wählerstimmen der<br />
Soldatinnen und Soldaten sind nämlich noch nicht ausgezählt. Momentan<br />
werden sich die einzelnen Parteien, sollten sie sich nicht für eine<br />
Große Koalition entscheiden, sehr schwer tun, eine für alle<br />
zufriedenstellende Regierungskoalition einzurichten.
</p>
<p>
<b>aysam</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, ich habe eine Frage zu den Wahlen in<br />
Israel. Befürchten Sie, dass aufgrund der Wahlergebnisse in Israel,<br />
lassen Sie es mich einen &quot;Rechtsruck&quot; nennen, der Friedensprozess<br />
weiter geschwächt und darüber hinaus der Antisemitismus in Europa neuen<br />
Nährboden gewinnen könnte?
</p>
<p>
<b>Buchinger</b>: Sehr<br />
geehrte Frau Präsidentin, die Wahlen in Israel sind voraussichtlich<br />
gelaufen. Was sagen Sie zu Rechtsnationalen, wie Benjamin Netanjahu und<br />
seinem Kollegen Liebermann, auch hinsichtlich einer wohl möglichen<br />
Regierungsbildung? Gibt es in Israel auch Rechtsextremismus?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Es gibt rechte Parteien, aber es gibt keinen Rechtsextremismus. Ich<br />
hoffe sehr, dass es eine Regierungsbildung geben wird, die den Frieden<br />
der Völker in diesem Gebiet an erster Stelle in ihrem Programm hat.
</p>
<p>
<b>Frank</b>:<br />
Guten Tag Frau Knobloch. Glauben Sie, dass es langfristig eine<br />
Alternative zu einem Staat Israel und einem Staat Palästina geben kann?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Die bisherigen Regierungen haben sich immer dafür eingesetzt, dass es<br />
zwei Staaten, einen Staat Israel und einen Staat Palästina, in der<br />
Zukunft geben wird. Ich konnte auch immer wieder lesen, dass die<br />
Vereinigten Staaten, wie auch die Europäer, dies auch als Ziel sehen.<br />
Und ich hoffe, dass diese Konstruktion sich entwickeln wird und den<br />
Menschen dort den Frieden bescheren wird.
</p>
<p>
<b>Dirk</b>:<br />
Geehrte Frau Präsidentin, ich möchte da nachhaken. Was bedeutet denn<br />
für sie &quot;Rechtsextremismus&quot;? Was sagen Sie zu ultranationalistischen<br />
Strömungen in Israel, die einem palästinensischen Staat eine klare<br />
Absage erteilen und arabischstämmige Israeliten &quot;ausbürgern&quot; möchten?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Eine israelische Regierung, die sich jetzt, in absehbarer Zeit, sicher<br />
konstituieren wird und die die demokratischen Werte noch in ihr<br />
Regierungsprogramm aufnehmen wird, wird diese angesprochenen Themen<br />
sicher nicht vertreten.
</p>
<p>
<b>JBraun</b>: Zur<br />
&quot;Zwei-Staaten Lösung&quot;: Glauben Sie wirklich ernsthaft, dass nach dem<br />
neuerlichen Rechtsruck in Israel noch eine tragfähige Mehrheit für<br />
diese Position besteht?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Ich<br />
kann mir sehr gut vorstellen, dass die Verantwortlichen zu der<br />
Überzeugung kommen, dass zwei starke Parteien, die sich ja jetzt<br />
abzeichnen, eine Regierung bilden können.
</p>
<p>
<b>uwe wällner</b>:<br />
Dass Sie als Jüdin eine besondere Beziehung zur Bevölkerung Israels<br />
haben, ist nur verständlich und lauter. Allerdings sind ja fast 25<br />
Prozent der israelischen Staatsbürger nichtjüdischen Glaubens. Hegen<br />
Sie auch zu dieser Gruppe eine besondere Solidarität?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich habe eine Solidarität für Menschen, die sich auch in dieser<br />
Hinsicht darstellt: Dass sie Menschen sind &#8211; und wie man so schön sagt<br />
&#8211; auch an das Gute im Menschen glauben.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Hier kommen zwei Fragen aus dem Pre-Chat, für die sehr viele User gestimmt haben:
</p>
<p>
<b>Leonardo</b>: Ist &quot;Verzeihen&quot; eine Haltung, die für Sie in Bezug auf die Shoah möglich ist?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Es gibt kein Verzeihen einer Überlebenden für sechs Millionen Opfer,<br />
die die Shoah verursacht hat. Ich kann nur für mich persönlich eine<br />
Äußerung abgeben, aber nicht für die Menschen, die nicht mehr unter uns<br />
sind.
</p>
<p>
<b>ida</b>: Sie lehnen das Projekt<br />
&quot;Stolpersteine&quot; strikt ab, nannten die Initiatoren sogar einmal<br />
&quot;Gedenktäter&quot;. Was macht diese Leute in ihren Augen zu Tätern?
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Zu dieser Frage eine Info: &quot;Stolpersteine&quot; sind in vielen Städten<br />
verbreitete Gedenksteine in Pflasterstein-Größe aus Metall, auf denen<br />
Namen, Geburts- und Todesdaten von Holocaust-Opfern lesbar sind &#8211; eine<br />
Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Bei den Stolpersteinen handelt es sich aus der Natur der Sache heraus<br />
um keine angemessene und würdige Form des Gedenkens. Passanten gehen<br />
achtlos an Stolpersteinen vorbei oder schlimmer noch, laufen darüber<br />
und treten darauf. Hunde verrichten an den Stolpersteinen ihre<br />
Notdurft. Wir sollten das Andenken von Menschen &#8211; und darunter auch<br />
meine Familie &#8211; die Verfolgung und Entwürdigung erleben musste, bevor<br />
sie auf schreckliche Weise ermordet wurden, nicht nochmals entwürdigen<br />
und sprichwörtlich mit Füßen treten.
</p>
<p>
<b>timmy</b>: Wie gestaltet sich derzeit das Verhältnis zum Zentralrat der Muslime in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Wir hoffen und sind wirklich interessiert an einem guten Einvernehmen<br />
mit den zuständigen Gremien des Islams. Sind aber auf der anderen Seite<br />
sehr überrascht, dass gerade an den antiisraelischen Demonstrationen<br />
mit den Rechtsradikalen auch viele Islamisten teilgenommen haben.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Hier kommt eine User-Frage zu folgendem Hintergrund: Der Zentralrat der<br />
Juden war am 27. Januar 2009 der Feierstunde des Bundestages zum<br />
Holocaust-Gedenktag mit der Begründung ferngeblieben, seine Vertreter<br />
seien bei der Feier nie persönlich begrüßt worden. Dies hatte im<br />
Bundestag Verwunderung ausgelöst.
</p>
<p>
<b>ninu</b>: Sehr<br />
geehrte Frau Knobloch, in letzter Zeit erscheint es mir, als würde sich<br />
die jüdische Gemeinde in Deutschland immer öfter von der Mehrheit der<br />
Gesellschaft (aber auch von der Politik &#8211; Stichwort Holocaustgedenktag<br />
&#8211; ) alleine gelassen fühlen. Welche Form der Unterstützung im Kampf<br />
gegen Antisemitismus wünschen Sie sich und wie sollte die Solidarität<br />
der nicht-jüdischen Bevölkerung aussehen?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Hier geht es vor allem um diejenigen, die Menschen und die Bevölkerung<br />
erreichen. Das sind die Medien, das sind die Kirchen. Und hier freue<br />
ich mich, wenn ich eine ausgewogene Berichterstattung &#8211; aber auch einen<br />
Beitrag der Kirchen &#8211; feststellen kann, die das jüdische Leben, das<br />
sich sehr &#8211; zumindest zahlenmäßig &#8211; positiv entwickelt hat, auch<br />
unterstützen. Und die Möglichkeiten sind natürlich mit einer<br />
Wahrnehmung, dass Unterstützung vorhanden ist, in der Öffentlichkeit<br />
gegeben oder sollten gegeben sein.
</p>
<p>
<b>Peter</b>: Wird<br />
in Deutschland von muslimischer Seite auf den Zentralrat der Juden in<br />
Deutschland zugegangen und wie entwickelt sich dieser Dialog?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Es gibt verschiedene Dialoge in diesem Bereich in verschiedenen Stätten<br />
und wenn er sich weiterentwickelt, kann man das nur positiv sehen.
</p>
<p>
<b>luna</b>:<br />
Frau Knobloch, meinen Sie nicht, dass die Nicht-Teilnahme des<br />
Zentralrats der Juden an der Veranstaltung zum Holocaust Gedenktag eine<br />
zu empfindliche Reaktion war?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Das ist eine Empfindlichkeit, die sich schon jahrelang, wenn sie<br />
überhaupt vorhanden ist, festgesetzt hat. Aber ich bin guten Mutes,<br />
dass in Zukunft an diesem so wichtigen internationalen Gedenktag auch<br />
die Überlebenden wahrgenommen werden. Und dass vor allem mit den jungen<br />
Menschen die an diesem Tag in den Bundestag eingeladen sind, ein<br />
effizienter Dialog mit Überlebenden stattfinden kann.
</p>
<p>
<b>Horst</b>:<br />
Frau Knobloch, wäre es nicht Zeit in Deutschland, dass einmal ein<br />
Deutscher jüdischen Glaubens Bundespräsident wird? Es würde dem<br />
Verhältnis der Deutschen zum Judentum einen unglaublichen Schub geben.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Wenn unsere Jugendlichen oder die jüngeren Mitglieder unserer Gemeinden<br />
sich der Politik zur Verfügung stellen würden, wäre das wirklich &#8211;<br />
meiner Ansicht nach, für mich persönlich &#8211; ein willkommener Anlass,<br />
auch darüber nachzudenken, inwieweit solche Personen in die höhere<br />
Politik eingebunden werden können.
</p>
<p>
<b>neville</b>: Sehr<br />
geehrte Frau Knobloch, haben Sie Hoffnung, dass eines Tages der<br />
Polizeischutz für die Synagogen in Deutschland nicht mehr nötig sein<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Diese Hoffnung habe<br />
ich bereits im Jahre 1990 zum Ausdruck gebracht in Zusammenhang mit der<br />
Errichtung unserer neuen Gebäude &#8211; Synagoge und Gemeindezentrum. Leider<br />
bin ich eines besseren belehrt worden, dass diese Schutzmaßnahmen noch<br />
verstärkt werden müssten, bis zum heutigen Tag, anstatt sie langsam<br />
abbauen zu können.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Das war bereits<br />
eine gute Stunde hier im tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Charlotte<br />
Knobloch, dass Sie sich Zeit für die Diskussion mit den Lesern von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de genommen haben. Ein Dankeschön<br />
auch an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle<br />
stellen konnten.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Ich freue<br />
mich, dass ich einen Dialog führen konnte &#8211; mit Unbekannten natürlich &#8211;<br />
aber ich wünsche mir gleichzeitig, dass das Miteinander, das ich<br />
anstrebe und das ich auch sehe, sich entwickelt, weiterhin den Erfolg<br />
zeigt, den ich mir wünsche und der uns allen nur Positives bringen kann.
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts, tagesschau.de.</i></p>
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		<title>Ja und Amen auf Youtube</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2009 10:51:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Papst]]></category>
		<category><![CDATA[Vatikan]]></category>
		<category><![CDATA[YouTube]]></category>
		<category><![CDATA[Webvideo]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph Ratzinger]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Vatikan arbeitet mit Googles Videoportal Youtube zusammen. Dessen Nutzer haben jetzt ihren eigenen „Cyberdraht&#34; zum Papst. 
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Vatikan arbeitet mit Googles Videoportal Youtube zusammen. Dessen Nutzer haben jetzt ihren eigenen „Cyberdraht&quot; zum Papst. <br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Auf dem Videoportal Youtube präsentiert der Vatikan nun seinen <a href="http://www.youtube.com/vaticande" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eigenen Kanal</a> und geht somit einen Schritt in Richtung e-Partizipation und Interaktivität. Den Auftakt geben Videoausschnitte aus der Weihnachtsbotschaft Benedikts XVI. sowie Beiträge zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2009.
</p>
<p>
Vatikan-Pressechef Frederico Lombardi erklärte, der Vatikan wolle somit die modernen Kommunikationsmittel nutzen, um es einem noch größeren Publikum, vor allem der jüngeren Generation, zu ermöglichen, auf dem neuesten Stand zu bleiben und sich über die aktuellen Aktivitäten des Papstes zu informieren. Die User können die in mehreren Sprachen dargestellten Beiträge kommentieren. Produziert werden die Clips vom vatikanischen Fernsehzentrum CTV.
</p>
<p>
Allerdings lassen sich die Videos des Papstes nicht auf andere Seiten einbinden. Das Einbetten wurde auf Wunsch des Vatikans deaktiviert. </p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Ketzer-Kauf bei eBay</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/ketzer-kauf-bei-ebay-3765/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Feb 2008 09:14:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Auktion]]></category>
		<category><![CDATA[Vatikan]]></category>
		<category><![CDATA[eBay]]></category>
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					<description><![CDATA[Kaufen Sie ein Stück Jesus-Kreuz, kaum gebraucht, garantiert echt! Oder wie wäre es mit einem Fetzen vom Gewand Maria Magdalenas? Vielleicht doch lieber den Knochensplitter eines Heiligen? Beim Online-Auktionshaus eBay kommen immer wieder echte oder unechte Reliquien unter den Hammer. Kardinal Jose Saraiva aus dem Vatikan protestiert gegen den „gotteslästerlichen&#34; Handel.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kaufen Sie ein Stück Jesus-Kreuz, kaum gebraucht, garantiert echt! Oder wie wäre es mit einem Fetzen vom Gewand Maria Magdalenas? Vielleicht doch lieber den Knochensplitter eines Heiligen? Beim Online-Auktionshaus eBay kommen immer wieder echte oder unechte Reliquien unter den Hammer. Kardinal Jose Saraiva aus dem Vatikan protestiert gegen den „gotteslästerlichen&quot; Handel.<!--break--></p>
<p>
Die Kirche müsse die Echtheit der Heiligtümer per Attest bestätigen; viele der angebotenen Reliquien „könnten gestohlen sein&quot;, warnte Kardinal Jose Saraiva Martins. Schlimmer noch: Die Objekte könnten bei satanistischen Ritualen Verwendung finden.
</p>
<p>
Laut der italienischen Tageszeitung „La Stampa&quot; hat eBay Besserung gelobt und will nun gegen das Geschäft mit den Reliquien vorgehen &#8211; wie, ließ das Auktionshaus offen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Prälat Karl Jüsten zur Papstnachfolge</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/praelat_karl_juesten_zur_papstnachfolge-225/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Jüsten]]></category>
		<category><![CDATA[Katholische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Konklave]]></category>
		<category><![CDATA[Papst]]></category>
		<category><![CDATA[Vatikan]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, 5. April, war Prälat Dr. Karl Jüsten zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Jüsten stellte sich den Fragen rund um den Tod von Papst Johannes 
Paul II., die anstehende Papstwahl und mögliche Kirchenreformen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 5. April, war Prälat Dr. Karl Jüsten zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Jüsten stellte sich den Fragen rund um den Tod von Papst Johannes<br />
Paul II., die anstehende Papstwahl und mögliche Kirchenreformen.<!--break--></p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die<br />
Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute<br />
der Leiter des katholischen Büros der deutschen Bischöfe,<br />
Prälat Karl Jüsten ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen.<br />
Herr Jüsten, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit<br />
unseren Usern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><span class="fett">Karl Jüsten:</span> Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Fritzchen:</b> Hallo Herr Jüsten,<br />
wie sehen Sie die Chancen für Kardinal Ratzinger, wenn man<br />
bedenkt, dass die Kirche einen älteren Papst will, der nicht<br />
allzu viele Veränderungen macht und das Werk von Johannes Paul<br />
II. fortsetzen soll?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich glaube Kardinal Ratzinger wird wichtig sein für das Konklave,<br />
aber ich glaube nicht, dass er selbst Ambitionen hat auf dieses<br />
Amt, denn er hat in der Vergangenheit schon häufiger Papst<br />
Johannes Paul II. darum gebeten, ihn von der Bürde seines bisherigen<br />
Amtes zu befreien.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Zugbringer:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Muss der nächste Papst sich weiter auf die weltlichen Bedürfnisse<br />
der Bevölkerung einlassen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ja, der Papst muss sich schon deshalb darauf einlassen, da er für<br />
Frieden und Gerechtigkeit in der Welt eintritt. Viele Menschen leben<br />
in bitterster Armut. Da muss er sich Gehör verschaffen, um<br />
diese Nöte zu beheben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Zugbringer:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Was ist Ihr Rat für den nächsten Papst um die Kirchenaustritte<br />
zu stoppen und in Kircheneintritte zu verwandeln?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Das ist eine schwierige Frage. Wenn wir das in Deutschland selber<br />
wüssten, dann hätten wir damit sicher schon angefangen.<br />
Aber ich glaube, es ist besonders wichtig, die Kirche mit einem<br />
menschenfreundlichen Antlitz zu vertreten. Wenn er eine solche Ausstrahlung<br />
hat und darüber hinaus die Menschen mit seiner Botschaft auch<br />
im Herzen erreicht, dann kann er viel bewegen. Sicher muss er auch<br />
einige neue Antworten finden auf Fragen, die die Menschen unserer<br />
Zeit umtreiben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Nachfrage zu Kardinal Ratzinger:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">fritzchen:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Muss denn Ratzinger selbst Ambitionen haben, oder ist es nicht vielmehr<br />
ein &#8216;MUSS &#8216; wenn er vorgeschlagen werden sollte? Kann er sich dessen<br />
entziehen? Wissen auch die anderen Kardinäle, dass Kardinal<br />
Ratzinger &#8216;nicht will&#8217;, und nehmen sie darauf Rücksicht?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Jeder ist frei das Amt anzunehmen oder auch nicht. Und jeder der<br />
weiß, welche Bürde dieses Amt mit sich bringt, wird sich<br />
gut überlegen ob er auf Grund seines Alters und seiner Kraft<br />
sich das zumuten möchte. Es ist ja noch nicht ausgemacht, dass<br />
es ein alter Kardinal werden soll. Wenn es ein Deutscher werden<br />
sollte, wovon allerdings nur wenige ausgehen, dürfen wir in<br />
Deutschland stolz sein.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Apropos Alter:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">GertFroebe552:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Meine Frage: Besteht bei den langen Amtszeiten des Papstes nicht<br />
die Gefahr, dass die Kirche sich nicht schnell genug reformieren<br />
und sich dem Zeitgeist nicht mehr anpassen kann?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten: </span></span><span style="font-size: x-small">Nicht<br />
alle Päpste haben ein so lange Amtszeit gehabt wie der letzte.<br />
Ein langes Pontifikat hat die Chance, dass der Amtsinhaber mit langem<br />
Atem in der Kirche wirken kann. Ein älterer Papst, der vielleicht<br />
davon ausgeht, dass aufgrund seiner Lebenszeit die Amtszeit kürzer<br />
bemessen ist, wird vielleicht schneller auf die Umsetzung seiner<br />
Ideen pochen. So hat z.B. Johannes XXIII, der schon zu Beginn seines<br />
Papstamtes um seine labile Gesundheit wusste, das Zweite Vatikanische<br />
Konzil einberufen, das die Kirche erheblich veränderte. Die<br />
Wirksamkeit eines Papstes bemisst sich also nicht nach der Länge<br />
des Pontifikats.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator: </span></span><span style="font-size: x-small">Kommen<br />
wir zu inhaltlichen Fragen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Arkonia: </span></span><span style="font-size: x-small">Meinen<br />
sie nicht auch, dass es endlich einmal Zeit wird, besonders für<br />
den nächsten Papst, die Rolle der Frau in der katholischen<br />
Kirche zu ändern?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Sie fragen nicht enggefügt auf die Übernahme des Priesteramtes<br />
für Frauen. Bei dieser Frage tut sich die Kirche in der Tat<br />
schwer, weil sie nicht aus dem Blickwinkel der Geschlechtergerechtigkeit<br />
beantwortet wird, sondern aus theologischen Gründen. Im Sinne<br />
der Geschlechtergerechtigkeit müsste die Frage sicher anders<br />
beantwortet werden, denn die Kirche tritt für die Geschlechtergerechtigkeit<br />
ein. Deshalb muss auch sicher noch mehr daran getan werden, die<br />
Rolle der Frau neben dem Priesteramt neu zu klären. Da, glaube<br />
ich, ist in der Tat noch ein großer Spielraum. In Deutschland<br />
könnten z. B. viele Führungspositionen schon jetzt problemlos<br />
auch von Frauen begleitet werden. Da bleibt noch viel zu tun.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Aber die Frauen sind doch nicht geweiht? Deshalb sind sie weiter<br />
von wichtigen Dingen ausgeschlossen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Das stimmt. Dieses Problem müssen wir aushalten.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Es gibt noch weitere Felder zu beackern? Stichwort Zölibat.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Lutwin:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ist davon auszugehen, dass ein neuer Papst den doch konservativen<br />
Kurs seines Vorgängers weiter verfolgt, oder wird es Reformen<br />
geben, etwa in Form der Abschaffung des Zölibats?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Den bisherigen Papst einfach nur als konservativ zu bezeichnen,<br />
halte ich für zu kurz. Aber er hat sicher in Fragen, die die<br />
Kirche im Inneren betreffen, einen Kurs gefahren der auf das Bewahren<br />
der Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils ausgerichtet<br />
war. Manche in der Kirche wünschen sich, dass man über<br />
das, was in diesem Konzil gewünscht war, hinausgeht. Und da<br />
schauen wir mal, ob der neue Papst das auch so sieht.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dfbdb:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Für die Gleichberechtigung spricht: Vor Gott sind alle Menschen<br />
gleich. Was spricht theologisch dagegen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Im Chat ist es nicht so einfach eine komplizierte Frage einfach<br />
zu beantworten, aber ich werde mich bemühen: Nach Auffassung<br />
des Lehramtes hat Jesus in seiner Nachfolge neben Jüngerinnen<br />
und Jüngern die Apostel berufen. Die Apostel waren beauftragt<br />
die Kirche zu führen, die nach der Himmelfahrt Jesu entstand.<br />
Die Apostel wiederum haben als ihre Nachfolge die so genannten Episkopen<br />
(Bischöfe) berufen. Wegen der schnell wachsenden Gemeinden<br />
haben sie sich zur Hilfe so genannte Presbyteroi (Priester) hinzugezogen,<br />
die sie dazu auch weihten. Neben den Priestern gab es immer auch<br />
Diakone. Es ist unwahrscheinlich, dass unter den Bischöfen<br />
und Priestern Frauen waren. Für die Diakone lässt sich<br />
das nicht so einfach sagen. Deshalb sagt die Kirche, dass für<br />
das Amt des Bischofs und des Priesters nur Männer ausgewählt<br />
werden können. Beim Diakonamt ist es zur Zeit Praxis. Viele<br />
Wissenschaftler und die Würzburger Synode von 1972 sagen, dass<br />
das Amt des Diakons auch für Frauen offen stehen kann. Da können<br />
wir mal sehen, wie das so weitergeht.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Harold1977:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Kann/Darf ein neuer Papst überhaupt von grundsätzlichen<br />
Lehrmeinungen wie der Frauenordination oder z.B. dem gemeinsamen<br />
Abendmahl abweichen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Können darf der Papst, denn das lehrt ja das Dogma der Unfehlbarkeit.<br />
Aber er ist natürlich an das gebunden, was die Kirche immer<br />
schon gelehrt hat. An der Friedensethik der Kirche kann man sehen,<br />
dass sich eine Sichtweise auch schon mal ändern kann. So war<br />
die Kirche immer für das Ideal des Friedens, glaubt aber in<br />
früheren Zeiten, dass dieser auch durch einen Krieg hergestellt<br />
werden kann. Und der jetzige Papst hat das korrigiert, indem er<br />
gesagt hat: Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">28:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ist es nicht so, dass über neunzig Prozent aller Katholiken<br />
jeden Tag ganz bewusst gegen Kirchengesetze verstoßen, weil<br />
sie nicht anders können und wollen? Bei aller Zuneigung zum<br />
verstorbenen Papst: Ist die Kirche innen nicht völlig hohl?<br />
Hat sie überhaupt noch ein Volk?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ob 90 Prozent aller Katholiken täglich gegen Kirchengebote<br />
verstoßen, weiß ich nicht. Aber selbst wenn dem so wäre<br />
gilt in der Kirche der Grundsatz: Die Kirche liebt nicht die Sünde<br />
aber den Sünder/die Sünderin. Also man kann guten Gewissens<br />
mit der Kirche sein und wissen, dass man nicht alle Gebote einhält.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator: </span></span><span style="font-size: x-small">Zum<br />
Dialog der Kulturen und Religionen:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Ichausberlin: </span></span><span style="font-size: x-small">Was,<br />
meinen Sie, wird die Haltung des neuen Papstes gegenüber anderen<br />
Religionen sein. Johannes Paul II. hat da ja wohl weitestgehend<br />
Neuland betreten. Wird sich die Dialogkultur, die er initiiert hat,<br />
fortsetzen lassen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich gehe davon aus, dass der künftige Papst das so machen wird.<br />
Wichtig ist allerdings auch, dass er alle Mitglieder der Kirche<br />
und insbesondere alle Menschen der Christenheit weltweit davon überzeugt,<br />
dass das der einzige Weg ist, um friedlich miteinander zu leben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Muss der nächste Pontifex nicht vor allem den Dialog mit dem<br />
Islam suchen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten: </span></span><span style="font-size: x-small">Ja.<br />
Allerdings wird in Deutschland nicht genügend wahrgenommen<br />
wie viele Strömungen es im Islam gibt. Der Islam kennt keine<br />
Autorität wie den Papst und deshalb ist es schwer für<br />
ihn, einen geeigneten Partner zu finden. Aber diese Frage ist ja<br />
nicht nur eine Frage des Papstes, sondern aller Christen. Jeder<br />
sollte an dem Ort, an dem er lebt, den Dialog mit gläubigen<br />
Muslimen führen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Etwas Literaturkritik:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">verboomen:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich habe das Buch &#8216;Wir klagen an &#8216; gelesen. Es war in Italien Anfang<br />
2000 ein Bestseller. Die nackte Wahrheit über den Vatikan wurde<br />
dargestellt. Einer der Autoren, Luigi Marinelli, hat viele Probleme<br />
mit dem Vatikan gehabt. Das Buch handelt von Cliquen, die Macht<br />
haben und entscheiden, wer der nächste Papst wird. Man redet<br />
nie darüber in den Medien, aber das Verlangen nach Änderungen<br />
in den Machenschaften im Vatikan existiert.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Über mögliches Fehlverhalten in Vatikan wird, wenn es<br />
denn zu Tage tritt, recht breit in den Medien berichtet. Das es<br />
dann doch nicht so oft vorkommt kann ja vielleicht auch daran liegen,<br />
dass der Vatikan doch besser ist als in solchen Büchern behauptet<br />
wird. <br />
Aber ich bin mit ihnen der Meinung, wenn durch Vertreter der Kirche<br />
Fehler gemacht werden, dann soll das auch offen gelegt werden und<br />
die Schuldigen müssen auch auf jeden Fall zur Rechenschaft<br />
gezogen werden.<br />
Aber als Kirche können wir ja nicht von den Gläubigen<br />
erwarten, dass sie sich an die Maßstäbe unserer Moral<br />
halten und die Verantwortlichen können sich vor der Moral drücken.<br />
So geht es nicht.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Lehmer:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Was halten Sie von der Darstellung der Papstwahl in dem Roman von<br />
Dan Brown &#8216;Illuminati &#8216; &#8211; auch wenn die Verschwörungstheorien<br />
nicht im Sinne der Kirche sein dürften, haben so doch Millionen<br />
Leser etwas über Kirchengeschichte erfahren, oder? Sind Sie<br />
auch für den Boykott des Buches?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten: </span></span><span style="font-size: x-small">Bücher<br />
dieser Art haben den Charme, dass sie immer etwas über den<br />
Vatikan berichten, was zutrifft. Aber wie das bei Romanen so ist,<br />
entspringt auch manches, was darin beschrieben wird, der Phantasie.<br />
Aber ich bin grundsätzlich dagegen, das Bücherlesen zu<br />
verbieten. Wir haben das Recht auch Quatsch zu schreiben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Nachfrage zum Dialog mit dem Islam:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">chilla:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Was ist mit dem Dialog mit Extremisten. Der Papst hat ja in der<br />
Vergangenheit viel Takt und Verständnis gezeigt. Wird das so<br />
bleiben?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Mit Extremisten jedweder Art tun wir uns schwer einen Dialog zu<br />
führen, weil sie in der Regel nicht dialogfähig sind.<br />
Wenn sie das auf den Islam beziehen, dann muss ich mich schützend<br />
vor die meisten Gläubigen dieser Religion stellen, denn es<br />
gibt nur eine kleine Minderheit, die extremistisch ist.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">nicht_katholisch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Würden sie sich vom neuen Papst auch erhoffen, dass er so &#8216;gnadenlos<br />
&#8216; mit Kritikern umgeht wie es Johannes Paul II: das mit dem Theologen<br />
Hans Küng gemacht hat?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Bewertung, ob das gnadenlos war, sei dahin gestellt. Herr Küng<br />
hatte ein ordentliches Lehrverfahren gehabt. Dass er selbst mit<br />
dem Ergebnis nicht zufrieden war, liegt sicher nicht nur am Papst.<br />
Küng hat die Gelegeheit gehabt, seine Position zu erläutern.<br />
Kardinal Lehmann hat immer wieder darauf verwiesen, dass Küng<br />
ein faires Verfahren hatte. Es gibt sicher immer wieder theologische<br />
Fragen, die in der Kirche kontrovers diskutiert werden. Und es kann<br />
immer wieder vorkommen, dass ein Theologe irrt. Da muss ein künftiger<br />
Papst auch das Recht haben, das so zu benennen. Allerdings gebe<br />
ich gerne zu, dass in Stilfragen manches besser sein kann. Und ich<br />
würde mich auch freuen, wenn ein Dialog mit kritischen Theologen<br />
geführt wird.<br />
Denn Wissenschaft besteht auch darin, dass man mal über etwas<br />
Neues denkt ohne das gleich mit Denkverboten zu belegen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Zur Dritten Welt:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">verboomen:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der Vatikan hat eine doppelte Politik der Dritten Welt gegenüber.<br />
Er ist gegen die Globalisierung, unterstützt aber gleichzeitig<br />
Diktaturen wie Chile oder früher Spanien und sogar Waffenlieferungen.<br />
Halten Sie diese Politik für bibeltreu und klug?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Solche Politik, die sie da beschreiben, hat der letzte Papst nie<br />
betrieben. Im Gegenteil er ist weltweit für die Menschenrechte<br />
die Demokratie und den Frieden eingetreten und stand immer auf der<br />
Seite der Unterdrückten und Entrechteten.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Kommen wir gegen Ende wieder zu Ablauffragen:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Ichausberlin:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Stichwort Strategie oder Profilierung. Mit welchen Schritten wird<br />
der neue Papst in die Öffentlichkeit treten? Gibt es ein &#8216;Protokoll&#8217;,<br />
das es einzuhalten gilt? An wen, meinen Sie, wird sich der neue<br />
Papst anfänglich in erster Linie wenden?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Nachdem er gewählt ist, wird er auf dem Petersplatz zur Öffentlichkeit<br />
treten. Dieser Gang wird sicher begleitet durch Gebete. Der neue<br />
Papst kann dort sicher schon einige auch persönliche und politische<br />
oder auch theologische Worte sagen. Aber es wäre eine Überforderung<br />
für ihn, wenn er schon dabei auf eine Art Regierungsprogramm<br />
festgestellt würde. Das braucht dann sicher noch etwas Zeit,<br />
denn er wird ja sicher nicht damit rechnen, wenn er ins Konklave<br />
reingeht, dass er als Papst rausgeht.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">krak le chevalier:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Was, wenn der Islam irgendwann die Vormachtstellung in Europa einnimmt?<br />
Gibt es eine christliche Legitimation sich dagegen zu stellen oder<br />
müssen wir tatenlos zusehen, praktisch neutestamentarisch handeln?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten: </span></span><span style="font-size: x-small">Die<br />
Frage, ob das Christentum mehr als Religion bleibt, ist eine Frage<br />
der inneren Kraft der Christen. Wenn wir diese Kraft nicht mehr<br />
aufbringen, was ich bedauern würde, dann wären wir ja<br />
selbst schuld, wenn andere Religionsgemeinschaften oder Ideologien<br />
vordringen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dieter Fischer:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Es gibt leider vielerorts die Meinung, dass die päpstliche<br />
Nachfolge schon vor der Wahl feststeht. Diese Meinung hat wohl auch<br />
ihre Ursache in dem undurchdringlichen Zusammenhalt des Vatikans.<br />
Wie überraschend ist dann ein Ergebnis, das eigentlich nicht<br />
wirklich unerwartet kommt. &#8211; Sprich, wie hoch (gering) ist die Chance<br />
einen z.B. afrikanischen Papst zu bekommen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten: </span></span><span style="font-size: x-small">Die<br />
letzten Päpste waren eigentlich immer Überraschungspäpste,<br />
mit Ausnahme vielleicht von Paul den VI. Deshalb ist vielleicht<br />
auch das Konklave für Überraschungen gut. In Italien werden<br />
zur Zeit 60 Kardinale als zukünftige Päpste gehandelt,<br />
darunter auch Afrikaner. Ich persönlich kann mir gut vorstellen,<br />
dass es diesmal ein Nichteuropäer wird. Für den afrikanischen<br />
Kontinent wäre eine solche Wahl sicher ein Signal des Aufbruchs<br />
&#8211; und das wäre gut. Denn in Europa und in der westlichen Welt<br />
insgesamt wird der afrikanische Kontinent in der Außenpolitik<br />
viel zu stark vernachlässigt.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">thomas.musik:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Welchen Kardinälen räumen Sie mehr Chancen ein, aus ihren<br />
Reihen den Papst zu stellen? Denen der Kurie oder denen der Welt<br />
(also mit Bischofssitz)?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Kurienkardinäle sind vor allem für die &quot;Regierungsgeschäfte&quot;<br />
des Vatikans verantwortlich, die anderen sind Leiter einer Diözese<br />
als Bischöfe. Es muss nicht so sein das ein Kurienkardinal<br />
von vornherein keinen pastoralen Blick hat, wie umgekehrt einem<br />
Ortsbisschoff nicht von vornherein unterstellt werden darf, er könne<br />
die Kurie nicht führen. Es hängt also mehr von der Persönlichkeit<br />
ab, als von der Funktion, ob jemand geeignet ist oder nicht.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
In Sachen Papstwahl gibt es immer noch &quot;Ungläubige&quot;:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">zool667: </span></span><span style="font-size: x-small">Waren<br />
die letzten Päpste Überraschungen für das Volk oder<br />
auch eine Überraschung für die katholische Kirche als<br />
Organisation?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wenn es eine Überraschung für das Volk ist, dann ist es<br />
auch eine Überraschung für die Organisation. Denn so weit<br />
ist die Organisation doch nicht vom Volk entfernt.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Verboomen: </span></span><span style="font-size: x-small">Das<br />
Christentum hat sich nach Süd-Amerika verschoben. Gibt es nicht<br />
die Gefahr, dass das Christentum in Europa und das Christentum in<br />
Süd-Amerika sich von einander sehr trennen, innerhalb des Katholizismus?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Das ist sicher eine der großen Aufgaben des Papstes, die Kirche<br />
zusammenzuhalten und zu verhindern, dass die Kirche auseinander<br />
driftet. Er hat deshalb den Titel &quot;Pontifex Maximus&quot; –<br />
Brückenbauer. So muss er die Brücke zwischen den Kontinenten<br />
immer wieder schlagen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Sumo:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der Vatikan besteht ja nicht nur aus EINEM Menschen. Wie wird sich<br />
die Machtstruktur des Vatikans durch die Einführung eines neuen<br />
Papstes verändern? Ist das so wie in der Politik?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Da mahlen die Mühlen der Kirche meistens etwas langsamer. Das<br />
hat den Vorteil, dass es zunächst einmal in der Kirche weitergeht.<br />
Aber ich kann mir vorstellen, dass der Papst neue Akzente setzen<br />
möchte und das dann auch tut.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Sammy80:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wie empfanden Sie die Berichterstattung der Medien über den<br />
sterbenden Papst?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Berichterstattung über den sterbenden Papst war das beherrschende<br />
Thema der letzten Tage. Das was ich mitbekommen habe, fand ich sehr<br />
seriös &#8211; wobei die öffentlich-rechtlichen gründlicher<br />
waren als die privaten. Aber bei aller Liebe zur ARD war das ZDF<br />
manchmal noch besser. Was mich allerdings störte, war dass<br />
die Echo-Preisverleihung auf RTL so weiterlief als wäre nichts<br />
gewesen, nur unterbrochen durch kleine Flashs. Da sieht man doch,<br />
wie banal das ist, was manchmal über den Sender läuft.<br />
Hervorragend fand ich die Reaktion von Phoenix. Dieser Sender leistete<br />
sich den Luxus, einfach nur Glocken läuten zu lassen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Ires diae:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Herr Dr. Jüsten, wie bewerten Sie die Tatsache, dass erst nach<br />
dem Tod des Papstes eine solche Begeisterung für seine Person,<br />
seine Taten und für die Kirche &#8216;aufflammt &#8216;?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten: </span></span><span style="font-size: x-small">Es<br />
hängt sicher mit unserer Neigung zusammen, dass wir Menschen,<br />
die uns ans Herz gewachsen sind, im Tod so in Erinnerung bewahren,<br />
wie wir ihn vor allen Dingen mochten. Das ist so bei unseren nächsten<br />
Angehörigen, das erleben wir aber besonders bei herausragenden<br />
Persönlichkeiten. So erinnere ich mich an den Tod von Mutter<br />
Teresa, als die Trauer weltweit auch sehr groß war. Aber der<br />
Papst hat sicher in besonderer Weise die Herzen der Menschen angerührt,<br />
weil der die Menschen an seinem Leben immer hat teilnehmen lassen.<br />
Wenn er froh war, zeigte er seine Freude, wenn er traurig war seine<br />
Trauer, wenn er sich ärgerte zeigte er seine Wut. Und er ließ<br />
uns sogar teilhaben an seinem Sterben. Er tat das ohne Voyeurismus<br />
zu provozieren und darin war er sicher &#8211; verglichen mit anderen<br />
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens &#8211; einzigartig.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator: </span></span><span style="font-size: x-small">Unsere<br />
Zeit ist bereits um. Vielen Dank an alle User für das große<br />
Interesse. Etliche Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen<br />
Dank, Prälat Jüsten, dass Sie sich Zeit für den Chat<br />
genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten<br />
der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt es am Montag, den<br />
7. April, ab 3.00 Uhr mit SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter.<br />
Am 14. April ist die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth im Chat.<br />
Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen angenehmen Tag!</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Karl Jüsten: </span></span><span style="font-size: x-small">Auf<br />
Wiedersehen und danke für die interessanten und kritischen<br />
Fragen.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Der Vatikan nutzt das Netz für seine Ziele</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/der-vatikan-im-netz/netzkulturdossier_uebersichtsartikel_vatikanimnetz050401-shtml-2510/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Vatikan im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Vatikan]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Handy]]></category>
		<category><![CDATA[Katholische Kirche]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit professionell gemachten Websites informiert der Vatikan seine Gläubigen und wirbt für die katholische Kirche. Doch das Internet könnte zu einer Bedrohung der Herrschaftsstrukturen der Kirche werden. Tatsächlich trägt das Internet zu einer Demokratisierung der alten Kirchenstrukturen bei.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Mit professionell gemachten Websites informiert der Vatikan seine Gläubigen und wirbt für die katholische Kirche. Doch das Internet könnte zu einer Bedrohung der Herrschaftsstrukturen der Kirche werden. Tatsächlich trägt das Internet zu einer Demokratisierung der alten Kirchenstrukturen bei.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">Von bis zu zehn Millionen Besuchen pro Tag berichteten bereits zur<br />
                            <br />Weihnachtszeit 2004 die Macher der offiziellen Website des<br />
                            <a href="http://www.vatican.va/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vatikans</a>. Diese Zahlen sind in Zeiten des Todesdkampfes von Papst Johannes Paul II offenbar weit überschritten worden: Am 1. April, der Papst liegt nach Berichten aus dem Vatikan im Sterben, waren auch Unterseiten des Internetangebots nicht mehr zu erreichen. Auch die Webcam, die den Petersplatz<br />
                            <a href="http://www.vatican.va/news_services/television/multimedia/ctv28.ram" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zeigt</a>, ist nicht verfügbar.</p>
<p class="normal">Die 30 nach Erzengeln benannten Großrechner des Vatikans, die im<br />
                            <br />Apostolischen Palast einige Stockwerke unter der Wohnung des Papstes untergebracht sind, halten dem Ansturm der Gläubigen nicht mehr stand. Zwar gab es noch im Dezember 2004<br />
                            <a href="http://www.stern.de/computer-technik/internet/533654.html?nv=cp_L1_aa" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berichte</a>, wonach die Kapazität der Serverfarm verdoppelt werden sollte &#8211; ganz offensichtlich hat man es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Die ganze christliche Welt schaut auf den Vatikan, und im Jahr 2005 schaut die Welt zunächst ins Internet.</p>
<p>Auch die Kirche hat während der Amtszeit von Papst Johannes Paul die Chancen erkannt, die das neue Kommunikationsmittel ungeahnte neue Chancen der Massenansprache bietet. Bereits im Jahr 1995 schloss sich der Vatikan dem Internet an. Im Jahr 1999 gestattete der Vatikan den weltabgewandten Klöstern die Nutzung von Handys und Internet &#8211; allerdings in Maßen. Und im November des Jahres 2001 verschickte der Papst seine erste e-Mail unter den Augen der Weltpresse. In der Mail-Botschaft bat er um Vergebung für<br />
                            <br />Missetaten der katholischen Kirche in Ozeanien.</p>
<p>Inzwischen hat sich längst ein kirchliches Leben im Internet herausgebildet. Eine Website für Kircheneintritte in Zeiten des Austritts?<br />
                            <a href="http://www.kircheneintrittsstelle.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vorhanden</a>! Online-Beichte? Zwar nicht von der Kirche bereitgestellt, aber: vorhanden! Kirchliche Nachrichtendienste wie &#8220;Radio Vatikan&#8221; bieten hochaktuelle<br />
                            <a href="http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/index.asp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">News</a> in mehreren Sprachen an. Hintergründiges und Buntes über den Zwergstaat im Herzen Roms mit der eigenen Domain &#8220;.va&#8221; sind zu Hauf zu finden. Zudem plant die katholische Kirche für das Jahr 2005 ein erstes virtuelles Portal katholischer Gemeinden, auf dem Gläubiger aller Welt in Newsgroups miteinander chatten sollen.</p>
<p>Doch die erzkonservativen Kirchenfürsten können sich bei aller<br />
                            <br />Marketingprofessionalität nicht recht mit dem Medium anfreunden. Zwar sollen möglichst viele Schäfchen bei der Stange gehalten werden. Aber dass es im Internet von Sex, Seelenfängern und Verschwörungstheorien nur so wimmelt, hat sich längst auch bis nach Rom herumgesprochen. In seiner Skepsis gegenüber dem Medium gleicht der Vatikan dabei eben allen Staatsformen, die aristokratisch oder autoritär, jedenfalls nicht demokratisch legitimiert sind. Solange der Vatikan eine black box war, aus dem nur selten und oft mit<br />
                            <br />Verzögerung Nachrichten nach außen drangen, konnte die Informationspolitik leicht gesteuert werden. Doch heute sieht sich selbst der Vatikan gezwungen, Nachrichten über den Gesundheitszustand des Kirchenoberhauptes fast in Real<br />
                            <br />Time an die Öffentlichkeit weiterzugeben.</p>
<p>Der Grund: In Zeiten von Weblogs und Handys sind selbst die hohen Mauern von Vatikan-Stadt nicht mehr dicht zu halten. Vermutlich müssen die Kardinäle nun erstmals, wenn sie ihren Nachfolger in der Sixtinischen Kapelle küren, ihre Handys an der Pforte abgeben, damit weiterhin der aufsteigende schwarze Rauch aus dem Kamin den gefundenen Nachfolger deklamiert. Mit einer traditionellen Versiegelung der schweren Türen der Kapelle wird es auf jeden<br />
                            <br />Fall nicht mehr getan sein.</p>
<p>Dass Positionsbedarf besteht, hat der Vatikan bereits im Jahr 2000 erkannt, als eins von insgesamt drei Positionspapieren n (Dokumentation auf<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>) zum Umgang mit dem Internet veröffentlicht wurde. Zum einen warnt die katholische Kirche darin standardmäßig vor unseriöser Berichterstattung, Sex und Hassparolen, die sich heute schneller verbreiten können, als je zuvor.</p>
<p>Andererseits brechen die Autoren eine Lanze gegen &#8220;Kulturimperialismus&#8221; und Monopolbildung bei der Vermittlung kultureller Werte: Die Informationstechnologien könnten zwar zu einer besseren und (verteilungs-) gerechteren Welt führen. Allerdings dürfte das Internet nicht dazu führen, dass einzelne Kulturen die Definitionshoheit für gesellschaftliche Belange erlangen. Der Vatikan warnt damit vor der digitalen Spaltung und der Vormachtstellung der westlichen Welt im Internet.</p>
<p>Wie ernst gemeint diese Warnungen sind, ist nicht zu ermitteln. Der größte Teil der Internetnutzer dürften christliche Glaubensbrüder sein: So ist das eben in den USA oder Europa. Die religiöse Hegemonie im Internet wird damit derzeit noch von Werten geprägt, die der christlichen Lehre entspringen. An einer Stärkung von arabischen oder chinesischen Websites kann die katholische Kirche daher eigentlich kein Interesse haben.</p>
<p>Vom Internet könnte auch aus anderer Richtung für den Vatikan langfristig eine ernste Bedrohung seiner Struktur ausgehen. Forderungen nach einer Demokratisierung und Modernisierung der katholischen Kirche werden im Internet erhoben. Abtrünnige Glaubensgruppen innerhalb der Kirche können ihre Bewegungen weltweit vernetzen und organisieren. Auch die Gefahr eines<br />
                            <br />PR-Gaus erhöht sich durch die Vernetzung der Gläubigen: Heiss diskutiert wird zum Beispiel im Internet, ob der Boykottaufruf des Vatikans gegen das Buch &#8220;Illuminati&#8221; von Starautor<br />
                            <a href="http://www.danbrown.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dan Brown</a> gerechtfertigt sei. Brown unterstellt dem Vatikan in seinem Thriller unlautere Handlungen und erreicht damit ein Millionenpublikum.</p>
<p>Doch im Kampf um die Deutungshoheit im Netz hält der Vatikan vorerst mit: Die offiziellen Websites des Vatikans sind hochprofessionell. Selbst der erzkonservativen Opus Dei, eigentlich für extrem rückwärtsgewandte und konservative Glaubensinterpretation bekannt, erlaubt heutzutage einen Einblick in seine Arbeit durch ein<br />
                            <a href="http://www.opusdei.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet-Fensterchen</a>. Interessant wird sein, wie &#8211; im Falle des Todes von Papst Johannes Paul II &#8211; im Internet die Trauerbewältigung und die nächste Papstwahl begleitet wird. politik-digital.de wird ein Auge darauf werfen.</p>
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		<title>Papst-Kritik an Internet-Sex und Digital Divide</title>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Vatikan im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Paul II.]]></category>
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		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kluft]]></category>
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					<description><![CDATA[Kritik an der Vormachtstellung westlicher Werte im Internet - ausgerechnet der Vatikan forderte in drei Thesenpapieren eine gerechtere Welt im Netz -und warnt vor Sex, Seelenfängern und Hasspredigern. Dokumentation der Texte des "Päpstlichen Rats für die Sozialen Kommunikationsmittel".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Kritik an der Vormachtstellung westlicher Werte im Internet &#8211; ausgerechnet der Vatikan forderte in drei Thesenpapieren eine gerechtere Welt im Netz -und warnt vor Sex, Seelenfängern und Hasspredigern. Dokumentation der Texte des &#8220;Päpstlichen Rats für die Sozialen Kommunikationsmittel&#8221;.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">Der Papst über die schnelle Entwicklung der Technologie im Bereich der Medien (<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/dossier_Die_schnelle_Entwicklung_050401.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PDF-Dokument</a>, 236 KB)</p>
<p>Der Päpstliche Rat für die sozialen pKommunikationsmittel zum Thema &#8220;Kirche und Internet&#8221; (<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/dossier_Kirche_und_Internet_050401.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PDF-Dokument</a>, 64 KB)</p>
<p>Der Päpstliche Rat für die sozialen Kommunikationsmittel zum Thema &#8220;Ethik in der sozialen Kommunikation&#8221; (<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/dossier_Ethik_in_der_sozialen_Kommunikation_050401.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PDF-Dokument</a>, 116 KB)</p>
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		<title>Der Vatikan im Netz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Katholische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Papst]]></category>
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		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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