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	<title>Vermögensteuer &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Vermögensteuer &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Türkei braucht EU-Beitrittsperspektive</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Roth]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><br />
</span></b></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir die Grünen-Politikerin und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung,<br />
Claudia Roth. Sie wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten.<br />
Frau Roth, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ja, ziemlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich erneut nachdrücklich gegen<br />
eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union<br />
ausgesprochen. Eine Mitgliedschaft der &quot;türkischen Freunde&quot;<br />
überfordere die EU. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich halte diese Position für absolut falsch. Eine demokratische Türkei,<br />
die den Menschenrechten, den Minderheitenrechten, der Rechtsstaatlichkeit<br />
verpflichtet ist, muss ihren Platz in Europa haben dürfen. Europa<br />
ist nicht der Hort des christlichen Abendlandes, sondern basiert auf Menschenrechten,<br />
Grundrechten und Demokratie. Gerade nach dem 11. September wäre die<br />
Mitgliedschaft der Türkei in der EU ein Ausdruck der Stärke<br />
und ein Signal des Dialogs der Kulturen und des Dialogs der Religionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Hier bitte ich auf den 2. Teil der Frage zu achten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Wie stehen Sie zum EU-Beitritt der Türkei? Sind in der Türkei<br />
nicht Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es gibt in der Tat erhebliche Verbesserungen in der Türkei. Zum Beispiel<br />
wurde die Todesstrafe abgeschafft, wird die Folter bekämpft, gibt<br />
es den Beginn der Anerkennung der kurdischen Realität und die Zurückdrängung<br />
des Militärs aus der Politik. Also eine Dynamik der Veränderungen<br />
ausgelöst durch die EU-Beitrittsperspektive. Das reicht aber noch<br />
nicht aus. Es entscheidet nicht die Papierform von Gesetzen, sondern die<br />
Umsetzung in die Realität. Das heißt, wir müssen weiter<br />
darauf drängen, dass die ausstehenden Reformen erfolgen und das es<br />
in der Tat zu einer Überwindung von Menschrechtsverletzungen in der<br />
Türkei kommt und zum Beispiel die Rechte der Kurden voll anerkannt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie sieht das von Ihnen erwähnte Drängen konkret aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Indem die Beitrittsperspektive glaubhaft bleibt, indem auf die uneingeschränkte<br />
Erfüllung der so genannten Kopenhagener Kriterien bestanden wird,<br />
indem Defizite immer wieder aufgezeigt werden als Vorrausetzung, dass<br />
Ende 2004 konkrete Verhandlungen über den Beitritt beginnen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Guten Tag! Grundsätzlich zustimmend sieht man jedoch Presseberichten<br />
zufolge noch zu viele Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Zudem<br />
denke ich, dass es für den Moment mit der Aufnahme der zehn Beitrittskandidaten<br />
schon ein erhebliches Maß an Dialog der Kulturen gibt, das es erst<br />
einmal zu &quot;integrieren&quot; gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Die Türkei ist das Land mit der längsten Beitrittsperspektive<br />
überhaupt, beginnend 1963. Konkrete Beitrittsverhandlungen würden<br />
Jahre dauern, aber das Integrationssignal für die Türkei &#8211; und<br />
nicht zuletzt für Millionen von Menschen aus der Türkei, die<br />
bei uns leben &#8211; macht deutlich, dass sie nicht &quot;zweitklassig&quot;<br />
sind. Und dass eine säkulare Demokratie, die ihre Wurzel im Islam<br />
hat, sehr wohl Platz in Europa haben kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hannes</b>:<br />
Ist das Tempo, mit der die EU wächst, nicht zu schnell?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gute Frage. Eine Erweiterung muss immer auch Vertiefung bedeuten, so dass<br />
die Europäische Union nicht zu einem reinen Staatenbund wird. Aber<br />
&#8211; und das ist die Heuchelei, auch von Frau Merkel &#8211; ein konkreter Beitritt<br />
der Türkei in die EU wird mindestens noch 10 Jahre dauern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h</b>:<br />
Wie sehen sie die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
eines Beitritts. Und werden Sie sich als Vertreter des Deutschen Volkes<br />
an seinen Willen halten, oder orientieren Sie sich an Ihrer persönlichen<br />
Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich werde mit meiner Partei versuchen, diese Frage verantwortlich und<br />
nicht demagogisch zu diskutieren. Ich werde Ängste ernst nehmen,<br />
sie aber nicht schüren und auf die Vorteile für die EU und die<br />
Türkei immer wieder hinweisen. Für mich ist das Allerpositivste,<br />
dass es mit europäischer Politik in der Türkei zu wirklich enormen<br />
Reformen im Menschenrechtsbereich gekommen ist. Diese Dynamik darf nicht<br />
abgebrochen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dada</b>:<br />
Wie steht denn ihre Partei zu ihrer Meinung? Haben sie alle hinter sich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Auf dem gestrigen Parteitag wurde diese Frage diskutiert und mit einer<br />
Gegenstimme und einer Enthaltung meine Position unterstützt, die<br />
sagt, keinen Rabatt bei Menschen und Minderheitenrechten und keine Ausgrenzung<br />
aufgrund der Religionen der Menschen, die in der Türkei leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Bleiben wir beim Parteitag &#8211; da spielte das Thema Zuwanderung eine Rolle.<br />
Die Verhandlungen über das neue Zuwanderungsgesetz verlaufen schleppend.<br />
Knackpunkte sind vor allem die Arbeitsmigration und die Finanzierung der<br />
Integration. Am nächsten Freitag soll es eine &quot;Bereinigungssitzung&quot;<br />
geben. Was haben die Grünen als Verhandlungsmasse in der Hand?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir wollen ein Zuwanderungsgesetz, das Einwanderung regelt, das Asylrecht<br />
sichert und die Integration fördert. Deutschland braucht Zuwanderung,<br />
nicht zuletzt aus demografischen und ökonomischen Gründen. Es<br />
ist ein Standortnachteil dafür keine Regelung zu haben. Und es ist<br />
ein demokratischer Standortnachteil, wenn in Deutschland die restriktivste<br />
Anerkennungspraxis in Europa praktiziert wird. Es geht nicht nur um das<br />
ob, sondern wie ein Zuwanderungsgesetz sein wird. Die Vorschläge<br />
der Union wollen diametral das Gegenteil. Das heißt, wir stimmen<br />
nicht um jeden Preis zu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber der Vermittlungsausschuss lebt doch von geben und nehmen. Die Positionen<br />
sind klar. Was können sie geben, um zu einer Einigung zu kommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir haben schon viel gegeben, aber ein Gesetz darf erstens kein Potemkinsches<br />
Dorf sein. Es muss modern Europa-tauglich, völkerrechtskonform und<br />
zukunftsorientiert sein. Wir dürfen nicht auf Jahre eine zukunftsorientierte<br />
Zuwanderungspolitik mit einem falschen Gesetz blockieren. Dafür wäre<br />
die Union in vollem Maße verantwortlich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und was machen Sie, wenn sich Rot und Schwarz einfach über ihren<br />
Kopf hinweg einigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das wird nicht passieren. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Halten Sie Debatten um Zuwanderung in der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt<br />
für gerechtfertigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nicht nur für gerechtfertigt, sondern für notwendig. Verantwortliche<br />
Politik muss deutlich machen, dass nicht Migranten an Arbeitslosigkeit<br />
Schuld sind. Es gibt Branchen, in denen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen.<br />
Mit der Greencard-Initiative wurden im Schnitt pro Person zwei neue Arbeitsplätze<br />
geschaffen. Das heißt, es findet keine Verdrängung statt, sondern<br />
das Gegenteil. Selbstverständlich muss in Deutschland sehr viel zukunftsorientierter<br />
ausgebildet werden als bisher. Die deutsche Universität leidet unter<br />
dem restriktiven Ausländergesetz. Es fällt immer schwerer, qualifiziertes<br />
ausländisches Lehrpersonal zu bekommen. Wir brauchen aber die Internationalisierung<br />
auch der deutschen Hochschulen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius</b>:<br />
Welches sind die wichtigsten Punkte im Vorschlag der Grünen zum Zuwanderungsgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Erstens eine Punktesystem, das Einwanderung regelt. Zweitens: Die Anerkennung<br />
nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung. Drittens: Integration,<br />
die mehr als den reinen Spracherwerb bedeutet. Das ist aber mehr als eine<br />
Stakkatoantwort.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das Thema Türkei bewegt die Gemüter, deshalb:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h:</b><br />
Warum wird bei Beitrittsverhandlungen die Türkei beachtet, Russland<br />
jedoch nicht, das auch halb in Asien liegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Im Ankara-Vertrag wird seit 1963 die europäische Perspektive verankert.<br />
In der Türkei ordnen sich 90 Prozent der Bevölkerung zu Europa.<br />
In der EU leben schon jetzt Millionen von Menschen, die aus der Türkei<br />
zu uns gekommen sind und gerade Deutschland kann eine herausragende Brücke<br />
im Sinne einer starken multikulturellen, multireligiösen EU spielen.<br />
Russland, als EU-Mitglied, würde in der Tat diesen Rahmen sprengen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schweizer</b>:<br />
Was sind die Vorteile für die EU und für Deutschland?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es sind ökonomische Vorteile. Es sind aber vor allem Vorteile, die<br />
in Zeiten von internationalem Terrorismus eine Stärkung der EU durch<br />
eine demokratische Türkei als Signal gegen Terrorismus bedeuten würde.<br />
Der Anschlag auf Istanbul war ein Anschlag auf eine weltoffene, europäische<br />
Metropole. War ein Anschlag auch auf unsere Werte, auf Demokratie, auf<br />
gleiche Rechte von Mann und Frau, war ein Anschlag auf unser Lebens- und<br />
Gesellschaftsmodell und deswegen braucht die Türkei und die EU Integration<br />
und nicht Ausgrenzung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Die großen Vorteile einer europäischen Integration anerkennend,<br />
bedeutet ein Beitritt der Türkei zur EU aber auch eine gemeinsame<br />
Grenze mit dem Irak. Wie sieht der Irak in zehn Jahren aus? Hier sind<br />
im Augenblick nur Spekulationen möglich. Aber müsste eine Befürwortung<br />
des Türkei-Beitritts nicht auch bedeuten, dass sich die Bundesregierung<br />
am (heute leider noch so brenzligen) Nationbuilding im Irak beteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das Nein zum Krieg im Irak hat keinesfalls bedeutet ein Nein zu humanitärer<br />
Hilfe und zur Unterstützung des politischen Aufbaus des Iraks. Wir<br />
setzen uns im Rahmen der UN massiv dafür ein, zum Beispiel für<br />
einen schnellstmöglichen Souveränitätstransfer auf irakische<br />
Vertreter. Die Situation im Irak ist zutiefst erschütternd und deprimierend<br />
und macht leider deutlich, dass der Krieg nicht positiv gewirkt hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Leiten wir nun zum Thema Vermögenssteuer über &#8211; Benjamin mit<br />
einem interessanten Gedanken:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>benjamin</b>:<br />
Sie reden von Standortnachteil und vom ökonomischen Nutzen. Liberale<br />
Rhetorik &#8211; auch in der Partei mehren sich die Wirtschaftsliberalen? Kommt<br />
die Vermögenssteuer oder bringt die allzu starke Standortnachteile?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Also Wirtschaftsliberale bin ich sicher nicht, sondern alte Jungdemokratin.<br />
Der Standort Deutschland braucht konsequente Reformen. Diese Reformen<br />
sind nötig, um den sozialen Rechtstaat auch in der Zukunft zu erhalten.<br />
Diese Reformen sind nicht sozialer Kahlschlag, wie es Union und FDP wollen.<br />
Reformpolitik findet nur dann Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn<br />
es gerecht zugeht. Mit der Vermögenssteuer wird eine Gerechtigkeitslücke<br />
geschlossen. Es kann nicht sein, dass sich Firmen wie BMW oder Daimler,<br />
armrechnen und keinen Beitrag leisten zum Gemeinwohl diesen Landes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rothenburger</b>:<br />
Vermögenssteuer: Sind die Grünen-Linken um Ströbele unverbesserliche<br />
Anti-Kapitalisten, die den Lauf der Zeit nicht verstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nein, ich bin Anhängerin des Grundgesetzes, in dem steht, dass Eigentum<br />
verpflichtet. Und ich vermag nicht einzusehen, warum Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger<br />
ihren Beitrag leisten müssen, Vermögende aber nicht. Das hat<br />
nichts mit Anti-Kapitalismus zu tun, sondern mit sozialer Gerechtigkeit<br />
und Solidarität, mit sozialen Rechten, die die Grundlage unserer<br />
Demokratie sind. Working-Poor, Kopfpauschale, Aufhebung des Kündigungsschutzes<br />
ist nicht Lauf der Zeit, sondern ein Anschlag auf unser Gesellschaftssystem,<br />
das auch sozialen Zusammenhalt braucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ist das nicht Augenwischerei. Die Grünen-Spitze hat trotz Entgegenkommen<br />
mehr als klar gemacht, dass es eine effektive betriebliche Vermögenssteuer<br />
nicht geben wird. Es wurde auf dem Parteitag dagegen gestimmt, einen verbindlichen<br />
Gesetzesentwurf von der Bundestagsfraktion zu fordern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Der Parteitag hat sich eindeutig auch für eine betriebliche Vermögenssteuer<br />
ausgesprochen, ohne im Detail die Kriterien zu benennen. Der politische<br />
Wille ist klar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kofi</b>:<br />
Aber im Bundesrat finden sie doch keine Mehrheiten für ihre Aussagen.<br />
Jetzt schöne Reden halten kann ich auch. Aber wie sehen die Kompromisse<br />
aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Dass sie so schöne Reden halten können, freut mich. Aber die<br />
Tatsache, dass es im Bundesrat andere Mehrheiten gibt, darf nicht bedeuten,<br />
schon vorauseilend eigene Positionen aufzugeben. Wir müssen sie als<br />
machbar darstellen und notwendig für die Zukunft und damit die Blockadepatrioten<br />
der CDU/CSU unter Druck setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also doch die Beruhigungspille für ihre Parteibasis, zumindest aus<br />
Sicht von Reinhard Bütikofer und Christine Scheel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Keine Beruhigungspille, sondern politischer Auftrag an Bundesvorstand<br />
und Fraktion. Im Übrigen ist der Konsens sehr groß. Wir wollen<br />
eine Vermögenssteuer, wie sie im Detail aussieht, muss jetzt erarbeitet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jürgen</b>:<br />
Wie groß ist der administrative Aufwand, um die Vermögenssteuer<br />
einzutreiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Diese Frage unterstellt, dass er zu groß sei. Wir hatten bis 1996<br />
eine Vermögenssteuer. Ich sehe keinen Grund, sie nicht wieder einzuführen.<br />
Wenn wir wissen, wie enorm groß Vermögen in Deutschland ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Anmerkung &#8211; die Vermögenssteuer hat 1996 gerade 4,6 Milliarden eingebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gerade sagen sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nun ja, bei knapp 43 Milliarden Defizit. Aber nun letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenblumenfee</b>:<br />
Möchten Sie wieder die Grünen-Chefin werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Aus Bayern kommend sage ich, &quot;schaun wir mal&quot;. Diese Frage stellt<br />
sich nicht heute. Deswegen auch heute keine Antwort.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Unsere Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle für ihr Interesse und<br />
die zahlreichen Fragen. Es ist leider Vieles noch unbeantwortet geblieben.<br />
Dank an Sie, Frau Roth. Das Transkript dieses Chats und aller anderen<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02</span></p>
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