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	<title>Verteidigungspolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Verteidigungspolitik &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Ich bin ein Verfechter der Wehrpflicht&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 9. November 2006 war Johannes Kahrs, SPD-Bundestagsabgeordneter, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über den Libanon-Einsatz der Bundeswehr und sprach sich für den Erhalt der Wehrpflicht aus.
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 9. November 2006 war Johannes Kahrs, SPD-Bundestagsabgeordneter, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über den Libanon-Einsatz der Bundeswehr und sprach sich für den Erhalt der Wehrpflicht aus.<br />
<!--break--> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Johannes Kahrs. Er ist SPD-Bundestagsabgeordneter und unter<br />
anderem Mitglied des Verteidigungsausschusses. Darüber hinaus zählt er zu den Sprechern des Seeheimer Kreises in der SPD. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind, Herr Kahrs. Unsere Leser werden Ihnen Fragen aus allen Politikbereichen stellen. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Jawoll.
</p>
<p>
<b>tobenglisch:</b> Guten Tag Herr Kahrs. Wie ist die Stimmung momentan im Verteidigungsausschuss? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Libanon-Einsatz ein zu kritisches Thema für die große Koalition werden könnte. Da sehe ich eher beim möglichen EU-Beitritt der Türkei Probleme. Wird letzteres auch in &quot;ihrem&quot; Ausschuss intensiv behandelt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Da ich Vollmitglied im Haushaltsausschuss bin, werden wir uns garantiert mit dem EU-Beitritt beschäftigen. Insbesondere, da ich als stellvertretender Vorsitzender der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe ein großer Verfechter des EU-Beitritts der Türkei bin.
</p>
<p>
<b>Ayhan:</b> Hallo vielleicht die erste Frage: Was ist der Zweck der deutschen Soldaten im Libanon, wollen sie Israel schützen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Erstens sind wir nicht im Libanon, sondern Teil einer Koalition und haben den Aufgabenbereich Verhinderung des Schmuggels &#8211; sind also nur mit Marine anwesend. Hauptaufgabe unseres Einsatzes ist es, Waffenschmuggel in den Libanon zu unterbinden und dadurch die libanesische Zentralregierung zu stützen.
</p>
<p>
<b>jeanclaud:</b> Wie rechtfertigen Sie den Libanoneinsatz<br />
nach den letzten Zwischenfällen mit der israelischen Luftwaffe?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wichtig ist hier die große<br />
Linie, die ist weiterhin unstrittig. Probleme gibt es am Anfang<br />
eines jeden Einsatzes für alle Beteiligten. Die haben wir hoffentlich<br />
auch mittlerweile mit den Israelis geklärt.
</p>
<p>
<b>Zauberlehrling:</b> Seit wann wussten Sie von der<br />
Sechs-Meilen-Regelung? Warum wurde die Öffentlichkeit nicht<br />
früher davon in Kenntnis gesetzt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Sechs-Meilen-Regelung war<br />
für mich nie ein wesentlicher Punkt, da uns der zuständige<br />
Kommandeur der Bundesmarine versichert hat, zu jeder Zeit seinen<br />
Auftrag durchführen zu können.
</p>
<p>
<b>Markus22:</b> Herr Kahrs, in der Bevölkerung<br />
werden Auslandseinsätze der Bundeswehr zur Zeit eher kritisch<br />
betrachtet. Während im Haushalt nach wie vor Lücken klaffen<br />
und Steuererhöhungen anstehen, leistet sich der Staat mehrere<br />
Einsätze parallel. Warum muss eigentlich immer die Bundesrepublik<br />
mit ihrer außenpolitischen Verantwortung in Vorschuss treten?<br />
Gibt es keine europäischen Alternativen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die europäischen Staaten<br />
sind fast alle in unterschiedlichen Auslandseinsätzen engagiert.<br />
Ich halte es allerdings auch für wichtig, Auslandseinsätze<br />
auch einmal zu beenden. Deswegen haben wir darauf gedrungen, den<br />
Kongo-Einsatz wie vertraglich beschlossen zu beenden und den Einsatz<br />
in Bosnien herunterzufahren und auch in absehbarer Zeit zu beenden.
</p>
<p>
<b>ganoven_ede:</b> In letzter Zeit gab es zahlreiche<br />
Diskussionen über das Libanon-Mandat der Bundeswehr (Stichwort<br />
Sechs-Meilen-Zone). Kaum eine Rolle spielte jedoch bisher in der<br />
öffentlichen Diskussion die grundsätzliche Kritik, dass<br />
die Bundeswehr materialtechnisch gar nicht entsprechend ausgerüstet<br />
sei, um effizient Waffenschmuggel zu unterbinden (z.B. wegen Schiffen,<br />
die eher für die Ostsee geeignet sind und nicht schnell genug<br />
sind etc.). Wie ist Ihre Meinung dazu?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Bundesmarine kann mit dem<br />
vorhandenen Gerät den Einsatz ausführen, so der zuständige<br />
Kommandeur vor Ort. Wir haben keinen Grund, an seiner Aussage zu<br />
zweifeln. Gleichzeitig wurden vor einigen Jahren Ersatz für<br />
die Schnellboote geordert. Die ersten fünf Korvetten werden<br />
jetzt nach und nach an die Bundesmarine übergeben.
</p>
<p>
<b>setare:</b> Bitte antworten Sie auf die Frage, seit<br />
wann Sie von der Sechs-Meilen-Regelung wussten und warum die Bevölkerung<br />
nicht früher informiert wurde.
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Als Mitglied des Haushaltsausschusses<br />
war ich grundsätzlich für diesen Einsatz und hatte im<br />
Rahmen der Benachrichtigung aller Kollegen im Bundestag Kenntnis<br />
von der Sechs-Meilen-Zone. Ich habe dies aber nie als Problem angesehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Können Sie verstehen, dass jetzt<br />
über die Ablösung von Verteidigungsminister Jung spekuliert<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich glaube, dass die Diskussion<br />
unfair ist. Der Minister ist neu, hat sehr schnell zwei neue Auslandseinsätze<br />
im Parlament beschlossen bekommen und einen weiteren in Afghanistan,<br />
der zunehmend schwierig wird. Ich stimme nicht in allen Fragen mit<br />
ihm und seiner Einschätzung überein, z.B. betreffend des<br />
Einsatzes im Kongo oder der Fragen des Einsatzes von deutschen Bodentruppen<br />
im Libanon. Dies rechtfertig jedoch meines Erachtens keine Ablösung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Würden Sie Geld darauf verwetten,<br />
dass Jung die kommenden sechs Monate im Amt übersteht?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Kleine Beträge ja. Eine Kiste<br />
naturtrüben Apfelsaft wäre ich bereit zu verwetten.
</p>
<p>
<b>mokka:</b> Mal ehrlich, hundert Millionen Euro und<br />
wir fahren vor dem Libanon spazieren, während die Hisbollah<br />
ihre Waffen über Land transportiert. Wie kann man so was vor<br />
dem Steuerzahler verantworten?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wir sind als Teil einer Koalition<br />
mit dem Aufgabenbereich auf See beauftragt. Franzosen und Italiener<br />
sind u.a. im Südlibanon im Einsatz, um die Aufgabe dort durchzuführen.<br />
Auch hier gilt: Der Mix macht es.
</p>
<p>
<b>Harrypotter:</b> Haben Sie gedient?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Jawohl, Major der Reserve, deutsche<br />
Panzergrenadiertruppe. Glück auf!
</p>
<p>
<b>Andriko:</b> Der Libanoneinsatz wird bis 2007 mit<br />
ca. 193 Millionen Euro zu Buche schlagen (SPIEGEL), für den<br />
Wiederaufbau des Libanon stellt die Bundesregierung knapp 40 Millionen<br />
Euro zur Verfügung: Können Sie mir diese Verhältnis<br />
erklären?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wir sind Teil einer Koalition<br />
und die Länder, die sich am Truppeneinsatz beteiligen. Die<br />
sind in der Regel weniger am Wiederaufbau beteiligt <br />
als die Länder, die sich nicht mit Truppenteilen beteiligen.<br />
Auch hier macht es der Mix.
</p>
<p>
<b>rskorb:</b> Herr Kahrs, falls die Bundesmarine ein<br />
Schmugglerschiff aufbringt und dieses Schiff sich unter Umständen<br />
wehrt, darf dann mit Waffengewalt eingegriffen werden?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>-Simon Haber-:</b> Würde die Bundeswehr durch<br />
die Aufhebung der Wehrpflicht nicht um einiges schlagkräftiger?
</p>
<p>
<b>student81:</b> Sehr geehrter Herr Kahrs, ist die Wehrpflichtigenarmee<br />
im Angesicht der wachsenden internationalen Aufgaben noch zeitgemäß<br />
für Deutschland?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Erstens: Ich bin ein großer<br />
Verfechter der Wehrpflicht, da die Bundeswehr dadurch eine qualitativ<br />
hochwertige Armee ist. Zweitens werben wir unter den Wehrpflichtigen<br />
über 50 Prozent unserer Zeit- und Berufssoldaten. Drittens<br />
stellen sich freiwillig länger dienende Wehrpflichtige &#8211; 20<br />
Prozent der Soldaten – in den Einsatz.
</p>
<p>
<b>golfer:</b> Nach der US-Wahl gestern: Muss Deutschland<br />
jetzt auch in den Irak? Merkel wird ja bestimmt nicht wie Schröder<br />
bei einer Anfrage ablehnen.
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die große Koalition wird<br />
nur Beschlüsse in Übereinstimmung treffen. Einem Einsatz<br />
der Bundeswehr im Irak wird die SPD nicht zustimmen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was denken Sie, wird sich nach Bushs<br />
Schlappe im Irak verändern?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Amerikaner werden ihre Strategie<br />
im Irak überdenken müssen und entweder mit stärkeren<br />
Truppeneinsatz für den inneren Frieden im Irak sorgen, damit<br />
das „Nation-Building“ gelingt, oder sich in einem schrittweisen<br />
Verfahren aus dem Irak zurückziehen. Wobei ich nicht weiß,<br />
was dann passieren würde und ob dies gut wäre.
</p>
<p>
<b>JH:</b> Könnte man die Bundeswehr nicht zu einer<br />
Friedenstruppe entwickeln, die eine passive Rolle mit Waffen pflegt<br />
und sich auf die Abwendung von Auswirkungen diverser Natur und Industriekatastrophen<br />
spezialisiert?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> So etwas haben wir schon, es nennt<br />
sich Technisches Hilfswerk und wird dafür auch benutzt. Ich<br />
halte es auch nach wie vor für notwendig, eine Bundeswehr zu<br />
unterhalten.
</p>
<p>
<b>babyblue:</b> Wie können Sie als Verteidigungsexperte<br />
mit Ihrem Gewissen vereinbaren, Spenden von Rüstungskonzernen<br />
erhalten zu haben?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Zu dem Zeitpunkt, als mein Kreisverband<br />
Spenden erhalten hat, war ich nicht für den Bereich Verteidigung<br />
zuständig.
</p>
<p>
<b>mecklenburgvorpommern:</b> Sehr geehrter Herr Kahrs,<br />
Deutschland genießt in vielen Ländern der Welt einen<br />
relativ guten Ruf, da es sich aus vielen vergangenen Konflikten<br />
mehr oder weniger herausgehalten hat. Glauben Sie nicht, dass nun<br />
durch die massive Beteiligung der Bundeswehr in allen Teilen der<br />
Welt dieser Ruf und die damit einhergehende Macht als &quot;Vermittlerrolle&quot;<br />
für immer verloren gehen könnte?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wir sind als BRD immer in unterschiedlichen<br />
Koalitionen und wenn immer möglich mit UN-Mandat im Einsatz<br />
und haben das Ziel, in den jeweiligen Staaten, insbesondere im Bereich<br />
„Nation-Building“, zu helfen. Daher haben wir nach meiner<br />
Erfahrung insbesondere ein großes Ansehen. Weiterhin hat allerdings<br />
auch die Ablehnung am Einsatz im Irak unsere Position deutlich verbessert.
</p>
<p>
<b>mze:</b> Denken Sie, dass das Vertrauen in westliche<br />
Truppen gesunken ist angesichts der regelmäßigen Enthüllungen<br />
in den Medien?
</p>
<p>
<b>-Simon Haber-:</b> Wurde die &quot;Todeskopfaffäre&quot;<br />
nicht überbewertet?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich glaube, dass diese Totenkopfaffäre<br />
ein Fall für die örtlichen Disziplinarvorgesetzten ist,<br />
deren Aufgabe es ist, solchen Unsinn disziplinarrechtlich zu würdigen.<br />
Für den Ruf der Bundeswehr ist dies nie gut, lässt sich<br />
aber nur schwer bei einer Armee von 250.000 Mann dauerhaft vermeiden.<br />
So bedauerlich das auch ist.
</p>
<p>
<b>Markus22:</b> Eine Frage zum weltpolitischen Status<br />
der Bundesrepublik: Vor einiger Zeit wurde über einen dauerhaften<br />
Sitz Deutschlands im Weltsicherheitsrat beraten. Soweit ich mich<br />
erinnere, wurde dieser Vorstoß zunächst verworfen. Müssten<br />
am Ende solcher Einsätze nicht politische Zugeständnisse<br />
stehen? Oder was haben uns die ständigen Ratsmitglieder voraus?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ständige Ratsmitglieder sind<br />
stärker in UN-Entscheidungen eingebunden. Gleichzeitig haben<br />
sie natürlich auch eine größere Verpflichtung, an<br />
den Einsätzen der Vereinten Nationen teilzunehmen. Daher kann<br />
ich beide Standpunkte in dieser Frage sehr gut nachvollziehen.
</p>
<p>
<b>olivius2000:</b> Ist es für eine Partei, insbesondere<br />
der SPD, nicht generell problematisch, Spenden der Rüstungsindustrie<br />
zu bekommen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Prinzipiell können sich Parteien<br />
entsprechende Regelungen geben. Die SPD hat dies bisher noch nicht<br />
getan. Ich halte es für wichtig, dass dies immer analog der<br />
gesetzlichen Regeln geschieht.
</p>
<p>
<b>SIHa:</b> Wie können Sie es verantworten, dass<br />
wir Truppen in Usbekistan stationiert haben und so die dortige Diktatur<br />
unterstützen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Bundeswehr unterhält<br />
nur ein kleines Kontingent in Usbekistan. Dies hat mehr mit der<br />
logistischen Unterstützung für Afghanistan zu tun.
</p>
<p>
<b>Leser1:</b> Hallo Herr Kahrs. Haben Sie eine Erklärung<br />
dafür, warum Peter Struck immer wieder gegen seinen Nachfolger<br />
schießt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich habe persönlich nicht<br />
das Empfinden, dass Peter Struck gegen seinen Nachfolger schießt,<br />
sondern merke an jeder Ecke, dass er der Bundeswehr sehr verbunden<br />
ist und sie auch unterstützt.
</p>
<p>
<b>zuh?:</b> Gibt es ein spezielles Ressort &quot;Nation-Building&quot;<br />
in der Bundeswehr, wenn doch ein nicht geringer Teil der Aufgaben<br />
der Bundeswehr in den Bereich des „Nation-Building“<br />
fällt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Es gibt innerhalb der Bundeswehr<br />
zuständige Einheiten, die für diesen Bereich zuständig<br />
sind und auch den Einsatz der Nichtregierungs­Organisationen<br />
koordinieren. Ich halte es für wichtig, dass wir künftig<br />
im Deutschen Bundestag nicht mehr den Einsatz der Bundeswehr beschließen,<br />
sondern künftig das Engagement als ganzes. Dies würde<br />
bedeuten, dass sowohl das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
(Entwicklungshilfe) als auch das Innen- und Außenministerium<br />
genauso ihre Kräfte auf Auslandseinsätze richten müssen<br />
wie die Bundeswehr.
</p>
<p>
<b>mze:</b> Wie stehen sie zu einem &quot;Nation-Building&quot;<br />
in Tschetschenien?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich glaube, dass ein „Nation-Building“<br />
in Tschetschenien notwendig ist. Ich glaube aber nicht, dass sich<br />
die Bundeswehr daran beteiligen sollte, da wir derzeit an genug<br />
Auslandseinsätzen beteiligt sind.
</p>
<p>
<b>u3 member:</b> Was passiert, wenn all die vielen Bundeswehreinsätze<br />
zu viele Opfer fordern und es in Deutschland zu einer Art „Amerika-Irak-Situation“<br />
kommt? Die Leute haben genug von den Einsätzen. Darf die Bundeswehr<br />
sich auch von ihrem Mandat zurückziehen bzw. Aufgaben nicht<br />
nachkommen, wenn es zu innenpolitischen Unruhen kommt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Über den Einsatz der Bundeswehr<br />
im Ausland entscheidet der Deutsche Bundestag, also die gewählten<br />
Bundestagsabgeordneten. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee.<br />
Die Verantwortung liegt beim Parlament und deshalb glaube ich, dass<br />
es gar nicht erst zu dieser Situation kommen wird.
</p>
<p>
<b>Keetenheuve2:</b> Hallo Herr Kahrs, die SPD wirkt<br />
auf mich als eine in sich zerrissene Partei &#8211; hier die Traditionalisten,<br />
die in altlinker Manier sich für Unterdrückte und Arme<br />
einsetzen (bzw. die, die sie dafür halten) und auf der anderen<br />
Seite Pragmatiker, die sich ein bisschen links von der CDU positionieren<br />
wollen. Wie lange hält die SPD diesen Spagat noch aus?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich kann diese Einschätzung<br />
so nicht teilen. Als Volkspartei deckt die SPD immer ein Spektrum<br />
innerhalb der Bevölkerung ab, dass mindestens 50 Prozent der<br />
Bürgerinnen und Bürger anspricht und ansprechen muss.<br />
Dadurch entstehen immer wieder auch parteiinterne Konflikte. Das<br />
ist normal und Teil der demokratischen Auseinandersetzung. Das macht<br />
uns so lebendig und gut.
</p>
<p>
<b>töfte:</b> Möchten Sie Rot-Grün zurück?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wenn ich mir das wünschen<br />
dürfte, gerne. Der Wähler hat leider anders entschieden.<br />
Insbesondere dann, wenn ich Gerhard Schröder als Bundeskanzler<br />
zurückbekomme.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Wie steht es mit der<br />
FDP als künftigen Partner?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Über Koalitionen sollte man<br />
nach und nicht vor Wahlen sprechen. Wichtig ist, dass wir soviel<br />
wie möglich sozialdemokratische Inhalte durchsetzen können.<br />
Ich persönlich glaube daher, dass Rot-Grün ein Erfolgsmodell<br />
war.
</p>
<p>
<b>töfte:</b> Wie stehen Sie zu Schröders Memoiren?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Halte ich für lesenswert<br />
und gut. Es ruft in mir die Erinnerung an die Erfolge aber auch<br />
turbulenten Zeiten der rot-grünen Koalition hervor.
</p>
<p>
<b>golfer:</b> Sind die sinkenden Arbeitslosenzahlen<br />
nicht auf die Ergebnisse der rot-grünen Koalition zurückzuführen<br />
und nicht auf die der neuen Regierung?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die derzeitige Wirtschaftslage<br />
ist natürlich ein Ergebnis der rot-grünen Reformen. Reformen<br />
brauchen immer einige Zeit, bis sie wirken. Das sieht man jetzt.
</p>
<p>
<b>Henrik Hoppenstedt:</b> Sehr geehrter Herr Kahrs,<br />
das Gerangel um den EU-Beitritt der Türkei ist nach wie vor<br />
nicht geklärt. Befürworten Sie eine vollständige<br />
Aufnahme oder eine privilegierte Partnerschaft?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich bin ein überzeugter Anhänger<br />
eines gleichberechtigten Beitritts der Türkei in die EU. Analog<br />
der Bedingungen, die für alle Länder gelten. So schwierig<br />
das für die Türkei auch sein mag.
</p>
<p>
<b>kurtur:</b> Sehr geehrter Herr Kahrs, wann wird endlich<br />
die Bundeswehr gegen linke Demonstranten eingesetzt? In Hamburg<br />
zeigt sich ja, dass man mit Wasserwerfern nicht mehr weiterkommt!
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wir Sozialdemokraten lehnen den<br />
Einsatz der Bundeswehr im Inneren ab. Weiterhin glaube ich, dass<br />
ein Hamburger Senat unter Führung von Matthias Petersen mit<br />
seiner guten sozialdemokratischen Politik verhindern würde.
</p>
<p>
<b>samba:</b> Gestern haben die Wirtschaftsweisen der<br />
Bundesregierung eher schwache Ergebnisse zugeordnet. Sehen Sie das<br />
auch so? Kann die Regierung zu ihrer Anfangsstärke zurückfinden?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Wirtschaftsweisen ändern<br />
ihre Meinung viel zu häufig und sind meiner Meinung nach kein<br />
Indikator für das Land. Ich halte mich da lieber an die realen<br />
Zahlen und die werden wöchentlich besser. Glück auf.
</p>
<p>
<b>Maserati:</b> Glauben Sie, dass die Bundeswehr tatsächlich<br />
Weihnachten wieder aus dem Kongo zurück ist? So, wie Herr Jung<br />
es angekündigt hat?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Herr Jung hat das dem Bundestag<br />
so zugesagt und wir gehen davon aus, dass er sich an sein Wort hält.<br />
Alles andere würden wir missbilligen.
</p>
<p>
<b>Marian233:</b> Wo sehen Sie, als Mitglied des Seeheimer<br />
Kreises, die Zukunft der SPD? Kann die SPD die Partei der Mitte<br />
werden und somit langfristig die CDU überflüssig machen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich glaube, dass die SPD als linke<br />
Volkspartei, als Partei der abhängig Beschäftigten, gut<br />
aufgestellt ist. Wir sind als Anwalt der normalen Arbeitnehmerinnen<br />
und Arbeitnehmer unverzichtbar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat für<br />
heute. Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere<br />
Bitte um Verständnis an jene,S die wir mit ihrer Frage nicht<br />
berücksichtigen konnten. Unser besonderer Dank gilt Johannes<br />
Kahrs, der sich die Zeit genommen hat, zum Chatten ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
zu kommen. Ihnen allen wünschen wir noch einen schönen<br />
Tag.
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich bedanke mich auch für<br />
die rege Teilnahme und empfehle, bei jeder Bundestagswahl ihr Kreuz<br />
bei der SPD zu machen. Glück auf!
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
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