<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Videoüberwachung &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/videoueberwachung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Tue, 31 Jul 2018 08:31:14 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Videoüberwachung &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Smart Cities &#8211; Teil 3: Dubai</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/smart-cities-teil-3-dubai-154901/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/smart-cities-teil-3-dubai-154901/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lea Herrmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jul 2018 08:31:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentliche Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesichtserkennung]]></category>
		<category><![CDATA[Smart City]]></category>
		<category><![CDATA[Roboter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=154901</guid>

					<description><![CDATA[Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, stellt sich verstärkt die Frage nach der Sicherheit des öffentlichen Raumes. Die Wüstenstadt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Smart-Dubai.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-154902 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Smart-Dubai.png" alt="Smart Dubai, PublicDomainPictures via Pixapay, CC0, bearbeitet. Manuchi via Pixabay, CC0, bearbeitet." width="640" height="350" /></a>Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, stellt sich verstärkt die Frage nach der Sicherheit des öffentlichen Raumes. Die Wüstenstadt Dubai versucht aktuell diese Frage mit dem Einsatz von sogenannten „Robocops“ zu beantworten. Mit Hilfe von intelligenter Gesichtserkennung, Live-Videoübertragung oder eingebauten Touchpads sollen die Roboter der Polizei bei der Verbrechensbekämpfung im öffentlichen Raum helfen.</p>
<p>Im Rahmen seiner <a href="https://smartdubai.ae/en/About/Pages/AboutSmartDubai.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Smart Dubai“ Kampagne</a> hat sich die Stadt Dubai zum Ziel gesetzt, zur „glücklichsten und smartesten Stadt der Welt“ zu werden – so zumindest der Slogan der der Kampagne. Dabei sollen technologische Innovationen dazu beitragen, die Stadt „effizient, sicher und makellos“ zu gestalten. Ganz im Sinne dieses Kredos rollt seit Juni vergangenen Jahres der „Robocop“ (zu dt.: Polizei-Roboter) durch die Straßen der Millionenstadt. Der menschenähnliche Roboter soll mit Hilfe von verschiedenen technologischen Features der Polizei dabei helfen, die Stadt der Zukunft sicherer zu machen. In Zeiten von abstrakten Digitalisierungsbegriffen wie Big Data, Künstlicher Intelligenz (KI) oder Block Chains öffnet der Einsatz von Robotern einen Bereich des Fortschrittes, der weniger abstrakt erscheint. Denn roboterartige Helfer im Alltag symbolisieren das Klischee einer digitalisierten Zukunft so konkret, wie bisher wenig andere Erfindungen. Dubais „Robocop“ greift so die scheinbar verlorengegangene Debatte darüber auf, inwiefern es Robotern gelingen wird, die Zukunft durch direkte Interaktion mit dem Menschen zu verändern.</p>
<h3>Mit dem „Robocop“ zu mehr Sicherheit in der Stadt</h3>
<p>Mit seinen 1,70m, den 100kg Gewicht und der menschenähnlichen Statur erinnert der „Robocop“ durchaus an einen echten Polizisten. Eine dunkelgrüne Uniformkappe signalisiert schon von Weitem die Zugehörigkeit des Roboters, der Hände schütteln und salutieren kann. Eine Waffe trägt der neue Helfer der dubaiischen Polizei allerdings nicht. Stattdessen sollen die Robocops mit anderen technischen Features Verbrechen bekämpfen. Eine eingebaute Kamera ermöglicht beispielsweise die Gesichtserkennung vorbeilaufender Passantinnen und Passanten. Die Live-Bild-Übertragung soll der Polizei zusätzlich ermöglichen, belebte Orte in der Stadt besser zu überwachen und so beispielsweise unbeaufsichtigte Gepäckstücke schneller zu identifizieren. Ein etwa auf Brusthöhe des Roboters integriertes Touchpad soll außerdem die Kommunikation mit der lokalen Bevölkerung verbessern. Auf dem Bildschirm können verschiedene Servicefunktionen ausgewählt werden, wie beispielsweise das Melden eines verloren gegangenen Gegenstandes oder eines Unfalls. Zudem soll der Roboter in der Lage sein, Anzeigen oder Zahlungen von Strafzetteln entgegennehmen. In dringenden Fällen ermöglicht ein SOS-Button eine direkte Live-Schaltung zu einer Polizei-Zentrale in der Nähe, wie die lokale Tageszeitung <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_7zTP3LnHqc" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Khaleej Times in einem Videobeitrag</a> berichtet. Der Roboter des spanischen Herstellers Paal Robotics soll nach Angaben der lokalen Polizei allerdings kein Pilotprojekt bleiben. Bis zum Jahr 2030 plant der Golfstaat, 25% seines Streifendienstes durch den Roboter zu ersetzen.</p>
<h3>Sicherheitsgewinn oder Orwell‘sche Rundum-Überwachung?</h3>
<figure id="attachment_154905" aria-describedby="caption-attachment-154905" style="width: 192px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/REEM_1.jpg"><img decoding="async" class="  wp-image-154905" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/REEM_1-305x542.jpg" alt="REEM_1, PAL Robotics, Judith Viladomat, bearbeitet. " width="192" height="341" /></a><figcaption id="caption-attachment-154905" class="wp-caption-text">Der neue Helfer der Polizei trägt eine Uniformkappe, um seine Zugehörigkeit zu signalisieren.</figcaption></figure>
<p style="text-align: left">In Dubai ist man überzeugt von den Vorteilen des „Robocops“, vor allem von seiner Betriebswirtschaftlichkeit. Der maschinelle Helfer von morgen sei in der Lage rund um die Uhr zu arbeiten, werde nicht krank und brauche keinen Urlaub, so der Generaldirektor des Automatisierungsprogramms der lokalen Polizei <a href="https://www.reuters.com/article/us-emirates-robocop/robocop-joins-dubai-police-to-fight-real-life-crime-idUSKBN18S4K8" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters</a>. Auf der anderen Seite stößt die Vorstellung des Polizeiroboters auch auf kritische Stimmen. Vor allem die intelligente Gesichtserkennung knüpft dabei an eine Debatte an, die auch in Europa aktuell geführt wird. Die Diskussion darüber, ob mehr oder weniger Überwachung die Sicherheit im öffentlichen Raum erhöht ist, wird auch in Deutschland schon länger geführt. Spätestens seit der <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/test-zur-gesichtserkennung-an-bahnhof-in-berlin-startet-15132099.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einführung des Pilotprojektes</a> am Berliner Südkreuz, wird auch hier über die Vor- und Nachteile einer intelligenten Überwachung diskutiert. Neben der Grundsätzlichkeit der Debatte stellt sich dabei auch die Frage nach dem Datenschutz der Passanten und der observierten Personen. Wie lange werden die Aufnahmen gespeichert und was passiert mit sensiblen Daten? Muss ein explizites Einverständnis zum Filmen gegeben werden? Auch die Frage, ob ein Roboter in der Lage ist, in emotional herausfordernden Situationen das gleiche zwischenmenschliche Geschickt aufzuweisen, wie ein realer Mensch, bleibt offen. Mit der Einführung des Polizeiroboters erkundet Dubai auf vielfältige Weise bisher unentdecktes Terrain. Auch wenn sich Roboter in Bereichen wie Produktion und Fertigung mittlerweile längst etabliert haben, ist ihr Einsatz an der Schnittstelle zur direkten Interaktion mit dem Menschen nach wie vor gering.</p>
<h3>Der Roboter, dein Freund und Helfer</h3>
<p>Das US-amerikanische Magazin Forbes beschreibt den „Robo Cop“ bereits direkt nach seiner Vorstellung mit dem Adjektiv „<a href="https://www.forbes.com/sites/susannahbreslin/2017/06/03/robot-cop-dubai/#4946a9f36872" target="_blank" rel="noopener noreferrer">terrifiying</a>“ (zu dt.: erschreckend, angsteinflößend). Denn entgegen der Fiktion in Film und Fernsehen hat sich in der Realität die direkte Interaktion von Roboter und Mensch noch immer nicht etabliert. Über 35 Jahre ist es her, dass mit der Ausstrahlung der ersten Star-Wars-Filme die Idee des Roboters als Freund und Helfer der Menschen über die Leinwände flimmerte. Obwohl der Einsatz von Robotern auf vielfältige Weise helfen könnte, das Leben in der Stadt effizienter zu gestalten, dominiert noch immer eine gewisse Skepsis gegenüber den maschinellen Helfern. Laut der Medienpsychologin Martina Maar gilt es, diese Skepsis abzubauen. In einem <a href="https://www.zeit.de/2018/11/kuenstliche-intelligenz-roboter-alltag-haustier-betreuung-menschen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview mit dem ZEIT ONLINE Magazin</a> appelliert die Forscherin, Mensch und Maschinenwesen zu Freunden zu machen. Dabei liege der Schlüssel zum Glück darin, künstliche Intelligenz so zu programmieren, dass sich das menschliche Gegenüber wohlfühlt. Was schafft Vertrauen in Maschinen und wie kann dieses Vertrauen in der Roboterproduktion umgesetzt werden? Das Forschungsfeld der sogenannten „Robopsychology“ setzt sich mit genau diesen Fragen auseinander. Maar ist überzeugt: Roboter so zu programmieren, dass ihr Verhalten verständlich und vorhersehbar wird, nimmt den Menschen die Angst, von der Technik überholt oder gar ersetzt zu werden. Auch das Design des Roboters sei wichtig, so Maar. Der sogenannte „Uncanny-Valley-Effekt“ besagt, dass menschliche Züge einen Roboter sympathisch machen. Werden die Züge allerdings zu menschlich, überwiegt die Furcht vor der Maschine. Die Optik des „Robocops“ befolgt die Gesetze dieser Regel immerhin. Auch wenn der Polizei-Roboter teilweise menschliche Züge trägt, erinnert das schlichte, aus weißem Plastik geformte Gesicht klar an eine Maschine. Auch die Rollen, auf denen sich der „Robocop“ im Ernstfall schnell durch die Stadt bewegen kann, verdeutlichen auf den ersten Blick den Unterschied zu seinen menschlichen Kolleginnen und Kollegen. Wie die Bevölkerung Dubais nach einer Zeit der Eingewöhnung auf den Robocop reagiert, wird gespannt erwartet. Erste Evaluationsberichte zum Projekt „Robocop“ wurden bisher nicht veröffentlicht.</p>
<p><em><strong>Teil 4 befasst sich mit <a href="https://politik-digital.de/news/smart-cities-teil-4-wien-154912/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wiener Wohnprojekt „VIERTEL ZWEI“</a>. Die weiteren Stationen auf unserer Smart-City-Reise sind: <a href="https://politik-digital.de/news/smart-citiesteil-1-rio-de-janeiro-154888/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rio de Janeiro</a>, <a href="https://politik-digital.de/news/smart-cities-teil-2-kopenhagen-154895/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kopenhagen</a>, und <a href="https://politik-digital.de/news/smart-cities-teil-5-santander-154917/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Satander</a>. Zum Übersichtsartikel geht es <a href="https://politik-digital.de/news/smart-cities-eine-reise-durch-die-stadte-von-morgen-154873/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</strong></em></p>
<hr />
<p>Titelbild: PublicDomainPictures via <a href="https://pixabay.com/de/dubai-strand-meer-himmel-71072/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet. Manuchi via <a href="https://pixabay.com/de/hintergrund-zusammenfassung-linie-2462431/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet.</p>
<p>Bild im Text:©PAL Robotics</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/smart-cities-teil-3-dubai-154901/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jenseits von Gut und Böse &#8211; Digitale Presseschau 25/2014</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/jenseits-von-gut-und-boese-digitale-presseschau-252014-140568/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/jenseits-von-gut-und-boese-digitale-presseschau-252014-140568/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jun 2014 11:55:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Amazon]]></category>
		<category><![CDATA[BND]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienste]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Enthüllungen]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Funkzellenabfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[IT-Konzerne]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[NSA]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=140568</guid>

					<description><![CDATA[Willkommen im Internet der Quasi-Monopole! Google, Amazon &#38; Co: ganz, ganz schlimm.  Aber weniger meckern, sondern machen, fordern diese Woche [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Internet der Quasi-Monopole! Google, Amazon &amp; Co: ganz, ganz schlimm.  Aber weniger meckern, sondern machen, fordern diese Woche zwei Autoren. Wo Google versagt, bieten sich neue Möglichkeiten, und auch Amazon ist nicht „die Ausgeburt des Bösen“. Ganz böse ist aber, was die NSA in Deutschland so treibt, und das haben wir nun endlich schwarz auf weiß – Original-Dokumente statt. Die politischen Folgen dürften uns noch eine Weile beschäftigen. Beschäftigt ist auch die deutsche Polizei: Videoüberwachung und Funkzellenabfrage eröffnen neue Wege der Ermittlung. Ob das Internet allerdings neue Chancen für die Demokratie eröffnet? – Finden Sie es heraus!</p>
<h3> Video der Woche</h3>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=oKr4Gw_QOE8<br />
„Into the Wild“ &#8211; den Titel der diesjährigen re:publica muss in Europa bald vielleicht jeder beim Wort nehmen, der nicht ins Visier staatlicher Videoüberwachung geraten will. In Großbritannien schon flächendeckender Standard, wird die Überwachung des öffentlichen Raums nun auch von europäischer Seite vorangetrieben. Neue Technologien eröffnen den Staatsbeamten dabei gänzlich neue Möglichkeiten. Ein Kurzfilm des Kultursenders ARTE will uns eine Warnung sein.</p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-dokumente-von-snowden-enthuellen-standorte-in-deutschland-a-975611.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Endlich „bewiesen“: Massenüberwachung in Deutschland</a></h3>
<p>Doch auch ohne die Installation abertausender Kameras ist die Massenüberwachung der deutschen Bevölkerung längst Realität. Eine Realität, der sich die deutsche Regierung und Generalstaatsanwaltschaft bisher verschlossen haben. Kaum Aufklärung, keine Ermittlung – aus Mangel an Beweisen, hieß es. Wie unpassend, dass der SPIEGEL ausgerechnet jetzt mit einer neuen Enthüllungsoffensive für eine wesentlich klarere Beweislage sorgt. In welch umfassendem Ausmaß die NSA in Deutschland operiert, was der BND darüber weiß und inwiefern dieser sogar mit dem US-Geheimdienst zusammenarbeitet – die zum <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/snowdens-deutschland-akte-alle-dokumente-als-pdf-a-975885.html">Download</a> bereit gestellten Dokumente bergen einiges an Brisanz.<br />
<em><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-dokumente-von-snowden-enthuellen-standorte-in-deutschland-a-975611.html">www.spiegel.de</a></em></p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2014-06/funkzellen-abfrage-imsi-catcher-datenschutz-nrw" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Privatsphäre ade, hallo Funkzellenabfrage!</a></h3>
<p>Brisant ist auch, was die nordrheinwestfälische Polizei in Sachen Überwachung so auf dem Kasten hat. Nach dem Motto „Wer braucht schon Kameras, wenn sowieso jeder seine kleine Ortungsstation mit sich herumführt“ nutzt die Polizei in Deutschland in zunehmendem Maße die Möglichkeit der Funkzellenabfrage. Verbrecherortung via Handy – ist doch halb so schlimm, wenn’s hilft! Beides muss jedoch stark bezweifelt werden. Karsten Polke-Majewski informiert auf Zeit Online über das fragwürdige Verfahren.<br />
<em><a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2014-06/funkzellen-abfrage-imsi-catcher-datenschutz-nrw">www.zeit.de</a></em></p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/zukunft-von-google-wenn-das-vertrauen-verspielt-ist-1.2000913" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nicht mehr „Everybody‘s Darling“: Google</a></h3>
<p>Neue Möglichkeiten nutzen – nach diesem Motto verfährt auch Google seit Jahren und hat sich auf diese Weise vom sympathischen Start-Up zum kompromisslosen Konzern gemausert. Durch das Geschäftsgebaren des IT-Riesen bröckelt auch das Vertrauen in die Suchmaschine ganz gewaltig. Jetzt braucht es keine öffentliche Dauerschelte, sondern kreative Gegenangebote, meint Tobias Kniebe auf Sueddeutsche.de.<br />
<em><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/zukunft-von-google-wenn-das-vertrauen-verspielt-ist-1.2000913">www.sueddeutsche.de</a></em></p>
<h3><a href="http://www.carta.info/73207/das-boese-boese-amazon/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Rette sich, wer kann, vor einem Unternehmen, das Geld verdienen will!“</a></h3>
<p>Feuilletonisten, Verleger und Politiker können aber nicht nur lautstark gegen Google wettern. Auch der Onlinehandel-Gigant Amazon ist ihnen ein Dorn im Auge. Denn was Google in der Suchmaschinen-Branche, das ist Amazon im Buchhandel: Marktführer. Doch Verteufeln und Dramatisieren ist nicht angebracht. Christian Buggisch weist auf Carta.info Argumente und Verschwörungstheorien der Kritiker zurück und plädiert für weniger Schwarz-Weiß-Malerei.<br />
<em><a href="http://www.carta.info/73207/das-boese-boese-amazon/">www.carta.info</a></em></p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/internet-und-demokratie-mitmach-maschine-fuer-die-elite-1.2004200" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet = Demokratie? Ja, nein, vielleicht!</a></h3>
<p>Befördert das Internet die Demokratie? Auch bei dieser komplexen Frage sind einfache Antworten mehr als fehl am Platz. Zu vielschichtig sind die Begriffe, zu jung das Forschungsfeld und zu fluide das Untersuchungsfeld. Eine in dieser Woche veröffentlichte Studie zur Online-Partizipation ging der ewigen Streitfrage nun von Neuem auf den Grund und fand wieder nicht die eine Antwort.<br />
<em><a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/internet-und-demokratie-mitmach-maschine-fuer-die-elite-1.2004200">www.sueddeutsche.de</a></em><br />
Bild: Screenshot aus Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="378" height="66" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/jenseits-von-gut-und-boese-digitale-presseschau-252014-140568/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es gibt keine Patentrezepte gegen Terrorismus, auch niemals völlige Sicherheit&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_gibt_keine_patentrezepte_gegen_terrorismus_auch_niemals_voellige_sicherheitquot-128/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_gibt_keine_patentrezepte_gegen_terrorismus_auch_niemals_voellige_sicherheitquot-128/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 21:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Anti-Terror-Datei]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Wiefelspütz]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotes_gibt_keine_patentrezepte_gegen_terrorismus_auch_niemals_voellige_sicherheitquot-128/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Mittwoch, 6. September, <span style="font-size: x-small">war Dieter Wiefelspütz, 
innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu Gast im 
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte 
mit den Nutzern über die neue Anti-Terror-Datei, Videoüberwachung 
und die Einschränkungen der Freiheit.</span></span></span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Mittwoch, 6. September, <span style="font-size: x-small">war Dieter Wiefelspütz,<br />
innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu Gast im<br />
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte<br />
mit den Nutzern über die neue Anti-Terror-Datei, Videoüberwachung<br />
und die Einschränkungen der Freiheit.</span></span></span></span></b><!--break--></p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zu 60 Minuten tagesschau-chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist<br />
heute der SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz. Er<br />
ist innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Mit Fragen zur frisch<br />
beschlossenen Anti-Terror-Datei und generell zur inneren Sicherheit<br />
sind Sie bei ihm also an der richtigen Adresse. Herr Wiefelspütz,<br />
können wir beginnen?</p>
<p><b>pedeto:</b> Waren die versuchten Anschläge der<br />
so genannten Kofferbomber eine willkommene Gelegenheit für<br />
die Regierung, schärfere Maßnahmen der Überwachung<br />
durchzusetzen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Frage enthält eine ziemlich bösartige<br />
Unterstellung. Mich hat dieses, nur durch einen Glücksumstand<br />
missglückte Attentat sehr betroffen gemacht. Junge Leute werden<br />
nach Deutschland eingeladen, um hier ausgebildet zu werden, werden<br />
hier herzlich empfangen und kriegen es in den Kopf, völlig<br />
unschuldige Menschen in Zügen &#8211; auch sie oder ich hätten<br />
es sein können &#8211; umzubringen. Dieser Umstand besorgt mich sehr.<br />
Selbstverständlich wird es keinen Missbrauch dieses Vorfalls<br />
geben. Wer sollte denn so verrückt sein?</p>
<p><b>Moderator:</b> Eine Folge dieser Attentatsversuche ist die nun beschlossene<br />
Anti-Terror-Datei (ATD). Eine Frage dazu:</p>
<p><b>MrPink:</b> Glauben Sie, dass sich durch die Anti-Terror-Datei<br />
tatsächlich die Sicherheit erhöht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es gibt keine Patentrezepte gegen Terrorismus,<br />
auch niemals völlige Sicherheit. Das Menschenmögliche<br />
muss getan werden. Die ATD, die wir gerade beraten, wird kein Wundermittel<br />
sein, aber ein weiterer Baustein, um uns im Kampf gegen Terrorismus<br />
besser aufzustellen. Nicht mehr, nicht weniger.</p>
<p><b>MrPink:</b> Welche Daten werden denn jetzt alle in<br />
der Anti-Terror-Datei gespeichert?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es wird zunächst Grunddaten geben<br />
zur Identifizierung einer Person. Die sind für die abrufende<br />
Stelle sichtbar. Und es gibt nicht sichtbare Daten, die die Person<br />
weiter beschreiben. Diese unsichtbaren Daten werden nur als Treffer<br />
gemeldet, um dann anzufragen, ob man an die Daten herankommen darf.<br />
Der Personenkreis, der in diese ATD hineinkommen soll, wird sehr<br />
begrenzt sein. Und das ist in Deutschland zum Glück eine sehr<br />
überschaubare Zahl.</p>
<p><b>typerwriter:</b> Wie lange werden die Daten in der<br />
Anti-Terror-Datei gespeichert?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Solange die Gefahr besteht.</p>
<p><b>odysseus:</b> Was rechtfertigt diese Datei? Es werden<br />
eine Unmenge an Daten gesammelt und die eigentlichen Terroristen<br />
werden sich durch geeignete Maßnahmen doch nur der &quot;Überwachung<br />
entziehen&quot; und weiter in den Untergrund gedrängt? Braucht<br />
ein Selbstmordattentäter eine Krankenkasse, ein reguläres<br />
Bankkonto? Muss er mit Kreditkarte bezahlen und kann er nicht z.B.<br />
auch über wechselnde Internetcafes Kontakt halten?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es ist sicherlich gelegentlich ein Wettlauf.<br />
Die Kofferbombenattentäter hatten wir nicht auf dem Schirm.<br />
Das ist etwas, was mich umtreibt. Wir sammeln nicht wahllos Daten.<br />
Die Arbeit ist aber auch nicht ohne Erfolg. Wir haben in Deutschland<br />
mehrere Attentate verhindert. Das interessiert die Öffentlichkeit<br />
weniger. Sicherheitsarbeit im Kampf gegen Terrorismus ist nicht<br />
perfekt, wir sind aber auch nicht hilf- und auch nicht machtlos.<br />
Richtig bleibt aber: Den Kofferbombenanschlag haben wir nicht verhindern<br />
können.</p>
<p><b>Bobbel:</b> Glauben Sie, dass es viele Verfassungsbeschwerden<br />
geben wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das kann ich nicht ausschließen,<br />
dass der eine oder andere zum Verfassungsgericht geht. Warum denn<br />
auch nicht? Wir leben in einem Rechtsstaat.</p>
<p><b>Lennart:</b> Können Sie die Bedenken der Datenschützer<br />
verstehen? Nicht nur in Bezug auf die Anti-Terror-Datei, sondern<br />
auch in Bezug auf die Videoüberwachung?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir reden regelmäßig mit dem<br />
Datenschutzbeauftragten Herrn Schaar, den ich sehr schätze,<br />
obwohl er von den Grünen ist. Wir machen Sicherheitsarbeit<br />
in den Grenzen des Rechtsstaates und nicht außerhalb der Grenzen.<br />
Ich bin für einen klugen Einsatz auch von Videotechnik, aber<br />
gegen eine flächendeckende Videoüberwachung. Diese Auffassung<br />
hat übrigens auch heute morgen Frau Merkel in der Haushaltsdebatte<br />
vertreten. Sicherheitsarbeit muss man mit klarem Verstand und mit<br />
Augenmaß im Rahmen des Rechtsstaates machen. Die Herausforderungen<br />
neuartiger Bedrohungen annehmen, sie aber nicht mit Hektik und Panikmache<br />
beantworten.</p>
<p><b>Moderator:</b> Stichwort Videoüberwachung: Ihre Ausweitung ist<br />
noch nicht beschlossen. Wie sähe diese im Idealfall konkret<br />
aus?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Technik der Videoüberwachung<br />
darf nicht überschätzt werden, wenngleich sie ihren Stellenwert<br />
hat. Sie hat gerade bei der Aufklärung der Kofferbombenattentate<br />
sehr geholfen. Wir wollen aber die Videotechnik weiterentwickeln.<br />
Das muss ein intelligentes System werden und nicht so ein stumpfes,<br />
wie es jetzt noch ist. Sie glauben gar nicht, wie viele Stunden<br />
Durchsicht von Videobändern nötig waren, um die Attentäter<br />
zu identifizieren. Das müssen wir durch technische Weiterentwicklung<br />
erleichtern.</p>
<p><b>Klaus Trophobie:</b> Wie viele Bürgerechte (Datenschutz,<br />
Privatsphäre u.s.w.) würden sie denn opfern wollen für<br />
ein Gefühl der Sicherheit (mehr kann es ja nie sein)? Wenn<br />
man nach Amerika guckt, ist da ja von der Freiheit, die man verteidigen<br />
will, meiner Meinung nach, ja schon nicht mehr viel über.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir leben in Deutschland zum Glück<br />
in einem Staat mit einem außerordentlich hohen Niveau an Freiheit<br />
und Sicherheit. Wenn es darum geht, möchte ich nicht tauschen<br />
mit Frankreich, England, Italien und schon gar nicht mit den USA.<br />
Wir leben hier freier und sicherer als in diesen Ländern. Es<br />
gibt im Rechtsstaat allerdings eine rote Linie, die wir niemals<br />
überschreiten dürfen, da wir uns sonst gemein machen würden<br />
mit den Verbrechern. Strikt verboten sind Angriffskrieg, Folter,<br />
Einsperren ohne Gerichtsverfahren, strikt verboten ist in Deutschland<br />
auch Guantanamo. Wir bekämpfen Terrorismus innerhalb des Rechtsstaates<br />
und nicht gegen den Rechtsstaat.</p>
<p><b>Lennart:</b> Es gibt eine einen schönen Aufsatz<br />
eines amerikanischen Soziologen. Der fragt: Wer überwacht die<br />
Überwacher? Wie wird also die Kontrolle überwacht und<br />
wer soll das ausführen? Ist der Datenschutz nicht schon zu<br />
schwach in Deutschland?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich will ganz deutlich sagen, dass für<br />
mich Freiheit als Wert noch ein wenig wichtiger ist als Sicherheit.<br />
Es kann aber durchaus sein, dass viele Menschen im Lande das anders<br />
sehen. Die BRD ist kein zentralistischer Machtstaat. Bei uns gibt<br />
es viele Menschen, die jeweils ein Stück Verantwortung haben,<br />
wir haben sehr viele Kontrollmechanismen, wir haben Gerichte, aber<br />
es wird im Einzelfall immer wieder möglich sein, dass auch<br />
Fehler begangen werden oder auch Skandale möglich sind. Wir<br />
leben nicht einmal ansatzweise in einem Polizei- oder Überwachungsstaat.</p>
<p><b>Moderator:</b> Noch einmal zurück zur Anti-Terror-Datei:</p>
<p><b>alice33: </b>Muss man insbesondere ausländische<br />
Studenten stärker überwachen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es beschäftigt mich sehr, dass Terroristen<br />
in der aktuellen Situation durchweg junge Männer sind zwischen<br />
20 und 40, aus dem Nahen Osten stammen und häufig Studenten<br />
sind. Das beschäftigt uns sehr, dass aus diesem Kreis immer<br />
wieder im Einzelfall gefährliche Verbrecher auffällig<br />
werden. Wir wollen uns allerdings nicht abschotten von der Welt.<br />
Ich finde es prinzipiell großartig, dass ein Teil der Jugend<br />
der Welt in Deutschland studiert. So wie auch viele junge Deutsche<br />
im Ausland arbeiten, zur Schule gehen oder studieren.</p>
<p><b>typerwriter:</b> Wie sieht es in anderen Ländern<br />
aus &#8211; Gibt es dort schon solche Dateien? Wenn ja, gibt es Erfolge<br />
damit zu verbuchen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Jedes Land hat seine eigene Sicherheitskultur.<br />
Wir schauen sicherlich auch über den Tellerrand, aber ich bin<br />
ganz froh, dass wir hier unseren eigenen Stil entwickelt haben.<br />
Wir haben eine ausgesprochen demokratische und zivile Polizei. Es<br />
gibt aber auch in anderen Ländern Dateien.</p>
<p><b>Golem: </b>Wie steht es um Bemühungen eine europäische<br />
Anti-Terror-Einheit aufzubauen? Ein einheitliches Vorgehen dürfte<br />
doch viel größeres Gewicht haben.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich stimme ihnen ausdrücklich zu.<br />
Aber Europa ist eine Schnecke. Immerhin: Etwas Bewegung ist da.<br />
Eine europäische Polizei gibt es freilich noch nicht, aber<br />
Datenaustausch.</p>
<p><b>Moderator:</b> Nach den missglückten Kofferbomben-Anschlägen<br />
kam es plötzlich sehr schnell zu einer Einigung auf die zuvor<br />
jahrelang umstrittene Anti-Terror-Datei. Welche Bedenken hat der<br />
missglückte Anschlag ausgeräumt?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin dezidierter Auffassung, dass es<br />
keinen Zusammenhang gibt zwischen den zwei Themen. Wir hätten<br />
in dieser Woche in derselben Weise über die ATD beraten, auch<br />
ohne die Attentate. Dieses Thema ist seit einigen Wochen eingespeist<br />
und wird sicherlich unter einer größeren Anteilnahme<br />
der Öffentlichkeit wegen der gescheiterten Attentate in Berlin<br />
durchberaten.</p>
<p><b>leiprecht: </b>Ist es angesichts der wachsenden Terrorgefahr<br />
in Deutschland nicht an der Zeit, unsere Kultur klar zu definieren<br />
und jeden Migranten darauf einen Eid abgeben zu lassen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Glauben sie, dass man durch einen Eid<br />
sicher ist vor Fehlentwicklungen eines Menschen? Allerdings: Ein<br />
Mensch, der sich wirklich zu hause fühlt in Deutschland wird<br />
niemals auf die Idee kommen, seine Heimat in die Luft zu sprengen.</p>
<p><b>Nutzer:</b> Setzt die Überwachung mittels einer<br />
ATD nicht am falschen Ende an? Müssten nicht vielmehr die Wurzeln<br />
der Terrorismus bekämpft werden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich sehe hier kein „Entweder, oder“,<br />
sondern ein „sowohl, als auch“, Wenn Verbrecher unterwegs<br />
sind, muss ich sie stoppen, wenn ich eine Chance dazu habe. Gleichzeitig<br />
muss ich mir die Frage stellen: Was bringt Menschen dazu, Unschuldige<br />
in die Luft zu sprengen? Was kann ich dazu tun, diesen Sumpf, in<br />
dem das entsteht, trocken zu legen?</p>
<p><b>Horn: </b>Was wird ein Eintrag in der Datei konkret<br />
bewirken? Mit welchen Konsequenzen kann der Betroffene rechnen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das kommt im Einzelfall darauf an. Jedenfalls<br />
wird die Sicherheitsbehörde wissen, dass sie einen gefährlichen<br />
Menschen vor sich hat.</p>
<p><b>daniela_schmidt: </b>Arbeitet die Bundesregierung<br />
zu wenig mit Muslimverbänden bzw. engagiert sie zu wenige Kulturexperten<br />
der arabischen/türkischen Kultur in Gremien und bei Entscheidungsprozessen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir organisieren jetzt die Islamkonferenz,<br />
die hoffentlich dazu beitragen wird, Defizite in diesem Bereich<br />
abzubauen. Muslime in Deutschland müssen ernster genommen werden.</p>
<p><b>Iezzi_Toronto: </b>Wie glauben Sie, wird das Ausland<br />
auf die momentane Entwicklung in Deutschland reagieren? Wie wird<br />
man die aktuellen Diskussionen in den Nachbarländern auffassen?<br />
Wohlwollend, da es um mehr Sicherheit geht, oder ablehnend, da es<br />
zu verschärften Kontrollen kommen wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Unsere Nachbarländer haben mit exakt<br />
denselben Problemen zu tun wie wir auch. Ich gehe davon aus, dass<br />
man wechselseitig großes Verständnis füreinander<br />
hat. Ich glaube, dass wir allen Grund haben, in Europa was Sicherheitsfragen<br />
angeht, enger zusammen zu rücken, weil wir alle im Wesentlichen<br />
die gleichen Probleme haben.</p>
<p><b>QuellQPur:</b> Wird es allgemein Informationen über<br />
diese Datei geben, also z.B. einen regelmäßigen Bericht<br />
über die Anzahl der Personen, welche dort erfasst sind?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Jeder Zugriff auf die Datei wird automatisch<br />
dokumentiert und archiviert. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat<br />
Kontrollmöglichkeiten. Wir werden nach wenigen Jahren die Datei<br />
evaluieren und prüfen, was sie gebracht hat.</p>
<p><b>daniela_schmidt:</b> Womit &quot;qualifiziert &quot;<br />
man sich denn dafür, in die Datei aufgenommen zu werden? Was<br />
wird kontrolliert und welches Verhalten wird als gefährlich<br />
eingestuft, sodass die Person in die Datei aufgenommen wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das Entscheidende ist der Gewaltbezug.<br />
Wenn Wiefelspütz mit Gewalt seine Ziele in diesem Land durchsetzen<br />
will, kommt er in diese Datei.</p>
<p><b>Valentin:</b> Ich glaube, dass die Terrorgefahr gar<br />
nicht so groß ist. Ist es nicht eher so wie es in den USA<br />
war, dass die Angst vor dem Terror von den Politikern nur ausgenützt<br />
wird, die Privatsphäre der Menschen noch mehr einzuschränken?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich kann mit dem Begriff &quot;die Politiker&quot;<br />
überhaupt nichts anfangen. Ich bin seit 59 Jahren ein sehr<br />
freier Bürger dieses Landes und ich glaube es gibt weitere<br />
82 Millionen Bürger, die ähnlich frei sind wie ich. Was<br />
sagen sie denn den Angehörigen der Terroropfer von Madrid oder<br />
London über die angeblich nicht vorhandene Gefahr? Hat es in<br />
New York 3000 Ermordete gegeben oder was war das dort? In welcher<br />
Welt leben sie? Ich muss mich mit Wirklichkeit auseinandersetzen,<br />
das ist die erste Pflicht eines verantwortlichen Politikers.</p>
<p><b>emjay:</b> Der Große Lauschangriff hat gezeigt,<br />
dass Abhörmaßnahmen massiv und unverhältnismäßig<br />
missbraucht werden, das hat sogar das Bundesverfassungsgericht festgestellt.<br />
Wie können sie angesichts dessen glauben,, dass es mit der<br />
Anti-Terror-Datei anders läuft?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich kenne keinen einzigen Fall, wo der<br />
große Lauschangriff missbraucht worden wäre, ihre Behauptung<br />
trifft nicht zu. Das Bundesverfassungsgericht hat eine gesetzliche<br />
Regelung aufgehoben, aber nicht Missbrauch festgestellt. Selbstverständlich<br />
halten sich die Behörden an das Urteil. Wir sind doch nicht<br />
umzingelt von Missbrauch treibenden Staatsbediensteten. Wo haben<br />
sie ihre Vorurteile her?</p>
<p><b>pebcak:</b> Was meinen sie zum Recht auf informationelle<br />
Selbstbestimmung? Wie bekommt man Einsicht, welche Daten welche<br />
Behörden gesammelt haben? Und an wen sie weitergegeben wurden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben nicht nur das Grundrecht auf<br />
informationelle Selbstbestimmung, wir haben inzwischen sogar ein<br />
Informationsfreiheitsgesetz. Ich bin für eine starke Stellung<br />
des Bürgers im Hinblick auf Auskunftsrechte. Wir werden aber<br />
nicht jedem Terrorismusverdächtigen darüber informieren<br />
können, wie wir uns gegen ihn zur Wehr setzen. Es geht im Übrigen<br />
um eine sehr kleine Zahl von sehr gefährlichen Menschen, aber<br />
auch deren Grundrechte sind zu beachten.</p>
<p><b>DDW:</b> Wird nicht die Wahrnehmungsschwelle der Behörden<br />
durch die Anti-Terror-Datei enorm sinken? Wird nicht dadurch jeder<br />
junge Mensch aus Nahost permanent verdächtigt?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir müssen uns auf diejenigen konzentrieren,<br />
die wirklich gefährlich sind. Menschen unter Generalverdacht<br />
zu stellen, ist kompletter Blödsinn, hilft uns aber auch überhaupt<br />
nicht bei der Sicherheitsarbeit.</p>
<p><b>OOo42:</b> Wird die Antiterror-Datei mit ausländischen<br />
Dateien abgeglichen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Nein, das ist nicht vorgesehen und auch<br />
nicht zulässig. Wir haben aber natürlich Informationsaustausch<br />
der Nachrichtendienste und Polizeien, so dass indirekt auch Informationen<br />
einfließen können in unsere nationale Datei.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ein großes Thema bei unseren Usern ist die Rolle<br />
der Muslime. Dazu eine Frage:</p>
<p><b>Said:</b> Wie wollen Sie in der Regierung die gemäßigten<br />
Muslime stärken?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin der festen Überzeugung, dass<br />
die übergroße Mehrheit der über drei Million Muslime<br />
in Deutschland friedlich und gesetzestreu sind. Es gibt eine Reihe<br />
von Möglichkeiten, die Muslime in Deutschland ernster zu nehmen.<br />
Das ist vor allem auch Aufgabe von Integrationspolitik.</p>
<p><b>Iezzi_Toronto:</b> Wie schätzen Sie die Auffassung<br />
der Bundesbürger bezüglich mehr und schärferen Kontrollen<br />
ein? Hier in Kanada ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass<br />
man zum Beispiel bei der Aufnahme einer neuen verantwortungsvollen<br />
Aufgabe gründlich durchleuchtet wird. Muss in Deutschland vielleicht<br />
auch ein Umdenken erfolgen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> In sicherheitsrelevanten Bereichen wird<br />
auch in Deutschland sehr genau hingeschaut. Es kommt niemand mehr,<br />
um eine Beispiel zu nennen, auf das Rollfeld eines Flughafens, ohne<br />
eine gründliche Überprüfung seiner Zuverlässigkeit.</p>
<p><b>Dr.Ingolfsen:</b> Sehr geehrter Herr Wiefelspütz,<br />
sehen Sie die Sicherheitskräfte &#8211; BKA, BND und BfV &#8211; gut in<br />
Deutschland aufgestellt, oder bedarf es möglicherweise an Nachbesserungen,<br />
speziell auch in finanzieller Hinsicht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben erhebliches investiert im Bereich<br />
unserer Sicherheitsbehörden. Ich bin schon beeindruck von der<br />
Qualität unserer Mitarbeiter in diesen Bereichen, aber wir<br />
sollten uns wechselseitig anspornen, noch besser zu werden. Insgesamt<br />
haben wir bei unserer Polizei ein bemerkenswert hohes Niveau. Denken<br />
sie bitte an die Art, wie sich die Polizei bei der WM präsentiert<br />
hat.</p>
<p><b>Moderator:</b> Direkte Anschlussfrage:</p>
<p><b>emjay:</b> Ist nicht laut Verfassung eine strikte<br />
Trennung von Polizei und Geheimdiensten geboten? Sie geben gerade<br />
zu, dass sie es aufweichen wollen.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das Trennungsgebot gebietet, dass organisatorisch<br />
Geheimdienste von der Polizei getrennt sind und das werden wir auch<br />
aufrecht erhalten. Aber es gibt eine gesetzliche Grundlage für<br />
Informationsaustausch. An diesen Grundlagen werden wir nichts ändern.<br />
Deswegen passt die ATD in dieses System hinein, ohne es zu verändern.<br />
Im Übrigen darf man das Trennungsgebot auch nicht überschätzen.<br />
Andere Rechtsstaaten kennen ein solches Gebot nicht. Der Chef von<br />
BKA und Bundesamt für Verfassungsschutz ist immer ein und derselbe<br />
Bundesinnenminister. Ist ihnen das schon einmal aufgefallen?</p>
<p><b>brownie:</b> Mal kurz weg von der ATD: Befürworten<br />
Sie einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren? Unter welchen Bedingungen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Bundeswehr ist nicht die Reservepolizei<br />
des Landes. Wenn wir nicht genug Polizei haben, sollten wir mehr<br />
einstellen. Die BW darf schon jetzt beim Katastrophenschutz helfen<br />
(Elbehochwasser), sie darf bei der WM helfen, das ist alles kein<br />
Problem. Aber sie darf eben nicht als Polizei missbraucht werden.<br />
Daran werden wir festhalten.</p>
<p><b>cod:</b> Ich komme aus Leipzig und angesichts unserer<br />
stark frequentierten Bahnhofspromenaden eine Frage: Gibt es Überlegungen<br />
der Gepäckkontrolle vor dem Betreten von (so großen)<br />
Bahnhöfen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das wird nicht leistbar sein. Die Bahn<br />
transportiert pro Tag über vier Million Gäste, es gibt<br />
über 5000 Bahnhöfe. Wenn wir die großen kontrollieren<br />
würden, was passiert mit den kleinen? Hier wird deutlich, dass<br />
uns auch Grenzen gesetzt sind. Wenn sie nur jeden Fluggast eine<br />
Minute genau überprüfen würden, könnten wir<br />
den Flugverkehr einstellen.</p>
<p><b>Moderator:</b> In Leipzig sollen künftig Hartz-4-Empfänger<br />
als Zugbegleiter eingesetzt werden, das Projekt wurde vergangene<br />
Woche vorgestellt. Setzt sich Bundesminister Tiefensee doch noch<br />
mit seinem Vorschlag durch, Hartz-4-Empfänger für die<br />
innere Sicherheit einzuspannen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich habe kein Problem damit, wenn mehr<br />
Sauberkeit organisiert wird auf Bahnhöfen, wenn gehbehinderten<br />
Menschen geholfen wird, den Zug zu betreten oder zu verlassen. Harte<br />
Sicherheitsarbeit kann aber nur von Profis geleistet werden.</p>
<p><b>Edda Peters:</b> Sie haben in &quot;Hart aber Fair<br />
&quot; vor weit über einem Jahr zugesagt, sich für eine<br />
neue Diätenlösung und für Offenheit bei zusätzlichen<br />
Engagements der MdBs einzusetzen. Mit welchem Ergebnis?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich setze mich weiterhin dafür ein.<br />
Das Thema ist leider vertagt worden. Darüber bin ich nicht<br />
sehr glücklich. Ich füge allerdings hinzu, seit dem 1.1.2003<br />
sind die Diäten nicht mehr angehoben worden.</p>
<p><b>Moderator:</b> Und noch einmal zu den Bahnhöfen:</p>
<p><b>Hurtz:</b> Ist es richtig, dass man auf deutschen<br />
Bahnhöfen nun jederzeit damit rechnen muss, dass man mein Gepäck<br />
durchsucht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich fahre selber sehr viel mit der Bahn.<br />
Die einzige Veränderung, die ich festgestellt habe, ist der<br />
Lautsprecherhinweis, auf herrenloses Gepäck zu achten. Etwas<br />
anderes habe ich noch nicht gespürt. Da wird auch deutlich,<br />
dass es im Alltag ganz schwer ist, etwas zu bewegen. Vielleicht<br />
ist das aber auch gut so.</p>
<p><b>alice33:</b> Wie werden die Sicherheitskontrollen<br />
an Flughäfen zukünftig aussehen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben erhebliches investiert in Deutschland<br />
um auf diesem Sektor besser zu werden. Es gibt auch technologische<br />
Entwicklungen. Wir haben inzwischen einiges erreicht, werden aber<br />
versuchen, weitere Lücken zu schließen. Ich kann nicht<br />
ausschließen, dass wir über die Mitnahme von Handgepäck<br />
an Board eines Flugzeuges neu nachdenken müssen. Die Sicherheitsdebatte<br />
ist dort aber noch lange nicht abgeschlossen. Bei Kontrollen müssen<br />
wir auch immer wieder auf die Würde der Menschen achten.</p>
<p><b>simpson:</b> Welche Klauseln gibt es, um die Terrorgesetze<br />
bzw. ihre Einschränkung der Bürgerrechte später wieder<br />
zu beenden? Gibt es Fristen oder soll ein neuer Status Quo geschaffen<br />
werden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin kurzsichtig, aber nicht blind.<br />
Schon gar nicht folge ich blind irgendeiner Politik, sondern ich<br />
habe einen eigenen Gestaltungswillen. Der Staat hat für die<br />
Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. Diese Sicherheitsarbeit<br />
muss mit Augenmaß erfolgen, aber durchaus entschlossen. Ich<br />
bitte sie herzlich, Mörder nicht zu verharmlosen.</p>
<p><b>dersprecher:</b> Ist das grundlegende Problem nicht<br />
etwa die unzureichende Integration der ausländischen Bevölkerung?<br />
Wie kann es sein, dass Türken seit über 20 Jahren in Deutschland<br />
leben und zum Teil noch kein Deutsch sprechen? Der Staat muss doch<br />
eine solchen Parallelgesellschaft verhindern.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Haben sie schon einmal nachgedacht über<br />
die Gründe für die Parallelgesellschaft der Deutschen<br />
auf Mallorca? Ich will aber hier auch gar nicht ausweichen. Wenn<br />
Studenten kurzzeitig in Deutschland leben und hier sich terroristisch<br />
entwickeln, hat das nicht unbedingt etwas mit Integration zu tun,<br />
weil die auch gar nicht hier bleiben wollen. Ich betone aber ausdrücklich:<br />
Integration ist das ganz große gesellschaftliche Thema der<br />
Gegenwart und Zukunft! Wir müssen auf diesem Sektor deutlich<br />
besser werden. Das gilt für alle.</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat. Wir bedanken uns<br />
bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Dieter Wiefelspütz, der<br />
sich für uns Zeit genommen hat. Der nächste Chat findet<br />
am übernächsten Donnerstag, den 21. September, statt.<br />
Unser Gast ist dann ab 13 Uhr der CDU-Bundestagsabgeordnete Laurenz<br />
Meyer. Das letzte Wort gehört Ihnen, Herr Wiefelspütz.<br />
For more info please visit : <a style="text-decoration: none" href="http://www.howtopatentsomething.org"><font color="#555555">http://www.howtopatentsomething.org</font></a></p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich mach das unheimlich gerne,<br />
mich mit ihnen auseinander zu setzen. Das wichtigste ist, dass wir<br />
uns alle miteinander interessieren für Demokratie. Ich bedanke<br />
mich bei jedem, der sich beteiligt hat. Eine wunderbare Stunde.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_gibt_keine_patentrezepte_gegen_terrorismus_auch_niemals_voellige_sicherheitquot-128/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bundestag modernisiert Datenschutzrecht</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/der-bundestag-erforscht-die-netzbasierte-kommunikation/econsumerdatenschutzgesetz-shtml-2438/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/der-bundestag-erforscht-die-netzbasierte-kommunikation/econsumerdatenschutzgesetz-shtml-2438/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ulrich Hottelet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jan 2000 20:58:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Bundestag erforscht die netzbasierte Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitätsmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetzgebung]]></category>
		<category><![CDATA[Zertifizierung]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesdatenschutzgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutzaudit]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Datenschutzrichtlinie]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Europäisches Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/econsumerdatenschutzgesetz-shtml/</guid>

					<description><![CDATA[Das Parlament hat am 6. April die Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes einstimmig verabschiedet. Wesentliche Neuerungen sind die Einführung eines freiwilligen Datenschutzaudits für Unternehmen und die Regelung der Videoüberwachung durch private Stellen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Parlament hat am 6. April die Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes einstimmig verabschiedet. Wesentliche Neuerungen sind die Einführung eines freiwilligen Datenschutzaudits für Unternehmen und die Regelung der Videoüberwachung durch private Stellen.<!--break--><br />
Mit der einstimmigen Verabschiedung der Novelle zum Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) hat der Bundestag einen maßgeblichen Schritt zur Umsetzung der EU-Datenschutzrichtlinie von 1995 getan. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern in Europa, in denen dies noch aussteht. Im Mai wird sich nun der Bundesrat mit der Novelle befassen. Die Änderung des BDSG ist die erste Stufe bei der geplanten Modernisierung des Datenschutzrechts. In einer zweiten Stufe will die Bundesregierung ein Informationsfreiheits-Gesetz erlassen, zu dem bis Sommer ein Referentenentwurf vorliegen soll.<br />
Wesentliche Säulen des geänderten BDSG sind die Einführung eines freiwilligen Datenschutz-Audit für Unternehmen, die Regelungen zur Videoüberwachung durch private Stellen und das Gebot der Datensparsamkeit. Während sich Rot-Grün von einem Datenschutz-Audit eine Stärkung von Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verspricht, lehnte die Union das Audit mit Hinweis auf die hohen Kosten für die Wirtschaft ab. Zwar sei der Erwerb eines Zertifikats für die Qualität der getroffenen Datenschutzmaßnahmen freiwillig, letztendlich laufe es für die Betriebe aber auf eine Art &#8220;freiwilligen Zwangs&#8221; hinaus, hieß es dazu am Mittwoch bei der Beratung im Innenausschuss. Die Unternehmen seien in dieser Frage gespalten. Welche Mindeststandards das Audit enthalten soll, muss noch durch ein Ausführungsgesetz festgelegt werden.<br />
Für die Videoüberwachung in öffentlich zugänglichen Räumen wie Einkaufspassagen, Bahnsteigen und Museen regelt die Novelle, zu welchen Zwecken Kameras eingesetzt werden dürfen und wann die Aufnahmen gelöscht werden müssen. Während die Union für ein Mehr an Videoüberwachung plädierte, lehnte die PDS sie grundsätzlich ab. Rot-Grün vertritt mit der Gesetzesfassung eine mittlere Position. Die Regierungskoalition wende sich gegen eine &#8220;flächendeckende&#8221; Kontrolle durch Videokameras, sagte Johannes Kollbeck, Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss, Mitglied im Innenausschuss und Vorsitzender des Unterausschusses Neue Medien.<br />
Das Gebot der datenminimierenden Datenverarbeitung hält Professor Alfred Büllesbach, weltweiter Datenschutz-Beauftragter von DaimlerChrysler, für die Wirtschaft für &#8220;unproblematisch&#8221;. &#8220;Wir haben das im Vorfeld lange in den Gremien diskutiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dies für die Wirtschaft zu keinen hohen Kosten führt&#8221;, sagte er. Kollbeck wies darauf hin, dass es schon heute eine &#8220;Zweckbindung&#8221; der Datenverarbeitung gebe und das Minimierungsgebot dies lediglich klarstelle. Dennoch müssten aber die Betriebe künftig neue Datenverarbeitungsprozesse entwickeln, die dies berücksichtigten.<br />
Sobald die noch ausstehenden Mitgliedsstaaten die EU-Richtlinie in ihr nationales Recht umgesetzt haben, gilt europaweit für alle Bürger ein einheitliches Datenschutzniveau. Die vom Bundestag verabschiedete Novelle hebt im Gegensatz zur alten Fassung des BDSG die Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Stellen auf. Bereits im vergangenen Jahr hat die Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder an Bundestag und Bundesrat appelliert, das Gesetzgebungsverfahren zügig und ohne Abstriche zum Abschluss zu bringen. Die Anpassung des deutschen Datenschutzrechts an die Vorgaben der EU-Richtlinie sei &#8220;längst überfällig&#8221;, hieß es in einer Entschließung der Konferenz. Sowohl das Gebot der Datensparsamkeit als auch das Datenschutzaudit werde die Durchsetzung datenschutzfreundlicher Lösungen im Wettbewerb erleichtern und trage so zur Selbstregulierung des Marktes bei. Das Audit ermögliche es den Unternehmen, datenschutzkonforme Angebote und Verhaltensweisen nachprüfbar zu dokumentieren und damit einen Wettbewerbsvorsprung zu gewinnen.<br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/der-bundestag-erforscht-die-netzbasierte-kommunikation/econsumerdatenschutzgesetz-shtml-2438/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich sehe was, was du nicht siehst</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/ich_sehe_was_was_du_nicht_siehst-932/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/ich_sehe_was_was_du_nicht_siehst-932/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[sopitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Big Brother]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehshow]]></category>
		<category><![CDATA[Reality TV]]></category>
		<category><![CDATA[RTL 2]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/ich_sehe_was_was_du_nicht_siehst-932/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
In der Nähe von Köln hat RTL 2 einen Wohncontainer inklusive kleinem
Garten so mit Mikrofonen und Kameras vollgestopft, dass es darin keinen
unbeobachteten Fleck mehr gibt.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
In der Nähe von Köln hat RTL 2 einen Wohncontainer inklusive kleinem<br />
Garten so mit Mikrofonen und Kameras vollgestopft, dass es darin keinen<br />
unbeobachteten Fleck mehr gibt.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Soll es ja auch nicht, denn schließlich<br />
wird hier Totalitarismus gespielt. Weil alle zusehen. Das ganze trägt<br />
affirmativ den Titel „Big Brother“ und wird als Doku-Soap angepriesen.<br />
Das neue Fernseh-Paradigma macht Schule und die Folgeprojekte sind<br />
bereits angekündigt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dabei ist Big-Brother in Wirklichkeit alles andere als ein Novum&#8230;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>„Gab`s schon Zoff?“</b> (Bild-Zeitung)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Irgendwann in den achtziger Jahren muss es gewesen sein, als in den<br />
Medien über einen aufsehenerregenden Zwischenfall in den Weiten der<br />
damals noch sowjetrussischen Tundra berichtet wurde. Angeblich hatte ein<br />
ganzes Dorf dort beobachten können, wie vor seinen Toren ein seltsames<br />
Flugobjekt gelandet sei. Aus diesem sahen die verdutzten Zeugen dann Wesen<br />
steigen, deren überdurchschnittliche Größe ihnen besonders auffiel. Nach<br />
der Entnahme von Bodenproben soll das raketenähnliche Gefährt wieder gestartet<br />
sein; es kam zu keiner direkten Begegnung. Interessant an dieser Geschichte war neben<br />
dem Vorfall selbst vor allem ein Interview mit einer älteren Dorfbewohnerin.<br />
Gefragt, ob sie der Zwischenfall überrascht habe, erklärte sie den Journalisten,<br />
dass die Erde Teil einer großen Versuchsanordnung sei. Unser Planet befände sich<br />
gewissermaßen in einem Reagenzglas von Außerirdischen, die nun von außen gespannt<br />
den merkwürdigen Reaktionen zusähen. Wenig später wurde diese Vorstellung im Kleinen<br />
umgesetzt.<br />
In ein Glashaus eingesperrt ging es für eine Gruppe von Menschen darum, sich von<br />
der mit ihnen eingesperrten Natur zu ernähren. Das Ganze Projekt trug den<br />
Namen „Biosphäre 2“ und scheiterte.<br />
Doku-Soaps wie „Big Brother“, die gegenwärtig den letzten Stand der Fernsehunterhaltung<br />
markieren reanimieren derartige Versuchsanordnungen. Mit dem Unterschied allerdings,<br />
dass hier neben den Außerirdischen auch ganz normale Erdenbürger die Langzeitstudie<br />
verfolgen können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&quot;Back to the basics&quot;</b> (RTL2 Werbeslogan)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Aufgabe des Kulturkritikers ist eine undankbare. Besonders die Vertreter der<br />
kritisch-marxistischen Philosophie wie Theodor W. Adonrno und Max Horkheimer<br />
müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, den anderen den Spass verderben zu wollen.<br />
Sie beschreiben in ihrer Kulturtheorie, wie die passiven Individuen einer politischen Totalisierung<br />
von Ökonomie und Kultur nicht entrinnen können. Die Konsumenten würden<br />
vielmehr manipulativ stillgestellt; &quot;die Kulturindustrie plant das<br />
Glücksmoment ein und exploitiert es&quot; (Adorno). Auf etwas andere, trivialere<br />
Weise argumentieren derzeit die staatlichen Medienvertreter angesichts der<br />
neuen Fernsehformate. Mit großer humanistischer Geste beklagen sie die<br />
Verletzung der Menschenwürde. Zwar ist niemand wirklich dazu in der Lage,<br />
diese nun für den Einsatz gegen die Privatsender griffig zu präzisieren;<br />
dafür stellt sie zweifellos das höchste Verfassungsgut dar &#8211; darunter geht es<br />
scheinbar nicht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Man sollte derartige Argumente sicherlich weiter pflegen. Aber um eine<br />
entscheidende Dimension von Sendungen wie Big Brother zu verstehen, sind<br />
beide Denkrichtungen ungeeignet. Den Verfechtern der Menschenwürde wäre<br />
fragend entgegenzuhalten, ob Selbstbestimmung nicht auch ein wichtiger Aspekt<br />
eben dieser Würde sei. Und im Gegensatz zu der Passivität, wie sie die<br />
Kritische Theorie den Konsumenten zuschreibt, wissen die Menschen<br />
größtenteils sehr genau, was hier gespielt wird. Wüssten sie es nicht, würden<br />
die Namen und Konzepte der Sendungen es ihnen schon sagen. Die Schleppen<br />
nämlich so einiges an Konnotationen mit sich herum: den Orwellschen<br />
Überwachungsstaat genauso wie den Goldingschen Horror vor den Abgründen der<br />
menschlichen Natur. Untersucht werden müsste deshalb vielmehr, wieso sich die<br />
Menschen derart lustvoll einem brutalen Auge unterwerfen, dem nichts entgeht.<br />
Was bindet sie an derart &quot;leidenschaftliche Abhängigkeiten&quot; (Butler)? Denn<br />
soviel steht fest:  Wir haben es in erster Linie nicht mit einem rein<br />
repressiven Regime zu tun, gegen das die Teilnehmer kämpfen sollen; eher mit<br />
einer obszönen Konstellation, die den Kick aus dem wissenden Befolgen von<br />
Regeln generiert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>„Überall ist der Blick auf der Hut“</b> (Michel Foucault)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wie aber funktioniert das Prinzip der Überwachung selbst? Kluge Antwort<br />
auf diese Frage hält wie so oft Michel Foucault mit seiner Analyse des<br />
sogenannten Panoptikons bereit. Von dem Moralphilosophen Jeremy Bentham<br />
im 18. Jahrhundert entworfen, war diese architektonische Anordnung vor<br />
allem für Gefängnisse prädestiniert: Von einem<br />
Wachturm in der Mitte der Anlage aus sollen die Wächter einen idealen<br />
Einblick in die Zellen haben, die in einem konzentrischen Kreis um den<br />
Turm<br />
herum angeordnet sind. Entscheidend ist nun, dass die Architektur selbst<br />
eine<br />
Asymmetrie des Blicks installiert; sie setzt die Insassen einer totalen<br />
Sichtbarkeit aus, ohne diese im Gegenzug ihre Beobachter sehen zu<br />
lassen.<br />
Auch wenn kein Aufseher im Turm sitzt, müssen die Insassen mit dem<br />
kontrollierenden Blick rechnen. Die Architektur selbst gewährleistet<br />
demnach die lückenlose Überwachung, die in letzter Konsequenz eine<br />
Selbstüberwachung der Häftlinge ist. Viel Phantasie gehört nun nicht<br />
dazu, dieses äußerst effektive und zugleich ungemein kostengünstige<br />
Prinzip der eigenen Unterwerfung in der Anlage von Big Brother zu<br />
erkennen. Die meisten Kameras befinden sich hinter einseitig<br />
verspiegelten Scheiben, und die Wahrscheinlichkeit, in die recht kurze<br />
TV-Zusammenfassung zu kommen ist, auf den Tag umgerechnet, auch nicht<br />
besonders groß. Dennoch dürften die Teilnehmer den kontrollierenden<br />
Blick<br />
schon internalisiert haben. Falls nicht, gibt es ja außerdem das<br />
Internet. Big Brother teilt jedoch noch eine weitere Eigenschaft mit<br />
Benthams<br />
Entwurf. So sehr es nämlich für das reibungslose Funktionieren des<br />
Panoptikons<br />
egal ist, wer im Turm steht, so sehr wird ebenfalls Big Brother<br />
demokratisch regiert. Schließlich dürfen sowohl die Zuschauer als auch<br />
die Teilnehmer abstimmen. Gleichzeitig<br />
herrscht wie in der wirklichen Welt der bedingungslose kapitalistische<br />
Konkurrenzkampf. Dass die Probanden sich dabei Konsensmechanismen<br />
bedienen, die wir alle aus unseren WGs kennen, sollte nicht verwundern;<br />
wirklich<br />
effiziente Unternehmen arbeiten heute genau so. Demokratie, Kapitalismus<br />
und natürlich Totalismus erfahren hier also ihre wundersame Synthese ­<br />
eine<br />
Synthese übrigens, deren Möglichkeit vom Mainstream der gegenwärtigen<br />
Politikwissenschaft noch vehement bestritten wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Der Himmel, der sich über uns wölbt, gibt sein Leuchten an die<br />
Bildschirme ab</b> (Paul Virilio)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Big Brother vollzieht eine längst erfolgte  Entwicklung im Kleinen nach.<br />
Erinnern wir uns nur an die Begründung der NATO-Angriffe auf<br />
Ex-Jugoslawien. Das Pentagon behauptete damals, es verfüge über<br />
Satellitenbilder, mit denen die Existenz von Massengräbern im Kosovo<br />
bewiesen sei;<br />
Dem Pentagon untersteht die National Imagery and Mapping Agency<br />
(NIMA). 10000 Mitarbeiter arbeiten angeblich dort, um sämtliche von<br />
militärischen Satelliten aufgenommenen Fotos zu zentralisieren. ³Global<br />
Information Dominance²:  Letztendlich ist es das Auge der Menschheit,<br />
das<br />
längst schon über den Erdteilen wacht; das Auge Gottes hat damit<br />
Gesellschaft bekommen. Bei allem totalitären Horror ist dies auch ein<br />
wunderbares Bild der Stille und der Klarheit des Weltraums. Und wäre das<br />
nicht auch im Fernsehen schön: Sich dort auf RTL 2 nach dem ewigen „Big<br />
Brother“-Logo und dem dauernden Jingle eine dreiviertel Stunde des<br />
Schweigens anzusehen? Menschen, denen ihre Sprache für das gelangweilte<br />
Publikum<br />
zu schade ist? Das wäre wohl eine Utopie der Doku-Soap. Und ein kleiner<br />
Trost.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/ich_sehe_was_was_du_nicht_siehst-932/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Preis für schwarze Daten-Schafe</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/preis_fuer_schwarze_daten_schafe-904/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/preis_fuer_schwarze_daten_schafe-904/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[fstegers]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Postgeheimnis]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Verbraucherschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Big Brother Award]]></category>
		<category><![CDATA[Datenspeicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Payback-Karte]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/preis_fuer_schwarze_daten_schafe-904/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>An prominenten Preisträgern mangelte es nicht, als am vergangenen
Donnerstag in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Big Brother Awards 2000
verliehen wurden. Die Gewinnern blieben den Preisverleihungen jedoch lieber
fern und schickten meist nicht einmal eine Erklärung an die Preisverleiher.
Grund für das unfeine Benehmen: Die Auszeichung gab's für Firmen,
Institutionen und Einzelpersonen, die durch Datenmissbrauch oder Verletzung von
Bürgerrechten die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen.</b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>An prominenten Preisträgern mangelte es nicht, als am vergangenen<br />
Donnerstag in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Big Brother Awards 2000<br />
verliehen wurden. Die Gewinnern blieben den Preisverleihungen jedoch lieber<br />
fern und schickten meist nicht einmal eine Erklärung an die Preisverleiher.<br />
Grund für das unfeine Benehmen: Die Auszeichung gab&#8217;s für Firmen,<br />
Institutionen und Einzelpersonen, die durch Datenmissbrauch oder Verletzung von<br />
Bürgerrechten die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen.</b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Preisverleihungen in Deutschland und der Schweiz waren Premieren. In<br />
Österreich waren bereits 1999 Big Brother Awards verteilt worden. Die<br />
dortigen Ausrichter hatten entsprechend auch die professionellste Website der drei<br />
nationalen Komittees aufzuweisen und übertrugen Preisverleihung und<br />
anschließende Party per Videostream ins Netz.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Undurchsichtig: Die Payback-Karte</b><br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In Deutschland ging es ernster zur Sache: Der Preis solle vor allem als<br />
Anstoß zur Diskussion dienen, so die Meinung des Haupt-Initators <a href="http://www.foebud.org/" target="_new" rel="noopener noreferrer">FoeBud e. V.</a><br />
aus Bielefeld. Beteiligt waren an der Organisation<br />
außerdem die <a href="http://www.aktiv.org/DVD" target="_new" rel="noopener noreferrer"> Deutsche Vereinigung für Datenschutz e.V.</a>, der <a href="http://www.ccc.de/" target="_new" rel="noopener noreferrer">Chaos Computer Club e.V.</a><br />
und <a href="http://www.fitug.de/" target="_new" rel="noopener noreferrer">FITUG e.V</a>. Eine von ihnen bestimmte Jury sichtete und überprüfte die bis Ende<br />
September eingegangenen Nomierungsvorschläge. Ausgezeichnet wurden auf der<br />
Preisverleihung am vergangenen Donnerstag in Bielefeld schließlich Datensünder in<br />
sieben Kategorien: Im Bereich Business und Finanzen ging der deutsche Big<br />
Brother Award &#8211; eine mit einem Bleiband gefesselte und von einer Glasscheibe<br />
zerteilte Figur &#8211; an Loyalty Partners, das Unternehmen hinter der<br />
&quot;Payback&quot;-Rabattkarte. Die &quot;Payback&quot;-Karte, die Verbraucher an Tankstellen, in<br />
Supermärkten oder bei der Lufthansa mit Preisnachlässen lockt, diene vor allem der<br />
Sammlung von personalisierten Kundendaten, begründete die Jury ihre Wahl. Die<br />
Verbraucher würden darüber nicht informiert, die Geschäftspraktiken bewußt<br />
verschleiert, kritisierte die Jury weiter.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Für höchst undurchsichtig und daher preiswürdig befand die Jury auch die<br />
Videoüberwachung auf Bahnhöfen der Deutsche Bahn AG: Was und wozu DB, Polizei<br />
und Bundesgrenzschutz dort beobachteten und aufzeichneten, entziehe sich<br />
jeder Kontrolle (Kategorie Behörden und Verwaltung). Berlins Innensenator<br />
Eckard Werthebach (CDU) bekam den Award in der Kategorie Politik. Er hatte sich<br />
zuletzt Anfang September für einen umfangreichen Ausbau der<br />
Telefonüberwachung in der Hauptstadt stark gemacht.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der Freemail-Betreiber GMX aus München bekam die Quittung für zwei<br />
folgenschwere Pannen im Juli 2000: 118.000 Kunden des Mailanbieters waren von<br />
Postverlusten betroffen, weil GMX bei Serverarbeiten pfuschte. Wenig später<br />
knackten Hacker die Paßwörter von mehr als 1600 Kunden. GMX sei nicht ausreichend<br />
gegen eine solche Attacke gesichert gewesen, obwohl gerade erst die<br />
Freemail-Services von Lycos und Web.de ähnlichen Angriffen zum Opfer gefallen<br />
waren, hieß es in der Begründung. Auch das GMX &#8211; allerdings auf freiwilliger<br />
Basis &#8211; Kundendaten zur zielgruppenspezifischen Werbung erhebt, gefiel der<br />
Award-Jury nicht.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Für langfristige Schwächung der Privatsphäre und der persönlichen<br />
Grundrechte verpasste die Jury dem Bundesverwaltungsamt in Köln den &quot;Lifetime<br />
Award&quot;: Das von der Behörde geführte Ausländerzentralregister &#8211; eine Datenbank mit<br />
den Angaben zu mehr als zehn Millionen<br />
Personen &#8211; sei eine behördliche Diskriminierung nicht-deutscher Bürger,<br />
sagte Jury-Mitglied Thilo Weicherte, stellvertretender Datenschutzbeauftrager<br />
Schleswig-Holsteins. Seiner Einschätzung nach verstößt das Register gegen<br />
das Gesetzt zur informationellen Selbstbestimmung und den Gleichheitsgrundsatz<br />
des Grundgesetzes.<br />
Außerdem vergab die Jury einen &quot;Szenepreis&quot; an den Hersteller des<br />
Webservers Apache -desse Standardkonfiguration nach Meinung des Gremiums zuviele<br />
Userinformationen preisgeben- und zur regionalen Anbindung eine Trophäe für die<br />
Region Ostwestfalen-Lippe.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>FPÖ liegt in Österreich vorne</b><br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wenig überaschend gingen gleich mehrere der österreichischen <a href="http://www.bigbrotherawards.at/" target="_new" rel="noopener noreferrer">Big Brother<br />
Awards</a> an die FPÖ und ihr Umfeld:<br />
Ausgezeichnet wurde so Justizminister Dieter Böhmdorfer, der seine Bereitschaft<br />
erklärt hatte, oppositionelle Meinungsäußerungen strafrechtlich zu verfolgen.<br />
Ebenfalls einen Big Brother Award wert waren der östereichischen Jury die<br />
Aktivitäten der FPÖ-nahen Polizeigewerkschaft AUF (Aktion unabhängiger<br />
Freiheitlicher): Der ehemaligen AUF-Chefs Josef Kleindienst hatte jüngst enthüllt, dass<br />
AUF-Mitglieder auf Wunsch von FPÖ-Funktionären diese aus den<br />
Polizeicomputern mit umfangreichen Auskünften über politische Gegner und andere<br />
missliebige Personen versorgten: Dazu gehörten auch unbestätigten Hinweise auf<br />
Straftaten.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In der Kategorie &quot;People&#8217;s Choice&quot;, der nicht von der Jury vergeben<br />
wurde, entschieden sich die Abstimmungsteilnehmer für die FPÖ als Gesamtpartei.<br />
In der Sparte &quot;Business&quot; bekam die Handelskette Saturn den Award: Wer an<br />
ihren Kassen mit Karten zahlt, gibt damit laut Geschäftsbedingungen<br />
automatisch eine &quot;unwiderrufliche Erlaubnis zur Weitergabe&quot; seiner Kundendaten. Den<br />
meisten Kunden ist dieses nicht eimal bewusst. Im Bereich Telekommunikation<br />
&quot;ehrte&quot; die österreichische Big-Brother-Jury einen Kandidaten auf<br />
europäischer Ebene: Die Arbeitsgruppe &quot;Lawful Interception&quot; des &quot;European Telecom<br />
Standard Institute&quot;. Dort würden Telekommunikationsunternehmen und<br />
Technikhersteller wie Siemens, Ericsson und Alcatel nicht nur die künftigen Standards der<br />
europäischen Datenübertragung beraten, sondern zugleich freimütig mit<br />
Polizei- und Geheimdiensten deren Überwachung besprechen, hieß es zur<br />
Begründung.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Schweizer Big-Brother-Awards für Horchposten und Urin-Überwachung</b><br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Überwachungsbestrebungen ahndeten auch die schweizer Preisverleiher, die <a href="http://www.siug.ch/" target="_new" rel="noopener noreferrer"><br />
&quot;Swiss Internet User Group&quot; (SIUG)</a>, das Kulturzentrum&quot;Rote Fabrik&quot; in Zürich<br />
und das &quot;Archiv Schnüffelstaat<br />
Schweiz&quot;. Gewinner waren das Militärdepartement der Bundesregierung (für<br />
die Einrichtung des Satelliten-Horchpostens SATOS-3) und der langjährige Chef<br />
der Bundespolizei, Urs van Däniken. Abgestraft mit einem Award<br />
wurde weiterhin der Chemiekonzern Hoffmann-La Roche, der seinen Lehrlingen alle sechs<br />
Monate eine Urinprobe zwecks Drogenüberprüfung abverlangt.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Schließlich setzten<br />
sich die Schweizer als einziges der drei deutschsprachigen Kommitees auch<br />
mit der Fernsehvariante von &quot;Big Brother&quot; auseinander: Die populäre<br />
Containershow sei eine &quot;Verharmlosung&quot; totaler Überwachung, befand die Jury.<br />
Dementsprechend gab es einen Award für den Sender TV 3, der die Show in der Schweiz<br />
ausstrahlt. Neben diesen vier negativen Preisen wurde mit dem &quot;Winkelried<br />
Award&quot; auch &quot;besonders lobenswerter Widerstand gegen Überwachung und<br />
Kontrolle&quot; prämiert: Geehrt wurden zwei Verwaltungsmitarbeiter, die gegen<br />
Datenmissbrauch in ihren Behörden protestiert hatten und daraufhin entlassen<br />
wurden und ein Journalist der Zürcher &quot;Weltwoche&quot;.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In Großbritannien, wo der Big Brother Award 1998 erstmals verliehen wurde,<br />
wurden in diesem Jahr noch keine Auszeichnungen vergeben. Die USA preschten<br />
dagegen bereits im April 2000 vor. Vor großen Namen schreckte Organisator<br />
<a href="http://www.privacyinternational.org/bigbrother/us2000/" target="_new" rel="noopener noreferrer">Privacy International</a> auch hier nicht zurück: An den Pranger gestellt wurde unter anderem<br />
DoubleClick. Die Firma, einer der größten Vermarkter für Bannerwerbung, würde das<br />
Nutzungsverhalten von 50 Millionen Internet-Surfern ausspähen, so der<br />
Vorwurf. Wie in der Schweiz gab es auch hier positive Preise für Vorkämpfer<br />
des Datenschutzes, benannt nach Louis Brandeis, einem ehemaligen Richter des<br />
Obersten Gerichtshofs der USA.<br />
</span></span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/preis_fuer_schwarze_daten_schafe-904/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Big Brother &#8211; Little Brother</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/big_brother_little_brother-931/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/big_brother_little_brother-931/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[usollmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Big Brother]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehshow]]></category>
		<category><![CDATA[Reality TV]]></category>
		<category><![CDATA[Normalität]]></category>
		<category><![CDATA[Voyeurismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/big_brother_little_brother-931/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Er balanciert auf Zehenspitzen, hält sich mit der linken Hand an der Türklinke fest. Mit der anderen an der Hand
des großen Bruders. Sein linkes Auge ist an das Schlüsselloch gepresst. Die Wange des kleinen, dreijährigen
Jens spürt nicht das kühle Metall des Türschilds. Sie glüht vor Aufregung.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Er balanciert auf Zehenspitzen, hält sich mit der linken Hand an der Türklinke fest. Mit der anderen an der Hand<br />
des großen Bruders. Sein linkes Auge ist an das Schlüsselloch gepresst. Die Wange des kleinen, dreijährigen<br />
Jens spürt nicht das kühle Metall des Türschilds. Sie glüht vor Aufregung.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">All seine Aufmerksamkeit liegt im<br />
verzweifelten Bemühen, einen Blick von den geheimnisvollen, aufregenden Dingen im Weihnachtszimmer zu<br />
erhaschen. Von den Dingen, die er nicht kennt, über die in der Adventszeit aber schon so viele Vermutungen<br />
geäußert worden sind.<br />
Er fiebert aber auch nach den Dingen, die es gar nicht geben wird. Den Dingen, die ihm seine Phantasie<br />
vorgaukeln. &#8212;  Wer kennt so etwas nicht selbst.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Schnitt. Zehn mutige Frauen und<br />
Männer, die sich bislang nicht kannten, werden, abgeschottet von der<br />
Außenwelt,<br />
ab 1.3.2000 drei Monate lang in einem aus Containern gebauten Haus<br />
wohnen. Beobachtet von Millionen TV-Neugieriger. 28 Kameras und 60<br />
Mikrofone zeichnen jede Aktion, jedes Wort, jede Gefühlsregung Tag und<br />
Nacht präzise auf. Die Highlights werden, so RTL 2, täglich zur besten<br />
Sendezeit ausgestrahlt.<br />
Die Kandidaten wagen 100 Tage ohne Privatsphäre, ohne intimen Schutz.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Millionen von neugierigen Schlüssellochguckern können es schon gar nicht abwarten, &quot;der Wahrheit, wenn<br />
die Maske fällt&quot;, so der RTL2-Originalton, ins Auge zu blicken. Die Fernsehmacher begreifen ihr kontroverses<br />
Projekt als jung, authentisch und frech. Eben als modern. Eben als spektakuläre Investition in die Zukunft.<br />
Was wird man sehen? Was nicht? Bevor das multimediale Intim-Fenster (über das Internet ist man rund um die<br />
Uhr dabei) zum ersten Mal einen Spalt breit geöffnet wird, ergeht es den meisten der TV-Neugierigen wie dem<br />
kleinen, dreijährigen Jens. Da muß ja was sein. Davon reden  ja alle. Wann ist es endlich soweit! &#8212;  Inzwischen<br />
steigen die Aktienkurse der Produktionsfirma rasant an.<br />
Schaut man jetzt durchs Schlüsselloch, sieht man nichts weiter als die  Verpackung. Nichts als die<br />
Ankündigungswahrheit! Nichts als 10 Menschen aus &quot;unserer Mitte, die ernst zu nehmen sind.&quot; Man wird<br />
zusammenleben. Man wird auf sich gestellt sein. Man wird zusammenhalten, sich streiten. Lachen und lieben.<br />
Die Angst unter der Bettdecke verstecken. Durchhalten. Und sich vor laufender Kamera in der Nase bohren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Kennt man ab März erst einmal die Figuren, so wie in den täglichen Soaps, wird man schnell einen diebischen<br />
Spass finden an der modernen Variante von &quot;zehn kleine Negerlein&quot;, ohne jedoch gewahr zu werden, dass man<br />
selbst ein Teil des Spiels geworden ist. Die netten Menschen &quot;aus unserer Mitte&quot; mutieren  zu willenlosen Figuren,<br />
die wie in oben genanntem Abzählreim sich selbst aus dem Spiel werfen, sich selbst ausschalten. Denn alle zwei<br />
Wochen muß ein Bewohner das Haus verlassen. Zwei der Bewohner werden nämlich von den übrigen durch<br />
geheime, individuelle Nominierung als zu langweilig, zu schwierig oder zu wenig &quot;heldenhaft&quot; erklärt. Während die<br />
begierige TV-Gemeinde den Schlußstrich zieht und einen der beiden aus dem Haus wirft. Die Kandidaten als<br />
&quot;Menschen aus unserer Mitte&quot; angekündigt, dürfen also nicht sie selbst sein. Einen der Kandidaten aus dem<br />
Spiel zu entfernen, meint somit auch, ihn als &quot;Menschen aus unserer Mitte&quot; dem eigenen Spielfieber zu opfern,<br />
ihn abzuwerten. Ihn gerade dafür , weswegen man  ihn eingeladen hatte, für nicht spieltauglich zu erklären.<br />
Zum Schluß beim Finale im Juni werden  drei übrig bleiben. Der Sieger erhält eine Prämie von 250.000 DM.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Kandidaten werden bewußt, und das gehört zum besonderen Thrill des Spiels, dem öffentlichen Gelächter<br />
ausgesetzt. Sie sollen &quot;normal&quot; sein. Sind sie es aber, zeigt man mit dem Finger auf sie und wirft sie aus dem<br />
Haus. Sie sollen&quot;wie Du und ich&quot;sein,. Sind sie es, erfüllen sie nicht mehr den Unterhaltunsgwert der Sendung.<br />
Je höher aber der Unterhaltungswert, desto größer die Quote von RTL2 und umso heißer das Aktienfeuerwerk.<br />
Beschämt werden inzwischen die abgewählten Kandidaten das Haus verlassen. Beschämt, weil sie sich gezeigt<br />
haben, wie sie sich in ihrem Innersten sich fühlen. Diejenigen der Kandidaten, die dies geschickt zu verbergen<br />
wissen, werden aber gefeiert . Sie werden bejubelt, weil sie sich gerade anders geben  als die &quot;Menschen aus<br />
unserer Mitte&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Nicht die &quot;Normalität&quot; wie die Fernsehmacher es verkünden ist angesagt, sondern die Als-Ob-Identität der<br />
Kandidaten. Was ist damit gemeint? Die Kandidaten müssen sich so geben, als ob sie &quot;normal&quot; seien.<br />
&quot;Normal&quot;, um unter den mehr als 20000 Mitbewerbern bestehen zu können. &quot;Normal&quot; genug, um ausgewählt<br />
zu werden und eine der begehrten Eintrittskarten für das Big-Brother-Haus in Hürth bei Köln zu erhaschen.<br />
&quot;Normal&quot; genug, um dann aber durch die wirkungsvolle Inszenierung der eigenen Maske die Heldenralley zu<br />
bestehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der TV-Konsument täuscht sich ebenso durch sich selbst. Fühlt er sich doch durch die RTL2-Verkündigung<br />
beruhigt, es handele sich ja doch nur um &quot;normale Menschen&quot;. Wenn er ab 1.3. sein Fernsehgerät einschaltet,<br />
wird er die Kandidaten aber  an Heldenkriterien  messen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Regie und täglicher Zusammenschnitt der interessantesten, in TV-Sprache reibungsvollsten Szenen auf<br />
45 Minuten komplettieren die (Selbst)-Täuschung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Als ob der normale Tag nur 45 Minuten hätte!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">All dies bekommt durch das Gütesiegel der psychologischen Wissenschaft den Geruch von Serio sität.<br />
Gründliche Auswahl der Teilnehmer, Betreuung vor Ort versprechen Sorgfalt und Fingerspitzengefühl im<br />
Umgang mit den Emotionen der Kandidaten. Die sonntägliche  psychologische  Kommentierung im Big-<br />
Brother-Talk soll die nötige wissenschaftliche Distanz, Neutralität suggerieren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das psychologische Team um den Kölner Diplompsychologen und niedergelassenen Psychotherapeuten<br />
Ulrich Schmitz begreift sich als &quot;Sicherheitssanitäter auf seelischer Ebene&quot;, ohne jedoch die Kriterien<br />
preiszugeben, die die Notwendigkeit der psychologischen Betreuung überhaupt  transparent  sowie den<br />
jeweiligen individuellen Einsatz für Außenstehende verstehbar machen. Eine solche Transparenz ergibt sich<br />
jedoch für jeden Psychotherapeuten allein schon aus seiner Berufsethik.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Stattdessen verteidigt Schmitz, der sich als &quot;freidenkender Psychologe&quot; begreift, vehement das<br />
Medienexperiment. Zum erstenmal würden die Medien der Gesellschaft ihren eigenen Spiegel vorhalten.<br />
Die Befriedigung der grenzenlosen Neugier, die heutzutage üblich sei, sei angesagt, &quot;nicht die große Moral&quot;.<br />
So gesehen wird Big Brother zur bundesweiten Selbsterfahrungsgruppe, die, so Schmitz, der &quot;Provokation der<br />
Politik&quot; dient. Die Fernsehmacher instrumentalisieren ,und das verschweigt Schmitz, Kandidaten und Zuschauer<br />
zugleich. Sie missachten hierdurch die intersubjektive Menschenwürde. Und decken ihre eigenen Kriterien von<br />
Moral nicht auf. Es reicht, so RTL2-Chef Josef Andorfer, wenn man nicht gegen ein objektives Gesetz verstosse.<br />
Im übrigen würde &quot;niemand gequält oder in eine Not- oder sonstige Leidenssituation gebracht&quot;. Kein Mensch<br />
sei ja schließlich gezwungen, die Show anzusehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Hatte Orwell Big Brother eher als ständig präsente aber nicht zu identifizierende Bedrohung von außen<br />
beschrieben (Big Brother is always watching you), weiß im Big-Brother-Haus heute jeder um die Kameras,<br />
die Mikros und die Menschen, die ihm zuschauen werden. Das was auf RTL2 wie ein lustiges freiwillig gespieltes<br />
Gesellschaftsspiel aussehen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung aber als subtile Verkleidungsgeschichte,<br />
bei der man sich vor sich selbst verstecken muss, will man nicht aus dem Haus fliegen. Der Möchte-gern-Held,<br />
der man sein will, muss also gegen die Bedrohung ankämpfen , die  aus den eigenen inneren &quot;normalen&quot;<br />
Regungen erwächst. Während man sich sonst im Alltag mal zurückzieht, um sich ungestört zu besinnen,<br />
gilt Intimität bei Big Brother als Ort für Verlierer.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Man  ist  der  Radikalität der ständigen Präsenz der von RTL2 bewusst ausgesuchten Kontrahenten ausgesetzt<br />
(&quot;Zoff macht Quote&quot;). Oder aber man droht Opfer der eigenen inneren &quot;normalen&quot; Regungen zu werden.<br />
Diese werden unterdrückt oder unbewusst emotional abgespalten, stören sie doch die Als-ob-Identität des<br />
&quot;normalen&quot; Helden. Der verinnerlichte elektronische Rund-um-die-Uhr-Blick wandelt sich inzwischen lautlos,<br />
makabererweise vom bedrohlichen orwellschen Feind hin zum vermeintlichen Freund.(&quot;Wenn ich genügend<br />
den Helden spiele, steigt meine Gunst beim Zuschauer&quot;).<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Hier liegt das besondere Gefahrenpotential von Big Brother: Einerseits täuscht man sich selbst und handelt<br />
in vermeintlich persönlicher Souveränität. Fremdbestimmt, ohne es selbst zu merken. Andererseits<br />
wird persönliche Intimität als Raum der Diskretion zu einem gnadenlos öffentlichen Raum, zur frei verfügbaren<br />
Ware pervertiert. Die Als-ob-Identität täuscht schließlich über die Illusion hinweg, man hätte selbstbestimmt<br />
gehandelt. Man könnte sich hinreichend, das heißt ohne Gesichtsverlust gegen ein zu viel an Voyeurismus<br />
abgrenzen und zur Wehr setzen..<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Big Brother ist nicht das Leben sondern eine Beschreibung von Leben. Im Unterschied zu jeder anderen Soap<br />
stellt man Akteure und Zuschauer zugleich auf die Bühne und beläßt sie im Glauben, beide seien die Macher<br />
des Stücks, das sie gerade selbst erleiden.<br />
<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Ulrich Sollmann</b> arbeitet psychotherapeutisch in Bochum. Er ist Berater von Führungskräften und Unternehmen,<br />
Buchautor (&quot;Begierige Verbote&quot;,&quot;Schaulauf der Mächtigen&quot; u.a.) und Publizist (FAZ, Der Spiegel u.a.)</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/big_brother_little_brother-931/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
