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	<title>Virtuelle Nation &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Virtuelle Nation &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Wer regiert im Internet? &#8211; Die virtuelle Welt der Mikronationen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[aherrmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Digitale Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Mikronation]]></category>
		<category><![CDATA[Virtuelle Nation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Die DDR existiert seit 10 Jahren nicht mehr als realer Staat. Seitdem gibt es sie nur noch als virtuelle Welt im Internet,
in der Ostdeutsche und auch Westdeutsche die Vorzüge des sozialistischen Deutschlands preisen. Im Internet gibt es aber
zusätzlich zahlreiche Nationen, die einzig virtuell existieren. Diese sogenannten Mikronationen werden von Usern gegründet,
um selbst gesellschaftlich und politisch gestalten zu können.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Die DDR existiert seit 10 Jahren nicht mehr als realer Staat. Seitdem gibt es sie nur noch als virtuelle Welt im Internet,<br />
in der Ostdeutsche und auch Westdeutsche die Vorzüge des sozialistischen Deutschlands preisen. Im Internet gibt es aber<br />
zusätzlich zahlreiche Nationen, die einzig virtuell existieren. Diese sogenannten Mikronationen werden von Usern gegründet,<br />
um selbst gesellschaftlich und politisch gestalten zu können.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In den letzten Jahren haben immer mehr dieser virtuellen Länder ihre Unabhängigkeit im World Wide Web ausgerufen. Allein<br />
in Deutschland gibt es mittlerweile schon über 50 Mikronationen, weltweit dürften es Hunderte sein.<br />
Jeder User kann Bürger einer Mikronation werden, er braucht dazu meist nur ein kleines Formular auszufüllen und muss eine<br />
eigene Email-Adresse besitzen. Danach kann er nach Herzenslust walten und gestalten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Und so sehen sie aus&#8230;</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Staaten ähneln von den Grundzügen her ihren realen Pendants. Zumeist gibt der Webmaster eine Verfassung vor und<br />
dementsprechend die entsprechende Staatsform, doch danach können die normalen Bürger ihren Einfluss geltend machen. Sie<br />
können Parteien, Firmen und Organisationen gründen, Regierungsämter oder hohe Militärränge übernehmen, einer bestimmten<br />
Religionsgemeinschaft beitreten oder für eine der virtuellen Zeitungen schreiben. Durch Gesetzesinitiativen sind sie<br />
theoretisch sogar in der Lage, das Grundgerüst des Staates, die Verfassung, zu verändern.<br />
Herzstück der Mikronationen sind dabei die Foren. Abhängig von der jeweiligen Staatsform entweder Parlament oder Senat genannt<br />
tun dort die Bürger ihre Meinung zur aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Situation kund.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die verschiedenen Nationen bieten politisch ein breites Spektrum. Es gibt Monarchien mit einem absolutistischen Herrscher,<br />
in der Regel dem Staatsgründer selbst, Republiken und parlamentarische Demokratien sowie sozialistische Staaten. Der<br />
Aufbau der einzelnen Nationen orientiert sich oftmals an realen Staaten. Die Verfassungen sind ähnlich und die Art und<br />
Weise der politischen Umsetzung erweist sich als sehr komplex. In Einzelfällen werden sogar eigene Sprachen entwickelt,<br />
die dann jedoch selbst die eigenen Bürger meist nur unzureichend beherrschen. Auf eine Nationalflagge, eine eigene Währung<br />
oder besser noch eine eigene Nationalhymne hingegen verzichten die Mikronationen nur selten. So begegnen dem unbedarft<br />
surfenden User dann Lobpreisungen in der Art von &quot;Schönes wunderbares Land, unvergleichlich bist du zu schaun! Von zarten<br />
duftigen Nebeln sind deine Küsten umhüllt.[&#8230;.] Oh schönes, wunderbares Land Tir Na nÒg&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Diplomatie mal virtuell</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das &quot;Leben&quot; in solchen Mikronationen mag für Computerfreaks schon interessant genug erscheinen, doch richtig spannend wird<br />
es erst, wenn diplomatische Beziehungen zu anderen virtuellen Ländern aufgenommen werden. So werden beispielsweise Allianzen<br />
und Freundschaftsverträge geschlossen. Höhepunkt dieser &quot;internationalen&quot; Verknüpfungen ist der Zusammenschluss von 18<br />
zumeist deutschsprachigen Mikronationen zur <a href="http://www.uvno.fr.fm/" target="_new" rel="noopener noreferrer">United Virtual Nations Organization</a> (UVNO).<br />
Diese besteht seit November 1999 und soll als Interessenvertretung fungieren und bei bilateralen Problemen eingreifen,<br />
denn auch in der Welt des Internets soll es schon zu Kriegen gekommen sein. In Kriegen wird meistens versucht, das gegnerische<br />
Forum auf irgendeine Weise lahmzulegen. Die UVNO besitzt selbstredend eine Charta und wird in näherer Zukunft sicherlich<br />
auch erste Resolutionen verabschieden. In der Vollversammlung wird jedenfalls angeregt über die unterschiedlichsten Themen<br />
diskutiert. Generalsekretär ist Andrés R. Chilavert aus der <a href="http://www.geocities.com/chilavert_ci/index2.htm" target="_new" rel="noopener noreferrer">Volksrepublik Wolfenstein</a>.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein Mitglied der UVNO ist beispielsweise die <a href="http://www.freie-republik.de/index.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">Freie Republik Tir Na nÒg</a>.<br />
In dem virtuellen Staat angekommen, wird der User zunächst durch das landestypische &quot;Slainte&quot; begrüßt. Danach erfährt er,<br />
dass  Tir Na nÒg eine pazifistische,  parlamentarische, sozialdemokratische Republik ist, in der vor allem der Spaß an<br />
der Sache im Vordergrund stehen soll und es keinen Anspruch auf eine reale Existenz gibt.<br />
Ansonsten können sich die momentan gut 50 Bürger nach Herzenslust<br />
austoben und sich selbst als Politiker versuchen. So bietet sich ihnen<br />
ein breites Spektrum verschiedener Parteien an, von der konservativen<br />
Volkspartei bis zur Partei der Teufelsanbeter, denen sie beitreten<br />
können. Ihre politische Überzeugung geben sie dann im Parlament zum<br />
Besten. Darüber hinaus ist es möglich, in beispielsweise dem Institut<br />
für Grenzwissenschaften und Ufologie oder der Kirche zur Einführung des<br />
absoluten Gottesvertrauens aktiv zu werden oder besser noch eine ganz<br />
eigene Organisation zu gründen. In Wirtschaftsunternehmen wie dem<br />
Tirotel geht es nicht zuletzt darum, ordentlich Batzen zu verdienen &#8211;<br />
so nennt sich die offizielle Landeswährung &#8211; und diese dann auf das<br />
eingerichtete Konto in der Zentralbank zu bringen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Weitere Organisationen</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Neben der UVNO gibt es auch noch weitere internationale Zusammenschlüsse, die <a href="http://members.tripod.de/OrgFrieden/" target="_new" rel="noopener noreferrer">Organisation für den Frieden</a>,<br />
die <a href="http://www.socialismus.de/Politik/Die_virtuelle_sozialistische_I/die_virtuelle_sozialistische_i.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">Virtuelle sozialistische Internationale</a><br />
und die International Organization of Food Exporting Countries (<a href="http://pagina.de/iofec" target="_new" rel="noopener noreferrer">IOFEC</a>).<br />
Mittlerweile ist außerdem eine virtuelle <a href="http://www.geocities.com/xyhempyx/intermap15.gif" target="_new" rel="noopener noreferrer">Landkarte</a><br />
entstanden, auf der ein Teil der Mikronationen seine geographische Position verewigt hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die mikronationale Welt erscheint auf den ersten Blick als ungeheuer riesig und es stellt sich schnell die Frage, wie viele<br />
Menschen wohl der virtuellen Entfaltungsmöglichkeit verfallen sind. Ohne Zweifel nur sehr wenige, denn obwohl sich die<br />
Mikronationen sehr viel Mühe mit ihrem Staat geben, verfügen nur die wenigsten von ihnen über mehr als 100 Bürger. Darüber<br />
hinaus beschäftigt sich vor allem ein spezieller Menschentyp mit dieser Mischung aus Spiel, Abenteuer und Politik. Der<br />
typische Bürger ist männlich und jünger als 40 Jahre alt. Nicht selten drückt er noch die Schulbank oder lauscht gelehrig<br />
den Worten eines Uni-Professors.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Grundsätzlich gibt es zwei Hauptmotive für die Gründung von Mikronationen. Ein sehr wichtiger Aspekt ist der einfache Spaß<br />
an der Sache. Bei diesen Mikronationen finden bisweilen auch Fantasy-Elemente ihre Aufnahme, so basiert das<br />
<a href="http://www.drull.de/main.htm" target="_new" rel="noopener noreferrer">Drullische Imperium</a> teilweise auf dem Computerspiel Battle Isle<br />
sowie den klingonischen Gesellschaftsaspekten aus dem Stark Trek-Universum.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Zuflucht im Netz</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Trotz alledem gibt es auch Mikronationen, die höhere Ziele anstreben oder anderweitig aus der Rolle fallen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Hervorzuheben ist <a href="http://www.juga.com/" target="_new" rel="noopener noreferrer">Cyber Yugoslavia</a>, das den Spalt zwischen Realität und<br />
Fiktion zu überwinden sucht. Diese Mikronation besteht seit September 1999 im ehemaligen Jugoslawien. In diesem Fall wird<br />
aus dem Spiel tatsächlich ernst, denn von den Kriegen auf dem Balkan getroffen, haben mittlerweile schon knapp 13.000 Menschen<br />
eine virtuelle Zuflucht in Cyber Yugoslavia gesucht. Es ist geplant, bei einer Einwohnerzahl von fünf Millionen Bürgern,<br />
wahrscheinlich sogar früher, eine Mitgliedschaft bei der UNO zu beantragen und somit als souveräner Staat zu gelten.<br />
Demnach will sich Cyber Yugoslavia ein Territorium von 20 Quadratmetern von der UNO erbitten, in dem es als Zentrum des<br />
Staates seinen Server platzieren kann.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eine hochinteressante Geschichte verbirgt sich hinter der <a href="http://www.principality-sealand.net/" target="_new" rel="noopener noreferrer">Principality of Sealand</a>.<br />
Am 2. September 1967 nahm der ehemalige englische Major Paddy Roy Bates die verlassene britische Militärbasis Roughs Tower<br />
entlang der englischen Ostküste in seinen Besitz, nachdem die Engländer diese räumen mussten, weil sie sich schon außerhalb<br />
des englischen Hoheitsgebietes in internationalen Gewässern befand. Bates siedelte dort mit seiner Familie an und verkündete<br />
die Unabhängigkeit von Sealand.<br />
Den Engländern gefiel das nicht besonders, so dass sie Bates mit Marineeinheiten zu provozieren versuchten, der dann auch<br />
tatsächlich alte Kanonenkugeln abfeuerte, die noch auf der Militärbasis herumlagen. Folglich wurde Bates vor einem englischen<br />
Gericht angeklagt. Das Gericht merkte jedoch an, dass es über ein Gebiet auf hoher See keine Jurisdiktion ausüben dürfe.<br />
Somit wurde indirekt die Souveränität Sealands bestätigt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eventuellen Nachahmern sollte an dieser Stelle mitgeteilt werden, dass eine solche Aktion mittlerweile nicht mehr möglich<br />
ist, da die Vereinten Nationen dies mit der Seerechtskonvention vom 10. Dezember 1982 verboten haben. Eine künstliche Insel<br />
in internationalen Gewässern darf nicht mehr für unabhängig erklärt werden.<br />
</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Die Realität ist ein herrlicher Ideenspender&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[aherrmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche Digitale Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Politiksimulation]]></category>
		<category><![CDATA[Virtuelle Nation]]></category>
		<category><![CDATA[Simulation]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Lämmle]]></category>
		<category><![CDATA[Mikronation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Virtuelle Staaten sind im Internet zur Zeit auf dem Vormarsch. In diesen sogenannten Mikronationen versuchen die User,
selbst politisch und gesellschaftlich zu gestalten. Gründer solch einer Mikronation ist auch Axel Lämmle. politik-digital
hat mit ihm gesprochen und versucht herauszufinden, was den Reiz der politischen Einflussnahme im Internet ausmacht.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Virtuelle Staaten sind im Internet zur Zeit auf dem Vormarsch. In diesen sogenannten Mikronationen versuchen die User,<br />
selbst politisch und gesellschaftlich zu gestalten. Gründer solch einer Mikronation ist auch Axel Lämmle. politik-digital<br />
hat mit ihm gesprochen und versucht herauszufinden, was den Reiz der politischen Einflussnahme im Internet ausmacht.</b></span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Herr Lämmle: Im September 1999 haben Sie die <a href="http://www.freie-republik.de/index.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">Freie Republik Tir Na nÒg</a><br />
gegründet. Als erstes drängt sich da die Frage auf, warum Sie diesen außergewöhnlichen Namen gewählt haben?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Axel Lämmle:</b> Der Name stammt aus der irischen Mythologie und beschreibt das sagenhafte &quot;Land der Verheißung&quot;, dies<br />
erschien mir als ein passender Name für ein solches Projekt&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Was waren Ihre Motive, eine Mikronation zu gründen? Wo liegt der Reiz?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Axel Lämmle:</b> Ich interessiere mich schon seit meinem 15. Lebensjahr sehr für Politik, bin seit Jahren parteipolitisch<br />
aktiv und wollte ausprobieren, ob diese Art der Politiksimulation im Internet erfolgreich sein könnte. Mich reizte die<br />
Vorstellung, die Prozesse in einer Demokratie, Wahlen, Parteien, Regierungsarbeit u.s.w. zu simulieren, besser, neu oder<br />
einfach nur anders zu gestalten, oder vielleicht einfach zu lernen, wie schwer politische Arbeit tatsächlich sein kann&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Sehen Sie Ihre Mikronation als ein reines Spiel bzw. Abenteuer an oder<br />
steckt mehr dahinter, beispielsweise die Umsetzung einer politischen Idealvorstellung?<br />
</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"></p>
<table align="left" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="120">
<tbody>
<tr>
<td width="106"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/images/laemmle.jpg" alt="Axel Lämmle" border="1" height="123" hspace="0" vspace="0" width="106" /></td>
<td rowspan="2"><spacer type="block" height="1" width="10"></spacer></td>
</tr>
<tr width="106">
<td bgcolor="#e0e0e0"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial,Helvetica; color: #333333"><br />
			Axel Lämmle</span></td>
</tr>
<tr>
		</tr>
</tbody>
</table>
<p><b>Axel Lämmle:</b> Dieses Projekt soll in erster Linie Spaß machen. Dass auf spielerische Art natürlich auch die Prozesse<br />
von Meinungsbildung, Gesetzgebung, Regierung und Opposition u.s.w. praktisch am eigenen Leib erfahren und gelernt werden,<br />
ist der zweite wichtige Aspekt.<br />
Die Freie Republik nennt sich &quot;sozialistisch&quot;, ohne aber andere Richtungen auszugrenzen. In erster Linie geht es um die<br />
Auseinandersetzung im positivsten Sinne mit den Mitbürgern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Kennen sich die Bürger der Freien Republik auch persönlich oder<br />
besteht der Kontakt nur über das Internet?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Axel Lämmle:</b> Sowohl als auch. Es geschieht häufig, dass jemand einen guten Freund mit in die Freie Republik &quot;hineinzieht&quot;,<br />
weiterhin finden unregelmäßig reale Treffen der Bürger untereinander statt, aus denen sich durchaus auch Freundschaften<br />
entwickeln. Großteils kennen sich die Bürger aber nur aus dem Internet.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Sehen Sie nicht die Gefahr, dass man sich als Bürger einer virtuellen<br />
Welt mehr und mehr von der Realität entfernt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Axel Lämmle:</b> Ich denke, dass eher das Gegenteil zutrifft. Wer  versucht hat, den Weg von einer &quot;Gesetzesidee&quot; über<br />
die Formulierung und Überzeugungsarbeit bis hin zur endgültigen Verabschiedung zu gehen, hat die Chance, den realen<br />
Gesetzgebungsprozess, der ja noch um ein vielfaches komplizierter ist, leichter zu verstehen. Damit wird meines Erachtens<br />
eher der politische Frust in der Realität abgebaut, weil man eben merkt, dass  es teilweise schon im Kleinen sehr schwer ist&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Was für Menschen sind hauptsächlich Gründer oder Bürger einer Mikronation?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Axel Lämmle:</b> Zu 80% männlich im Alter zwischen 15 und 40 Jahren, ansonsten quer durch den Gemüsegarten, alle<br />
Schulabschlüsse und Einkommenshöhen vertreten, zumindest in der Freien Republik. Gemeinsam haben diese Bürger den Spaß am<br />
Internet und der politischen Simulation sowie den Wunsch, auf einem bestimmten Gebiet etwas bewegen zu können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Auf den Seiten verschiedener Mikronationen ist öfter von Kriegen<br />
untereinander die Rede. Da stellt sich doch die Frage, wie so ein virtueller Krieg geführt wird, durch Hackerangriffe?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Axel Lämmle:</b> Hacking-Angriffe sind verpönt, ebenso Mailbomben oder Virusattacken. Kriege unter den Mikros laufen<br />
in den Foren ab, in dem man durch geeignete Programme versucht, das Forum, welches ja der zentrale Teil der Kommunikation<br />
eines Landes ist, durch massenhafte Unsinn-Einträge vorübergehend lahmzulegen. Sie sind aber eigentlich eher selten und<br />
gelten gemeinhin als Ärgernis. Die Freie Republik beteiligt sich nicht an solchen Kriegen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Die Mikronation <a href="http://www.juga.com/" target="_new" rel="noopener noreferrer">Cyber Yugoslavia</a> scheint ihre Seite wesentlich ernster<br />
zu nehmen als andere. Es ist sogar geplant, bei fünf Millionen Einwohnern, wahrscheinlich sogar früher, eine Mitgliedschaft<br />
in der UNO zu beantragen. Was halten Sie von dieser Verschmelzung zwischen virtueller und realer Welt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Axel Lämmle:</b> Es ist Usus unter den Mikros, dass diese absolut virtuell sind und keinen Anspruch auf reale Existenz<br />
erheben. Mikros, die einen solchen realen Anspruch haben, werden nicht in das virtuell-außenpolitische System integriert.<br />
Cyber-Yugoslavia ist auch eher als Oppositionsbündnis gegen das real herrschende Regime zu verstehen, weniger als eine<br />
Mikronation im klassischen Sinne.<br />
Eine echte Vermischung beider Welten halte ich für nicht geeignet,<br />
lässt sich aber manchmal aus tagesaktuellem Anlass nicht vermeiden.<br />
Aber auch dies kann ja ein Vorteil sein: Eine virtuelle Rentenreform<br />
dürfte auch virtuell eine schwer zu knackende Nuss sein und somit<br />
Verständnis für die reale Politik wecken. Weiterhin ist die Realität<br />
natürlich ein herrlicher Ideenspender&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Herr Lämmle, wir bedanken uns für das Gespräch.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das Interview führte Arnd Herrmann<br />
</span></p>
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