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	<title>Virtuelle Universität &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Virtuelle Universität &#8211; politik-digital</title>
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		<title>E-Learning gleicht einem déjà-vu-Phänomen</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Dec 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[politik-digital sprach während der diesjährigen 
                    Online-Educa mit Matti Sinko, Projektdirektor der 
                    Finnish Virtual University, der sich seit 1989 in leitenden Positionen mit dem Einsatz von computergestützten Lernens in der universitären Ausbildung beschäftigt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>politik-digital sprach während der diesjährigen<br />
                    <a href="http://www.online-educa.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online-Educa</a> mit Matti Sinko, Projektdirektor der<br />
                    <a href="http://www.virtualuniversity.fi" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Finnish Virtual University</a>, der sich seit 1989 in leitenden Positionen mit dem Einsatz von computergestützten Lernens in der universitären Ausbildung beschäftigt.<!--break-->
                  </p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Wie lauten die gegenwärtigen Schlagwörter der e-Learning Debatten? Gibt es Unterschiede zwischen den Debatte an Universitäten und in der freien Wirtschaft?</p>
<p>                  <strong>Matti Sinko:</strong> Ich denke, die Debatten an den Universitäten sind sehr unterschiedlich zu denen in der freien Wirtschaft. Ich beteilige mich nicht an den trendigen, oftmals hype-artigen Formulierungen der Wirtschaft. Denn das ist meiner Meinung nach der wesentliche Unterschied zwischen beiden. Im Gegensatz zur Industrie und den dort beliebten Marketingslogans, ist die Aufgabe des akademischen Diskurses eine umfassendere. Wir versuchen aufzuzeigen, was das Neue am Neuen ist, woher es kommt und wie es sich von den bisherigen Konzepten und Anwendungen in der Praxis unterscheidet &#8211; oder eben nicht.  </p>
<p>E-Learning ist eindeutig eines dieser Hype-Wörter im Stile von e-Anything. In den 70 Jahren wurde an alle Begriffe ADP (automatische Datenverarbeitung) angehängt. In den 80 er Jahren war alles computergestützt oder rechnergestützt und in der letzte Dekade war alles online- und virtuell. Jetzt heißt alles e-Learning, e-Government, e-Business. Dabei ist e-Learning lediglich Computer- und netzgestützte, automatische Datenverarbeitung und Datentransfer zur Unterstützung und Förderung von Lehren und Studieren. Die Sprache der Wirtschaft ist sehr innovativ. Das &#8220;e-Jahr&#8221; ist so kurz und hektisch, dass zur gründlichen Produkteinführung keine Zeit bleibt und daher die alten Produkte einfach nur in neue sprachliche Verpackungen gekleidet werden, um mit der Schnelllebigkeit des &#8220;e-Lebens&#8221; Schritt zu halten.</p>
<p>Dabei zählt eigentlich nur das wirkliche Leben &#8211; besonders trifft das für Studenten zu, die gerade von zu Hause ausgezogen sind und neue aufregende Lebenserfahrungen machen wollen, wie neue Kontakte knüpfen, neue Liebesbeziehungen eingehen oder neue Abenteuer in der Freizeit, im Beruf und in der akademischen Welt erleben wollen. Das sind so tiefgreifende Herausforderungen für sie, dass die virtuelle Version davon dem realen Leben eine neue Qualität hinzufügen muss, um wirklich konkurrenzfähig zu sein. Wenn also ein Student Kunde deines e-Services bleibt, hat dein Angebot diese Qualität.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Welche Geschäftsmodelle sind gerade en vogue und welche erfolgreich?</p>
<p>
                  <strong>Matti Sinko:</strong> Ich denke, wie wir e-Learning erleben, gleicht dem déjà-vu-Phänomen &#8211; vergleichbar den ersten Autos auf unseren Straßen zu Zeiten von Pferdekutschen und dem ungläubigen Staunen und Entsetzen darüber. Unser sich nach und nach virtualisierendes Bildungssystem wird immer noch in Metaphern, Bildern und Strukturen der alten klassischen Zeit beschrieben, wie beispielsweise Klassenzimmer, Vorlesung oder Seminar. Die neuen Lernumgebungen und Bildungsinstitutionen haben noch keine eigene sprachliche Form gefunden. Das trifft auch auf eigene und neue Geschäftsmodelle zu. Es gibt viele verschiedene Geschäftsmodelle in den USA im Unterschied zu Europa und zu Deutschland, obwohl die Digitalisierung den Prozess der Bildung eines einheitlichen, europäischen Bildungsmarktes beschleunigt. Es wird viele erfolgreiche Gründungen von virtuellen Universitäten geben. Ich glaube, dass Universitäten und Hochschulen sowohl staatlich als auch privatwirtschaftlich verfasst sein werden.</p>
<p>Aus der nordisch-skandinavischen Tradition kommend, bin ich von der Wettbewerbsfähigkeit der öffentlichen Bildungseinrichtungen überzeugt, die in enger Zusammenarbeit und Kommunikation mit der Wirtschaft stehen müssen.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Welche technischen Entwicklungen werden e-Learning beeinflussen?</p>
<p>
                  <strong>Matti Sinko:</strong> Videokonferenzen, und Internettelefonieren werden in naher Zukunft e-Learning bereichern. Zusammen mit Spracherkennung und sprachgesteuerten Anwendungen, persönlichen virtuellen Assistenten in Roboterform und drahtloser mobiler Breitbandtechnik &#8211; auch m-Learning genannt &#8211; werden sich die bisher geltenden Standards des e-Lernens verändern. Aber alle diese Entwicklungen brauchen ihre Zeit, bis sie nicht nur von den Pionieren, sondern auch von der breiten Masse akzeptiert und angewendet werden, wenn es ihnen nicht so wie vielen anderen technischen Entwicklungen gehen soll, die sich nie durchgesetzt haben. Aber eigentlich überlasse ich solche Voraussagen den Futuristen und konzentriere mich auf die Förderung der bestehenden Techniken und deren Anwendung.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Unterstützt e-Learning die Entwicklung einer neuen Lernkultur oder ist es nur &#8220;alter Wein in neuen Schläuchen&#8221;?</p>
<p>
                  <strong>Matti Sinko:</strong> Ja und Nein. Die Verbesserung der Lernkultur ist eine große Herausforderung, die nicht durch die Entwicklung neuer Technik gelöst werden kann. Aber andererseits gibt es weltweit so viele Herausforderungen im Bereich Bildung, dass wir mit größter Anstrengung erforschen sollten, wie uns die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) bei der Bewältigung dieser vielfältigen und andauernden Herausforderungen helfen können.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Fühlen sich Studenten in virtuellen Klassenräumen einer erhöhten Kontrolle ausgesetzt?</p>
<p>
                  <strong>Matti Sinko:</strong> Einige Studenten befürchten das. Andere befürchten richtigerweise den Verlust der Möglichkeit, als stiller Hinterbänkler oder &#8220;blinder Passagier&#8221; das Geschehen nur zu beobachten. Wenn gewünscht, ist man größeren Kontrollmöglichkeiten ausgesetzt. Aber das bringt uns zu Fragen der Pädagogik zurück: Die neuen IuK-Technologien können zu mehr Kontrolle genützt werden, können aber gleichzeitig dem Lernenden zu mehr Freiheit verhelfen. Denn wir, die Lehrer, die Entwickler, die Bürger entscheiden über die Einführung und Nutzung der IuK-Technologien.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Ist ihrer Meinung nach das Internet noch ein Ort des freien Austausches von Wissen? Oder ist das eine zu romantische Ansicht?</p>
<p>
                  <strong>Matti Sinko:</strong> Ich bin gleichzeitig Realist und Romantiker! Die gegenwärtigen Tendenzen zu vermehrter Kontrolle des Internets, der Monopolisierung, der Ausbeutung von Menschen zur Profitmaximierung kollidieren immer mit den entgegengesetzten Tendenzen der Erhaltung bzw. Einführung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und der Wahrung von geistigen Eigentumsrechten. Begriffe wie Individualität und Isolation im Gegensatz zu Solidarität und Konformismus werden ständig neudefiniert. Es wird Kämpfe geben, positive wie negative Entwicklungen und Tendenzen &#8211; aber so ist nun mal die Natur des sozialen Lebens.</p>
<p>Gegenwärtig fördern wir an unserer Universität die Veröffentlichung von Kursen im Internet. Das hat die Debatte und das Verständnis über die Einhaltung der Urheberrechte der Verfasser angeheizt und auf eine neue Stufe gebracht. Dabei kam es zu unterschiedlichen Lösungen. Kurzfristig betrachtet, führt die Einhaltung der Eigentumsrechte der Verfasser zur Verringerung der Veröffentlichungen im Netz, aber langfristig stärkt es die &#8220;open source&#8221; (offener Quellcode) Bewegung. Diese beiden Entwicklungen sind aber gar nicht so gegensätzlich wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen, da die Beachtung der Urheberrechte jedem Einzelnen die Möglichkeit bietet, frei über deren Ausgestaltung zu entscheiden.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Kann durch den Einsatz von e-Learning der Wissensunterschied zwischen der sogenannten &#8220;ersten Welt&#8221; und der &#8220;dritten Welt&#8221; gemindert werden?</p>
<p>
                  <strong>Matti Sinko:</strong> Kurzfristig sehe ich die Sache eher gegenteilig, dass e-Learning die digitale Spaltung der Gesellschaften vergrößert bzw. sichtbarer macht. Aber langfristig, denke ich, können Iuk-Technologien eine nachhaltige Entwicklung befördern und die Wissenskluft zwischen armen und reichen Ländern verringern. Besonders mobile Technologien und günstige Palm-Tops können hilfreiche Werkzeuge beim Kampf um eine nachhaltige Globalisierung sein. Aber einer solchen Entwicklung unterliegt kein innewohnender Automatismus. Es benötigt vielmehr einen klaren politischen Willen zur Schließung der Wissenskluft.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital: </strong>Vielen Dank für das Gespräch!<br />
                  </p>
<p>Das Interview mit Matti Sinko führte Clemens Lerche.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die virtuelle Universität schlechthin wird es nicht geben</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/hats-geklickt/elearningmandl-shtml-2580/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Nov 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[politik-digital sprach mit 
                      Professor Dr. Heinz Mandl, Inhaber des 
                      Lehrstuhls für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der 
                      Ludwig-Maximilians-Universität München. Als einer der führenden deutschen Wissenschaftler forscht Prof. Mandl u.a. in den Bereichen e-Learning, Wissensmanagement und problemoriertes, selbstgesteuertes und kooperatives Lernen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>politik-digital sprach mit<br />
                      <a href="http://home.emp.paed.uni-muenchen.de/%7Emandl/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Professor Dr. Heinz Mandl</a>, Inhaber des<br />
                      <a href="http://infix.emp.paed.uni-muenchen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lehrstuhls für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie</a> an der<br />
                      <a href="http://www.uni-muenchen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ludwig-Maximilians-Universität München</a>. Als einer der führenden deutschen Wissenschaftler forscht Prof. Mandl u.a. in den Bereichen e-Learning, Wissensmanagement und problemoriertes, selbstgesteuertes und kooperatives Lernen.<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Seit wann befassen Sie sich mit e-Learning und was hat Sie dazu bewegt, in diesem Bereich zu forschen?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Wir haben schon vor 15 Jahren damit begonnen, mit Computern interaktive Videoprogramme zu erstellen. Eigentlicher Hintergrund ist aber, dass uns das Lernen interessiert und wir im e-Learning eine große Chance sehen, die Diskussion über eine neue Lernkultur voranzubringen.<br />
                    <br />Für uns sind interaktive Medien ein trojanisches Pferd und wir halten sie für einen guten Anlass, das Lernen und die Lernkultur zu überdenken. Das e-Learning stellt ja besondere Herausforderungen an den Lernenden; es ist zum Beispiel sehr viel mehr eigenverantwortliches und kooperatives Lernen möglich. Diese Aspekte, die für uns ganz zentral sind, werden in der bisherigen Lernkultur allerdings eher ignoriert. Die heutigen Lernstrukturen zielen sehr stark auf die Vermittlung von Wissen ab und vernachlässigen dabei bestimmte Kompetenzen, die man im späteren Leben für die Wissensgesellschaft braucht: nämlich die Kompetenz, sich selber Wissen anzueignen, anstatt immer vom Lehrer bei der Hand genommen zu werden, außerdem die Fähigkeit kooperativ zu lernen und zu arbeiten.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Inwieweit wird das, was man in der Forschung entwickelt, in der Praxis tatsächlich implementiert?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Natürlich bringen wir Ideen aus der Forschung in die Praxis ein. Aber die Weiterbildung zum Beispiel wartet gar nicht auf die Forschung, sondern dort wird einfach ausprobiert. Wir lernen also auch von der Praxis und versuchen dann, bestimmte Aspekte genauer zu untersuchen. Beispiel: Ein Schwerpunkt in unserer Forschung, übrigens auch ein DFG-Schwerpunktprogramm, ist netzbasierte Wissenskommunikation in Gruppen. Wir veranstalten dazu virtuelle Seminare und beobachten, wo Probleme auftreten, etwa in der Kooperation zwischen den Studierenden. In einem Grundlagenprojekt, wo man mehr unter kontrollierten Bedingungen arbeitet, werden zum Beispiel Kooperationsskripts entwickelt und erprobt, die die Zusammenarbeit unterstützen. Die neuen Erkenntnisse fließen dann wieder in die Anwendung, also in die virtuellen Seminare ein.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Arbeiten Sie in den virtuellen Seminaren mit der Metaphorik traditioneller Seminare, gibt es eine Tafel, das Melden eines Studenten, den eingeschlafenen Kommilitonen usw. im übertragenen Sinne? Wie kann man sich so ein virtuelles Seminar vorstellen?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Das virtuelle Seminar beginnt mit einem Tagesworkshop, an dem die Teilnehmer real zusammenkommen, eine Einführung erhalten und Gruppen bilden. Von da ab läuft alles über die virtuelle Lernplattform, von der sie Aufgaben entnehmen, zu denen sie in Kooperation und mit Hilfe von Literatur Lösungen finden müssen. In diesem Prozess werden sie von einem Teletutor unterstützt. Sicher gibt es im virtuellen Seminar auch den eingeschlafenen Studenten, sogenannte Trittbrettfahrer. Wir überlassen es aber den einzelnen Gruppen, Regeln zur Zusammenarbeit aufzustellen. Sie können dann selbst entscheiden, ob ein Trittbrettfahrer rausfliegt oder ob er mitgezogen wird.<br />
                    <br />Im Gegensatz zu herkömmlichen Veranstaltungen erfordert das virtuelle Seminar allerdings einen höheren Arbeitsaufwand. Mit 5-6 Stunden pro Woche Arbeit muss man rechnen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche Vorteile hat e-Learning gegenüber dem traditionellen Präsenzlernen?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Die Vorteile liegen in der Zeit- und Ortsunabhängigkeit. Man kann beim e-Learning auch um Mitternacht noch ein Thema oder eine Aufgabe bearbeiten. Und ob man nun von Nürnberg, München oder Berlin aus mit anderen zusammen arbeitet, spielt auch keine Rolle.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie argumentieren Sie bei dem Vorwurf, beim e-Learning käme die soziale Komponente zu kurz, die Studierenden würden vor ihrem Computer vereinsamen?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Es stimmt natürlich, dass die soziale Komponente nicht so direkt ist. Beim E-mail-Kontakt sieht man sich ja nicht und kann keine Mimik und Gestik austauschen.<br />
                    <br />Das impliziert natürlich Einschränkungen. Wenn es aber um Sachverhalte geht und nicht um zwischenmenschliche Beziehungen, macht es unseren Untersuchungen zufolge keinen Unterschied, ob der Gegenüber präsent ist oder nicht. Wir haben auch herausgefunden, dass der Wissenstransfer bei einer Videokonferenz nicht geringer ist als in einer Face-to-Face-Situation. Auch die Qualität bei der Problemlösung variiert nicht.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche neuen Rollen und Herausforderungen birgt e-Learning für die Lehrenden?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Der Kern des virtuellen Seminars ist der Ansatz des problemorientierten Lernens. Diesem neuen Ansatz liegt eine konstruktivistische Auffassung vom Lernen zu Grunde, die sehr stark von Eigenaktivität, Selbststeuerung und Kooperation ausgeht. Es ist natürlich für die Lehrenden nicht einfach, Lernumgebungen mit solchen Ansprüchen zu gestalten.<br />
                    <br />Technische Schwierigkeiten stellen dabei eher ein geringes Problem dar. Das Hauptproblem ist, dass bis jetzt nicht viele Lehrende in der Lage sind, problemorientierte Lernumgebungen zu gestalten, wo die Studierenden sich aktiv, selbstgesteuert und kooperativ einbringen können. Lehrende müssen Abstand nehmen vom bloßen Präsentieren von Informationen, denn insbesondere bei der Arbeit mit neuen Medien wäre es ja doch sehr langweilig, immer nur Vorlesungen auf dem Bildschirm abzuspielen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Inwiefern müssen sich die Lernenden umstellen?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Die Lernenden müssen vor allem Selbststeuerungs- und Kooperationsfähigkeit besitzen, da bei unserem Lern-Lehransatz die Eigeninitiative und Gruppenarbeit im Vordergrund stehen. Vor allem letzteres ist eine Herausforderung, weil Kooperation im Schul- und Universitätssystem bisher wenig Berücksichtigung findet. Auch Medienkompetenz ist eine wichtige Qualifikation: Der Lernende muss in der Lage sein, Informationen kritisch zu beurteilen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wird e-Learning in einigen Bereichen, zum Beispiel in der Weiterbildung, bevorzugt eingesetzt?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Ja, gerade in der Weiterbildung stößt e-Learning auf großes Interesse. Ein Beispiel ist der Knowledge Master, ein virtuelles Weiterbildungsangebot, das von uns zusammen mit Siemens entwickelt wurde. Da können Leute aus der ganzen Bundesrepublik teilnehmen, ohne für längere Zeit aus dem Arbeitsprozess herausgerissen zu werden. Innerhalb der halbjährigen Weiterbildungsveranstaltung gibt es insgesamt nur fünf Präsenztage, die andere Zeit arbeiten die Teilnehmer in Gruppen virtuell im Internet. Natürlich ist diese Form der Weiterbildung für Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer nicht einfach über einen längeren Zeitraum entbehren können, kostensparender.<br />
                    <br />E-Learning wird für die Weiterbildung eine höhere Bedeutung haben als für die Ausbildung. An Universitäten und Schulen werden wir wohl eine Mischform erleben, wo ein Teil des Unterrichts virtuell stattfindet, der andere aber weiterhin in Form von Präsenzveranstaltungen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Tut die Regierung Ihrer Ansicht nach genug, den Einsatz neuer Medien an öffentlichen Bildungsinstitutionen zu fördern?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Die finanzielle Unterstützung des e-Learning ist, was die Schulen und Hochschulen betrifft, sehr groß. Der Bund hat den Universitäten in der letzten Zeit 200 Millionen DM zur Verfügung gestellt, um virtuelle Studiengänge zu entwickeln. In der Regel sind es Gemeinschaftsprojekte, an denen verschiedene Universitäten kooperativ arbeiten. So wird die Nachhaltigkeit der Projekte gesichert, was ja auch im Sinne des Geldgebers ist.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie reformbereit zeigt man sich an Universitäten und Schulen, neue Medien in den Unterricht zu integrieren, in finanzieller und didaktischer Hinsicht?</p>
<p>
                    <strong>Prof. Dr. Heinz Mandl:</strong> Die Diskussion wird ja so geführt, als würde es nur noch e-Learning geben. Man muss aber verstehen, dass es die virtuelle Universität schlechthin kaum geben wird. Man braucht immer noch reale Interaktion und ein wirkliches Zusammentreffen der Lernenden. Alles rein virtuell zu machen, ist im Rahmen eines universitären Erststudiums kaum möglich und wenig erstrebenswert.<br />
                    <br />Da Schulen und Universitäten jetzt finanziell unterstützt werden, können sie technisch aufrüsten und neue Curricula entwickeln. Eine besondere Herausforderung besteht noch auf Seiten der Didaktik: Wie gestaltet man motivierende Lernumgebungen, die selbstgesteuertes und kooperatives Lernen unterstützen? Wie können hierbei Präsenz- und virtuelle Lernumgebungen miteinander verbunden werden? Die Vorstellung von der Omnipotenz des e-Learning wird durch einen solchen Ansatz relativiert. So bleibt Raum für verschiedene Formen des Lehrens und Lernens.<br />
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital: </strong>Vielen Dank für das Gespräch!<br />
                    </p>
<p>Das Interview mit Professor Dr. Heinz Mandl führte Ines Robbers.</p>
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			</item>
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		<title>Sparen oder Bilden mit e-Learning?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/hats-geklickt/elearningsparen-shtml-2972/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Nov 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gabi Reinmann-Rothmeier ist Professorin für Medienpädagogik an der Universität Augsburg. Ihre Foschungstätigkeit umschließt die Bereiche Wissensmanagement, Gestaltung problemorientierter Lernumgebungen, Lernen mit neuen Medien und Evaluation multimedialer Lernumgebungen. Aus eigener Erfahrung bei der Durchführung 
                      virtueller Seminare weiß sie um die Vor- und Nachteile von e-Learning.
                      ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gabi Reinmann-Rothmeier ist Professorin für Medienpädagogik an der Universität Augsburg. Ihre Foschungstätigkeit umschließt die Bereiche Wissensmanagement, Gestaltung problemorientierter Lernumgebungen, Lernen mit neuen Medien und Evaluation multimedialer Lernumgebungen. Aus eigener Erfahrung bei der Durchführung<br />
                      <a href="http://wissman.emp.paed.uni-muenchen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">virtueller Seminare</a> weiß sie um die Vor- und Nachteile von e-Learning.<br />
                      <br /><!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>Die Angst vor dem e-Learning.</strong><br />
                    <br />Als ich im Oktober diesen Jahres in Augsburg die Professur für Medienpädagogik übernommen habe, war da eine diffuse Angst unter den Studierenden, denn meine Herkunft ist eine lehr-lerntheoretische und mediendidaktische, und meine Aktivitäten im Bereich des e-Learning waren und sind in Augsburg offenbar bekannt: &#8220;Werden wir bald in virtuelle Räume abgeschoben?&#8221;, &#8220;Machen wir noch Präsenzseminare?&#8221;, &#8220;Sind Sie denn auch da &#8211; hier in Augsburg?&#8221;. &#8220;Da sein&#8221;, ansprechbar sein, sich kümmern, Interesse an dem haben, was gelernt wird &#8211; das sind berechtigte Anliegen eines jeden Studierenden, und wenn sich gerade in Massenfächern oder in schlecht ausgestatteten oder ineffizient organisierten Fächern Ängste vor der Anonymität und Einsamkeit im Netz breit machen, dann ist das verständlich. Potenziert werden diese Sorgen durch immer wieder medienwirksame Aussagen selbst ernannter Experten, die auf dem wirtschaftlichen und politischen Sektor von Kostensenkung und optimaler Ressourcennutzung (mit Ressourcen sind dann vor allem wir Hochschullehrer/innen gemeint) sprechen, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben, was es bedeutet, eine virtuelle Vorlesung zu konzipieren, eine virtuelle Lernumgebung zu gestalten oder ein virtuelles Seminar durchzuführen.</p>
<table width="550" border="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="319">
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                            <strong>Was Lehrende beim e-Learning lernen.</strong><br />
                            <br />Um es vorweg zu nehmen: Ich konnte die Augsburger beruhigen. Ich bin da, ich bin ansprechbar, ich mache Präsenzseminare und habe Interesse daran, dass die Studierenden etwas lernen &#8211; und wie ich Letzteres möglichst gut umsetzen kann, das habe ich vor allem bei der Konzeption und Durchführung meiner virtuellen Seminare (zum Wissensmanagement) gelernt. Sie merken schon: Ich drehe an dieser Stelle einmal den Spieß um und frage: Was lernen die Lehrenden beim e-Learning? Sie lernen vor allem ein Höchstmaß an Transparenz und eine konsequente Planung und Gestaltung der Lehre. Denn eine virtuelle Veranstaltung zwingt Sie dazu, ein vollständiges didaktisches Gesamtkonzept zu entwerfen, jede Instruktion, jede inhaltliche Sequenzierung und jede Unterstützung selbstgesteuerter oder kooperativer Wissensaneignung zu Ende zu denken und die Anforderungen an die Studierenden explizit zu machen &#8211; und zwar prägnant und verständlich. Natürlich muss man hier zwischen verschiedenen Formen von e-Learning unterscheiden. Ein ganz wesentliches Unterscheidungskriterium ist die Interaktivität: Je interaktiver Sie den Lehr-Lernprozess zwischen Lernenden und Lehrenden einerseits sowie zwischen den Lernenden andererseits gestalten, umso mehr Zeit und Kreativität ist für das didaktische Design wie auch für die Durchführung zu veranschlagen. Und siehe da: Viele originelle Ideen, die man anlässlich des e-Learning im Idealfall produziert, lassen sich sehr wohl auch in der Präsenzlehre nutzen: e-Learning kann so auch die Vermittlungs- und Medienkompetenz des Lehrenden und damit die Qualität der Präsenzlehre erhöhen.</p>
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                            <strong>Qualitätssteigerung am Beispiel Interaktivität.</strong><br />
                            <br />Lassen Sie mich das an einem Beispiel erläutern: Gruppenarbeit in der traditionellen Hochschullehre ist in manchen Fächern eine lang bewährte Methode, in anderen Fächern avanciert sie erst allmählich zu einer wichtigen methodischen Variante. Allerdings sind Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung von Gruppenarbeitsphasen nur in seltenen Fällen professionell gestaltet; wichtige Detailaspekte der kooperativen Aufgabenbearbeitung überlässt man schon mal dem Zufall oder dem Improvisationstalent der Studierenden.In der Face-to-Face-Lehre lassen sich solche Mängel weitgehend kompensieren &#8211; nachlässige Konzeptionen fallen in der Regel nicht weiter auf. Im virtuellen Raum aber ist das anders: Unklare Instruktionen haben eine Flut empörter e-Mails zur Folge; defizitäre Anleitung zur Zusammenarbeit verführt die einen zum Trittbrettfahren und resultiert bei anderen in Frustration durch Überlastung; unüberlegte Kombinationen von Aufgaben und Inhalten werden nicht nur bemerkt, sondern auch moniert &#8211; zu Recht.<br />
                            <br />Fazit: Virtuelle Seminare mit Gruppenarbeit und entsprechend hoher Interaktivität zwingen zur Disziplin auf der Lehrerseite &#8211; und gleichzeitig auch auf der Lernerseite: Online-Foren für kooperative Aufgabenbearbeitungen machen Aktivitäten der Studierenden transparent, Faulenzer können sich nicht verstecken, gute Leistungen sind für alle sichtbar, kooperatives Verhalten und Teamgeist werden beobachtbar und kommentierbar. Lernerfolge (oder deren Ausbleiben) kann der Lehrende kontinuierlich und nicht erst in der Abschlussklausur oder Hausarbeit erkennen.</p>
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                            <strong>Der gläserne Student?</strong><br />
                            <br />Nun kann es sein, dass Sie die letzten Aussagen eher negativ bewerten und sich besorgt fragen: Gipfelt das e-Learning im gläsernen Studenten &#8211; allseits überwach- und kritisierbar? Man sollte meinen, dass diese Angst auch unter Studierenden grassiert &#8211; aber dem ist offenbar nicht so, jedenfalls nicht bei denjenigen, die virtuelle Seminare besuchen. Meiner Erfahrung nach schätzen es die Seminarteilnehmer/innen, wenn der Lehrende ihren Lernprozess in dieser Form begleitet: In Evaluationsstudien sprechen Studierende nach dem Seminar von &#8220;sanfter Kontrolle&#8221; und &#8220;heilsamem Druck zur Kontinuität beim Lernen&#8221;, sie loben die Notwendigkeit der kooperativen Zusammenarbeit und die aktive Erarbeitung neuer Inhalte; und sie äußern sich vor allem über eines positiv: Über das Gefühl, dass jemand &#8220;da&#8221; ist, dass sich jemand für Ihre Antworten interessiert und diese sogar regelmäßig in ausführlichen Feedbacks kommentiert. Womit wir den Kreis geschlossen haben: Es ist die personale Betreuung, das Interesse an ihrer Person und ihren Lernprozessen, die Hilfe beim Selbst- und Weltverstehen, was Studierende brauchen und wollen &#8211; ein zutiefst menschliches Bedürfnis nach Bildung, das man auch in virtuellen Seminaren erfüllen kann, vorausgesetzt man nimmt sich die Zeit und Ressourcen dazu. Womit wir auch hier wieder beim Anfang und der weit verbreiteten frohen, aber falschen Botschaft wären, e-Learning mache die Lehre generell billiger und effizienter im Sinne eines besseren Kosten-Nutzen-Verhältnisses.</p>
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<td valign="center" width="221">
<table cellspacing="0" cellpadding="10" width="200" align="right" border="1">
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                                    <br />
                                    <strong>Beispiel Virtuelles Seminar:</strong><br />
                                    <br />
                                    <a href="http://wissman.emp.paed.uni-muenchen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://wissman.emp.paed.uni-muenchen.de/</a></p>
<p>Nachdem sich die vier-köpfige Gruppe auf einen Gruppennamen geeinigt hat, geht es an die erste Aufgabe: Es gilt einen Fall zu bearbeiten &#8211; eine kurze Geschichte, die die Bedeutung der Wissenstransparenz im Unternehmen veranschaulicht.</p>
<p>Erste Unruhe in der Gruppe macht sich bemerkbar: Was genau ist eigentlich verlangt? Jeder sieht in der Aufgabeninstruktion andere Nuancen! Wer macht was bis wann? Jeder hat andere Ausreden, warum er nicht sofort etwas ausarbeiten kann!</p>
<p>Nur gut, dass es in der Lernumgebung Tipps zur Aufgabenbearbeitung gibt. In der Instruktion erfährt man, dass die Gruppe bei jedem Fall einen Moderator bestimmen soll, der für die Koordination zuständig ist.</p>
<p>Lessons learned für die Gruppe nach den ersten zwei Wochen: Vieles ist viel umständlicher in einem virtuellen Forum als im realen Seminarraum &#8211; vor allem, wenn die Gruppe heterogen ist und Studierende unterschiedlicher Fächer umfasst: Da treffen mitunter Welten aufeinander, stellen die Teilnehmer fest.</p>
<p>Die Zeit naht für die Abgabe der ersten Fall- und Aufgabenbearbeitung. Die Seminarleiterin macht bereits dezente Andeutungen in Richtung ineffiziente Zusammenarbeit. Einige Teilnehmer bekommen schon ein komisches Gefühl, weil ihnen da jemand ständig auf die Finger schaut; andererseits: Es kümmert sich wenigstens jemand darum, dass es voran geht!</p>
<p>Das Feedback, das die Gruppe dann auf ihre Falllösung bekommt, ist informativ und kritisch, und insgesamt positiv formuliert. Jeder kann auch die Rückmeldungen an die anderen Gruppen lesen &#8211; Verstecken gibt es nicht. Auch Zeit zum Ausruhen gibt es kaum; schon naht die nächste Herausforderung: Die virtuelle Lernumgebung ist für die zweite Aufgabe gut bestückt mit kommentierter Literatur und zahlreichen Links&#8230; eine Fülle von Information und das auch noch bei eher offenen Aufgaben und im virtuellen Austausch&#8230; Manche Gruppenmitglieder beginnen zu stöhnen, fast alle aber halten durch. Allmählich dämmert es den Teilnehmern, dass sie hier ein Übungsfeld für das haben, was sie auch lernen wollen: Nämlich wie man eigenes Wissen, das Wissen anderer und verfügbare Informationen auswählen und darstellen kann, wie man Wissen an andere weitergeben und teilen kann, wie man daraus neues Wissen generieren und für realitätsnahe Aufgaben anwenden kann.</p>
<p>
                                      <strong>Das Seminar macht mit Hilfe seiner Virtualität den Inhalt zur Methode und umgekehrt.</strong>
                                    </p>
<p>Fragen, das merken die Teilnehmer schon bald, sind im virtuellen Seminar erwünscht und werden auch beantwortet &#8211; nämlich in der Fragenbörse. Am Ende des Seminars ist fast jeder zufrieden: Der Aufwand war groß und verglichen mit manchem &#8220;Paukseminar&#8221; ist der erworbene Inhalt nicht gigantisch &#8211; aber man hat das Seminarthema verstanden, man hat mit dem Thema gearbeitet, die eigene Gruppe wurde kontinuierlich bewertet und: Man fühlt sich gerüstet für die erste virtuelle Teamarbeit an seinem künftigen Arbeitsplatz &#8211; und die kommt ganz gewiss.</p>
</td>
</tr>
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                    <strong>Nachhaltigkeit versus kurzfristige Einsparung.</strong><br />
                    <br />Aber sind nicht auch eine größere Nachhaltigkeit des Lernens, mehr Zufriedenheit und Motivation bei den Studierenden sowie positive Effekte auf die Qualität der Präsenzlehre Gründe genug, die für das e-Learning und reale (nicht nur beschworene) Investitionen in dessen Förderung sprechen? Können und dürfen kurzfristige Einsparungen in einer Zeit als alleiniges Argument gelten, in der angesichts demografischer und technologischer Entwicklungen eine neue Form der &#8220;Bildungskatastrophe&#8221; absehbar ist? Eine intelligente Kombination von virtuellen Lehr-Lerneinheiten mit Präsenzveranstaltungen lassen aus meiner Sicht Synergiepotentiale erwarten, die neue Erkenntnisse aus der Lehr-Lernforschung umsetzbar machen: Nachhaltiges Lernen durch Problem- und Fallorientierung, durch Eigenverantwortung und Kooperation verknüpft mit adaptiver Anleitung und intensiver Betreuung und echtem Interesse am Lernenden und seinen Erfolgen. Vor allem Letzteres dürfte das Zünglein an der Waage sein, wenn es darum geht, neben notwendigem Fachwissen auch fachübergreifende Kompetenzen im Umgang mit Wissen, Medien und anderen Menschen zu entwickeln &#8211; also genau das, was Politiker und Wirtschaftsvertreter aller Orten fordern.<br />
                    </p>
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