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	<title>Vogelgrippe &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Vogelgrippe &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Das Virus lässt sich nicht auslöschen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_virus_laesst_sich_nicht_ausloeschenquot-155/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Vogelgrippe]]></category>
		<category><![CDATA[Michael F.G. Schmidt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Sonntag, den 26. Februar 2006, war Professor 
Michael F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und 
Molekularbiologie am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität 
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de.</span> Der Virologe beantwortete Fragen 
zur Vogelgrippe und zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer 
Pandemie.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Sonntag, den 26. Februar 2006, war Professor<br />
Michael F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und<br />
Molekularbiologie am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität<br />
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de.</span> Der Virologe beantwortete Fragen<br />
zur Vogelgrippe und zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer<br />
Pandemie.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Bericht-aus-Berlin-Zuschauer, liebe tagesModerator: Liebe<br />
Bericht-aus-Berlin-Zuschauer, liebe tagesschau.de-Leserinnen und<br />
Leser, herzlich willkommen zum tagesschau-Chat zum Bericht aus Berlin.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich Professor Michael<br />
F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und Molekularbiologie<br />
<br />
am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität<br />
Berlin. Vielen Dank, Herr Schmidt, dass Sie sich heute die Zeit<br />
genommen haben. Starten wir hiermit:
</p>
<p>
<b>Sonntag:</b> Besteht die Chance, den Virus weltweit<br />
auszulöschen oder müssen wir ab heute ständig mit<br />
der Gefahr leben.
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Der Virus, oder: das Virus,<br />
lässt sich nicht auslöschen. Wir werden bestimmt einige<br />
Jahre damit zu tun haben. Die Hoffnung besteht, dass es mit der<br />
Zeit an Aggressivität verlieren wird, denn auch zu früheren<br />
Zeiten hat es ähnliche Seuchen gegeben, die sich mit der Zeit<br />
moderiert haben.
</p>
<p>
<b>AlexP: </b>Guten Tag Hr. Dr. Schmidt, ist es denn<br />
sinnvoll sich für zu Hause für den Fall einer Pandemie<br />
mit Mundschutz der Klasse FFP1 oder mehr auszurüsten?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist zunächst Unsinn.<br />
Ich rate davon ab, in diese Richtung Investitionen zu tätigen,<br />
weil völlig offen ist, ob wirklich und wann eine Pandemie zu<br />
erwarten ist.
</p>
<p>
<b>Delia: </b>Wie ist ein Rhythmus von ca. 30 Jahren<br />
für Pandemien zu erklären?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Dafür gibt es keine<br />
wissenschaftliche Erklärung. Dieser zeitliche Rhythmus basiert<br />
einzig und allein auf den Beobachtungen von durch Influenza-Viren<br />
verursachten Seuchen im letzten Jahrhundert. Die bekanntesten Pandemien<br />
sind 1890, 1918, 1957, 1968 und 1977 gewesen. Das ist alles was<br />
wir hierzu wissen.
</p>
<p>
<b>sebastian-glas-m?: </b>Guten Tag, ich sehe einerseits<br />
die Feuerwehrleute, die in weißen Overalls und mit Atemschutz<br />
Tiere abtransportieren, aber gleichzeitig heißt es, man könne<br />
bedenkenlos am Strand spazieren gehen. Angenommen, quasi alle Vögel<br />
wären H5N1 infiziert, besteht dann ein erhöhtes Risiko,<br />
durch Kot an den Schuhsohlen, der in die Wohnung getragen wird?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Man muss sich vorstellen,<br />
dass das Virus nur an ganz wenigen Stellen in unserem Land auftreten<br />
wird. Das Virus ist zudem sehr labil, es wird nach wenigen Stunden,<br />
bzw. Tagen (abhängig von der Temperatur) inaktiviert. Die Schutzanzüge<br />
der Sicherheitskräfte vor Ort dienen dazu, Tröpfcheninfektionen<br />
oder Infektionen mit Staubpartikeln zu verhindern, die beim Hantieren<br />
mit diesen toten Tieren in unmittelbarer Nähe des eigenen Körpers<br />
theoretisch möglich ist. Vom Kot geht nur Gefahr aus, wenn<br />
man unglücklicherweise eine größere Menge dieses<br />
Materials in den Nasen-Rachenraum befördern würde.
</p>
<p>
<b>Honesty:</b> Kann das Medikament Tamiflu den Virus<br />
bekämpfen oder verringert es nur die Vermehrung der Viren im<br />
Körper?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Beides ist richtig. Dadurch,<br />
dass Tamiflu die Vermehrung bei dem Budding-Prozess der neu gebildeten<br />
Virus-Partikel inhibiert, wird die Anzahl theoretisch verbreitbarer<br />
Viruspartikel drastisch reduziert und damit dem Virus die Ausbreitung<br />
blockiert.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Was bedeutet Budding-Prozess?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Budding ist die Ausschleusung<br />
von Viruspartikeln aus der infizierten Zelle. Man muss sich vorstellen,<br />
dass eine von einem Viruspartikel infizierte Zelle der Lungenschleimhaut<br />
in der Lage ist, bis zu 5.000 neue Viruspartikel zu bilden. In Gegenwart<br />
von Tamiflu sind diese 5.000 Viruspartikel in der infizierten Zelle<br />
gefangen und können dem umliegenden Gewebe keinen Schaden mehr<br />
zufügen.
</p>
<p>
<b>Andreas G: </b>Hallo, man nennt es immer Geflügelpest<br />
&#8211; kann dieses Virus nach jetzigem Erkenntnisstand auf alle Vogelarten<br />
übergreifen? Wenn ja, wäre eine Verbreitung auf dem großen<br />
Festland (Asien und Europa) gar nicht mehr zu stoppen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Interessanterweise kann<br />
sich das H5N1-Virus nicht in allen Vogelarten gleichermaßen<br />
vermehren. Zum Beispiel wächst es in Tauben außerordentlich<br />
schlecht. Das H5N1 ist vor allen Dingen auf Wasservögel spezialisiert,<br />
die das Virus allerdings auch auf Hausgeflügel übertragen<br />
können. Im Gegensatz zum Wassergeflügel, das das Virus<br />
sehr oft tolerieren kann ohne zu erkranken, hat das Virus im Hausgeflügel<br />
fatale Folgen &#8211; es bringt das Hausgeflügel (insbesondere Hühner)<br />
innerhalb von 24 bis 48 Stunden um.
</p>
<p>
<b>Tobias H:</b> Es gibt doch seit vielen Jahren großes<br />
Vogelsterben / Geflügelpest! Theoretisch hätten diese<br />
Viren damals auch mutieren können. Warum lenkt man jetzt so<br />
eine große Aufmerksamkeit auf die diesjährige Welle?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das liegt einfach daran,<br />
dass das jetzt verbreitete H5N1-Geflügelpest-Virus unglücklicherweise<br />
sehr viel leichter in der Lage zu sein scheint, auch auf Menschen<br />
übergehen zu können. Frühere Geflügelpest-Viren<br />
waren in der Natur ebenso weit verbreitet und haben auch je nach<br />
ihrer genetischen Zusammensetzung zu empfindlichen Schäden<br />
in der Geflügelwirtschaft geführt.
</p>
<p>
<b>JpH: </b>Wie wahrscheinlich ist denn mit einer Übertragung<br />
des Virus auf den Menschen zu rechnen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Die Vergangenheit hat gezeigt,<br />
dass das Virus prinzipiell in der Lage ist, auch in den Menschen<br />
einzudringen, dies ist allerdings nur möglich, wenn die Betroffenen<br />
einer sehr hohen Virusdosis ausgesetzt waren.
</p>
<p>
<b>Shanghai:</b> Warum sind die in der Türkei erkrankten<br />
Kinder verstorben? Haben sie keinen Zugang zu Medikamenten? Ist<br />
Ihnen in der Sache etwas bekannt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Es ist zu vermuten, dass<br />
in diesen Fällen zu spät erkannt worden ist, woran diese<br />
Kinder erkrankt waren und zudem ist anzunehmen, dass Tamiflu kaum<br />
verfügbar war oder zu spät gegeben wurde.
</p>
<p>
<b>moritz-cm:</b> Da auch jetzt tote Vögel im oder<br />
am Bodensee gefunden worden sind, wollte ich fragen, ob das auch<br />
Auswirkungen auf die Wasserversorgung haben kann?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist gänzlich ausgeschlossen,<br />
weil zu einer Infektion Milliarden von Viruspartikeln des Typs H5N1<br />
erforderlich wären. Solche Virusmengen sind nur in unmittelbarer<br />
Nähe infizierter Tiere möglich. Im Seewasser wären<br />
etwaige Viruspartikel derart verdünnt und infolge ihrer Instabilität<br />
schon nach kurzer Zeit zerstört.
</p>
<p>
<b>Rita Koch: </b>Kann man unbedenklich in Gewässern<br />
baden, wenn dort kranke Tiere gefunden wurden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist absolut möglich.<br />
Es gibt keinerlei Infektionsrisiko, wenn man den Badefreuden nachgeht.
</p>
<p>
<b>Anton Weigl:</b> Wenn ich im Geschäft Eier kaufe,<br />
so haftet an diesen gelegentlich noch etwas Kot, manchmal auch kleine<br />
Federn. Besteht hieraus ein Infektionsrisiko?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist nur eine rein theoretische<br />
Möglichkeit, die aber in der heutigen Praxis ausgeschlossen<br />
werden kann, denn erstens legen infizierte Tiere keine Eier mehr,<br />
zweitens gibt es ohnehin keinerlei H5N1 in unseren Geflügelbeständen.
</p>
<p>
<b>FranziskaFranke:</b> Wie kann es denn sein, dass nun<br />
plötzlich das Virus hier auftritt, obwohl die Zugvogelsaison<br />
noch gar nicht begonnen hat? Oder ist die Vogelgrippe schon länger<br />
im Land, ohne dass es jemand bemerkt hätte?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das Virus ist nach Rügen<br />
eingetragen worden von Vogeltrupps, die vorzeitig aus dem Baltikum<br />
und aus Westrussland ein Ortsverlagerung vorgenommen haben. Über<br />
diese &#8211; wahrscheinlich Singschwäne und Möwen &#8211; ist diese<br />
Infektion in den Wildvogelbestand dieser Region getragen worden<br />
und hat sich, dort langsam weiter verbreitet. Ein weiterer Eintrag<br />
von H5N1-Viren durch den beginnenden Vogelzug ist keineswegs ausgeschlossen.<br />
Deshalb sollte niemand überrascht sein, wenn dies Virus in<br />
den nächsten Wochen und Monaten an weiteren Stellen unseres<br />
Landes, oder der Nachbarländer, nachgewiesen wird.
</p>
<p>
<b>Tyrael: </b>Stimmt die Vermutung, dass eine für<br />
uns gefährliche Mutation eher im asiatischen Raum auftreten<br />
wird?
</p>
<p>
<b>flyaway: </b>Ich habe gehört, dass das Virus<br />
nur in der Schleimhaut von Atemwegen von Schweinen so mutieren kann,<br />
dass es für Menschen gefährlich werden kann und dass daher<br />
die gemeinsame Haltung von Geflügel und Schweinen, wie sie<br />
in Asien weit verbreitet ist, besonders kritisch ist. Stimmt das<br />
und wenn ja, warum?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Zur ersten Frage: Es ist<br />
anzunehmen, dass eine potentielle Pandemie ihren Ursprung in Südostasien<br />
nehmen wird, weil nur dort die sozio-ökonomischen Gegebenheiten<br />
eine häufigere Infektion von Menschen ermöglichen. Dass<br />
sich in unserem Land jemand mit H5N1 infizieren wird, halte ich<br />
für extrem unwahrscheinlich, weil wir nicht mit infizierten<br />
Hühnern in der Küche zusammenleben. Zur zweiten Frage:<br />
Schweine scheinen bei dem H5N1-Virus keine Rolle zu spielen. Vielmehr<br />
müssen wir befürchten, dass die entscheidenden Mutationen<br />
nur auftreten werden, wenn das Virus in einem Menschen, der sich<br />
unglücklicherweise infiziert hat, Gelegenheit zur Vermehrung<br />
erhält, wobei (wie bei Influenza A-Viren immer der Fall) hier<br />
ein Übungsfeld für erfolgreiche Mutationen gegeben ist.<br />
Wenn eine Mutation erfolgt, die dem Virus erlaubt, bei einer erneuten<br />
Infektion Menschen viel leichter zu befallen als anfangs, ist möglicherweise<br />
der erste Schritt zur Pandemie gelungen. Wegen dieses Zusammenhangs<br />
ist es immens wichtig, jegliche Infektionen von Menschen auszuschließen.<br />
Das gelingt in unseren Regionen sicher leichter als in der Osttürkei,<br />
in China oder in Thailand.
</p>
<p>
<b>sorge:</b> Meine Schwester hat schon im November Tamiflu<br />
für die ganze Familie besorgt. Damals sagte mir die Hausärztin,<br />
dass Tamiflu ungeeignet sei, weil das Virus doch anders aussehen<br />
werde bei einer Pandemie. Jetzt fällt der Name Tamiflu in den<br />
Medien und die Bevölkerung soll damit versorgt werden. Was<br />
ist richtig?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Tamiflu funktioniert bei<br />
allen Influenza-A-Viren, so auch beim H5N1-Virus, oder daraus abgeleiteten<br />
Formen, oder Mutanten. Nur wenn Tamiflu sehr lange genutzt worden<br />
ist, und viele Leute es eingenommen haben, könnte es passieren,<br />
dass das Virus beginnt, sich daran zu gewöhnen und sich wiederum<br />
langsam so verändert, dass Tamiflu immer schlechter wirkt und<br />
das Virus resistent gegen Tamiflu wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt konkret: Tamiflu sollte<br />
man nicht auf eigene Verantwortung nehmen, sondern nur auf Anweisung<br />
eines Arztes?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das ist richtig. Tamiflu<br />
sollte nur auf ärztliche Anordnung genommen werden. Wichtig<br />
ist, dass man bei gravierenden Grippe-Symptomen möglichst bald<br />
den Arzt aufsucht. Nicht prophylaktisch nehmen.
</p>
<p>
<b>mick1723:</b> Ist die ganze Sache mit der Vogelgrippe<br />
nicht einfach nur reine Panikmache der Medien, genauso wie bei BSE,<br />
nach einem Jahr wird keiner mehr darüber sprechen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Es ist zu hoffen, dass der<br />
Zuschauer die Berichterstattung in den Medien nicht in erster Linie<br />
als Panikmache versteht, sondern daraus lernt, was tatsächlich<br />
durch dieses Virus bewirkt werden kann und wie man sich sinnvollerweise<br />
gegen eine Infektion mit H5N1 schützen kann. Weiterhin ist<br />
es wichtig, aus der Berichterstattung zu lernen, dass im Moment<br />
für den Menschen in Deutschland keinerlei Bedrohung besteht,<br />
dass vor allen Dingen Geflügelprodukte und Eier ebenso gut<br />
sind, wie sie es immer waren und es also keinerlei Infektionsrisiko<br />
gibt, wenn man solche Produkte verzehrt. Es ist sehr wichtig, dass<br />
man sich dies zu Herzen nimmt, denn, wer auf die Berichterstattung<br />
mit solcherlei Panik reagiert, schadet unserer Wirtschaft und sich<br />
selbst auf empfindliche Weise.
</p>
<p>
<b>Sonntag:</b> Reagiert &quot;die Politik &quot; Ihrer<br />
Meinung nach richtig auf die momentane Situation?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich finde die Politik hat<br />
hervorragend reagiert, ob nun SPD oder CDU-regierte Bundesländer<br />
betroffen waren oder sind. Die positiven Ergebnisse sprechen für<br />
sich: obwohl das Virus in Rügen gehäuft aufgetreten war,<br />
ist es gelungen, eine massenhafte Verseuchung der umliegenden Gegenden<br />
und Länder zu verhindern und vor allen Dingen sicher zu stellen,<br />
dass Wirtschaftsgeflügelbestände bisher nicht betroffen<br />
sind. Glücklicherweise gibt es auch keine Infektionen von Menschen<br />
mit dem H5N1, was bestimmt auch darauf zurückzuführen<br />
ist, dass die Menschen aus der Berichterstattung gelernt haben,<br />
infizierte, verendete Tiere nicht zu berühren oder gar erkrankte<br />
Tiere zur Pflege mit nach Hause zu bringen.
</p>
<p>
<b>Thomas2006: </b>Wird die Verbreitung des Erregers<br />
H5N1 in den wärmeren Monaten im Frühjahr und Sommer zurückgehen<br />
bzw. der Erreger verschwinden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Davon ist auszugehen. Deshalb,<br />
und nicht nur deshalb, hoffen wir alle möglichst bald auf frühlingshafte<br />
Temperaturen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Welche Temperaturen werden für<br />
das Virus kritisch?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Schon bei Raumtemperatur<br />
von ca. 22 Grad Celsius verliert das Virus rapide an Infektionskraft.<br />
Ich scheue mich, hier genaue Zahlen zu nennen, weil dies von der<br />
genauen Umgebung der Viruspartikel abhängt (PH-Wert, Ionen,<br />
Detergenz).
</p>
<p>
<b>caburger:</b> Wieso hat sich der Erreger im Süden<br />
von Asien so gut halten können, wo es doch dort noch deutlich<br />
wärmer ist als bei uns?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das Virus hat sich in der<br />
Wildvogelpopulation, insbesondere in Wasservögeln gehalten.<br />
Es hält sich nicht etwa isoliert auf im Erdreich, oder in Seen<br />
oder im Wasser, sondern es hält sich in der Region innerhalb<br />
der Wasservögel und Wildvögel und wird von infizierten<br />
Tieren vor allen Dingen im direkten Kontakt an nicht-infizierte<br />
Tiere weitergegeben. Und hier tritt die Infektion insbesondere in<br />
Erscheinung wenn Wirtschaftsgeflügel &#8211; vor allen dingen Hühner<br />
&#8211; infiziert wurde, weil diese nach kurzer Zeit sterben.
</p>
<p>
<b>Jens M:</b> Ist davon auszugehen, dass der Virus im<br />
nächsten Winter wiederkommt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das ist durchaus möglich,<br />
weil das H5N1 in Wasservögeln relativ weit verbreitet zu sein<br />
scheint.
</p>
<p>
<b>Kleiber:</b> Bin grippegeimpft. Schützt mich<br />
das gegen das Virus?
</p>
<p>
<b>jörg heyn:</b> Ist es sinnvoll, sich jetzt noch<br />
gegen Grippe impfen zu lassen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Die Grippeimpfung ist unter<br />
allen Umständen ratsam, denn sie reduziert die Chance, dass<br />
sich im Falle einer Mischinfektion (normales Grippe-Virus plus H5N1-Virus)<br />
ein<br />
neuer Stamm bilden kann, der unter Umständen in der Lage ist,<br />
von Mensch zu Mensch überzuspringen. Die Grippeimpfung schützt<br />
natürlich nicht direkt vor einer Infektion mit H5N1, weil bei<br />
letzterem Virus völlig andere antigene Strukturen wirken als<br />
beim herkömmlichen humanen Grippevirus, gegen das wir mit Hilfe<br />
der Impfung einen Antikörperschutz verleihen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es wird unterschieden zwischen „hoch-pathogenem“<br />
und „niedrig-pathogenem“ H5N1-Virus. Können Sie<br />
uns den Unterschied kurz erklären?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich will es nicht molekular<br />
erklären. Aber man kann einfach sagen, dass das nicht pathogene<br />
Virus lediglich im Rachenraum leben kann und dort Schäden verursachen<br />
kann, wohingegen das hoch pathogene Virus sich im gesamten Körper<br />
ausbreiten kann und sogar das Gehirn befallen kann.
</p>
<p>
<b>David22:</b> Wie unterscheidet sich der Krankheitsverlauf<br />
einer &quot;H5N1-Grippe&quot; beim Menschen von einer normalen Grippe?<br />
Anders gefragt: Muss es erst zu einem Todesfall gekommen sein, bis<br />
das Virus nachgewiesen wird oder gibt es bereits vorher Anzeichen,<br />
die einen Arzt misstrauisch machen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich bin kein Humanmediziner<br />
und möchte denen nicht in die Parade fahren. Man sollte dazu<br />
die Homepage des Robert-Koch Instituts konsultieren. Als Nicht-Mediziner<br />
kann ich immerhin sagen, dass eine H5N1-Infektion zu gravierenden<br />
Veränderungen der Lunge führt, was eine furchtbare Lungenentzündung<br />
verursacht und dass sich das Virus auch in weiteren inneren Organen<br />
ausbreitet und dort Schäden verursacht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch sehr konkret:
</p>
<p>
<b>uwoltma:</b> Direkt über meinem Schlafzimmerfenster<br />
befinden sich mehrere Schwalbennester. Könnte das gefährlich<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Kann nicht gefährlich<br />
werden. Bisher sind noch keine H5N1-infizierten Schwalben festgestellt<br />
werden.
</p>
<p>
<b>goofer: </b>Welche anderen Tiere außer Vögel<br />
können sich denn infizieren?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Prinzipiell können<br />
mit H5N1 eine ganze Reihe von Säugetieren infiziert werden.<br />
Dies ist allerdings vor allen Dingen in Laborexperimenten gelungen.<br />
Aus der Natur gibt es praktisch keine Belege für eine natürliche<br />
Infektion, beispielsweise von Katzen oder Hunden mit dem H5N1-Virus.
</p>
<p>
<b>Scrat: </b>Was fehlt dem H5N1-Virus noch, um von Mensch<br />
zu Mensch zu Mensch überspringen zu können? Und wie groß/klein<br />
ist dieser Schritt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das kann man nicht quantifizieren<br />
und man kann es auch nicht werten. Das ist ein Spiel der Natur,<br />
die über die verschiedensten Mutationen an den elf Genprodukten<br />
(Eiweißen) unter Umständen ein fatales Virus hervorbringen<br />
könnte. Einen Punkt kann man vielleicht doch spezifizieren:<br />
Grundvoraussetzung für die Menschengängigkeit eines solchen<br />
neuen Pandemie-Virus ist das Erlernen eines effizienten Andockens<br />
an den beim Menschen typischen Rezeptor, der sich zum Glück<br />
vom entsprechenden Rezeptor der Vögel unterscheidet.
</p>
<p>
<b>gert: </b>Immer mehr tote Vögel werden gefunden.<br />
Ist denn noch Laborkapazität vorhanden, all diese Funde ordnungsgemäß<br />
zu untersuchen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Sehr gute Frage. Es ist<br />
ein großes Problem, alle Tiere zu untersuchen. In der Tat<br />
werden im Wesentlichen Wasservögel angeschaut, die als Hauptüberträger<br />
des Virus gelten. Andere Vogelarten müssen erst einmal in die<br />
Warteschleife, weil es nicht genügend Personal für die<br />
aufwändigen Untersuchungen gibt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren unsere 60 Minuten Chat zum<br />
Thema Vogelgrippe. Herzlichen Dank an Sie, Professor Schmidt, dass<br />
Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Protokoll des<br />
Chats finden Sie zum Nachlesen auf www.tagesschau.de, www.berichtausberlin.de<br />
und www.politik-digital.de. Der nächste Chat ist für den<br />
Montag, dreizehnten März geplant. Dann stellt sich ab dreizehn<br />
Uhr Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul Ihren Fragen.<br />
Wir wünschen allen Beteiligten noch einen angenehmen Sonntagabend!
</p>
<p>Heute Abend hatten unsere Moderatoren mit sehr vielen Fragen zu<br />
tun. Leider konnten nicht alle an Herrn Prof. Schmidt weitergeleitet<br />
werden. Wir möchten jedoch auf das aktuelle Dossier zum Thema<br />
auf tagesschau.de hinweisen, wo auch eine Info-Hotline des Landwirtschaftsministeriums<br />
genannt wird. Zudem fragten sehr viele Nutzer nach Gefahr für<br />
Hund und Katze und mögliche Übertragungswege. Diese Frage<br />
wurde auch bereits im ersten unserer Chats mit Prof. Wieler ausführlich<br />
behandelt, ich empfehle das Transkript des Chats vom vergangenen<br />
Mittwoch. </p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Ansteckungsgefahr für den Menschen ist sehr, sehr gering&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_ansteckungsgefahr_fuer_den_menschen_ist_sehr_sehr_geringquot-156/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Vogelgrippe]]></category>
		<category><![CDATA[Lothar Wieler]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotdie_ansteckungsgefahr_fuer_den_menschen_ist_sehr_sehr_geringquot-156/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 22. Februar 2006, war Professor 
Dr. Lothar Wieler, Geschäftsführender Direktor des Instituts 
für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Freien Universität 
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de.</span> Der Experte beantwortete Fragen zur 
Ausbreitung der Vogelgrippe </b><b>und möglichen 
Gefahren der Seuche für den Menschen.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 22. Februar 2006, war Professor<br />
Dr. Lothar Wieler, Geschäftsführender Direktor des Instituts<br />
für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Freien Universität<br />
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de.</span> Der Experte beantwortete Fragen zur<br />
Ausbreitung der Vogelgrippe </b><b>und möglichen<br />
Gefahren der Seuche für den Menschen.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Leserinnen und Leser, User und Nutzer von tagesschau.de, herzlich<br />
willkommen beim tagesschau-Chat. Unser Gast im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist heute Professor Dr. Lothar Wieler vom Institut für Mikrobiologie<br />
und Tierseuchen an der Freien Universität Berlin. <br />
Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler :</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Tristan:</b> Wie würden Sie die Situation einschätzen?<br />
Haben wir es in den Medien, wenn dort von einer Pandemie gesprochen<br />
wird, mit Panikmache zu tun?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Die Möglichkeit einer Pandemie<br />
kann nicht vollständig ausgeschlossen werden. Es ist sehr wichtig,<br />
dass man gerade in der Politik und in den Behörden viele Möglichkeiten<br />
theoretisch vordenkt.
</p>
<p>
<b>A Volbracht:</b> Weiß man wie das Virus nach<br />
Rügen gelangte? Entdeckt wurde das Virus vor einigen Tagen,<br />
ist es vielleicht aber schon länger auf Rügen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Man weiß nicht, wie das<br />
Virus dorthin gelangt ist. Man überprüft aber schon seit<br />
mehreren Jahren stichprobenartig inzwischen über 4.000 Wildvögel<br />
auf H5N1 und hat bis letzte Woche nie dieses Virus gefunden. Es<br />
ist jetzt die Stunde der Epidemiologen in Wusterhausen (Friedrich<br />
Löffler Institut), die nun Untersuchungen durchführen<br />
um die Herkunft des Virus herauszufinden.
</p>
<p>
<b>Der_Gockel:</b> Wozu raten Sie eher: Den Ball flach<br />
halten, um die Bevölkerung nicht in Panik zu versetzen, oder<br />
rückhaltlose Aufklärung mit der Gefahr der Panikmache?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Panik ist immer ein schlechter<br />
Berater. Ich glaube, dass eine transparente, seriöse Aufklärung<br />
sehr wichtig ist, damit alle Mitbürger sich selber ein richtiges<br />
Bild machen können.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Ganz konkret:
</p>
<p>
<b>Anette: </b>Meine neunjährige Tochter will im<br />
April nach Rostock fahren. Kann ich sie unbesorgt fahren lassen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Zurzeit geht einzig und allein<br />
eine Infektionsgefahr von infizierten Wildvögeln aus. Darum<br />
muss jeder Mitbürger und eben auch jedes Kind sich schlichtweg<br />
von toten Wildvögeln und von Wildvögelkot fern halten.<br />
Wenn diese Verhaltensmaßregeln konsequent eingehalten werden,<br />
besteht kein Infektionsrisiko für die Menschen. Deshalb sollte<br />
Ihre Tochter nach Rostock fahren und sich entsprechend verhalten.
</p>
<p>
<b>klausdieter: </b>Gibt es eine Erklärung warum<br />
gerade die Schwäne so stark befallen sind?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Bislang gibt es nur Spekulationen.<br />
Die Fragen werden zukünftig von Epidemiologen beantwortet.<br />
Folgende Möglichkeiten bestehen prinzipiell: Erstens, Schwäne<br />
sind sehr empfänglich für das Virus. Zweitens, Schwäne<br />
haben sich nach dem langen Winter an wenigen Wasserstellen mit anderen<br />
Wildvögeln intensiv getroffen und sich dort, bei diesen Wildvögeln<br />
angesteckt, die nicht erkrankt sind, aber das Virus tragen.
</p>
<p>
<b>Jessika: </b>Guten Tag Herr Prof. Dr. Wieler, in den<br />
Nachrichten hörte ich, dass der Vogelgrippevirus auch Mäuse<br />
infiziert. Wie ist hier das Gefährdungspotential für Menschen;<br />
denn Mäuse finden sich wohl überall dort, wo Lebensmittel<br />
auf Vorrat gehalten werden &#8211; also auch in Supermärkten?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Unter natürlichen Bedingungen<br />
wurden bislang nie Mäuse gefunden, die mit dem Vogelgrippevirus<br />
infiziert waren. Im Labor ist es möglich, solche Tiere mit<br />
den Viren zu infizieren. Das tut man aus Forschungszwecken, um mehr<br />
über diese Viren zu lernen. Für die Verbreitung des Vogelgrippevirus<br />
spielen Mäuse aber derzeit keine Rolle.
</p>
<p>
<b>Consystor: </b>Wie lange dauert es, bis bei einem<br />
infizierten Vogel der Tod eintritt bzw. bei wie viel Prozent der<br />
infizierten Vögel tritt der Tod überhaupt ein?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Diese Frage ist sehr schwer<br />
zu beantworten, weil es sehr viele verschiedene Vogelarten gibt.<br />
Niemand weiß, wie bei jeder dieser Vogelarten die Virusinfektion<br />
abläuft. Hühner sterben innerhalb von ein bis zwei Tagen<br />
nach der Infektion. Ebenso Puten. Tauben werden nur infiziert, erkranken<br />
aber gar nicht. Das sind zwei Beispiele, die für uns wichtig<br />
sind. In der Zukunft werden wir sicherlich auch noch mehr darüber<br />
erfahren, warum Schwäne an der Infektion erkranken, aber Enten<br />
weniger. Das sind sehr wichtige Fragen, die wir hoffen zukünftig<br />
zu beantworten; die wir auch beantworten müssen, um eine Risikoeinschätzung<br />
seriös vornehmen zu können.
</p>
<p>
<b>mb: </b>Wie lange kann der Virus an der frische Luft<br />
bzw. in geschlossenen Räumen überleben?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Das hängt immer von dem<br />
Klima, der Luftfeuchtigkeit, der Temperatur und vielen anderen Faktoren<br />
ab. Wir wissen, dass das Virus in trockenem Hühnerkot bei 4°C<br />
bis zu vier Wochen überleben kann. Wir wissen, dass das Virus<br />
im Wasser (kaltem Wasser) ebenfalls viele Tage überleben kann.<br />
Da aber alle diese äußeren Faktoren immer variieren,<br />
kann man nicht für jede Situation die genaue Überlebensfähigkeit<br />
einschätzen. Klar ist, dass zum Beispiel im Sommer das Virus<br />
im Wasser viel kürzere Zeit überleben kann.
</p>
<p>
<b>sphenoid: </b>Ist der Übertragungsweg des Virus<br />
geklärt? Sprechen wir von einer reinen fäkal-oralen Infektion,<br />
oder könnte auch eine Tröpfcheninfektion in Frage kommen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Ich gehe davon aus, dass es<br />
bei der Frage um Tiere geht. Tiere stecken sich über trockenen<br />
Kot an, das heißt eben fäkal-oral, und sie atmen auch<br />
Staubpartikel ein, die Virus enthalten. Wasservögel stecken<br />
sich zum Beispiel darüber an, dass infizierte Wasservögel<br />
in der Regel ins Wasser ausscheiden, und dann nehmen sie den Erreger<br />
vor allen Dingen oral auf.
</p>
<p>
<b>Amanda12:</b> Ich frage mich, wie groß die Übertragungsgefahr<br />
ist, wenn man z.B. am Strand barfuß in Kontakt mit Kot von<br />
betroffenen Vögeln kommt?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Der Mensch kann sich nur anstecken,<br />
wenn er entweder den Erreger einatmet oder den Erreger isst.
</p>
<p>
<b>Adrian: </b>Stirbt der Virus, der sich z.B. in Fleisch<br />
oder Eiern befindet durch Braten oder Kochen ab?
</p>
<p>
<b>bastian123de:</b> Sterben die Bakterien ab, wenn infiziertes<br />
Fleisch gekocht wurde?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Erhitzen tötet die Viren<br />
sehr schnell und effizient ab. Das heißt, Braten und Kochen<br />
ist ein hundertprozentiges Mittel, um die Viren abzutöten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie hoch muss die Temperatur sein?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Die Temperatur muss 70°<br />
für etwa 5 Minuten sein, dann ist das Virus sicher abgetötet.
</p>
<p>
<b>Joswiss: </b>Muss dazu das Fleisch auch gut durchgebraten<br />
sein?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Man sollte das Fleisch gut durchbraten.
</p>
<p>
<b>Florian0706: </b>Wenn man sich ansteckt, indem man<br />
den Erreger isst, würde das ja bedeuten, dass man sich beim<br />
Baden im Badesee anstecken könnte, wenn man ‚aufgelösten<br />
Kot’ zu sich nimmt?
</p>
<p>
<b>Nabeln: </b>Könnte eine Ansteckung durch das<br />
Baden in einem betroffenen See geschehen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler :</b> Gute Frage. Man steckt sich<br />
mit Viren nur dann an, wenn eine bestimmte Menge an Virus aufgenommen<br />
wird &#8211; es gibt keine 100prozentige „attack rate“. Das<br />
heißt, sollte im Sommer virushaltiger Kot im Badegewässer<br />
vorhanden sein, dann ist nicht davon auszugehen, dass die Viruskonzentration<br />
so hoch ist, dass ein Mensch sich anstecken kann. Weiterhin stirbt<br />
im Sommer das Virus viel schneller ab, weil das Wasser viel wärmer<br />
ist als im Winter.
</p>
<p>
<b>marsian:</b> An welchen Symptomen erkenne ich, ob<br />
ich vom Federvieh besser die Finger lassen sollte?
</p>
<p>
<b>Tristan:</b> Wie kann man erkennen, dass ein Tier<br />
infiziert ist? Äußere Merkmale etc.?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Zunächst einmal würde<br />
ich mich generell von Federvieh fern halten, wenn ich nicht beruflich<br />
damit zu tun habe. Hühner werden teilnahmslos, die Eierqualität<br />
lässt nach, sie bewegen sich nicht mehr so viel, und sie sterben<br />
innerhalb von 1-2 Tagen. Auch bei anderen Vögeln steht im Vordergrund,<br />
dass das allgemeine Wohlbefinden reduziert ist und die Tiere schlichtweg<br />
nicht mehr so aktiv sind, wie man es von ihnen gewohnt ist. Sie<br />
sind schwach, bewegen sich nicht mehr von der Stelle und sterben<br />
dann.
</p>
<p>
<b>brushless:</b> Was bringt eigentlich das Keulen von<br />
gesunden Tieren?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Wenn man eine Tierseuche wirklich<br />
effektiv bekämpfen will, dann muss man alles tun, damit der<br />
Erreger sich nicht mehr vermehren kann. Dazu gibt es prinzipiell<br />
zwei Möglichkeiten: die eine ist die, dass man Medikamente<br />
gibt, die eine Virusvermehrung verhindern. Diese Möglichkeit<br />
haben wir in der Tierseuchenbekämpfung nicht. Die zweite Möglichkeit<br />
ist die, dass man den Viren ihren Wirt wegnimmt. Viren können<br />
sich nur in Wirten vermehren, nicht aber in der Umwelt. Wenn man<br />
Vögel vorsorglich tötet, hat das Virus keine Chance, sich<br />
in ihnen zu vermehren.
</p>
<p>
<b>Leon:</b> Kann sich mein Hund, der gerne Vögel<br />
jagt, anstecken? Bzw. kann er das Virus dann auf den Menschen übertragen?
</p>
<p>
<b>LeKa:</b> Kann der Virus auf Hauskatzen übertragen<br />
werden und von Katze auf Mensch?
</p>
<p>
<b>fritz2006:</b> Darf mein Kanarienvogel Hansi nun auch<br />
nicht mehr raus, und was mach ich mit dem Futter in meinem Vogelhäuschen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Derzeit wissen wir Folgendes:<br />
Erstens: Katzen können sich anstecken, wenn sie ein Huhn oder<br />
einen Vogel fressen, der an H5N1 verstorben ist. Zweitens: Hunde<br />
wurden bisher noch nie als H5N1-empfänglich beschrieben. Drittens:<br />
Kanarienvögel können sich mit H5N1 anstecken. Das heißt,<br />
lebt man in einem Gebiet, in dem H5N1-gefährdete Vögel<br />
vorkommen, sollte man Hunde unbedingt an die Leine nehmen, und Katzen<br />
sollten möglichst im Haus bleiben. Dass Katzen den Menschen<br />
anstecken könnten, ist unwahrscheinlich, denn sie müssten<br />
dazu den Menschen sehr intensiv beißen. Generell &#8211; unabhängig<br />
von der H5N1-Infektion &#8211; sollte man Vogelhäuschen immer feucht<br />
reinigen, damit kein Staub entsteht, den man eventuell einatmen<br />
könnte. Zurzeit sollte man darüber hinaus Vogelhäuschen<br />
in Desinfektionsmittel einweichen. Diese gibt es in jeder Apotheke<br />
zu kaufen.
</p>
<p>
<b>Hallo Wieler: </b>Frau Höhn fordert eine Impfung<br />
aller gefährdeten Tiere. Was halten sie davon?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Das ist kompliziert. Erstens:<br />
Es gibt keinen Impfstoff, der eine Infektion mit dem Virus verhindern<br />
kann. Zweitens: Geimpfte Tiere sind vor der Krankheit geschützt,<br />
aber eben nicht vor der Infektion. Daraus folgt, dass ich zwar mit<br />
einer Impfung Tiere vor der Krankheit schützen kann, und auch<br />
die Virus-Vermehrung in diesen Tieren verringern kann, ich kann<br />
damit aber nicht das Virus ausrotten. Deshalb hängt der Einsatz<br />
von Impfstoffen von der jeweiligen Seuchen-Situation ab. In Deutschland<br />
haben wir bislang keine H5N1-Seuche in Nutztierbeständen. Deshalb<br />
ist zurzeit eine Impfung nicht indiziert. Sollten wir in der Zukunft<br />
vermehrt Ausbrüche in Nutz-Geflügelbeständen haben,<br />
dann wird die Impfung sicher eine Option werden, auf die man zurückgreifen<br />
muss. Denn dann will man die Virusvermehrung aufhalten.
</p>
<p>
<b>Joswiss:</b> Wenn der bestehende Impfstoff bei Tieren<br />
dazu führt, dass die Krankheit nicht ausbricht, warum kann<br />
man diesen Impfstoff dann nicht auch für Menschen einsetzen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Zurzeit geht von dem H5N1-Virus<br />
eine sehr, sehr geringe Ansteckungsgefahr für den Menschen<br />
aus. Bislang sind weltweit über 90 Menschen an dieser Infektions-Krankheit<br />
verstorben. Aber es ist sicher, dass viel mehr Menschen mit diesem<br />
Virus Kontakt hatten. Das heißt, eine Impfung gegen ein Virus,<br />
das nur so wenige Menschen infiziert, ist sinnlos. Darum wird zurzeit<br />
kein Impfstoff dagegen produziert. Alle Experten fürchten,<br />
dass es irgendwann einmal zu einer Pandemie kommen kann. Das Virus,<br />
das diese Pandemie auslöst, ist aber nicht bekannt. Es ist<br />
erst dann bekannt, wenn die Pandemie begonnen hat. Dann muss man<br />
mit diesem Virus einen Impfstoff herstellen.
</p>
<p>
<b>happyfranz: </b>Sollte man sich doch angesteckt haben,<br />
wie ist der genaue Krankheitsverlauf?
</p>
<p>
<b>mathilda: </b>Welches sind die ersten Symptome für<br />
eine Ansteckung beim Menschen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das bezieht sich wohl auf den bisher<br />
bekannten Virus H5N1.
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Es ist sehr wichtig zu wissen,<br />
dass man sich nur anstecken kann, wenn man ganz intensiven Kontakt<br />
mit H5N1-erkrankten Vögeln hat. Die Symptome sind sehr vergleichbar<br />
mit den typischen Grippesymptomen: Abgeschlagenheit, Fieber, Gliederschmerzen.<br />
Lediglich die Symptome von Seiten des Atemtraktes, Husten und Atemnot,<br />
sind stärker ausgeprägt als bei der normalen Grippe.
</p>
<p>
<b>miles: </b>Kann das Virus auch von geimpften Tieren<br />
übertragen werden?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Ja. Genau das ist der Grund,<br />
warum wir mit der Impfung so sorgfältig umgehen müssen.<br />
Es ist wichtig zu wissen, dass trotz Impfung Viren das Tier infizieren<br />
können und sich das Virus im Tier auch vermehren kann. Allerdings<br />
ist die Virusmenge wesentlich geringer als in einem nicht-geimpften<br />
Tier. Deshalb wird weniger Virus ausgeschieden und entsprechend<br />
können auch weniger andere Tiere angesteckt werden.
</p>
<p>
<b>gast3487520: </b>Sie haben vorhin erwähnt, dass<br />
Tauben das Virus zwar aufnehmen und übertragen, aber nicht<br />
daran erkranken. Geht dann nicht eine große Gefahr von den<br />
vielen Stadttauben aus? Gerade wenn das Virus mutieren sollte?
</p>
<p>
<b>Berliner: </b>Muss das Übertragungsrisiko des<br />
Virus über Tauben, Katzen und Hunde nicht auch ernsthaft diskutiert<br />
werden und konsequent &#8211; nach dem Vorsichtsprinzip &#8211; in konkrete<br />
Prophylaxemaßnahmen bzw. Aufklärungskampagnen einbezogen<br />
werden? Zurzeit gibt es dazu offenbar in den Bundesländern,<br />
laut Tagesspiegel, auf Fachministerebene gravierende widersprüchliche<br />
Einschätzungen und Verlautbarungen. Was sage Sie dazu, Herr<br />
Professor W.?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Also, zunächst mal zu den<br />
Tauben: Die Tauben scheiden nach unserem heutigen Wissen den Erreger<br />
nicht aus! Deshalb spielen nach unserer Ansicht Tauben keine Rolle<br />
bei der Übertragung des Virus. Bezüglich der Hunde und<br />
Katzen können wir das Risiko nicht gänzlich ausschließen.<br />
Deshalb kann ich nur an alle Hunde- und Katzenbesitzer in den betroffenen<br />
Gebieten (in denen H5N1 in Wildvögeln nachgewiesen wurde) appellieren,<br />
ihre Katzen möglichst im Haus zu lassen. Vor allen Dingen aber<br />
ihre Hunde bitte anzuleinen. Diese sehr einfachen Maßnahmen,<br />
insbesondere bzgl. der Hunde (denn Katzen sind natürlich nicht<br />
immer einfach im Haus zu halten), sollten von den Mitbürgern<br />
schlichtweg als vorbeugende Maßnahme durchgeführt werden.
</p>
<p>
<b>hu :</b> Sind für die Abtötung des H5N1-Virus<br />
im Gesundheitswesen (Arztpraxis) formaldehydbasierte Desinfektionsmittel<br />
(Robert-Koch-Institut-gelistet) erforderlich, oder reichen auch<br />
die DGHM (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie<br />
)-gelisteten Mittel aus?</p>
<p><b>Lothar H. Wieler:</b> Influenza-A-Viren sind sehr empfindlich<br />
in der Umwelt. Jedes gängige, zugelassene Desinfektionsmittel,<br />
das nach Herstellerangaben eingesetzt wird, tötet das Virus<br />
sicher ab.
</p>
<p>
<b>Grisu2001 :</b> Verringert eine herkömmliche<br />
Influenzaimpfung das Risiko einer Vogelgrippeinfektion beim Menschen,<br />
oder könnte dadurch eine Mutation sogar noch begünstigt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Die Frage nach der Impfung ist<br />
sehr schön, sie freut mich. Jedes Jahr sterben in Deutschland<br />
mehrere tausend Mitbürger in Folge einer Grippeinfektion, weil<br />
sie sich nicht haben impfen lassen. Wir würden also viele tausend<br />
Menschenleben retten können, wenn sich die Menschen impfen<br />
ließen. Zu Ihrer Frage bezüglich der Impfung und H5N1:<br />
ein Szenario, das vorstellbar ist, ist dass das H5N1-Virus einen<br />
Menschen infiziert, der schon mit einem anderen Influenza-Virus<br />
infiziert ist. Dann könnten diese beiden Viren Gene austauschen.<br />
Und daraus könnte sich ein Pandemie-Virus entwickeln. Wenn<br />
sich also möglichst viele Menschen gegen die herkömmliche<br />
Grippe impfen lassen, dann reduzieren sie diese Möglichkeit.<br />
Das heißt, dass eine Impfung immer positiv zu bewerten ist.
</p>
<p>
<b>Dany:</b> Sind die Eindämmungsversuche der Bundeswehr<br />
überhaupt sinnvoll? Ist es nicht so, dass die Vögel einfach<br />
über diese Desinfektionsbecken hinweg fliegen? Oder wird hier<br />
nur versucht einen Übertragungsweg auszuschalten?
</p>
<p>
<b>manimax:</b> Was bringen eigentlich die Desinfektionsmatten,<br />
durch die die Autos fahren müssen?
</p>
<p>
<b>Hein Bloed:</b> Welchen Sinn haben die Seuchenmatten<br />
auf Rügen, wenn die Person an sich, nicht desinfiziert wird<br />
und Vögel sowieso ungestört hinfliegen wo sie wollen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Das ist eine sehr gute Frage.<br />
Klar ist, dass wir die Wildvögel nicht kontrollieren können.<br />
Das einzige, was wir tun können, ist Kadaver so schnell wie<br />
möglich unschädlich zu entsorgen. Was wir aber tun können,<br />
ist die anderen Verbreitungswege zu unterbinden. Und da sind Desinfektionsmaßnahmen<br />
und Sperrmaßnahmen die probaten und wichtigen Mittel. Deshalb<br />
ist es zurzeit vor allen Dingen wichtig, dass alle Geflügelhalter<br />
sich sehr genau an die vom Friedrich-Löffler-Institut herausgegebenen<br />
Richtlinien halten. Sie finden diese Richtlinien auf der Website<br />
des Friedrich-Löffler-Instituts. Natürlich wäre es<br />
ebenso wichtig, auch das Schuhwerk zu desinfizieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ihre Schätzung:
</p>
<p>
<b>ViVa: </b>Wie lange wird es dauern, bis sich die Vogelgrippe<br />
auf ganz Deutschland ausgebreitet hat?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Da kann ich keine Einschätzung<br />
abgeben. Ich glaube aber, dass über die Wildvögel eine<br />
weitere Verbreitung stattfindet. Darum ist es wichtig, dass alle<br />
Landkreise, die mit Wildvögelzug in Zusammenhang stehen, jetzt<br />
schon alle Maßnahmen im Voraus vorbereiten, damit jeder Wildvogel-Kadaver<br />
so schnell wie möglich eingesammelt und unschädlich beseitigt<br />
wird. Mit H5N1-infizierte Tiere sind die wichtigste Verbreitungsquelle.<br />
Deshalb müssen alle Maßnahmen darauf ausgerichtet sein,<br />
diese Quelle so schnell wie möglich zu schließen.
</p>
<p>
<b>Dany: </b>Eine Ausbreitung ist also, selbst durch<br />
den größten menschlichen Aufwand nicht zu verhindern,<br />
oder sehe ich das falsch?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Die Wahrscheinlichkeit einer<br />
weiteren Ausbreitung ist hoch. Wir können Wildvögel nicht<br />
kontrollieren, und deshalb sollten alle Menschen diese Möglichkeit<br />
vor Augen haben und sich entsprechend von toten Vögeln fern<br />
halten und die jeweiligen Behörden (Polizei und Feuerwehr)<br />
umgehend informieren, damit die Kadaver eingesammelt werden.
</p>
<p>
<b>markm:</b> Als Helfer im THW interessiert mich, welche<br />
Schutzausrüstung für die Bergung eines toten Vogels sinnvoll<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Es wird generell angeraten,<br />
dass man Ganzkörper-Schutzanzüge trägt. Dies ist<br />
eine Vorsichtsmaßnahme, damit die Personen in keinster Weise<br />
mit dem Virus in Kontakt kommen können. Damit auch der sehr<br />
unwahrscheinliche Fall einer aerogenen Infektion vermieden wird,<br />
sollen auch Atemmasken getragen werden.
</p>
<p>
<b>GrippeSchwan: </b>Wie sieht es mit dem Infektionsrisiko<br />
aus, wenn man das Virus in offene Wunden bekommt? Wenn z.B. ein<br />
Helfer, der tote Vögel trägt sich die Hand aufreißt.
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Hier ist eine Infektion nicht<br />
auszuschließen. Aber jeder Helfer, der sich eine Wunde zuzieht,<br />
wird diese sofort desinfizieren, so dass die Infektion umgehend<br />
beendet wird.
</p>
<p>
<b>Florian0706 :</b> Hallo Herr Prof. Dr. Lothar H. Wieler,<br />
falls es dazu kommen sollte, dass sich jemand mit der Vogelgrippe<br />
ansteckt, muss er dann zwingend behandelt werden, oder ist es auch<br />
möglich, dass man auch wie bei einer anderen Grippe, „von<br />
selbst“ wieder auf die Beine kommt?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Es gibt bisher rund 200 infizierte<br />
Personen, von denen sind über 90 gestorben, das heißt,<br />
dass mehr als die Hälfte die Infektion überlebt haben.<br />
Also besteht diese Möglichkeit, dass eine Infektion durchgestanden<br />
wird. Da aber viele Infizierte versterben, sollte man sich natürlich<br />
zwingend einer ärztlichen Behandlung unterziehen.
</p>
<p>
<b>Chris123:</b> Ich habe gehört, dass es erste<br />
Resistenzen gegen Tamiflu gibt. Stimmt das? Wie weit ist die Entwicklung<br />
anderer antiviraler Mittel?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Influenza-Viren haben ein hohes<br />
Potential zu mutieren. Es gibt tatsächlich einzelne Berichte<br />
von einzelnen Virusisolaten, die gegen Tamiflu weniger empfindlich<br />
sind. Es gibt weiterhin verschiedene Arbeitsgruppen, die an weiteren<br />
antiviralen Mitteln arbeiten. Meines Wissens ist eine Marktreife<br />
aber erst in frühestens 1-2 Jahren zu erwarten.
</p>
<p>
<b>A.Doan: </b>Guten Tag Herr Wieler! Wie hoch ist die<br />
Wahrscheinlichkeit, dass das Virus so mutiert, dass es auch zwischen<br />
Menschen übertragbar ist und was glauben sie wie schnell diese<br />
Mutationen auftreten könnten? Vielen Dank. A.Doan
</p>
<p>
<b>VolumePro: </b>Die WHO (Weltgesundheitsorganisation)<br />
spricht davon, dass wir näher an einer weltweiten Pandemie<br />
sind als je zuvor. Wie schätzen Sie das ein?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Die Wahrscheinlichkeit kann<br />
kein Mensch einschätzen. Wir wissen, dass es in bestimmten<br />
Abständen zu Pandemien kommt, weshalb sich alle Regierungen<br />
auf eine Pandemie einzustellen haben. Kein Mensch kann sagen, wann<br />
diese Pandemie kommt und kein Mensch kann sagen, ob sie durch das<br />
H5N1-Virus kommt. Aber wir Menschen haben noch nie so viele Ausbrüche<br />
weltweit durch ein Influenzavirus in Geflügelbeständen<br />
miterlebt. Und das H5N1-Virus ist eben auch in der Lage, Menschen<br />
zu infizieren. Deshalb ist die Einschätzung der WHO gerechtfertigt.
</p>
<p>
<b>Tristan:</b> Ist die Angst der Urlauber für die<br />
kommende Saison begründet? Würden sie auf Rügen Urlaub<br />
machen?
</p>
<p>
<b>schlauchboot: </b>Wenn ich Sie einladen würde:<br />
Würden Sie morgen mitkommen zum Urlaub auf dem Bauernhof nach<br />
Rügen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Liebes Schlauchboot: Ich würde<br />
natürlich nach Rügen mitkommen, schon weil ich seit Jahren<br />
an der Ostsee sehr gerne Urlaub mache! Wenn Sie und ich uns von<br />
Vogelkadavern fern hielten, dann wäre der Urlaub genau so schön<br />
wie er vor drei Wochen gewesen wäre. Wir würden jedoch<br />
mehr Militär, und Menschen in Schutzanzügen sehen. Ich<br />
kann verstehen, dass manche Menschen in ihrem Urlaub diesen Anblick<br />
nicht unbedingt schön finden. Aber eine Gefahr (erhöhte<br />
Gefahr) für den Menschen sehe ich nicht.
</p>
<p>
<b>Ulla:</b> Ich arbeite in einer Praxis und es wird<br />
bereits gefragt, wie es mit Obst und Gemüse ist, das durch<br />
Kot der Vögel verunreinigt ist und aus dem Ausland zu uns gebracht<br />
wird. Nach Abwaschen unbedenklich? Überhaupt Bedenken?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler :</b> Eine sehr hypothetische Frage.<br />
Erstens: Wie wahrscheinlich ist es, dass virushaltiger Kot auf Obst<br />
ist? Zweitens: Selbst wenn virushaltiger Kot drauf wäre, dann<br />
würde durch den längeren Transport das Virus abgestorben<br />
sein. Selbst wenn dann noch Virus auf dem Obst wäre, wäre<br />
die Menge so gering, dass sich kein Mensch anstecken kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stellvertretend für viele andere<br />
auch:
</p>
<p>
<b>mondrian: </b>Das waren sehr aufschlussreiche Informationen!<br />
Danke! Und: Bleiben Sie gesund!
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Herzlichen Dank, Professor Wieler, dass Sie sich Zeit für den<br />
Chat genommen haben. Wie immer geht das hier gesagte nicht verloren.<br />
Das Protokoll des Chats finden Sie zum Nachlesen auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Vielen Dank für das große Interesse,<br />
das wird sicher nicht der letzte Chat zur Vogelgrippe gewesen sein,<br />
Der nächste Chat ist für den Montag, 13. März 2006<br />
geplant. Dann stellt sich ab dreizehn Uhr Entwicklungsministerin<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul Ihren Fragen. tagesschau.de und politik-digital.de<br />
wünschen allen noch einen angenehmen Tag!</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>&#8220;Die Gefahr einer Einschleppung besteht&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensmittel]]></category>
		<category><![CDATA[Julia Klöckner]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensmittelskandal]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Vogelgrippe]]></category>
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		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 11. Januar, war Julia Klöckner, 
MdB der CDU, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Mit den Teilnehmern sprach sie über die Gefahr der Vogelgrippe 
und über Verbraucherschutz bei Lebensmitteln.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 11. Januar, war Julia Klöckner,<br />
MdB der CDU, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Mit den Teilnehmern sprach sie über die Gefahr der Vogelgrippe<br />
und über Verbraucherschutz bei Lebensmitteln.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen im tagesschau-Chat. Unsere Chat-Reihe wird veranstaltet<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de. Heute chatten wir mit<br />
Julia Klöckner. Sie ist für die CDU Abgeordnete im Deutschen<br />
Bundestag. Zu ihren Spezialgebieten zählen der Verbraucher-<br />
und Umweltschutz. Guten Tag, Frau Klöckner, können wir<br />
starten?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Ja, können wir!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Horst Seehofer sieht trotz Ausbreitung<br />
der Vogelgrippe in der Türkei keine erhöhte Gefahr einer<br />
Einschleppung nach Deutschland. Andere Experten und Politiker sind<br />
da klar anderer Meinung. Was stimmt?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Erst mal die Frage: Welcher<br />
Meinung sind Ihrer Meinung nach die anderen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die anderen sehen eben diese erhöhte<br />
Gefahr einer Einschleppung &#8211; im Gegensatz zu Seehofer. Wer hat Recht?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Die Gefahr einer Einschleppung<br />
besteht durch die Nähe zur Türkei natürlich. Aber<br />
die Gefahr ist nicht derart, dass Panikmache angebracht ist. Wir<br />
müssen den nationalen Krisenplan, den Horst Seehofer erarbeitet<br />
hat, nun konsequent anwenden. Zum Beispiel stehen erhöhte Kontrollen<br />
an Flughäfen, Busbahnhöfen und eine Deklarationspflicht<br />
auf der Tagesordnung.
</p>
<p>
<b>Bauer Möller:</b> Hallo Frau Klöckner, wie<br />
wahrscheinlich ist es, dass ich meine Gänse und Hühner<br />
im Frühling wieder in den Stall sperren muss?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Wo ist Ihr Hof? Die Wahrscheinlichkeit<br />
wird recht hoch sein, denn gerade im Frühjahr, wenn der Vogelzug<br />
beginnt, steigt die Gefahr einer Ansteckung. Deshalb bin ich für<br />
Prophylaxe.
</p>
<p>
<b>olaf:</b> Wenn dieser Virus so gefährlich ist,<br />
sollten dann nicht die Städte und Gemeinden zuallererst mal<br />
etwas gegen die unzähligen Stadttauben, die sich jetzt auch<br />
schon in den Dörfern breit machen und sowieso Krankheitsüberträger<br />
sind, unternehmen?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Stadttauben mögen zwar<br />
nicht jedermanns Sache sein, dennoch sie sind nicht Überträger<br />
der Vogelgrippe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachtrag des Users:
</p>
<p>
<b>Bauer_Möller:</b> In der Nähe von Rendsburg.
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Ja, auch Rendsburg ist nicht<br />
vor einer möglichen Ansteckungsgefahr gefeit.
</p>
<p>
<b>Bern4912 aus Kanada:</b> Viele Menschen reagieren<br />
auf relativ eingrenzbare Vorkommnisse (Vogelgrippe, Sars und andere)<br />
crazy und neurotisch. Und es gibt immer Politiker, die das politisch<br />
ausschlachten. Hier wäre eine gemeinsame, an die Vernunft der<br />
Menschen appellierende Sprache angebracht und keine politischen<br />
Spielchen. Ich erinnere mich noch an Tschernobyl, wo Menschen so<br />
viele Jodtabletten gegessen haben, dass sie wegen Jodvergiftung<br />
ins Krankenhaus mussten.
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Grüße nach Kanada!<br />
Hoffentlich geht es den Hühnern dort gut. Panikmache und politische<br />
Show sind immer unangebracht. Dennoch ist es wichtig, dass sich<br />
Politiker über Vorgehensweisen &#8211; wie zum Beispiel heute Nachmittag<br />
in einer Bund-Länder-Runde &#8211; verständigen. Sollen Ihrer<br />
Meinung nach Politiker denn auf Anfragen keine Auskunft geben, um<br />
somit auch nicht zitiert und den Verdacht des &quot;Ausschlachtens&quot;<br />
ausgesetzt zu werden?
</p>
<p>
<b>Marc:</b> Wie lange schätzen Sie, wird es noch<br />
dauern, bis sich der Vogelgrippenvirus in eine von Menschen auf<br />
Menschen übertragbare Variante verwandelt hat?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Ich hoffe, dass dies auf<br />
Grund globaler Abstimmungen und Vorsichtsmaßnahmen niemals<br />
geschehen wird. Kann Ihnen aber, da ich keine Virologin bin, dazu<br />
keine genauen Zeitfenster nennen.
</p>
<p>
<b>Wagenheber:</b> Ist es nicht paranoid, jetzt auf den<br />
Genuss von Geflügel zu verzichten?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> In der Tat, das wäre<br />
es. Die Frage ist nur, woher das Geflügelfleisch kommt. Ich<br />
würde zurzeit weder welches aus Asien noch aus der Türkei<br />
verzehren. Aber beim Bauern um die Ecke gibt es unbedenklich gutes.
</p>
<p>
<b>geisha21:</b> Wie kann man den Notfallplan noch optimieren<br />
&#8211; mit Medikamenten für nur knapp 20% der Bevölkerung wird<br />
es ja wohl noch nicht getan sein. Gerade heute stand in der FAZ,<br />
dass selbst große Firmen eigene Notfallpläne haben, um<br />
ihre Mitarbeiter vor Erkrankungen schützen.
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Den Notfallplan kann man<br />
durch konsequente Anwendung der Prophylaxe-Maßnahmen optimieren.<br />
Im Übrigen ist auch gar nicht gesichert, dass uns das passende<br />
Medikament bei einer möglichen Übertragung der Viren vom<br />
Tier auf den Menschen zur Verfügung stünde. Das Robert<br />
Koch Institut sagt selbst, man benötige erst einmal das vermeintlich<br />
menschliche Überträgervirus, um einen Impfstoff entwickeln<br />
zu können.
</p>
<p>
<b>ddandra:</b> Welche Maßnahmen bespricht denn<br />
die Bundesregierung heute?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Unter anderem wird über<br />
eine allgemeine Aufstallungspflicht im Frühjahr gesprochen.<br />
Ebenso über die Maßnahmen, die die einzelnen Bundesländer<br />
im Kontrollbereich von Reisenden und Importen durchführen.<br />
Es wird auch über eine so genannte Deklarationspflicht von<br />
Einreisenden gesprochen, die Lebensmittel bei sich tragen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Themenwechsel:
</p>
<p>
<b>Jonas:</b> Wird es einen neuen Anlauf für das<br />
in der vergangenen Legislaturperiode gescheiterte Verbraucherinformationsgesetz<br />
geben?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Ja, der Anlauf befindet sich<br />
schon fast auf der Zielgeraden. Es liegt ein Entwurf vom Verbraucherschutzministerium<br />
vor, welcher von den Fraktionen und den Ländern diskutiert<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Dornfelder:</b> Wieso interessieren Sie sich als junge<br />
Frau für das Thema Landwirtschaft? Das Themengebiet beinhaltet<br />
immerhin nicht ausschließlich den Weinanbau.
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Das stimmt. Zum einen komme<br />
ich aus einer ländlichen Region und bin intensiv mit der Landwirtschaft<br />
im Kontakt und weiß um deren Arbeit, Ziele und politische<br />
Aufgabenstellungen. Und zum anderen fällt in diesen Bereich<br />
auch der Verbraucherschutz und die Ernährung, welche uns alle<br />
angeht &#8211; und im Übrigen schließt es sich ja nicht aus:<br />
Junge Frau mit intellektuellem Verständnis für männliche<br />
Landwirtschaft 🙂
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zum Verbraucherinformationsgesetz:
</p>
<p>
<b>Jonas:</b> Wird es in dem Gesetz auch einen direkten<br />
Informationsanspruch gegen Unternehmen geben?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Wenn es nach mir ginge, nein.<br />
Denn was vielleicht für große Unternehmen zu leisten<br />
wäre (Info-Hotlines), ist für kleine mittelständische<br />
Unternehmen nicht leistbar. Deshalb plädiere ich für einen<br />
Auskunftsanspruch an Behörden. Doch letztlich ist die Frage<br />
noch nicht entschieden. Wir möchten uns sowohl die Seite der<br />
Anbieter als auch der Verbraucher noch einmal anhören und beurteilen.
</p>
<p>
<b>Lillyfee:</b> Welcher Charaktereigenschaft beziehungsweise<br />
welchem Persönlichkeitsmerkmal haben Sie es Ihrer Meinung nach<br />
zu verdanken, dass Sie bei der Bundestagswahl 2005 als erste CDU-Kandidat(in)<br />
seit 50 Jahren das Direktmandat in Ihrem Wahlkreis gewonnen haben?<br />
Oder führen Sie den Direktmandatsgewinn auf äußere<br />
Umstände zurück?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Was meinen Sie mit &quot;äußeren<br />
Umständen&quot;?
</p>
<p>
<b>Marsmensch:</b> Hat Ihre Herkunft mit Ihrer Sympathie<br />
für die CDU zu tun?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Sie schließen sich<br />
nicht aus. Aber diese Verbindung ist nicht zwingend.
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Noch mal zum Direktmandat:<br />
Ich gehe davon aus, dass ich auf Grund meiner Präsenz und Arbeit<br />
gewählt worden bin. Und wenn die Bürger in meinem Wahlkreis<br />
mich auch noch sympathisch finden, habe ich kein Problem damit.<br />
So ist Demokratie, junge Frauen können ältere Herren auch<br />
besiegen.
</p>
<p>
<b>Anna:</b> Wie stehen Sie zur Agrarpolitik Horst Seehofers?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Horst Seehofer ist ein Glücksgriff<br />
sowohl für die Landwirte (ökologisch wie konventionell<br />
wirtschaftende) als auch für Deutschlands Verbraucher. Im Übrigen<br />
hat er sich sehr schnell um die brennenden Themen unmittelbar nach<br />
Ministeriumsübernahme gekümmert und hat zudem noch einen<br />
unterhaltsamen Humor.
</p>
<p>
<b>Dirk Nowitzki:</b> Stimmen Sie mit der Absicht Seehofers<br />
überein, den Anbau genveränderter Pflanzen voranzutreiben?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Nicht unmittelbar den Anbau,<br />
sondern die Forschung an gentechnisch veränderten Pflanzen<br />
sollte meiner Meinung nach nicht weiter ideologisch abgelehnt werden.<br />
Wir müssen Chancen wie Risiken verantwortungsvoll abwägen<br />
und weder auf dem einen noch auf dem anderen Auge in dieser Frage<br />
den blinden Mann / die blinde Frau spielen.
</p>
<p>
<b>Homer J. Simpson:</b> Wie sieht die Zukunft der Gentechnik<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Hallo Simpson, gewiss nicht<br />
wie Homer. Die Zukunft der Gentechnik &#8211; an ihr muss gearbeitet werden.<br />
Wichtig ist, dass bei Produkten, die mit gentechnisch veränderten<br />
Organismen versehen sind, die Kennzeichnung stimmt und dass diejenigen,<br />
die keine gentechnisch veränderten Organismen nutzen möchten,<br />
dazu auch die tatsächliche Freiheit haben. Dennoch sollte man<br />
nicht aus Glaubensgründen die Gentechnik als solche verdammen.<br />
Wir haben wertvolle Fortschritte auf dem Feld der roten Gentechnik<br />
erzielt, aber genauso öffnen sich Türen, die man meiner<br />
Meinung nach nicht hätte öffnen sollen. Nicht anders wird<br />
es wahrscheinlich auch bei der grünen Gentechnik aussehen.
</p>
<p>
<b>Dr. Ruhrpott:</b> Welche Risiken sehen Sie?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Dass der Verbraucher keine<br />
Informationen darüber hat, wo gentechnisch veränderte<br />
Organismen drin ist oder nicht.
</p>
<p>
<b>vogefrei:</b> In Sachen Lebensmittelskandale: Warum<br />
weigert sich eigentlich Seehofer &#8211; vielleicht insgesamt die deutschen<br />
Behörden &#8211; die schwarzen Schafe zu benennen? Wer gammeliges<br />
Fleisch verkauft, verkauft bald nix mehr, wenn er als Verursacher<br />
beim Namen genannt wird. 35 Euro Bußgeld tun dagegen nicht<br />
weh.
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Da sind Sie leider nicht<br />
auf dem neusten Stand. Horst Seehofer hat einen Zehn-Punkte-Plan<br />
vorgelegt, der Anwendung findet, nach dem sowohl Vertreiber als<br />
auch der Abnehmer von Gammelfleisch namentlich genannt werden und<br />
denen auch der Lizenzentzug drohen kann.
</p>
<p>
<b>Johannes:</b> Wann wird es eine Kennzeichnungspflicht<br />
für Fleisch und Milchprodukte geben, die von Tieren stammen,<br />
die mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Das macht keinen Sinn. Denn<br />
eine Kuh, die eine Pflanze gefressen hat, auf der zum Beispiel ein<br />
Pollen einer gentechnisch veränderten Pflanze lag, ist weder<br />
selbst danach gentechnisch verändert, noch ihre Milch. Denn<br />
wenn wir Geflügel essen, werden wir selbst ja auch nicht zum<br />
Huhn. Gentechnische Futtermittel werden ausgeschieden.
</p>
<p>
<b>BitteBio:</b> Ich komme auch aus einer ländlichen<br />
Gegend. Nach Allergieerkrankungen habe ich mich auch mit Ernährung<br />
beschäftigen müssen und bevorzuge heute Bioprodukte. Giftrückstände,<br />
Konservierungsmittel und Skandale lassen meines Erachtens nur noch<br />
das zu. Unterstützen Sie Bio auch persönlich oder sind<br />
Sie nur für den Status quo?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Bioanbau wie auch konventioneller<br />
Anbau haben gleichermaßen ihre Berechtigung. Ich unterstütze<br />
beide Arten des Anbaus, ohne die eine oder andere zu bevorzugen.<br />
Denn in Deutschland sind die Anforderungen für konventionell<br />
wirtschaftende Landwirte so streng und hoch wie in anderen Ländern<br />
etwa für Biobauern. Sie sehen, die Einteilung in Bio und Nicht-Bio<br />
ist relativ. Schwarze Schafe gibt es überall. Und ich bin der<br />
Meinung, dass unsere hohen Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherschutzstandards<br />
auch Richtschnur für andere Länder (WTO) sein sollten.
</p>
<p>
<b>grandezza:</b> Hallo Frau Klöckner, Sie plädieren<br />
für reinen Wein. Seehofer will die Biobauern nicht mehr so<br />
fördern, wie das Künast gemacht hat. Wie finden Sie das?<br />
(Einmal ab davon, dass im Wein schon genug fremdes Zeug erlaubt<br />
ist.)
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Sie unterstellen, dass in<br />
Nicht-Bio-Produkten &quot;fremdes Zeug&quot; drin ist. Diese Einschätzung<br />
teile ich pauschal nicht. Horst Seehofer wird auch Biobauern unterstützen.<br />
Aber nicht wie Renate Künast planwirtschaftlich den Verbrauchern<br />
20 Prozent vorschreiben. Die Bioproduktion beträgt in Deutschland<br />
zwischen drei und vier Prozent, viele Biobauern haben sich dadurch<br />
einen guten Markt und auch etablierte Nische geschaffen. Würde<br />
dieser Markt künstlich durch Staatslenkung ausgeweitet, hätten<br />
die jetzigen Biobauern &#8211; wie bereits von diesen beklagt &#8211; enorme<br />
Probleme.
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Ich bin gegen diese Schwarz-Weiß-Malerei<br />
und Einteilung in Gut und Böse.
</p>
<p>
<b>tobiasheck:</b> Vor wenigen Wochen wurde von Greenpeace<br />
eine Studie zu Pestiziden in Lebensmitteln präsentiert. In<br />
einigen Supermärkten wurde bei Obst und Gemüse über<br />
den zulässigen Grenzwert hinaus belastete Obst- und Gemüsesorten<br />
gefunden. Hat hier der Verbraucherschutz versagt? Was muss sich<br />
Ihrer Meinung nach verändern?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Die Kontrolle dieser Produkte<br />
muss effektiver werden. Meist sind es Waren, die aus dem Ausland<br />
importiert worden sind. Deshalb sollten die Import- und Grenzkontrollen<br />
auch schon vor Ort des Exportlandes effektiver sein.
</p>
<p>
<b>Roger:</b> Gentechnisch verändertes Gemüse<br />
schmeckt doch nach gar nichts. Würden Sie soweit gehen, Aromen<br />
in das Gemüse reinzuspritzen, damit es nicht nur nach Wasser<br />
schmeckt?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Interessante These. Ich kenne<br />
auch Gemüse, dem es gut stehen würde, wenn es gentechnisch<br />
verändert würde, damit es mal Geschmack bekäme. Ich<br />
bin gegen eine Aromatisierung. Wenn doch, dann sollte der Verbraucher<br />
das wissen und selbst entscheiden, ob er zu dem Produkt greift.
</p>
<p>
<b>Heinz-Holger_02:</b> Sehen Sie in der anstehenden<br />
&quot;Grünen Woche&quot; eine Chance, das durch den Fleischskandal<br />
verloren gegangene Vertrauen des Verbrauchers zurückzugewinnen?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Interessant ist, dass das<br />
Vertrauen in Fleisch &#8211; laut Verzehrszahlen &#8211; gar nicht so erschüttert<br />
ist. Davon abgesehen, bietet die Grüne Woche eine gute Gelegenheit,<br />
die Landwirtschaft jeglicher Couleur dem Endverbraucher näher<br />
zu bringen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Themenwechsel: Überschreiten die<br />
Verbraucherschützer von der Stiftung Warentest nicht ihre Kompetenzen,<br />
wenn sie sogar Fußballstadien testen?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Es kommt auf die Testkriterien<br />
und die Validität der Tests an. Warum sollte die Stiftung Warentest<br />
die Glaubwürdigkeit und Kompetenz nur bei Waschmaschinen haben?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was halten Sie von dem Studienergebnis?<br />
Panikmache oder ernster Hintergrund?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Das kann ich nicht beurteilen,<br />
zumindest hat die Stiftung Warentest ein Thema aufgegriffen, das<br />
ins Schwarze getroffen hat und Herrn Beckenbauer unruhig werden<br />
lässt. Hat doch schon mal einen hohen Unterhaltungswert 🙂
</p>
<p>
<b>Callahan:</b> Frau Klöckner, herzlichen Glückwunsch<br />
dafür, die junge Generation im Bundestag zu vertreten. Meine<br />
Frage: Wann müssen wir aufhören, irgendetwas &#8216;Deutsches<br />
&#8216; zu essen? Die Frage deshalb, weil diese Skandale in letzter Zeit<br />
GERADE in Deutschland (das Land der strikten Gesetze) immer sehr<br />
spät herauskommen. Wer weiß, wie viele andere Skandale<br />
noch nicht entdeckt sind oder einfach unter den Teppich gekehrt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Danke für das Kompliment.<br />
Das Leben ist bekanntlich tödlich. Wir haben sicherlich schon<br />
einiges nur deshalb überlebt, weil unsere Mess- und Analysekriterien<br />
vor zehn oder 20 Jahren nicht so genau waren, wie sie es heute sind.<br />
Es gibt keine klinisch reine Welt. Und obwohl unsere Nahrungsmittel<br />
noch nie so sicher und hochwertig waren wie heute, sind Allergene<br />
und Krankheiten entstanden, die Ausdruck unserer Zeit und Lebensweise<br />
sind. Ein gesundes Maß an Gelassenheit wie auch Informiertheit<br />
sind hilfreich für ein entspanntes Leben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unsere Chat-Stunde, vielen<br />
Dank für Ihr Interesse. Herzlichen Dank Frau Klöckner,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Am kommenden Dienstag, dem<br />
17. Januar, ist die Grüne Finanzexpertin Christine Scheel von<br />
13 Uhr an zu Gast im Chat. Wir wünschen allen einen schönen<br />
Tag!
</p>
<p>
<b>Julia Klöckner:</b> Vielen Dank &#8211; es hat mir<br />
sehr viel Spaß gemacht, über so viele Themen mit Ihnen<br />
zu chatten. Die Versorgung hier direkt vor Ort in der ARD war auch<br />
wunderbar.</p>
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