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	<title>Wahlforschung &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wahlforschung &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Was eine Bundestagswahl entscheidet</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:46:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">Betrachtungen einzelner Ereignisse, die eine Wahl        beeinflussen, gibt es zuhauf. Doch eine umfassende Darstellung einer        Bundestagwahl ist selten. Das Buch &#8222;Bundestagswahl 2002. Eine        Untersuchung im Zeichen hoher politischer Dynamik&#8220; vereint        die Beiträge namhafter Autoren der Sozialforschung und gibt        den Lesern einen Gesamteindruck über den Verlauf der Bundestagswahl        2002. Sonja Domeyer hat das Buch für politik-digital.de gelesen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Betrachtungen einzelner Ereignisse, die eine Wahl beeinflussen, gibt es zuhauf. Doch eine umfassende Darstellung einer Bundestagwahl ist selten. Das Buch „Bundestagswahl 2002. Eine Untersuchung im Zeichen hoher politischer Dynamik“ vereint die Beiträge namhafter Autoren der Sozialforschung und gibt den Lesern einen Gesamteindruck über den Verlauf der Bundestagswahl 2002. Sonja Domeyer hat das Buch für politik-digital.de gelesen.<!--break--></p>
<p><span class="fett"><br />
</span>Während des Bundestagswahlkampfs 2002 sah alles nach einem Regierungswechsel aus, die regierende rot-grüne Koalition schien chancenlos. Doch innerhalb weniger Wochen konnte die Koalition das Blatt aus einer scheinbar aussichtlosen Situation heraus wenden und ab dem 22. September 2002 eine weitere Legislaturperiode regieren. Wie war das möglich? Welche Gründe haben den Wähler dazu bewegt seine Meinung zu ändern? Die Antwort ist kompliziert, da Menschen ihre Entscheidungen treffen nachdem sie vorhandene Vor- und Nachteile abgewogen haben. Sie bilden sich ihre Meinung indem sie sich einen Überblick über das Ganze verschaffen. Das Buch „Bundestagswahl 2002. Eine Untersuchung im Zeichen hoher politischer Dynamik“ bietet eine umfassende Gesamtdarstellung und Analyse konkreter Einzelereignisse, die die Wähler in ihrer Entscheidungsfindung für die Bundestagswahl 2002 beeinflusst haben. Es hilft, das Verhalten der Wähler retrospektiv zu verstehen.<br />
<strong>14 Teile eines Ganzen </strong><br />
In den einzelnen Aufsätzen werden sowohl die langfristigen Entwicklungstrends der Gesellschaft und das daraus resultierende Wahlverhalten erörtert, als auch die Wirkungen der TV-Duelle, der Irak-Krise und der Elbe-Hochwasser-Katastrophe. In insgesamt 14 Kapiteln wird dem Leser ein empirisch fundierter Überblick über die Einzelereignisse und Faktoren geboten, die auf den Wähler ein Wirkungspotential ausstrahlen. Dabei betrachten die Autoren diese zeitlich nicht punktuell, sondern kontinuierlich, um der Dynamik des Wahlkampfes gerecht zu werden. Den Einstieg finden die Autoren mit der Entstrukturierung des Wählermarktes. Darauf folgt eine Bestandsaufnahme der Bundestagswahl 1998 und eine Bewertung des politischen Willenbildungsprozesses zwischen 1998 und 2002. Das fünfte Kapitel handelt von der Umsetzung der Resultate für die Bundestagswahl 2002, die sich aus der Analyse des Wahlkampfs 1998 ergeben haben. Die Kapitel sechs bis acht beschäftigen sich mit Wahrnehmung und Bewertung der Wahlprogramme, die Problemlösungskompetenzen von Parteien und Politikern und die Images von Spitzenkandidaten. Der Einsatz von konkreten Werbemitteln wird im neunten Kapitel thematisiert. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und Argumente der Analyse erfolgt im zwölften Kapitel, die empirischen Befunde werden im dreizehnten Kapitel zusammengefasst, bevor es im letzten Kapitel um einen Ausblick in die Wählermobilisierung geht.<br />
<strong>Wie viel Wirkung darf sein?</strong><br />
Die Personalisierung in der Mediendemokratie findet in den TV-Duellen ihren Höhepunkt. Die Autoren widmen sich diesem Thema ausführlich in dem Kapitel „Die TV-Duelle: Events ohne Effekt?“. Durch eine telefonische Befragung der forsa.ominet-Datenbasis konnten Rückschlüsse auf das Wirkungspotential der beiden Spitzenkandidaten Gerhard Schröder und Edmund Stoiber gezogen werden. Vorraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass diese Duelle überhaupt von den Wählern wahrgenommen wurden; mehr als 25 Prozent der ca. 60 Millionen Wahlberechtigten hatten mindestens eines der beiden TV-Duelle gesehen. Aufgrund dieser Basis ließ sich mit Hilfe einer Regressionsanalyse ein Einfluss auf die Wahlentscheidung der Zuschauer durch die Eindrücke des Schlagabtausches feststellen. Ausschlaggebende Faktoren waren hier das allgemeine Auftreten, rhetorische Fähigkeiten und die Selbstpräsentation der Kandidaten. Berücksichtigt wurden in der Analyse auch die ursprüngliche Kandidatenpräferenz und die Parteiidentifikation. Grundsätzlich wurde das zweite TV-Duell von den Zuschauern als lockerer und flüssiger wahrgenommen, da die Moderatoren während des ersten Duells auf RTL und SAT1 zu sehr auf die Vorgaben zur Durchführung der jeweiligen Parteien geachtet hatten. Der empirische Nachweis der Beeinflussung der Wähler durch TV-Duelle sollte durchaus kritisch betrachtet werden. Denn anders als im Ursprungsland der TV-Duelle wird in der Bundesrepublik nicht in einem präsidentiellen System, welches eine Personalisierung der Politik erfordert, regiert.<br />
<strong>Der Nutzen von Katastrophen im Wahlkampf</strong><br />
Welche Wirkungen der Irak-Krieg bzw. das Elbe-Hochwasser auf die Wahlentscheidung der Bürger für die Bundestagswahl 2002 gehabt haben, wurde in der Öffentlichkeit ausgiebig diskutiert. Auch Markus Quandt fragt sich in seinem Aufsatz, ob die Impulse, die diese beiden Ereignisse mit sich brachten, für den Wahlausgang entscheidend waren. Immerhin lagen die beiden großen Volksparteien in den Umfragewerten wenige Tage vor dem 22. September 2002 noch Kopf an Kopf. Zu berücksichtigen ist hierbei, wie im Kapitel 2 des Buches beschrieben, das Wählerverhalten im allgemeinen von kurzfristigen Faktoren bestimmt wird. Wird nun eine Thematik besonders durch die Medien aufgegriffen und von der Öffentlichkeit wahrgenommen, können politische Einschätzungen und Einstellungen von Wählern dadurch beeinflusst werden. Die Wirkung liegt nach Quandt nicht in der Thematik selbst, sondern in der Präsenz der Akteure, die die Brisanz einer Thematik mit sich bringt.<br />
Die dargestellten Informationen, die oft mittels Tabellen, Grafiken und Bildern gut veranschaulicht werden, sind für ein fachkundiges Publikum bestimmt. Zwar sind die Texte in einfacher, lebendiger Sprache verfasst, doch werden sie durchgehend ausführlich durch sozialwissenschaftliche Methoden bestätigt. Für Nicht-Akademiker sind zumindest die methodologischen Aspekte ohne Vorkenntnisse nur schwer zu erschließen. Für interessierte Leser bietet die Bibliographie einen ersten Überblick zur Orientierung über die Thematik der Bundestagswahl 2002. Dagegen scheint sie für wissenschaftliches Arbeiten inhaltlich jedoch nicht ausreichend zu sein.</p>
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		<title>Handbuch Wahlforschung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="fett"><font size="2"> <span class="fett"><font size="2">Sie        hören dem Wähler sehr genau zu: die Wahlforscher. Dabei        ergründen sie das Wahlverhalten der Bürger und betreiben        gleichsam praktische Demokratieforschung. Mit dem Handbuch Wahlforschung        liegt nun ein Studienband vor, der seine Leser behutsam in das weite        Feld der empirischen Wahlforschung einführt. Stefan Frindt        hat die Autoren <span class="fett"><font size="2">für politik-digital.de</font></span>        dabei begleitet.</font></span> </font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett"><span style="font-size: x-small;"> <span class="fett"><span style="font-size: x-small;">Sie hören dem Wähler sehr genau zu: die Wahlforscher. Dabei ergründen sie das Wahlverhalten der Bürger und betreiben gleichsam praktische Demokratieforschung. Mit dem Handbuch Wahlforschung liegt nun ein Studienband vor, der seine Leser behutsam in das weite Feld der empirischen Wahlforschung einführt. Stefan Frindt hat die Autoren <span class="fett"><span style="font-size: x-small;">für politik-digital.de</span></span> dabei begleitet.</span></span> </span><!--break--></p>
<p>Stellen wir uns vor, es sei Wahlabend. Mit Hochdruck bauen sich die Balken der ersten Hochrechnung auf. Es folgen punktgenau die ersten Analysen. Wir erleben Demokratie in einem ihrer höchst spannenden Momente. Gleichwohl – mit der klassischen Sonntagsfrage und der Demoskopie als Fernsehdisziplin hat die empirische Wahlforschung nur am Rande zu tun. Als Forschungsfeld ist ihr vor allem an der Deutbarkeit des Wahlverhaltens gelegen, und das heißt an dessen Tiefenstrukturen. Gesellschaftlicher Wertewandel und Wahlkampfforschung gehören ebenso zu ihrem Metier wie die Erforschung der Wahlbeteiligung und der Wechselwahl. Als Leitfragen und Forschungszweige sind diesen Themen gesonderte Kapitel im Handbuch Wahlforschung gewidmet, das in gut lesbarer Form einen Überblick über Methoden, Theorien und Tendenzen der empirischen Wahlforschung vermittelt. Im Verlag für Sozialwissenschaften erschienen, richtet sich der von Jürgen W. Falter und Harald Schoen herausgegebene Band an ein akademisches Lesepublikum. Das gilt es zu bedenken: Abseits der Universitäten und Fachpublika ist das Buch nur bedingt zu empfehlen.<br />
Theoretische Ansätze der empirischen Wahlforschung<br />
Drei klassische Forschungsansätze prägen das Wissen der empirischen Wahlforschung. Soziologische Modelle führen individuelles Wahlverhalten auf die Position eines Menschen in der Gesellschaftsstruktur und seine soziale Umwelt zurück. Der sozialpsychologische Ansatz geht von den politischen Einstellungen des Individuums aus, und das rationalistische Erklärungsmodell begreift die Wahlentscheidung der Bürger als eine Abwägung von Kosten und Nutzen.<br />
Erklärungskraft gewinnen die theoretischen Ansätze der empirischen Wahlforschung jedoch erst im Zusammenspiel. Die Autoren des Handbuchs Wahlforschung zeigen auf, dass monokausale Erklärungsmuster relevante Phänomene wie Wechselwahl und Nichtwahl nur unzureichend beschreiben. Dabei räumen sie mit tradierten Mythen der empirischen Wahlforschung ebenso auf wie mit der gängigen Vorstellung, dass sich das Elektorat akkurat in Stammwähler, Nicht- und Wechselwähler scheiden lässt. Die Übergänge zwischen den Wählergruppen sind fließend, so die Erkenntnis der Autoren.<br />
Schleichender Verlust der Wahlnorm? Die Nichtwähler<br />
Auch wenn sie medial allgegenwärtig ist: Entpolitisierung ist nicht die Erklärung für sinkende Wahlbeteiligung. Zu diesem Schluss kommt Claudio Caballero in seiner Darstellung der Nichtwahl. Nach Caballero belegt eine Umfrage von 2002, dass neben dem politischen Interesse vor allem die Akzeptanz der Wahlnorm, die Parteiidentifikation und die zur Wahl stehenden Kandidaten Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben. Zudem sei als Trend zu beobachten, dass insbesondere der Anteil der politisch Interessierten an den Nichtwählern stetig wächst. Diese Entwicklung verortet Caballero im Kontext eines allgemeinen Wertewandels. Der Funktionsverlust von Pflichtwerten betreffe demnach auch die Wahlnorm, also das Wahlpflichtbewusstsein. Ihre Akzeptanz bewege sich aktuell bei etwa 80% in West- und 70% in Ostdeutschland.<br />
Nach Darstellung von Caballero treten Nichtwähler vor allem dort überproportional häufig auf, wo keine Orientierung an Parteien, politische Sachthemen oder Kandidaten gegeben ist. Aber auch wo diese Orientierungen in Konflikt geraten, sei der Nichtwähleranteil beträchtlich. So genannte cross-pressures verbinden die Nicht- mit den Wechselwählern.<br />
Wahlboten der sozialen Mobilität? Die Wechselwähler<br />
Nach Harald Schoen kann der Anstieg der Wechselwahl seit den 1990er Jahren als eine „indirekte Wirkung sozialer und regionaler Mobilität“ gedeutet werden. Sie führt dazu, dass politisch homogene und sozial stabile Netzwerke zunehmend erodieren. Neben dem heterogenen sozialen Umgebungen sind nach Schoen aber auch das politische Angebot und die nachlassende Parteibindung als Ursachen der Wechselwahl hinzuziehen.<br />
In seiner Darstellung der Wechselwahl hebt sich Schoen von der klassischen floating-vote These ab, die Wechselwählern ein nur geringes politisches Interesse zuerkennt. Doch auch die gegenläufige Vorstellung einer wechselfreudigen Wählerelite, die rein sachbezogen und themenorientiert entscheidet, ist nach seiner Auffassung empirisch nicht vertretbar. Schoen bezieht eine Position, die vielleicht weniger schillernd, aber doch weitaus plausibler klingt: Die Gruppe der Wechselwähler ist im Hinblick auf ihre politische Versiertheit repräsentativ für die Wählerschaft im Gesamten. Auch das verbindet sie mit den Nichtwählern.<br />
<strong>Von keiner Relevanz? Das Internet<br />
</strong><br />
Schoen beschließt seine Betrachtungen zur Wechselwahl mit dem kritischen Ausblick, dass die empirische Wahlforschung in Zukunft vor allem Kommunikationsgewohnheiten ins Blickfeld nehmen müsse. Auch Oscar Gabriel und Silke Keil formulieren als Kritik an die empirische Wahlforschung, dass Massenmedien zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Damit ist der Schwachpunkt des Handbuchs Wahlforschung fast schon benannt. Die wachsende Bedeutung des Internets für Politikvermittlung und Partizipation wird von den Autoren nicht reflektiert. Leider genügt der Blick in das Sachregister des Buches. Der Begriff „Internet“ fällt auf 826 Seiten Handbuch Wahlforschung genau einmal.</p>
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		<title>Spitzenkandidaten und Wahlerfolg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Personalisierung - Kompetenz - Parteien: Ein internationaler Vergleich von Dr. Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Augsburg</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Personalisierung &#8211; Kompetenz &#8211; Parteien: Ein internationaler Vergleich von Dr. Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Augsburg<br />
Die Wahlkampfstrategie der Grünen im Bundestagswahlkampf 2002 war genau auf ihren Spitzenkandidaten Joschka Fischer zugeschnitten. Der beliebteste deutsche Politiker lächelte von zahlreichen Plakaten, absolvierte eine Unmenge von Wahlkampfauftritten und witzelte bei Harald Schmidt. Als die ersten Hochrechnungen am Wahlsonntag bekannt wurden, krächzte er mit heiserer Stimme: „Wir haben unser Ziel erreicht!“ Joschkas Partei hatte ein unerhört gutes Ergebnis eingefahren und die Berichterstatter waren sich einig, dass das vor allem dem Außenminister zu verdanken sei. Ein Beweis für die totale Personalisierung der Politik?<br />
Frank Brettschneider ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Augsburg und hat darüber ein Buch geschrieben. „Spitzenkandidaten und Wahlerfolg“ wurde allerdings nicht etwa in fünf Tagen verfasst, sondern beschäftigt sich mit mehr als 30 Wahlen im Zeitraum von 1960 bis 2000 in der Bundesrepublik Deutschland, den USA und Großbritannien. Entsprechend gründlich hat Brettschneider auch recherchiert, in wie weit die vorherrschende Meinung der erhöhten Personalisierung im Wahlkampf tatsächlich der Wahrheit entspricht.<br />
<strong>Was ist Personalisierung?<br />
</strong> Was unter „Personalisierung der Politik“ überhaupt zu verstehen ist, variiert von Autor zu Autor. Brettschneider unterscheidet deshalb zwischen Personalisierung in Bezug auf die Wahlkampfführung, die Medienberichterstattung und das Wählerverhalten. „Stellenwert von Kandidatenorientierungen im sozialpsychologischen Modell“ nennt der Wissenschaftler schon seinen ersten Teil. Doch halb so wild, das Modell selbst ist nämlich einfacher zu verstehen als sein Name, Brettschneider modifiziert es auch noch und unterzieht das modifizierte Modell einem Praxistest: Die Parteiidentifikation ist demnach ein langfristiger Faktor, Parteien- und Kandidatenorientierungen sind dagegen kurzfristige Faktoren, zusammen bestimmen sie die letztendliche Wahlentscheidung. Bei der Untersuchung geht es Brettschneider nicht um kurzfristige Trends, sondern um Regelmäßigkeiten. Alles empirisch im zweiten Teil des Buches belegt, versteht sich. Wobei der Autor zugibt, dass die Datenlage äußerst unbefriedigend sei.<br />
<strong>Kandidatenorientierung und Wählerverhalten<br />
</strong> Sein Ergebnis für die „erste Personalisierungsbehauptung“ ist trotzdem deutlich. Sie ist falsch, „Candidate-Voting“ variiert von Wahl zu Wahl und Land zu Land, es gibt keinen längerfristigen Trend. Natürlich hängt die Personalisierung des Wählerverhaltens stark von verschiedensten Bedingungen ab. Bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen ist der Kandidat wichtiger als seine Partei. Wenn für die Wähler kaum Unterschiede in den Parteiprogrammen zu erkennen sind, orientieren sie sich stärker an den Kandidaten. Und je weniger sich diese ähneln, desto wichtiger ihre Person für die Wahlentscheidung. Vor allem Wechselwähler neigen zum „Candidate-Voting“, beispielsweise wenn sie den Kandidaten „ihrer“ Partei negativ, seinen Kontrahenten hingegen positiv.<br />
<strong>Wahlkampfführung<br />
</strong> Auch die „zweite Personalisierungsbehauptung“ widerlegt der Professor. Danach seien unpolitische Merkmale für die Beurteilung der Kandidaten in den letzten Jahrzehnten wichtiger geworden. Davon gingen wahrscheinlich auch die Christdemokraten aus, als sie Michael Spreng als Wahlkampfmanager holten und fortan Home-Stories über Edmund Stoiber in Boulevard-Blättern platzierten. Doch nichts dergleichen ist belegt, im Gegenteil. Wähler orientieren sich viel stärker an „Leadership-Qualitäten“ wie Führungsstärke, Entscheidungsfreude und Tatkraft als an Alter, Charme und Ausstrahlung. Weiterhin behauptet Brettschneider, die Wahlkampfführung sei zwar professionalisiert, doch nicht personalisiert worden. Es habe immer mal wieder stärker personalisierte Wahlkämpfe gegeben, wie bei der „Willy-Wahl“ 1972 oder unter Konrad Adenauer. Wenn, dann sei dieser Trend in den USA anzutreffen, dort institutionell bedingt durch die sogenannten „Primaries“. Trotz Fernseh-Wahlkampf und amerikanisierten Methoden stehen bei deutschen Wählern immer noch die Themen im Vordergrund.<br />
<strong>Medienberichterstattung<br />
</strong> Immerhin, in einem Bereich sieht auch Brettschneider die fortschreitende Personalisierung. Die Medienberichterstattung konzentriere sich tatsächlich immer mehr auf die Spitzenkandidaten, und zwar in allen drei untersuchten Ländern. Er bilanziert dies nicht ohne eine ironische Anmerkung. Gerade diejenigen betreiben eine verstärkte Personalisierung, die die „Personalisierung der Politik“ immer stärker beklagen und darin eine Gefahr für die Demokratie befürchten.<br />
Alles in allem ein ziemlich wissenschaftliches Buch, dessen Ergebnisse direkt nach dem Wahlkampf 2002 ein wenig unglaubwürdig wirken.</p>
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		<title>Do campaigns matter?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Politische Kommunikation und Wählerverhalten - ein Buch von PD Dr. Rüdiger Schmitt-Beck, Wissenschaftlicher Assistent am Lehrsstuhl für Politische Wissenschaft und International Vergleichende Sozialforschung der Universität Mannheim.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Politische Kommunikation und Wählerverhalten &#8211; ein Buch von PD Dr. Rüdiger Schmitt-Beck, Wissenschaftlicher Assistent am Lehrsstuhl für Politische Wissenschaft und International Vergleichende Sozialforschung der Universität Mannheim.<br />
Gerade hat eine Bundestagswahl die Weichen für die politische Zukunft Deutschlands gestellt. Um die Wahl zu ihren Gunsten zu entscheiden haben die Parteien wieder tief in die Kampagnentrickkiste gegriffen und political consultants angeheuert, spin doctoren an die Wahlkampffront geschickt und durch modern inszenierte Wahlkampfzentralen (Version 02) versucht, den Mythos der unbesiegbaren campaign warriers (Wahlkampfstrategen) zu beleben. Dieser Aufwand hat allein die beiden deutschen Parteien geschätzte <a href="/edemocracy/wahlkampf/bundestagswahl2002/jun.shtml">100 Millionen Euro gekostet</a>.<br />
Da stellt sich die Frage, was denn die immer kostspieliger werdenden Kampagnen in den Medien eigentlich bringen. Klar: durch die Allgegenwart der Medien nehmen wir die Welt, auch die Politik, heute fast zur Gänze über sie war. Aber beeinflussen diese Informationen wirklich unser Handeln an der Wahlurne? Haben Events wie die beiden TV-Duelle der letzten Wahl tatsächlich Auswirkungen auf die Wahlentscheidung? Oder ist das persönliche Gespräch für die Meinungsbildung doch wichtiger, als im Zeitalter der Teledemocracy oft angenommen?<br />
<strong>Mehr Betonung des Faktors Kommunikation in der Wahlforschung<br />
</strong> Rüdiger Schmitt-Beck diskutiert diese Frage in seiner veröffentlichten Habilitationsschrift Politische Kommunikation und Wählerverhalten. Er fragt danach,wie gesellschaftliche Informationsflüsse die individuelle Wahlentscheidung beeinflussen und welche Auswirkungen sie dann tatsächlich auf den Wahlausgang haben können.<br />
Methodisch ist ihm daran gelegen, das psychologische Paradigma, das die letzten 4 Jahrzehnte in der Wahlforschung dominiert hat, zu überwinden und das Augenmerk wieder auf den Einfluss der Kommunikation zu richten. Die beiden vorherrschenden Modelle, der Michigan– und der Rational- Choice Ansatz sehen die unmittelbaren Einflüsse auf die Wahlentscheidung in der Psyche des Wählers verankert: nach Ansicht des Michigan- Modells fällt die Wahlentscheidung nach der Parteiidentifikation, der Orientierung an Sachfragen und Kandidaten und beim Rational- Choice Modell durch die Bewertung einer Partei nach den zu erwartenden persönlichen Vorteilen, die deren Politik erwarten läßt.<br />
Diese Modelle können die Wirklichkeit heute nur mehr begrenzt erklären, denn in allen westlichen Demokratien gewinnen politische Informationskampagnen enorm an Bedeutung. Nicht nur steigt die Quantität der Information in Wahlkämpfen ständig an, man denke nur an die steigende Zahl der Wahlwerbespots im Fernsehen, auch die Qualität der Kampagnenorganisation wächst durch die Professionalisierung.<br />
Immer weniger Menschen identifizieren sich dauerhaft mit einer Partei, die sie auch ein Leben lang wählen, immer mehr machen ihr Kreuz bei jeder Wahl woanders.<br />
Vor allem diese wachsende Zahl von ungebundenen Wählern, die auf dem Wählermarkt „zu haben“ sind, versuchen politische Informationskampagnen zu erreichen.<br />
Schmitt-Beck fragt nun, wie Informationen beschaffen sein müssen, um Wahlentscheidungen zu beeinflussen. Wie erreichen bestimmte Informationen die Wahler und durch welche Kommunkationskanäle?<br />
Die Studie ist als Vergleich zwischen Spanien, Großbritannien, USA, West- und Ostdeutschland ausgelegt, um die Ergebnisse auf breites Datenmaterial aus verschiedenen politischen Kulturen stützen zu können.<br />
<strong>Der Einfluss von Interpersoneller Kommunikation und Massenkommunikation auf die Wahlentscheidung<br />
</strong> Die Fragestellung richtet sich auf zwei verschiedene Formen der Kommunikation, die interpersonelle Kommunikation &#8211; Gespräche mit Mitmenschen – und Massenkommunikation, also vermittelte Einwegkommunikation.<br />
Gerade die Bedeutung von interpersoneller Kommunikation bei der politischen Meinungsbildung wird im Zeitalter des Diskurses über Teledemocracy und der damit einhergehenden Vorstellungen von der Allmacht der Medien oft in den Hintergrund gedrängt und stark unterbewertet. Dabei ist es durchaus Schmitt-Beck als Verdienst anzurechnen, deren Wirkung zu betonen und der vermittelten Kommunikation gegenüber aufzuwerten.<br />
Dafür lassen sich auch Beispiele finden: nach den TV- Duellen der letzten Wahl wurde von den Meinungsforschern immer wieder darauf hingewiesen, dass die Bewertung der Wähler erst nach der Medienberichterstattung, inklusive der Bewertung der Meinungsmacher und der Diskussion im Alltag abgeschlossen sein wird.<br />
Die Umfragen nach den Duellen müssen den Einfluss dieser Diskussionen auf die Meinungsbildung unberücksichtigt lassen, da sich dieser Einfluss für Umfragen praktisch nicht operationalisieren läßt. Hier muss man sich an Grundlagenstudien wie diese halten, um Einsichten in die Dynamiken der Meinungsbildung zu bekommen.<br />
Schmitt-Beck kommt zu dem Schluss, dass das persönliche Gespräch zwar quantitativ hinter der massenmedial verbreiteten Information zurücksteht, aber dass es oft die wirkungsvollere Informationsquelle ist.<br />
Politische Kommunikation und Wählerverhalten bietet interessante Einblicke in politische Meinungsbildungsprozesse aufgrund eines ausgefeilten Modells der Wahlentscheidung, welches alle Informationsquellen berücksichtigt und den Stellenwert interpersoneller Kommunikation betont. Darüber hinaus ist das interkulturell vergleichende Design hervoruzuheben, das auf einer breiten Datenbasis verallgemeinerbare Schlußfolgerungen erlaubt.<br />
Das Buch ist allerdings nicht als Einführung in das Thema geeignet, sondern wendet sich an Personen, die mit den Methoden der Sozialwissenschaften bereits gut vertraut sind.</p>
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		<title>Spitzenkandidaten und Wahlerfolg</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/spitzenkandidaten_und_wahlerfolg-25/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Personalisierung - Kompetenz - Parteien: Ein internationaler Vergleich von Dr. Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Augsburg</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Personalisierung &#8211; Kompetenz &#8211; Parteien: Ein internationaler Vergleich von Dr. Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Augsburg<br />
Die Wahlkampfstrategie der Grünen im Bundestagswahlkampf 2002 war genau auf ihren Spitzenkandidaten Joschka Fischer zugeschnitten. Der beliebteste deutsche Politiker lächelte von zahlreichen Plakaten, absolvierte eine Unmenge von Wahlkampfauftritten und witzelte bei Harald Schmidt. Als die ersten Hochrechnungen am Wahlsonntag bekannt wurden, krächzte er mit heiserer Stimme: „Wir haben unser Ziel erreicht!“ Joschkas Partei hatte ein unerhört gutes Ergebnis eingefahren und die Berichterstatter waren sich einig, dass das vor allem dem Außenminister zu verdanken sei. Ein Beweis für die totale Personalisierung der Politik?<br />
Frank Brettschneider ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Augsburg und hat darüber ein Buch geschrieben. „Spitzenkandidaten und Wahlerfolg“ wurde allerdings nicht etwa in fünf Tagen verfasst, sondern beschäftigt sich mit mehr als 30 Wahlen im Zeitraum von 1960 bis 2000 in der Bundesrepublik Deutschland, den USA und Großbritannien. Entsprechend gründlich hat Brettschneider auch recherchiert, in wie weit die vorherrschende Meinung der erhöhten Personalisierung im Wahlkampf tatsächlich der Wahrheit entspricht.<br />
<strong>Was ist Personalisierung?<br />
</strong> Was unter „Personalisierung der Politik“ überhaupt zu verstehen ist, variiert von Autor zu Autor. Brettschneider unterscheidet deshalb zwischen Personalisierung in Bezug auf die Wahlkampfführung, die Medienberichterstattung und das Wählerverhalten. „Stellenwert von Kandidatenorientierungen im sozialpsychologischen Modell“ nennt der Wissenschaftler schon seinen ersten Teil. Doch halb so wild, das Modell selbst ist nämlich einfacher zu verstehen als sein Name, Brettschneider modifiziert es auch noch und unterzieht das modifizierte Modell einem Praxistest: Die Parteiidentifikation ist demnach ein langfristiger Faktor, Parteien- und Kandidatenorientierungen sind dagegen kurzfristige Faktoren, zusammen bestimmen sie die letztendliche Wahlentscheidung. Bei der Untersuchung geht es Brettschneider nicht um kurzfristige Trends, sondern um Regelmäßigkeiten. Alles empirisch im zweiten Teil des Buches belegt, versteht sich. Wobei der Autor zugibt, dass die Datenlage äußerst unbefriedigend sei.<br />
<strong>Kandidatenorientierung und Wählerverhalten<br />
</strong> Sein Ergebnis für die „erste Personalisierungsbehauptung“ ist trotzdem deutlich. Sie ist falsch, „Candidate-Voting“ variiert von Wahl zu Wahl und Land zu Land, es gibt keinen längerfristigen Trend. Natürlich hängt die Personalisierung des Wählerverhaltens stark von verschiedensten Bedingungen ab. Bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen ist der Kandidat wichtiger als seine Partei. Wenn für die Wähler kaum Unterschiede in den Parteiprogrammen zu erkennen sind, orientieren sie sich stärker an den Kandidaten. Und je weniger sich diese ähneln, desto wichtiger ihre Person für die Wahlentscheidung. Vor allem Wechselwähler neigen zum „Candidate-Voting“, beispielsweise wenn sie den Kandidaten „ihrer“ Partei negativ, seinen Kontrahenten hingegen positiv.<br />
<strong>Wahlkampfführung<br />
</strong> Auch die „zweite Personalisierungsbehauptung“ widerlegt der Professor. Danach seien unpolitische Merkmale für die Beurteilung der Kandidaten in den letzten Jahrzehnten wichtiger geworden. Davon gingen wahrscheinlich auch die Christdemokraten aus, als sie Michael Spreng als Wahlkampfmanager holten und fortan Home-Stories über Edmund Stoiber in Boulevard-Blättern platzierten. Doch nichts dergleichen ist belegt, im Gegenteil. Wähler orientieren sich viel stärker an „Leadership-Qualitäten“ wie Führungsstärke, Entscheidungsfreude und Tatkraft als an Alter, Charme und Ausstrahlung. Weiterhin behauptet Brettschneider, die Wahlkampfführung sei zwar professionalisiert, doch nicht personalisiert worden. Es habe immer mal wieder stärker personalisierte Wahlkämpfe gegeben, wie bei der „Willy-Wahl“ 1972 oder unter Konrad Adenauer. Wenn, dann sei dieser Trend in den USA anzutreffen, dort institutionell bedingt durch die sogenannten „Primaries“. Trotz Fernseh-Wahlkampf und amerikanisierten Methoden stehen bei deutschen Wählern immer noch die Themen im Vordergrund.<br />
<strong>Medienberichterstattung<br />
</strong> Immerhin, in einem Bereich sieht auch Brettschneider die fortschreitende Personalisierung. Die Medienberichterstattung konzentriere sich tatsächlich immer mehr auf die Spitzenkandidaten, und zwar in allen drei untersuchten Ländern. Er bilanziert dies nicht ohne eine ironische Anmerkung. Gerade diejenigen betreiben eine verstärkte Personalisierung, die die „Personalisierung der Politik“ immer stärker beklagen und darin eine Gefahr für die Demokratie befürchten.<br />
Alles in allem ein ziemlich wissenschaftliches Buch, dessen Ergebnisse direkt nach dem Wahlkampf 2002 ein wenig unglaubwürdig wirken.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Do campaigns matter?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
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		<category><![CDATA[Wählerverhalten]]></category>
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		<category><![CDATA[politische Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[Politische Kommunikation und Wählerverhalten - ein Buch von PD Dr. Rüdiger Schmitt-Beck, Wissenschaftlicher Assistent am Lehrsstuhl für Politische Wissenschaft und International Vergleichende Sozialforschung der Universität Mannheim.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Politische Kommunikation und Wählerverhalten &#8211; ein Buch von PD Dr. Rüdiger Schmitt-Beck, Wissenschaftlicher Assistent am Lehrsstuhl für Politische Wissenschaft und International Vergleichende Sozialforschung der Universität Mannheim.<br />
Gerade hat eine Bundestagswahl die Weichen für die politische Zukunft Deutschlands gestellt. Um die Wahl zu ihren Gunsten zu entscheiden haben die Parteien wieder tief in die Kampagnentrickkiste gegriffen und political consultants angeheuert, spin doctoren an die Wahlkampffront geschickt und durch modern inszenierte Wahlkampfzentralen (Version 02) versucht, den Mythos der unbesiegbaren campaign warriers (Wahlkampfstrategen) zu beleben. Dieser Aufwand hat allein die beiden deutschen Parteien geschätzte <a href="/edemocracy/wahlkampf/bundestagswahl2002/jun.shtml">100 Millionen Euro gekostet</a>.<br />
Da stellt sich die Frage, was denn die immer kostspieliger werdenden Kampagnen in den Medien eigentlich bringen. Klar: durch die Allgegenwart der Medien nehmen wir die Welt, auch die Politik, heute fast zur Gänze über sie war. Aber beeinflussen diese Informationen wirklich unser Handeln an der Wahlurne? Haben Events wie die beiden TV-Duelle der letzten Wahl tatsächlich Auswirkungen auf die Wahlentscheidung? Oder ist das persönliche Gespräch für die Meinungsbildung doch wichtiger, als im Zeitalter der Teledemocracy oft angenommen?<br />
<strong>Mehr Betonung des Faktors Kommunikation in der Wahlforschung<br />
</strong> Rüdiger Schmitt-Beck diskutiert diese Frage in seiner veröffentlichten Habilitationsschrift Politische Kommunikation und Wählerverhalten. Er fragt danach,wie gesellschaftliche Informationsflüsse die individuelle Wahlentscheidung beeinflussen und welche Auswirkungen sie dann tatsächlich auf den Wahlausgang haben können.<br />
Methodisch ist ihm daran gelegen, das psychologische Paradigma, das die letzten 4 Jahrzehnte in der Wahlforschung dominiert hat, zu überwinden und das Augenmerk wieder auf den Einfluss der Kommunikation zu richten. Die beiden vorherrschenden Modelle, der Michigan– und der Rational- Choice Ansatz sehen die unmittelbaren Einflüsse auf die Wahlentscheidung in der Psyche des Wählers verankert: nach Ansicht des Michigan- Modells fällt die Wahlentscheidung nach der Parteiidentifikation, der Orientierung an Sachfragen und Kandidaten und beim Rational- Choice Modell durch die Bewertung einer Partei nach den zu erwartenden persönlichen Vorteilen, die deren Politik erwarten läßt.<br />
Diese Modelle können die Wirklichkeit heute nur mehr begrenzt erklären, denn in allen westlichen Demokratien gewinnen politische Informationskampagnen enorm an Bedeutung. Nicht nur steigt die Quantität der Information in Wahlkämpfen ständig an, man denke nur an die steigende Zahl der Wahlwerbespots im Fernsehen, auch die Qualität der Kampagnenorganisation wächst durch die Professionalisierung.<br />
Immer weniger Menschen identifizieren sich dauerhaft mit einer Partei, die sie auch ein Leben lang wählen, immer mehr machen ihr Kreuz bei jeder Wahl woanders.<br />
Vor allem diese wachsende Zahl von ungebundenen Wählern, die auf dem Wählermarkt „zu haben“ sind, versuchen politische Informationskampagnen zu erreichen.<br />
Schmitt-Beck fragt nun, wie Informationen beschaffen sein müssen, um Wahlentscheidungen zu beeinflussen. Wie erreichen bestimmte Informationen die Wahler und durch welche Kommunkationskanäle?<br />
Die Studie ist als Vergleich zwischen Spanien, Großbritannien, USA, West- und Ostdeutschland ausgelegt, um die Ergebnisse auf breites Datenmaterial aus verschiedenen politischen Kulturen stützen zu können.<br />
<strong>Der Einfluss von Interpersoneller Kommunikation und Massenkommunikation auf die Wahlentscheidung<br />
</strong> Die Fragestellung richtet sich auf zwei verschiedene Formen der Kommunikation, die interpersonelle Kommunikation &#8211; Gespräche mit Mitmenschen – und Massenkommunikation, also vermittelte Einwegkommunikation.<br />
Gerade die Bedeutung von interpersoneller Kommunikation bei der politischen Meinungsbildung wird im Zeitalter des Diskurses über Teledemocracy und der damit einhergehenden Vorstellungen von der Allmacht der Medien oft in den Hintergrund gedrängt und stark unterbewertet. Dabei ist es durchaus Schmitt-Beck als Verdienst anzurechnen, deren Wirkung zu betonen und der vermittelten Kommunikation gegenüber aufzuwerten.<br />
Dafür lassen sich auch Beispiele finden: nach den TV- Duellen der letzten Wahl wurde von den Meinungsforschern immer wieder darauf hingewiesen, dass die Bewertung der Wähler erst nach der Medienberichterstattung, inklusive der Bewertung der Meinungsmacher und der Diskussion im Alltag abgeschlossen sein wird.<br />
Die Umfragen nach den Duellen müssen den Einfluss dieser Diskussionen auf die Meinungsbildung unberücksichtigt lassen, da sich dieser Einfluss für Umfragen praktisch nicht operationalisieren läßt. Hier muss man sich an Grundlagenstudien wie diese halten, um Einsichten in die Dynamiken der Meinungsbildung zu bekommen.<br />
Schmitt-Beck kommt zu dem Schluss, dass das persönliche Gespräch zwar quantitativ hinter der massenmedial verbreiteten Information zurücksteht, aber dass es oft die wirkungsvollere Informationsquelle ist.<br />
Politische Kommunikation und Wählerverhalten bietet interessante Einblicke in politische Meinungsbildungsprozesse aufgrund eines ausgefeilten Modells der Wahlentscheidung, welches alle Informationsquellen berücksichtigt und den Stellenwert interpersoneller Kommunikation betont. Darüber hinaus ist das interkulturell vergleichende Design hervoruzuheben, das auf einer breiten Datenbasis verallgemeinerbare Schlußfolgerungen erlaubt.<br />
Das Buch ist allerdings nicht als Einführung in das Thema geeignet, sondern wendet sich an Personen, die mit den Methoden der Sozialwissenschaften bereits gut vertraut sind.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Wahlentscheidung fällt bei der gegen-wärtigen politischen Situation schwer&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_wahlentscheidung_faellt_bei_der_gegenwaertigen_politischen_situation_schwerquot-151/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinland-Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Schönenborn]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, den 27. März 
2006, war <span style="font-size: x-small">Jörg Schönenborn,</span> Chefredakteur 
des WDR Fernsehens und ARD-Wahlexperte, zu Gast im tagesschau-Chat 
in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zu 
den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anahlt. 
<span style="font-size: x-small">Er gab Auskunft über die neuesten Methoden der 
Wahlforschung und analysierte die Ergebnisse.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, den 27. März<br />
2006, war <span style="font-size: x-small">Jörg Schönenborn,</span> Chefredakteur<br />
des WDR Fernsehens und ARD-Wahlexperte, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zu<br />
den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anahlt.<br />
<span style="font-size: x-small">Er gab Auskunft über die neuesten Methoden der<br />
Wahlforschung und analysierte die Ergebnisse.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Wähler und<br />
Wahl-Interessierte, willkommen zum Tagesschau-Chat. Ihre Fragen<br />
beantwortet heute aus Köln Jörg Schönenborn, Chefredakteur<br />
des Westdeutschen Rundfunks und langjähriger ARD-Wahlexperte.<br />
Einen schönen guten Tag nach Köln und vielen Dank, dass<br />
Sie Zeit für uns haben. Alle kleinen technischen Widrigkeiten<br />
sind beseitigt. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Edmund:</b> Sehen Sie durch die gestrigen Wahlergebnisse<br />
die &#8216;Ehre&#8217; der Sonntagsfrage gerettet?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Die war gar nicht<br />
in Frage gestellt. Leider ist da nach der Bundestagswahl viel Falsches<br />
geschrieben worden. Die Prognose von infratest dimap damals war<br />
eine der genauesten, die es bei Bundestagswahlen gab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Landtagswahlen sind aber häufig<br />
schwieriger. Haben die Meinungsforscher dazugelernt? Die Vorhersagen<br />
waren diesmal &#8211; Umfragen wie Prognosen &#8211; sehr genau.
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn: </b>Wir haben vor zwei<br />
Jahren gemerkt, dass die Sache nicht mehr wirklich gut läuft.<br />
Das war nach der Europawahl. Damals haben wir von der ARD unser<br />
Institut gebeten, methodisch neue Wege zu suchen. Unter anderem<br />
werden für die Prognosen jetzt vier bis fünfmal so viele<br />
Interviews am Wahltag durchgeführt wie vorher. Das Ergebnis<br />
ist für mich als Nicht-Statistiker verblüffend. So auch<br />
gestern. Das schlechteste war, dass bei der CDU in Baden-Württemberg<br />
zwischen Prognose und Ergebnis 0,8 Prozentpunkte liegen. Da kann<br />
man nicht meckern.
</p>
<p>
<b>Student_Berlin:</b> Wurde die Methodik bei Umfragen<br />
geändert?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es auch andere Fragebögen<br />
heute?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ja, das gilt aber<br />
nur für die Wahltagsbefragung.
</p>
<p>
<b>Obermeyer:</b> Sind Ihre Umfragen im &#8216;Deutschlandtrend&#8217;<br />
wissenschaftlich anfechtbar? Wissenschaftlich fundierte Umfragen<br />
dauern doch Wochen oder Monate?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Nein, für Telefonumfragen<br />
gelten 1000 Interviews als repräsentativ. Es wird sogar viel<br />
veröffentlicht, was eine geringere Basis hat. Wichtig ist aber,<br />
dass die Interviews je nach Stimmungslage über zwei bis vier<br />
Tage verteilt sind. Sonst hätten wir wirklich eher Zufallstreffer.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zwei mal ähnlich:
</p>
<p>
<b>Coolman:</b> In wie weit beeinflussen die Veröffentlichung<br />
von Prognosen die Wahlbeteiligung? Gibt es dazu Untersuchungen?
</p>
<p>
<b>Makay: </b>Wie sehr können Ihre Umfragen die<br />
Wähler beeinflussen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Gute Frage. Mich würde<br />
wundern, wenn es nicht viele Wähler gäbe, die die Umfragen<br />
angucken und dann taktisch wählen. Untersuchung darüber<br />
kenne ich nicht. Aber es gibt einen Punkt, der mir immer sehr wichtig<br />
ist: Vor Wahlen macht nicht nur das Fernsehen Umfragen, sondern<br />
auch alle Parteien. Mit dem Unterschied, dass nur unsere veröffentlicht<br />
werden. Bei den Parteien sind die Umfragen aber oft Grundlage politischer<br />
Forderungen und da finde ich es wichtig, dass wir Transparenz herstellen.<br />
Wir veröffentlichen, was die Parteien intern wissen, aber nicht<br />
sagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Frage nach der persönlichen<br />
Taktik:
</p>
<p>
<b>Sorglos Kunderlund:</b> Haben sie schon mal aufgrund<br />
ihrer eigenen Umfrageergebnisse ihre Wahlentscheidung verändert?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ja, glaube schon.<br />
Zumindest habe ich daran gedacht.
</p>
<p>
<b>Chatter: </b>Halten Sie es für sinnvoll, noch<br />
eine Woche vor der Wahl (vor allem bei Bundestagswahlen) Umfragewerte<br />
herauszugeben?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ich gehöre zu<br />
denen, die es für wichtig halten, dass es eine Frist gibt,<br />
in der nichts mehr veröffentlicht wird. Es sind ja nur ARD<br />
und ZDF, die eine Woche vorher Schluss machen. Andere Medien veröffentlichen<br />
manchmal noch freitags oder samstags. Weil Umfragen aber immer einen<br />
Fehlerbereich haben, möchte ich die Verantwortung nicht übernehmen,<br />
mit einer vielleicht extremen Stimmungsschwankung dann die Wahl<br />
beeinflusst zu haben.
</p>
<p>
<b>Ballack:</b> Die Wahlbeteiligung war bei allen Wahlen<br />
erschreckend niedrig. Den Grund dafür sehe ich in den Meinungsumfragen.<br />
Die Wähler glauben zu wissen, wie das Ergebnis aussieht. Ihre<br />
individuelle Beteiligung sehen sie als sinnlos. Wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Mag im Einzelfall<br />
so sein. Aber dann wäre nicht zu erklären, warum die Beteiligung<br />
bei der Bundestagswahl so hoch war. Ich kann die Nichtwähler<br />
aber verstehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal zum Alter der Nichtwähler:
</p>
<p>
<b>Christian24:</b> Mit knapp über 50 Prozent ist<br />
die Wahlbeteiligung 2006 relativ niedrig &#8211; ist dies in allen Altersgruppen<br />
so oder gibt es eine Altersgruppe, die besonders wenig gewählt<br />
hat?
</p>
<p>
<b>emc2: </b>Die Wahlbeteiligung war ja sehr niedrig,<br />
in Sachsen-Anhalt erreichte sie ein Rekordtief. Haben Sie Werte<br />
darüber, inwieweit junge Leute (nicht) gewählt haben?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Auch ich täte<br />
mich im Moment sehr schwer zu wählen. Ich weiß noch nicht,<br />
was ich von der gegenwärtigen politischen Situation halten<br />
soll. Die Alten sind offenbar Wahltreuer. Aber dafür gibt es<br />
noch keine sicheren Daten.
</p>
<p>
<b>lucie_60: </b>Sollte man nicht auch einmal bei den<br />
Nichtwählern nachfragen, weshalb sie es nicht für notwendig<br />
erachten, zur Wahl zu gehen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Haben wir gemacht.<br />
Die Vorwahlumfragen richten sich ja nicht an Wähler, sondern<br />
an alle. Hauptgründe waren: &quot;ich kann ja sowieso nichts<br />
verändern&quot; und &quot;ich interessiere mich nicht für<br />
Politik&quot;. Es ist schwer, dem nachzugehen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Lassen sich bei diesen Umfragen die<br />
Nichtwähler nicht nach Alter aufschlüsseln?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Nein, denn die Daten,<br />
die wir gestern hatten, sind ja in den Wahllokalen erhoben worden.<br />
Das ist das Problem. Wir können nur schätzen, ob besonders<br />
viele Alte oder Junge dabei waren. Muss ja jeweils mit der Bevölkerungsstruktur<br />
abgeglichen werden. Und das geht nicht wirklich verlässlich.<br />
Aber dazu gibt es in ein paar Wochen Daten von den Wahlämtern.
</p>
<p>
<b>FanvonJ?ch?born:</b> Würden Sie sagen, die große<br />
Koalition ist von den Wählern bestätigt worden?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Nein, ganz und gar<br />
nicht. Wenn man SPD und CDU zusammennimmt, haben sie in Rheinland-Pfalz<br />
und Baden-Württemberg verloren. Und wenn man mal rechnet, welcher<br />
Anteil der Wahlberechtigten für die beiden Parteien gestimmt<br />
hat, dann waren es bei der Bundestagswahl noch 60 Prozent und gestern<br />
je nach Land zwischen 25 Prozent und 40 Prozent. Das ist aus meiner<br />
Sicht keine Bestätigung. Rechenhilfe: Bundestagswahl SPD 34<br />
Prozent und CDU Prozent, zusammen 69 Prozent. Bei über 80 Prozent<br />
Wahlbeteiligung sind das mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten.<br />
So aus dem Kopf. Das war es dazu. Sorry.
</p>
<p>
<b>JohannesHB:</b> Glauben Sie, dass es durch die große<br />
Koalition in Berlin künftig keinen klassischen &#8216;Midterm-Effekt&#8217;<br />
mehr geben wird, also eine &#8216;Abstrafung&#8217; der Bundesregierungsparteien<br />
durch die Wähler an Landtagswahlterminen? 1998-2002 hatten<br />
wir das ja in vielen Landtagswahlschlappen der SPD gesehen.
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Schwer zu sagen. Übersetzt<br />
würde das ja heißen, dass PDS, Grüne und FDP stärker<br />
werden müssten. Die sind aber keine Volksparteien mit weit<br />
geöffneten Armen, wo jeder mal Unterschlupf finden kann. Wird<br />
ein enttäuschter, eingefleischter Christdemokrat mit sozialer<br />
Ader wirklich eine der Parteien wählen können? Wir werden<br />
sicher neue Effekte haben. Aber wer weiß schon, ob es zwischen<br />
Rot und Schwarz so harmonisch bleibt!
</p>
<p>
<b>Postina:</b> Sie sprachen gestern davon, dass Wahlen<br />
bei niedriger Wahlbeteiligung stärker der Beliebigkeit ausgesetzt<br />
sind. Die Radikalen haben allerdings nicht wirklich hinzugewinnen<br />
können. Wie haben Sie das gestern gemeint?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Was ich meine ist:<br />
Wenn es einen Mobilisierungsfaktor gibt, also ein Thema oder eine<br />
starke Person oder Protest gegen eine Regierungsentscheidung, dann<br />
zieht man damit in der gegenwärtigen Situation mehr Wähler<br />
als früher. Es gibt für viele Wähler keine Barrieren<br />
mehr zwischen Union und SPD. Diesen Effekt gab es gestern vor allem<br />
bei Kurt Beck. Jemand wie er kann unter anderen Umständen in<br />
einem Land wie Rheinland-Pfalz keine absolute Mehrheit bekommen!<br />
Nachtrag: Die DVU war vermutlich erfolglos, weil sie kein Mobilisierungsthema<br />
hatte. Mal angenommen, es gäbe demnächst weitere harte<br />
soziale Einschnitte und die DVU würde das im Herbst in Berlin<br />
oder Mecklenburg-Vorpommern zum Thema machen, dann &#8211; fürchte<br />
ich &#8211; wäre es ein leichtes für sie, einiges an Wählern<br />
einzusammeln.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal in Sachen Kurt Beck: Also<br />
gibt es das Südwest-Landesvater-Phänomen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Absolut. Wie aus einer<br />
anderen Zeit.
</p>
<p>
<b>Ginfizz: </b>Wie erklären Sie sich den Einbruch<br />
der FDP in Sachsen-Anhalt?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Cornelia Pieper hatte<br />
vor der letzten Wahl mit riesigen Plakaten versprochen, im Land<br />
zu bleiben. Das hat sie nicht getan. Und darüber gab es in<br />
Sachsen-Anhalt große Enttäuschung. Außerdem scheinen<br />
viele dort nach dem Motto zu wählen: &quot;Alles mal probieren&quot;.<br />
Nirgendwo in den Neuen Ländern ist die Parteibindung so gering.<br />
Und beim letzten mal fanden viele die Pieper gut und haben gesagt,<br />
ich probiere das mal.
</p>
<p>
<b>Ossi: </b>Wann haben meine Landskollegen in Sachsen-Anhalt<br />
dass dann durch und was machen sie danach?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ich glaube, die sind<br />
Trendsetter. Im Westen gibt es immer mehr, die das genauso sehen.<br />
Und noch ein Nachsatz zu den Nichtwählern. Früher war<br />
das eine feste Gruppe: Niedrige Bildung, kein politisches Interesse.<br />
Heute gibt es vor allem &#8211; aber nicht nur im Osten &#8211; viele Nichtwähler,<br />
die nach reiflicher Überlegung fernbleiben. Nichtwählen<br />
als Wahlentscheidung!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es für die besonders geringe<br />
Wählerbindung in Sachsen-Anhalt einen besonderen Grund? Schlechte<br />
Erfahrungen oder so etwas?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Vielleicht Aussichtslosigkeit.<br />
In unseren Umfragen vor der Wahl wurde klar, dass viele überhaupt<br />
keine Chance sehen, dass das Land etwa bei den Arbeitsplätzen<br />
Anschluss findet. Wenn mir das aber am allerwichtigsten ist, und<br />
wenn ich keiner Partei zutraue, da was zu reißen, was mache<br />
ich dann? Zuhause bleiben kann da eine sehr rationale Entscheidung<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Gmorrk: </b>Ergänzung zu meiner Frage „West-Ost<br />
Gefälle“ Land-Bundestagswahl, West = Personenwahl, Ost<br />
= Programmatik, Themenwahl? Existiert so etwas?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn</b>: So etwas existiert<br />
nach meiner Überzeugung. Aber mir ist nicht aufgefallen, ob<br />
das in Ost und West jeweils anders ist. Meine These: 1998 war eine<br />
Stimmungswahl, neu und jung gegen alt und abgenutzt, eine Generationenfrage.<br />
2002 war vor allem eine Personenwahl &#8211; Schröder gegen den Rest<br />
der Welt und 2005 war eine Themenwahl. Wer sorgt für Arbeit?<br />
Egal, wer da später den Kanzler macht. Nachtrag: Auch im Osten<br />
gab es Personenwahlen: Platzeck in Brandenburg ist nicht wegen der<br />
SPD gewählt worden, sondern weil die Leute ihn dort mögen.
</p>
<p>
<b>Gauss:</b> Herr Schönenborn, bei der BTW hieß<br />
es noch, die Bedeutung der großen Volksparteien würde<br />
abnehmen und eine sich diversifizierende Parteienlandschaft (wie<br />
beispielsweise in Italien) wäre die Zukunft für Deutschland.<br />
Wie ist Ihre Meinung dazu?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Langfristig glaube<br />
ich daran. 1976 haben zusammen genommen über 90 Prozent SPD<br />
oder CDU gewählt, zuletzt noch knapp 70 Prozent. Volksparteien<br />
haben die Eigenschaften, Positionen vom einen Ende bis fast zum<br />
anderen des Meinungsspektrums zu vertreten. Das funktioniert in<br />
einer Zeit, wo der politische und gesellschaftliche Status Quo sich<br />
kaum verändert und Veränderungen immer im Kompromiss erreicht<br />
werden. Ich habe Zweifel, dass unser Land heute, mit solchen Entscheidungen<br />
noch weiterkommt. Deshalb laufen auch die Volksparteien Gefahr,<br />
dass ihre jeweilige Mitte immer breiter wird und die Ränder<br />
verloren gehen.
</p>
<p>
<b>Gast2: </b>Würden Sie sagen, dass die großen<br />
Volksparteien ein Auslaufmodell sind?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Das fände ich<br />
übertrieben. Ich finde ja auch, dass sie wichtig sind. Sie<br />
leisten eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie sind ein Forum,<br />
in dem sich Meinungen reiben können. Das braucht Politik! Sie<br />
sind gefährdet, aber wir sprechen über einen Prozess,<br />
der in Jahrzehnten und nicht in Jahren spielt.
</p>
<p>
<b>DoktorM:</b> Ihre Eingangsfrage hat mich nachdenklich<br />
gemacht. Woran orientiert sich der &#8216;gemeine Wähler&#8217;? An irgendwelchen<br />
Versprechungen der Parteien oder am sympathischen &#8216;Äußeren&#8217;<br />
der Kandidaten? Ich bin normalerweise nicht ängstlich, aber<br />
ich sehe keine glasklaren Strukturen, für die man sich entscheiden<br />
soll. Ob das das Problem ist?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ich glaube ja, dass<br />
wir als Wähler so ticken, wie im Leben auch. Es gibt Figuren,<br />
die für uns wichtig sind, die wir mögen, bewundern. Auch<br />
wenn wir nicht immer sagen können, warum. Ganz sicher brauchen<br />
Parteien Personen, die überzeugen. Ob wir dann am Ende die<br />
X-Partei wählen, weil uns Frau Y sympathisch ist, oder weil<br />
sie kluge Argumente hat, weiß man das immer?
</p>
<p>
<b>Engelbert:</b> Würden Sie zustimmen, dass die<br />
&#8216;Typen&#8217; wie Strauss oder Wehner den Wählern heute abgehen?<br />
Glauben Sie, die Wähler wollen den Einheitspolitiker wirklich<br />
oder sehnt sich der Wähler nach kantigen Persönlichkeiten?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Jede Zeit hat ihre<br />
Typen. Strauß zum Beispiel wäre heute angesichts seiner<br />
dubiosen Geschäftsmethoden und seines Alkoholkonsums in der<br />
Politik undenkbar. Politiker haben es schwerer, heute zu bestehen,<br />
weil das Fernsehen sie jeden Tag verfolgt. Aber ich kenne schon<br />
Politiker, die mich auch nach langer zeit noch überzeugen.
</p>
<p>
<b>Micha84:</b> Herr Schönenborn, welches Ergebnis<br />
hat sie gestern am meisten überrascht?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Klingt jetzt blöd,<br />
aber eigentlich war ich nicht sooo überrascht. Ich hätte<br />
vielleicht mit der absoluten Mehrheit für Öttinger noch<br />
gerechnet.
</p>
<p>
<b>augenring-alarm:</b> Wie beurteilen Sie das Abschneiden<br />
der Rechtsextremen in den Landesparlamenten? Ist der politische<br />
Extremismus auf dem Rückzug?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Würde ich so<br />
nicht sagen. Es gibt da viele Gründe. Einer ist, dass viele<br />
Wähler noch wissen, dass die DVU im Landtag nichts gebracht,<br />
nicht mal gearbeitet hat. Ein anderer &#8211; hab ich oben schon gesagt<br />
-, dass es kein Protestthema gab. Das letzte Mal waren Republikaner<br />
und DVU erfolgreich dank Hartz IV. So was kann wiederkommen.
</p>
<p>
<b>Bild_nichtleser:</b> Guten Tag. Welche Auswirkung<br />
hat die Berichterstattung der BILD-Zeitung über Diäten<br />
und Altersbezüge von Politikern sowie angeblicher &#8216;Abzocke&#8217;<br />
der Bürger auf die Stimmung unter den Wählern. Kann man<br />
das erheben?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Schwer, so etwas zu<br />
erheben. Es trägt zu einer Grundstimmung bei: „Die sind<br />
alle gleich und stopfen sich die Taschen voll“ (was ich überhaupt<br />
nicht so sehe!!). Wenn sie drauf hinaus wollen, ob viele Leute deshalb<br />
zuhause bleiben: Kann ich Ihnen wirklich nicht verlässlich<br />
sagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Im Chat mit Peter Harry Carstens kam<br />
vergangene Woche von mehreren Usern der Vorwurf, die Union setze<br />
das Thema Einbürgerungstests vor den Wahlen bewusst, um am<br />
rechten Rand Stimmen zu fischen. Funktioniert so etwas?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Da ist was dran. Die<br />
haben damit eine Stimmung getroffen. Und dass das vor den Wahlen<br />
kam, ist kein Zufall. Aber das Thema zieht nicht nur am rechten<br />
Rand (wo man sicher härtere Forderungen stellt), sondern im<br />
Südwesten auf jeden Fall auch in der bürgerlichen Mitte.<br />
Knapp 70 Prozent finden Fragebögen für Moslems in Baden-Württemberg<br />
richtig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal Grüne spezial:
</p>
<p>
<b>Molly: </b>Wissen Sie eine mögliche Erklärung<br />
dafür, warum die Grünen es in Rheinland–Pfalz nicht<br />
in den Landtag geschafft haben?
</p>
<p>
<b>Gast2: </b>Wie kann man zum Beispiel das starke Abschneiden<br />
der Grünen in Baden-Württemberg erklären?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Die sind dort sehr<br />
bürgerlich und hatten ein Thema: Sie sind gegen längere<br />
Nutzung der AKW, wovon es dort sehr viele gibt. Zu Rheinland-Pfalz:<br />
Kollegen aus Mainz sagen, dass die Spitzenkandidatin nicht sehr<br />
stark gewesen sei und Beck ist als alter Gewerkschafter für<br />
viele Grüne gut wählbar. Außerdem: keine noch so<br />
ferne Regierungsperspektive für die grünen in Rheinland-Pfalz.<br />
Das schreckt Realos ab.
</p>
<p>
<b>Ossi: </b>Herr Schönenborn. Geben Sie dem Bündnis<br />
von PDS und WASG eine Chance?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn: </b>Wenn ich richtig im<br />
Bilde bin, wird es daraus wohl nix &#8211; oder? Liebe Chatter, es ist<br />
halb vier. Muss leider Schluss machen. Danke, spannende Fragen.<br />
Hat mir Spaß gemacht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist um. Vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und Dank an Herrn Schönenborn für den Chat!<br />
Das Protokoll des Chats finden Sie wie gewohnt in Kürze auf<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Morgen stellt sich Bundesinnenminister<br />
Wolfgang Schäuble ab 13.45 Uhr der Diskussion über großkoalitionäre<br />
Politik, Einbürgerungs- und Sicherheitsfragen. tagesschau.de<br />
und politik-digital.de wünscht allen Beteiligten noch einen<br />
schönen Tag!
</p>
<p><b>Jörg Schönenborn:</b> Danke und Tschüß. </p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Parteien sind doch käuflich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tpeick]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Aug 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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					<description><![CDATA[
                            In der realen Welt würde obige Aussage sofort – und zu Recht - einen gewaltigen Sturm der Entrüstung auslösen, nicht jedoch in den scheinbar unergründlichen Weiten des WorldWideWeb: Dort sind Parteien - ganz legal und völlig legitimiert – käuflich. Kein empörter Aufschrei der sonst oft so sensiblen Internetgemeinde ist zu vernehmen, im Gegenteil: Es wird gezockt, was das eigene virtuelle oder auch reale Kapital hergibt.
                          ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                            <strong>In der realen Welt würde obige Aussage sofort – und zu Recht &#8211; einen gewaltigen Sturm der Entrüstung auslösen, nicht jedoch in den scheinbar unergründlichen Weiten des WorldWideWeb: Dort sind Parteien &#8211; ganz legal und völlig legitimiert – käuflich. Kein empörter Aufschrei der sonst oft so sensiblen Internetgemeinde ist zu vernehmen, im Gegenteil: Es wird gezockt, was das eigene virtuelle oder auch reale Kapital hergibt.</strong>
                          </p>
<p><!--break--></p>
<p>„Wahlbörsen“ heißen diese interaktiven Plattformen, die regelmäßig vor allen wichtigen realen Urnengängen angeboten werden und inzwischen eine eingefleischte, doch immer noch stetig wachsende Community um sich scharen. Bis zu 24 Stunden täglich – also de facto rund um die Uhr &#8211; werden (dunkel- oder hell-) rote, schwarze, grüne oder gelbe Aktien an den Mann oder die Frau gebracht – gehandelt wird die gesammelte politische Farbenlehre.</p>
<p>Im Unterschied zu klassischen Umfragen lautet die Frage, die sich der erfolgsorientierte Online-Händler stellt, nicht &#8220;Was würden Sie wählen?&#8221; sondern: &#8220;Was glauben Sie, werden die Anderen wählen?“ Und so kaufen und verkaufen selbst überzeugte Gysi-Anhänger die Merkel- und Stoiber-Aktien, wenn sie davon überzeugt sind, dass diese Partei unter- bzw. überbewertet ist. Auch Fischers Friends und Westerwelles Jecken gehen beinahe friedlich Hand in Hand, wenn es gilt, mit Schröders Aktien womöglich ein Schnäppchen zu jagen. (Der Ahnungslose mag ja fragen: Geht es auf diesen Handelsplätzen wirklich so friedlich zu? – Ja! Meistens jedenfalls, doch Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel – Und, wissen Sie, selbst die beste politische Freundschaft endet spätestens dann, wenn der andere mir andauernd die günstigsten Aktienpakete direkt vor der Nase wegschnappt…)</p>
<p>Dieses beinahe schon banal anmutende Verhalten mag den Erfolg der Wahlbörsen erklären, deren Prognosen häufig zuverlässiger sind als die Umfrageergebnisse der traditionellen Forschungsinstitute. Denn was für die Institute beinahe ein Umfrage-GAU darstellen würde, entpuppt sich bei den Wahlbörsen als Vorteil: Diese benötigen keine Repräsentativität, sondern nur die Entschlossenheit ihrer – freiwillig – teilnehmenden Händler. Unentschlossenheit und Antwortverweigerung gibt es zudem genauso wenig wie eine von der Größe einer Stichprobe abhängige Schwankungsbreite. Auch liegt hier die sogenannte kritische Masse viel niedriger, denn schon mit 50 Händlern lassen sich gute Prognosen „erspielen“.</p>
<p>Apropos „erspielen“: Ist dies wirklich nur ein Spiel? Nein! Die Donauuniversität Krems wertete diverse österreichische Wahlbörsen wissenschaftlich aus, verglich diese mit den Umfragen der Forschungsinstitute und kam zu folgendem Ergebnis: Bei den in der Alpenrepublik seit 1994 stattgefundenen Wahlbörsen betrug die Abweichung der virtuell „erspielten“ Prognose vom realen Wahlergebnis nur zwischen 0,9 und 3,1 Prozent. Vorhersagen, von denen viele Forsa- oder Emnid-Mitarbeiter oft nur träumen – sofern sie denn dieses zu träumen wagen. Selbiges gilt natürlich auch für die Kollegen von Infratest Dimap und der Forschungsgruppe Wahlen.</p>
<p>Auch zur bevorstehenden Bundestagswahl 2005 werden, wie üblich, diverse Wahlbörsen angeboten. Zumeist in Kooperation mit Zeitungen oder Zeitschriften, so auf<br />
                          <a href="http://www.ftd.de">www.ftd.de</a> oder<br />
                          <a href="http://www.zeit.de">www.zeit.de</a>. Selbst der Rosa-Riese mischt dieses Mal mit und präsentiert (nicht nur) seinen Kunden unter<br />
                          <a href="http://www.t-online.de">www.t-online.de</a> eine solche Handelsplattform. Alle eben genannten Börsen arbeiten allerdings mit dem Einsatz von realem Geld. Erst nach der Überweisung eines Betrages zwischen 10 &#8211; und 50 &#8211; Euro öffnet sich für den Händler das virtuelle Börsenfenster.</p>
<p>Seit Beginn dieser Woche steht der deutschsprachigen Trading-Community ein weiterer Börsenmarkt zur Verfügung. Auf<br />
                          <a href="http://www.wahlfieber.de">www.wahlfieber.de</a> findet der Handel ausschließlich mit virtuellem Geld statt. Und noch eines unterscheidet diesen Markt von seiner Konkurrenz: Als einzige Börse bietet er seinen Händlern eine Plattform zum direkten Austausch untereinander. Im „Wahlfieber-Forum“ können die Trader nach Lust und Laune über den tagesaktuellen Wahlkampf, sofern gewünscht auch über die Höhe der Fehlerquote in den neuesten Wahlumfragen oder über den sicherlich nicht mehr lange auf sich warten lassenden nächsten (ungewollten?) Versprecher eines Bundespolitikers und dessen mögliche negative wie positive Auswirkungen auf das zu erwartende Wahlergebnis diskutieren &#8211; und natürlich streiten.</p>
<p>Der Anbieter, die Wiener Agentur für neue Medien BDF-net, verspricht sich von diesem Diskussionsforum eine längerfristige Community-Bindung, da ihr „Wahlfieber“ als kontinuierliche Börse angelegt ist, die auch über die Bundestagswahl hinaus mit Erfolg bestehen soll.</p>
<p>
                            <br />
                            <strong>Thomas Peick ist freier Journalist, Mitglied des Medienrates der schleswig-holsteinischen Landesmedienanstalt ULR und Freier Mitarbeiter der Agentur<br />
                            <a href="http://www.BDF-net.com">www.BDF-net.com</a>.</strong>
                          </p>
<p></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Virtuelle Wahlkabine</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wahlkampf-oesi-shtml-3035/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[alederer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlprognose]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 28. September wählen zwei österreichische Bundesländer neue Landtage. Erstmals auf Länderebene werden virtuelle Entscheidungshilfen im Internet eingesetzt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 28. September wählen zwei österreichische Bundesländer neue Landtage. Erstmals auf Länderebene werden virtuelle Entscheidungshilfen im Internet eingesetzt.<!--break-->
                    </p>
<p>Der politische Herbst wird heiß. 3 Bundesländer im deutschsprachigen Süden wählen neue Landtage. Die Landtagswahlen in Tirol und Oberösterreich werden am 28. September unser südliches Nachbarland beschäftigen. Bayern wählt am 21. September. Die Kampagnen der Parteien laufen bereits auf Hochtouren und auch das Internet wird von den Parteien wieder intensiv genutzt.</p>
<p>
                    <strong>Politische Bildung auf Landesebene</strong><br />
                    <br />Aber auch die politische Netzöffentlichkeit hat reagiert. In Tirol und Oberösterreich gibt es, wie zuletzt bei den Nationalratswahlen im Herbst, wieder diverse Angebote im Netz, wie die virtuelle Wahlentscheidungshilfe „<br />
                    <a href="http://www.wahlkabine.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlkabine</a>“ für die Landtagswahlen in Oberösterreich und Tirol sowie eine<br />
                    <a href="http://wahlboerse.tirol.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlbörse</a>, die für den tiroler Wahlgang das Ergebnis prognostizieren soll. Die Wahlkabine wird organisiert vom Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung, Abteilung Politische Bildung (<br />
                    <a href="http://polbil.uibk.ac.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IFF</a>) unter der Leitung von<br />
                    <a href="http://ulgpolbil.uibk.ac.at/per/fipe.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Prof. Peter Filzmaier</a> und dem<br />
                    <a href="http://www.t0.or.at/t0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Institut für neue Kulturtechnologien Public Netbase t0</a>. Die Wahlbörse ist eine Kooperation der Tiroler Tageszeitung mit dem IFF.</p>
<p>
                      <a href="http://wahlboerse.tirol.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                        <img decoding="async" height="168" alt="Wahlbörse" src="/egovernment/international/wahlboerse.jpg" width="220" align="left" border="0" /><br />
                      </a><br />
                      <a href="http://www.wahlkabine.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                        <img decoding="async" height="167" alt="Wahlkabine" src="/egovernment/international/wahlkabine.jpg" width="149" border="0" /><br />
                      </a>
                    </p>
<p>
                    <strong>Wahlkabine Oberösterreich</strong><br />
                    <br />Die Geschichte virtueller Wahlentscheidungshilfen geht zurück bis zum<br />
                    <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wahlkampf/oewahl5.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nationalratswahlkampf 2002</a>, bei dem das IFF mit Partnern das erste derartige Projekt in Österreich startete. Die aktuellen Neuauflagen für die beiden Landtagswahlen sind in Österreich wieder eine Pionierleistung, weil es derartige Projekte auf Länderebene vorher noch nicht gab. Die Themen der Wahlkabine sind an die speziellen Umstände der Länderwahlen angepasst: Mehr noch als bei der Wahlkabine zur Nationalratswahl, geht es diesmal um konkrete, vor allem regionale Sachthemen. So wird man beim Durchlaufen der 25 Fragen beispielsweise gefragt: „Soll sich Tirol noch einmal für die Olympischen Winterspiele bewerben?“ „Soll Kunst, die die Hand beißt, von der Sie gefördert wird, weiterhin Fördermittel des Bundeslandes Oberösterreich erhalten?“</p>
<p>Die Idee hinter Tools wie der Wahlkabine ist, die Nähe oder Distanz der Einstellungen des Bürgers zu den Linien der einzelnen Parteien zu messen. Dem Wähler soll dadurch die Chance gegeben werden, sich über die Positionen der Parteien zu den wichtigsten Sachthemen zu informieren und sie mit seinen eigenen Einstellungen zu vergleichen. Der Wert für die politische Bildungsarbeit liegt neben der Information des Wählers über die Themen vor allem im Schaffen des Themenbewusstseins. Daraus folgt, dass Kompetenzen und politische Handlungs- und Gestaltungsspielräume von Länderregierungen aufgezeigt werden.</p>
<p>
                    <strong>Hohe Qualitätsstandards</strong><br />
                    <br />Bei der aktuellen Neuauflage wurde das Redaktionsteam, das für die Frageformulierung, das Erheben der Parteipositionen sowie deren Auswertung verantwortlich war, um einen wichtigen Kompetenzbereich erweitert: neben Politikwissenschaftlern waren auch Politikjournalisten eingeladen, ihre Kompetenz bei der Themenaufbereitung und der unmissverständlichen Formulierung der Fragen einzubringen.</p>
<p>Die aktuellen Wahlkabinen erfüllen, wie zuletzt auch schon die Wahlkabine bei der Nationalratswahl, die von den Initiatoren aufgestellten Qualitätskriterien von virtuellen Entscheidungshilfen. Demnach müssen der Transparenz wegen die Recherchequellen der Standpunkte der Parteien offen gelegt werden sowie die Methodik wissenschaftlich fundiert sein. Bei der Wahlkabine ist die Methodik, nach der die Antworten des Users mit den Positionen der Parteien verglichen werden, in einem eigenen Dokument nachzulesen.</p>
<p>Diese ersten beiden Wahlkabinen auf Länderebene sollen aber nicht die letzten gewesen sein. Wie Prof. Filzmaier bestätigt, gibt es sowohl Pläne als auch schon konkrete Vorgespräche zu Wahlkabinen für die beiden Landtagswahlen in Salzburg und Kärnten, die im Frühjahr 2004 stattfinden werden. Aber auch andere Verwendungsmöglichkeiten des Tools als Instrument der politischen Bildung über Wahlkämpfe hinaus sind angedacht, z.B. wahlkampfunabhängig als Vergleich zwischen Bürger- und Parteimeinung zu aktuellen Politikthemen auf Gemeindeebene oder zur Sachinformation und dem Schaffen von Themenbewusstsein in bestimmten Gruppen, z.B. bei Jugendlichen.</p>
<p>
                    <a href="http://wahlboerse.tirol.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                      <strong>http://wahlboerse.tirol.com</strong><br />
                    </a><br />
                    <br />Gemeinsam mit der Tiroler Tageszeitung startet das IFF zur Tirolwahl auch eine Wahlbörse zur Prognose des Wahlergebnisses. Der Vergleich mit Wahlbörsen auf Bundesebene zeigt Vor- und Nachteile des regionalen „Parteienmarktes“: Während Wahlbörsen auf Bundesebene des Öfteren dem Vorwurf ausgesetzt sind, sie würden nur die Ergebnisse der beinahe täglich veröffentlichten Meinungsumfragen widerspiegeln, lässt Prof. Filzmaier das in diesem Fall nicht gelten: „Während Landtagswahlkämpfen werden überhaupt nur eine Hand voll Umfragen veröffentlicht. Das kann keinen entscheidenden und durchgehenden Einfluss auf das Händlerverhalten haben.“ Ein problematischer Aspekt ist, dass bei Wahlbörsen zu Wahlen in Bundesländern die Gefahr von externen Händlern, also Teilnehmern, die in einem anderen Bundesland leben, groß ist. Denn das Prinzip, nach dem Wahlbörsen funktionieren, geht davon aus, dass den Teilnehmern alle Informationen über den Wahlkampf zur Verfügung stehen. Während aber bei einer Nationalratswahl der Wahlkampf im ganzen Bundesgebiet thematisiert wird, wissen z.B. Wiener über einen tiroler Wahlkampf nicht Bescheid und können damit die Ergebnisse verzerren.</p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 17.9.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wahl-O-Mat und Wahlbörsen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wahl-o-mat-und-wahlboersen-3064/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[alederer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Nov 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlergebnis]]></category>
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					<description><![CDATA[Harald Schmidts Beitrag zur politischen Bildung und seine Folgen in Österreich. Gleich mehrere Wahl-O-Maten streiten um die Gunst der Wähler. Gleiches gilt für Wahlbörsen als Prognoseinstrument. Doch wo liegt die Grenze zwischen Sinn und Unsinn solcher Techniken?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Harald Schmidts Beitrag zur politischen Bildung und seine Folgen in Österreich. Gleich mehrere Wahl-O-Maten streiten um die Gunst der Wähler. Gleiches gilt für Wahlbörsen als Prognoseinstrument. Doch wo liegt die Grenze zwischen Sinn und Unsinn solcher Techniken?<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Der Wahlkampf im Internet war bis zum Beginn der „heißen Wahlkampfphase“, zu der die Parteien ihre Websites relaunchten und damit den Wahlkampf im Netz belebten, vom überraschenden virtuellen Wahlkampfschlager der vorangegangenen deutschen Wahl geprägt: dem virtuellen Wahlentscheidungshelfer, allias „Wahl-O-Mat“. Erstmals 1999 konzipiert vom niederländischen<br />
<a href="http://www.stemwijzer.nl/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Instituut voor Publiek en Politiek</a> wurde der zur deutschen Bundestagswahl von<br />
<a href="http://www.diewahlgang.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">der Wahlgang</a> realisierte<br />
<a href="http://www.wahlomat.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahl-O-Mat</a> nach einem Gastauftritt bei Harald Schmidt zum Renner des virtuellen Wahlkampfgeschehens. Bis zum Wahltag konnte der Entscheidungshelfer 2.269.756 Mal die politische Präferenz der User bekannt geben.
</p>
<p>
Dieser Erfolg hat in Österreich offensichtlich so viel Eindruck gemacht, dass das Konzept hierzulande gleich sechsmal kopiert wurde: zwei unabhängige Projekte, die „Wahlkabine“ (www.wahlkabine.at) und der „<br />
<a href="http://www.stimmzettel.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stimmzettel</a>“ standen vier Wahlentscheidungshilfen von Medien gegenüber: dem innovativ „<br />
<a href="http://www.krone.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahl-O-Meter</a>“ genannten Automaten der Kronen Zeitung, der „Wahlmaschine“ der<br />
<a href="http://www.news.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zeitschrift News</a>, dem Ö3- Entscheidungshelfer des gleichnamigen<br />
<a href="http://www.oe3.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ORF- Radiosenders</a> und dem guten, alten „Wahl-O-Maten“ der<br />
<a href="http://www.kleinezeitung.at/kleine.taf?_pg=News_Specials&amp;_which=wahlen2002&amp;" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kleinen Zeitung</a>.<br />
<br />
Die österreichische Pioniersehre kommt der Wahlkabine zu. Das von mehreren österreichischen Institutionen zur Bildung und politischen Aufklärung realisierte Projekt ist das erste dieser Art im Alpenland. Die Wahlkabine wies bis vier Tage vor der Wahl 398.058 abgeschlossene Beratungsvorgänge auf. Das ist nur natürlich nur ein Bruchteil des deutschen „Wahl-O-Mat“-Ergebnisses, wenn man allerdings die Bevölkerungszahl Österreichs, die ein Zehntel der Deutschen beträgt, mitdenkt, sowie auch den nur acht Wochen dauernden Wahlkampf und die fehlende TV-Promotion durch Harald Schmidt, dann ist das ein äußerst erfolgreiches Ergebnis. Dazu kommen noch die Nutzungszahlen der fünf anderen Entscheidungshelfer, was die Idee des „Wahl-O-Maten“ noch mehr ehrt.
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<b>Sinn und Zweck</b><br />
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<a href="http://polbil.uibk.ac.at%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Prof. Peter Filzmaier</a> vom Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung, einem der Veranstalter der Wahlkabine, betont, dass das Projekt ein Beitrag zur politischen Bildung sein soll und kein Pseudo-Prognoseinstrument. Die fünf Projektklone der Medien sieht er durchwegs positiv, da diese der Idee der politischen Bildung zugute kämen. Eine Chance für die Zukunft sieht er in der Möglichkeit einer Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Wissenschaftlern, die dieses Mal noch nicht möglich gewesen sei. Eine solche Kooperation würde von der wissenschaftlichen Kompetenz beim Methodendesign wie auch von der Themenkompetenz der Journalisten profitieren.
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Gibt es zu viele „Wahl-O-Maten“ in Österreich? Welchen soll man benutzen? Für das Konzept sieht Filzmaier Zukunft in Österreich. Er selbst plant für die Landtagswahlen in Tirol im nächsten Frühjahr wieder einen virtuellen Wahlhelfer ins Netz zu stellen. Er stellt zwei wichtige Qualitätskriterien auf: Erstens muss die Methodik wissenschaftlich fundiert sein und zweitens muss die Auswertung transparent sein.<br />
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Konsequenterweise bietet die Wahlkabine ein Textdokument zum Download an, das nicht nur den Prozess der Antwortgenerierung bei den Parteien, die anschließende Fragenauswahl und Gewichtung für die Auswertung darstellt, sondern das auch Einblick in die mathematischen Tiefen des Automaten gibt. Wen es interessiert, der kann dort die Formeln, die zur Auswertung verwendet werden, nachlesen.<br />
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Was Filzmaier kritisiert sind Entscheidungshelfer, die als Pseudo-Prognoseinstrument präsentiert werden, wie die „Wahl-Maschine“ der Zeitschrift News. Am Ende des Test werden zwei Statistiken präsentiert, die aus den Ergebnissen aller gemachter Test zusammengestellt sind: „So wichtig sind Österreich die Themen“ und „Die Partei- Präferenzen Österreichs“. Diese Statistiken würden eine Repräsentativität vortäuschen, die sie in Wirklichkeit nicht besäßen. Die Statistiken würden lediglich Scheinergebnisse produzieren, die absolut unseriös sind. Auch sei dieses Konzept überhaupt nicht der politischen Bildung dienlich.
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<b>Wahlbörsen- Politik am Markt</b><br />
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Das zweite Format, dass die Netzöffentlichkeit zur Nationalratswahl beherrscht, sind die Wahlbörsen. Fünf Stück davon haben es diesmal ins Netz geschafft:<br />
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die<br />
<a href="http://www.wahlboerse.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlbörse.at</a> der Tageszeitung Kurier und des Wochenmagazins Profil, die Presse-Wahlbörse der gleichnamigen<br />
<a href="http://www.bdf-web.com/presse/presse_feature#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">konservativen Tageszeitung</a>, der Koalitionsmarkt (http://wahlboerse.uibk.ac.at) der Universität Innsbruck in Kooperation mit dem Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung, die alle drei auch die Presse-Wahlbörse wissenschaftlich betreuen, die Wahlbörse der<br />
<a href="http://www.wirtschaftsblatt.at/if_bnews/frame2.shtml?/cgi-bin/trading/trading_start.pl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung Wirtschaftsblatt</a> und „<br />
<a href="http://derstandard.at/MetaAdServer/werbung.asp?rt=cp/newsroom/politik/innenpolitik/wahlen/e-lection" target="_blank" rel="noopener noreferrer">e-lection</a>“ der liberalen Tageszeitung Der Standard.
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Alle Wahlbörsen haben gemeinsam, dass sie keine Echtgeldbörsen sind. Bei keiner dieser Börsensimulationen kann man also reales Geld einsetzen und am Ende gewinnen. Der Anreiz für die Händler sind Sachpreise, die an die Gewinner im Händlerranking vergeben werden. Die Besonderheit unter den einzelnen Programmen ist sicher die Presse-Wahlbörse, die von drei Instituten, dem Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung(IFF), dem Institut für betriebliche Finanzwirtschaft und dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck, wissenschaftlich betreut wird. Ziel des Projektes ist das Erforschen der Möglichkeiten von Wahlbörsen als Prognoseinstrumenten. Das Projekt soll Aufschluss über die Mechanismen geben, nach denen Händler auf dem Parteienmarkt agieren. Welche Ereignisse beeinflussen den Kurs einer Aktie? Wie verlässlich sind Wahlbörsen bei der Prognose eines Wahlergebnisses?<br />
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In der letzten Woche vor der Wahl liefern sich die beiden Großparteien ein Kopf an Kopf Rennen bei 35-39 Prozent, ebenso die beiden kleinen Parteien bei 10-12 Prozent. Darüber, welche Partei das Rennen für sich entscheiden wird, sind die Wahlbörsen genauso geteilter Meinung wie die verschiedenen Umfragen. Zwei Fragen bleiben bis zum Wahltag offen: Das um die stärkste Partei einerseits und das Rennen um das genauere Prognoseinstrument andererseits.
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<b>Die Wahlergebnisse im Netz<br />
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</b>Für österreichische Verhältnisse Neuartiges bietet am Wahlabend die Firma Siemens, die für das Innenministerium seit 1994 die Wahlergebnisse elektronisch aufbereitet. In ihrem Internetmagazin „<br />
<a href="http://www.wahl2002.hitech.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hi!tech</a>“ stellt Siemens als einzige Seite im Netz die Wahlergebnisse aller Bundesländer und Bezirke auf einer interaktiven Landkarte dar. Dieses Jahr bietet Siemens über diese Seite in Österreich erstmals Wahlergebnisse per SMS an. Dabei kann man sich das Bundesergebnis, einzelne Landes oder auch nur Regionalergebnisse zuschicken lassen. Das Problem für Interessierte im Ausland: Das Service kann nur mit einem österreichischen Handybetreiber verwendet werden.
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			Erschienen am 21.11.2002
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<!-- Content Ende --></p>
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