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	<title>Warblog &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Warblog &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Der Libanonkonflikt in Video-Warblogs und Web 2.0</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Während der Libanonkonflikt immer aufs neue eskaliert, bilden sich im Netz neue Formen für den Umgang mit der Krise. Kriegsgegner und Propagandisten, aber auch Nachrichtenangebote entdecken den Nutzen von Web 2.0 für ihre Zwecke.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Während der Libanonkonflikt immer aufs neue eskaliert, bilden sich im Netz neue Formen für den Umgang mit der Krise. Kriegsgegner und Propagandisten, aber auch Nachrichtenangebote entdecken den Nutzen von Web 2.0 für ihre Zwecke.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Die Sonne geht auf in der Wüste. Junge Männer binden sich in Zeitlupe ihre Schnürsenkel, im Hintergrund spielt ruhige Musik. Doch dann starten Kampfjets in der Morgensonne, explodieren Bomben in Gegenden, die offensichtlich von Zivilisten bewohnt sind. Und die jungen Männer, die Soldaten sind, bahnen sich ihren Weg durch Städte, die in Trümmern liegen. Im Hintergrund singt jemand: „Brothers in arms“.</p>
<p>Doch nicht nur wie<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Wahd2piIr4Q&amp;feature=PlayList&amp;p=BB8C6A9D2201568E&amp;index=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Filme wie dieser</a>, die aus der Propagandaabteilung des israelischen Militärs stammen, sondern auch Friedensaufrufe finden sich auf der Videoplattform YouTube<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/results?search_type=search_videos&amp;search_sort=relevance&amp;search_query=Israel%2BLebanon%2BStop%2BWar&amp;search=Search" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zuhauf</a>. Zahlreiche Videos tragen die Titel: „Stop the War“. Und nicht nur Aufnahmen aus dem Libanon fordern ein Einschreiten der Vereinten Nationen, sondern auch Videos von Demonstrationen aus aller Welt. Mit diesen Videos sprechen die Netizens eine deutliche Sprache. Im Zuge der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah hat sich im Netz eine Bewegung formiert, die neue Beteiligungsformen des Internet in ihrem Sinne nutzt. Während die<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/extremismus/hkirchner_intifada.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cyberintifada</a> noch vor einigen Jahren vor allem die Störung und Zerstörung israelischer Websites zum Ziel hatte, also auf der technischen Ebene agierte, zeigen sich durch die<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/web20/pbihr_grundlagen_060803.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Web 2.0-Angebote</a> neue Möglichkeiten auf der inhaltlichen Ebene aktiv zu werden. Durch neue Technologien und technische Vereinfachung haben sich interaktive Plattformen entwickelt, von denen flickr.com, youtube.com und wikipedia.org nur die bekanntesten sind.</p>
<p>                            <strong>Meinungen weltweit verbreiten</strong></p>
<p>Natürlich werden diese Plattformen auch von Usern genutzt, die in Krisengebieten wie dem Nahen Osten leben. Dort sind diese Angebote oftmals eine willkommene Chance, weltweit mit einer hohen Anzahl an Usern zu kommunizieren und Meinungen zu verbreiten. So ist es nicht verwunderlich, dass die Videoplattform YouTube zu den Schlagworten Lebanon und Israel und War über 1000 Videos anzeigt. Unter ihnen finden sich nicht allein Friedensaufrufe wie das eingangs beschriebene Video, sondern auch<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=mMt5oKwrxiQ&amp;mode=related&amp;search=" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nachrichtenmitschnitte</a> und Korrespondentenberichte, minutenlange Statements von muslimischen Gemeindevertretern und kurze Animationsfilme. Einer davon<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Jj_b5f5mbv4&amp;mode=related&amp;search" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beschreibt</a> die Gewaltspirale im Nahen Osten kurz aber eindeutig und stellt am Ende die Frage „Was würdest DU tun??“</p>
<p>Die Grenze zwischen Betroffenheit und Propaganda ist bei YouTube jedoch durchaus fließend, wie die Videos des Nutzers „Obession: The Movie“ deutlich machen. Unter diesem Namen versucht ein Regisseur, für seinen zumindest fragwürdigen Film über Islamismus und Terror eine Vertriebsfirma zu suchen. Er hat zahlreiche<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=uHbV5CSj51I" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beiträge</a> zum „Krieg des radikalen Islams gegen des Westen“ auf die YouTube-Plattform hochgeladen. Hier sprechen sich scheinbar seriöse Experten klar für die Bekämpfung des Terrors aus. Unter dem Titel „Hitler and the Mufti“ werden die Wurzeln des islamischen Terrors mit Hitlers Antisemitismus in direkten Zusammenhang gestellt. Originalaufnahmen von einem Treffen Hitlers mit dem Mufti von Jerusalem sollen hierfür als Beweis dienen. Kategorisierungen der Videos und der Nutzer, die sie bei YouTube hochladen, fallen bei dieser Vielzahl an Videos schwer. Klar ist: Sowohl die libanesische Seite als auch die israelische nutzen die Plattform für ihre<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,429579,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">propagandistischen</a> Interessen.</p>
<p>Neben diesen politischen und den allgemeinen Konflikt beleuchtenden Inhalten bieten die Web 2.0-Plattformen ebenfalls die Möglichkeit, Alltagssituationen zu schildern. Auf der Suche nach den<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/web20/cjordan_tagging_060803.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tags</a> Israel, Lebanon und War zeigt die Fotoplattform flickr.com 5.928 Bilder, die unter jedem dieser drei Begriffe eingeordnet sind. Viele dieser Bilder zeigen Kriegssituationen, Hubschrauber über Beirut, zerstörte Gebäude. Zwischen diesen Fotografien findet sich jedoch auch ein erstaunliches Foto unter dem Titel “Life goes on”. Ein Brautpaar schreitet über eine menschenleere Straße. Der Bräutigam scheint nicht glücklich, doch der Fotograf vermutet wohl richtig: „Er spiegelt die momentane Stimmung in der Stadt wieder “. Darüber hinaus merkt der Fotograf an, dass er, während er das Foto aus einem fahrenden Auto schoss, sich so schnell wie möglich in Sicherheit<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/manunited/195923873/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bringen wollte</a>.</p>
<p>                            <strong>&#8220;Wie ein echtes Kriegskorrespondentenfoto&#8221;</strong></p>
<p>Klare Worte finden sich auch unter den anderen gefundenen Bildern: “Wir haben lange genug zugeschaut, es ist Zeit zu handeln und das Schweigen zu brechen. Es geht nicht darum, ob man Muslim oder Jude ist. Es geht darum, ein Mensch zu sein. Wir alle leiden, wir alle bluten und wir alle verdienen es, in Frieden<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/moayadphoto/205594792/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu leben</a>.” Die Sorge um einen Fotografen, der ein zerstörtes öffentliches Gebäude fotografiert hat, wird deutlich anhand der Kommentare unter diesem Bild: „Bitte pass auf dich auf, mein Freund. Ich finde dein Foto ganz erstaunlich. Es sieht aus wie ein echtes<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/codernoir/196001323/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriegskorrespondentenfoto</a>, aber bitte riskiere nicht dein Leben. Sei stark!“</p>
<p>Derzeit sind die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Libanon bei YouTube und Flickr sehr prominent vertreten. Wenn das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon tatsächlich Bestand hat, werden diesen Krieg bald andere Wörter und Bilder ablösen. Doch der Nahe Osten wird wohl immer ein Thema sein &#8211; nicht nur bei YouTube und Flickr.<br />
                            </p></p>
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			</item>
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		<title>Warblogs: vom Alltag im Kriegsgebiet</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gerade in Kriegszeiten ist eine ausgewogene Berichterstattung Aufgabe der Medien. Blogger zeichnen dagegen ein anderes, subjektives Bild von der Situation vor Ort und machen den traditionellen Onlinemedien damit die Deutungshoheit streitig. Eine Analyse.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade in Kriegszeiten ist eine ausgewogene Berichterstattung Aufgabe der Medien. Blogger zeichnen dagegen ein anderes, subjektives Bild von der Situation vor Ort und machen den traditionellen Onlinemedien damit die Deutungshoheit streitig. Eine Analyse.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
„Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd“. Bereits Bismarck stellt Kriege als Ausnahmesituationen, als Zeiten der Lüge, dar. Arthur Ponsonby betont sogar die Notwendigkeit der Lüge: In Kriegszeiten sei „die Erklärung der Wahrheit ein Verbrechen“.</p>
<p>Wie können angesichts dieser Lügenszenarien Journalisten agieren, deren erklärtes Ziel es ist, wahrheitsgemäß zu berichten? Die saloppe Antwort eines Regierungssprechers lautet: „Die oberste Regel im Krieg ist: niemals lügen. Die zweite: nie die ganze Wahrheit sagen“.
</p>
<p>
Was für den Journalismus angesichts seiner politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen eine große Herausforderung zu sein scheint, könnte für Warblogs leichter zu realisieren sein: eine authentische Kriegsberichterstattung. So verhilft der jüngste Konflikt zwischen Israel und Libanon den Online-Kriegstagebüchern einmal mehr zum Ruhm.</p>
<p><b>Eine Bandbreite an Stimmen und Meinungen</b>
</p>
<p>
Ähnlich wie 2003 im Irak tauschen sich derzeit im Nahen Osten viele Menschen online über den Krieg aus. Die aktuelle Warblog-Szene in der Krisenregion entwickelt sich dabei unter anderen Voraussetzungen als etwa die irakischen Kriegstagebücher. Am Nahostkonflikt sind vor allem Länder beteiligt, in denen zahlreiche Menschen über einen Internetanschluss verfügen. So präsentieren sich hier nicht nur einige vereinzelte Warblogger, sondern eine ganze Bandbreite an Stimmen und Meinungen wird im Internet laut. Kann dieses Potpourri an subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungsberichten eine Alternative zur Berichterstattung traditioneller Onlinemedien sein? Worin unterscheiden sich die Angebote?
</p>
<p>
Der 13. und 30. Juli 2006 sind ereignisreiche Tage im Nahen Osten. Das schlägt sich auch in den Medien nieder: Am 13.07. dominieren die Berichte über den ersten Großangriff der Israelis auf Beirut und Umgebung. Gut zwei Wochen später erregen die Bomben auf die libanesische Ortschaft Kana weltweite Aufmerksamkeit. Die Onlineausgaben von Süddeutscher Zeitung und Spiegel reagieren mit einer umfangreichen dossierartigen Berichterstattung, die sie noch am selben Tag online stellen.<br />
<br />
Die Warblogger hingegen scheinen es mit der Aktualität weniger genau zu nehmen. Viele der Autoren posten nicht mehr am gleichen Tag einen Beitrag zu den Geschehnissen. Häufig bieten sie erst Tage später ausführliche Berichte an. Hinsichtlich der Aktualität laufen die Onlinemedien den Warblogs deswegen wohl den Rang ab.</p>
<p><b>Die Stärke der Warblogs liegt in den Augenzeugenberichten</b></p>
<p>Nicht jedoch in der Berichterstattung: sie ist gekennzeichnet durch die Wiedergabe von persönlichen Eindrücken. Die Stärke der Warblogs liegt in den Augenzeugenberichten, die teilweise schonungslos offen gelegt werden. So berichtet das Warblog<br />
<a href="http://anecdotesfromabananarepublic.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anecdotes from a Banana Republic</a> aus Beirut vor Ort in Kana. Die Bloggerin beschreibt, was er in den Trümmern der zerstörten Häuser gesehen hat: „Babyfotos, …, Handtaschen, …, Joghurtbecher, …, Berge von Mathematik- und Französisch-Hausaufgaben.“ Doch nicht immer sind die Augenzeugenberichte derart emotional besetzt, teilweise liefern sie auch nebensächliche Informationen: „Der Strom fiel für einige Sekunden aus“, schreibt der gleiche Blogger beispielsweise kurz nach Kriegsbeginn aus der libanesischen Hauptstadt.
</p>
<p>
Die Onlinemedien der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel hingegen berufen sich selten auf Augenzeugen als Quellen. Überwiegend werden dort offizielle Quellen wie Regierungen, Polizei oder Armee zitiert. Überhaupt dominiert die neutrale Art der Berichterstattung die traditionellen Onlinemedien. Die Analysen bei SZ und Spiegel Online zeichnen sich dadurch aus, dass sie den aktuellen Konflikt auf globaler Ebene erläutern und neben Reaktionen aus Europa, Amerika und Russland auch die Folgen für Börse und Tourismus zur Sprache bringen.
</p>
<p>
Diese Zusammenhänge bieten Warblogs nicht, sie geben Überblicksdarstellungen auf einer individuellen Ebene. Die Erfahrungswelt der Warblogger – und damit auch ihre Analyse – ist subjektiver. Der Konflikt wird in seinen Konsequenzen für den eigenen Alltag oder den der Landsleute analysiert. Durch diesen individuellen Bezug vieler Kriegstagebücher wirken ihre Beschreibungen emotional und wenig distanziert. Die Blogger verleihen dem mit ihren Insider-Informationen ein menschliches Gesicht. Das Warblog<br />
<a href="http://muqata.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Muqata</a> etwa berichtet über getötete israelische Soldaten und listet diese namentlich auf. Doch damit nicht genug: Sogar Ort und Datum ihrer Begräbnisfeiern werden veröffentlicht. „Seine Beerdigung findet um 16.30 Uhr auf dem Kiryat Sha’ul Militärfriedhof statt.“
</p>
<p>
<a href="/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-teil-2">Weiter zu Teil 2 &gt;&gt;</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Warblogs: vom Alltag im Kriegsgebiet (Teil 2)</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-teil-2-3652/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<b>Warblogger suchen den Kontakt zu ihren Lesern</b>
<p>
Warblogger verstehen sich jedoch nicht nur als Lieferanten von Informationen dieser Art an ihre Leser, sondern möchten mit ihnen in Kontakt treten. Interaktivität spielt bei den Tagebüchern des Nahostkonflikts also eine große Rolle. In vielen Postings regen die Blogger ihre Nutzer dazu an, Fragen zu stellen und ihre Meinung kundzutun. „Bitte kommentiert oder postet neue Beiträge“, fordert der Blogger von Anecdotes from a Banana Republic ausdrücklich seine Leser auf. In den Onlineausgaben der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel werden allenfalls indirekte interaktive Angebote gemacht. So bieten beide Medien Foren an, in denen sich die Leser über den Krieg austauschen können. Direkte Nutzerkommentare sind jedoch nicht zu finden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Warblogger suchen den Kontakt zu ihren Lesern</b></p>
<p>
Warblogger verstehen sich jedoch nicht nur als Lieferanten von Informationen dieser Art an ihre Leser, sondern möchten mit ihnen in Kontakt treten. Interaktivität spielt bei den Tagebüchern des Nahostkonflikts also eine große Rolle. In vielen Postings regen die Blogger ihre Nutzer dazu an, Fragen zu stellen und ihre Meinung kundzutun. „Bitte kommentiert oder postet neue Beiträge“, fordert der Blogger von Anecdotes from a Banana Republic ausdrücklich seine Leser auf. In den Onlineausgaben der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel werden allenfalls indirekte interaktive Angebote gemacht. So bieten beide Medien Foren an, in denen sich die Leser über den Krieg austauschen können. Direkte Nutzerkommentare sind jedoch nicht zu finden.<!--break-->
</p>
<p>
<br />
Insgesamt bieten die untersuchten Onlinemedien weniger Nutzerservice. Meist stellen sie nur Links zu internen Angeboten (Foren, Umfragen, Dossiers) her und verweisen nicht auf externe Berichte. Ganz anders die Warblogs: Hier werden Medienberichte aus verschiedenen Ländern verlinkt, darunter Israel und Libanon, Deutschland und die USA. Der Nutzer erhält dadurch einen guten Überblick über die unterschiedlichen Perspektiven.</p>
<p>Diese werden noch stärker in den Kommentaren der Blogger akzentuiert. Subjektivität und Persönlichkeit gelten im Allgemeinen als Stärke der Weblogs und auch die israelischen und libanesischen Warblogger vertreten ihre Meinungen mit deutlichen Worten. Der Warblogger Gash beispielsweise verurteilt „Israels willkürliche Ungesetzlichkeit, beim Gemetzel an Zivilisten“ und bezeichnet die Israelis als „blutrünstige Bastarde.“ Auch Ironie und Zynismus sind beliebte Stilmittel. Sie machen die Blog-Kommentare eingänglich. Der Nutzer sollte sich jedoch bewusst sein, dass hier Meinungen transportiert werden, die auch Beleidigungen nicht scheuen. So wird Im Warblog Anecdotes from a Banana Republic nach dem Vorfall in Kana zynisch resümiert: „Die EU ist &#8216;geschockt&#8217; und &#8216;bestürzt’ über das Massaker. Geschockt? Bestürzt? Etwa so wie ‘Jimmy, ich bin bestürzt, dass du mit deinem brandneuen Fahrrad gegen einen Baum gefahren bist’ oder wie ‘Bobby Sue, ich bin bestürzt, dass du diese Kekse nicht mit deiner Schwester teilen willst’.“ Die Journalisten von SZ und Spiegel Online geben wesentlich moderatere Kommentare. Zwar werden auch hier Meinungen transportiert, aber es wird auf ausreichende Begründung und die Vermeidung von Beleidigungen wert gelegt.</p>
<p><b><br />
In Warblogs werden die Ereignisse individuell aufbereitet</b></p>
<p>Auch bei der Präsentation von Informationen unterschieden sich beide Angebotsformen deutlich. Während die großen Onlinemedien auf die üblichen journalistischen Darstellungsformen wie Nachrichte, Reportage und Kommentar zurückgreifen, werden in den Warblogs die Ereignisse zum Teil individuell und künstlerisch aufbereitet. Der Künstler Mazen Kerbay etwa verarbeitet die Kriegsereignisse auf seinem Kerblog in Bildern und Gedichten. Über Kana schreibt er: “Vor 2000 Jahren, in Kana, verwandelte Jesus Wasser in Wein. Heute, in Kana, verwandelten die israelischen Streitkräfte Kinder in Asche.“</p>
<p>Es geht hier aber nicht darum, zu entscheiden, welches Angebot lesenswerter ist. Sowohl die klassischen Medien als auch Warblogs zeigen Stärken und Schwächen. Die traditionellen Medien punkten mit Vollständigkeit und Aktualität; Warblogs zeichnen sich vor allem durch Augenzeugenberichte und persönliche Statements aus.</p>
<p>Wer einen umfassenden Einblick ins Kriegsgeschehen wünscht, sollte einen Medienmix aus beiden Formaten wählen. Warblogger können die Medien durchaus auch ergänzen: Sie können zusätzliche Informationen liefern und als &#8216;Watchdogs’ der Medien fungieren, indem sie fehlerhafte Medienberichte korrigieren oder kritisieren. Das zeigt auch das jüngste Beispiel von manipulierten Bildern aus dem brennenden Beirut: ein Fotograph der Nachrichtenagentur Reuters hatte einige Bilder aus der libanesischen Hauptstadt digital bearbeitet, um sie dramatischer wirken zu lassen. Reuters stellte diese Bilder online – die Fälschung flog erst durch einige Blogger auf. Sie konnten nachweisen, dass die Bilder manipuliert worden waren. Reuters suspendierte daraufhin den Fotographen und entfernte die Bilder.</p>
<p><a href="/edemocracy/netzkultur/jsommerhaeuser_warblogsimlibanon_060817_teil1.shtml"><br />
&lt;&lt; Zurück zu Teil 1</a></p>
<p>Der Artikel basiert auf einer Analyse, die die Autorin für politik-digital.de erstellt hat. Sie hat an zwei Tagen die Berichterstattung der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ) und von Spiegel Online mit den Meldungen von zwölf ausgewählten Warblogs verglichen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kriegstagebücher im Internet auf dem Vormarsch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkultur-warblogs_salampax060309-shtml-2796/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der Irakkrieg ist offiziell längst für beendet erklärt und dennoch dominieren Tag für Tag Schlagzeilen über Attentate und Auseinandersetzungen in Bagdad und Umgebung die Nachrichten. Stoff genug also, um die Seiten der vielen kriegsbezogenen Weblogs zu füllen, die vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Warblogs – ein Kunstwort zusammengesetzt aus „War“ (Krieg) und „(B)log“ (Logbuch, Tagebuch) – haben aufgrund des anhaltenden Konfliktes im Irak und des drohenden Streits mit Iran nach wie vor uneingeschränkte Aktualität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Der Irakkrieg ist offiziell längst für beendet erklärt und dennoch dominieren Tag für Tag Schlagzeilen über Attentate und Auseinandersetzungen in Bagdad und Umgebung die Nachrichten. Stoff genug also, um die Seiten der vielen kriegsbezogenen Weblogs zu füllen, die vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Warblogs – ein Kunstwort zusammengesetzt aus „War“ (Krieg) und „(B)log“ (Logbuch, Tagebuch) – haben aufgrund des anhaltenden Konfliktes im Irak und des drohenden Streits mit Iran nach wie vor uneingeschränkte Aktualität.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Eine Erfolgsgeschichte wie diese gibt es nicht oft: Ein junger Iraker kehrt nach dem Abschluss seines Auslandsstudium in die Heimat zurück. Das Land steht vor einem Krieg, doch anstatt zu flüchten, verbringt der Mann mehrere Stunden täglich an seinem PC in der Bagdader Wohnung seiner Eltern oder in diversen Internetcafés der Stadt. Wie in einem Tagebuch notiert er regelmäßig seine Eindrücke, Gefühle und Erlebnisse öffentlich im Internet und schon bald klicken Tausende User tagtäglich auf die Seiten des unbekannten Bagdader Bürgers. Schnell wird sein Kriegstagebuch – ein sogenanntes Warblog – in den unterschiedlichsten Medien thematisiert und es häufen sich die Interview-Anfragen großer Sender. Salam Pax, so das Pseudonyms des Irakis, wird daraufhin als Kolumnist beim Guardian angestellt und bringt einige Monate später sein Warblog in<br />
                            <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/1843542625/qid%3D1141233928/sr%3D8-1/ref%3Dsr_8_xs_ap_i1_xgl/302-6533877-8446422" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Buchform</a> auf den Markt. Ein<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/4228973.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Film</a> über sein Leben folgte kurz darauf – der Warblogger aus Baghdad ist berühmt geworden, weil er als einer der ersten etwas bis dato vollkommen Neues ausprobiert hat: das Bloggen zum Krieg. Die uralte Maxime &#8216;cogito, ergo sum’ – &#8216;ich denke, also bin ich’ – scheint in Zeiten von World Wide Web, Email und weltweiter Vernetzung nicht mehr zu gelten. &#8216;Ich blogge, also bin ich’, lautet der Trend im Internet.</p>
<p>
                              <strong>Besonderes Merkmal: der persönliche Stil</strong>
                            </p>
<p>Natürlich ist eine Karriere wie die von Salam Pax auch in der Warblogger-Szene eher die Ausnahme, dennoch haben sich die Kriegstagebücher gerade während des Dritten Golfkriegs zu einem wichtigen Internet-Angebot entwickelt. Für Lasica repräsentieren sie gar den „<br />
                            <a href="http://www.jdlasica.com/articles/OJR-weblogs1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ground Zero of the personal webcasting revolution</a>” und auch Stefan Krempl urteilt nicht zurückhaltend, wenn er etwa Salam Pax zur „einzigen authentischen irakischen Stimme aus dem bombardierten Bagdad“ erklärt.</p>
<p>Ähnlich positiv berichten auch die Massenmedien über den neuen Angebotstyp, den sie schnell zu DEM Phänomen des Irakkriegs küren. Dennoch liest während des Bombardements nur ein sehr überschaubarer Kreis an Usern regelmäßig Warblogs (<br />
                            <a href="http://www.pewinternet.org/pdfs/PIP_Iraq_War_Report.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PEW</a>). Erst nach und nach werden die Nutzer auf den neuen Angebotstypen aufmerksam und auch die klassischen Medien beginnen, sich mit Warblogs zu befassen. Einige Medienunternehmen adaptieren sogar den Stil der Kriegstagebücher und lassen ihre Reporter selbst als Warblogger zu Wort kommen (<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/world/2003/reporters_log/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC Reporter’s Log</a>).</p>
<p>Bei einem Großteil der Nutzer hinterlassen der persönliche Stil und der saloppe Ton der Warblogger eine anhaltende Begeisterung. Eine Alternative zur regierungstreuen Kriegsberichterstattung vieler Massenmedien scheint gefunden. Doch können die Warblogger wirklich durch ihre Augenzeugenberichte ein ‚wahrhaftiges’ Bild vom Krieg liefern? Oder betätigen sie sich nicht eher als Propagandisten ihrer eigenen Ideologien? Welchen Mehrwert bieten die Kriegstagebücher im Internet?</p>
<p>Antworten auf diese Fragen kann eine Kurzstudie geben, in der die Berichterstattung über den neuen Angebotstypen in den Jahren 2003 und 2004 untersucht wurde.</p>
<p>Die Ergebnisse zeigen, dass es trotz des relativ hohen Bekanntheitsgrads der Warblogs immer noch keine einheitliche Definition gibt. Einigkeit scheint einzig darüber zu herrschen, dass Warblogs sich durch die gleichen Merkmale auszeichnen wie Weblogs, aus denen sie hervorgegangen sind: Die Beiträge werden in umgekehrt chronologischer Reihenfolge tagebuchartig präsentiert; sie sind darüber hinaus datiert und befassen sich thematisch mit dem Irakkrieg, seinen Folgen oder Ursachen.</p>
<p>
                              <strong>Für den Nutzer: alternative Stimmen jenseits des Mainstreams</strong>
                            </p>
<p>Jenseits dieser Gemeinsamkeiten jedoch gehen die Meinungen auseinander: einige Experten halten es etwa für wichtig, dass Warblogs von Autoren verfasst werden, die sich selbst in einem Kriegsgebiet befinden. Andere erweitern den inhaltlichen Fokus und schließen die Themen Terror, Folter und politische Konflikte aller Art mit ein.</p>
<p>Für den Warblog-Leser sind jedoch nicht die vielfältigen Definitionsmöglichkeiten entscheidend, sondern es ist vor allem die persönliche Sichtweise, die die Nutzer immer wieder vor die Monitore lockt. Jenseits der journalistischen Professionalität präsentieren die Warblogger ganz bewusst ihre eigenen Eindrücke und eröffnen dem Leser dadurch eine neue Sichtweise auf das Kriegsgeschehen. Ihre Unabhängigkeit macht die Kriegstagebücher deswegen zu einer echten Alternative zu den regierungstreuen Medien.</p>
<p>Die Unzufriedenheit mit den klassischen Medien ist eines der Hauptmotive für die Warblog-Nutzung. Auf den Webseiten findet sich ein kritischer Blick auf die Medienlandschaft, der woanders kaum angeboten wird. Salam Pax beispielsweise nimmt gerne amerikanische oder arabische Sender aufs Korn:</p>
<p>                            <em>„’Umm Kasr ist unter Kontrolle&#8217;. ’Umm Kasr ist gefährdet&#8217;. ’Basra ist kein Angriffsziel&#8217;. ’Basra wird bombadiert&#8217;. ’Nassirija wird schwer umkämpft’. Könnten die Nachrichtenfuzzis sich vielleicht auf irgendwas einigen? Die neueste Fortsetzung der Kriegsberichterstattungsabsurditäten ist der &#8216;Aufstand in Basra’.“</em> (26.03.2003)</p>
<p>Ihrer Watchdog-Funktion kommen die Warblogs während des Konflikts immer wieder nach. Sie korrigieren die Berichterstattung der US-Medien, indem sie beispielsweise eigene Augenzeugenberichte veröffentlichen. Die Berichte ‚aus erster Hand’ vermitteln dem Leser Glaubwürdigkeit und viele Zusatzinformationen. Das Konzept der Augenzeugenberichte wird zunehmend auch von traditionellen Medien adaptiert. So suchte die BBC Anfang 2004 in einem Online-Artikel nach Augenzeugen für ein Bombenattentat in Syriens Hauptstadt Damaskus. Da offizielle Informationen kaum zu bekommen waren, rief die<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/3664811.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC</a> mögliche Augenzeugen dazu auf, ihre Berichte zu senden und veröffentlichte die Statements auf der Nachrichtenseite.<br />
                            <br />Reizvoll für die Leser ist dabei das Gefühl, zumindest indirekt ins Geschehen involviert zu sein.</p>
<p>
                              <strong>Propaganda, Pseudonyme und andere Probleme</strong>
                            </p>
<p>Angesichts der vielen Leistungen in eine Warblog-Euphorie zu verfallen, wäre jedoch überstürzt. Problematisch am neuen Angebotstypen ist, dass sie häufig keiner redaktionellen Kontrolle unterliegen. Was veröffentlicht wird, gilt als unfertig und wird häufig erst im Nachhinein durch Beiträge von Lesern oder Meldungen in klassischen Medien bestätigt – wenn überhaupt. Die fehlende Überprüfung der Inhalte ist ein wesentlicher Kritikpunkt an Warblogs, weil dies zu Missbrauch verleiten kann. Beiträge mit subtiler Propaganda wird der ungeübte Leser schwerlich von ernst gemeinten Kommentaren unterscheiden können.</p>
<p>Hinzu kommt, dass Warblogger sich selten an journalistische Regeln halten. Quellen werden oft nur sporadisch genannt, was eine Prüfung der Inhalte zusätzlich erschwert. Auch der Autor selbst ist in einigen Fällen ein &#8216;Buch mit sieben Siegeln’. Warblogger vor Ort schreiben häufig unter einem Pseudonym, um politischer Verfolgung zu entgehen. Zweifel an der Identität eines Autors können aber zugleich alle seine Inhalte in Frage stellen. Salam Pax, selbst hinter einem Pseudonym verborgen, hält dieses Problem für nichtig:<br />
                            <br />
                            <em>„Bitte, hört auf, mir E-Mails zu schicken, in denen ihr mich fragt, ob es mich wirklich gibt. Ihr glaubt’s nicht? Dann lest einfach nicht weiter.“</em></p>
<p>So muss der Leser letztlich selbst entscheiden, welche Warblogs er für vertrauenswürdig hält. Insgesamt sollten die Inhalte der Kriegstagebücher nicht unhinterfragt &#8216;für bare Münze genommen’, sondern mit einem gesunden Maß an Skepsis rezipiert werden – wie jedes andere Medium auch.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Let&#8217;s talk about blogs</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jun 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Warblog]]></category>
		<category><![CDATA[BlogTalk]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy Netzkultur]]></category>
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					<description><![CDATA[
                      BlogTalk, die erste europäische Weblog-Konferenz , fragte nach Formen und Perspektiven von Online-Tagebüchern in Politik und Privatleben.
                      
                      ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>                      <a href="http://www.longbets.org/bet/2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BlogTalk</a>, die erste europäische Weblog-Konferenz , fragte nach Formen und Perspektiven von Online-Tagebüchern in Politik und Privatleben.</p>
<p><!--break-->
                    </p>
<p>Dave Wineberger, erster Redner der<br />
                    <a href="http://www.blogtalk.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Konferenz</a>, bringt es auf den Punkt: &#8220;Ein Weblog ohne Links ist kein Weblog&#8221;. Damit grenzt<br />
                    <a href="http://www.hyperorg.com/blogger/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wineberger</a> die täglich aktualisierten Weblogs von Online-Tagebüchern à la &#8220;so-war-mein-Urlaub-und-hier-ist meine-Katze&#8221; ab. Blogs leben von den virtuellen Streifzügen ihrer Verfasser im Netz; sie sind in sich und untereinander verlinkt.<br />
                    <br />Die ersten Weblogs entstanden Mitte der Neunziger Jahre in den USA; nach dem 11.9.2001 widmeten sich zahlreiche Warlogs (Kriegstagebücher) der Aufarbeitung des Anschlags und den Anti-Terror-Maßnahmen. Der Weblog-Boom wurde durch eine vergleichsweise einfache Technologie befördert: Mit Software von Anbietern wie<br />
                    <a href="http://www.blogger.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weblogger</a>,<br />
                    <a href="http://radio.userland.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Radio Userland</a> oder<br />
                    <a href="http://www.movabletype.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Movable Type</a> sind die Einträge in den virtuellen Notiz-Blocks auch ohne HTML-Kenntnisse schnell verfasst. Zudem kostet der Spaß wenig oder gar nichts. In Deutschland wurden Weblogs Anfang des Jahres auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: Im Februar kaufte Google den populären Anbieter von Weblog-Software, Pyra Labs. Das Interesse des Suchmaschinen-Tycoon an den Webloggern liess alle diejenigen aufmerken, die Weblogs bisher für ichbezogene Nebensächlichkeiten gehalten hatten, und das Ereignis wurde nicht nur in der<br />
                    <a href="http://weblog.siliconvalley.com/column/dangillmor/archives/000802.shtml#000802%20" target="_top" rel="noopener noreferrer">Szene</a> ausführlich erörtert.</p>
<p>
                    <strong>&#8220;Kriegstagebücher&#8221;</strong><br />
                    <br />Nach dem Angriff auf den Irak waren von Journalisten verfasste<br />
                    <a href="/////Bert/C%20auf%20Server/Inetpub/wwwroot/poldi/netzpolitik/netzkultur/www.politik-digital.de/e-demokratie/netzkampagnen/irak3.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriegstagebücher.</a><br />
                    <br />Thema; viele Weblogs diskutierten über Legitimität und Folgen des Krieges. Wie kein anderes Online-Format bieten sich Weblogs für eine lebendige, spontane Diskussion an.<br />
                    <br />Schon Monate vor Beginn des Krieges hatte ein junger Iraker unter dem Namen Salam Pax auf seiner Seite &#8221;<br />
                    <a href="http://dear_raed.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Where is Raed?</a>&#8221; den Alltag in Bagdad beschrieben und damit so viele Leser in seinen Bann gezogen, dass zeitweilig der Server zusammenbrach. In vielen Foren wurde über die Identität des Irakers spekuliert. Während des Kriegs nicht &#8220;auf Sendung&#8221;, berichtet Salam Pax nun wieder regelmäßig über die Post-Saddam-Ära, inzwischen auch in einer Kolummne der britischen<br />
                    <a href="http://www.guardian.co.uk/g2/story/0,3604,969788,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zeitung Guardian</a> . Einer<br />
                    <a href="http://www.pewinternet.org/reports/toc.asp?Report=87" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a> zufolge machten Weblogs während des Kriegs vier Prozent der Webseiten aus, auf denen US-Amerikaner nach Information und Kommentar suchten.<br />
                    <br />Im deutschsprachigen Raum denken viele bei dem Begriff &#8220;blogging&#8221; eher an einen neuen Trendsport. Thomas Burg, Leiter des Zentrums für Neue Medien an der Donau-Universität Krems und Organisator der &#8221;<br />
                    <a href="http://www.malmoe.org/artikel/erlebnispark/514" target="_top" rel="noopener noreferrer">BlogTalk</a>&#8220;: &#8220;Wir befinden uns in einer Eisbergsituation. Ein Spitze schaut heraus &#8211; die Warblogs -, der massive Teil ist noch unsichtbar&#8221; . Mit 150 Besuchern und 20 Rednern machte sich die Konferenz in Wien daran, die Basis zu erforschen.</p>
<p>
                    <strong>Sag mir wo du herkommst, und ich sage dir ob du bloggst&#8230;</strong><br />
                    <br />&#8220;United Nations of Blogs&#8221;, überschrieb Hossein<br />
                    <a href="http://hoder.com/weblog" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Derakshan</a> treffend seinen Eintrag über die Konferenz. Der seit zwei Jahren in Kanada lebende Iraner meinte damit weniger den Tagungsort &#8211; die UNO-City am Ufer der Donau &#8211; als die internationale Besetzung des Podiums, die überraschende Einblicke in die Blogosphäre garantierte. Denn so sehr sich Blogs ähneln, so unterschiedlich sind die jeweiligen kulturellen Ausprägungen.<br />
                    <br />In Spanien etwa wird wenig gebloggt &#8211;<br />
                    <a href="http://fernand0.blogalia.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fernando Tricas</a> berichtet von ca. 2000 Webloggern &#8211; und wenn, dann vor allem mittwochs. In Polen sind Weblogs Teil des Jugendkults: 100.000 Weblogger, darunter sehr viele junge Frauen, wollen sich regelmässig mitteilen. Anders als der typische Weblog beinhalten die polnischen Varianten wenig oder keine Links.<br />
                    <a href="http://jej.notatnik.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Maria Milonas</a> charakterisierte die polnischen Weblogs als C-Logs im Sinne von Community, Communication und Conversation. Milonas führt das Interesse am Webloggen nicht zuletzt auf die langen polnischen Winter zurück. Blogging &#8211; ein Schlechtwettersport?<br />
                    </p>
<p>An der Witterung allein kann es nicht liegen &#8211; eher am politischen Klima. In Iran gibt es laut Derakshan 12.000 aktive Blogger, angesichts einer halben Million Internet-Nutzer eine beeindruckende Zahl. Derakshan sieht darin eine Reaktion auf die eintönige Medienlandschaft: Das gegenwärtige Regime verbot in den letzten fünf Jahren 90 Zeitungen. Die Blogs dienen nun als alternative Nachrichtenkanäle; darüberhinaus ermöglichen sie im Exil lebenden Iranern einen engen Kontakt mit Freunden in der Heimat. Ebenso wie in Polen erfüllten sie eine wichtige soziale Funktion. Zwar seien nur sieben Prozent der Inhalte politischer Natur, allerdings tauchen aus politischen Gründen viele Weblogs nicht in der Statistik auf.</p>
<p>In Nordamerika hat sich eine community von ambitionierten Bloggern zusammengefunden, die oft schneller auf News oder Trends reagiert als die traditionellen Medien.<br />
                    <br />Dan<br />
                    <a href="http://weblog.siliconvalley.com/column/dangillmor" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gillmor</a>, Technik- und Business Kolumnist der San Jose Mercury News und renommierter Weblogger, erinnerte an die Affäre um den ehemaligen Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Trent Lott. Lotts rassistische Auslassungen waren dem Fernsehen nur einen kurzen Bericht wert gewesen, viele Weblogger aber blieben so lange am Ball, bis die Medien den Fall wieder aufgriffen. Lott musste schliesslich seinen Sitz aufgeben &#8211; für Gillmor ein Indiz, dass Berufsjournalisten an den Weblogs als Nachrichtenquellen und Trendscouts nicht vorbeikommen: &#8220;My readers know more than I know&#8221;. Auf diesem Prinzip basiere auch die sehr erfolgreiche südkoreanische Online-Zeitung Ohmynews, die einen Grossteil des Inhalts von<br />
                    <a href="http://www.intern.de/news/4330.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bürger-Journalisten</a> bezieht.</p>
<p>
                    <strong><br />
                    <br />Quo vadis, Weblog?</strong><br />
                    <br />Neben kritischer Zuarbeit für die Medien sind vielfältige Einsatzmöglichkeiten von Weblogs denkbar: Politiker etwa könnten Weblogs als PR-Mittel einsetzen. Durchaus möglich, dass es für die Kandidaten des nächsten Bundestagswahlkampf zum guten Ton gehören wird, ein Weblog zu führen. Oder das Seminare standardmässig von Weblogs begleitet werden.<br />
                    <br />Insgesamt war die Konferenz von einer Aufbruchsstimmung geprägt, die an die Anfangszeit des Internets erinnerte. Dass es auch riskant werden könnte, wenn Millionen von Menschen öffentlich ihre Meinungen und Vorlieben verbreiten, klang nur kurz an:<br />
                    <a href="http://www.rsf.org/article.php3?id_article=6293" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hossein Derakshan</a> erinnerte an seinen Freund Sina Motallebi, der im April dieses Jahres im Iran verhaftet wurde . Und Dann Gillmor riet allen Teilnehmern, von der Möglichkeit zu bloggen Gebrauch zu machen &#8211; irgendwann bräuchte man vielleicht eine Erlaubnis dazu.<br />
                    <br />Noch, so war man sich einig, ist Blogging keine Massenerscheinung, sondern eine Domäne der &#8220;early adopters&#8221;. Kein Wunder &#8211; bisher verfügt in vielen Ländern nur die Bildungselite über PC und Internetanschluss &#8211; da bringen auch noch so nutzerfreundliche Publishing-Systeme nichts. Dennoch hätten sicher viele der Anwesenden eine ähnliche Prognose abgegeben wie der Weblog-Pionier Dave Winer. Der<br />
                    <a href="http://www.longbets.org/bet/2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wettete</a> nämlich im März letzten Jahres mit Martin Nisenholtz, Chef der &#8220;New York Times&#8221; online, wer wohl 2007 bei google höher im Ranking liegen wird: Weblogs oder die Seiten der NYT? Sollte sich Webloggen tatsächlich von einer Nischenbewegung zum Breitensport entwickeln, hat Winer gute Chancen, die Wette zu gewinnen.</p>
<p></p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 12.06.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>al-Jazeera vor &#8220;Sex&#8221; &#8211; Das Internet wird erwachsen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/netzkampagnen-irak3-shtml-3158/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Warblog]]></category>
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					<description><![CDATA["war blogs", "aljazeera.net": Für viele war das Internet während des Irak-Kriegs die einzige Quelle authentischer Informationen. politik-digital chattete zu diesem Thema mit Dr. Christoph Bieber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am 
                      Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Giessen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;war blogs&#8221;, &#8220;aljazeera.net&#8221;: Für viele war das Internet während des Irak-Kriegs die einzige Quelle authentischer Informationen. politik-digital chattete zu diesem Thema mit Dr. Christoph Bieber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am<br />
                      <a href="http://www.zmi.uni-giessen.de/daszmi/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zentrum für Medien und Interaktivität</a> der Universität Giessen.<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wer nutzte wie das Internet während des Irak-Kriegs?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Während des Irak-Kriegs war eine gesteigerte Internet-Nutzung in den unterschiedlichsten Kriegsphasen durch ebenso unterschiedliche Akteure zu beobachten. Ganz ähnlich im übrigen zu den Ereignissen rund um &#8220;9-11&#8221;, als es eine Art &#8220;Arbeitsteilung&#8221; zwischen unterschiedlichen Medienumgebungen gegeben hat.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche Akteure meinen Sie?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Politiker und Militärs haben bereits zur Vorbereitung der Kampfhandlungen Neue Medien eingesetzt, z. B. in Form von Simulationen als Vorbereitung auf konkrete Gefechtssituationen oder für die Entwicklung strategischer Optionen.<br />
                    <br />Aber auch &#8220;die Truppen&#8221; selbst nutzen IuK-Technologien, vom Mobiltelefon zum Heimatkontakt bis zum ausgefeilten Einsatz von Peer-to-Peer-Servern im Kampf gegen die Langeweile, indem Sie illegaler Weise Musikdateien kopierten. Aber nicht nur die Angreifer, auch die Angegriffenen haben stark auf das Internet gesetzt &#8211; für viele schien dieser Kanal eine der wenigen Möglichkeiten zur Weitergabe &#8220;ungefilterter&#8221;, wenn man so will &#8220;authentischer&#8221;, Informationen gewesen zu sein.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie und mit welcher Absicht nutzten Politiker bzw. die Regierung das Internet bzw. Neue Medien?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Die Politiker haben vielleicht nicht direkt selbst Neue Medien genutzt, wohl aber die wichtigen Stabsstellen oder zum Beispiel einschlägige<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkampagnen/thitanks.shtml">Think Tanks</a>, die zum Teil sogar Konsolen-kompatible Kriegsspiele und -simulationen entwickelt haben, um sich auf entsprechende Szenarien eines zweiten Golf- und Wüstenkriegs vorbereiten zu können. Eine zentrale Überlegung, die ja auch in die &#8220;Rumsfeld-Doktrin&#8221; eingeflossen ist, war ja die Ermöglichung &#8220;dezentraler, aber permanent vernetzter Kampfhandlungen&#8221; &#8211; und dies ist ohne den Einsatz moderner Medientechnologien nicht denkbar. Sehr interessant ist in dieser Hinsicht auch die Überlegung von<br />
                    <a href="http://www.zeit.de/2003/16/Krieg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mike Davis</a>, der die Art der Kriegsführung mit der Führung des Walmart-Konzerns verglichen hat &#8211; Ziel war die Kontrolle und Steuerung einer perfekt aufeinander abgestimmten Maschinerie, die über sehr viele selbstständige Knotenpunkte verteilt ist, aber immer genau über die Aktionen der jeweils anderen informiert ist.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Und wie wurde das Internet von den Medien genutzt?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Ein weiterer wichtiger Online-Akteur sind selbstverständlich die digitalen Filialen der etablierten Massenmedien. Auf Seiten wie spiegel-online, CNN, BBC u.a. wurde noch dauerhafter als in Fernseh- und Printpublikationen über den Krieg berichtet. Interessant ist hierbei, dass es offenbar eine wechselseitige Beeinflussung der medialen Aufbereitung der Ereignisse gegeben hat. Die &#8220;Tageszusammenfassung&#8221; etwa in der ARD-Sendung Tagesthemen sah eigentlich eher aus wie eine mit Ton unterlegte Flash-Animation und nicht wie ein &#8220;herkömmlicher&#8221; Fernsehbeitrag. Insgesamt haben aber auch die begleitenden Online-Angebote nicht zu einer Klärung der Lage beigetragen &#8211; mehr Information heißt nicht notwendiger Weise auch mehr Wissen.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Was also war der Mehrwert der Online-Medien und ihrer Berichterstattung? Die zeitnahe und aktuellere Berichterstattung? Oder eine verpasste Chance?</p>
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                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Im medialen Quervergleich hat das Internet gegenüber den Print-Medien sicher seine Zeitvorteile ausgespielt &#8211; gegenüber dem Fernsehen war zumindest in den ersten Kriegstagen jedoch nicht sehr viel zu holen. Die Vernetzung in den &#8220;news flow&#8221; der Kriegsnachrichten war im Netz sicher (noch) besser möglich, als in den alten Medien &#8211; aber trotz allem war der Fernsehbildschirm der bevorzugte Ort der Berichterstattung. Ich würde hier auch nicht unbedingt von einer verpassten Chance sprechen, denn die &#8220;Online-Medien&#8221; sind de facto einfach nicht so reichweitenstark und präsent wie vor allem das Fernsehen. Vielmehr dürfte sich bei einem fundierten Vergleich zeigen, dass es eben massive Unterschiede in der finanziellen Ausstattung zwischen Online- und Offline-Medien gibt und daher die Internet-Berichterstattung eher als &#8220;Annex&#8221; der Fernsehbilder existiert. Eine formale und insgesamt auch sehr auffällige Neuerung wären vielleicht Netz-Tagebücher (&#8220;war-blogs&#8221;) der TV-Korrespondenten oder anderer Journalisten gewesen.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Sind diese Netz-Tagebücher eine neue Form der Informationsquelle und halten sie etablierte Qualitätsanforderungen an solche Quellen ein?</p>
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                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Das in den Medien am deutlichsten sichtbare Instrument waren sicherlich die so genannten &#8220;war-blogs&#8221; als neue Form des Kriegstagebuches &#8211; die direkt am Ort des Geschehens verfassten Erlebnisprotokolle greifen eine aktuelle Form des digitalen Publizierens auf. Sicher stellen die war-blogs eine Ergänzung zu etablierten Medienberichten dar, doch ist wohl die Frage nach der Authentizität solcher Websites (werden sie tatsächlich am Kriegsort produziert, oder nicht) eine Schlüsselstelle zur Einschätzung solcher Angebote. Allein die Tatsache, dass dieses &#8220;Nachrichtenformat&#8221; allein via Internet funktionierte, berechtigt meines Erachtens nicht zur pauschalen Infragestellung &#8211; wie man mit Blick auf den<br />
                    <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,244736,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hörfunk-Korrespondenten</a> sieht, der seine Berichte in einer Besenkammer in Swasiland produziert hatte. Vielmehr ist das Misstrauen in dieses Format ein unmittelbares Resultat der medialen Kriegsberichterstattung der letzten Jahrzehnte &#8211; Pool-Journalismus, Bild- und Journalistenkontingente und zuletzt der &#8220;embedded journalism&#8221; haben nachhaltig das Vertrauen in Nachrichtenproduktion und -distribution in Kriegszeiten untergraben. Kampfhandlungen geschehen heutzutage in einer Art &#8220;medialem Vakuum&#8221;, und die Spezialausrüstung zum Betreten dieses Raumes erhalten nur ganz wenige Auserwählte.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Wer misstraut scheint mir hier wichtig zu sein. Wenn etablierte Medien misstrauen, da sie ihre Regeln verletzt sehen, kann es da nicht sein, dass ein neuer Konkurrent ausgeschaltet werden soll? Und wird ein gängiges Vorurteil gegenüber Online-Medien wiedergenutzt?</p>
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                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Glaubwürdigkeit ist seit jeher ein Kernproblem für Informationen &#8220;aus dem Internet&#8221; &#8211; die alten Medien besitzen hier einen Vertrauensvorschuss, von dem sie zehren und den sie natürlich auch wahren wollen. Und in der Tat, man könnte hier einen medialen Macht- und Verteilungskampf vermuten.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Gern zitiert wurde in Online-Medien die These, das was der Golfkrieg 1991 für CNN bedeutete, sei der Irak-Krieg 2003 fürs Internet. Ist das Internet ein Kriegsgewinner?</p>
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                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Das Internet wird sich durch diesen Krieg weiter fest in der Medienlandschaft platzieren. Ich denke, dass das Internet die (alte) Medienberichterstattung durchaus auch durch die Hintertür beeinflusst &#8211; und sei es auch &#8220;nur&#8221; durch den Einsatz von &#8220;Flash-Animationen&#8221; in renommierten Nachrichtensendungen. Mein Eindruck beim Anschauen der Kriegsnachrichten war, dass sich das Internet als Sekundär- und Vertiefungsmedium noch nachhaltiger in der &#8220;alten Medienwelt&#8221; eingegraben hat. Auch wenn die etablierten Medienvertreter es oft &#8220;nur&#8221; als Lagerplatz für überschüssiges Material verwendet haben und &#8211; wie so oft &#8211; nicht die &#8220;interaktiven&#8221; Möglichkeiten genutzt haben. Die großen Medien-Websites wären ein idealer Ort zur Einbindung alternativer und etablierter Medienkanäle gewesen &#8211; ob in Korrespondenten-Chats, Zuschauersprechstunden, Experten-Diskussionen oder dem Abwägen unterschiedlicher Informationsquellen.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Sie sprechen ausgelassene Chancen an. Gibt es noch weitere bzw. positive Beispiele?</p>
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                    <strong>Christoph Bieber:</strong> In wenigen Fällen konnte das Internet auch einmal andere Bildwelten als die gängigen TV-Reportagebilder liefern &#8211; das Projekt<br />
                    <a href="http://offline.area3.net/wartime/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;wartime&#8221;</a> versuchte sich als Plattform für die ästhetische Auseinandersetzung mit Krieg und Kriegsbildern. Zu sehen waren und sind Kunstprojekte, die auf unterschiedlichste Art und Weise mediales Bild-, Text- und Tonmaterial mischen, um so eine völlig neue Sicht auf die Ereignisse erlauben. Entstanden ist dabei ein avancierter Ort der Kritik &#8211; der allerdings im (Main-)Stream der Fernsehbilder so gut wie völlig untergegangen ist.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Zurück zu den Netz-Tagebüchern (Web-Blogs): Kann man von einer Politisierung der Blogging-Szene durch den Krieg sprechen?</p>
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                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Die Politisierung der Blogger-Welt ist sicher ein natürliches Medien-Phänomen &#8211; die Live-Reportage vor Ort war auch nicht unbedingt als Blaupause für Kriegsberichterstatter gedacht. Insofern halte ich das für ein recht logisches Phänomen, das sich auch in anderen Zusammenhängen politischer Kommunikation wieder zeigen wird.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Wie kann ich mir das vorstellen? Meinen Sie etwa ein Roland-Koch-Tagebuch im Bundestagswahlkampf 2006?</p>
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                    <strong>Christoph Bieber:</strong> In den abgelaufenen Online-Wahlkämpfen hat es durchaus so etwas wie eine &#8220;Sparversion&#8221; von Politiker-Blogs gegeben, denkt man etwa an die Schröder-Tour-Website oder nicht zuletzt das Guidomobil samt medialen Begleiterscheinungen. Das waren durchaus &#8220;wesensverwandte&#8221; Formen der Darstellung tagesaktuellen Wahlkampfhandelns &#8211; wobei die Inhalte selten &#8220;politisch&#8221; im Wortsinne waren. Spannender &#8211; und &#8220;authentischer&#8221; wären Politiker-Blogs eigentlich in entscheidungsrelevanten Phasen von Politik. Ein Kanzler-Blog, der die Entscheidungsfindung der SPD zur &#8220;Agenda 2010&#8221; zwischen Regierungserklärung und Parteitag dokumentiert &#8211; das wäre mal ein medialer Durchbruch.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Letzte Frage: Während des Krieges sei laut der englischen Tageszeitung<br />
                    <a href="http://media.guardian.co.uk/iraqandthemedia/story/0,12823,928228,00.html%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Guardian</a> bei Lycos dreimal mehr nach dem Begriff „al-Jazeera“ als &#8220;Sex&#8221; gesucht worden. Zeigt das den gewachsenen Stellenwert des Internets als Informationsquelle?</p>
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                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Hurra ;-). An solchen Resultaten kann man allmählich das &#8220;Erwachsenwerden&#8221; des Internet beobachten &#8211; es ist nämlich längst nicht mehr nur die Schmier- und Schmuddelecke der Medienwelt, sondern wird inzwischen weitaus normaler und selbstverständlicher in den Medienalltag der Benutzer integriert. Und dann ist eine solche Nachfragehäufigkeit nur logisch.</p>
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                    <strong>politik-digital:</strong> Vielen Dank für das Interview!</p>
<p>Das Interview mit Dr. Christoph Bieber führte Clemens Lerche.<br />
                    </p>
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