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	<title>Weißrussland &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Weißrussland &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Weißrussland: Opposition und Zensur in einer Diktatur</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jan 2014 14:27:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Weißrussland gilt als letzte Diktatur Europas. Eine mögliche Öffnung in Richtung Europa liegt in weiter Ferne, und auch um die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Belarus_bearb.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-135912" alt="Andrea Wong" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Belarus_bearb-630x420.jpg" width="630" height="420" /></a>Weißrussland gilt als letzte Diktatur Europas. Eine mögliche Öffnung in Richtung Europa liegt in weiter Ferne, und auch um die Meinungsfreiheit im Internet ist es in der ehemaligen Sowjetrepublik schlecht bestellt. Seit einer Gesetzesänderung im Januar 2012 haben viele Regimekritiker sich aus dem Netz zurückgezogen. Ein Überblick über die aktuelle Situation.<br />
Während die Opposition in <a href="http://politik-digital.de/die-russische-regierung-hat-den-informationskrieg-im-internet-verloren/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Russland</a> das Internet aktiv für die politische Meinungsbildung nutzt und sich dieser Trend auch in der <a href="http://politik-digital.de/ukraine-vernetzung-im-namen-des-protests/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ukraine</a> rasant entwickelt, fehlt es in der ehemaligen Sowjetrepublik Weißrussland an einem organisierten Widerstand. Wer sich gegen die Regierung stellt, muss mit großen Schwierigkeiten rechnen, so der Osteuropa-Experte Denis Friedrich von der Freien Universität Berlin. Der Politikwissenschaftler stammt selbst aus der ehemaligen Sowjetrepublik und ist Mitglied der <a href="http://www.dbg-online.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsch-belarussischen Gesellschaft</a> sowie des gemeinnützigen Vereins <a href="http://human-rights-belarus.org/wp/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Menschenrechte in Belarus e.V.</a>, der sich für die Menschenrechte in seiner Heimat einsetzt.<br />
Regierungsgegnern werden Aufstiegschancen im Beruf verwehrt, ebenso kommt es vor, dass sie von Universitäten ausgeschlossen werden. Ganz zu schweigen von erfolgreichen Parteiführern und Präsidentschaftskandidaten der Opposition, die mit hohen Gefängnisstrafen rechnen müssen. Wie Alexander Kasulin, der im Jahr 2006 gegen den seit 1998 regierenden Alexander Lukaschenko antrat. Er wollte Lukaschenkos Wiederwahl nicht akzeptieren und wurde wegen „schweren Rowdytums“ zu fünfeinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt. 2008 kam er jedoch unter Druck der Europäischen Union wieder frei. Auch die Präsidentschaftswahlen 2010 gingen mit Gewalt und Repressionen einher. Nikolaj Statkewitsch war einer der Kandidaten und sitzt noch immer im Gefängnis, zwei weitere Kandidaten leben im Exil.</p>
<h3>Ein isoliertes Land</h3>
<p>Weißrussland hat knapp 9,5 Millionen Einwohner und grenzt an Polen, die Ukraine, Russland, Lettland sowie Litauen. Von den Regenten der ehemaligen Sowjetrepubliken ist der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko der einzige, der noch an der sowjetischen Ordnung festhält. Nach seiner Wahl zum Präsidenten Weißrusslands führte er sowjetische Staatssymbole wieder ein, distanzierte sich vom Westen und den Reformen in den ehemaligen Sowjetrepubliken, die das Ergebnis der KSZE/OSZE-Prozesse und der <a href="http://www.osce.org/de/mc/39518" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Charta von Paris für ein neues Europa</a> 1990 waren. Die Welle von Privatisierungen in Weißrussland ebbte im Jahr 1994 mit dem Amtsantritt Lukaschenkos ab. Die letzten Präsidentschaftswahlen 2010 läuteten die vierte Amtszeit Lukaschenkos ein. Das Land ist innerhalb Europas isoliert; wirtschaftlich und politisch hängt es immer noch stark von Russland ab.<br />
Lukaschenko geht seit einem Jahrzehnt gezielt gegen regierungskritischen Politiker und Medien vor und hat die Opposition im eigenen Lande mehr oder weniger „ausgeschaltet“. Der ehemalige deutsche Außenminister Guido Westerwelle <a href="http://www.n-tv.de/politik/EU-droht-mit-weiteren-Schritten-article5635386.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nannte</a> Lukaschenko öffentlich den „letzten Diktator Europas“. 1997 <a href="http://eeas.europa.eu/delegations/belarus/eu_belarus/political_relations/index_en.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">stoppte</a> die EU die Unterzeichnung des ausgehandelten Partnerschafts- und Kooperationsabkommens (PKA) mit Weißrussland. Der Grund: Lukaschenko hatte eine Reihe umstrittener Referenden durchgesetzt. So konnte er seine Befugnisse als Präsident ausweiten und die des Parlaments einschränken. Außerdem führte er die Todesstrafe wieder ein. Um weiterhin Druck auf das Regime auszuüben, verhängte die EU 2012 Sanktionen gegen Weißrussland. Das Auslandsvermögen der weißrussischen Führungsmitglieder, darunter auch von Präsident Lukaschenko, wurde <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-verschaerft-sanktionen-gegen-weissrussland-und-praesident-lukaschenko-a-823432.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eingefroren.</a><br />
Dennoch unterhält Deutschland heute weiterhin kulturelle, politische und wirtschaftliche <a href="http://www.minsk.diplo.de/Vertretung/minsk/de/Startseite.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beziehungen</a> zu Weißrussland. Wie der Belarus-Experte Friedrich betont, gibt es in Weißrussland eine starke Zivilgesellschaft und eine Vielzahl qualifizierter Arbeitskräfte. Allerdings bedürfe es dringender Reformen, sowohl im Bildungssystem als auch in der Wirtschaft. Die Öffnung Weißrusslands gegenüber der EU würde das Land wirtschaftlich stärken und die Lebensstandards der Bevölkerung erhöhen. Dass das politische System für Andersdenkende verschlossen bleibt, liege unter anderem auch an der Mentalität der Machthaber.</p>
<h3>Zensur und Kontrolle im Internet</h3>
<p>Neue Weltanschauungen und Erwartungen entstehen dabei durch einen ständigen Informations- und Meinungsaustausch. Bekanntlich übernehmen die Medien diese Rolle. In Anbetracht der Tatsache, dass <a href="https://netzpolitik.org/2013/alarmierender-bericht-von-index-on-censorship-zu-meinungsfreiheit-und-uberwachung-des-internet-in-belarus/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">4,4 Millionen Weißrussen,</a> also knapp die Hälfte der Bevölkerung, Zugang zum Internet hat und die Zahl der Nutzer von Jahr zu Jahr wächst, stellt das Internet eine effektive Kommunikationsplattform dar. Allerdings hat die Regierung auch hier vorgesorgt.Vor zwei Jahren, am 6. Januar 2012, trat ein Gesetz in Kraft, das die Meinungsfreiheit im Internet massiv einschränkt. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass jede Person, die das Internet in einem öffentlichen Internet-Café oder über eine gemeinsame Leitung nutzt, sich ausweisen muss und dass die entsprechenden Surfprotokolle für ein Jahr gespeichert werden müssen, berichtet das Datenschutzportal <a href="https://www.unwatched.org/EDRigram_10.1_Weissrussland_uebt_starke_Internetzensur_aus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unwatched.org.</a><br />
Das Gesetz hatte zur Folge, dass wichtige Informationsträger, die in der Vergangenheit Verbrechen und Missstände des Regimes aufgedeckt hatten, aus dem Netz gegangen sind. Dazu gehören die Facebook-Gruppe „Verbrecher in Zivil gesucht“ und diverse Blogs von Regimekritikern. Die Internetprovider müssen für das Surfverhalten und die Aktivitäten ihrer Kunden Rechenschaft ablegen. Jedem Unternehmen, das seine Inhalte nicht auf weißrussischen Servern hostet, wird die Internetpräsenz verweigert, heißt es weiter auf der Website von unwatched.org. Rechtsträgern und Unternehmern, die gegen das Gesetz verstoßen, drohen Bußgelder.<br />
Denn die Provider sollen die Nutzung ausländischer Websites überwachen und den Behörden regelmäßig darüber berichten. Die staatliche Aufsichtsbehörde für Elektronische Kommunikation hat zudem eine Liste zu sperrender Seiten erstellt. „Websites wie die Nachrichtenseiten Charter97 und Belaruspartisan sowie der Blog des Humoristen Yauhen Lipkovich, die der Regierung oder dem Präsidenten kritisch gegenüber stehen, befinden sich bereits auf der Sperrliste“, heißt es auf unwatched.org. Mitarbeiter in öffentlichen Verwaltungen haben keinen Zugang zu diesen Seiten, vom privaten PC aus sind sie aktuell aber noch erreichbar.<br />
Nicht zuletzt aufgrund dieser Bestimmungen befindet sich Weißrussland nicht nur im Jahresbericht <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/docs/enemies_of_the_internet_2013_01.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Feinde des Internets“</a> der Organisation Reporter Ohne Grenzen (ROG) auf der Liste jener Staaten, die „unter Beobachtung“ stehen, sondern nimmt zudem im <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2013/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Index der Pressefreiheit 2013</a> Platz 157 von insgesamt 178 Ländern ein. Reporter ohne Grenzen bezeichnet die Lage im Land seit Jahren unverändert als „besorgniserregend“.<br />
Ob das Land sich irgendwann dem Westen öffnen wird? „Das weiß ich nicht“, sagt Denis Friedrich. „Aber es kann schneller kommen, als man denkt. Eine Modernisierung der weißrussischen Wirtschaft ist aber nur in Zusammenarbeit mit den Ländern der EU möglich.“<br />
2011 hatte Weißrussland vor einem <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-06/weissrussland-pleite" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Staatsbankrott</a> gestanden. Die Inflation war so stark angestiegen, dass der Euro rund 7.000 weißrussische Rubel wert war. Die Menschen protestierten auf den Straßen und zerrissen demonstrativ Rubelnoten. Belarus entkam dem finanziellen Aus nur dank eines <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/bankrott-abgewendet-klammes-weissrussland-erhaelt-millionenkredit/6008982.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">millionenschweren Kredits</a> der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die Beziehungen zu Russland sind jedoch seit einigen Monaten <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/916236.kein-happy-end-im-kali-krimi.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">angespannt.</a> Der Grund war die Verhaftung des russischen Oligarchen Wladislaw Baumgertner. Letzterer soll Weißrussland Verluste in Höhe von 100 Millionen Dollar beschert haben. Zwar wurde Baumgertner Ende November wieder freigelassen, doch die Situation zwischen den Bruderstaaten bleibt belastet. Ob die Verschlechterung der Beziehungen zu Russland jedoch eine Öffnung in Richtung Europa nach sich zieht, steht in den Sternen.<br />
Bild: (C) <a href="http://www.andreawong.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Andrea Wong</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
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		<title>&#8220;Wir kämpfen nicht um ein Stück Wurst, sondern um unsere Freiheit!&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christina Nick]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jul 2011 14:58:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
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		<category><![CDATA[Stephan Malerius]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="173" height="108" align="left" alt="Bild" title="Bild" src="/sites/politik-digital.de/files/weissrussland_flagge.jpg" />
Seit mehreren Wochen rufen Oppositionelle in Weißrussland über soziale Netzwerke zum Protest gegen Präsident Lukaschenko und sein Regime auf. politik-digital.de sprach mit Stephan Malerius, Leiter des <a target="_blank" href="http://www.kas.de/belarus/" rel="noopener noreferrer">Auslandsbüros Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung</a>, über Unzufriedenheit im Volk, Angst vor Polizeigewalt, die Rolle der EU und einen möglichen Umsturz des Regimes.
<p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" width="173" height="108" align="left" alt="Bild" title="Bild" src="/wp-content/uploads/weissrussland_flagge.jpg" /><br />
Seit mehreren Wochen rufen Oppositionelle in Weißrussland über soziale Netzwerke zum Protest gegen Präsident Lukaschenko und sein Regime auf. politik-digital.de sprach mit Stephan Malerius, Leiter des <a target="_blank" href="http://www.kas.de/belarus/" rel="noopener noreferrer">Auslandsbüros Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung</a>, über Unzufriedenheit im Volk, Angst vor Polizeigewalt, die Rolle der EU und einen möglichen Umsturz des Regimes.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Seit Anfang Juni treffen sich regelmäßig Demonstranten  in Minsk, um gegen den „<a target="_blank" href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Internet-Revolutionaere-sagen-Lukaschenko-den-Kampf-an-1273724.html" rel="noopener noreferrer">letzten Diktator Europas</a>“  Alexander Lukaschenko zu protestieren. Doch man sieht keine Banner oder hört laute Parolen, lediglich gemeinsames Klatschen unterbricht von Zeit zu Zeit die Stille der Demonstrationen. Die Polizei jedoch reagiert auf diese friedlichen Zusammenkünfte mit härtester Gewalt. Ordnungshüter in Zivil nehmen Oppositionelle, Journalisten aber auch zufällige Passanten fest und pferchen sie in Einsatzwagen, die sie zur nächsten Polizeistation bringen. Dies geschieht oftmals unter Einsatz von Knüppeln und Tränengas. Allein bei den Protesten am 3. Juli, anlässlich des Tages der Unabhängigkeit Weißrusslands, die sich zum zwanzigsten Mal jährte, wurden knapp 400 Menschen festgenommen und zum Teil zu mehrtägigen Haftstrafen verurteilt. Bis zu 15 Tage Gefängnis stehen auf „Randale“ in der Republik Belarus.  Die Menschenrechtsorganisation <a target="_blank" href="http://www.amnesty.de/2011/7/5/schlaege-traenengas-und-festnahmen-bei-demonstrationen-belarus?destination=startseite" rel="noopener noreferrer">Amnesty Internationa</a>l erklärte auf ihrer Internetseite: &quot;Friedliche Demonstranten dürfen nicht festgenommen werden, Sicherheitskräfte dürfen keine übermäßige Gewalt gegen Protestierende anwenden.“ Und ihr Experte für Europa und Zentralasien John Dalhuisen forderte die „unverzügliche Freilassung“ aller sich noch in Haft befindlichen Demonstranten. Dass diesen Forderungen nachgekommen wird, ist unwahrscheinlich. Lukaschenko ließ nach Angaben der <a target="_blank" href="http://www.themoscowtimes.com/news/article/moscow-warns-minsk-about-barriers/439111.html" rel="noopener noreferrer">Moscow Times</a> verlauten, dass die Regierung „jede zukünftige Protestbewegung nicht nur als Angriff auf die Autoritäten, sondern auch als Angriff auf das Volk ansehen“ werde.
</p>
<p>
Um den Demonstranten die Angst vor möglicher Gewalt und Inhaftierung zu nehmen, riefen die Initiatoren der Proteste am vergangenen Mittwoch dazu auf, sich in den Hauseingängen der Wohnblöcke zu sammeln. Zum einen sei es für die Polizei schwieriger, dezentral organisierte Proteste niederzuschlagen und zum anderen sollten die Bürger sich bewusst werden, dass es in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Menschen gibt, die ebenso denken wie sie und mit denen sie sich zusammenschließen können, erklärte der Leiter des Auslandsbüros Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung in Wilna Stephan Malerius im Interview mit politik-digital.de. Die Anonymität in den Wohnsiedlungen solle abgebaut werden, um das „Moment der Selbstorganisation zu stärken“.
</p>
<p>
Die Organisation der Demonstrationen läuft weitgehend über soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook oder das russische Pendant Vkontakte. Die Revolutionäre, die sich, ähnlich wie in der arabischen Welt, im Internet zusammenfinden, erklären auf der Seite ihrer Gruppe „Bewegung Zukunft Belarus – Revolution über das soziale Netzwerk“: „Wir kämpfen nicht um ein Stück Wurst, sondern um unsere Freiheit!“ Laut <a target="_blank" href="http://www.internetworldstats.com/europa2.htm#by" rel="noopener noreferrer">Internet World Stats</a> befindet sich knapp die Hälfte der 9,5 Millionen Weißrussen im Internet, somit ist die Grundvoraussetzung gegeben, um möglichst viele Bürger auf diesem Wege zu erreichen. Momentan seien vor allem junge Internet-Nutzer beteiligt, bestätigte Stephan Malerius. Allerdings würde die Botschaft von diesen dann per Mund-zu-Mund Propaganda auch an solche Bekannte und Familienangehörige weitergeleitet, die das Internet nicht nutzen.
</p>
<p>
Oppositionelle die ins benachbarte Litauen fliehen, um von dort aus über das Internet die Organisation der Protestbewegung zu unterstützen, können in Seminaren, beispielsweise im weißrussischen Menschenrechtshaus, lernen, wie sie es vermeiden, im Internet Spuren zu hinterlassen. Einer von ihnen ist Juri Aleinik. Im vergangenen Jahr war er Leiter des Wahlkampfbüros des Oppositionskandidaten Wladimir Nekljajew. Heute operiert er von Litauen aus, und sein Laptop sei dabei seine wichtigste Waffe, sagte er im Interview mit der <a target="_blank" href="http://www.sueddeutsche.de/politik/weissrussland-opposition-im-exil-mit-skype-gegen-den-alleinherrscher-1.1110898" rel="noopener noreferrer">Süddeutschen Zeitung</a>. „Mit Hilfe des Internet, Skype und sozialen Netzwerken wie Facebook ist es leicht, den Kontakt mit Aktivisten in ganz Weißrussland zu halten. Wir planen gerade Protestaktionen auf den Straßen und die Koordination läuft nur online.“
</p>
<p>
Die Gefahren die das Internet für den seit 17 Jahren regierenden Präsidenten Lukaschenko darstellt, hat dieser längst erkannt und ließ bereits zum Zeitpunkt seiner umstrittenen Wiederwahl am 19. Dezember 2010 den Zugang zu sozialen Netzwerken sperren. Amnesty International berichtet, dass auch in den vergangenen Wochen Twitter und Facebook zeitweise gesperrt worden seien, um es den Oppositionellen zu erschweren, miteinander in Kontakt zu treten und neue Zusammenkünfte zu planen. Lukaschenko verkündete, dass Außenstehende falsche Informationen über den „Müll namens Internet“ versendeten und dass die aufkommende Panik in seinem Land größtenteils das Werk von Journalisten und Medien sei. Nach Angaben des <a target="_blank" href="http://www.freedomhouse.org/images/File/FotN/Belarus2011.pdf" rel="noopener noreferrer">Freedom on the Net Index 2011</a> und des <a target="_blank" href="http://www.freedomhouse.org/uploads/pfs/371.pdf" rel="noopener noreferrer">Press Freedom Index 2010</a> steht Weißrussland auf Platz 189 einer internationalen Rangliste der Pressefreiheit, und hat damit die fünft schlechteste Position im weltweiten Vergleich. Informations- und Pressefreiheit seien zwar offiziell in der Verfassung festgeschrieben, blieben aber in der Realität äußerst beschränkt. Das Internet stehe unter weitreichender Zensur durch den Staat. Viele Web 2.0-Applikationen seien blockiert und sowohl Journalisten als auch  regimekritische Blogger würden regelmäßig von der Polizei inhaftiert.
</p>
<p>
Trotz aller Versuche seitens des Regimes sind die Protestaktionen der letzten anderthalb Monate aber konstant geblieben und konnten überdies einen starken Anstieg an Teilnehmern verzeichnen. Stephan Malerius erklärte, dass die Teilnehmerzahlen sich in den vergangenen zweieinhalb Wochen auf einem hohen Niveau von 2000 bis 3000 Menschen allein in der Hauptstadt Minsk eingependelt hätten. Dies sei vor allem deshalb erstaunlich, da in der Sommerpause normalerweise gesellschaftlich nicht viel passiere. Das trotz Urlaubs- und Semesterferienzeit eine solche Resonanz auf den Aufruf zum Protest zustande käme, sei bemerkenswert. Ebenfalls neu sei das Phänomen, dass es auch Proteste außerhalb der Wahlzyklen gebe. Zu derartigen Demonstrationen sei es bisher nur zu den Präsidentschaftswahlen 2006 und 2010 gekommen. Der Leiter des Auslandsbüros Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung sieht dies als Zeichen für die große „Unzufriedenheit  innerhalb der Bevölkerung mit dem Regime“.
</p>
<p>
Dass es gerade jetzt vermehrt zu Unruhen kommt, ist hauptsächlich mit der ökonomischen Lage Weißrusslands zu erklären. Das Land befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise. Der Rubel hat eine Inflationsrate von über 30 Prozent,  Arbeiter streiken und die Revolutionäre rufen, nach Angaben von <a target="_blank" href="http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/675733/Weissrusslands-Regimegegner-wollen-WirtschaftsJihad-?from=suche.intern.portal" rel="noopener noreferrer">Die Presse</a> aus Österreich, zum „wirtschaftlichen Jihad“ auf. Einheimische Waren sollen boykottiert und Geld von den Banken abgehoben werden, um so den endgültigen Zusammenbruch der Wirtschaft herbeizuführen. Die Regierung hofft vor allem auf einen Kredit aus Russland, das die Unterstützung aber ablehnt. Lukaschenko gibt sich derweil unbeeindruckt und verkündete: „Wir werden die Situation in einigen Monaten überwinden, auch ohne die Kredite, die wir uns sichern konnten. Glaubt mir, wir werden es schaffen.“
</p>
<p>
Die Reaktion der EU auf die Menschenrechtsprobleme in Weißrussland sei bis dato eher unbefriedigend gewesen, sagte Stephan Malerius. Brüssel „hat viele Chancen gehabt und viele Chancen versäumt.“ Die eingeführten Wirtschaftssanktionen und Waffenembargos seien zwar adäquate Mittel gewesen, aber was bislang fehle, sei ein Instrument, um die demokratischen Bewegungen „wirkungsvoll und vor allem flexibel zu unterstützen“. Dies sei in den nächsten Wochen eine wichtige Aufgabe der Staatengemeinschaft und der nationalen Regierungen. Auch Aktivisten üben Kritik am Verhalten der EU-Mitgliedsstaaten. Vadim Vileita, Mitarbeiter des Programmes „Visa-Free Belarus“ in Litauen, <a target="_blank" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1493781/" rel="noopener noreferrer">beanstandete</a>, dass es die größte Herausforderung für die Projekte sei, Einreisegenehmigungen für weißrussische Teilnehmer zu erhalten. Wenn dies nicht gelinge, sei das nicht die Schuld der Diktatur in Minsk, sondern die der Bürokratie in den EU-Ländern.
</p>
<p>
Sollten die Proteste aller Schwierigkeiten zum Trotz den Sommer über andauern und im Herbst eine breite Bevölkerungsschicht erfasst haben, so dass eine kritische Masse mobilisiert werden kann, könnte dies zu einen Umsturz des Lukaschenko-Regimes führen. Die Indikatoren für einen Umbruch, so Malerius, seien jedenfalls gegeben, man müsse mit einem Regimewechsel rechnen.</p>
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		<title>Weißrussland plant Registrierung für Online-Inhalte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Apr 2007 12:27:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Blogger in Weißrussland haben kein einfaches Leben. Wie wir <a href="http://www.politik-digital.de/metablocker/archives/1235-Weissrussland-Blogger-kaufen-politischen-Gefangenen-frei.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichteten</a>, haben es Weblog-Auroren zwar geschafft, durch einen Online-Aufruf Geld zu sammeln und die Kaution für den Demonstranten Dzianis Dzianisau zu stellen. Die Regierung derweil plant eine Registrierungspflicht für Webseiten und Blogs.
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Blogger in Weißrussland haben kein einfaches Leben. Wie wir <a href="http://www.politik-digital.de/metablocker/archives/1235-Weissrussland-Blogger-kaufen-politischen-Gefangenen-frei.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichteten</a>, haben es Weblog-Auroren zwar geschafft, durch einen Online-Aufruf Geld zu sammeln und die Kaution für den Demonstranten Dzianis Dzianisau zu stellen. Die Regierung derweil plant eine Registrierungspflicht für Webseiten und Blogs.</p>
<p><!--break--><br />
Das &#8220;Gesetz über Information, Informationstechnologie und den Schutz von Information&#8221; sieht vor, dass sich alle Medien, also auch Online-Publikationen, zentral registrieren lassen. Ob diese Registrierung verpflichtend oder lediglich &#8220;empfohlen&#8221; sein wird, ist noch nicht klar. Die Organisation <a href="http://www.rsf.org/article.php3?id_article=21807" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reporter ohne Grenzen </a>(ROG) fürchtet, dass sich durch das Gesetz der Druck auf unabhängige Online-Publikationen und Blogs erhöhe. Angst vor Sanktionen könne zu einer stärkeren Selbstzensur der Journalisten und Blogger führen.<br />
Weißrussland steht auf der von ROG aufgestellten Liste der &#8220;13 Feinde des Internets&#8221;, die Regierung übt eine starke Kontrolle über den Informationsfluss im Land aus. Verhaftungen von Autoren regimekritischer Schriften machen häufiger <a href="http://futurezone.orf.at/it/stories/187714/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schlagzeilen</a>, wie etwa die Festnahme Andrej Kilmaus. Der Schriftseller und politische Aktivist ist wegen &#8220;Aufrufs zum Umsturz der Regierungsform&#8221; angeklagt, da er einen kritischen Artikel im Internet veröffentlich hat.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Alle interessieren sich für das Internet &#8211; Besonders die Diktatoren</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-jpain_internetzensur060914-shtml-2386/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jpain]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Sep 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Gefängniswärter des Internets]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gefängniswärter des Internets<!--break--><br />
                            <strong>Das Internet hat die Medien weltweit revolutioniert. Private Webseiten, Blogs und Diskussionsgruppen verschaffen Menschen eine Stimme, die vormals Informationen lediglich passiv konsumiert haben. Die globale Vernetzung hat damit viele Zeitungsleser und Fernsehzuschauer zu ziemlich erfolgreichen Journalisten gemacht.</strong></p>
<p>Diktatoren stehen dieser explosionsartigen Vermehrung von Online-Informationen machtlos gegenüber, könnte man jedenfalls meinen. Denn wie sollten sie imstande sein, die E-Mails von 130 Millionen chinesischen Internetnutzern zu überwachen oder die Botschaften von 70 000 iranischen Bloggern zu zensieren? Doch leider zeigen sich die Feinde des Internets entschlossen und im Stande, genau dies zu tun. Die chinesische Regierung hat als erstes repressives Regime erkannt, dass das Internet ein außerordentliches Instrument der freien Meinungsäußerung darstellt und entsprechend schnell reagiert. Inzwischen verfügt die Regierung in Peking über das Geld und das Personal, um den E-Mail-Verkehr auszuspionieren und „staatsfeindliche&#8221; Webseiten zu zensieren. Das Regime beweist also, dass man das Internet ebenso kontrollieren kann wie die traditionellen Medien. Man braucht nur die richtige Technologie, und schon hat man die ersten „Internet-Dissidenten&#8221; herausgefischt.</p>
<p>Das chinesische Modell ist und war sehr erfolgreich. Das Regime konnte die Mehrzahl der Internetnutzer davon abbringen, sich offen über politische Themen zu äußern. Und wenn sie es doch tun, halten sie sich an die offizielle Linie. In den letzten zwei Jahren haben sich die Prioritäten der Regierung jedoch verschoben. Vordringlicher als die Überwachung abweichender Meinungen im Internet ist inzwischen das Bemühen, auf die Proteste und Unruhen in der Bevölkerung zu reagieren.</p>
<p>Das Internet ist zum Resonanzboden für die Unmutsäußerungen geworden, die in den meisten chinesischen Provinzen laut werden. Demonstrationen und Proteste gegen Korruptionsskandale, die es früher nur in einigen Städten gab, haben sich mittels Internet über das ganze Land ausgebreitet. Die Regierung hat 2005 versucht, der rasanten Verbreitung von regimekritischem Gedankengut über das Internet entgegenzuwirken. So hat sie die Gesetze verschärft und einen strengen Verhaltenskodex vorgelegt, den man auch „die zehn Gebote&#8221; für chinesische Internetnutzer nennen könnte und der vor allem auf die Herausgeber von Online-Diensten zielt. Diese Sammlung von strengen Regeln zielt vor allem auf die Herausgeber von Online-Diensten.</p>
<p>Was die Überwachung und die Zensur des Internets betrifft, so agiert das Regime fantasievoll und erfolgreich. Und leider haben andere Regierungen begonnen, von den Chinesen zu lernen.</p>
<p>
                              <strong>Die Gefängniswärter des Internets</strong>
                            </p>
<p>All die altbekannten „Feinde der Pressefreiheit&#8221; zensieren mittlerweile ebenfalls das Internet: Weißrussland, Birma, Kuba, der Iran, Libyen, die Malediven, Nepal, Nordkorea, Saudi-Arabien, Syrien, Tunesien, Turkmenistan, Usbekistan und Vietnam. 2003 kamen Internet-Dissidenten nur in China, in Vietnam und auf den Malediven ins Gefängnis. Heute ist das in mehr Ländern der Fall. Im Iran wurden seit September 2004 zahlreiche Blogger und Internet-Journalisten ins Gefängnis geworfen. Mojtaba Saminejad zum Beispiel ist seit Februar 2005 inhaftiert, weil er Material versandt hat, das angeblich den Islam beleidigt. In Libyen wurde der ehemalige Buchhändler Abdel Razak al-Mansouri zu 18 Monaten Haft verurteilt, weil er sich im Internet über den Präsidenten Gaddafi lustig gemacht hatte. In Syrien wurden zwei Internetnutzer verhaftet und gefoltert; der eine hatte Fotos von einer pro-kurdischen Demonstration in Damaskus über das Internet versandt, der andere hatte lediglich einen Newsletter weitergeleitet, den das Regime als illegal betrachtete.</p>
<p>In Tunesien sitzt ein Rechtsanwalt seit März 2005 im Gefängnis, weil er in einem Internet-Newsletter die Korruption im Staate kritisiert hatte. Als im November 2005 in Tunis eine UN-Konferenz über die Zukunft des Internets stattfand, saß dieser Menschenrechtsaktivist mehrere hundert Kilometern von seiner Familie entfernt in einer Gefängniszelle &#8211; eine düstere Warnung an die Internetnutzer in aller Welt.</p>
<p>Die Internet-Zensur greift immer weiter um sich und findet heute in allen fünf Kontinenten statt. In Kuba, wo der Kauf eines Computers nur mit Zustimmung der herrschenden Partei möglich ist, werden alle dem Regime nicht genehmen Webseiten weggefiltert. Im Nahen und Mittleren Osten und in Nordafrika hat sich die Situation verschärft. Seit November 2005 zensiert Marokko alle politischen Webseiten, die für die Unabhängigkeit der Westsahara eintreten. Im Iran wird die Liste der verbotenen Seiten von Jahr zu Jahr länger; sie umfasst mittlerweile alle Publikationen, in denen von Frauenrechten die Rede ist. Die chinesischen Behörden können heute Texte von Bloggern automatisch zensieren, dabei werden Wörter wie „Demokratie“ und „Menschenrechte“ einfach gelöscht.</p>
<p>Einige Länder Asiens gehen offenbar noch weiter als ihr „Big Brother&#8221; in Peking. Birma verfügt über eine raffinierte Technologie zum Filtern des Internets. Alle birmesischen Internetcafés überwachen ihre Kunden, indem sie alle fünf Minuten automatisch aufzeichnen, was sich auf dem Bildschirm befindet.</p>
<p>
                              <strong>Westliche Unternehmen als Komplizen</strong>
                            </p>
<p>Aber wie konnten sich all diese Länder die nötigen Kenntnisse verschaffen? Haben Birma und Tunesien ihre eigene Software entwickelt? Nein. Sie erwarben die Technologie von ausländischen, zumeist US-amerikanischen Firmen. So verkaufte die Firma Secure Computing der tunesischen Regierung ein Programm, mit dem sie das Internet zensiert, darunter auch die Webseite von Reporter ohne Grenzen. Ein weiteres US-Unternehmen, Cisco Systems, baute den Chinesen ihre Internet-Infrastruktur auf und verkaufte ihnen zugleich die Spezialausstattung, mit der das Zensursystem der Polizei betrieben wird. Im September 2005 fand Reporter ohne Grenzen heraus, dass das US-Unternehmen Yahoo der chinesischen Polizei Informationen zur Verfügung gestellt hat, die dem Internet-Dissidenten Shi Tao eine zehnjährige Gefängnisstrafe einbrachten.</p>
<p>Inzwischen gibt China seine Fähigkeiten zur Internetüberwachung an andere Feinde des Internets weiter, zum Beispiel an Simbabwe und Kuba und neuerdings auch an Weißrussland. Diese Länder werden in wenigen Jahren für die Kontrolle des Internets wahrscheinlich nicht mehr auf westliche Hilfe angewiesen sein.</p>
<p>Die Verantwortung für die Zukunft des Internets tragen allerdings nicht nur die privaten Unternehmen, sondern auch die demokratischen Regierungen. Doch viele Staaten, die in der Regel die Freiheit des Internets respektieren, setzen sich nicht etwa für diese Freiheit ein, sondern wollen selbst eine unangemessene Kontrolle ausüben. Häufig haben sie dafür gute Gründe – etwa den Kampf gegen den Terrorismus, gegen Kinderpornographie und Internet-Verbrechen – doch dieser Überwachungsdrang bedroht zugleich das Recht auf freie Meinungsäußerung.</p>
<p>In dieser Hinsicht sind auch die Richtlinien zur Vorratsdatenspeicherung beunruhigend, die von den Europäischen Union im Februar verabschiedet wurden (wobei sie freilich in keiner Weise mit den strengen Restriktionen in China vergleichbar sind). Eine dieser Regeln, die den Internet Service Providern (ISPs) die Auflage macht, die Protokolle der Online-Aktivitäten ihrer Kunden für eine festgelegte Zeit zu speichern, wird das Recht der Verbraucher auf Schutz ihrer Privatsphäre ernsthaft aushöhlen. Sie wird derzeit in Brüssel erneut diskutiert.</p>
<p>Auch die Vereinigten Staaten sind im Hinblick auf die Kontrolle des Internets alles andere als vorbildlich. Durch Lockerungen gesetzlicher Regelungen zur Überwachung des Online-Verkehrs und filtern des Internets in öffentlichen Bibliotheken senden sie eine sehr zwiespältige Botschaft an die internationale Gemeinschaft.<br />
                            </p>
<p>
                              <strong>Der Autor Julien Pain ist Internetexperte der Organisation<br />
                              <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Reporter ohne Grenzen&#8221;</a> in Paris.</strong>
                            </p></p>
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